Vergangenheit und Gegenwart der Ritterorden = Ordines Militares - Colloquia Torunensia Historica 11

Vergangenheit und Gegenwart 
der Ritterorden 
Die Rezeption der Idee 
und die Wirklichkeit 


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RSYTET MIKOlAJA KOPERNIKA
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Universitas Nicolai Copernici 
Ordines militares 
Colloquia Torunensia Historica 
XI 


Vergangenheit und Gegenwart der Ritterorden 
Die Rezeption der Idee und die Wirklichkeit 


herausgegeben von I Zenon Hubert Nowak I 
unter Mitarbeit von Roman Czaja 


Torun 2001 


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Projekt okladki 
Slawomir Janiak 


Redaktor 
Miroslawa Szpreng/ewska 


ISSN 0867-2008 


0 Copyright by Wydawnictwo Uniwersytetu Mikolaja Kopernika 
Torun 2001 


Titelbild: Gefallene Kreuzritter am Tag des Jüngsten Gerichts im Gefolge Christi. 
Aus der Handschrift Anfang des 14. Jahrhunderts, British Museum Library, London. 


Wydawnictwo Uniwersytetu Mikolaja Kopernika 
87-100 Torun, ul. Gagarina I I 
REDAKCJA: tel. (056) 61 I 4295, fax 654 29 48 
PROMOCJA I REKLAMA: tel.lfax (056) 61 14298 
e-mail: ksiazki@cc.uni.torun.pl 
www.uni.torun.pllwyd 
Wydanie pierwsze. Naklad 500 egz. 
Sklad i lamanie: ELEK, Torufl, tel. (056) 660 23 56 
Druk: Zaklad Poligraficzno-Wydawniczy POZKAL 
Inowroclaw, ul. Cegielna 10/12, tel. (052) 35 42 700
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Inhalt 


Vorwort....................................................... ................................................... 5 
Zenon Hubert Nowak (Torun) - Zehn Konferenzen Ordines militares- 
-Colloquia Torunensia Historica 1981-1999 ........................................... 7 
Mar;e-Lu;se Favreau-Li/ie (Berlin) - Vorstellung und Realität. Die Ritter- 
orden in den Kreuzfahrerstaaten ......,...........................................,.........,.. II 
Udo Arno/d (Bonn) - Der Deutsche Orden im deutschen Bewußtsein des 
20. Jahrhunderts ..... ........ ........ ........ ................ .................. ....................... 39 
Jerzy Serczyk (Torun) - Die Wandlungen des Bildes vom Deutschen Orden 
als politischer, ideologischer und gesellschaftlicher Faktor im polnischen 
Identitäts bewußtsein des 19. und 20. Jahrhunderts .............,..................... 55 
Mar;an Dygo (Warszawa) - Der Deutsche Orden und die "reine Form" von 
Stanislaw Ignacy W itkiewicz ....... ..... ........ ............................................... 65 
Bernhard Deme/ OT (Wien) - Der Deutsche Orden seit 1525 - neue Aufga- 
ben im Reich, in Österreich-Ungarn und seit 1929 ................................... 71 
A/vydas N;kienta;t;s (Vilnius) - Das Bild des Deutschen Ordens in der litaui- 
schen Geschichtsschreibung und Publizistik .....,....................................... 115 
Vera Matusova (Moskau) - Zur Rezeption des Deutschen Ordens in Rußland 133 
Tore Nyberg (Odense) - Die nova mi/it;a Birgittas von Schweden und ihr 
Nachfolgeorden ............................................. ................................. ......... 145 
John 11 Lind (Odense) - The Order of the Sword-Brothers and Finland. 
Sources and traditions .................. ....... .......................... ........................... 159 
Jürgen Sarnowsky (Hamburg) - Die mittelalterliche Ballei Brandenburg der 
Johanniter: Rezeption und Wirklichkeit ................................................... 165 
Libor Jan (Brno) - Die Johanniter in Böhmen: Bild des Lebens .................... 183 
E/izabeth S;berry (London) - Images and Perceptions of the Military Orders 
in Nineteenth Century Britain .................................................................. 197 
Chr;stoph Dette (Hamburg) - Zur Rezeptionsgeschichte der Templer seit 
dem 18. Jahrhundert ........................................................,....................... 211 
Ludw;g Vones (Köln) - Die Ritterorden in Spanien: Betrachtungen zum 
Thema Rezeption und Wirklichkeit .......................................................... 229 
Mar;an Arszynsk; (Torun) - Das Bild aus dem Gerichtssaal des Rathauses in 
Kulm (Chelmno). Eine Randnote zum Problem der neuzeitlichen Rezeption 
und Instrumentalisierung der mittelalterlichen Landesgeschichte in König- 
I ich Preußen ............................................................................................ 249
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Vorwort 


Der vorliegende Band stellt die Ergebnisse der zehnten Konferenz aus 
dem Zyklus "Ordines militares - Colloquia Torunensia Historica" zusam- 
men, die am 24.-26, September 1999 in Torun (Thorn) stattgefunden hat. 
Diese Tagung wurde - wie alle vorhergegangenen - vom Institut für Ge- 
schichte und Archivwissenschaft der Nicolaus-Copernicus-Universität ver- 
anstaltet. 
Die Tagungsthematik knüpfte an die Probleme der Rezeptionsgeschich- 
te der Moderne und der Imagination historischer Wirklichkeit an, die in der 
europäischen Geschichtswissenschaft in den letzten Jahren ein zunehmen- 
des Interesse gewinnen. Indessen betreffen die fünfzehn vorliegenden Bei- 
träge ein breites Spektrum der auf die Rezeptionsgeschichte der Ritterorden 
bezogenen Fragestellung. Hierbei waren sowohl die drei großen Ritterorden 
Johanniter, Templer und Deutscher Orden wie auch spanische Ritterorden, 
der livländische Schwertbrüderorden und sowie der Ritterorden der heili- 
gen Birgitta von Schweden von Interesse. Es wurden die Probleme der Re- 
zeption der "mittelalterlichen Wirklichkeit" der Ritterorden und der Ritter- 
ordensidee vom Mittelalter bis in Moderne, wie auch der Einfluss der Rit- 
terorden auf die Mentalität des modernen Menschen betrachtet. Besonders 
große Aufmerksamkeit nimmt die Rezeption der Geschichte des Deutschen 
Ordens und sein Bild im historischen Bewußtsein in Polen, Deutschland, 
Litauen und Rußland in Anspruch. Gewiss stellt der vorliegende Band kei- 
ne erschöpfende Bearbeitung der Problematik der Rezeption der Ritteror- 
den dar, doch hat er sein Ziel erreicht, wenn die veröffentlichten Beiträge 
neuen Stoff für die Forschung über die Historiographie und Imaginationen 
historischer Wirklichkeit liefert und neue Impulse für die Erforschung der 
Ritterorden gibt. 
Während der Vorbereitung der Konferenzbeiträge zum Druck ist am 3. 
Dezember 1999 Professor Zenon Hubert Nowak völlig unerwartet gestor- 
ben. Die Ritterordenforschung hat durch seinen Tod einen großen Verlust 
erlitten. Professor Nowak war nicht nur Gründer des Konferenzzyklus "Ordi- 
nes militares" und Veranstalter der zehn vergangenen Tagungen, dank sei- 
nem wissenschaftlichen und organisatorischen Engagement haben die Thor- 
ner Treffen der Ritterordenshistoriker einen festen Platz im mediävisti- 
schen Milieu gefunden. Er wird uns und unseren Gästen als verdienstvoller 


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Forscher, scharfsinniger und temperamentvoller Diskutant sowie hilfsberei- 
ter und umgänglicher Kollege stets in guter Erinnerung bleiben. 
Abschließend möchte ich mich beim Universitätsverlag für den Druck 
des Bandes und bei der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit für 
die finanzielle Unterstützung der Tagung sehr bedanken. Ein besonders 
herzlicher Dank gebührt Herrn Prof. Dr. Udo Arnold und Herrn Prof. Dr. 
Jürgen Sarnowsky für die sprachliche Revision der Texte. 


Roman Czaja 


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ORDlNES MILIT ARES - COLLOQUlA TORUNENSIA HISTORICA XI - 200] 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Zenon Hubert Nowak (Toruit) 


Zehn Konferenzen "Ordines militares - 
Colloquia Torunensia Historica 1981-1999" 


Die heutige zehnte Konferenz gibt einen Anlaß zu einem kleinen Jubi- 
läum. Wir treffen uns, mindest einige von uns, in Thorn schon seit 18 Jah- 
ren. Das ist schon beinahe eine ganze Generation. In dieser Zeit hat sich in 
Europa viel verändert, vor allem leben wir schon in einer ganz anderen 
Welt. Wir haben auch ganz andere politische und wirtschaftliche Möglich- 
keiten als vor 18 Jahren. Die Zeit läuft so schnell vorbei, daß die Ursachen 
der Begründung der Konferenzen Ordines militares in die Vergessenheit 
geraten, mindestens aber verwischt werden, 
Die Konferenzen Ordines militares sind aus den Schulbuchkonferenzen 
der Historiker in Rahmen der Vereinbarung der Unesco-Kommissionen der 
Bundesrepublik Deutschland und der damaligen Volksrepublik Polen er- 
wachsen. Eigentlich aber aus der Schulbuchkonferenz für die Geschichte 
des Deutschen Ordens in den Schulbüchern beider Ländern, die in Thorn 
am 20. bis 22. September 1974 getagt hat. Diese Schulbuchkonferenzen 
sind eine Folge des Tauwetters der Gierek-Zeit, nach der Unterzeichnung 
des Warschauer Vertrages 1970. In den Schulbuchgesprächen war zu dieser 
Zeit die Rolle des Deutschen Ordens in der Geschichte Polens und Ost- 
mitteleuropas aus politischen Gründen exponiert. Die Rolle des Deutschen 
Ordens in der Geschichte Polens hat man neben dem polnisch-deutschen 
Verhältnis während des Zweiten Weltkrieges in den Gesprächen der dama- 
ligen Zeit als ein besonders heikles Problem betrachtet. Die Thorner Konfe- 
renz 1974 wurde mit Spannung erwartet. Hartmut Boockmann hat in seinen 
Erinnerungen noch einen anderen Aspekt erwähnt: "Ich konnte ja nicht 
ganz sicher sein, wie man mich als deutschen Historiker hier aufnehmen 
würde. Auf der anderen Seite war ich an derselben Sache interessiert wie 


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die Thorner Kollegen. an der Geschichte des alten Preußen". Es hat sich 
dann auch tatsächlich erwiesen, daß die Forscher beider Nationen auf der 
wissenschaftlichen Ebene schnell eine gemeinsame Sprache gefunden ha- 
ben. Es zeigte sich bald, daß man als wichtigste Vorb(:dingung für die wei- 
tere Erforschung der Geschichte des Deutschen Ordens die Abkehr von den 
Stereotypen und emotionellen Vorurteilen betrachten sollte. Denn gerade 
ihre Auswirkungen haben die bisherige Auffassung der Geschichte des 
Deutschen Ordens weitgehend verzerrt, besonders in den Schulbüchern und 
in der populärwissenschaftlichen Literatur. 
Die Idee der Einrichtung einer regelmässigen Konferenz zur Geschichte 
der Ritterorden wurde 1980 im Institut der Geschichte und Archivwissen- 
schaften der Nicolaus Copernicus Universität geboren. Im Hinblick auf den 
bisherigen Entwicklungsweg des Institutes war das ein folgerichtiges Er- 
eignis. Denn seit 1945, dank des Schaffens von Professor Karol G6rski, hat 
sich dieses Institut zum Zentrum der polnischen Deutschordensforschung 
entwickelt. Wobei man aber nicht übersehen sollte, daß das gesamte wis- 
senschaftliche Potential des Thorner historischen Milieus durch die Ver- 
bindung der Leistungsfähigkeit zweier Institionen entstanden ist - des 
Universitätsinstitutes und der hiesigen Arbeitsstelle des Instituts für Ge- 
schichte der Polnischen Akademie der Wissenschaft. Dieses Gesamtpoten- 
tial bildete die Grundlage aller Erfolge, auch der erfolgreichen Entwicklung 
der Idee unserer Konferenzen. 
Diese Thorner Konferenzen sollten auf breiter vergleichender Ebene die 
Geschichte aller Ritterorden, besonders die Geschichte des Deutschen Or- 
dens als einer geistigen Institution in europäischer Dimension zeigen. Das 
bedeutete nicht, daß man von einer Darstellung der Rolle des Deutschor- 
densstaates in Nord- und Ostmitteleuropa Abstand nehmen wollte. 
Die Einberufung dieser - was man besonders betonen muß - regel- 
mäßigen Konferenzen hat zur Bildung eines Diskussionsforums für Spezia- 
listen geführt, welches die Darstellung ihrer neuesten Forschungsergebnisse 
ermöglicht. Darüber hinaus aber sollten diese Zusammenkünfte eine gute 
Gelegenheit für die Absteckung neuer Gebiete der Forschung bieten. Es 
scheint mir, daß man jetzt nach neun Konferenzen und vor der heutigen, 
zehnten Konferenz, also nach 18 Jahren, von einem gelungenen Unterneh- 
men sprechen darf. Die erste, im Jahre 198 I einberufene Konferenz, war 
noch ein sehr bescheidenes Unternehmen, nicht aus wissenschaftlichen 
Gründen, sondern wegen der politischen Umstände. Sie fand Ende Juni 
statt, in der angespannten Zeit der Entwicklung der "Solidarnosc" - Be- 
wegung und im Schatten der zukunftsträchtigen Bromberger Ereignisse. 
Nur einige ausländische Kollegen haben den Mut aufgebracht nach Thorn 
zu kommen - Udo Arnold, Tore Nyberg und Heinz-Dietrich Kahl. Mit der 
Zeit aber wuchs die Zahl der ausländischen Teilnehmer der Konferenzen. 
Sie wurden von Historikern aus 15 Ländern besucht - vor allem aus 


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Deutschland und Polen, Dänemark und Schweden, England und Holland, 
Tschechoslowakei/Tschechischen Republik und Österreich. Mit der Zeit 
haben dann die Forscher aus den Baltischen Ländern und Weißrußland, 
Rußland und der Ukraine, sogar aus Japan, die Zahl der teilnehmenden Na- 
tionen noch vergrößert. Zur Ergänzung dieser Statistik sollte man noch hin- 
zufügen, dass bisher 109 Referate gehalten wurden. Dabei kann man auch 
unterstreichen, dass an diesen Konferenzen nicht nur renommierte Forscher, 
sondern auch junge Nachwuchswissenschaftler teilnehmen können, was ich 
als einen besonderen Vorteil dieser Veranstaltungen ansehe. 
Von der Thematik der Konferenzen möchte ich hier nichts sagen, aber 
ich meine, daß sie meistens zentrale und aktuelle Probleme behandelt ha- 
ben. Die diesjährige Konferenz beendet eine Etappe in der bisherigen Ge- 
schichte der Ordines militares-Colloquia Torunensia Historica, und des- 
halb habe ich das Thema für unsere Tagung ganz bewußt gewählt. Neben 
der Bedeutung für die Geschichte der Ritterorden bildet dieses Thema eine 
Klammer, die die erste Entwicklungsstufe - wie ich hoffe - der Konfe- 
renzen Ordines militares beschließt und zugleich uns der Idee dieser Kon- 
ferenzen näher bringt. 
Die Visitenkarten der Konferenzen sind die Tagungsbände mit dem Ti- 
telbild: "Gefallene Kreuzritter am Tag des Jüngsten Gerichts im Gefolge 
Christi", die regelmässig, dank der Mühe der Redaktorinnen des Universi- 
tätsverlags, im Druck erscheinen. Das ist auch ein großer Vorteil dieser 
Konferenzen, für mich aber auch ein Wunder, was ich offen gestehen muß. 
Worte des Dankes möchte ich nun an die Magnifizenzen Rektoren der 
Nicolaus Copernicus Universität und an das Ministerium der Nationalen 
Erziehung und die Stiftung für polnisch-deutsche Zusammenarbeit in War- 
schau richten. Ohne ihre großzügige finanzielle Unterstützung wäre die 
Herausgabe der Tagungsbände und die Durchführung der Organisation der 
Konferenzen nicht möglich. 
Zum Schluß möchte ich noch einmal unterstreichen, dass im Ergebnis 
der Konferenzen Ordines militares nicht nur ein internationales wissen- 
schaftliches Forum entstanden ist. Diese Zusammenkünfte boten auch 
einige gute Gelegenheiten zur Anknüpfung interessanter und ergiebiger 
fachlicher Kontakte, aus denen dann oft auch dauerhafte Freunschaften ent- 
sprossen sind. 
Im Laufe dieser 18 Jahre haben wir unseren gelehrten Kollegen: Bene- 
dykt Zientara, Karol G6rski, Manfred Hellmann und um längst Hartmut 
Boockmann Abschied genommen. Ich möchte Sie bitten, diese unvergessli- 
chen Kollegen mit einer Weile des Schweigens zu ehren. 
Nun wünsche ich uns allen einen erfolgreichen Verlauf der Konferenz, 
die mit ihren Vorträgen und Diskussionen der Forschung viele neue Impul- 
se geben möge. 


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ORDINES MILlT ARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI - 2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Marie-Luise Favreau-Lilie (Berlin) 


Vorstellung und Realität 
Die Ritterorden in den Kreuzfahrerstaaten 


Die geistlichen Ritterorden haben bekanntlich zuerst in den Kreuzfah- 
rerstaaten Syriens und Palästinas den Schutz der Pilger und die Sorge für 
Arme und Kranke, also karitative Aufgaben, mit dem militärischen Kampf 
gegen Ungläubige, und zwar hier gegen Muslime, verbunden. Ihre zu Ar- 
mut, Keuschheit und Gehorsam verpflichteten Mitglieder trugen durch ihre 
Aktivitäten zur Erfüllung dieser Aufgaben bei - sei es durch Hospital- 
dienst, durch Tätigkeit in der Administration der Ordensgüter oder durch 
Militärdienst. Die Bedeutung der Ritterorden für die Verteidigung der 
Kreuzfahrerstaaten war bekanntlich schon wenige Jahrzehnte nach deren 
Entstehung groß: Seit den dreißiger und vierziger Jahren des 12. Jahrhun- 
derts übernahmen Templer und Johanniter wesentliche Aufgaben in der 
Landesverteidigung, und im 13. Jahrhundert befanden sich fast alle Burgen 
der Kreuzfahrerstaaten in der Obhut dieser beiden Ritterorden und der jün- 
geren Konkurrenz, des Deutschen Ordens. Die militärische Kompetenz von 
Templern und Johannitern war schon im 12. Jahrhundert so anerkannt, daß 
ihre Meister. in schwierigen Zeiten großen Einfluß auf strategische und 
politische Entscheidungen der fränkischen Fürsten gewannen, auch auf 
Fehlentscheidungen, und zu gewichtigen Machtfaktoren und gesuchten 
Verbündeten in innenpolitischen Krisen- und Konfliktsituationen wurden. 
Von diesen Dingen, die gut erforscht sind', soll in diesem Beitrag nicht die 
Rede sein. Die Wirklichkeit der Ritterorden im Heiligen Land hängt eng 
zusammen mit den Rahmenbedingungen, die ihr Handeln im Lateinischen 
Orient bestimmte. Darüber könnte man problemlos ein weiteres Buch 
schreiben. Diesem wären auch die Aspekte zuzuordnen, um die es im Fol- 
genden gehen wird. 


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Im Mittelpunkt dieses Beitrages stehen einige Aspekte der Wirklichkeit 
geistlicher Ritterorden, die partiell gerade für den Historiker, der sich mit 
der Entwicklung der Deutschordensherrschaft in Preußen befaßt hat, von 
besonderem Interesse sein könnten. Es geht im einzelnen um folgende 
Punkte: zunächst um die Stellung der Ritterorden als Territorial- und Grund- 
herren und die daraus resultierenden Einnahmequellen; des weiteren um die 
Bedeutung der Ritterorden als Bankiers und Geldverleiher für den fränki- 
schen Adel sowie um das Geldgeschäft als Instrument territorialer Expansi- 
on; des weiteren um andere Einkünfte der Ritterorden im Kontext von Cari- 
tas und Heidenkrieg; und schliesslich lassen Sie uns einen Blick werfen auf 
die Situation nicht nur der hörigen autochthonen Landbevölkerung, die auf 
den Latifundien, die im Besitz der Ritterorden waren, lebten und arbeiteten, 
sondern auch auf die Lage der in den Quellen als Sklaven bezeichneten 
völlig unfreien Muslime im Besitz der Ritterorden. 


I. 


Betrachten wir zunächst die Stellung der Ritterorden als Territorial- 
und Grundherren in den Kreuzfahrerstaaten. Anders als die Herrscher von 
Jerusalem begannen die Grafen von Tripolis und die Fürsten von Antiochia, 
die seit den vierziger Jahren des 12. Jahrhunderts ihre Territorien v.a. nach 
dem Zusammenbruch der Grafschaft Edessa durch muslim ische Offensiven 
aus dem syrischen Hinterland bedroht sahen, schon früh Anreize zu schaf- 
fen, die das militärische Engagement der Ritterorden zur Verteidigung die- 
ser beiden nordsyrischen Fürstentümer steigern sollten. Sie stellten das In- 
teresse der Ritterorden an einer Erweiterung ihrer materiellen Ressourcen 
ebenso in Rechnung wie den Umstand, daß jene es vorzogen, ihren Kampf 
gegen die Muslime und Absprachen mit diesen ohne Rücksicht auf die In- 
teressenlage der christlichen Landesherren zu gestalten. Vor allem die Jo- 
hanniter erhielten dadurch ungewöhnliche Handlungsfreiheiten: 
So übertrug beispielsweise Graf Raimund 11. von Tripolis schon 1144 
dem Johanniterorden mit dem Gebiet um die damal ebenfalls von den Jo- 
hannitern erworbene Burg Krac des Chevaliers auch einige Dörfer, die da- 
mals noch unter muslimischer Herrschaft standen 1 . Er tat dieses ganz sicher 
deshalb, weil er annahm, daß die Johanniter sich gewiß stärker um die Er- 
oberung eigenen Besitzes bemühen würden, als um die Eroberung ande- 
rer Gebiete. Was die Teilung der Beute anging, so konnten die Johanniter 
ebenso günstige Bedingungen für sich durchsetzen wie für die künftige 
Gestaltung ihrer Beziehungen zu den Muslimen. Der Graf von Tripolis 
verzichtete nicht nur auf das Recht, mit jenen auch gegen den Widerstand 
der Johanniter einen Waffenstillstandvertrag abzuschließen, sondern er 
überließ dem Johanniterorden alle seine feudalen, richterlichen und wirt- 


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schaftlichen Rechte v.a. über die Einwohner dieser noch von den Muslimen 
besetzt gehaltenen Güter um Krak des Chevaliers. 
Die Konzessionen Raimunds zugunsten der Johanniter dienten in der 
Folgezeit als Maßstab für den Umfang von Privilegien an diesen Ritteror- 
den, wenn man ihn in Nordsyrien zur Mitwirkung an der Verteidigung von 
Grenzgebieten oder aber zu offensiven Operationen animieren wollte, die 
der Rückgewinnung vormals fränkischer Gebiete dienen sollten 3 , 
Die Johanniter hatten für ihren Besitz rund um Krac des Chevaliers 
keinerlei Lehnspflichten gegenüber den Grafen. Sie erhielten die uneinge- 
schränkte Herrschaft und das Recht, alle Ritter und Bürger. die in diesem 
Gebiet Landgüter und sonstigen Besitz hatten, als ihre Vasallen aufzubie- 
ten. D.h. der Johanniterorden trat ihnen gegenüber in jeder Hinsicht an die 
Stelle des Grafen, er war ligischer Lehnsherr der Ritter, ihm unterstand die 
gesamte Gerichtsbarkeit. In diesem Gebiet der Grafschaft Tripolis um die 
Burg Crac des Chevaliers wurde der Johanniterorden also oberster Lehns- 
herr mit allen Rechten. 
Noch umfangreicher waren die Rechte, die der Johanniterorden vie- 
rundzwanzig Jahre später, im Jahre 1168, bei Fürst Boemund 111. von An- 
tiochia in dem noch unter muslimischer Kontrolle stehenden Gebiet beider- 
seits des Orontes-Flusses (unter Einschluß von Apamea) durchsetzte, das 
ihm damals übertragen wurde 4 . Boemund 111. verbriefte ihnen außerdem das 
Recht, selbständig Krieg zu führen und ohne Rücksprache mit dem Fürsten 
von Antiochia Waffenstillstandsabkommen abschließen zu dürfen. Er ver- 
pflichtete sich ferner, die zwischen den Johannitern und den Muslimen aus- 
gehandelten Waffen pausen zu respektieren, und er konzedierte dem Orden 
ein Zustimmungsrecht zu allen Waffenstillstandsverträgen, die er künftig 
mit den Muslimen aushandeln würde: Die Waffenstillstandabkommen, die 
der Fürst mit den Muslimen ohne Zustimmung des Johanniterordens aus- 
handeln würde, sollten nicht automatisch auch für diesen gelten s . 
Im Jahre I 184 gelang es den Johannitern schließlich, auch Burg und 
Herrschaft von Margat südlich von Valania an der Südküste des Fürstentums 
Antiochia zu erwerben 6 . Damit übernahmen sie die Aufgabe, den Süden des 
Fürstentums Antiochia und den Norden der Grafschaft Tripolis gegen die 
Assassinen zu verteidigen. Der Fürst von Antiochia übertrug ihnen die Herr- 
schaft Margat als dienstfreies Lehen, und zwar mit allen Herrschaftsrech- 
ten, die bis dahin sowohl die Herren von Margat als auch er selbst in diesem 
Gebiet wahrgenommen hatten, und er verpflichtete sich zur Respektierung 
der von den Johannitern mit den Muslimen künftig abzuschließenden Waf- 
fenstillstandsverträge, während die Johanniter ihrerseits nicht gehalten sein 
sollten, solche ohne ihre Zustimmung zwischen dem Grafen und den Mus- 
limen vereinbarten Abkommen anzuerkennen, Obzwar die Johanniter nur 
eine beschränkte Gerichtsgewalt in diesem Gebiet erhielten, wurde aus 
Margat während ihrer Herrschaft doch ein halb selbständiges Gebiet. 


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Von sehr ähnlichem Zuschnitt wie die den Johanniter um Crac des Che- 
valiers und im Orontes-Gebiet 1144 und 1168 zugesprochenen Rechte war 
die Herrschaft über die nordsyrische Hafenstadt Gabala und eine nahegele- 
gene Burg, die während des antiochenischen Erbfolgestreites der Thronprä- 
tendent Raimund Rupen dem Johanniterorden zu Beginn des 13. Jahrhunderts 
(1207/1210) übertrug 7 : die Johanniter erhielten auch Gabala samt Burg als 
dienstfreies Lehen mit umfassender Gerichtsgewalt sowie das Recht, mit 
den Muslimen im Umland nach freiem Ermessen Krieg zu führen und Waf- 
fenstillstandsabkommen zu schließen, die anzuerkennen der Fürst sich für 
seine Person und auch im Namen seiner Vasallen ausdrücklich verpflichtete. 
Die angeführten Beispiele zeigen, daß der Johanniterorden im Laufe der 
Zeit in seinen nordsyrischen Territorien die Handlungsfreiheit eines quasi 
selbständigen Landesherren erlangte, eine Stellung, die die Templer und 
der Deutsche Orden in ihren Besitzungen sicher, wenngleich mit geringe- 
rem Erfolg, auch angestrebt haben. 
Interessant ist die Frage nach der Bedeutung, die für die Ritterorden die 
Einnahmen hatten, die sie aus den so gewonnenen Territorien in den Kreuz- 
fahrerstaaten ziehen konnten. Es handelte sich um Geldeinnahmen und 
Naturaleinkünfte. Aus ihren Latifundien im Lateinischen Orientn zogen die 
Ritterorden einen sehr beträchtlichen Teil der Naturaleinkünfte, die sie vor 
Ort für den Lebensunterhalt der Brüder und zur Erfüllung ihrer Pflichten 
gegenüber den Armen benötigten. Im 12. Jahrhundert, vor dem Zusammen- 
bruch des Königreichs Jerusalem im Sommer 1187, hat dieser Besitz offen- 
bar zur Lebensmittelversorgung der Ordensniederlassungen in den Kreuz- 
fahrerstaaten ausgereicht. Da der dritte Kreuzzug nicht die Rückgewinnung 
der 1 187 verlorenen Gebiete gebracht hatte, trat in dieser Hinsicht ein 
Wandel ein; nicht nur die Johanniter, sondern auch die Templer mußten 
enorme territoriale Verluste hinnehmen 8 und wurden in bisher unbekanntem 
Maß von Lieferungen aus dem Westen abhängig. 
Verwaltungsmittelpunkte der zahlreichen Grundherrschaften, aus denen 
sich die Ordensterritorien zusammensetzten, waren Ordensburgen, die al- 
lerdings wohl niemals ausschließlich administrative Funktionen hatten. Wie 
wir uns die Grundherrschaft eines Ritterordens vorstellen dürfen, läßt sich 
am Beispiel der Templerburg und -herrschaft Safad in Obergalilaea ver- 
deutlichen: die Burg Safad lag strategisch günstig, weil sich von dort aus 
wichtige Straßenverbindungen in das Gebiet von Damaskus (Akkon-Damas- 
kus und Tiberas- Toron) und ein wichtiger Übergang über den Jordan 
(Jakobsfurt) kontrollieren ließen; bis zu ihrer Übertragung an den Templer- 
orden im Jahre 1168 war sie der Mittelpunkt eines Burglehens und in der 
Obhut eines königlichen Burgvogtes, der in den Landesausbau investierte 
und Kolonisten ansiedelte. 
Wie bereits nach dem Erwerb dieser Burg im Jahre I 168 in den Jahren 
bis zur Übergabe der Burg an die Truppen Saladins 1188, kontrollierten die 


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Templer auch im 13, Jahrhundert knapp zweieinhalb Jahrzehnte lang von 
Safad aus ein sehr fruchtbares Territorium mit zahreichen kleineren Dör- 
fern 9 . Vor 1188 waren unter ihnen auch fränkische Kolonisten, Einwande- 
rer aus Europa oder deren Nachkommen. Ob die Nachfahren der westlichen 
Siedler dort den Zusammenbruch von I 187/1188 überlebten und diese 
fränkischen Familien auch unter muslimischer Herrschaft in Galilaea an- 
sässig blieben, ist ungewiß, Über eine neuerliche Anwerbung bäuerlicher 
Siedler aus Europa während der zweiten Phase der Templerherrschaft auf 
Safad nach Neuerrichtung der Burg ist überhaupt nichts bekannt. Einheimi- 
sche Christen haben aber offenbar zumindest einige der zum Gebiet von 
Safad gehörenden Dörfer bewohnt. Aus solchen christlichen Siedlungen 
stammten wohl die Frauen und Kinder, die rechtzeitig vor der letzten gro- 
ßen Belagerung der Festung dort Zuflucht suchten und von den Verteidi- 
gern versorgt wurden. Es ist nicht anzunehmen, daß sich Familien muslimi- 
scher Bauern beim Vorrücken der ägyptischen Truppen auf die TempIer- 
burg flüchteten. 
Den vermutlich nicht geringen Einkünften der Templer aus den Lände- 
reien, die der Orden bei Safad besaß, standen allerdings hohe Ausgaben 
gegenüber: Der Wiederaufbau der Burg hatte den Templerorden zu Beginn 
der vierziger Jahre des 13. Jahrhunderts mehr als I 100000 Byzantiner ge- 
kostet; für ihren Unterhalt wurden danach jährlich mehr als vierzigtausend 
Byzantiner veranschlagt, denn allein aus den Naturalabgaben der im Um- 
land von Safad ansässigen Bauern, die die Latifundien der Templer bewirt- 
schafteten, ließ sich der Unterhalt der ständig präsenten Burgbesatzung - 
angeblich waren das weit über eintausend Menschen - sicher nicht bestreiten. 
Nach dem dritten Kreuzzug deckten die bäuerlichen Abgaben aus den 
verbliebenen Ordensgütern im allgemeinen den Bedarf der Ritterorden noch 
weniger als zuvor, Man war zusätzlich auf Lebensmittelimporte aus Zypern, 
der Romania und Italien angewiesen. Vor allem die Güter der Ritterorden 
im Königreich Sizilien lieferten im 13, Jahrhundert verstärkt Nahrungs- 
mittel (Getreide, Käse, Öl etc.) für den Bedarf der Brüder im Lateinischen 
Orient lO . Da aber alle Güter- und Abgabenverzeichnisse und die Rech- 
nungsbücher der Ritterorden, die Einblick geben könnten in die Verwaltung 
ihrer Güter im Lateinischen Orient, verloren sind, kommen wir, was die 
Bewirtschaftung sowie Art und Umfang der - nicht nur im Umland von 
Safad zur Versorgung der Burgbesatzung fälligen - Abgaben leider meist 
nicht über Spekulationen hinaus. Die Abgabenpraxis in den Grundherr- 
schaften der Ritterorden dürfte allerdings nicht viel anders gewesen sein als 
die Praxis in dem Venedig gehörenden Teil der Herrschaft Tyrus, und über 
die Leistungen an die venezianische Kolonialverwaltung sind wir durch ein 
Besitz- und Abgabenverzeichnis aus der Mitte des 13. Jahrhunderts gut in- 
formiert: Getreide, Hülsenfrüchte, Geflügel, Eier, Käse, Geldabgaben zu 
festgesetzten Terminen - das war das übliche Leistungsspektrum 11. 


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Zur Templerburg Safad mußten jährlich rund 12000 Saumtierlasten 
Lebensmittel, in erster Linie Gerste und Weizen (Brotgetreide), aber auch 
andere Lebensmittel (d.h. Hülsenfrüchte, Pökelfleisch, Fisch und Käse) her- 
antransportiert werden. Außerdem waren noch die Söldner und angemiete- 
ten Arbeitskräfte zu entlohnen und der Kauf und Unterhalt von Pferden, 
Sattelzeug und Waffen, Leder und Eisen zu finanzieren. 
Für die Bevölkerung des Umlandes war die Belieferung von Safad, wo 
es Kapazitäten für die Verpflegung von bis zu 2200 Menschen gab, aber 
nicht nur eine Last. Die Existenz der Burg bedeutete für sie vielmehr auch 
Sicherheit: sie konnte sich bei Einfällen feindlicher Truppen aus ihren Dör- 
fern auf die Festung flüchten: Bei der Belagerung im Jahre 1266 war die 
Burg überfüllt: angeblich befanden sich dort 3000 Menschen, achthundert 
mehr, als man versorgen konnte. Waffen- und wehrlos wie die zahlreichen 
Frauen und Kinder waren auch die vier Franziskaner, die aus ungeklärten 
Gründen in die Gegend gekommen waren und nun das Schicksal der Einge- 
schlossenen teilt en l1, 
Im 13. Jahrhundert mußte mancher Ritterorden sich auch gegen Barone 
zur Wehr setzen, die Hand auf Ordensgüter legten, was in den dreißiger 
Jahren aktuell wurde, Da den Angehörigen der Ritterorden nicht nur Tät- 
lichkeiten gegen die eigenen Mitbrüder 13 , sondern auch gegen alle Christen 
(die Angehörigen konkurrierender Ritterorden eingeschlossen) strengstens 
untersagt waren l \ mußten sie sich durch den Papst die Rechtmäßigkeit ge- 
planter militärischer Maßnahmen attestieren lassen, bevor sie es sich lei- 
sten konnten, ihre Besitzungen tatsächlich mit den Waffen zu verteidigen. 
Die Schwierigkeiten des Johanniterordens sind bezeugt durch die Reaktion 
der römischen Kirche, denn die Johanniter wandten sich in ihrer Not an den 
Papst, der ihrem Begehren stattgab. Im Frühling des Jahres 1235 erkannte 
Gregor IX. dem Johanniterorden wegen der Bedeutung seiner Güter für die 
Verteidigung des Heiligen Landes ausdrücklich das Recht zu, seine Besit- 
zungen mit allen Mitteln gegen Agressoren zu verteidigen l5 . Damit erhiel- 
ten die Johanniter offensichtlich Handlungsfreiheit zur Gegenwehr gegen 
Übergriffe antistaufisch gesinnter Barone und vielleicht auch der Templer 
im Königreich Jerusalem auf Territorialbesitz ihres Ordens, der damals im 
Kreuzfahrerreich die Ansprüche Kaiser Friedrichs 11. als Vormund seines 
Sohnes, des noch minderjährigen Thronerben Konrad IV., vertrat. 


11, 


Wenden wir uns nun der Bedeutung zu, die die Ritterorden als Bankiers 
und Geldverleiher für den fränkischen Adel gehabt haben, sowie der Instru- 
mentalisierung des Geldgeschäftes für den Ausbau der Ordensterritorien. 


16
>>>
Durch Geldgeschäfte, durch die Gewährung von Krediten und die Über- 
nahme von Bürgschaften gegen dingliche Sicherung (Pfandnahme), d.h. 
durch Transaktionen, die Christen eigentlich untersagt waren, gelang den 
Ritterorden der Erwerb neuer Territorien. Der Templerorden war nicht der 
einzige Ritterorden. der etwas von Geschäften dieser Art verstand; Johanni- 
ter und Deutscher Orden taten es ihm gleich. 
In den Kreuzfahrerstaaten standen Schenkungen der Landesherren, der 
Könige von Jerusalem, der Grafen von Tripolis und Fürsten von Antiochia 
am Anfang dieser Besitzakkumulation. Im 13. Jahrhundert verfügte man- 
cher Ritterorden namentlich durch den Erwerb von Einnahmen aus Regali- 
en, wie beispielsweise aus Anteilen an den Zolleinkünften in der einen oder 
anderen fränkischen Handelsmetropole (etwa in Akkon oder Tyrus), über so 
hohe Einkünfte, daß er die notwendigen Barmittel zum Kauf kleinerer oder 
größerer Landgebiete innerhalb der Kreuzfahrerstaaten aufbringen konnte. 
Durch die finanziellen Schwierigkeiten vieler fränkischer Barone wurde es 
für die Ritterorden relativ leicht, geeignete Kaufobjekte zu finden. Kurz- 
fristigen Gewinn konnten sie sich von diesen Erwerbungen nicht erhoffen, 
sie kauften vor allem, um die militärische Sicherheit der christlichen Gebie- 
te sicherzustellen und die eigenen Territorien zu arrondieren. 
Der Erwerb zumindest von Kronlehen wurde den Ritterorden im König- 
reich Jerusalem durch die Rechtsvorschriften schwer gemacht. Der Verkauf 
Von Kronlehen an Ritterorden war den Inhabern solcher Kronlehen nur mit 
Zustimmung des Königs gestattet. Die Veräußerung war nur erlaubt, wenn 
die Verkäufer vor Gericht beweisen konnten, daß sie ihre Schulden nur 
durch Verkauf des Kronlehens bezahlen konnten, von dem sie sich trennen 
wollten. 
Die Barone umgingen diese Vorschriften gern, denn ihre materielle La- 
ge verschärfte sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wegen der 
steigenden Militäraufwendungen, und sie waren es leid, ihre Finanzlage 
offenzulegen. Sie verkauften ohne Konsens des Königs von Jerusalem ihren 
Besitz an die Ritterorden, die im allgemeinen die einzigen Interessenten 
waren. In solchen Fällen kaschierten die Parteien den Verkauf nach außen 
hin gern als Schenkung oder unbefristeten Pachtvertrag. Auch der Deutsche 
Orden ließ sich auf einen solchen illegalen Handel ein, als er in den Jahren 
1256/1258 dem Herrn von Sidon einige Kronlehen im Norden des König- 
reichs abkaufte l6 , 
Ihre Geldeinkünfte ermöglichten es den Ritterorden, nicht nur Land auf 
direktem Wege zu kaufen, sondern auch andere Wege zu beschreiten, um 
die Option auf den Erwerb bestimmter, sie interessierender Territorien zu 
erhalten. Am Anfang stand wohl nicht selten ein ansehnliches Darlehen, 
das ohne Sicherheiten bewilligt wurde und in Jahresraten zurückzuzahlen 
war; es folgte die Bewilligung noch höherer Kredite und die Übernahme 
von Bürgschaften gegen Überschreibung von Grundbesitz als Pfand. Am 


17
>>>
Ende standen die Zahlungsunfähigkeit und die Überschreibung der dem be- 
treffenden Ritterorden als Gläubiger bzw. Bürgen verpfandeten Kronlehen, 
ja ganzer Baronien. Nehmen wir zum Beispiel die Herrschaft Scandalion 
mit ihrem zwölf Kilometer südlich der Stadt Tyrus am Meer gelegenen 
Kastell 17 , Sie zählte zu den kleineren Herrschaften im Königreich Jerusa- 
lem. Die Herrschaft Scandalion fiel dem Deutschen Orden zu, weil er seit 
den frühen sechziger Jahren (1263) bis in die siebziger Jahre des 13. Jahr- 
hunderts überaus großzügig Kredite vergeben und fÜr seine Schuldner, im 
Grunde wider besseres Wissen, wiederholt bei jüdischen und italienischen 
Geldverleihern gebürgt hatte. War der erste Kredit noch anfänglich in, als 
Almosen deklarierten, Jahresraten zurückgezahlt worden, so wurde die 
Schuldenlast doch rasch unübersehbar. Der letzte Herr von Scandalion und 
seine Miterben mußten dem Orden schließlich zu Beginn der achtziger Jah- 
re das Territorium der Herrschaft Scandalion überlassen, möglicherweise 
wegen Überschuldung und Zahlungsunfahigkeit. Seine jüngeren Brüder 
traten außerdem in den siebziger und achtziger Jahren des 13. Jahrhunderts 
dem Deutschen Orden bei und überließen ihm damit auch den Rest ihres 
ererbten Vermögens. 
Mit dem Erwerb von Scandalion gelang es dem Deutschen Orden noch 
nach dem Verlust seiner Hauptburg Montfort (Starken berg) im Jahre 1271. 
jenes beachtliche Territorium östlich von der Stadt Akkon, das er in den 
zwanziger Jahre des 13. Jahrhunderts von den Erben des Grafen Joscelin 
III. von Edessa hatte kaufen können, noch einmal gen Norden zu erweitern. 
Der Deutsche Orden dachte offenbar nach dem Verlust von Montfort über- 
haupt nicht an einen Rückzug aus dem Lateinischen Orient, sondern viel- 
mehr an Besitzerweiterung, und zwar nicht nur auf dem Lande, sondern 
auch in der Metropole Akkon selbst, wohin die Ordenszentrale übersiedelte. 
Die in Syrien selbst erwirtschafteten Einkünfte - Naturaleinkünfte und 
Geldeinkünfte gleichermaßen - waren für die Ritterorden extrem wichtig, 
reichten allerdings niemals aus für den Unterhalt der Brüder und zur Finan- 
zierung aller Aufgaben. Lebensmittel für den eigenen Bedarf und zur Ver- 
teilung an Bedürftige, vielleicht auch die im Kampf unentbehrlichen Pferde, 
konnten die Ritterorden, die unweit der großen Mittelmeerhäfen in Südeu- 
ropa landwirtschaftlich genutzte Ländereien mit einer Überschußproduktion 
besaßen, von dort aus zu günstigen Bedingungen und wohl meist auf orden- 
seigenen Schiffen in den Orient verschiffen l8 ; auch in anderen Bereichen 
konnten sicherlich nicht nur die Johanniter im Königreich Jerusalem auf 
die Versorgung mit Rohstoffen aus Europa und aus anderen Ordensbesit- 
zungen im östlichen Mittelmeerraum vertrauen l9 . Man benötigte aber au- 
ßerdem Bargeld, in erster Linie für die Beschaffung von Waffen und ande- 
rem Kriegsgerät, zur Finanzierung von Schiffsbau, Kauf oder Charter von 
Schiffen, für Landkäufe und nicht zuletzt für Geschenke an wichtige Per- 
sönlichkeiten, deren Wohlwollen man sich erhalten oder gewinnen wollte 10 . 


18 


-----
>>>
Auch als Bankiers, die imstande waren, Kredit zu gewähren - und das war 
bereits im 12, Jahrhundert der Falf 1 - konnten die Ritterorden nur in Er- 
scheinung treten, wenn sie Über bares Kapital verfügten. Leider wissen wir 
nicht, wie groß die im Orient selbst erwirtschafteten Bareinnahmen der 
Ritterorden gewesen sind 12 : Dazu gehörten in jedem Fall die Gewinne aus 
Investitioncn im Handel und Geldgeschäft, Anteile an den Zolleinkünften, 
dic sie an einigen Zollstationen an den Fernhandelsstraßen in ihren Terri- 
torien erhebcn durften, sowie die von Muslimen in Grenzgebieten erpreßten 
Tribute. Die in den Krcuzfahrerstaaten sclbst erwirtschafteten Geldeinkünf- 
te deckten allerdings zu keiner Zeit die Kosten, die den Ritterorden bei der 
Erfüllung ihrer militärischen und karitativen Aufgaben dort entstanden. 
Aber sie waren unverzichtbar, da man auf sie rascher zuriickgreifen konnte 
als auf Geldzuwendungen aus den europäischen Ordensbesitzungen, die seit 
der Mitte des 13. Jahrhunderts zudem deutlich geringer ausfielen. weil sin- 
kende Kreuzzugsbegeisterung und wachsende Kritik an den Ritterorden ei- 
nen erheblichen Rückgang an Stiftungen und Schenkungen hewirkten, von 
denen sie zunächst in reichem Maße hatten profitieren können 13 , 
Die Erfolge der mamelukischen Offensiven gegen die Kreuzfahrcrstaa- 
ten seit der Mitte des 13. Jahrhunderts bedeuteten für alle Ritterorden 
wachsende Besitz- und Einnahmeverluste und stelltcn sie vor große mate- 
rielle Probleme. Wic schwierig die Lage beispielsweise für Templer und 
Johanniter wurde, ergiht sich aus einem nach Südfrankreich an den -Jo- 
hanniterprior von St. Gilles gerichteten Brief des Johannitermeisters Hugo 
von Revel vom 28. Mai 14 ; Die von den offcnsiv operierenden Mameluken 
ausgehende Gcfahr war seit dem Fall der nordsyrischen Metropole Antio- 
chia, Hauptort des gleichnamigen Fürstentums, im Frühling jenes Jahres so 
groß, daß die Ritterordcn nicht mehr wagten. auf ihren Gütern, die sie im 
kleinen Königreich Jerusalem außerhalb der befestigten Städte besaßen, die 
Einkünfte einzutreiben. Die Johanniter waren auf das beschränkt, was sie 
innerhalb der Stadtmauern von Akkon ihr Eigen nannten und nutzen konn- 
ten, die Templer auf ihren Besitz am befestigten Pilgerschloß (Chäteau 
Pelerin), Die Städte Tyrus und Sidon waren auf ähnliche Weise von ihrem 
Hinterland abgeschnitten wie Akkon. Bereits 1274, knapp zwei Jahrzehnte 
vor dem Fall Akkons, hatte der Johanniterorden fast seinen gesamten Besitz 
im Orient verloren, und den anderen Ritterorden erging es ähnlich. Nicht 
nur die Johanniter mußten nun verstärkt die Ressourcen der westlichen Or- 
densprovinzen in Anspruch nehmen, auch die Templer waren auf Hilfe aus 
dem Abendland angewiesen 1s , Und im Orient bemühten sie sich mit anderen 
um die Reaktivierung einer regelmäßigen Einnahmequelle, derer sie sich 
schon früher bedient, aber die sie aus politischer Klugheit lange Zeit nicht 
genutzt hatten: Tributzahlungen der muslimischen Bevölkerung im syri- 
schcn Hinterland der grenznah gelegenen Ordensbesitzungen. In dem Maße, 
in dem der Pilgerstrom nach Palästina nachließ und Erfolge im Krieg gegen 


19
>>>
die Ungläubigen den fränkischen Truppen sowie den temporär im Orient 
weilenden Kreuzfahrerheeren und damit natürlich auch den Ritterorden 
versagt blieben, versiegten andere Einnahmequellen, auf die sie hatten zu- 
rückgreifen können, so daß man sich um die Durchsetzung von Tributforde- 
rungen bei der Bevölkerung im nordsyrischen Hinterland bemühte. Zwar 
erweckt die Überlieferung den Anschein, als ob die Johanniter sich ziel- 
strebiger auf die Erpressung von Tributen verlegt haben, als andere Ritter- 
orden 16 , aber eine definitive Beantwortung dieser Frage ist nicht möglich. 


111, 


Von welcher Art waren die sonstigen Einkünfte der Ritterorden in den 
Kreuzfahrerstaaten? Es waren nur unregelmäßige Einnahmen. die ihnen im 
Zusammenhang mit ihren karitativen und militärischen Aktivitäten zuflos- 
sen. Zunächst einmal handelte es sich um Zuwendungen von Pilgern und 
Kreuzfahrern, des weiteren um geldwerte Beute, die sie von Zeit zu Zeit bei 
Plünderungszügen in das mulimische beherrschte Hinterland der Kreuzfah- 
rerstaaten kassierten. 
Die Ritterorden hatten ein Interesse daran, vermögende Pilger und 
Kreuzfahrer für sich einzunehmen. Es war ihr Bestreben, sie zu Geldschen- 
kungen, Stiftungen und Vermächtnissen zu animieren. Besonders lukrativ 
war mit Sicherheit das Recht, Pilger und Kreuzfahrer bestatten zu dürfen, 
wegen der zu erwartenden Gebühren und der Almosen, auf die man hoffen 
durfte. Bezeichnend ist der hartnäckige Kampf des Johanniterordens nach 
dem dritten Kreuzzug in Akkon um sein angebliches Begräbnismonopof 7 : 
die Johanniter beanspruchten nicht nur gegenüber dem Bischof bzw. ge- 
genüber den Pfarrkirchen der Stadt, sondern auch gegenüber den anderen 
Hospitalbruderschaften und Ritterorden, u.a. dem Deutschen Ritterorden, 
noch im 13. Jahrhundert das Recht, auf ihrem Friedhof sämtliche in der 
Stadt Akkon verstorbenen vornehmen Pilger und Kreuzfahrer zu bestatten. 
Sie konnten dieses Recht auf Dauer nicht durchsetzen, denn die Konkurrenz 
hatte dieselben Interessen und setzte sich erfolgreich zur Wehr. 
Ein Pilger und Kreuzfahrer, dessen Spende jedem Ritterorden hochwill- 
kommen gewesen wäre, war Graf Rudolf von Pfullendorf, ein getreuer An- 
hänger Kaiser Friedrichs I. Im Jahre I 180 unternahm er nach dem Verkauf 
seines gesamten Besitzes an den Kaiser eine Pilgerfahrt ins Heilige Land 18 . 
Er entschloß sich nach dem Besuch der Heiligen Stätten in und um Jerusa- 
lem zum Überwintern, möglicherweise um noch vor der Rückkehr nach Eu- 
ropa im nächsten Frühjahr an den Kämpfen König Balduins IV. gegen die 
Truppen Saladins teilnehmen zu können. Einen Teil seiner Geldmittel hatte 
er aus Sicherheitsgründen vor der Einschiffung in Venedig in einem siche- 
ren Depot zurückgelassen hatte (72 Pfund Gold und 200 Mark Silber). Die- 


20 


-------
>>>
se Summe stiftete er in Jerusalem entweder den Johannitern oder dem 
Deutschen Hospital. In jedem Fall waren es die Johanniter, die auf seinen 
Wunsch hin sogleich den Transfer dieses Geldes von Venedig ins König- 
reich Jerusalem organisierten. Selbst wenn die Summe ausdrücklich für das 
Deutsche Hospital in Jerusalem bestimmt gewesen wäre, so wäre es den 
Johannitern doch leicht möglich gewesen, die Geldsendung auch gegen den 
Widerstand des Deutschen Hospitals für sich zu behalten, war doch der 
Graf, der allein die Respektierung seines Willens hätte durchsetzen können, 
bei der Ankunft dieser Wertsendung im Heiligen Land nicht mehr am Leben. 
Lukrativ waren für die Ritterorden auch ihre Raubzüge in muslimisches 
Gebiet und ihre Teilnahme an erfolgreich verlaufenden offensiven Kriegs- 
handlungen der fränkischen Fürsten, denn dabei erhielten sie einen - im 
Falle der Templer seit 1139 nicht mehr durch eine Abgabe an einen fürstli- 
chen Heerführer geschmälerten 19 - Anteil an der Beute, die sie entweder 
verkaufen 30 oder aber selbst nutzen konnten: Schlachtvieh, Packtiere, Kriegs- 
gefangene, Reitpferde, Rüstung und Waffen 31 . Die Höhe ihres Beuteanteils 
hing wesentlich vom Umfang ihrer Beteiligung ab und davon, daß sie den 
Nachweis dafür erbringen konnten. Sie mußten im Heer an ihrer Kleidung 
erkennbar sein. In diesen Zusammenhang gehört sicher der sogenannte Man- 
telstreit zwischen Templerorden und Deutschem Orden, der diese beiden 
und die römische Kurie in den Jahren zwischen 1210 und 1221/1222 be- 
schäftigte und damit endete, daß Honorius BI. dem Deutschen Orden defi- 
nitiv das Recht zum Gebrauch weißer Mäntel verlieh 31 , die dieser schon zur 
Zeit Innozenz 111. für sich beansprucht hatte. Während sich der Deutsche 
Orden in der Folgezeit auf weiße Mäntel mit schwarzem Kreuz festlegte 33 , 
behielten die Ritterbrüder der Templer weiße Mäntel mit einem roten 
Kreuz 34 , und die Johanniter, deren Ritterbrüdern Papst Alexander IV. 1259 
die Genehmigung zum Tragen von schwarzen Mänteln, die im Krieg rote 
Überröcke ergänzen sollten, erteilt hatte 3S , nahmen 1278 den schwarzen 
Mantel für alle Ordensbrüder an, ergänzt um ein weißes Kreuz und im 
Krieg über der Rüstung den roten Überwurf mit einem weißen Kreuz 36 , 


IV. 


Kommen wir nun zum letzten Punkt, zur Stellung der autochthonen Be- 
völkerung der Ordensterritorien und zur Lage der Muslime, die als Kriegs- 
beute oder Handelsware in den Besitz der Ritterorden gelangten. 
Mit den weiten Landgebieten, die den Ritterorden im 12. und 13. Jahr- 
hundert zum Geschenk gemacht wurden oder die sie auf andere Weise in 
ihren Besitz brachten, erwarben sie auch die Leibherrschaft über die dort 
lebenden Menschen, über Muslime und orientalische Christen; europäische 
Einwanderer haben in den Ordensterritorien wohl auch gesiedelt, nament- 


21
>>>
lich dort, wo Land neu unter den Pflug genommen wurde. doch dürfte die 
Zahl der fränkischen Kolonisten und der neu entstandenen fränkischen Dör- 
fer alles in allem cher gering gewesen sein 31 , 
In den Quellen begegnen uns mehrere Kategorien Muslime, die in ganz 
unterschiedlichen Beziehungen zu den Ritterorden standen 38 : Eine ver- 
schwindend kleine, aufgrund iher Bedeutung aber herausgehobene Gruppe 
waren sicherlich nicht nur im Templcrorden die Sarazencn, die zum Gefol- 
ge der Meistcr und fast aller Inhab
r hohcr Ordcnsämter gehörten 39 . Überall 
dort, wo die Schriftlichkeit der Verwaltung bereits entwickelt war, konnte 
man auf sie nicht verzichten. Diese Muslime dienten als Schreibcr, be- 
herrschten außer Arabisch offenbar auch die Sprache der Franken und ha- 
ben wohl auch als Dolmetscher fungiert. Der Umstand, daß ihnen ein Reit- 
pferd zustand, läßt keinen Rückschluß auf ihre rechtlich-soziale Stellung 
zu, denn schließlich konnten sie sich nur beritten ständig in der unmittelba- 
ren Umgebung ihrcr Herren halten. Obwohl in den Templerstatuten nur von 
der muslimischen Herkunft dieser Schreiber die Rede ist und nicht ihr 
rechtlich-sozialer Rang beschrieben wird, spricht nichts gegen die Annah- 
me, daß gebildete muslimische Leibsklaven in diese Funktionen aufrücken 
konnten. Ebensowenig spricht allerdings gegen die Besetzung dieses Amtes 
mit entsprechend qualifizierten Muslimen. die aus den Kreuzfahrerstaaten, 
vielleicht sogar aus den Ordensterritorien selbst stammten und besser ge- 
steilt waren als die Sklaven des Templerordens, 
Wir haben keine Berichte von Augenzeugen über die reale Behandlung 
der Muslime in den einzelnen Komtureien. Die vorhandenen Quellen geben 
auch keine Hinweise auf konkretes Vcrhalten von Ordensrittern und ande- 
ren Angehörigen der Ritterorden gegenübcr einheimischen, muslimischen 
und christlichen Bauern bzw, oder gegenüber dcn Sklaven der Ritterorden. 
Was die Lage der muslimischen lind christlichen Bauern in den unzäh- 
ligen Dörfern betrfft, die den Ritterorden gehörten, so hat sie sich wohl 
nicht grundlegend von der Situation der bäuerlichen Hintersassen in ande- 
ren geistlichen oder weltlichen Grundherrschaften unterschieden. Auch sie 
waren schollengebunden, sie durften ihre Höfe und Dörfer nicht verlassen, 
was sie zumindest gelegentlich nicht an einer Übertretung dieses Verbotes 
hinderte. Der Johanniterorden war gewiß nicht der einzige unter den Ritter- 
orden, der - wie zum Beispiel für die Herrschaft Margat in der Grafschaft 
Tripolis urkundlich bezeugt ist - mit der Neigung seiner christlichen und 
sarazenischcn Bauern zur Landflucht rechnen und sich so mit einem Pro- 
blem befassen mußte, das auch dem Grafen selbst zu schaffen machte und 
ihn veranlaßte, mit den Johannitern eine Verabredung über die gegenseitige 
Auslieferung entlaufener Bauern zu treffen 40 , da die gesetzlichen Bestim- 
mungen zur Eindämmung der bäuerlichen Landflucht nur für die Feudala- 
ristokratie, nicht aber für die nicht in die Lehnshierarchie integrierten 
geistlichen Ritterorden galten 41 Die Sklaven eines Ritterordens, das waren, 


22 


------
>>>
wenn w1r der Überlieferung im Templerorden folgen, die muslim ischen 
Kriegsgefangenen; sie zählten zur Beute, die man im Verlauf der Kriegs- 
handlungen oder auf reinen Raubzügen in Feindesland machte 41 , Die Skla- 
ven waren, so lesen wir in den Statuten der Templer, ein Teil der Kriegs- 
beute, die dem Provinzkomtur des Königreichs Jerusalem unterstand und 
von ihm zur Hälfte an den Stadtkomtur von Jerusalem abzutreten war 43 . 
Möglicherweise handelt es sich um ein Überlieferungsproblem, wenn sich 
aufgrund des Quellenbefundes der Eindruck einstellt, daß weder der Jo- 
hanniterorden noch der Deutsche Orden sich so detailliert mit der Frage 
einer angemessenen Behandlung bzw. Bestrafung von gänzlich unfreien 
Personen im Ordensbesitz befaßt haben wie die Templer. Ähnlich wie für 
die Johanniter beschränkte sich das "Sklaven problem" für die Templer 
nicht auf den Lateinischen Orient, haben sie doch im 13. Jahrhundert auch 
auf der Iberischen Halbinsel in zahlreichen Komtureien maurische Sklaven 
beschäftigt, die als Kriegsbeute oder als Handelsware in ihren Besitz ge- 
langt waren 44 , 
Zu den Sklaven der Ritterorden in den Kreuzfahrerstaaten zählten außer 
den im Kampf gefangen genommenen Angehörigen muslimischer Truppen- 
verbände auch Menschen, die in Gefangenschaft geraten waren, ohne je- 
mals etwas mit kriegerischen Handlungen direkt zutun gehabt zu haben: 
nordafrikanische Mekkapilger, die auf der Schiffsreise nach Syrien in die 
Gefangenschaft christlicher Piraten gerieten und auf den Märkten der 
Kreuzfahrerstaaten als Sklaven verkauft wurden, konnten ohne weiteres 
auch in den Besitz des einen oder anderen Ritterordens übergehen und dort 
in Unfreiheit ihr Leben beschließen, wenn sie nicht fromme Muslime frei- 
kauften 4s , 
Der Verlust der Freiheit bedeutete Rechtlosigkeit, und so leisteten diese 
Unfreien den Ritterorden willkürlich und je nach Erfordernis verlangte 
Dienste; sie verrichteten die niedrigsten Arbeiten, mancherorts gemeinsam 
mit Angehörigen der Ritterorden, die man wegen bestimmter Vergehen 
nicht nur in Ketten gelegt, sondern auch befristet zur Sklavenarbeit verur- 
teilt hatte 46 , Die Ordenssklaven waren nicht nur in den Werkstätten der 
Ritterorden beschäftigt und mußten dort den Brüdern Handwerkern zur 
Hand gehen 47 , sondern sie wurden zu körperlicher Schwerstarbeit auf den 
Baustellen der Ritterorden herangezogen. Die meisten Sklaven haben 
Templer, Johanniter und Deutscher Orden sicherlich zum Bau und zur Re- 
paratur ihrer Burgen und anderer Befestigungsanlagen herangezogen, bei- 
spielsweise zu dem Wiederaufbau der Templerfestung Safad. Nachdem man 
den Wiederaufbau dieser für die Landesverteidigung schon im 12. Jahrhun- 
dert bedeutenden Festung beschlossen hatte, setzte sich von Akkon aus un- 
verzüglich ein großer Troß mit allem Notwendigen nach Safad in Bewe- 
gung: nicht nur bewaffnete Ordensbrüder mit schwer beladenen Packtieren, 
sondern auch und vor allem viele Handwerker und Sklaven 48 , Dem anony- 


23 


-
>>>
men Traktat über den Wiederaufbau der Burg, der ohne das Engagement 
des Bischofs von Marseille, Benedikt von Alignan, nicht möglich geworden 
wäre, verdanken wir Zahlen, die uns - bei aller Vorsicht gegenüber dem 
Gebrauch von Zahlen in mittelalterlichen Schriften - doch etwas deutlicher 
vor Augen führen, welche Bedeutung die muslimischen Sklaven in norma- 
leren Zeiten für den Templerorden bei der Bewirtschaftung einer so großen 
Burg hatten: Nach Abschluß der Bauarbeiten beschäftigte der Templeror- 
den auf Safad immerhin noch vierhundert Sklaven, daneben fünfzig Ritter- 
brüder, dreißig Dienende Brüder, fünfzig Turkopolen 49 und dreihundert 
Steinschleuderschützen (d.h. insgesamt vierhundertdreißig Bewaffnete) so- 
wie achthunderzwanzig Handwerker und andere Bediensteteso. Etwa ein 
Viertel der Menschen, die bis zur endgültigen Zerstörung der Burg durch 
Sultan Baibars im Jahre 1266 dort im Dienste des Templerordens standen, 
waren muslimische Leibeigene, Wenn man annimmt, daß die Ritterbrüder 
ausschließlich mit Befehlsgewalt, gewissermaßen als Offiziere, über die 
anderen Bewaffneten eingesetzt waren, so erscheint der zunächst bedenk- 
lich gering erscheinende Anteil der Ritterbrüder an der Burgbesatzung doch 
objektiv als völlig ausreichend. Die normale Burgbesatzung war allerdings 
nicht in der Lage, Safad bei einer Belagerung zu verteidigen. 1266 wurde 
zur Abwehr des Angriffs, den Sultan Baibars mit einem Heer auf die Burg 
Safad unternahm, die Zahl der waffenfähigen Männer auf 2000 erhöht, 
vermutlich auch durch Heranziehung der christlicher Bauern aus den Dör- 
fern der Umgebung, die sich allerdings davon machten, sobald ihnen Bai- 
bars den Abzug gestattete, ohne daß die Templer dieses hätten verhindern 
könnenS! . 
Es lag im Interesse der Ritterorden, alles zutan, was einem vorzeitigen 
Verlust der als Arbeitskräfte so nützlichen Sklaven vorbeugen konnte. 
Verhindert werden mußten die schweren, spontanen Züchtigungen von 
Sklaven durch Ordensbrüder, die die Grenze zur Körperverletzung über- 
schritten. Zwar ist das sicher nicht nur bei den Templern so gewesen, aber 
die Statuten dieses Ordens behandeln am ausführlichsten dieses Problem. 
Man stellte die Frage, wieviel Gewaltanwendung gegenüber Sklaven zuläs- 
sig sei: Ein Ordensbruder, der einen Sklaven tötete, verstümmelte oder 
Schuld daran trug, daß dieser dem Orden auf irgend eine andere Weise 
(auch durch Flucht) verloren ging, mußte mit seinem Ausschluß aus dem 
Templerorden rechnen 51 , Niemand, auch kein Bruder Handwerker (dem 
Leibeigene des Ordens zur Hand gingen) und kein frere de pr;son (mit ei- 
nem solchen hatten es zu Arrest verurteilte Sklaven offenbar des öfteren zu 
tun), sollte befugt sein, einem Sklaven ohne Genehmigung seines Ordens- 
oberen, Z.B. des Hauskomturs, das Halseisen umzulegen und den Wehrlo- 
sen anschliessend zu schlagen, selbst wenn dieser eine Züchtigung verdient 
haben sollte. Verboten war allen Templerbrüdern auch, einen Sklaven ei- 
genmächtig, d.h. ohne Einwilligung eines Ordensoberen, an den Pranger zu 


24 


------
>>>
stellen oder ihn (alternativ) mit dem Schwert zu stechen. Grundsätzlich 
verboten waren solche Sanktionen keineswegs. Interessant ist auch, was 
jedem Ordensbruder von vornherein erlaubt war: Man benötigte keine Er- 
laubnis für Prügel mit einem Lederriemen. Jedem Templer war gestattet, 
auch ohne besondere Erlaubnis des zuständigen Ordensoberen einen Skla- 
ven mit einem Lederriemen, beispielsweise mit dem Riemen des Steigbü- 
gels, zu verprügeln, wenn der Betreffende solches nach seiner subjektiven 
Überzeugung verdient hatte, Bei einer so brutalen Züchtigung durfte nur 
eine Grenze nicht überschritten werden: um jeden Preis war eine Verstüm- 
melung des Opfers zu vermeiden s3 , Wurde diese Grenze nicht eingehalten, 
verlor das Opfer etwa das Auge(n)licht, das Gehör oder eines seiner Glied- 
maßen und wurde es dadurch dauerhaft arbeitsunfähig und somit für den 
Orden wertlos, so war dem schuldigen Bruder der Ausschluß aus dem 
Templerorden sicher. 
Diese unkontrollierten Gewaltausbrüche von Templerbrüdern gegen 
Sklaven. denen der Templerorden durch Strafandrohungen vorzubeugen 
suchte, waren offenbar noch massiver als die körperliche Züchtigung, mit 
der die schollengebundenen muslimischen Bauern von seiten ihrer fränki- 
schen Grundherren zu rechnen hatten 54 , 
Auf die Arbeitskraft der hörigen muslimischen Bauern wollten die gro- 
ßen Ritterorden in den Kreuzfahrerstaaten ebensowenig verzichteten wie 
die weltlichen Grundherren. Solange mit der Taufe automatisch die Freilas- 
sung verbunden war, wandten sie sich daher vehement gegen das Taufbe- 
gehren von Muslimen, die zur Konversion entschlossen waren. Das Ge- 
wohnheitsrecht der Kreuzfahrerstaaten hatte, wenn wir den Rechtsaufzeich- 
nungen der Assisen folgen, den zuletzt von Papst Honorius 111. ausdrücklich 
vertretenen Rechtsgrundsatz übernommen und betrachtete die Freilassung 
als eine notwendige, automatische Folge der Taufe. Zu einer Änderung der 
päpstlichen Haltung, dem Verzicht auf die Verbindung von Taufe und Frei- 
heit, kam es auf Drängen der damals von der Freilassung getaufter muslimi- 
scher Höriger betroffenen Grundherren, darunter der geistlichen Ritteror- 
den, unter Gregor IX. in der zweiten Hälfte der 1230er Jahre ss , Die ableh- 
nende Reaktion der Ritterorden entsprach der Haltung des Patriarchen von 
Jerusalem sowie der adeligen Grundherren; sie boykottierten gemeinsam 
die Missionsarbeit der Mendikanten. Gregor IX. reagierte in zwei aufeinan- 
derfolgenden Jahren 1237 zweimal auf die Beschwerden beider Seiten. Zu- 
nächst untersagte er dem Patriarchen von Jerusalem und den Meistern der 
drei großen geistlichen Ritterorden, den Taufwilligen die Taufe zu verwei- 
gern; er verfügte aber als Kompromiß und im Widerspruch zum Gewohn- 
heitsrecht der Kreuzfahrerstaaten, daß mit der Taufe nicht mehr die Freilas- 
sung der Getauften erfolgen solle, die neugetauften Muslime vielmehr in 
ihrer bisherigen Rechtsstellung verbleiben sollten, Wie alle betroffenen 
Grundherren waren auch die Ritterorden gehalten, die sarazenischen Neo- 


25
>>>
phyten nicht am Gottesdienstbesuch zu hindern und ihnen nicht die Gele- 
genheiten zum Empfang der Sakramente vorzuenthalten; sie sollten, so 
wollte es außer Gregor IX. auch der unter dem Namen Hostiensis bekannte 
Kardinalbischof von Ostia Henricus de Bartolomeis s6 , die Neugetauften 
nunmehr milder und wohlwollender behandeln als ihre unbekehrten mus- 
limischen Bauern, 
Dann befahl Gregor dem Patriarchen. auch die Ritterorden so wie alle 
anderen Grundherren zu zwingen, die Mission nicht zu hintertreiben. d.h. 
den unfreien Muslimen, wenn schon nicht allsonntäglich, so doch wenig- 
stens einmal pro Monat und an den wichtigsten Kirchenfesten, den Besuch 
von Missionspredigten und die Taufe zu gestatten, ferner das Recht der 
Neugetauften auf die Beichte und den regelmäßigen Besuch der Messe an 
den Hauptfeiertagen und an den Sonntagen anzuerkennen. 
Über einen Erfolg des päpstlichen Vorstoßes bei den Ritterorden ist 
nichts bekannt. Noch auf einem Generalkapitel der Johannitcr vom Jahr 
1262 setzte der Ordensmeister die förmliche Anerkennung seines Rechtes 
auf Genehmigung aller Taufbegehren von Ordenssklaven durch: Kein Or- 
densbruder, insbesondere kein Burgvogt sollte ohnc des Meisters Einver- 
ständnis eine solche Taufe zulassen oder veranlassenS7, 
Die Ritterorden behandelten die autochthone christliche Landbevölke- 
rung, die in den Ordensterritorien v,a. im nördlichen Syrien (z.B. im Gebiet 
der Hcrrschaften von Margat und Krak des Chevaliers) siedelte, wohl im 
Grunde nicht besser als die muslimischen Bauern. Man möchte gern glau- 
ben, daß die syrischen und griechischen Christen sicher waren vor Miß- 
handlungen durch Angehörige der Ritterorden. Sofern Übergriffe in Form 
von körperlicher Mißhandlung vorkamen, so mußten die schuldigen Or- 
densbrüder wohl mit einer strengen Ahndung rechnen, denn auf derartige 
Fälle ließen sich die strengen Strafandrohungen der Templerstatuten an- 
wenden, die Tätlichkeiten gegen jeden Christen ohne Einschränkung gene- 
rell untersagten und mit dem Verlust des Ordenskleides bestraft wissen 
wollten S8 , Totschlag und Mord an Christen sowie die Anstiftung zum Mord 
führte zum sofortigen Ausschluß der überführten Ordensmitglieder aus dem 
Orden sowie zu lebenslänglicher Kerkerhaft s9 , 
Im übrigen waren die christlichen Bauern auf den Ländereien der Rit- 
terorden ebenso schollen gebunden wie ihre muslimischen Standesgenossen 
und zu Diensten verpflichtet, deren Umfang unklar ist. Nicht anders als die 
Muslime tendierten beispielsweise zumindest im Süden des Fürstentums 
Antiochia die christlichen Bauern zur Abwanderung von den Ordensgü- 
tern 60 , Nicht überall zählten Christen zur lokalen bäuerlichen Bcvölkerung 
auf den Ordensbesitzungen. Vermutlich rekrutierten die Ritterorden, wo 
immer dies wegen des Vorhandenseins einer einheimischen christlichen 
Landbevölkerung möglich war, ihre Bediensteten vorzugsweise unter den 
in den Komtureien ansässigen melkitischen (syrischen) oder griechisch- 


26 


-
>>>
-orthodoxen Christen. Hierbei scheint es auch in größerem Maße zu Um- 
siedlungen gekommen zu sein. Wie häufig es vor dem Generalkapitel des 
Johanniterordens von 1262 zu solchen Umsiedlungen christlicher Bauern 
gekommen war, wissen wir nicht. 1262 beschloß das Generalkapitel die 
Rückführung dieser Menschen in ihre Heimat und untersagte zugleich für 
die Zukunft ausdrücklich derartige Umsiedlungen 61 . Über den Grund für 
diesen Stimmungswandel kann man nur Mutmaßungen anstellen. Mögli- 
cherweise hat man die christliche Bevölkerung der Gebiete von Margat und 
Crac de Chevaliers in der Vergangenheit aus Sorge um ihr Leben in Erwar- 
tung einer Verwüstung dieser Gebiete durch die Mongolen in Sicherheit 
gebracht. Der Rückzug der Mongolen aus Syrien, der nach dem Sieg der 
Von Sultan Baibars geführten ägyptischen Truppen über die Mongolen in 
der Schlacht bei Ain Jalut (Galilaea) im September 1260 erfolgte, führte 
dann vielleicht eine solche Beruhigung der Lage auch weiter nordwärts 
herbei, daß im Jahr 1262 der Johanniterorden eine Rückführung seiner 
christlichen Bauern in das Umland der beiden erwähnten großen Burgen 
riskierte. 
Freikauf kam für die hörigcn christlichen Untertanen der Ritterorden 
ebensowenig in Frage wie für die muslimische Landbevölkerung. Sie muß- 
ten auf die Freilassung hoffen. und manche von ihnen hatten Glück: Sicher 
haben nicht nur die Johanniter in den Kreuzfahrerstaaten zumindest gele- 
gentlich christliche Bauern oder Handwerkcr freigelassen; dic Freilassung 
hat man vor 1262 zumindest teilweise gewährt, ohnc den Konsens des 
Meistcrs einzuholen; solchen eigenmächtige Entscheidungen einzelner Brü- 
der und Baillis machte im Jahre 1262 ein Beschluß des Generalkapitels ein 
Ende, der allen Ordensmitgliedern einschärfte, daß nur mit Zustimmung des 
Johannitermeisters ein Ordensbruder das Recht habe, die Freilassung eines 
syrischen oder griechischen Christen, der bis dahin ein Höriger (homo, serf) 
der Johanniter gewesen war, vorzunehmen oder auch nur eine Freilassung 
zu bestätigen 61 , 
Die Sklaven hatten das Recht, sich die Freiheit zu erkaufen. Sowohl die 
Templer - als auch die Johanniterstatuten sahen diese Möglichkeit aus- 
drücklich vor. In erstcr Linie waren es wohl vornehme Kriegsgefangene, 
die durch ihre vermögenden Familien die Mittel zum Freikauf erhielten. 
Doch auch andere kamen durch Zahlungen frommer Muslime frei 63 , Die 
Ritterorden betrachteten den Freikauf als eine sehr vorteilhafte zusätzliche 
Einnahmequelle. Man verlangte wohl sehr unterschiedliche Preise, je nach 
sozialem Status der Einzelnen. Im Templerorden betrug das Lösegeld für 
einen versklavten Kriegsgefangenen zum Teil weit mehr als eintausend By- 
zantiner b4 . Der Johanniterorden war nur zur Veräußerung von alten und 
kränklichen Sklaven bereit (für sie verlangte er den Marktpreis) sowie zum 
Verzicht auf jene, die sich freikaufen wollten, sofern sie über hinreichendes 
Kapital verfügten. Die Freikaufsumme sollte ein Mehrfaches des Preises 


27
>>>
betragen, der für einen Sklaven verlangt wurde: man verlangte den Kauf- 
preis für zwei bis drei neue Sklaven 6s , konnte sich also aus diesen Lösegel- 
dern auf den Märkten in den Kreuzfahrerstaaten Ersatz beschaffen, wo in 
erster Linie italienische Kaufleute den Sklavenhandel kontrollierten 66 , 


V, Ausblick 


Nach diesem kursorischen Überblick über einige Aspekte der Wirklich- 
keit im Heiligen Land, deren Bewältigung für die geistlichen Ritterorden 
nicht einfach war, drängt sich die Frage auf, ob die Mitglieder dieser Ge- 
meinschaften, die in den Kreuzfahrerstaaten ihre Aufgabe zu erfüllen 
suchten, in jeder Hinsicht ausreichend vorbereitet waren für das Leben im 
Lateinischen Orient. Diese Frage läßt sich aufgrund der Quellenlage nicht 
abschließend beantworten. Aber es dürfte wohl kein Zweifel daran beste- 
hen, daß Welten lagen zwischen den Vorstellungen der meisten Ritterbrü- 
dern aus dem Okzident und den Orientalen, mit denen sie zu tun hatten und 
deren Aktivitäten für sie in vielerlei Hinsicht überlebensnotwendig waren. 
Was wußten die aus West-, Süd- und Mitteleuropa in die Kreuzfahrerstaa- 
ten versetzten Ritterbrüder im Templer-, Johanniter- und Deutschen Orden 
überhaupt von der Wirklichkeit des Vorderen Orient? Die meisten wußten 
sicherlich nicht viel, und jene zahlreichen Ritterbrüder, die bereits nach nur 
kurzem Aufenthalt im Königreich Jerusalem oder in den benachbarten Für- 
stentümern in den Kämpfen gegen die Muslime ums Leben kamen, hatten 
auch kaum Gelegenheit, ihren Horizont in dieser Hinsicht zu erweitern. Nur 
Templerbrüder, die lange Zeit in den Kreuzfahrerstaaten lebten, hatten Ge- 
legenheit, Arabisch zu erlernen und Kontakte auch zu Muslimen zu knüp- 
fen, wobei die Intensität dieser Kontakte sicherlich nicht stärker war als die 
Beziehungen zwischen den Muslimen und den Angehörigen der fränkischen 
Aristokratie 67 . Der vor allem in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu 
beobachtende Übergang der Ritterorden zu einer ganz pragmatischen, vor- 
rangig auf das Überleben der fränkischen Fürstentümer bedachten Politik 
gegenüber den muslimischen Machthabern in Ägypten und Syrien, die bei 
den neu im Heiligen Land eingetroffenen Kreuzfahrern noch am Vorabend 
des Falls von Akkon auf völliges Unverständnis stieß, war nur möglich 
durch die im Laufe der Zeit erworbene Kenntnis des Gegners. 
Nicht nur in der Anfangszeit der Ritterorden kamen die im Lateinischen 
Orient eingesetzten Brüder mit wenigen Ausnahmen aus Europa. Soweit 
sich erkennen läßt, war für Angehörige der fränkischen Aristokratie der 
Kreuzfahrerstaaten, anders als für Angehörige des europäischen Adels, die 
Mitgliedschaft in einem Ritterorden vergleichsweise uninteressant. An die- 
sem Eindruck ändert auch die Karriere des mächtigen Herrn von Nablus, 
Philipp von Milly, nichts, der im Januar 1166 in den Templerorden eintrat 


28 


-
>>>
und binnen weniger Jahre zum Meister seines Ordens aufstieg, aber nur 
zwei Jahre später wieder von diesem Amt zurücktrat, um für den König von 
Jerusalem, dessen offensive Ägyptenpolitik er wesentlich mitgetragen hat- 
te, eine Gesandtschaft nach Konstantinopel übernehmen zu können 68 . Phil- 
lipp von Nablus blieb der einzige Meister eines geistlichen Ritterordens, 
der aus der fränkischen Feudalaristokratie hervorging. 
Über die Ursachen für diese fast vollständige Abstinenz des fränkischen 
Adels 69 lassen sich nur Vermutungen anstellen. Durch den ständigen Krieg, 
der den adeligen Familien in den Kreuzfahrerstaaten einen hohen Blutzoll 
abverlangte, waren diese Familien im allgemeinen so sehr in ihrer Existenz 
gefährdet, daß sie im Hinblick auf ihr dynastisches Überleben keinem 
männlichen Familienmitglied den Eintritt in eine Gemeinschaft empfehlen 
konnten, die von ihren Mitgliedern den Verzicht auf legitime Nachkommen 
verlangte, und aus materiellen Erwägungen zwar auch verheiratete Mitglie- 
der aufnahm, aber niemals als Ritterbrüder akzeptierte und dazu noch Hand 
auf den Besitz der Verheirateten legte, die sich zum Eintritt entschlossen 7o , 
Die Angehörigen der Ritterorden, die in den Kreuzfahrerstaaten eingesetzt 
wurden, hatten vor ihrem Eintritt die Verhältnisse im Lateinischen Orient 
wenn überhaupt, so meist nur als Kreuzfahrer kennengelernt; nur in selte- 
nen Fällen hatten sie vor ihrem Eintritt in einen Ritterorden bereits längere 
Zeit in den Kreuzfahrerstaaten gelebt und dem einen oder anderen Fürsten 
gedient. Ausnahmen sind zum Beispiel der Templermeister Gerhard von 
Ridefort, der als junger Ritter in Syrien sein Glück gesucht hatte und erst 
dann einem der Ritterorden beitrat, als er andere Hoffnungen auf ein Fort- 
kommen aufgegeben hatte 71 , und sein Vorgänger Odo von St. Amand, der 
lange Jahre den Königen Balduin 111. und Amalrich gedient hatte, ehe er 
dem Templerorden beitrat 72 , 
Der Eintritt in die Ritterorden erfolgte sicher nicht immer nur aus reiner 
Devotion. Wegen des ausgesprochenen Mangels an Ritterbrüdern eröffne- 
ten beispielsweise die Templer adeligen Kreuzfahrern die Möglichkeit. 
während ihres Aufenthaltes in den Kreuzfahrerstaaten Mitglieder auf Zeit, 
für ein bis zwei Jahre, zu werden, die das Kontingent der kämpfenden Brü- 
der in den Kreuzfahrerstaaten verstärken sollten 73 . Nicht gering ist vermut- 
lich auch die Zahl der Ritterbrüder gewesen, die erst in relativ fortgeschrit- 
tenem Alter eintraten und dann große Mühe hatten oder unfähig waren, sich 
Von den ganz weltlichen Wertvorstellungen und Verhaltensnormen ihres 
Standes zu trennen. Für jeden Ritterorden ergab sich daher die Schwierig- 
keit, den Neuankömmlingen überzeugend zu vermitteln, warum die Ver- 
hältnisse in Syrien und Palästina in mancher Hinsicht eine Veränderung 
des bisherigen Sozialverhaltens, erlernter Reaktions- und Handlungsweisen 
erforderten. Die absolute Gehorsamspflicht der Brüder gegenüber allen 
Anweisungen enthob die Ordensoberen der Notwendigkeit, Befehle näher 
zu begründen. Das Gebot machte Argumente entbehrlich. Die lange Liste 


29
>>>
der strikten Gebote und Verbote, die strengen Strafandrohungen und die 
harten Urteile, die wir der ordensinternen Überlieferung entnehmen kön- 
nen, illustrieren die Probleme, die für die Ritterorden aus der Bereitschaft 
der Ordensbrüder zu physischer Gewaltanwendung erwuchsen. Diese Pro- 
bleme erwuchsen wenigstens teilweise aus dem Desinteresse der Ritteror- 
den an einer moralisch einwandfreien Vergangenheit neuer Ordensbrüder, 
wenn sie nur für den Waffendienst geeignet schienen. Auch bußfertige 
Mörder und Straßenräuber konnten so ihr Auskommen in den Ritterorden 
finden 74 , 
Bei manchem Bruder eines Ritterordens, den es in den Orient verschla- 
gen hatte, wurde wohl die Sehnsucht nach alten. in der Heimat gepflegten 
Ritualen übermächtig: In Unkenntnis der lokalen Verhältnisse vergaß so 
manchcr Bruder gern Anweisungen, deren Sinn ihm nicht einsichtig war. 
So übertraten beispielsweise die Templerbrüder, die bei der großen Hafen- 
stadt Akkon im Weinberg und in den Gärten ihres Ordens arbeiteten. die 
Anordnung des Meisters, sich nicht mit Mitbrüdern zum Abendessen zu 
verabreden. Sie vereinbarten ein Treffen außerhalb der Stadt, deren Hinter- 
land ausschliesslich von Muslimen besiedelt war 7S , und speisten dort bis in 
die Dunkelheit. Auf dem gemeinsamen Heimweg wurde die Gruppe von 
Muslimen überfalllen, die einen Templerbruder töteten und einen zweiten 
schwer verletzten 76 . Leichtfertigkeiten dieser Art unterliefen den Ordens- 
brüdern gewiß häufiger, als wir den Quellen entnehmen können. 
Geprägt wird das Bild der Ordensritter und der Ritterorden als Institu- 
tionen aber nicht durch diese naiv-unbedachte Freude einzelner Ordens- 
brüder an harmloser Geselligkeit. Geprägt wird es genausowenig durch das, 
was uns Usama ibn Munqidh in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts 
über sein gutes Verhältnis zu einem Templerbruder in Jerusalem berich- 
- tet 77 , Zumindest einige der länger in den Kreuzfahrerstaaten lebenden An- 
gehörigen der Ritterorden haben Arabisch gelernt und waren zum Teil in der 
Lage, Dolmetscherdienste zu leisten, was den diplomatischen, friedenssi- 
chernden Kontakten zwischen den Ritterorden und islamischen Mächten in 
Syrien sicherlich zugute kam. Eine vertiefte Beschäftigung der Brüder mit 
der arabisch-islamischen Kultur und dem Islam und extra auf eigene Faust 
unternommene Ausflüge in die muslimischen Dörfer waren jedoch eher un- 
erwünscht. Die Furcht zumindest der Führung des Templerordens vor der 
Anfälligkeit von Ordensbrüdern, vor Überläufern aus den eigenen Reihen 
auf die Seite der Muslime illustrieren dic Statuten 78 , Anpassung der Or- 
densbrüder an die Sitten und Gebräuche der einheimischen Bevölkerung im 
Lateinischen Orient durfte niemals so weit gehen. daß Zweifel an der Rich- 
tigkeit des Krieges gegen die Muslime einsetzten, Die Ordensoberen förder- 
ten sie nicht. 
Geprägt wird das Bild der Ordensritter insgesamt eher durch ihre laten- 
te Neigung zur Gewalttätigkeit und durch die offenen Gewalttaten von Or- 


30 


-------..
>>>
densmitgliedern gegen Nichtchristen und auch Christen. Die scharfen Be- 
stimmungen und Strafandrohungen gegen schrankenlose Gewaltausübung 
gegenüber Unfreien, Hörigen und allen anderen Christen unter Einschluß 
der eigenen Ordensbrüder sind Indizien dafür, daß solche Übergriffe 
vorkamen. Über die Häufigkeit solcher Vergehcn wissen wir nichts. Dank 
ihrer exemten Stellung waren die Ritterorden schließlich selbst zuständig 
für die Aburteilung sämtlicher Verbrecher aus ihren eigenen Reihen. Ein 
Generalkapitel der Johanniter befaßte sich 1288 mit dem Delikt Totschlag 
unter Ordensbrüdern und mit den gegen den Täter zu ergreifenden Maß- 
nahmen 79 . Auch der Templerorden mußte auf die Neigung seiner Mitglieder 
zu Bluttaten reagieren 80 , Der anonyme Templer aus Akkon, der zwischen 
1257 und 1268 eine Sammlung von Rechtsfällen für den ordens internen 
Gebrauch als Leitfaden für die Ordensjustiz zusammenstellte 81 , berichtet 
von einem Mordfall in der Stadt Antiochia: Drei Templerbrüder, die christ- 
liche Kaufleute hatten ermorden lassen, wurden überfÜhrt und von dem 
Gericht ihres Ordens wegen Anstiftung zum Mord abgeurteilt; sie wurden 
aus dem Orden ausgestoßen und außerdem in Antiochia, Tripolis, Tyrus 
und Akkon öffentlich ausgepeitscht. Anschließend wurden sie auf das 
bereits erwähnte Pilgerschloß transferiert, um dort eine lebenslange Ker- 
kerstrafe zu verbüßen 81 , 
Da schon bei relativ geringfügig erscheinenden Delikten eine Haftstrafe 
drohte, könnte man vermuten, daß die Kerker des Pilgerschlosses - es 
handelte sich offenbar um das einzige Gefängnis des Templerordens im 
Lateinischen Orient - niemals leer standen. Genaueres wissen wir darüber 
leider nicht. Ob die anderen Ritterorden geringere Disziplinprobleme hat- 
ten, läßt sich mangels Quellennachrichten bedauerlicherweise nicht ermit- 
teln, aber es ist eher unwahrscheinlich. Die Überlieferung der Johanniter 
und des Deutschen Ordens spiegelt die Wirklichkeit bis zum Zusammen- 
bruch der Kreuzfahrerstaaten noch schwächer wider als die Statutensamm- 
lung des Templerordens. 
An dem von der Forschung erarbeiteten Bild der Ritterorden als unab- 
hängige, jedoch trotz ihrer kirchlichen Exemtion und trotz des Fehlens ei- 
ner lehnsrechtlich verankerten militärischcn Dienstpflicht fest in "das staat- 
lich-kirchliche Gefüge" der Kreuzfahrerstaaten integrierte Mächte 83 ändern 
die hier zur Diskussion gestellten Beobachtungen nichts, denn es ging nur 
darum, in einigen Punkten die Bedeutung der Realität im Heiligen Land für 
die Existenz dieser Gemeinschaft
n näher zu beleuchten, Das, was sich 
über das tatsächliche oder mögliche Verhalten von Mitgliedern der geistli- 
chen Ritterorden in Erfahrung bringen licß, läßt sie in unserer Vorstellung 
die Gestalt von abenteuerlustigen, zur Gewalt neigenden und durch Diszi- 
plin kaum zu bändigenden Kriegern annehmen, die weder Laien noch Mön- 
che waren. sondern als "Semireligiosen" einen mittleren Weg zwischen 
beiden Lebensformen beschritten 84 , Diese Männer, die eher als Krieger in 


31
>>>
Erscheinung traten denn als Mönche, etwa mit den Fremdenlegionären des 
20. Jahrhunderts vergleichen zu wollen, wäre selbstverständlich ganz und 
gar unpassend, auch andere Vergleiche anzustellen, verbietet sich im Kon- 
text dieses Beitrages. Es gibt in der Gegenwart keine Gemeinschaften mehr, 
die für einen seriösen Vergleich herangezogen werden könnten. Unsere 
Vorstellung von der Wirklichkeit der Ritterorden im Heiligen Land kann 
nicht präziser sein als die Quellen; sie wird immer widersprüchlich und un- 
scharf bleiben. 


Anmerkungen 


I 1. Riley-Smith, The Knights of St. John in Jerusalem and Cyprus 1050-1310 (A Hi- 
story of the Order of the Hospital of St. John of Jerusalem, ed. L. Butler, I). London 1967; 
M.-L. Bulst-Thiele, Ordinis Sacrae militiae Templi Magistri, Göttingen 1973; M.-L. Fa- 
vreau, Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Kieler Historische Studien 2, Stutt- 
gart 1974; A. Demurger, Die Templer. Aufstieg und Untergang J/20-1314, München 
41994; A. Forey, The Military Orders. From the Twelfth to the Early Fourteenth Centuries, 
HoundsmiIl, Basingstoke, London 1992; M. Barber, The New Knighthood. AHistory of the 
Order of the Temple, Cambridge 1994; H. Nicholson, Templars. Hospitallers and Teutonic 
Knights. Images ofthe Military Orders 1128-1291, Leicester, London, New York 1995. 
2 Cartulaire general de l'ordre des Hospitaliers de St.-Jean de Jerusalem, ed. J. De- 
laville Le Roulx, 4 Bde., Paris 1894-1906, I, S. 116-118, 130, Nr. 144, 160; Riley-Smith, 
The Knights (wie Anm. I), S. 55f., 463f. 
3 Riley-Smith, The Knights (wie Anm. I), S. 464. 
4 Cartulaire (wie Anm. 2) I, S. 266-268, Nr. 391, S. 267; Riley-Smith, The Knights 
(wie Anm. I), S. 464. 
5 Vergleichbar sind auch die Konzessionen des Königs von Kleinarmenien von 1210: Er 
erlaubte den Johannitern, nach Belieben Kriegshandlungen zu eröffnen und Waffenstill- 
standsabkommen zu schliessen, und er war ausserdem bereit, seine eigenen. ohne Zutun der 
Johanniter geschlossenen, Waffenstillstandsverträge mit muslimischen Herrschern zu bre- 
chen, wenn nur der Vertragsbruch die Verteidigung der dem Johanniterorden gehörenden 
Territorien in KleinarmenienlNordsyrien gegen einen muslimischen Angriff ermöglichen 
würde. Cartulaire 2, I 18f. Nr. 1349, S. 119; vgl. dazu Riley-Smith, The Knights (wie Anm. I), 
S.132. 
6 Cartulaire (wie Anm. 2) 1,491-496, Nr. 783, S. 495; Riley-Smith, The Knights (wie 
Anm. I), S. 464f. 
7 Cartulaire (wie Anm. 2), S. 70f., 122f., 176, Nr. 1262, 1355, 1442; Riley-Smith, The 
Knights (wie Anm. I), S. 465. 
8 Zu den Verlusten des Johanniterordens vgl. M. Balard, I possedimenti degli ospeda- 
lieri nella Terrasanta (secoli XII-XIII), in: Cavalieri di San Giovanni e territorio. La Li- 
guria tra Provenza e Lombardia nei secoli XIII-XVII. Atti dei Convegno Genova. Imperia- 
Cervo, 11-/4 settembre 1997, ed. J. Costa Restagno (Sovrano militare ordine di Malta. 
Istituto internazionale di studi Iiguri. Atti di Convegni 2), Genova-Bordighera 1999, S. 
473-505, S. 482. 


32 


-----
>>>
9 R. Ellenblum, Frankish Rural Settlement in the Latin Kingdom of Jerusalem, Cam- 
bridge 1998, S. 2 I 3-2 I 9, 269f., setzt sich überzeugend mit dem Problem der Siedlungs- 
dichte um Safad und in ganz Galilaea auseinander. Wohl zu Recht bestreitet er die Glaub- 
würdigkeit der Nachricht, es habe über 260 Dörfer mit insgesamt rund 10 000 Einwohnern 
im Gebiet der Burg gegeben. Diese Zahlen beziehen sich, wenn sie nicht auf reiner Erfin- 
dung beruhen, wohl auf ganz Galiaea und nicht nur auf den Komplex an Ländereien in der 
Umgebung von Safad. 
10 J. H. Pryor, In subsidium terrae sanctae. Export 01 FoodstujJs and War Materials from 
the Kingdom of Sicily to the Kingdom of Jerusalem, in: Medieval Levant. Studies in Me- 
mory of Eliyahu Ashtor, ed. B. Z. Kedar u. A. L. Udovitch, Haifa 1988, S. 127-146. Vgl. 
ergänzend die Materialsammlung von M.-L. Favreau-Lilie, Der Fernhandel und die Aus- 
wanderung der Italiener ins Heilige Land, in: Venedig und die Weltwirtschaft um 1200, 
hg. v. W. v. Stromer, Studi. Schriftenreihe des Deutschen Studienzentrums in Venedig 7, 
Stuttgarl 1999, S. 209-2 I I. mit Anm. 12). 
11 O. Berggötz, Der Bericht des Marsilio Zorzi. Codex Querini-Stampalia IV 3 (1064), 
Kieler Werkstücke Reihe C, 2, Frankfurt am Main, Bern. New Y ork, Paris 1990, S. 149- 
-156, 161-166. Vgl. zu diesen Fragen ausfllhrlich J. Prawer, Palestinian Agriculture and 
the Crusader Rural System, in: ders., Crusader Institutions, Oxford 1980, S. 143-200. 
12 M.-L. Favreau-Lilie, Landesausbau und Burg während der Kreuzfahrerzeit: Salad in 
Obergalilaea, Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 96, 1980, S. 67-87, S. 83-86. 
Eine englische Übersetzung des meinen Ausführungen zugrunde liegenden anonymen Trak- 
tates (Edition von R. B. C. Huygens, De constructione castri Saphet. Construction et fonc- 
tions d'un chäteau fort franc en Terre Sainte [Koninklijke Nederlandese Akademie van 
Wetenschapen, Afdeling Letterkunde, Verhandelingen Nieuwe Reeks, deel 111], Amster- 
dam/OxfordlNew York 1981, S. 34-44) findet sich im Anhang von H. Kennedy, Crusader 
Castles. Cambridge 2 I 995. 
13 Vgl. La regle du Temple, ed. H. de Curzon, Paris 1886, c. 234, S. 155; J. M. Upton- 
-Ward, The Rule of the Templars. The French Text of the Rule of the Order of the Knights 
Templar, Woodbridge 1992, S. 74. 
14 La regle (wie Anm. 13), c. 235, S. 74; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 74. 
IS Cartulaire (wie Anm. 2) S. 48 I f., Nr. 2105; Forey, The Military Orders (wie Anm. I). 
S. 92f. Zum Kontext vgl. Riley-Smith, The Knights (wie Anm. I), S. 172. 
16 Tabulae ordinis Theutonici, hg. v. E. Strehlke, Berlin 1869, S. 88-91. 96-98, Nr. 108- 
-I I I, 114-115; vgl. auch ebd., S. 103-106, Nr. 117, 118. 
17 Zum Folgenden vgl. M.-L. Favreau, Die Kreuzfahrerherrschaft Scandalion (Iskan- 
derune), Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 93, 1977, S. 12-29. 
18 M. Barber, Supplying the Crusader States: The Role ofthe Templars, in: The Horns of 
Hattin, Proceedings of the Second Conference of the Society for the Study of the Crusades 
and the Latin East, Jerusalem and Haifa 2-6 July 1987, ed. B. Z. Kedar, Jerusalem 1992, 
S. 314-326; M.-L. Favreau-Lilie, The Military Orders and the Escape of the Christian 
Populationfrom the Holy Land in 1291, Journal of Medieval History 19, 1993, S. 201-227, 
S. 2 I 9-226; Barber, The New Knighthood (wie Anm. I), S. 235-244. 
19 V gl. die Beschlüsse des Generalkapitels der Johanniter vom Jahre I 182: Cartulaire I, 
425-429, Nr. 628, S. 426f.; Riley-Smith, The Knights (wie Anm. I), S. 287; Forey, Mili- 
tary Orders (wie Anm. I), S. 128f. 
20 Zur Höhe von Geldgeschenken vgl. La Regle (wie Anm. 13), c. 82, S: 78; Upton- 
-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 40. 
21 Vgl. La regle (wie Anm. 13), c. 82, S. 78; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 40. 
22 Zu den Einkünften der Ritterorden und den daraus sich ergebenden Handlungsspiel- 
räumen vgl. auch den Überblick von Forey, The Military Orders (wie Anm. I), S. 98- 10 I. 


33 


-
>>>
23 Forey, The Military Orders (wie Anm. I), S. 117,204-211. VgI. auch H. Nicholson, 
Templars, Hospitallers and Teutonic Knights. Images of the Military Orders, 1128-1291, 
Leicester, London, New York 1993, S. 68-75. 
24 Cartulaire 4, 291-293, Nr. 3308; R. Röhricht, Regesta regni Hieroso-lymitani, Inns- 
bruck 1893-1904 (= RRH), 1358 a. 
25 VgI. das Hilfeersuchen des Templermeisters Wilhelm von Beaujeu an König Edward I. 
von England: Lettres inedites concernant les croisades (/275-1307), ed. C. Kohler u. C. V. 
Langlois, Bibliotheque de l'Ecole des Chartes 52, 1891, S. 55f., Nr. 2; RRH, 1404. 
26 VgI. Riley-Smith, The Knights (wie Anm. I), S. 128f., 138-141, 193. 
27 Zum Folgenden vgI. Favreau, Studien (wie Anm. I), S. 48-56. 
28 Dazu vgI. M.-L. Favreau, Zur Pilgerfahrt des Grafen Rudolfvon Pfullendorf Ein un- 
beachteter Originalbrief aus dem Jahre I 180, Zeitschrift fUr die Geschichte des Oberrheins 
123 = NF 84, 1975, S. 31-45. 
29 VgI. die Bulle Omne datum optimum von 1139 fUr die Templer: R. Hiestand, Papst- 
urkunden für Templer und Johanniter. Archivberichte und Texte, Vorarbeiten zum Oriens 
Pontificius I; Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch- 
-Historische Klasse, Dritte Folge 77, Göttingen 1972, S. 204-210, Nr. 2, S. 206; ders., 
Papsturkundenfür Templer und Johanniter, Neue Folge, Vorarbeiten zum Orients Pontifi- 
cius 2; Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Philologisch-Histori- 
sche Klasse Dritte Folge 135, Göttingen 1984, S. 96. 
30 Cartulaire (wie Anm. 2) 3, 43-54, Nr. 3039, c. 44, S. 53; E. J. King (Übers.), The 
Rule, Statutes, and Customs ofthe Hospitallers /099-13/0, with introductory chapters and 
notes, London 1934, S. 65. 
31 La regle (wie Anm. 13), c. 116, S. 98; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 48. 
32 Favreau, Studien (wie Anm. I), S. 17f. 
33 Deutschordensregel, c. I I, hg. v. M. Perlbach, Die Statuten des Deutschen Ordens, 
Halle 1890, S. 38; vgI. Favreau, Studien (wie Anm. I), S. 18, mit Anm. 45. Angeblich ent- 
sprach, nach einer Überlieferung des 15. Jahrhunderts, der Deutsche Orden, als er sich wäh- 
rend eines Streites mit den Johannitern - offenbar in jenem Konflikt um die Sepulturrechte 
in Akkon nach dem Ende des dritten Kreuzzuges - den Templern gewissermassen als 
Schutzmacht unterstellte, mit dem Verzicht auf ein das schwarze Kreuz ergänzendes kreis- 
halbkreis- oder scheibenförmiges Abzeichen, das nicht unbedingt von gleicher Farbe gewe- 
sen sein muss, einer Forderung dieses Ritterordens: B. Z. Kedar, The Tractatus de locis et 
statu sancte terre, in: The Crusades and Their Sources: Essays presented to Bernard 
Hamilton, ed. J. France and W. G. Zajac, Aldershot, Hampshire 1998, S. I I 1-133, S. 132. 
aus der Hs. München, Bayer. Staatsbibliothek Clm 5307, fol. 122r-v: circulum qui erat 
circa nigram crucem, quam adhuc portant, deposuerunt: quod erat inter omnia signa ma- 
xime honorificum. Als Vorbild fUr ein derartiges Abzeichen, das Kreuz- und Scheiben - 
bzw. Kreisform verband, wären vielleicht Kreuzformen denkbar, die in der Sakralkunst des 
christlichen Orient und in der byzantinischen Kunst vorkamen. 
34 Zum weissen Mantel vgI. Die ursprüngliche Templerregel, kritisch untersucht u. hg. v. 
G. Schnürer, Studien und Darstellungen aus dem Gebiete der Geschichte III/I-2, Freiburg 
i. Br. 1903, c. 20-22, S. 140f.; La regle (wie Anm. 13), c. 17, S. 27f. Zum roten Kreuz als 
Abzeichen der Templer vgl. Tractatus de locis et statu sancte terre ierosolimitane (wie 
Anm. 33), S. 125: Qui videlicet Templarii peroptimi milites sunt, albas clamides et rubeam 
crucem ferentes. Zur hierarchischen Differenzierung der Tracht im Templerorden vgl. Barber, 
The New Knighthood (wie Anm. I), S. 191. 
35 Cartulaire (wie Anm. 2) 2, 877f., Nr. 2928; Riley-Smith, The Knights (wie Anm. I), 
S. 238. Der Tractatus de locis sanctis et statu terre ierosolimitane (wie Anm. 33), S. 126, 


34 


..-
>>>
erwähnt nicht die Mantelfarbe, sondern nur die Farbe des Kreuzes: Hospitalarii vero albam 
crucem portant in clamide. 
36 Cartulaire (wie Anm. 2) 3, 368-370, Nr. 3670, c. 3, 5 S. 370; vgI. King, The Rule 
(wie Anm. 30), S. 80f. Riley-Smith, The Knights (wie Anm. I), S. 238f. Zur Zulässigkeit 
der roten Farbe als Kleidungsfarbe nur im Kriegsfall vgl. auch einen Beschluss des Gene- 
ralkapitels von 1283; Cartulaire (wie Anm. 2) 3, 450-455, Nr. 3844, c. 5, S. 370. 
37 Dazu vgI. die Arbeit von Ellenblum, The Frankish Rural Settlement (wie Anm. 9) 
passim. 
38 Zur Stellung der muslimischen Bevölkerung im Lateinischen Orient vgI. in Kürze M.-L. 
Favreau-Lilie, .. Multikulturelle Gesellschaft" oder" Persecuting Society"? .. Franken" und 
.. Einheimische" im Königreich Jerusalem, in: Jerusalem im Hoch- und Spätmittelalter: 
Vorstellungen und Vergegenwärtigungen, Konflikte und Konfliktregelung, hg. v. D. Bauer, 
N. Jaspert u. K. Herbers, Frankfurt a.M 2001, S. 55-93. 
39 La regle (wie Anm. 13), c. 77, 99, 110, 125, S. 75, 86f., 94, 102; Upton-Ward, The 
Rule (wie Anm. 13), S. 39. 44, 47, 50. 
40 Riley-Smith, The Knights (wie Anm. I), S. 465; Cartulaire (wie Anm. 2), 1,491-496, 
Nr. 783, S. 495; ebd. 2, 859-863, Nr. 2902, S. 862. Zur Flucht höriger muslimischer Bau- 
ern und zu den Gegenmaßnahmen adeliger Grundherren vgI. K. S. Salibi, The Buhturids of 
the Garb: Medieval Lords of Beirut and 01 Southern Lebanon, Arabica. Revue des etudes 
arabes 8, 1961, S. 74-97, S. 87; J. Prawer, Serfs, Slaves and Bedouin, in: ders., Crusader 
Institutions, Oxford 1980, S. 201-214, S. 206. 
41 Vgl. hierzu zuletzt Prawer, Serfs (wie Anm. 40), S. 204 und demnächst Favreau- 
-Lilie, Multikulturelle Gesellschaft (wie Anm. 38), S. 67-69. 
42 Hierzu und zum Folgenden La regle (wie Anm. 13), c. 116, S. 98; Upton-Ward. The 
Rule (wie Anm. 13), S. 48. 
43 La regle (wie Anm. 13), c. 123, S. 101 f.; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 50. 
44 VgI. Demurger, Die Templer (wie Anm. I), S. 148. 
45 Vgl. Usäma ibn Munqidh, Ein Leben im Kampfgegen die Kreuzritter. Aus dem Arabi- 
schen übertragen u. bearb. v. G. Rotter, Bibliothek arabischer Klassiker 4, Tübingen, Basel 
1978, S. 101-103; Ibn Dschubair, Tagebuch eines Mekkapilgers. Aus dem Arabischen übertr. 
u. bearb. v. R. Günther, Bibliothek arabischer Klassiker 10, Stuttgart 1985, S. 229f. 
46 La regle (wie Anm. 13), c. 266, 270, S. 163, 165; Upton-Ward, The Rule (wie 
Anm. 13), S. 79, 80. 
47 Kontakte zwischen einem esclafund einemlrere de mestier, die zu Streit und Bestra- 
fung des Sklaven flIhren konnten, ergaben sich eigentlich nur bei einer engen Zusammenar- 
beit: La regle (wie Anm. 13), c. 336, S. 193; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 94. 
48 Nach einer zeitgenössischen arabischen Quelle hatte der Templerorden rund zweitau- 
send muslimische Sklaven zu den Bauarbeiten nach Safad geschickt und befllrchtete von 
ihnen einen Aufstand: Ibn al-Furllt, zit. bei P. Deschamps, Les Chäteaux des croises en 
Terre Sainte 2 (La defense du royaume de Jerusalem), Paris 1939, S. 141; vgI. Kennedy, 
Crusader Castles (wie Anm. 12), S. 194. 
49 Zu den Turkopolen, Angehörigen der leichbewaffneten Reiterei von möglicherweise 
heterogener Herkunft, vgI. zuletzt zusammenfassend J. Richard, Les Turcoples au service 
des royaumes de Jerusalem et de Chypre: Musulmans convertis ou Chretiens orientaux?, 
in: Melanges D. Sourdei, Revue des etudes islamiques 56, 1986, Paris 1989, S. 259-270. 
so Huygens, De constructione castri Saphet (wie Anm. 12), S. 38, Z. 117-124 (123f.), 
S. 41, Z. 210. 
51 Fidentius von Padua, Liber recuperationis Terrae Sanctae c. 21, ed. G. Golubovich, 
Biblioteca bio--bibliografica della Terra Santa e dell'Oriente francescano, 5 Bde., Quaracchil 
IFirenze 1906-1927, S. I, 24f. liefert neben dem anonymen Traktat den zweiten wichtigen 


35 


-
>>>
Bericht Ober den Fall von Safad; M. Roncaglia, I Francescani in Oriente durante le crociate 
(secolo XII/), BOF ser. 4; Studi I (Storia della provincia di Terrasanta), Cairo 1954, 87f. 
52 La regle (wie Anm. 13), c. 254, 597, S. 160f., 310; Upton-Ward. The Rule (wie 
Anm. 13), S. 77, 154. 
53 La regle (wie Anm. 13), c. 336, S. 193f.; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 94. 
54 VgI. dazu E. Sivan, Les refugies syro-palestiniennes iJ l'epoque des Croisades, Revue 
des etudes islamiques 35, 1967, S. 135-147, S. 138f.; vgI. zu dem einzigen bekannten 
konkreten Fall vgI. demnächst Favreau-Lilie, Multikulturelle Gesellschaft (wie Anm. 38), 
S. 70-72 mit einem Überblick Ober die bisherige Literatur. 
55 Hierzu und zum Folgenden vgI. bes. B. Z. Kedar, Crusade and Mission. European Ap- 
proaches toward the Muslims, Princeton 1984, S. 146- 154; in KUrze auch Favreau-LiIie, 
Multikulturelle Gesellschaft (wie Anm. 38). 
56 Kedar, Crusade and Mission (wie Anm. 54), S. 150 mit (wie Anm. 42). 
57 Cartulaire (wie Anm. 2) 3, Nr. 3039, c. 49, S. 53; J. King, The Rule (wie Anm. 30), 
S. 65. Ebenso wie bei den Templern kamen offenbar auch bei den Johannitern Sklaven ins- 
besondere auf den Burgen zum Einsatz. 
58 La regle (wie Anm. 13), c. 235, S. 155; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 74. 
59 La regle (wie Anm. 13), c. 226, 554, S. 153, 289f.; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 
13), S. 73, 144. 
60 Cartulaire (wie Anm. 2) 1,491-496, Nr. 783, S. 495. 
61 Cartulaire (wie Anm. 2) 3, Nr. 3039, c. 12, S. 46; King, The Rule (wie Anm. 30), S. 57. 
62 Cartulaire (wie Anm. 2) 3, Nr. 3039, c. 50, S. 53f; King, The Rule (wie Anm. 30). S. 66. 
63 Usama ibn Munqidh (wie Anm. 45), S. 101-103; Ibn Dschubair (wie Anm. 45), 
S. 229f. 
64 La regle (wie Anm. 13), c. 113, S. 47; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 96. 
65 Cartulaire (wie Anm. 2) 3, Nr. 3039, c. 48, S. 53; King, The Rule (wie Anm. 30), S. 65. 
66 M.-L. Favreau-Lilie, Die Italiener im Heiligen Land vom ersten Kreuzzug bis zum 
Tode Heinrichs von Champagne, Amsterdam 1989, S. 94, 502, 534. Allg. zur Sklaverei im 
Mittelmeerraum immer noch grundlegend C. Verlinden, L 'Esclavage dans l'Europe medie- 
vale 2 (ltalie, Colonies italiennes du Levant- Levant latin, Empire byzantin), Gent 1977. 
67 Dazu vgI. Favreau-Lilie, Multikulturelle Gesellschaft (wie Anm. 38), S. 59-60. 
68 M.-L. Bulst- Thiele, Magistri (wie Anm. I), S. 75-86; Barber, New Knighthood (wie 
Anm. I), S. 86, 106f., 186. 
69 Den Eintritt der nachgeborenen Söhne des letzten Herren von Scandalion in den Deut- 
schen Orden (Favreau. Die Kreuzfahrerherrschaft Scandalion [wie Anm. 17], S. 28) wenige 
Jahre vor dem endgültigen Zusammenbruch der fränkischen Herrschaft in Syrien oder den 
Eintritt des letzten Herrn von Sidon als Confrater in den Templerorden, nachdem dieser 
1260 den letzten Rest der Herrschaft Sidon übernommen hatte (R. Hiestand, Templer- und 
Johanniterbistümer und -bischöfe im Heiligen Land, in: Ritterorden und Kirche im Mit- 
telalter, hg. v. Z. H. Nowak, Ordines militares - Colloquia Torunensia Historica 9, Torun 
1997, S. 143-161, S. 149), würde ich als Ausnahmen betrachten. Eine Untersuchung des 
Personals der Ritterorden in den Kreuzfahrerstaaten fehlt noch. Zur Rekrutierung der Or- 
densbrüder vgI. ganz allgemein Forey, The Military Orders (wie Anm. I), S. 132f. 
70 Schnürer, Die ursprüngliche Templerregel (wie Anm. 34), c. 53, S. 148; La regle (wie 
Anm. 13), c. 69. S. 68; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 36; Demurger. Die 
Templer (wie Anm. I), S. 80. 
71 M.-L. Bulst-Thiele, Magistri (wie Anm. I), S. 106-122. 
n Ebd., S. 87-98. 
73 La regle (wie Anm. 13), c. 65-66, S. 64-66; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), 
S.35. 


36 


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>>>
74 Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Beobachtungen von K. Militzer. 
Die Aufnahme von Ritterbrüdern in den Deutschen Orden. Ausbildungsstand und Aufnah- 
mevoraussetzungen, in: Das Kriegswesen der Ritterorden im Mittelalter, hg. v. Z. H. No- 
wak, Ordines militares - Colloquia Torunensia Historica 6, Torun 1991, S. 7-17. S. 10. 
75 Usäma ibn Munqidh (wie Anm. 45), S. 102; Ibn Dschubair (wie Anm. 45), S. 224. 
76 La Regle (wie Anm. 13), c. 616-617, S. 317-319; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 
13), S. 158f. 
77 Usäma ibn Munqidh (wie Anm. 45), S. 153. 
78 La regle (wie Anm. 13), c. 240, 568-570,603, S. 157, 296f., 312; Upton-Ward, The 
Rule (wie Anm. 13), S. 75, 147f., 155f. 
79 Cartulaire (wie Anm. 2) 3, 526-529, Nr. 4022, c. 14, S. 527f.; King, The Rule (wie 
Anm. 30), S. 90. 
80 La regle (wie Anm. 13), c. 553, S. 289; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 144. 
81 Vgl. La regle (wie Anm. 13), c. 544-656, S. 285-336. c. 638. 642, S. 328, 330; 
Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 142-167, bes., S. 163, 164. Zur Entstehungszeit 
ebd., S. 16. 
82 La regle (wie Anm. 13), c. 554, S. 289f.; Upton-Ward, The Rule (wie Anm. 13), S. 144. 
83 R. Hiestand, Templer- und Johanniterbistümer (wie Anm. 69), S. 146. 
84 K. Elm, Die Spiritualität der geistlichen Ritterorden im Mittelalter, in: .. Militia 
Christi" e Crociata nei secoli Xl e Xli, Miscellanea dei Centro di Studi medioevaIi 13, 
Milano 1992, S. 477-518.
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ORDlNES MILIT ARES - COLLOQUlA TORUNENSIA HISTORICA XI - 2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Udo Arnold (Bonn) 


Der Deutsche Orden im deutschen Bewußtsein 
des 20. Jahrhunderts 


Mein Thema stellt keine terra incognita dar: Wolfgang Wippermann hat 
ihm 1979 eine Monographie gewidmet, in der Ausstellung ,,800 Jahre Deut- 
scher Orden" im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg hat die Interna- 
tionale Historische Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens der 
Rezeption der Deutschordensvergangenheit in Polen und Deutschland im 
19, und 20. Jahrhundert eine ganze Abteilung gewidmet, Sven Ekdahl ist 
der Frage am Beispiel der Schlacht von Tannenberg/Grunwald nachgegan- 
gen, ich selber habe mich mehrfach dazu geäußert, und Hartmut Boock- 
mann hat dieses Problem stets interessiert, Ihm seien die folgenden Ausfüh- 
rungen gewidmet l . 
Zum brandenburgischen Aufstieg zur europäischen Großmacht gehörte 
ganz wesentlich das preußische Erbe. Auf der Basis des Krakauer Vertrages 
von 1525 konnte 1618 die Vereinigunß des Herzogtums Preußen mit Bran- 
denburg erreicht werden. Dort war die Standeserhöhung des Kurfürsten 
1701 in Königsberg zum König in Preußen möglich. Preußen war damit 
zum symbolischen Kernland der neuen Monarchie geworden, die im 18. 
Jahrhundert zur Großmacht aufstieg und maßgeblich beteiligt war an der 
Aufteilung des polnischen Staates, Im 19. Jahrhundert mußte sich die Habs- 
burgermonarchie auf ihre Kernlande zurückziehen, die Kaiserkrone ver- 
waiste. In dieses Machtvakuum stieß Brandenburg-Preußen hinein. Das 
Deutsche Reich von 1871 war ein preußisch dominiertes Reich, preußische 
Traditionen wurden zu deutschen Traditionen. 
Im Baltikum hatte es mit Ausnahme des Polen lehnspflichtig verbunde- 
nen Herzogtums Kurland keine eigenständige staatliche Entwicklung gege- 
ben. Schweden und Polen teilten nach der Mitte des 16. Jahrhunderts das 


39
>>>
Land unter sich auf, bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts Rußland sich das 
ganze Gebiet einverleibte. Das anfangs kooperative deutsche Bevölkerungs- 
element ging auf immer stärkere Distanz zu Rußland, erst recht im Umfeld 
der Revolutionen von 1905 und 1917, nahm aber auch eine sehr eigenstän- 
dige Position ein im Hinblick auf die durch den Versailler Vertrag neu ent- 
stehenden Staaten Estland und Lettland. Dabei lehnten sich die Deutsch- 
balten immer intensiver an die Deutschordensvergangenheit an infolge na- 
tionaler Identifikation mit dem Orden und der Abwehrhaltung gegen den 
Bolschewismus - der Deutschordensmeister Wolter von Plettenberg wurde 
zur großen Traditions- und Identifikationsfigur, wie in Preußen Herzog 
Albrecht. 
Zu der damit angesprochenen Rezeptionsproblematik noch einige Vor- 
überlegungen. Der Mensch lebt mit drei Zeitdimensionen: Vergangenheit, 
Gegenwart und Zukunft. Seine Gegenwart und damit auch seine Planung 
für die Zukunft wird stets von der Vergangenheit mitbestimmt, die Tradition 
spielt eine entscheidende Rolle. Tradition aber, Überlieferung von Wissen 
um Vergangenheit, ist nie vollständig, stellt stets nur einen Teilbereich der 
vergangenen Wirklichkeit dar. Tradition kann etwas unbewußt, unreflek- 
tiert Übernommenes oder aber etwas bewußt Aufgedecktes, bewußt Ange- 
nommenes sein. Oftmals trifft beides gleichzeitig zu, wenn auch nicht bei 
denselben Menschen. 
Der Vorgang des Bewußt-Annehmens zeigt aber, wie sehr Tradition 
etwas Gemachtes ist: Dieses nehme ich an, jenes schließe ich aus. Dabei 
sind wir beeinflußt von unserer Gegenwart, dient die Tradition doch zu ih- 
rem Verständnis und zur Bewältigung der Zukunftsplanung. Tradition un- 
terliegt also in ganz hohem Maße politischen Gegenwartsbedingungen. die 
Sicht der Vergangenheit ist auf weite Strecken ein Politikum. Auch wenn 
der Historiker diese Gefahr erkennt, so kann er sich keineswegs immer da- 
von lösen, zumal dann nicht, wenn er sehr bewußt am politischen Leben 
seiner Gegenwart teilnimmt. 
Je absoluter der Anspruch eines Machtträgers - sei es ein Einzelner 
oder eine Gruppe - gegenüber seinen Mitbürgern ist, oder aber je größer 
die Hoffnungslosigkeit einer Situation ist, desto eher gerät die Vergangen- 
heit in Gefahr, durch eine ganz bestimmte, utilitaristische Sichtweise zur poli- 
tisch nützlichen Tradition umgedeutet, zurechtgebogen, letztlich vergewaltigt 
zu werden. Selbst wenn es diesen Machtträger nicht mehr gibt oder die Si- 
tuation sich völlig geändert hat, existiert eine solche Tradition zum Teil noch 
sehr lange weiter, und es bedarf großer Mühen, ihre Willkürlichkeit, ihr Ge- 
machtsein aufzuzeigen, um wieder zur historischen Realität durchzudringen. 
Die Rezeption der preußischen und livländischen Geschichte des Deutschen 
Ordens im 19. und 20. Jahrhundert bietet dafür ein Paradebeispiel. 
Das Königreich Preußen tat sich mit seiner Tradition schwer, vor allem 
in der Situation des Zusammenbruchs durch den Zugriff Napoleons und den 


40 


------..
>>>
Neubeginn in den Befreiungskriegen. Hier wurde die preußische Deutsch- 
ordensvergangenheit entdeckt, angefangen mit der Stiftung des Eisernen 
Kreuzes als Militärverdienstzeichen 1813 1 , In der damit begonnenen Tradi- 
tionskette steht Joseph von Eichendorff mit seinem Plauen-Drama "Der 
letzte Held von Marienburg" 1830 3 ebenso wie Heinrich von Treitschke mit 
seinem Essay über "Das deutsche Ordensland Preußen,,4 und schließlich das 
Denkmal zur Erinnerung an die Rückkehr Westpreußens zu Preußen in den 
polnischen Teilungen, das 1872 vor der Marienburg errichtet wurde und 
Friedrich 11. zeigte mit vier Hochmeistern als Sockelfiguren 5 . Diese vom 
Königreich Preußen in das 1871 gegründete deutsche Kaiserreich weiterge- 
führte Tradition hatte ihren deutlichsten Vertreter in Kaiser Wilhelm 11., 
die ursprünglich auf Preußen begrenzte Tradition wurde nunmehr zur deut- 
schen Tradition. Das war ein Erbe, das das 19. dem 20. Jahrhundert über- 
gab - eine ursprünglich zu gegenwartspolitischen Zwecken gestaltete Sicht 
der Vergangenheit, die allmählich Allgemeingut des deutschen Bewußt- 
seins geworden war. in der Forschung, in der schönen Literatur, im Schul- 
buch usw., unabhängig davon, ob die Deutschen innerhalb der Reichsgren- 
zen lebten oder - wie etwa im Baltikum - im Russischen Reich 6 . 
Das 20. Jahrhundert ist - nicht nur für die Deutschen - ein Jahrhun- 
dert der militärischen und politischen Paukenschläge und Umbrüche gewe- 
sen. Das zeigt sich auf deutscher Seite auch hinsichtlich der Bewußtseins- 
traditionen, auf unser Thema bezogen allerdings erst nach dem Zweiten 
Weltkrieg. Die erste Jahrhunderthälfte stand unter dem Eindruck einer weit- 
gehenden Traditionsfortsetzung des Erbes aus dem 19. Jahrhundert. Das 
galt auch für Polen. Allerdings muß man festhalten, daß anfangs die polni- 
sche Setzung einer negativen Tradition für die Deutschordensgeschichte 
eher als Reaktion auf den Beginn des Vorgangs im Königreich Preußen an- 
zusehen ist. Doch spätestens seit der Jahrhundertwende entwickelten sich 
beide Traditionsstränge unabhängig voneinander weiter. Sie wurden zu poli- 
tischen Selbstläufern und bedeuteten in der Zukunft einen Teil der nationa- 
len Identität beider Seiten. 
Das läßt sich wenige Jahre später deutlich erkennen. Im August 1914 
Zwang die deutsche 8. Armee unter Hindenburg und Ludendorff die russi- 
sche Narewarmee zur Kapitulation. Der Kaiser gratulierte zum Sieg bei Al- 
lenstein, die Armeeberichte sprachen von der Schlacht in der Gegend von 
Ortelsburg-Gilgenburg. Der Adjutant Ludendorffs, Max Hoffmann, berich- 
tete, wie es zur bis heute üblichen Benennung der Schlacht kam: General 
Ludendorff fing beim Diktieren des Befehls damit an: " Frögenau. Zeit of- 
fen lassen". Ich machte ihn darauf aufmerksam, ob er nicht anstalt Fröge- 
nau den historischen Namen des vor uns liegenden Ortes Tannenberg 
wählen wollte, was er denn auch tat und was später dazu führte, die 
Schlacht nach dem Ort zu benennen, von dem der Abschlußbefehl des 
Oberkommandos datiert war 7 , Ludendorff hatte bereits 19 I 9 in seinen 


41 


-
>>>
Kriegserinnerungen globaler geschrieben: Die Schlacht wurde auf meinen 
Vorschlag die Schlacht von Tannenberg benannt, als Erinnerung an jenen 
Kampf, in dem der Deutsche Ritterorden den vereinigten litauischen und 
polnischen Armeen unterlag. Wird der Deutsche es jetzt wie damals zulas- 
sen, daß Litauer und namentlich der Pole aus unserer Ohnmacht Nutzen 
ziehen und uns vergewaltigen?8 Und auch Hindenburg stellte 1920 fest: 
Tannenberg! Ein Wort schmerzlicher Erinnerungen für deutsche Ordens- 
macht, ein Jubelruf slawischen Triumphes, gedächtnisfrisch geblieben in 
der Geschichte trotz mehr als 500 jähriger Vergangenheit 9 , So galt die 
zweite Schlacht von Tannenberg als eine späte Rache des Deutschen Or- 
dens, auch wenn man die Russen des Jahres 19 I 4 mit den Polen und Litau- 
ern des Jahres 1410 gleichsetzen mußte, 
Hoffmann, Ludendorff und Hindenburg standen mit dieser Meinung 
keineswegs allein. Nach dem Waffenstillstand 1918 sah man sich in den 
Ostprovinzen des Deutschen Reiches und im Baltikum einem starken Druck 
des neuerstehenden Polen und des Bolschewismus ausgesetzt. Da die regu- 
lären Truppen kriegsmüde waren, teilweise desertierten, im Baltikum ent- 
gegen ursprünglicher Abmachungen sich zurückzogen, kam es im Novem- 
ber 1918 zur Billigung von Freikorps durch die deutsche Oberste Heereslei- 
tung. Dies waren militärische Verbände, die die territorialen Positionen des 
Deutschtums im Osten - von ihrer Tätigkeit innerhalb es Reiches einmal 
abgesehen - mit Waffengewalt verteidigten. In Preußen wie im Baltikum 
fühlte man sich dabei in der Tradition des mittelalterlichen Deutschen Or- 
dens, sein Kreuz wählte man als Abzeichen. In Ostpreußen war es der 
Grenzschutz Ost 19 I 9; auch zur Erinnerung an die Volksabstimmung 1920 
nahm man als Abzeichen den Deutschordensschild. Im Baltikum wurde von 
der Baltischen Landeswehr, einem Freikorps, 19 I 9 dasselbe Signet ge- 
wählt, ebenso vom gemeinsam damit operierenden Detachement von Ran- 
dow. Der Soldatensiedlungsverband Kurland verstieg sich gar zum Hoch- 
meisterkreuz als Abzeichen, Der deutschbaltische Nationalausschuß, eine 
bedeutende politische Vereinigung im neuen Staat Lettland, nahm als Ab- 
zeichen ebenfalls das Deutschordenskreuz an: schwarzes Kreuz mit aufge- 
legtem goldenen (Jerusalem-) Kreuz, in Lilien endend, wenn auch ohne 
Herzschild, und mit gleich langen Schenkeln; es darf noch heute in Deutsch- 
land getragen werden. Die deutlichste Anknüpfung in Form und Ideologie 
finden wir in Arthur Mahrauns "Jungdeutschem Orden" in den 20er Jahren: 
Er sah sich als Hochmeister, der über Meister, Großkomtur und Komture 
gebot. Auch er wählte die Farben des Deutschordenskreuzes, zur Abgren- 
zung aber z.B. gegenüber dem Grenzschutz Ost die Form des Malteserkreu- 
zes, Man sang im Deutschlandlied des "Jungdeutschen Ordens" nicht Von 
der Maas bis an die Memel, sondern Von der Maas bis an die Newa, schloß 
also in Anknüpfung an die mittelalterliche Ordensherrschaft das Baltikum 
voll ein lO , 


42
>>>
Insgesamt hatte sich die politische Gangart zwischen Deutschland und 
Polen seit Versailles verschärft. Das schlug sich auch in der Historiogra- 
phie nieder, es gab wenig ausgleichende Stimmen wie die eines Erich 
Maschke oder eines Karol G6rski. Jedenfalls konnten die bisherigen Vor- 
stellungen in Deutschland nahtlos fortgeführt werden, auf sie konnte der 
Nationalsozialismus problemlos zurückgreifen. Somit tauchen viele ältere 
Sichtweisen wieder auf, doch es gibt gravierende Unterschiede, 
In den Reden Adolf Hitlers von 1932 bis 1945 kommt der Deutsche Or- 
den nicht vor, auch nicht in seinen Tischgesprächen 194 I /1 942 im Führer- 
hauptquartier. Diese Feststellung wird unterstrichen durch die Lektüre von 
"Mein Kampf'. Denn das Wesentliche für ihn war die Kolonisation durch 
deutsche Bauern und vor allem die von den Hohenzollern getätigte Organi- 
sation des brandenburgisch-preußischen Staates als Vorbild und Kristalli- 
sationskern eines neuen ReichsII. 
Die Reden des Propagandaministers Joseph Goebbels liegen ebenfalls 
im Druck vor, und die Rede vom 18. März 1941, mit der er das neue Thea- 
ter in Posen einweihte, unter dem Titel Der deutsche Osten, hätte sich an- 
geboten. Doch auch dort werden stets nur die endlosen Züge deutscher Kolo- 
nisatoren gen Osten gewürdigt 12 , der Deutsche Orden wird nicht erwähnt, 
obwohl Goebbels ihn kanntel3, 
Bekannt sind jedoch die "Ordensburgen" als Bildungsstätten für die 
Elite des Dritten Reiches l4 , das Thema Deutscher Orden war keineswegs 
tabu, im wissenschaftlichen wie im publizistischen Bereich wurde viel dazu 
veröffentlicht, ganz in jener im 19, Jahrhundert entstandenen Tradition. 
Liegt darin einerseits, im Schweigen der Führungspersonen anderseits nicht 
ein Widerspruch? 
Hitler selbst hat diesen Widerspruch aufgelöst, Er vertraute noch vor 
1936 dem nationalsozialistischen Senatspräsidenten von Danzig Hermann 
Rauschning in einem Gespräch an: Ich will Ihnen ein Geheimnis sagen. Ich 
gründe einen Orden, Und Rauschning berichtet weiter: Ihn selbst [Hitler) 
beschäftigte der Gedanke des Ordens offenbar stärker. Aber erst über LeylS 
begann er ihn in den nationalsozialistischen " Junkerschulen .. vorsichtig 
durchzuführen. Und schon Rauschning verwies darauf, daß jener Gedanke 
wohl nicht von Hitler stamme, sondern von Alfred Rosenbergl 6 . 
Rosenberg untersucht in seinem "Mythus des 20. Jahrhunderts" unter 
der Kapitelüberschrift Goethe, Jesus, Ignatius, Bismarck und Moltke die 
Brauchbarkeit des Typs jener Männer und kommt zu dem Schluß: Es steht 
außer Frage, daß der Moltke-Typ in der ersten Zeit des ein kommendes 
Deutschland formenden Männerbundes - nennen wir ihn den Deutschen 
Orden - nicht stark in den Vordergrund treten wird. Deutlicher im Hin- 
blick auf einen neuen Staat und dessen Begründer drückt Rosenberg es ein 
wenig später aus: Aufgabe dieses neuen Staatsgründers ist es, einen Män- 
nerbund, sagen wir einen Deutschen Orden, zu gestalten, der sich aus Per- 


43 


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>>>
sönlichkeiten zusammensetzt, die führend an der Erneuerung des deutschen 
Volkes teilgenommen hab en l7. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen 
setzt Rosenberg den Begriff Deutscher Orden sogar in Anführungszeichen. 
Eindeutig klar wird hier, daß er etwas neues meinte, keine Anknüpfung an 
den historischen Orden. Es kam ihm auf die Form des Männerbundes an, 
für den der Begriff des Ordens gängig war. Daß dieser die Apposition 
"deutsch" erhielt, war im Zeitalter eines übertriebenen Nationalismus selbst- 
verständlich, 
Diese noch recht nebulösen Überlegungen Rosenbergs und Hitlers hin- 
sichtlich des neuen "Deutschen Ordens" wurden von anderen konkretisiert. 
Landwirtschaftsminister und Reichsbauernführer Walter Darre hatte 1930 sein 
Buch "Neuadel aus Blut und Boden" vorgelegt; im Folgejahr wurde er Leiter 
des Rassen- und Siedlungshauptamtes der SS. Seine Zucht- und Verer- 
bungsüberlegungen machten nicht bei Tieren halt, sie bezogen den Menschen 
ein. In der SS, der er seit ] 930 angehörte, sah er das entsprechende Ele- 
ment. Deren Führer Heinrich Himmler setzte die Vorstellungen konsequent 
um. Er gab der ursprünglich als Sonderpolizei gegründeten Organisation eine 
deutliche ideologische Funktion: Sie sollte "ein rassisch organisierter Or- 
den... sein, der modellhaft das nationalsozialistische Menschenbild und dessen 
Idee darstellte. Als Stoßtrupp des Blutgedankens sollte die SS gleichsam 
den Schöpfungstag wiederholen und den rassestolzen, harten germanischen 
Vol/menschen formen, der berufen war, die Führungselite des kommenden 
germanischen Großreichs auf allen Ebenen zu bilden,,18. 
Damit haben wir den nationalsozialistischen "Deutschen Orden" deut- 
lich vor uns. Zwei Hinderungsgründe jedoch existierten, um dieses Pro- 
gramm der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Zum einen war es die damit 
verbundene Auserwähltheit gegenüber der Volksmasse, die bei eben dieser 
Volksmasse auf Unverständnis stoßen mußte. Zum zweiten war es der 
eigentliche Deutsche Orden, der in den Ländern der ehemaligen Habsbur- 
germonarchie als rein kirchlicher Orden weiterlebte. Bei einem völkisch- 
nationalen Großraumanspruch unter Einschluß des ganzen deutschspra- 
chigen ehemaligen habsburgischen Raumes mußten sich der neuerdachte 
"Deutsche Orden" und der eigentliche Deutsche Orden in eben jenem Raum 
ins Gehege kommen. Im kleindeutsch-preußischen Teil des ehemaligen 
Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation hatte Preußen-Deutschland 
jene preußische Ordenstradition des Mittelalters erfolgreich integriert, aus 
dem I 9. Jahrhundert führte eine bruch lose Kontinuität der Sichtweise in die 
Weimarer Republik und in die Anfangsjahre des Dritten Reiches, in Öster- 
reich nicht. 
Das in der deutschen Öffentlichkeit - in der Presse, in der schönen 
Literatur, aber auch in der Wissenschaft - vorhandene Hochloben der 
preußisch-mittelalterlichen Vergangenheit auch während des Dritten Rei- 
ches erfährt von daher seine Erklärung, aufgrund des Gesagten aber auch 


44 


-
>>>
das auf den ersten Blick verblüffende Schweigen bei den nationalsozialisti- 
schen Führungsgrößen. Sie hatten anderes im Blick, wenn auch unter dem- 
selben Namen, und da der eigentliche Namens- und Traditionsträger noch 
existierte, erklärt sich wohl ihre vorläufige Zurückhaltung. 
Diese Zurückhaltung änderte sich schlagartig, als kurz nach dem An- 
schluß Österreichs 1938 die Nationalsozialisten den Deutschen Orden auf- 
lösten, 1939 auch in der inzwischen besetzten Tschechoslowakei. Damit 
war das entscheidende Hindernis beseitigt, den Namens- und Traditions- 
träger Deutscher Orden gab es nicht mehr, der neue "Deutsche Orden" 
konnte aufgebaut werden. 
Schon zuvor war damit begonnen worden, auch in breiter Öffentlich- 
keit. Ein Vierteljahr nach der Aufhebung des Ordens in Österreich stiftete 
Hitler das Mutterkreuz. Es entsprach in Form und Maßen fast genau dem 
Deutschordensmarianerkreuz, wenn auch blau statt schwarz und natürlich 
mit anderem Herzschild l9 , 
Wenn hier die Tradition des Deutschen Ordens und der Ansatz des 
Dritten Reiches hintergründig miteinander verbunden wurden, so geschah 
dies viel unmittelbarer durch Himmler mit der SS. Er übernahm mit Vorlie- 
be Deutschordenshäuser, in Wien. in Busau in Mähren oder dort auch die 
Eulenburg, Bezeichnend ist seine Rede, die er zwischen Januar und Sep- 
tember 1939 hielt anläßlich der Übergabe des Deutschen Hauses Wien an 
die SS. Er sprach die Tradition des Ordens an, stellte aber auch gleichzeitig 
die Funktion der SS heraus 2o . So vollzog er die Verbindung vom geistlichen 
Deutschen Orden zum "Deutschen Orden" der Nationalsozialisten. 
Er stand damit nicht allein. Denn der historische Roman jener Zeit griff 
sehr wohl das von Himmler thematisiserte Problem auf, daß der historische 
Orden in Preußen scheiterte, weil ihm die Komponente der Zeugung des 
eigenen Nachwuchses fehlte. Werner Jansens 1925 erschienener Plauen- 
Roman "Geier um Marienburg" ist ein aussagekräftiges Beispief l , Er zeigt 
die Symbiose, die Himmler in seiner Rede in Wien erreicht sieht. Die Tra- 
dition des Ordens in Preußen und die Idee des neuen, genspendenden 
"Deutschen Ordens" sind miteinander verschmolzen. die von Eichendorff 
1830 entwickelte Vision auf maßlose, weil den Menschen verplanende Weise 
überhöht. 
Allerdings bleibt festzuhalten, dass die Führung der Nationalsozialisten 
gespalten war hinsichtlich jener Traditionssicht. Bei Hitler und Goebbels 
fanden wir keine Fortführung des Gedankenguts des 19. Jahrhunderts, son- 
dern die anfangs erstaunende, aber erklärbare Zurückhaltung, während Ro- 
senberg und Himmler die direkte Traditionslinie zogen. Diese beiden stan- 
den damit jedoch allein in der Führung des Dritten Reiches, ihre aus der 
Tradition des 19. Jahrhunderts stammende Sicht hatte nur in Ostpreußen 
oder im Baltikum regionale Wirkung, nicht jedoch in Berlin, wo Goebbels 
tonangebend war. Als beispielsweise der Baltendeutsche Rosenberg als 


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>>>
Reichskommissar für die besetzten Ostgebiete 1942 eine große Baltikum- 
reise unternahm und vor der Ordensburg Bauske (?) sich in Szene setzte, 
wurde in der Wochenschau der Burgname gar nicht genannt, und über die 
folgende Rede Rosenbergs wurde einfach Marschmusik gelegt H , Bereits 
anläßlich seiner Ostlandfahrt 1934 hatte er eine Rede auf der Marienburg 
gehalten zum Thema "Der Deutsche Ordensstaat,,23, doch in der Wochen- 
schau wurde das Ereignis nicht erwähnt. Und als 1940 die Nachschöpfung 
der 1410 in der Schlacht von Tannenberg durch die Polen eroberten 
Deutschordensfahnen, die seitdem im Wawel in Krakau aufgehängt und bei 
Bedarf immer wieder erneuert worden waren, auf die Marienburg überführt 
wurden 14 , wurde der Vorgang in der Wochenschau ebenfalls totgeschwie- 
gen. Für die Wochenschau war Goebbels zuständig, in Berlin gab er den 
Ton an. Und selbst für Himmler waren seine Gralsburg der SS, die westfä- 
lische Wewelsburg, und das Grab des "Reichsgründers" Heinrich I. (t 936) 
in Quedlinburg noch wichtiger als die Deutschordensburgen 1s . 
So sehen wir schließlich in der zeitlichen Entwicklung zwei Ebenen 
zusammenfallen: zum einen die zu tagespolitischen Zwecken konstruierte 
Tradition des 19. Jahrhunderts, zum andern die Zuchtwahlvorstellung der 
nationalsozialistischen Führung. Doch bedeutete dieses Zusammenfallen 
keineswegs ein Ineinanderaufgehen, im Gegenteil: blieb die erste quantita- 
tiv vorherrschend, so war die zweite bei der politischen Führung vorherr- 
schend, und nur selten kam es im politischen Bereich zu einem wirklichen 
Zusammenfall, der noch dazu regional beschränkt blieb auf die ehemaligen 
preußischen oder livländischen Ordensgebiete und keine Bedeutung für das 
gesamte Reich gewann. 
Was machte die Nachkriegszeit aus diesen Traditionen? Nach Kriegs- 
ende nahm die kommunistische Regierung in Polen den bisherigen anti- 
deutschen Nationalismus allzugerne in ihre Vorstellungen auf, stand die 
Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches 
- so sah sie sich - in östlichen Augen doch in einer nahtlosen faschisti- 
schen Tradition; in der DDR galt diese Sicht zwar nicht unter nationalisti- 
schem Aspekt, jedoch ideologisch noch viel schärfer. 
In der Bundesrepublik Deutschland sah man das anders. Jene Ge- 
schichtstradition des 19. Jahrhunderts zerbrach, die von den Amerikanern 
verordnete reeducation schuf zunächst eine Orientierungslosigkeit, eine hi- 
storische Traditionslosigkeit, mit der die bundesdeutsche Historiographie 
wie auch das öffentliche Bewußtsein stark zu kämpfen hatte auf der Suche 
nach einer neuen Identität. Dabei spielte jene aufgezeigte Deutschordens- 
tradition keine Rolle mehr. Schließlich war Preußen nicht mehr Teil der 
Bundesrepublik, durch einen alliierten Kontrollratsbeschluß seine Tradition 
ausdrücklich geächtet, Man überließ die publizistische wie auch die wis- 
senschaftliche Beschäftigung damit weitestgehend den aus den Ostgebieten 
des ehemaligen Deutschen Reiches Vertriebenen, schrieb dies vonseiten der 


46 


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>>>
Bundesregierung in allgemeiner Form der Kulturpflege sogar im Gesetz 
über die Vertriebenen fest und überantwortete damit die Thematik einer 
allmählich aussterbenden species, Die für die Universitäten verantwortli- 
chen Bundesländer förderten entsprechende Wissenschaftsansätze ebenfalls 
nicht. Auch dort blieben Deutschordensthemen der individuellen Entwick- 
lung überlassen, und damit wiederum wenigen aus dem preußischen Osten 
stammenden Professoren 16 . Der scharfe Antikommunismus und die absolute 
Westwendung in Politik, Kenntnis und Bewußtsein unterstützte diese Ent- 
wicklung nachhaltig. Indikator dafür ist die Darstellung des Deutschen Or- 
dens in bundesdeutschen Schulbüchern 27 , Kennzeichnend ist jedenfalls die 
ignorante Bandbreite der Darstellung: Von Sichtweisen des 19. Jahrhun- 
derts in ungebrochener Tradition bis zur Subsumierung des Ordensstaates 
ausschließlich als Teil der polnischen Geschichte oder gar völligem Fehlen 
des Themas sind alle Variationen anzutreffen. In welcher Form auch im- 
mer, das Thema war nirgendwo mehr ein Schwerpunkt. Es war kein Teil 
nationaler oder staatlicher Identität mehr, der Bruch zur vorhergehenden 
Jahrhunderthälfte war zu groß und zu sehr emotional aufgeladen. Allenfalls 
existierte das Thema - neben der Vertriebenenpresse und bei ehemals ost- 
deutschen Historikern - in heimatgeschichtlicher Sicht in westdeutschen 
Landschaften, wo der Orden bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts existiert 
hatte, jedoch ohne jegliche Verknüpfung mit preußischem oder livländi- 
schem Hintergrund und meist sehr laienhaft erarbeitet; eine Einbindung in 
die wissenschaftliche Landesgeschichte Westdeutschlands fehlte, war aber 
auch vor dem Zweiten Weltkrieg dort nicht verankert gewesen 18 . 
Es bedurfte zweier Jahrzehnte, bis im wissenschaftlichen Raum begon- 
nen wurde, den Orden nicht nur als mittelalterlich-preußische, allenfalls 
noch- livländische, sondern gesamteuropäisch-mittelmeerische Erschei- 
nung zu sehen, angestoßen von ehemals ostpreußischen Historikern mit 
neuem Erfahrungshorizont wie Kurt Forstreuter und Walther Hubatsch 19 , 
Noch wichtiger für das wissenschaftliche Bewußtsein wurde die gleichzei- 
tige Gründung der Publikationsreihe "Quellen und Studien zur Geschichte 
des Deutschen Ordens" durch das Zentralarchiv des Deutschen Ordens in 
Wien, die inzwischen auf über 50 Bände angewachsen ist. Sie hat von An- 
fang an den Gesamtorden im Blick gehabt, in regionaler wie in zeitlicher 
Hinsicht, und sich damit von der bislang vorherrschenden mittelalterlich- 
preußischen Sicht der Deutschordensgeschichte distanziert. Und es bedurfte 
der jüngeren Wissenschaftlergeneration, die die Traditionen des 19. Jahr- 
hunderts unbefangener, seit Ende der 60er Jahre auch kritischer sah und 
damit in der Lage war, jene Traditionen auf die politischen Funktionen in 
ihrer Entstehungszeit und gegebenfalls auch der Gegenwart abzuklopfen 
und damit allmählich zu einer neuen Sicht zu kommen. 
Dieser Prozeß fand nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft statt, son- 
dern ging einher mit der politischen Entwicklung einer neuen Ostpolitik der 


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-
>>>
Bundesrepublik, die vor allem auf der Öffnung gegenüber den östlichen 
Nachbarn basierte. Greifbares Ergebnis waren 1970 die Ostverträge, in de- 
ren Gefolge ab 1972 die deutsch-polnischen Schulbuchgespräche 3o , schließ- 
lich im September 1974 die erste gemeinsame Konferenz in Thorn zum 
Thema Deutscher Orden 31 , Dabei prallten noch einmal Wissenschaftstradi- 
tionen - und damit Bewußtseinstraditionen - von polnischer und deut- 
scher Seite aufeinander, zeigten sich aber auch Gesprächsinteresse und 
-bereitschaft über nationale Abgrenzungen hinaus. Es war die Geburtsstun- 
de einer Kooperation, für die die Konferenzserie "Ordines militares" ein 
herausragendes Beispiel ist. 
In der deutschen Öffentlichkeit spielte die Deutschordensgeschichte al- 
lerdings nur noch eine untergeordnete Rolle, sie war aus dem allgemeinen 
Bewußtsein weitgehend verschwunden. Dies wird beispielhaft deutlich an- 
läßlich der Verleihung der Ehrenritterwürde des Deutschen Ordens an Bun- 
deskanzler Adenauer 1958. Während in Polen und in der DDR das Ereignis 
als Politikum, als neuer "Ritt nach Osten" der bundesdeutschen Politik ge- 
radezu aufschreiartig gewertet wurde, hat die bundesdeutsche Presse es 
kaum aufgegriffen, obwohl es über die Deutsche Presseagentur in alle Re- 
daktionen gelangte - das Thema Deutscher Orden war für die Öffentlich- 
keit belanglos geworden, eine Traditionslinie vom mittelalterlichen Or- 
denszweig in Preußen zum 1958 existierenden karitativen Orden gab es im 
öffentlichen Bewußtsein der Bundesrepublik überhaupt nicht 31 . 
So war auch in der öffentlichen Diskussion der Empfehlungen der 
Schulbuchgespräche 15 Jahre später das Thema "Flucht und Vertreibung" 
viel wichtiger - nicht zuletzt, weil man seitens der Bundesrepublik die 
Beschäftigung mit jenen östlichen deutschen Landesgeschichtsthemen wei- 
testgehend den Vertriebenen übertragen hatte und ostdeutsche Landesge- 
schichte keinen Teil bundesdeutscher Identität darstellte. Man überließ die 
Thematik seit Mitte der 70er Jahre einigen wenigen Historikern, was - 
rückblickend - sicher von großem Vorteil war für die allmähliche Ent- 
krampfung und kooperative Behandlung eines Themas, das in der Öffent- 
lichkeit Polens wie Deutschlands vorher als identitätsstiftender Beitrag so 
wichtig und damit auch so kontrovers gewesen war. 
Weitere 15 Jahre später trat ein neuer Testfall ein, anhand dessen das 
bundesdeutsche Bewußtsein überprüft werden konnte, das Jubiläum ,,800 
Jahre Deutscher Orden", Drei große Ausstellungen fanden statt: 1990 in 
Nürnberg, 1991 auf der Insel Mainau, 1992 in Aiden Biesen in Belgien 33 . 
Die öffentlichen Reaktionen waren deutlich unterscheidbar: In Belgien war 
es eine auf die belgisch-niederländisch-deutsche Euregio bezogene Aus- 
stellung mit wissenschaftlichem Interesse, Aufmerksamkeit vor allem bei 
der flämischen Sprachgruppe bis hin ins Königshaus; auf der Mainau war 
das grenzübergreifende Interesse im deutschen, französischen und schwei- 
zerischen Raum erheblich; beide Male geschah die Beurteilung ohne politi- 


48 


-------..
>>>
schen Unterton. Anders in Nürnberg, wo nicht nur die regionale, sondern 
die gesamte Ordensgeschichte angesprochen wurde 34 . Hier war interessant 
festzustellen, wie die Presse als Gradmesser und Macher öffentlichen Be- 
wußtseins das Thema anging. Die überregionalen Organe spiegelten deut- 
lich die Bewußtseinslage des jeweiligen Redakteurs wieder und zeigten 
seine Kenntnistraditionen auf, beschäftigten sich mehr mit dem eigenen, 
tradierten Bild des Deutschen Ordens und weniger mit der Ausstellung sei- 
ber. Dabei lebten noch einmal einige Relikte jener älteren Tradition des 19. 
Jahrhunderts auf - wenngleich am schärfsten von linker Seite -, der in- 
zwischen von den beteiligten Wissenschaftlern aus Polen und Deutschland 
erreichte Erkenntnisstand wurde zumeist nicht gesehen. Die regionalen 
Zeitungen sahen die Ausstellung viel unbefangener, würdigten vor allem die 
deutsch-polnische Zusammenarbeit, zu einem Zeitpunkt, als wenige Mona- 
te zuvor die Mauer in Berlin gefallen war und das Thema mit seinem ge- 
samteuropäischen Rahmen, Leihgaben aus 17 Staaten, nicht zuletzt aus 
Polen, und starker polnischer Autorenbeteiligung gut in die politische Land- 
schaft paßte. Dagegen war man auf der deutschen Regierungsseite viel zu- 
rückhaltender, letztlich ebenfalls noch geprägt von älterem Kenntnisstand 
und ohne jegliche Ahnung von der seit 15 Jahren immer besser gewordenen 
grenzübergreifenden Kooperation der Wissenschaft, zusätzlich mit erhebli- 
chen Ängsten versehen hinsichtlich einer möglichen politischen Reaktion 
von polnischer Seite. Deutlicher Indikator für diesen - wohl generations- 
bedingt älteren - Bewußtseinsstand der Bundesregierung war das Ringen 
Um die Herausgabe einer Sonderbriefmarke und einer Sondermünze 3s , Die 
Ängste ließen sich überwinden, die Zurückhaltung gegenüber der Thematik 
jedoch blieb - offenbar ein Unsicherheitsfaktor der älteren Politikergene- 
ration hinsichtlich eines möglichen Bewußtseinswandels. 
Abschließend läßt sich feststellen, daß das Thema Deutscher Orden in 
der im 19. Jahrhundert entstandenen Form im deutschen Bewußtsein der 
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fest verankert war, es war als Teil deut- 
scher Vergangenheit, als Tradition im Sinne der Eingangsüberlegungen, als 
Teil der deutschen Identität angenommen, im Kaiserreich, in der Weimarer 
Republik, im Dritten Reich. Dabei dürfte die Traditionsübernahme eher un- 
bewußt, unreflektiert geschehen sein, im Gegensatz zu der sehr bewußten 
Traditionsbildung und -annahme im 19. Jahrhundert. Bei den Nationalso- 
zialisten kam allerdings eine zweifach neue Komponente hinzu. Zum einen 
wurde aus der Entwicklung der Gegenwart heraus in die Zukunft gedacht, 
z.B. in der Verquickung jener älteren Tradition mit der SS; es wurde damit 
eine neue Tradition gemacht. Und als zweites wurde nur auf dem im allge- 
meinen Bewußtsein vorhandenen Namen aufgebaut, um etwas völlig Neues 
ohne jene historische Tradition zu entwickeln, ohne im allgemeinen Be- 
wußtsein der Bevölkerung schon jenen älteren Ansatz zu verdrängen - 
diese Ambivalenz stellt eine gewisse Besonderheit dar. 


49 


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>>>
Der harte politische Bruch von 1945 bedingte auch erhebliche Bewußt- 
seinsbrüche in Deutschland, ohne ältere Kenntnisse und Formen schlagartig 
zu beseitigen. Das ist nicht verwunderlich, muß man doch bei Bewußt- 
seinsänderungen in Abständen von Generationen denken. Doch wurde jenes 
ältere Bewußtsein, jene Tradition bestimmten, allmählich aussterbenden 
Bevölkerungsgruppen überlassen, im politischen Raum sogar teilweise 
tabuisiert. 
Heute spielt der Deutsche Orden als historische Größe im deutschen 
Bewußtsein keine Rolle mehr. Er stellt einen eher marginalen Komplex im 
Geschichtsunterricht dar, der noch nicht einmal obligatorisch behandelt 
werden muß, Im Wissenschaftsbereich steht er ebenfalls nicht im Zentrum, 
auch wenn er inzwischen als gesamteuropäisches Forschungsobjekt be- 
handelt wird, was sich in die politische Entwicklung gut einpassen würde. 
Eine Verankerung wie im polnischen öffentlichen Bewußtsein gibt es in 
Deutschland heute nicht. So existiert beispielsweise nach dem Kriege außer 
in einer Erzählung von 1956 und einem Roman von 1999 der Orden nicht 
mehr in der schönen Literatur 36 - entsprechendes haben wir in Amerika- 
nisch 1986 und 1989 von dem während des Krieges in Detroit geborenen 
amerikanischen Autor Leo Frankowski zu lesen bekommen 37 . Jenes Sujet 
hat sich in Deutschland mit dem Umbruch von 1945 totgelaufen, es fand 
keine Leserkreise mehr. 
Was im deutschen Bewußtsein der Gegenwart vom Deutschen Orden 
geblieben ist, ist ausgesprochen wenig. Das mag man bedauern im Hinblick 
auf die Kenntnisse, die frühere Generationen hatten. Man kann allerdings 
auch froh sein, dass die im 19. Jahrhundert gemachten Traditionen ebenfalls 
weggefallen sind, dass damit die heutigen Kenntnisse zunehmend von mo- 
dernen wissenschaftlichen Ergebnissen geprägt sind, die in kooperativer 
Arbeit zwischen den Wissenschaftlern einer internationalen scientific 
community entwickelt wurden und weiterhin entwickelt werden. Insofern 
wird das Weniger an Quantität hoffentlich durch ein Mehr an Qualität er- 
setzt, und dafür müßten wir als Historiker eigentlich dankbar sein. Dass 
diese neue Sicht dann wieder stärker ins Bewußtsein der Öffentlichkeit ge- 
hoben wird, auch in Deutschland, stellt eine zusätzliche, aber lohnende 
Herausforderung an uns alle dar. Unsere Ausstellungen haben ihr Teil dazu 
beigetragen, unsere Konferenzen und Veröffentlichungen tun dies eben- 
falls. Den damit eingeschlagenen Weg gilt es fortzusetzen, denn die Bilanz, 
die ich 25 Jahre nach unserer ersten gemeinsamen Konferenz hier in Thorn 
am Ende des 20. Jahrhunderts ziehe, ist in meinen Augen positiv. Aller- 
dings werden wir Älteren diese Aufgabe nicht mehr alleine tragen können, 
Bewußtseinsprozesse bedürfen eines langen Atems. Die nächste Generation 
ist gefordert, und sie wird erneut darüber nachdenken müssen, ob die - im 
Sinne meiner Eingangsüberlegungen - von uns gemachten Traditionen 
tragfähig sind. 


50 


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>>>
Anmerkungen 


I Vgl. W. Wippermann, Der Ordensstaat als Ideologie. Das Bild des Deutschen Ordens 
in der deutschen Geschichtsschreibung und Publizistik (Einzelveröffentlichungen der Hi- 
storischen Kommission zu Berlin 24 = Publikationen zur Geschichte der deutsch-polnischen 
Beziehungen 2), Berlin 1979; 800 Jahre Deutscher Orden. Ausstellung des Germanischen 
Nationalmuseums Nürnberg, hg. v. G. Bott und U. Arnold, Gütersloh 1990, S. 437-505, wo 
auch der polnische Strang der Beurteilung der mittelalterlichen preußischen Ordensge- 
schichte gezeigt werden konnte. Sven Ekdahl, Die Schlacht bei Tannenberg /410. Quellen- 
kritische Untersuchungen, Bd. I: Einführung und Quellenlage (Berliner Historische Studien 
8; Einzelstudien I), Berlin 1982, S. 14-37; ders., Tannenberg/Grunwald - ein politisches 
Symbol in Deutschland und Polen, Journal of Baltic Studies 22, 199 I, S. 27 1-324; Wieder- 
abdruck in: Deutscher Orden 1190-1990, hg. v. U. Arnold (Tagungsberichte der Histori- 
schen Kommission flIr ost- und westpreußische Landesgeschichte I I), Lüneburg 1997, 
S. 241-302. Der Druck eines noch vor der politischen Wende in Vilnius gehaltenen Vor- 
trags: U. Arnold, Prusiskoji vokieciu ordino istorija XIX ir XX amziu vokietijos politineje 
tradicijoje, Prusijos Kultura, Vilnius 1994, S. 235-258; ders., Nationalismus, Nationalso- 
zialismus und der Mißbrauch der Deutschordenstradition in Deutschland, in: Der Deutsche 
Orden und die Ballei Elsaß-Burgund. Die Freiburger Vorträge zur 800-Jahr-Feier des 
Deutschen Ordens, hg. v. H. Brommer (Veröffentlichungen des Alemannischen Instituts 
Freiburg i. Br. 63), Bühl/Baden 1996, S. 205-222. Mit teilweise abweichenden Ergebnis- 
sen, auch z. T. anderen Beispielen, aber demselben Rahmeninteresse sind die Arbeiten von 
Hartrnut Boockmann zu sehen: Der Deutsche Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte, 
München 41994, S. 234-254; Das ehemalige Deutschordensschloß Marienburg /772-1945. 
Die Geschichte eines politischen Denkmals, in: Geschichtswissenschaft und Vereinswesen. 
Beiträge zur Geschichte historischer Forschung in Deutschland, hg. v. dems. u.a., Göttin- 
gen 1972, S. 99-162; Die Marienburg im 19. Jahrhundert, Frankfurt/M. 1982 sowie seine 
diesbezüglichen Beiträge im o. a. Nürnberger Katalog. 
2 Vgl. F. Heyde, Das Eiserne Kreuz 1813. 1870. 19/4, Osnabrück 1980; 800 Jahre (wie 
Anm. I), S. 447f. 
3 J. Frhr. v. Eichendorff, Der letzte Held von Marienburg, Königsberg 1830; vgl. 800 
Jahre (wie Anm. I), S. 452; A. Riemen, Der Deutsche Orden in Eichendorffs Sicht, in: Bei- 
träge zur Geschichte des Deutschen Ordens 2, hg. v. U. Arnold (Quellen und Studien zur 
Geschichte des Deutschen Ordens 49 = Veröffentlichungen der Internationalen Historischen 
Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens 5), Marburg 1993, S. 151-182; M. Fa- 
ber, Die Rezeption der Geschichte des Deutschordensstaats in der deutschen und polnischen 
Literatur der Romantik, Mag. arbeit Freiburg [1994], masch. 
4 H. von Treitschke, Das deutsche Ordensland Preußen, Preußische Jahrbücher 10. 1862, 
S. 95- 15 I; danach öfters nachgedruckt. 
5 Vgl. 800 Jahre (wie Anm. I), S. 456-458 (mit Abb.). 
6 Vgl. R.-D. Kluge, Darstellung und Bewertung des Deutschen Ordns in der deutschen 
und polnischen Literatur, Zeitschrift fUr Ostforschung 18, 1969, S. 15-53; Wippermann 
(wie Anm. I); ders., .. Gen Ostland wollen wir reiten!" Ordensstaat und Ostsiedlung in der 
historischen Belletristik Deutschlands, Germania Slavica 11, hg. v. W. H. Fritze (Berliner 
Historische Studien 4), Berlin 1981, S. 187-235; Kurzfassung beider Titel in: ders., Der 
konsequente Wahn. Ideologie und Politik Adolf Hitlers, Gütersloh 1989, S. 64-70; H. Wip- 
permann, Der mittelalterliche Deutsche Orden bei Sienkiewicz und Wichert, Staatsarbeit 
Bonn 1994, masch.; Ch. Dzubiel, Die Darstellung des mittelalterlichen Deutschen Ordens 
in der deutschen Literatur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Staatsarbeit Bonn 


51 


--
>>>
1995, masch.; K. Neumann, Der Deutsche Orden des 13./14. Jahrhunderts in der Literatur 
des Kaiserreichs bis 1895, Staatsarbeit Bonn 1996, masch. 
7 M. Hoffmann, Tannenberg, wie es wirklich war, Berlin 1926, S. 73. 
8 E. Ludendorff, Meine Kriegserinnerungen, Berlin 1919, S. 44. 
9 [Paul] von Hindenburg, Aus meinem Leben, Leipzig 1920, S. 85. 
10 VgI. die Zusammenstellung dieser und weiterer Belege in 800 Jahre (wie Anm. I), 
S. 479-483, mit Abbildungen und Literaturnachweisen. 
11 A. HitIer, Mein Kampf, Ausg. München 1943, S. 733. 
12 J. Goebbels, Die Zeit ohne Beispiel, München 194 I, S. 154. 
13 Die Tagebücher von Joseph Goebbels, hg. v. E. Fröhlich, Teil I: Aufzeichnungen 
1924-1941, Bd. I, München u.a. 1987, S. 163, wo er von einem Besuch der Marienburg 
berichtet, der ihn erschüttert habe. 
14 Ein baulich besonders gut erhaltenes Beispiel ist Burg Vogelsang in der Eifel westlich 
Bonn; vgI. H.-D. Arntz, Ordensburg Vogelsang 1934-1945. Erziehung zur politischen 
Führung im Dritten Reich, Euskirchen 1986; R. Schmitz-Ehmke, Die Ordensburg Vogel- 
sang. Architektur, Bauplastik, Ausstattung (Landschaftsverband Rheinland. Landeskonserva- 
tor Rheinland. Arbeitsheft 4 I), Köln 1988. 
15 Robert Ley, Leiter der "Deutschen Arbeitsfront". 
16 H. Rauschning, Gespräche mit Hitler, Zürich 1940, S. 233-235. Auch wenn an der 
Zuverlässigkeit der Veröffentlichung Rauschnings Zweifel geäußert wurden, so trifft diese 
Aussage sicher zu, da HitIer jenen Gedanken auch später noch bestätigte; vgl. Wippermann, 
Wahn (wie Anm. 6), S. 67. 
17 A. Rosenberg, Der Mythus des 20. Jahrhunderts, Ausg. München 1939, S. 520 und 546. 
18 J. C. Fest in der Einleitung zu: H. Himmler, Geheimreden 1933 bis 1945 und andere 
Ansprachen, hg. v. B. F. Smith und A. F. Peterson, Frankfurt am Main 1974. 
19 VgI. 800 Jahre (wie Anm. I), S. 487 mit Abb. 
20 Koblenz, Bundesarchiv, NS 1913.666; Druck in: Himmler, Geheimreden (wie Anm. 18), 
S. 50f.; die entscheidende Passage auch gedruckt bei Arnold, Nationalismus (wie Anm. I), 
S.219f. 
21 W. Jansen, Geier um Marienburg, Braunschweig 1925. VgI. Dzubiel (wie Anm. 6). 
22 Deutsche Wochenschau Nr. 614 vom 11.06.1942; vgI. B. Stuch, Der Deutsche Orden 
im Film des 20. Jahrhunderts, Staatsarbeit Bonn 1990, masch., S. 79-8 I. 
23 Vgl. A. Rosenberg, Gestaltung der Idee. Blut und Ehre JI. Band, Reden und Aufsätze 
von 1933-1935, hg. v. T. von Trotha, München 12 1942, S. 70-89; 800 Jahre (wie Anm. I), 
S.486. 
24 Feier der Einholung der Fahnen des deutschen Ritterordens von der Burg in Krakau, 
dem Sitz des Generalgouverneurs für die besetzten polnischen Gebiete. in die Marienburg 
im Reichsgau Danzig-Westpreußen, 19. Mai 1940, Danzig 1940; Heimkehr der Fahnen. 
Bericht von der feierlichen Einholung der Fahnen des Deutschen Ritterordens von der 
Burg zu Krakau in die Marienburg, 19. Mai 1940, Danzig 1940; 800 Jahre (wie Anm. I), 
S. 491 mit Abbildungen. 
25 Vgl. H. Höhne, Der Orden unter dem Totenkopf Die Geschichte der SS, München 
[1976], S. 142-145. 
26 Das bekannteste Beispiel ist Walther Hubatsch (1915-1984) an der Universität Göt- 
tingen, dann Bonn; vgI. Altpreußische Biographie, Bd. IV, hg. v. E. Bahr und G. Brausch, 
Marburg 1995, S. 1383. 
27 VgI. U. Arnold, Der Deutsche Orden im Schulbuch der Bundesrepublik Deutschland, 
Internationales Jahrbuch für Geschichts- und Geographieunterricht 16, 1975, S. 276-291. 
28 Vgl. K. H. Lampe, Bibliographie des Deutschen Ordens bis 1959, bearb. v. K. Wieser 
(Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 3), Bonn 1975. 


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29 Vgl. W. Hubatsch, Der Deutsche Orden und die Reichslehnschaft über Cypern (Nach- 
richten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, I. philolog.-histor. Klasse, Jg. 1955. 
Nr. 8), Göttingen 1955; ders., Montfort und die Bildung des Deutschordensstaates im Heiligen 
Land (ebd., Jg. 1966, Nr. 5), Göttingen 1966; K. Forstreuter, Der Deutsche Orden am Mit- 
telmeer (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 2), Bonn 1967. 
30 VgI. U. Arnold, Schulbuchgespräche zwischen der Bundesrepublik Deutschland und 
der Volksrepublik Polen. Entwicklung - Probleme - Perspektiven, in: Bundesrepublik 
Deutschland - Volksrepublik Polen. Bilanz der Beziehungen, Probleme und Perspektiven 
ihrer Normalisierung, hg. v. H.-A. Jacobsen, C.-C. Schweitzer, J. Sulek und L. Trzecia- 
kowski, Frankfurt am Main/Warszawa 1979, S. 328-364; Wiederabdruck in: Perspektiven 
für das deutsch-polnische Verhältnis, insbesondere im Bereich von Bi/dung und Wissen- 
schaft. Konferenz von GEW und NSZZ Solidarnosc, Materialien 7, Cottbus 199 I: polnische 
Fassung: Rozmowy mif:dzy Republileq Federalnq Niemiec a Polsleq Rzeczqpospolitq Ludowq 
w sprawie podrf.cznik6w szkolnych: rozwoj, problemy, perspektywy, in: Polska Rzeczpos- 
polita Ludowa - Republika Federalna Niemiec. Bi/ans stosunkow wzajemnych. Problemy 
i perspektywy normalizacji, pod redakcjll J. Sulka, L. Trzeciakowskiego, H.-A. Jacobsena, 
C.-Ch. Schweitzera, Warszawa 1979, S. 241-264. 
31 Vgl. U. Arnold, Deutschordensgeschichte und deutsch-polnische Schulbuchgespräche. 
(Mit einem) Anhang: Konferenz der Historiker aus der Bundesrepublik Deutschland und 
der Volksrepublik Polen zur Geschichte des Deutschen Ordens in Schulbüchern. Bericht 
(gemeinsam mit Zen on Nowak), in: Von Akkon bis Wien. Studien zur Deutschordensge- 
schichte vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. Festschrift zum 90. Geburtstag von Althochmei- 
ster P. Dr. Marian Tumler OT, hg. v. U. Arnold (Quellen und Studien zur Geschichte des 
Deutschen Ordens 20), Marburg 1978, S. 344-36 I. 
32 Vgl. Der Deutsche Orden im Bonner Raum. Eine Ausstellung des Stadt Museums Bonn 
in Zusammenarbeit mit dem Projektbereich Ostdeutsche Landesgeschichte der Universität 
Bo nn , Bonn 22000, S. 45, 159-161. 
33 V gl. die Kataloge 800 Jahre (wie Anm. I); Kreuz und Schwert. Der Deutsche Orden 
in Südwestdeutschland, in der Schweiz und im Elsaß, Mainau 1991; Ritter und Priester. 
Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Nordwesteuropa, Aiden Biesen 1992. 
34 Dazu eine ausführliche Pressedokumentation im Besitz des Germanischen National- 
museums Nürnberg und der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des 
Deutschen Ordens. 
3S Vgl. Der Deutsche Orden im Bonner Raum (wie Anm. 32), S. 48, 163-167. 
36 C. Wien, Aufruhr im Prussenland. Historischer Roman, Egelsbach 1999. 
37 L. Frankowski, The Cross-Time Engineer (Book One in the Adventures ofConrad Star- 
gard), New York/Toronto 1986; ders., The High-Tech Knight (Book Two...), ebd. 1989. 


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I 
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ORDlNES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI -2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Jerzy Serczyk (Torun) 


Die Wandlungen des Bildes vom Deutschen Orden 
als politischer, ideologischer und gesellschaftlicher Faktor 
im polnischen Identitätsbewußtsein 
des 19. und 20. Jahrhunderts 


Die negative (pejorative) Ideologisierung des Begriffs "Krzyzacy" (in sinn- 
gemäßer Übersetzung nicht "Kreuzritter", sondern etwa "Kreuzler") hatte 
ihren Anfang ungefähr in der gleichen Zeit, als in Preußen die romantische 
V erklärung des Deutschen Ordens begann: in den ersten Jahrzehnten des 
I 9. Jahrhunderts. In beiden Fällen lassen sich Zusammenhänge zwischen 
der jeweils aktuellen politischen Situation und der Suche nach Analogien 
dazu in der Vergangenheit feststellen. 
Die Symbolik des Deutschen Ordens spielte in Preußen in diesem Sinne 
zum ersten Male während der Freiheitskriege gegen das napoleonische 
Frankreich ihre damals noch bescheidene Rolle. Das von Friedrich Wil- 
hem III. vorgeschlagene und von Kar! Friedrich Schinkel (1781-1841) ent- 
Worfene Eiserne Kreuz darf wohl als einer der ersten Versuche angesehen 
werden, die mittelalterlichen Symbole den modernen ideologischen Be- 
dürfnissen anzupassen. 
In Polen hat der Dichter und Historiker Julian Ursyn Niemcewicz (1757- 
-184 I) in seinen "Historischen Gesängen'" die Kreuzritter zum ersten Male 
in der polnischen historischen Literatur als einen Feind "höheren Grades", 
einen Feind schlechthin, dargestellt. Hier wurden die Kreuzritter als die 
Vorläufer des modernen preußischen Staates gebrandmarkt, Sie waren ge- 
genüber Polen "undankbar, frech, heimtückisch und hinterlistig,,1, 
Dieses Denkschema, in einem vielgelesenem Buch als eine feststehende 
Tatsache geschildert, bildete zusammen mit den wenige Jahre später ent- 


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standenen Dichtungen von Adam M ickiewicz: "Grazyna" (1823) und "Kon- 
rad Wallenrod" (1826-1827) die Grundlage für das sich immer deutlicher . 
kristallisierende Feindbild des Kreuzritterordens. Bei Mickiewicz war der 
Deutsche Orden noch im Grunde genommen bloß eine historische Kulisse, 
die der eigentlich zeitlosen Intrige dienen sollte; die Wahl des mittelalterli- 
chen Hintergrundes (die Kämpfe des Ordens gegen Litauen) sollte jedoch 
dem Leser gleichzeitig eine romantische story und die ihm vertrauten Re- 
quisiten der (ebenfalls romantischen) Vergangenheit vermitteln. Die dem 
Deutschen Orden von Niemcewicz zugeschriebenen pejorativen Attribute 
wurden von Mickiewicz in den beiden erwähnten dichterischen Werken, 
welche viel gelesen wurden, bereits ausgenutzt. 
Die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte eher ein erneutes Zurückdrängen 
des negativen Bildes der Kreuzritter in polnischer Geschichtsschreibung 
und Literatur. Erst die verstärkte nationale Unterdrückung des Polentums in 
zwei Teilungsgebieten: dem russischen und dem preußischen, welche nach 
dem mißglückten polnischen Aufstand 1863/1864 von den Teilungsmächten 
in großem Maßstab in Gang gesetzt wurde, brachte in dieser Hinsicht eine 
neue Entwicklung mit sich. 
Es war ein geschichtliches Paradoxon, dass das seitdem über mehr als 
ein Jahrhundert gültige negative Bild des Deutschen Ordens gerade in der 
Zeit entwickelt wurde, in welcher die "Wissenschaftlichkeit" der Historio- 
graphie mit besonderem Nachdruck betont und der Terminus "Geschichts- 
wissenschaft" überhaupt erst geprägt wurde. 
Die ersten polnischen Gesamtdarstellungen der vaterländischen Ge- 
schichte, die ihre Wissenschaftlichkeit programmäßig unterstrichen und 
zugleich die negativen Attribute der Kreuzritter als etwas mit dem Or- 
den organisch Zusammengewachsenes bezeichneten, stammten aus der Fe- 
der derjenigen Historiker, die mit der sogenannten "Krakauer Historischen 
Schule" verbunden waren. Sie waren an der in den siebziger Jahren des 
19. Jahrhunderts repolonisierten JagielIonischen Universität in Krakau als 
Professoren tätig und haben auch an der 1873 stattgefundenen Errichtung 
der Krakauer Akademie der Wissenschaften mitgewirkt. Gemeint sind J6zef 
Szujski 3 und Michal Bobrzynski 4 . 
Bei Szujski lassen sich sogar gewisse Ansätze zu der Idee finden, die 
später, während der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert besonders von 
der russischen (bzw. sowjetischen) Propaganda in Umlauf gebracht wurde, 
nämlich zu der Deutung der mit dem Deutschen Orden geführten Kriege als 
einer existentiellen Auseinandersetzung zwischen dem Slawentum und dem 
Germanentum. Im späteren polnischen Schrifttum tauchten diese Analogien 
nicht mehr auf, weil sie in den damals in Polen gängigen Vorstellungen ei- 
ne mentale Konzession an den Panslawismus darstellen würden, welcher 
beinahe als nationaler Verrat oder zumindest als eine moralisch unzulässige 
Kollaboration mit den Russen galt. 


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Die politisch und ideologisch mehr liberale "Warschauer Historische 
Schule", welche gegen die politisch konservativere "Krakauer Schule" über 
mehrere auf die Geschichte Polens bezogene historische Konzepte polemi- 
sierte, war gleichzeitig mit ihr in der Beurteilung und Einschätzung des 
Deutschen Ordens und der von ihm gespielten Rolle in der polnischen Ge- 
schichte weitgehend einig. Die Warschauer Historiker, die wegen des Feh- 
lens jeglicher polnischen Hochschulen im russischen Teilungsgebiet keine 
Universität zur Verfügung hatten, vermieden in ihren Texten die schärfsten 
Formulierungen der Art, wie sie in den Werken der Krakauer Professoren 
zu finden waren s . 
Aus der Warschauer Perspektive erschien der preußische "Kulturkampf", 
der sich immerhin in dem Rahmen des preußischen Rechtsstaates hielt, als 
etwas Erträglicheres im Vergleich mit den russischen Repressalien in dem 
Königreich Polen, welches 1888 in "WeichseIland" ("Privislinskij Kraj") 
umbenannt wurde. Die "bösen Kreuzritter" funktionierten demnach hier (im 
russischen Teilungsgebiet) nicht nur, oder sogar nicht vorrangig, als der 
konkrete Feind aus dem Westen und Norden, sondern als eine Art Ersatz- 
feind, als allgemeine symbolische Verkörperung der fremden Existenzbe- 
drohung für die polnische Nation, übrigens als die einzig mögliche Variante 
des Feindbildes, die von der russischen Zensur toleriert werden konnte 6 . 
Eine besondere Rolle spielte in dieser Fixierung des symbolischen Bil- 
des der Kreuzritter der letzte von den fünf großen und bis heute gelesenen 
historischen Romanen des späteren Nobel-Preisträgers der Literatur (1905), 
Henryk Sienkiewicz (1846-19 I 6). Die Handlung dieses Romans spielt in 
der Zeit der Schlacht von Grunwald/Tannenberg (1410); er wurde schlicht 
"Krzyzacy" ("Die Kreuzritter") betitelt. Ähnlich, wie die früheren Werke 
Von Sienkiewicz, erschien er zunächst als Fortsetzungsroman, gleichzeitig 
in vier Tageszeitungen und einer Wochenschrift in allen drei Teilungsge- 
bieten (2 in Warschau, 2 in Posen und 1 in Lemberg); die letzte Fortsetzung 
ist am 20. Juli 1900 erschienen. Buchausgaben folgten unmittelbar danach. 
In seinem Hauptwerk, dem von der Albertus-Universität in Königs- 
berg/Pr. 1938 preisgekrönten Buch 7 , hat Kurt Lück die Bedeutung des Ro- 
mans von Sienkiewicz mit Nachdruck unterstrichen, allerdings von einem 
anderen Standpunkt aus. Die Hauptthese seiner Ausführungen, die ich hier 
stark gekürzt darstelle, zielte darauf, die allgemeine Deutschfeindlichkeit 
der polnischen Meinungsbildung zu beweisen, die nach seinem Erachten 
ihre Ursache in dem Minderwertigkeitskomplex gegenüber der auf einer 
höheren Kulturstufe stehenden Nation hatte, Trotz dieser nationalistischen 
Haltung hat er die Bedeutung der im Bereich der Literatur, der bildenden 
Künste und der Musik geschaffenen Begriffe und Vorstellungen in der 
Entwicklung des "gesellschaftlichen Kollektivbewußtseins" richtig erkannt. 
Sienkiewicz hatte mit der Wahl der Themen für seine historischen Ro- 
mane einen ausgesprochenen Sinn für Aktualität: Kurz nach dem Erschei- 


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>>>
nen der "Krzyzacy" begannen die preußischen Behörden ihre neuen anti- 
polnischen Maßnahmen in den polnischen Provinzen des Deutschen Reiches 
einzuführen, die in den Enteignungsgesetzen (Feuerstätten gesetz 1904, Entei- 
gnungsgesetz 1908; dazwischen 1906/1 907 der große Schulstreik im Posen- 
schen wegen der Abschaffung der polnischen Sprache im ReligionsuntelTicht) 
gipfelten. Die von Maria Konopnicka (1842-19 10) geschriebene Hymne 
"Rota" ("Der Eid"), zu der Feliks Nowowiejski (1877-1946) die Melodie 
komponierte, wandte sich dierekt gegen die Germanisierung und zeichnete 
ein Zukunftsbild: "...az si
 rozpadnie w proch i pyl krzyzacka zawieru- 
cha..." ("bis sich das Kreuzrittergestöber in Pulver und Staub auflöst"). 
Dieses patriotische Lied wird bis auf den heutigen Tag in Polen gesun- 
gen, meist auf den Versammlungen und Kundgebungen mit stark nationaler 
Tendenz. Zum ersten Mal wurde diese Hymne öffentlich aufgeführt bei 
der Enthüllung des Grunwald-Denkmals in Krakau am 500. Jahrestage der 
Tannenbergschlacht, dem 15. Juli 1910. Das Denkmal wurde von dem Pia- 
nisten Ignacy Paderewski (1860-1941) gestiftet, welcher später bei den 
Unabhängigkeitsbestrebungen Polens eine bedeutende Rolle spielen sollte. 
An den damit verbundenen Feierlichkeiten nahmen Delegationen aus allen 
drei Teilungsgebieten Polens teil. Sie haben zur Stärkung des Zusammen- 
gehörigkeitsgefühls in allen Schichten des polnischen Volkes beigetragen; 
im Baukomitee befanden sich auch Vertreter der Bauern (u.a, der Großvater 
des Vfs., J6zef Serczyk, der wojl [Gemeindevorsteher] aus Tonie bei Kra- 
kau). Das Denkmal, welches von den deutschen Besatzungsbehörden be- 
reits im Herbst 1939, kurz nach dem Einmarsch der Deutschen in Krakau, 
zerstört und geschleift wurde, hatte am Fuße des Sockels die Figur eines 
toten Kreuzritters. Oben befand sich das Reiterstandbild des Königs von 
Polen Wladyslaw JagieUo. (Das Denkmal wurde 1976 in der ursprünglichen 
Form an der alten Stelle wiederhergestellt). 
Die symbolische Aussage dieser monumentalen Skulptur war eindeutig. 
Sie eignete sich vortrefflich für Propagandazwecke. Um nur bei einem Bei- 
spiel zu bleiben: Unter den ersten Briefmarken, die von dem PKWN ("Pol- 
nisches Komitee der Nationalen Befreiung") in Lublin im September 1944 
in Umlauf gesetzt wurden, befand sich auch ein Postwertzeichen mit dem 
Motiv des toten Kreuzritters von dem Krakauer Denkmal (diese Briefmar- 
kenserie wurde übrigens in der Sowjetischen Staatsdruckerei "GosZnak" in 
Moskau gedruckt). 
In den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg trat das Motiv des 
Deutschen Ordens als stimulierender Faktor in der polnischen nationalen 
Bewußtseinsbildung in den Hintergrund. Die Entstehung der polnischen 
paramilitärischen Organisationen in Galizien, dem österreich ischen Teil- 
ungsgebiet Polens (die von den österreich ischen Heereskreisen im stillen 
unterstützt wurden), die mit der erneuten Herausstellung Rußlands als ak- 
tuellem Hauptgegner der Wiederherstellung des Polnischen Staates verbun- 


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den war, kann als eine der Ursachen dieser Zurückdrängung des negativen 
Bildes der Deutschordensritter betrachtet werden. 
Dagegen unternahmen einige höhere russische Offiziere vorsichtige 
Versuche, aufgrund der Tradition des "gemeinsamen Kampfes der Russen 
und Polen gegen die Kreuzritter in der Grunwald/Tannenberg-Schlacht" 
die "russischen Polen" im Sinne der künftigen politischen Zusammenarbeit 
im Rahmen des Russichen Imperiums zu beeinflussen 8 , 
Inwieweit diese Versuche die Stimmung der Bevölkerung im russischen 
Teilungsgebiet ("Königreich Polen") tatsächlich beeinflussten, läßt sich 
heute nicht mehr feststellen, Es steht aber fest, dass diese Bevölkerung 
während des ersten Jahres des Krieges die Russen als "die Unserigen" be- 
trachtete und während des deutschen Vormarsches I 9 I 5 im allgemeinen die 
russischen Evakuierungsbefehle befolgte. 
Eine Wiederbelebung des Denkschemas "Kreuzritter = Deutscher = 
Feind" erfolgte erst nach dem Waffenstillstand vom I 1. November 1918, als 
die Frage der Grenzen zwischen dem wiederhergestellten Polnischen Staat 
und dem Deutschen Reich zum Gegenstand der Friedensverhandlungen 
wurde. Während der polnischen Aufstände in Oberschlesien (16.-26.08.1919, 
20.-25.08.1920, 2.05.-28.06. I 921) erschien das Motiv des aktualisierten 
bösen deutschen Kreuzritters ab und zu in der polnischen Flugblätterpropa- 
ganda. Im allgemeinen aber tauchte das Motiv des Kreuzritters als Symbol 
der deutschen Bedrohung für Polen in den zwanziger Jahren nicht in dem 
Maße auf, wie das vor dem Ersten Weltkrieg der Fall war. Der Bedarf für 
Symbole verringerte sich, als man über politische Probleme "im Klartext" 
frei und ungehindert reden und schreiben durfte. 
Der mit großem Kräfteaufwand überstandene Krieg mit dem bolsche- 
wistischen Rußland 1920-192 I und das Problem der nationalbewußten 
ukrainischen Minorität in Ostgalizien lenkte die Aufmerksamkeit der polni- 
schen Öffentlichkeit mehr in die östliche Richtung und ließ für eine Periode 
Von wenigen Jahren das symbolische pejorative Bild des deutschen Kreuz- 
ritters wieder in den Hintergrund treten. 
Die sich nach 1923 in Deutschland stabilisierende Situation ("die gol- 
denen zwanziger Jahre") gestattete es der deutschen öffentlichen Meinung, 
die Aufmerksamkeit im größeren Maße auf die Fragen der Außenpolitik zu 
lenken. Das Jahr 1925 brachte in dieser Hinsicht zwei wichtige Ereignisse, 
Welche einen unmittelbaren Einfluß auf die Gestaltung der deutsch-polni- 
schen Beziehungen hatten und das symbolische Bild des Deutschordens- 
ritters (einerseits als Träger der höheren Kulturwerte, andererseits als 
rücksichtsloser Eroberer und Gewalttäter) sowohl auf deutscher, als auch 
auf polnischer Seite wieder in den propagandistischen Umlauf setzten. Die 
Ereignisse, von denen hier die Rede ist, waren: I. der Beginn des deutsch- 
-polnischen sogenannten Zollkrieges, 2. der Vertrag von Locarno, der die 
Möglichkeit einer Revision der deutsch-polnischen Grenze in Aussicht stellte. 


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In Polen war das mit einer Welle der Neubelebung der nationalen Ge- 
fühle verbunden, welche sich insbesondere in den ethnisch gemischten 
Wojewodschaften (Provinzen) des polnischen Staates bemerkbar machten. 
Der moderne polnische Nationalismus wird vor allem mit der Tätigkeit von 
Roman Dmowski (1864-1939) verbunden, der aus dem russischen Teil- 
ungsgebiet stammte und für den die symbolische Bedeutung des Deutschen 
Ordens für polnische nationalistische Ideologie nicht so große Bedeutung 
hatte wie für die Einwohner des preußischen Teilungsgebiets. In der frühe- 
ren Publizistik seiner Partei, der Nationalen Demokratie, tauchte deswegen 
die mit dem Deutschen Orden verbundene Symbolik nur verhältnismäßig 
selten auf. Eine Änderung in dieser Hinsicht brachte erst die Endphase des 
Ersten Weltkrieges mit sich. Die jüngere Generation der polnischen Natio- 
naldemokraten in der Zeit zwischen den bei den Weltkriegen hat aber ver- 
hältnismäßig rasch die Anwendbarkeit der "Kreuzritterideologie" auch für 
die politischen Zielsetzungen der zwanziger und dreißiger Jahre erkannt 
und sie erneut in das Arsenal der ideologischen Kampfmittel eingeführt. 
Wie im 19. Jahrhundert funktionierte die Symbolik des Deutschen Ordens 
wieder auf beiden Seiten. Diesmal aber hat die polnische Seite einen zeitli- 
chen Vorsprung errungen. Die deutsche "Anti-Korridor"-Propaganda (die 
gegen die Zugehörigkeit Pommerellens/Westpreußens zu Polen gerichtet 
war) operierte in den zwanziger und zu Beginn der dreißiger Jahre vorwie- 
gend mit damals aktuellen politischen und wirtschaftlichen Argumenten, 
welche vor allen an die maßgeblichen Kreise des Westens sich richteten. 
Hierbei waren die Symbole aus der weit entfernten Vergangenheit wenig 
brauchbar - und sie wurden auch nicht benutzt. 
In Polen wurde in derselben Periode das Empfinden der Bedrohung 
durch Deutschland wieder stärker. Die Nationale Demokratie, insbesondere 
die damalige Nachkriegsgeneration dieser Partei (die 1929 den Namen 
"Nationale Partei" = "Stronnictwo Narodowe" angenommen hatte), baute 
ihre Ideologie auf der historisierenden Konzeption der sogenannten "piasti- 
schen Idee" (nach der mittelalterlichen Dynastie der Piasten) auf, welche 
dem deutschen "Drang nach Osten" den polnischen "Drang nach Westen" 
gegenüberstellen sollte. Diese Ideologie, die mit einer kämpferischen Auf- 
fassung des katholischen Glaubens verbunden war, fand viele Anhänger 
nicht nur unter der Hochschuljugend, sondern (besonders in Posen und 
Pommerellen) auch bei den Bauern und Handwerkern sowie bei den Arbei- 
tern in kleinen Betrieben. Das Gesamtbild des "bösen Deutschen" wurde in 
zwei Symbolfiguren zusammengefaßt: derjenigen des Kreuzritters im wei- 
ßen Mantel mit schwarzem Kreuz und derjenigen des Preußen mit der Pik- 
kelhaube, die beide in der volkstümlichen nationalistischen Propaganda ne- 
ben der Gestalt des jüdischen Wucherers im Kaftan als Hauptfeinde der 
polnischen Nation dargestellt wurden. Diese Propaganda hat ihre Wirkung 
insbesondere in den dreißiger Jahren nicht verfehlt und trug in einem be- 


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deutenden Maße zur Stärkung des Nationalgefühls nicht nur bei der Mittel- 
schicht der polnischen Bevölkerung bei. 
Selbst die Partei der Anhänger des ehemaligen Sozialisten Marschall 
Pilsudski, welche durch den Staatsstreich im Jahre 1926 die Macht in Polen 
übernahm, mußte sich dieser vorherrschenden Stimmung anpassen, was 
schließlich 1937 in der Bildung des "Lagers der Nationalen Einheit" ("Ob6z 
Zjednoczenia Narodowego") seinen Ausdruck fand. Als eine gemeinsame 
Schöpfung der Nationalisten und der Pilsudski-Anhänger, die für unser 
Problem als repräsentativ betrachtet werden dürfte, war das 1926 in Thorn 
gegründete Baltische Institut (Instytut Baltycki) anzusehen. In seinen Ver- 
öffentlichungen, die sich sowohl an das einheimische, als auch an das aus- 
ländische Publikum wandten, erschien der Deutschordensstaat (und damit 
die Kreuzritter) als ein Vorläufer des modernen gefahrbringenden Preußen- 
turns (obwohl seine kulturellen Errungenschaften nicht mehr in der früher 
üblichen Weise in Frage gestellt wurden). 
Da die gesamte Periode der Zweiten Polnischen Republik (1918-1939) 
in der heute gültigen wissenschaftlichen Beurteilung als stark nationalbe- 
wußtseinsbildend erachtet wird, darf die Rolle der damaligen Vorstellungen 
als eines zumindest mitwirkenden Faktors in diesem Prozeß als sicher an- 
genommen werden. 
Der Zweite Weltkrieg verstärkte diese Tendenz und die damit verbunde- 
nen Symbolvorstellungen in einem alles Frühere übersteigenden Maße. Der 
Kreuzritter wurde nun nicht mehr an die Seite des bereits erwähnten Preußen 
mit der Pickelhaube (der angesichts der Nazi-Verbrechen beinahe gutmütig 
erschien), sondern an die Seite des "großdeutschen" SS-Mannes gestellt. 
Mehrere Beispiele dafür sind in der Untergrundpresse aller politischen Rich- 
tungen und in den bald nach dem Kriegsende gedruckten Büchern zu tinden 9 . 
Die polnischen Kommunisten, welche sich in der Zeit zwischen den 
beiden Weltkriegen gegen die Zugehörigkeit Pommerellens/Westpreußens 
und Ostoberschlesiens zu dem polnischen Staat engagierten, haben nach 
dem 22. Juni 1941 diese ihre Einstellung diametral geändert. Ihre Organi- 
sationen in der Sowjetunion, der Konzeption Stalins über eine politische 
Neuordnung in Ostmitteleuropa folgend, die mit einer Westverschiebung 
des kommunistisch regierten, aber ethnisch homogenen Polens verbunden 
war, griffen in ihrer Propaganda recht tief in den ideologischen Vorrat 
der Nationalen Partei, die sie gleichzeitig rücksichtslos bekämpften. Der 
aggressive Kreuzritter spielte als Symbolfigur in dieser Propaganda erneut 
eine herausragende Rolle, 
Nach der sowjetischen Sommeroffensive des Jahres 1944, als in Lublin 
das (bereits oben erwähnte) "Polnische Komitee der Nationalen Befreiung" 
eingesetzt wurde, erlebte die Kreuzrittersymbolik als Feindbild in einer 
neuen Fassung einen Höhepunkt ihrer bisherigen Geschichte. Als eine neue 
Kriegsauszeichnung wurde in Erinnerung an den Sieg über den Deutschen 


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Orden bei Tannenberg 1410 (vgl. oben) das "Grunwald-Kreuz" ("Krzyz 
Grunwaldu") gestiftet, und man erwog in vollem Ernst die Möglichkeit, die 
traditionelle polnische Nationalhymne "Noch ist Polen nicht verloren" ("Je- 
szcze Polska nie zgin
la") durch die "Rota" von Konopnicka (siehe oben) 
zu ersetzen, ein Lied, in welchem das Kreuzrittermotiv die Hauptrolle spielt. 
Die ersten Nachkriegsjahre waren in Polen von starken antideutschen 
Ressentiments gekennzeichnet. In der allgemeinen Frustrationsstimmung, 
die nach dem formell gewonnenen, faktisch jedoch verlorenen Krieg in dem 
Lande herrschte, waren diese Ressentiments die einzige offiziell zugelasse- 
ne Möglichkeit, den eigenen, wirklichen Gefühlen freien Lauf zu gewähren. 
Die kommunistischen Machthaber waren in dieser Hinsicht mit dem von 
ihnen regierten Volk einig. Das negative Symbol des Kreuzritters war dabei 
ein willkommenes Hilfsmittel. Selbst die ausdrücklich antikommunistisch 
eingestellten Intellektuellen fanden hier mit den Kommunisten eine ge- 
meinsame Sprache. Auch im Schulunterricht wurden die auf anti deutscher 
Grundlage aufgebauten Stereotypen verbreitet und wirkten im gleichen 
Sinne auf die junge Generation ein, 
Eine "von oben" kommende Dämpfung der antideutschen Ressentiments 
in Polen erfolgte gleichzeitig mit der Intensivierung des ideologischen 
Drucks in der Periode des "Stalinismus" 1949-1955 und war Folge der Ver- 
änderung der sowjetischen Deutschlanddoktrin. Infolgedessen wurde die 
Sowjetische Besatzungszone zur Deutschen Demokratischen Republik, die 
ziemlich rasch als gleichwertiges Mitglied der "sozialistischen Völkerfa- 
milie" und als das "richtige Deutschland" schlechthin galt. Das gesamte 
propagandistische Deutschlandbild wurde demnach gründlich umgestaltet. 
Die Rolle des Prügelknaben wurde nunmehr der gleichfalls 1949 entstande- 
nen Bundesrepublik Deutschland zugeteilt. Sie war aber in diesem neuen 
Modell nicht deswegen böse, weil sie deutsch war, sondern deswegen, dass 
sie ein "Werkzeug des US-amerikanischen Imperialismus" darstellte, weI- 
ches gleichzeitig und im Rahmen dieser Werkzeugrolle die alten deutschen 
Sünden: Imperialismus, Pangermanismus, Expansionismus und Militarismus 
fortentwickelte. Dieses Schema war seit 1949 bis in die siebziger Jahre für 
das gesamte "sozialistische Lager" gültig. 
In Polen wurden darüber hinaus Versuche unternommen, zu diesem 
Katalog noch das historisch überlieferte Bild des raubgierigen Kreuzritters 
hinzuyufügen. Das Foto Konrad Adenauers im Ordensmantel mit schwar- 
zem Kreuz war in Polen in den fünfziger und sechziger Jahren das am häu- 
figsten publizierte Bildnis des ersten Bundeskanzlers. 
Die Kreuzritter wurden in der amtlichen Propaganda in Polen zum letz- 
ten Male aus Anlaß des 550. Jahrestages der Schlacht bei Tannenbergl 
IGrunwald auf die Bühne gerufen. Der Film "Die Kreuzritter" nach dem 
Roman von Sienkiewicz (vgl. oben) wurde mit großem Kostenaufwand ge- 
dreht, und er hatte bei den Zuschauern einen gewissen Erfolg, Die gegen- 


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------IIiIIII
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wartsorientierte Nachkriegsgeneration der Polen zeigte aber für die darin 
enthaltene historisierende Ideologie kein besonderes Interesse mehr. Den 
Film "Die Kreuzritter" sah man sich mit ähnlichen Gefühlen an, wie man 
etwa in Frankreich die Filme mit den drei Musketieren empfängt. Der ne- 
gative Mythos vom Kreuzritterorden hat damit in Polen seine bewußtsein- 
bildende Rolle verloren. 


Anmerkungen 


I J. U. Niemcewicz, Spiewy historyczne, Warszawa 1816; deutsche Übersetzung von 
F. Gaudy, Geschichtliche Gesänge der Polen, Leipzig 1833. 
2 Ebd., S. 54 
3 J6zef Szujski (1835-1883) studierte in Krakau und Wien, war Teilnehmer des Auf- 
standes gegen Rußland 1863, dann hat er sich flIr Zusammenarbeit mit Österreich erklärt; 
1866- 1883 war er Abgeordneter im Landtag von Galizien, 1867-83 Mitglied des österreichi- 
schen Herrenhauses. Seit 1869 Ord. Professor der JagielIonischen Universität zu Krakau, Leiter 
des ersten Lehrstuhls flIr polnische Geschichte. U.a. Autor von zwei Synthesen der Ge- 
schichte Polens: Dzieje Polski podlug ostatnich badan spisane [Geschichte Polens nach den 
neuesten Forschungen] in 4 Bänden, 1862-1866, und Historii polskiej trdciwie opowiedzi- 
anej ksiqg dwanascie [Zwölf Bücher polnischer Geschichte, bündig erzählt], 1880. Mitbe- 
grUnder und Generalsekretär der Akademie der Wissenschaften in Krakau (gegründet 1873). 
4 Michal Bobrzynski (1849-1935) studierte an der JagielIonischen Universität zu Kra- 
kau Geschichte und Jura (Dr. iur. 1872), zusätzliche Studien bei R. Sohm in Straßburg, 
Habilitationen in Krakau: 1873 polnisches, 1875 deutsches Recht. 1873 Dozent, 1877 
außerordentlicher, 1879 ordentlicher Professor der JagielIonischen Universität. Aktiv poli- 
tisch tätig: 1885-1918 Mitglied des Landtags von Galizien in Lemberg und des österreichi- 
schen Staatsrats in Wien. Als Statthalter von Galizien 1908- 1913 versuchte er, eine Ver- 
ständigung zwischen den Polen und den Ukrainern ("Ruthenen") zustandezubringen. Sein 
Hauptwerk: Dzieje Polski w zarysie [Abriß der Geschichte Polens], 1879, haue mehrere 
Auflagen, auch in der zweiten Hälfte des 20. Jh. 
5 J. Szujski, Historii polskiej (wie Anm. 2), S. 89 [Übersetzung]: "Am 9. Juli [1410] ist 
die polnische Armee in die Lande des Ordens einmarschiert [...] die beiden Mächte, die 
deutsche und die slawische, stellten sich zum tödlichen Ringen auf den Feldern bei Gilgen- 
burg, oder bei Grunwald und Tannenberg [. .]". 
6 W. Smoleflski, Dzieje narodu polskiego [Geschichte der polnischen Nation]. 6. Aufl., 
Warszawa 1921, S. 88-89 [Übersetzung]: "Am 15. Juli 1410 kam es zu der Schlacht auf 
dem Grünen Felde (Grunwald), nahe der Stadt Gilgenburg. [Der Hochmeister des Deut- 
schen Ordens] Ulrich Jungingen mit der hervorragendsten Ritterschaft des Ordens ist gefal- 
len, alle Banner der Kreuzritter sind in die Hände der Sieger geraten. Die Schlacht auf dem 
Grünen Felde war ein Triumph der litauisch-polnischen Union über der Macht der Kreuz- 
ritter; sie würde sich zu einem Grab des Ordens verwandeln, wenn man den Sieg richtig 
ausnutzen könnte". 
7 K. Lück, Der Mythos vom Deutschen in der polnischen Volksüberlieferung und litera- 
tur (I. Aufl. 1938, 2. Auflage 1943 nach dem Tode des Autors, der am 5.03. 1942 als 
"Sonderführer K" in Rußland gefallen ist). 


63
>>>
8 Eine interessante literarische Widerspiegelung dieser Versuche und der polnischen Re- 
aktionen darauf ist in dem Roman Slawa i chwala [Ruhm und Ehre] von Jaroslaw Iwaszkie- 
wicz zu finden (I. Aufl. 1956; in der Zeit des "Stalinismus" durfte das teilweise noch wäh- 
rend des Zweiten Weltkrieges geschriebene und bald danach abgeschlossene Buch nicht 
erscheinen. Es konnte erst nach Stalins Tod im Rahmen des sogenannten "Tauwetters" 
veröffentlicht werden). 
9 K. G6rski, Panstwo krzyiackie w Prusach [Kreuzritterstaat in Preußen], Gdansk, In- 
stytut Baltycki 1946, S. 13 [Übersetzung]: "Hier regierte der Orden, ein grausamer und 
rücksichtloser Herrscher, der gerade diese Ideologie der Gewaltherrschaft verkörperte [...]. 
Dreihundert Jahre der Herrschaft einer Kaste der geistlichen Herren, die beim Regieren 
bürokratische Muster anwandten. blieben nicht ohne Einfluß auf die Entstehung der preußi- 
schen Bürokratie. bei der das Pflichtgefühl zur Grundlage der Macht des Staates wurde. 
Dieser Staat hat zunächst den wertvollsten Teil der Rzeczpospolita [die polnische Adelsre- 
publik im 18. Jahrhundert] verschlungen, danach ganz Deutschland, um in der Katastrophe 
des größten VerfUhrers, den man in Europa kannte, zu untergehen. S. 15: [...] Der 
Kreuzritterstaat, voll Tragik und Last der Verbrechen [...], die Geschichte eines gleichsam 
schlechten Gewissens wird Jahrhunderte der preußischen Geschichte belasten [...]. Der 
Orden hat in sich die gesamte Eroberungskraft des Deutschtums zusammengeballt und 
drängte zur Unterjochung der Nachbarn. [...] S. 16: [...] Der Nationalsozialismus wollte 
den Deutschen Orden auferstehen lassen, diesmal schon ohne Kult der HI. Jungfrau Maria 
und ohne religiöse Askese. In den Ordensburgen sollten die neuen Weltherrscher erzogen 
werden [...]".
>>>
ORDINES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI - 2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Marian Dygo (Warszawa) 


Der Deutsche Orden und die "reine Form" 
Von Stanislaw Ignacy Witkiewicz 


Der Gegenstand unserer Betrachtungen ist ein Bühnenwerk von Sta- 
nislaw Ignacy Witkiewicz (1885-1939), eines der führenden polnischen 
Dramaturgen des 20. Jahrhunderts. Es handelt sich um das Stück u.d.T, 
"Janulka, die Tochter von Fisdejko. Ein Trauerspiel in vier Akten", das 
1923 verfasst, 1962 veröffentlicht und erst 1974 in Szene gesetzt wurde'. 
Die Verfassung dieses Schauspiels ist auf eine sehr wichtige Periode in der 
schöpferischen Tätigkeit des Schriftstellers gefallen. Seit dem Ende des er- 
sten Weltkriegs schaffte Witkiewicz ein extrem unrealistisches Theater, das 
er als die "reine Form" bezeichnete. In der Opposition zu der klassischen 
Kunst unternahm Witkiewicz ein Versuch, "die Bühnendichtung von der 
realistischen Psychologie und der Erzählung zu befreien, und sie auf der- 
selben Unterlage zu gründen, auf der sich die moderne Kunst und Musik 
fundierte,,1. Darüber hinaus, unter dem Einfluß der Kriegsereignissen und 
der russischen Revolution, interessierte sich Witkiewicz für die Geschichte. 
Zu den eigentümlichen historischen Schauspielen kann man auch das Stück 
"Janulka, die Tochter von Fisdejko" zählen. 
Unter den Personen des Dramas treffen wir u.a. den Fürst Litauens und 
Weißrußlands Eugen Fisdejk0 3 , seine Frau Elsa 4 , ihre Tochter Janulka\ den 
Vater von Eisa Bernhard Freiherrn von Plasewitz 6 , Joel Kranz 7 , der in der 
Begleitung der zwei Chassidim auftritt, den Hochmeister der Neu-Kreuz- 
-(Deutsch)ordensritter Gottfried Reichsgraf von und zu Berchtoldingen 8 , 
Den Zipfel - den Leiter der Seance 9 , zwei den Vögeln ähnliche Gestalten 
ohne Beine, zwölf litauischen Bojaren lO , vier Hofdamen des Hochmeisters, 
So tritt hier, wie in anderen Stücken von Witkiewicz, eine Fülle der überra- 
schenden Personen aus verschiedenen Zeiträume auf. 


65 


--
>>>
Wie belehrt uns der Verfasser selbst, "es geht in Litauen mit einer 
chronologischen Verwechslung der Sache"lI. Der Hochmeister ersehnt für 
Fisdejko die königliche Würde verleihen; Fisdejko beabsichtigt in der Fol- 
ge seine Tochter an den Hochmeister verheiraten, Zusammen mit dem zu- 
künftigen König Fisdejko möchte der Hochmeister einen Staat gründen: 
"Der neue Staat des wildesten Volkes, verbundenen mit der höchsten Kul- 
tur, ist eine unumstößliche Tatsache der kommenden Wirklichkeit"n, Gott- 
fried von und zu Berchtoldingen so erklärt das Ziel dieser Staatsgründung: 
",.. wir müssen unseres Leben bis zum Ende in der Form der künstlerischen 
Transformation der Koordinaten verbringen oder sich mit dem Pöbel ver- 
mischen. Die Wahrheit in der gewöhnlichen Bedeutung ist hier ausgeschlo- 
ßen.., Aber ich werde - natürlich indirekt, in der Form neuer psychischen 
Gebilde - eine ganz andere Definition von der Wahrheit angeben: der Wi- 
derspruch mit der Wirklichkeit, und dabei eine Deformation dieser letz- 
ten"I3, In diesem Vorschlag "der Bildung des 'künstlischen Ichs' und der 
phantasievollen gesellschaftlichen Wirklichkeit, in der (Personen des Dra- 
mas - M. D.) die Sonderbarkeit des Daseins erleben könnten,,14, soll man 
"das Anzeichen der modernen Massengesellschaft und seiner totalitären 
Systeme erblicken"JS. 
Am Tag vor der Krönung flüchtet Fisdejko mit seiner Tochter in die 
Wälder; er fürchtet sich vor der Last der Regierung l6 . Aber, nach der Mei- 
nung des Hochmeisters, hat er selbst und Fisdejko alle Brücke hinter sich 
abgebrochen: "Wir haben keinen Platz auf dieser Welt, höchstens nur in 
deinem vertierten Litauen. Umgezogene mit dem Ring der sozialistischen 
Republiken müssen wir uns verlieren, soviel wir etwas völlig entgegenge- 
setztes nicht schaffen. Die Vertierung hat dort nicht so weit gereicht wie 
bei uns. Dort glauben die Massen an die Zukunft. Hier, in unseren Augen, 
hebt die umgekehrte Welle der Geschichte an"l7. 
Joel Kranz ("der allmächtige Premier-Minister, den Fisdejko zur Gra- 
fenwürde erhoben hat) vornimmt die Krönung von Fisdejko zum König" 
des neu barbarischen Litauens und Weißrußlands,,18. In Kürze aber wird 
Fisdejko von der Regierung müde; auch der Hochmeister hat schon Staats- 
angelegenheiten satt. König Fisdejko verurteilt seine Bojaren zum Tode; er 
wünscht sich, ein einsamer Herrscher zu sein, 
Fisdejko übergibt jedoch bald dem Joel Graf Kranz die Regierung und 
selbst wird der Forstmeister bei Gottfried von und zu Berchtoldingen. Der 
Hochmeister schließt Folgerungen aus der neulichen Ereignisse: "Man soll 
sich ein für allemal sagen, daß unsere Epoche gewisse Typen der Herrscher 
nicht gebären kann. Wir wollten den vom Sozialismus vertierten Massen 
eins aufs Dach geben; wir, Menschen des Ende, Übriggebliebene, wollten 
Herren in der Anfangsphase der Geschichte sein - alles umsonst. Eins ha- 
ben wir jedoch erreicht: im Grunde der rein persönlichen Bedenken haben 
wir jetzt den Glauben in die Möglichkeit der zyklischen Geschichtsordnung 


66 


---------
>>>
auf den sehr langen Abständen. Die Unabwendbarkeit der gesellschaftli- 
chen Veränderungen ist fast überwunden... Trotz der Unabwendbarkeit des 
Kulturguts, die Zyklizität ist das absolute Gesetz, bis zum vollen Ausster- 
ben einer Gattung,,19. Der Hochmeister, der die Angst vor dem Bestehen 
empfand, durch Selbstmord endet. Fisdejko folgert: "Das künstliche Ich ist 
keine Fiktion, aber das läßt sich nicht der vertierten Gesellschaft an pas- 
sen..,,,10; und er weiter: "Die vertierte Gesellschaft ist dieselbe wie die Ur- 
gesellschaft - sie braucht eine Macht, die aus dem Leib der reinen viehi- 
schen Lebensweise hervortreten wurde, und nicht uns, den hyperkulturellen 
Marionetten mit einem psychischen Überbau,,11. Das Stück endet sich mit 
dem Blutbad: die fehlgeschlagenen Begründer des neuen Staates fallen bei 
den Hieben mit der Axte, die ihnen die Bojaren unter der Leitung des neuen 
Königs Joel Kranz versetzen. 
Die Personen des Dramas wissen nicht, wer sie sind, in welcher Epoche 
sie leben, welche Aufgaben vor ihnen stehen. Um sich von dem grauen 
Hintergrund des langweiligen Vergehens zu trennen, ersehnen die Helder 
des Dramas den Reiz des Bestehens empfinden und erblicken das Leben als 
Abstraktion der reinen Form. Sie fragen sich, wie sollen sie leben, wie am 
wirklichsten erleben sie sich selbst. Sie merken, es gebe "ein neues Tätig- 
keitsbereich des Geistes, das auf dem Schaffen des neuen 'Ichs' in uns 
selbst beruht"n, In dem Stück "schafft man künstliche Persönlichkeiten im 
schnellen Tempo und in kollektivem Maßstab... Die Wirklichkeit wurde 
restlos mit einem Fragezeichen angemerkt... Man weiß nicht, ob Personen 
tote, oder lebende, ob Geister auf der spiritistischen Sitzung, oder reelle 
Menschen, ob historische Gestalten, oder ihre Rollen spielende Schauspie- 
ler sind,.. Die Grenze zwischen Leben und Tod, Wirklichkeit und Täu- 
Schung, Geschichte und Erdichtung ist ganz ineinandergeflossen. Das Be- 
stehen hat keinen Anfang, kein Ende, und keine endgültige Daseinsberech- 
tigung - ebenso wie die Geschichte, die den Übergang des Menschen 
durch das unfruchtbare Leben verzeichnen versucht,,13, 
In der Fachliteratur wird man die Hypothese aufgestellt, Stanislaw 
Witkiewicz habe in dem besprechenden Stück an den historischen Roman 
des polnischen Schriftstellers Feliks Bernatowicz u.d.T, "Pojata, die Toch- 
ter Von Lesdejko, oder die Litauer im 14, Jahrhundert" (1826) angeknüpft. 
Auf dem Hintergrund der polnisch-litauischen Union 1386 und der Bekeh- 
rung Litauens entspinnt sich im Roman von Bernatowicz die spannende 
Handlung, die auf abenteuerlichen und liebesvollen Ereignissen aufgebaut 
War. Nach der Meinung von Daniel C. Gerould, Witkiewicz "nachahmt we- 
der die Handlung, noch die Charakteristik von Personen des Romans von 
Bernatowicz; nur aneignet er sich einige zufällige Bestandteile, hauptsäch- 
lich Namen und äußere Zuge der Helden, und dann deformiert er sie, ver- 
schmelzt und zuschreibt anderen Personen, als es in dem Muster ist... 
(Er - M. D.) hat den neunzehntausendjährigen historischen Roman in das 


67
>>>
20. Jahrhundert verlegt und durch die extreme Deformation hat die altmö- 
dische, aber immer blühende Gattung in einen überraschend neuen und 
originellen Typ des Dramas umgestaltet: in das nichteuklidische historische 
Theaterstück", Er verzichtet auf "die romantische, weiterhin im Theater 
herrschende Vorstellung von der Geschichte". Litauen ist hier "ein Geistes- 
zustand, eine mythische Welt, eine für die Erforschung der Zukunft entwer- 
fene Werkstatt. Seine Herrscher und Untertanen, mit dem starken Selbstbe- 
wußtsein ausgestattet, aber nicht sichere ihrer eigenen Realität, widmen 
sich fast ausschließlich der Erforschung der individuellen, nationalen und 
allgemeinen Geschichte. Anders gesagt. ist' Janulka, die Tochter von Fis- 
dejko' das historische Theaterstück über die Natur der neueren Geschichte, 
das literarische Werk, das sich vom eigenen Gegenstand nährt und ihn 
fri ßt,,14, 
Der von Witkiewicz untergenommene Versuch, mit der bisherigen Tra- 
dition des polnischen Theaters zu brechen, verbindet sich in dem hier behan- 
delten Stück mit dem Angriff auf das in Polen übliche Bild des Deutschen 
Ordens. Bojaren sind Flegel, die soviel denken, wie Bären u , Fisdejko ist 
ein verblödeter, seit 50 Jahren permanent besoffen er Greis; er hat sich als 
ein Mensch erwiesen, auf den man nicht rechnen kann 16 , Auf diesem Hin- 
tergrund strählt die Persönlichkeit des Hochmeisters von und zu Berchtol- 
dingen: "ein ritterliches Gesicht. Eine Adlernase. Hoch, breitschultrig und 
von starkem Körperbau,,17; er macht unendliche Perspektiven des Lebens- 
schaffens sichtbar 18 ; "durch ihn spricht das Geist der Epoche. Er ist ein 
notwendiger Mensch"19; er ist der Gründer des litauischen Königtums 30 ; er 
ist "ein Wundermensch... ein wahrer Ritter aus den alten Zeiten,,31; er ist 
ein Kulturträger 31 ; er lehrt "eine Technik des eingebildeten Lebens,,33; er 
überwindet den Nihilismus im Leben 34 , 
Das von dem Hochmeister angeregte Experimene s ist durch die Schuld 
von Fisdejko nicht gelungen; der Hochmeister hat den Selbstmord began- 
gen. Der Einsatz, um den der Hochmeister spielte, war sehr hoch: eine Ge- 
genwirkung dem Verfall der Kultur und der individuellen Macht. Der Ver- 
fall der Kultur (mit dem verbindet sich das Verschwinden der metaphysi- 
schen Gefühle, d.h, der Erfahrung des Geheimnisses, dessen Grenze die 
Ontologie beschreibt) resultiert aus der Ausbreitung der Ideologie, der Wis- 
senschaft und der Technik. Zur Zerstörung der individuellen Macht führen 
dagegen Wandlungen der politischen Ordnungen. Der Untergang der indi- 
viduellen Macht ist unvermeindlich kraft der objektiven Gesetze der Ge- 
schichte; der Verfall der Kultur dagegen ist das intersubjektive Werk des 
Menschen 36 . Der Hochmeister aufklärt den litauische Fürst Fisdejko über 
die aus der vergrößerten Vergesellschaftlichung resultierenden Bedrohun- 
gen und weist ihm hin, daß man dem Kulturverfall gegenwirken soll. Das 
kühne Unterfangen des Hochmeisters erwies sich als vergeblich: Fisdejko 
hat sich von dem Daseinsgeheimnis abgewendet. 


68
>>>
Es scheint, daß Witkiewicz in seiner Bühnendichtung "Janulka, die 
Tochter von Fisdejko" nicht nur an den Roman von Bernatowicz knÜpfte 
an. Im Grunde genommen, streitete er hier mit diesem romantischen Bild 
der Geschichte des Deutschen Ordens, das Adam Mickiewicz in seinem 
Werk u.d.T. "Konrad Wallenrod. Geschichtliche Erzählung aus der litaui- 
schen und preußischen Vergangenheit" (1828) dargestellt hae 7 , Wie be- 
kannt. eben dieses Werk "hat zur Gestaltung eines dämonischen Bildes des 
Ordens und in bedeutendem Maße der Deutschen überhaupt in der polni- 
schen Literatur beigetragen,,38. In der Erzählung von Mickiewicz strebte der 
Deutsche Orden nach der Vernichtung des litauischen Staates; irgendweI- 
ches Nebeneinanderbe.stehen der beiden Gebilde war unmöglich. Im Stück 
von Witkiewicz beabsichtigte der Hochmeister der Neu-Kreuz(Deutsch)- 
ordensritter den litauische Fürstenstaat zum "neubarbarischen" Königtum 
Litauens und Weißrusslands erheben. Im Werk von Mickiewicz wurde der 
Litauer Alf Ordensritter unter dem Namen Konrad Wallenrod, dann trat er 
das Hochmeisteramt an und führte "das Heer des Ordens in den Hinterhalt 
der Litauer,,39. In der Bühnendichtung von Witkiewicz erreichte der Hoch- 
meister Berchtoldingen die geistige Führung in Litauen und sogar wurde 
der litauische Thronerbe. Konrad Wallenrod endete durch Selbstmord, weil 
er müde des Verrats war. Gottfried von und zu Berchtoldingen beging auch 
den Selbstmord; er brach unter der Last des erfolglosen Suchens nach dem 
künstlichen "Ich" zusammen. 
So weit reichende Umdeutung des Bildes des Deutschen Ordens bleibte 
vereinzellter Fall in der polnischen Literatur. Und es ist ganz selbstver- 
ständlich: sie war möglich nur im Rahmen der "reinen Form" von Stanislaw 
Ignacy Witkiewicz. 


Anmerkungen 


I S. L Witkiewicz, Janulka, corka Fizdejki. Tragedia w czterech aktach. in: ders., Wy- 
bOr dramatow, hg. v. J. Blonski, M. Kwa
ny. Wroclaw-Warszawa-Krak6w-Gdansk 1974. 
S. 167-256; vgl. D. C. Gerould, Stanislaw Ignacy Witkiewicz jako pisarz, Warszawa 198 I. 
S. 3 I 4 ff. 
2 D. C. Gerould. Stanislaw Ignacy Witkiewicz, S. 31; vgI. K. Puzyna, Poj
cie Czystej 
Formy, in: ders., Witkacy. hg. v. J. Degler, Warszawa 1999, S. 113 ff. 
3 S. L Witkiewicz, Janulka, corka Fizdejki (wie Anm. I). S. 169: "der siebzigjährige Greis". 
4 Ebd.. "eine geborene Fraufräulein v. Plasewitz". 
5 Ebd., "hat etwas Abscheuliches im Gesicht". 
6 Ebd., "der Besitzer einer Fabrik der geruchlosen und unsichtbaren Gase, die eine 
rasende seelische Niedergedrücktheit bewirken". 
7 Ebd., S. 169f.: "der Semit vom internationalen Typ... Der Flugzeugflieger, der Kauf- 
mann im großen Stil, der Zionist transzendental". 


69 


--
>>>
8 Ebd., S. 170: "Eine schwarze Rüstung, ein Helm mit dem heruntergeschlagenen Vi- 
sier. Ein schwarzer Helbusch. Auf den Schultern hat ein weißer Mantel mit dem schwarzen 
Kreuz"; seine Mutter ist eine Polin, die geborene Fürstin Zawratynska - ebd., S. 188. 
9 Ebd., S. 170: "ein Märchenzauberer. .. Eine schwarze Kleidung, holländisch, aus dem 
17. Jahrhundert"; der Hochmeister wendet sich zu ihm: "mein lieber polnischer Zauberer" 
- ebd., S. 190. 
10 Ebd., S. 170: "die unzivilisierte Kerle in Schafpelzen und großen Mützen". 
11 Ebd., S. 171. 
12 Ebd., S. 192. 
13 Ebd., S. 188. 
14 Ebd., Anm. 25. 
IS Gerould, Stanislaw Jgnacy Witkiewicz (wie Anm. I), S. 32 I f. V gl. der Meinungsaus- 
tausch zwischen dem Hochmeister und dem Freiherr von Plasewitz. Berchtoldingen: "wildes 
Volk ist notwendig nicht als Hintergrund, nur als Material. Auf der Barbarei wird eine Blume 
des erneuerten Geheimnisses, die Möglichkeit einer neuen Religion wachsen... Auf das müssen 
wir aben uns umgestalten". Von Plasewitz: "Und wenn die Barbarei ihnen fehlen wird?". 
Der Hochmeister: "Das bis an die äußersten Grenzen gebrachte Sozialismus wird eine künst- 
liche Barbarei schaffen. Das ist schon bei uns geschehen, und, früher oder später, das wird 
sich auch anderswo ereignen" (S. I. Witkiewicz, Janulka, corka Fizdejki, wie Anm. I, S. 194). 
16 Fisdejko: "...was mich mit Schrecken erfüllt? Das sind diese alle Kleinigkeiten: Indu- 
strie, Handel, Finanzwesen, und so weiter... Diese ungeheuerliche Langweile des wirk- 
lichen Lebens auf dem Gipfel der Herrschaft, diese ständige Unterschreibung unzähliger 
Papiere..." - S. I. Witkiewicz, Janulka, corka Fizdejki, S. 208. 
17 Ebd., S. 206. 
18 Ebd., S. 224. 
19 Ebd., S. 243f. 
20 Ebd., S. 246. 
21 Ebd., S. 248. 
22 Ebd. 
23 Gerould, Stanislaw Jgnacy Witkiewicz (wie Anm. I). S. 3 I 8f. 
24 Ebd., S. 3 15f. 
25 S. I. Witkiewicz, Janulka, corka Fizdejki, S. 174. 
26 Ebd., S. 175, 205, 220, 232. 
27 Ebd., S. 170. 
28 Ebd., S. 177. 
29 Ebd. 
30 Ebd., S. 188,214. 
31 Ebd., S. 189. 
32 Ebd., S. 192. 
33 Ebd., S. 207. 
34 Ebd., S. 211. 
3S Ebd., S. 242-246. 
36 Siehe M. Soin, Filozofia Stanislawa Ignacego Witkiewicza, Wroclaw 1995, S. 31-64; 
auch B. Danek-Wojnowska, Stanislaw Jgnacy Witkiewicz a modernizm. Ksztaltowanie idei 
katastroficznej, Wroclaw-Warszawa-Krak6w-Gdaflsk 1976, Kap. 111. 
37 Vgl. L. Sok61, Groteska w teatrze Stanislawa Ignacego Witkiewicza, Wroclaw-War- 
szawa-Krak6w-Gdaflsk 1973, S. 99 Anm. 16. . 
38 J. M. Piskorski, "Krzyiackiego gadu nie uglaszcze nikt", czyli Adam Mickiewicz 
o zakonie krzyiackim i Niemcach, in: Balticum. Studia z dziejow polityki, gospodarki i kul- 
tury XII-XVlJ wieku, hg. v. Z. H. Nowak, Torun 1992, S. 267. 
39 W. Wippermann, Der Ordensstaat als Ideologie. Das Bild des Deutschen Ordens in 
der deutschen Geschichtsschreibung und Publizistik, Berlin 1979, S. 345. 


70
>>>
ORDlNES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI -2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Bernhard Demel OT (Wien) 


Der Deutsche Orden seit 1525-neue Aufgaben im Reich, 
in Österreich-Ungarn und seit 1929 


I, Forschungssituation 


Ebenso wie die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher 
Nation l in der Zeit nach dem Ende des letzten Krieges ist auch die Ge- 
schichte des Deutschen Ordens 1 intensiv erforscht worden und unter man- 
cherlei Aspekten inzwischen schon im Überblick zur Darstellung gelangt. 
Ausnahmen bilden nur die fälschlichen Aussagen Karl Otmar von Aretins 
im ersten Band seines insgesamt drei Bände umfassenden, sonst wichtigen 
Werkes "Das Alte Reich 1648-1806", worin er die Fürstung des Johanni- 
termeisters in Deutschland (1548) mit jener des Deutschmeisters, die bekannt- 
lich schon am 16. September 1494 in Löwen erfolgte, verwechsele. Ferner 
sind die irrigen Aussagen Winfried Dotzauers in seinem in zweiter Auflage 
erschienenen Werk zu den Reichskreisen zu nennen, das den beiden 
Deutschordensballeien Etsch und Österreich noch nach dem Westfälischen 
Frieden (1648) Kreisstandschaft zueignet, Nach dem Zeugnis des für die 
Ordensgeschichte geradezu zentralen, von mir geprüften Mainzer Erzkanz- 
lerarchivs - neben jenen wichtigen Quellen in der kaiserlichen Reichs- 
kanzlei und der ordenseigenen Überlieferung - war dies keineswegs der 
Fall; vielmehr verloren beide hochmeisterlichen Kammerballeien 1648 ihre 
fast zweihundertjährtige Reichs -und Kreisstandschaft, ohne daß die sonst 
um ihre Privilegien bei Kaiser und Reich sorgsam bemühten Ordensritter 
und Landkomture dagegen irgendwie mobil gemacht hätten 4 . 
Zwar gibt es noch einige weiße Flecken in der Erarbeitung der Ordens- 
geschichte, aber inzwischen ist durch den Zugang zu den Archiven in 
den neuen deutschen Bundesländern auch die Erfassung der noch wenig 


71
>>>
erforschten Balleien Sachsen und ThüringenS schon im Überblick in An- 
griff genommen. 
Das Leben wichtiger Ordensritter, wie Z.B. der beiden österreichischen 
Landkomture Guidobald Graf von Starhemberg (1657-1737)6 und Johann 
Joseph Philipp Reichsgraf von Harrach zu Rohrau (1687-1764)7 oder des 
allmächtigen Ministers am kurkölnischen Hof Caspar Anton Philipp Frei- 
herr (seit 1782 Graf) von der Heyden, genannt Belderbusch 8 und weiterer 
Ordensritter 9 und OrdenspriesterIO wurde unterdessen dargestellt. 
Die Geschichte nicht unbedeutender Balleihäuser, in denen der Land- 
komtur wegen der kriegerischen Umstände im Reich oder seiner Provinz für 
längere Zeit sogar seinen Amtsgeschäften nachgehen mußte, wie z.B. Groß- 
sonntag in der Ballei Österreich oder St. Katharina in Köln in der Ballei 
Koblenz, harrt noch der genaueren Erfassung. Weiters fehlt noch eine Ge- 
schichte der Kommende Regensburg als Ort wichtiger Reichsversammlun- 
gen, auf denen der Orden seit 1495 als Deutschmeister und seit 1524 als 
Hochmeister bis Ende 1805 ja sitz - und stimmberechtigt war. 
Für die Gesamtgeschichte des Ordens sind auch wichtige deutschmei- 
sterische Kammerhäuser weiter zu erforschen, wie z.B. Frankfurt am Main 11 
als der Krönungsstadt der deutschen Könige. Weitgehend fehlen immer noch 
die Geschichten kleinerer Kammerkommenden, wie z.B. jene von Speyer l1 
als Sitz des Reichskammergerichtes 1527-1689 und von Mai nz l3 als Resi- 
denz - neben Aschaffenburg - des für den Orden nach dem Reichsober- 
haupt wichtigen Kurerzkanzlers. 


11, Zugehörigkeit zum Reich (1494/1524 bis Ende 1805) und innere 
Ordensverfassung von 16, bis 19, Jahrhundert 


Entgegen der von Udo Arnold 14 vertretenen Auffassung, dass kanonisti- 
sche Bestimmungen des Mittelalters einer Erhebung des Deutschmeisters 
- als des wichtigsten obersten Gebietigers in teutsehen und welschen Lan- 
den nach dem Hochmeister - durch Maximilian I. am 16. September 1494 
in Löwen im Wege stünden, muß man seit 1997 mit Paul-Joachim Heinig 
fortan festhalten, dass eine Einbindung in die sich etwa um "etwa 1470" 
verdichtende Fürstengemeinschaft des Reiches dadurch erfolgen konnte, 
weil das Papsttum "aus den inneren Reichsbelangen ausgeschaltet wurde"u. 
Der unter die gefürsteten Reichsprälaten eingereihte Deutschmeister An- 
dreas von Grumbach (1489-1499) ist auf dem für die künftige Reichs- 
struktur wichtigen Reichstag 1495 zu W orms 16 bereits anwesend 17 und 
in seiner neuen Funktion ins Reichsgeschehen eingebunden. Bald nach 
der erstmaligen Fürstung dieses Deutschordensritters in führender Stellung 
wurde nach der Aussage von Hartmut Boockmann auch der übergeordnete 
Hochmeister wie ein geistlicher Fürst dieses Reiches behandelt 18 . Genau 


72
>>>
dreißig Jahre später nach der Aufnahme des Deutschmeisters in die Reihe 
der Fürsten wurde Hochmeister Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1490- 
-1568) auf sein Ersuchen hin nach dem Salzburger Erzbischof - auch 
hinsichtlich der spätmittelalterlichen Vorrangstellung des Ordens im balti- 
schen Raum und mit Blick auf die teilweise Inkorporation des Metropo- 
litansitzes Riga - fortan noch vor allen Fürstbischöfen nach den Metro- 
politen von Mainz, Köln, Trier, Besancon, Magdeburg und Salzburg pla- 
ziert '9 , Alle Nachfolger Albrechts - seit 1527/1530 sind das die mit der 
Administration des 1525 vakant gewordenen Hochmeistertums in Preußen 
betrauten Deutschmeister 10 - verbleiben in dieser vorrangigen Reihung bis 
zum Ende des Jahres 1805 11 , Der bislang nach den Erzbischöfen sitzende 
Fürstbischof von Bamberg war mit dieser Plazierung des Administrators 
bzw, Hochmeisters niemals einverstanden, konnte aber daran bei allen 
Protesten gemäß der geprüften Reichsüberlieferung anläßlich des Todes 
vom jeweiligen Kaiser. der Hochmeister oder der Bamberger Fürstbischöfe 
nichts mehr ändern. 
Die vorrangige Einbindung des Generaloberen des Ordens als geistli- 
cher Adelskorporation in dieses neuzeitliche Reich ist, ohne dass hier auf 
Einzelheiten eingegangen werden kann, das schützende Netz, dass der am 
Ende des 15. Jahrhunderts um den mittelmeerischen Besitz weitgehend von 
Päpsten und Kardinälen beraubte 11 , 1525 13 um Preußen, 156111562 14 um 
Livland verkleinerte Gesamtorden bis in die Zeit des Korsen - sieht man 
ab von ordensinternen Veräußerungen kleiner Kommenden, wie Könitz 
(1698), Sumiswald (I 729)1S, Rothenburg ob der Tauber (1672)16 und Trient 
1673 17 - schwierigste Kriegszeiten im 16. bis 18. Jahrhundert überdauert 
hat. Solche große Schäden verursachende Ereignisse waren der Schmal- 
kaldische Krieg 1546/1547 18 , die Fürstenrevolution 1552 19 , der schreckliche 
Verwüstungen hinterlassende 30jährige Krieg 30 , Weitere Verluste verur- 
sachten die Reunionspolitik des Sonnenkönigs 3 \ der Spanische Erbfolge- 
krieg (1701-1714)31, der Siebenjährige Krieg (1756-1763)33 und die Fran- 
zösischen Revolutionskriege nach 1792 34 , Die Einbindung in die Fürsten- 
gemeinschaft des Reiches, genauerhin immer im Fürstenrat, zeigt aufgrund 
der erhaltenen und geprüften Protokolle in Wien, daß der Orden in der Per- 
son seines Generaloberen - meistens durch eigene legitimierte Reichsver- 
treter 3S präsent - die Politik des Reichsoberhauptes in engem Anschluß an 
den an Tauber und Neckar auch nachbarschaftlich begüterten Mainzer Kur- 
fürsten betrieben hat. Als 1716 mit der Erhebung des Hochmeisters Franz 
Ludwig von Pfalz-Neu burg (1694-1732) ins Kurfürstenkolleg erstmals ein 
Inhaber des höchsten Ordensamtes in die Reihe der Hermelinträger des 
Reiches aufrückte 36 , wurde das erstrangige Kolleg der Kurfürsten zusätzlich 
eine weitere wichtige Informationsbörse, die gelegentlich auch Ordensbe- 
sitzungen im jeweiligen Kurfürstentum oder darüber hinaus mitberührte. 
Weil auch Franz Ludwigs Nachfolger, Clemens August von Bayern (1732- 


73 


J-
>>>
- 176 I), im Kurkolleg als Kölner Herr und als Hoch- und Deutschmeister 
im Fürstenrat durch seinen Vertreter am Immerwährenden Reichstag saß, 
mußte der oft mit dem Hochmeistermantel porträtierte Wittelsbacher be- 
sondere diplomatische Rücksichten walten lassen, wenn er nicht mit dem 
Kurbrandenburger in Konflikt geraten wollte 37 . Denn schon mit der kaiser- 
lich verfügten Übernahme des Administratorenamtes 1527 und der 1530 auf 
dem religionsgeschichtlich so wichtigen Reichstag zu Augsburg durch Be- 
lehnung reichskündig gemachten Personalunion von Deutschmeister und 
Administrator 38 waren sämtliche folgenden Reichsversammlungen, sowohl 
die Reichstage als auch der sich schließlich zum Immerwährenden Reichstag 
entwickelnde Regensburger Gesandtenkongreß, jenes vom Orden rechtlich 
ausschöpfbare Forum, vor dem die Rekuperationsbemühungen um Preußen 
und Livland immer wieder von neuem - wenn auch letzi ich stets ineffektiv 
- aufs Tapet gebracht werden konnten 39 . Aus dem Studium der Abteilung 
"Reichsmatrikelmoderationen" des Mainzer Erzkanzlerarchivs wird in sel- 
tener Geschlossenheit auf Grund der Quellenlage jedem Forscher deutlich, 
wie oft der von den genannten Kriegen in Balleien oder Regionen und sonst 
schwer geschädigte Gesamtorden sich um die Ermäßigung seiner Leistun- 
gen auf den Kreis - und Reichstagen bemüht hat. Seine Bemühungen auf 
diesen Gesprächsforen erbrachten, wenn auch nicht immer sofort, gewün- 
schte Reduktionen vereinbarter Leistungen 40 , 
Weil nämlich zur mehrhundertjährigen Reichsstandschaft der Deutsche 
Orden bis 1648 in gleich vier Reichskreisen (Franken, Schwaben, Kurrhein, 
Österreich 41 , hernach nur im Fränkischen, Schwäbischen und Kurrheinischen 
Kreis) bis ins erste Jahrzent des 19. Jahrhunderts - bis zum Ende der zer- 
fallenden Kreisverfassung - mit seinem Besitz inkorporiert war, wurden 
alle für die Erbringung der Reichsleistungen 41 (also für den Römerzug, die 
Belastungen durch die beschlossenenen Ausgaben in Sachen Türkenkriege, 
die Aufwendungen für den Unterhalt des Reichskammergerichtes) - neben 
Geschenken an das habsburgische Herrscherhaus 43 - über diese genannten 
Kreise normaler Weise fällig und erhoben. Eine Reduktion der genannten 
Leistungen vom Simplum oder erhöhten Satz nach der dafür als Norm er- 
achteten Wormser Reichsmatrikel von 152 I 44 konnte der Orden nach Zu- 
stimmung des jeweiligen Kreis- und Reichstages in dem daraufhin erstell- 
ten Reichskonklusum des Mainzers an den Kaiser beantragen. Erst wenn 
das Reichsoberhaupt, wie z.B. 1704 4s zustimmte, konnte der durch die 
Kriegsfurie geschädigte Orden sich dann mit der reduzierten Geldsumme 
begnügen. Das Simplum der Ordens leistungen belief sich nach Unterlagen 
vom 15. Juli 1637 wie folgt: 
1. Der Deutschmeister hatte mit seinen bis 1637 acht, dann durch den 
Wegfall der Ballei Utrecht 46 nur sieben Balleien als Simplum insgesamt 19 
zu Roß, 55 zu Fuß und 180 fl., im Geldwert also 448 fl., zu erbringen 47 , 


74
>>>
2. Die vier Preußischen Balleyen (Elsaß, Österreich, Etsch und Ko- 
blenz) waren insgesamt mit 464 Gulden belegt und der Wormser Matrikel 48 
einverleibt. Die Balleien Etsch und Österreich zahlten je 88 fl. einfachen 
Römerzugs, Der elsässische Landkomtur, allerdings nur mit den beiden 
Häusern Altshausen und Mainau - weil die in Vorderösterreich liegenden 
Kommenden Freiburg und Beuggen vom österreichischen Landesherrn ent- 
gegen den Willen des Ordens von der Leistungsverpflichtung für die Ballei 
herausgenommen wurden und die linksrheinischen Kommenden Basel, Kai- 
sersberg, Mühlhausen und Straßburg aufgrund spezieller Situationen auch 
nicht für den elsässischen Reichs- und Kreisanschlag in Frage kamen - 
zahlte insgesamt nach einer Aufstellung des Jahres 1638 160 fl. Der Ko- 
blenzer Komtur, seit dem 17, Jahrhundert vielfach im sicheren Köln in der 
Ordenskommende St. Katharina residierend, war 1637/1638 allein mit 128jl. 
monathUchen einfachen Römerzugs angelegt 49 , 
Die für Aufgaben des Landfriedenschutzes, der Reichsdefension, alle 
Formen der Fürsorgemaßnahmen für den Straßenbau, die Gewerbe - und 
Handelspolitik, die Seuchenfürsorge, den Kampf gegen die Plage der Land- 
streicher, also für eine gute Ordnung des regionalen Gemeinwesens in den 
Kreisständen, auch für die Pflege des Münzwesens zuständigen Reichskrei- 
se so wurden für den Orden in seiner mehrfachen Kreiszugehörigkeit jeweils 
aktuell und waren Umstände und Aufgaben, die er im Einzelnen zu berück- 
sichtigen und auch durchzuführen hatte. 
Einer der wesentlichen Faktoren der Reichszugehörigkeit des Ordens 
war fernerhin, dass er die seit dem 16. Jahrhundert verlorene Religionsein- 
heit im Reich im Umgang mit den zuerst lutherisch gewordenen Ordens- 
rittern in den Balleien Thüringen und Sachsen nach dem Augsburger Reli- 
gionsfrieden von I 555 s1 zu berücksichtigen hatte, ohne seinen Besitz an die 
in der Reformation gestärkten Landesherrn völlig zu verlieren. Nach dem 
Abschluß des Westfälischen Friedens kam hinzu, dass er auch mit dem kal- 
vinischen Hessen - Kassel- mit Gültigkeit auch für das lutherische Hes- 
sen - Darmstadt - neue vertragliche Regelungen mühsam ohne bisherige 
Vorbilder erarbeiten und abschließen mußte: Zuerst wurde mit den Alberti- 
nern und Ernestinern nach Präliminarien zu Erfurt 1578 und 1583, dann 
nach Anordung einer kaiserlichen Kommission 1588 der Vertrag zu Naum- 
burg vom 25. Januar 1593 - Datierung nach dem alten Stil! - abgeschlos- 
sen: Aufgrund dieser Vereinbarung konnten Ritter der beiden genannten 
Balleien Sachsen und Thüringen, später auch in Hessen als sogenannte Augs- 
burger Confessionsverwandte Vollmitglieder im Deutschen Orden, auch 
gewählte und vom Hochmeister approbierte Provinzobere wie die katho- 
lisch verbliebenen Landkomture in den übrigen acht, seit 1637 mit dem Weg- 
fall Utrecht nur sieben Großkapitulare, bleiben, wenn nicht ordensinterne 
Vergehen laut Ordensbuch vorlagen. Alle fortan religiös verschiedenen 
Provinzoberen wurden - im Unterschied zu den katholisch verbliebenen 


75
>>>
Maltesern und den im 16. Jahrhundert die Ordens- und Kapitelseinheit auf- 
gebenden protestantisch gewordenen Johannitern - nach hochmeisterli- 
cher Ernennung sitz - und stimmberechtigte Mitglieder im sogenannten 
Groß - oder Generalkapitel- also dem obersten Beschlußorgan des Ge- 
samtordens. Die lutherischen und kalvinischen Deutschordensnovizen leg- 
ten nichtsdestotrotz die von den Reformatoren abgelehnten Ordensgelübde 
ab, beschworen in den sogenannten vota jurata die gültige Ordensstruktur 
unter einem stets katholisch verbliebenen gefürsteten Hoch- und Deut- 
schmeister. An die Wahl eines nichtkatholischen Generaloberen war nie- 
mals zu denken, weil die katholische Kurfürsten - und Fürstenmehrheit 
mit ihren beiden Reichskollegien niemals einen lutherischen oder kalvini- 
schen Hoch- und Deutschmeister zugestanden hätte, Die protestantischen 
Ritteraspiranten legten ihre Gelübde und ordensüblichen Reverse mit Anru- 
fung Gottes und seines heiligen Wortes ab, während die katholischen Rit- 
ternovizen bei ihrer Profeßablegung und vor dem Ritterschlag Gott und die 
Heiligen weiterhin anriefen s1 . Für die Ausbildung aller Novizen der seit 
1648 zugelassenen drei Reichskonfessionen wurde die Bestimmung des 
Wiener Generalkapitels von 1662 wichtig, daß die Hälfte des Probejahres 
normalerweise in der Aufnahmeballei, die andere Hälfte in der Mergenthei- 
mer Residenz abzulegen war S3 . In diesen Zeitraum nach dem Westfälischen 
Frieden fallen im Reich ja die Bemühungen um die Wiedervereinigung der 
inzwischen drei Reichskonfessionen s4 . Während diese Bemühungen be- 
kanntlich scheiterten, gelang es dem Deutschen Orden im Vertragswerk von 
1680/168 I bis zur Auflösung des Alten Reiches im 19. Jahrhundert eine 
Basis zu finden, die in der Ballei Hessen sogar katholische, lutherische und 
kalvinische Ritterbrüder zusammenführte SS , Im 18. Jahrhundert konnten 
Ritteraspiranten aller drei Reichskonfessionen ihr Probejahr auch am Hof- 
lager des Hoch - und Deutschmeisters absolvieren. Falls die Novizen in 
den gleichzeitigen Reichskriegen engagiert waren, hatte der Generalobere 
das Recht, ihr Noviziatsjahr zu verkürzen s6 , Eine Dispens vom gesamten 
Probejahr war selbst dem Hochmeister von der Ordensverfassung ver- 
wehrt S7 , Wenn nach dem seit 1606 reformierten Ordensbuch die Ritteraspi- 
ranten ihre geforderten drei Kriegszüge gegen die türkischen Reichs - und 
Glaubensfeinde s8 vor der Aufnahme nicht vorweisen konnten, durften sie 
die sogenannten drey Caravanen S9 bei den im Mittelmeer operiernden Mal- 
tesern absolvieren. Diese Einsätze wurden dann als gültige Voraussetzung 
vor der wirklichen Profeßfeier erachtet, über deren Absolvierung die Novi- 
zen dann gültige Testate ihrer vorgesetzten Offiziere beizubringen hatten. 
wie es bei dem lutherischen Ritteraspiranten Carl von Stein der Fall war 60 . 
Der Orden als corpus ecclesiasticum 61 , also geistliches Ritter- und 
Adelsinstitut des Reiches, war sonst nur noch dem Papst aufgrund der ins 
Hochmittelalter zurückreichenden Exemtion 61 unterstellt. Ohne Unterbre- 
chung bewahrte er diese durch zahlreiche Privilegien fixierte Ausnahme- 


76
>>>
stellung fortan bis heute. Wenn notwendig, schloß er mit den Fürstbischö- 
fen als Oberhirten des jeweiligen Ordensbesitzes eigene Verträge, welche 
die genaue Form der Exemtion in allen Seelsorgs - und Personalangele- 
genheiten in den exemt erachteten Kommenden, den inkorporierten Pfar- 
reien oder den Ordenspatronaten regelten 63 , Der Hochmeister beanspruchte 
quasiepiscopale Rechte 64 , präsentierte dem zuständigen Ortsbischof für die 
vakant gewordenen Pfründen seine Welt- oder Ordenskleriker, gegen wel- 
che die Bischöfe normalerweise keinen Einspruch erheben konnten, wenn 
nicht nach Gutachten des in der Mergentheimer Zentral regierung eigens 
dafür etablierten Geistlichen Rates allgemein kirchliche Bestimmungen da- 
gegen sprachen. Um seine Exemtion auch in der Zeit zwischen Luther und 
Napoleon zu sichern, behielt der Orden die mittelalterliche Praxis bei, 
durch eigene Vertreter beim Papst und dessen Kurie alle erforderlichen 
geistlichen Agenden zu betreiben und notwendige Privilegien abermals ab- 
sichern zu lassen. Auch beim Kaiser blieb der Orden durch eigene Vertreter 
präsent, welche vom Gesamtorden seit dem Generalkapitel vom 19. Mai 
1627 mit 300 Reichsthalern vergütet wurden 6S . 
Noch nicht bis ins Letzte erforscht 66 sind die Namen aller jener Deutsch- 
ordensritter, die in den Türkenkriegen des Reiches seit dem 16. Jahrhundert 
ihr Leben ließen: 67 Vier Ritter 68 starben vor der Schlacht zu St. Gotthard - 
Mogersdorf am I. August 166469; zwei weitere Ordensherrn starben vor 
Beginn des Kampfes im Juli genannten Jahres 70 . Beim erfolgreichen Entsatz 
Wiens 1683 71 war der Tod des Landolph von Hoheneck 71 zu beklagen; vier 
Jahre später, in Schlacht von Mohacs 1687, starb am 18. August Rittmei- 
ster Johannes Carolus Wilderich Baron von Franckenstein 73 . Am 12. Sep- 
tember 1689 bei der Belagerung von Mainz im Pfälzischen Erbfolgekrieg 
ließ der Ordensritter Johann Casimir von Sickingen 74 , Oberstleutnant im 
Hedelsdorfer fränkischen Kreisrregiment zu Fuß, sein Leben. 1717, beim 
erfolgreichen Sturm auf Belgrad unter Prinz Eugen, war der Tod des Oberst 
Damian Casimir Kämmerer Freiherr von Dalberg 7S , Kommandant des or- 
denseigenen Infanterieregiments, zu beklagen, der in Belgrad auch sofort 
bestattet wurde. 
Schon seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurden im Türkenkrieg ge- 
fallene Ordensritter als in nomine Jesu entschlaffen 76 erachtet. In seinem 
Schreiben vom 17. August 1664 an den Freudenthaler Hauskomtur Johann 
Adolph Raw von Holzhausen interpretierte Hochmeister Johann Caspar von 
Ampringen (1664-1684)77 den Tod der vor und bei Mogersdorf gefallenen 
Ordensherrn folgendermaßen: Weillen Sie für seinen allerheyligsten Nah- 
men, glauben, und kirchen, Ihrer Profession gemes dapffer gestritten. und 
Ihr blut undt Leben dafür uffgeopffert, den Siegkranz in der ewigen Seelig- 
keit erlangt haben werden 78 , 
Am erfolgreichen Entsatz Wiens 1683 nahm auch Hochmeisterkoadju- 
tor Ludwig-Anton von Pfalz-Neuburg neben anderen, namentlich bekann- 


77
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ten Ordensrittern teil und wurde dafür vom kaiserlichen Schwager zum 
Obrist - Feldwachtmeister (etwa Generalmajor) ernanne 9 ; Hochmeister 
Ludwig Anton wurde nach seinem Einsatz bei der Eroberung der Festung 
Mainz 1689 80 ab 169 I als gewählter Koadjutor des ersten Kurstaates fortan 
auch für dessen Militaria zuständig 81 . Von den Neuburger Truppen des 
Pfalz - Neuburgers waren einige Abteilungen in Wien 1683 eingesetzt, 
welche die gesamte Belagerungszeit hindurch den Schutz der bedrängten 
Stadt sichern halfen 81 . Die sicher berühmtesten Ordensritter der Neuzeit 
sind die beiden österreichischen Landkomture Guidobald Graf von Star- 
hemberg 83 und Johann Joseph Philipp Reichsgraf von Harrach zu Rohrau 84 , 
Der erste sicherte mit Prinz Eugen am 11, September 1697 den Sieg von 
Zenta 8S , der Zweitgenannte war in der Schlacht von Belgrad am 16. August 
1717 86 der einen Flügel des Heeres kommandierende, den Erfolg damit 
ebenfalls sichernde Glaubenskämpfer gegen den zeitgenössisch charakteri- 
sierten Erb/eint christliches Nahmmens 87 , 
Man darf ja nicht vergessen, daß die Türkenfrage schon im 16. Jahr- 
hundert ein Mittel gewesen ist, dessen sich die Protestanten zur Durchset- 
zung ihrer Eigenrechte bedient hatten. Auf dem Speyerer Reichstag 1570 88 
und dann auch noch 1576 89 auf dem Augsburger Reichstag sind diesbezüg- 
lich Aktivitäten im Zusammenhang mit den Plänen von Lazarus von Schwen- 
di 90 ersichtlich. Dabei drehte der Kaiser Maximilian 11. den Speer um und 
gebrauchte die Türkengefahr als innenpolitisches Mittel, um die Forderun- 
gen der Protestanten zurückzudrängen 91 , 
In diesem Überblick der Aktivitäten neuzeitlichen Ordensritter sei hier 
ergänzend festgehalten, dass im Auftrag des Hochmeisters Clemens August 
der dem Orden gewogene Prinz Eugen 1733 im Heilbronner Ordenshaus 
sein Hauptquartier in Absprache mit dem zuständigen fränkischen Land- 
komtur aufschlagen konnten. Der Savoyer hatte schon in den Friedensver- 
handlungen von Rastatt und Baden 93 im Auftrag des Hochmeisters Franz 
Ludwig auch die Anliegen des Ordens berücksichtigt und den gesamten 
linksrheinischen Ordensbesitz wieder in die Verfügungsgewalt des Ordens 
zurückholen können. 
Weitere Ordensritter dienten als Offiziere in den kaiserlichen Regimen- 
tern: Der Deutschordensritter Wilhelm Baptist Baron Truchseß von Rein- 
felden 94 war Hauptmann im Infanterieregiment "Hoch- und Deutschmei- 
ster", in welchem der spätere Altenbiesener Landkomtur Wirich Leopold 
Freiherr von Steinen 9s als Obristwachtmeister wirkte. Als Major im glei- 
chen Infanterieregiment fand am 17, Februar 1758 der Ordensritter und köl- 
nisch-kurfürstliche Kammerherr Ferdinand Joseph Edmund Karl Freiherr 
von Hacke 96 im Königreich Böhmen den Tod. In der dem Reich zu Hilfe 
kommenden hoch- und deutschmeisterischen fränkischen Kreiskompagnie 
fiel am 28. Januar 1795 der Hauptmann Franz Joseph Baron von Reinach 97 
im Kampf gegen das revolutionäre Frankreich. 


78
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Schon 1658 wurde der Kriegsdienst auf päpstlichen Galeeren ins Auge 
gefaßt 98 . Wenige Jahre vorher war der nach 1647 in Rom vermutlich bei der 
päpstlichen Leibgarde schließlich als Major fungierende Philipp Jakob von 
Kaltenthal 99 im Zusammenhang mit seinem Italienaufenthalt mit der Kon- 
trolle der Außenbesitzungen des römischen Ordenshauses in Montefiascone 
und Viterbo befaßt worden lOo , 
Es gab nicht nur Licht unter den schon näher erfaßten Ordensrittern. 
Inzwischen sind auch zwei Fälle unwürdiger Deutschordensritter bekannt 
geworden. Einmal der schon oben erwähnte, aus der Tiroler Deutschordens- 
provinz stammende Johann Adolph von Epp(e), der mehrfach seine Stei- 
lung während der Schlacht 1664 gegen die Türken verlassen hatte und vom 
zuständigen Kriegsgericht zum Tod durch den Strang verurteilt worden 
war; das Urteil über ihn wurde nicht sofort vollstreckt, sondern nach Korre- 
spondenz zwischen dem bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria und Hoch- 
meister Ampringen vorerst suspendiert und von Epp 1665 aus dem Orden 
ausgestoßen lOl . Der zweite Fall eines aus dem Orden verstoßenen Ordensrit- 
ters erfolgte 1693: Es handelte sich um Georg Eberhard von Hedersdorf(f). 
Weil er im Pfälzischen Erbfolgekrieg zu früh Heidelberg dem Feind geöff- 
net hatte, wurde er aufgrund eines kaiserlichen Reskripts vom 2, Juni 1693 
an den "Türkenlouis" Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden und Hochberg 
durch ein Kriegsgericht abgesetzt und aufgrund der Ordenssatzungen aus 
dem Orden verstoßen. Unter den üblichen Bedingungen wurde das Urteil an 
diesem Ordensritter am 17. Juni 1693 vollstreckt. In letzter Minute wurde 
er noch begnadigt, aber unter Verlust aller Ordensrechte und lebenslanger 
Verbannung aus dem Orden gestoßen. Unter strengstem Inkognito verstarb 
er erst 1728 in einem zum Stift Hildesheim gehörigen Frauenkloster zu 
Waltingerode; vom Orden erhielt er aus Milde und Gnade später eine jähr- 
liche Rente von 300 Gulden lebenslang ausgesetzt lO1 , 
Neben dem Kriegsdienst der Ordensritter sind auch die Aufbauleistun- 
gen in den durch die verlustreichen Kriege zerstörten Kommenden und 
deutschmeisterischen Kammerhäusern unter fähigen Baumeistern, wie Jo- 
hann Caspar Bagnato im schwäbisch-elsässischen Raum 103, dem Ordens- 
baumeister Franz Joseph Roth l04 nach Plänen von Balthasar Neumann unter 
Heranziehung des Ferdinand Kirchmayer in Mergentheim zu erwähnen. 
- Der Verwandte dieses Baumeisters, Franz Ignaz Roth, Maler zu Würz- 
burg, fertigte elf Hochmeisterportraits für die Residenz an lOS, Mit weiteren 
kunsthistorisch interessanten Bauten im 18. Jahrhundert, wie z.B. in der 
Residenzstadt Mergentheim l06 , im Deutschordenshaus zu Mainz lO7 , in Frank- 
furt am Main lO8 , in der Balleizentrale Ellingen lO9 , den fränkischen Komtu- 
reien Donauwörth llO und Nürnberg lll , der elsässischen zu Altshausen ll1 , auch 
auf der Bodenseeinsel Mai nau ll3 und im schlesischen Verwaltungszentrum 
Freudenthal/Bruntal 1l4 , zeigte der Orden nach dem Ende des Spanischen 
Erbfolgekrieges und einer finanziellen Erholungsphase unter kunstsinnigen 


79
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Hochmeistern und Landkomturen mit ihren Balleikapitularen, wie Franz 
Ludwig von Pfalz-Neuburg llS bis Max Franz von Österreich 116, sein Be- 
streben, die Ordensniederlassungen durch zeitgenössisch bekannte Künstler 
und Architekten ausgestalten zu lassen. Diese Zeugnisse einer beachtliches 
Niveau zeigenden Kultur können vielfach bis heute bewundert werden. 
Die Tätigkeit der Ordensritter in der Zeit zwischen Luther und Napole- 
on mit ihren Aufgaben in ihrer Aufnahmeballei ist also vielfältig zu um- 
schreiben: Bei den hessischen Rittern nach 1680/8 I ist die Transferierung 
eines Katholiken in diese trikonfessionelle Ballei zu berücksichtigen. Fer- 
ner haben sie Aufgaben in der Zentralverwaltung in Mergentheim oder am 
jeweiligen Hoflager des Hoch- und Deutschmeisters in der "Geheimen 
Konferenz". Für Kaiser und Reich dienen sie, wie ausgeführt, in den je- 
weiligen Reichskreisen, in diplomatischen Missionen - wie etwa der 
fränkische Landkomtur von Lehrbach zur Zeit Maria Theresias am Münch- 
ner Hof. Als Veränderung für sie alle ist nur anzumerken, dass der Orden 
für deren Aufnahme in Analogie zu den übrigen Reichsstiftern - wo viel- 
fach ihre Vettern und Verwandten saßen - die ritterlichen Ahnenproben 
von bislang acht Vorfahren im Generalkapitel 1671 auf 16 Ahnen herauf- 
setzte ll7 und dies vor dem wirklichen Ritterschlag gemäß der vorliegenden 
Überlieferung genau prüfte. Aus denselben Quellen, zumal den Ritterakten 
des Wiener Ordensarchivs, ergibt sich, daß mit Ausnahme der aus hoch- 
fürstlichen katholischen Familien (Habsburg, Pfalz-Neuburg, Wittelsbach 
und Lothringen) stammenden Hoch- und Deutschmeister, alle übrigen Rit- 
ter und Hochmeister aus dem Niederadel des Alten Reiches hervorgegangen 
sind. Aufgrund dieser Abkunft und ihrer Tätigkeiten besaßen sie in den drei 
Ritterkreisen (Franken, Schwaben und am Rheinstrom) einen weiteren 
unmittelbaren Schutz durch die Reichsverfassung Jl8 . 
Als Folge der Glaubensspaltung, die den Orden zuerst in einen bi-, 
1680/1 681 in der Ballei Hessen sogar in einen trikonfessionellen Reichs- 
und mehrfachen Kreisstand (Franken, Schwaben, Kurrhein, nur bis 1648 
auch im Österreich ischen Reichskreis mit den Balleien Etsch und Öster- 
reich) verwandelte, ergab sich das Aussterben des mittelalterlichen Schwe- 
sternzweiges ll9 , der erst seit dem 19. Jahrhundert zu neuem Leben ebenso 
erstehen sollte wie der Familiarenzweig, welcher ebenfalls im 16. Jahrhun- 
dert für gut drei Jahrhunderte ausstarb l1O , 
Neben den Rittern gab es zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert 
nur noch die ordenseigenen Priester, die in ihrer Funktion seit der Grün- 
dung der Hospitalbruderschaft I 190 vor Akkon übrigens den einzigen Or- 
denszweig darstellen, der alle mehr als 800 Jahre umspannt. Diese Ordens- 
kleriker, neben den im Ordensdienst seit der Zeit der Glaubensspaltung 
notwendig gewordenen Weltpriestern, erlebten im 16. Jahrhundert aufgrund 
der Ablehnung des besonderen Weihepriestertums durch die Reformatoren 
eine gefährliche Existenzkrise, die nur durch die Errichtung ordenseigener 


80
>>>
Priesterausbildungsstätten in Köln, Mergentheim, Löwen, Altshausen und 
zumal seit dem 17. Jahrhundert erfolgreich gemeistert werden konntel1l. 
Diese Ordens- und Weltkleriker wurden für die Betreuung der Gläubi- 
gen in den als von bischöflicher Jurisdiktion exemt erachteten Ordens- 
niederlassungen als Ortsgeistliche und Hilfsgeistliche in den inkorporierten 
Seelsorgsstationen und Patronaten benötigt, wo sie auch das örtliche Schul- 
wesen, soweit es von der Pfarrei getragen werden mußte, zu beaufsichtigen 
hatten. Sie waren ferner unentbehrlich als Geistliche Räte, Seminardirekto- 
ren und -Präfekten sowie Hospitalbenefiziaten in der sich seit dem Anfang 
des 17. Jahrhundert in Analogie zu den übrigen geistlichen Fürstentümern 
des Reiches in die Trias m von Hofrat, Hofkammer und Geistlichen Rat 
ausfächernden zentralen Ordensverwaltung l13 in der Ordensresidenz Mer- 
gentheim. 
Für die verbliebenen beiden Ordenszweige der Ritter und Priester galt 
es nach 1525, die seit der Ordensgründung im Hochmittelalter praktizierte 
und als unverzichtbar auch fortan erachtete Hospitalität als zweiten Pfeiler 
der Ordenszielsetzung, nämlich den Dienst an den Armen, Kranken, Alten, 
Siechen, Waisen und Invaliden vor den kritischen Zeitgenossen im Auge zu 
behalten und zeitgerecht durch entsprechende Maßnahmen, eventuell neue 
Hospitalbauten oder wenigstens deren Erweiterungen, zu sichern und zu 
praktizieren. Exemplarisch für die in Sachen Hospitalität getroffenen Maß- 
nahmen seien folgende Orte mit ihren Institutionen genannt: 
a) Mergentheim l14 , 
b) Elli ngen \1S, 
c) Frankfurt - Sachsenhausen l16 , 
d) Nürnberg l17 
e) Freudenthal l18 und Braunseifen l19 - letztere im mährisch - schlesi- 
schen Ordensbesitz, 
Der Gedanke der Hospitalität war schon im Jahre 1700 in der kurzen 
Friedensphase auf dem Mergentheimer Groß - oder Generalkapitel einge- 
schärft worden l30 , Auch nach dem Tod Franz Ludwigs hatte sein gewünsch- 
ter wittelsbachischer Nachfolger an der Ordensspitze Clemens August 
(1732-176 I) im einzigen von ihm in 29jähriger Funktion zelebrierten Ge- 
neralkapitel vom 12. September bis 3. Oktober 1736 zu Mergentheim die 
Hospitalität als Ordensziel und - verpflichtung erneut angemahnt 13I , Auch 
der jüngste Sohn der Kaiserin Maria Theresia, Max Franz von Österreich 
(1780-1801), hatte die Sorge für die Armen in sein Regierungsprogramm 
aufgenommen, wie bereits erläutert worden ist 131 , 
Zusammenfassend läßt sich aufgrund der schon erarbeiteten Quellen 
und Literatur sagen, daß der Orden in seiner kleinen Residenzstadt an der 
Tauber neben dem von den Johannitern 1554 vertraglich übernommenen 
Pfarrschulwesen für weiterführende Schulgattungen, im Gymnasium ab 
1700, in philosphischen Studien ab 1754 und sogar einem allerdings nur 


81
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achtjährigen theologischen Spezialstudium (1772/1 773-1781) Sorge getra- 
gen hat 133, Im zweiten Zentrum des regional ziemlich zusammenhängenden 
mährisch-schlesischen Ordensbesitzes zu Freudenthai zog bereits Franz 
Ludwig 173 I die Piaristen als Schulorden der Kirche für ein ihnen übertra- 
genes dortiges Gymnasium heran, das freilich von Kaiserin Maria Theresia 
1777 wieder zu einer Hauptschule nach einer "Normallehrart" zum großen 
Bedauern des Hochmeisters Karl Alexander von Lothringen (176 1-1780) 
und des fähigen Ordensstatthalters Maximilian Xaver Philipp Conrad Frei- 
herr von Riedheim zurückgestuft wurd e 134, - 
In Ausarbeitung befindet sich eine interessante Studie, die sich mit Fra- 
gen der Pharmazie im zumal süddeutschen Ordensbesitz befassen wird. Es 
wird deren Aufgabe sein darzulegen, ob sich die Aussage der Oberamtsbe- 
schreibung, daß es nämlich schon ab 1567 in der kleinen Tauberresidenz 
einen Stadtapotheker gegeben habe, auch seit der zweiten Hälfte des 16. 
Jahrhunderts Hof- und Stadtärzte, darunter von 1575-1579 einen jüdischer 
Medicus, gegeben habe, verifiziert werden kann m , Tatsache ist, daß in der 
hochmeisterlichen "Geheimen Konferenz" vom 28. Juli 1735 der Lizentiat 
in der Arztkunst, Franz Anton Rhodius, den kurfürstlichen Hochmeister 
Clemens August um das freiwerdende Physicat und ein medizinisches 
Praktizieren in Mergentheim bat. Der kurfürstliche wittelsbachische Hoch- 
meister war nicht abgeneigt, bey sich ergebender vacatur auf denselben zu 
reflectiren l36 , Für das Ende des 18. Jahrhunderts ist für die Residenzstadt 
Mergentheim mit Edmund Bottinger der im Range eines Hofrates dort als 
Hofmedikus fungierende Medizindoktor gesichert; neben ihm gibt es mit 
Justin Anton Röser einen Hofchirurgen und mit Friderich Joseph Rhodius 
einen Hofapotheker 137 , 
Für die Armen im mährisch-schlesischen Meistertum war schon 16601 
11661 nach dem Ende des langen Krieges Sorge getragen worden 138, Im 
18. Jahrhundert nahm sich auch hier der Orden über sein Armeninstitut und 
seine Verpflichtung als Kirchen- und Schulherr mit verschiedenen notwen- 
digen Maßnahmen weiterhin der bedürftigen Untertanen an 139, 
Der geraffte Überlick zeigt wenigstens an einigen Beispielen, dass der 
Orden für vorhandene oder aufgrund der gesellschaftlichen Fortentwick- 
lung neue Bedürfnisse im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten aufge- 
schlossen war und deshalb geeignete Maßnahmen ergriffen hat. Für die im 
18. Jahrhundert im reichischen Meistertum und den dortigen Balleien, zu- 
mal im Westen und Süden des Alten Reiches, feststell baren Aufbau - und 
Reformmaßnahmen wurde der Ausbruch der Französischen Revolution und 
deren Folgen für das Reich geradezu existenzbedrohend. Der Orden als 
kleiner Reichs- und mehrfacher Kreisstand (in Franken, Schwaben und 
Kurrhein) konnte die Früchte der von den kurfüstlichen Hochmeistern ver- 
fügten Maßnahmen vor der Jahrhundertwende nicht mehr ernten. Das Stu- 
dium des kurmainzischen Reichsarchivs l4o , der Reichskanzlei l41 , die For- 


.82
>>>
schungen von Karl Härter l42 und Klaus Oldenhage 143 in Sachen Deutscher 
Orden ergeben ein facettenreiches Bild, welche Verluste und Zerstörungen 
dieser geistliche Ritterorden des Alten Reiches in den letzten 20 Jahren seit 
Ausbruch der Französischen Revolution erfahren mußte. 
Mit dem Verlust der Reichs- und dreifachen Kreisstandschaft in Fran- 
ken, Schwaben und Kurrhein durch den Preßburger Frieden vom 26. De- 
zember 1805, gültig ab 1. Januar 1806, wurde das Verhältnis zum 1804 ge- 
gründeten Kaisertum Österreich neu geregelt und noch enger verzahnt. Das 
um die bisherige Residenz an der Tauber geschaffene "Fürstentum Mer- 
gentheim" konnte sich in den drei Jahren I 806 bis I 809 kaum entfalten und 
wurde durch den Machtspruch Napoleons vom 24. April 1809 mit allem 
verbliebenen Ordensbesitz in den Rheinbundstaaten den im korsischen 
Schlepptau dienenden deutschen Fürsten als Ganzes zugeeignet 144 , Eine 
wichtige Epoche war damit zu Ende, 


III, 1809 bis 1929 - Der Orden im österreichischen Kaiserstaat, 
in der Doppelmonarchie und nach dem Ersten Weltkrieg 


Durch den Machtspruch des Korsen von 1809 verlor die Ballei Öster- 
reich durch Abtretung der illyrischen Provinzen an Frankreich ihre Kom- 
menden Laibach, Möttling und Tschernembl 14s in der südlichen Steiermark. 
Die Ballei Etsch kam mit ihren Kommenden Schlanders und Sterzing an 
das neugeschaffene Königreich Bayern, die Kommenden Weggenstein und 
Lengmoos an das neugeschaffene Königreich Italien l46 . Das Vermögen des 
Ordens in Tirol gab der Kaiser seinem hochmeisterlichen Bruder Erzherzog 
Anton Viktor bereits am 2, Dezember 18 I 7 zurück; die Übernahme mit al- 
lerdings bleibendem Verlust im Vintschgau, in und um Sterzing, auch Gos- 
sensaß, erfolgte erst am 13. November 1819 wieder in die Ordensverwal- 
tung in Bozen. Die Ballei Etsch kehrte mit Verlusten gegenüber früher erst 
mit Datum 1. Januar 1836 wieder in den Ordensverband zurück l47 , nachdem 
im Wiener Kongreß auch mit Hilfe Metternichs und des Freiherrn von Stein 
keine völlige Restitution des Ordens zu erlangen war. Nur die Kommende 
Frankfurt-Sachsenhausen wurde Ende 18 I 4 unter dem verbleibenden Do- 
minat des Kaiserstaates Österreich ab 1836 dem Deutschen Orden unter 
dem Rechtsverhältnis eines kaiserlichen Oberlehensherrn bis 1881 148 zur 
Nutznießung überlassen. 
Die in Preußisch-Schlesien liegende Kammerkommende Namslau, öst- 
lich von Breslau gelegen und Teil des seit dem 17, Jahrhundert durch Käufe 
vemehrten mährisch-schlesischen Ordensbesitzes, war am 8. Juni 1703 149 
als königlich-böhmisches Burglehen vom kaiserlichen Landesherrn für den 
Orden angekauft und wie alles übrige in diesem Territorium im Zuge der 
Säkularisation des in Preußen-Schlesien gelegenen Kirchengutes 18 IO ISO 


83
>>>
dem Orden entzogen worden. Nur die nördlich der Oppa - Trennfluß zwi- 
schen Preußen und Österreich - liegenden Ordensgüter Soppau und Ratsch 
konnten entgegen dem Säkularisationsedikt vom 30. Okober 1810 dem Or- 
den nach kurzzeitiger Sequestrierung bis zum Tod des Hoch- und Deut- 
schmeisters Maxim ilian von Österreich-Este (1835-1863) erhalten werden 
und wurden erst dann preußisch \SI. Der nurmehr auf die verbliebenen Bal- 
leigüter Österreichs und den übrigen mährisch-schlesischen Meistertums- 
besitz reduzierte Deutsche Orden nahm in der Person seines Hoch- und 
Deutschmeisters kurzzeitig den Titel eines Administratorn des Hochmei- 
sterthums in Preußen, Meistern deutschen Ordens in den österreichischen 
Erblanden. Herrn zu Freudenthai und Eulenberg neben weiteren Titeln wie 
Sr. k.k. apost. Majestät General Feldzeugmeister und Inhaber eines k.k. 
Infanterieregiments an. Beispiele für diese Titulatur bieten Urkunden im 
DOZA 1s1 . 
Unter der tatkräftigen Mithilfe des Staatskanzlers Clemens Lothar 
Wenzel Fürst von Metternich - Winneburg lS3 , der dem Orden 1836 bei der 
Wiederaufnahme von Ritteraspiranten als Bürge lS4 diente und auch dem 
drängenden Verlangen des erzherzoglichen Hochmeisters Anton Viktor hil- 
freich an die Hand ging, fand sich der entschlußarme erste Kaiser Öster- 
reichs endlich zur Reorganisation des in den Erblanden verbliebenen Or- 
densbesitzes in den Jahren 1834/1835 bereit. Kaiser Ferdinand I. folgte 
nach Umarbeitung der Ordensverfassung am 16. Juli 1839 mit der Bestäti- 
gungsurkunde der ordensintern erarbeiteten Statuten des deutschen Ritter- 
ordens. - Durch das kaiserliche Patent vom 28. Juni 1840, ebenfalls auf 
Druck Metternichs zustande gekommen, wurde dem Deutschen Orden der 
Status eines selbständigen geistlich - ritterlichen Instituts unter dem Ban- 
de eines unmittelbaren kaiserlichen Lehens verliehen - ein Zustand, der 
dem Orden bis 1918 verbliebISS, 
Bei den - allerdings nur geplanten - Verkaufsverhandlungen be- 
züglich der Deutschordenskommende Frankfurt-Sachsenhausen 1842 war 
Metternich ebenfalls eingeschaltet und informierte am 26. März 1842 1s6 
Hochmeister Maximilian Joseph, worauf die Veräußerung noch abgewendet 
werden konnte. 
Aufgrund der Zugehörigkeit des Hochmeisters zum Erzhaus blieb der 
Orden fortan als Regularinstitut nicht dem Ministerium für Kultus und Un- 
terricht bzw. der Hofkanzlei, sondern der Staatskanzlei, also dem Außen- 
amt, das gleichzeitig in Personalunion das Ministerium des Kaiserlichen 
Hauses war, unterstelltlS7, Während in Etsch und Österreich im wesentli- 
chen die alte Balleiverfassung wieder aufleben konnte, wurde der mährisch- 
-schlesische Kammeralbesitz zur hochmeisterlichen Sustentation ab 1820 
von Wien fortan zentral verwaltet lS8 , 
Im österreich ischen Kaiserstaat und der Doppelmonarchie wirkte fortan 
der Orden im Brüderzweig durch die Balleipriester ls9 , die erst mit dem To- 


84
>>>
de Franz Jancars am 2.11. I 92i 60 , endgültig ausgestorben sind. Auf Initiati- 
ve und unter tatkräftiger Mitwirkung des früheren Trienter Pastoraltheolo- 
gen Peter Rigler l61 wurden von Hochmeister Maximilian und dem General- 
kapitel Priesterkonvente zu Lana (ab 1854)161 und zu Troppau (abI 866)163 
gegründet, denen nach Riglers Tod noch zwei weitere selbständige Konven- 
te zu Laibach (ab 21. Dezember 1917)164 und in Gumpoldskirchen (ab 29. 
Oktober I924)16S folgten. Aus diesen Konventen, deren Geschichte nach 
dem Untergang der Doppelmonarchie in den Ordensmitteilungen gelegent- 
lich erläutert wird, konnte nach 1918 der erforderliche Priesterbedarf für 
die Seelsorgspfründen, die Betreuung der eigenen Ordensschwestern und 
weiterer karitativer Aufgaben (z.B. schon im Ersten Weltkrieg bei der Be- 
treuung der Verwundeten) gesichert werden. 
Die Geschichte der Ordensschwestern. als dritten Zweig nach den 
Rittern und Priestern seit dem 19. Jahrhundert ist eingehend durch Eren- 
traud Gruber l66 dargestellt worden, so daß auf ihre Darstellung hier nur 
verwiesen werden muß. 
In der zweiten Hälfe des 19. Jahrhunderts wandte sich das Rittertum des 
Ordens dem Sanitätswesen 167 zu, das grobe Mängel in den Feldzügen von 
1859 und 1867 aufgewiesen hatte. Um diesem führenden Ordenszweig eine 
zeitgenössische Aufgabe zu geben, die sich mit den bisherigen Zielen der 
Hospitalität und des Glaubenskampfes vereinbaren ließen, wurde 1866 ein 
neues Institut der Ehrenritter und 1871 dasjenige der Marianer des Deut- 
schen Ordens geschaffen l68 , Mit deren Hilfe - neben weiteren Leistungen 
der Ordensritter aus ihren Ritterdeputaten - sollten durch die beiden ge- 
nannten Institute die für die Feldsanität notwendigen Geldmittel aufge- 
bracht werden. Zusammen mit den Maltesern der Doppelmonarchie wurden 
nun modernst eingerichtete Feldspitäler errichtet, die eine schnelle Betreu- 
ung der Kranken im serbisch-bulgarischen Krieg 1885 und auch noch im 
Ersten Weltkrieg ermöglichten l69 . Ordensritter als eigene Spitler l70 in die- 
sem Aufgabenbereich, Ordenspriester als Feldkuraten und Ordensschwes- 
tern als Sanitätspersonal taten in den vier großen Feldsspitälern mit 15 
Kraftwagenkolonnen zwischen 19 I 4 und 1918 ihre Dienste und waren in 
der Lage, 2000-3000 verwundete Soldaten in ihren damals sehr modern 
ausgestatteten Lazaretten aufzunehmen 171 , 
Unsere Darstellung über die Ritterzeit des Deutschen Ordens im 18. und 
19. Jahrhundert wäre unvollständig, wenn nicht auch auf die kulturhistori- 
schen Bezüge, zumal der kunstsinnigen Generaloberen dieser geistlichen 
Adelskorporation und der darin aufgeschworenen Ordenskavaliere wenig- 
stens kurz und exemplarisch eingegangen würde: 
1. Vom 16. März bis 2. Mai 1781 wohnte bekanntlich Mozart l71 im 
Deutschen Hause in Wien. 
2. Ludwig van Beethoven hatte Beziehungen zu Max Franz und speziell 
zu dem Ordensrittern Graf Ernst Ferdinand von Waldstein 173 , dem er ein 


85 


.......
>>>
Ritterballett und eine seiner Sonaten widmete, Beim Generalkapitel 1791 in 
Mergentheim und sonst zur Unterhaltung spielte bekanntlich Beethoven als 
Bratschist im kurkölnischen Orchester mit. Gleichzeitig war 1791 mit einer 
Nürnberger Schauspieltruppe Carl Maria von Weber 174 ebenfalls in der 
Tauberstadt anwesend. Dem Hochmeister Anton Viktor widmete der Titan 
der Musikwelt zwei Märsche, deren Partitur in der großen Ordensausstel- 
lung 1990 in Nürnberg zu sehen waren 17S . 
3. Johannes Brahms nahm vom Herbst 1863 bis zum Frühjahr 1865 im 
Wiener Ordenshaus und zwar auf Stiege VII, 4. Stock Wohnung. Der mu- 
sikwissenschaftlichen Welt dürfte bisher unbekannt geblieben sein, dass 
Moritz von Weittenhiller am 3 I. Januar 1906 dem Hochmeister Erzherzog 
Eugen vorgeschlagen hat, doch auch im Deutschen Haus eine Gedenktafel 
für Brahms anzubringen - ein Plan, den der Habsburger mit bravo kom- 
mentierte. Wenn auch dieses Projekt nicht realisiert wurde, so gilt es doch 
festzuhalten, was Erzherzog Eugen zu diesem Komponisten bemerkte: Ich 
war mit Brahms gut bekannt u. studierte so mir einige seiner Lieder ein 176 . 
4. Über die engen Beziehungen des Hoch- und Deutschmeisters Erzher- 
zog Wilhelm (1863-1894)177 zum Operettenkomponisten und Dirigenten 
der hoch- und deutschmeisterischen Regimentskapelle Carl Michael Zieh- 
rer sind wir durch die Forschungen von Max Schönherr unterrich tet l78. 
5. Es sei noch erwähnt, daß die Stieftochter des Walzerkönigs aus der 
dritten Ehe, Alice Strauß-Feri di Bayros in der Wiener Deutschordenskir- 
che am 27. Februar 1896 ihre Hochzeit feierte, der musikalische Jahresre- 
gent 1999 dafür ein Hochzeitspräludium als opus 469 komponierte und im 
gleichen Jahr zum Monsterkonzert dem k, und k. Infanterieregiment Hoch- 
und Deutschmeister Nr. 4 einen Deutschmeister - Jubiläumsmarsch - 
sein op. 470 - widmete 179 , 
Mit dem Ende der Doppelmonarch ie 1918 zogen gefährl iche Gewitter- 
wolken über den Orden auf, weil in drei der Nachfolgestaaten - Erste 
Tschechoslowakische Republik, SHS-Staat und Königreich Italien, nicht 
aber in der Ersten Republik Österreich - die enge Verbindung zwischen Erz- 
haus und der Ordensleitung seit 1806 nicht mehr akzeptiert werden sollte. 
Es gelang aber der österreichischen Diplomatie die drei dem Orden kritisch 
begegnenden Staaten - kurze Zeit wurde im SHS - Staat der bisher süd- 
steirische Ordensbesitz sequestriert l80 , in Mähren und Schlesien wurden 
dem Orden als Großgrundbesitzer nach dem Fürsten von Liechtenstein 
durch die "Bodenreform" wichtige Subsistenzmittel entzogen - zu zeigen, 
dass der Orden keine Art Sekundogenitur Habsburg - Lothringens sei und 
deshalb die Forderungen des Friedensvertrages von St. Germain nicht zur 
Anwendung kommen dürften. Erzherzog Eugen trat, um dem Orden keine 
Gefährdungen zu bereiten, freiwillig vom Amt des Hoch- und Deutsch- 
meisters zurück, nachdem er sich darüber mit Papst Pius Xl. besprochen 
hatte. Der Heilige Vater wollte den Habsburger eigentlich in seiner bisheri- 


86
>>>
gen Funktion weiter belassen, konnte aber vom Erzherzog davon überzeugt 
werden, dass ein Habsburger an der Ordensspitze von den drei genannten 
Nachfolgestaaten nicht geduldet würde. Erst dann entschloß sich Pius XI. 
zur Annahme der Resignation. Mit dem letzten, von Kaiser Franz Joseph I. 
ernannten Brünner Bischof Dr. h.c, Norbert Klein OT wurde nun nach mehr 
als 700 Jahren wieder ein Ordensgeistlicher an die Spitze gehoben und 
konnte den Orden in den Gefährdungen nach 19 18 zu neuem Leben im 
verbliebenen Ordensbesitz führen. Nachdem die drei genannten Staaten die 
Kontinuitätsthese des Ordens ohne das Haus Habsburg - Lothringen ak- 
zeptiert hatten - 1925/1 926 Prag, 1927 der SHS-Staat und Italien, letzte- 
res erst mit Wirkung 1929 - konnte durch das Oberhaupt der katholischen 
Kirche die Umwandlung von einem geistlichen Ritterorden der Römischen 
Kirche in einen rein geistlichen Orden am 27. November 1929 nach einer 
seit 1927 laufenden Generalvisitation unter Beiziehung des Kapuzinerpa- 
ters Dr. Hilarin Felder - durchgeführt werden. Damit war das Ende des 
Ordens als geistlich-ritterliches Institut gekommen, denn die Aufnahme der 
Ritteraspiranten war damit beendet l81 . Der letzte Ritter Friedrich Graf Bel- 
rupt- Tissac 181 wurde 1950 Priester und von 1953 bis 1959 Provinzoberer 
von Österreich; er starb erst 1970. 


IV, Der Orden seit 1929 


Weil die Probleme des Ordens in seiner Umstrukturierung, der Siche- 
rung des Ordensbesitzes und der für die Priester und Schwestern nötigen 
seelsorglich-karitativen Arbeitsmöglichkeiten .nach 1918 innerhalb eines 
Jahrzehnts unter tatkräftiger Hilfe der österreichischen Diplomatie und dem 
Wohlwollen des Heiligen Stuhls bewältigt werden konnten, erlitt die nach 
Kriegsende weitergeführte Arbeit auf den Gebieten der Pfarr - und Kran- 
kenseelsorge in allen verbliebenen vier Brüder l83 -und Schwesternprovin- 
zen l84 , die durch die allgemeine Jugendbewegung neu initiierten Bemühun- 
gen im mährisch-schlesischen Raum l8s und die für den deutschen Bevölke- 
rungsteil in der CSR aufgebaute Pressearbeit keinen Abbruch, vielmehr 
eine bemerkenswerte Intensivierung l86 . Besonders eifrige Bemühungen mußte 
gleichzeitgig die Südtiroler Brüderprovinz auch nach den Lateranverträgen 
unternehmen, um unter der faschistischen Regierung ihre staatliche Aner- 
kennung zu erreichen. Noch in der Zeit des Zweiten Weltkriegs gelang dies 
nicht; erst am 31. Mai 1948 wurde der Südtiroler Prior P. Magnus Hager als 
Vertreter der italienischen Ordensprovinz des Deutschen Ordens anerkannt 
und dabei die Versicherung gegeben, dass die Provinz selbst von jeher als 
anerkannt erachtet worden sei l87 , 
Die vielfältige Aufbauarbeit unter nationalem Gegenwind in der CSR, 
im SHS-Staat (seit 1929 Königreich Jugoslawien) und im Königreich Italien 


87 


........
>>>
wurde durch die Nazizeit abrupt beendet: Noch vor den allermeisten öster- 
reichischen Stiften wurde am 6. September 1938 mit Wirkung I. September 
der Deutsche Orden in Österreich entschädigungslos aufgehoben und der 
Besitz eingezogen. Nur die Seelsorgsarbeit in den inkorporierten Pfarreien 
(Gumpoldskirchen, Palterndorf und Spannberg) war auch während des Krie- 
ges möglich, die Personalpfarrei im Wiener Ordenshaus konnte im Krieg 
nicht bis zum Ende betreut werden. Die Aufhebung des gesamten mährisch- 
-schlesischen Ordensbesitzes erfolgte unter tatkräftiger Mithilfe Konrad 
Henleins l88 und der örtlichen Nazibehörden in Freudenthai am 27. Februar 
1939. Nur die Seelsorgsarbeit in den inkorporierten oder den Patronatspfar- 
reien konnte während des Krieges aufrecht erhalten werden. Die Ordensprie- 
ster wurden aus den eigenen oder staatlichen Schulen (wie z.B. dem Gymna- 
sium in Freudenthal/Bruntal und Troppau/Opava) als Religionslehrer entfernt, 
die zwischen den zwei Weltkriegen schnell wachsenden Deutschordensschwe- 
stern wurden ebenfalls aus bislang ordenseigen geführten Schulen entlas- 
sen. Um wenigstens den Krankendienst fortsetzen zu können, gründeten sie 
einen Verein, der von der nazistischen Stillhaltekommission genehmigt wur- 
de '89 . Die Schwestern im Lehrbereich wurden nach Möglichkeit in Kran- 
kenpflegekursen umgeschult und fanden in zwei Krankenhäusern zu Zwittau 
und Neutitschein bis Kriegsende anstelle tschechischer Schwestern rasch 
Verwendung. Ordensschwestern slowakischer Herkunft kehrten in ihre Hei- 
mat zurück, gründeten eine provisorische Ordensprovinz und fanden ein 
neues Arbeitsgebiet in der privaten Krankenpflege, im Pfarrhaushalt, im 
Kinderheim und in der Katechese. Die jugoslawischen Schwestern des Or- 
dens verloren 1941 ihren Besitz; ihre Niederlassungen wurden von den Deut- 
schen besetzt, einige Schwestern übernahmen die Wirtschaftsführung in 
den Pfarrhäusern des Ordens, oder kehrten zu ihren Eltern zurück. Die 
Südtiroler Schwestern fanden in den Gemeindespitälern und anderswo neue 
Aufgabenbereiche. In der Endphase des Krieges wurde der Ordensbesitz in 
Bozen und in Sarntheim von Bomben getroffen; das Mutterhaus zu Lanegg 
mußte für die Einquartierung der Soldaten freigegeben werden. 
Zwei der Deutschordenspriester kamen in das KZ nach Dachau: P. Wal- 
ther Hornyl90 überlebte die Hölle aufgrund der raschen amerikanischen Be- 
freiung; der früher erfolgreich als Religionslehrer, seit 1936 als Generalrat 
und bei der Jugendbildung eingesetzte p, Heribert Kluger starb in der Nacht 
des 18. Januar 1945 an Entkräftung in Dachau 191. Der Hochmeister selbst 
war bald nach Kriegsbeginn in Troppau konfiniert worden und konnte auf- 
grund der durch die Nazis verhängten Beschränkungen den Orden kaum 
führen. Mit päpstlicher Erlaubnis vom 5. Februar 1942 wurde seine Amts- 
zeit und diejenige seines Generalrates auf weitere sechs Jahre verlängert, 
weil im Weltkrieg kein Generalkapitel anberaumt werden konnte 192 . 
Die Nachkriegszeit war gekennzeichnet durch die Vertreibung der deut- 
schen Brüder und Schwestern aus dem mährisch-schlesischen Raum, die 


88 


........
>>>
Verfolgung der tschechischen Ordensmitglieder durch die Kommunisten, 
die mühsame Aufbauarbeit in der Diaspora des zerbombten Deutschlands 
mit der Gründung eines Brüderkonvents in Darmstadt und der Übernahme 
des erst 188 I an die katholische Gemeinde in Frankfurt veräußerten Kom- 
mendenbesitzes mit der dortigen seelsorglichen Betreuung und der erst 
1931 dort errichteten Pfarrgemeinde am Ende der 50er Jahre '93 . Das Mut- 
terhaus der deutschen Schwestern in Passau und viele weitere Stationen, 
zumal im süddeutschen Raum, konnten nach ] 945 und anderswo errichtet 
werden. Inzwischen freilich ist der ausbleibende Schwestern nachwuchs - 
auch in der slowenischen und italienischen Provinz - wohl aufgrund der 
Säkularisierung l94 ein Problem geworden, so dass einige Stationen inzwi- 
schen wieder aufgelassen werden mußten und die Zukunft für manches un- 
gewiß wird. Die sich im letzten Jahrzehnt verbessernde personelle Situation 
bei den Brüdern in Italien und Deutschland ist dergestalt, dass neben blei- 
benden Pfarraufgaben auch neue Formen kategorialer Seelsorge (in Kran- 
kenhäusern, in Altersheimen und in der Jugendbetreuung) gewagt werden 
konnten. Zum ersten Mal konnte nach dem Zerfall des Kommunismus der 
Orden offiziell in der Slowakei mit einem neuen Schwestern - und dann 
einem Bruderhaus Fuß fassen; in der Tschechischen Republik sind die 
Schwestern wenigstens in Teile ihres alten Mutterhauses Troppau wieder 
heimgekehrt l9S , während um den anderen mährisch-schlesischen Besitz in- 
tensive Restitutionsbemühungen laufen. - Intensiv ist der Orden in diesem 
Bereich bemüht, als ein durch Nazis und Kommunisten verfolgtes Regula- 
rinstitut, dem bislang seine Besitzungen widerrechtlich vom derzeitigen 
Staat vorenthalten werden, wieder zurückzugewinnen, um dort seelsorglich- 
karitativ wieder tätig werden zu können. 


Zusammenfassung 


Der vorliegende Beitrag spannt im Überblick wie ein Zeitraffer den Bo- 
gen über etwa fünf Jahrhunderte, Der eisenbewehrte Ordensritter des Spät- 
mittelalters, der dann seit dem 16. Jahrhundert im Heer des Kaisers, des 
Reiches, seiner Kreise oder im ordenseigenen Infanterieregiment "Hoch - 
und Deutschmeister" gegen die türkischen Glaubens- und Reichsfeinde 
kämpfende geistliche Offizier im hochprivilegierten Orden des Alten Rei- 
ches, der geistliche Kavalier oder der dann in militärischen Funktionen des 
österreichischen Kaiserstaates bis zum Ende der Doppelmonarchie fungie- 
rende Landkomtur oder Deutschordensritter kam hier mit seinen verschie- 
denen Funktionen ins Blickfeld kritischer Darstellung, Nicht übersehen 
werden darf in diesem Überblick, daß ab 1618 mit einer vom Generalkapi- 
tel des gleichen Jahres beantragten und päpstlich am 21. April 16 18 ge- 
währten Dispens die Bistumskumulationen der Hoch- und Deutschmeister 


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>>>
in der Germania Sacra bei Karl von Österreich (16 18- 1624) beginnen und 
bis ins erste Jahrzehnt des 19. Jahrhundert - genauerhin bis zum Tod von 
Max Franz als Kölner Kurfürst, Münsteraner Fürstbischof und Hoch- und 
Deutschmeister andauern durften. Bei diesem, im Widerspruch zum Trien- 
ter Verbot von Bistumsanhäufungen praktizierten Vorgehen - durch päpst- 
liches Motu Proprio "Quamquam invaluerit" vom 5. Januar 1731 196 eigent- 
lich untersagt - spielten der jeweilige Papst und das Versorgungs interesse 
der Habsburger, Pfalz-Neuburger, Wittelsbacher und Lothringer in seltener 
Harmonie mit. Mit fortschreitender Zeit seit dem 18. Jahrhundert wurden 
auch die Deutschordensritter - ähnliche Entwicklung nahm auch in der 
Neuzeit der Malteserorden bis 1918 197 - immer ähnlicher den geistlichen 
Kavalieren in Kleidung und äußerlichem Auftreten. Bei der Überlegung 
vom Jahre 1741 198 , das Ordenskreuz auf der linken Brustseite zu tragen, 
machte der österreichische Landkomtur Harrach jedoch die interessante 
Bemerkung, dass die bisherige Form des eigenen Ordenskreuzes nicht so 
sehr derjenigen der Malteserritter angeglichen werden sollte, um auch in 
der täglichen äußeren Erscheinung den Orden mit jenem Zeichen, das alle 
Jahrhunderte abdeckt, sichtbar werden zu lassen. 
Der gesellschaftliche Wandel eines dann wirklich im Preßburger Frie- 
den seiner Reichs - und mehrfachen Kreisstandschaft beraubten Ritterin- 
stitutes dokumentierte sich somit vielfach in der Geschichte des Deutschen 
Ordens, der auch 1806/1 809 nicht an innerer Zersetzung litt und wegen 
Personalmangeles dahinsiechte. Vielmehr war von i568 bis 1768 199 die Or- 
densexemtion sogar von der Mehrheit der Päpste 100 bestätigt worden und so 
der nur dem Bischof von Rom unterstellte Gesamtorden durch die nicht 
fehlenden Ordens- und Weltgeistlichen, in seinen Seelsorgsverpflichtun- 
gen und seinem oft einzigen Wirken in den protestantischen Reichsstädten 
(wie Z.B. Frankfurt-Sachsenhausen, Ulm, Heilbronn, Regensburg und an- 
derswo) nachgekommen. Auch nach der Vertreibung aus den Rheinbund- 
staaten konnte die bistumsmäßig neu geordnete deutsche Kirche auf den 
vom Orden gelegten pastorellen Fundamenten weiterbauen. Bereits gegen 
Ende des 18. Jahrhunderts - im gleichen Jahrhundert hatte das fränkische 
Balleikapitel vom 26. und 28. April 1727 zu Mergentheim an Kurbayern 
noch 50000 fl. als Darlehen vorgestreckt 10J - kündigte sich nicht wegen 
mangelnder finanzieller Ordensmittel, wohl aber wegen der revolutionären 
Vorgänge in Frankreich eine neue Situation an, die jedes Feudalinstitut in 
Frage stellte. Unter Napoleon wurde, wie bereits bewiesen, der Orden 
schließlich in allen Rheinbundstaaten 1809 aufgelöst und sein Besitz fiel an 
die mit dem Korsen verbündete fürstliche deutsche Klientel, die als würt- 
tembergische Okkupanten den Aufstand der Ordensuntertanen in Mergent- 
heim und Umgebung auslösten 102 , 
Die Umwandlung in einen rein klerikalen Orden der Römischen Kirche 
ohne ritterliches Element wurde aufgrund der Sonderstellung des Deutschen 


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...
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Ordens im österreich ischen Kaiserstaat und der Doppelmonarchie noch ein- 
mal abgewendet 103 . Erst in der Ordensreform von 1929 fand sie für den 
Deutschen Orden ihren endgültigen Abschluß 104 . 
Die seit dem Spätmittelalter zurückgedrängten Ordenspriester - Aus- 
nahmen bilden etwa der Ordenshistoriker Dr. Johann Caspar Venator 10S 
oder der durch seine Reformmaßnahmen am Ordensbuch 180 I tätig gewor- 
dene Dr. Georg Peter Hoepfner 106 - traten 1923 in der Person des letzten 
von Kaiser Franz Joseph I. ernannten Brünner Bischofs Dr. h.c. Norbert 
Klein und weiterer promovierter Ordensbrüder wiederum, wie kurz in der 
allerältesten Phase des Ordens als Hospitalbruderschaft, an die Spitze des 
Ordens 107 und dokumentieren so eine mehr als 800jährige Tradition mit 
bleibendem Hospitalwesen in verschiedenen zeitgemäßen Formen und die 
Treue zur unverkürzten Vergangenheit im wissenschaftlichen Bemühen. 
Noch ein Desiderat der Ordensforschung ist die Kenntnis der neuzeitli- 
chen Hochmeister 108 und Ordensritter 109 als Mitglieder der Freimauererei 110 , 
Ein weiteres Desiderat hinsichtlich der Ordensvergangenheit ist sein 
erst etwas beleuchtetes Verhältnis zu den Schutzjuden in seinen Gebieten 1ll . 
Ganz im Sinne seines Bekenntnisses zur vollen und unverkürzten mehr- 
hundertjährigen Vergangenheit gründete 1985 ein Kreis polnischer, deut- 
scher, österreichischer und italienischer Ordenshistoriker unter der Patro- 
nanz des Gesamtordens die "Internationale Historische Kommission zur 
Erforschung des Deutschen Ordens" - inzwischen um belgische, lettische, 
litauische und russische Fachkollegen erweitert. Sie hat es sich zum Ziel 
gesetzt, den Orden in seinem europäischen Kontext intensiv zu erforschen 
und auf Tagungen im Zweijahresrythmus - in Abstimmung mit den Collo- 
quia Torunensia an der Kopernikusuniversität der ehemaligen Ordensstadt 
Thorn (heute Torun) - eigene Tagungen durchzuführen und dies seit 1986 
auch verwirklicht. Die Ergebnisse der Kommissionstagungen werden mei- 
stens in den "Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens" 
publiziert. 
So hat, um dies nur noch kurz ins Bewußtsein einer dafür heute beson- 
ders aufgeschlossenen Öffentlichkeit zu heben, im Blick auf den hier be- 
handelten Zeitraum der Deutsche Orden bereits aufgrund seiner neuzeitli- 
chen Stellung im Heiligen Römischen Reich als einziger zuerst bi-, dann 
trikonfessioneller Reichs- und mehrfacher Kreisstand schnell Toleranz und 
Ökumenismus ohne kirchliche Vorgaben einüben gelernt - eine zeitliche 
Notwendigkeit, die die katholische Kirche als Ganzes erst seit dem Zweiten 
Vatikanischen Konzil als unwiderrufliche Basis für den Gang ins dritte 
Jahrtausend einzuüben und durchzuführen begonnen hat m , 


91
>>>
Anmerkungen 


Überarbeiteter und ergänzter Text eines Vortrags, der am 24. September 1999 auf Einla- 
dung in der Universität Thorn/Torun gehalten wurde, bei dessen termingerechter Erstellung 
ich wertvolle Hilfen durch Herrn Diakon Dr. Friedrich Vogel (Wien) erhielt, wofür ich auch 
hier zu danken habe. 
I K. Zeumer, Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Reichsverfassung in Mit- 
telalter und Neuzeit in zwei Teilen 2 1 913, hier Teil 2: Von Maximilian J. bis 1806; Anhang, 
ND Aalen 1987: H. Conrad, Deutsche Rechtsgeschichte in zwei Bde., hier Bd. 11: Neu=eit 
bis 1806. Karlsruhe 1966; Der Kurfürst von Mainz und die Kreisassoziationen 1648-1746. 
Zur verfassungsmäßigen Stellung der Reichskreise nach dem Westfälischen Frieden, hg. 
v. Freiherr von Aretin, Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. 
Abteilung Universalgeschichte. Beiheft 2, Wiesbaden 1975; H. H. Hofmann, Quellen zum 
Verfassungsorganismus des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation /495-1815, 
Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte der Neuzeit, Bd. XIIl. Darmstadt 1976; 
Politische Ordnungen und Soziale Kräfte im Alten Reich, hg. v. H. Weber, Veröffentli- 
chungen des Instituts flIr Europäische Geschichte Mainz Abteilung Universalgeschichte, 
Beiheft 8, Wiesbaden 1980; Deutsche Verwaltungsgeschichte in 6 Bde., hg. v. K. G. A. 
Jeserich, H. Pohl, G. C. von Unruh, hier Bd. I: Vom Spätmittelalter bis zum Ende des Rei- 
ches. Bd. 11: Vom Reichsdeputationshauptschluß bis zur Auflösung des deutschen Bundes, 
Stuttgart 1982f.; K. O. von Aretin. Das Reich. Friedensordnung und europäisches Gleich- 
gewicht 1648-1806, Stuttgart 1986; A. SchindIing, Die Anfänge des Immerwährenden 
Reichstags zu Regensburg. Ständevertretung und Staatskunst nach dem Westfälischen Frie- 
den. Veröffentlichungen des Instituts ftlr Europäische Geschichte Mainz Abteilung Univer- 
salgeschichte, 143. Wiesbaden 199 I; ders., Reichskirche und Reformation. Zu Glaubens- 
spaltung und Konfessionalisierung in den geistlichen Fürstentümern des Reiches, in: Neue 
Studien zur frühneuzeitlichen Reichsgeschichte, hg. v. J. Kunisch, Zeitschrift für Histori- 
sche Forschung, Beiheft 3, Berlin 1987, S. 8 I - I 12; zum Deutschen Orden hier bes., S. 102 
mit Anm. 51; H. Mohnhaupt, Gesetzgebung des Reichs und Recht im Reich vom 16.-18. 
Jahrhundert, Zeitschrift für Historische Forschung, Beiheft 22, Berlin 1998, S. 83-108; 
A. Buschmann, Kaiser und Reich. Verfassungsgeschichte des Heiligen Römischen Reiches 
Deutscher Nation vom Beginn des 12. Jahrhunderts bis zum Jahre 1806 in Dokumenten in 
zwei Teilen, Teil I: Vom Wormser Konkordat 1122 bis zum Augsburger Reichsabschied von 
1555, Teil 11: Vom Westfälischen Frieden 1648 bis zum Ende des Reiches im Jahre 1806, 
Baden-Baden 21994; V. Press, in Verbindung mit S. Blankenhorn, H. Carl. G. Haug- 
-Moritz, M. Kaiser, hg. v. J. Kunisch, Das Alte Reich. Ausgewählte Aufsätze, Historische 
Forschungen 59. Berlin 1997; ders., Adel im Alten Reich. Gesammelte Vorträge und Aufsätze, 
hg. v. F. Brendle, A. Schindling in Verbindung mit M. Rudersdorf, G. Schmidt. Frühneu- 
zeit-Forschungen, Bd. 4, Tübingen 1998; K. O. von Aretin, Das Alte Reich 1648-1806 
in drei Bde., Bd. I: (1997) Föderalistische oder Hierarchische Ordnung (/648-1684). 
S. 104f.; Bd. 2: Kaisertradition und österreichische Großmachtpolitik (/684-1745); Bd. 3: 
Das Reich und der österreichisch-preußische Dualismus (/745-1806), Stuttgart 1997; 
A. Gotthard. Säulen des Reiches. Die Kurfürsten im frühneuzeitlichen Reichsverband in 
zwei Teilbänden. Historische Studien, Bd. 457/1-2, Husum 1999, mit vorzüglicher Spezi- 
alIiteratur; G. Schmidt, Geschichte des Alten Reiches. Staat und Nation in der Frühen Neu- 
zeit 1495-1806, München 1999; über die andere Sicht des Alten Reiches s. nun (die nicht 
ganz aus den Wiener Quellen des Reiches - s. Zeitschrift für Historische Forschung 26, 
1999, S. 627f. - arbeitende Studie von) J. Luh, Unheiliges Römisches Reich. Der konfes- 


92 


...
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sione//e Gegensatz 1648 bis 1806. Quellen und Studien zur Geschichte und Kultur Bran- 
denburg-Preußens und des Alten Reiches I. Potsdam 1995. Zur neuesten Literatur über die 
Geschichte der Germania Sacra s. den bibliographischen Überblick von A. A. Strnad, Auf 
den Spuren der Germania Sacra. Neuere Publikationen zu den geistlichen Fürstentümern 
im Heiligen Römischen Reich, in: Innsbrucker Historische Studien (lHSt) 20/2 I, Innsbruck 
1999, S. 323-398. 
2 In den AusteIlungskatalogen 1987-1998 ist die neueste Literatur zum Deutsche Orden 
ausgewiesen: s. ferner H. Boockmann, Neuerscheinungen zur Geschichte des Deutschen 
Ordens, Zeitschrift für Historische Forschung 8, 1981, S. 461-468; U. Arnold, Deutsch- 
sprachige Literatur zur Geschichte des Deutschen Ordens 1980-1985, Zeitschrift für Hi- 
storische Forschung 14. 1987, S. 197-224; B. Demei, Kurfürst Clemens August von Bayern 
(/700-/761) als Hoch- und Deutschmeister, in: Clemens August. Fürstbischof. Jagdherr, 
Mäzen. Eine kulturhistorische Ausstellung aus Anlaß des 250jahrigen Jubiläums von Schloß 
Clemenswerth. hg. v. L. Emsland, Bramsche 1987, S. 79-108; 800 Jahre Deutscher Orden. 
Ausstellungskatalog des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg in Zusammenarbeit 
mit der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens. 
Gütersloh-München 1990; Kreuz und Schwert. Der Deutsche Orden in Südwestdeutsch- 
land. in der Schweiz und im Elsaß, Ausstellungskatalog Mainau 199 I; Ritter und Priester. 
Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Nordwesteuropa, Ausstellungskatalog der Land- 
commanderij Aiden Biesen. hg. v. U. Arnold. C. G. De Dijn. M. van der Eycken, J. Mertens 
und L. de Ren, Bilzen 1992; Die Leechkirche. Hügelgrab - Rundbau - Ordenshaus. 
Ausstellungskatalog des Grazer Stadtmuseums, hg. v. G. M. Dienes, F. Leitgeb, H. Leitgeb, 
Graz 1993; D. J. Weiß, Deutscher Orden, in: Die Territorien des Reichs im Zeitalter der 
Reformation und Konfessionalisierung. Land und Konfession 1500-1650. hg. v. A. Schind- 
ling, W. Ziegler. Katholisches Leben und Kirchenreform im Zeitalter der Glaubensspaltung 
(KLK) 56, Münster 1996, S. 224-248; ders., Der Deutsche Orden zwischen Hospitaldienst 
und Territorialherrschaft, Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 18. 1999. S. 111- 
-128; H. Boockmann, Der Deutsche Orden. Zwolf Kapitel aus seiner Geschichte, München 
4 1994 ; J. Mertens, Van Page tot Landcommandeur. Opleiding, intrede en promotie in de 
Duite Orde, en militaire loopbaan van de ridders van de balije Biesen in 18 de eeuw. 
Bijdragen tot de geschiedenis van de Duite Orde in de Balije Biesen 5, Bilzen 1998; 
C. Naumann-Unverhau, Vom Spital zur Rittergemeinschaft. Kaiser Heinrich VI. und die 
Frühzeit des Deutschen Ordens, Jahrbuch des Historischen Vereins flIr Wtirttembergisch 
Franken 83, 1999, S. 7-2 I. 
3 Von Aretin, Das Alte Reich (wie Anm. 1). Bd. I, S. 104f. Diese Aussagen des Autors 
verwundern sehr. weil die Geschichte des Deutschen Ordens im Alten Reich in den letzten 
dreißig Jahren intensiv erforscht worden ist, auch dieser Autor lange genug dem Deutschen 
Orden im Wiener Haus, -Hof- und Staatsarchiv (HHStA) in den von ihm konsultierten 
Quellen begegnet sein muß. 
4 VgI. W. Dotzauer, Die deutschen Reichskreise in der Verfassung des Alten Reiches 
und ihr Eigenleben (/500-1806), Darmstadt 11989, hier S. 57, erweitert in: ders., Die deut- 
schen Reichskreise (/383-1806). Geschichte und Aktenedition, Stuttgart 1998. hier bes., 
S. 382 und 388; ders., Der Kurrheinische Reichskreis in der Verfassung des Alten Reiches, 
Nassauische Annalen 98, 1987. S. 61-104. Zu den Reichskreisen vgl. Regionen in der frü- 
hen Neuzeit. Reichskreise im deutschen Raum, Provinzen in Frankreich, Regionen unter 
polnischer Oberhoheit. Ein Vergleich ihrer Strukturen, Funktionen und ihrer Bedeutung. 
hg. v. P. C. Hartmann, Zeitschrift für Historische Forschung, Beiheft 17, Berlin 1994; vgI. 
ferner dazu B. DemeI, Der Deutsche Orden und das Regiment Hoch- und Deutschmeister 
von 1695-bis 1918. Oberblick und neue Erkenntnisse, in: ders., Der Deutsche Orden einst 
und jetzt. Aufstitze zu seiner mehr als 800 jährigen Geschichte, Europäische Hochschul- 


93 


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schriften, Reihe 111: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 848, Frankfurt/Main- 
-Berlin-Bern-Brüssel-New York-Wien 1999, S. 85-115, hier bes. S. 88. mit Anm. 25. 
5 Zu den Anfängen der Balleien Thüringen und Sachsen vgl. Deutschordenszentral- 
archiv (DOZA) Hs 41 I, fol. 160-169; K. Militzer, Von Akkon zur Marienburg. Verfassung 
Verwaltung und Sozialstruktur des Deutschen Ordens 1190-1309, Quellen und Studien zur 
Geschichte des Deutschen Ordens (QuStDO) 56, Marburg 1999, S. 267-280. Zur folgenden 
Zeit für die dem Deutschmeister unterstellten Ordensprovinzen, s. ders., Die Entstehung der 
Deutschordensballeien im Deutschen Reich, QuStDO 16, Marburg 2 I 98 I. S. 160- I 62; für 
die Neuzeit s. nun B. DemeI, Die Ballei Thüringen des Deutschen Ordens-Vorgeschichte- 
-Reformationszeitalter-Ausblick, in: ders., Der Deutsche Orden (wie Anm. 4), S. 8-56. 
Über beide Balleien des Ordens arbeite ich an einer nähere Details noch erfassenden Studie. 
6 Zur Person s. B. DemeI, Die Beziehungen der Starhemberger zum Deutschen Orden, 
in: 1933-1993. Festschrift 60 Jahre K. L. Ö. Starhemberg, Wien 1993. S. 33-56. 
7 Zu ihm vgl. P. Stenitzer, Die Deutschordensprovinz Österreich unter der Führung des 
Komturs und Balleioberen Johann Joseph Philipp Graf Harrach (/678-1764). Studien zur 
grundherrschaftlichen, kirchlich-seelsorglichen und karitativen Aufgabenstel/ung des Deut- 
schen Ordens in Nieder- und Oberösterreich, Kärnten, Steiermark und Krain 1712-1764, 
Diss. phil. masch., in zwei Bde., Wien 1992. 
8 Zur Person vgl. nun H. Hinsen, Kaspar Anton von Belderbusch und der Einbruch der 
Aufklärung in Kurköln: Kurkölnische Innenpolitik von 1761-1784, Diss. phil. masch. Bonn 
1952; M. van der Eycken, Ridders, priesters en zusters van de Balije Biesen (/220-1809), 
in: ders., U. Arnold, J. Mertens, Leden van de Duitse Orde in den Balije Biesen, Bijdragen 
tot de Geschiedenis van de Duitse Orde in de Balije Biesen, Bd. I, Bilzen 1994, S. 29, 165, 
168. 172, 174f. Siehe ferner W. D. Penning, Caspar Anion von Belderbusch (/722-/784). 
Personlichkeit und Politik im Umkreis dreier Kurfürsten. Ein Beitrag zur Geschichte des 
..Aufgeklärten Absolutismus" in Kurköln, in: Im Wechselspiel der Kräfte. Politische Ent- 
wicklungen des 17. und 18. Jahrhunderts in Kurköln, hg. v. F. G. Zehnder, W. Schäfke in 
8 Bde., Köln 1999-2000, hier Der Riss im Himmel, Bd. 11. Köln 1999, S. 96-159 (mit 
wichtiger Spezialliteratur). 
9 Die Personalia der Deutschordensritter wurden und werden anhand der Quellen und 
Literatur weiterhin intensiv erforscht. Als Einstieg vgl. H. Hartmann, Deutschordensritter 
in den Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts, in: Von Akkon bis Wien. Studien zur Deutsch- 
ordensgeschichte vom 13. bis zum 20. Jahrhundert. FS zum 90. Geburtstag von Alt- 
hochmeister P. Dr. Marian Tumler am 21. Oktober 1977, hg. v. U. Arnold, QuStDO 20, 
Marburg 1978, S. 228-249; über weitere inzwischen erfaßte Ordensritter s. die Bde. I, 2, 4, 
5, 8-15, 17, 18, 20, 22-38, 40, 41, 43-45, 47-49, 51-55 und 56 der QuStDO. - Über 
die livländischen RitterbrOder s. nun Ritterbrüder im livländischen Zweig des Deutschen 
Ordens, hg. v. L. Fenske I K. MiIitzer, Quellen und Studien zur baltischen Geschichte 12, 
Köln-Weimar-Wien 1993. Zu den inzwischen erfaßten preussischen Ordensrittern vgl. be- 
sonders E. Wermke, Bibliographie der Geschichte von Ost- und Westpreußen von 1933- 
-1974, Marburg 1978; B. Jähnig, Auswahlbibliographie zur Geschichte von Ost- und 
Westpreußen 1975, Zeitschrift fOr Ostforschung (zro) 26, 1977, S. 155-171; 27, 1978, 
S. 175-190; 28. 1979, S. 329-343; 29, 1980, S. 155-171; H. Mrowka I U. Zaborska, Bi- 
bliographie der Geschichte von Ost-und Westpreußen, Bibliographien zur Geschichte und 
Landeskunde Ostmittetleuropas 17, Marburg 1996; K. H. Lampe, K. Wieser, Bibliographie 
des Deutschen Ordens bis 1959, QuStDO 3, Bonn-Godesberg 1975. 
10 Über die Ordenspriester in den Anfängen des Ordens s. Militzer, Von Akkon (wie 
Anm. 5), S. 65-68 und 465-476; flIr die spätere Zeit s. DOZA Hs 41 I, fol. 148f. und fol. 
308-313; B. DemeI, Der Deutsche Orden zwischen Bauernkrieg (/525) und Napoleon 
(/809), in: Von Akkon bis Wien (wie Anm. 9), S. 177-207, hier bes. S. 187-189; ders., 


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Regiment (wie Anm. 4), hier bes. 114 f.; ders., Das Priesterseminar des Deutschen Ordens 
zu Mergentheim, QuStDO 12, Bonn-Godesberg 1972; U. Gasser, Die Priesterkonvente des 
Deutschen Ordens. Peter Rigler und ihre Wiedererrichtung 1854-1897, QuStDO 28, 
Bonn-Godesberg 1973; Ridders, priesters en (wie Anm. 8), S. 22- I 63 und S. 179-188; 
H. J. Dorn, Die Deutschordensballei Westfalen. Von der Reformation bis zu ihrer Auflö- 
sung im Jahre 1809, QuStDO 26, Marburg 1978, S. 2 I 6-220; E. Kustatscher, Die Deutsch- 
ordenspfarre Sarnthein, QuStDO 54, Marburg 1996, S. 556-64 I; dies., Die Pfarre Sch/an- 
ders. Von den Anfängen bis zum Abschied des Deutschen Ordens im Jahre 1811, in: 
Schlanders und seine Geschichte, hg. v. H. Kofler, Bd. I: Von den Anfängen bis 1815, 
Lana/Südtirol 1999, S. 93-284; O. F. Winter, 200 Jahre Pfarre Schottenfeld. Geschichtli- 
cher Überblick, in: Pfarre Sankt Laurenz am Schotten/eid 1786-1986, hg. v. J. Kellner, 
St. Pölten-Wien 1986, S. 19-112, hier bes. S. 86-95. 
11 B. DemeI, Die Sachsenhäuser Deutschordens - Kommende von den Anfängen bis zum 
Verkauf an die katholische Gemeinde Frankfurt am Main im Jahre 1881 - Versuch einer 
Gesamtübersicht, Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 23, 1971, S. 37-72; ders., 
Der Deutsche Orden in den protestantischen Reichsstädten, in: Stadt und Orden. Das Ver- 
hältnis des Deutschen Ordens zu den Stadten in Livland, Preußen und im Deutschen Reich, 
hg. v. U. Arnold, QuStDO 44, Marburg 1993, S. 216-292 (h. Register); J. Seiler, Untersu- 
chungen zur Besitz - und Personengeschichte der Deutschordenskommende Frankfurt im 
Mittelalter, Wissenschaftliche Magisterarbeit an der philosophischen Fakultät 11, Würzburg 
1995; eine Gesamtgeschichte dieses Ordenshauses durch Seiler steht vor dem Abschluß. 
12 Demei, Der Deutsche Orden (wie Anm. I I), It. den im Register ausgewiesenen Seiten. 
13 H. Reber, Die Baugeschichte des Deutschordenshauses, in: Die erste Adresse des 
Landes Rheinland - Pfalz. Geschichte des Deutschordenshauses in Mainz, hg. v. H. Mathy, 
Mainz 1990, S. 9-40. 
14 VgI. z.B. U. Arnold, 800 Jahre Deutscher Orden, Westpreußen - Jahrbuch 40, 1990, 
S. 5-20, hier S. I I. 
IS P.-J. Heinig, Kaiser Friedrich 111. (/440-1493). Hof, Regierung und Politik, For- 
schungen zur Kaiser - und Papstgeschichte des Mittelalters, Beihefte zu J. F. Böhmers, 
Regesta lmperii, 17, in drei Teilen, Köln-Weimar-Wien 1997, hier bes. Teil I, S. 14f. - 
Interessant ist in diesem Zusammenhang die Bemerkung des Mergentheimer Deutschorden- 
spriesters, Geistlichen Rates und dortigen Seminardirektors Dr. Georg Peter Hoepfner in 
seiner auf archivalischen Unterlagen des Ordensarchivs fußenden Bemerkungen zum gühi- 
gen Ordensbuch (mit Regeln und Statuten) vom 26. September 180 I (s. DOZA Hs 2 I 8, 
foI. 1-21, hier bes. foI. 4; Druck in: Sammlung der neuesten Regeln, Statuten und Verwal- 
tungsvorschriften des deutschen Ritterordens 1606-1839, Wien 1840, S. 57-69, hier S. 58), 
wo dieser historisch versierte Ordensgeistliche zwar schon die Einbindung des Deutschmei- 
sters Ulrich von Lentersheim (1454-1479) fur 1471 (vgI. Neue und vollständigere Samm- 
lung der Reichs-Abschiede, 4 Teile, hg. v. E. A. Koch, Frankfurt am Main 1747, ND Osna- 
brück 1967, hier I. Theil, S. 243) in die damals sich verfestigende Reichsverfassung als 
Fürst erwähnt. Nach den Forschungen von H. H. Hofmann, Der Staat des Deutschmeisters. 
Studien zu einer Geschichte des Deutschen Ordens im Heiligen Römischen Reich Deutscher 
Nation, Studien zur bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte, Bd. 1II, München 
1964, S. 110 (Anm. 135), erfolgte die Verleihung der Reichsregalien an den Nachfolger 
Lentersheims, Andreas von Grumbach (1489- 1499), aufgrund des Reichsregisters Bd. 10/1, 
fol 23r und v im HHStA - von P. Dr. Klemens Wieser OT für diesen Autor ermittelt - 
erst am 16. September 1494 zu Löwen. Hoepfner irrt zwar aufgrund der ihm durch Archiv- 
verluste auf der Horneck erklärbaren Archivlage, liegt aber mit der Einbindung des Deut- 
schmeisters in die Reichsentwicklung richtig, die um 1470 ja eine Emanzipation von 
den älteren päpstlichen Verboten einer Belehnung geistlicher Personen mit weltlichen 


95 


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Reichswürden voraussetzt. - Wichtige verfassungsgeschichtliche Untersuchungen nun von 
T. Willich, Der Rangstreit zwischen den Erzbischöfen von Magdeburg und Salzburg sowie 
den Erzherzogen von Österreich. Ein Beitrag zur Verfassungsgeschichte des Heiligen 
Römischen Reiches Deutscher Nation (ca. 1460-1535), Mitteilungen der Gesellschaft für 
Salzburger Landeskunde 1994, S. 7- I 66, hier bes. S. 16f., 31. 37f. 
16 Koch (wie Anm. 15), hier 2. Theil, S. 23; H. Angermeier, Die Reichsreform 1410-1555. 
Die Staatsproblematik in Deutschland zwischen Mittelalter und Gegenwart, München 1984, 
S. 164- 184; C. Göbel, Der Reichstag von Worms 1495, Diss. phi!., Gießen 1992. 
17 Zur persönlichen Präsenz des Deutschmeisters Andreas von Grumbach, der fortan in 
das gesamte Reichstagsgeschehen eingebunden ist, s. Deutsche Reichstagsakten (weiterhin 
zit. DRTA), Mittlere Reihe (weiterhin zit. MR) V. Bd., Bd. I Teil 1-2 und Bd. 11, bearb. 
von H. Angermeier, Göttingen 1981, hier Bd. I, Teil I, S. 462 und 464, 478,541; Bd. I Teil 2, 
S. 641, 695, 937f. (MaximiIian bestätigt am 20. Juli 1495 dem DO seine Freiheiten und 
Privilegien, insbesondere die Befreiung von allen Steuern und Abgaben), 1136, I 173, und 
Bd. 11, S. 1692 und 1694. 
18 Boockmann, Der Deutsche Orden (wie Anm. 2), S. 2 I 6, worauf Willich, Rangstreit 
(wie Anm. 15), S. 126, mit Anm. 38, unter der Zitierung der ersten Auflage Boockmanns 
(München 1982) Bezug nimmt. 
19 HHSt _ Antiqua - Reichskanzlei (RK) - Reichstagsakten (RTA) - Fasz. 2, fol. 70r; 
A. Herrmann, Der Deutsche Orden unter Walter von Cronberg (/525-1543). Zur Politik 
und Struktur des.. Teutschen Adels Spitale" im Reformationszeitalter, QuStDO 35, Bonn- 
-Godesberg 1974 S. 22; Willich, Rangstreit (wie Anm. 15), S. 96 mit Anm. 635 (aufS. 157). 
20 Für diese reichsrechtliche Stellung des Hoch-Deutschmeisters stütze ich mich auf 
sämtliche geprüfte RT A - Akten des Meinzer Erzkanzlerarchiv (MEA) im HHStA in den 
Fasz. 4d (zu 1526) bis Fasz. 722 (zum Ende 1805) und jene ebd., vorhandenen RTA - 
Akten der RK - Fasz. 2 (zu 1524) bis Fasz. 414 (zu 1773-1806). - Bereits beim Reichs- 
abschied zu Speyer (1529) (HHStA - MEA - RTA - Fasz. 4d, fol. 288r) ist der Or- 
densadministrator Walter von Cronberg nach dem Kardinal - Erzbischof von Salzburg und 
vor Bamberg und Würzburg gereiht; vg!. ferner B. Demei, Der Deutsche Orden und die 
Stadt Neckarsulm (/484-1805), Jahrbuch fUr fränkische Landesforschung 45, 1985, S. 17- 
-196, hier bes. S. 21-27. 
21 HHStA - MEA - RTA - Fasz. 705 (im Reichsfürstenratsprotokoll vom 7.01.1805); 
vgl. ferner ebd.. Fasz. 706 zur weiteren Tätigkeit des letzten Deutschordensvertreters am 
Immerwährenden Reichstag Karl Philipp Ernst Freiherr von Nordeck zur Rabenau. Zu ihm 
vgl. K. OIdenhage, Kurfürst Erzherzog Maximilian Franz als Hoch- und Deutschmeister 
(/780-1801), QuStDO 34, Bad Godesberg 1969, S. 55, 80, 159, 167, 170, 198f., 287, 296, 
323 und S. 366. 
22 B. Demei, Das Verhältnis des Deutschen Ordens zu den Päpsten und zur Römischen 
Kurie vom 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, in: ders., Der Deutsche Orden (wie 
Anm. 4), S. 212-302. 
23 Herrmann, Der Deutsche Orden (wie Anm. 19), S. 33; H. Boockmann, Deutsche Ge- 
schichte im Osten Europas. Ostpreußen und Westpreußen, Berlin 1992, S. 235-240 und S. 
456f., mit den Anm.; ders., Der Deutsche Orden (wie Anm. 2), S. 2 I 9f. 
24 H. von zur Mühlen, Livland von der Christianisierung bis zum Ende seiner Selbstän- 
digkeit (etwa 1180 bis 156/), in: Deutsche Geschichte im Osten Europas. Baltische Länder, 
hg. v. G. von Pistohlkors, Berlin 1994, S. 166-172; K. Militzer, Die geistlichen Landesher- 
ren, in: Sozialgeschichte der baltischen Deutschen, hg. v. W. Schlau, Köln 22000, S. 47-62; 
Fenske I Militzer, Ritterbrüder (wie Anm. 9), S. 11-798, hier bes. S. I I. 
25 B. Demei, Der Deutsche Orden und die Krone Frankreichs in den Jahren 1648-1789, 
in: Der Deutsche Orden und die Ballei Elsaß - Burgund. Die Freiburger Vorträge zur 800 


96 


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- Jahr - Feier des Deutschen Ordens, hg. v. H. Brommer, Veröffentlichungen des Ale- 
mannischen Instituts Freiburg i. Br., Nr. 63, Bühl/Baden 1996, S. I 18- 121. 
26 W. Sygle, Die Deutschordenskommende Rothenburg ob der Tauber in den Zeitalter 
der Reformation, der Gegenreformation und des dreißigjährigen Krieges bis zu ihrer Auf- 
lösung im Rahmen der Ordensgeschichte und der gesamtdeutschen Lage betrachtet, Diss. 
Erlangen 1944, Druck Augsburg 1951, S. 187-205 und Beilagen IV-XI, S. 245-252. 
27 J. Geirni, Im Zeitalter der Reformation und Konfessionalisierung, in: Der Deutsche 
Orden in Tirol. Die Ballei an der Etsch und im Gebirge, hg. v. H. Noflatscher, QuStDO 43, 
Bozen-Marburg 1991, S. 171-196, hier bes. 195f. 
28 HHStA - MEA - RTA - Fasz. 12, fol. IOr, 32r-33r, 35r, foI. 63r-64v (mit 
den Kriegsleistungen des DM und der Balleien Elsaß und Koblenz). foI. 283v (zur Situ- 
ation in der Ballei Thüringen), fol. 393r-402v, fol. 409r-413v, foI. 653r-670v, und 
fol. 734v (Feldzugsplan des Kaisers); ebd., RK - Fasz. 19, o. foI.; DOZA GK 702/1. fol. 
177-183; B. Demei, Mergentheim - Residenz des Deutschen Ordens (/525-1809), Zeit- 
schrift fllr württembergische Landesgeschichte (ZWLG) 34/35, 1975/1976 (erschienen 1978), 
S. 142-212, hier bes. S. 186. 
29 Demei. Mergentheim (wie Anm. 28), S. 186f. 
30 Ebd., S. 188; wichtiges geprüftes Material s. Staatsarchiv Ludwigsburg (StAL) B 298 
und 299; DOZA Hs 436, fol. 84r-107r (zu Mergentheim und Umgebung); über weitere 
Kiegsschäden in den einzelnen Ordensballeien, so z.B. in der Ballei Sachsen s. Staatsarchiv 
Wolfenbüttel (StA Wf) 8 N V, Nr. 264; über die Folgen von Kriegshandlungen für die ge- 
nannten Ordensprovinzen (Sachsen, Thüringen. Westfalen, Hessen und Lothringen) wurde 
in einer Eingabe an den Regensburger Reichstag vom 23. November 1640 (HHStA - MEA 
- RTA - Fasz. 146a, foI. 15r-16r mit Vermerk 16v) gehandelt. auf die eine kaiserliche 
Schrift an die Vertreter des Kurmainzers vom 17. November 1640 (ebd., RTA - Fasz. 146 a, 
foI. 17r-19r, mit Vermerk 20v.) bezüglich der Moderation der Reichsanschläge des Hoch- 
und Deutschmeister schon ergangen war. S. ferner J. Voigt, Geschichte des Deutschen Rit- 
terordens in seinen zwölf Balleien in Deutschland in zwei Bänden, Berlin 1857 und 1859, 
ND Neustadt a.d. Aisch 1991, hier Bd. 11, S. 354f.; über die Folgen s. ebd., S. 357-360; 
B. Demei, Der Deutsche Orden und seine Besitzungen im südwestdeutschen Sprachraum 
vom 13. bis 19. Jahrhundert, ZWLG 3 I, 1972, erschienen 1973, S. 16-73, hier bes. S. 58; 
ders., Neckarsulm (wie Anm. 20), S. 60-64; ders., Der Deutsche Orden und die Stadt Gun- 
deisheim. in: ders., Der Deutsche Orden (wie Anm. 4), S. 116-21 I, hier bes. S. 174-178. 
31 DemeI. Krone (wie Anm. 25) mit umfangreichen Belegen. 
32 StAL B 293111 Bü 180 (Kriegserklärung und kaiserliches Kommissionsdekret von 
1702) und ebd., B 298 Bü 216 (zu 1703), ebd., Bü 221. 225 (Matrikelmoderation für den 
Orden); Demei, Neckarsulm (wie Anm. 20), S. 75-87. 
33 Auf welche Weise es dem kaiserlichen Hof gelang, an die Geldmittel des Ordens her- 
anzukommen. zeigt Demei, Clemens August (wie Anm. 2), S. 92-95 und S. 107[., mit den 
Anm. 259-296. 
34 Oldenhage. Kurfürst (wie Anm. 2 I), S. 263-277; zum reichsgeschichtlichen Hinter- 
grund bis zum Preßburger Frieden, in den der Orden wegen seiner Reichs - und mehrfa- 
chen Kreisstandschaft (in Franken, Kurrhein und Schwaben) aufs engste eingebunden war, 
s. HHStA - MEA - RTA - Fasz. 660-706; ebd. RK - RTA - Fasz. 262-266 bund 
Fasz. 364-374 (für die Jahre 1789-1806) und Fasz. 408-412 (für die Jahre 1790-1806); 
K. Härter, Reichstag und Revolution 1789-1806. Die Auseinandersetzung des Immerwäh- 
renden Reichstags zu Regensburg mit den Auswirkungen der Französischen Revolution auf 
das Alte Reich, Schriftenreihe der historischen Kommission bei der bayerischen Akademie 
der Wissenschaften 46, Göttingen 1992; über die Situation zur Zeit des Korsen s. die Spezial- 
studie von F. Täubl, Der Deutsche Orden im Zeitalter Napoleons, QuStDO 4, Bonn 1966. 


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35 HHStA _ MEA - RTA - Fasz. 377, foI. 9r und v (das Verzeichnis der Reichstags- 
vertreter des Ordens von 1663 bis 17 I 9; ident. mit dem gedruckten Verzeichnis im DOZA 
Rei - Fasz. 68/1); für die folgende Zeit bis Ende 1805 wurden die Namen der Ordensge- 
sandten die Akten des HHStA - MEA - RTA - Fasz. 446 (zu 1733) bis 1905 (ebd. MEA 
_ RTA - Fasz. 705) und ebd. HHStA - RK - RTA - Fasz. 414 foI. 332 r. herangezo- 
gen; zum Ganzen vgI. schon C. G. Oertel, Vollständiges und zuverläßiges Verzeichnis der 
Kaiser, Churfürsten, Fürsten und Stände des Heil. Röm. Reichs wie auch Derselben und 
auswärtige Mtichte Gesandtschaften. welche bey dem fürwährenden Reichs-Tage, von sei- 
nem Anfange 1662 an, biß zum Jahr 1760. sich eingefunden haben, Regensburg 1760, hier 
bes. S. 44-46, 145 (flIr die Ballei Koblenz) und ebd., S. 146 (flIr die Ballei Elsaß.- 
Burgund). 
36 HHStA _ geistliche Wahlakten (GW A) - Fasz. 42a (zur Wahl 17 I 6 in Kurtrier). Zur 
Person dieses Hochmeisters mit neuesten Quellenverweisen, s. B. Demei, Franz Ludwig 
von Pfalz - Neuburg, in: Die Hochmeister des Deutschen Ordens von 1190-1994, hg. 
v. U. Arnold, QuStDO 40, Marburg 1998, S. 239-246; ferner ders.; Franz Ludwig von 
Pfalz - Neuburg als Hoch - und Deutschmeister (1694-1732) und Bischof von Breslau 
(1683-1732), Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität (JSFWU) 36/37, 
1995/1996, S. 93-150. Die Charakterisierung dieses Pfalz-Neuburgers von Hubert Wolf in 
seinem Vortrag: Menschenfischer - Pfründenjäger, in: Ellwanger Jahrbuch 37, 1997/98 
(erschienen 1999), S. 15-37 beruht nur auf neuster Literatur aber keinen neuen Quellen- 
studien im StAL und in Wien. 
37 V gI. z.B. die Kopie des Preußenkönigs an den Kaiser aus Berlin vom 8. Januar 1735 in 
Sachen der kurkölnischen Maßnahmen bezüglich Plettenbergs, die im HHStA - MEA - 
RT A - Fasz. 458 Nr. 138, verwahrt ist. (Ein weiterer Hintergrund - vgI. Anm. 39 - sind 
die bis ins 19. Jahrhundert laufenden - stets ineffektiven, - auf dem Forum des Reichs- 
tags und sonst umfangreich gefUhrten Rekuperationsbemühungen des Ordens um das preu- 
ßische Ordensland), die in den Reichstagsakten (im HHStA - MEA und ebd., in der RK) 
vorhanden sind und von mir geprüft wurden. 
38 VgI. Herrmann, Der Deutsche Orden (wie Anm. 19), S. 38-97. 
39 VgI. HHStA - MEA - RTA - Fasz. 5 (1530) bis 706 (Ende 1805) und ebd., RK- 
RTA-Fasz. 3 (1530) bis 414 (1806), hier z.B., die Gravamina des Ordens in Sachen Reku- 
peration Preußens s. ebd., RK - RTA - Fasz. 90, foI. 81r-83v mit Vermerk 84v. (zum 
Jahre 1613); weiteres Material in den Bänden 17 und 27 der QuStDO mit dem Material aus 
der Ordenskanzlei, auf die sich allein U. Arnold in seiner Studie: Mergentheim und Konigs- 
berg/Berlin - die Rekuperationsbemühungen des Deutschen Ordens auf Preußen, in: Jahr- 
buch des Historischen Vereins fUr WUrttembergisch Franken 60, 1976, S. 14-54 stUtzt. Ich 
selbst berufe mich auf die zusätzlich geprüften Akten der zitierten Reichstagsüberlieferung 
und die Akten aus den Jahren 1627 bis 1654 im HHStA - Reichshofrat (RHR) - A - 
Fasz 963/1 und 970/2 (zu 1569-1580). 
40 HHStA - MEA - Reichsmatrikelmoderation (RMM) - Fasz. la-37 (für die Jahre 
143 I /1 545 bis 1721 mit wertvoller einschlägiger Korrespondenz des Hochmeisters an die 
Reichsorgane). Zusätzliches umfangreiches Material zu den Matrikelmoderationsbitten des 
Ordens an den Reichstag für die Jahre 17 I 9- 1722 mit den Moderationsbitten der Landkom- 
ture von Koblenz und Elsaß - Burgund, auch des Hoch- und Deutschmeister zugunsten 
des RKG s. HHStA - MEA - RTA - Fasz. 378 bis 395. 
41 Die Kreispolitik im Allgemeinen und die des Deutschen Ordens im Besonderen ist erst 
in einigen Phasen erhellt, z.B. Dotzauer, Die deutschen Reichskreise (wie Anm. 4). 
Korrigierend muß zu dieser 2. Auflage (vgI. S. 382) und schon zur ersten Auflage dieses 
Buches (Darmstadt 1989, S. 57) vermerkt werden, daß nach dem geprüften Zeugnis des 
vom Kurmainzer gefllhrten Reichsarchivs und der RK der Deutsche Orden nur bis zum 


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Westfälischen Frieden an einer Kreisstandschaft seiner alpinen Balleien Etsch und Öster- 
reich in diesen österreichischen Reichskreis festhalten konnte, wobei letzte GrUnde bis jetzt 
erstaunlicherweise nicht entdeckt werden konnten, wo doch der Ritterorden an all seinen 
noch ins Spätmittelalter zurückreichenden Strukturen mit Zähigkeit und Energie festhielt 
und alle diplomatischen Kanäle benützte, um keinen Verlust zu erfahren. 
42 Zusätzlich zu den erwähnten BemUhungen in Sachen Moderation der Reichsanschläge 
über die jeweiligen Kreise, die Reichsversammlungen unter besonderer Heranziehung des 
Kurerzkanzlers und der Bitte an das Reichsoberhaupt (vgl. Anm. 40) sind auch die Frank- 
furter Reichsverhandlungen von 1654-1662 (HHStA - MEA - RTA - Fasz. 193-199 
und ebd. RK - RTA - Fasz. 13 1-134, 135 a-c, 136-144, 145a und b) bedeutsam gewor- 
den, weil dadurch der Orden in den Besitz der durch den 30jährigen Krieg vielfach verwü- 
steten Ordensniederlassungen gelangt ist. Zum Hintergrund vgI. M. Schnettger, Der Reichs- 
deputationstag 1655-1663. Kaiser und Sttinde zwischen Westfälischem Frieden und 
Immerwährenden Reichstag, Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der neueren 
Geschichte e. V., Bd. 24, Münster 1996. 
43 Vgl, z.B. DOZA U Orig. vom 4. Dezember 1562, Obligation Ferdinands I. über 
15 000 fl., die auf zwei Jahre zinsfrei vom Hoch- und Deutschmeister an den Kaiser ge- 
währt wurde; s. ferner ebd. V 5 I, das Bittschreiben der ungarischen Stände an den Hoch- 
und Deutschmeiter um TUrkenhilfe vom 20. 12. I 556; bereits im Jahre 1565 gewährte der 
Deutsche Orden Kaiser MaximiIian 11. aus Mitteln der Ballei Franken auf zwei Jahre eine 
zinslose Türkenhilfe von 20000 fl.: Akten s. StAL B 324, Bü 193: vgl. ferner Demei, Franz 
Ludwig (wie Anm. 36), S. 109f; ders., Zur Geschichte des Infanterieregiments Hoch- und 
Deutschmeister (/695-1918), in: ders.; Der Deutsche Orden (wie Anm. 4), S. 91-115, hier 
bes. S. 99f. 
44 Das in der Edition der Deutschen Reichstagsakten Jüngere Reihe (DRT AJR) nicht 
berücksichtigte Original der entscheidenden W ormser Reichsmatrikel von 152 I findet sich 
im HHStA - MEA - RMM Fasz. la, foI. Ir-13v. 
45 StAL B 298, Bü 221 und Bü 225, Druck in: J. J. Pachner von Eggenstorff, Vollständi- 
ge Sammlung aller von Anfang des noch fürwährenden Teutschen Reichs-Tags de Anno 
1663 biß anhero abgefaßten Reichs - Schlüsse, Historia Scientiarum. Ein Editions - Pro- 
gramm der Franz Thyssen Stiftung zur Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. in 
5 Bänden, Regensburg 1740, ND Hildesheim - Zürich - New York 1996. hier Bd. II1, 
Nr. LXXX, S. I 15, Reichsgutachten des Anschlags zugunsten des Deutschen Ordens vom 
4. Juni 1704 und ebd., Nr. CXXV, S. 166f., das kaiserliche Kommissionsdekret vom I I. 
Januar 1706. Der kaiserliche Prinzipalkommissar Kardinal Johann Philipp von Lamberg 
hatte dem Hoch - und Deutschmeister bereits am 13. August 1704, Orig. s. StAL B 298, 
Bü 210, aus Wien über seine Aktivitäten zugunsten dieses Ordensanliegens informiert. 
46 Voigt, Geschichte (wie Anm. 30), hier Bd. 11, S. 632-636. 
47 HHStA - MEA - RMM 
 Faz. la, fol. 5v. (ohne den RKG - Beitrag); zu den vier 
hochmeisterlichen Kammerballeien und deren Reichsleistung s. ebd., MEA - RMM I a, 
foI. 7r. Alle Leistungen bei Zeumer, Quellensammlung (wie Anm. I), Bd. 11, S. 3 I 4. Über 
die Leistungen der Ordensballei Koblenz im 17. und 18. Jahrhundert fllr das RKG über den 
kurrheinischen Reichskreis vgl. HHStA - MEA - RKG - Fasz. 73 (zu 1658/1660 bis 
1678), ebd., Fasz. 78 (flIr die Jahre 1675-1790) und ebd., Faz. 90 (flIr die Jahre 1693- 
- 1723/1728). - Zu den späteren RKG - Beiträgen des Ordens s. H. S. G. Gumpelzhaimer, 
Die Reichs - Matrikel aller Kreise. Nebst den Usual - Matrikeln des kaiserlichen Reichs 
- Kammergerichts. Mit beygefügten, seit deren Entstehung bis auf gegenwärtige Zeit er- 
folgten Veränderungen. Nebst einem Register, Ulm 1796, S. 2 I (flIr das Deutschmeister- 
turn), S. 68 (flIr die Ballei Elsaß-Burgund) und S. 142 (für die Ballei Koblenz). 
48 Zeumer, Quellensammlung (wie Anm. I), S. 3 I 5. 


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49 Einzelheiten in StAL B 298, Bü 198. 
50 Zum allgemeinen Hintergrund s. A. Laufs, Reichskreise, in: HRG IV, Sp. 681-687. 
zum fränkischen Reichskreis s. B. Sicken, Der frankische Reichskreis. Seine Amter und 
Einrichtungen im 18. Jahrhundert, Veröffentlichungen der Gesellschaft flIr fränkische 
Geschichte, Fotodruckreihe Bd. I, Würzburg 1970; ders., Heeresaufbringung und Koa- 
litionskriegführung im Pfälzischen und Spanischen Erbfolgekrieg, in: Rahmenbedingun- 
gen und Handlungsspielräume europäischer Außenpolitik im Zeitalter Ludwigs XIV., hg. v. 
H. Duchardt in: ZHF, Beiheft 1 I, Berlin 1991, S. 89-134; B. Sicken, Das Wehrwesen des 
fränkischen Reichskreises. Aufbau und Struktur (/681-1714) in zwei Bde., Nürnberg 1967; 
ders., Der Fränkische Kreis im Zeitalter der Aufklärung. - Institution des Reichs oder 
staatenbündischer Zusammenschluß?, in: Hartmann, Regionen (wie Anm. 4), S. 61-77. - 
Zum Münzwesen im Reich vgI. ferner T. Christmann, Das Bemühen von Kaiser und Reich 
um die Vereinheitlichung des Münzwesens. Zugleich ein Beitrag zum Rechtsetzungsverfah- 
ren im Heiligen Römischen Reich nach dem Westfälischen Frieden, Schriften zur Rechtsge- 
schichte 4 I, Berlin 1988. Über die mehrfache Kreisstruktur war der Orden in die allgemei- 
nen Reichsbestimmungen bezüglich des Münzwesens eingebunden. Umfangreiches Material 
dazu vgI. im DOZA MO Kart 22-39. Zur Münzgeschichte des Ordens vgI. ebd. die Hs 234, 
Versuch einer Münzgeschichte und Bd. 6 der QuStDO. Hoch- und Deutschmeister Cron- 
berg hatte im Jahre 1534 in seiner - vorerst noch provisorischen - Residenz Mergentheim 
eine eigene Münzstätte errichtet und begann noch im gleichen Jahr mit dem Prägen von 
Pfennigen und Batzen: DOZA Hs 436, fol. 60r und v. 
51 Druck des Reichsabschiedes bei Zeumer, Quellensammlung (wie Anm. I), Bd. 11, 
S. 344-346, Buschmann, Kaiser (wie Anm. I), Teil I, S. 226. Die Folgen sind inzwischen 
erläutert bei Demei, Reichsstädten (wie Anm. I I), S. 234-292. 
52 DOZA Hs 41 I, fol. 143-147; zu den in der sächsischen Ordensballei unter Verzicht 
auf die Gottesmutter und nur die Nennung des Gottesnamens bezüglichen Gelübdeformel 
seit etwa 1729 s. StA Wf 8 N 11 Nr. 12, Bd. 2, fol. 35r-36r und ebd., weitere Balleiakten 
(8 N 11, Nr. 12 Bd. 4 und ebd. 8N 11 Nr. 65 zum Jahre 1739 und ebd. foI. 100r-118v). 
- Zur präzisierten Gelübdeformel seit dem zweiten Drittel des 18. Jahrhunderts in dieser 
lutherischen Ballei mit Blick auf den Augsburger Religionsfrieden und den Frieden von 
1648 vgI. z.B. die darauf Rücksicht nehmenden Akten bzgl. der Ritterschläge seit 1738, die 
ebenfalls im StA Wf 8 N 11 Nr. 49-5 I verwahrt werden. Zur allgemeinen Situation in den 
protestantischen Balleien s. Demei, Thüringen, in: ders., Der Deutsche Orden (wie Anm. 4), 
S. 8-56, hier bes. S. 30-49. 
53 Sammlung (wie Anm. 15), S. 94; Demei, Priesterseminar (wie Anm. 10), S. 196-199. 
54 von Aretin, Das Alte Reich (wie Anm. 1), hier Bd. I, S. 316-338 und S. 4 I 5-420, mit 
den Anm.; M. Heckei, Gesammelte Schriften, hg. v. M. Schlaich in: 4 Bde., Tübingen 
1989-1997, hier Bd. 111, S. 179-203; ferner B. M. Kremer, Der Westfälische Friede und die 
staatsphilosophisch - politischen Toleranzbestrebungen im 18. Jahrhundert, in: FS fiir 
Martin Heckel zum 70. Geburtstag, hg. v. K. H. Kästner, K. W. Nörr, K. Schlaich, Tübingen 
1999, S. 563-588, hier bes. 572-574. 
55 B. DemeI, Von der katholischen zur trikonfessionellen Ordensprovinz. Entwicklllngs- 
linien in der Personalstruktur der hessischen Deutschordensballei in den Jahren 1526- 
1680/81, in: Elisabeth, Der Deutsche Orden und ihre Kirche. FS zur 700jährigen Wieder- 
kehr der Weihe der Elisabethkirche Marburg 1983, hg. v. U. Arnold, H. Liebig, QuSIDO, 
Bd. 18, Marburg 1983, S. 186-28 I. 
56 VgI. die Bestimmung des GK 1671, in: Sammlung (wie Anm. 15), S. 94, nach weIcher 
der Hoch- und Deutschmeister von einem vollständigen Noviziatsjahr nach älterer Praxis 
dispensieren konnte. 
57 Vgl. z.B. DOZA GKP 1735 Sept. 15, Nr. 3 (der Fall eines Ritteraspiranten) und ebd. 


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Merg 323/2 im fränkischen Balleikapitel vom 3. Oktober 1733 zu Ellingen unter Punkt 6 
(bei einem Priesteraspiranten). 
58 Etwa in Ungarn (s. HHStA - RHR - A - 960b/l zu 1627/31 und ebd., A 963/1); 
ferner Sammlung (wie Anm. 15), S. 113-1 17. 
59 Akten zum 18. Jahrhundert im DOZA Cap 791/2 (flIr die Jahre 1737-1779, ebd., Cap. 
802/2 (für 1787-1789) und ebd., Cap. 80415 (für die Jahre 1794-1795); ferner Sammlung 
(wie Anm. 15), S. 113-117; weitere Akten s. DOZA Mi 36/1-4 und Ex. 110/1. 
60 Zu ihm vgl. z.B. die Voraussetzungen bei dem Ordensritter Freiherr von Stein im 
Ausstellungskatalog Nürnberg (wie Anm. 2), IIl. I I. 8, S. 249f. 
61 Vgl. DOZA, Hs 41 I, fol. 114f. Die Hoch- und Deutschmeister waren ja nach den 
Erzbischöfen und vor allen Fürstbischöfen des Reiches auf der geistlichen Bank plaziert. 
62 E. Strehlke. Tabulae Ordinis Theutonici, Berlin 1869 (ND Toronto/Jerusalem 1975) 
mit den Nr. 295-725 (für die Jahre 1191-1494) flIr das Mittelalter; für die Neuzeit s. B. De- 
mel, Das Verhältnis des Deutschen Ordens zu den Päpsten und zur römischen Kurie vom 
16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, in: ders., Der Deutsche Orden (wie Anm. 4), 
S. 2 I 2-302. 
63 Demei, Priesterseminar (wie Anm. 10), S. 23-29 u. ö. 
64 DOZA Hs 41 I. fol. I 46f.; ferner Oldenhage (wie Anm. 21), S. 96 und S. 100f.; 
Demei, Priesterseminar (wie Anm. 10), S. I 66f. 
65 S. DOZA. GK 722/13 (Orig des GK - Abschiedes vom 19. März 1625) und ebd.. 
GK 702/1, fol. 856f. Punkt 7); ferner Sammlung (wie Anm 15). S. 55 und 72. Neueste For- 
schungen dazu bei DemeI. Kurie (wie Anm. 62); über den Vertreter beim Kaiser s. Samm- 
lung (wie Anm. 15), S. 72. 
66 Hartmann, Deutschordensritter (wie Anm. 9); B. Demei, Welfare and Warfare in the 
Teutonic Order: a Survey, in: The Military Orders, Vol. 2, Welfare and Warfare, ed. 
H. Nicholson. Aldershot/Brookfield/Singapore/Sydney 1998, pp. 61-73, hier bes. pp. 70-72; 
ders., Regiment (wie Anm. 4), S. 90. 
67 Zu 1594 s. Johann von Steinhaus vgI. DOZA Ri 389/178 I; ebd., Or 622, Nr. 196; fer- 
ner M. van der Eycken. Ridders. priesters en zusters van de Balije Biesen (/220-1809), in: 
ders., Leden (wie Anm. 8), S. 11-188, hier bes. S. 127. Zu den 1739 drei gefallenen 
Deutschordensritter, s. DOZA GKP 1739 Sept. 15. Nr. 4 (v. Campen), ebd. V 1477 und 
GKP 1739 Nov. 5, Nr. 4 (v. Hasthausen) und ebd. Nov. 9, Nr. 9 bis I I (v. Heydorff). 
68 DOZA V 683/4,2310,2455 und 3867; ebd., Ri 430/1997. 
69 Dazu vgl. den Ausstellungskatalog Die Türken vor Wien. Europa und die Entschei- 
dung an der Donau 1683 (82. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt 
Wien), Wien 1983, S. 36f. - Zum Hintergrund s. ferner G. Wagner, Das Türkenjahr 1664. 
Eine europäische Bewährung. Raimund Montecuccoli, die Schlacht bei Mogersdorf und der 
Friede von Eisenburg (Vasvar), Burgenländische Forschungen, Heft 48, Eisenstadt 1964. 
70 Zu dem Deutschordensritter Johann Heinrich von Epp s. DOZA Ri 104/398; ebd., Or 
622/7-8. Der tirolerische Deutschordensritter Johann Adolph von Epp wurde wegen ge- 
machter Schulden und wegen Desertion in der Schlacht von 1664 dem Kriegsgericht unter- 
stellt und 1665 aus der Ballei Etsch ausgestoßen s. ebd., V 683/4. Zum Ganzen ferner Dorn 
(wie Anm. 10), S. 139, mit Anm. 68; zum Volontier Philipp Freiherr von Wassenaer vgl. 
DOZA Ri 430/1997; ebd., Or 62217-8. - Zum Tod von insgesamt sechs Deutschordensrit- 
ter im Zusammenhang mit der Schlacht von Mogersdorfs. DOZA V. 683/4. 
71 DOZA V 3942; im HHStA - MEA - RTA - Fasz. 261. fol. 23r und v findet sich im 
Bericht des kurmainzischen Direktorialen an seinen kurfürstlichen Herrn vom 16. Septem- 
ber 1683 ein Bericht über den erfolgreichen - Entsatz Wiens am 12. September 1683. 
72 Seinen Tod meldete der Mainzer Kurfllrst Anselm Franz an Hoch- und Deutschmeister 
Ampringen aus Mainz vom 27. September 1683: (Orig. s. DOZA Ri 235/1000). 


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73 DOZA 621/192 und 198; ebd., V. 1604 und 3306; ebd., Ri 122/470. 
74 Ebd., Or 62 I 1I 92. 
75 Ebd., Mi 1/1; Demei, Regiment (wie Anm. 4), S. 95, mit Anm. 72. 
76 Dazu s. DOZA V 1062 (zu 23. Februar 1595); B. Demei, Welfare (wie Anm. 66), 
S. 71, mit Anm. 65. 
77 Zur Person dieses Hoch- und Deutschmeisters vgl. W. Irgang, Johann Caspar von 
Ampringen, in: Arnold, Hochmeister (wie Anm. 36), S. 227-23 I; ferner ders., Eine Lei- 
chenpredigt als Quelle zur Biographie von Johann Caspar von Ampringen (/619-1684), 
Hochmeister des Deutschen Ordens und Oberlandeshauptmann von Schlesien, in: M. We- 
ber und C. Rabe, Silesiographia. Stand und Perspektiven der historischen Schlesienfor- 
schung. FS für Norbert Conrads zum 60. Geburtstag, Wissenschaftliche Schriften des Ver- 
eins flIr Geschichte Schlesiens 4, Würzburg 1998, S. 525-543. 
78 DOZA V 2455. 
79 Eine namentliche Liste der neben Ludwig Anton 1683 eingesetzten Ordensritter stellte 
der Mergentheimer Seminardirektor Johann Philipp Ulsamer (1707- 1729) zusammen: Orig. 
s. DOZA Wel 153/1, ad 82, Nr. 9 - Zur Ernennung Ludwig Antons s. Orig. DOZA U vom 
24. November 1683; Die Datierung dieser U bei M. Lehner, Ludwig Anton von Pfalz- 
-Neuburg (/660-1694). Ordensoberhaupt-General-Bischof, QuStD 48, Marburg 1994, 
hier S. 84, mit Anm. 229, ist demgemäß zu korrigieren. 
80 Lehner, Ludwig Anton (wie Anm. 79), S. 140f. 
81 HHStA - MEA - MiI - Fasz. 26; ferner F. Kahlenberg, Kurmainzische Verteidi- 
gungseinrichtungen und Baugeschichte der Festung Mainz im 17. und 18. Jahrhundert. 
Beiträge zur Geschichte der Stadt Mainz, Bd. 19, Mainz 1963, S. 71; vgl. ebd., auch S. 152 
(über die Entwicklung in der kommenden Zeit). 
82 J. P. von Vaelckeren, Vienna a Turcis obsessa, a Christianis eliberata sive Diarium 
Obsidionis Viennensis. Inde a sexta Maij ad dezimam quintam usque septembris deductum, 
Wien 1983, hier bes. S. 18; ferner Lehner, Ludwig Anton (wie Anm. 79). S. 83f. 
83 Demei, Starhemberg (wie Anm. 6), S. 33-56 (mit neuem Quellenmaterial). 
84 Stenitzer, Die Deutschordensprovinz (wie Anm. 7); Harrach war von Ende Dezember 
1738 bis 1762 Hofkriegsratspräsident und in solcher Eigenschaft der übernächste Nachfol- 
ger des Prinzen Eugen: dazu vgI. - neben Akten zur Person im DOZA Ri 1601Nr. 656 - 
auch O. Regele, Der österreich ischen Hofkriegsrat 1556-1848, Mitteilungen des Österrei- 
chischen Staatsarchivs Ergänzungs - Bd. I, I. Heft, Wien 1949, S. 76. 
85 M. Braubach, Prinz Eugen von Savoyen in 5 Bde, Wien 1963-1965, hier Bd. I, 
S. 249, 25 I f, 254 und bes. S. 258-26 I. - Ein interessanter Schlachten bericht über den 
Sieg bei Zen ta s. im Schreiben des kurmainzischen Reichsdirektorialen Johann Caspar 
Scheffer - zu ihm s. OerteI, Vollständiges (wie Anm. 35), S. 15f. - an seinen Herrn vom 
19. September 1697 aus Regensburg: HHStA - MEA - RTA - Fasz. 296 Nr. 32 mit fol. 
252r-253r. Hier weitere Anlagen foI. 260r-264v. Der Reichstag sandte am 18. September 
1697 ein Glückwunschschreiben nach Wien, das die kurmainzische Kanzlei auszufertigen 
hatte (ebd., foI. 264r und v). 
86 Braubach, Prinz Eugen (wie Anm. 85), hier Bd. 3, S. 341-364, hier bes. S. 354 und 
S.357f. 
87 Zu dieser zeitgenössischen Charakterisierung der Türken s. Z.B. die Aussagen im 
Wahl- und Generalkapitel vom 10. bis 26. Februar 1566 in Mergentheim: DOZA GK 
714/1-7 und GK 702/1, foI. 370 (zu 1566) und ebd., GK 702/1, fol. 741 (zu 1593); ferner 
M. Grothaus, Der.. Erbfeindt christlichen Namens ". Studien zum Türken - Feindbild in 
der Kultur der Habsburgermonarchie zwischen 16. und 18. Jahrhundert, Diss. phil. masch. 
in zwei Bde., Graz 1986; A. Liepold, Wider den Erbfeind christlichen Glaubens. Die Rolle 
des niederen Adels in den Türkenkriegen des 16. Jahrhunderts, Europäische Hochschul- 


102
>>>
schriften Reihe 111: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 767, Frankfurt am Mainl 
IBerlin/BernlNew Y ork/Paris/Wien 1998. 
88 HHStA - MEA - RTA - Fasz. 57 bis 64; vgI. ferner DRTA, Reichsversammlungen 
/556-1662: Der Reichstag zu Speyer 1570, bearb. von M. Lanzinner, 2 Bde., Göttingen 
1988 (mit den im Register zum Deutschen Orden ausgewiesenen Seiten); H. Becker, Der 
Speyerer Reichstag von 1570. Ein Beitrag zur Geschichte des 16. Jahrhunderts, Diss. phil. 
masch., Mainz 1969. 
89 Zum Reichstag vgI. das umfangreiche Material im HHStA - MEA - RT A - Fasz. 
72-76 und infolge davon die Beratungen auf dem Frankfurter Deputationstag von 1577 
(s. ebd., RTA-Fasz. 77-79) und ebd. RK - RTA - Fasz. 53 (hier bes. fol. 109r-112v) 
und RTA - Fasz. 54a-54b (hier bes. fol. 405r-414r = Bedenken zum neuen reichischen 
Ritterorden gegen die Türken). Über den daraufuin veranlaßten Frankfurter Deputationstag 
s. ebd. auch RK - RT A - Fasz. 55. 
90 Zur Person s. T. Nicklas, Um Macht und Einheit des Reiches. Konzeption und Wirk- 
lichkeit der Politik bei Lazarus von Schwendi (/522-1583), Historische Studien, Heft 442, 
Husum 1995; ders., Reichspolitische Beziehungsgeflechte im 16. Jahrhundert. Lazarus von 
Schwendi und der Dresdner Hof, in: Neue Studien zur frühneuzeitlichen Reichsgeschichte, 
hg. v. J. Kunisch, in: ZHF, Beiheft 19, Berlin 1997, S. 182-206, hier bes. S. 204; wichtige 
Spezial literatur zur Person auf die aus Platzgründen verwiesen werden muß, bei R. Schnur, 
Lazarus von Schwendi (J 522-1 583). Ein unerledigtes Thema der historischen Forschung, 
ZHF 14, 1987, S. 27-46; vgI. ebd., S. 181f. (wie Anm. 2-3); H. Noflatscher, Glaube, Reich 
und Dynastie. Maximilian der Deutschmeister (/558-1618), QuStDO I I, Marburg 1987, 
S. 19-22 u.(). (It. dem Register). 
91 W. M. Bauer, Zur Frage der Traditionsbildung am Beginn des bürgerlichen Zeit- 
alters, IHSt 14/15 (1994), S. 221-228, hier S. 223f. 
92 Zum Wohnen des Savoyers in der Heilbronner Deutschordenskommende vgI. den Be- 
fehl des Hoch- und Deutschmeisters (DOZA, GKP 1734 April 27 Nr. 53); die Reaktion des 
Prinzen an den Kurkölner vom 20. Mai 1734: HHStA - GK - Fasz. 76a, foI. 175r und v.; 
in den Fasz. 84a und b, 85b, 86a und 88b und DOZA, GKP 1734-1735 finden sich weitere 
Hinweise zum Aufenthalt des Prinzen Eugen im Heilbronner Raum und Ordenshaus. 
93 Nach einem Schreiben vom 10. Juni 1713 (s. das Depositum im Staatsarchiv Würzburg 
(StAWü), Fasz. 226 zu Damian Hugo an den Prinzen Eugen) hatte der Altenbiesener Land- 
komtur Damian Hugo Graf/Kardinal von Schönborn Prinz Eugen um seine Protektion der 
ihm anvertrauten Ordensballei Altenbiesen gebeten, was sich dann im Rastatter und Bade- 
ner Friedensvertrag für den Orden günstig erweisen sollte: V gI. den Text bei Pachner von 
Eggenstorf, Sammlung (wie Anm. 45), Bd. 3 (Beilage zu CCCCXXXIX S. 630-643, hier 
mit 
 12); zum Hintergrund über die Friedensverhandlungen 1713/14 vgl. die Korrespon- 
denz des Hoch- und Deutschmeisters mit dem Kurerzkanzler im HHStA - MEA - FA - 
Fasz. 86 und 87a. 
94 DOZA Mi 9/1 und ebd. Ri 408/1900. 
95 Zu ihm DOZA Hs 505, Nr. 47 (mit farbiger Ahnentafel und kurzem Lebenslauf); zu 
ihm auch HHStA - GK - Fasz. 272 (im Schreiben Graf Kobenzls an den Hofkriegsrats- 
präsidenten Harrach aus Bonn vom 7. Dezember 1744); s. ferner M. van der Eycken, Leden 
(wie Anm. 8), S. 126. 
96 Zu ihm s. DOZA Hs 505, Nr. 55 (ebenfalls mit Ahnentafel und kurzem Biogramm); 
ferner ebd., V 1145 und 2527, Mi 9/1 und Or 622/1-2; ferner M. van der Eycken, Leden 
(wie Anm. 8), S. 66. 
97 DOZA V 1378, 1397, 1815,3071. 
98 DOZA V 3236. 
99 Zu ihm vgI. W. Irgang, Freudenthai als Herrschaft des Deutschen Ordens 1621-1725, 


103
>>>
QuStDO 25, Bonn-Godesberg 1971, S. 230; ferner Wallfahrts - und Kapuziner - Klo- 
sterkirche Maria Birnbaum (inzwischen wieder im Besitz des Deutschen Ordens). Schnell, 
Kunstfllhrer Nr. 401 von 1939 CI 983), S. 2f.; B. Schütz, Die Wallfahrtskirche Maria Birn- 
baum und ihre beiden Baumeister, Kieler Kunsthistorische Studien 4, Bern-Frankfurt/Main 
1974, S. 62-78. 
100 DOZA, Wcl 131/2, fol. 160r-162r; ebd., fol. 163r (Bericht aus Rom vom 24. Novem- 
ber 1652); die Reaktion des Ordens aus Regensburg auf Kaltenthais Berichte vom 6. Januar 
1653 s. ebd., Wel 135/2, fol. 295r und v. 
101 S. oben in der Anm. 70 mit den Angaben. 
102 HHStA - Kriegsakten (KA) - Fasz. 23 I, fol. 6r-9v (mit kaiserlicher Verfügung an 
den Markgrafen Ludwig Wilhe1m von Baden, das Kriegsrecht gegen Hedersdorf(O zu exe- 
kutieren) und 2 I r-22r (Kaiser an Kurpfälzer), ferner 60r-62v (= Orig. des kaiserI. Gesand- 
ten Hohenlohe an Leopold I. aus Ochsenfurt vom 14. Juni 1693 über das liederliche Verhal- 
ten des Kommandanten Hedersdorf (0 in Heidelberg); weitere Akten s. DOZA Ri 167 und 
168 mit Nr. 681; über sein weiteres Leben bis 1728 s. Lehner, Ludwig Anton (wie Anm. 79), 
S. 193-196, hier bes. S. 195. 
103 U. Thieme / F. Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis 
zur Gegenwart in 37 Bd., 1907-1950, ND Leipzig 1999, S. 360. Zu ihm vgI. Diss. an der 
Technischen Hochschule Stuttgart 1919/25 von F. Acker, Johann Kaspar Bagnato. Ein 
Deutschordensbaumeister des 18. Jahrhunderts, Stuttgart 1919-1925. Mit einem Anhang 
über die Tätigkeit seines Sohnes und Nachfolgers Franz Anton Bagnato; besonders aber die 
Arbeit von H. M. Gubler, Johann Caspar Bagnato und das Bauwesen des Deutschen Orden 
in der Ballei Elsaß - Burgund im 18. Jahrhundert. Ein Barockarchitekt im Spannungsfeld 
von Auftraggeber, Bauorganisation und künstlerischem Anspruch, Sigmaringen 1985. 
104 Als des Ordens Hofbaumeister wurde er in der Sitzung vom 16. März 1735 (DOZA, 
GKP 1735 März 16, Nr. 6) bestellt und ist fortan in Ordensdiensten belegbar: ebd., It GKP 
1735 April I, Nr. 6 erhielt er seine Signatur als Baumeister des Ordens und wurde jährlich 
mit 100 Reichsthalern für seine Bautätigkeit entlohnt (GKP 1735 Mai 19, Nr. 6). Über sei- 
nen Grundrjß des Mergentheimer Schlosses s. Ausstellungskatalog 800 Jahre (wie Anm. 2). 
III. 8. 10. S. 222f. - Über seine Tätigkeit in der Mainzer Komturei s. DOZA Merg 297/1. 
foI. 99r und 220v; ferner ebd. Merg 298/1. - Zur Person vgl. ferner A. Schlegel, Zur 
Lebensgeschichte des Deutschordens - Baumeisters Franz Joseph Roth, in: Jahrbuch 
(= Jahresbericht) des Historischen Vereins fllr Mittelfranken 84,1967/68, S. 198-201. Über 
ihn und seinen Bruder (s. kommende Anm.); vgI. H. Schöny, Die Wiener Herkunft der 
fränkischen Architekten und Maler Roth, Jahrbuch des Vereines für Geschichte der Stadt 
Wien 15/16, 1959/60, S. 168-177; ferner Thieme / Becker, Lexikon (wie Anm. 103), S. 86; 
T. Ludwig, Die Dekorationen des Wiener Stukkateurs Franz Joseph Roth von 1719 bis 
172 I im Schloß El/ingen, Magisterarbeit, München 1984. 
105 Zu ihm vgI. DOZA, GKP 1737 Juli 4 Nr. 2 und 1738 Juni 15 Nr. 3. Für die elf Hoch- 
und Deutschmeister - Porträts wurden ihm vom Rentamt Mergentheim 200 Gulden ge- 
zahlt; zur Person vgI. ferner Thieme / Becker, Lexikon (wie Anm. 103), S. 86. 
106 Zum Ganzen vgI. Die Beschreibung des Oberamts Mergentheim, Stuttgart 1880 (ND 
Magstadt 1968), hier bes. S. 337-346; ergänzungsbedürftige Hinweise bei F. Diehm, Ge- 
schichte der Stadt Bad Mergentheim. Ausseres Schicksal und innere Verhältnisse, Mergentheim 
1963, S. 143-186; E. Raupp, Die Bautätigkeit des Deutschen Ordens in seiner ehemaligen 
Residenzstadt Mergentheim unter besonderer Berücksichtigung des Ordensschlosses, Main- 
fränkische Studien, Bd. 9, Würzburg 1975. Über die Bauten im Schloßbereich vgl. auch 
Demei, Priesterseminar (wie Anm. 10), S. 166 (mit Anm. 42); F. W. Eiermann, Requisita 
Dignitatis. Die deutsche Residenz als Bauaufgabe im 17.118. Jahrhundert an Beispielen im 
fränkischen Reichskreis, Phil. Diss. masch. Erlangen, S. 125-133; H. P. Trenschel, Evang. 


104
>>>
Schloßkirche Bad Mergentheim. Ehem. Hofkirche des Deutschen Ordens, Schnell - Kunst- 
führer Nr. 2342, Regensburg 1998, S. 1-28. 
107 Vgl. die Spezialstudie von Reber, Die Baugeschichte (wie Anm. 13). 
108 J. Diefenbach. Geschichte des Deutsch - Ordens - Hauses, in: ders., und L. Abt, 
Festschrift zur Feier des 600jährigen Juiläums der Deutsch - Ordens - Kirche und des 
Deutschen Hauses zu Frankfurt a.M. - Sachsenhausen, Frankfurt am Main 1909, S. 2-30, 
hier bes. S. 20f. 
109 Über den Plan, die Ellinger Schloßkirche 1717 zu reparieren und dort ein neues 
Kanzlei-und Trysoley- Gebäude zu errichten. vg!. das Orig. - Schreiben vom Landkomtur 
Hornstein an den Hochmeister aus Ellingen vom 4. Oktober 17 I 7 und die Reaktionen des 
Hoch- und Deutschmeister an die Mergentheimer Regierung um ein diesbezügliches Gut- 
achten vom 16. Oktobert 17 I 7, ferner ein weiteres Postskriptum vom 20. November 17 I 7 
aus dem schlesischen Neisse im DOZA Merg 348/1. Zum Hintergrund s. ferner R. Grill, Die 
Deutschordens-Landkommende El/ingen. Entstehung und Bedeutung: Ihre Stellung im 
Orden und ihre Auseinandersetzung mit den Nachbarterritorien (/216-1806), Diss. phi!. 
Erlangen 1957, S. 78-83; A. Schlegel, Die Deutschordens - Residenz El/ingen und ihre 
Barock - Baumeister, Marburg 1927; Klassizismus in Bayern, Schwaben und Franken. 
Architekturzeichnungen 1775-1825, hg. v. W. Nerdinger, Ausstellungskatalog der Archi- 
tektursammlung der Technischen Universität München und des Münchner Stadtmuseums, 3, 
München 1980, S. 366f.; E. Franz, Pierre Michel d'lxnard 1723-1795. Leben und Werk, 
Weißenhorn 1985, S. 108-125; H. Bodenschatz, J. Geisenhof, Deutschordensresidenz 
Ellingen. Visionen. Pläne und Bauten einer barocken Schloßlandschaft, Ellingen/Weißen- 
burg 1990. 
110 H. J. Wörner, Bemerkungen zum Deutschordenshaus in Donauwörth, Jahrbuch der 
bayerischen Denkmalpflege 27. 1968/69, S. 164-180; Franz, Ixnard (wie Anm. 109), 
S.126-131. 
111 Klassizismus (wie Anm. 109), S. 367-374. 
112 Vgl. neben der Arbeit von Gubler, Bagnato (Anm. 103), hier bes. S. 96-98 und 205- 
-218, auch die Arbeit Acker, Bagnato (wie Anm. 103), hier S. 16-46; ferner Ausstellungs- 
katalog Mainau (wie Anm. 2), S. 179- 181. 
113 Acker, Bagnato (wie Anm. 103), S. 46-64; Gubler, Bagnato (wie Anm. 103), S. 98 
und 278-292; AusteIlungskatalog Mainau (wie Anm. 2), S. 192-198. 
114 Umfangreiche, noch nicht ausgewertete Akten über die Baulichkeiten im schlesischen 
Freudenthai und im dortigen Meisterturn im 18. und 19. Jahrhundert s. DOZA Mei 89, 91, 
92; eine kurze Darstellung nun bei: V. Stepan, Historie Zamku Bruntal (Geschichte des 
Schloßes Freudenthai), Bruntal 1998; s. ferner A. Gottwald, H. Rössler, Freudenthai und 
seine Kreisgemeinden. Dokumentation eines Landkreises im Ostsudetenland, EssIingen 1990. 
S. 33-36. 
115 Zur Person dieses Hoch- und Deutschmeisters s. Belege wie Anm. 36. 
116 Zur Person vgl. OIdenhage, Kurfürst (wie Anm. 21) und ders., M. F. von Osterreich, 
in: Hochmeister (wie Anm. 36), S. 261-268. 
117 DemeI, Bauerkrieg (wie Anm. 10), S. 196, mit den Anm, S. 183f. 
118 Über die dem Kaiser unmittelbar unterstellten Ritterkreise vgl: V. Press. Reichsritter- 
schaft, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte (HRG), Bd. IV, Sp. 743-748: 
ferner A. GerIich. Ritterbünde, in: ebd., Sp. 1070-1074; J. Fleckenstein, Ritterstand, in: 
ebd., Sp. 1088-1092. Dies ergibt ferner ein Vergleich der bisherigen Literatur mit den 
wirklich aufgenommenen Ritteraspiranten. Zum Vergleich dienen folgende Studien: D. Hell- 
stern, Der Ritterkanton Neckar - Schwarzwald 1560-1805. Untersuchungen über die Korpo- 
rationsverfassung, die Funktionen der Ritterkantons und die Mitgliedsfamilien, Veröffent- 
lichungen des Stadtarchivs Tübingen, Bd. 5, Tübingen 1971; W. von Stetten, Die Rechts- 


105
>>>
ste//ung der unmittelbaren freien Reichsritterschaft, ihre Mediatisierung und ihre Stellung 
in den neuen Landen, dargestellt am fränkischen Kanton Odenwald. Forschungen aus 
Württembergisch Franken, Bd. 8, Schwäbisch Hall 1973; R. Teuner, Die fuldische Ritter- 
schaft 1510-1656, Rechtshistorische Reihe, Bd. 18, Frankfurt am Main-Bern 1982; T. Schulz, 
Der Kanton Kocher der Schwäbischen Reichsritterschft 1542-1805. Entstehung, Verfas- 
sung und Mitgliederstruktur eines korporativen Adelsverbandes im System des alten Rei- 
ches. Esslinger Studien, Schriftenreihe Bd. 7, Esslingen 1986. 
119 E. Gruber, Deutschordensschwestern im 19. und 20. Jahrhundert. Wiederbelebung, 
Ausbreitung und Tätigkeit 1837-1971, QuStDO 14, Bonn-Bad Godesberg 1971, hier bes. 
S. 1-5 (mit der Spezialliteratur). 
120 G. Müller, Die Familiaren des Deutschen Ordens, QuStDOI3, Marburg 1980, hier 
bes. S. 47-73. 
121 Einzelheiten bei DemeI, Kurie (wie Anm. 62), in: ders., Deutscher Orden (wie Anm. 4), 
S. 240, mit den Anm. 162f.; zu Löwen s. DOZA Hs 21/3 mit den Statuten dieses sogenann- 
ten Deutschordens-Kollegiums, vgl. ferner die Spezialstudie von F. Morlion, Het Priester- 
seminarie van de Duitse Orde 1622-1798, Lizentiatsarbeit an der Katholieke Universiteit te 
Leuven, Löwen 1989; Demei, Priesterseminar (wie Anm. 10), S. 3-37, 113-120 und S. 260 
(zu Altshausen). 
m Demei, Residenz (wie Anm. 28), S. 177- 18 I; zur Funktion der Deutschordenspriester 
allgemein vgI. ders., Bauernkrieg (wie Anm. 10), S. 187-189. 
123 Ders., Residenz (wie Anm. 28), S. 177-185. 
124 In Mergentheim gab es ein Hospital mit Spitalkirche und Waisenhaus: DOZA Hs 436, 
Anhang fol. I I r-64r: Für dieses Hospital hatte Johann Kaspar von Stadion (1627- I 64 I) 
nach einer Notitz im fränkischen Balleigespräch vom 12. Mai 1655 (im 6. Punkt DOZA 
Merg 323/1) verfügt, dass von einem Kapital von 4000 Reichsthalern die Zinsen diesem 
Hause dienen sollten. Ferner gab es am Ort das 1764 flIr invalide Soldaten, arme Bürgers- 
leute und Ehehalten gestiftete sogenannte Karolinische Kranken oder Ehehaltenhaus; dazu 
vgl. DOZA Hs 436 Anhang fol. 66r-7Ir. Zusätzlich gab es das sogenannte Große und Klei- 
ne Armenhaus, das noch ins späte Mittelater zurückreicht; ebd., Hs 436 Anhang fol. 73r- 
-77r. Der um die Hospitalität zeitlebens als Hoch - und Deutschmeister sorgende Franz 
Ludwig von Pfalz-Neuburg hatte 1716 das große Armenhaus mit der dort befindlichen Ro- 
chuskapelle um 3393 fl. neu erbauen und 1720 das außerhalb der Stadt befindliche Kleine 
Armen oder sogenante Lazarethhauß ebenfalls errichten lassen: DOZA Hs 436 fol. 12 I v 
und ebd., Merg 282, fol. 357r und v. Ferner vgl. zur mittelalterlichen Hospitalsituation 
C. Tenner, Die Ritterordensspitäler im süddeutschen Raum (Ballei Franken). Ein Beitrag 
zum frühesten Gesundheitswesen, Diss. rer. nat., München 1969, S. 58-60. 
125 Nach den schrecklichen Kriegsfolgen im 16. Jahrhundert, die der Orden auf dem 
Frankfurter Reichsdeputationstag 1577 zu Frankfurt mit I. 299 000 fl. (s. HHStA - MEA 
- RTA - Fasz. 77, fol. 194r-197r) angab und den allein im Pfälzischen Erbfolgekrieg 
entstandenen Schäden in der Höhe von 2 136 047 fl. (s. Demei, Krone, [wie Anm. 25], 
S. 160) Unter diesen Umständen darf man sich nicht wundern, wenn erst in Verfolgung des 
GK - Beschlusses vom 12. Juli 1700 (DOZA GK 730/7, Punkt 3) das zu Ellingen am 20. 
Juni 1705 in Gegenwart des Hochmeisters tagende fränkische Balleikapitel - noch in der 
Kriegssituation im Reich - gleich im ersten Punkt (DOZA Merg 321/1; Extrakt auch in 
ebd. Merg 348/1) die Aufrichtung dieses Ellinger Spitals nunerst beschließen konnte. Von 
den Zinsen eines Gesamtkapitals in der Höhe von 30 000 fl. (Akten zu den Jahren 1705 bis 
1724 s. DOZA Merg 348/1) wurde zuerst fllr 12, dann für 24 Pfründner. einen Priester als 
Hospitalbenefiziaten, eine Köchin und einen Knecht der Grundstock für einen sofort in An- 
griff genommenen Bau gelegt. Auf dem zu Mergentheim am 6. September 1708 ebenfalls in 
Anwesenheit Franz Ludwigs zelebrierten fränkischen Balleikapitel wurde die dortige Spi- 


106 



 


.........
>>>
talsordnung (Kopie vom Fest der Ordenspatronin Elisabeth 19. November 1708 in: DOZA, 
Merg 348/1) besprochen. Für die mittelalterlichen Spitalsbegründer werden wöchentlich 
drei heilige Messen zur Zelebration angeordnet. Abermals in Gegenwart dieses Hoch- und 
Deutschmeisters beschloß am 25. und 26. April 1718 (DOZA, Merg 323/1. Proponendum I I) 
das in der Residenz tagende fränkische Balleikapitel, den Fundations - und Inkorpora- 
tionsbrief unter Hereinnahme der Leistungen flIr neun Pfründner, die schon seit 16 I 9 in 
EIlingen verpflegt worden waren, (s. dazu auch das spätere Schreiben des Landkomturs 
Carl Heinrich Freiherr von Hornstein an FL vom 27. März 1724: Orig in Merg 348/1) dem 
Hochmeister zur Unterfertigung vorzulegen, was auch geschehen ist. Im Unterschied zum 
Nürnberger Spital, wo die Pfründnerinnen nur in einem Zimmer leben mußten, gab es hier 
in EIlingen fUr jede Pfründnerin schon ein eigenes Zimmer (DOZA V 368 I). Dazu vgI. nun 
Stefan Berger, u.a., 1100 Jahre EIlingen 899- 1999. EIlingen 1999, S. 136-14 I; ferner Ten- 
ner, Die Ritterordensspitäler (wie Anm. 125), S. 45f. 
126 Zum mittelalterlichen Sachsen häuser Spital vgl. Tenner (wie Anm. 125), S. 47f. Für 
dieses Hospital hatte Franz Ludwig am 21. September 17 I 4 (U z. D. im DOZA) ein Kapital 
von 8000 fl. gestiftet, von dessen Zinsen zuerst sechs, dann acht arme Personen hier erhal- 
ten werden sollten. Das Hospital wurde erst 1810 aufgelöst und die vier noch verbliebenen 
Spitalsinsassen in ihre Heimat entlassen, wobei ihnen eine jährliche Pension von 132 fl. 
zum Lebensunterhalt ausgesetzt wurden: s. dazu Diefenbach, Geschichte (wie Anm. 108). 
S.20. 
127 Das im Mittelalter größte Spital des Reiches in der Nürnberger Ordenskommende 
(s. Tenner, Die Ritterordensspitäler, [wie Anm. 125], S. 52-58; Weiss, Deutscher Orden, 
[wie Anm. 2], S. 31-40,62,116,156,176,207,209,232,235,240,275,288, 301, 332f., 
und 355) blieb auch in der Neuzeit erhalten und Gegenstand mehrerer kapitularischer Ver- 
handlungen: DOZA, Merg 323/1 und 2 (flIr das 16. bis 18. Jahrhundert). Hier gab es 1463 
und 153 I und danach einen eigenen ritterlichen Spital meister. Im Balleikapitel vom 12.5. 
1655 (DOZA, Merg 323/1 und 352/1) machte man sich fUr dieses Spital nach den Schäden 
des langen Krieges Sorgen. Rechnungen zu diesem Institut finden sich in DOZA. Merg 
353/1 (zu 1768) und weitere, bislang nicht verwertete Quellen zur Kommende und zum 
Spital in den Jahren 1783-1808 im DOZA, Merg 352/a. Bereits im Balleikapitel vom 15. I 2. 
1777 bis 7. Januar 1778 (DOZA, Merg 323/2, Proponendum 4) waren die Geldmittel zu- 
sammen, so dass der Hochmeister am 9. August 1780 (ebd., Merg 323/2) den Baubeschluß 
genehmigen konnte. Auch dieses Institut endete erst mit der Vertreibung des Ordens aus 
Nürnberg mit Beginn des Jahres 1806. Zur Geschichte vgl. K. Ulrich, Die Nürnberger 
Deutschordenskommende in ihrer Bedeutung für den Katholizismus seit der Glaubensspal- 
tung. Nürnberg 1935. S. 65-67 und ders., Die wechselvolle Geschichte von St. Elisabeth, 
in: FS 1903-1978. 75-Jahrfeier der Weihe der Kirche St. Elisabeth, Nürnberg 1978. S. 12- 
-22. hier bes. S. 15f. 
128 Zu dieser frommen Stiftung am Statthaltersitz Freudenthai vgl. bislang unverwertetes 
Material im DOZA Mei 89/3 und 4, Mei 139/1,4 bis 7, 9 und 10; ebd. Mei 140/1-5, 7. 8, 
11-14 und ebd., 141/1-5 (schon für das 19. Jahrhundert). 
129 Bislang nicht verwertetes Material flIr die Jahre 1591 bis 1730 s. DOZA Mei 140/7, I I 
und 14 (zu Freudenthai und Braunseifen) und Mei 320/4, 32111, 4 und 8 (mit dem Fun- 
dationsinstrument). 
130 DOZA GK 730/7 (Punkt 3 des GK-Beschlusses vom 12. Juli 1700). 
131 DOZA GK 735/7 (Punkt 2 und 3). Zur Person dieses HM vgl. neuestens Demei. Cle- 
mens August von Bayern, in: Hochmeister (wie Anm. 36), S. 248-254 (mit der SpeziaIlite- 
ratur). Seine Tätigkeit an der Ordensspitze begann bereits am 17. Juli, nicht am 17. August, 
wie auf S. 248 in einem Druckfehler irrtümlich vermerkt ist. 


107
>>>
132 Oldenhage, Kurfürst (wie Anm. 2 I), S. 229-23 I. Zum allgemeinen Hintergrund s. Demel. 
Welfare (wie Anm. 66), S. 65f. - Zur Person dieses Hoch- und Deutschmeisters vgl. 
Oldenhage. Maximilian Franz von Österreich, in: Hochmeister (wie Anm. 36). S. 261-268. 
133 DOZA Hs 436, foI. I I 7r- I 18r (zum Jahre 1700). Zum theologischen Studium und 
dessen Aufhebung s. die einschlägigen Akten im StAL B 246 Bü 63; ferner DOZA Hs 436, 
foI. 130r und v. - Am 2. April 1784 ließ Max Franz auch das Studium philosophiae aufhe- 
ben, dafllr aber die Zahl der flIr die unteren zwei Schulgattungen bestimmten Professoren 
auf vier Lehrer heraufsetzen: s. DOZA Hs 436, foI. 130v; ferner Oberamtsbeschreibung 
(wie Anm. 106), S. 422f.; Demei, Priesterseminar (wie Anm. 10), S. 128-130. - Im frän- 
kischen Balleikapitel vom 15.-23. September 1767 (Punkt 18) waren Gelder und Naturalien 
für die Aufstellung tüchtiger Schulmeister ausgesetzt worden. Im weiteren fränkischen 
Provinzkapitel vom 15. I 2. I 777 bis 7. Januar 1778 waren abermalige Bestimmungen wegen 
des ElIinger Schulwesens ergangen, die der Hochmeister erst am I I. Mai 1782 genehmigte: 
(DOZA Merg 323/2). Über das Schulwesen im fränkischen Balleigebiet s. J. Link, Das 
Schulwesen in der ehemaligen Deutsch - Ordens - Ballei Franken. Ein Beitrag zur Ge- 
schichte der Pädagogik, Diss. Erlangen 1935 (Druck Kallmünz 1935) und s. ferner Olden- 
hage, Kurfürst (wie Anm. 2 I), S. 23 1-243. 
134 B. Demei, Der Deutsche Orden in Schlesien und Mähren in den Jahren 1742-19 I 8, 
Archiv fIlr Kirchengeschichte von Böhmen-Mähren-Schlesien (AKBMS) 14, 1997, S. 7-62, 
hier bes. S. 22f., mit den Anm., S. 154f. auf S. 55. 
l3S Oberamtsbeschreibung (wie Anm. 106), S. 425. 
136 DOZA GKP 1735 Juli 28, Nr. 6. Die hier gebotene Datierung 28. August dürfte ein 
Schreibfehler sein mit Rücksicht auf die vorher und nachher folgenden, genau datierten 
Sitzungen vom 24. 7. und 4.8. 1735. 
137 DOZA Or 617 (mit den jährlichen Staatskalendern 1789 bis 1806). Im Kalender zu 
1789 gibt es bereits einen Hofmedicus in der Person des Hofrats Dr. med. Edmund Bottin- 
ger (zu ihm ebd. S. 39 und 43). Außerdem gab es den Hofchirurgen Justin Anton Röser und 
den Hofapotheker Friderich Joseph Rhodius (ebd., S. 43). Im Staatskalender von 1806 gab 
es weiterhin Dr. Edmund Bottinger als Arzt und Oberamts-Physikus, dazu die Leibchirur- 
gen Dr. med. Vincenz Rother und Justin Röser-Ietzterer als adjungirter Oberamts-Physi- 
kus. Ferner gab noch den Hofchirurgen Wilhelm Starkloff (vgl. ebd., S. 44 und 50 zu Bot- 
tinger; zu den übrigen s. ebd., S. 50). Im fränkischen Balleikapitel vom 2 I. April 1749 (im 
9. Punkt) beschloß die zu EIlingen tagende Ordensversammlung, einen eigenen Mediziner 
auch am Balleisitz anzustellen, der hier für die in der Ordensregierung tätigen Ritter, Bal- 
leibediensteten und die Bewohner wegen der größe des Orts tätig sein sollte. Es wurden 
ihm zur Vergütung 200 fl. an Geld und 200 fl. an Naturalien angewiesen - die Mittel 
setzten sich wie folgt zusammen: aus der Balleikasse 150 fl., aus dem Steueramt und der 
Trysolei je 50 fl., vom Hospital 30 fl. und von der Ellinger Bürgermeisterkasse 20 fl. - 
(s. DOZA Merg 323/2). 
138 DOZA Mei 300/14. 
139 Dazu s. DOZA Mei 139/8. - Vgl. dazu auch das Regestenwerk von K. Wieser, Die 
Bedeutung des Zentralarchivs des Deutschen Ordens für die Geschichte Schlesiens und 
Mährens. Ein Findbehelfzum schlesisch - mährischen Aktenbestand des Archivs, Quellen 
und Darstellungen zur schlesischen Geschichte, Bd. 13, Würzburg 1967, S. 94-127. Über 
die Anstellung eines Arztes in Freudenthai gibt es erst Akten zum Jahre 1800 (DOZA Mei 
260/1). 
140 HHStA - MEA - RTA - Fasz. 657 bis 719. 
141 Ebd., RK - RTA - Fasz. 262 bis 266a und b; ferner ebd. Fasz. 364 bis 373 und 408 
bis 412. 
142 Härter, Reichstag (wie Anm. 34). 


108
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143 Oldenhage, Kurfürst (wie Anm. 21), S. 247-387. 
144 Täubl. Der Deutsche Orden (wie Anm. 34), S. I I 1-174; R. Freiin von Oer, Der Friede 
von Preßburg. Ein Beitrag zur Diplomatiegeschichte des Napoleonischen Zeitalters, Neue 
Beiträge Münstersche Beiträge zur Geschichtsforschung 8, Münster/Westfalen, hier bes. 
S. 197-200, ferner U. M. Dorda. Johann Aloys Joseph Reichsfreiherr von Hügel (1754- 
-1825). Ein Leben zwischen Kaiser und Reich im Napoleonischen Deutschland, Diss. phi!., 
Würzburg 1969. hier bes. S. 2 I 4f. und 227-230. 
145 Ebd., S. 174. 
146 G. Fleckenstein, Die geistliche Erneuerung im 19. Jahrhundert, in: H. Noflatscher. 
Der Deutsche Orden in Tirol. Die Ballei An der Etsch und im Gebirge, QuStDO 43, Bo- 
zen-Marburg 199 I, S. 229-256, hier bes. S. 229-23 I. 
147 U. Gasser, Die Priesterkonvente des Deutschen Ordens. Peter Rigler und ihre Wie- 
dererrichtung 1854-1897, QuStDO 28. Bonn-Godesberg 1973, S. 9 f. und 23. 
148 B. DemeI, Zum Verkauf des Deutschen Hauses und der Deutschordenskirche zu 
Frankfurt - Sachsenhausen an die katholische Gemeinde in den Jahren 1880-1881, in: 
K. Wieser, O. T., Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Einzeldarstellungen, QuStDO I, 
Bad Godesberg 1967, S. 535-546. 
149 DOZA U z. D. - Über diesen mehrheitlich in Österreich und später teilweise in 
Preußen liegenden Ordensbesitz vgI. DemeI. Schlesien (wie Anm. 134), S. 20-26 und 
S. 54-56 (mit den Anmerkungen); zur Forschungssituation siehe nun U. Arnold und G. Cox, 
Der Deutsche Orden in Osterreichisch - Schlesien. Stand und Aufgaben der Forschung, 
in: Silesiographia (wie Anm. 77), S. 275-295. 
150 Gegen K. Wieser, Die Bedeutung des Zentralarchivs des Deutschen Ordens für die 
Landesgeschiche Schlesiens, Zeitschrift für Ostforschung 14, 1965, S. 455-464. hier S. 456 
in Anm. I I ist mit DOZA Mei 188/8 festzuhalten. dass die Namslauer Kommende schon 
1810 eingezogen wurde. Zum Hintergrund J. J. Menzel, Die Säkularisation in Schlesien 
18/0. in: J. Köhler. Säkularisationen in Osteuropa, Forschungen und Quellen zur Kirchen- 
und Kulturgeschichte Ostdeutschlands, Bd. 19. Köln-Wien 1984. S. 85-102; weitere Lite- 
ratur bei Demei, Schlesien (wie Anm. 134), S. 57, mit Anm. 223. 
151 Wieser, Bedeutung (wie Anm. 150), S. 456f. - Zur Person des Hochmeister vgI. 
Noflatscher. Maximilian Joseph von Osterreich - Este, in: Hochmeister (wie Anm. 36), 
S.278-285. 
152 DOZA U vom 21. Mai 1817 und vom 17. März 1819. 
153 Demei, Schlesien (wie Anm. 134), S. 57 (mit Anm. 219). 
154 DOZA U vom 14. und 20. Januar 1836. 
ISS Gasser. Priesterkonvente (wie Anm. 147). S. 10-19; Demei, Schlesien (wie Anm. 
134), S. 31-33. 
156 Siehe Konzept vom I. April 1842 aus Modena im DOZA Merg 304/1, Nr. 53: Reaktion 
des Hochmeisters auf das Schreiben Metternichs. 
157 Demei, Schlesien (wie Anm. 134), S. 30 und S. 57, mit Anm. 21. 
158 Ebd., S. 31-43 und S. 58-60 (mit den Belegen). 
159 Gasser, Priesterkonvente (wie Anm. 147), S. 228, mit Anm. 67. 
160 Mitteilungen des Deutschordens (MDO) 1927 Nr. 9/12, S. 2. 
161 U. Gasser, Der Diener Gottes Peter Rigler (/796-1873). Beiträge zu einer Lebens- 
beschreibung, Konferenzblatt Brixen 100, 1989, S. 177-207, 283-330 und 384-467; ebd.. 
101.1990, S. 5-6; ebd., Beiheft zum Konferenzblatt 2/1993, Nr. 5-6; 3, I 995. Nr. 13- I 4 
und ebd.. Beiheft Nr. 19 zum Konferenzblatt, Brixen 1997. Über seine Methode als Pasto- 
raltheologe vgI. F. Dorfmann, Ausgestaltung der Pastoraltheologie zur Universitätsdiszi- 
plin und ihre Weiterbildung, Wien-Leipzig 1910, hier S. 4, mit Anm. I, 220-225 und 
S.236. 


109
>>>
162 Gasser, Priesterkonvente (wie Anm. 147), S. 83-125 (zu Lana). 
163 Ebd., S. 170- 193 (zu Troppau). 
164 Gasser, Priesterkonvente (wie Anm. 147), S. 275-281. 
165 MDO 9/10 (September/Oktober 1924), S. 28. 
166 Gruber, Deutschordensswester (wie Anm. 119) mit den Details (bis 1971). 
167 M. Deelemann, Der Deutsche Ritterorden einst und jetzt, Wien 1903, S. 84-102; De- 
mel, Welfare (wie Anm. 66), S. 66f. Zum Hintergrund vgI. nun die Konstanzer philosophi- 
sche Magisterarbeit von D. Wehner, Das Feldsanitätswesen des Deutschen Ritterordens 
von 1871 bis zum Vorabend des Ersten Weltkrieges, Konstanz 1995; über die moderne ra- 
diologische Ausstattung dieser Feldlazarette s. O. WichtI, Röntgenologische Tätigkeit von 
Naturwissenschaftlern in der Anfangszeit der R6ntgenära und in Militärsanitätsanstalten 
Österreich-Ungarns, Röntgenpraxis, Heft 6, Bd. 41, 1988, S. 226-228 und ders., Die Mili- 
tärröntgenologie der Österreichisch - Ungarischen Monarchie während des Ersten Welt- 
kriegs, Österreichische Krankenhaus - Zeitung, September 1993, S. 65-84. 
168 Müller, Familiaren (wie Anm. 120), S. 77-87; die dort aufgenommenen Ehrenritter 
s. ebd., S. 3 I 0-3 I 2. Zum Marianerinstitut s. ebd., S. 87-96. 
169 G. Reichlin-Meldegg, Das Sanitätswesen des Ordens im 19. Jahrhundert und die 
Entwicklung der Hilfszüge unter Dr. Jaromir Freiherr von Mundy, in: Der Souveräne Mal- 
teser - Ritter - Orden in Österreich, hg. v. C. Steeb und B. Strimitzer, Graz 1999, S. 190- 
-206; vgl. ebd., P. Broucek, Die humanitären Leistungen der Mitglieder des Großpriorates 
von Böhmen und Österreich während des Ersten Weltkrieges, S. 207-229. 
170 Vgl. die Ordenskataloge im DOZA seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bis 1918. 
171 Gruber. Deutschordensswestern (wie Anm. 119), S. 137-140. 
172 DOZA V 3963 und 3964; W. Pillich, Mozart im Deutschen Haus zu Wien, in: Wiener 
Geschichtsblätter I I, 1956, Nr. 3, S. 65-69; ferner Oldenhage, Max Franz (wie Anm. 2 I), 
S. 245f., mit Anm. 437. 
173 Ausstellungskatalog Nürnberg (wie Anm. 2), Nr. 111. 6. 25 (S. 191f.); Oldenhage, Kur- 
fürst (wie Anm. 2 I), S. 81. 
174 Oldenhage, Kurfürst (wie Anm. 2 I), S. 245. 
175 Ausstellungskatalog Nürnberg (wie Anm. 2), Nr. HI. 6. 26. S. 192. 
176 DOZA Hs 499 G zum 31. Januar 1906 (Brief des Ordenshofrates Moriz von Weitten- 
hiller an Erzherzog Eugen); M. Kalbeck, Johannes Brahms, 11. 1. Halbband, 1862-1868 
Berlin 21908, S. 105; ferner H. Kretschmer, Johannes Brahms und seine Zeit, Wiener Ge- 
schichtsblätter 38. Jahrgang (1983), Heft 2, S. XXXf. S. Kross, Johannes Brahms. Versuch 
einer Kritischen Dokumentar-Biografie in 2 Bde., Bonn 1997, hier Bd. I, S. 423f. 
177 Zur Person vgI. DemeI, Wilhelm von Österreich, in: Hochmeister (wie Anm. 77), 
S. 285-290. 
178 Dazu vgI. Demei, Regiment, in: ders., Der Deutsche Orden (wie Anm. 4), S. 105 f., 
mit der Anm. 153-155. 
179 F. Endler, Johann Strauss. Um die Welt im Dreivierteltakt. Wien 1998; S. 374; 
Demei, Regiment, in: ders., Der Deutsche Orden (wie Anm. 4), S. 105, mit Anm. 153. 
180 MDO Nr. I (Januar 1924), S. 14 bis 16; ebd., S. 15f., ist kurz die Situation im Ordens- 
spital Friedau-Ormoz geschildert, die auch die Ordensschwestern betraf; vgI. ferner Gruber, 
Deutschordensswester (wie Anm. 119), S. 175f. 
181 A. Wieland, Vom Ritterorden zu den Regeln von 1929, in: E. Volgger, Die Regeln des 
Deutschen Ordens in Geschichte und Gegenwart, Lana/Südtirol 1985, S. 23 1-286; 
B. Demei, Der Deutsche Orden in der Tschechoslowakei 1918-1939, in: AKBMS 14, 1997, 
S. 63-92, hier bes. S. 67-74 und S. 86-89, mit den Anm. 
182 Zu ihm vgl. DOZA Ri 29/Nr. 93a und Ausstellungskatalog Nürnberg (wie Anm. 2), 
S. 283, 296, 330, 354 und 433. 


110
>>>
183 Exemplarisch für die österreich ische Brüderprovinz durchgefllht von: D. Heyderer, Die 
Geschichte der Österreichischen Brüderprovinz des Deutschen Ordens. Vom Untergang 
der Monarchie bis zur Gegenwart, Diplomarbeit an der katholisch-theologischen Fakultät, 
Wien 1994. 
184 Gruber, Deutschordensswester (wie Anm. I 19), S. 194-210. 
185 R. Hackenberg, Der Deutsche Orden und die katholisch-soziale Bewegung, in: O. Pu- 
stejovsky, Ein Leben - drei Epochen. FS für Hans Schütz zum 70. Geburstag, München 
1971. S. 341-357; D. Langhans, Der Reichsbund der katholischen Jugend in der Tsche- 
choslowakei 1918-1938, Bonn 1990. 
186 Demei, Tschechoslowakei (wie Anm. 181), S. 72-74 und S. 89. 
187 G. Daum, Der Orden in der Gegenwart, in: Der Deutsche Orden (wie Anm. 146), 
S. 283-328, hier bes. S. 289-296. 
188 Demei, Tschechoslowakei (wie Anm. 181), S. 80f. - Zur Person nun R. Gebel, "Heim 
ins Reich!". Konrad Henlein und der Reichsgau Sudetenland (/938-1945), München 
2 1999 . 
189 Demei, Der Deutsche Orden in der CSR 1918-1939, in: ders., Der Deutsche Orden 
(wie Anm. 4), S. 321-331. 
190 Zur Person vgl. Ausstellungskatalog Nürnberg (wie Anm. 2), V. 2.6., S. 328f. 
191 Zu ihm s. Zeugen /Ur Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts in 
2 Bde, hg. v. H. Mol, Paderborn-München-Wien-Zürich 1999, hier Bd. 11, S. 739f. 
192 DOZA U z. D. - Zur Situation flIr Hochmeister Schälzky und andere Ordenspriester 
nach 1945 s. nun B. Demei, Der Hilferuf des in der Pfarrseelsorge von Freudenthall 
IBruntal tötigen Deutschordenspriesters P. Eberhard GerIich an die Prager Nuntiatur vom 
Jahre 1946 - ein zeitgeschichtlich bemerkenswertes Dokument, in: Architectura et histo- 
ria, Studia Mariano Arszynski septuagenario dedicata, M. Woiniak (ed.), Torun 1999, 
S. 389-400. Zur Person Schälzkys vgI. G. Hanusch, Robert Schälzky, in: Hochmeister (wie 
Anm. 77), S. 3 I 5-325 (mit dem falschen Todesdatum 28.0 1.1948 statt richtig 26.0 I. 1948). 
193 Dazu vgI. DOZA V 4156, Die Deutschordenskirche 1309-1959 und das Deutsche 
Haus 1709-1959 in Sachsenhausen, Frankfurt-Sachsenhausen 1959, S. 10. 
194 Zu diesem die moderne Pastoraltätigkeit wesentlich mitbestimmenden Begriff vgl. für 
die katholische Kirche Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. IX (ND der Ausgabe 1964 in 
Freiburg/Breisgau 1986), S. 253f. und A. Barruzzi, Zum Begriff und Problem Säkularisie- 
rung, in: Säkularisierung und Säkularisation vor 1800, hg. v. A. Rauscher, Beiträge zur 
Katholizismusforschung, Reihe B: Abhandlungen, o. Nr., München-Paderborn-Wien 1976, 
S. 121-134; exemplarisch für den Protestantismus s. M. Heckei, Gesammelte Schriften. 
Bd. I-IV (Jus ecclesiasticum Bd. 38 für die Bände 1-2 und Bd. 58 für die Bände Ill-IV), 
Tübingen 1989-1997, hier Bd. III S. 204-229; s. J.-H. Tück, Christologie und Theodizee 
bei Johann Baptist Metz. Ambivalenz der Neuzeit im Licht der Gottesfrage, Paderborn- 
-Milnchen-Wien-Zilrich 1999, S. 38-49. 
195 Zum neu esten Stand vgl. den "Personalstand des Deutschen Ordens" (Eigenverlag 
des Ordens), Wien, 1999, S. 99-107. 
196 R. Reinhardt, Die Reichskirchenpolitik Papst Klemens XII. (/730-1740), Das Motu 
proprio "Quamquam invaluerit" vom 5. Januar I 73 I, wieder abgedruckt in: ders., Reich - 
Kirche - Politik. Ausgewählte Beiträge zur Geschichte der Germania Sacra in der Frühen 
Neuzeit. hg. von H. Wolf, Ostfildern 1998, S. 93-118, hier bes. S. 94-96 (zu Clemens Au- 
gust). 
197 Einzelheiten bei C. Steeb 1 B. Strimitzer, Malteser - Ritter - Orden (wie Anm. 169), 
mit den Aufsätzen auf den S. 135-240. 
198 Zu den ordens internen Überlegungen bzgI. der geänderten Ordenskleidung im letzten 
Drittel des 18. Jahrhunderts s. DOZA Cap. 818/1-24. - Das Votum des österreichischen 


111
>>>
Landkomturs und Hofkriegsratspräsidenten Johann Joseph Philipp Reichsgraf von Harrach 
zu Rohrau vom 14. Juni 174 I (Orig. des Schreibens an Hoch- und Deutschmeister Clemens 
August s. ebd. Cap 8 I 8/9) plädierte dafür, daß das Ordenskreuz in seiner bisherigen Form 
als Kennzeichen erhalten bleibe. 
199 Dazu die Einzelheiten bei Demei, Kurie (wie Anm. 62), hier bes. S. 244-255. 
200 Dazu ebd. wie Anm. 62. 
201 DOZA Merg 323/2. 
202 Dazu vgl. DOZA Hs 80, 83 und 92 (Verfasser ist der k.k. österreichische Regierungs- 
rat Paul Anton von Handel - ein Augenzeuge der Ereignisse 1809); ihn nahm nach einer 
Notitz vom 25. Mai 1888 aus Troppau der DOP Dr. Alfons Hoppe zur Grundlage fIlr seinen 
Aufsatz: Die Besitznahme von Mergentheim durch die Krone Würtemberg im Jahre 1809, 
Troppau 1888) - Mit etwas ideologischer Färbung vgl. zum Thema nun M. Gindele, Der 
Aufstand der Bauern des Oberamts Tauber im Jahre 1809, in: ZWLG 46, 1987. S. 163- 
-203; ferner P. Sauer (Bearb.), Der Mergenthelmer Aufstand vom Juni 1809. Die Aufzeich- 
nungen von Eugen Freiherr von Maue/er, sowie die in offiziellem Auftrag verfaßten Berich- 
te des Oberamtmanns Kuhn und der Hofräte Herzberger und Taglieber in Mergentheim, in: 
ebd., S. 205-25 I. 
203 Dazu vgl. Demei. Tschechoslowakei (wie Anm. 18 I), S. 67-74 und S. 86-89, mit 
den Anm. 
204 Gasser, Die Priesterkonvente (wie Anm. 147), hier bes. S. 16-19; Wieland, Vom Rit- 
terorden (wie Anm. 181), S. 254-286. Das entscheidende Dokument vom 27. November 
1929 in Abdruck s. ebd., S. 284-286. 
205 Zu ihm DemeI, Priesterseminar (wie Anm. 10) mit den im Register ausgewiesenen 
Seiten. 
206 Ebd., It. dem Register. Seine ordensinternen Arbeiten finden sich in den DOZA Hs 44, 
Druck ders. in Sammlung (wie Anm. 15); s. auch DOZA Hs 177, 218 und wohl auch 
Hs 816. 
205 U. Arnold, Entstehung und Frühzeit des Deutschen Ordens. Zur Gründung und inne- 
ren Struktur des Deutschen Hospitals von Akkon und des Ritterordens in der ersten Hälfte 
des 13. Jahrhunderts, in: Die geistlichen Ritterorden Europas, hg. v. J. Fleckenstein, 
M. Hellmann, Vorträge und Forschungen XXVI, Sigmaringen 1980, S. 81-107. 
208 Vorerst kann mit aller Vorsicht angenommen werden, daß auch KarJ Alexander, wie 
sein älterer kaiserlicher Bruder, Freimaurer war: s. Österreich ische Freimaurerlogen. Hu- 
manität und Toleranz im 18. Jahrhundert (= Katalog des Österreich ischen Freimaurermu- 
seums in Zwettl/Niederösterreich), 5. erw. Aufl. Wien 1987. S. 89f. W. Dotzauer. Freimau- 
ergesellschaften am Rhein, in: Geschichtliche Landeskunde 16, Wiesbaden 1977, S. 82 und 
233 f. Aus den Ordensakten ergibt sich in keiner Weise, daß er diese Mitgliedschaft ähnlich 
wie jene Zugehörigkeit zum Orden vom Goldenen Vlies 176 I abgelegt habe, als er zum 
Hoch - und Deutschmeister erkoren wurde. 
209 Zu den bisher ermittelten Ordensrittern vgl. den hessischen Ritter Karl Ludwig von 
Dörnberg (zu ihm s. DOZA Ri 92/332); ferner Dotzauer, Freimauergesellschaften (wie 
Anm. 208) zu Friedrich Karl von Forstmeister; der spätere südtiroler Landkomtur Ignaz 
Judas Thaddäus Adam Reichsgraf von Brandis: zu ihm s. H. Schuler, Freimaurer der Auf- 
klärungszeit in Böhmen und Mähren. Biographische - bibliographische Miszellen, in: 
Genealogisches Jahrbuch 37/38, 1998, S. 53-154, hier S. 67; ferner der westfälische Land- 
komtur und Sohn des Staatskanzlers Kaunitz, Franz Wenzel Reichsgraf von Kaunitz- 
Riedberg: zu ihm s. ebd., S. 92f.: ferner der durch seine Schilderungen und Reisen fIlr die 
zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts unentbehrliche Johann Karl Christian Heinrich Graf von 
Zinzendorf und Pottendorf: zu ihm s. Katalog Zwettl, wie eben zitiert, S. 72f.; H. Watzlawik, 
Die friedlichen Fahrten eines Deutschordensritters auf den Kriegsschiffen des Malteser- 


I 12 


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>>>
Ritter-Ordens, in: Steeb, Strimitzer, Malteser - Ritter - Orden (wie Anm. 169), S. 93- 
-120, hier S. 112: ferner Karl Borromäus Graf von Harrach; zu ihm s. nun: D. A. Binder, 
C. Steeb, Karl Borromäus Grafvon Harrach (/7661-1829). Freimaurer - Malteser-Arzt 
- Deutschordensritter, in: Steeb, Strimitzer, Malteser - Ritter - Orden, S. 121-134. Zu 
dem Deutschordensritter Leopold Graf Sauer Freiherr zu Kosiak s. H. Schuler. Die St. Jo- 
hannis Freimaurer Loge ..Zur wahren Eintracht". Die Mitglieder der Wiener Eliteloge 
1781-1785, Genalogisches Jahrbuch 31,1991, S. 5-41, hier S. 31: Nach den Ausftlhrungen 
von H. Reinalter, Der JIluminatenorden, Schriftenreihe der Internationalen Forschungsstei- 
le Demokratishe Bewegungen in Mitteleuropa 24, Frankfurt/Main-Berlin-New York-Wien 
1997, Nr. 297 (auf S. 120) war auch der zur Ballei Elsaß - Burgund gehörige weltliche 
Obervogt Kolb ein Logenbruder. 
210 Die sarkastische Stellungnahme von Max Franz allgemein zur Freimaurerei "Ich war 
und werde nie ein Freimaurer sein, denn ich habe stets die Freimaurerei für ein unnützes 
Possen-und Ceremonienspiel zur Abkürzung der Zeit für Langweile habende Köpfe be- 
trachtet" s. bereits bei M. Braubach, Die vier letzten Kurfürsten von Köln, Köln und Bonn 
1931. S. 126; zum Ganzen nun auch D. A. Binder, Die Freimaurerei. Ursprung, Rituale 
und Ziele einer diskreten Gesellschaft, Freiburg-Basel-Wien 1998, S. 85; ders., Die diskre- 
te Gesellschaft. Geschichte und Symbolik der Freimaurer, 2. überarb. Aufl., Graz-Wien- 
-Köln 1995, S. 47. 
211 Bisher ist erst das konfliktfreie Verhältnis der Mergentheimer und Igersheimer Juden- 
gemeinde 1801 genauerhin aus den Quellen erarbeitet: s. AK Nürnberg (wie Anm. 2), 111. 
13, 17 (S. 268). Bekannt ist, daß die aus anderen Territorien oder Reichsstädten zuwan- 
dernden oder gar gewaltsam vertriebenen Juden bei Leistung des im ganzen Reich üblichen 
Schutzgeldes im Gebiet an Tauber und Neckar und ebenso freier Religionsausübung nach 
dem mosaischen Gesetz sich im Ordensgebiet entfalten konnten: wichtiges einschlägiges 
Material dazu StAL B 287. Den ftlrstlichen Judenschutz gewährte Clemens August im Or- 
densgebiet nur nach Leistung des reichsüblichen Schutzgeldes, s. DOZA GKP 1739. August 
4, Nr. 12. - Zur Situation der Juden im mährisch-schlesischen Ordensbesitz vgI. Demei, 
Schlesien (wie Anm. 134), S. 24. 
212 DemeI, Der ökumenische Auftrag des Deutschen Ordens aus ordensgeschichtlicher 
Sicht, in: ders., Der Deutsche Orden (wie Anm. 4), S. 57-84. 


........
>>>
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>>>
ORDlNES MILlT ARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI - 200 I 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Alvydas Nildentaitis (Vilnius) 


Das Bild des Deutschen Ordens 
in der litauischen Geschichtsschreibung und Publizistik 


Jede historisch bewußte Gesellschaft hat ihre goldenen Zeit. Aus der 
Sicht des 20, Jahrhunderts umfaßte diese Zeit für Litauen die Periode von 
ca. 1250-1450, also die Zeit des Großfürstentums Litauen. Eine solche 
Ansicht vertreten jedoch weniger die Historiker; vielmehr ist eine solche 
Meinung in der litauischen Gesellschaft weit verbreitet. Wenn wir nur die 
populärsten Persönlichkeiten der Geschichte Litauens nehmen, fällt sofort 
auf, daß die meisten von ihnen wie Vytautas, Mindaugas oder Gediminas 
litauische Großfürsten waren'. Daher nimmt auch der Deutsche Orden im 
historischen Bewußtsein der Litauer eine besondere Rolle ein. Der Deutsch- 
ordensstaat war einer der wichtigsten Nachbarn des litauischen Staates, mit 
dem die Litauern jahrhundertelang kämpften 1 , aber auch friedlich zusam- 
menlebten. Zwar schwächte der Deutsche Orden durch seine Raubzüge das 
Land ökonomisch, aber bis zur Union von Krewo und der Taufe Litauens 
1387 stellte er den einzigen Nachbarn dar, von dem das Großfürstentum 
westliche Kultur und Technik, insbesondere auf militärischen Gebiee, über- 
nehmen konnte. Sicherlich prägten bereits die ersten militärischen Konflik- 
te das Bild des Deutschen Ordens. In offiziellen Schriften dieser Zeit (fast 
bis zum Jahre 1422) finden sich sowohl in Litauen als auch in Polen fast 
ausschließlich negative Äußerungen über den Deutschen Orden 4 , schon da- 
mals entstehen erste verallgemeinernde Urteile über den Deutschen Orden 
und seine Vertreter, die als räuberische Menschen, die nur an die Erobe- 
rung fremden Territoriums denken und sich weniger um die Taufe der 
heidnischen Bevölkerung kümmern, charakterisiert werdens. Solche Bilder 
entstanden auf der Basis der staatlichen Konflikte, die privaten Beziehun- 
gen der Oberschicht bei der Staaten sahen ganz anders aus: Die Ordensritter 


115 


--
>>>
empfanden es als große Ehre, wenn ihnen ein Gespräch bei den litauischen 
Großfürsten gewährt wurde 6 . Einer der lattgallischen seniores wurde sogar 
wegen des unanständigen Vorschlages, den livländischen Meister ermorden 
zu lassen, von einem litauischen Großfürsten hingerichtee. Diese rein 
staatlichen, aber keineswegs nationalen Konflikte zwischen dem 13. und 
15. Jahrhundert sind die Ursache, warum über die Konfrontation zwischen 
dem Deutschen Orden und dem Großfürstentum Litauen so schnell verges- 
sen wurde, dass sich die Beziehungen nach dem Frieden vom Melnosee im 
Jahre 1422 entspannten. Mehr als 400 Jahre lang stellte der Deutsche Orden 
dann fast kein Thema in den zeitgenössischen Diskussionen dar. Sogar an 
das berühmte, aber nur für das 20. Jahrhundert wichtige Thema Tannenberg 
1410 wurde in einem ganz anderen Kontext erinnert. In den I itauisch- 
polnischen Debatten vor dem Warschauer Sejm ging es 1564 beispielsweise 
darum. wer die entscheidende Rolle in der Schlacht spielte 8 . Das Thema 
Deutscher Orden wurde in Litauen erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts akut, auf diese Periode bis zur Gegenwart werde ich mich in mei- 
nen Aufsatz konzentrieren. 
Neben traditionellen Fragen, welche Vorstellungen die litauische Ge- 
schichtsschreibung und Publizistik über den Deutschen Orden vermittelten 
und welche zeitpolitischen Umstände sie bestimmten, werde ich mich auch 
mit anderen Problemen auseinandersetzen, beispielsweise dem, welche 
Rolle die Vorstellungen über den Deutschen Orden in Litauen im Ge- 
schichtsbewußtsein der Bevölkerung spielten. Auch gilt es die Hypothese 
zu prüfen, ob die gemeinsame litauisch - polnische Vergangenheit ir- 
gendwelche Spuren im Bild des Deutschen Ordens hinterlassen hat. Als 
wichtigste Quellen verwende ich Arbeiten litauischer Historiker und Pu- 
blizisten. 
Bevor ich direkt zum Thema übergehe, muß man in einigen Wörtern 
erwähnen, nach welchen Kriterien konkrete Arbeiten als Forschungsgegen- 
stand ausgewählt wurden, Solche Bemerkung scheint mir insbesondere für 
historische Forschungen wichtig zu sein, weil keinesfalls alle Arbeiten zum 
Aufbau des Bildes vom Deutschen Orden in gleichem Maße beigetragen 
haben. Das wichtigste Auswahlkriterium für den Verfasser war die Verbrei- 
tung gewisser Charakteristiken nicht nur zwischen den Historikern, sondern 
vor allem in der Gesellschaft, wo oft gewisse Vorstellungen über die Ge- 
schichte politisch instrumentalisiert wurden. Diese Methode erklärt auch, 
warum in diesem Aufsatz nicht die wichtigsten Arbeiten der litauischen 
Geschichtsschreibung berücksichtigt wurden und oft vielmehr die Thesen 
der Amateurhistorikern im Zentrum stehen. Insofern wurde in diesen Text 
keinesfalls das Vorhaben verfolgt, den Stand der Erforschung der Ge- 
schichte des Deutschen Orden in Litauen zu zeigen, sondern es geht viel- 
mehr um die Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart. Dabei 
ist zu bemerken, dass die Geschichte des Deutschen Ordens nur einen klei- 


116
>>>
nen Bestandteil des historischen Bewußtseins der Litauer und ihrer Vorstel- 
lungen über die Vergangenheit bildet. 
Bevor wir versuchen, das Bild des Deutschen Ordens in der litauischen 
Geschichtsschreibung und Publizistik zu rekonstruieren, scheint es mir 
wichtig, einige einführende Worte über die Besonderheit der Situation in 
Litauen in der zweiten Hälfte des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts 
zu sagen. Diese Periode kann man auch als Phase der Entstehung der mo- 
dernen litauischen Nation und des litauischen Staates bezeichnen. Die Ent- 
stehung dieses neuen Gebildes war eng mit der Aufgabe verbunden, sich 
von den Nachbarn abzugrenzen, und beeinflußte direkt die Entstehung neu- 
er Vorstellungen über die umliegenden Völker, wobei die jetzt ausschließ- 
lich national verstandene Vergangenheit massiv zu dieser Neuinterpretation 
beitrug, Sicherlich hat die Unterscheidung zwischen "uns" und "ihnen" die 
neuentstehenden Feindbilder (mit) geprägt, aber nicht alle negativen Dar- 
stellungen über die Nachbarn sollte man direkt als Feindbild bezeichnen. 
Denn die Funktion der konkreten Bilder ist wichtiger als deren Form oder 
Inhalt. Wie Hans Henning Hahn bemerkt, entstehen derartige Feindbilder 
relativ unkontrolliert und spontan, Sie entspringen einem "natürlichen" Be- 
dürfnis zwischen Eigenem und Fremden zu unterscheiden 9 . Für die Interpre- 
tation der Vergangenheit äußert sich das in Versuchen, die eigenen Volks- 
gruppe als positiv darzustellen, wobei diese positive Matrix oft durch die 
negative Darstellung der Nachbarn Konturen erhält. Eine solche Situation 
liegt in Litauen schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vor. Obwohl bis 
in diese Zeit die Polen als Brüder bezeichnet wurden lO und das Geschichts- 
bewußtsein dem polnischen nahestand oder gar identisch war, tauchen 
bereits erste Differenzierungen auf. Besonders deutlich läßt sich dies an 
einem 1857 veröffentlichten Gedicht von J. Dauksys illustrieren: 


Wir Litauer sind wie die BrUder 
Wir sind keine Polen und keine Moskalen 
Wir lieben uns 
Die Polen und die Deutschen versuchen wir zu erwischen 
Sie zu schlagen, erhängen und zu erschießen 
Dann sind wir wieder ruhig 
Weil wir alle hier BrUder sind 
Keine Weißrussen und keine Moskalen 
Wir sind richtige Litauer 
Wir denken alle litauisch 
Und sprechen die litauische Sprache ll . 


Die Kriterien für die Abgrenzung stellen nach Meinung des Dichters die 
litauische Sprache und die litauische Denkweise dar. Dagegen sieht Simo- 
nas Daukantas, der Verfasser der ersten Geschichte Litauens in der litaui- 
schen bzw. zemaitischen Sprache aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, ande- 


117 


.........
>>>
re Kräfte am Werk. Er schließt die Beschreibung der Kämpfe zwischen Li- 
tauern und deutschen Rittern mit den Worten: "Aber man muß auch wissen, 
was die Kreuzzüge bedeuteten, wann sie anfingen und wie sie geführt wur- 
den, damit der Leser besser die Grausamkeit der Christen und die Tapfer- 
keit und die Geduld der Litauer und der Zemaiten verstehen kann"n. Dass es 
sich bei diesem Zitat keinesfalls um ein erstes Feindbild des Deutschen Or- 
dens in der entstehenden litauischen Geschichtsschreibung handelt, belegen 
andere Passagen des Werkes, Der Verfasser beurteilt vielmehr die Verbrei- 
tung des Christentums als eine durchaus positive Erscheinung; beispiels- 
weise zeichnet er ein äußerst positives Bild des ersten livländischen Bi- 
s«::hofs Meinhard (Anfang des 13. Jahrhunderts)13, 
Bei Daukantas und anderen litauischen Autoren stehen auch die natio- 
nalen Gefühle nicht so deutlich im Vordergrund; anscheinend gab es noch 
nicht allzuviele Menschen, die sich als "echte" Litauer fühlten. Die Bestä- 
tigung dieser These findet man wiederum bei der Behandlung des Themas 
Deutscher Orden. Ende des 19. Jahrhunderts schrieb der deutsche Sprach- 
wissenschaftler Adalbert Bezzenberger in der Umgebung von Christmemel 
(Skirsnemune) ein Volkslied über die Schlacht bei Bayerburg vom Jahre 
1337 nieder, in dem wider Erwarten ein litauischer Fürst der "Bösewicht" 
war, der eine junge Frau gefangennahm, die ihre Freiheit wiederum ausge- 
rechnet aus den Händen eines Kreuzritters zurückerhielt 14 , Sicherlich 
könnte es sich in dem erwähnten Fall um eine Ausnahme handeln, da 
Christmemel nicht sehr weit von der damaligen deutsch-litauischen Grenze 
entfernt lag und der litauische Nationalismus zu dieser Zeit noch nicht be- 
sonders stark ausgeprägt war. Auch wenn er seit den achtziger Jahren des 
19. Jahrhunderts sehr starke antipolnische Vorzeichen trug, konnte doch 
noch 1905 eine Geschichte Litauens erscheinen, in der noch keine antipol- 
nische Ressentiments zu finden waren lS , Dieses Werk muß man jedoch be- 
reits als atypisch bezeichnen, denn um diese Zeit erschienen auch die ersten 
Schriften von Maironis (1862-1932), den man ohne Übertreibung als Vater 
des litauischen Nationalismus bezeichnen kann. Maironis erlangte durch 
seine Dramen, aber vor allem durch seine Poesie in Litauen einen hohen 
Bekanntheitsgrad. Gleichzeitig verfasste er eine "Geschichte Litauens,,16, 
aber auch in seinen anderen Werken behandelte er beständig historische 
Themen. Große Popularität genießt bei ihm die Zeit des Großfürstentums 
Litauen und damit auch die Beziehung Litauens zum Deutschen Orden und 
zu Polen; viel Platz widmet er beispielsweise dem Verhältnis zwischen dem 
litauischen Großfürsten Vytautas (polnisch - Witold) und dem polnischen 
König und litauischen Großfürsten Jogaila (polnisch - JagieHo). Auch 
wenn Maironis nicht der einzige war, der sich um diese Zeit historischer 
Themen annahm, prägten dennoch vor allem seine Werke die litauische Ge- 
schichtsschreibung. Er war es auch, der als erster die "Feinde des litaui- 
schen Volkes" definierte. Dabei wurde Polen zum Widersacher Nummer I, 


118 



 


.........
>>>
alle anderen blieben im Schatten dieses Nachbarn, Zwar wurde der Deut- 
sche Orden wegen seiner Aggression gegen Litauen verurteilt, aber für 
Maironis existierte ein deutlicher Unterschied zwischen den Rittern des 
Deutschen Ordens und den Polen. Dem Deutschen Orden wurde die verspä- 
tete Taufe Litauens angelastet 17 , doch vermochte Maironis unter den Or- 
densrittern auch "anständige Leute" zu erkennen, was bei den Polen nicht 
der Fall war. 
Den von Maironis festgelegten Kriterien folgten andere Historiker und 
Publizisten der Zeit. Sie waren begabte Schüler von Maironis, und so be- 
kam das Bild vom Deutschen Orden allmählich eigene Farben. "Die Ver- 
breitung des Christentums war für sie nötig, um unser Land zu plündern 
und unsere Leute zu Sklaven machen zu können.., Deswegen war es sehr 
schwer, unter ihnen anständige Menschen zu finden, denn alle Ordensritter 
waren von Geburt an Räuber und Mörder" - so charakterisierte der Ama- 
teurhistoriker Pranas Klimaitis in seiner 1912 in Kaunas erschienenen 
"Geschichte Litauens" den Deutschen Orden l8 , Maironis und Klimaitis wa- 
ren keineswegs die einzige, die auf diese Weise die Geschichte des Deut- 
schen Ordens schilderten. Eine solche Gegenüberstellung der aggressiven 
Deutschen und der tapferen Litauer war in allen historischen Schriften üb- 
lich. Obwohl diese Werke nicht von professionellen Historikern geschrie- 
ben wurden, benutzte man sie in den Schulen als Schulbücher; insofern war 
die Wirkungskraft dieser Bilder auf die Gesellschaft sehr groß. Eine ähnli- 
che Darstellung der Geschichte des Deutschen Ordens hatte sich in Lettland 
entwickelt. Auch dort wurde sehr viel über die kriminellen Ordensritter ge- 
sprochen l9 , und auch der Hintergedanke war derselbe, nämlich die lettische 
Seite als positives Gegenbild darzustellen. Dagegen war die Theorie des 
"deutschen Dranges nach Osten" in Litauen nicht so verbreitet wie im 
damaligen Polen 10 , trotzdem wurde die Geschichte der Litauer und der 
Deutschen als Kontinuität verstanden. Als 19 18 ein Drama über die Ver- 
teidigung der Burg von Pilenai von 1336 11 vor litauischen Soldaten aufge- 
führt wurde, bewegte das die Litauer, zu den Waffen zu greifen und deut- 
sche Soldaten, die ebenfalls in Kaunas stationiert waren, anzugreifen, Nach 
diesem Vorfall wurde die Aufführung des Werkes in Litauen sogar für eini- 
ge Zeit verboten, um weitere Unruhen zu vermeiden 11 , 
Erst 1921 erhoben sich erste kritische Stimmen. Der später bekannte 
litauische Politiker Augustinas Voldemaras (1883-1944) forderte in bezug 
auf die Geschichte der litauisch-deutschen Beziehungen, dem Deutschen 
Orden in Preußen, aber auch in Livland mehr Aufmerksamkeit zu schenken, 
und warnte gleichzeitig vor einer einseitigen Interpretation. Man müsse die 
Kämpfe der Litauer mit dem Deutschen Orden im Kontext der europäischen 
Entwicklung sehen, und daher sei auch der Sieg bei Tannenberg 1410 nicht 
zu hoch zu bewerten, Der Schwerpunkt des Deutschen Ordens lag, laut 
Voldemaras, nicht in Preußen, sondern im Westen 13 , 


119
>>>
Aus heutiger Sicht läßt sich unschwer erkennen, dass die kritischen 
Aussagen von Voldemaras auch einen Wendepunkt in der Bewertung der 
Geschichte des Deutschen Ordens darstellen. Sicherlich war das nicht das 
ausschließliche Verdienst von Voldemaras, der zudem über viel zu wenig 
Autorität in Historikerkreisen verfügte. Vielmehr ist die Wende der entste- 
henden Schule von professionellen Historikern zuzuschreiben, die ihren 
Anfang in den 20-er Jahren hatte. 
Allerdings läßt sich die differenziertere Interpretation des Ordens nicht 
allein durch die Existenz einer professionellen Historikerzunft erklären. 
Die Situation in Polen belegt, daß dort professionelle Historiker einen gro- 
ßen Beitrag leisteten, um das Feindbild des Deutschen Ordens in der Ge- 
sellschaft zu festigen 14 . Eine große Rolle spielte dabei die politische Situa- 
tion in Polen. Die Lage in Litauen war nicht anders. Auch hier, wie in Po- 
len oder in anderen Länder, erhoben sich Stimmen mit der Forderung, die 
Litauer in der Geschichte Litauens zu finden 1s , oder die Geschichte objek- 
tiv, aber aus litauischer Sicht zu schreiben 16 , Die ausgewogenere Betrach- 
tung der Geschichte des Deutschen Ordens änderte im übrigen nichts an 
den Interpretationen der litauisch-polnischen Beziehungen, obwohl dies von 
Voldemaras in seiner Kritik an der Arbeit von Alekna gefordert worden war 17 , 
Das andere Bild des Deutschen Ordens entstand aufgrund der damaligen 
politischen Konstellation. Der zunehmende Konflikt um Vilnius 18 und die 
deutsche, wenn auch durchaus eigennützige Unterstützung bei der Wieder- 
herstellung der litauischen Unabhängigkeit 19 machten die Fronten klar, die 
kritischen Stimmen der Historiker konnten nur dort Gehör finden, wo die 
aktuellen staatliche Beziehungen einen Status der Normalität erreicht hatten. 
Bevor ich die Veränderungen im Bild des Deutschen Ordens schildere, 
muß zunächst noch die Frage beantwortet werden, ob es den litauischen 
Publizisten und Historikern bis ca. 1920 gelang, ein klares Feindbild des 
Deutschen Ordens aufzubauen. Wenn man nur an das eben angeführte Zitat 
von Klimaitis oder an die Ereignisse in Kaunas im Jahre 1918 denkt, scheint 
diese Frage überflüssig zu sein. Allerdings besitzen Stereotypen, wie be- 
reits erwähnt, eine zweite Funktion: Oft dienen Bilder von Fremden vor 
allem der eigenen positiven Selbstdefinition 30 , Sicherlich es ist sehr schwie- 
rig, diese beiden Funktionen von Stereotypen zu trennen, oft kommen sie in 
einer Mischform vor. In der litauischen Situation am Ende des 19. und zu 
Beginn des 20. Jahrhunderts scheint aber die Funktion der Selbstdefinition 
weitaus mehr Bedeutung zu besitzen. Diese Tendenz kommt besonders 
deutlich in der ersten Ausgabe der ersten nationallitauischen Zeitschrift 
"Ausra" zum Ausdruck, als zunächst versucht wurde, die Gleichberechti- 
gung der litauischen Sprache durchzusetzen. Ähnlich muß man auch das 
Werk von Vydunas 31 über die deutsch-litauischen Beziehungen interpretie- 
ren. Zwar verurteilt er den Deutschen Orden und sieht in der Ansiedlung 
der Deutschen den größten historischen Fehlern, aber gleichzeitig zitiert er 


120 


I
>>>
in seinem Buch Äußerungen berühmter Deutscher über die Preußisch- 
-Litauer, die Funktion der Zitate besteht offensichtlich darin, die Existenz 
dieser Völkergruppe zu rechtfertigen, Ein weiterer Schritt für eine solche 
Rechtfertigung ist das Suchen nach besonderen Heldentaten in der eigene 
Geschichte, was bereits bei Maironis und seinen Nachfolger zu finden ist. 
Eines seiner berühmtesten Gedichte widmete Maironis der ruhmvollen Ge- 
schichte der Burg von Trakai, es wurde sogar in ein Volkslied umgewan- 
delt 33 . In Fällen wie den eben geschilderten steht die Selbstdefinition klar 
im Vordergrund, die "Anderen" dienen hier nur als Staffage. Andererseits 
war die Situation am Beginn des 20, Jahrhunderts in Litauen wohl ähnlich 
der Polens in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Abgrenzung von Fremden 
und die positive Eigendarstellung erscheint auch als Charakteristikum für 
polnische Schriftsteller des 19. Jahrhunderts wie etwa Adam Mickiewicz 
oder auch Henryk Sienkiewicz, In ihren Werken versuchten sie, den Polen 
Mut durch die Rückkehr in die Vergangenheit zu geben; bei dieser Zielset- 
zung spielte es für die beiden Autoren anscheinend nur eine sekundäre 
Rolle, ob die "Bösewichter" Russen oder Deutsche waren 34 . Dass diese Ähn- 
lichkeiten zwischen den Vorstellungen litauischer und polnischer Schrift- 
steller existierten, ist kein Wunder, Adam Mickiewicz galt am Anfang des 
20. Jahrhunderts als Vorbild für litauische Schriftsteller, weil er nach den 
damaligen Vorstellungen als "echter Litauer" galt 3S , insbesondere auf Mai- 
ronis übte Miczkiewicz einen großen Einfluß aus 36 , Nicht zufällig wählte 
dieser in einem seiner Drama ähnliche Motive wie Mickiewicz bei seinem 
Konrad Wallenrod 37 . Viele der Werke von Sienkiewicz wurden zudem am 
Anfang des 20. Jahrhunderts den Litauern in einer litauischen Übersetzung 
zugänglich. Die Tatsache, dass bis zum Anfang der zwanziger Jahre in Li- 
tauen wie in Polen fast ähnliche Bilder vom Deutschen Orden verbreitet 
wurden, ist also kein Zufall, sondern läßt sich auf die enge Verbindung der 
I itau isch-po I n ischen Vergangenheit zurückführen 38 , 
Eine indirekte Bestätigung, dass sich der litauische Nationalismus fast 
ausschließlich mit Polen beschäftigte, liefert uns die litauische Minderhei- 
tenpolitik der zwanziger Jahre. Im Vergleich mit den anderen Minderheiten 
war die jüdische Minderheit in einer priviligirten Lage, für sie wurde sogar 
in der zwanziger Jahren ein Ministerium für jüdische Angelegenheiten ge- 
schaffen 39 . 
Die Welle des wachsenden Nationalismus änderte nichts am Bild des 
Deutschen Ordens. Im Gegenteil: Von litauischen Historikern gab es sogar 
Versuche, das in Ansätzen existierende Feindbild des Deutschen Ordens zu 
korrigieren, als man sich kritisch mit der historischen Tradition auseinan- 
dersetzte. So zweifelte der berühmteste litauische Historiker der Zwischen- 
und Nachkriegszeit Zenonas Ivinskis (1908-1971) die Angaben der Chro- 
nik Wigands von Marburg über die Belagerung der Burg von Pilenai im 
Jahre 1336 40 ohne Rücksicht darauf an, dass diese Episode im Bewußtsein 


121 


........
>>>
vieler Litauer zu einem Symbol ihres heroischen Kampfes gegen die Deut- 
schen im allgemeinen geworden war. Doch sollte man solche kritischen 
Stimmen nicht verallgemeinern. Auch wenn aus den Beziehungen zwischen 
dem Deutschen Orden und dem Großfürstentum Litauen keine Schlußfolge- 
rungen für die aktuellen deutsch-litauischen Beziehungen gezogen wurden, 
bedeutet das nicht, dass es keine Mißinterpretationen gegeben hat. Es mutet 
zunächst seltsam an, doch wurde auch dieses Thema teilweise in histori- 
schen Arbeiten, aber insbesondere in der historischen Publizistik als eine 
Waffe gegen Polen eingesetzt. Das Thema Tannenberg 1410 fand zwar in 
den Jahren der besonderen Spannung zwischen Litauen und dem Dritten 
Reich 1934-1935 als wichtiges Symbol gegen den deutschen "Drang nach 
Osten" Verwendung 4 \ aber viel wichtiger für die litauischen Historiker und 
die Gesellschaft war die Frage, wer die entscheidende Rolle in dieser 
Schlacht gespielt hatte, Litauer oder Polen, und ob der Sieg unter Führung 
von Jogaila, dem "Verräter der nationalen Interessen" Litauens 41 , oder von 
Vytautas erreicht wurde 43 , Auch die Interpretation des litauischen Natio- 
nalheiden Vytautas wurde nicht für die deutsch-litauischen Beziehungen, 
sondern für die polnisch-litauischen Gegensätze, und nicht nur in der Ver- 
gangenheit (wie beispielsweise der mißlungene Krönungsversuch von 
1430)44, sondern auch in der Gegenwart benutzt. Anläßlich der Feier des 
500-sten Jahrestages des Todes von Vytautas wurde er oft als erster Be- 
freier von Vilnius bezeichnet 4s . 
Die antipolnischen Tendenzen in der Darstellung des Deutschen Ordens 
sind überdeutlich, aber wenn es um die direkten Beziehungen zwischen 
dem Deutschen Orden und Litauen ging, vergaßen die litauischen Histori- 
ker nicht, den weltlichen Charakter des Deutschen Ordens zu betonen: "Die 
gesamte historische Literatur, die den Deutschen Orden als einen heiligen 
Märtyrer darstellt, ist subjektiv. Es ist richtig, dass die Kreuzritter viel Blut 
verloren und ihr Leben geopfert haben, aber sie taten dies nicht um des 
Glaubens und der Kirchen willen, sondern aus politischer Absicht" - so 
charakterisierte die Rolle des Deutschen Ordens einer der berühmtesten li- 
tauischen Historiker, Juozapas Stakauskas (1900-1972)46, Solche Bemer- 
kungen waren durchaus nicht aus der Luft gegriffen, jedenfalls entsprachen 
sie dem Geist der damaligen Geschichtsschreibung. Sicherlich projizierten 
die litauischen Autoren auch die Folgen der Auseinandersetzungen zwi- 
schen Litauen und dem Deutschen Orden auf spätere Zeiten. Besonders oft 
konnte man Behauptungen wie das "Großfürstentum Litauen hat den weite- 
ren Gang der Germanisierungsprozesse gestoppt und zum Teil das lettische 
Volk gerettet,,47 finden, aber auch solche Behauptungen waren weniger 
feindlich gegenüber den Deutschen als vielmehr der Versuch (insbesondere 
beim zweiten Teil des Zitates), die Rolle Litauens in der Geschichte her- 
vorzuheben, um den litauischen Patriotismus zu stützen. Als Resümee für 
diese Epoche können wir festhalten, dass litauische Historiker negative 


122 


....
>>>
Bilder über den Orden deutlich abbauten. Offensichtlich ist auch, dass ei- 
genständige Vorstellung von den Beziehungen zum Deutschen Orden ent- 
wickelt wurden. In der Geschichte der bilateralen Beziehungen wurden be- 
sonders diejenigen Momente hervorgehoben, in denen man deutlich eine 
Rivalität zu Polen erkennen konnte, doch die eigentliche Geschichte des 
Deutschen Ordens wurde fast neutral vorgestellt. Obwohl am Ende der 
dreissiger Jahre sogar die Mahnung der Historiker zu hören war, die Ge- 
schichte zu entpolitisieren 48 , waren solche Wünsche doch reine Utopie. Da 
das ziemlich neutrale Bild des Deutschen Ordens durch eine günstige poli- 
tische Konstellation geschaffen wurde, wäre auch bei einer Verschlechte- 
rung der deutsch-litauischen Beziehungen der Bedarf einer Neuinterpreta- 
tion der Beziehungen zwischen dem Deutschen Orden und Litauen entstan- 
den. Daß solch ein Perspektivenwechsel auch während der Zwischenkriegs- 
zeit durchaus nicht unmöglich war, belegen die Debatten über die Besied- 
lung Preußisch-Litauens deutlich. Politisch wurden sie aktuell, als sich 
1934-1936 die Beziehungen zwischen Deutschland und Litauen sich durch 
politische Konflikte im Memelgebiet verschlechterten 49 . Hinzu kommt, dass 
es auch nicht die kleinsten Ansätze zu einer Entnationalisierung der Ge- 
schichte gegeben hat, der wichtigsten Komponente für eine Bewältigung 
der Geschichte. Deshalb konnte die Geschichte jederzeit mit anderen Ak- 
zenten neugeschrieben werden; dieser Fall trat kurz nach dem Zweiten 
Weltkrieg ein. 
Es ist schwierig zu sagen, wie sich das Geschichtsbild Litauens verän- 
dert hätte, wenn es den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben hätte. Die neue 
"Entdeckung der Geschichte" (oder besser gesagt: der Feindbilder) wäh- 
rend des 2. Weltkrieges durch Stalins Rußland betraf auch die litauische 
Geschichtsschreibung und Publizistik. Nun wurde die Geschichte des Deut- 
schen Ordens zu einem bevorzugten Thema, und man konstruierte eine di- 
rekte Verbindung zwischen den Deutschordensrittern und der SS, die auch 
bei der Wortwahl ihren Ausdruck fand. Kurz nach dem Krieg konnte man 
Artikel über die Ordensritter als Hunde lesen 50 , Bücher mit Titeln wie 
"Gegen den ewigen Feind"sl waren keine Besonderheit. Schnell entstanden 
Ansätze, die ganze Geschichte unter antideutschem Vorzeichen zu revidie- 
ren 51 , und ein solcher Paradigmenwechsel konnte durchaus gewisse Erfolge 
in der Bevölkerung verzeichnen. So wurde der Versuch, den alten Namen 
der Vytautas-Schule in Klaipeda zu erhalten, mit der anti deutschen Hal- 
tung des Großfürsten begründet S3 , Die antipolnischen Tendenzen dagegen 
verschwanden völlig aus dem Alltagsleben. Die Situation in Litauen in der 
ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg ähnelte der polnischen, auch 
wenn dort die Feindbilder des Deutschen Ordens bereits in der Vorkriegs- 
zeit bestanden s4 . Dieses Beispiel belegt auch eindringlich, wie lebendig und 
leicht manipulierbar Stereotypen sind ss . Dennoch existierte zwischen Li- 
tauen und Polen ein wesentlicher Unterschied: trotz der ausgeprägten 


123
>>>
Feindbilder der nationalen Geschichte erlaubte man in Litauen den Rück- 
griff auf diese nur wenige Jahre. Für fast 10 Jahre wurde Litauen dann eine 
Gesellschaft ohne Geschichte, wenn man die Schriften über verschiedene 
sozialistische Revolutionen als ersnsthaften Ersatz bezeichnen will. 
Der Bedarf einer Legitimation der sowjetischen Herrschaft führte dann 
Ende der fünfziger Jahre dazu, dass die Geschichte wieder ihren Einzug ins 
offizielle Leben hielt. Die Sowjetherrschaft in Litauen sollte mit dem Mit- 
tel des Nationalismus gestärkt werden s6 , Auch wenn das Hauptaugenmerk 
auf die sogenannten Revolutionen von 1905 und 1940 gerichtet war, unter- 
lag doch die gesamte Geschichte einer Revision. 
Das neue, offiziell geförderte Geschichtsbild sollte etwas unmögliches 
erreichen, nämlich die politischen Interessen der Sowjetunion mit den natio- 
nalen Interessen Litauens in Einklang zu bringen. Obwohl das, wie gesagt, 
unmöglich schien, ließ sich dieser Ansatz noch am besten für die mittelal- 
terliche Geschichte Litauens und dabei insbesondere für die Beziehungen 
zwischen dem Großfürstentum Litauen und dem Deutschen Orden realisie- 
ren. Bei der Konstruktion dieses neuen Geschichtsbildes wurden auch die 
jüngsten Erfahrungen instrumentalisiert, indem die deutschen Ritter zu mit- 
telalterlichen Nazis stilisiert wurden s7 . Gleichzeitig wurde die Unterstützung 
durch das russische "Brudervolk" permanent in den Vordergrund gestellt. 
Zudem wurde diese Hilfe personalisiert; als neuer Topos der Geschichts- 
schreibung firmierte das fiktive Bündnis des russischen Fürsten Alexander 
Newski mit Litauen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts s8 . Die Schlacht bei 
Tannenberg 1410 paßte sich sehr gut in dieses Geschichtsbild ein, da in der 
historischen Überlieferung der Schlacht auch einige russische Namen vor- 
kamen. Die Interpretation der Schlacht gestaltete sich einfach, denn die 
These vom Sieg des Slaventums über die Germanen war schon in der russi- 
schen und polnischen Historiographie vorhanden. Den litauischen Histori- 
kern kam daher nur die Aufgabe zu, den litauischen Anteil nicht völlig in 
Vergessenheit geraten zu lassen s9 , Es ist interessant, dass das neue Ge- 
schichtsbild wahrscheinlich vorsah, auch Polen mit Litauen zu "versöhnen". 
Juozas Ziugzda, ein verdienstvoller Apologet der sowjetischen Macht, schrieb 
1962 ein Buch über die freundlichen Beziehungen zwischen dem polni- 
schen und litauischen Volk 60 , in dem nicht nur der gemeinsame Kampf ge- 
gen die deutschen Ritter, sondern auch das gemeinsame Vorgehen Litauens 
und Polens gegen Schweden im 17. Jahrhundert positiv dargestellt wurde 61 . 
Für Kenner der litauischen Historiographie ist offensichtlich, dass diese 
Behauptungen von Ziugzda völlig im Gegensatz zur früheren historischen 
Tradition stehen, die die Ereignisse des 17. Jahrhunderts als einen Befrei- 
ungsversuch Litauens aus der Union mit Polen interpretierte 61 , Doch solche 
Bemühungen widersprachen der weiterhin bestehenden antipolnischen Tra- 
dition, weswegen die neuen Versuche, Polen und Litauer auszusöhnen, kei- 
ne Unterstützung fanden. Vor allem die jüngste Vergangenheit, und dabei 


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........
>>>
insbesondere der Kampf um Vilnius, beeinflußten diesen Prozeß. Wenn da- 
bei die Sowjetunion als Freund der litauischen Nation gezeigt werden soll- 
te, wer konnte dann noch die Rolle des Bösen übernehmen? Wenn diese 
Geschichtsinterpretation als ein kontinuierlicher Prozeß verstanden wird, 
dann firmierten die Nachfolger der deutschen Ritter als SS-Männer, und 
folgerichtig kämpften dann Vorfahren des polnischen Generals Zeligows- 
kis, der 1920 Vilnius eroberte, zusammen mit Litauern in der Schlacht von 
Tannenberg. Eine solche Interpretation der litauisch-polnischen Beziehun- 
gen war undenkbar, und deswegen mußte man auf eine Aussöhnung mit 
Polen in der Geschichte verzichten. Vielleicht eben deswegen erschien das 
oben erwähnte Buch nur auf Polnisch, ins Litauische wurden die Gedanken 
von Juozas Ziugzda (1893-1979) meines Wissens nie übersetzt. 
Nachdem der Nationalismus als Mittel für die Legitimation der Sowje- 
therrschaft wieder entdeckt worden war, sprengte er jedoch bald den von 
oben vorgegebenen Rahmen, weil die litauische Geschichtsschreibung ei- 
gene Theorien entwickelte, die zum Ziel hatten, den nationalen Gedanken 
zu stärken. Von solchen Theorien sind vor allem diejenigen über den zwei- 
fachen Schild und über die baltische Einheit erwähnenswert. Beide verfolg- 
ten ein ähnliches Ziel, nämlich durch die Bedeutung der historischen Rolle 
des Großfürstentums Litauen die nationalen Gefühle in der Gegenwart 
zu stärken; ein Ansatz, den bereits Adam Mickiewicz in der Mitte des 
19. Jahrhunderts verfolgte. Die Schildtheorie hob die Rolle Litauens als 
Verteidiger des Ostens vor dem Deutschen Orden und des Westens vor den 
Tataren hervor 63 , dagegen galt in der zweiten Interpretation das Großfür- 
stentum als Führer aller Balten im Kampf gegen die deutschen Ritter 64 , und 
Zwar in einem ganz modernen Sinn. Die Balten einigten sich deshalb, weil 
sie die eigenen nationalen Interessen schon im 13. Jahrhundert richtig er- 
kannten 65 , Die Anziehungskraft dieser Theorien war sehr groß, sie wurden 
sogar von anderen Fachwissenschaftlern 66 und von Politikern kurz nach der 
Wende 1989/91 übernommen 67 , Eine emotionale Ausgestaltung erhielten 
diese Theorien in verschiedenen Werken von Schriftstellern. Um die Ver- 
dienste der Litauer besonders deutlich zu machen, versuchten sie oft. die 
andere Seite besonders grausam darzustellen. 
Auch wenn solche Schilderungen stark an die Feindbilder der ersten 
Nachkriegsjahre erinnerten, haben sie nichts mit einem instrumentalisierten 
Haß auf die Deutschen zu tun. Vielmehr sollten sie ähnlich wie am Anfang 
des 20. Jahrhunderts der Selbstdefinition dienen. Die Anpassung dieser Ge- 
schichtsinterpretationen an alltägliche Zwecke ist diesmal vielleicht sogar 
noch deutlicher als um 1900. So entstand beispielsweise aus der Theorie 
des zweifachen Schildes der Glaube an eine moralische Überlegenheit der 
Litauer gegenüber anderen Völkern 68 , oft wurde Litauen sogar die Rolle 
eines moralischen Vorbildes des Westens zugewiesen 69 , Sicherlich wurde 
dies auch als eine Art von "Selbstopferung" verstanden 70 , so daß die Litau- 


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>>>
er sich selbst als eines der größten Opfer der Welt sahen 71, In der Zeit des 
Umbruchs wurde eine solche Instrumentalisierung der Geschichte zur Re- 
gel. So machte man beispielsweise in einer Debatte um den Bau eines 
Vytautas-Denkmals den Großfürsten zum ersten Antikommunisten 71 . Damit 
wurde auch der Deutsche Orden zum Bestandteil eines allumfassenden Pro- 
zesses der Geschichtsideologisierung, auch wenn er im Grunde genommen 
dabei eine eher geringere Rolle spielte. Wenn seine Geschichte zu diesen in 
der Wendezeit blühenden Theorien paßte, wurde sie verwendet, wenn nicht, 
wurde nach anderen Beispielen gesucht. 
In der Entwicklung jeder Region existieren Momente, in denen man auf 
Geschichte zurückgreift, um Fragen des alltäglichen Leben zu beantworten. 
In solchen Augenblicken wird fast jede gesellschaftlich aktive Person zu 
einem ausgewiesenen Kenner der eigenen Geschichte. Sicherlich bezieht 
eine solche Person ihre Kenntnisse aus historischen Arbeiten, denn eine 
Verbindung zwischen Publizistik und Historiographie ist immer vorhanden. 
Die bestehenden Stereotypen kann man dabei kaum abbauen, aber man 
kann versuchen, die Inhalte bestehender Klischees zu beeinflussen. Deswe- 
gen ist eine Bewältigung der Geschichte so wichtig, wobei es von besonde- 
rer Bedeutung ist, den lächerlichen Inhalt der bestehenden Vorstellungen 
von den Nachbarn, die im Prinzip fast in allen Länder ihrer Struktur nach 
ähnlich sind, aufzuzeigen. Diese Absicht stand auch im Hintergrund meines 
Beitrages. 
Abschließend einige Thesen: 
I. Das Bild des Deutschen Ordens nimmt einen der wichtigsten Plätze 
im historischen Bewußtsein der Litauer ein. Während erste Beurteilungen 
dieses historischen Nachbarn schon im Mittelalter entstanden, wurde das 
heutige Bild des Deutschen Ordens erst im Laufe des 20. Jahrhunderts 
entwickelt. 
2. In meinem Aufsatz ging es neben traditionellen Fragen zu dieser Pro- 
blematik vor allem darum, welche Rolle die Vorstellungen über den Deut- 
schen Orden im Geschichtsbewußtsein Litauens spielten und welche Funk- 
tion sie innehatten, 
3. Im Laufe des 20. Jahrhunderts lassen sich drei Etappen bei der Ent- 
wicklung des Bildes des Deutschen Ordens feststellen. 
4. Die erste Etappe um faßt die Periode vom Ende des 19. bis in die 
zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, Der Deutsche Orden wurde in so 
schwarzen Farben dargestellt, daß er sogar Züge eines Feindbilds annahm. 
In der Gesellschaft Litauens wurde eine historische Kontinuität "erkannt", 
und die Deutschordensritter wurden den Bermont-Awalow-Truppen gleich- 
gesetzt. 1918 kam es sogar zu einigen militärischen Zusammenstößen, die 
direkt durch diese Parallelen inspiriert waren. Die wichtigste Funktion vom 
Bild des Deutschen Ordens in dieser Zeit bestand jedoch in der Stärkung 
der nationalen Identität, die Auswirkungen des Feindbildes sind also eher 


126
>>>
- 


ein Nebenprodukt der allgemeinen Entwicklung. Eine ähnliche Situation 
läßt sich in Polen Mitte des 19. Jahrhunderts beobachten. Diese Parallelen 
scheinen nicht zufallig zu sein. Am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahr- 
hunderts standen litauische Historiker und Publizisten unter dem starken 
Einfluß polnischer Autoren, vor allem von Mickiewicz und Sienkiewicz. 
Insofern besitzen die entstehenden Bilder des Deutschen Ordens in Litauen 
sehr starken Bezug auf die polnischen, ihre Herkunft ist auf die gemeinsa- 
me polnisch-litauische Vergangenheit zurückzuführen. 
5. In der zweiten Etappe, die die Zwischenkriegszeit umfaßt, haben wir 
es mit eher objektiven Bildern des Deutschen Ordens zu tun. Die Erklärung 
hierfür ist in der politischen Situation der ersten litauischen Republik zu 
suchen. Die Konflikte mit Polen aus der Zeit der litauischen Nationalbewe- 
gung erreichten in den ywanyiger Jahren eine neue Phase. Nach der Erobe- 
rung von Vilnius wurde Polen zum "Erbfeind des litauischen Nation". In 
Deutschland sah man folgerichtig aus litauischer Sicht eine Kraft, die den 
polnischen "Drang nach Osten" verhindern konnte. Insofern erhielten die- 
jenigen Bilder, die in Polen als deutschfeindlich galten, in Litauen eine 
neutrale oder sogar eine polenfeindliche Interpretation. 
6. In der sowjetischen Zeit erhielt das Bild des Deutschen Ordens eine 
weitere Bedeutung. Mitte der vierziger, aber insbesondere ab Ende der 
fünfziger Jahre versuchte man in der offiziellen Propaganda das Deutschor- 
densbild für antiwestdeutsche Stimmungen zu nutzen. Diese Versuche sind 
aber nur in Ansätzen zu erkennen, weil zugleich die Besorgnis mitspielte, 
dass damit auch nationalistische Stimmungen und antisowjetische Ressen- 
timents geweckt werden könnten. 
7. Auch wenn in der Tat die Geschichte der Beziehungen zwischen dem 
Großfürstentum Litauen und dem Deutschen Orden der Stärkung der natio- 
nalen Identität in der Sowjetzeit diente, belegt die Zeit nach der Wende 
recht deutlich, dass das von der Propaganda instrumentalisierte Bild des 
Deutschen Ordens auch heute noch teilweise wirksam ist. Manchmal, wenn 
auch nicht besonders oft, taucht es beispielsweise bei der Darstellung von 
"deutschen Plänen" im Königsberger Gebiet auf und dient, wenn auch indi- 
rekt, als "Beweis" der Aggressivität der Bundesrepublik Deutschland. 


Anmerkungen 


I I. !Sutiniene, Tautos istorijos mitai Lietuvos gyventoj4 sqmoneje, Vilnius 1997, S. 70, 
Tabelle I. 
2 Über die militärischen Konflikte zwischen dem Deutschen Orden und dem Großfür- 
stenturn Litauen gibt es ausftlhrliche deutsche, polnische und litauische Arbeiten. Hier seien 


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nur einige das Thema zusammenfassende Arbeiten erwähnt: H. Boockmann, Der Deutsche 
Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte, MUnchen 1989 (zweite Ausgabe); M. Biskup, 
G. Labuda, Dzieje zakonu krzyiackiego w Prusach, Gdansk 1986; Lietuvi/.l karas su kryiiu- 
ociais, Vilnius 1964. 
3 Vgl. A. Nikfentaitis, Nuo Daumanto iki Gedimino. IkikrikScioniskos Lietuvos visuo- 
menes bruoiai, Acta historica universitatis Klaipedensis V, Klaipeda 1996, S. 43ff. 
4 VgI. W. Wippermann, Der Ordensstaat als Ideologie. Das Bild des Deutschen Ordens 
in der deutschen Geschichtsschreibung und Publizistik (Einzel veröffentlichungen der Histo- 
rischen Kommission zu Berlin 24), Berlin 1979, S. 28-75. 
5 Vgl Gedimino laiskai, hg. v. V. Pa
uto, Vilnius 1966. 
6 VgI. Nikfentaitis, Nuo Daumanto iki Gedimino (wie Anm. 3), S. 49; Scriptores Rerllm 
Prussicarum (weiterhin zit. SRP), hg. v. T. Hirsch, E. Strehlke, M. Toeppen, Rd. 3, Leipzig 
1866, S. 267. 
7 SRP, Bd. 2, Leipzig 1864, S. 72. 
8 A. Nikfentaitis, Bitwa pod Grunwaldem w ocenie spoleczenstwa litewskiego XV-XVI 
stulecia, in: Studia grunwaldzkie, Olsztyn, 1994, T. 4, S. I I f. 
9 H. H. Hahn, Stereotypen in der Geschichte und Geschichte im Stereotyp, in: Histo- 
rische Stereotypenforschung. Methodische Überlegungen und empirische Befunde, hg. 
v. H. H. Hahn (Oldenburger Schriften Geschichtswissenschaft 2), Oldenburg 1995, S. 190- 
-205, hier S. 194. 
10 VgI. A. Kulakauskas, Nuo Didiiosios KunigaikStystes iki Respublikos: Lietuvos etno- 
politines raidos XIX amiiuje bruoiai, in: Kultüros barai, 1995, Nr. I, P. 60; V. Savukynas, 
Kaip galvojame apie kitus. Lenlai ir rus/.l atvejai, in: Kultüros barai, 1998, Nr. 7, P. 56. 
11 V. Savukynas, Mes ir jie (religines tapatybes konfigüracijos XIX a. antroje puseje), 
in: Kultiiros istorijos tyrinejimai, Vilnius, 1998, T. 4, P. 240. Der Text auf der S. 240: 
Meas Lietuwnikaj brolaj, 
Nea Linkaj, nea Maskolaj 
Wienas kitu milam. 
Linkus(,) Wokeat
ius gavdom (,) 
Mu
am, kiartam ir öavdom (.) 
Jus padaufi wel tilam 
Nes mes wisi gia brolaj (,) 
Nea Gudaj (,) nea Maskolaj, 
Bet tikri Lietuwnikaj, 
Meas Lietuwi
kaj mastome 
Ir Lietuviu kalbu kalbam 
Ir kaip Lietuwnikaj dirbam. 
J. DauBys der litauische Kleinadliger, lebte Mitte des 19. Jahrhunderts, hat am Aufstand 
von 1863 teilgenommen und ist 1890 in Sibeirien gestorben. 
12 S. Daukantas, Rastai, Vilnius 1976, T. 2, S. 91. 
13 Ebd., S. 86. 
14 A. Bezzenberger, Eine historische daina, Altpreussische Monatschrift 15, 1878. 
S. 642-646. 
IS M. Cepas, K. Grinius, F. Janu
is, M. Venclova, Trumpa senosios Lietuvos istorija, 
Tilfe 1864. Das Buch ist in dcr Verbotzeit der litauischen Presse erschiene, das richtige 
Erscheinungsjahr ist 1892. Vgl. Lietuvos TSR bibliografija, Vilnius 1988, Bd. 2., S. 198, 
Nr. 3499; VgI. A. NiUentaitis, Bohater czy zdrajca? Formowanie si(/. na Litwie stereotypu 
Jagielly w okresie XV-XX wieku, Znak 3, 1992, S. 47f. 
16 Maironis, Lietuvos istorija, 3. Aufl. Peterburga 1906. 
17 Ebd. 


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-.. 


- 


18 P. Klimaitis, Lietuvos istorija, Kaunas 1912, S. 25. 
19 VgI. die Überlegungen von H. Biezais, Bischof Meinhard zwischen Visby und der Be- 
völkerung Livlands, in: Kirche und Gesellschaft im Ostseeraum und im Norden vor der 
Mitte des 13. Jahrhunderts, hg. v. S. Ekdahl, Acta Visbyensia 111, Göteborg, 1969, S. 77-99, 
hier S. 84. 
20 W. Wippermann, Der "deutsche Drang nach Osten". Ideologie und Wirklichkeit eines 
politischen Schlagwortes, Darmstadt 1981, S. 47-59. 
21 1336 belagerten die Ritter des Deutschen Ordens eine litauische Burg Pilenen. Die Ver- 
teidiger haben sich als es keine Hoffnung mehr gab sich gegen den Angriff des Deutschen 
Ordens zu wehren, sich verbrannt. VgI. darüber: A. Nikfentaitis, Pilen/.l mjsle, Vilnius, 1992. 
22 Vgl. Lietuvi/.l enciklopedija, Boston 1959, Bd. 17, S. 308. Diese Geschichte wurde 
auch während des Zweiten Weltkriegs instrumentalisiert. Die Soldaten der 16. litauischen 
Division, die auf der Seite der Sowjetunion kämpfte, haben 1942 den Margiris, den Führer 
von der Burg Pilenai, einem Eid schwören lassen an den Deutschen Rache zu üben. Vgl. 
Tevyne 
aukia, vom 9. Mai 1942. 
23 Die Kritik von A. Voldemaras an Aleknas Geschichte Litauens, Kaunas 191 I, ist in: 
Mus/.l senove, Bd. I, Buch 1 (1921), S. 108 ff. abgedruckt. 
24 Wippermann, Der Ordenstaat (wie Anm. 4), S. 354-359. 
25 A. 
apoka, Raskime lietuvius Lietuvos istorijoje, Naujoji Romuva, 2, 1932, S. 482. 
26 J. Matusas, Istorijos mokslas ir tautine politika, Vairas, 12, 1935, S. 394f. 
27 Voldemaras, Geschichte Litauens (wie Anm. 23), S. 110. Voldemaras forderte, bei der 
Betrachtung der Union von Kreva/Krewo von den persönlichen Interessen Jogailas und 
nicht von den staatlichen Interessen des Großfürstenturns auszugehen. Die Berechtigung 
dieser Forderung haben die späteren Forschungen von J. Bardach und E. Gudavicius bewiesen. 
28 In der litauischen Presse der 20er Jahre konnte man auch die Forderung finden. nichts 
Positives über die gegenwärtige Situation in Polen zu schreiben. Man hoffte damals, mit 
deutscher Hilfe Vilnius zu befreien. VgI. A. Nikfentaitis, Das Bild der Deutschen in Zwi- 
schenkriegszeit Litauen, in: Die deutsche Volksgruppe in Litauen und Memelland während 
der Zwischenkriegszeit und aktuellen Fragen des deutsch-litauischen Verhältnisses. hg. 
v. B. Meissner u.a., Hamburg 1998, S. 240. 
29 VgI. A. Eidintas, Die litauisch-deutschen Beziehungen des 20. Jahrhunderts in der 
litauischen Forschung, in: Deutschland und Litauen. Bestandaufnahmen und Aufgaben der 
historischen Forschung, hg. v. N. Angermann, J. Tauber, Lüneburg 1995, S. 67f. mit Hin- 
weisen auf die weitere Literatur. 
30 R. Jaworski, Oste uropa als Gegenstand historischer Stereotypenforschung, Geschichte 
und Gesellschaft 13. 1987, S. 63-76. 
31 Zu dieser Person: Z. Ivinskis, in: Altpreußische Biographie, Marburg/Lahn, 1967, 2, 
S.764. 
3
 W. Storost Vydunas, Sieben hundert Jahre deutsch-litauischer Beziehungen, 2. Auf- 
lage. Chicago 1982. 
B Trakq pilis, in: Maironis, Pavasario balsai, Vilnius 1970, S. 15f. 
]4 G. Rhode, Das Bild des Deutschen im polnischen Roman des 19. und beginnenden 20. 
Jahrhunderts und das polnische Nationalgefühl. Ostdeutsche Wissenschaft, 8. 1961, S. 327- 
-366, hier S. 347f. Zu dem Bild der Deutschen in Polen zur dieser Zeit: Wrzesinski, 
Sqsiad czy wrog? Ze studiow nad ksztaltowaniem obrazu Niemca w Polsce w latach 1795- 
-1939, Wroclaw 1992, S. 66-416. 
3S Vgl. die zeitgenössischen Beobachtungen von J. Wronka, Kurland und Litauen, Frei- 
burg im Breisgau, 1917, S. 76. Über die spätere Polemik, ob Mickiewicz ein Pole oder ein 
Litauer war: V. Kubilius, Lietuvi/.l literatura ir pasaulines literatiiros procesas, Vilnius 
1983, S. 55f. 


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36 Vgl. Kubilius, Lietuvill (wie Anm. 35), S. 41-65. 
37 A. Mickiewicz hatte sehr großen Einfluß für die ganze litauische Dramaturgie am An- 
fang des 20. Jahrhunderts. Vgl. KubiIius, Lietuvill (wie Anm. 35), S. 62f. 
38 Ausführlich hat sich mit dieser Problematik Darius Staliunas auseinandergesetzt: Vgl. 
D. Staliunas, Die litauische Nationalidentittit und die polnische Literatur, in: Literatur und 
nationale Identität 11. Thema des literarischen Nationalismus und der nationalen Literatur 
im Ostseeraum, hg. v. I. Varpio, M. Zadencka, Tampere 1999, S. 201-216. 
39 Vgl. M. Messmer, Sowjetischer und postkommunistischer Antisemitismus. Entwick- 
lungen in Russland, der Ukraine und Litauen, Konstanz 1997, S. 436 ff. Dort die Angaben 
an die weitere Literatur. 
40 Z. Ivinskis, Pilenai ir Margis pries 600 metu, Kardas, 23. 1936, S. 614-617. 
41 Vgl. A. Nikfentaitis, Zalgiris: Zur Bedeutung und Funktion eines litauischen Natio- 
nalmythos, in: Mare Balticum (in Vorbereitung). 
42 Vgl. Nikfentaitis, Bohater (wie Anm. 15), S. 40-48. 
43 V gl. A. Ku
inskas, Zolgirio mü
is, in: Jogaila, hg. v. A. Sapoka, Kaunas, 1935, S. 69-9 I. 
44 Vgl. J. Pfitzner, Großfürst Witold von Litauen als Staatsmann, Brünn, 1930. S. 194 fT.; 
Z. Ivinskis, Lietuvos istorija iki Vytauto Didziojo mirties, Roma 1978, S. 372 ff. 
45 A. Nikfentaitis, Der Vytautaskult in Litauen (/5.-20. Jahrhundert) und seine Wider- 
spiegelung im Denkmal, Nordost-Archiv. Zeitschrift fUr Regionalgeschichte, NF. Bd. 611997. 
H. I, S. 141. 
46 J. Stakauskas, Lietuva ir Vakarll Europa XllI-ame amziuje, Kaunas 1934, S. 72. 
47 Z. Ivinskis, Senosios Lietuvos vaidmuo Europos istorijoje, Zidinys, 5-6, 1936, S. 5 10. 
48 Z. Ivinskis, Lietuvos istorija romantizmo metu ir dabar, Lietuvos Katalikl) Mokslo 
Akademijos Suvafiavimo darbai, 4, 1940, S. 1-22, hier S. 22. 
49 VgI. Nikfentaitis, Das Bild (wie Anm. 28), S. 249 ff. 
50 Vgl. J. Ziugzda, Lielllviu tautos kova prieS vokijkuosius grobikus riterius, Moskau 
1942. 
51 K. Korsakas, Pries amzinqji prieSa, Kaunas 1945. 
52 Vgl. ebd., Der Verfasser versucht, die antideutschen Tendenzen in den Werken der 
litauischen Klassiker wie Donalitius, Daukantas, Maironis, Vydunas u.a. zeigen, um damit 
die antideutsche Ausrichtung der litauischen Gesellschaft deutlicher zu machen. 
53 Nikfentaitis, Der Vytautaskult (wie Anm. 45), S. 142f. 
54 Wippermann, Der Ordensstasat (wie Anm. 4), S. 360 ff.; 800 Jahre Deutscher Orden, 
München 1990, S. 440 ff. 
55 J. Berting, Ch. ViIlain-Gandosssi, Rola i znaczenie stereotypow narodowych w sto- 
sunkach mit:dzynarodowych: podejScie interdyscyplinarne, in: Narody i stereotypy, hg. 
v. T. Walas, Krak6w 1995, S. 24f. 
56 V. Krapauskas, Marxism and Nationalism in Soviet Lithuanian Historiography, Jour- 
nal of Baltic Studies, 3, 1992, S. 239-260; B. Christophe, Staat versus Identität. Zur Kon- 
struktion von.. Nation" und.. nationalem Interesse" in den litauischen Transformationsdis- 
kursen von 1987 bis 1995 (Mittel- und Osteuropawissenschaften, Reihe Politik 1), Köln 
1997, S. 58-64. 
57 B. Dundulis, Lietuvos kova det valstybinio savarankiskumo XV amziuje, Vilnius 1966. 
58 Vgl. V. Pa
uto, Obrazovanije litovskogo gosudarstva, Moskva 1959. S. 382: Lietuvill 
karas su kryiiuociais, Vilnius 1964, S. 159f. Über die Rolle von Alexander Nevski in der 
politisierten sowjetischen Geschichtschreibung: Wippermann, Der ..deutsche Drang nach 
Osten" (wie Anm. 20), S. 59 ff. 
59 M. Jucas, Zalgirio musis, Vilnius 1959. 1960 wurde auch in Litauen das 550-ste Jubi- 
läum der Schlacht gefeiert. Im selben Jahr wurde auch als erstes Denkmal ein kleiner 
Gedenkstein in der Nähe von der Burg von Gediminas in Vilnius errichtet. 


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60 J. Ziugzda, Rozwoj stosunkow przyjaini mil:dzy narodami litewskim i polskim, Wilnius 
1962. 
61 Ebd., S. 18. 
62 Vgl. Lietuvos istorija, Kaunas, hg. v. A. 
apoka, Vilnius 1936, S. 327 ff. 
63 Ausführlich ist diese Theorie im Buch von R. Batura vorgestellt: Lietuva tautll kovoje 
su Aukso Orda, Vilnius 1968. 
64 R. Batüra, Petras Dusburgietis. Prüsijos iemes kronika, Vilnius 1995, S. 8 ff. 
65 Es ist offensichtlich, daß diese Theorie quasi als Ersatz einer anderen, in der so\\jeti- 
schen Geschichtsschreibung überaus populären Theorie fungiert, nämlich der über Rußland 
als den.. ältesten Bruder", der allen anderen Völker hilft. 
66 V gl. R. Grigas, Mankurto sindromas, Literatura ir menas, 30, 1988. 
67 Christophe, Staat (wie Anm. 56), S. 210-237. 
68 Grigas (wie Anm. 66). 
69 A. Patackas, Kq Lietuva gaU duoti Europai, Atgimimas, 48, 1989. 
70 Solche Thesen findet man auch in Reden hoher litauischer Politiker. Der Chef des 
litauischen Auswärtigen Amtes Saudargas begründete mit folgenden Worten den Unwillen 
der litauischen Regierung, die einseitige litauische Unabhängigkeitserklärung zu suspendie- 
ren: "Man sagt uns immer wieder: öffnet eure Tore, [...] es wird euch nichts passieren [...]. 
Unser Volk hat aber überlebt, weil die Verteidiger der Burgen in jahrhundertelangen 
Kämpfen die Tore nicht geöffnet haben. Es gibt die Legende der Verteidiger von Pilenai. 
die sich selbst verbrannt haben. um sich dem Feind nicht zu ergeben". Zitiert nach Christo- 
phe, Staat (wie Anm. 56), S. 258. 
71 Über die Bedeutung des Opferkomplexes für die Mobilisierung der Gesellschaft: Vgl. 
C. Friedrich, Der Mythosbegriff als Mittel gegenwärtiger Gesellschaftsanalyse, in: Ost- 
europa im Umbruch. Alte und neue Mythen, hg. v. C. Friedrich, B. Menzel, Frankfurt am 
Main, 1994, S. 15-28. hier S. 26-28. 
n Nikfentaitis, Der Vytautaskult (wie Anm. 45), S. 144 ff. 


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. .......
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ORDINES MILlTARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI - 2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Vera I. Matusova (Moskau) 


Zur Rezeption des Deutschen Ordens in Rußland 


Eine systematische Erforschung des Deutschen Ordens gab es in Ruß- 
land nicht, aber der Orden fand häufig Berücksichtigung im Rahmen der 
Geschichte des russischen Außenhandels, der Außenpolitik und der kriege- 
rischen Auseinandersetzungen. Die Rezeption des Deutschen Ordens zu- 
sammenzufassen heißt daher, über die russische Geschichtswissenschaft zu 
sprechen. Hierbei kann allerdings keine Rede von Kontinutät oder gar von 
einer geschichtswissenschaftlichen Schule sein. Vielmehr kann man nur von 
sporadischen Studien sprechen, die im Zusammenhang mit der Geschichte 
Rußlands entstanden. Deshalb können auch einige Zeiträume der Forschung 
nur formal festgelegt werden: vor und nach dem Ersten Weltkrieg, vor und 
nach dem Zweiten Weltkrieg und so weiter bis in die jüngste Zeit. 
Richtiger sollte man sagen, daß die Zeiträume der Erforschung des 
Deutschen Ordens mit den Zeiträumen der Entwicklung der russischen (so- 
wjetischen) Geschichtswissenschaft zusammenfallen, doch führt das Thema 
manchmal über den Rahmen der rein geschichtswissenschaftlichen For- 
schung hinaus und läßt Politik, Ideologie oder Sozialpsychologie einflie- 
ßen. Daher ist hervorzuheben, daß eine systematische Ordensforschung in 
Rußland eigentlich erst heutzutage im Aufbau begriffen ist. 
Üblicherweise sind die Vorstellungen vom Deutschen Orden bei histo- 
risch interessierten Russen mit dem Angriff des livländischen Zweiges des 
Deutschen Ordens und dem Sieg Alexander Newskys in der Schlacht auf 
dem Peipussee 1242, die auch den Schwerpunkt der Forschungen bildeten, 
verbunden. Im Laufe der Zeit ist die Schlacht zum Symbol der russischen 
Macht, Alexander Newsky zum ideal gezeichneten Nationalhelden und die 
Deutschordensritter zum Feindbild geworden. Man hat das Thema also 
mythologisiert. Dies war umso einfacher, als der russischen Geschichtswis- 
senschaft für den Deutschen Orden nur ein eingeschränkter Quellenkreis 


133 


......
>>>
zur Verfügung stand, allen voran die Vita Alexander Newskys, geschrieben 
um 1283 in Vladimir an der Kljaz'ma. Dazu kamen verschiedene Informa- 
tionen aus der Livländischen Reimchronik. 
Ich möchte einen kurzen Exkurs in die russische Geschichtswissenschaft 
des 19. Jahrhunderts machen, um die Problematik näher zu beleuchten. Al- 
len voran muß hier die "Geschichte des russischen Staates" von Nikolaj 
Karamzin (1766- 1826) genannt werden. Der "Columbus der russischen Ge- 
schichte", wie A. Puschkin ihn nannte, war nicht nur Historiker, sondern 
auch Dichter und Hauptrepräsentant des russischen Sentimentalismus, der 
seine eigenen Methoden der Quellenforschung hatte, die im modernen Ver- 
ständnis kaum wissenschaftlich genannt werden können. Vasilij Klucewskij 
schrieb später: "Karamzins Standpunkt gründete nicht auf der historischen 
Gesetzmäßigkeit, sondern auf der moralischen und psychologischen Ästhe- 
tik".. Karamzins Verdienst war laut Klucevskij: "Er hat dem russischen 
Volk geholfen, seine Vergangenheit besser zu verstehen, doch viel mehr hat 
er Liebe für die Vergangenheit eingeflößt. Das ist sein Hauptvorzug für die 
russische Gesellschaft und sein Hauptmangel für die russische Geschichts- 
wissenschaft,,1. Aber trotz dieses Mangels, doch dank der Zeit, in der Ka- 
ramzin an seinem Buch arbeitete, hat man mit Hilfe der russischen Chroniken 
ein relativ objektives Bild von der Schlacht auf dem Peipussee und sogar 
eine erste lakonische Information über den Deutschen Orden bekommen. 
Im "Kursus der russischen Geschichte" von Vasilij Klucevskij (1842- 
-191 I), der sich besonders für die soziale und innenpolitische Geschichte 
Rußlands interessierte, findet man nur eine flüchtige Erwähnung Alexander 
Newskys, während die Schlacht überhaupt nicht berücksichtigt wird. Ob- 
wohl V. Klucevskij, wie früher Sergej Solov'ev (1820-1879), neben einer 
Reihe anderer altrussischer Heiligenviten auch die Vita Alexander Newskys 
erforschte, haben beide Historiker der Schlacht auf dem Peipussee keine 
besondere Beachtung geschenkt. 
Die ersten Spezialstudien zur Geschichte des Deutschen Ordens stam- 
men vom Ende des 19. Jahrhunderts. Dies waren Untersuchungen, die nicht 
zufällig in Riga und Kiev (Bestandteile des damaligen Russischen Imperi- 
ums) entstanden. In Riga wurde die "Geschichte Livlands" von E. Cesihin, 
einem Repräsentanten der sogenannten "Ostseeischen Historiographie", her- 
ausgegeben 3 . Mehrere Seiten des Buches sind dem Livländischen Orden 
gewidmet. Seitdem fand dieses Buch bei russischen Geschichtswissen- 
schaftlern Verwendung, die die Vergangenheit des Ostseeraums erforsch- 
ten. Ce
ihin hatte die Absicht, die wichtigsten Quellen zur Geschichte des 
Ostseeraums vom 13, bis zum 16. Jahrhundert in russischer Übersetzung 
herauszugeben - eine damals notwendige Grundlage für die russische Ge- 
sch ichtswissenschaft. 
Zur gleichen Zeit entstanden in Kiev einige Studien zur Geschichte der 
Süd-Westlichen Rus' im 13. Jahrhundert, verfaßt von N. Daskevic 4 . Der 


134
>>>
Forscher konzentrierte sich in erster Linie auf die päpstliche Politik in der 
Süd-Westlichen Rus', aber er zog auch den Deutschen Orden in Preußen 
mit in Betracht. Die Forschungen zur Kreuzzugspolitik der Römischen Ku- 
rie wurden dann in einigen Studien des 20. Jahrhunderts fortgesetzt s . 
Es ist klar, dass die russische Forschung des 19. Jahrhunderts sich wenig 
für die Geschichte des Deutschen Ordens interessiert hat, er wurde ledig- 
lich in Zusammenhang mit der Geschichte Rußlands oder im Kontext der 
Kreuzzüge behandelt. Aber sogar in den den Kreuzzügen gewidmeten Stu- 
dien solch namhafter Historiker wie Olga Dobias-Rozdestvenskaja (1874- 
-1939) und Lev Karsavin (1882-1952), die als Mediävisten schon vor der 
Sowjetischen Zeit ausgebildet worden waren, wird der Deutsche Orden nur 
beiläufig erwähnt 6 . Die Geschichte der mittelalterlichen Rus' ist auch nicht 
so organisch mit dem Deutschen Orden verbunden wie die Geschichte des 
mittelalterlichen Polen. Die ersten Äußerungen eines Interesses für den 
Deutschen Orden fanden für lange Zeit keine Fortsetzung. 
Während der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts ist aus der Erfor- 
schung der Geschichte des Deutschen Ordens die Erforschung eines einzigen 
Themas geworden: Vor dem Zweiten Weltkrieg war dieses Thema immer 
wieder die Schlacht auf dem Peipussee, als ein Beispiel eines gerechten 
Krieges. Als sich der 700. Jahrestag der Schlacht näherte, konnte man die 
Auslegung des Themas kaum wissenschaftlich, ja noch nicht einmal popu- 
lärwissenschaftlich nennen, weil die Autoren mehrerer Broschüren über 
Alexander Newsky oder den Kampf gegen den ausländischen Angriff meist 
nur die Vita Alexanders, häufiger nur die Bücher der führenden Historiker 
der eigenen Zeit benutzt hatten. 
Die sowjetische Geschichtsforschung entwickelte sich über lange Zeit 
unter einem Ideologisierungsdruck, folglich ideologisierte und modernisier- 
te man auch die Deutschordensthematik. 1941 schrieb Mihail Tihomirov: 
"Die Umstände der berühmten Schlacht... wurden in unserer Historiogra- 
phie in manchen Fällen falsch dargestellt,,7. Das heißt, das Thema war sei- 
ner Ansicht nach noch nicht gänzlich ideologisiert. Eine vulgär verstandene 
marxistische Geschichtskonzeption zwang die Historiker, die Geschichts- 
wissenschaft als "in die Vergangenheit projizierte Gegenwartspolitik" dar- 
zustellen 8 , Es soll betont werden, dass manche Autoren den faschistischen 
Angriff "einen neuen Kreuzzug" oder gar "die Fortsetzung des Zuges des 
13. Jahrhunderts" nannten 9 ; die Ritter wurden somit zu Vorvätern der Fa- 
schisten; in Hitlers Reden konnte man die Intonation des Hochmeisters Ul- 
rich von Jungingen hören. Die Modernisierung drang sogar in die Kinder- 
und Jugendliteratur ein: In einem Kinderbuch stand beispielsweise, dass der 
Ritter "ein lebendiger Panzer jener Zeit war"lO. Es ist kein Zufall, dass Ser- 
gej Ejzenstein, Regisseur des historischen Spielfilms "Alexander Newsky", 
1940 schrieb: "Wenn man die Chroniken des 13, Jahrhunderts und heutige 
Zeitungen liest, verliert man das Zeitgefühl, weil man jenes blutige Grauen, 


135 


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>>>
-- 


das im 13. Jahrhundert die agressiven Ritterorden eingeflößt haben, kaum 
unterscheiden kann von der heutigen Situation in manchen Ländern"ll. 
Die Modernisierung zeigte sich sogar in solchen für 194 I positiven, 
aber meiner Ansicht nach zweifelhaften Einschätzungen des Films, wie je- 
ne von Alexander Dovzenko, einem ebenfalls berühmten Filmregisseur: "Es 
ist gleichsam das dienstfertige Bestreben, die Geschichte näher an uns her- 
anzuziehen und die Äußerungen der Helden beinahe mit den Reden der 
Führer zu vermischen. Das Resultat ist, dass man Aleksandr Nevskij eigent- 
lich zum Sekretär des Provinzkomitees von Pskov ernennten könnte"l1. 
Die "historisierende Ideologie" (um Hartmut Boockmanns Begriff zu 
gebrauchen) hatte nichts mit der echten Geschichtswissenschaft zu tun. 
Nicht nur der Kreis der Quellen wurde eingeschränkt, sondern man versagte 
sich auch ihrer wissenschaftlichen Interpretation. Eine Deutschordensfor- 
schung ohne Quellen und ein gleichzeitig vereinfachtes Verständnis dersel- 
ben durch den Einsatz der Methode des vulgarisierten historischen Mate- 
rialismus schuf eine falsche Rezeption. S. Ejzen
teins Meisterwerk scheint 
selber zur Quelle geworden zu sein, denn manchmal kann man in der Lite- 
ratur die Rede finden, die Alexander im Film gehalten hatte 13 , Wie im Film 
nimmt ebenfalls Hermann Balk an der Schlacht von 1242 teil, er war jedoch 
schon 1239 gestorben 1\ und die in der Schlacht benutzte Taktik wird nicht 
nach den historischen Quellen, sondern nach dem Film beschrieben ls , 
Die "Rückprojizierung" historischer Ereignisse ist typisch für den Pro- 
zeß der Mythologisierung. Man könnte hier von der Totalmythologisierung 
des gesellschaftlichen Bewußtseins jener Zeit sprechen. Ich bin der Mei- 
nung, dass die Verschmelzung der Vergangenheit und der Gegenwart bei 
den Führungseliten zur Schaffung einer ganz bestimmten Vorstellung über 
einen Deutschordensritter führte. Aber es scheint mir, dass nur ein Mecha- 
nismus eines Propaganda-Stereotyps geblieben ist, weil es keinerlei Voraus- 
setzungen gab, dieses Bild der breiten Masse zu vermitteln. Die Massen- 
medien konnten ihre Wirkung nicht entfalten, weil dem Deutschen Orden 
in der Geschichtswissenschaft bislang so wenig Platz eingeräumt worden 
war, daß das Thema trotz der propagandistischen Bemühungen schnell und 
fast spurlos verschwand l6 . In den 30er und 40er Jahren beschäftigte die 
Deutschordensgeschichte, wie auch später die deutsche "Ostforschung", die 
Phantasie der Wissenschafts- und Parteielite, den Massen waren diese Sor- 
gen ganz fremd. 
In den Nachkriegsforschungen zur Geschichte der UdSSR ist der Deut- 
sche Orden in den Kapiteln über den Kampf der Völker Rußlands um ihre 
Unabhängigkeit stets vertreten 17 . In der mehrbändigen "Weltgeschichte" ist 
das Thema "Die Kreuzzüge der germanischen Feudalherren im Ostsee- 
raum" ein Teil des Abschnitts "Deutschland im 12, und 13. Jahrhundert". 
Die Forscher betonen besonders die wirtschaftlichen und sozialen Grundla- 
gen der mittelalterlichen Geschichte Deutschlands, und die Interpretation 


136 


.......
>>>
des Deutschen Ordens erfolgt in diesem Kontext. Die Kreuzzüge waren ein 
Faktor, der die Differenzierung Deutschlands begünstigte, doch schließlich 
zum Hindernis für die Entwicklung des Landes wurde l8 . Man spricht nur 
beiläufig über den Kampf des russischen Volkes gegen den Orden. 
Seit den 40er und 50er Jahren entstanden mehrere Studien über den na- 
tionalen Befreiungskampf und über die Schlacht auf dem Peipussee - 
Studien also, die einen Tribut an die Zeit darstellten. 
Vor allem wurde der Deutsche Orden zum Mittel des ideologischen Kamp- 
fes, der sich in den Nachkriegsforschungen vom Kampf gegen den "Drang 
nach Osten" zum Kampf gegen die "Ostforschung" entwickelte, I 957 schrieb 
Walter Schlesinger, dass die DDR die "Ostforschung" als "gefährlichsten Be- 
standteil der westdeutschen reaktionären Geschichtsschreibung" charakterisie- 
re. Weiter schrieb er: "Aber auch im westlichen Auslande, zumal in Eng- 
land, haben sich vergleichbare Stimmen hören lassen". Er fürchtete, dass 
diesbezüglich "eine sonderbare wissenschaftliche Einheitsfront" entstanden 
war, die "von Moskau über Posen, Prag und Ostberlin bis London reicht,,19. 
Wie es in der damaligen UdSSR häufig geschah, entwickelte man eine 
Modernisierung in der Forschung. In seinem Beitrag "Die Wurzeln der 
deutschen Neo-Nazi-Konzeption in der Ostforschung" machte Professor 
Vladimir Pasuto den "Ostforschern" den Vorwurf, dass für sie "der Deut- 
sche Orden im Ostseeraum ein Freund der Völker war, und deshalb sollte er 
als europäischer Kulturträger gesehen werden". Die "gegenwärtigen Troba- 
dore [sic!] des Deutschen Ordens", d.h. Erich Maschke und Marian Tumler, 
unterschieden sich zwar von Fredegar, Brun von Querfurt und Peter von 
Dusburg, aber es sei nicht schwierig, die genetische Verbindung zwischen 
ihnen zu erkennen 1o . Vorher hatte er bereits geäußert, dass die "Ostforschung" 
die revanchistischen Illusionen im deutschen Volk erwecken solle 11 , Schle- 
singers Aussage: "Kreuzzugsideen sind stets eine Sache vorzugweise der 
westlichen Völker gewesen. Sie wurden allerdings nach Deutschland über- 
tragen: in Kreuzzugsideen wurzelt die Missionsmethode des Deuschen 
Ordens"l1, aus seinem Beitrag "Die geschichtliche Stellung der mittelalter- 
lichen deutschen Ostbewegung" erlaubte es Pa
uto, die Politik des Deut- 
schen Ordens im Ostseeraum "als die Politik der schonungslosen Unter- 
drückung und Assimilation der eroberten Völker" zu charakterisieren und 
diese Lage mit der modernen Situation zu verbinden. Am häufigsten er- 
wähnt er die Namen von Walther Hubatsch, Manfred Hellmann und Kurt 
Forstreuter. Später polemisierte Pa
uto vor allem gegen Günther Stökl. Die 
Polemik betraf die Politik des Deutschen Ordens in Nord-West-Rußland, 
aber es muß betont werden, dass in diesem Fall der russische Professor mit 
seinem deutschen Opponenten einverstanden war, denn seiner Ansicht nach 
hatte Stökl den Deutschen Orden um seine Aura gebracht. 
In Zeiten des Kalten Krieges und des Kampfes gegen die "Ostfor- 
schung" entstanden einige Dissertationen, deren Autoren es sich in Zusam- 


137 


.......
>>>
menhang mit dem Deutschen Orden zur Aufgabe machten, die Falsifizierung 
der russischen Geschichte in der Bundesrepublik Deutschland zu entlarven. 
Ihr Wert bestand im Kampf gegen die bürgerliche deutsche Geschichts- 
wissenschaft13 . 
Die Deutschordensritter traten in Pasutos Studiem hin und wieder in 
Zusammenhang mit Alexander Newsky auf. Aber auch er "proj izierte" die 
gegenwärtigen Probleme zurück in die Vergangenheit 14 , 
Die Manipulation der Geschichte des Deutschen Ordens war eines der 
Mittel, die im ideologischen Kampf gegen den Westen benutzt wurden. Wie 
Lew Kopelew in anderem Kontext (anläßlich der "normannistischen" Kon- 
zeption) gesagt hat, gehören in den Jahrzehnten vor und nach dem Zweiten 
Weltkrieg diese Studien "nicht mehr zur Geschichtswissenschaft, sondern 
zur politischen Propaganda,,1s. 
Es ist offensichtlich, dass es in der Zeit der historisierenden Ideologie 
kein echtes wissenschaftliches Interesse an diesem Thema gab, besonders 
nicht an der Quellenforschung. Die einzige Quelle für die Geschichte des 
Deutschen Ordens, die vor dem Zweiten Weltkrieg herausgegeben worden 
war, war Heinrichs von Lettland "Livländische Chronik,,16. Dies geschah 
nicht, weil die Chronik eine Quelle zur Geschichte des Livländischen Or- 
dens ist (im Hinblick auf die Vereinigung des Schwertbrüderordens mit 
dem Deutschen Orden), sondern eben auch eine wertvolle Quelle für die 
Geschichte des Ostseeraums und Rußlands darstellt. Von allen Wissen- 
schaftlern bemühte sich lediglich Pasuto, die Quellen, d.h. das preußische 
Recht (Pomesania), den Christburger Vertrag und die Livländische Reim- 
chronik zu erforschen 17 , Die Erforschung des "Livonischen Rechts" und der 
Chronik Peters von Dusburg begannen Pasutos Schüler, von ihm selbst da- 
zu ermuntert, erst in den 70er Jahren 18 . 
Natürlich fanden die neue politische Situation und der ideologische 
Kampf ihren Niederschlag in Lehrplänen und Schulbüchern, aber das ist ein 
besonderes Thema. 
Es kann freilich gefragt werden: Was ist mit der Schlacht bei Tannen- 
berg? Die Historiographie dieses Themas ist als eher ärmlich zu bezeich- 
nen. Im 19. Jahrhundert ist die Schlacht in Studien zur litauischen Ge- 
schichte erwähnt 19 . Historiker wie S. Solov'ev, P. Brjancev und A. Barbasev 
stimmten in ihren Einschätzungen der Schlacht überein: Sie war eine der 
Schlachten, die die Schicksale der beteiligten Völker bestimmt haben. Brjan- 
cev gab dazu folgende Zusammenfassung: "Das war kein Zusammenstoß 
zweier Völker, sondern der Kampf des germano-romanischen Westens und 
des slawischen Ostens,.. Gleichzeitig war das der Kampf des ausgehenden 
Mittelalters gegen die beginnende Neuzeit,,30, 
Anläßlich des 500. Jahrestages der Schlacht bei Tannenberg erschienen 
zwei kleine Broschüren 31 , In beiden wurde das Thema politisiert. Unter ge- 
schichtswissenschaftlichen Aspekten sind sie eher uninteressant. 


138 


........
>>>
50 Jahre später erschienen im Rahmen der Feierlichkeiten nun auch 
zwei Büchern, Der Unterschied zwischen beiden liegt in der unterschiedli- 
chen Akzentsetzung der Autoren: Während der eine die Rolle der russi- 
schen Regimenter hervorhebt, betont der andere die Rolle der vereinigten 
polnisch-russisch-litauischen Kräfte. 
Es war von großer Bedeutung, daß 1962 der Teil von Jan Dlugoszs 
polnischer Geschichte, der sich der Schlacht bei Grunwald widmet, in rus- 
sischer Sprache herausgegeben wurde. Es handelt sich um eine wissen- 
schaftliche Ausgabe, die die Quellen des Werkes ebenso in Betracht zieht 
wie die polnische und einheimische Historiographie 33 , 
Seit den 70er Jahren, nunmehr bis in die Gegenwart fortdauernd, scheint 
die Erforschung des Deutschen Ordens in Rußland in die Phase der Ent- 
ideologisierung und Historisierung eingetreten zu sein. Das Interesse an hi- 
storischer Anthropologie wächst, und die Einsicht, dass Geschichtswissen- 
schaft nicht "in die Vergangenheit projizierte Gegenwartspolitik", sondern 
"ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart" ist, setzt sich zuneh- 
mend durch. Die historische Eigenart des Mittelalters zu restaurieren und 
jegliche Modernisierung zu beenden, ist das Bemühen der heutigen For- 
scher. Der gegenwärtige historische Gedanke stellt die Prinzipien des Ver- 
ständnisses der Hermeneutik des historischen Textes in den Vordergrund, 
und somit entstand auch ein Interesse an den Quellen zur Geschichte des 
Deutschen Ordens. Man erforscht die livländischen Urkunden als Quellen 
Zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Livlands 34 und beschäftigt sich mit 
dem Marienburger Treßlerbuch als Quelle zum inneren Leben des Ordens 3s . 
Es wird ebenfalls an einem Buch mit dem Titel "Kreuzritter und Rußland" 
(in der Buchreihe "Die ältesten Quellen zur Geschichte Osteuropas") gear- 
beitet, das sich der Kreuzzugsbewegung im Nordosten Europas widmet. 
Der Deutsche Orden bildet den Schwerpunkt dieses Werkes. Zum erstenmal 
in der Entwicklung der russischen Geschichtswissenschaft veröffentlichen 
die Verfasser Fragmente russischer, deutscher und skandinavischer Chroni- 
ken und Dokumente (päpstliche Bullen, Urkunden des Deutschen Ordens 
usw.) der nordischen Kreuzzüge und der Beziehungen Rußlands zum Deut- 
schen Orden in Preußen. Diese werden sowohl in Originalsprache als auch 
in russischer Übersetzung publiziert und mit Erläuterungen versehen, um 
dem Leser die Andersartigkeit des mittelalterlichen Lebens im Vergleich 
Zur Gegenwart zu verdeutlichen und eine objektive Einschätzung der Dar- 
stellung zu ermöglichen. Das Thema "Der Deutsche Orden" ist ebenfalls in 
einem fünfbändigen Lesebuch vertreten, das im Rahmen des Programms 
"Die Erneuerung der geisteswissenschaftlichen Ausbildung" herausgegeben 
wurde. Man interessiert sich für den Deutschen Orden in vielfältiger Weise: 
in Zusammenhang mit der Geschichte der mittelalterlichen Städte und im 
Hinblick auf die Geschichte seiner Außenpolitik und seiner europäischen 
Kontakte 36 . 


139 


........
>>>
Es freut mich, daß die Chronik Peters von Dusburg in russischer Über- 
setzung 37 im Nu vergriffen war. Ich erinnere mich, daß zu Beginn meiner 
Arbeit Professor Pasuto darüber verwundert war, daß mich vor allem die 
kulturgeschichtlichen Aspekte der Chronik interessierten, weil er dieses 
Werk lediglich für eine tendenziöse Quelle hielt. Das war die Rezeption der 
Repräsentanten zweier verschiedener Forschergenerationen. In meiner Ar- 
beit habe ich alle Probleme durchlebt, die ein Entdecker empfinden kann: 
Es gab keinen einheimischen Vorgänger, keine Tradition, keine entwickelte 
Terminologie in der russischen Geschichtswissenschaft. Zusätzlich bestand 
ein Mangel an neuester wissenschaftlicher Literatur. Bücher und Zeitschrif- 
ten aus Polen bekamen die Bibliotheken zwar regelmäßig, aber die Ausga- 
ben aus der Bundesrepublik Deutschland waren selten und befanden sich in 
sogenannten Spezialabteilungen. Einzelne Bände der Reihe "Quellen und 
Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens" waren über verschiedene 
Bibliotheken der damaligen Sowjetunion verstreut, Glücklicherweise sind 
fast alle Bände der "Altpreussischen Monatsschrift" aus dem I 9. Jahrhun- 
dert erhalten geblieben, sie befinden sich im Nachlaß des Graf Seremet'ev, 
der in der Russischen Staatsbibliothek in Moskau aufbewahrt wird. 
Es ist leicht verständlich, dass für die russische Ordensforschung die 
international bereits vorhandene Erfahrung von großer Bedeutung ist. 
Für mich waren die 7 Monate, die ich in Bonn als Stipendiatin der Hum- 
boldt-Stiftung verbracht habe, von unschätzbarem Wert. Wir würdigen die 
Hilfe unserer Kollegen aus verschiedenen Ländern und sind dankbar für 
Einladungen zu internationalen Konferenzen und zur internationalen Zu- 
sammenarbeit. 
Zum Schluß möchte ich noch erwähnen, dass man sich in jüngster Zeit 
nur einmal der Schlacht auf dem Peipussee erinnert hat. 1990 fand in Sankt 
Petersburg eine Konferenz statt, die Alexander Newsky gewidmet war. In 
seinem Referat forderte Edgar Hösch 38 zur neuen Interpretation der Tatsa- 
chen der Vergangenheit und zur kritischen Durchdenkung der vorherigen 
Beurteilungen auf. Mit Recht hielt er es für notwendig, einige Korrekturen, 
dem gegenwärtigen Niveau der Wissenschaft entsprechend, vorzunehmen. 
Dabei solle man nicht nur die Rolle Alexander Newskys, sondern auch die 
strategischen Pläne der Schweden und Deutschen und die Rolle des Deut- 
schen Ordens in Betracht ziehen. 
Edgar Hösch empfahl, die Mythen über die Feldzüge von 1240-1242 zu 
zerstören. Was soll ich dazu sagen? Mythen zu schaffen, liegt in der Natur 
des Menschen. Laut Carl Jung verschwindet der Mythos niemals aus der 
Geschichte. Er transformiert sich lediglich, wenn neue menschliche Moti- 
vationen und Aktivitäten einfließen. Deshalb mißbraucht man ihn häufig 
für soziale und politische Zwecke, und es erfordert viel Zeit, dies zu entlar- 
ven - nicht nur Zeit, sondern auch Mühe, weil Mythen zäh und langlebig 
sind. Darin liegt aber auch eine Gefahr: Destruktive Prozesse führen zum 


140
>>>
Chaos. Ich darf in diesem Zusammenhang an eine alte Parabel erinnern: 
Der Weise hat eine lange Linie auf dem Boden gezogen und fragt seinen 
Schüler: "Was muß man tun, um diese Linie zu verkürzen, ohne sie zu be- 
rühren?" Der verlegene Schüler bekam folgende Antwort: "Man soll eine 
neue Linie ziehen, länger als die vorige", Meiner Meinung nach ist hierbei 
"das Neue" wichtiger als "die Länge". Ich glaube, dass das die beste Art ist, 
mit den Mythen in der Wissenschaft aufzuräumen. Man hat glücklicherwei- 
se schon damit begonnen. Nur zusammen können wir, das heißt russische 
Geschichtswissenschaftler zusammen mit ihren ausländischen Kollegen, 
diese Aufgabe bewältigen. 


Anmerkungen 


1 V. O. Klucevskij, N. M. Karamzin, in: Istoriceskie portrety, Moskau 1990, S. 489. 

 Ebd., S. 490. 
3 E. Ce
ihin, Istorija Livonii [Geschichte Livlands], Bde. 1-11, Riga 1884. 
4 N. P. Da
kevic, Knjazenie Daniila Galickogo po russkim i inostrannym izvestijam 
[Russische und ausländische Nachrichten Ober die Regierung Daniels von Halitsch], Kiev 
1873; ders., Pervaja unija Jugo-Zapadnoj Rusi s katolicestvom (/246-1254) [Die erste 
Union des Süd-Westlichen Rußland mit der katholischen Kirche], Kiev 1884; ders., Pere- 
govory pap s Daniilom Galickim ob unii Rusi s katolicestvom [Die Verhandlungen der 
Päpste mit Daniel von Halitsch über eine Union Rußlands mit der katholischen Kirche], 
Universitetskie izvestija 8. 1884, S. 136- 181. 
S G. N. Lozowik, Krestovye pohody kak programma universal'noj papskoj teokratii 
[Kreuzzüge als Programm der universellen päpstlichen Theokratie], Moskau 193 I; A. D. 
Udal'cov, Srednevekovye goroda. Krestovye pohody [Mittelalterliche Städte. Kreuzzüge], 
Moskau 1960; V. T. Pa
uto, Ocerki po istorii Galicko-Volynskoj Rusi [Grundriß der 
Geschichte Süd-West-RußIands], Moskau 1950; V. S. Karcev, Papstvo - organisator 
i vdohnovitel' nemecko-katoliceskoj agressii v Pribaltike XIII v. (Tezisy diss.) [Die Römi- 
sche Kurie als Organisator und Inspirator des deutschen und katholischen Angriffs im 
südlichen Ostseeraum], Moskau 1953; M. A. Zaborov. Papstvo i krestovye pohody (Die 
Römische Kurie und die Kreuzzüge), Moskau 1960. 
6 F. I. Uspenskij, Istorija krestovych pohodov [Geschichte der Kreuzzüge], Sankt- 
-Petersburg 1901; O. A. Dobia
-Rozdestvenskaja, Epoha krestovyh pohodov [Die Epoche 
der Kreuzzüge], Petrograd 1918; M. A. Zaborov, Krestovye pohody [Die Kreuzzüge]. Mos- 
kau 1956; L. Karsavins Buch, Monasestvo v srednie veka [Das Mönchtum im Mittelalter] 
wurde 1912 herausgegeben; Neuauflage, Moskau 1992. 
7 M. Tihomirov, Bor 'ba russkogo naroda s nemeckimi interventami v XII-XV vv. [Der 
Kampf des russischen Volkes gegen die deutschen Interventionen des 12.-14. Jhs.], Mos- 
kau 1941, S. 33. 
8 M. N. Pokrovskij, Izbrannye proizvedenija v cetyrech knigah [Ausgewählte Werke in 
4 Bänden], Bd. I, Moskau 1966, S. 28. Eigentlich hat Pokrovskij diese Eigenart den bür- 
gerlichen Historikern zugeschrieben, doch passen die Worte viel eher auf die sowjetischen 
Forscher. 


141 


.............
>>>
9 S. V. Bahru!:in, Aleksandr Nevskij i bor 'ba russkogo naroda s nemeckoj agressiej 
v XIII v. [Alexander Newsky und der Kampf des russischen Volkes gegen den deutschen 
Angriff im 13. Jh.], Vestnik AN SSSR 4, 1942, S. 58-71. hier S. 71. 
10 V. Safonov, Knjaz' nepobedimyj [Der unbesiegbare Fürst], Moskau 1942, S. 39. 
11 S. Ejzen!:tein, Patriotizm - nasa tema [Unser Thema ist Patriotismus], in: ders., 
Izbrannye stat 'i, Moskau 1956, S. 390. 
12 L. M. Ro!:al', Nekotorye problemy istorizma proizvedenij kinoiskusstva (na primere 
fil'ma "Aleksandr Nevskij" S. Ejzensteina) [Einige Probleme des Historismus der Film- 
kunstwerke], Trudy Moskovskogo gosudarstvennogo istoriko-arhivnogo instituta 28, 1970, 
S. 438-454, hier S. 448, Die Übersetzung stammt von W. Leitsch: Einige Beobachtungen 
zum politischen Weltbild Aleksandr Nevskijs, in: Forschungen zur osteuropäischen Ge- 
schichte 25, 1978, S. 202-2 I 6, hier S. 202. 
13 P. Pavlenko, Aleksandr Nevskij, Penza 1942, S. 12. 
14 A. I. Kazacenko, Ledovoe poboisce [Die Schlacht auf dem Peipussee], Moskau 1938; 
S. Werner, Aleksandr Nevskij, Saransk 1942, S. 22. 
IS Im Gegensatz zu früheren Werken legen die Produzenten des Films" Die Vita Alexan- 
der Newskys" (1991, Regisseur Georgij Kuznecov) keinen großen Wert auf die Schlacht auf 
dem Peipussee. 
16 Später, im Schuljahr 1959/60, verschwand das Thema Drang nach Osten aus dem 
Lehrplan, und in den 60er und 70er Jahren dann auch endgültig aus den Schulbüchern, eben 
genau in der Zeit, als dem Thema verhältnismäßig viel Platz in der Geschichtswissenschaft 
eingeräumt wurde. Für die Schule konnte man die Geschichte des Ordens nur noch in me- 
thodischen Erarbeitungen für Lehrer finden, N. Artemov, V. Lebedev, Istorija SSSR. Po- 
sobie dlja ucitelej [Geschichte der UdSSR], Moskau 1959, S. 170-178, 209-213. Für die 
frühere Zeit auch: Metodiceskoe posobie po istorii Srednih vekov [Handbuch der Geschich- 
te des Mittelalters], hg. v. E. Kosminskij, Moskau 1948, S. 100; Posobie po istorii Srednih 
vekov. Dlja ucitelej VI-VII klassov [Handbuch der Geschichte des Mittelalters], hg. v. 
E. Kosminskij, Moskau 1956, S. 230; Ocerki istorii SSSR. XII-XIII vv. Posobie dlja ucitelej 
[Grundriß der Geschichte der UdSSR], Moskau 1960. 
17 Istorija SSSR, Bd. I, S drevnejSih vremen do konca XVIII v. [Geschichte der UdSSR. 
Von den ältesten Zeiten bis zum Ende des 17. Jhs.], hg. v. B. D. Grekov, Moskau 1947; 
Ocerki istorii SSSR. Period feodalizma [Grundriß der Geschichte der UdSSR. Feudalis- 
mus], C. I, IX-XIII vV., hg. v. B. D. Grekov, Moskau 1952; Istorija SSSR [Geschichte der 
UdSSR], Bd. 11, hg. v. M. N. Tihomirov, Moskau 1966. 
18 Vsemirnaja istorija., Bd. 3, Moskau 1957, S. 383. 
19 W. Schlesinger, Die geschichtliche Stellung der mittelalterlichen deutschen Ost be- 
wegung, Historische Zeitschrift 183, 1957, S. 517-542, hier S. 5 19. 
20 V. T. Pa
uto, Istoki nemeckoj neofasistskoj koncepcii istorii Rossii, Voprosy istorii 10, 
1962, S. 6 I -79; ders., Revansisty-psevdoistoriki Rossii [Revanchisten als Pseudohistoriker 
Rußlands], Moskau 1971, S. 49-50, 140. 
21 V. T. Pa!:uto, "Izucenie V ostoka" - ideologija zapadnogermanskago revansizma ["Ost- 
forschung" - die Ideologie des westdeutschen Revanchismus], Voprosy istorii 9, 1959, 
S. 60-76, hier S. 63. 
22 Wie Anm. 19. S. 538. 
23 G. Ja. Rier, Kenigsberg XIII-na ca la XV vekov - oplot agressii nemeckogo rycarstva 
v Pribaltike [Königsberg im 13.-Anfang des 15. Jahrhunderts als Bollwerk des Angriffs der 
deutschen Kreuzritter im südlichen Ostseeraum), Leningrad 1954; V. I. Baljazin, Rossija 
i Tevtonskij orden v 1466-1525 godah [Rußland und der Deutsche Orden von 1466-1525], 
Moskau 1963; T. I. Kirsanova. Social'no-politiceskoe polozenie Tevtonskogo ordena vtoroj 


142
>>>
poloviny XIV-pervoj poloviny XV vv. [Die soziale und politische Lage des Deutschen Or- 
dens im 14.-15. Jh.], Moskau 1966. 
24 V. Pa
uto, Aleksandr Nevskij i bor 'ba russkogo naroda za nezavisimost' v XIII veke 
[Alexander Newsky und der Kampf des russischen Volks um seine Unabhängigkeit im 
13. Jh.], Moskau 195 I; ders., Geroiceskaja bor 'ba russkogo naroda za nezavisimost '. 
XII/ vek [Der heroische Kampf des russischen Volk um seine Unabhängigkeit im 13. Jh.]. 
Moskau 1956. S. 184- I 9 I; ders., Vndnjaja politika Drevnej Rusi [Die Außenpolitik des 
alten Rußland], Moskau 1968, S. 294-297; ders., Aleksandr Nevskij [Alexander Newsky], 
Moskau 1974. 
25 L. Kopelew, Zur Vorgeschichte russischer Deutschbilder, in: Deutsche und Deutsch- 
land aus russischer Sicht 11.-17. Jahrhundert, hg. v. D. Herrmann, München 1989, S. 17. 
26 Genrih Latvijskij. Hronika Livonii, hg. v. S. A. Anninskij, Moskau. Leningrad 1938. 
27 V. Pa
uto, Pomezania. ..Pomezanskaja pravda" kak istoriceskij istocnik [Pomesania. 
"Pomesanisches Recht" als historische Quelle], Moskau 1956; ders., Hristburgskij dogovor 
1249 g. kak istoriceskij istocnik [Der Christburger Vertrag von 1249 als historische Quel- 
le], Problemy istocnikovedenija 7, 1959, S. 357-390; ders., Rifmovannaja hronika kak 
istocnik po russkoj istorii [Die Reimchronik als Quelle für die Geschichte Rußlands], in: 
Problemy obScestvenno-politiceskoj istorii Rossii i slavjan. Sbornik statej k 70-letiju aka- 
demika M. N. Tihomirova, Moskau 1963, S. 102-108. 

8 Er selber hat die Chronik Peters von Dusburg in seinen lituanistischen Studien be- 
nutzt: V. T. Pa
uto. Obrazovanie Litovskogo gosudarstva [Die Entstehung des Litauischen 
Staates], Moskau 1959. 
29 P. D. Brjancev, Istoria Litovskogo gosudarstva s drevnejSih vremen [Geschichte des 
Litauischen Staates seit dem Altertum], Vii 'no 1889; A. Barbar
ev, Vitovt. Poslednie dvad- 
cat' let knjazenija [Wiltold. Die letzten 20 Jahre seiner Regierung], St. Petersburg 189 I. 
30 Barbar
ev, Vitovt (wie Anm. 29), S. 34-35. 
31 F. V. R., Tevtonskie krestonoscy: Grjunval'dskij boj [Die Deutschordensritter und die 
Schlacht bei Grunwald], Niznij Novgorod 1910; P. I. Belavenec, Velikaja pobeda slavjan 
Y/ad nemcami (tevtonami) pri Grjunval'de [Der große Sieg, den die Slawen über die Deut- 
schen (Teutonen) erzwungen haben]. Petrograd 19 I 4. 
32 G. Karaev, Grjunval'dskaja bitva 14/0 [Die Schlacht bei Grunwald 1410], Moskau 
1960; G. B. Karamzin, Bitva pri Grjunval'de [Die Schlacht bei Grunwald], Moskau 196 I. 
33 J. Dlugosz, Grjunval'dskaja bitva [Die Schlacht bei Grunwald], hg. v. G. A. Strata- 
novskaja, Moskau, Leningrad 1962. 
34 E. L. Nazarova, .. Livonskie Pravdy" kak istoriceskij istocnik ["Livonisches Recht" als 
historische Quelle]. in: DrevnejSie gosudarstva na territorii SSSR, 1979, S. 5-218; dies.. 
Injlanckie interesy zakonu krzyiackiego (ideologiczne aspekty problemu) w XIII-XIV W., in: 
Ekspansja niemieckich zakonow rycerskich, hg. v. M. Biskup, Torun 1990, S. 93-102; 
ders., Istorija lejmanov v Livonii [Geschichte des Grundbesitzes in Livland], Moskau 199 I; 
ders., Region Zapadnoj Dviny v epohu smeny politiceskogo vlijanija. Konec XII v. [Die 
Region der Düna in der Epoche der verschiedenen politischen Einflußnahmen am Ende des 
12. Jhs.], in: Kontaktnye zony v istorii Vostocnoj Evropy, hg. v. A. M. Nekrasov, Moskau 
1995, S. 7 I -8 I; ders., Mesto Livonii v otnosenijah mezdu Novgorodom i Pskovom. Pervaja 
cetvert' XIII v. [Die Stellung Livlands in den Beziehungen zwischen Novgorod und Pskov 
im ersten Viertel des 13. Jhs.], in: Istoriceskaja arheologija. Tradicii i perspektivy, hg. 
v. V. L. Janin, Moskau 1998, S. 350-360. 
3S T. Ju. Igo
ina, Administrativnaja sistema Nemeckogo ordena (Xlll-nacalo XV vv.) 
[Die Verwaltung des Deutschen Ordens vom 13.-Anfang des 15. Jhs.]. in: ObScestvo, istori- 
ja i kul'tura. Aktual'nye problemy vseobScej istorii, Moskau 1998, S. 12-28; ders., Gosu- 
darstvo Nemeckogo ordena v Prussii [Der Staat des Deutschen Ordens in Preußen], in: 


143 


J-
>>>
Reformirovanie Ross;; i sovremennyj mir, Moskau 1999, S. 110-129; ders., VneSnie kontak- 
ty dvora Verhovnogo magistra Nemeckogo ordena v Pruss;; v konce XIV-nacale XV vv. 
[Die Kontakte des hochmeisterlichen Hofes des Deutschen Ordens in Preußen am Ende des 
14. und Anfang des 15. Jhs.], in: Kontaktnye zony v istoriceskom processe, Moskau 1999. 
S. 14-28; dies., Statuty Nemeckogo ordena (perevod i kommentarii) [Die Statuten des 
Deutschen Ordens. Übersetzung und Kommentar], in: Antologija juridiceskoj mysli, Mos- 
kau (in Druck); dies., Snabzenie dvora Verhovnogo magistra Nemeckogo ordena v Prussii 
po Marienburgskoj knige kaznaceja [Die Versorgung des hochmeisterlichen Hofes des 
Deutschen Ordens in Preußen anhand des Marienburger Tresslerbuches], in: Korolevskij 
dvor: ego rol' v zapadnoevropejskom oMcestve Srednevekov'ja i rannego Novogo vremeni, 
Moskau (in Druck). 
36 V. Matusova, Nemeckij orden. Ot Akkona do Grjunval'da [Der Deutsche Orden. Von 
Akkon bis Grunwald], in: Srednevekovaja Evropa glazami sovremennnikov i istorikov, 
Bd. 2, hg. v. A. L. Jastrebickaja, Moskau 1994, S. 201-225; dies., Tevtonskij orden i Sveci- 
ja [Der Deutsche Orden und Schweden], Srednie veka 60, 1997, S. 223-228; dies., Angli- 
cane v Prussii, XIII-XIV vv. (Prusskie pohody anglijskoj znati) [Engländer im Preußenland. 
Preußenreisen des englischen Adels], Balto-slavjanskie issledovanija, 1997, S. 280-296; 
dies., Kenigsberg - gorod-krepost' Tevtonskogo ordena X/lI-XIV vekov [Königsberg, die 
Festung des Deutschen Ordens im 13. und 14. Jh.], in: Gorod v srednevekavoj civilizac;; Za- 
padnoj Evropy. Fenomen srednevekavogo urbanizma, Bd. 1, hg. v. A. A. Svanidze, Moskau 
1999. S. 360-363; dies., Ideologiczna podstawa agresji krzyiackiej na Prusy, in: Ekspansja 
niemieckich zakonow rycerskich, hg. v. M. Biskup, Torun 1990, S. 15-24; dies., Anglai 
Prusijoja (XIII-XIV a.), Lietuvos istorijos metra
tis, 1989, S. 5-15; dies., De Duitse Orde 
en Engeland, in: Crux et Arma. Kruistochten, Ridderorden en Duitse Orde, Bilzen 1997, 
S. 123-138. 
37 Petr iz Dusburga. Hronika zemli Prusskij, hg. v., V. Matuzova, Moskau 1997. 
38 E. Hösch, Vostocnaja politika Nemeckogo Ordena v XIII veke [Die Ostpolitik des 
Deutschen Ordens im 13. Jh.], in: Knjaz' Aleksandr Nevskij i ego epoha, hg. v. Ju. K. Be- 
gunov, A. N. Kirpicnikov, St. Petersburg 1995, S. 65-74.
>>>
ORDlNES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI - 2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Tore Nyberg (Oden se) 


Die nova militia Birgittas von Schweden 
und ihr Nachfolgeorden 


Dieser Beitrag wird zwar, wie mehrere andere Beiträge dieses Kollo- 
quiums, einen Ritterorden behandeln, jedoch einen, von dem man sehr we- 
nig gehört hat: den Ritterorden der heiligen Birgitta von Schweden. Das 
Thema habe ich aus zwei Gründen gewählt: zum Ersten, weil man an der 
birgittinischen nova militia den Stellenwert eines Ritterordens im Ver- 
ständnis des 14. Jahrhunderts, mit einem vergleichenden Blick auf die im 
Ostseeraum tätigen Johanniter und den Deutschen Orden, ablesen kann; 
zum Zweiten, weil ein birgittinischer Ritterorden in der Tat heute wieder 
existiert und als solcher ein ganz lehrreiches Beispiel von neuzeitlichen 
Entwicklungen der Ritterordensidee darstellt. 


I. 


Das ordo-Denken war im Mittelalter eine grundlegende Denkkategorie, 
die sehr viele Anwendungen fand. Bekannt sind "die drei Ordnungen", de- 
ren Ursprung Georges Duby eine grosse Studie gewidmet hat: die program- 
matische Einteilung der Gesellschaft nach den Aufgaben dreier ordines, die 
wir als funktional bestimmte Bevölkerungsgruppen zu interpretieren ge- 
neigt sind: bellatores, oratores und laboratores l , Ordo bezeichnet auch den 
Ritus einer Handlung, den richtigen Fortgang einer Zeremonie. Ordo be- 
zeichnet auch kirchliche Weihegrade, daher "Ordination" als Bezeichnung 
für die Priesterweihe, Ordo ist endlich als ordo monasticus das eingebür- 
gerte Wort für das Mönchsleben, demgegenüber mit der Zeit der Parallel- 
begriff des ordo canonicus sich ausbildete. Der Begriff erhielt auf diesem 


145
>>>
Gebiet eine so grosse Anwendung, dass deren Übersetzung in moderne Spra- 
chen als "Orden", "order", "ordre", zum Fachterminus für jeden Zusammen- 
schluss von Mönchen, Kanonikern und anderen Religiosen geworden ist. 
Ursprünglich steht der Begriff, ebenso wie auch canon, lediglich für "Lebens- 
ordnung" oder "Richtschnur". Als die verschiedenen klösterlichen Lebens- 
ordnungen sich zu Organisationen entwickelten, erhielt der Begriff des 
ordo religiosus die heute häufig gebrauchte Bedeutung einer religiös ge- 
kennzeichneten Gruppe oder Organisation, die sich selbst als Körperschaft 
öffentlichen Rechtes verwaltet. 
Der Mensch tritt durch eine rituelle Handlung dem ordo bei. Der Über- 
gangsritus zu einem spezifischen ordo enthält viel Symbolisches; beim 
ordo monasticus z.B. die Symbolik des Absterbens gegenüber der alten 
Welt und der Neugeburt in den neuen ordo. In der mittelalterlichen, von der 
lateinischen Spra
he beeinflussten Denkart konnten sowohl die umfassen- 
dere Gruppe des Geburtsadels als auch andere spezifischere Gruppen unter 
dem einen Wort ordo verstanden werden, da das Hauptgewicht bei diesem 
Begriff nicht auf der Formung der Gruppe, sondern auf dem zugrundelie- 
genden Prinzip der "Ordnung" lag. 
Dies hilft uns zu verstehen, wie die aristokratische Birgitta von Schwe- 
den, die selbst dem Geburtsadel, also dem ordo bellatorum angehörte, sich 
als von Christus beauftragt verstand, einen ordo für Ritter, für die milites 
ihrer Gesellschaft, zu gründen. In der allgemeinen europäischen Geschichte 
kennen wir den Begriff mi/es aus spätkarolingischer und ottonischer Zeit 
als Bezeichnung für Krieger. Sein Eindringen in die skandinavische Termi- 
nologie und Gesellschaftsordnung des 13. Jahrhundere brachte das neue 
ritterliche Ethos und deren Kulturwerte mit sich. Die ritterliche Kultur blühte 
auf und traf sich mit dem Lebensverständnis des alten Geburtsadels. 
In Schweden verbindet man die offizielle Festigung eines Ritterstandes 
mit dem Statut von Alsnö v. J. 1279 unter König Magnus Birgersson La- 
duläs. Die Symbiose zwischen bodenständigem Adel und Verpflichtung 
zum Königsdienst im Rahmen eines ritterlichen Ethos war ein Aspekt der 
Kindheits- und Jugenderfahrungen Birgittas in den ersten Jahrzehnten des 
14. Jahrhunderts. Die Belege für ihre Haltung zum Ritter und zum Ritter- 
tum finden wir an zahlreichen Stellen ihrer Offenbarungen, die seit ihrem 
Witwenstand nach der Ehe mit Ulf Gudmarsson (gest. 1344) ihrer religiö- 
sen Berufung Ausdruck verliehen. In den fünf Jahren 1344-1349, bevor sie 
zum Heiligen Jahr 1350 nach Rom ging, empfing sie zahlreiche inspirierte 
Visionen, die den göttlichen Auftrag enthielten, für die Reinheit des Glau- 
bens im Dienste Gottes tätig zu sein. Neben Gerichtsszenen über verstorbe- 
ne Ritter, in denen das göttliche Gericht das Leben des Verstorbenen mit 
den zehn Geboten und dem Ethos des christlichen Rittertums konfrontierte, 
befindet sich auch eine Gruppe von Texten über einen besonderen religiö- 
sen ordo für die Ritterschafe. 


146
>>>
Birgitta beschreibt, wie ein Ritter um Aufnahme in die nova militia er- 
sucht - so genannt nach dem Ausdruck des von Birgitta hoch verehrten 
Bernhards von Clairvaux in dessen Schrift De consideratione. Der Ritter 
stellt sich nicht als mi/es vor, sondern als defensor ecclesiae, "Verteidiger 
der Kirche". Da er sich vor der eigentlichen Aufnahmezeremonie, die da- 
nach folgt, so vorstellt, muß man den Ausdruck defensor ecclesiae als vor- 
gegebene Standes- und Berufskennzeichnung deuten, nicht als Aussage 
über eine besondere Gesinnung dieses einzelnen Ritters. Die Bezeichnung 
defensor ecclesiae ist ein Gruppenmerkmal, eine Standesbezeichnung der 
bel/atores. Es muß Birgittas Gedanke gewesen sein, dass nur ein "Vertei- 
diger der Kirche", also ein Angehöriger des Adels oder der Ritterschaft, als 
Eintrittsanwärter zu diesem neuen ordo oder der nova militia in Frage 
kommen könne - kein Bauer, kein Priester sollte sich um Aufnahme be- 
werben können. Eine standesmäßige Sperre sollte offenbar schon von An- 
fang dieser militia Sinn und Exklusivität verleihen 4 . 
Der Bewerber bietet sich an, sich durch ein juramentum publicum zum 
besonderen Dienst bei seinem Fürsten zu verpflichten. Es folgt dann den 
Text einer Gelübdeformel. Der Ritter verspricht vor seinem Fürsten, "Gott 
und dir als meinem Haupt zu gehorchen" und erklärt: "Ich verpflichte mich 
durch heiligen Eid, die heilige Kirche gegen ihre Feinde zu verteidigen. die 
Gottesfreunde zu befestigen, Gutes zu tun gegenüber Witwen, Elternlosen 
und Gottgläubigen, und niemals etwas wider Gottes Kirche und ihren Glau- 
ben zu unternehmen"s, 
Inhaltlich verspricht der Ritter beim Eintritt in diese nova militia also 
nichts anderes als das, wozu nach mittelalterlicher Auffassung ein christli- 
cher König oder ein Adeliger kraft seiner Standeszugehörigkeit sowieso 
verpflichtet ist. Als Mitglied in dem neuen ordo soll er jedoch die allge- 
meinen christlichen Grundsätze für das Leben in der Gesellschaft und für 
die Ausübung der politischen Macht in besonderer Weise einhalten und zu 
wahren bestrebt sein. Die besonderen Kennzeichen seines Dienstes können 
aber wohl nach Birgittas Meinung nicht inhaltlicher Art sein, denn zwischen 
den Pflichten eines solchen Bewerbers und denen seiner Standesgenossen, 
die keiner nova militia beitreten, besteht kein sichtbarer Unterschied. Es 
handelt sich offenbar nicht um einen Orden, dessen Mitglieder in Gehorsam 
gegenüber einem religiösen Oberen, in Armut und im Zölibat leben. Der 
Unterschied muß vielmehr in den Mitteln gesucht werden, die ein so auf- 
genommener Ritter zur Einhaltung der ritterlichen Aufgabe in Gebrauch 
nehmen sollte. 
Ein näherer Blick auf die lateinischen Begriffe, die der Text enthält, 
enthüllt uns als Schlüsselbegriffe die iustitia und die saneta fides, das 
"Recht" oder die "Gerechtigkeit" einerseits, den "heiligen Glauben" ande- 
rerseits. Diese beiden Qualitäten sollen den Ritter als Mitglied seines neuen 
ordo in seinem Verhältnis zu zwei Kategorien seiner Mitmenschen kenn- 


147 


.......
>>>
zeichnen: die Bedürftigen, die indigentes, soll er fördern, promovere, die 
Bösen aber, die mali, soll er niederhalten und unterwerfen, deprimere et 
humiliare 6 . Damit wird der friedensstiftende Auftrag, dem diese nova mili- 
tia verpflichtet ist, zum Ausdruck gebracht. 
Weitere verschiedene Vorschriften folgen, so Z.B. daß ein Ritter einen 
solchen Eid nur freiwillig leisten solle, jedoch solle er wissen, dass er sich 
nicht ungestraft von seinem Eid zurückziehen könne, retrocedere, weil das 
hieße, sich von der nova militia zurückzuziehen, um seinen eigenen Wün- 
schen und Begierden zu folgen 7 . Hier wird der religiöse Sinn der nova mi- 
litia als eines "geistlichen Ritterordens" für Laien deutlich. Allegorisch 
werden Rüstung, Schild, Schwert, Pferd und Helm im Sinne von fünf Ei- 
genschaften gedeutet 8 : die Rüstung bezeichne die Treue, der Schild das 
Ausharren und das Ertragen, beides verdichtet in dem lateinischen Begriff 
der patientia. Beim Schwert, wodurch Leben und Tod auf dem Spiel steht, 
wird auf das Horchen und das Gehorchen angespielt. Das Pferd wiederum 
wird etwas spitzfindig als humilitas, als Demut gedeutet, denn wie der 
Ritter nichts sei, wenn ihn sein Pferd nicht trage, so sei es auch dem Ritter 
in dieser nova militia unmöglich, seinen Dienst zu erfüllen, wenn er sich 
nicht von dem Pferde "Demut" tragen ließe. Der Sinn ist einfach: sich mit 
religiöser Begründung in den Dienst einzuordnen. Der Helm endlich be- 
zeichnet in der Symbolik Birgittas die Sehnsucht des Ritters nach Gott. 
Birgitta erlebt als Seherin eine großartige Szene, in der Gott als König 
des Himmels dem Ritter die vera humilitas nahelegt 9 , Der Ritter soll nun 
mea misericordia suchen, also "meine Barmherzigkeit". Wessen Barmher- 
zigkeit steht hier zu Debatte, Gottes gegenüber dem Menschen, oder die der 
Menschen untereinander? Es könnte sich durchaus im naheliegenden Sinne 
um Gottes Barmherzigkeit gegenüber dem Ritter handeln, der als sündiger 
Mensch Verzeihung und Gnade von Gott nötig hat. Aber grammatikalisch 
sowohl als inhaltlich ist ein anderes Verständnis möglich: dass Birgitta an 
die "Werke der Barmherzigkeit" gedacht hat. also dass Gott durch Birgitta 
den Ritter der nova militia ermahnt, in der Gemeinschaft die Tugend der 
Barmherzigkeit von nun an besonders zu Geltung zu bringen. 
Das gesamte Eintrittsritual wird in einem weiteren Text lO als conversio 
interpretiert, wodurch es, dem geistlichen Ritterorden ähnlich, in die Nähe 
eines Aufnahmerituals ins Klosterleben rückt. 
Was hier geboten wird, ist nicht nur die Beschreibung des Ritters oder 
des Ritterideals als solchen, wie mehrere Forscher gemeint haben". Im öf- 
fentlichen Leben des 14. Jahrhunderts war das Ethos des Ritters schon vor- 
gegeben. Der Ritter im Text stellte sich vor der Eidesleistung mit seiner 
Standesbezeichnung: "Verteidiger des Glaubens" vor. Die dieser Gesell- 
schaftsschicht kennzeichnenden Werte wurden jedoch im praktischen Le- 
ben unterschiedlich in die Tat umgesetzt. Es ist deshalb nichts anderes 
möglich, als hier den Entwurf zu einer Regel für besonders Berufene in 


148 


-
>>>
--T 


- 


Adel und Ritterschaft zu sehen, die den besonderen Schritt einer religiösen 
Verpflichtung auf die Grundprinzipien christlicher Politik und Gesell- 
schaftsordnung im Dienste des Königs wagen. 


11, 


Wenn man bedenkt, daß Birgitta in einer Gesellschaft aufgewachsen 
war, in der der Geburtsadel es für sein selbstverständliches Recht hielt, zu- 
sammen mit dem König das Land zu regieren, dann liegt etwas Besonderes 
darin, daß Birgitta hier den Entwurf zur Gründung eines besonderen ordo 
für Ritter im Dienste des Königs vorlegte. Das ritterliche Ethos als Ideal- 
vorstellung ist dabei für sie der vorgegebene Ausgangspunkt, seine bessere 
Verwirklichung unter einigen Wenigen das Ziel. Mehrere Texte in den Of- 
fenbarungen zeigen, dass Birgitta mehrmals Gelegenheit hatte, die rauhen 
Sitten und das rücksichtslose Draufgängertum des Ritterstandes als ganzen 
zu beobachten. Das gab ihr Anlaß, einzelne unwürdige Vertreter des Ritter- 
tums heftig zu tadeln. Vielleicht waren ihr bei zunehmender Reife die Wi- 
dersprüche zwischen idealem ritterlichen Ethos und seiner Umsetzung in 
der Wirklichkeit ihrer Umgebung allzu grell geworden. Dass die Grundhal- 
tung des Dienens nicht überall die Kultur des neuen Rittertums prägte, ist 
wohl wahrscheinlich, obwohl die Kirche längst diese Grundhaltung als Ideal 
aufgestellt hatte. Eine organisierte Ritterschaft ist in Schweden, wie ein- 
gangs erwähnt, erst 1279 bezeugt. Wir dürfen in den Texten Birgittas zum 
ordo der nova militia den Ausdruck ihres Wunsches sehen, sowohl in ihrer 
eigenen Gesellschaftsschicht als auch in neuen, sozial aufsteigenden Fami- 
lien die Bindung einzelner Angehöriger dieser Schicht an bestimmte christ- 
liche Prinzipien zu formalisieren und öffentlich zu machen. Solche neue 
Bindungen an Grundsätze, die an sich nicht neu waren, würden eine kleine 
Elite schaffen, die wie der Sauerteig ihre Wirkung in der gesamten Füh- 
rungsschicht Schwedens unter König Magnus Eriksson im Sinne einer Ge- 
nesung von moralischer Auflösung hätte erzielen können. 
So verstanden, würde Birgittas Plan zur Schaffung eines Ritterordens 
eine klare Parallele zur ihrem Klosterorden darstellen, obwohl ersterer lai- 
kai, der zweite, deren Mitglieder die drei Klostergelübde ablegten, ordens- 
gebunden sein sollte. Keiner der beiden war jedoch, trotz allen Unterschie- 
den, als Massenbewegung konzipiert. Der Klosterorden sollte gerade im 
elitären Sinne als Vorbild und Modell für andere religiöse Orden dienen. 
Mit seiner großen Abteikirche und weit entwickelten Liturgie und Seelsor- 
ge würde jedes Kloster einen Sondereinsatz an materiellen Mitteln und Do- 
natoren fordern, der sich nur durch die Absicht, dem Klosterwesen als Ge- 
samtheit zu dienen, rechtfertigen ließ. Ebenso würde der geplante Ritteror- 
den im Dienste einer gerechten Regierung vorbildhaft die grundsätzlichen 


149
>>>
Prinzipien politischer Mitwirkung der führenden Gesellschaftsschicht ver- 
wirklichen und würde damit auf keinen Fall mehr als eine kleine Zahl die- 
ser Schicht umfassen. Eher sind seine Mitglieder als auserwählte Schar 
unter den Ratgebern und Offizieren im Dienste des Königs gedacht. 
Hatte Birgitta Vorbilder für einen geistlichen Ritterorden? 
Es gibt zwei wichtige Hinweise, die beide mit Birgitta und zugleich mit 
der Verbreitung der Ritterorden im Ostseeraum zu tun haben. Beide betref- 
fen die nächsten Mitglieder ihrer Familie: den Vater und den Bruder. 
Zunächst der Vater: Der Nekrolog von Eskilstuna, dem einzigen schwe- 
dischen Johanniterkloster zur Zeit Birgittas l1 , bietet zum 3. April den folgen- 
den Eintrag: Obitus domini Byrgeri Petersson legiferi Vplandie confratris 
et donati. Birger Petersson oder Persson, der Gesetzessprecher der Provinz 
Uppland, confrater et donatus der Johanniter in Eskilstuna, deren Kloster 
bei seinem Tode 1327 schon anderthalb Jahrhunderte bestanden hatte, war 
der Vater Birgittas. Die Angliederung Birgers an die Johanniter als confra- 
ter macht wahrscheinlich, dass er von Zeit zu Zeit das Johanniterhaus in 
Eskilstuna, die Pilgerstätte des Heiligen Missionars Eskil, den die Johanni- 
ter dort betreuten, besucht hat. Was in dem Begriff donatus steckt, wissen 
wir nicht genau. Wahrscheinlich hat Birger sich für die Aufnahme in die 
Gebetsgemeinschaft des Ordens den Johannitern gegenüber zum Dienst ver- 
pflichtet. Für eine "Jahrzeit", eine jährliche Memorialfeier, hatte er in sei- 
nem Testament den Johannitern einen Hof vermacht 13 . Birgittas Kenntnisse 
über das Ethos der Johanniter, dieses Hospitals- und Ritterordens mit der 
starken Bindung an Jerusalem und das Heilige Land, müssen mit zu den 
Voraussetzungen für ihren Entwurf eines eigenen Ritterordens zählen. Wäh- 
rend aber die Johanniter den Dienst an den Kranken als eine Hauptaufgabe 
und Berufung ansahen, gibt es in Birgittas Texten keinen Hinweis auf eine 
bestimmte karitative Aufgabe, die ihre Ritter kennzeichnen sollte. Die Ge- 
rechtigkeit im Dienste des Königs, geleitet von den Prinzipien des christli- 
chen Glaubens, ist die einzig greifbare Zweckbestimmung ihrer nova mili- 
tia. Der Rittereid, der als conversio, als Bekehrung zu einem Leben für 
Gott, stilisiert wird, dürfte dann als ein wichtiges Fundament für Birgittas 
geplanter Durchsetzung einer Politik mit christlichen Prinzipien verstanden 
werden. 
Dann der Bruder, Israel Birgersson. Wie schon einmal hier in Torun 
dargelegt l4 , erhielt Birgitta einmal eine Botschaft der Gottesmutter, die ih- 
ren Bruder Israel betraf, als dieser "den Wunsch zum Ausdruck brachte, am 
Kampf gegen die Heiden teilzunehmen und dort im Dienste Gottes für den 
heiligen Glauben zu sterben"ls. Die Gottesmutter sprach sich dagegen aus, 
weil Israel seinen Wunsch, am Kreuzzug teilzunehmen, als Vorwand nahm, 
um einen ihm von König nahegelegten Auftrag abzulehnen. Dies solle er 
nach dem Text der Offenbarungen nicht tun, mit der folgenden Begrün- 
dung, die in den Mund Mariens gelegt wird: "Wenn diejenigen, die die Ge- 


150 


........
>>>
-. 


rechtigkeit kennen, die sie wünschen und geschehen lassen können. sich 
weigern, diese Bürde und Mühe für Gott auf sich zu nehmen, wie kann 
dann das Reich in seiner Kraft bestehen bleiben? Dann ist es nicht ein 
Reich. sondern ein Nest von Räubern und Gewalttätern, wo die Verbrecher 
herrschen und die Gerechten unterdrückt werden. Daher soll ein gerechter 
und ehrlicher Mann aus Liebe zu Gott und im Eifer nach dem Guten sich 
für die Regierungspflichten zur Verfügung stellen, so dass es vielen zugute 
kommt,,16. Aus dem weiteren Text geht hervor, dass die Gottesmutter Israel 
für einen späteren Zeitpunkt den verdienstvollen Kampf gegen die Heiden 
in Aussicht stellt, und dass dies auch Wirklichkeit wird. als Israel nach Er- 
füllung seiner politischen Pflichten nach Livland kommt und dabei, von 
Krankheit betroffen, vor seinem Tode dem Gnadenbild Mariens im Dom 
von Riga noch einen Ring ansteckt. Dies, so Sirgitta aus dem Munde Mari- 
ens, wird ihm angerechnet, als ob er im vollen Umfang am verdienstvollen 
Krieg gegen die Heiden teilgenommen hätte. Dieser Text ist wichtig, wenn 
es um die Prioritäten bei Birgitta geht, denn er zeigt ganz deutlich, dass der 
Kampf für die Ausbreitung des Glaubens - in unserem Sprachgebrauch 
also die Kreuzzugsbewegung - nicht so hoch über den Einsatz eines 
Christen im politischen Geschehen stehen dürfe, dass sie diesen verdränge. 
Als Hilfe zur Interpretation der Idee eines Ritterordens bei Birgitta ist dies 
äußerst aufschlußreich. Die Aufgabe der Ritter der nova militia ist es, loyal, 
aber im Geiste Gottes, zum normalen, täglichen Regierungsgeschäft kon- 
struktiv beizutragen. So sind dann auch die Ausdrücke des Eidesformulars 
in Birgittas Text zu interpretieren. 
Es spricht also einiges dafür, dass ein laikaler birgittinischer Ritterorden 
sehr wohl im 14. Jahrhundert, als die Inspiration Birgittas stark war. hätte 
entstehen können. Über die Gründe, warum jeder mittelalterliche Nachweis 
einer Verwirklichung eines birgittinischen Ritterordens fehlt, kann man 
mehrere Hypothesen aufstellen. Hans Cnattingius, der von schwedischer 
Seite sich für Birgittas Ritterorden interessierte, suchte die postulierte päpst- 
liche Genehmigung v. J. 1366 nachzuweisen (dazu weiter unten) und fand 
sie nicht; deshalb gelang er zu dem negativen Ergebnis, dass ein so geplan- 
ter Ritterorden nie verwirklicht worden sei 17 . Aber hätte wirklich im 
14. Jahrhundert ein laikaler Zusammenschluß innerhalb des Ritterstandes 
einer besonderen Genehmigung des Papstes bedurft? Theoretisch erscheint 
es durchaus möglich, dass ein Zusammenschluß dieser Art unter Rittern von 
einem Bischof in der Form akzeptiert werden konnte, dass dieser einen be- 
sonderen Seelsorger oder Kaplan zur geistlichen Betreuung der Mitglieder 
ernannte. Die Möglichkeit, dass eine solche lai kaie Gruppe unter den Füh- 
renden der schwedischen Oberschicht mit bischöflicher Genehmigung be- 
standen hat, wurde von Cnattingius nicht erwogen. Sowohl die programma- 
tischen Texte wie auch die Zeremonien, die Birgitta sich bei der Ritterweihe 
vorstellt, weisen eindeutig in die Richtung einer auserwählten Gruppe, de- 


151 


........
>>>
ren Mitglieder sich auf die Prinzipien des Dienstes im öffentlichen Leben 
besonders verpflichteten. Eine solche Gruppe braucht nicht viele Quellen 
ihrer Existenz hinterlassen zu haben. 
Unter anderen Gründen, warum kein Nachweis in den Quellen von der 
Existenz einer solche Gruppe zu finden ist, könnte man auf die römischen 
Jahre Birgittas (1350-1373) hinweisen. Die Aufgabe, einen Klosterorden 
zu gründen, forderte von ihr sicherlich die volle Kraft und Aufmerksamkeit. 
Zugleich herrschten innenpolitische Unruhen in Schweden, und der Kon- 
flikt Birgittas mit dem König über den Krieg in Rußland 1348-1349 mach- 
te eine weitere Zusammenarbeit zwischen den beiden unmöglich. Der Auf- 
stand des Sohnes Erik bot vielleicht eine günstige Gelegenheit für Birgitta, 
um in Schweden Echo für ihre Auffassung vom Rittertum zu finden; ob 
dies in dem von Engström sogenannten "birgittinischen Kreis" einflußrei- 
cher Adeliger unter diesen Umständen gelang, ist wohl äußerst unsicher l8 , 
Die testamentarische Gabe des Königspaares Magnus und Blanche für die 
Stiftung ihres Klosters in Vadstena v. J. 1346 kam als Folge der Konflikte 
nicht zu Ausführung. Als die Königsmacht nach Eriks frühzeitigen Tod 
1359 wieder zurück an den Vater ging, der in Norwegen mit seinem zwei- 
ten Sohne Häkon regiert hatte, blieb die Übergabe Vadstenas rechtlich im- 
mer noch in der Schwebe, Häkon wurde zwar bald Inhaber der schwedi- 
schen Königsmacht und führte in dieser Eigenschaft am 8. Dezember 1361 
den Liebfrauenpfennig ein l9 , eine allgemeine Steuer zugunsten Birgittas 
Klosterstiftung, deren Einführung für ganz Schweden Christus in einer 
Offenbarung befohlen hatte 1o . Im Januar 1362 bestätigte König Häkon die 
elterliche Übergabe Vadstenas zum Zweck einer Klosterstiftung ll . Die un- 
konstitutionelle Erhebung Albrechts von Mecklenburg zum König von 
Schweden 1363 brachte aber weitere Verzögerungen mit sich, so dass es bis 
1370 dauerte, ehe Papst Urban V. in Montefiascone eine vorläufige Fas- 
sung der birgittinischen Klosterstatuten genehmigen konnte 11 , Da konnte 
Birgitta jedoch schon auf vollendete Tatsachen in Vadstena hinweisen, wo 
die Bauarbeiten schon seit 1369 im Gange waren. 
Diese Überlegungen zeigen, dass ein birgittinischer Ritterorden noch in 
Birgittas römischen Jahren für sie ein Anliegen von großer Dringlichkeit 
gewesen sein kann - nur an Wichtigkeit dem Klosterorden nachgeordnet. 
Bei der Abwesenheit Birgittas von Schweden war es für sie ohne Zweifel 
wesentlich schwieriger, in diesen Jahren den Plan eines laikaien Ritteror- 
dens in konkrete Maßnahmen umzusetzen. Birgitta lebte jetzt nicht mehr in 
der adeligen Gesellschaft ihrer Heimat, die früher ihre Lebensatmosphäre 
gewesen war, sondern sie lebte ein klosterähnliches Leben zusammen mit 
ihrer Tochter Katarina und ihren Beichtvätern in einem Haus nicht weit 
vom Tiber in der Nähe des Marsfeldes. Fragen klösterlicher Observanz la- 
gen ihrem Alltag näher. Es ist weitgehend unsicher, ob sie von Rom aus mit 
dem "birgittinischen Kreis" schwedischer Adeliger, die ihre Offenbarungen 


152
>>>
, 


. 


als Richtschnur gebrauchten - falls ein solcher Kreis, den Sten Engström 
vorgeschlagen hat, wirklich bestanden hat -, weiterhin Kontakt pflegen 
konnte oder wollte. 


111, 


Ich komme jetzt zur zweiten Teil meines Themas, und zwar zur Wie- 
derbelebung und dem tatsächlichen Aufblühen eines birgittinischen Ritter- 
ordens im 19. und 20. Jahrhundert. In seiner 1967 publizierten Untersu- 
chung weist Hans Cnattingius auf das Zeugnis des spanischen Priesters 10- 
seph Micheli y Marquez in Madrid von 1642 als früheste Erwähnung eines 
birgittinischen Ritterordens in der älteren Ritterordensliteratur hin 13 , Sein 
Werk erschien zu einer Zeit, in der durch Könige verliehene Ordensaus- 
zeichnungen ohne Bezug zu einer religiösen Gemeinschaft und ohne Or- 
densgelübde schon geläufig waren. Das Werk genoß ein gewisses Ansehen, 
so daß weitere enzyklopädische Werke des 17. Jahrhunderts über die Ritter- 
orden die Frage der birgittinischen Ritter behandeln mußten. Cnattingius 
erwähnt z.B. aus dieser Gattung Caramuel Lobkowitz mit seinem Werk 
Theologia regularis, Lyon 1665, und Andres Mendo, De ordinibus milita- 
ribus, Lyon 1668. Bernardo Giustiniano veröffentlichte ein ähnliches Werk 
1672 in Venedig 14 , und in London erschien im gleichen Jahr das große 
Werk von Elias Ashmole über englische Ordensauszeichnungen 1s . Weitere 
Werke in dieser Tradition folgten am Anfang des 18. Jahrhunderts, jedoch 
wurde dann auch die erste kritische Stimme laut, die von H, Helyot. Dieser 
führte in seiner 1715 in Paris veröffentlichten Histoire des ordres monasti- 
ques, religieux et militaires das Argument vor, dass die Kanonisationsbulle 
Birgittas vom Jahre 1391 keine Erwähnung eines vom Papst genehmigten 
birgittinischen Ritterordens enthält, weshalb er dessen Existenz verneinte. 
In Schweden hatte man in dieser Periode hohe Vorstellungen über das Alter 
der schwedischen Nation und versuchte dabei auch, die Existenz eines frü- 
hen birgittinischen Ritterordens zu nachzuweisen. Auch hier überwog je- 
doch mit der Zeit die kritisch-wissenschaftliche Haltung, Als die Bollan- 
disten endlich 1866 im IV, Band des Monats Oktober der Acta Sanctorum 
Birgitta behandelten, wurde auch dort die Existenz eines mittelalterlichen 
birgittinischen Ritterordens abgewiesen. 
Nun haben aber Cnattingius und andere Vertreter der historischen Wis- 
senschaft in Übereinstimmung mit neuzeitlichen Vorstellungen eines kirch- 
lichen Approbationsverfahrens durchgehend nur die Frage nach einem päpst- 
lich approbierten birgittinischen Ritterorden gestellt. Die weitere Frage, die 
ein größeres Interesse beanspruchen dürfte, wurde nicht berührt, nämlich: 
Warum erlebte es Birgitta als einen göttlichen Auftrag, einen neuen Ritter- 
orden zu gründen? 


153
>>>
Zur Zeit der ersten enzyklopädischen Darstellungen großer Themen wie 
des Ordens lebens galt die Nation unter dem uneingeschränkten Königtum 
als eine göttliche Einrichtung. Dies hat das Verständnis für die historiogra- 
phischen Zusammenhänge verhindert. Cnattingius hat nicht beachtet, dass 
das erste Birgittenkloster Spaniens, inspiriert von der großen Mystikerin 
Marina de Escobar, gerade in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts in Val- 
ladolid entstand, also kurz bevor Ioseph Micheli y Marquez sein Buch mit 
dem "Nachweis" der birgittinischen Ritter veröffentlichte, Das waren die 
Jahrzehnte, in denen der klösterliche Birgittenorden in den Niederlanden 
eine neue Blüte in neuen Formen erlebte, Eine Verbindung zwischen dem 
Neuanfang des klösterlichen Birgittenordens und dem spanischen adeligen 
Milieu mit seiner nostalgischen Bewunderung für die Ritterorden ist hier 
auf keinen Fall auszuschließen. 
In Schweden trat eine entsprechende Entwicklung ein. indem auch 
schwedische Gelehrte des 17. und 18. Jahrhunderts einen Ritterorden Bir- 
gittas postulierten. Hier liegt der Grund in der nationalen Bewunderung für 
die schwedische Heilige und zugleich in der von der Reformation bedingten 
Entfernung von ihrem Klosterorden - die letzten Nonnen wurden 1595 
gezwungen. Schweden zu verlassen und in Polen ihre Existenz weiterzufüh- 
ren. Viele Mitglieder des schwedischen Adels blieben lange Zeit katholisch 
und etliche folgten nach der Niederlage König Sigismunds in Schweden 
1593 dem König nach Polen. Manche adelige Familien pflegten insgeheim 
die katholischen Erinnerungen des Mittelalters. Einzelne Adelige, die im 
17. und 18. Jahrhundert zur katholischen Kirche konvertierten und ihr Le- 
ben z.B. in Italien beschlossen, orientierten sich stets an der Gestalt der 
heiligen Birgitta. In allen diesen Kreisen konnten die Offenbarungsworte 
Birgittas über die hohe Berufung des christlichen Ritters ihren Widerhall in 
der Vorstellung finden, daß ein birgittinischer Ritterorden in der Tat be- 
standen habe. 
An einer ganz anderen Stelle jedoch war die katholische Birgittavereh- 
rung so fest verankert, dass es bei der nostalgischen Vorstellung eines einst 
existierenden, vom Papst approbierten birgittinischen Ritterordens nicht 
blieb. In Neapel, wo Birgitta längere Zeit gelebt und zahlreiche Beziehun- 
gen angeknüpft hatte, gab es seit Jahrhunderten mehrere Birgitta geweihte 
Kirchen und Hospitäler. Das Interesse an dieser Heiligen war nie erloschen, 
seitdem Birgitta dort unter der Königin Johanna geraume Zeit gelebt hatte. 
Nach den Umwälzungen der Napoleonischen Kriege trat in adeligen Krei- 
sen von Neapel eine Rückbesinnung auf die grosse Geschichte Süditaliens 
ein, deren Werte und Lebensziele jetzt im Strudel der Einigung Italiens 
ganz zugrundezugehen drohten. Im Jahre 1859 ergriff deshalb Don Vincen- 
zo Abbate de Castello, der seine Abstammung auf die königliche Familie 
von Orleans zurückführte, die Initiative, um den Entwurf Birgittas zu einem 
birgittinischen Ritterorden zu verwirklichen. Da man aus der historischen 


154
>>>
Literatur die Zeugnisse des früher existierenden Ritterordens vorfand. sprach 
man von einer "Wiederbelebung". Für Don Vincenzo Abbate de Castello 
bedeuteten die katholischen Erinnerungen und Denkmäler Birgittas in Nea- 
pel - und auch die Genesung seines Sohnes von einer Krankheit durch die 
Fürbitte Birgittas - ein starkes Motiv für seine Hingabe an Birgitta. Der 
letzte König von Neapel hatte ihm den Grafentitel verliehen. 
Der erste Bericht über die Verwirklichung des birgittinischen Ritteror- 
dens wurde 1862 in Neapel publiziert 16 , Weitere Publikationen haben später 
die Darstellung der Neuerrichtung unterbaut. 1955 gab das Generalat in 
Neapel eine umfassende Dokumentation heraus, in der auch die Verbindung 
der führenden Kreise des Ordens mit den souveränen Orden der Ritter von 
Malta hervorgehoben wurde 17 , Der Orden verbreitete sich zunächst in wei- 
ten Kreisen des katholischen Adels und der kirchlichen Hierarchie in der 
ganzen Welt, griff dann aber auch sehr schnell auf weitere Schichten der 
Gesellschaft über. Tausende von Persönlichkeiten des öffentlichen staatli- 
chen und kirchlichen Lebens sind heute Mitglieder des Ordens auf ver- 
schiedenen Stufen seiner Hierarchie, die nach dem Vorbild sonstiger Eh- 
renorden aufgebaut wurde. Eine religiöse oder klosterähnliche Gemeinschaft 
von Mitgliedern oder Rittern besteht nicht, dagegen hat der Orden immer 
wieder inoffizielle Anerkennung vom Heiligen Stuhl erfahren. Viele Mit- 
glieder des Ordens haben sich um karitative Aufgaben bemüht, z.B. die 
Gründung von Kinderheimen und sogar von Klöstern. Alle Institutionen. 
die so ins Leben gerufen werden, werden unter Mitwirkung von anderen 
Gruppen und Institutionen ihrem Zweck zugeführt. Der Orden hat die Her- 
ausgabe einer birgittinischen Zeitschrift übernommen, der BIRGITTlANA. 
Der Ordine Militare dei SS. Salvatore e di S. Brigida di Svezia, wie der 
offizielle Name lautet, ist ein Beispiel des jahrhundertelangen Überlebens 
der Idee vom besonderen Dienst der verantwortlichen Christen im öffentli- 
chen Leben. wie sie unter anderem durch die heilige Birgitta im Kontext 
der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung formuliert wurde. Es verbirgt 
sich hinter Birgittas Konzept nichts anderes als das Bewußtsein des ver- 
antwortlichen Dienstes in Politik und Gesellschaft als einer mit der klö- 
sterlichen Absonderung gleichwertigen Berufung für den Christen. Die exi- 
stierenden Ritterorden, die auf ihren hundertjährigen Traditionen aufbauen, 
haben - abgesehen von der Nostalgie ihrer Formen - heute auch keine 
andere Alternative als sich der Gegenwart zu stellen, um Aufgaben zu lö- 
sen, die sich mit ihren Traditionen vertragen, wie es z.B. der Malteserdienst 
in der Krankenpflege tut. Der Plan eines birgittinischen Ritterordens liegt 
im Keim in Birgittas Auftrag formuliert, und so ist heute in Analogie zu 
den wirklich bestehenden Ritterorden auch diese Anregung in neuen For- 
men fruchtbar worden. 


155
>>>
-- 


Anmerkungen 


I G. Duby, Les trois ordres ou l'imaginaire du feodalisme, Paris 1978, deutsche Über- 
setzung: Die drei Ordnungen. Das Weltbild des Feudalismus, Frankfurt 198 I. 
2 K. E Löfqvist, Om riddarväsen och frälse i nordisk medeltid, Diss., Lund 1935. 
3 Bei der ersten Redaktion der Offenbarungen Birgittas wurden die wichtigsten dieser 
Texte ins zweite Buch der Offenbarungen als Kapitel 7-13 verlegt. Als der spanische Exil- 
bischof Alfons von Jaen nach Birgittas Tode ein Buch 8 mit politischen Texten sammelte, 
nahm er sie auch dort auf. In der kritischen Edition ihrer Texte, Sancta Birgitta Revelacio- 
nes (Samlingar utgivna av Svenska fornskriftsälIskapet, Ser. 2: Latinska skrifter. VII, 
Stockholm: Almqvist & WikselI) ist nur der Liber VIII (= VII: 8) noch nicht erschienen. 
Der letzte der acht Frühdrucke der Revelationes coelestes erschien in München 1680. 
4 Diese Distinktion in den Formulierungen Birgittas sind früheren Bearbeitern entgan- 
gen, die die Aussagen Birgittas als zeittypischen Ausdruck vom Ritterethos im allgemeinen 
deuten, vgl. Löfqvist, Om riddarväsen (wie Anm. 2), S. 107-1 I I. 
5 ldeo in presenti promitto obedienciam Deo et tibi, qui caput es, cum iuramento meo 
firmiter aSlringens me sanctam ecclesiam contra inimicos eius defensurum, amicos Dei 
confortaturum, viduis, orphanis et fidelibus Dei benefacturum, contra eCclesiam Dei et 
fidem eius nunquam aliquid contrarium acturum, Sancta Birgitta Revelaciones Book /I, 
hg. v. Carl-Gustaf Undhagen & Birger Bergh (Samlingar as in note 3, Ser. 2: Latinska 
skrifter, Bd. VII: 2), Stockholm 2001, Kap. 7, 30, S. 48f.. auch zit. B. Klockars, Birgitta 
och hennes värld, Stockholm 1971. S. 84, Anm. 25. 
6 Zusammenfassend Rev. 2,7,41, S. 49f.: Milites quoque, qui mea portabant arma, 
fuerunt parati dare vitam pro iusticia et effundere sanguinem propter fidem sanctam, indi- 
gentes promouendo ad iusticiam, malosque deprimere et humiliare. 
7 Buch 2, 8-10. 
8 Buch 2, I I. 
9 Buch 2,12. 
10 Buch 2, I 3. 
11 Löfqvist, Om riddarväsen (wie Anm. 2 und 4); Klockars, Brigitta (wie Anm. 5), S. 83. 
12 I. Collijn. Ett nekrologium frtm johanniterklostret i Eskilstuna, Uppsala 1929 (auch 
in: Nordisk tidskrift för bok- och biblioteksväsen, 1929). 
13 Diplomatarium Suecanum, 3, Stockholm 1842-50, Nr. 2586 vom 21.1 0.1326. 
14 T. Nyberg, "Spuren der Spiritualität der Ritterorden in Skandinavien", Die Spirituali- 
tät der Ritterorden im Mittelalter, Ordines militares. ColIoquia Torunensia Historica 7. 
Hg. v. Z. H. Nowak, Torun 1993, 189-204, Exkurs S. 201f. 
15 habens desiderium eundi contra paganos et ibi in seruicio Dei pro fide sancta mori- 
endi, vgl. Sancta Birgitta Revelaciones Book VI, hg. v. B. Bergh, Stockholm 1991. Kap. 95, 
S. 254-256. ' 
16 .. Si ", inquit. .. illi, qui iusticiam sciunt et eam desiderant et facere possunt, recusant 
pro Deo suscipere onus et laborem, quomodo stabit regnum in vigore suo? Vere illud non 
est regnum sed latrocinium et spelunca tyrannorum, ubi iniqui dominantur et iusti con- 
culcantur. Et ideo homo iustus et bonus trahi debet caritate Dei et zelo bono offerre se ad 
regimen, ut proficiat multis... ", ebd. 
17 H. Cnattingius, .. The Order of the Knights of St. Bridget", Annales Academia: Regia: 
Scientiarum Upsaliensis I I. 1967. 5-35. 
18 S. Engström. Bo Jonsson I. Till/375, Diss., Uppsala 1935, S. 17-27. 
19 G. A. Biom, Norge i union pa 1300-tallet. Kongedomme, politikk, administrasjon og 
forvaltning 1319-/380, Oslo: Tapir 1992, Teil 11, S. 431f.; die förmliche Wahl Häkons zum 


156
>>>
König von Schweden erfolgte im Februar 1362; B. Fritz, "Odelaggelsen av Vadstena kungs- 
gärd", Historiska studier tillägnade Folke Lindberg, Stockholm 1963, S. 12-24, hier S. 16f. 
20 Reuelaciones extrauagantes, hg. v. L. HoIIman (SamIingar utgivna av Svenska Forn- 
skriftsälIskapet, Ser. 2: Latinska skrifter, Bd. V), Uppsala 1956, Kap. 32, S. 146; T. Höjer. 
Studier i Vadstena klosters och birgittinordens historia intill midten af 1400-talet, Diss., 
Uppsala 1905, S. 56 f. mit Anm. 7 und Exkurs A, S. 349-354. 
21 Höjer, Studier (wie Anm. 20), S. 56; Fritz. Ödeläggelsen (wie Anm. 19) 1963. S. 17; 
gedr., Diplomatarium Suecanum VIII, Stockholm 1963-76, Nr. 6574. 
22 T. Nyberg, Birgittinische Klostergründungen des Mittelalters, Bibliotheca historica 
Lundensis, 15, Lund-Leiden 1965, S. 43-46. 
23 I. M. y Marquez, Tesoro mi/itar de Cavalleria, Madrid 1642. 
24 Historie cronologiche della vera origine di tutti gl'Ordini eqvestri e religioni cavalle- 
resche. 
25 The Institution Laws and Ceremonies 01 the most Noble Order 01 the Garter. 
26 Commendatore Dottor Fenicia, Un nobile e pio sodalizio cavalleresco. La Sacra Mili- 
=ia dei Santissimo Salvatore e di S. Brigida di Svezia. Cnattingius S. 7, Anm. 3. 
27 Ordine mi/itare dei ss. Salvatore e di S. Brigida di Svezia. Sommario Storico e Ruolo 
Generale Ufficiale a cura del/a Luogotenenza del/'Ordine per l'Europa, Valetta. Napoli 
1955. 


.......
>>>
........
>>>
ORDlNES MILIT ARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI - 2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


John 11 Und (University of Southern Denmark, Odense) 


The Order of the Sword-Brothers and Finland 
Sources and traditions 


In the middle of the 19th century, when Finland after six centuries as 
an important integrated part of Sweden had for a couple of decades been 
a Grand Principality under the Russian tsar, members ofthe Swedish speak- 
ing cultural elite became worried as to Finland's ability to uphold its status 
as an authonomous entity within the Russian empire. Although Swedish 
was then spoken and understood by only a small minorityl of the popula- 
tion, the country was still governed in Swedish and Swedish was also the 
literary language, This was a situation, which could hardly last and it was 
foreseen that the country before long would be russified and eventually 
sink down to become just another province in the Russian Empire. Influ- 
enced by the German romanticism of first of all Johan Gottfried Herder, 
some ofthe Swedes, soon to be labeledfennomans, therefore developed the 
doctrine: If we cannot be Swedish, and we do not want to be Russian, let us 
then be Finnish. 1 The order of the day for the Swedish-speaking upper 
class became: turn Finnish. They were to give up their Swedish mother- 
tongue and adopt and develop the language of the majority, Finnish, so that 
it could take over the role of administrative as weil as literary language of 
a new national state. A program that was, as it turned out, remarkably suc- 
cessfu 1. 3 
As part of this Finnish national revival among the Swedish upper class 
a need for a Finnish l1-istory, that is a history that was not also a Swedish 
history, became strongly feit. At first such a history, it was thought, had to 
be sought prior to Swedish rule. With hardly any written sources from that 
period at their disposal, scholars had to seek such a history in folklore. The 
result of this search was the creation of the Kalevala poem, based on runo- 


159 


.......
>>>
-verses, collected mainly in Orthodox regions outside Finland in KareJia 
and Ingria. Soon historians, however, started to look for episodes during the 
Swedish period in which a 'Finnish' history proper could also be detected. 
One such episode was the reign of Bishop Thomas. 
Finland had become a bishopric during the latter part of the twelth 
century, and Thomas, an Englishman by birth, was the first Bishop to stand 
out as a clear-cut personality. Although his name only appears in 1234, 
there can be little doubt that he is identical with the bi shop, who secured 
a number of papal bulls in support of the Finnish church in 1229, and is 
also mentioned in a couple of bulls from 1232. Next time we hear about 
him in contemporary sources is in 1245, when he resigned from his episco- 
pal see; and he is recorded to have died three years later, in 1248. In the 
late medieval Bishops' Chronicle. however, we learn that rather than re- 
signing his office he was forced to flee from his see because ofthe 'furor of 
the Russians and Curonians.,4 This made it possible to portray him as an 
early national champion in Finnish history, and that was done in 1839 by 
Gabriel Rein in an article with the persuasive title 'Bishop Thomas and the 
Finland of his time.'s Here Bishop Thomas is presented as an independent 
church prince, ruling the christian part of Finland single-handed ever since 
1209, when a papal bull authorized the Danish archbishop, Anders Sune- 
sen, the primary of the Danish-Swedish Church province, to install a bi- 
shop for Finland. 
Because the sources known to Rein do not register any Swedish cam- 
paigns to Finland between St Erik's crusade in the I I50s and Earl Birger 
Magnusson's crusade to Tavastia in 1249 (according to Rein's dating), 
Rein assumed that the Swedes had been unable to maintain their rule in 
Finland during this period. With only few sources at his disposal, Rein took 
the personality of Bishop Albert of Riga (t 1229) as model, when he drew 
his picture of Bishop Thomas, This picture inspired not only fellow histori- 
ans but artists and poets alike and the life of Bishop Thomas became the 
topic of severalliterary works by minor as weil as major Finnish authors. 6 
During the first decades of Finnish independence the reputation of 
Bishop Thomas as national patron culminated in the many and influential 
works by the historian Jalmari Jaakkola. 7 Jaakkola developped the view that, 
under Bishop Thomas, Finland had constituted aseparate ecclesiastical state 
immediately subordinated to the Pope. Consequently, it was a fleet from 
this state, led by Bishop Thomas himself, and not a Swedish fleet under 
Birger Magnusson, that was defeated by Aleksandr Nevskii in the famous 
battle on the Neva in 1240. 
After the Second World War historical criticism in the persons of Wil- 
helm Carlgren in Sweden,8 Jarl Gallen, Eric Anthoni and Ragnar Rosen in 
Finland,9 and in Russia Igor' Shaskol'skii,1O finally caught up with this 
picture of an independant church state under Bishop Thomas. First of all it 


160
>>>
was pointed out that information in a number of contemporary sources, not 
least Papal bulls, had been neglected by Jaakkola and his school. The pic- 
ture these sources drew of the bishop was very different, indeed. Thus far 
from resigning his see as result of foreign attacks by Curonians and Rus- 
sians, Bishop Thomas was forced by papal demand to resign his office be- 
cause he had mutilated a person to death and, perhaps worse, had forged 
a papal bull. Furthermore, these sources certainly did not allow for any no- 
ti on of Finnish independence during this period. 
After this, one could have expected that the idea of Bishop Thomas at 
the head of an independent church state was dead, at least among profes- 
sional historians. But not so. In 1984, the prominent Finnish historian Jouko 
Vahtola published a couple of articles on Finland's position in the interna- 
tional church, one in the influential Jahrbücher für Geschichte Oste uropas 
entitled 'Finnlands kirchenpolitische Verbindungen im frühen und mittleren 
13. Jahrhundert,' 11 and he also propagated his views in his article on Finn- 
land in Lexikon des M ittelalters.11 Here Vahtola attempted to reinstate Bishop 
Thomas in his role as autonomous Church Prince, managing Finnish affairs 
independently of Sweden for aperiod of about 20 years, until the Swedes 
managed to eject him on trumped up accusations. 
The basis for this scenario is a presumed temporary decline in Swedish 
power, caused by the rivalry with Denmark over Estonia. Vahtola speaks of 
a 'Katastrophe Schwedens' after their defeat at Leal in 1220. This period of 
weakness allowed Bishop Thomas to form links to other parties in the re- 
gion: the Germans in Livonia, more specificly the Order of the Sword- 
-Brothers (Fratres Militie Christi de Livonia), and draw support from them. 
Vahtola based this theory partlyon the papal buH from 1232, urging the 
Sword-Brothers to engage in the defence of christianity in Tavastia,13 partly 
on his own studies of Germanic placenames in Finland. These he found 
were concentrated to Tavastia and, although they are mainly recorded in the 
1560s and difficult to date with any precision, he interpreted them as result 
ofan influx ofGermans in the 1230s.1 4 
Although Vahtola admits that there is no actual evidence that the bull of 
1232 was ever acted upon by the Sword-brothers, he on ce more resurrects 
Bishop Thomas as an independent church prince, ascribing to him a number 
of the deeds with which Rein and Jaakkola had linked him. In doing so 
Vahtola ignores almost all the arguments that Jaakkola's critics had previ- 
ously advanced against this view. Thus Bishop Thomas on ce more becomes 
the principal instigator of the Neva campaign, despite the fact that the Rus- 
sian sources (wh ich are the only sources we have that mention this cam- 
paign) specifically depict it as a Swedish enterprise, in which not just one 
but bishops in plural take part. So even if Bishop Thomas did participate in 
the campaign, for which we have no evidence, there must have been at least 
one other representative of the Swedish episcopat. 15 


161
>>>
When it comes to Bishop Thomas' resignation, Vahtola claims that 'Der 
Grund war ganz offensichtlich, daß Bischof Thomas sich in Finnland auf 
deutsch-baltische Kräfte gestützt hatte und daher nicht das Vertrauen der 
schwedischen Machthaber gewinnen konnte.' 16 
As a result, we are almost back where we were when Rein and Jaakkola 
ruled the day. And just as their picture of Bishop Thomas inspired authors and 
artists of the day, so is Bishop Thomas once more able to inspire the world 
of art. Thus in 1985, when Finland celebrated the 150 years anniversary of 
the first publication of Kalevala, one of the best known Finnish composers, 
Einojuhani Rautavaara, had the first performance of his new opera, simply 
called Tuomas, in which the bi shop is portrayed with all the accumulated 
features and deeds a nationalistic historiography has supplied him with. 
Since Vahtola presented his neo-nationalistic view in the mid 1980s, he 
was confronted with a critique l7 especially of his representation of the Neva 
Campaign. 18 In a paper he read in 1994, Jouko Vahtola has now down- 
played the role of Bishop Thomas. Just the same, the Sword-brothers, in 
Vahtola's view, still play an active part in Finland, although once more he 
acknowledges that no sources witness their actual presence there. Now 
Vahtola sees an uprising of the Tavastians during the winter 1237 as the 
result of, on one hand, 'die Härte der Bekehrungsmethoden und vielleicht 
auch die Bedrohung durch die feudalen Landeroberungen ' and, on the 
other, the defeat the Sword-brothers suffered against the Lithuanians in 
1236. The combined result of this, according to Vahtola, was a crusading 
bull from Pope Gregorius IX, dated 9 December 1237, urging the Swedish 
archbishop and his suffragans to preach a crusade against Tavastian apos- 
tates. Here Vahtola has, however, ignored the fact that according to the its 
wording Gregorius IX issued the bull as result of letters he had received 
from the Swedish bishops, not from the Sword-brothers. Furthermore, in 
the bull the Pope emphasizes that it is against the labours of the Swedish 
bishops and their predecessors that the Tavastians has rebelIed. 19 Therefore 
the uprising of the Tavastians, for which this papal bull is the only source, 
is more likely to have been against the Swedes and the Swedish church hi- 
erarchy than against the presupposed harshness of the Swordbrothers. 10 In 
any case the bull can not support the assumption that the swordbrothers 
were ever present in Finland, since they are nowhere mentioned in the text. 
Even though Bishop Thomas now plays a minor role in Jouko Vahtola's 
picture ofthirteenth-century Finland, this is not to say that our good bishop 
has outplayed his role as a Finnish national champion. In arecent article on 
the Chrisitanization of the Finno-Ugrian peoples by the Finnish linguist, 
Kaisa Häkkinen (Turku), Bishop Thomas once more has been charged with 
the organization of the Neva Campaign. 11 
It seems that the powerful picture a patriotic and neo-nationalistic his- 
tory writing has created of a medieval personality on the basis of a mini- 


162
>>>
mum of historical sources has proven too strong to be demolished by 
a source critic approach. In the present time of animosity against foreigners 
in many European countries it is, of course, captivating that such an appre- 
ciation has been bestowed on aperson, who was essentially a 'guest- 
worker.' No doubt Bishop Thomas will survive also this attempt to put him 
in his place and no doubt he and the Sword-brothers will continue to play 
a significant role in Finnish history, although the ßrothers may never have 
set foot in the country. The myth will outlive reality. 


Anmerkungen 


I Then ca. 14%, now ca. 6%. 
2 The phrase was coined in 186 I by the undisputed leader of the fennomans, the phiIo- 
sopher and stateman Johan Vilhelm SneIlman (1806-1881), Hvad var Porthan, Litteratur- 
blad för alImän medborgerlig bildning 1861,9, September, pp. 386-391. 
3 This whole process was taken up in J. Lind, Mellem " Venska" og .. Vinska ". Finsk: fra 
almuesprog til statsbrerende kultursprog, Copenhagen 1989 = Finsk afdelings skrifter 3. 
4 The Bishop Chronicle according to the recension by Bishop Juusten (mid-sixteenth 
century): Dominus Thomas, natione Anglicus, ordinis praedicatorum, prius canonicus Up- 
saliensis. Obiit anno Domini 1248 in Visby Gotlandiae. quo se contulerat propter Ruthe- 
norum et Curonumfurorem, cf. Paulus Juusten, Catalogus et ordinaria successio episcopo- 
rum Finlandensium, ed., S. Heininen, Helsinki 1988, p. 53. 
5 G. Rein, Biskop Thomas och Finland i hans tid (1839, repr. in Kring korstagen till 
Finland, Helsingfors 1968), pp. I I-59, here in particular pp. 43f., 57f. 
6 Among the latter must be mentioned the most-Ioved Finnish poet, Eino Leino (1878- 
-1926), who as part ofa trilogy wrote the drama Bishop Thomas in 1909. 
7 Jaakkola managed to write no less than sixty pages on the 'rule' of Bishop Thomas in 
his multi-volume history on Finland's medieval history, using such chapter headings as: 
'The start of Bishop Thomas' Ecc1esiastical Principality,' 'The Birth of the Finnish Papal 
Protectorate,' 'The Culmination of Bishop Thomas' Crusading Policy,' cf. Suomen Historia 
111, 2d ed., Porvoo 1958, pp. 198-258. 
8 W. M. Carlgren, Finlands relationer till Sverige och pavedömet 1216-1237, Historisk 
Tidskrift 1950, pp. 247-283. 
9 J. Gallen, Kring Birger jarl och andra korstaget till Finland. En omdatering och en 
omvärdering, Historisk tidskrift för Finland 1946, reprinted in Kring korstagen till Finland, 
Helsingfors 1968, pp. 95 ff.; E. Anthoni, Korstagstiden och dess innebörd, Historisk 
tidskrift för Finland 1955, reprinted in Kring korstagen till Finland, pp. 161 ff.; Ragnar 
Rosen in Suomen historian käsikirja I, Porvoo 1949, p. 146. 
10 I. P. ShaskoI'skii, Bor 'ba Rusi protiv krestonosnoj agressii na beregach Baltiki v XII- 
-XI/J vv, Leningrad 1978, pp. 167 ff. 
I1 Jahrbücher flIr Geschichte Osteuropas NF 32, 1984, pp. 488-516; the text was publi- 
shed almost identical in Finnish, J. Vahtola, Tuomas-piispasta Birger-jaarliin näkökulmia 
Suomen varhaiskeskiajan kirkkopoliittiseen kehitykseen ['From Bishop Thomas to Birger 
Jarl - Views on Finland's Church Political Relations in the Early Middle Ages'], Histo- 
riaIlinen Aikakauskirja 1984, pp. 2-15. 


163
>>>
12 Lexikon des Mittelalters 4, München-Zürich 1989, col. 480. 
13 Registrum Ecc/esiae Aboensis, Abo domkyrkas Svartbok utg. genom Reinh. Hausen, 
Helsingfors 1890, no. 9. 
14 On his general interpretation of Germanic names, Vahtola has later been criticized by 
Finnish linguists, see J. Koivulehto, Namn som kan tolkas urgermanskt, Studier i nordisk 
filologi 67, 1987. 
15 In view of this explicit evidence of the sources, it is surprising that Vahtola can claim 
'Doch war Schwedens Reichsleitung an der Expedition offenbar nicht beteiligt, weil die 
Schwierigkeiten im Innern andauerten' (emphasis, JL), Vahtola, Finnlands kirchenpoliti- 
sche Verbindungen (s. not. I I), p. 506. 
16 Vahtola, Finnlands kirchenpolitische Verbindungen (s. not. 11), p. 507. 
17 J. Lind, Bishop Thomas in Recent Historiography. Views and Sources. Suomen var- 
haishistoria, ed. K. Julku, pp. 304-3 I 6, Studia historica septentrionalia 2 I, Oulu 1992; see 
also J. Lind, Early Russian-Swedish Rivalry. The Battle on the Neva in 1240 and Birger 
Magnusson 's Second Crusade to Tavastia, Scandinavian Journal of History, 16: 4, 199 I, 
pp. 269-295. 
18 Lind, Bishop Thomas (s. not. 17), pp. 304-316; see also Lind, Early Russian-Swedish 
Rivalry (s. not. 17), pp. 269-295. Here the importance of the Battle on the Neva was 
downsized after a scrutiny of the influence of the hagiographic sources. The same view was 
presented in Russian, cf., J. Lind, Nekotorye soobrashcheniia 0 Nevskoi bitve i ee znache- 
nie, in: Aleksandr Nevskij i ego epokha, Sankt Peterburg 1995, pp. 44-54, but was without 
my knowledge subjected to censorship by the editors. 
19 Nam, sicut transmisse ad nos vestre littere continebant, illorum qui Tauesti dicuntur 
nacio. que olim multo labore ac studio uestro et predecessorum uestrorum ad fidem catho- 
licam conuersa extitit, nunc procurantibus inimicis crucis prope positis ad antiqui erroris 
reuersa. Finlands medeltidsurkunder I, Helsingfors, 1910, pp. 29-30. 
20 In Vahtola's 1984-articles, it was Bishop Thomas who initiated this process by asking 
for help in Sweden, wozu ihn vielleicht auch das übertrieben harte Vorgehen der Deut- 
schen in Tavastland veranlaßte, cf., Vahtola, Finnlands kirchenpolitische Verbindungen 
(s. not. I I), p. 505. 
21 Der Turkuer Bischof Tuomas unternahm 1240 eine mißglückte Kriegs- und Missions- 
reise an die Neva, cf.. K. Häkkinen, Die Christianisierung der finnisch-ugrischen Völker, 
Ural-Altaische Jahrbücher, NF 14, 1996, p. 46.
>>>
ORDINES MILlTARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI-200I 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Jürgen Sarnowsky (Hamburg) 


Die mittelalterliche Ballei Brandenburg der Johanniter: 
Rezeption und Wirklichkeit 


Der Ballei Brandenburg kommt heute unter den protestantischen Ge- 
meinschaften, die sich auf den Johanniterorden zurückführen und (end- 
gültig seit 1963) auch durch den katholisch gebliebenen Mutterorden, den 
Malteserorden. anerkannt werden, eine zentrale Bedeutung zu. Der deut- 
sche Johanniterorden ist faktisch mit der Ballei identisch und wird wie in 
nachreformatorischen Zeiten von einem Herrenmeister geleitet - nun- 
mehr traditionell von einem Mitglied des Hauses Hohenzollern -, während 
die Johanniterorden in den Niederlanden und in Schweden, die 1946 für 
unabhängig erklärt wurden, aus der Ballei Brandenburg hervorgegangen 
sind; allein der vierte entsprechende Orden, der Venerable Order 01 SI John 
in Ihe Brilish Realm, hat andere Ursprünge l . Diese Bedeutung erklärt die 
Aufmerksamkeit, die die Ballei vor allem in der deutschen Forschung 
gefunden hat 1 ; sie bestimmte zugleich entscheidend die Rezeption der mit- 
telalterlichen Geschichte der Ballei, die immer wieder wesentlich als Vor- 
geschichte oder sogar in gewissem Sinne als "formative Phase" der früh- 
neuzeitlichen und modernen Ballei Brandenburg verstanden wurde. Dabei 
wurden auch die neuzeitlichen Strukturen und Begriffe auf die mittelalter- 
lichen Verhältnisse übertragen und die nordostdeutschen Entwicklungen 
vielfach aus dem Kontext der Ordensgeschichte gelöst. Deshalb will ich 
im folgenden zunächst - zwar nur in Auswahl und im Überblick, doch an- 
hand von Beispielen, die bis heute auch in einer breiteren Öffentlichkeit 
bekannt geblieben sind - die neuzeitliche Rezeptions- und Forschungsge- 
schichte vorstellen, um danach einen knappen Eindruck von der mittelal- 
terlichen "Wirklichkeit" zu geben, wie sie sich aus der Perspektive der 
heutigen Forschung darstellt. 


165
>>>
Die wissenschaftliche Erforschung der mittelalterlichen Geschichte des 
Johanniterordens beginnt bereits mit einem Werk, das zugleich als Or- 
denshistoriographie noch in mittelalterlicher Tradition steht. 1589 erhielt 
der dem Orden nahestehende Giacomo Bosio den Auftrag, eine Geschichte 
des Ordens vorzulegen, die relativ rasch zwischen 1594 und 1602 in drei 
Bänden in Rom erschien 3 . Im für das Spätmittelalter einschlägigen zweiten 
Band. 1630 posthum in ergänzter und deutlich verbesserter zweiter Auflage 
gedruckt, findet sich jedoch kaum etwas zu den nordostdeutschen Verhält- 
nissen, da sich Bosio auf den Mittelmeerraum konzentrierte 4 . Ähnlich gilt 
das auch für die wesentlich auf Bosio aufbauenden jüngeren Ordensge- 
schichten, etwa für die Abbe Vertöts im 18. und noch für die Gottardo 
Bottarellis im 20. Jahrhunderts. Einen Wandel brachte erst das Wirken des 
unter anderem an der Ecole des Chartes ausgebildeten französischen Me- 
diävisten Joseph Marie Delaville Le Roulx, der nicht nur zwischen 1894 
und 1906 ein vierbändiges, monumentales Urkundenbuch für die Geschich- 
te der Johanniter bis 13 10 vorlegte, sondern unter anderem Bosios Werk 
für die Zeit bis 1421 durch eigene, wesentlich quellengestützte Arbeiten er- 
setzte 6 , Insbesondere seine 1913 posthum erschienene Untersuchung zu den 
Johannitern auf Rhodos (für die Zeit bis 1421) diskutiert auch die Entwick- 
lungen im deutschen Ordenszweig. So beschreibt Delaville unter anderem 
die Ereignisse der Jahre von 13 I 7 bis 1324: die Übernahme des Templer- 
besitzes durch die Johanniter, die nicht zuletzt aufgrund des Konflikts zwi- 
schen Ludwig dem Bayern und Papst Johannes XXII. wachsenden Span- 
nungen innerhalb des deutschen Ordenszweigs und die Ablösung des Italie- 
ners fr. Paolo da Modena als Vizeprior oder Generalpräzeptor für Sachsen, 
Thüringen, die Mark Brandenburg und die Slavia durch durch den Präzep- 
tor von Braunschweig, fr. Gebhard von Bortfeld 7 , Für Delaville war Geb- 
hard bereits der erste Herrenmeister, der "die Mehrzahl der Verbindungen 
unterbrach, die [,..das von ihm verwaltete Gebiet] mit der Zentral macht des 
Ordens verbanden, und unter dem Namen der Ballei Brandenburg eine neue, 
sozusagen unabhängige, Provinz schuf, über die der Großmeister fortan nur 
eine mehr nominelle als reale Oberhoheit ausübte". Anläßlich des Vertrags 
von Heimbach, der im Juni 1382 die Beziehungen zwischen dem deutschen 
Prior und dem Balleier im Nordosten regelte, spricht Delaville sogar von 
einer "nationalistischen Unabhängigkeitsbewegung", die sich in den Bestre- 
bungen der Ordensbrüder dieser Region manifestierte, und sieht als Konse- 
quenz "den Verlust der Provinz Brandenburg", der für den Orden weitrei- 
chende Konsequenzen gehabt hat 8 , 
Mit dieser Bewertung der Entwicklungen des 14. Jahrhunderts schloß 
sich Delaville den Ergebnissen der deutschen Autoren an 9 , die sich seit der 
Mitte des 19. Jahrhunderts der Geschichte der Ballei Brandenburg zuge- 
wandt hatten. Zwar hatte die Ballei schon im 17, und 18. Jahrhundert einige 
Aufmerksamkeit gefunden lO , doch bot ihre Erneuerung durch Friedrich Wil- 


166 


..
>>>
helm IV. im Oktober 1852 - nach dem sie vierzig Jahre vorher aufgelöst 
und durch einen weltlichen Orden ersetzt worden war - den Anstoß zu ei- 
ner Reihe von Darstellungen. Eine nahezu unmittelbare Reaktion auf die 
Verfügungen des preußischen Königs, deren Text auch den Abschluß des 
kleinen Bandes bilden, war die Arbeit Eduard Ludwig Wedekinds von 
1853 11 . Wedekind, Konrektor der höheren Schule in Krossen und Mitglied 
des Vereins für die Geschichte der Mark Brandenburg, beginnt mit einem 
knappen Überblick über die Geschichte und Strukturen der Johanniter, um 
sich dann im umfangreichsten Teil der Darstellung dem Herrenmeistertum 
bzw. der Ballei Brandenburg zuzuwenden. Deren Anfänge liegen für ihn 
bereits im 12. Jahrhundert. Die Gründung der altmärkischen Johanniter- 
Präzeptorei Werben durch Albrecht den Bären (1160) war für ihn "der erste 
Grund zu der nachher so berühmt gewordenen Ballei Brandenburg", und 
um I 265 sieht er das Herrenmeistertum "schon im vollen Flor und als einen 
wichtigen Prälatenstand in der Mark Brandenburg"I1, Ähnlich wie später 
Oelaville hebt er dann jedoch die Bedeutung der Entwicklungen der 1320er 
Jahre hervor, die er zu den Ereignissen dieser Zeit im Konvent auf Rhodos 
in Beziehung setzt, zur Absetzung des Meisters fr. Foulques de Villaret durch 
die dortigen Brüder und seine Wiedereinsetzung durch den Papst: "Mit die- 
ser Entscheidung war ein großer Theil der Ritter, besonders der deutschen 
Ritter, nicht einverstanden, sie wollten von Fulko von Villaret nichts wis- 
sen, trennten sich von den Rhodisern, gingen in die Mark, wo der Orden 
durch die Tempelherrengüter so mächtig geworden war, wählten hier einen 
besonderen 'Johanniter-Heermeister in der Mark' in der Person Gebhards 
von Bortfeld und gründeten so die vom Orden völlig unabhängige Ballei 
Brandenburg 1327,,13, Während sich Wedekind mit dieser auch durch ande- 
re Autoren vertretenen "Konflikttheorie,,14 wie mit dem Titel des "Heermei- 
sters" eher von der historischen Wirklichkeit entfernt, sieht er den Vertrag 
von Heimbach in anderem Licht als Delaville; er ist für ihn Grundlage einer 
"Aussöhnung" zwischen dem Orden und der Ballei, die dadurch mit weit- 
reichender Autonomie in den Orden zurückkehrt. 
Wedekinds kleine Studie, der nur geringe Wirkung beschieden war, läßt 
nicht erkennen, inwieweit er auf die schon in seiner Zeit weitgehend im 
Druck vorliegende brandenburgische Urkundensammlung Adolph Friedrich 
Riedeis zurückgegriffen hat 1S , Dies änderte sich mit der 1859 erschienenen, 
in Teilen bis heute wirksamen Ordensgeschichte des Schriftstellers Adolf 
Wilhelm Ernst von Winterfeld '6 , der neben älteren Ausgaben auch den - 
seinerseits nicht immer unproblematischen - Codex dip/oma/ieus Bran- 
denburgensis Riedeis benutzte, Fast ein Drittel des rund 900 Seiten umfas- 
senden Werks ist der Ballei Brandenburg gewidmet, deren Geschichte vom 
Ausgreifen der Templer und Johanniter in die Mark Brandenburg bis zur 
Erneuerung der 1850er Jahre geschildert wird, mit einer Reihe von Quellen. 
Dazu zählt der von Riedel unabhängige Druck des Heimbacher Vertrages 


167
>>>
von 1382, aufgrund einer Abschrift, die der "Geheime Registrator des Jo- 
hanniter-Ordens", Carl Herrlich, vom Original im Geheimen Staatsarchiv 
in Berlin angefertigt h atte l7. Winterfeld setzt sich bei der Frage der Entste- 
hung der Ballei bewußt von der älteren Literatur ab, die teilweise sogar 
noch Ritterbrüder der Templer als erste Herrenmeister genannt hatte; eben- 
so will er aber - anders als Wedekind und Delaville - fr. Gebhard von 
Bortfeld diesen Rang nicht zuerkennen. Seine Begründung dafür stützt sich 
auf eine Analyse der Titel fr. Gebhards und seines Nachfolgers fr. Hermann 
von Werberg. Während fr. Gebhard nirgendwo als "Meister" bezeichnet 
wird, sondern zumeist als Generalpräzeptor für Sachsen, die Mark und die 
Slavia und damit nur als "Vorsteher des Ordens in besagten Provinzen", 
verweist Winterfeld für fr. Hermann auf eine bei Riedel gedruckte Urkunde 
vom Januar 1360, in der er den Titel eines Meisters und Gebietigers im 
Sachsenland, der Mark Brandenburg, im Wendland und in Pommern führt l8 , 
Die Entstehung der Ballei datiert Winterfeld folglich auf fr. Hermanns 
Amtsantritt, den er auf 1351 ansetzt, wobei er ähnlich wie Wedekind auf 
den von den Templern übernommenen reichen Ordensbesitz in der Mark 
Brandenburg und auf die Unzufriedenheit der deutschen Ordensbrüder mit 
den Entwicklungen auf Rhodos verweist. Einen konkreten Anlaß für die 
Entwicklung der eigenständigen Strukturen der Ballei sieht er jedoch auch 
in den "kriegerischen, fast gesetzlosen Zeiten", die die Mark Brandenburg 
seit dem Ende der Askanierherrschaft durchlebte l9 . Für die Vorgeschichte 
des Heimbacher Vertrags führt er dann - und das sicher zu Recht - den 
1370 erfolgten Verkauf der Johanniter-Häuser in Pommerellen an den Deut- 
schen Orden an 10 , der Befürchtungen weckte, die in finanziellen Nöten be- 
findliche Ordensleitung und der deutsche Prior könnten weiteren nordost- 
deutschen Besitz verkaufen. Der "Herrenmeister" fr. Bernd von der Schu- 
lenburg habe deshalb, so Winterfeld weiter, Verhandlungen mit dem Prior 
aufgenommen, um "in ein gesetzliches Verhältniß zu Rhodos zurückzukeh- 
ren, indem er jedoch die Ballei nur in ein loses Abhängigkeitsverhältniß 
zum Convent stellte", Der Vertrag von 1382 schließt für ihn allerdings nur 
eine erste Stufe der wachsenden Unabhängigkeit der Ballei Brandenburg 
ab, denn auch in den folgenden Jahren verloren die Bindungen an den Or- 
den weiter an Bedeutung; die Visitationen hörten auf, ebenso wie die in 
Heimbach vereinbarte Entsendung anderer deutscher Brüder in Ämter der 
Ballei kaum mehr erfolgte 21 , 
Winterfeld, der wesentlich auf einem ungedruckten, im Manuskript auf 
180 I datierten und im Nachlaß erhaltenen Werk des Ordensrats Anton Bal- 
thasar König aufbaut 11 , hat damit eine auch der historisch interessierten Öf- 
fentlichkeit bekannte und bis heute immer wieder gelesene und rezipierte 
Geschichte der Ballei Brandenburg vorgelegt. Sie wurde ihrerseits zur Vor- 
lage zahlreicher weiterer Darstellungen, die wenig Neues hinzufügten. Das 
gilt unter anderem für die Materialsammlung zur Ordens- und Balleige- 


168
>>>
schichte des sächsischen Kammerherrn und Ordensritters Freiherr von Finck 
von 1890, der in seinen Tabellen wie vor ihm Winterfeld fr. Hermann von 
Werberg als ersten "Herrenmeister" benennt 13 , Kritischer ist dagegen die 
1886 in erster, 1904 posthum in vierter Auflage erschienene Geschichte der 
Ballei von Carl Hugo Herrlich, auch wenn der Schwerpunkt der Darstellung 
auf den Entwicklungen nach 1852 liege 4 , Herrlich stellt die Festlegung 
Winterfelds auf fr. Hermann von Werberg als ersten "Herrenmeister" in 
Frage und diskutiert dafür wie Winterfeld die Titel der Brüder in den ein- 
schlägigen, bei Riedel publizierten bzw. im Johanniterbestand des Gehei- 
men Staatsarchivs überlieferten Urkunden. Da er auch für fr. Gebhard von 
Bortfeld den Meistertitel nachweisen kann, entscheidet er sich - im Ein- 
klang mit älteren Forschungen - für ihn als ersten "Herrenmeister"; zu- 
gleich verweist er darauf, dass die "Bildung eines abgesonderten Ordens- 
gebietes (der späteren Balley Brandenburg)" im Nordosten schon in der 
zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begonnen hat, und löst sich damit von 
der Vorstellung, mit der Wiedereinsetzung fr. Foulques de Villarets und der 
deutschen Repräsentanz auf Rhodos unzufriedene Brüder hätten die Ballei 
in bewußter Abkehr von der Ordensleitung ins Leben gerufen 1s . 
Die Arbeiten Wedekinds, Winterfelds und Herrlichs waren entweder aus 
der landeskundlichen oder aus der Ordensperspektive entstanden lind konn- 
ten wissenschaftlichen Ansprüchen nicht in jeder Hinsicht genügen, doch 
erhielt nun die wissenschaftliche Erforschung der deutschen Johanniter 
Auftrieb durch mehrere Veröffentlichungen des am Geheimen Staatsarchiv 
in Berlin tätigen Julius von Pflugk-Harttung, die innerhalb weniger Jahre 
erschienen 16 . Für die Balleigeschichte ist davon die Arbeit über die Anfän- 
ge des Ordens von 1899 von besonderer Bedeutung, unter anderem, weil sie 
erstmals das Urkunden- und Aktenmaterial für die Ballei Brandenburg sy- 
stematisch nach Archiven und Beständen zusammenstellt 17 , Auch Pflugk- 
Harttung tritt für fr. Gebhard von Bortfeld als ersten "Herrenmeister" ein, 
und zwar ebenfalls aufgrund einer Analyse der Urkunden. Den entschei- 
denden Schritt für die Verfestigung des Amtes sieht er jedoch weniger in 
der seit 1328 faßbaren Ausbildung der Titulatur als Meister für Sachsen, 
die Mark und die Slavia, sondern vor allem in der Verleihung des Schilds 
der Reichsäbte, die Ludwig der Bayer im Juli 1329 auf Bitten fr. Gebhards 
"nach altem sächsischen Gewohnheitsrecht" vornahm 18 , "Damit war", so 
Pflugk-Harttung, "das Herrenmeisteramt für die Zukunft gesichert; seine 
Würde entsprach der der reichsunmittelbaren Aebte; sie besaß jetzt einen 
bestimmten Rang und Stand in der Hierarchie des Reiches,,19, Überhaupt 
kommt Ludwig dem Bayern und den Wittelsbachern für Pflugk-Harttung 
eine zentrale Bedeutung für die Entstehung der Ballei Brandenburg zu, da 
fr. Gebhard von Bortfeld als Parteigänger Ludwigs im Orden aufstieg und 
- zusammen mit Ludwigs Berater Graf Berthold von Henneberg, dessen 
gleichnamiger Bruder nominell böhmischer Prior der Johanniter war - 


169 


...... 


-
>>>
mithalf, die wittelsbachische Herrschaft über die Mark Brandenburg zu 
stabilisieren; er sieht also ähnlich wie Winterfeld die politische Situation 
des nordostdeutschen Raums in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts als 
ausschlaggebend an 30 . 
Mit dieser Bewertung erfuhr er jedoch 1908 heftigen Widerspruch durch 
Wilhelm Füßlein, der, ausgehend von seinen Studien über Berthold von 
Henneberg, die Entstehung des "Herrenmeistertums" auf der Grundlage einer 
Analyse der Strukturen des Ordens, insbesondere der deutschen Ordens- 
provinz, erklärei. Die zentrale Gestalt ist dabei für ihn der Italiener fr. 
Paolo da Modena, der im Januar 13 I 8 im Vertrag zu Kremmen mit Mark- 
graf Waldemar die Übernahme der Templergüter durch die Johanniter ver- 
einbarte und in einer Papsturkunde von 1328 als ehemaliger Präzeptor der 
Häuser in Sachsen, der Slavia, Thüringen und der Mark erscheine 1 . Füßlein 
sieht in fr. Paolo deshalb den ersten "Herrenmeister"; fr. Gebhard von Bort- 
feld trat nur seine Nachfolge an, wurde dann aber als zu "selbständige Per- 
sönlichkeit" um 1330 abgelöst. Nachdem der damit verbundene Versuch, 
den deutschen Besitz der Johanniter noch einmal zu zentralisieren, fehl- 
schlug, entstand nach Füßlein "rasch wieder die alte Unabhängigkeit, die, 
durch den Heimbacher Vertrag kaum beeinträchtigt, seitdem in den Marken 
fortbestanden hat als das Vermächtnis des ersten Herrenmeisters"33. 
Im selben Jahr wie die kleine Arbeit Füßleins erschien die auf langjäh- 
rigen Studien sowie dem Werk Delavilles aufbauende Geschichte der geist- 
lichen Ritterorden von Hans Prutz, die anders als die stärker wissenschaft- 
lich orientierten Studien weitere Verbreitung fand. Der Ballei Brandenburg 
sind darin allerdings nur zwei Seiten gewidmet, die hinter dem mit Pflugk- 
Harttung und Füßlein erreichten Forschungsstand zurückbleiben 34 . So glaubt 
Prutz, dass zwar schon fr. Gebhard von Bortfeld um 1330 "seine Autorität 
selbständig und ohne Rücksicht auf den Großprior" ausüben konnte, dass 
sich dann aber fr. Hermann von Werberg als erster den - tatsächlich unter 
anderem schon für fr. Gebhard belegten 3S - Titel eines preceptor generalis 
zulegte und damit eine "Ausnahmestellung" begründete, die dann durch den 
Vertrag von Heimbach nur noch "offiziell" anerkannt wurde. Die Ausfüh- 
rungen von Prutz sind insofern charakteristisch, als auch nach Pflugk- 
Harttung und Füßlein die Arbeiten Winterfelds und anderer älterer Autoren 
zur Balleigeschichte immer wieder rezipiert und zur Grundlage "populärer" 
Darstellungen gemacht wurden, während das wissenschaftliche Interesse an 
der Ballei Brandenburg lange Zeit eher gering war 36 . 
Dies änderte sich 1963 mit der Untersuchung Ernst Opgenoorths, der 
die Literatur zum Thema aufarbeitete und auch eine Sichtung der infolge 
der Auslagerung während des Zweiten Weltkriegs nach Merseburg gelang- 
ten - und inzwischen wieder zurückgekehrten - Bestände des Berliner 
Geheimen Staatsarchivs zur Ordensgeschichte vornahm 37 . Obgleich sein 
Hauptinteresse der Entwicklung in der Reformationszeit galt, gibt er auf 


170
>>>
dieser Grundlage einen ausführlichen Überblick über die mittelalterliche 
Geschichte der Ballei Brandenburg. Auch er hält fr. Gebhard von Bortfeld 
für den ersten "Herren meister", allerdings im Wissen, dass dieser Titel erst 
im I 6. Jahrhundert entstanden ist und für das I 4. Jahrhundert eher eine 
Kurzform für die in den Urkunden vorkommende Titulatur eines General- 
präzeptors oder Meisters für Sachsen, die Mark und die Slavia darstellt, die 
sich ähnlich bereits vor fr. Gebhard finden läßt, nämlich für fr. Paolo da 
Modena 38 . Opgenoorth folgt Pflugk-Harttung in der Bewertung der Rolle 
der Landesherren, insbesondere der Wittelsbacher, und stellt dem die Hal- 
tung des deutschen Priors gegenüber, dem "wenig... daran lag, im Nord- 
osten einen selbständigen Ordenszweig entstehen zu lassen", der aber 
schließlich 1382 dem für den Ordens insgesamt wenig vorteilhaften Vertrag 
von Heimbach zustimmen mußte. Opgenoorth sieht eine "weitgehende Lö- 
sung vom Gesamtorden", die mit einer stärkeren Bindung an die Landesher- 
ren korrespondierte, ohne dass die Ballei aufgrund ihrer wirtschaftlichen 
Stärke in deutliche Abhängigkeit geraten wäre 39 , 
Die Ausführungen Opgenoorths bilden inzwischen die Grundlage für 
eine Reihe weiterer, zumeist kurzer Darstellungen. Darauf stützt sich Z.B. 
der Exkurs über die Ballei Brandenburg in der 1969 erschienenen, durch- 
weg problematischen, Rechtsgeschichte der Johanniter von Berthold Wald- 
stein-Warten berg, der seiner Vorlage etwa die dort nicht vertretene These 
entnahm, die Ballei sei nach 1312 aufgrund der Übernahme des TempIer- 
besitzes begründet worden 40 . Auch Opgenoorths Lehrer, Walther Hubatsch, 
hat sich für eine erstmals 1970 in einem Sammelband über den Johanniter- 
und Malteserorden erschienene Zusammenfassung der Balleigeschichte bis 
1812 an der Arbeit seines Schülers orientiert 41 ; ebenso wie ihn Walter Rö- 
dei 1994 - allerdings neben Winterfeld und Pflugk-Harttung - in einem 
Beitrag über katholische und protestantische Brüder im deutschen "Groß- 
priorat" zitiert. Rödel geht dabei insofern hinter Opgenoorth zurück, als er 
unter anderem von einer seit 1323 nachweisbaren eigenständigen Verwal- 
tungseinheit und einem erstmals 1344 belegten Generalpräzeptor spricht 41 , 
Insgesamt erscheint die jüngere Beschäftigung der deutschen Forschung mit 
der Geschichte der Ballei Brandenburg nicht nur wegen der angeführten 
Probleme im Zwielicht; negativ hat wohl auch ihre Konzentration auf die 
Landesgeschichte und die daraus resultierende internationale "Isolierung" 
gewirkt, die erst jetzt langsam überwunden wird 43 , Kennzeichnend ist, dass 
z.B. selbst die gründliche Arbeit von Ernst Opgenoorth zwar die problema- 
tische Ordensgeschichte von Vertöt aus dem 18. Jahrhundert kennt, nicht 
aber das posthum erschienene Werk von Delaville, das wichtige Informa- 
tionen zum 14. Jahrhundert bietet, und dass dort die reichen Bestände im 
zentralen Ordensarchiv in Valletta nicht einmal erwähnt werden. Weitrei- 
chende Folgen hatte in diesem Zusammenhang aber auch die Dominanz der 
neueren Ordensgeschichte, vor allem seit der Wiedergründung durch Fried- 


171
>>>
rich Wilhelm IV. 1852. So ist Opgenoorth der einzige der hier vorgestellten 
Autoren, der die Übertragung des Begriffs "Herrenmeister" auf die mittelal- 
terlichen Verhältnisse reflektiert vornimmt, und auch bei ihm finden sich 
die - nicht nur in der deutschen Literatur vorherrschenden - neuzeitli- 
chen Steigerungsformen für die Amtsbezeichnungen wie "Großmeister", 
"Großprior" und "Großpriorat". In vielen Arbeiten "wandern" aber nicht 
nur die neuzeitlichen Begriffe zurück ins Mittelalter, sondern auch die 
damit verbundenen Vorstellungen. 
Anthony Luttrell hat vor einigen Jahren nachdrücklich auf die Bedeu- 
tung der Quellenbezeichnungen für die Amtsträger des Ordens aufmerksam 
gemacht 44 . Wenn schon die Terminologie der Urkunden - bei wechselnden 
Ausstellern - alles andere als konsistent ist, sollte die Forschung nicht 
noch darüber hinausgehende Eingriffe vornehmen. Im selben Beitrag, der 
die Entwicklung der Ordensprovinz Alemania beleuchtet, führt Luttrell zu- 
gleich vor, dass sich auch die Strukturen des deutschen Ordenszweigs der 
Johanniter nur vor dem Hintergrund der Geschichte des gesamten Ordens 
verstehen lassen. So kann er z.B. auf einen in katalanischen Archiven erhal- 
tenen Beleg über die Abgaben der nordostdeutschen Häuser in der Zeit fr. 
Paolo da Modenas verweisen 4s , ebenso auf ein im Ordensarchiv in Valletta 
im Original überliefertes Schreiben von fünf deutschen Brüdern an Meister 
fr. Foulques de Villaret vom Januar 1323, das die Ablösung fr. Paolos durch 
den deutschen Prior, fr. Albrecht von Schwarzburg, fordert 46 . Auf dieser 
Grundlage ergibt sich eine andere Perspektive, die die Eigenständigkeit der 
Entwicklung im Nordosten relativiert. So betont Luttrell unter anderem zu 
Recht, dass mit dem Vertrag von Heimbach zwar die bisherige Situation der 
Johanniter in Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg und Pommern dauerhaft 
festgeschrieben, die Ballei dadurch jedoch keineswegs vom Orden unab- 
hängig wurde 47 , wie dies die ältere Forschung vielfach behauptet hat. 
Die Einrichtung oder Ausbildung von Balleien unterhalb der Ebene der 
Priorate, die im Westen den Besitz der Johanniter zusammenfaßten 48 , war 
ohnehin keine nordostdeutsche Besonderheit. Zum einen wurden während 
des 15. Jahrhundert im Konvent die Ämter der sogenannten "Kapitular- 
baillis" geschaffen, die durch die Generalkapitel berufen bzw. bestätigt 
wurden und an den Sitzungen des Rats auf Rhodos teilnehmen konnten 49 . 
Bald gab es in etlichen der Priorate einen oder mehrere Kapitularbaillis, um 
die älteren Brüder, die nicht weiter aufsteigen konnten, zu versorgen. So 
nennt eine Liste von 1489 z.B. den Bailli von Mallorca im Priorat Katalo- 
nien sowie den Bailli von Brandenburg für das deutsche Priorat 50 . Zum an- 
deren aber entstanden auf dem großen Gebiet der deutschen Provinz zu- 
nächst mehrere Priorate, so in Oberdeutschland und Niederdeutschland 
sowie zeitweilig in der Alamania media, d.h. in Thüringen, Franken und der 
Wetterau, dann jedoch, nach Ausbildung des einen deutschen Priorats, acht 
oder mehr Balleien. Dazu gehörten unter anderem die Ballei Franken um 


172
>>>
Würzburg, die Ballei Westfalen um Lage und die von Steinfurt abhängige 
Ballei Friesland; jede stand unter einem regionalen Amtsträger, dem Bal- 
leier SJ . Obwohl diese Strukturen ohne Absprache mit den Prioren oder mit 
Meister und Konvent gebildet wurden. waren sie auf Rhodos bekannt und 
wurden in die Vorhaben des Ordens einbezogen 51 . In diesen Kontext gehört 
auch die Entstehung der Ballei Brandenburg, genauer der Gemeinschaft der 
Häuser in Sachsen, der Mark Brandenburg sowie der Slavia bzw. Mecklen- 
burgs und Pommerns, die zunächst in wechselnden Einteilungen gruppiert 
wurden, deren Vertreter sich aber spätestens seit der Zeit fr. Gebhards von 
Bortfeld zu Regionalkapiteln trafen S3 ; und es ist so kein Zufall, dass der 
Leiter der nordostdeutschen Ordenshäuser, fr. Bernd von der Schulenburg, 
im Vertrag von Heimbach vom Juni 1382 als "Balleier in der Mark Bran- 
denburg" bezeichnet wird 54 . 
Dieser Vertrag, der im übrigen die Flexibilität der Strukturen überna- 
tionaler geistlicher Gemeinschaften exemplarisch deutlich macht Ss . muß nicht 
nur vor dem Hintergrund der finanziellen Nöte des Ordens und drohender 
Verkäufe von Ordensbesitz S6 , sondern auch im Kontext des großen abend- 
ländischen Schismas von 1378 gesehen werden, das den Orden seit 1382/1383 
spaltete und auch die Lage im deutschen Priorat beeinflußte s7 . Die Einigung 
trägt so alle Zeichen eines Kompromisses. Die nordostdeutschen Johanniter 
erreichten eine Absicherung ihrer Stellung, während der deutsche Prior, fr. 
Konrad von Braunsberg, regelmäßige, auf 324 Florenen festgelegte, Zah- 
lungen, das Visitationsrecht und die Bestätigung seiner formalen Oberho- 
heit durchsetzen konnte. Der Balleier wurde zwar eigenständig durch die 
Präzeptoren der nordostdeutschen Ordenshäuser gewählt, mußte aber vom 
Prior bestätigt werden, blieb diesem zu Gehorsam verpflichtet. hatte die 
deutschen Provinzialkapitel aufzusuchen und bis zu vier vom Prior be- 
stimmte Brüder zur Versorgung in Ämter der Ballei einzusetzen. Im Gegen- 
zug sagte der Prior zu, weitere Geldforderungen von Meister und Konvent 
nicht auf die Häuser der Ballei umzulegen. Für die ihnen gewährten Rechte 
zahlten Balleier und Präzeptoren zudem einmalig die Summe von 2400 Flo- 
renen. Am Vertrag waren auch andere führende Brüder des deutschen Prio- 
rats beteiligt, so die Balleier von Westfalen, Oberdeutsch lands, der Wet- 
terau, Kölns und Thüringens, und im März 1383 wurde er durch das in 
Valence versammelte Generalkapitel der Johanniter bestätigt S8 , 
Der Vertrag von Heimbach markiert also keineswegs den Anfang der 
Eigenständigkeit der Ballei. Vielmehr hingen die Rechte der Ordensleitung, 
ähnlich wie in anderen weit vom Konvent entfernten Regionen Europas, 
jeweils von ihrer faktischen Durchsetzbarkeit ab s9 . Dies macht auch ein 
bisher nicht in seiner Bedeutung erkannter Konflikt um den Heimbacher 
Vertrag deutlich. 1453 kam es zu Streitigkeiten über das Wahlrecht der 
Ballei und das im Heimbacher Vertrag verbriefte Recht des deutschen Pri- 
ors, vier Brüder in Ämter der Ballei zu entsenden 60 , Die Reaktion von Mei- 


173
>>>
ster und Rat bestand darin, nach dem Tode des Balleiers fr. Nickel von 
Tierbach (um 1455) im Konvent das Amt des Baillis von Brandenburg mit 
einem Bruder der deutschen Zunge zu besetzen, mit dem Präzeptor von 
Würzburg und Erdlingen, fr. Richard von Bothier. Die Brüder in der Ballei 
nahmen dies jedoch nicht zur Kenntnis und wählten ihren eigenen Balleier, 
wohl bereits fr. Heinrich von Redern. Zwar lehnte der deutsche Prior die 
Bestätigung dieser Wahl ab, und Meister fr. Jacques de MiIly annullierte 
die Entscheidung der brandenburgischen Brüder und forderte sie zum Ge- 
horsam auf, doch konnte sich fr. Richard auch mit päpstlicher Förderung 
nicht durchsetzen 61 , Allerdings gab auch die Ordensleitung nicht nach; 
vielmehr berief man im Konvent nach der Erhebung fr. Richards zum deut- 
schen Prior im Juli 1461 erneut einen Bailli von Brandenburg, fr. Rudolf 
von Werdenberg 61 , Im Text der Berufungsurkunde werden die Vereinba- 
rungen zwischen dem deutschen Prior und den Brüdern der Ballei über die 
Wahl des Balleiers und andere Fragen ausdrücklich für ungültig erklärt, 
während das Recht des Priors in einem Nachtrag bestätigt und zusätzlich 
verfügt wird, dass ein fünftes Amt der Ballei durch die deutsche Zunge im 
Konvent besetzt werden solle 63 , Aber auch der neuberufene Bailli, der einer 
schwäbischen Grafenfamilie entstammte und später seinerseits zum deut- 
schen Prior aufsteigen sollte 64 , war mit seiner Berufung in Brandenburg 
selbst nicht erfolgreich, denn während seiner Amtszeit als Bailli amtierten 
dort nacheinander drei Balleier, fr. Liborius von Schlieben, fr. Kaspar von 
Güntersberg und fr. Richard von der Schulenburg 6S , Die konsequente Hal- 
tung der Ordensleitung muß jedoch in der Ballei zu einiger Unruhe geführt 
haben. So erklären sich wahrscheinlich die über den Heimbacher Vertrag 
hinausgehenden Brandenburger Zahlungen der Jahre 1463-1466, mit denen 
man sich offenbar die Billigung der eigenständigen Wahl des Balleiers 
"erkaufen" wollte; und es ist somit kein Zufall, dass sich die Ballei 1466 
und 1467 den Heimbacher Vertrag noch einmal durch den Kurfürsten und 
den Papst bestätigen ließ66, Auch die Wahl fr. Kaspars von Güntersberg 
führte 1471 noch einmal zu Problemen und zu zusätzlichen Zahlungen 67 , 
Wäre der Vertrag von Heimbach im 15. Jahrhundert ohne jede Bedeutung 
gewesen, ließen sich diese Bemühungen der Ballei kaum erklären. Aller- 
dings erlaubten offenbar die fortgesetzten Zahlungen an den Konvent einen 
Ausgleich. Während die nordostdeutschen Brüder weiterhin ihren eigenen 
Balleier wählten, blieb fr. Rudolf von Werdenberg zwar bis zu seiner Erhe- 
bung zum Prior im November 1481 im Amt, doch hat man danach wohl auf 
die Berufung eines neuen Baillis verzichtet 68 . Erst nach der Reformation, 
von 1589 bis 1798, gab es neben den protestantischen Herrenmeistern im 
Konvent in Valletta wieder einen Bailli von Brandenburg, der dem katholi- 
schen Ordenszweig entstammte und ein reines Ehrenamt innehatte 69 . Die 
Ballei Brandenburg aber blieb auch über die Zahlungen hinaus in die 
Strukturen des Ordens integriert und wurde unter anderem ausdrücklich in 


174 


I
>>>
die Visitation der deutschen Ordenshäuser einbezogen, die das General- 
kapitel auf Rhodos im Oktober 1493 beschloß 70 , 
Überblickt man das Bild, das sich unter neuer, von den älteren Ansätzen 
gelöster Perspektive von den Entwicklungen im nordostdeutschen Raum 
ergibt, erweisen sich schon die Ausgangsfragen der älteren Forschung, nach 
der Gründung der Ballei Brandenburg und nach den Anfängen des "Herren- 
meistertums", als problematisch. Die brandenburgischen Balleier standen in 
einem ähnlichen Verhältnis zu den Markgrafen von Brandenburg wie die 
englischen Priore des Johanniterordens zu ihren Königen 71 , auch wenn es 
sich bei der Ballei um eine untergeordnete regionale Struktur handelte. In 
beiden Fällen blieben die Brüder ungeachtet ihrer Verpflichtungen gegen- 
über ihren Landesherren Mitglieder des Ordens. Selbst die mangelnde per- 
sonelle Vertretung der brandenburgischen Johanniter auf Rhodos ist in die- 
sem Zusammenhang kein Argument; wesentlich ist die formale Oberhoheit 
von deutschem Prior, Meister und Konvent sowie die Einbindung in die Fi- 
nanzierung der Aufgaben des Ordens, Ein deutlicher Wandel vollzog sich 
in dieser Hinsicht erst durch die Reformation, und selbst danach wurden 
Zahlungen an die Ordenszentrale geleistet 71 . Das Herrenmeistertum ist somit 
erst eine Schöpfung des 16. Jahrhunderts, dessen Anfänge nicht schon im 
Mittelalter gesucht werden dürfen; die Entstehung der Ballei Brandenburg 
aber kann nicht isoliert betrachtet, sondern nur im Kontext der Entwicklung 
der großen Strukturen des Johanniterordens verstanden werden. Dieses Bild 
von der historischen "Wirklichkeit" wird allerdings in der öffentlichen 
Wahrnehmung noch lange von jenem Geschichtsbild überlagert werden, das 
Adolf Wilhelm Ernst von Winterfeld und noch Walter Rödel gezeichnet 
haben und das auch die meisten Beiträge zum Johanniter-Jubiläum be- 
stimmte: die Rückführung des protestantischen Ordenszweigs der Johanni- 
ter auf die "eigenständige" mittelalterliche Ballei Brandenburg. 


I 


Anmerkungen 


1 Allgemein vgl. u.a. H. J. A. Sire, The Knights of Malta, New Haven-London 1994, 
S. 270-27 I; Y. Karrnon, Die Johanniter und Malteser. Ritter und Samariter - Wandlungen 
des Ordens vom Heiligen Johannes, München 1987, S. 182-186; W. G. Rödel, Catholic 
and Protestant Members in the German Grand Priory of the Order of St. John: the Deve- 
lopment of the Bailiwick of Brandenburg, in: The Military Orders: Fighting for the Faith 
and Caringfor the Sick, hg. v. M. Barber, Aldershot, Hamps., 1994, S. 34-41, hier S. 41; zu 
den Anfängen des englischen Ordens s. J. Riley-Smith, The Order of St John in England, 
1827-1858, in: The Military Orders, S. 121-138. - Folgende Abkürzungen finden im Text 
Verwendung: fr. '"' frater (Bruder des Johanniterordens); NLM (Arch.), National Library of 
Malta, Valletta, Archives ofthe Order ofSt John. - Diese Arbeit beruht unter anderem auf 


175
>>>
Literatur- und Archivstudien, die ich als Empfänger eines Heisenberg-Stipendiums mit 
Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchführen konnte. 
2 Aus der umfangreichen Literatur seien neben dem Aufsatz von Rödel hier nur genannt: 
A. von Winterfeld, Geschichte des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jeru- 
salem. Mit besonderer Berücksichtigung der Ballei Brandenburg oder des Herrenmeister- 
thums Sonnenburg, Berlin 1859, ND des Kapitels XII (S. 63
-892) als: ders., Geschichte 
der Ballei Brandenburg oder des Herrenmeisterthums Sonnenburg des Ritterlichen Ordens 
St. Johannis vom Spital zu Jerusalem, eingel. C. Raap, Osnabrück 1993; J. v. Pflugk- 
Harttung, Die Anfänge des Johanniterordens in Deutschland, besonders in der Mark Bran- 
denburg und Mecklenburg, Berlin 1899; ders., Die Anfänge des Johanniter-Herren- 
meistertums, Historische Vierteljahrsschrift 2, 1899, S. 189-210; E. Opgenoorth, Die Ballei 
Brandenburg des Johanniterordens im Zeitalter der Reformation und Gegenreformation 
(Beihefte zum Jahrbuch der Albertus-Universität KönigsbergIPr., XXIV), Würzburg 1963; 
W. Hubatsch, Die Geschichte der Ballei Brandenburg bis zur Säkularisation, in: Der Jo- 
hanniter-Orden, der Malteser-Orden, der ritterliche Orden des hl. Johannes vom Spital zu 
Jerusalem. hg. v. A. Wienand, Köln 1970 (1988 3. Aufl.), S. 343-35 I, 630 (Lit.). 
3 Zu ihm vgl. u.a. A. Luttrell, The Hospitallers' Historical Activities: 1530-1630. Anna- 
les de l'Ordre Souverain Militaire de Malte 26, 1968, S. 57-69, ND in: ders., Latin Greece, 
the Hospitallers and the Crusades, 1291-/440 (Collected Studies Series, 158). London 
1982, Nr. III. 
4 L Bosio, Dell'lstoria della sacra religione et illustrissima militia di San Giovanni 
Gerosolimitano, Bd. 2, Rom 1630, 2. Aufl., vor allem auf der Grundlage von Archivalien 
aus dem Vatikan und dem Ordensarchiv in Valletta. Ebd., S. 49-50, ist z.B. die Übernahme 
des Templerbesitzes durch die Johanniter mit Hinweis auf fr. Leonardo de Tibertis als Ge- 
neralvisitator im Westen angesprochen, ohne Deutschland oder den durch fr. Leonardos 
Stellvertreter, fr. Paolo da Modena, 13 I 8 geschlossenen Vertrag von Kremmen zu erwähnen 
(zum Zusammenhang vgl. u.a. J. Schultze. Die Mark Brandenburg, 5 Bde.. Berlin 1961- 
1969, ND [in einem Band] Berlin 1989, hier Bd. I, S. 221-222); auch der zentrale, noch 
mehrfach anzusprechende, Vertrag von Heimbach von 1382, der auf dem Generalkapitel des 
Ordens im folgenden Jahr gebilligt wurde, ist im entsprechenden Zusammenhang nicht er- 
wähnt, ebd., S. 132-135. 
5 R. Aubert de Vertöt, Histoire des chevaliers hospitaliers de S. Jean de Jerllsalem, 
4 Bde., Paris 1726 (und weitere Auflagen; schon K. Herquet. Juan Ferrandez de Heredia, 
Grossmeister des Johanniterordens [1377-1396J, Mühlhausen 1878. S. III. spricht von dem 
den "gewissenhaften Bosio... verwässernden, leichtfertigen Vertat"; kritisch zu [Bosio und] 
Vertöt auch Luttrell, Activities [wie Anm. 3], S. 64); G. BottarelIi, Storia politica e militare 
dei Sovrano Ordine di S. Giovanni di Gerusalemme detto di Malta, Bd. I: Dalle origini 
alla cadllta di Rodi, Mailand 1940. 
6 Cartulaire general de I 'Ordre des Hospitaliers de S. Jean de Jerusalem (1/00-1310), 
hg. v. J. DelaviIIe Le Roulx, 4 Bde., Paris 1894-1905; J. DelaviIIe Le Roulx, Les Hos- 
pitaliers en Terre Sainte et 0 Chypre (1100-13/0). Paris 1904; J. Delaville Le Roulx, Les 
Hospitaliers 0 Rhodes jusqu '0 la mort de Philibert de Naillac (J 3/0-1 42 I), Paris 1913, 
ND London 1974; zu Delaville vgl. die Einleitung von A. Luttrell im Nachdruck des zuletzt 
genannten Bandes. 
7 Delaville, Les Hospitaliers 0 Rhodes (wie Anm. 6), S. 73-75, das folgende Zitat S. 75: 
.. (Bortfelde... devint le chef [herrenmeister J de la circonscription administrative dont il 
avait commence par etre le lieutenant,) rompit la plupart des liens qui la rattachaient au 
pouvoir centraJ de / 'Ordre, et, sous le nom de baillage de Brandebourg. crea une province 
nouvelle. pour ainsi dire independante, sur laquelle le grand-maitre n 'exerca desormais 
qu '11 ne autorite plus nominale que reelle "; zum Kontext vgl. K. Borchardt, The Hospital- 


176
>>>
lers, Bohemia, and the Empire, 1250-1330, in: Mendicants, Military Orders, and Regiona- 
lism in Medieval Europe, hg. v. J. Sarnowsky, Aldershot 1999, S. 201-23 I, bes. S. 224- 
229; sowie künftig J. Sarnowsky, Rhodos und Brandenburg: die Johanniter im Spätmittel- 
alter (/306-1522), vorauss. in: Jahrbuch flIr Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte, 
zu Anm. 42-46. 
8 J. DelaviIle spricht von einem mouvement d'independance nationaliste und von la 
perte de la provlnce de Brandebourg, ders., Hospitaliers a Rhodes (wie Anm. 6), S. 2 I 8. 
9 J. Delaville kennt und zitiert z.B. die noch zu besprechenden Arbeiten von Winterfeld 
und Pflugk-Harttung, ders., Hospitaliers a Rhodes (wie Anm. 6), S. 73, 75 U.ö. Die natio- 
nale Sicht auf Kreuzzüge und Ritterorden war ihm nicht fremd, entstammte er doch der 
Schule der französischen Kreuzzugshistoriker; these historians were concerned with the 
evocation 0/ French achievements in the Levant..., Luttrell, Introduction, in: J. Delaville, 
Hospitaliers a Rhodes (wie Anm. 6), S. I. . 
10 S. u.a. J. C. Beckmann, Anmerkungen von dem Ritterlichen Johanniter-Orden und 
dessen absonderlicher Beschaffenheit in dem Herren-Meistertum desselben in der Mark, 
Sachsen, Pommern und Wendland, Co burg 1695, 2. Aufl.; ders., Beschreibung des Ritterli- 
chen Johanniter-Ordens, bearb. J. C. Dithmar, Frankfurt a. O. 1726; J. G. Dienemann, Nach- 
richten vom Johanniterorden, insbesondere von dessen Herrenmeistertum in der Mark, 
Sachsen, Pommern und Wendland, Berlin 1767; J. C. Dithmar, Geschichte des Ritterlichen 
Johanniterordens, Fl'ankfurt a.O. 1728; ders., Genealogisch-Historische Nachricht von 
denen Hochwürdigsten und Durchlauchtigsten Herren-Meistern des Ritterlichen Johanni- 
ter-Ordens, Frankfurt a.O. 1737; C. v. Osterhausen, Eigentlicher und gründlicher Bericht 
dessen, was zu einer vollkommenen Erkandtnus und Wissenschaft des hoch löblichen Ritter- 
lichen Ordens S. Johannis von Jerusalem zu Malta vonnöten, Augsburg 1650. Zur For- 
schungsgeschichte vgI. Opgenoorth, Ballei (wie Anm. 2), S. 16-23. 
11 E. L. Wedekind, Geschichte des Ritterlichen St. Johanniter-Ordens, besonders dessen 
Heermeisterthums Sonnenburg oder der Ballei Brandenburg, Berlin 1853. 
12 Ebd., S. 63 und 66. 
13 Ebd., S. 75 (sowie S. 76 zum folgenden); zu fr. Foulques de Villaret vgI. A. Luttl'e 11 , 
Notes on Foulques de Vil/aret, Master of the Hospital, 1305-/319, in: Guil/aume Vil/aret 
ler Recteur du Comtat Venaissin 1274 - Grand Maitre des Hospitaliers de Saint-Jean de 
Jerusalem, Chypre 1296, Paris 1985, S. 73-90, ND in: ders., The Hospitallers and their 
Mediterranean World (Collected Studies Series 360), London 1992, Nr. IV. 
14 W. Füßlein, Die Entstehung des Herrenmeistertums in der Ballei Brandenburg, Ham- 
burg 1908 (Programm der Realschule St. Georg), S. 3-5, unterscheidet bei den älteren Au- 
toren in bezug auf die Entstehung der Ballei Brandenburg zwischen "Konflikt-", "Templer-" 
und ..politischer Theorie"; für die "Konflikttheorie" verweist er u.a. auf Dienemann, Nach- 
richten (wie Anm. 10), S. 93-94. 
15 Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und son- 
stigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, 
hg. v. A. F. Riedei, A, Urkundensammlung für die Orts- und spezielle Landesgeschichte, 
25 Bde., Berlin 1838-1863; B, Urkundensammlung für die Geschichte der auswärtigen 
Verhältnisse der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, 6 Bde., Berlin 1843-1858 (und 
weitere Reihen); Urkunden zu den Johannitern enthält vor allem A, Bd. 6, 19 und 24. Als 
"Vorläufer" ist unter anderem der Codex diplomaticus Brandenburgensis Continuatus. Samm- 
lung ungedruckter Urkunden zur Brandenburgischen Geschichte, hg. v. G. W. v. Raumer, 
2 Bde., Berlin-Stettin-Elbing 1831-1833, ND (in einem Band) Hildesheim-New York 
1976, zu nennen. Mit Ausnahme der Urkunden für Werben, Codex diplomaticus, hg. v. Rie- 
dei, A. Bd. 6, S. 1-82, sind die Bestände allerdings nicht geschlossen ediert worden; zudem 
sind immer noch die anderen regionalen Urkundensammlungen zu konsultieren. 


177
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16 Winterfeld, Geschichte (wie Anm. 2), im folgenden wird jeweils nur die ursprüngliche 
Seitenzählung genannt; zu ihm vgI. L. Fränkel, Art. Winterfeld, Adolf Wilhelm Ernst, in: 
Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 43, 1898, ND Berlin 1971. S. 480-485 (dort charak- 
terisiert als "humoristischer Belletrist", ebd., S. 480). 
17 Ebd.. S. 675-680, mit Übersetzung; s. auch die Übersetzungen bei C. Herrlich. Die 
Balley Brandenburg des Johanniterordens von ihrem Entstehen bis zur Gegenwart und in 
ihren jetzigen Einrichtungen, Berlin 1904,4. Aufl. (nach dem Tode des Verfassers vervoll- 
ständigt vom Ordensbureau), S. 54-58 [I. Auflage: Berlin 1886]; Die Johanniter (wie 
Anm. 2), S. 603-604. - Der Heimbacher Vertrag findet sich nach einer älteren Vorlage 
auch im Codex diplomaticus (wie Anm. 15), B, Bd. 3, S. 84-86. 
18 Winterfeld, Geschichte (wie Anm. 2), S. 664-669. das Zitat S. 667; die Urkunde im 
Codex diplomaticus (wie Anm. 15). A, Bd. 6, S. 34-35; eine andere Urkunde vom sei ben 
Tag, die die Titel fr. Hermanns in lateinischer Fassung bietet, ebd.. S. 35-36. bzw. B. Bd. 2, 
S. 424. sowie im Codice diplomatico dell'Ordine Gerosolimitano, hg. v. S. Pauli. Bd. 2, 
Lucca 1737, S. 94-95. 
19 Winterfeld, Geschichte (wie Anm. 2), S. 663-664 und 670 (dort auch das Zitat); 
S. 669 wendet er sich gegen den auch von Wedekind verwandten Titel Heermeister und 
erklärt den Herrenmeister als Verkürzung aus Herr Meister, während Herrlich, Balley (wie 
Anm. 17), S. 52, diesen Titel als Meister der Herren verstehen will. 
20 Dazu vgI. u.a. K. Conrad, Der Übergang von Ordens- und Klosterbesitz in Pommerellen 
an den Deutschen Orden, in: Ordensherrschaft, Stände und Stadtpolitik. Zur Entwicklung 
des Preußenlandes im 14. und 15. Jahrhundert, hg. v. U. Arnold, Lüneburg 1985, S. 1-26. 
21 Winterfeld, Geschichte (wie Anm. 2), S. 674 (dort das Zitat) und 680. 
220pgenoorth. Ballei (wie Anm. 2), S. 17-19. Die Arbeit B. Königs, Geschichte des 
St.-Johanniter-Ordens, besonders der Ballei Brandenburg, ist heute mit den Mersebur- 
ger Beständen ins Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin zurückgekehrt 
(Rep. 92, Nachlaß König, Nr. 327). 
23 L. Frhr. v. Finck, Übersicht der Geschichte des souveränen ritterlichen Ordens St. 
Johannis vom Spital zu Jerusalem und der Balley Brandenburg, Leipzig 1890, hier S. 37; 
unter den im Anhang gedruckten Urkunden findet sich, S. 123-128. wiederum der Vertrag 
von Heimbach in der Übersetzung bei C. Herrlich, Balley (wie Anm. 17). 
24 Die Geschichte der Ballei von I 160 bis 18 I 2 wird auf wenigen Seiten zusammen 
gefaßt, Herrlich, Balley (wie Anm. 17), S. 43-66, wobei vor allem der Entstehung der Bal- 
lei und dem Heimbacher Vertrag breiterer Raum zukommt. 
25 Ebd., S. 48-49 (das Zitat S. 49); zur angeführten Vorstellung vgl. oben zu Anm. 13, 
14 und 18. 
26 J Pflugk-Harttung, Unechte Urkunden des Johanniterordens aus dem 12. und 13. 
Jahrhundert, Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte I I, 1898. 
S. 301-309; ders., Anfänge-Johanniterorden (wie Anm. 2); ders., Anfänge-Herrenmeister- 
tum (wie Anm. 2); ders., Die inneren Verhtiltnisse des Johanniterordens in Deutschland, 
besonders im östlichen Niederdeutschland, Zeitschrift für Kirchengeschichte 20, 1900. 
S. I - 18 und 132- 159; ders., Der Johanniter- und der Deutsche Orden im Kampfe Ludwigs 
des Bayern mit der Kurie, Leipzig 1900. Insbesondere die beiden jüngeren Aufsätze wie- 
derholen im wesentlichen die Thesen der Arbeit von 1899. 
27 Pflugk-Harttung, Anfänge-Johanniterorden (wie Anm. 2), S. 125-168. 
28 Monumenta Germaniae Historica, Legum Sectio IV, Constitutiones et acta publica 
regum et imperatorum, Bd. 6, I, bearb. J. Schwalm, Hannover 1914-1927, Nr. 624, S. 522 
(1329 Juli 4, ausgestellt in Pavia). 
29 Pflugk-Harttung, Anfänge-Johanniterorden (wie Anm. 2), S. 22; im folgenden, S. 23- 
24, korrigiert er auch die Angaben Winterfelds zur Amtsübernahme fr. Hermanns von 


178 


L
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Werberg (in: Urkunden des Codex diplomaticus, hg. v. A. F. Riedei, A, Urkundensammlung 
[wie Anm. 15], A, Bd. 13, S. 30, und Bd. 6, S. 28, schon 1337 und 134 I als Vertreter des 
deutschen Priors in Sachsen, der Mark und der Slavia belegt). 
30 Pflugk-Harttung, Anfänge-Johanniterorden (wie Anm. 2), S. 83-109. bes. S. 94: ..Wir 
werden deshalb nicht irren, wenn wir Gebhards Erhebung mit den Massnahmen des Grafen 
Berthold zur Ordnung der märkischen Verhältnisse und zur Gewinnung von Hülfsmitteln 
für König Ludwig in Beziehung bringen..." Angeschlossen ist die Edition von elf zuvor 
nicht gedruckten Urkunden zu fr. Gebhard, S. 110-122. Zu fr. Berthold von Henneberg, der 
sich in Böhmen nicht gegen fr. Michael von Tinz durchsetzen konnte, vgl. jetzt Borchardt, 
Hospitallers (wie Anm. 7), S. 221-228. 
31 Füßlein. Entstehung (wie Anm. 14). S. 5-6 (Kritik an Pflugk-Harttung) sowie 6-26 
(Entwicklung der Ordensstrukturen). - Zu Füßlein vgI. die Einleitung von E. Henning in: 
W. Füßlein, Berthold VII. Grafvon Henneberg. Ein Beitrag zur Reichsgeschichte des XIV. 
Jahrhunderts. Um den bisher unveröffentlichten 2. Teil erweiterter ND der Ausgabe von 
1905, hg. v. E. Henning, Mitteldeutsche Forschungen. Sonderreihe: Quellen und Darstel- 
lungen in Nachdrucken, 3, Köln-Wien 1983. S. VII-XXIII. 
32 Zu fr. Paolos Rolle s. Füßlein. Entstehung (wie Anm. 14), S. 21-35; zum Vertrag von 
Kremmen s. Codex diplomaticus, Riedel (wie Anm. 15), B, Bd. I, S. 4 I 8-420; die genannte 
Urkunde Papst Johannes' XXII., die Forderungen an fr. Gebhard von Bortfeld betrifft, die 
der Prior von Toulouse, fr. Pierre de l'Ongle, eintreiben sollte, ediert (nach einer Münchner 
Vorlage), Füßlein, Entstehung (wie Anm. 14), S. 47-48 (zum Kontext und zur Überliefe- 
rung s. wiederum Borchardt, Hospitallers [wie Anm. 7], S. 228); zu fr. Paolo vgI. auch 
Anm. 38. 
33 Füßlein, Entstehung (wie Anm. 14), S. 38. 
34 H. Prutz, Die Geistliche Ritterorden. Ihre Stellung zur kirchlichen, politischen. gesell- 
schaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des Mittelalters. Berlin 1908, ND Berlin 
1977, S. 312-314 (die folgenden Zitate aufS. 313). 
3S Dazu vgl. u.a. Pflugk-Harttung, Anfänge-Johanniterorden (wie Anm. 2), S. 2 I. 
36 Nach 1908 erschienen u.a. W. v. Obernitz. Die Ballei Brandenburg, Düsseldorf 1929, 
der sich auf die Entwicklung seit 1852 konzentriert; sowie W. Frhr. v. Mirbach. Geschichte 
des Johanniterordens, Bad Pyrmont 1957, der sich in den Teilen über die Ballei immer 
noch an Winterfeld orientiert, vgl. Opgenoorth, Ballei (wie Anm. 2). S. 18. 
37 VgI. seine Übersicht über Quellenlage und Forschungsstand, Opgenoorth, Ballei (wie 
Anm. 2), S. 10-23. 
38 Ebd., S. 23-24 und 38-39. Opgenoorth übersieht allerdings in seiner Bewertung fr. Paolo 
da Modenas, daß dieser bereits 1319 Apr. 12 durch den Meister, fr. Foulques de VilIaret. 
ausdrücklich zum Vizeprior oder Generalpräzeptor ftlr diesen Raum berufen wurde. NLM 
Arch. 16, Nr. 10, und bis 1323 oder 1324 in dieser Stellung verblieb; vgI. die Nachweise bei 
Delaville, Hospitaliers-Rhodes (wie Anm. 6). S. 73, den Opgenoorth nicht herangezogen hat. 
39 Opgenoorth, Ballei (wie Anm. 2), S. 40-47 (die Zitate auf S. 40 und 47); im Anschluß 
daran. S. 47-62, hat er auf Grundlage der Quellen die spätmittelalterliche Entwicklung nach 
dem Vertrag von Heimbach aufgearbeitet. 
40 B. Waldstein-Wartenberg, Rechtsgeschichte des Malteserordens. Wien-München 1969, 
S. 190-193 und 300, dort S. 190 zur "Frühgeschichte" der Ballei. Sein zweites Buch zur 
Geschichte der Johanniter, Die Vasallen Christi. Kulturgeschichte des Johanniterordens im 
Mittelalter, Wien-Köln-Graz 1988, enthält keinen eigenen Abschnitt zur Geschichte der 
Ballei, sondern nur einige Hinweise, u.a. S. 3 17 und 323. 
41 Hubatsch, Ballei (wie Anm. 2); Opgenoorth hat zu diesem Band nur die Geschichte 
einzelner Häuser beigesteuert, ders., Die Kommenden der Ballei Brandenburg, in: Der Johan- 
niter-Orden (wie Anm. 2), S. 404-412. 


179
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42 Rödel. Members (wie Anm. I). S. 35-37. 
43 Etwa durch die unlängst erschienenen Beiträge von Karl Borchardt; neben Borchardt, 
Hospital/ers (wie Anm. 7), vgl. u.a. ders., Military Orders in East Central Europe: the 
First Hundred Years, in: La premiere croisade et ses consequences (Byzantina Sorbonen- 
sia, 14), ed. M. Balard, Paris 1996, S. 246-254; ders., The Hospital/ers in Pomerania: Bet- 
ween the Priories of Bohemia and Alemania, in: The Military Orders, vol. 2: Welfare and 
Warfare, ed. H. Nicholson, Aldershot 1998, S. 295-306. Karl Borchardt hat zudem fUr den 
International Medieval Congress in Leeds 1999 einen Vortrag über die Ballei Brandenburg 
angekündigt, der mir leider nicht zugänglich war. - Zur allgemeinen Geschichte der Jo- 
hanniter sind aus dem deutschen Bereich unter anderem die Arbeiten von Rudolf Hiestand 
und seinen Schülern zu nennen. 
44 A. Luttrell, The Hospital/er Province of Alamania to 1428, in: Ritterorden und Region 
- Politische und soziale Verbindungen im Mittelalter, hg. v. Z. H. Nowak (Ordines mili- 
tares - Colloquia Torunensia Historica VIII), Torun 1995, S. 21-41. ND in ders., The 
Hospital/er State on Rhodes and its Western Provinces. 1306-1462 (Collected Studies Se- 
ries, 655), Aldershot 1999, Nr. XII, hier S. 21-22. 
45 Ediert bei J. Miret y Sans, Les cases de Templers y Hospitalers en Catalunya. Barce- 
lona 1910, S. 402, als einziger Eintrag unter dem Priorat Alamania; es handelt sich um eine 
Summe von 1462
 m. fUr 20 Ordenshäuser. 
46 NLM Arch. 16, Nr. 15, von 1323 Jan. 13; vgI. dazu auch Borchardt, Hospital/ers (wie 
Anm. 7), S. 226. 
47 Luttrell, Province (wie Anm. 44), S. 34: "The agreement merely perpetuated the 
existing situation in which the Brandenburg Hospitallers enjoyed a considerable degree 
of independance from the prior; it certainly did not make the BaI/ei independent of the 
Order". 
48 Die Zungen existierten - gegen die Annahmen nicht nur der älteren Literatur - al- 
lein im Konvent, vgl. u.a. 1. Sarnowsky, Der Konvent auf Rhodos und die Zungen (lingue) 
im Johanniterorden (/421-1476), in: Ritterorden und Region (wie Anm. 44), S. 43-65; 
J. Riley-Smith. The Knights of St. John in Jerusalem and Cyprus. c. 1050-1310, London 
1967, S. 283-285. - Zur Entstehung der Priorate vgl. ebd., S. 341-371; zur spätmittelal- 
terliche Situation in Deutschland vgl. W. G. Rödel, Das Großpriorat Deutschland des 
Johanniter-Ordens im Übergang vom Mittelalter zur Reformation, Köln 1972. 2. Aufl. 
49 Vgl. A. Luttrell, Change and Conflict within the Hospital/er Province of Italy after 
1291, in: Mendicants. Military Orders (wie Anm. 7), S. 185-199. hier S. 193-194, Anm. 50. 
50 Nach der Zusammenstellung der Ämter der Zungen in den Caoursinschen Statuten. 
NLM Libr. 244, fol. 82v-83r; vgl. die Diskussion über den Rang der Kapitularbaillis im 
Oktober 15 I 3, die sie unmittelbar den KonventualbaiIlis und Prioren nachordnet und 
zugleich die wichtigsten im Konvent anwesenden Amtsträger . nennt, NLM Arch. 82, 
fol. 94(107)v-95(108)v. 
51 Luttrell, Province (wie Anm. 44), S. 25-27, 32-34; sowie u.a. E. Schöningh. Der Jo- 
hanniterorden in Ostfriesland, Aurich 1973; ders., Zur Geschichte der Johanniterbal/ei 
Westfalen, Osnabrücker Mitteilungen 8 I, 1974, S. 178-185; und schon Pflugk-Harttung, 
Verhältnisse (wie Anm. 26), S. 157- 158. 
52 Erwähnungen der Ballei Westfalen um Lage z.B. in NLM Arch. 346, fol. 123r-v 
(1422), und Arch. 352, fol. 100v (1436); der Ballei Franken um Würzburg. z.B. in NLM 
Arch. 365. fol. I 14v (1455). 
53 So erstmals nachweisbar 1335 in Nemerow, s. Codex diplomaticus (wie Anm. 15), 
A, Bd. 19, S. 196-197. 
54 Winterfeld, Geschichte (wie Anm. 2), S. 675; Codex diplomaticus (wie Anm. 15), B. Bd. 3, 
S. 84; vgl. zu Anm. 17 sowie künftig Sarnowsky, Rhodos (wie Anm. 7). 


180 


....
>>>
55 Zu regionalen Einflüssen und den ..Antworten" der Orden vgl. die Beiträge in Men- 
dicants, Military Orders (wie Anm. 7). 
56 V gl. zu Anm. 20. 
57 Der deutsche Prior, fr. Konrad von Braunsberg, blieb dem in Avignon residierenden 
Meister, fr. Juan Fernandez de Heredia, treu, so daß dessen Gegenspieler, fr. Riccardo 
Caracciolo, die Häuser in Brandenburg und Sachsen 1385 dem böhmischen Prior übertrug, 
allerdings ohne dauerhafte Folgen, vgI. NLM Arch. 28 I, fol. 68r; Delaville, Hospitaliers- 
Rhodes (wie Anm. 6), S. 255, Anm. I; Waldstein-Wartenberg, Vasallen (wie Anm. 40), S. 58. 
58 Delaville, Hospitaliers-Rhodes (wie Anm. 6), S. 217-218; flIr den Text der Bestäti- 
gung durch Meister fr. Juan Fernandez de Heredia s. Codex diplomaticus (wie Anm. 15). 
B, Bd. 3, S. 78-79 (das Datum ist nach dem Annunciationsstil auf 1383 März 13 zu korri- 
gieren). 
59 Das gilt z.B. auch ftlr die Johanniter in Schottland, Irland und Wales, die wesentlich 
unter dem Einfluß des englischen Königtums standen, vgl. H. Nicholson, The Knights Hos- 
pitallers on the Frontiers of the British Isles, in: Mendicants. Military Orders (wie Anm. 7), 
S. 47-57, bes. S. 57. Brandenburg blieb selbstverständlich Teil des Ordens, und so wurde 
der Balleier - neben dem Prior und dem Großbailli - Z.B. zu einer Versammlung nach 
Avignon zitiert, die 1461 Aug. 15 nach einer Visitation über die Abgaben der Ordenshäuser 
befinden sollte (aber nicht zustandekam), NLM Arch. 369, fol. 6(16)r, von 1459 Okt. 27. 
60 Winterfeld, Geschichte (wie Anm. 2), S. 694; Opgenoorth, Ballei (wie Anm. 2), S. 48. 
Zum folgenden vgl. künftig auch J. Sarnowsky, Rhodos (wie Anm. 7). 
61 Diese sonst kaum belegten Vorgänge ergeben sich aus einer Supplik fr. Richards 
an Papst Kalixt 111. von 1457 Aug. I I, Archivio Segreto Vaticano, Reg. Suppl. 503, foI. 
202v-204r. 
62 Die Urkunde über die Berufung fr. Rudolfs von Werden berg zum Bailli von Bran- 
denburg in NLM Arch. 371, fol. 133(135)r-v (1461 Juli 9); Erneuerung auf Lebenszeit: 
Arch. 372, fol. 139v (1462 Nov. 4); eine päpstliche Bestätigung fr. Rudolfs erfolgte nach 
der Supplik von 1461 Okt. 17, Archivio Segreto Vaticano, Reg. SuppI. 545, foI. 18v-19r; 
die Berufung fr. Richards von Bothier zum deutschen Prior erfolgte 1460 Juni 18, Arch. 73, 
foI. 22(35)r 
63 NLM Arch. 371. foI. 133(135)r-v (die Berufungsurkunde. mit der Ergänzung: revo- 
cantes, cassantes et annu/lantes pacta, concordiam et conventiones dudum facta et factas 
inter preteritas priores ac preceptores dicti nostri prioratus Alamanie ac baillllivum et 
fratres ipsius baiulliatus in et super eleccione et confirmatione baiul/ivi et aliis qllibusmo- 
do. eciam litteras confirmatorias postmodo factis de predictis per quondam bone memorie 
fratrem Johannem Ferdinandum de Heredia dicte domus olim magistrum...) und 135(137)r 
(Nachtrag zu den vier bzw. fünf in der Ballei von außen einzusetzenden Brüdern). 
64 Seine Amtsdaten nach: NLM Arch. 73, foI. 94(107)v (1461 Juli 7, Berufung zum 
Bailli von Brandenburg); Arch. 75, fol. 176(184)r (1478 März 25 belegt als Kastellan von 
Rhodos); Arch. 76, fol. 70(85)r (1481 Nov. 20, Wahl zum Großbailli) und 71(86)v (1481 
Nov. 27, Wahl zum Prior, Verzicht auf die Würde des Großbaillis). Im Oktober 1477 erhielt 
er die Präzeptorei Freiburg, NLM Arch. 385, foI. 120r-v; zudem ist er unter anderem im 
Juli 1462, im März 1472 und im September 1479 im Konvent belegt, NLM Arch. 372, 
foI. 135r-v, Arch. 38 I, foI. 98r-v, und Arch. 387, foI. 108r; allerdings erhielt er im März 
1472 zwischenzeitig die Erlaubnis, den Konvent in Richtung Deutschland zu verlassen, NLM 
Arch. 74, fol. 97(109)v. Nach seiner Erhebung zum Prior kehrte er zwischen 1495 Aug. 31 
und Okt. 10 als Gesandter Maximilians noch einmal in den Konvent zurück, NLM Arch. 78. 
fol. 17(32)v-18(33)r, 22(37)r-v und 28(43)r. - Die Wahl der bei den Baillis zum Prior ist 
kein reiner Zufall, denn auch in den anderen Prioraten stellten die Ämter der Kapitularbail- 
lis, zu denen auch Brandenburg zählte, wichtige Sprungbretter ftlr die Wahl zum Prior dar. 


181
>>>
65 Vgl. H. v. Mackensen-Astfeld, Die Herrenmeister der Bal/ey Brandenburg, in: Der 
Johanniter-Orden (wie Anm. 2), S. 614. 
66 Codex diplomaticus (wie Anm. 15), B, Bd. 5, S. 99-101 und 115-116, von 1466 Okt. 2 
und 1467 Sept. I I; vgl. Opgenoorth, BaI/ei (wie Anm. 2), S. 48, Anm. 168, der die Bestäti- 
gung allein auf die Zahlungen bezieht. Die päpstliche Urkunde ist in der auf päpstlichen 
Auftrag durch Bischof Friedrich von Lebus vorgenommenen Bestätigung von 1471 Juni 5 
inseriert, s. Codex diplomaticus (wie Anm. 15), B, Bd. 5, S. 151-154. 
67 Winterfeld, Geschichte (wie Anm. 2), S. 701; Opgenoorth, BaI/ei (wie Anm. 2), S. 48. 
68 V gI. die Bestellungsurkunde eines Baillis von Brandenburg von 1481 Dez. 3, NLM 
Arch. 388, foI. 124v-125r, bei der der Name offengelassen wurde, sowie die Beratungen im 
Rat 1481 Dez. 9, NLM Arch. 76, foI. 75(90)v. - Fr. Rudolf von Werdenberg hat dann 
1491 Juli 15 als deutscher Prior die Wahl fr. Georgs von Schlabrendorf zum Balleier mit 
Berufung auf den Heimbacher Vertrag bestätigt, Codex diplomaticus (wie Anm. 15), A, Bd. 24, 
S. 207-208. 
69 Rödel, Members (wie Anm. I), S. 4 I. 
70 Für den 1494 Dez. 9 wieder aufgenommenen Beschluß des Generalkapitels von 1493 
Aug. 5 s. NLM Arch. 390, foI. 95v-97v. Die Visitatoren sollten in prioratibus nostris Ala- 
maniae superioris et inferioris, Ungariae, Bohemiae, Datiae, Suetiae, Frisiae, Balliagi de 
Brandemburg ac praeceptoriam Brabantiae et Leodi tätig werden (fol. 96r). Davon haben 
sich nur die Aufzeichnungen für Ober- und Niederdeutschland erhalten, NLM Arch. 45; 
dazu s. Rödel, Großpriorat (wie Anm. 48). - Einladungen zu den Generalkapiteln gingen 
aber offenbar nur an die Priorate, so z.B. 1515 an das deutsche, das böhmische und das 
skandinavische Priorat, NLM Arch. 404, foI. 152 (162) r. 
71 Zu den englischen Verhältnissen vgl. Sarnowsky, Kings and Priors: the Hospital/er 
Priory 01 England in the Later Fifteenth Century, in: Mendicants, Military Orders (wie 
Anm. 7), S. 83-102; zu Brandenburg Opgenoorth, BaI/ei (wie Anm. 2), S. 56-59; allgemein 
W. G. Rödel, Reformbestrebungen im Johanniterorden in der Zeit zwischen dem Fal/ 
Akkons und dem Verlust von Rhodos (/29/-1522), in: Reformbemühungen und Observanz- 
bestrebungen im spätmittelalterlichen Ordenswesen, hg. v. K. Elm (Berliner Historische 
Studien, 14; Ordensstudien VI), Berlin 1989, S. 109-129, hier S. 124-125. 
72 1637 rüstete man, allerdings unter dem Vorzeichen katholischer Vorherrschaft. für 
kurze Zeit sogar Galeeren auf Malta aus, Sire, Knights (wie Anm. I), S. 20 I. 


....
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ORDINES MILIT ARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI- 200] 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Libor Jan (Brno) 


Die Johanniter in Böhmen: Bild des Lebens 


Die Thematik der geistlichen Ritterorden im Mittelalter wurde in der 
Vergangenheit durch die tschechischen Historiker nur unzulänglich be- 
rücksichtigt. Die Strukturen der Johanniter, des Deutschen Ordens sowie 
der Templer in Böhmen und Mähren galten lediglich als marginale Bestand- 
teile der Kirche mit einem exotischen Beigeschmack, während die Autoren, 
die sich heute mit der mittelalterlichen Gesellschaft in Böhmen befassen, 
neigen dazu, die Angehörigen der Ritterorden entweder als Organisatoren 
des Spitalwesens oder aber als bewaffnete Beschützer der Wege und Gren- 
zen des mittelalterlichen Staates bzw. als systematisch herbeigerufene Ko- 
lonisatoren zu betrachten', Derartige Vorstellungen sind freilich meilenweit 
von der Realität entfernt. Vor den Historikern stehen deshalb zahlreiche 
voneinander abweichende Aufgaben: Zum einen gilt es, die Rolle der Rit- 
terorden innerhalb der Außenbeziehungen der böhmischen Länder, vornehm- 
lich zur Levante und zu Preußen, zu untersuchen, des weiteren, den Anteil 
der Ritterorden an der Ausbreitung einer vom Rittertum insgesamt gepräg- 
ten Kultur und der Formierung des Adels zu bestimmen, und schließlich, 
deren Anteil am politischen Leben des Landes auszumachen. Die Erfor- 
schung dieser Aspekte kann sodann hilfreich sein bei der Beantwortung der 
Kardinalfrage: Fügten sich die Ritterorden in die böhmische Gesellschaft 
ein und gewannen sie darin einen festen Platz, oder wurden sie viel mehr 
während der gesamten Zeit ihres Wirkens als ein mehr oder minder land- 
fremdes Element betrachtet? 
Zweifellos gebührt den Johannitern innerhalb dieser Fragestellungen die 
größte Aufmerksamkeit. Sie kamen nämlich als erster Ritterorden nach Böh- 
men, sie waren - innerhalb des Gesamtgefüges der kirchlichen Orden - 
erst der vierte Orden überhaupt, der sich in Böhmen niederließ. Lange Zeit 


183
>>>
... 


herrschte dabei die Meinung vor, die Johanniter hätten sich in dem ver- 
hältnismäßig breit gefaßten Zeitraum zwischen I 156 und 1 169 in Böhmen 
niedergelassen, zumal eine der grundlegenden Urkunden König Vladislavs 
11. nicht datiert ist und eine derartige Interpretation somit gestattete. Erst 
Michal Skopal gelang es zu Beginn der neunziger Jahre auf der Grundlage 
einer eingehenden Analyse, als wahrscheinlichsten Zeitpunkt der Nieder- 
lassung der Johanniter in Prag, und zwar auf der Kleinseite an der Kirche 
der Jungfrau Maria, das Jahr I 169 auszumachen. Dabei stellte er parallel 
dazu die Hypothese auf, der Böhmenkönig habe durch die Gründung eines 
Ordenshauses der Johanniter mittels direkter Verhandlungen mit dem Or- 
denszentrum in Jerusalem versucht, sich dem Lager Papst Alexanders III. 
anzunähern 1 . 
Etwa zur gleichen Zeit oder aber kurz davor hatten sich nämlich im 
Hinblick auf die Frage der Besetzung des Metropolitenstuhls in Salzburg 
durch Vladislavs Sohn Adalbert-Vojtech, der am 1. November 1168 inthro- 
nisiert wurde, die Beziehungen zwischen dem böhmischen König auf der 
einen und dem Kaiser sowie dem von ihm eingesetzten Gegenpapst Calixt 111. 
auf der anderen Seite verschlechtere. Zu einer faktischen Anerkennung des 
Gründungsaktes durch die päpstliche Kurie kam es jedoch erst zehn Jahre 
später: Im Jahre I 179 erhielten die Johanniter in Prag zwei Exemplare der 
von Papst Alexander III. ausgestellten Urkunden, die freilich für den ge- 
samten Orden bestimmt waren (dilectis filiis Rogerio magistro et fratribus 
lerosolimitani Hospitalis)4. Die Güter der Johanniter in Böhmen jedoch. 
namentlich die Kirche der Jungfrau Maria in Prag und das Gotteshaus in 
Manetin (Manetin), bei dem damals Ordensschwestern lebten, bestätigte erst 
Alexanders Nachfolger Lucius III. im Jahre I I82 s . Und erst zu Beginn des 
Jahres 1181 taucht in den Schriftquellen erstmals der Name des Vorstehers 
der böhmischen Johanniter auf, des Priors Bernhard. Dieser wird allerdings 
in einer in Velletri ausgestellten Quittung des venezianischen Priors Ercim- 
baldo als Zeuge erwähnt 6 , was die Vermutung nahe legt, er sei kurz zuvor 
vom Ordenszentrum zum Prior ernannt worden und habe bei seinem Weg 
aus der Levante nach Prag, zusammen mit seinem venezianischen Amtsbru- 
der, in Rom Station gemacht, von dem Velletri nicht allzu weit entfernt 
liegt. Dies würde freilich bedeuten, dass zehn Jahre nach der faktischen 
Gründung des Ordenshauses in Prag nur wenig passiert sei. Erst nach Bern- 
hards Ankunft zu Beginn des Jahres I 181 wird die Quellenüberlieferung 
dichter. Bernhard war auch derjenige (wobei ein gewisser Anteil eines der 
Gründer, Martins, nicht ausgeschlossen werden kann), der gegen die bereits 
erwähnte päpstliche Protektion vom 23. Oktober 1182 intervenierte. Ich bin 
mir nicht sicher, in welchem Umfang der Auffassung von M. Skopal zu- 
gestimmt werden kann, dass "die Ankunft der Johanniter im Jahre 1169 das 
Siegel der Illegalität trägt,,7, Meiner Meinung nach scheint es eher so zu 
sein, dass der gesamte Zeitraum I 169- I 181 eine gewisse Anfangs - oder 


184
>>>
V orbereitungssphase darstellt. Voll zustimmen kann man demgegenüber der 
Ansicht von Skopal, dass die Niederlassung des Johanniterordens in Böh- 
men weder in Zusammenhang stehen dürfte mit der mißglückten Teilnahme 
Vladislavs 11. am 2. Kreuzzug noch mit der Tatsache, dass der Großmeister 
Raymund de Puy dem Böhmenkönig die Schlüssel des Crac des Chevaliers 
angeboten habe. wenngleich Vladislav in der datierten Schenkungsurkunde 
aus dem Jahre 1169 diese beiden Umstände erwähnt 8 . 
Auch wenn in den ältesten Urkunden als unmittelbare Gründer der 
Vysehrader Propst und Kanzler Gervasius sowie dessen Neffe, der Prager 
Propst Martin, erscheinen, und der Herrscher hier gleichsam der gesamten 
Aktion nur eine Art Schutzschild bot 9 , scheinen insgesamt kaum Zweifel 
angebracht, dass die Gründung des ersten Johanniterhauses im Przemysli- 
den staat in der Tat der herrscherlichen Aktivität zuzuschreiben ist. So wurde 
im übrigen die Stellung des gesamten böhmischen Zweiges dieses Ordens 
auch in den folgenden Jahrhunderten betrachtet: Ohne Rücksicht darauf, 
dass die Gründung einiger weiterer Häuser auf die Initiative des Adels zu- 
rückging, wurde der Orden insgesamt als königliche Fundation betrachtet. 
Die Tatsache dieses Prozesses war im böhmischen Priorat des Johanniter- 
ordens noch in der zweiten Hälfte des 13, Jahrhunderts gut bekannt, als auf 
der Grundlage der erwähnten Tradition im Ordensmilieu das auf den Na- 
men König Pi'emysl Ottokars I. auf das Jahr I 199 datierte Falsum entstand. 
Behauptet werden darf, dass Pi'emysls Vater inspiratus gracia divina do- 
mum hospita/is Jeroso/imitani in hac iniciavit terra, fratres re/igiosos 
predicte domus de Jeroso/imis adduxit. predia, vil/as et mancipia largiter 
contu/it, Des weiteren ist von Dörfern die Rede, die der böhmische Adlige 
Hroznata Crispus dem Orden per manum prepositi Martini et magistri Ber- 
nardi ad obsequium pauperum Christi et peregrinorum geschenkt hatte 10, 
Der gleichen Quelle zufolge nahm die Witwe dieses Adeligen das Ordens- 
gewand der Johanniter an, ebenso wie Peter, Milhosts Sohn (vermutlich kam 
er bei kriegerischen Auseinandersetzungen in Palästina im Jahre 1187 ums 
Leben) sowie zeitweilig auch dessen weibliche VerwandtschaftlI, Als am 
höchsten gestelltes Mitglied des Johanniterordens aus Böhmen darf im äl- 
testen Zeitraum Heinrich angesehen werden, der Bruder König Vladislavs 11. 
und Vater des Prager Bischofs und Böhmenherzogs Heinrich Bi'etislav, der 
iam dudum Jeroso/imis apud vos (das heißt den Johannitern) fraternitatem 
susceperat tempore magistri Assa/iti (also in den Jahren 1163-1170)11, Dem 
Orden trat während seines Aufenthalts in Jerusalem im Jahre 1182 auch 
einer der Gründer, der Propst Martin selbst, bei, der zum Großpräzeptor für 
Böhmen, Ungarn und die südlichen, östlichen und nördlichen Nachbarlän- 
der aufstieg 13 , 
Wie nun sah die ethnisch-nationale Zusammensetzung der Mitglieder 
des Ordens in den ersten Jahrzehnten seines Wirkens aus? Für diesen Zeit- 
raum läßt sich keine eindeutige Bindung der Ordensstrukturen an die deutsch 


185
>>>
sprechenden Gebiete des Reiches aufzeigen; eine solche tritt erst seit der 
Mitte des 13. Jahrhunderts hervor. Wahrscheinlicher dürfte sein, dass in 
dieser Zeit ein direkter Anschluß an das Ordenszentrum im Osten bestand. 
Als Beispiel mag das Prager Ordenshaus dienen, das ohne Zweifel als Mut- 
tereinrichtung für weitere Niederlassungen in Böhmen, Schlesien und par- 
tiell auch in Mähren diente, dessen südlicher Teil zumindest in der Anfangs- 
zeit unter dem Einfluß des Ordenshauses in Mailberg stand '4 . Wir führen 
im folgenden die bekannten Namen der Prager Komture und Mitglieder des 
Konvents bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts an. Im Jahre I 194 wird der 
Prager Komtur (preeeptor) Mainard erwähnt; im Jahre 1217 erscheinen ein 
Magister Hugo, der Bruder Friedrich, der Prior Milgost sowie die Brüder 
Johannes, Cosmas, Simon, Blucace, Radosta, Persik, Bohuslav, Kuno, Ma- 
theus, Maly eeterique fratres eiusdem domus; 1222 fungiert als Vorsteher des 
Prager Hauses (magister hospitalis crueiferorum sanetae Mariae in Praga) 
ein gewisser Friedrich, bei dem es sich offenkundig um die gleiche Person 
handelte, die im Jahre 1217 an zweiter Stelle der aufgeführten Personen 
genannt worden war lS . Im Jahre 1238 vertraten die Brüder des Prager Kon- 
vents namentlich der magister Mladota, Peter von Straßnitz sowie der Prior 
Kuno. Zehn Jahre später, 1248, bestätigten der magister domus hospitalis 
sanetae Mariae Prage iuxta pontem Peter, der Prior Johannes und der Kon- 
vent, dass Peters Vorgänger, Durata, eommuni fratrum litteratorum el illi- 
teratorum eonsensu den Tausch eines Dorfes gegen ein anderes mit den Be- 
nediktinern vorgenommen hatte; unter den Zeugen werden die Konventua- 
len Kuno, Benedikt, Thomas, Jakob, Paul und Pi'edbor erwähnt l6 . 
Nach 1250 standen an der Spitze der Prager Niederlassung Wolfger 
(1251), Johannes (1253) und Heinrich (1255); im letztgenannten Jahr be- 
kleidete Pi'edbor das Amt des Pri ors l7, Der größere Teil der Namen weist 
im Untersuchungszeitraum eine biblische oder altchristliche Herkunft auf 
und erweist sich somit für eine ethnisch-nationale Identifikation als nahezu 
unbrauchbar. Die zweitstärkste Gruppe der aufgeführten Personen weist 
freilich tschechische Namen auf (Milgost, Radosta, Bohuslav, Maly, Mla- 
dota, Durata, Pi'edbor sowie die schwer zu entziffernden Namen Blucace 
und Persik). Deren Träger sind zwei Vorsteher des ganzen Hauses und zwei 
Vorsteher der dortigen Priester, die Priore. Eine deutsche Zuordnung böte 
sich für die Namen Hugo, Kuno und Friedrich an, wobei besonders der 
letzte Name freilich auch im tschechischen Mil.ieu eine weite Verbreitung 
aufwies, 
Auch wenn es sich bei den aufgeführten Namen insgesamt um keine 
quantitativ allzu breite Vorlage handelt, darf doch gefolgert werden, dass 
der Orden des hl. Johannes sehr bald nach seiner Verankerung in den 
böhmischen Ländern eine ziemliche Beliebtheit unter der örtlichen Bevöl- 
kerung genoß. Ein weiteres Problem, dass im Untersuchungszeitraum nicht 
befriedigend gelöst werden kann, ist die soziale Herkunft der einzelnen 


186
>>>
Angehörigen des Johanniterordens. Auf der Basis allgemein bekannter Tat- 
sachen darf angenommen werden, dass auch adlige Tschechen dem Orden 
beitraten. Des weiteren darf nicht außer acht gelassen werden, dass mit 
ziemlicher Sicherheit bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts das Prager Ordens- 
haus ein wirkliches Zentrum repräsentierte und die Mehrzahl der Besitzun- 
gen in Böhmen, die der Orden zuvor erworben hatte und auf denen schritt- 
weise weitere Ordenskommenden gegründet wurden, ihm bis dahin direkt 
unterstanden 18 , So verwaltete noch im Jahre 1235 Prag Manetin l9 , wo es am 
Ende des 12. Jahrhunderts nicht gelungen war, ein Frauenhaus zum Leben 
zu erwecken und wo eine Männerkommende erst irgendwann in der zweiten 
Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand. auch wenn die Johanniter hier über 
einen relativ weitläufigen Besitz verfügten 1o . Zu Beginn der vierziger Jahre 
wurde die Kommende in Strakonitz dank der Initiative der dortigen Herren 
gegründet und das in der Adelsburg eingerichtete Ordenshaus entwickelte 
sich zu einem einzigartigen Beispiel für eine Symbiose weltlicher und geist- 
licher Elemente 11 . Zu Beginn der fünfziger Jahre bekundeten auch die Mark- 
wartinger dem Orden ihre Gunst: Einen Repräsentanten dieses Geschlechts 
finden wir im Jahre 1250 mit einer 36 Männer umfassenden Gefolgschaft 
auf dem Wege zum französischen König Ludwig IX. in Richtung Übersee l1 , 
Die Angehörigen dieser Familie stehen am Beginn der Ordenshäuser bei St. 
Veit in Jung-Bunzlau und in Böhmisch-Aicha 13 , In der zweiten Hälfte des 
13. Jahrhunderts entstehen zudem Kommenden an Orten, die der Orden be- 
reits zuvor erworben hatte, vornehmlich aufgrund königlicher Initiative: 
Neben dem bereits erwähnten Manetin trifft dies auf Kaaden, Ploschkowitz, 
Zittau und Glatz zu. 
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ändert sich offenkundig 
schrittweise das Bild der Zusammensetzung der Angehörigen der Prager 
Kommende: Bereits im Jahre 1272 tauchen unter den Zeugen einer Urkunde 
die Namen Liphmann und Buchger 14 auf und auch die Namen der Komture 
(Heinrich 1255, Konrad 1280-1293, Berthold 1297, Wernher 1313-1325, 
Heinrich 1331-134 I) und Priore (Ekkehard 1293, Konrad 1313i s lassen ver- 
muten. dass in diesem Konvent die Angehörigen deutscher Patrizier- und 
Bürgerfamilien, die sich im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts in Prag nie- 
dergelassen hatten, eine dominierende Stellung einzunehmen begannen 16 . 
Dieser Zustand dauerte offenkundig fort, und so finden wir denn auch im 
Jahre 1373 unter den 29 Mitgliedern des Konvents zahlreiche aus Prag stam- 
mende Männer 17 , Von den zehn Angehörigen des Ritterstandes waren sie- 
ben aus Prag, wobei drei aus den bedeutendsten Patriziergeschlechtern der 
Stadt kamen 18 , Von den 19 geistlichen Personen (15 Priester, ein Diakon, 
ein Subdiakon und zwei Akolythen) stammten wiederum sechs aus prag 19 , 
weitere Prager finden wir darüber hinaus auch in den Reihen der geistli- 
chen Angehörigen weiterer Kommenden. An der Spitze der Kommende 
wechselten dann im Verlaufe des 14. Jahrhunderts Personen bürgerlicher 


187
>>>
und adliger Herkunft, die aus dem deutschen oder tschechischen Milieu 
stammten 30 . 
Auf der Prager Kleinseite errichteten die Johanniter zu Füßen der stei- 
nernen Brücke unterhalb der, wie man sagte, Kette ein richtiges monasteri- 
um, ein Kloster, denn in südlicher Richtung schloß sich an die dreischiffige 
romanische Basilika mit ihrem Doppelturm und dem Transept ein Gebäu- 
dekomplex mit Kreuzgang und Paradieshof an. Ein weiteres Gebäude, des- 
sen Funktion bislang noch nicht genau ermittelt werden konnte, grenzte an 
die Kirche in nördlicher Richtung 31 , Deshalb soll an dieser Stelle hypothe- 
tisch die Vermutung aufgestellt werden. es könnte sich hier um den eigent- 
lichen Sitz des Komturs - nach Vorbild der Häuser der Äbte in den Mönchs- 
orden - mit Wohnräumen für den böhmischen Prior, der mit seinem zahlen- 
mäßig nicht unbedeutenden Gefolge häufig in der Kommende Quartier nahm, 
sowie weitere hochgestellte Gäste gehandelt haben 31 , Auf der Grundlage 
der Angaben des Breviers, das Ende des 14. Jahrhundert für die Bedürfnis- 
se des Konvents angelegt wurde, lässt sich voraussetzen, dass sich im süd- 
lichen Bereich der quadratischen Klosteranlage dormitorium, refectorium 
und cellarium befanden 33 , An der Stirnseite der Kirche könnten wir offen- 
kundig das asylum suchen 34 , gegenüber der Frontseite der Kirche lag mit 
ziemlicher Sicherheit die Schule, und in deren Umfeld könnten sich zudem 
die verschiedensten Wirtschafts- und Nutzgebäude befunden haben, zum 
Beispiel die Mälzereien, die Mühle und das Bad, über die spätere Quellen 
berichten 3S , Im Jahre 1253 wurden, aus Furcht vor drohenden ungarischen 
Einfällen. die Gebäude der Kommende - ähnlich wie der benachbarte bi- 
schöfliche Hof - durch Gräben, Mauern und viereckige Türme an den je- 
weiligen Ecken des annähernd quadratischen Areals befestigt. Seine Nord- 
seite grenzte an den zum Hradschin führenden Weg sowie die Kleinseitner 
Befestigung, während die Ostseite am Moldauufer lag 36 . In der gesamten 
vorhussitischen Zeit finden wir hingegen keinerlei Spuren eines Spitals, 
dass einige Historiker gern neben dem Ordenshaus sehen würden und des- 
sen Existenz sie fälschlicherweise von dem Wort hospitale im offiziellen 
Namen des gesamten Ordens sowie der "für den Spitalbetrieb unerläßlichen 
Bindung" des Ordenshauses an einen Fluß, in diesem Falle der benachbar- 
ten Moldau, ableiten 37 , Im Jahre 1373 wohnten jedoch auf dem Areal des 
Ordenshauses sieben Präbendare bzw. Donatare, das heißt alte Diener des 
Kaisers oder der anderen weltlichen Fürsten 38 . Neben den Ordensmitglie- 
dern und Präbendaren lebten in der Kommende 27 Personen, deren Tätig- 
keit eng mit der Schule und dem Gotteshaus zusammenhing, sowie zehn 
weitere Dienstleute, Auf den ländlichen Höfen könnten wir dann ungefahr 
I 14 weitere Personen finden, zumeist ebenfalls Dienstleute, zudem aber 
möglicherweise auch einige Brüder, die nicht zu den Konventualen, die direkt 
im Haus untergebracht waren, hinzugerechnet wurden. Insgesamt gehörten 
zur Kommende somit annähernd 200 Personen 39 . Beachtung verdienen auch 


188
>>>
die Aufgaben, die die Brüder im Jahre 1373 erft.illten. Unter den Priestern 
befanden sich der Prior, der Sakristan, ein Kämmerer, ein Pitanziar und ein 
Prediger, unter den Rittern der Komtur, ein provisor curie in Varvazov 
., . ., 40 
sowie em magister plstrme . 
Ungefähr aus dem Jahre 1392 stammt ein Fragment des Rechnungsbu- 
ches der Kommende. Demnach lebten damals 26 bzw. 27 Ordensmitglieder 
im Prager Haus, und zumindest drei weitere (wenn nicht gar noch mehr) 
Personen bekleideten die Funktion eines Verwalters der einzelnen Höfe auf 
dem Lande, Unter den Brüdern in Prag sei auf den Prior, den Pitanciar, einen 
Kammerherr, einen promptuarius und einen Küchenmeister verwiesen. Ge- 
rade die Küche war zahlreich mit den Diener besetzt. Dort tat ein weiterer 
magister coquine seinen Dienst, dazu kamen noch zwei Köche, fünf Unter- 
köche und drei weitere Männer. Zum Gefolge gehörten der famulus pisto- 
ris, der celerarius. der pistor minor, ein portulanus, ein stabularius und 
ein claviger. Dem Komtur zur Seite standen ein Falkner (falconista), ein 
Knappe (cliens) sowie ein Page (iuvenis dominustl. 
Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts finden wir Würdenträger des Ordens 
mit dem Titel summus praeceptor, die die umfangreichen Ländereien im 
mittelalterlichen Reich verwalteten, einschließlich der Besitzungen in Böh- 
men, Mähren, Schlesien und Polen. Mitunter erscheinen diese Funktion- 
sträger als direkte Vorgesetzte konkreter Ordenshäuser, andernorts stehen 
ihnen Mittelsmänner in Gestalt der Priore in den einzelnen Ländern zur 
Seite. Diese Großpräzeptoren nahmen aktiv am politischen Geschehen teil 
und lassen sich häufig an den Höfen der letzten Przemysliden nachweisen, 
so unter Przemysl Ottokar 11. und Wenzel 11. Wir kennen aus den Quellen 
ihre Namen, und in letzter Zeit haben sich zwei Studien mit ihrer Tätigkeit 
befaßt 41 . In diesen Untersuchungen suchen wir bislang freilich den Namen 
eines weiteren Johanniters vergeblich, der diplomatische Missionen zugun- 
sten des böhmischen Königs ausführte; es handelt sich um Wulfing, einen 
Magister aus dem österreich ischen Mailberg. Im Mai 1275 vertrat er König 
Przemysl Ottokar 11. zusammen mit Wernhard, dem Bischof von Seckau, 
Magister Heinrich, Propst zu Wörth, sowie dem österreich ischen Landkom- 
tur des Deutschen Ordens, Konrad von Feuchtwangen, auf dem Hoftag zu 
Augsburg 43 , 
In den dreißiger Jahren des 14. Jahrhunderts gelang es dem böhmischen 
Adel, das Monopol des aus dem Reich kommenden Adels bei der Besetzung 
des höchsten Amts des Ordens in den böhmischen Ländern zu brechen. In 
dieser Zeit formierte sich ein Bündnis von Ordenshäusern in Böhmen, Mäh- 
ren, Österreich und in Schlesien, im böhmischen Priorat 44 . Beginnend bei 
Gallus von Lemberg, einem Nachfahren aus einer der böhmischen Gründer- 
familien, den Markwartingern, die untrennbar mit dem Johanniterorden ver- 
bunden waren, erscheinen an der Spitze des Priorats Böhmen böhmische 
Adlige 4s . In stärkerem Umfang machte sich nun der Einfluß des Königs auf 


189
>>>
die Besetzung dieses Amts bemerkbar. So mußte sich schließlich selbst der 
Großmeister auf Rhodos damit abfinden, dass sein Kandidat, Hesso Schle- 
gelholtz, als Prior in Böhmen nicht anerkannt wurde. Der Wille Karls IV. 
erwies sich als stärker, und der Bruder eines seiner führenden Hofbeamten, 
des Fürsten Bolko von Teschen, Ziemovit, übernahm die Verwaltung des 
Priorats 46 . Auf der anderen Seite schlugen jedoch die Bemühungen Wen- 
zels IV. fehl, seinen Favoriten Bohuse Bily (Albus) von Bistritz, der dem 
König bei der Flucht aus dessen Wiener Gefangenschaft geholfen hatte, bei 
der Wahl des Priors durchzusetzen. Der einflußreichen Adelslobby gelang 
es vielmehr ihren Kandidaten, Heinrich von Neuhaus, einen Angehörigen 
aus einem Zweig der mächtigsten Adelsfamilie, die eine Rose in ihrem 
Wappen führte, an die Spitze des Priorats zu bringen 47 . Die Stellung des 
böhmischen Priors wurde somit zu einem Gegenstand des politischen Kal- 
küls. In dieser Zeit stellen die böhmischen Johanniter bereits einen beson- 
deren Organismus dar, der gleichsam ein verkleinertes Abbild der damali- 
gen mit zahlreichen Widersprüchen behafteten Gesellschaft darstellte. Die 
höchsten Ämter befanden sich in den Händen von Angehörigen aus Adels- 
familien, für die ein Mitmischen in der einheimischen Politik offenkundig 
mehr bedeutete als ein persönliches Engagement für das ebenfalls vom 
Schisma betroffene Rhodos. Die nachgeordneten Ämter des Ordens in 
Böhmen und Mähren beherrschten aus dem niederen Adel und dem Bürger- 
tum stammende Vertreter. Diese Schicht identifizierte sich an der Wende 
vom 14. zum 15. Jahrhundert noch weitaus weniger mit den allgemeinen 
Interessen des Ordens. Hier handelt es sich freilich um einen mit der Situa- 
tion in zahlreichen anderen Ländern Europas vergleichbaren Zustand. 
Die Stellung der Vorsteher des Johanniterordens in Böhmen unterstreicht 
nachdrücklich die Tatsache, dass zu Beginn des 15. Jahrhunderts der böh- 
mische Prior Heinrich von Neuhaus als Beisitzer am Landesgericht agier- 
te 48 . Im Prinzip kann uns dieser Umstand nicht überraschen, und wir können 
im Grunde genommen damit rechnen, dass auch dessen aus bedeutenden 
Adelsgeschlechtern stammende Vorgänger seit den dreißiger Jahren des 
14. Jahrhunderts an der Tätigkeit dieser bedeutsamen Institution Anteil nah- 
men. Demgegenüber ruft die Nachricht Erstaunen hervor, dass im Jahre 1297 
Bertho/dus commendator s. Mariae c1austri in pede pontis Pragensis unter 
den acht einflußreichsten am Landesgericht tagenden Baronen erscheint 49 . 
Der Komtur des Johanniterordens reiht sich hier in die stark privilegierte 
Gruppe jener Funktionsträger ein, die das Landrecht "finden", jene Reprä- 
sentanten, die, zusammen mit dem Herrscher, als "Schöpfer" des Landfrie- 
dens wirken. Sei es nun die durch die hochadlige Herkunft vorgegebene 
Position des Landkomturs bzw. die allein durch das Gewicht seiner Stei- 
lung dokumentierten Rolle - diese scheinbar unwesentliche Nachricht zeigt 
auf, wie intensiv der Johanniterorden somit bereits am Ende des 13. Jahr- 
hunderts mit der einheimischen Gesellschaft verbunden war. Die Johanniter 


190
>>>
T 


verstanden es, sich gleich auf mehreren Milieuebenen im mittelalterlichen 
Böhmen zu etablieren und ihre Spuren zu hinterlassen. Hier sei selbstver- 
ständlich keineswegs deren Tätigkeit im karitativen Bereich außer acht ge- 
lassen, zumal u.a. Spitäler in Strakonitz und Jung-Bunzlau in Böhmen so 
wie in Brünn und Kremsier in Mähren bestanden und zahlreiche Almosen 
in so manchem Ordenshaus verteilt wurdenso. Die nur sporadische chroni- 
kalische Überlieferung, die in auffallendem Gegensatz zu den überlieferten 
Quellen diplomatischen Charakters steht, zeigt sodann, dass es sich vornehm- 
lich um realistisch abwägende Männer der Tat handelte. Und noch eine 
weitere Tatsache dokumentiert deren Stellung: In ihrer Kirche wurde, als in 
einem der ausgewählten Gotteshäuser, im Jahre 1378 die sterblichen Über- 
reste des verstorbenen römischen Kaisers und böhmischen Königs Karls IV. 
aufbewahrtSI. 
Als der letzte vorhussitische Prior der böhmischen Johanniter, Heinrich 
von Neuhaus, den Versuch unternahm, das kriegerische Schwert gegen die 
Anhängerschaft von Hus in der Schlacht bei Sudomer zu erheben, wurde er 
von einem Schuß aus einer Armbrust ins Bein getroffen und verstarb wenig 
später unter qualvollen, durch Wundbrand ausgelösten SchmerzenS:!. Dieser 
Tod setzte gleichsam symbolisch der mittelalterlichen Etappe in der Tätig- 
keit der Johanniter in den böhmischen Ländern ein Ende. Perspektivisch 
gesehen verloren sie damit ihr Hinterland für den Kampf gegen die Türken, 
und sie sahen sich gezwungen, ihren Platz in einem konfessionell gespalte- 
nen Mitteleuropa zu finden. Was die neuzeitliche Geschichte dieses Ordens 
anbelangt, könnte so vieles noch berichtet werden, doch will der Verfasser 
an dieser Stelle nicht den Versuch unternehmen, sich auf dieses Feld vor- 
zuwagen, zumal das Mittelalter ja, auch für unser Thema, so betörend er- 
scheint. 


Übersetzt von Thomas Krzenck 


Beilage 


Die Liste der Konventsmitglieder der Johanniterkommende in Prag an 
der Jungfrau Maria unter der Kette im Jahre 1373 nach der Aussage der 
fünf Zeugen (V. Novotny, Inquisitio domorum hospitalis s. Johannis Hie- 
rosolimitani per Pragensem archidiocesim facta anno 1373, Historicky ar- 
chiv 19, Praha 1901, S. 21-32). Die Ziffern in den Klammern bezeichnen 
das angegebene Alter; soweit die Ziffer fehlt, hat der Zeuge über das Alter 
nicht ausgesagt oder er hat es nicht gewußt. 


191
>>>
Testis Petrus dictus Petrus, Petrus dictus Nicolaus Fridlinus 
Pesslinus. predicator Harrerii de prior domus s. laicus 
comendator monasterii seu Praga. Marie in pede procurator 
alias preceptor domus sancte professus pontis (40) curie et do- 
domus sancte Marie in pede monasterii mus s. Ma- 
Marie in pede pontis sancte Marie rie in pede 
pontis (50) Pragensis (38) (camerarius) pontis (50) 
Milites Petrus dictus Petrus dictus Petrus dictus Petrus dictus 
Peslinus. dictus Pesslinus, Pesslinus de 
comendator Pesslinus de commendator Praga, 
alias Praga, sive preceptor preceptor seu 
preceptor commendator (46) comendator 
Jaclinus Jaclinus Jaclinus alias Jaclinus de 
dictus Institor Jacobus de Praga (85) 
(85) Praga (80) 
Johannes Johannes Johannes Johannes de 
dictus de de Cladrub Cladrubecz 
Cladrub (6 I) (61 ) 
Buzko dictus Buzko Buzko Busko, provisor 
Buzek (48) curie dicti mo- 
nasterjj in Bar- 
nassow (44) 
Johannes dictus Jesko Johannes de Johannes de 
de Tusta (45) Praga Praga (43) 
Otto dictus de Otto Otto de Praga Otto de Praga 
Praga (50) (50) 
Henslinus Henslinus Henslinus dic- 
dictus tus Freiberger 
Freiberger (40) de Praga (40) 
Mathias Mathias Mathias de Mathias dictus 
dictus de Praga (40) Czeisslmagister 
Praga (50) de Praga (46) 
Nicolaus Petrako de Nicolaus dic- Nicolaus dictus 
dictus Petrako Veneciis tus Petrako de Petraczko de 
(70) Veneciis (80) Veneciis (80) 
Symon de Simon Symon de Simon de Pra- 
Praga (50) Praga (60) ga, magister 
pistrine (48) 
Presbiteri Nicolaus prior Nicolaus prior Nicolaus prior 
Michael Michael Michael (40) 
Ulricus Ulricus Ulricus sacri- 
stanus (55) 
Petrus Petrus Petrus 
predicator predicator predicator (40) 
Petrus Harrerii Petrus Harrerii Petrus Harrerii 
(40) 
Jacobus de Jacobus de Jacobus de 
Zittauia Zittauia Zittauia (40) 
192
>>>
- 


Gallus de Gallus de Gallus de 
Boleslauia Boleslauia Boleslauia (50) 
Blasko de Blasko Blasko piten- 
Sczekna ciarius (33) 
Martinus de Martinus Martinus de 
Juueni Bole- Boleslauia (34) 
slauia 
Stacho de Nicolaus Nicolaus dictus 
Praga dictus Stach Stach de Praga 
(30) 
Franciscus de Franciscus Franciscus Pagir 
Cadano de Praga(40) 
Drslaus de Drslaus Drslaus de 
Pilsna Jenyn 
Petrus de Petrus Petrus de Praga 
Praga (26) 
Johannes de Johannes Johannes de 
Polonia Polonus Polonia (28) 
Hanussius de Johannes extra Johannes de 
Praga sensum positus Praga (34) 
Diaconus Petrus de Petrus de Wra- 
Polonia tislauia (22) 
Subdiaconus Gallus de Gallus de Praga 
Slana (20) 
Acoliti Potha Potha 
Andreas Andreas 


Anmerkungen 


I Weder die tschechische Gesellschaft noch die tschechischen Historiker haben sich im 
Laufe des 19. und 20. Jhs. - außer den romantischen Momenten, die mit den Tempelherren 
verbunden waren - flIr die Ritterorden interessiert. Die Johanniter wurden als ein lebendi- 
ges Element in Form des Prager Großpriorats des Malteserordens. der Deutsche Orden unter 
dem Einfluss der polnischen Ansichten oft als Feinde des Slawenturns verstanden. Erst am 
Ende des 20. Jhs. kam es zur systematischeren Forschung sowohl der mittelalterlichen Tä- 
tigkeit von diesen Orden als auch der Rezeption in den letzten zwei Jahrhunderten. Dieser 
Beitrag will auf einige weniger bekannten Seiten des Lebens der Johanniter in mittelalterli- 
chen Böhmen hinweisen. 
2 M. Skopal, Zaloieni komendy johanitü na Male Strane. Ptlspi!vek k otazce ptichodu 
tädu do tech. Prafsky sbornlk historicky 26, 1993, S. 7-36. 
3 V gl V. Novotny, Ceske dejiny, Bd. I. 2. Od Bfetislava J. do Pi'emysla I., Praha 1913, 
S.969-977. 
4 Cartulaire General de I'Ordre des Hospitaliers de S. Jean de Jerusalem. 1/00-13/0 
(weiterhin zit. CGOH), Bd. I, ed. 1. Delaville le RouIx, Nr. 360, 566; R. Hiestand, Papst- 
urkunden ./Ur Templer und Johanniter, Bd. I. Vorarbeiten zum Oriens Pontificus I. Göttin- 
gen 1972, S. 292-293, Nr. 104; vgl. Skopal (wie Anm 2), S. 34, Anm. 110. 


193
>>>
-- 


5 Codex diplomaticus et epistolaris regni Bohemiae (weiterhin zit. CDB), Bd. I, ed. 
G. Friedrich, Pragae 1904-1907, Nr. 298; CGOH I, Nr. 643. 
6 CDB I, Nr. 293. 
7 Skopal (wie Anm. 2), S. 35. 
8 Ebd., S. 34. 
9 Vgl. CDB I, Nr. 245,246; CGOH I, Nr. 278, 405. 
10 CDB 11, Nr. 350; CGOH I, Nr. 1055. 
11 V gl. CDB I, Nr. 246, 298, 3 I 9, 332, 333, 349; CGOH I, Nr. 405, 643, 861, 913, 92 I, 
959. Vgl. L. Jan,... mortuus est persecutor noster Saladinus. (K zpüsobu komunikace mezi 
ceskfmi zememi a Palestinou ve 12. a 13. stoleti), Sbornlk pracl filozoficke fakulty brnc'!nske 
univerzity [Studia minora Facultatis Philosophicae Universitatis Brunensis], C 44, 1997, 
S. 22-23, und vor allem ders., Böhmische und mährische Adelige als Förderer und Mit- 
glieder der geistlichen Ritterorden, Expanding the Frontiers of Medieval Latin Christianity: 
The Crusades and the Military Orders, CEU Budapest 2000 (im Druck). 
12 CDB I, Nr. 313; CGOH I, Nr. 661. 
13 Vgl. Jan, ...mortuus est (wie Anm. I I), S. 
14 Dazu vgl. I. Hlava
ek, Zwei Miszellen zur Geschichte der Ritterorden in den böh- 
mischen Ländern, in: Die Rolle der Ritterorden in der mittelalterlichen Kultur, hg. v. Z. H. 
Nowak (Ordines militares. Colloquia Torunensia Historica 11), Torun 1985, S. 208; L. Jan, 
Starobrnen!tijohanite a ves Pfibice, Forum Brunense 1995/96, S. 21-25. 
IS CDB I, Nr. 349; CDB 11, Nr. 133, 228. 
16 CDB III-I, Nr. 196, CDB IV-I, Nr. 155. 
17 CDB IV-I, Nr. 207; CDB V-I, Nr. 12,58, 199. 
18 Die Rolle des Prager Ordenshauses flIr die Verbreitung der Johanniter in Böhmen, 
Mähren und Schlesien wurde bisher nicht hinreichend berücksichtigt. Teilweise behandelte 
diese Problematik am Beispiel Schlesiens M. Starnawska, MÜ:dzy Jerozolimq a Lukowem. 
Zakony krzyiowe na ziemiach polskich w sredniowieczu, Warszawa 1999, S. 38-54. 
19 CDB III-I, Nr. 105. 
20 Von dem erfolglosen Versuch in Manetin das Haus für die Ordensmitgliederinen zu 
gründen, zeugen die Urkunden der Päpste Lucius III. aus dem 23. Oktober 1182 und 
Klement III aus dem 12. Oktober I 188 (CDB I, Nr. 298, 3 I 9). Die selbstständige männliche 
Ordenskommende in Manetin wird erst 1325 erwähnt (RBM III, Nr. 1053). 
21 Zur Bauentwicklung der Burg und der Kommende in Strakonitz J. Kuthan, Johanitska 
komenda ve Strakonicich v ram!m stredoveku. Pfispevek k historii jihoceskeho rane stredo- 
vekeho umeni, Jiho
esky sbornik historicky 36, 1967, S. 117-129, 165-174: J. Varhanik, 
Neznamy prostor strakonickeho hradu, Prüzkumy pamatek 2, 1995, S. 77-84; kurzgefaßt 
auch T. Durdik, Castles belonging to the Knights Hospitallers 01 St. John 01 Jerusalem in 
Bohemia, 181 Bulletin 48, 1992, S. 82-83; ders., Die Kommenden und Burgen der Ritteror- 
den in Böhmen, Cast rum Bene 5, 1996, S. 43-44. 
22 CDB IV-I, Nr. 395: ...Marcualdus, suppanus de Bohemia. cum triginta sex sociis 
suis... Vgl. R. Röhricht, Die Deutschen im Heiligen Lande, Innsbruck 1894, S. 126; 
B. Z. Kedar, The Passenger List ofa Crusader Ship, 1250: Towards the History ofthe Po- 
pular Element on the Seventh Crusade, in: The Franks in the Levant 11th to 14th Centuries, 
Aldershot 1993, S. 270 (ursprünglich in Studi medievali 13/1, Spoleto 1972); W. Iwanczak, 
Udzial CzechOw w krucjatach do Ziemi SwÜ:tej, in: Peregrinationes. Pielgrzymki w kulturze 
dawnej Europy, ed. H. Manikowska - H. Zaremska, Warszawa 1995, S. 123. 
23 Die Kommende am St. Veith in Jung-Bunzlau wird zum erstenmal in einer Fäl- 
schungsurkunde mit einem wahren Grund am 7. Oktober 1255 (1259) erwähnt:... ego Pau- 
lus, comendator de luueni Boleslauia... (CDB V-I, Nr. 199). Die Kommende in Böh- 
misch-Aicha ist zum ersten mal erwähnt erst am 24. August 1291: ...Cvetla sanctus Spiritus 


194
>>>
in loco conuentuali... (RBM 11, Nr. 2805), sie muss jedoch am ehesten noch vor der Mitte 
des 13. Jhs. entstanden sein - vgl. T. Edel, Blahoslavena Zdislava a rod sv. Jana Jeru- 
zalemskeho. Zpravy pamatkove pe
e 0, 1992, S. 28-30; ders., PNbeh ztraceneho ktastera, 
Praha 1993. S. 31-32. 
24 CDB V-2, Nr. 657. 
25 CDB V-I, Nr. 58, 199; RBM 11, Nr. 1208,2807; RBM 111, Nr. 136, 159,373,434, 
741, 1053, 1154, 1834; CDM V SuppI. Nr. 74; vgI. auch W. W. Tomek, Dijepis mista 
Prahy J. Praha 1855, S. 596, und M. Svoboda, Generalni pfevor Vaclav z Michalovic a stav 
johanitskeho majetku v CechQch do poloviny 15. stoleti, Brno 1998 (ungedruckte Diplom- 
arbeit), S. 27. 
26 Wenn der Johanniterprior Bertold von Henneberg am 9. Mai 1313 an die Dominika- 
nerinnen die ehemalige Templerkommende bei St. Laurent in Prag verkauft. geschieht es so 
in presentia fratrum nostrorum Wernheri commendatoris, Chonradi prioris, Heraldi cu- 
stodis, Wolframi, Ottonis, Joannis, Chonradi, Heinrici, Rastislai, Nicolai, Liphardi, Wit- 
konis, Fridlini. Joannis. Alberici, Hermanni, Ulrici (RBM 111, Nr. 136). Von diesen Namen 
läßt sich nur bei zweien - Rastislav und Vitek - mit der Sicherheit behaupten. dass sie 
tschechisch sind. 
27 V. Novotny, Inquisitio domorum hospitalis s. Johannis Hierosolimitani per Pragensem 
archidiocesimfacta anno 1373, Historicky archiv 19,1901, S. 19-32; vgl. Beilage. 
28 VgI. Beilage. Es handelte sich um Komtur Peter Pesslin. Henslin Freiberger und Mat- 
thias ZeisseImeister; dazu vgI. W. W. Tomek, Zaklady stareho mistopisu Praiskeho. Praha 
1866. Bd. I: Stare mesto Praiske, S. 45. 140,204,238,253, J. Meznik, Praha pfed husit- 
skou revoluci, Praha 1990, S. 61, 72, 99, 153. 
29 Aus dem Patriziergeschlecht stammte Peter Harrer; vgl. Tomek, Zaklady (wie Anm. 28), 
S. 78, 182,249,263; Meznik. Praha (wie Anm. 28), S. 61. Ein abenteuerliches weltliches 
Leben hatte hinter sich angeblich alter (70. oder eher 80 Jahre) Nicolaus Petrako de Vene- 
ciis. Ihn kann man höchstwahrscheinlich mit dem Mann identifizieren. der Petrachino de 
Boemia gennant wurde und als Ballenführer wirkte. Nach der Massregel aus dem 14. Juli 
134 I wurde er vom Senat von Venedig wegen Veruntreuung eines Teiles von Ware und 
Geld verfolgt (H. Simonsfeld, Der Fon.daco dei Tedeschi in Venedig und die deutsch- 
-venetianischen Handelsbeziehungen, Bd. I, Stuttgart 1887, Nr. 101, S. 35-36, Bd. 11, 
S. 279; vgl. dazu F. Tadra, Kulturni styky Cech s cizinou al do valek husitskYch, Praha 
1897, S. 38). 
30 Vgl. Svoboda, Generalni (wie Anm. 25), S. 27-28. 
31 K. Fiala, A. Podlaha, Zbytky püvodni romanske stavby v Maltezskem chramu na Mate 
Strane, Pamatky archeologicke 2, 1902-1903, S. 177 ff.; V. Richter, MaltezskY kostel na 
Male Strane ve stfedoviku, Pamatky archeologicke 28, 1932, S. 40 ff.; V. Hlavsa - 
J. Van
ura. Mata Strana/Mensi Mesto prazske, Praha 1983. S. 18-19, 45-46, 106, 242- 
-246; E. Poche, Praha stfedovikiz. Ctvero knih 0 Praze, Praha 1983, S. 100-102; M. Vilim- 
kova, UrbanistickY vyvoj uzemi maltezske jurisdikce, Prafsky sbornik historicky 1966. 
S. 72-85; Durdik (wie Anm. 21). 
32 Novotny (wie Anm. 27), S. 22: Item quod prior provincialis Boemie ordinis sui sepe 
consuevit ad domum ipsius venire cum magna familia et equis propter necessitates, quas 
cum domino imperatore et aliis principibus exportare [debet] et alii preceptores domorum 
ordinis sui, qui consvererunt omnes in domo sua predicta hospitare et expensas habere 
(I. testis); S. 24: Hospites eciam quasi frequenter, undecumque veniant, expensis procuran- 
tur, specialiter tamen prior ordinis predicti cum maxima familia sepe et sepissime venire 
solet ad monasterium predictum, quem expensis laute procurant (2. testis); Item pro avena 
seu pabulo equorum prioris generalis dicti ordinis et aliorum hospitum. qui prior consuevit 
Cum magna familia equorum et personarum dictum monasterium sepe visitare et moram 


195
>>>
-- 


longam trahere in eodem. aliique fratres seu preceptores et seculares dictum monasterium 
singulis annis impendit et expendit sexaginta sexag. gr. predictorum (4. testis). 
33 S. Petr, Stredoveka liturgicka bohemika v rukopisnem fondu praiske maltezske kni- 
hovny, Studie 0 rukopisech 27, 1989-1990, S. 45. 
34 Ebd., S. 43. 
35 Vgl. Vilimkova, UrbanistickY (wie Anm. 3 I), S. 76-77. 
36 Fontes rerum Bohemicarum 11, ed. J. Emler, Praha 1874, S. 291: 1253 ...Ecclesia 
quoque sanctae Mariae Cruciferorum munita est vallo, muro et propugnaculis. Vgl. Hlavsa 
- Van
ura (wie Anm. 3 I), S. 106, wo sich die anschaulichen Pläne der mittelalterlichen 
Bauentwicklung des Areals der Kommende befinden. 
37 So z.B. Durdlk, Castles (wie Anm. 21). 
38 Novotny (wie Anm. 27), S. 22: ...quod habet septem oblatos alios donatos, quibus 
tenetur providere de victu et amictu. quos eciam de mandato principum receperunt et qui- 
bus providere tenentur de necessariis universis (I. testis); S. 29: primo septem prebendari- 
os donatos sive oblatos. per imperatorem et alios principes monasterio predicto oblatos. 
quibus provident de expensis et aliis necessariis (4. testis). 
39 Ebd., S. 22, 26, 29. 
40 Vgl. Beilage. 
41 F. Graus, Dijiny venkovskeho lidu v CechQch v doM predhusitske I/. Dijiny ven- 
kovskeho lidu od poloviny 13. stolo do roku 1419, Praha 1957, S. 528-532. 
42 L. Jan, Die Würdenträger der geistlichen Ritterorden an dem Hof der letzten Premy- 
sliden, in: Böhmisch-österreichische Beziehungen im 13. Jahrhundert: Österreich (einschließ- 
lich Steiermark, Kärnten und Krain) im Großreichsprojekt König Ottokars I/. Premysl. Kö- 
nig von Böhmen, hg. v. M. Blahova u. I. Hlava
ek, Prag 1998, s. 285-300; K. Borchardt, 
The Hospitallers, Bohemia, and the Empire, 1250-1330, in: Mendicants. Military Orders 
and Regionalism in Medieval Europe, ed. J. Sarnowsky, Aldershot 1999, S. 201-231; vgl. 
auch L. Jan, Hermann z Hohenlohe. radce a vyslanec leskeho krale Vaclava 11., Sbornik 
praci filosoficke fakulty brn/!nske university [Studia minora Facultatis Philosophicae Uni- 
versitatis Brunensis] C 43, 1996, S. 17-35. 
43 MGH Constitutiones 3, Nr. 83: ...et Wlfingo, magistro Hospitalis sancti lohannis de 
Meurperge. 
44 Vgl. A. Luttrell, The Hospitaller Province of Alamania to 1428, Ritterorden und Re- 
gion - politische, soziale und wirtschaftliche Verbindungen im Mittelalter, hg. v. Z. H. Nowak 
(Ordines militares. ColIoquia Torunensia Historica VIII), Torun 1995, S. 32-4 I. 
45 M. M. Feyfar, Aus dem Pantheon der Geschichte des Johanniter-Ordens, Nikolsburg 
1882, S. 9 I - 105; vgl. auch Jan, Böhmische und mährische Adelige (wie Anm. I I). 
46 Monumenta Vaticana res gestas Bohemicas ilustrantia IV, Nr. 413, S. 230-231; 
Nr. 465-457, S. 262-263. 
47 M. Svoboda, JindNch z Hradce, prevor radu johanitü, Historie '96. Celostatni stu- 
dentska v/!decka konference, Hradec Kralove 1997, S. 36-38, 49, Anm. 15-22. 
48 Ebd., S. 4 I; Archiv leskY 11, ed. F. Palacky, Praha 1842, S. 365-366. 
49 Archiv leskY 11, S. 332. 
50 Vgl. L. Jan, Ulet starobrninskeho spitalu z roku /367, Forum Brunense 1993, S. 15-16. 
51 Tomek, Zaklady (wie Anm. 28), Bd. 111 Mala Strana, S. 2 I: Karolus imperator (mortuus) 
feria I/. post Andreae de monasterio sancti Jacobi portatus est ad ecclesiam beatae Virgi- 
nis cruciferorum cum alba cruce in pede pontis. Feria 11/. peracto ojjicio portatus est ad 
ecclesiam Pragensem. 
52 Siehe Svoboda, JindNch (wie Anm. 47), S. 47. 


196 


L
>>>
ORDINES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI-2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Elizabeth Siberry (London) 


Images and Perceptions of the Military Orders 
in Nineteenth Century Britain 


Seven years ago this month, I gave a paper at the Military Orders con- 
ference at the Museum of St John, Clerkenwell, London on Victorian per- 
ceptions of the military orders. It sought to outline the attempt to revive the 
Order of the Knights Templar in England in the 1830s and I 840s; the more 
successful (after a false start in the first half of the century) story of the 
Order of St John and the portrayal of the military orders in popular litera- 
ture, art and music. 1 In the intervening years, my researches have focussed 
more specifically on the image of the crusades in the nineteenth and early 
twentieth centuries 1 and I welcome the opportunity to revert to the subject 
of images and perceptions of the military orders in nineteenth century 
Britain offered by this conference, The question which I want to try and 
answer is what information and range of images of the military orders 
would have been available to the nineteenth century British audience, rec- 
ognising both that this is a very broad term and that one's image of a sub- 
ject derives consciously and unconsciously from many different sources. 
The obvious starting point is histories of the military orders and chiv- 
alry published in Britain in the course of the nineteenth century. As with 
the crusades, different historians took different viewpoints, according to 
their individual perspectives. In 1825, Charles Mills, a young historian based 
in London, wrote a History 0/ Chivalry as a follow up to his History 0/ the 
Crusades (1820). In this, he devoted a chapter to the history of the Orders. 
Mills described the Templars and Hospitallers as the 'firm and unceasing 
bulwark of the Christian kingdom in Palestine in the Middle Ages' and 
noted that even their bitter rivalries were 'usually hushed' when danger ap- 
proached the Latin Kingdom. In this context, Mills lamented the 'iniquitous 


197
>>>
and sanguinary persecution of the brotherhood of the Temple' by Pope 
Clement V and Philip the Fair of France and he was critical of the popular 
portrayal of the Templars in his own time by authors such as Sir Walter 
Scott, who in his view had 'imbibed all the vulgar prejudices against the 
order.,3 Mills went on to describe the Order as still in 'full and chivalric 
existence', listing the Grand Masters from the fourteenth century to his 
own day and declared that it was not possible: 
to impugn the legitimate claims to honourable estimation, which the modern 
brethren of the Temple derive from antiquity and pristine lustre of their order, 
without at the same time shaking to its centre the whole venerable fabric of 
knightly honor. 4 
With such views, it is perhaps not surprising that, according to his biogra- 
pher Augustine Skottowe, he was considered an eligible member of that 
body and accordingly elected to its ranks. Shortly before his death in 1836, 
Mills also became a Knight of the Sovereign Order of Malta, in recognition 
ofhis portrayal ofthat order in his History ofthe Crusades. s 
More unusually amongst his British contemporaries, Mills included in 
his survey the Teutonic knights. He recognised their success against the 
pagans, but commented that chivalry in Germany took the form of a 'fero- 
cious spirit' of religious persecution: 
There was a rudeness about the knighthood of the teutonic cavaliers different 
from its state in other nations. The humanities, which it was the principle of 
Christian chivalry to throw over the rugged front of war, were but tittle feit in 
Germany, though Germany was the very cradle of chivalry. I need not repeat 
the cruelties wh ich were int1icted upon Richard Coeur de Lion during his return 
from the Holy Land. 6 
Another historian of the crusades, Thomas Keightley, sought to defend 
the Templars in his The Secret Societies 0/ the Middle Ages, published in 
1837 and in the same year, James Burnes, the Physician General of India, 
produced a Sketch 0/ the history 0/ the Knights Templars. At this time, ef- 
forts were underway to revive the Order of the Temple in England and 
Burnes's work was dedicated to George I1I's son the Duke of Sussex, its 
Grand Prior and apparently discussed with one of the main protagonists, the 
victor of Acre, Sir Sidney Smith. He also printed the armorial bearings of 
contemporary knights, lamenting that there was limited enthusiasm for the 
revived order in England: 
we regret to say that the Order of the Temple, notwithstanding its undeniable 
claims to honourable distinction, has never enjoyed much consideration amongst 
our countrymen. Its exclusive character, together with the great expense and 
difficulty which attend admission into its ranks, no Englishman being legiti- 
mately etigible, unless formaIly recommended by the iIIustrious Grand Prior of 
England, has raised against it a host of enemies... (Nevertheless) even in these 
days, princes of the blood and some of the most iIIustrious nobles of our own 


198
>>>
and other countries, have not disdained to display the humble ring of profes- 
sion... Scattered over the mighty empire of Great Britain, there are not more 
than forty subjects of Her Majesty who are Knights Templars; and the whole 
members of the Order do not probably at this moment exceed three hundred; 
but we assert, without fear of contradiction, that no institution equally limited 
can boast a greater number of distinguished and honourable associates. 7 
Burnes, a freemason, was also amongst the rather exotic group of enthusi- 
asts who, as Jonathan Riley-Smith has described, sought to establish an 
English langue of the Sovereign Order of Malta in the mid nineteenth cen- 
tury and discussed a scheme to establish a Christian protectorate in the 
Holy Land in the 1840s. 8 
Another supporter of the Order of the Temple was Charles G. Addison, 
a barrister of the Inner Temple. In 1842, he published a history of the Or- 
der, from its foundation until the contemporary restoration of the Temple 
Church and wrote of their down fall: 
when the crescent ultimately triumphed over the cross and the religo-military 
enthusiasm of Christendom had died away, they encountered the basest ingrati- 
tude in return for the services they had rendered to the Christian faith, and were 
plundered, persecuted and condemned to a cruel death by those who ought in 
justice to have been their defenders and supporters. 9 
Turning back to the Hospitallers, in 1853 Major Whitworth Porter of 
the Royal Engineers, who held the office of almoner of the English langue 
in the 1860s, wrote a Hislory o/Ihe Knighls 0/ Malla and Ihe Order o/Ihe 
Hospital 0/ SI John 0/ Jerusalem, in wh ich he declared that the Order: 
has at last lost its political existence, but its name will remain to the latest pos- 
terity, coupled with some of the most heroic deeds that have ever adorned the 
profession of arms. The days of chivalry are at an end; but the heart still throbs, 
and the pulse beats high, as we trace its career, like a meteor's flash dazzling 
the page of history.1O 
And in the Introduction to an edition of the 1338 visitation report of Prior 
Philip de Thame, published by the Camden Society in 1857, John Mitchell 
Kemble set out his own forthright views on the medieval military orders 
and their nineteenth century successors. Kemble feit it important that his 
contemporaries should be aware of the achievements of the Templars and 
the Hospitallers; the latter, in his view, the Templars' 'unjust and short 
sighted heirs,' Reviewing their history from the Latin Kingdom, to Rhodes 
and Malta, he dismissed the: 
poor, straggling, melancholy remembrances (who) still continue to attach them- 
selves to the persons of a few wretched representatives of an old grand ruin. 
Least of all shall I vouchsafe a word either of ridicule or indignation upon a 
number of persons whom one meets in various European courts; and who are 
Knight of St John of Jerusalem by virtue of a white cross upon a black coat, 
and the nomination of some king or other, who claims to be a Grand Master of 


199
>>>
a non existent order, which was once a great truth, not a sham and matter of 
ribbons. 1I 
Articles on the military orders can also be found in the various editions 
of the Encyclopaedia Britannica. The first edition, published in 1771, 
makes no mention of the Hospitallers, but has brief historical accounts of 
the Templars and the Teutonic Order, noting that the former, 'having per- 
formed many great exploits against the infidels, became rich and powerful 
all over Europe; but the knights, abusing their wealth and credit, fell into 
great disorders and irregularities.' 12 By the time the sixth edition was pub- 
lished in 1823, questions were raised about some of the charges levelled 
against the Order: 
facts plead strongly for the innocence of the Templars, or at least they prove 
that their guilt must have been exaggerated; and if we add, that many of the ac- 
cusations advanced against them flatly contradict each other, and that many 
members ofthis unfortunate order solemnly avowed their innocence.., it would 
see m probable, that King Philip set on foot this bloody tragedy, with a view to 
gratify his avarice, and glut his resentment against the Templars, and especially 
their Grand Master, who had highly offended hirn. 13 
The anonymous author of the seventh edition, published in 1842, wrote that 
the Order of the Temple tlourished for a time, acquiring great wealth and 
military renown, but: 
as their prosperity increased, their vices were multiplied, and their arrogance, 
luxury and cruelty rose to such a monstrous height, that their privileges were 
revoked, and their order suppressed with the most terrible circumstances of in- 
famy and cruelty.14 
And in the eighth edition, published between 1853 and 1860, another com- 
menta tor, recalling the circumstances in which both the Hospitallers and 
Templars had been founded, lamented that prosperity and supersitition had 
ruined both and 'the sepulchre was on ce more surrendered to the keeping of 
the Saracen.' He added that following the surrender of Malta to Napoleon 
in 1798, the Knights of St John remained only in Russia, 'where they are 
neither ornamental to the Muscovite system nor useful to mankind. ' He also 
referred briefly to the Teutonic Knights, whom he regarded as 'probably 
a far less innocent society than the Templars... (who) knew how to acquire 
wealth (and)... retain it.'1S 
The entry for the Templars in ninth edition, dated 1888, was written by 
Thomas Archer, author of a later history of the Crusades published in 1894. 
Archer found little justification for the charges levelIed against the Tem- 
plars in most countries, but concluded that some evidence in France was 
'too strong to be explained away,' This language was repeated in arerun of 
part of Archer's entry in the eleventh edition in 191 I, but was challenged 
by his co author, Walter Alison Phillips, the author of a popular history of 


200
>>>
Europe. Technically the 1911 edition lies outside my chosen period, but it 
is of so me interest because Phi1lips provided a detailed historiographical 
survey of the subject. He also drew some general conclusions about the 
significance of the Templars and their fall. Phillips argued that the Order 
had checked the advance of Islam in the East and Spain and both 'deepened 
and given a religious sanction to the idea ofthe chivalrous man.' Moreover, 
its destruction had had three 'fateful consequences' for Christian civiliza- 
tion. First, it had facilitated the subsequent conquests of the Turks by pre- 
venting the Templars from playing in Cyprus the part wh ich the Knights of 
St John played in Malta, Secondly, their fall set, at least in part, a precedent 
for 'the cruel criminal procedure of France' which lasted until the revolu- 
tion and finally, it set the seal on the popular belief in witchcraft, making 
possible later witch persecutions. 16 
One of the most popular manuals or studies of chivalry in the nineteenth 
century was The Broad Stone 0/ Honour by Kenelm Digby, published in 
four volumes in 1826-7, entitled Godefridus, Tancredus, Morus and Orlan- 
dus; the first two with obvious resonances of the crusades. Digby saw the 
crusades as the epitome of medieval chivalry and there are references to 
individual crusading heroes and events in all the volumes. In fact he 
claimed crusading ancestors himself, an Everard, John and Philip Digby 
who were said to have accompanied the Lord Edward on his crusade. 17 
Amongst his examples of chivalric behaviour, Digby quoted episodes from 
the history of the Hospitallers, Templars and Teutonic knights and seems 
for example to have visited the great fortress of Marienberg. Like a later 
commentator, Phi1lips, he provided an historiographical analysis of the 
Templars and, in his words, the 'painful and shocking history of their pun- 
ishment.' He also had high praise for the Hospitallers: 
The union of warlike spirit with the most tender love for men, is one of the 
most striking contrasts which the history of the middle ages presents. One can- 
not picture to one's self, without astonishment, young and bold knights re- 
turned from victorious battle, hanging up their swords in the hall, and hastening 
to minister to sick pilgrims with the gentlest attention, discharging all the duties 
of a nurse with the most careful delicacy. Yet such were the knights of St John. 
The world can afford no sight more grateful than the union of power with be- 
neficence, of valour with love for the creatures of God. 
Digby went on in Orlandus to describe the impact ofthe Teutonic knights: 
like the Benedictine monks in other parts (they) tilled the land, planted vines, 
rec1aimed waste fens, erected magnificent structures: the towns were enc10sed 
with thick walls and towers, and more than one thousand churches and convents 
built in less than seventy years, facts which can hardly be reconciled with the 
justice of the accusations brought against them by many writers, supported as 
they are by vague popular tradition among the Lithuanian peasants. But how- 
ever this may be, enough has been seen to prove that the valour of chivalry was 


201
>>>
not that of ferocious barbarians, but the spirit of generous and devout men, who 
were humane and lovers of their country, and the disinterested benefactors of 
the human race. 11I 
Whatever one may think of Digby's analysis, The Broad Stone was very 
popular and influential and read by numerous contemporaries from Word- 
sworth to John Ruskin and William Morris. 19 
In addition to these various histories, contemporaries would have been 
aware of the neo Templar Order, which derived many of its procedures 
from freemasonry and had elaborate ceremonies and manuals wh ich aimed 
to emphasise the historical continuity between the order and its medieval 
predecessors, For example, the investiture of a companion of the Knights 
Templar in Belfast in 185 I involved spurs, surcoat, sword, shield and man- 
tle and the taking of an oath 'to repel the hosts of the wicked and the pro- 
fane, infidels and pagans, and defend the faith of Christ, whose sworn 
champion thou art.'10 I have already mentioned Kemble's rather scathing 
view of the nineteenth century orders and in his 191 I article, Phillips dis- 
missed any claims of historical continuity: 
A delightfully absurd attempt to assert the continuity of the modern Order of 
Knights Templar, which still has a considerable organisation in the US, with 
the suppressed Order, is made by Jeremy L. Cross in The Templar's Chart 
(New Y ork 1845); he actuallY gives a complete list of Grand Masters from Hu- 
gues de Payns to Sir Sidney Smith (1838) and asserts that the encampment of 
Saldwin, wh ich was established at Sristol by the Templars who returned with 
Richard I from Palestine, still continues to hold its regular meetings and is be- 
lieved to have preserved the ancient costumes and ceremonies ofthe order. 11 
With the growth in travel in the course of the nineteenth century, some 
writers and commentators had the chance to visit places specifically asso- 
ciated with the medieval military orders and in their published accounts of 
these journeys again one finds a diversity of views. 
In 1844, the novelist and satirist William Makepeace Thackeray was 
offered a free passage to Constantinople, Jerusalem and Syria, by the Ori- 
ental Company, in return for publishing a book about his experiences. The 
result was Notes of a Journey from Cornhill to Grand Cairo, published in 
1846. In this, the irreverent Thackeray recorded his impressions of the rel- 
ics of the Hospitallers in Malta and Rhodes and indeed his views on the 
crusades themselves. He wrote of the main Hospitaller church in Valetta: 
The church of the Knights of St John is paved over with sprawling heraldic 
devices of the dead gentlemen of the dead order; as if, in the next world, they 
expected to take rank in conformity with their pedigrees, and would be mar- 
shalled into heaven according to the orders of precedence. Cumbrous handsome 
paintings adorn the walls and chapels, decorated with pompous monuments of 
grand masters. Seneath is a crypt, where more of these honourable and rever- 
end warriors lie... In the latter are said to lie three ofthe most gallant relics in 


202
>>>
the world: the keys of Acre, Rhodes and Jerusalem. What blood was shed in 
defending these emblems. What faith, end uran ce, genius and generosity; what 
pride, hatred, ambition and savage lust of blood were raised together for their 
guardianship. 
In Rhodes, Thackeray queried the image of Richard the Lionheart and the 
crusaders to be found in Scott's novels and. reviewing the current relation- 
ship between Turkey and the West, he commented that the iron of industry 
and naval commerce had been more successful and influential that the iron 
of medieval armies. 12 
A very different attitude was taken by Walter Scott, who visited Malta 
in 183 I /2, on his last overseas voyage. As I have discussed elsewhere, Scott 
was much more favourably disposed towards the Hospitallers than the 
Templars and one of his most treasured books was Abbe Vertot's history of 
the Order. In fact, he had both an English translation of the work. with 
plates ofthe Grand Masters and the original French version in his travelling 
library and reread Vertot's account during the outward voyage. From the 
outset, Scott apparently had an idea of a novel about a Knight of Malta, in 
the style of Ivanhoe, 'with much description and some real history' set at 
the time of the great siege and victory against the Ottoman Turks in 1565 
and this turned into The Siege 0/ Malta, which was dispatched home in in- 
stalments from Naples. After Scott's death in September 1832, however, 
his literary executors did not consider it worthy of publication in full. ex- 
pressing concerns about the degree of plagiarism from Vertot. The much 
amended manuscript is now to be found in the New York Public Library 
and has been analysed in detail by the American scholar Donald Sultana. 13 
Scott eagerly awaited the opportunity to see at firsthand the places as- 
sociated with the Order of St John and he described the cathedral of St John 
in Valetta as 'the most magnificent place lever saw in my life.' Scott's 
principal host in Malta, the poet and diplomat John Hookham Frere, gave 
him a portfolio of plates of frescoes of the siege of Malta in the Palace of 
the Grand Masters, wh ich are now in the library at Scott's home, Abbots- 
ford and he told Sir William Gell in Rome that 'from boyhood the Maltese 
knights had so interested him that after he visited the island, the book, as it 
d . Ir ,
4 
were, compose Itse .- 
It is a mark of Scott's popularity that in the early I830s the Garrison 
library in Valetta apparently had copies of all his works and his historical 
novels influenced a number of later travellers to Malta, such as the Ameri- 
can Maturin Ballou, whose Story 0/ Malta was published in 1893. Explor- 
ing the streets of Valletta, Ballou commented that each turn 'speaks of the 
vigorous doings of these many sided knightly friars' and he recalled the 
Order's role in battle at Jerusalem, Acre, Rhodes and of course the siege of 
Malta itself. He referred directly to Scott in his description of the armoury 
of the Grand Palace: 


203
>>>
The rusty old lances, broken spears and dimmed sword blades hanging beside 
tattered battle flags bearing bloody marks of the fierce contests in which they 
took part, are silent but suggestive tokens of the crusades, recalIing the names 
of Saladin and Coeur de Lion, when Christians and Mohammedans were ar- 
rayed in bitter sectarian warfare against each other upon the plains of Palestine 
- romantic and historic days rendered thrice familiar to us by the captivating 
pen of Scott. 2S 
The Templars and Hospitallers of course feature prominently in Ivanhoe 
and The Talisman, two of Scott's novels set against the background of the 
Third Crusade. In The Talisman {I 825), Scott makes Richard the Lionheart 
dismiss the Grand Master of the Temple as 'a worse pagan' than Saladin, 
adevii worshipper and necromancer and the Grand Master of the Hospital- 
lers as 'a sordid miser.' The most abiding image of the military orders in 
Scott's novels is however probably the Templar Sir Brian de Bois Guilbert 
in Ivanhoe (1819), The Saxon Cedric describes him as 'valiant as the brav- 
est of his order; but stained with their usual vices, pride, arrogance, cruelty 
and voluptuousness; a hard-hearted man, who knows neither fear of earth, 
nor awe of heaven.' Elsewhere, he is referred to as 'an in fidel of another 
stamp' and the Grand Master, Lucas de Beaumanoir, laments the way in 
wh ich the knights have departed from the ideals oftheir founders: 
The souls of our pure founders, the spirits of Hugh de Payen and Godfrey de St 
Omer, and of the blessed Seven who first joined in dedicating their lives to the 
service of the Temple, are disturbed even in the enjoyment of paradise itself. 
I have seen them... their sainted eyes shed tears for the sins and folIies of their 
brethren and for the foul and shamefulluxury in which they walIow. 26 
Beaumanoir went on to bemoan the absence of chastity amongst Templars 
and of course one of the most popular images of Bois Guilbert was his ab- 
duction of the Jewess Rebecca from Torquilstone Castle, depicted by 
amongst others the French artist Eugene Delacroix in a painting which is 
now in the Louvre. 
Ivanhoe derivatives apart,17 in Britain at least, there seems to have been 
relatively little other literature inspired by the Templars. In 1886, however, 
Bohn's Standard Library published a translation by E. A. M. Lewis of a curi- 
ous play entitled The Templars in Cyprus by the German dramatist Frie- 
drich Werner, Set in Limassol in 1306, in the run up to the trial and disso- 
lution of the Order, it ascribes the down fall of the Templars to a Carmelite 
body called the 'Sons of the Valley' and provides a vehicle for a history of 
the Order, as the Grand Master Jacques de Molay receives his summons to 
attend the pope to discuss a new crusade. The scene is set in the Prologue: 
'Twas flickering faintly in the Templar band, 
They are but shadows oftheir old renown! 
Taken from them now is the Holy Land. 
World wanderers are they scattered up and down; 


204 


...III
>>>
Only a pious few maintain their stand 
The Order's doomed beneath death's deepening frown, 
Nor are they hostile hosts that deal the blow, 
Their own unworthiness must lay them 10w.,18 
And in 1866, the otherwise unknown author Thomas Billington published 
a poem with historical notes (including references to the histories of Char- 
les Mills and Joseph Michaud) entitled The Last ofthe Knights Templars. 
Like Scott, other contemporary authors seem to have had a more fa- 
vourable view of the Hospitallers, producing poetry of varying quality. The 
Knights of St John was the subject chosen for the prestigious Newdigate 
poetry prize in the University of Oxford in 1836, which was won by Freder- 
ick William Faber, a friend ofthe main protagonists ofthe Young England 
movement. He wrote: 
Holiest of Knighthood's gallant sons were Ye, 
A sainted band, the Knights of Charity! 
'Twas not an earthly guerdon that could move 
Y our gentle Brotherhood to acts of love. 
Fame's silver start, and honour's dazzling needs, 
And glory reaped in battle's daring deeds, 
These could not lure those hearts to mercy given, 
Who, poor on earth, were rich in hopes of Heaven... 
. .. On J udah ' s shore 
The Christian soldier plants the Cross no more; 
And Acre's ramparts, wasted Ascalon, 
Mourn for the gallant Brothers of St John. 
And sadly now, brave Knights, upon the seas 
Y our fading banner droops, as though the breeze 
That wooed its silken folds to play, had come 
From the green hills that were the banner's home. 19 
At least one other competitor for the Newdigate prize, Henry Burrows, later 
Canon of Rochester Cathedral, had his poem privately printed and the 
British Library collection also includes a poem entitled The Knights of St 
John of Jerusalem, afterwards of Rhodes and since Malta, by someone who 
styled himself GIRO, published in 1838. This outlined the story of the 
Knights up to their successful defence of Malta against the Turks in 1565. 
Alluding to the special role of the Knights in the defence of the Holy 
Places, GIRO wrote: 
The white cross blazoned on each sable vest 
Is scarcely purer than the wearer's breast, 
BIest sign of peace! yet soon that silver beam 
Shall in the gory plains of warfare gleam, 
Soon with the blood of unbelievers red, 
Float on the battle wave amidst the dead, 


205
>>>
Raised from the c\oistered gloom shall quickly rise 
Faith's spotless beacon in the darkened ski es, 
Rush like a meteor through the realms of light, 
And put the baftled in fidel to flight, 
Till, with the light of victory it shine, 
In holy splendour round our Saviour's shrine. 30 
In addition, there was a rather unusual poem The Knights Hospitallers 
01 St John 01 Jerusalem (Rhodes and Malta) by frank Fellows, himself 
a member of the revived English Order, who numbered amongst his other 
publications National Parliamentary Aeeounts and The Metrie System 01 
Weights and Measures. 31 Fellows' poem was printed in 1885 for limited 
and private circulation to friends and the text (in malluscript) is intersper- 
sed with drawings of a variety of rural scenes. It was dedicated as follows 
to the Princess of Wales: 
To thee, first fairest Princess ofthe land, 
The all beloved in this our British soil 
Chief of the lady Knights Hospitallers 
Of St John of Jerusalem 
I dedicate my story ofthe band 
Of knights, esquires and serving men, who all 
'pro fide, pro utilitate hominem' 
Held ever high the white eight pointed cross, 
Symbol of Jesus's eight beatitudes 
And the eight Iangues ofthis chivalric guild 
And who by noble thoughts and deeds have shed 
A lustre bright upon the history 
Of the most famous knightly order old 
Of St John Baptist of Jerusalem. 
Part one of the poem outlines the history of the Order and part two, nearly 
two hundred pages, recounts, in flowery and romanticized language, a dream 
of love, involving a knight of the Order. As a footnote, The Knight of St 
John by the historical and romantic novelist Jane Porter, was apparently the 
last book read by Princess Charlotte, the daughter and heiress of King 
George IV and her husband, be fore her death in childbirth in 1817 31 and the 
American Quaker poet John Greenleaf Whittier wrote a poem entitled Knight 
01 St John about a medieval knight who was torn between his beloved and 
his duty to the Order. 
Another way in which an image can of course be conveyed is through 
music and here again Scott was highly influential with a number of operas 
based on Ivanhoe, by composers such as Heinrich Marschner (Der Templer 
und die Jüdin - 1829), Otto Nicolai (Il Templario - 1839) and Sir Arthur 
Sullivan (Ivanhoe - 1891), which were widely performed in some of the 
major British theatres and further afield in Europe and America. The operas 


206
>>>
and almost three hundred derivative dramas have been studied in detail by 
Jerome Mitchell and Philip Bolton. 33 In addition to those who attended live 
performances, reviews and illustrations of scenes appeared in publications 
such as The lllustrated London News and The Athenaeum. 
There are also over seventy songs, marches and other instrumental pieces 
listed in the British Library music catalogue wh ich were inspired by Ivan- 
hoe, such as a set of quadrilles by David Griffin, with dan ces entitled The 
Black Knight, The Templars, Ivanhoe, La Rowena, La Rebecca and Le Front 
de Boeuf (1820). Published separately or in collections of music for home 
entertainment, these would have given the image even greater currency.34 
Otherwise, dictionaries of opera refer to now lost and forgotten works 
such as the opera Les Templiers by Litolff, which was performed in Brus- 
sels in January 1886 and we know that Bizet planned, although subse- 
quently abandoned, an opera on the same theme in the late I860s. 3s Tem- 
plars and Hospitallers also featured as members of the chorus in operas 
such as Sir Julius Benedict's The Crusades (London 1846) and Sir Michael 
Costa's Malek Adel (London 1836) and the hero of Giacomo Meyerbeer's 1/ 
Crociato in Egitto, performed at the King's Theatre, in the Haymarket in 
London in 1825, was Armando d'Orville, a Proventyal knight and nephew of 
the Grand Master of the so called Order of Rhodes, who was left behind in 
Egypt after Louis IX's Egyptian crusade. The story begins as a band of 
knights of Rhodes arrive at Damietta to establish his fate and offered con- 
siderable scope for dramatic costumes, staging and exotic images of both 
moslems and knights. Thus Aladino, the Sultan of Damietta declares that 
the Grand Master Armando, 'that extolled hero of the Franks! the venerated 
sage of pity and virtue' has come to offer peace and Armando duly enters 
with his richly dressed knights, preceded by heraids, armour bearers and 
guards. The London production and indeed the opera 1/ Crociato itself 
proved a great success and must have left dramatic and colourful images of 
the knights in the minds ofthe international audiences. 36 
Robert Lucas Pearsall, a popular composer of songs who was involved 
in the attempt to revive the English langue of the Order of St John in Eng- 
land in the 1830s, did not, as far as I have been able to establish, write any 
works about the Order. In 1859, however, the British composer Henry Hugo 
Pierson, who spent most of his career in Germany, published a Singstimme 
mit Piano, entitled Der Malteser Ritter. Its title page depicted the gallant 
Knight of St lohn departing on crusade and the words exhorted him to great 
and noble deeds: 
Now let the warrior mount his steed, now wake the trumpet's c1amour, for the 
Paynim host this day shall bleed and with war c10uds shall the sun grow dirn 
O'er prostrate heathenesse victorious ride, ye Christian horsemen, gleam ye 
swords, like lightning from the West, to quell the unbeliever's pride. 0 blessed 
is the hero's fall, for saintly tears bedew his pali. 


207
>>>
- 


The British Library music catalogue also includes a number of more gen- 
eral Templar songs, such as The Templar (187 I), the words of which run as 
folIows: 
Cloth'd in chain armour, a cross on my breast, A sword by my side, 
a Iion on my crest, No evil I fear, all danger I spurn, To conquer the Moslem 
with ardour I burn, A cross for my loadstar, I seek no repose, My conscience 
admits of no truce for its foes. Up, up and to baUle! the heathen must yield, 
And leave our brave armies alone in the field! Then pestilence, famine we 
boldly defy, For Deo juvante we'lI conquer or die! 
Signs in the heavens, encourage the hosts, As onward they travel from far dis- 
tant coasts; Earthquakes ne'er frighten, false stars may descend, But valiant in 
spirit we'lI fight to the end. Resolute still in the midst of dissent, No recreant 
coward shall dweil in my tent, On, on then to conquer, the Christian shall reign, 
Shout our war cry aloud again and again! then Saracen armies then boldly defy. 
For Deo juvante we'lI conquer or die. 37 
Finally, fancy dress balls seem to have been a popular form of enter- 
tainment in the nineteenth century and inevitably those seeking ideas for 
their costumes drew upon Scott. The author himself encountered a ball held 
by the Austrian Ambassador at Naples in 1832 featuring characters from 
his novels. The most famous was however undoubtedly the Plantagenet ball 
hosted by Queen Victoria and the Prince Consort in 1842. There was a Wa- 
verley quadrille, featuring characters from /vanhoe and The Talisman and 
in his account of the costumes, J. R. Planche described the Honourable 
James Stuart Wortley, a member of the crusaders' quadrille, as armed in 
mail, over which he wore a white surcoat bearing the mantle of the Order of 
the Temple, with a red cap over a white coif. Half a century later, at the 
Duchess of Devonshire's ball in 1897, the Prince of Wales was attired as 
Grand Prior of the Order of St John of Jerusalem, with an Elizabethan 
doublet of black velvet, decorated with a large white Maltese crosS. 38 
The nineteenth century therefore offered a range of colourful and dra- 
matic images of the military orders on which the popular imagination could 
draw. Standard histories were available, but for most of the British audi- 
ence, the abiding image was likely to have been a composite of Scott, pic- 
tures seen at exhibitions and illustrations in books and perhaps a scene in 
an opera or play, 


Notes 


1 J. E. Siberry, Victorian Perceptions of the Military Orders, in: The Military Orders, 
Fighting for the Faith and Caring for the Sick, ed. M. Barber, Aldershot 1994, pp. 365-373. 
2 See J. E. Siberry, The New Crusaders, Images of the crusades in the nineteenth and 
early twentieth centuries, Aldershot 2000. 


208
>>>
- 


3 C. Mills, The History 01 Chivalry or Knighthood and its Times, London 1825. 
pp. 337-339. 
4 Ebd., pp. 341-342. 
5 A. Skottowe, A Memoir ofthe Life and Writings olCharles Mills, London 1828, p. 71n; 
entry for Mills in the Dictionary of National Biography, vol. XIII, London 1909, p. 444. 
6 C. Mills, The History (s. not. 3), pp. 308. 3 11-312. 
7 T. Keightley, The Secret Societies of the Middle Ages, London 1837. pp. 11-12; 
J. Burnes, Sketch ofthe History ofthe Knights Templars, Edinburgh 1837, pp. 5 I-53. 
8 See J. S. C. Riley-Smith, The Order of St John in England, 1827-58, in: The Military 
Orders (s. not. I), p. 136. 
9 C. G. Addison, The History of the Knights Templars, the Temple Church and the 
Temple. London 1842, preface. 
10 W. Porter, A History ofthe Knights of Malta and the Order ofthe Hospital 01 St John 
of Jerusalem, London 1853, p. 27. 
11 The Knights Hospital/ers in England - The Report of Prior Philip de Thame to the 
Grand Master Elyan de Villa nova for AD 1338, ed. Revd. L. B. Larking with an historical 
introduction by J. M. Kemble, Camden Society. London 1857, p. xiii. 
12 Encyclopaedia Britannica subtitled A Dictionary of Arts, Sciences, Literature and Ge- 
neral Information. I st edition, 177 I, pp. 89 I. 894. 
\3 Encyclopaedia Britannica, 6th edition, 1823, pp. 28 I, 303-304. 
14 Encyclopaedia Britannica, 7th edition, 1842, pp. 174-175. 
IS Encyclopaedia Britannica, 8th edition. 1857, pp. 111. 114-116. 
16 Encyclopaedia Britannica, I Ith edition, 191 I, pp. 598-599. 
17 K. Digby, The Broad Stone olHonour, London, 1826-1827, Tancredus, p. 81. Digby 
is discussed in some detail in M. Girouard's The Return to Camelot, Chivalry and the Eng- 
/ish Gentleman, New Haven 1981, pp. 55-67. 
18 K. Digby, Godefridus, p. 353; Orlandus, pp. 139, 163-164 
19 M. Girouard, The Return (s. not. 17), pp. 63-64. 
20 A Service for Encampments of Knights Templar together with a Sketch of the History 
olthe Order. Dublin 1859. 
21 Encyclopaedia Britannica. I Ith edition, p. 598 n. 6. See also Barber, The New 
Knighthood, A Historyofthe Orderofthe Templer, Cambridge 1994, pp. 314-335. 
22 W. M. Thackeray, Notes of a Journey from Cornhill to Grand Cairo by way of Lisbon, 
Athens, Constantinople and Jerusalem, London 1846, pp. 58,94. 142-143. 
23 D. E. Sultana, The Siege of Malta Rediscovered: An Account of Sir Walter Scott 's 
Mediterranean Journey and his last novel, Edinburgh 1977, pp. 10. 28. 90, 122. 
24 D. E. Sultana, The Siege (s. not. 23), pp. 46, 101. See also. D. E. Sultana. The Journey 
ofSir Walter Scott to Malta. New York 1986. 
25 M. M. Ballou, The Story of Malta. Boston 1893, pp. 39. 6 I. 189. 
26 W. Scott. Ivanhoe, pp. 53, 244. 36 I. 
27 For a detailed analysis of works based on Scott's novels, see H. P. Bolton. Scott Dra- 
matized, London 1992. 
28 F. L. Z. Werner, The Templars in Cyprus. London 1886, Prologue. 
29 F. W. Faber, The Knights ofSt John, in Poems, London 1856, pp. 116-119. 
30 Giro, The Knights of St John of Jerusalem, afterwards of Rhodes and since of Malta, 
London 1838. p. 9. 
31 F. P. Fellows, The Knight ofSt John of Jerusalem (Rhodes and Malta), 1885, p. 2. 
32 See U. Pope-Hennessy, Agnes Strickland, 1796-1874, London 1940. p. 81. 
33 J. MitcheII, The Walter Scott Operas, Alabama 1977; H. P. Bolton, Scott Dramatized 
(s. not. 27). 


209
>>>
34 The British Library music catalogue can be searched by key word and contains 
a wealth of popular songs on this and other themes. 
3S See F. Steiger, Opern Lexicon, Tutzing 1975 and Siberry, 'Victorian Perceptions', 
(s. not. I), pp. 370-371. 
36 There is an Opera rara recording of Meyerbeer's Jl Crociato with detailed programme 
notes. 
37 The words of this song were written by Knight Summers and the music by Joseph 
Duggan, who was at one stage Musical Director of the Marylebone Theatre in London and 
then Professor of Singing at the GuildhalI School of Music. 
38 D. E. Sultana, The Journey (s. not. 24), p. 96; J. R. Planch
, Souvenir of the Bai 
Costume given by Queen Victoria, London 1843; S. Murphy, The Duchess of Devonshire's 
Ball, London 1984.
>>>
ORDINES MILlTARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI - 2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Christoph Dette (Hamburg) 


Zur Rezeptionsgeschichte der Templer 
seit dem 18. Jahrhundert 


Der Orden der milites templi - bisweilen mit dem Zusatz pauperes 
versehen, was besonders die Ritter selbst gewiß gerne hörten - dieser Or- 
den unterscheidet sich in puncto Rezeption grundsätzlich von seinen histo- 
rischen Mitstreitern, weit häufiger Konkurrenten, den Hospitalitern/Johan- 
nitern wie dem Deutschen Orden. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zu- 
nächst muß die schwierige Quellenlage genannt werden, verursacht durch 
den Verlust des OrdensarchivsI. Ein weiterer nicht unwichtiger, wenn auch 
banal anmutender Unterschied zu den beiden anderen Orden ist die schlich- 
te Tatsache, daß es die Tempelritter im 18. Jahrhundert defintiv nicht mehr 
gab 1 , Deren letzter Großmeister, Jacques de Molay, war 13 14 auf dem 
Scheiterhaufen verbrannt worden, eine kontinuierliche institutionelle Nach- 
folge existierte nicht. Bei Johannitern/Maltesern wie bei den Deutschor- 
densrittern stellte sich zur Zeit der Aufklärung nicht die Frage einer wie 
auch immer gearteten Nachfolge - es gab sie noch, natürlich in veränder- 
ter Form, aber sie hatten nie aufgehört zu bestehen. Und ein letzter wichti- 
ger Grund für die Menschen der vergangenen rund drei Jahrhunderte, sich 
immer wieder mit ausgerechnet den Tempelrittern zu beschäftigen, liegt im 
tragischen Ende des Ordens, Wie sehr letzteres auch die Geschichtswissen- 
schaft beeinflußt und motiviert hat, zeigt ein kurzer Blick auf die wichtig- 
sten diesbezüglichen Arbeiten. 
Im Jahre 1887 publizierte Konrad Schottmüller, Professor bei dem Kö- 
niglichen Cadetten-Corps in Berlin, sein zweibändiges Werk Der Untergang 
des Templerordens 3 , Zwanzig Jahre später erschien in Münster Papsttum 
und Untergang des Templerordens, eine heute noch Standard darstellende 
Untersuchung des Freiburger Professors Heinrich Finke. Die Titel sprechen 


2 I I
>>>
für sich. Der aktuell wichtigste Forscher zur Geschichte unseres Ordens ist 
zweifellos Malcolm Barber, der zu seiner Beschäftigung mit diesem histori- 
schen Phänomen allerdings auch vom Ende der Templer motiviert wurde. 
1978 erschien in Cambridge The Trial 01 the Templars - wobei allerdings 
der Inhalt über den Titel hinausgeht - und erst 16 Jahre später publizierte 
er ebenfalls in Cambridge das heutige Standardwerk The New Knighthood. 
A History 01 the Order 01 the Temple. 1996 schließlich veröffentlichte der 
Hamburger Historiker Bernd-Ulrich Hergemöller eine interessante Studie 
über Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der inquisitorischen Phantasie 
des 13. Jhs., in der er sich auf 75 Seiten mit den Anklagen des Prozesses 
1307 ff. beschäftigt - ohne einen Blick zurück auf den Anfang oder die 
Geschichte der milUes templi zu werfen 4 , 
Eine Ausnahme bildete der Königsberger Historiker Hans Prutz, dessen 
1888, also ein Jahr nach Schottmüllers Untergang erschienene Arbeit Ent- 
wicklung und Untergang des Tempelherrenordens s bereits im Titel das 
methodische Problem aufzeigt: Um das Ende der Templer zu verstehen, 
muß ich deren Geschichte kennen. Diese eigentlich selbstverständliche 
Forderung an die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte des 
Templerordens hatte bereits um 1800 Philipp Grouvelle 6 aufgestellt, dessen 
Memoiren über die Tempelherren 1806 in deutscher Übersetzung in Leipzig 
erschienen 7 , In diesem eher philosophischen, aber nichtsdestoweniger 
hochinteressanten Oeuvre stellte Grouvelles fest, dass "sicherlich das 
Princip der Zerstörung desselben nicht ohne Verbindung mit dem seines 
Ursprungs war,,8. Dieser Appell an die Methodik verhallte lange ungehört 
- mit der Ausnahme Hans Prutz, Doch dieser bemühte sich leider auch, 
eine andere, negative Erkenntnis Grouvelles zu verifizieren, dass nämlich 
jeder, der sich der Templer annimmt, bei der Bearbeitung der Quellen nur 
die Stellen heraussucht, die seine vorgefaßte Meinung bestätigen. Ange- 
sichts der ziemlich schwierigen, teils kargen Quellenlage empfahl der fran- 
zösische Gelehrte, die Geschichte der milUes templi an hand biographischer 
Einzelstudien zu schreiben, den Verlust des Archivs auf diese Art ein Stück 
weit zu kompensieren. Marie-Luise Bulst- Thiele 9 und in Teilen auch 
Malcolm Barber sind dieser Anregung gefolgt, ohne allerdings auf Grouvel- 
les "Memoiren" Bezug zu nehmen. Ich werde auf diesen Text noch häufi- 
ger zurückkommen, da er ein einsames Licht der Vernunft darstellt in einer 
Zeit - dem ausgehenden 18. und dem beginnenden 19. Jh. -, da man 
sich fast ausschließlich unter dubiosen Vorzeichen mit dem Templerorden 
befaßte. 
Das 18. Jh. ist die Zeit der Blüte einer erneuten Beschäftigung mit dem 
mittelalterlichen Rittertum. Ähnlich wie im 15.116. Jh. die Artuslegende 
Adlige, aber auch Kaufleute in ihren Bann schlug - man denke nur an 
Malorys "Le Morte Darthur"lO, den Caxton 1485 in London verlegte und 
der rasch zum Bestseller wurde, oder an den berühmten Artushof in Danzig, 


212
>>>
der ja keineswegs der einzige seiner Art an der Ostseeküste war - denken 
wir an Thorn-, begeisterten sich Adel und Bürgertum seit Beginn der Auf- 
klärung zunehmend für dies vergangene Phänomen. wobei von Anbeginn an 
die Tempelritter der Konkurrenz den Rang abliefen. Läßt sich diese 
"Mode" im Übergang vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit erklären mit 
dem als Krise empfundenen Funktionswandel des Adels, seinem realen 
Machtverlust dem zunehmend absolut herrschenden Königtum gegenüber, 
so lassen sich ebenfalls Erklärungen für das bemerkenswerte Verhalten der 
Bürger und Adligen des 18. und 19. Jahrhunderts finden. 
Einen ersten wichtigen Hinweis gibt die Charakterisierung der Aufklä- 
rung als "Entzauberung der Welt" durch Max Weber. Es trifft gewiß zu, 
dass sich viele Menschen verunsichert fühlten, ihnen durch die wachsende 
Distanz zur Kirche, mehr noch langsam zum Glauben selbst die bisher ihr 
Leben strukturierenden, ihre Verhaltensstandards definierenden Werte ob- 
solet erschienen. Der schottische Schriftsteller James Boswell, der Bekannt- 
schaft mit Voltaire und Rousseau gepflegt hat und Reisebegleiter Samuel 
Johnsons war, berichtet in seinen berühmten Tagebüchern von einem ge- 
wissen Sir Alexander Jardine of Applegirth (1712-1790), den er als melan- 
cholisch und weltfremd bezeichnet ll , Dieser sei zunächst zum Katholizis- 
mus konvertiert, um sodann ins Extrem zu gehen und Ritter des Malteser- 
ordens zu werden. Sir Alexander wollte sich so ein wenig Zauber in seine 
Welt zurückholen, wobei ein erster Schritt ihn zur Katholischen Kirche 
führte. Hier traf sich der Engländer mit vielen Deutschen, besonders mit 
einer erheblichen Anzahl führender Freimaurern, Die Hinwendung nach 
Rom, die Heiligen und Reliquien und besonders die mit diesen verbunde- 
nen Wunder konnten ein Stück weit entschädigen für das Zerreißen des 
mystischen Schleiers durch die Aufklärung. Nur allzu oft jedoch endeten 
derartige Bestrebungen in finsterem Okkultismus. 
Doch nicht nur eine "melancholische" Weitsicht brachte den Menschen 
des 18. Jhs. die Ritter wieder näher, sondern auch das genaue Gegenteil, 
die aktive Teilhabe am politischen Geschehen, sei sie direkt oder indirekt 
Z.B. über Literatur vermittelt. Beispiel für diese Art der Renaissance der 
Templer liefern die Freimaurer. Reinhard Koselleck sah in den Logen das 
"stärkste Sozial institut der moralischen Welt des achtzehnten Jahrhun- 
derts"n, Die genaue Zahl ihrer Mitglieder in Deutschland ist unbekannt. 
Richard van Dülmen schätzt, daß zwischen 15 000 und 20 000 Menschen 
wenigstens zeitweilig dazu gehört haben l4 , weshalb er den Freimaurern ei- 
nen enormen Einfluß auf die Entwicklung des Bildungsbürgertums ein- 
räumt - hierin Koselleck folgend. Für unsere Betrachtungen ist dies inso- 
fern von Bedeutung, als die Historiker des 19. Jahrhunderts zum überwie- 
genden Teil eben diesem Bürgertum entstammten, Ein Taschenbuch für 
Freimaurer aus dem Jahre 1800 behauptete nun den Ursprung der Logen im 
Mittelalter, zum einen bei den Bauhütten der Kathedralen, zum anderen 


213
>>>
dann aber bei den Tempelrittern. War ersteres für alle Maurer unstrittig, so 
bezogen nur bestimmte Zweige dieser Bewegung sich in ihrer Tradition auf 
die milites templi. 
Dem Oberprediger Ferdinand Wilcke, der 1860 ein zweibändiges Werk 
über die "Geschichte des Ordens der Tempelherren nebst Bericht über sei- 
ne Beziehungen zu den Freimaurern und den neuen pariser Templern" pu- 
blizierte - das übrigens 1979 in einem Nachdruck wieder auf den Markt 
gebracht wurde ls , erschien diese Traditionslinie ebenso einleuchtend wie 
noch knapp hundert Jahre zuvor dem Wolfenbütteler Biobliothekar und 
Verfasser der Hamburger Dramaturgie Gotthold Ephraim Lessing. Wilcke 
konstatierte eine "Verwandtschaft" der "Ordensphysiognomie" zwischen 
Templern und Freimaurern, meinte damit vor allem das Aufnahmeritual, 
das die Freimaurer aus dem Werk Pierre Dupuys hergeleitet hatten. Doch 
hier verläßt den Geistlichen wie so oft - doch steht Wilcke hier keines- 
wegs allein - die Logik, muß man doch in diesem Falle von Imitation 
sprechen, nicht von Verwandtschaft. Für letztere fehlt ein Beitrag der Tem- 
pler. Genau diesen beschreibt der Oberprediger als die Geheimlehre der 
Templer, die durch das Testament des letzten Großmeisters auf abenteuer- 
lichen Wegen bis zu den heutigen Freimaurern gelangt sei. Wilcke erwähnt 
hier die vielfach erörterte Charta transmissionis oder tabu/a aurea Lar- 
menii l6 . Besagter Larmenius, mit dem Beinamen Hierosolymitanus, sei der 
von Jacques de Molay ernannte Nachfolger. Dies geht auch Wilcke zu weit. 
Mittels einer profunden äußeren wie inneren Quellenkritik weist er das 
Stück als Fälschung zurück 17 . Dennoch war es bis in die Anfänge des 20Jhs. 
hinein wirkmächtig, bezieht sich der ominöse heutige österreichische Groß- 
prior des "Souveränen Ritterordens der Templer von Jerusalem" noch 1996 
auf diesen Text l8 . 
Kehren wir an den Anfang des 19. Jhs. zurück, befragen wir Philippe 
Grouvelle nach seiner Meinung über diesen Punkt, so begegnen wir nüch- 
tern-rationaler Einschätzung. Im Zusammenhang mit seinem Briefwechsel 
mit dem Bischof von Seeland Friedrich Münter (1761-1830), Theologe, Phi- 
lologe und Altertumsforscher, seit 1784 Freimaurer der Strikten Observanz, 
178 I dann Mitglied im Illuminatenorden, kommt Grouvelle auf die Frage 
der Beziehung Freimaurer - Templer zu sprechen l9 . Zunächst zitiert er aus 
einem Brief des Bischofs, den er als einen "Mann von einer eben so ausge- 
breiteten als gründlichen Gelehrsamkeit" bezeichnet. "Wenn man diese Frage 
historisch betrachtet, ist durchaus nichts vorhanden, was diese Abstam- 
mung uns als unmöglich zeigte,.. Man könnte sich einiger Thatsachen be- 
dienen, die auf die Tempelherren Beziehung zu haben scheinen, um ver- 
schiedene Lücken in ihrer Geschichte auszufüllen,,10. Dies hatte Münter 
ausgerechnet an Grouvelle geschrieben, der gerade das Gegenteil als histo- 
risch-wissenschaftlich definiert hatte. Nicht "sich einiger Tatsachen be- 
dienen" zu einem vorher festgelegten Ziel, sondern alle verfügbaren Fakten 


214
>>>
vorsichtig zu einem zuvor noch unbekannten Bild zusammenzufügen, war 
Grouvelles Diktum. Doch nicht der Franzose, sondern der Deutsche be- 
stimmte die Beschäftigung mit den Templern qualitativ, was bis heute Fol- 
gen auch bezüglich der Quantität hat. Grouvelle ist seinem Korrespondenz- 
partner weit überlegen, führt er doch die Bemühungen der Freimaurer, ih- 
ren templerischen Ursprung zu behaupten, keineswegs etwa zu belegen, auf 
die aktuelle politische Lage zurück. So vergleicht er die Fama, die Templer 
hätten sich nach 13 12114 in geheime Gesellschaften geflüchtet, dort in 
"unterirdischen Gängen" - ein Bild das Goethe auf die Illuminaten bezog 
- ihr dubioses Treiben fortgesetzt, mit den gleichen Gerüchten, die über 
die Jesuiten kursierten 11 . Will man die Templer-Renaissance verstehen, so 
können wir Grouvelle interpretieren, muß man sich zunächst mit den Be- 
dürfnissen der eigenen Zeit befassen, um in einem zweiten Schritt zu fra- 
gen, ob, und wenn ja, inwieweit die wahre Geschichte des Ordens zum 
Zwecke der aktuellen Aneignung verfälscht wurde. 
Wenden wir uns zunächst der schon zitierten Strikten Observanz zu, 
einem deutschen Zweig der Freimaurerei, der sich explizit als Nachfolger 
der Templer bezeichneten, Die Geschichte dieses Ordens ist gut erforscht, 
so daß ich mich auf einzelne Aspekte beschränken kann. Um die Mitte des 
18. Jhs. gewann dieser Zweig der Freimaurerei enormen Zulauf, wobei der 
Reichsfreiherr Karl Gotthelf von Hund eine große Rolle spielte 13 , Dieser 
war einerseits wohl der "erfolgreichste Organisator des deutschen Temp- 
lerismus" - so Peter Partner in seiner Studie The Knights Templar and 
their Myth 14 , andererseits - so der preußische Archivar Georg Schuster in 
seinem Werk über "Geheimgesellschaften,,2s - "voll aufrichtiger Näch- 
stenliebe, aber beschränkten Geistes und von geringer Menschenkenntnis". 
Jedenfalls war er ehrlich von seinem Tun überzeugt, kein Scharlatan wie 
sein später kurzzeitiger Mitstreiter Johnson. Als junger Mann war er - 
ganz wie Boswells melancholischer Sir Alexander zum Katholizismus kon- 
vertiert. Je mehr er sich jedoch dem Templerismus annäherte, desto mehr 
entfernte er sich wieder von der Katholischen Kirche. Später gründete 
Hund auf seinem eigenen Gut die Loge "Zu den drei Säulen", in die er Ad- 
lige und höhere Beamte, also renommierte Bürger, aufnahm. Die Mitglieder 
schworen absolute Geheimhaltung, erhielten sodann von ihm Ritternamen 
und eine an den historischen Templern orientierte Ordenstracht. Kein Wun- 
der, daß der Reichsfreiherr, als er am 8. November 1776 das Zeitliche seg- 
nete, sein gesamtes nicht unbeträchtliches Vermögen verloren hatte. Er wur- 
de im Ornat eines Templermeisters am Fuße des Hochaltars zu Mellrich- 
stadt bei Würzburg beigesetzt. 
Wichtig und allgemein anerkannt war die hierarchische Gliederung nach 
dem schottischen Hochgradsystem, das die ursprüngliche Einteilung in Lehr- 
ling, Geselle und Meister um mehrere Grade erweiterte, Diesen hatte von 
Hund noch ausgesprochen ritterliche hinzugefügt, kulminierend im equus 


215
>>>
-- 


professus. An der Spitze der Strikten Observanz stand der vom Reichsfrei- 
herrn eingeführte.. Unbekannte Große" mit Sitz in Italien, ein Phantom, 
dem jedes Mitglied absoluten Gehorsam schuldete. Anfang der 60-er dann 
Jahre hatte sich der im Siebenjährigen Krieg als Kriegskommissar tätige 
Johann Christian Schubart der Strikten Observanz angeschlossen 16 . Er war 
erklärter Templer-Fan, anders läßt sich seine Begeisterung nicht beschrei- 
ben, und hielt es für dringend geboten, den Bezug zu dem verehrten Orden 
auch im Alltäglichen zum Ausdruck zu bringen. So schlug er eine neue 
Form der Jahreszählung vor, beginnend mit der Auflösung des Templeror- 
dens durch die päpstliche Bulle Vox in excelso. Leider datierte Schubart 
diese falsch auf 131 I, was die Verwirrung in ungeahnte Dimensionen stei- 
gerte. da er nicht der einzige war, der templerische Beiträge zum regulier- 
ten Leben der Loge beizutragen wußte. 
Gänzlich absurd wurde es, als sich der berüchtigte Georg Friedrich 
Johnson in die Strikte Observanz einmischte 17 . Die Geschichte ist bekannt, 
ich beschränke mich auf das für uns Wesentliche. Johnson, der behauptete, 
Engländer zu sein, jedoch kein Wort Englisch verstand, geschweige denn 
sprach, hatte sich wohl 1752 der Freimaurerei angeschlossen, war dann im 
weiteren Verlauf seines abenteuerlichen Lebens in Frankreich wegen fort- 
gesetzter Betrügereien zu Galeerenstrafe verurteilt worden. Er zog es je- 
doch vor, dieser durch Flucht auf dem Wege nach Marseille zu entsagen. 
Anfang der 60-er Jahre dann tauchte er in Jena auf, wo er mit rasch wach- 
sendem Erfolg Mitglieder für die Loge "Zu den Drei Rosen" der Strikten 
Observanz warb. Es war dem Scharlatan sogar gelungen, den Geheimen 
Legationsrat von Fritsch in die Loge zu holen 18 . Dieser sollte später Direk- 
tor der Polizeikommission in Weimar werden, wiederum einige Jahre dar- 
auf gemeinsam mit Goethe im dortigen Geheimen Consilium sitzen, dem 
wichtigsten politischen Entscheidungsgremium im kleinen Herzogtum. Die 
Templerei lockte nicht nur romantische Naturen oder leicht verrückte Adli- 
ge, sondern zog gerade aufgeklärte Geister an. 
Natürlich wurde von Hund bald auf Johnson aufmerksam, zusätzlich an- 
gelockt durch dessen Behauptung, er verfüge über Kenntnis des "Großen 
Geheimnisses", wobei der Pseudo-Engländer deutlich auf die sagenhafte 
Geheimlehre der Templer verwies. 1764 kam es zu einem Treffen der bei- 
den Templer-Freimaurer auf der Burg Altenberga bei Jena, das in die Ge- 
schichte der templerischen Freimaurerei eingegangen ise 9 . Auf dem dort 
abgehaltenen Konvent leistete Johnson zunächst dem Reichsfreiherrn den 
Lehnseid, um anschließend jedoch die zunehmend drängenden Fragen be- 
züglich des "Großen Geheimnisses" nicht befriedigen zu können. Hund 
kamen nun trotz seiner unterentwickelten Menschenkenntnis gelinde Zwei- 
fel, ob der andere überhaupt ein richtiger Templer sei. Womöglich kenne 
der gar nicht das "Große Geheimnis", an dessen Existenz zu zweifeln je- 
doch kein Anlaß war, Johnson - genau wie von Hund mit großem Ritter- 


216
>>>
gefolge in Helm und Harnisch, mit Schwert und Lanze angerückt - mied 
die Schlacht und zog .die Flucht vor. Er kehrte dem Feind den Rücken, be- 
wies somit eindrucksvoll, daß er kein echter Templer war. 
Interessant ist Johnsons Ende 30 , 1765 geriet er in Gefangenschaft, 
wurde auf der Wartburg durchaus standesgemäß in Haft genommen. An- 
geblich schloß man ihn in die Luther-Stube ein, vielleicht in der Hoffnung, 
ihn möge dort der Teufel holen. Bis zu seinem Tode zehn Jahre später hielt 
man ihn gefangen, verweigerte ihm den vom Gesetz vorgeschriebenen Pro- 
zeß. Wenn Peter Partner dahinter den Reichsfreiherrn von Hund als An- 
stifter sieht, dessen old-boy network ihm derartige Einflußnahme erlaubt 
habe, so irrt er. Der Mann im Hintergrund war der erwähnte Freiherr von 
Fritsch, der gleich nach dem skandalösen Konvent von Altenberga die 
Jenaer Loge hatte schließen lassen, stattdessen in Weimar die Loge "Anna 
Amalia zu den drei Rosen" ins Leben gerufen hatte. Allein die Namens- 
gebung verweist auf gewandelte Inhalte. Die Loge wurde der Herzogin 
gewidmet. trug so ihre Staatstreue vor sich her. Es war dem Geheimen 
Legationsrat kaum daran gelegen, seinen ehemaligen Meister aus gemein- 
samen Jenaer Logenzeiten vor Gericht wiederzusehen, diesem Gelegen- 
heit zu öffentlichem Auftreten zu geben. Dies war zwar grob rechtswidrig, 
doch verständlich, besonders wenn man die Verteidigungschrift berück- 
sichtigt, die Johnson trotz strenger Einzelhaft aus der Wartburg heraus- 
schmuggeln konnte. Er beschuldigte darin die Strikte Observanz, die 
Königswahl in Polen manipuliert zu haben, Attentate auf deutsche Fürsten 
zu planen und teilweise auch ausgeführt zu haben - so brannte 1774 das 
Schloß des Herzogs von Sachsen-Weimar -, vor allem aber hätten die 
templerischen Freimaurer 1774 den Papst - Clemens XIV, - und den 
französischen König - Ludwig XV. - ermordet. Er, Johnson, habe dies 
vorausgesagt, der mächtige Orden jedoch habe ihn mundtot zu machen ge- 
wußt. Die Parallele zu 13 14 ist offenkundig, doch läßt Johnson noch eine 
Anschuldigung folgen, die die Templer-Freimaurer mit der verhaßtesten 
Institution seiner Zeit in Verbindung bringt. 1732 hätten sich die Templer 
_ gemeint ist die Strikte Observanz, der Reichsfreiherr von Hund war ge- 
rade zehn Jahre alt - mit den Jesuiten heimlich vereinigt. Die Sache wird 
politisch. 
Während Hund nun die Reste der versprengten Gefolgschaft des Kon- 
kurrenten um sich sammelt und schon bald regen Zulauf in seiner Verbin- 
dung erfahrt, steigt ein neuer Stern am templerischen Freimaurerfirmament 
auf: Johann August Starck (1741-1816)31, Dieser spätere Hofprediger in 
Hessen-Darmstadt, seit 176 I Göttinger Freimaurer, hatte seit 1767 über die 
von ihm mitgegründete Wismarer Loge "Zu den drei Löwen" erheblichen 
Einfluß gewonnen. In Anlehnung an die mittelalterlichen Templer, als de- 
ren Nachfolger auch Starck die Freimaurer der Strikten Observanz betrach- 
tete, versuchte er nun, dieser einen Ordensklerus zu integrieren. Mit den 


217
>>>
Templern war er wohl während seines Studiums der orientalischen Sprachen 
in Göttingen in Berührung gekommen, sah die Quelle der templerischen 
Geheimlehre im Osten, in Assyrien bzw, Ägypten. Starck griff auch die 
Behauptung des Templerprozesses wieder auf, die Ritter hätten ein Idol - 
Baphomet - angebetet. Vor solchen verwerflichen Praktiken wollte er die 
Freimaurer bewahren. 
Starck versuchte den Neo-Templern einen Ordensklerus zu geben. In 
unserem Zusammenhang interessant ist seine Kritik an der Observanz im 
Jahre 1781, mithin fünf Jahre nach von Hunds Tod 31 , "Nicht Vortheile, 
nicht Ehren, nicht Besitzungen von Ländereyen, nicht Genuß von Leibren- 
ten und Präbenden sind die Zwecke, denen die wahre Maurerey entgegen 
eilt, und die sich ihre ächten Söhne zu erreichen bemühen", Um diese Vor- 
würfe zu verstehen, muß man den Großmeister der Strikten Observanz 
selbst zu Wort kommen lassen, Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, 
nicht-regierender Herzog und preußischer General. Dieser hatte bereits 1779 
den eigenen Orden als "Leibrentengesellschaft" heftig getadele 3 , Was 
steckte dahinter? Das Motiv für diese auf Besitz ausgerichtete Ordenspolitik 
war hochpolitisch, stellte in den Augen der regierenden Fürsten eine Gefahr 
dar. Wie der Maurer Ernst Gottlob von Kiesewetter am I. Februar 1767 an 
den im Goethe-Jahr wiederentdeckten Johann Christoph Bode (1730-1793), 
eines der bedeutendsten Mitglieder des Illuminaten-Ordens, schrieb, war 
Zweck der Übung, "einen neuen und unabhängigen Staat zu stiften, wo kein 
einzelner Wille und keine unabhängige Ober-Gewalt herrschet"34, Dazu 
hatte man zunächst an Amerika, dann an Rußland gedacht. Mit diesem Plan 
hatte sich die Observanz gegen die Fürsten gestellt, auch gegen diejenigen, 
die sich selbst als aufgeklärt-absolut herrschend verstanden. 
Starck hatte diese Entwicklung offenbar nie gutgeheißen. So schimpft 
er 178 I über derartige Utopien: "Wir wissen, daß bey allen solchen Planen, 
die uns unser großes Ziel verrücken, nicht nur die Wahrheit des Ordens 
nicht bestehen kann, sondern daß sie auch nicht gesucht und nicht erreicht 
werden können, ohne daß man dem Hauptgrundsatz des Ordens, auch nicht 
im kleinsten dem Staate nahezutreten, geradezu entgegen handle,,3s, Mit 
dieser eigenwilligen Definition der Aufgaben der Strikten Observanz setzte 
sich Starck in Gegensatz zu manch anderem Bruder, z.B. dem Freiherrn von 
Knigge. Dieser sah, übrigens ganz wie Lessing, gerade die templerische Frei- 
maurerei als eine politische Organisation an, die im Sinne der Aufklärung 
wirken, zur Not auch auf Konfrontationskurs zu den Fürsten gehen sollte. 
Lessing hatte in "Ernst und Falk", vier fiktiven Gesprächen zwischen ei- 
nem Freimaurer - Falk - und einem interessierten Laien - Ernst - sein 
Verständnis von der templerischen Freimaurerei dargelegt. Im zweiten Ge- 
spräch grenzt Falk den aufgeklärten Staat von der Tyrannei ab, erklärt sei- 
nem Freund, warum Staaten kriegerische Tendenz immanent sei. Lessing 
verdeutlicht hier das internationale Element des templerischen Systems. 


218
>>>
Der Hofprediger Starck sah das naturgemäß vollkommen anders. ,.Es ist 
wahr", schreibt er 1782, "kürzlich hat man einem Zweige derselben" - 
gemeint ist die Strikte Observanz - "die Absicht den Tempelherren-Orden 
wieder herzustellen vorgeworfen. Die wahre Maurerey kennet dergleichen 
nicht... Die wahre Maurerey hat auch noch nie einen Plan gehabt, den sie 
in der Welt auszuführen gedacht. Aber hat dieses Märchen wirklich in An- 
sehung eines Zweiges unter den Freymaurern, Grund: so sehe ich nicht ein. 
wie es möglich ist, mit dem Verfasser" - gemeint ist Knigge - "die 
Vertheidigung oder Rechtfertigung eines solchen Vorhabens zu überneh- 
men. Die Wiederherstellung des Tempelherren-Ordens und des Jesuiten- 
ordens (!) laufen hier miteinander vollkommen parallel. Beyde sind unter 
öffentlicher Autorität also für die bürgerliche (!) Societät ganz illegitime 
Gesellschaften. Sind die Machinationen dieser letztern, ihren Orden wider 
von den Todten zu erwecken, gesetzwidrig, so ist es auch jene Absicht. Und 
wenn ein Zweig unter den Maurern solche Absichten hätte..., so handelt 
dieser Zweig wider den Staat, und wider die ersten Grundsätze der Maure- 
rey, und giebt einem jeden Gliede das Recht, solches öffentlich anzuzeigen, 
weil die Versicherung, die ihm der Orden gab, ehe er noch seine Verbin- 
dung ablegte, diese war, daß der Orden nichts enthielte. was dem Staate, 
der Religion und den guten Sitten entgegen wäre... der Gedanke an Resti- 
tutionen aufgehobener Orden dürfte wohl nicht leicht in ungelegenere Zei- 
ten fallen, als in die gegenwärtigen"36. Deutlicher kann man die politische 
Brisanz der templerischen Freimaurerei nicht zum Ausdruck bringen. Es 
geht um die "bürgerliche Societät", der Rückgriff auf die mittelalterlichen 
Templer wird in den Dienst der Gestaltung eben der Bourgeoisie gestellt. 
Doch deren Motto ist nicht erst seit 1789 /iberte, ega/ite,jraternite, Ideale, 
deren Verwirklichung auch und gerade die Macht der Kirchen drastisch zu 
beschränken drohten. Das Jahr 1782, in dem Starck dies schrieb, war das 
Jahr des Wilhelmsbader Konvents, auf dem die Strikte Observanz eben we- 
gen ihrer eminent politischen Ziele aufgelöst wurde. 
Versuchen wir an dieser Stelle eine Zwischenbilanz zu ziehen, um an- 
schließend der Frage nachzugehen, warum die Menschen im 18. Jh. so fas- 
ziniert waren von den Tempelrittern des Mittelalters, was deren tragisches 
Ende derartig interessant erscheinen ließ. Spielte einerseits die wiederauf- 
kommende Ritterromantik eine gewisse Rolle, so gilt das gleiche für den 
Hang nach Geheimnisvollem, dem Interesse an Alchimie wie der unter- 
schiedlich intensiven Suche nach dem legendären Templerschatz. Ihre 
Kenntnisse zogen die Neo-Templer aus der Lektüre des Werks Dupuys, das 
dieser Mitte des 17. Jhs. im Auftrage des Kardinals de Richelieu angefertigt 
hatte 37 , Die Anschuldigungen des Prozesses fanden so Eingang in breite 
Kreise auch und gerade der Intellektuellen der Zeit der AufKlärung. Wie 
wir am Beispiel von Hunds sahen, konkurrierten Templerismus und Katho- 
lizismus miteinander, ließen sich schlecht in Einklang bringen. Zwar sind 


219
>>>
die Brüder der Strikten Observanz zu Gehorsam bereit, auch völlig Unbe- 
kannten Großen gegenüber, akzeptieren sie die hierarchische Ordnung des 
Ordens, doch tritt dieser als Gesamtheit staatlicher Autorität gegenüber 
durchaus kritisch auf, Die über die templerischen Freimaurer kursierenden 
Gerüchte spiegeln die Ängste wider, die in den herrschenden Schichten und 
in den Kirchen bestehen. Die templerische Strikte Observanz wird zuneh- 
mend als staats- und kirchenfeindlich, als umstürzlerisch betrachtet. Die 
protestantische Seite unterstellt dabei zudem eine heimliche Kooperation 
mit den verbotenen Jesuiten, was - worauf Grouvelle bereits hinwies - 
nicht ausschließlich als politische Propaganda gewertet werden darf. Zwar 
trägt solche Angst paranoide Züge, aber wie Delumeaus Studie über die 
"Angst im Abendland" eindrucksvoll gezeigt hae 8 , gibt es immer wieder 
Phasen verstärkter Ängste in bestimmten gesellschaftlichen Schichten oder 
Klassen, bisweilen schicht- und klassenübergreifend ganze Landstriche er- 
fassend. Für einen evangelischen Hofprediger wie Starck sind die tempIeri- 
schen Aktivitäten und Vorstellungen ebenso Greuel wie Bedrohung, ver- 
stoßen sie doch in dramatischer Weise gegen das lutherische Gehorsamsge- 
bot gegenüber staatlicher Obrigkeit. 
Worin lag nun das so unterschiedliche Menschen wie Lessing oder von 
Hund Faszinierende der milites templi? Philipp Grouvelle scheint eine Ant- 
wort zunächst zu verweigern, wenn er konstatiert, man habe bis in seine 
Zeit keine Erklärung für den außergewöhnlichen Erfolg des Ordens gelie- 
fert. "Aber was weder die Zeitgenossen noch die Neueren uns geben, ist der 
genaue Begriff der sonderbaren Macht einer solchen Gesellschaft, weil 
dieser Begriff sich nur in dem Sinne und nicht in den dürren Worten der 
Bücher findet, die man ohnehin gewöhnlicherweise lieber abschreibt als daß 
man darüber nachdenkt"39. Die Kritik an der Historiographie, doch Grou- 
velle meint genauso die Philosophie, ist sicherlich zutreffend und gilt heute 
so wie damals, Sieht man von der Kritik ab, bleibt dennoch eine bemer- 
kenswerte inhaltliche Aussage. Man empfand die Macht der Templer im 
Mittelalter als "sonderbar" d.h. unerklärlich. Vielleicht war es gerade dies 
Geheimnisvolle, was die Menschen anzog, die Templer so interessant 
machte? An anderer Stelle verweist der Franzose auf ein typisch intellek- 
tuelles Motiv für die Beschäftigung mit den Templern, besonders mit ihrem 
Prozeß. "Unter den Begebenheiten, die in der widrigen Geschichte des Mit- 
telalters, das Interesse und die Neugier des Lesers auf sich ziehen, zeichnet 
sich vorzüglich die Catastrophe aus, die den religiösen und militairischen 
Orden der Tempelherren zerstörte,,40, Der Leser ist an der.. Catastrophe" 
interessiert, sensationslüstern. Aber der Gelehrte? Grouvelle weist dies Thema 
nicht allein dem Historiker zu, sondern meint ganz im Sinne der Aufklärung: 
"Sowohl die Critik als die Philosophie findet (sic) hier ein Feld vor sich, auf 
dem sie sich üben kann,,41. Die bemerkenswerte Grammatik ist dem Über- 
setzer Cramer anzulasten. Der Prozeß gegen die Templer und sein Ausgang 


220 


.
>>>
sind ein so weites Feld, die Quellenlage so schlecht, daß sich trefflich dar- 
über streiten läßt. Fast möchte man ein Aufatmen über den Verlust des Or- 
densarchivs hören. In den Pariser Salons, also in den gelehrten Gesprächs- 
runden hat man ein wunderbares Thema, denn an ihm kann sich der aufge- 
klärte Geist "üben", Zur relativen Gedankenfreiheit aufgrund mangelnder 
thematischer Einengung durch eine zu gute Quellenlage gesellt sich die 
vermeintliche Besonderheit des historischen Gegenstandes, eben der Templer. 
Wie sah nun Grouvelle die milires templi? Zunächst macht er sich über 
Ankläger wie Verteidiger des Ordens in seiner Zeit lustig, indem er beiden 
Seiten Parteilichkeit vorwirft. Generell unterlaufe den "Schriftstellern". wie 
Grouvelle Philosophen und Historiker zusammenfassend und nicht ganz 
unrichtig nennt, ein logischer Denkfehler. Zwar lehnten die meisten den 
Prozeß als unfair oder in rechtlicher Hinsicht mangelhaft ab, unterstellten 
jedoch andererseits dem Orden ein "Geheimnis", öffneten so der Spekula- 
tion Tür und Tor, rechtfertigten auf diese Art wenn nicht den Prozeß, so 
doch wenigstens die Anklage. Es geht dem französischen Gelehrten nicht 
primär um die Rekonstruktion der historischen Templer, womöglich zu dem 
Zweck, deren Geschichte zu schreiben. Sein Ziel ist es, die Denk- und Ar- 
gumentationsfehler. aber auch die methodischen Unzulänglichkeiten in den 
Werken seiner Zeitgenossen aufzuzeigen. Hierbei kann es nicht ausbleiben. 
daß er selbst gezwungen ist. inhaltlich Stellung zu nehmen, historische Ur- 
teile zu fällen. Durchaus süffisant äußert er sich über das angebliche 
"emblematische Götzenbild" das von vielen Schriftstellern als das "große 
Geheimnis der Tempelherren" angesehen wird 41 . Er greift Nicolai an, des- 
sen 1782 - das Jahr der Auflösung der Strikten Observanz in Wilhelmsbad 
- erschienener "Versuch über die Beschuldigungen, welche gegen den 
Tempelherrenorden gemacht worden, und über dessen Geheimniß" ursäch- 
lich für Grouvelles "Memoiren" war, wie er selbst auf den ersten Seiten 
betont 43 . Christoph Friedrich Nicolai, zunächst Freimaurer der Strikten Ob- 
servanz, nach 1782 Illuminat, lehnte es ab, an die Existenz eines solchen 
"Götzenbildes" zu glauben. Allein die Bezeichnung "Baffometus" lasse 
dies als gänzlich unglaubwürdig erscheinen, handle es sich doch sprachlich 
um Altgriechisch, was übersetzt heiße: "Taufe zur Klugheit,,44. Der temple- 
rische Freimaurer fährt nun interessant fort, indem er nicht unbedingt 
historisch-wissenschaftlich. dafür aber mit gesundem Menschenverstand 
argumentiert. "Die Tempelherren eben so unwissend als ihr Jahrhundert, 
waren die Leute nicht, die mit diesen gelehrten Sinnbildern sich beschäftigt 
hatten, eben so wenig als mit den erhabenen Abstraktionen, welche sie 
vorstellten,,4s. Hier trifft sich der templerisch-freimauererische Verteidiger 
des Ordens durchaus mit dem Historiker des 20. Jhs" der ebenfalls geneigt 
ist, viele der Prozeßprotokolle als dem Geiste der Inquisitoren entsprungen 
anzusehen, da die meisten der verhörten Templer viel zu ungebildet waren, 
als daß sie derart komplizierte Sachverhalte hätten darstellen können. 


221
>>>
Doch Grouvelle läßt diese Argumentation keine Ruhe, Sein Urteil über 
die Templer fällt denn auch erwartungsgemäß völlig anders aus. Bei ihnen 
fand sich eine "vorzüglichere Aufklärung", worunter er nicht nur Bildung 
versteht, sondern auch praktische Anwendung derselben zum Wohle der 
Allgemeinheit, wozu unbedingt die "Verachtung gewöhnlicher Vorurtheile" 
zählt. Wenigstens die Ordensoberen hätten so ein "großes Uebergewicht 
über den getäuschten großen Haufen" gehabt, wobei dieser Haufen die 
Menschen allgemein meint. Hier spricht der aufgeklärte Geist der Jahrhun- 
dertwende. Doch verharren wir kurz, fragen wir uns, warum der aufgeklärte 
Grouvelle nicht dem aufgeklärten templerischen Freimaurer Nicolai in des- 
sen Verteidigung des Ordens, was, wie wir sahen, eine politische Stellung- 
nahme bedeutete, zustimmen konnte. Dies erklärt sich aus der Erfahrung, 
die der Franzose in seinem direkten Umfeld um 1800 mit den Pariser 
Templern gemacht hatte, Diese 1754 von dem Malteserritter de Bonneville 
gegründete Freimaurerloge nannte sich nach ihrem Gründungsort, dem Je- 
suitenkapitel, "Kapitel von Clermont,,46, Die Mitglieder entstammten ur- 
sprünglich vorwiegend dem Hochadel und dem Großbürgertum. Zur Zeit 
der Revolution hielt sich der Orden eher bedeckt, verfolgte das Geschehen 
abwartend. Der adlige Grundgedanke trat im Mai 1804 wieder offen zu Ta- 
ge, als Napoleon die Monarchie wieder eingeführt hatte. Unter ihrem neuen 
Großmeister, dem angesehenen Arzt Fabre de Palaprat, entwickelten sich 
die Pariser Templer rasch zu einer mächtigen Adelsloge, die mit der poli- 
tisch aufgeklärten templerischen Freimauererei Deutschlands der Zeit Nico- 
lais nichts mehr zu tun hatte. Gegen diese, die Pariser Templer, dürften sich 
Grouvelles Vorbehalte in erster Linie gerichtet haben. Er hält ihnen den ' 
Spiegel vor, möchte ihnen die Templer des Mittelalters als gebildete, auf- 
geklärte, also politisch tätige Organisation vorführen. 
"Der Orden und dessen Mitglieder erkannten, beynahe unter keinem 
Verhältnisse, weder das zeitliche noch geistliche öffentliche Ansehen der 
Staaten, in denen sie sich aufhielten, an; die Fürsten und Bischöfe konnten 
über sie kein Recht sprechen". Überdies waren die Templer erklärte Gegner 
des Papstes, da "sie sich nicht entblödet hatten, Verbindungen mit den 
Feinden desselben einzugehen... ,,47. Letzteres ist keineswegs negativ ge- 
meint, im Gegenteil. Grouvelles Darstellung erinnert stark an Starck, nur 
daß der nicht die historischen Templer als derartig staats- und kirchen- 
feindlich beschrieben hatte, sondern die templerischen Freimaurer seiner 
Zeit. Auch das kriegerische Tun der Ritter erscheint positiv, wenn der auf- 
geklärte Franzose feststellt: "Der Krieg war bei ihm (dem Orden) der Ent- 
zweck; die Religion nur das Mittel"48, Hier wird nichts anderes versucht, 
als politisches Handeln von seiner religiösen Begründung zu lösen, was auf 
eine Trennung von Staat und Kirche hinausläuft. Diese wird zurückverla- 
gert ins Mittelalter, dafür stehen die Templer. "Endlich verdankte man der 
Einrichtung der Tempelherren eine wirkliche Verbesserung im Völkerrech- 


222
>>>
te. Man sah sie zuerst weniger unmenschlichen Krieg führen, und sich den 
Verträgen getreu bezeigen, die sie mit den Feinden ihres Glaubens einge- 
gangen waren,,49. Montesqieue, Jefferson, Völker- und Menschenrecht - 
sie stehen alle in der Tradition der Templer. Nur am Rande sei darauf ver- 
wiesen, daß Grouvelle hier den alten Vorwurf der Kritiker des Ordens, der 
bereits im 13. Jh. immer wieder auftauchte, der Orden paktiere heimlich mit 
den Sarazenen, schlicht in sein Gegenteil verkehrt. Pacta sunt servanda, 
egal mit wem sie geschlossen wurden. Auch mit einem anderen Vorwurf 
gegen den historischen Orden geht Grouvelle ungezwungen um - aller- 
dings auch unhistorisch. Beim Punkte Sexualität und deren praktischer Um- 
setzung innerhalb des Ordens angelangt, stellt er lakonisch fest, "die Erfah- 
rung des Soldaten lebens in allen Jahrhunderten" lasse es völlig unglaub- 
würdig erscheinen, daß diese tapferen Ritter keusch gelebt hätten 50. 
Werden hier die milUes templi politisch instrumentalisiert, so beschrei- 
tet eine andere Gruppe von Intellektuellen, von" Schriftstellern ", einen an- 
deren Weg, der ebenfalls Folgen für die Rezeptionsgeschichte bis ins 
20. Jh. haben sollte. Der bereits zitierte Bischof Friedrich Münter schrieb 
am 17, März 1826 an den Oberprediger Ferdinand Wilcke über die Reli- 
giosität der Templer: "Als ich jene Abhandlung (Kritik der Beschuldigung 
des Templerordens) schrieb, war ich der festen Überzeugung, die Tempel- 
herren seien katholisch orthodox gewesen. Diese ist aber seitdem bei mir 
wankend geworden, Ihr Verkehr mit Armeniern konnte sie leicht mit Pau- 
licianern in Verbindung bringen, und es wäre doch wohl möglich, daß 
gnostische Meinungen sich bei ihnen eingeschlichen hätten. Sind die jetzt 
in Paris aus der Dunkelheit hervortretenden Tempelherren wahre Ab- 
kömmlinge der alten, wie ich fast glaube, ,.., so ist dieses um so wahr- 
scheinlicher. Ich kenne ihr religiöses System... Über das erste darf ich aber 
nichts bekannt werden lassen, da die Polizei auf sie sehr aufmerksam ist, 
und die Geistlichkeit sie nur gar zu gern verfolgen würde"sl. Eine Vermu- 
tung reiht sich an die nächste, wobei von einer dem Orient immanenten Ge- 
fährlichkeit ausgegangen wird, und schon mutieren die Templer von 
"orthodoxen Katholiken" zu Gnostikern. 
Doch worauf spielt Münter an, wenn er auf polizeiliche Maßnahmen 
gegen die Pariser Templer verweist. Diese hatten unter ihrem Großmeister 
de Palaprat alle politischen Widrigkeiten unbeschadet überstanden. da ihre 
Mitglieder fast ausschließlich dem Pariser Adel und Großbürgertum ent- 
stammten. Wer in der Hauptstadt etwas erreichen wollte, kam an der Loge 
nicht vorbei. 1824 hatte man noch den Todestag Jacques' de Molay in der 
Kirche Saint-Germain gefeiert, doch schon bald darauf machten sich Wi- 
derstände bemerkbar. Dahinter steckten die wieder zu Macht, allerdings 
weniger zu Ansehen gelangten Jesuiten. Interessant sind die Vorwürfe die- 
ses Ordens gegen die Templer: Sie mißbrauchten die römische Liturgie be- 
sonders beim Aufnahmeritual. Offenbar hatten auch die Jesuiten ihren Du- 


223
>>>
puy gelesen, man fühlt sich an 1307 erinnert. 1826, das Jahr, in dem Mün- 
ter besagten Brief an Wilcke schrieb, wurde Fabre de Palaprat verhaftet. Er 
kam zwar auf Grund seiner exzellenten Beziehungen schnell wieder frei, 
aber er sollte noch des öfteren ins Gefängnis wandern. Der Eid der Pariser 
Templer, den jeder Neuling bei der Aufnahme sprechen mußte, beginnt 
staats-, jedoch nicht kirchenfreundlich. "Wir weihen uns der Ehre, unserem 
Fürsten und der Wohltätigkeit"S1, Das erinnert an gewisse Gedanken von 
1789, die Kirche kommt nicht vor. Kein Wunder, daß die Jesuiten wenig 
erbaut waren, kein Wunder auch, daß 1833 der Papst durch seinen Gesand- 
ten versuchen ließ, ein Verbot der Pariser Templer zu erreichen. Verge- 
bens! Die Macht des Pariser Adels war zu groß. Zu dieser Zeit jedoch hat- 
ten die Pariser Templer den spezifisch templerischen politischen Impetus 
bereits weitgehend aufgegeben, waren sie zu einer rein freimauererischen 
Loge geworden, deren Aufgabe moralisch definiert war. 
Wie sehr diese Mystifizierung der Templer durch ihre selbsternannten 
Nachfolger einerseits, durch deren erklärte politische Gegner andererseits 
die Geschichtswissenschaft beeinflußt hat, mögen einige Beispiele ab- 
schließend zeigen. Der Oberprediger Wilcke hatte 1860 behauptet, ursäch- 
lich für den Untergang des Ordens sei dessen "antikirchliche" und "deisti- 
sche" Haltung gewesen S3 , beides Begriffe, die ihre wahre Bedeutung im 
18. Jh. im Rahmen der Aufklärung erhalten, bezogen auf das Mittelalter 
völlig fehl am Platze sind. Diese GrundeinsteIlung des Templerordens habe 
der Orden schriftlich niedergelegt in seiner "Geheimlehre", die "mehr Pra- 
xis als Theorie" gewesen sei 54 , Die Templer befolgten sie wegen des mit ihr 
in praxi verbundenen "Genusses und der Herrschaft". Zum nicht geringen 
Entsetzen Heinrich Finkes hat Hans Prutz diesen blühenden Unsinn zum 
Teil übernommen, Bei ihm taucht die Gnostik Münters ebenso wieder auf 
wie die Geheimlehre. 
1905 wird der preußische Archivrat Georg Schuster dann die Sache in- 
sofern auf die Spitze treiben, als er in seinem zweibändigen Werk Die ge- 
heimen Gesellschaften, Verbindungen und Orden die Templer in einen 
Topf mit der italienischen Mafia wirft. Die Johanniter kommen glimpflich 
davon, werden nur insoweit erwähnt, als sie in Verbindung zu den Temp- 
lern treten. Erheiternd aus heutiger Sicht ist Schusters Definition der Ge- 
heimgesellschaft. Es handle sich um eine Verbindung, die "ihre Zwecke 
und Gebräuche geheim hält"ss. Das Lachen vergeht dem Leser hingegen, 
wenn er feststellt, daß Schuster völlig unkritisch die Anklagen des Prozes- 
ses, wie sie in Dupuys und inzwischen auch Michelets Werken abgedruckt 
sind, übernimmt und als historische Fakten darstellt. So beschreibt er über 
mehrere Seiten das angebliche Aufnahmeritual der Templer, indem er schlicht 
aus den Anklageschriften zitiert S6 , Wie sehr dieser Archivar und studierte 
Historiker noch zu Beginn unseres Jahrhunderts beeinflußt war durch die 
freimaurerische Rezeption der Geschichte des Templerordens verdeutlicht 


224 



......
>>>
die Tatsache, daß er die Templer in enge Verbindung zu den ebenfalls äu- 
ßerst geheimnisvollen Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralbaustellen 
bringt. Mehrfach beruft sich Schuster auf Prutz, so besonders im Zusam- 
menhang mit der Darstellung der Ordensregel. Diese sei lediglich "eine äu- 
ßere Form" gewesen, Maßstab für das Verhalten der Templer sei ein zwi- 
schen 1220 und 1290 im "Orient" entstandenes "Geheimstatut" geworden s7 . 
Ex oriente lux, aber ein trübes Zwielicht offenbar. 
Wir finden viele unserer Freimaurer hier wieder, sei es von Hund, sei es 
Starck oder auch Bischof Münter - aber auch die erwähnten Scharlatane 
wie Johnson oder Cagliostro, die mit ihren frei erfundenen Schauermärchen 
langfristig Wirkung erzielten. Die Beschäftigung mit der Geschichte der 
Templer ist immer geprägt gewesen von den jeweils aktuellen politisch
n 
Verhältnissen. Der Kardinal de Robespierre beauftragte die Brüder Jean 
und Pierre Dupuy mit der Abfassung eines Werkes über den Prozeß, das 
dann unter dem Namen Pierres erschienen ist. Das Interesse des Kardinals 
war politisch, nicht historisch. Er wollte das absolute Königtum Frank- 
reichs von einem möglichen Flecken in der Vergangenheit reinwaschen. 
Wunschgemäß konstatierten die Dupuys die Schuldlosigkeit Philipps IV., 
bestätigten die Anklageschriften gegen den Orden. War die Arbeit Dupuys 
pro Absolutismus, so richtete sich das Interesse an den Templern ein Jahr- 
hundert später genau in die entgegengesetzte Richtung - contra Absolu- 
tismus. Die politischen Auseinandersetzungen des 18./19. Jhs. unter Ein- 
beziehung der Kirchen, der Katholischen wie der Protestantischen, haben 
die Beschäftigung mit den Rittern vom Tempel geprägt. Der unsägliche 
Un- bis Schwachsinn, der heute am Ende des 20. Jhs. in unseren Buchhand- 
lungen über die Templer zu kaufen ist, stellt eine Strafe dar, die die paupe- 
res milites templi - selbst wenn sie in allen Punkten der Anklage schuldig 
gewesen wären - nicht verdient hätten. 


Anmerkungen 


1 M. Barber, The New Knighthood. A History of the Order of the Temple, Cambridge 
1994, bes. S. 3 I 0; grundlegend R. Hiestand, Zum Problem des Templerzentralarchivs, 
Archivalische Zeitschrift 76, 1980, S. 17-37. 

 E. Siberry, Victorian Perceptions of the Military Orders, in: The Military Orders, 
ed. M. Barber, Bd. I: Fighting for the Faith and Caring for the Sick, Cambridge 1994, bes. 
S. 366f. 
32 Bde., Berlin 1887. 
4 B.-U. HergemölIer, Krötenkuß und schwarzer Kater. Ketzerei, Götzendienst und Un- 
zucht in der inquisitorischen Phantasie des 13. Jhs., Warendorf 1996, S. 330-405. 


225
>>>
5 Berlin 1888. 
6 Ph. Grouvelle fand in der neueren Literatur keine Berücksichtigung mehr. Zuletzt 
nahm Prutz auf ihn Bezug. 
7 Zur besonders intensiven Beschäftigung mit den Templern zwischen 1780 und 18 I 5 
cf. J. Wojtowicz, Die Templertraditionen in den Vorstellungen der Aufklärung, in: Die 
Ritterorden zwischen geistlicher und weltlicher Macht im Mittelalter, hg. v. Z. H. Nowak 
(Ordines militares. Colloquia Torunensia Historica V), Torufl 1990, S. 16 I ff. 
8 Grouvelle, Memoiren (wie Anm. 6), S. 2 I 5. 
9 M.-L. Bulst, Thiele, Sacrae Domus Mi/itiae Templi Hierosolymitani Magistri: Unter- 
suchungen zur Geschichte des Templerordens I I 18/9-1314, Göttingen 1974. 
10 Th. Malory, König Artus. Die Geschichte von Konig Artus und den Rittern seiner Ta- 
felrunde, 3 Bde., Leipzig 1973. 
11 Boswells London Journal - 1762-1763, ed. F. A. Pottle, London 1950, hier: S. 229 
zum 29. März 1763. 
12 Zu den Freimaurern gibt es ebenso wie zu den Templern eine ausufernde, meist 
dubiose Literatur. Hier seien nur die seriösen und aktuellen Werke zitiert, nur insofern sie 
in unserem Zusammenhang von Bedeutung sind: R. Le Forestier, Die templerische und 
okkultistische Freimaurerei im 18. u. 19. Jh., 4. Buch: Die letzten Templer, hg. v. A. Faivre, 
dt. Ausg. ed. A. Durocher, Leimen 1992 (frz. Original Paris 1970; J. Rogalla von Bie- 
berstein, Die These von der Verschwörung 1776-1945. Philosophen. Freimaurer, Juden, 
Liberale und Sozialisten als Verschworer gegen die Sozialordnung, Frankfurt, Bem, Las 
Vegas, zweite verbesserte und vermehrte Auflage 1978 (Europäische Hochschulschriften 
Reihe 111, Bd. 63); P. Partner, The Knights Templar and Their Myth, Oxford 1981, zweite 
überarb. Aufl. 1990; als Beitrag der Literaturwissenschaft: W. D. Wilson, Unterirdische 
Gänge. Goethe, Freimaurerei und Politik. Göttingen 1999 - mit ausgezeichneter Biblio- 
graphie. 
\] R. Koselleck, Kritik und Krise. Eine Studie zur Pathogenese der bürgerlichen Welt, 
Frankfurt 1979, S. 64. 
14 R. van Dülmen, Die Gesellschaft der Aufklärer. Zur bürgerlichen Emanzipation und 
aufklärerischen Kultur in Deutschland, Frankfurt 1986, S. 57. 
IS F. Wilcke, Geschichte des Ordens der Tempelherren nebst Bericht über seine Be- 
ziehungen zu den Freimaurern und den neuen pariser Templern, Bd. 1-2, 1970. Zur Ver- 
bindung Templer - Freimaurer cf. bes. Le Forestier und Partner; an älterer Literatur ist 
wichtig W. Begermann, Die Tempelherren und die Freimaurer, Berlin 1906. 
16 Dazu ausfUhrlich Le Forestier, Die templerische (wie Anm. 12), S. 359 ff.; zur Charta 
transmissionis immer noch interessant Wilcke, Geschichte (wie Anm. 15), bes. S. 366 ff.; 
zu Larmenius ebenfalls Wilcke, S. 364f. 
17 Wilcke, Geschichte (wie Anm. 15), S. 367f. liefert eine auch heute noch überzeugende 
Analyse. 
18 H. Sippel, Die Templer. Geschichte und Geheimnis, Wien, München 1996; wer Sinn 
fUr Unsinn hat, lese den Anhang - Liste der Großmeister bis 1960 (!) sowie die Chronik 
der Templer bis 1994 (!). 
19 Zu Münter cf. Wojtowicz, Die Templertraditionen (wie Anm. 7), S. 163f.; ausführlich 
Wilson (wie Anm. 12), bes., S. 12 I f. 
20 Grouvelle, Memoiren (wie Anm. 6), S. 10. 
21 Ebd., S. 3 I 5. 
22 Zur Strikten Observanz cf. Wilcke, Geschichte (wie Anm. 15), bes., S. 36 I ff., - al- 
lerdings mit einigen historischen Fehlern; G. Schuster, Geheimgesellschaften, S. 55ff.; zur 
neueren Literatur s. Anm. 12. 


I 
l 


226
>>>
23 Zu Hund cf. Schuster, Geheimgese//schaften (wie Anm. 22). Bd. 2, S. 51f.; Partner. 
The Knights (wie Anm. 12), S. I 17f.; Wojtowicz, Die Templertraditionen (wie Anm. 7), 
S. 168f.; ausfllhrIich Le Forestier, Die templerische (wie Anm. 15), Wilson, Unterirdische 
Gänge (wie Anm. 12), RogaIIa von Bieberstein, Die These (wie Anm. 12). 
24 Partner, The Knights (wie Anm. 12), S. 117. 
25 Schuster, Geheimgesellschaften (wie Anm. 22), Bd. 2, S. 52. 
26 Ebd., S. 55f. 
27 Zu Johnson cf. Schuster, Geheimgesellschaften (wie Anm. 22), Bd. 2, S. 53f., Partner, 
The Knights (wie Anm. 12), S. 119, Wilson, Unterirdische Gänge (wie Anmn. 12), S. 28 ff. 
und die dort genannte Literatur. 
28 Dazu ausfllhrlich W. D. Wilson, Geheimräte gegen Geheimbünde. Ein unbekanntes 
Kapitel der klassischen Geschichte Weimars, Stuttgart 199 I - mit ausführlicher Biblio- 
graphie. 
29 Ausfllhrlich beschrieben bei Wilson, Unterirdische Gänge (wie Anm. 12), S. 28. der 
Partners (wie Anm. 12) DarsteIlung (S. I 19) in einem nicht unwichtigen Punkt korrigiert. 
30 Wilson. Unterirdische Gänge (wie Anm. 12) S. Hf. 
31 Zu Starck ausfllhrlich Schuster, Geheimgesellschaften (wie Anm. 22), Bd. 2. S. 55 ff.; 
neuere Literatur bei Wilson. Unterirdische Gänge (wie Anm. 12), RogaIIa von Bieberstein, 
Die These (wie Anm. 12) und Le Forestier, Die templerische (wie Anm. 12). 
32 Zit. nach Wilson, Unterirdische Gänge (wie Anm. 12), S. 77. 
33 Ebd. 
34 Ebd. 
35 Ebd. 
36 Ebd., S. 85f. 
37 Cf. Wojtowicz, Die Templertraditionen (wie Anm. 7) S. 162f.; Chr. DaxelmilIIer, 
Aberglaube, Hexenzauber, Höllenängste. Eine Geschichte der Magie. Zürich 1993, zit. 
nach Tb Milnchen 1996, S. 147, sieht im Werk der Brüder Dupuy den Anfangspunkt der 
Mystifizierung des Templerordens. Betrachtet man jedoch das "Nachleben" des TempIer- 
prozesses, so ergibt sich ein anderes Bild - cf. A. Wildermann, Die Beurteilung des 
Templerprozesses bis zum 17. Jh., Freiburg 197 I. 
38 J. Delumeau, Angst im Abendland. Die Geschichte kollektiver A"ngste im Europa des 
14.-18. Jhs., Reinbek bei Hamburg 1985. 
39 GrouveIIe, Memoiren (wie Anm. 6), S. 2 I 5. 
40 Ebd., S. I. 
41 Ebd., S. 2. 
42 Ebd., S. 268. 
43 Ebd., S. 6f. 
44 Le Forestier, Die templerische (wie Anm. 12), S. 347, weist darauf hin, daß bereits 
1819 Sylvester de Sacy Baphomet flIr ein Kopfreliquiar hielt. 
45 GrouveIIe, Die templerische (wie Anm. 6), S. 268f. 
46 Le Forestier, Die templerische (wie Anm. 12), S. 361 zur Regel; S. 361f., zur inneren 
Struktur; S. 366 zu den Statuten, die auf ihn den Eindruck machen, als seien sie von Pos- 
senreißern zusammengestellt worden. Er konstatiert eine kindische Freude an aufwendigen 
Verkleidungen und leeren Ehrentiteln". 
47 GrouveIIe, Memoiren (wie Anm. 6), S. 225. 
48 Ebd., S. 221. 
49 Ebd. 
50 Ebd., S. 75f. 
51 WiIcke, Geschichte des Ordens (wie Anm. 15), S. 415. 


227
>>>
52 Dazu ausführlich Wilcke (wie Anm. 15), S. 372 ff.; wichtig das Kapitel zu den Pariser 
Templer bei Le Forestier, Die templerische (wie Anm. 12). 
53 WiIcke, Geschichte des Ordens (wie Anm. 15), S. 345f. 
54 Ebd.. S. 346. 
5S Schuster, Geheimgesellschaften (wie Anm. 22), Bd. 2, S. I. 
56 Ebd., S. 349 ff. 
57 Ebd., S. 352.
>>>
ORDINES MILlTARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI-2001 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Ludwig Vones (Köln) 


Die Ritterorden in Spanien: 
Betrachtungen zum Thema Rezeption und Wirklichkeit 


Der Beginn dieser Ausführungen, in deren Mittelpunkt die Rezeption 
der Geschichte einiger spanischer Ritterorden noch im Mittelalter selbst 
sowie das Nachleben ihrer Existenz in der Neuzeit stehen soll, soll für eini- 
ge Augenblicke in eine Gegenwelt entführen, die in der Gegenwart eine 
immer größere Bedeutung für die Prägung der Mentalität des modernen 
Menschen gewinnt und in die auch mittelalterliche Elemente als Travestien 
des Mythos oder in den primitiveren Ausprägungen einfach als mystifizie- 
rende Vorstellungen Eingang finden: in die filmische Unterhaltungskultur 
oder bei unserem Beispiel genauer in jenen Bereich dieses Sektors, den 
man als Trash-Subkultur bezeichnen könnte und für den der zweitklassige 
B-Horrorfilm ein markantes Genre ist, Es soll hier aus einer erstaunlichen, 
stetig wachsenden Vielfalt besonders Bezug genommen werden auf ein 
filmisches Machwerk des spanischen Regisseurs Armando de Ossorio mit 
dem Originaltitel "La noche dei terror ciego" (wörtl.: "Die Nacht des blin- 
den Schreckens") bzw. mit dem in der deutschen Fassung vielsagenden, fast 
satirisch anmutenden Titel "Die Nacht der reitenden Leichen", Diese üble 
Ausschlachtung pseudo-mittelalterlicher Mythen, gekreuzt mit dem frag- 
würdigen Instrumentarium moderner Horrorfilme, konnte als Low-Budget- 
-Produktion in der Tradition der berühmten Zombie-Kulttrilogie 'The Night 
ofthe Living Dead', 'Dawn ofthe Dead' und 'Day ofthe Dead' von Geor- 
ge A. Romero überraschenden Erfolg verbuchen I , um schließlich aufgrund 
des Publikumszuspruchs selbst in den Status eines Kultfilms erhoben zu 
werden - eine Tatsache, die darauf hindeutet, dass Zeitgeist und Erwar- 
tungshaltung des Publikums gleichermaßen angesprochen wurden. Ohne die 
abstruse, bluttriefende Handlung dieses wahrhaftigen Gruselspektakels im 


229
>>>
einzelnen ausbreiten zu wollen, sei nur referiert, dass mit den "Leichen" 
reitende Skelette gemeint sind, wieder zum Leben erwachte Untote, die 
genregerecht menschliches Blut benötigen, um ihre Existenz weiter zu si- 
chern. Diese augen losen Untoten, die jede Nacht dem Grab entsteigen und 
unter ihren schmutzigen Gewändern die Tracht der Kreuzritter tragen, sind 
aber nichts anderes als die im Hof eines verfallenen Schlosses begrabenen 
Leichen jener Tempelritter, die sich im Mittelalter dem Teufelskult ver- 
schrieben haben und als Diener Lucifers keine Ruhe finden können, son- 
dern sich von Menschenblut ernähren müssen, letztlich sogar die Insassen 
eines Eisenbahnzuges hinmorden. Der beträchtliche Erfolg dieses Mach- 
werks führte, das sei am Rande bemerkt, gar zu diversen, von der Handlung 
her immer plumperen Fortsetzungsfilmen von der "Rückkehr der reitenden 
Leichen" bis hin zum unfreiwillig komischen "Geisterschiff der schwim- 
menden Leichen" und zum "Blutgericht der reitenden Leichen" - Filme, 
die ungeachtet ihrer ans Lächerliche grenzenden, zudem dürftigen Hand- 
lung immer wieder in Kinos und im Fernsehen aufgeführt wurden, mittler- 
weile ihre Verbreitung über Videotheken erfahren und zum festen Reper- 
toire des Genres gehören. 
Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass in solchen Produktionen auf 
unterstem künstlerischen Niveau der ferne, vielfach gebrochene Nachklang 
des berüchtigten Prozesses gegen den Tempelorden und jener unter der Fol- 
ter erpreßten Anklagen zu vernehmen ist, der über die Jahrhunderte einen 
Mythos geschaffen hat, wie er unwahrer, aber offensichtlich die menschli- 
che Vorstellungskraft im negativen Sinn beflügelnder kaum sein könnte. 
Gerne wurden die Wurzeln dieser Mystifikation unabhängig vom eigentli- 
chen Zentrum des Verfahrens in Frankreich auf die Tempelritter der Iberi- 
schen Halbinsel projiziert, wo der Orden eine überaus starke politische 
Stellung genoß, ungeheuren Landbesitz und bedeutenden Reichtum hatte, 
wo aber auch mit dem Zusammentreffen von christlichem Okzident, mus- 
limischem Orient und jüdischer Kultur gefährliche Einflüsse und die Ent- 
stehung geheimer, okkulter, unchristlicher Kulte vermutet wurden - erin- 
nert sei in diesem Zusammenhang außer an Häresie, Schwarze Magie, Sa- 
tanskult, Orgien und Sodomie im Konkreten an die Anbetung eines bärtigen 
Hauptes, jenen geheimnisvollen Kult um Baphomet als Götzen in der Form 
eines bärtigen Ziegenkopfes oder in anderer Gestalt, der von starken antiis- 
lamischen Ressentiments gespeist wurde, aber auch an die angebliche Ver- 
bindung der Templer zum Gral sowie an die von manchen behauptete Ver- 
bindung zu den Freimaurern als ihren vermeintlich späteren Nachfolgern 
und "Erben,,2. Die meisten dieser Anschuldigungen, die angereichert wur- 
den um die Existenz eines sagenhaften, noch unentdeckten Templerschatzes 
und die immer noch selbst in pseudowissenschaftlichen Sendungen der öf- 
fentlichen Medien Rundfunk und Fernsehen, aber auch in Presse und popu- 
lärem Schrifttum weitgehend unkritisch propagiert werden 3 , gehen im Kern 


230
>>>
auf die Aussagen der französischen Ordensmitglieder zurück, denen unter 
König Philipp dem Schönen von Frankreich jener bis heute berüchtigte 
Prozeß gemacht wurde und deren Ende auf dem Scheiterhaufen unter Füh- 
rung ihres Großmeisters Jacques du Molay als allgemein bekannt vorausge- 
setzt werden darr. Obwohl die notwendigen Geständnisse im Rahmen eines 
erbarmungslosen inquisitorischen Verfahrens unter der Folter erpreßt wur- 
den und am Ende ein letzter Widerruf stand, ja die politischen und finanz- 
wirtschaftlichen Hintergründe des Prozesses mittlerweile unbestritten sind s , 
haben sich die einstigen Vorwürfe, verbreitet durch Mythos und Legende, 
nicht nur über die Jahrhunderte hartnäckig gehalten, sondern noch Aus- 
schmückungen und weitere Konkretisierungen erfahren. Sie sind am Rande 
sogar in das Gedankengut radikaler sozialistischer Utopien eingegangen, 
haben die Templer und einige ihrer angeblichen ephemeren Nachfolger so- 
wohl zu den geheimnisumwobenen Hütern des Grals als auch des Heiligen 
Tuches von Turin gemacht, bis sie eben in ihren banalsten, weitgehend 
verstümmelten Formen in die postmoderne Subkultur eingeflossen sind 6 , 
Dass man heutzutage das Zentrum des einstigen Templer-Okkultismus 
eher in den Reichen der Iberischen Halbinsel ars in Frankreich sucht, liegt 
nicht zuletzt daran, dass sie dort, seitdem sie in der ersten Hälfte des 
12. Jahrhunderts in der Hispania Fuß gefaßt hatten, eine überaus starke 
politische Stellung bekleideten, zu finanzpolitischen Beratern der Herrscher 
werden, beträchtlichen Reichtum anhäufen und riesigen Landbesitz erwer- 
ben konnten, da sie durch die stetige Reconquista der von den Mauren be- 
setzten Gebiete sowohl eine langfristige Aufgabe als auch die Möglichkeit 
zur fortgesetzten Landnahme mit Billigung durch das Königtum hatten 7 . 
Ungeachtet der Kritik, die ihnen ebenso wie den Johannitern ihr zuneh- 
mendes kriegerisches Engagement eintrug, da ein solches Verhalten mit den 
ursprünglichen Zielsetzungen des Ordens vom Tempel Salomons nur schwer 
zu vereinbaren war 8 , sollte es ihnen bis zum Ende des 13. Jahrhunderts ge- 
lingen, ihre Stellung vor allem in der Krone Arag6n, aber auch in Kastilien 
zu festigen, allerdings mit dem Ruf einer Finanzgesellschaft, deren haupt- 
sächliche Tätigkeit in der Verwaltung der ihnen zufließenden oder anver- 
trauten Gelder und Besitzungen sowie in der Wahrnehmung von Handelsin- 
teressen zwischen Europa und dem Orient bestand 9 . Gleichwohl sollte diese 
Entfernung von den ursprünglichen Aufgaben und die damit einhergehende 
Mittelmäßigkeit des Ordens, die als Zeichen für die Unfähigkeit zur Ver- 
wirklichung der selbstgesteckten Ziele zu werten ist, wie von Peter Partner 
in seiner Studie über den Templermythos hervorgehoben, die gesellschaft- 
liche Relevanz der Templer mindern und schließlich ihre Vernichtung er- 
leichtern 10. Überhaupt ist in den Reichen der Iberischen Halbinsel während 
der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein allgemeiner Niedergang der 
Bedeutung der Ritterorden, ja der ritterlichen Ideale insgesamt zu beobach- 
ten, der nicht so sehr von der schon seit langem schwelenden kritischen 


231
>>>
Einstellung zum Kreuzzugsgedanken im allgemeinen bestimmt war", son- 
dern einherging mit einer zunehmenden Kritik an ihrem Sozialverhalten 
und ihren Lebensformen, die schon zu dieser Zeit vereinzelt unberechtigte 
Vorwürfe vor allem gegen die Templer hervorbrachten - Vorboten der 
späteren massiven Anklagen, die im Umfeld des in die Vernichtung führen- 
den Prozesses erhoben werden sollten. Konkrete Vergehen sollten indes 
nicht benannt werden können, eher wurden die Klagen über den übermäßi- 
gen Reichtum des Ordens und das wenig gottgefällige Wohlleben seiner 
Mitglieder wiederholt propagiert, wozu man nun noch die Trägheit, den 
Kreuzzug ausreichend zu betreiben, hinzufügte I3 . Und ob der später schon 
im Rahmen der kastilischen Templerverfahren kolportierte Bericht über ei- 
nen Jüngling vom Hofe Alfons X., der sich, um dem König Klarheit über 
das vermeintliche Geheimnis der Templer zu verschaffen, in den Orden 
aufnehmen ließ, um ein Jahr später zu erklären, er würde lieber enthauptet 
werden, als seine grauenerregenden Erfahrungen preiszugeben 14, nur ein 
Körnchen Wahrheit enthält, muß mehr als fraglich bleiben, gibt aber viel- 
leicht ein Stimmungsbild früherer Zeiten wieder. Der König soll diesen 
Jüngling mit dem beeideten Versprechen, ihn nach seinem Geständnis zu 
enthaupten, zum Reden gebracht haben, woraufhin "dixit dictus iuvanis 
qualiter ingressu religionis fuit inductus ad negandum Christum et negativ 
spuendo super Crucem et quod committebant vicium sodomiticum et quod 
plura vicia indecentia committebant et quod interficiebant detegentes suum 
secretum ..IS. Der dies berichtende Zeuge gab an, Diener im königlichen 
Palast gewesen zu sein, wo diese Episode allgemein bekannt wäre. Seine 
Aussage machte er während einer großen Zeugeneinvernahme in Medina 
dei Campo im April 1310, durch die sich die kastilischen und leonesischen 
Bischöfe Klarheit über die von außen erhobenen Beschuldigungen ver- 
schaffen wollten l6 . 
Zwar konnten sich die Templer nach wie vor des über lange Zeiträume 
gewachsenen königlichen Schutzes erfreuen und der Episkopat sollte sich 
gleichfalls aufgrund der engen Familienbeziehungen als wichtiger unter- 
stützender Faktor bei der Verteidigung einmal eingenommener Positionen 
erweisen, doch waren Begehrlichkeiten auf die reichen Ländereien und 
strategisch bedeutenden Burgen von seiten des Adels, aber auch von seiten 
des Königtums unübersehbar, so dass den Vorgängen eine eigentümliche 
Brisanz zueigen war. Als es dann im Rahmen des Prozesses zur Nagelprobe 
kommen und entsprechende Untersuchungen wie die in Medina dei Campo 
über die vermeintlichen Verfehlungen der Tempelritter durch päpstliche 
Verfügungen auch in Spanien angeordnet wurden, reichte alle Unterstüt- 
zung nur zu einer Verschleppung des Verfahrensganges, keineswegs zur 
Abwendung der negativen Folgen. In Kastilien wurden die Erzbischöfe von 
Toledo und Santiago gemeinsam mit ihren Suffraganen 1308 von Cle- 
mens V. angewiesen, die gegen die Templer erhobenen Vorwürfe gründlich 


232
>>>
zu untersuchen und auf Provinzialkonzilien zu publizieren, ohne dass al- 
lerdings, wie wir gehört haben, konkret Nachweisbares zutage gefördert 
worden wäre. Höchstens flüchtete man sich in Stereotypen, die auch seit 
langem gegen die jüdische Minderheit erhoben wurden, wie Entheiligung 
des Karfreitags durch Orgien, Hostienschändung oder Entweihung der 
Kruzifixe durch Beschmutzung, und rückte so die Templer in die Nähe anti- 
jüdischer Polemik, stärkte aber natürlich zugleich den Häresiebefund. Dieses 
insgesamt schwache Echo ist kaum verwunderlich, da selbst die kapetingi- 
sche Propaganda nach Anfangserfolgen mit ihrer Polemik auf zunehmende 
Ablehnung stieß und sich außerhalb der unmittelbaren Einflußgebiete 
Philipps des Schönen kaum durchsetzen konnte, es sei denn, die Herrscher 
waren wie in England und Aragon ebenfalls an einer Übernahme des 
Templerbesitzes interessi ert l7, Zwar konnten zum Beispiel die Templer, 
nachdem ihr hartnäckiger Widerstand zum Teil mit Waffengewalt gebro- 
chen worden war, vor bischöfliche Untersuchungskommissionen wie 1309 
in Alcalä de Henares oder wie 1310 in Medina dei Campo, wo neben den 
Erzbischöfen von Toledo und Santiago auch der Erzbischof von Sevilla 
sowie die Bischöfe von Palencia, Leon und Lissabon anwesend waren, 
schließlich vor weitere bischöfliche Gremien gebracht werden, doch ohne 
dass das vom Papsttum erwartete Ergebnis zustande kam - nicht zum ge- 
ringsten weil in den Reichen der Krone Kastilien noch keine päpstliche In- 
quisition eingerichtet war. Nicht nur von der in Tarragona einberufenen 
aragonesisch-katalanischen Provinzial synode, die sich gleichfalls nicht die 
in Frankreich angewandten Untersuchungsmethoden zueigen machte, son- 
dern auch von Bischofssynoden in Salamanca für Kastilien und in Lissabon 
für Portugal wurde abschließend die Schuldlosigkeit des Ordens und seiner 
Angehörigen festgestellt. Da allerdings die politischen Implikationen einen 
partiellen Freispruch nicht ermöglichten, wurden die spanischen Ordens- 
provinzen letztlich unwiderstehlich in den Sog mit hineingerissen, doch ge- 
lang es dem Königtum in Aragon und Portugal, den Großteil des Templer- 
vermögens und -besitzes vor seiner Einziehung durch das Papsttum zu 
bewahren und ihn als Grundstock für neue, monarchischen Interessen die- 
nende Ordensgründungen zu nutzen. 
Eigentlich war bei der Auflösung des Ordens auf dem Konzil von Vien- 
ne beschlossen worden, sein Patrimonium den Johannitern zu übertragen, 
und dieser Beschluß am 2. Mai 13 12 von Clemens V, durch die Bulle "Ad 
providam" in die Tat umgesetzt worden l8 . Ausnahmen bildeten die König- 
reiche Kastilien, Aragon, Mallorca und Portugal, für die erst später ein 
päpstlicher Entscheid gefällt werden sollte, während in Navarra, das mit 
der französischen Krone in dynastischer Union vereint war, die Johanniter- 
Lösung durchgeführt wurde l9 , Auf dem Gebiet der Krone Aragon entstand 
nach langwierigen Verhandlungen der Orden von Montesa, der seinen 
Schwerpunkt im Königreich Valencia mit der Festung Montesa als Zentrum 


233
>>>
und dort neben den alten Tempelgütern ebenfalls die bisherigen Besitzun- 
gen der Johanniter erhielt 1o . Er wurde der Jungfrau Maria geweiht und am 
10. Juni 1317 von Johannes XXII. anläßlich der Verleihung der Zisterzien- 
serregel approbiert 1 " schließlich zu Beginn des I 5. Jahrhunderts, im Jahr 
1400, während des Großen Schismas durch Papst Benedikt XIII. mit dem 
älteren, 1201 von Peter 11. gegründeten Orden von San Jorge de Alfama zu- 
sammengelegt 12 , Demgegenüber war der Templerbesitz im Königreich 
Arag6n und in Katalonien, wie in Vienne beschlossen, auf die Johanniter 
übergegangen, die eben ihre valencianischen Güter als Kompensation ab- 
geben mußten. In Portugal wiederum wurde aus den Resten der früheren 
Templergüter auf Betreiben König Dionysius I. am 14. August 1318 der 
Christusorden dotiert 23 , dessen Grundlage die Benediktregel bildete, der am 
14./15. März 1319 ebenfalls durch die Bulle "Ad ea ex quibus" Johannes 
XXII. bestätigt 14 , am 5. Mai durch den König ratifiziert wurde 1s und der in 
enger Beziehung zum gleichfalls benediktinisch geprägten, einst vom 
Calatravaorden abgespaltenen Orden von Avis stehen sollte. 
Im Fall Kastiliens hingegen stießen die Forderungen nach Auflassung 
des Ordensvermögens zum Zweck einer Neugründung lange Zeit bei der 
Kurie auf taube Ohren, nicht zuletzt weil mit dem Tod König Ferdi- 
nands IV. im Jahr 13 12 und der nachfolgenden langjährigen Minderjährig- 
keit seines Sohnes und Thronfolgers Alfons mit ihren bürgerkriegsähnli- 
chen Zuständen ein politisches Vakuum entstanden war 16 , so dass sowohl 
Clemens V, als auch Johannes XXII. an der ursprünglichen Absicht fest- 
hielten, den Johannitern die umstrittenen Güter zukommen zu lassen, ohne 
sich jedoch wegen der vielschichtigen, größtenteils chaotischen Machtver- 
hältnisse und der unübersehbaren Konflikte des Johanniterordens mit dem 
Adel, dem Concejo von Sevilla sowie den anderen ansässigen kastilischen 
Ritterorden durchsetzen zu können 17 , Als König Alfons XI. die Regierung 
übernommen hatte, forderte er sofort die kastilischen Tempelgüter ein und 
scheint die Absicht gehabt zu haben, nach aragonesischem und portugiesi- 
schem V orbi Id einen eigenen Ritterorden zu begründen, que Sancte Marie 
deI Pilar societas nuncupatur, der der Kathedrale von Sevilla zugeordnet 
werden und den Land- und Seekrieg gegen die Mauren, vor allem gegen die 
aus Marokko übersetzenden Benimerines führen sollte. Da das Papsttum in 
diesem Fall jedoch hartnäckig auf seiner Übertragung zugunsten der Jo- 
hanniter bestehen sollte, verliefen alle Aktivitäten im Sande. Die Johanniter 
konnten sich trotz kurialer Unterstützung keineswegs die Tempelbesitzun- 
gen aneignen, Alfons XI. mußte vorerst seinen Ritterorden aus anderen 
Quellen dotieren, doch langfristig gelangten die begehrten Güter aufgrund 
der überlegenen Machtmittel dennoch ans Königtum, während sich der 
Hospitalorden mit einigen Kompensationen begnügen mußte 18 . 
In der Chronik Alfons XI. findet sich gleichfalls der Hinweis, dass zur 
Zeit seines Großvaters Alfons X. seit den späten 70er Jahren des 13. Jahr- 


234
>>>
hunderts der Niedergang des kastilischen Ritteradels seinen Anfang ge- 
nommen und sich die Königsgewalt parallel dazu stärker auf die Ritteror- 
den verlassen habe. Diese Aussage, die die Schwierigkeiten des "weisen" 
Königs mit den oppositionellen, aus Adel, Städten und Episkopat bestehen- 
den genossenschaftlichen Bündnissen, den sog. Hermandades, reflektierte, 
bezog sich jedoch nicht in erster Linie auf die Templer oder die Johanniter, 
sondern vielmehr auf jene Ritterorden, die man im eigentlichen Sinne als 
"national spanische Militärorden" bezeichnet und die ihr Haupttätigkeitsfeld 
seit der Mitte des I 2. Jahrhunderts in den Königreichen Kastilien und Leon 
gefunden hatten, aus welchen wiederum im Laufe des 13. Jahrhunderts die 
Krone Kastilien hervorgehen sollte: es handelt sich dabei in der Hauptsache 
um die Orden von Calatrava, Santiago und Alcantara, letzterer - ur- 
sprünglich San Julian de Pereiro - 1218 dem Calatravaorden affiliiert, 
aber strukturell weiterhin eigenständig 19 , Ohne in diesem Zusammenhang 
auf ihre komplexe Entstehungsgeschichte oder auf die vor allem von Ame- 
rico Castro aufgeworfene Frage nach ihren Vorformen bzw. Parallelen im 
maurischen Bereich eingehen zu können 3o , sei festgestellt, dass sie anders 
als die gewissermaßen "internationalen" Ritterorden die Fortführung der 
Reconquista im Sinne eines "Heiligen Kampfes" als ihr spezielles Aufga- 
bengebiet betrachteten und bereits von ihren Anfängen her engste Bezie- 
hungen zum leonesischen und kastilischen Königtum aufbauten, die sie 
unabhängig von ihrer Anbindung an augustinisches, benediktinisches und 
zisterziensisches Gedankengut zu monarchisch geförderten Orden werden 
ließen, die von der Königsgewalt wiederum als Gegengewicht gegen die 
eigenständige Reconquista durch den Adel und die damit einhergehende 
Landnahme genutzt wurden. Vom Königtum als Instrument für die Rücker- 
oberung der Hispania, insbesondere der Extremadura und Andalusiens, 
sowie für die anschließende Repoblacion in seinem Sinne eingesetzt, erhiel- 
ten die Orden beträchtliche Anteile an den wiedergewonnenen Landstrichen 
und konnten zum Teil gewaltige eigene Machtbereiche im Süden der Halb- 
insel aufrichten. Der Höhepunkt dieser Phase dauerte bis zur Mitte des 
13. Jahrhunderts, als nach der endgültigen Niederlage der Almohaden bei 
Las Navas de Tolosa bis auf Granada die großen maurischen Reiche von 
Sevilla, Cordoba, Murcia und Niebla eingenommen werden konnten und 
den Orden bei den folgenden Repartimientos, den Gebietsteilungen, um- 
fangreiche Ländereien zufielen 31 , Danach sollte die Reconquista, für die 
nur noch das von der Nasridendynastie beherrschte Reich von Granada als 
Eroberungsziel übrigblieb, bis auf einige kleinere Erfolge für gut zwei 
Jahrhunderte stagnieren und die christliche Kampfkraft höchstens noch 
durch die Einfälle der nordafrikanischen Benimerines gefordert werden. 
In dieser Situation wurden die Orden, ihrer eigentlichen Aufgabe ent- 
ledigt, zunehmend in die innenpolitischen Konflikte Kastiliens hineingezo- 
gen, die von den erbitterten Kämpfen zwischen einer immer stärker in die 


235
>>>
Krise geratenden Königsgewalt und einer ungemein eigenständigen Adels- 
macht geprägt waren und die in den Bürgerkriegen gegen Ende der Regie- 
rung Alfons X., unter der Regierung Peters des Grausamen in der Mitte des 
14. Jahrhunderts sowie zur Zeit Heinrichs IV, in der Mitte des 15. Jahrhun- 
derts gipfelten. In diesen Auseinandersetzungen kamen den Ritterorden mit 
ihrem ausgedehnten Grundbesitz, ihren Burgen und strategisch wichtigen 
Festungen sowie ihren Einkünften eine überragende Bedeutung als Macht- 
basis zu, die einerseits das Königtum für sich zu nutzen suchte, indem es 
die Großmeisterwürde an Mitglieder der eigenen Dynastie verlieh, vor- 
nehmlich an Infanten und führende Verteter von Nebenlinien. Andererseits 
stellten dieselben Würden mit ihren Vorteilen für den Hochadel eine Ver- 
lockung dar, da ihr Besitz eine beträchtliche Erweiterung des eigenen 
Machtpotentials bedeutete und dem Adelsgeschlecht eine fast königsglei- 
che Stellung sichern konnte. So finden sich in den leitenden Ämtern der 
Ritterorden im Spätmittelalter neben Infanten aus dem Königshaus, weite- 
ren Hochadligen, deren Herkunft aus einem Zweig der Königsdynastie ihre 
Stellung begründen half, und Vertretern alteingesessener Adelsgeschlech- 
ter, die innerhalb der Ordensstrukturen ein enges Beziehungsgeflecht knüp- 
fen und die hohen Würden, insbesondere die Maestrazgos, in ihrer Familie 
fast wie erbliche Ämter verteilen konnten 31 , schließlich auch Mitglieder 
aufsteigender Adelsfamilien, für die die Ordensleitung mit ihren Herr- 
schaftsinstrumentarien entweder ein zusätzliches Sprungbrett in die höch- 
sten Machtpositionen oder eine solide Absicherung des bereits gewonnenen 
Einflusses bedeutete. Der Aufstieg der Trastamara vom illegitimen königli- 
chen Bastardszweig zur legitimen Königsdynastie wäre ohne ihre Ausnut- 
zung der Ordensstrukturen kaum möglich gewesen, Alvaro de Luna hätte 
im 15. Jahrhundert ohne seinen Rückhalt im Santiagoorden, dessen Groß- 
meisterwürde er bekleidete, nicht an die Begründung einer königsgleichen 
Stellung denken können, und weder Pedro Gir6n noch Juan Pacheco hätten 
als führende Häupter von Adelsparteiungen die Übernahme der Herrschaft 
im Zeitalter Isabellas der Katholischen ins Auge fassen können. 
All diese Pläne und Aktivitäten entfremdeten die Ritterorden natürlich 
von ihrer einstigen religiösen Zielsetzung, ja sie verstrickten sie zudem tief 
in die politischen Ränkespiele ihrer Zeit und setzen sie der Parteienkritik 
mit ihrer scharfen Publizistik aus, da zumindest ihre Oberen nun das politi- 
sche Alltagsgeschäft betrieben und ihre Ressourcen für ihre eigenen Zwek- 
ke nutzten. Fernerhin konnte nicht ausbleiben, dass die gesellschaftlichen 
Konflikte in die Orden hineingetragen wurden und dort ernste Verstim- 
mungen, im Extremfall sogar langwierige Schismata verursachten. So wur- 
de der Orden von Alcantara im 14. Jahrhundert trotz des ursprünglich ab- 
verlangten Gelübdes, die Waffen nur gegen Ungläubige zu richten, in die 
häufigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Arag6n, Kastilien 
und Navarra verwickelt. Der Versuch, den Orden durch den Großmeister 


236
>>>
I 


von Calatrava reformieren und einigen zu lassen schlug fehl, so dass sich 
nach blutigen inneren Kämpfen und vergeblichen Schlichtungen durch das 
zisterziensische Generalkapitel sowie den Abt von Morimond eine tiefgrei- 
fende Spaltung auftat, die weitere blutige Kriegshandlungen, eine massive 
Einmischung des Königtums in die inneren Angelegenheiten des Ordens 
und schließlich sogar die Enthauptung und nachfolgende Verbrennung ei- 
nes Prätendenten auf das Großmeisteramt nach sich zog. Letztlich sollte 
sich die Spaltung bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hinziehen, um erst 
1473, kurz vor der völligen Vereinnahmung des Ordens durch die Monar- 
chie, ein Ende zu finden. Diese Entwicklung, einschließlich des Verlustes 
der ursprünglichen Aufgabengebiete und der eigentlichen religiösen Per- 
spektive, führte insgesamt zu einer Säkularisierung der Ritterorden. die sich 
wie politische Institutionen verhielten und als solche auch von den führen- 
den Persönlichkeiten behandelt wurden. Unter diesen Voraussetzungen kann 
ebenfalls wenig überraschen, dass führende Ordensvertreter gerade bei der 
Ausübung grundherrlicher Verwaltung sich willkürlicher Zwangsmaßnah- 
men bedienten und die damit verbundene Bedrückung der Landbevölkerung 
zunehmend Widerstand aufkeimen ließ, der noch in späteren Jahrhunderten 
das Bild der Orden verdunkelte. Ein bedeutsames Beispiel dafür ist der 
Aufstand der Bewohner von Fuenteovejuna gegen Fernim Gomez de Guzman, 
den ortsansässigen Comendador des Ordens von Calatrava, der 1476 mit 
der Ermordung des Ordensritters und der Plünderung der zugehörigen Güter 
endete, ohne dass letztendlich eine adäquate Bestrafung der Einwohner der 
villa stattgefunden hätte, da die eigentlichen Hintergründe des Aufruhrs auf 
die komplizierten Machtstrukturen der Region und die tiefgreifende Rivali- 
tät zwischen dem Calatravaorden und der Stadt Cordoba verwiesen 33 , Auf- 
grund der Schilderung dieser Vorgänge durch Rades y Andrada in seiner 
1572 erschienenen Ordenschronik sollte Lope de Vega zwischen 1604 und 
1618 die Ereignisse in seinem gleichnamigen Drama verarbeiten und hier- 
bei das Widerstandsrecht der bedrückten Landbevölkerung gegenüber ei- 
nem Tyrannen, einem tyrannus regiminis, bis hin zur Tötung thematisie- 
ren 34 . Welche Resonanz die für den Calatravaorden wenig rühmlichen Vor- 
gänge zu dieser Zeit fanden, zeigt sich auch darin, dass noch ein weiteres 
Drama aus der Feder des unbekannteren Cristobal de Monroy y Silva 
(16 I 2-1649) floß: "Fuenteovej una 0 EI castigo mas debido y la venganza 
mas justa,,3S, 
Dass der Aspekt der Unterstellung der Ritterorden unter die Verwaltung 
durch die Königsdynastie nicht unbedingt negativ sein muß, zeigt das por- 
tugiesische Beispiel, wo seit 1418 der Santiagoorden durch das Papsttum 
dem Infanten Johann, dem jüngeren Sohn König Johanns 1., als Laienad- 
ministrator unterstellt und zugleich die Leitung des Christusordens eben- 
falls den Mitgliedern des Königshauses vorbehalten wurde, Berühmtester 
Administrator des Christusordens sollte der 1420 ernannte, im Laienstand 


237
>>>
verbleibende Infant Heinrich von Portugal werden, allgemein bekannt als 
Heinrich der Seefahrer 36 , der trotz zeitweilger Tendenzen niemals ein Or- 
densritter werden oder gar die Großmeisterwürde annehmen, aber gleichwohl 
eine vergleichbare Funktion als Laie bis zu seinem Tod ausüben sollte 37 , 
Das überdurchschnittliche Interesse dieses Infanten an der Seefahrt und den 
sicheren Navigationsmöglichkeiten, soweit dies heute festgestellt werden 
kann, ohne allerdings die längst als Mythos entlarvte Schilderung einer 
heinricianischen Seefahrerschule im Palast von Sagres beim Cabo Säo 
Vicente aufwärmen zu wollen 38 , rührte vor allem aus seiner Verwaltung der 
Ordensbesitzungen her, die sein Augenmerk auf Afrika richtete. Zwar sollte 
er diesen Kontinent niemals selbst betreten, doch war er für ihn, nachdem 
die Reconquista für Portugal mit der Eroberung des Algarvereiches abge- 
schlossen war, zukünftiges Expansions- und Missionsgebiet des Christus- 
ordens, das auf dem Seeweg erkundet und gesichert werden mußte, wollte 
man nicht auf jenen schmalen Gebietsstreifen im westlichen Nordafrika um 
Ceuta und Tanger beschränkt bleiben, den die kastilische Eroberungs- und 
Missionstätigkeit noch übriggelassen hatte. 
Allgemein erkennbar wird im 15. Jahrhundert die Tendenz der Königs- 
dynastien, die Machtgrundlagen der Ritterorden der Verfügungsgewalt des 
allzu aufrührerischen Hochadels zu entziehen, nachdem man vor allem in 
Kastilien in den Zeiten der Aufstände der Infanten von Aragon und des 
Nachfolgekriegs nach dem Tod Heinrichs IV. schlechte Erfahrungen ge- 
sammelt, aber auch in der Krone Aragon unter Johann 11. einen polarisie- 
renden Bürgerkrieg durchgefochten hatte, Zudem zeichnete sich mit der 
nun wieder verstärkt betriebenen und 1492 erfolgreich abgeschlossenen Er- 
oberung Granadas ab, dass gerade die Ritterorden, die der Reconquista ihre 
Entstehung verdankten, mit der Lösung ihrer ursprünglichen Aufgaben 
gewissermaßen zugleich ihre eigentliche Existenzberechtigung verloren 
hatten, sieht man von ihrer mittlerweile gefestigten Funktion innerhalb der 
Adelsgesellschaft ab. Die endgültige Übernahme der Ritterorden durch die 
Königsdynastie unter der Herrschaft der Katholischen Könige mutet daher 
wie eine logische Konsequenz der unberechenbaren spätmittelalterlichen 
Entwicklung und der Vollendung der Reconquista an. Folglich wurden die 
Ritterorden von Calatrava 1489, von Santiago 1494 und von Alcantara 1495 
der Krone inkorporiert, ihre Herrschaft und ihre reichen Einkünfte allein 
dem monarchischen Zugriff, in diesem Fall König Ferdinand V. von 
Aragon vorbehalten 39 , kurzum sie wurden damit unmittelbar dem Königtum 
verbunden und schließlich unter der Regierung Karls 1., des römischen Kai- 
sers Karls V., durch Papst Hadrian VI. in der Bulle "Dum intra" am 4. Mai 
1523 der "ewigen" Verwaltung durch den König selbst, seine Erben und 
Nachfolger, ja sogar durch mögliche weibliche Thronfolger unterworfen 40 . 
Zu diesen Orden, deren Gesamtverwaltung 1494 im "Consejo de las Orde- 
nes Militares" verankert worden war, nicht ohne dass sich Reibungspunk- 


238
>>>
te ergeben hätten 41 , trat der Orden von Montesa aufgrund einer Bulle Six- 
tus V. vom 15, März 1587 hinzu, so dass gegen Ende des 16. Jahrhunderts 
alle bedeutenden Ritterorden, die nun in säkularisierter Form gewisserma- 
ßen nur noch Ehrenämter für den Hochadel bereitstellten und ein Instru- 
ment der Anbindung an die regierende Dynastie darstellten, sich fest in der 
Hand der Monarchie befanden, eine Entwicklung, die ihren Abschluß 1739 
mit der Aufnahme des Montesaordens in den "Consejo de las Ordenes Mili- 
tares" fand. In Parallele dazu hatte die portugiesische Krone bereits 1550 
ebenfalls die Orden von Santiago, dessen Zweig in Portugal 1314 vom 
Hauptorden abgetrennt worden war, den von Avis sowie den Christusorden 
vollständig inkorporiert, und auch hier lieferten sie die standesgemäßen 
Ehrenämter für die hochadligen Vertreter der Monarchie in den überseei- 
schen Einflußzonen 41 . Trotz ihrer Vereinigung unter dem administrativen 
Dach des "Consejo de las Ordenes Militares" hatten die Orden in der Krone 
Kastilien ihre strukturelle Selbständigkeit bewahren können, was im 16. 
Jahrhundert sogar im zeitweiligen Versuch des Santiagoordens, wieder ei- 
nen unabhängigen Maestrazgo abzuschichten, zum Ausdruck gekommen 
war 43 , ihnen in den späteren Jahrhunderten eine Bewahrung der ökonomi- 
schen Grundlagen und infolgedessen weiterhin reiche Einkünfte sicherte 44 , 
allerdings immer wieder die Begehrlichkeiten der absolutistischen Monar- 
chie herausforderte, so dass noch der Staatsminister Godoy mit Zustimmung 
Pius VI. 1798 unter König Karl IV. angesichts permanenter akuter Geldnot 
letzte Säkularisationen durchsetzen und seit 1802 Güter aus den Maestraz- 
gos der Orden von Calatrava, Santiago, Alcantara und Montesa zum Kauf 
anbieten konnte 4s . Von den "Reformen" Godoys war es dann nur noch ein 
kurzer Weg zur vollständigen Säkularisierung des 19. Jahrhunderts, zur 
wiederholten Auflösung der Orden, zum völligen Verlust aller Güter und 
Einkünfte 46 . 
Eine eigene Historiographie hatte jedoch keiner der Orden während des 
Mittelalters ausbilden können, so dass man eine individuelle Ordensge- 
schichte mittelalterlicher Provenienz vergeblich sucht 47 , will man nicht auf 
die Erwähnungen der Ordenstätigkeit in den allgemeinen Chroniken der 
Hispania oder auf die 1243 entstandene "Historia de Rebus Hispanie sive 
Historia Gothica" des Toledaner Erzbischofs Rodrigo Jimenez de Rada zu- 
rückgreifen, in der sich die ausgiebigste Darstellung der frühen Ordensge- 
schichte von Calatrava befindet 48 , Ordensgeschichte im eigentlichen Sinne 
sollte erst nach der Mitte des 16. Jahrhunderts geschrieben werden 49 , als 
der calatravische Ordensbruder Francisco de Rades y Andrada unter der 
Regierung Philipps 11. seine "Chronica de las tres ordenes y cauallerias de 
Sanctiago, Calatrava y Alcantara" verfaßte 50 . Diese Darstellung, die trotz 
ihrer umfangreichen Auswertung dokumentarischen Materials keine Ge- 
samtgeschichte des Ordenswesens beabsichtigte, sondern die Geschichte 
eines jeden der drei Orden in drei Teilen unverbunden nebeneinanderstell- 


239
>>>
te, ist nicht nur ein Zeichen für den Niedergang dieser Institutionen, die in 
der öffentlichen Meinung aufgrund ihrer Adelsproben und Nachweisen der 
limpieza de sangre immer mehr zu Horten des Adelsstolzes und der Gran- 
deza hochadliger Familien geworden waren, ohne dass man sich noch an 
ihre einstigen Zielvorstellungen erinnerte, aber auch ohne dass eine wirkli- 
che Kritik laut geworden wäre, da die Orden als monarchische Institutionen 
den Schutz der Inquisition genossen. Dem Vorwurf an die traditionellen 
Ritterorden, simple "medios para provar nobleza y limpieza" geworden zu 
sein und sich gegenüber der Gesellschaft abgeschlossen zu haben, ent- 
sprach auf der anderen Seite die Forderung, neue Orden in anderen Rei- 
chen, vor allem in den "Indien" zu begründen, die sich auf die früheren Tu- 
genden besinnen und den ansässigen Kreolen breiten Zugang verschaffen 
solltensI. 
Das Wirken des Rades y Andrada war jedoch vor allem ein Zeichen für 
die wirtschaftliche und rechtliche Bedrängnis, in die die Orden durch das 
Königtum geraten waren. Bereits 1529 hatte sich Karl V. von Papst Cle- 
mens VII. das Privileg ausstellen lassen, einen Großteil der Ordensgüter 
nach seinem Gutdünken verwenden und der kaiserlichen Schatulle zuführen 
zu dürfen. Erneuerungen dieses Privilegs bis hin zu Philipp II., die einer 
Aufhebung des Entfremdungsverbots von Kirchengut gleichkamen, hatten 
zu umfassenden Säkularisierungen geführt, so dass es Not tat, die rechtli- 
chen und ideellen Grundlagen der Ritterorden abzusichern. In den folgen- 
den Jahrhunderten stellte jeder der Orden einen offiziellen Ordenshistorio- 
graphen an, dessen Aufgabe darin bestand, die Größe und Berechtigung der 
Institution mittels einer offiziösen, häufig polemischen Geschichtsschreibung 
in bestem Licht erscheinen zu lassen und so jeden Angriff abzublocken. Im 
Vordergrund standen dabei neben der Würdigung des zisterziensischen Gei- 
stes als verbindende Kraft die Absicherung ihrer senorialen Herrschaftsge- 
walt, die Religiösität der Orden, ihre kirchenrechtliche Stellung und ihre 
Beziehungen zum Königtum, von dessen Gunst sie nun abhingen. Faktisch 
kam man dabei über den Stand von Rades y Andrades kaum hinaus, sieht 
man von einigen Ausnahmen wie die von den Templern ausgehende Dar- 
stellung des Rodriguez Campomanes, der originelleren Schrift 'Cister mili- 
tante contra la sarracena furia' des Miguel Ramon Zapater oder wie die auf 
den aufgeklärten Absolutismus zielende Verteidigungsschrift des Priors 
von San Marco und santiaguistischen Klerikers Bernave de Chaves zugun- 
sten des Santiagoordens ab, bis die romantisierende Bewegung des 19. 
Jahrhunderts der Erforschung der Ritterorden wieder neue Impulse verlei- 
hen und auf die moderne wissenschaftliche Beschäftigung mit ihnen ver- 
weisen sollte. Interessanterweise fanden sich ergänzend zur Verteidigung 
der Ritterorden seit dem 16. Jahrhundert auch immer wieder Ansätze zu 
einer vorsichtigen Apologetik bei der Beurteilung des Templerordens und 
des finalen Prozesses, in denen nach Sichtung kontroverser zeitgenössi- 


240
>>>
scher Quellenaussagen und unter Hinweis auf die Freisprüche des Ordens 
in Kastilien, Arag6n und Portugal die Meinung propagiert wurde, die 
spanischen Zweige seien nicht von der allgemeinen Verderbtheit befallen 
gewesen S1. 
In der Realität hatten bereits im Spätmittelalter von ideologischer Seite 
her die monarchischen Orden, Gründungen des Königtums selbst, um den 
Adel an den Hof zu binden, den traditionellen, trotz königlicher Einfluß- 
nahme bis zur Inkorporation unberechenbaren Reconquistaorden den Rang 
abgelaufen. In diesem Zusammenhang ist weniger zu denken an den von 
Alfons X. gegründeten Orden von Santa Maria de Espai'ia, der noch alten 
Traditionssträngen verhaftet war und schließlich mit dem Santiagoorden 
uniert wurde, als vielmehr an den von Alfons XI. nach seinem Scheitern, 
einen Templernachfolgeorden auszustatten, 1330 ins Leben gerufenen, 
nicht monastischen "Orden de la Banda", der als Laienkonfraternität der 
neuen Adelsgesellschaft ein monarchisches Zentrum geben sollte S3 , oder an 
den von Ferdinand von Antequera 1403 begründeten "Orden de la Jarra y el 
Grifo" (Orden von der Stola, den Kanndein und dem Greifen bzw. Mäßig- 
keitsorden)s4. Zwar wurden unter den Habsburgern auch verstärkt Nicht- 
-Spanier, insbesondere Österreicher, in den Santiago - oder Calatravaorden 
aufgenommen, doch sollte schon im Spätmittelalter die Ausstrahlungskraft 
der monarchischen Konfraternitätsorden wesentlich größer sein, wie die 
Verleihungen der Mitgliedschaften innerhalb des Regnum Teutonicum, eben- 
falls mit einem Schwerpunkt im österreichischen Raum, nahelegen SS , Nicht 
eigens betont zu werden braucht, dass sich die habsburgisch-bourbonischen 
Monarchen in den neuzeitlichen Jahrhunderten neue Orden mit ritterlichen 
Formen als höfisch-zeremonielles Instrument schufen, um die Adelsgesell- 
schaft untrennbar mit Hof und Thron zu verschweissen. Verwiesen sei nur 
auf den allein dem Adel vorbehaltenen Orden König Karls III., der 1771 
an läßlich der Geburt des Thronfolgers begründet, der Jungfrau Maria sowie 
dem Mysterium der "Unbefleckten Empfängnis" geweiht und auf ewig den 
spanischen Königen unterstellt wurde, um herausgehobene Adelsvertreter 
unmittelbar an die Person des Königs zu binden 56, Um die kostspielige Aus- 
stattung des neuen Ordens sicherzustellen, erlaubte das Papsttum nicht nur 
den Zugriff auf allgemeine kirchliche Einkünfte sondern auch auf das Fi- 
nanzaufkommen, das alljährlich aus den vakanten Encomiendas der tradi- 
tionellen Ritterorden floß. Andererseits sollte den Reconquistaorden ihre 
Anbindung an das Königtum, ja ihre weitgehende Identifizierung mit Mon- 
archie und klerikaler Hierarchie, seit dem 19. Jahrhundert zum Verhängnis 
werden, da alle antimonarchischen Bewegungen selbstverständlich erbitterte 
Gegner des Ritterordenswesens waren, bei dem sich noch immer beträchtli- 
che Besitztümer und Einkünfte angehäuft fanden, ja das als Vorburg des 
Konservatismus galt. Mit dem Zusammenbruch der Bourbonenherrschaft 
wurden die Orden von der bonapartistischen Monarchie aufgelöst und ent- 


241
>>>
eignet, um mit der Restauration des Königtums unter Ferdinand VII. wieder 
aufzuleben, die kirchliche Hierarchie innerhalb ihrer Territorien neu zu 
ordnen, von den verschiedenen liberalen und revolutionären Regimes des 
19. Jahrhunderts erneut bekämpft und unterdrückt zu werden, bis sie nach 
der bourbonischen Restauration schließlich 1876 unter der Königsherr- 
schaft Alfons XII. ihre Eigenständigkeit wiedererlangten, um nach dem er- 
neuten Scheitern der Monarchie unter König Alfons XIII. durch die Zweite 
Republik 1934 sang- und klanglos abgeschafft zu werden s7 , Selbst unter 
der nationalistischen und latent monarchiefreundlichen Franco-Herrschaft 
sollten sie als eher system fremde Relikte ein Schattendasein führen und erst 
durch die gegenwärtige konstitutionelle Monarchie in bescheidenem Rah- 
men wiedererweckt werden. Ihre gesellschaftliche Bedeutung ist indes seit 
Jahrhunderten permanent gesunken, ihre Existenzberechtigung nach dem 
Verlust der Einkunftsquellen auf das Hofzeremoniell und die Verleihung 
von Ehrenämtern reduziert. 
Das spanische Ritterbild des Mittelalters wurde indes von den mona- 
stisch geprägten Ritterorden schon lange nicht mehr geprägt, hier stützte 
sich der rex als caput militiae auf andere Kräfte und Vorbilder 58 , denen er 
eigene säkulare Ritterorden zuordnete, um breite Zustimmung auch in auf- 
steigenden Adelsschichten zu finden. Das Ritterbild wurde bestimmt durch 
die Vorstellungen Alfons XI. unter Rückgriff auf spätantike Texte und auf 
spätmittelalterliche politische Traktate, die von den Bedürfnissen der Mon- 
archie ausgingen, von Thomas von Aquin, Aegidius Romanus und Johann 
von Wales bis hin zu Alain Chartier s9 , In der kastilischen Historiographie 
wurden diese Vorstellungen transportiert von der "Gran Cronica de Alfon- 
so XI", verfaßt in Weiterführung der bereits erwähnten "Cronica de Al- 
fonso XI" des königlichen Cancil/er dei sello de la Poridad Fernan San- 
chez de Valladolid 60 , von den Werken des königlichen Kanzlers Pero Lopez 
de Ayala (1332-1407l\ der zur zweiten Generation der caballeros de la 
Banda zu rechnen ist, und durch Diego de Valera (1412-1488)61, wobei fran- 
zösische Einflüsse wie durch den "Lancelot du Lac" des Chretien de Troyes 
und den "Amadis de Gaula" durchaus virulent wurden 63 . Die caballeros an- 
dantes der Übergangsepoche zur Neuzeit waren keine Ordensritter, obwohl 
noch Miguel Cervantes y Saavedra im "Don Quijote" seinen versponnenen 
Helden mit Hochachtung von diesen sprechen und sie unter seine Vorläufer 
rechnen läßt 64 , 
Selbst das Franco-Regime, das aus nationalistischer Sicht den Bürger- 
krieg als Cruzada gegen den Sozialismus, Anarchismus und Kommunismus 
sowie die inneren und äußeren Feinde führte 6S ., um erneut eine Reconquista 
Spaniens, eine Rückeroberung Spaniens von den Ungläubigen, durchzufüh- 
ren und die traditionellen Werte sowie die Kirche des Katholizismus zu 
verteidigen 66 , griff direkt auf die Kreuzzugsidee zurück und bettete die Rit- 
terorden dort lediglich ein, machte die Gestalt des lange vor der Entstehung 


242 


.......
>>>
der Ritterorden wirkenden Cid als spanischen Nationalhelden 67 und den 
Santiago Matamoros als spanischen Nationalheiligen 68 zu seinen Banner- 
trägern, ohne daß der Gründung des Santiagoordens durch Ferdinand 11. von 
Leon oder der Fürsorge Alfons VIII. von Kastilien für den Calatravaorden 
größere ideologische Bedeutung zugemessen worden wäre. Allerdings stellt 
sich die Frage, ob ein solches öffentliches Vergessen kein gnädigeres 
Schicksal war als die Fortexistenz der Templer in Form von Teufelsdienern 
und Gruselgestalten. 


Anmerkungen 


1 VgI. zum Genre und Einzelbeispielen M. Nikele, Horrorfilm als kultisches Phänomen 
der Gegenwart. Eine medienpädagogische Betrachtung, Alfeld 1996, bes. S. 30 ff. 
2 VgI. P. Partner, The Murdered Magicians. The Templars and their Myth, Oxford-New 
York 1982, aber auch das populäre, weit verbreitete Werk von M. Baigent - R. Leigh, Der 
Tempel und die Loge. Das geheime Erbe der Templer in der Freimaurerei, Bergisch Glad- 
bach 1990 u. Augsburg 1999. Speziell zu "Baphomet" s. nun A. Krüger, Das.. Baphomet- 
-Idol". Ein Beitrag zur Provenienz der Hauptvorwürfe gegen den Templerorden, in: Hi- 
storisches Jahrbuch 119, 1999, S. 120-133 (mit weiterflIhrender Lit.). 
3 Stellvertretend sei an dieser Stelle nur auf die in Deutschland außergewöhnlich popu- 
läre und erfolgreiche Serie "Terra X" des Zweiten Deutschen Fernsehens verwiesen, in der 
immer wieder die Templer, ihre angeblich geheimnisvollen und verderbten Riten sowie ihr 
sagenhafter Schatz thematisiert werden; so in der Folge, Der Templer-Coup von Portugal 
- Schwertbrüder, vom 31. Oktober I 999 (Film von G. Kirchner; Redaktion: H. Lippert). 
VgI. auch einen entsprechenden, zum Kauf angebotenen Videofilm: G. Kirchner - D. 
Grossherr, Vom Gold des K6nigs Salomo zum Schatz der Templer. 
4 VgI. zum Templerprozeß immer noch grundlegend H. Finke, Papsttum und Untergang 
des Templerordens, 2 Bde., Münster i. W. 1907, sowie fernerhin M. Barber, The Trialof 
the Templars, Cambridge 1978, aber zu den Verfahren in Kastilien und Katalonien nun 
G. Martinez Dlez, Los Templarios en la Corona de Castilla, Burgos 1993, S. 2 I I ff., 23 I ff., 
und weiterhin C. Estepa, La disolucion de la Orden dei Temple en Castilla y Leon, in: Cua- 
dernos de Historia 6: Estudios sobre la sociedad hispanica en la Edad Media, Madrid 1975, 
S. 121-186, sowie J. M. Sans i Trave, Eis Templers a Catalunya. De la rosa a la creu, 
L1eida 1996. Zur Gestalt des Jacques du Molay siehe außer M. Barber, James of Molay, the 
last Grand Master ofthe Order ofthe Temple, Studia Monastica 14, 1972, S. 91-124, v.a. 
J. Fried, Wille, Freiwilligkeit und Geständnis um 1300. Zur Beurteilung des letzten Tem- 
plergroßmeisters Jacques de Molay, Historisches Jahrbuch 105, 1985, S. 388-425. 
5 Barber, The Trial (wie Anm. 4); Fried, Wille (wie Anm. 4). 
6 V gl. Partner, The Murdered (wie Anm. 2), bes. S. 134 ff., 156 ff. 
7 Grundlegend zur Geschichte der Templer auf der Iberischen Halbinsel sind für die 
Krone Arag6n die Studien von A. J. Forey, The Templars in the Corona de Aragon, London 
1973, P. Schickl, Die Entstehung und Entwicklung des Templerordens in Katalonien und 
Aragon, Spanische Forschungen der Görresgesellschaft. Gesammelte Aufsätze zur Kultur- 
geschichte Spaniens 28, 1975, S. 91-228 gowie M. L. Ledesma Rubio, Templarios y Hos- 
pitalarios en el Reino de Aragon, Zaragoza 1982; dies., Las Ordenes Militares en Aragon, 
Zaragoza 1994; flIr Kastilien Martlnez Dfez, Los Templarios (wie Anm. 4), pass.; fllr Na- 


243
>>>
varra S. A. Garcla Larragueta, EI Temple en Navarra, Anuario de Estudios Medievales I 1, 
1981, S. 635-661. Als allgemeine Forschungsberichte, die in die fast nicht mehr zu über- 
blickende Literatur zur Geschichte der Ritterorden auf der Iberischen Halbinsel einführen, 
s. außer dem grundlegenden, die ältere Forschung im großen ganzen komplett erfassenden 
Bericht von D. W. Lomax, Las ordenes militares en la Peninsula Ibirica durante la Edad 
Media, Repert6rio de Historia de las Ciencias Eclesiasticas en Espafta 6, 1976, S. 9-110, 
auch sep. Salamanca 1976, v.a. E. Benito Ruano, La investigacion reciente sobre las Orde- 
nes Militares hispanicas, ACidade de Evora 59, 1976 S. 54-67; M. Sim6n Galindo, Esbo- 
zo bibliografico de Alcantara y comarca, in: Anales de Adeco, Alcantara 1987, S. 81- 
-205; E. Rodriguez-Picavea MatiIIa, Catorce anos de historiografia sobre la Orden de 
Calatrava en la Edad Media (/976-1989), Hispania 50, 1990, S. 941-964; J. V. Matellanes 
Merchan, Historiografia medieval de la Orden de Santiago en los Ultimos anos (/974- 
-1989), ebd., S. 965-985; A. J. Forey, The Military Orders from the Twelfth to the Early 
Fourteenth Centuries, London- Toronto 1992; C. de Ayala Martinez, C. Barquero Gofti, 
J. V. Matellanes Merchan, F. Novoa Portela, E. Rodrlguez-Picavea MatiIIa, Las Ordenes 
Militares en la Edad Media peninsular. Historiografia 1976-92. I. Reinos de Castilla y Leon, 
MedievaIismo 2, 1992 S. 119-169; C. de Ayala Martlnez, F. Andres Robres, J. V. Matella- 
nes Merchan, S. e I. Morgado de Silva, F. Novoa Portela, M. C. Pi menta, E. Rodriguez- 
-Picavea MatiIIa, Las Ordenes Militares en la Edad Media peninsular. Historiografia 
1976-92. ll. Corona de Aragon, Navarra y Portugal, MedievaIismo 3, 1993, S. 87-144. 
8 Siehe anhand des Johanniterordens als Fallbeispiel A. J. Forey, The Militarisation of 
the Hospital of St. John, Studia Monastica 26, 1984, S. 75-89; C. Barquero Goni, EI car- 
acter militar de la Orden de San Juan en Castilla y Leon (siglos XII-XV), Revista de Hi- 
storia Militar 73, 1992, S. 53-80, und allg. R. Hiestand, Die Anfänge der Johanniter, in: 
Die geistlichen Ritterorden Europas (Vorträge und Forschungen XXVI), hg. v. J. Flecken- 
stein, M. Hellmann, Sigmaringen 1980, S. 3 1-80. 
9 VgI. Forey, The Military (wie Anm. 7); MartInez Dlez, Los Templarios (wie Anm. 4); 
Ledesma Rubio, Templarios (wie Anm. 7). 
10 Partner, The Murdered (wie Anm. 2), S. 179f. 
11 Vgl. dazu alIg. fUr den gesamteuropäischen Rahmen E. Siberry, Criticism of Cru- 
sading, 1095-1274, Oxford 1985, sowie E.-D. Hehl, Kirche und Krieg im 12. Jahrhundert. 
Studien zu kanonischem Recht und politischer Wirklichkeit, Stuttgart 1980. 
12 V gI. H. Nicholson, Templars, Hospitallers and Teutonic Knights. Images of the Mili- 
tary Orders, 1128-1291, Leicester-London-New York 1995, pass. 
13 Ebd., S. 43f., 82 ff., 127f. 
14 A. Javierre Mur, Aportacion al estudio dei proceso contra el Temple en Castilla, Re- 
vista de Archivos, Bibliotecas y Museos 69, 1961, S. 98-100, Nr. XII zu [1310]. 
15 Ebd., S. 99. VgI. auch Martlnez Diez, Los Templarios (wie Anm. 4), S. 224f. sowie 
P. Linehan, History and the Historians of Medieval Spain, Oxford 1993, S. 550. 
16 MartInez Dlez, Los Templarios (wie Anm. 4), S. 21 I ff., bes. S. 220 ff. 
17 VgI. S. Menache, Contemporary attitudes concerning the Templars ' affair: propagan- 
da'sfiasco?, Journal ofMedieval History 8,1982, S. 135-147. 
18 Conci/iorum oecumenicorum decreta, ed. J. Alberigo, et aI. (Bologna 1973, Ndr. 
2000) (weiterhin zit. COD), S. 343-346; cfr. Regestum Clementis papae Vex vaticanis ar- 
chetypis, cura et studio monachorum O. S. B., 9 vol., Rome 1885-1888, hier Nr. 7885- 
-7886, 7952. Vgl. auch C. Gutierrez dei Arroyo (ed.), Catalogo de la documentacion navar- 
ra de la Orden de San Juan de Jerusaten en el Archivo Historico Nacional. Siglos XII-XIX, 
Vol. I, Pamplona 1992, S. 67, Nr. 196-197. Zur Diskussion s. Finke, Papsttum und Unter- 
gang (wie Anm. 4) I, S. 368f.; E. Müller, Das Konzil von Vienne 1311-1312. Seine Quel- 
len und seine Geschichte, Münster i. W. 1934, S. 42f., 225, 227, 417, 651. 


244
>>>
19 Gutierrez dei Arroyo, Catalogo I, S. 67f., Nr. 198- 199. S. 16, Nr. 14 (Übertragung der 
Templergüter in Navarra auf den Johanniterorden durch König Ludwig I. von Navarra 
[ab 13 14 Nov. 29 König Ludwig X. 'Ie Hutin' von Frankreich] von 1313 April 20). Vgl. 
S. Garcla Larragueta. La Orden de San Juan de Jerusalen en Navarra. Siglo XIV, in: Las 
Ordenes Militares en el Mediterraneo Occidental. Siglos XIII-XVIII, Madrid 1989, S. 109- 
-110. 
20 E. Guinot Rodrlguez, La fundacion de la Orden Mi/itar de Santa Maria de Montesa. 
Saltabi 3 I, 1985, S. 73-86; ders., Feuda/ismo en expansion en el norte valenciano. Antece- 
dentes y desarollo dei senorio de la Orden de Montesa. Siglos XII y XIV, CastelI6n 1986; 
ders.. Eis estudis sobre I 'orde de Montesa en temps medievals i les seves bases documen- 
tals. Saitabi 44. 1994, S. 23-32 (als speziellen Forschungsbericht); L. Garcla-Guijarro Ra- 
mos, Los origenes de la Orden de Montesa, in: Las Ordenes Militares (wie Anm. 19), 
S. 103-138; zu längerfristigen Perspektiven L. Pagarolas i Sabate. Eis Templers de les 
terres de I'Ebre (Tortosa). De Jaume I fins a l'abo/icio de l'Orde (/2/3-/312), 2 Vols., 
Tarragona 1999. 
21 Vgl. Guinot Rodrlguez, Lafundacion (wie Anm. 20). 
22 Zu diesem Ritterorden und seiner Entwicklung s. R. Salnz de la Maza i Lazoli, La 
Orden de San Jorge de Alfama. Aproximacion a su historia. Barcelona 1990; Dies., L 'orde 
cata/Q de Sant Jordi d'Alfama (/201-1400), Lleida 1991; dies., Precedentes de la incor- 
poracion de la Orden de San Jorge de Alfama a la de Montesa en 1400. EI maestre Cri- 
stobal Gomez (/387-/394), in: Actes de fes Primeres Jornades sobre eis Ordes Religioso- 
-Militars als Paj'sos Catalans (segles Xli-XIX), Tarragona 1994. S. 567-577. 
23 Monumenta Henricina, V 01. I. Coimbra 1960, S. 97-1 10, Nr. 6 I; cfr. ibid., S. 88-90, 
Nr. 58. S. 90-95, Nr. 59. 
24 Definifoes e Estatvtos dos Cavalleiros, & Freyres da Ordem de N. S. lesu Christo, 
com a historia da origem. & principio della, Lisboa 1628, S. 4-27f. 
2S Ebd., f. 27-28; P. Dupuy, Histoire du differend d'entre le pape Boniface nll et Phil- 
ippe le Bel roy de France, Paris 1655, S. 500 ff. 
26 Vgl. e. Gonzalez Mlnguez, Fernando IV de Castilla (/295-/312). La guerra civil y el 
predominio de la nobleza (ValIadolid 1976); S. de Mox6, La sociedad politica castellana 
en la epoca de Alfonso XI. Cuadernos de Historia 6, 1975, S. 187-326. 
27 V gl. e. Barquero Goni, EI conflicto por los bienes templarios en Castilla y la Orden 
de San Juan, En la Espafta Medieval 16, 1993, S. 37-54. Am 14. März 1319 sollte Johan- 
nes XXII. Fernando Rodrlguez, dem Prior des Johanniterordens in den Reichen von Kasti- 
lien und Le6n. die Verwaltung der Templergüter in diesen Reichen übertragen (e. de Ayala 
Martinez, Libro de Privilegios de la Orden de San Juan de Jerusalen en Castilla y Leon 
[Siglos XII-XV]. Ms. H2 I I dei Museum and Library of the Order of St. John, de Londres, 
Madrid 1995, S. 662-664, Nr. 415; G. Mollat, Jean XXII. 1316-1334. Lettres communes, 
Paris 1904-1947, Nr. 9057). 
28 Goni. EI conflicto (wie Anm. 27) S. 40 ff.; S. de Mox6, Relaciones entre la Corona 
y las Ordenes militares en el reinado de Alfonso XI, in: VII Centenario dei Infante 
D. Fernando de la Cerda, 1275-1975, Madrid 1976, S. 117-158. Zu den Versuchen Al- 
fons' XI., einen Nachfolgeorden zu den Templern zu begründen, s. P. Linehan. History (wie 
Anm. 4), S. 577 ff. 
29 Aus der Fülle der Literatur zu diesen Ritterorden seien nur herausgegriffen D. W. Lo- 
max, La Orden de Santiago (/ I 70-1275), Madrid 1965; J. L. Martin, Origenes de la Orden 
Militar de Santiago (/170-1195), Barcelona 1974; P. A. Porras Arboledas, Los senorios de 
la Orden de Santiago en su provincia de Castilla durante el siglo XV. 2 Bde.. Madrid 1982; 
J. F. O'Callaghan, The Spanish Military Order of Calatrava and its Affiliates. Collected 
Studies, London 1975; B. Schwenk, Calatrava. Entstehung und Frühgeschichte eines spa- 


245
>>>
nischen Ritterordens zisterziensischer Observanz im 12. Jahrhundert, Münster i. W. 1993; 
E. Solano Ruiz, La Orden de Calatrava en el siglo XV. Los seiiorios castellanos de la 
Orden alfin de la Edad Media, Sevilla 1978; F. Gutton, L'Ordre d'Alcantara, Paris 1975; 
R. Pinto de Azevedo. A Orden Militar de San Juliao de Pereiro, depois chamada de Alcan- 
tara. Anuario de Estudios Medievales I I, 1981, S. 713-729; M. F. Ladero Quesada, La 
Orden de Alcantara en el siglo XV. Datos sobre su potencial militar, economico y demo- 
grafico, in: En la Espaiia Medieval, J/. Estudios en memoria dei professor D. Salvador de 
Moxo, Madrid, 1982, S. 499-542; L. Corral Val, Organizacion y vida religiosa en la Orden 
de Alcantara desde sus origenes hasta su incorporacion a la Corona, En la Espai'la 
Medieval 19, 1996, S. 77-97; ders., Los monjes so/dados de la Orden de Alcantara en la 
Edad Media. Su organizacion institucional y vida religiosa, Madrid 1999. 
30 Siehe A. Castro, La realidad historica de Espaiia, Mcxico 1980 7 , S. 408 ff.; dazu 
G. Araya. EI pensamiento de Americo Castro. Estructura intercastiza de la historia de 
Espaiia, Madrid 1983, S. I 12 ff. 
31 Siehe dazu L. Vones, Die Landnahme der Ritterorden von Santiago und Calatrava in 
der Extremadura, Andalusien und Murcia im 13. Jahrhundert. in: Ritterorden und Region 
- politische, soziale und wirtschaftliche Verbindungen im Mittelalter, hg. v. Z. H. Nowak 
(Ordines militares. CoIloquia Torunensia Historica VIII), Torun 1995, S. 67-90 (mit weite- 
rer Lit.). 
32 Vgl. S. de Mox6, La sociedad politica castellana en la epoca de Alfonso XI, Cua- 
dernos de Historia 6: Estudios sobre la sociedad hispanica en la Edad Media, Madrid 1975, 
S. 187-326, bes. S. 246 ff. 
33 Zu den Hintergründen des Konflikts, die hier nicht im einzelnen behandelt werden 
können, vgl. jetzt E. Cabrera, A. Moros, Fuenteovejuna. La violencia antisenorial en el 
siglo XV, Barcelona 1991. 
34 Vgl. H. Flasche, Geschichte der spanischen Literatur, Bd. 2, Bern-München 1982, 
S. 449f.; T. J. Kirschner, EI protagonismo colectivo en Fuenteovejuna, Salamanca 1979. 
3S Lope de Vega, Cristöbal de Monroy, Fuenteovejuna (Dos comedias), ed.. F. L6pez 
Estrada. Madrid 1978. Vgl. F. L6pez Estrada, Fuenteovejuna en el teatro de Lope y Monroy 
(consideracion critica de ambas obras), Sevilla 1965. 
36 Zu ihm s. nun die große, ein Lebenswerk abschließende Biographie von P. RusselI, 
Prince Henry 'the Navigator '. A Life, New Haven-London 2000, bes. S. 76 f1, sowie ders., 
Portugal, Spain and the African Atlantic: Chivalry and Crusade from John of Gaunt to 
Henry the Navigator, Aldershot-Brookfield 1995. 
37 So RusselI, Prince Henry (wie Anm. 34), S. 79f. 
38 Ebd., S. 6f., und L. de Albuquerque, Os "Sabios" Henriquinos e a ..Escola de Sagres", 
Vcrtice 63. 1994, S. 81-86. 
39 Siehe jetzt C. de Ayala Martlnez, La Corona de Castilla y la incorporacion de los 
Maestrazgos, in: Militarium Ordinum Analecta I, Porto 1997, S. 203-292. 
40 Zur Geschichte der spanischen Kirche während der Frühen Neuzeit s. R. Garcia- 
-Villoslada (dir. por), Historia de la Iglesia en Espaiia, Vol. 111_1° y 111-2°, Madrid 1980, 
und A. Milhou, Die Iberische Halbinsel, in: Von der Reform zur Reformation (/450-1530) 
-= Die Geschichte des Christentums, Bd. 7, hg. v. M. Venard, H. SmoIinsky, Freiburg- 
-Basel-Wien 1995, S. 383-414, bes. S. 407, sowie Ders., in: Die Zeit der Konfessionen 
(/530-1620/30) = Die Geschichte des Christentums, Bd. 8, hg. v. M. Venard, H. Smolinsky, 
Freiburg-Basel-Wien 1992, S. 662-726. 
41 Vgl. L. P. Wright, The Military Orders in Sixteenth- and Seventeenth-Century Spa- 
nish Society: The Institutional Embodiment of 0 Historical Tradition, Past & Present 43, 
1969, S. 34-70; ders., Las 6rdenes Militares en la sociedad espaiiola de los siglos XVI 
y XVJ/. La encarnacion institucional de una tradicion historica, in: Poder y Sociedad en la 


246
>>>
Espana de los Austrias, Barcelona 1982; E. Postigo CastelIanos, EI Consejo de las Ordenes 
Militares: la fundacion y las reformas de Carlos V, Hispania Sacra 39. 1987 S. 537-566; 
Dies.. Honor y privilegio en la Corona de Casti/la: el Consejo de las Ordenes y los cabal- 
leros de habito en el siglo XVIl, ValladoIid 1988; J. I. Ruiz Rodriguez, e. L6pez Gonzalez, 
Poder jurisdiccional en tierras de las Ordenes Militares en tiempos de Herntin Cortes: EI 
Consejo de Ordenes frente a las Chanci/lerias. Extremadura 1988; F. Fernandez Izquierdo. 
La Orden Militar de Calatrava en el siglo XVI, Madrid 1992; ders., La Orden de Calatrava 
en la Edad Moderna, in: Las Ordenes Militares (wie Anm. 19). S. 181-213. 
42 Vgl. M. da Silva Castelo Branco, As Ordens Militares na Expansiio Portuguesa: Vice- 
-Reis e Governadores da India que, no seculo XVI, tiveram os habitos de Avis. Cristo 
e Santiago. in: As Ordens Militares em Portugal, Palmela 1991. S. 57-66. 
43 Zu Einzelheiten s. S. de Moxo. Las desamortizaciones eclesiasticas dei siglo XVI, 
Anuario de Historia dei Derecho Espai'lol 3 I. 1961, S. 327-361. 
44 Vgl. zum Orden von Santiago, dem die reichsten Einkünfte zuflossen, J. I. Ruiz Rodri- 
guez, Organizacion politica y economica de la Orden de Santiago en el siglo XVIl (Los 
hombres. la economia y las instituciones), Ciudad Real 1993. 
45 A. M. Aguado, Rendes i patrimoni senyorial de l'Orde de Montesa davant la desa- 
mortizacio de Godoy, in: Actes (wie Anm. 22). S. 597-602. 
46 F. Sim6n Segura, La Desamortizacion espanola dei siglo XIX, Madrid 1973; J. Ven- 
tura i Subirats, La situacio economica dels Ordes Militars en eis quinquennis posteriors 
a la Desamortizacio, in: Actes (wie Anm. 45), S. 603-615. 
47 Siehe D. W. Lomax, La historiografia de las Ordenes Militares en la Peninsula 
Ibirica, 1100-1550, Hidalguia 23, 1975, S. 71-74. 
48 Roderici Ximenii de Rada Historia de rebvs Hispaniae sive Historia Gothica. ed. 
J. Fernandez Valverde (Ce. Cont. Med. LXXII), Turnholti 1987. 
49 Vgl. dazu außer Lomax. La historiografia (wie Anm. 47) noch E. Postigo CastelIanos. 
Las Ordenes Militares castel/anas en la historiografia de los siglos XVI al XX, Hidalguia 
35, 1987, S. 353-373. 
50 F. de Rades y Andrada, Chronica de las tres Ordenes y Caval/erias de Sanctiago. 
Calatrava y Alcantara, Toledo 1572; Faks. Ndr. Barcelona 1980. Nur kurze Zeit später 
erschien die im gleichen Geist geschriebene, aber von partikularerer Sichtweise geprägte 
Coronica de la orden de Alcantara des A. de Torres y Tapia. Madrid 1763. 
51 Vgl. R. Ment
ndez Pidal, Historia de la Cultura Espanola. EI siglo dei Quijote (/580- 
1680). Vol. I: Religion. Filosofia. Ciencia, Madrid 1996, S. 382ff. Das Zitat findet sich bei 
e. Perez de Herrera. Discursos dei amparo de los legitimos pobres y de la reduccion de los 
fingidos, y de la fundacion y principio de los albergues de estos reinos y amparo de la mi- 
licia de eI/os..., Madrid 1598, ed. de M. Cavaillac, Madrid 1975, fol. 12. 
52 Vgl. A. K. Wildermann, Die Beurteilung des Templerprozesses bis zum 17. Jahrhun- 
dert, (Scrinium Friburgense 3). Freiburg/Schweiz 1971, S. 160 ff.. der auch die Ordenshi- 
storiographie bespricht. 
53 Zum 'Orden de la Banda' s. zusammenfassend D. J. D. Boulton. The Knights of the 
Crown. The Monarchical Orders of Knighthood in Later Medieval Europe. /325-1520. 
Woodbridge, Suff. 1987, S. 46 ff.; A. de CebalIos-Escalera y Gila, La orden y divisa real 
de la Banda de Casti/la, Madrid 1993. 
54 J. Torres Fontes. Don Fernando de Antequera y la romantica cabal/eresca. Mis- 
celanea Medieval Murciana 5, 1980, S. 83-120; Boulton, The Knights (wie Anm. 53). 
S. 330 ff. 
55 Vgl. den Überblick von F.-H. von Hye, Testimonios sobre ordenes de cabal/eria es- 
panolas en Austria y estados vecinos (Bohemia, Alemania, Suiza y Hungria), En la Espai'la 
Medieval 16, 1993, S. 169-187, sowie A. Coreth, Orden von der Stola und den Kanndein 


247 


J.....
>>>
und dem Greifen (Aragonesischer Kannenorden), Mitteilungen des Österreichischen Staats- 
archivs 2, 1952, S. 34-62. 
56 Zum Verhältnis Karls III. zu den Eliten des Staates s. J.-P. Amalric, Les elites: ge- 
nese. apogee et crise des lumieres, in: Histoire des Espagnols, VI'-XX' siecles, ed. B. Ben- 
nassar, Paris 1985; Ndr. 1992, S. 589-624. 
57 Zu den politischen Strömungen des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts 
s. immer noch die ausgewogene Studie von R. Carr, Spain 1808-1975, Oxford 1975; 11966. 
der den Zugang zur spanischen Spezialliteratur eröffnet. 
58 VgI. alIg. J. D. R. Velasco, EI debate sobre la caballeria en el siglo Xv. La tratadisti- 
ca caballeresca castellana en su marco europeo, ValIadolid 1996. 
59 Ebd., S. 79 ff.. 9 I ff. 
60 Gran Cronica de Alfonso XI, ed. D. Catalän, 2 Bde., Madrid 1976. VgI. D. Catalän, 
ebd., Bd. I. S. 7-267; ders.. Un cronista dei siglo XIV. La Gran Cronica de Alfonso XI: 
hallazgo, estilo, reconstruccion, Canaria 1955, und ders., La tradicion manuscrita en la 
'Cronica de Alfonso X/', Madrid 1974. 
61 Vgl. L. Suarez Fernandez, EI Canciller Ayala y su tiempo (J 332-1 407), Vitoria 1962; 
M. Garcia, Obra y personalidad dei Canciller Ayala. Madrid 1983. 
62 Velasco. EI debate (wie Anm. 58), S. 153 ff., 195 ff. 
63 Vgl. R. B. Tate, Lopez de Ayala, historiador humanista?, in: ders., Ensayos sobre la 
historiografia peninsular dei siglo XV, Madrid 1975, S. 33-54; H. L. Se ars, The Rimado de 
Palacio and the .. De regimine principum" tradition of the Middle Ages. Hispanic Review 
20, 1952, S. 1-27. 
64 VgI. zu den caballeros andantes außer Velasco, EI debate (wie Anm. 58) noch M. de 
Riquer, Vida caballeresca en la Espana dei siglo XV, Madrid 1965, und ders., Caballeros 
andantes espai'loles, Madrid 1973; zur literarischen Wertung des 'Quijote' s. M. de Riquer, 
'EI Quijote', in: R. Ment
ndez Pidal, Historia de la Cultura Espanola. EI siglo dei Quijote 
(/580-1680). Vol. 11: Las Letras. Las Artes, Madrid 1996, S. 195-255. 
65 So erhielt das offiziöse Hauptwerk über die Geschichte des Bürgerkriegs aus nationa- 
listischer Sicht den Titel: 'Historia de la cruzada espanola " 35 Foliobände, Madrid 1940- 
-1943. Vgl. E. O'Duffy, Crusade in Spain. London 1938; E. Rodriguez Tarduchy. Signifi- 
cacion historica de la cruzada espanola, Madrid 194 I; J. de Iturralde. EI catolicismo y la 
cruzada de Franco, 2 Bde., Bayonne 1955. Es scheint fast müßig hinzuzufllgen, daß ein 
Teil der Darstellungen aus der Feder von unmittelbar Beteiligten stammte. Interessanterwei- 
se wurde die Kreuzzugsidee auch von den republikanisch-sozialistischen Kräften aufgegrif- 
fen. Vgl. G. Regler, The Great Crusade. New York-Toronto 1940; R. A. Rosenstone, Cru- 
sade ofthe Left: The Lincoln Bataillon in the Spanish Civil War, New York 1969. 
66 VgI. z.B. E. Esperabe Arteaga. La guerra de la reconquista espanola. Madrid 1939. 
67 Zur historischen Gestalt des Cid und seinem Nachleben s. insb. G. Martinez Diez, EI 
Cid historico. Un estudio exhaustivo sobre el verdadero Rodrigo Diaz de Vivar, Barcelona 
1999, und R. A. Fletcher, The Quest for EI Cid, London 1989, sowie M. E. Lacarra, EI 
Poema de Mio Cid. Realidad Historica e Ideologia, Madrid 1980, und für den litetarischen 
Bereich Chr. Rodiek, Sujet - Kontext - Gattung. Die internationale Cid-Rezeption, Ber- 
lin-New York 1990. 
68 Vgl. K. Herbers. Politik und Heiligenverehrung auf der Iberischen Halbinsel. Die 
Entwicklung des 'politischen Jakobus ., in: Politik und Heiligenverehrung im Hochmittelal- 
ter, (Vorträge und Forschungen XLII), hg. v. J. Petersohn, Sigmaringen 1994, S. 177-275.
>>>
ORDlNES MILlT ARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA XI - 200 I 
VERGANGENHEIT UND GEGENWART DER RITTERORDEN 


Marian Arszynski (Torun) 


Das Bild aus dem Gerichtssaal des Rathauses in Kulm 
(Chelmno). Eine Randnote zum Problem der neuzeitlichen 
Rezeption und Instrumentalisierung der mittelalterlichen 
Landesgeschichte in Königlich - Preußen 


Das Rathaus in der Stadt Kulm, ein hervorragendes Werk der polni- 
schen Renaissance-Architektur, wurde unter Einbeziehung der Teile eines 
gotischen Vorgängerbaues, in den Jahren 1567-1572 neu errichtet., In sei- 
nem alten Gerichtssaal hat sich ein wesentlich jüngeres Gemälde erhalten 1 , 
welches zwar keinen Anspruch auf ein höhere, künstlerische Qualität erhe- 
ben kann, dem man aber dafür eine beachtliche Aussagekraft als geschicht- 
liche Quelle zugestehen muß. Gerade wegen seines Quellenwertes lohnt es 
sich. dieses Gemälde, welches bisher immer nur beiläufig am Rande einiger 
Aufsätze erwähnt wurde 3 , in den Kreis der Aufmerksamkeit der Teilnehmer 
des diesjährigen Colloquiums zu rücken. 
Doch bevor wir an die Lösung dieser Hauptaufgabe herantreten, halte 
ich es für sinnvoll, die Leser an einige Fakten aus der Geschichte der Stadt 
und ihrer Umgebung zu erinnern. Eine solche Vergegenwärtigung gewisser 
geschichtlicher Kontexte scheint mir nämlich bei dem folgenden Versuch 
einer Deutung des genannten Bildes unabkömmlich zu sein. 
Die Umgebung der Stadt Kulm gehörte im 10, Jahrhundert zu den schon 
ziemlich dicht besiedelten Teilen des Weichsellandes. Doch sollte nicht 
unerwähnt bleiben, dass man die Spuren von früheren, sich immer wieder- 
holenden Siedlungswellen bis in die jüngere Steinzeit zurückverfolgen kann 4 , 
An der Neige des 10. Jh. gehörte das Kulmerland zum Herrschaftsgebiet 
des polnischen Teilfürstentums Masowien. Um die Wende vom 11. zum 12. 
Jahrhundert hat sich die schon seit einiger Zeit am hiesigen Sitz der masowi- 
schen Verwaltung (Kastellanei) bestehende Burgsiedlung, zu einem regio- 


249 


l.....
>>>
nalen Zentrum des Handels und des Handwerks entwickelt s . Diese Anlagen, 
höchstwahrscheinlich mit den Burgwallresten in Kaldus (ca. 5 km südlich 
der heutigen Stadt gelegen) identisch, hat dann um 1220 der erste preußi- 
sche Bischof Christian als Stützpunkt für seine Bekehrungsversuche der 
Einheimischen benutzt 6 , 
Demnach kann also kein Zweifel darüber bestehen, dass schon lange 
vor der Ankunft des Deutschen Ordens diese Gegend zum Mittelpunkt eines 
von Masowien aus geleiteten Siedlungswerkes und zum wirtschaftlichen 
und politischen Schwerpunkt der ganzen Region geworden ist. 
Diese Tradition hat dann nach 1230, in die Fußstapfen seiner Vorgänger 
steigend, der Deutsche Orden aufgegriffen. Zwar hat er aus bisher ungeklär- 
ten Gründen auf eine direkte Anknüpfung an die alte Siedlungsanlage in 
Kaldus verzichtet, doch in ihrer unmittelbaren Nähe, an einem Ort welcher 
später den Namen Althaus (Starogr6d) erhielt, eine Stadt gegründet, die Kulm 
benannt worden ist. Diese Neusiedlung wurde aber sehr bald etwas weiter 
verlegt - zuerst an den Fuß des Abhanges der nahen Weichselterrasse, 
dann aber höher, auf ihren Rand, wo sie sich endgültig entwickelt hat und 
bis jetzt befindee, Sie wurde von vornherein zur "civitas capitale" für den 
ganzen Herrschaftsbereich des Ordens erklärt, und die ihr in der Handfeste 
verliehene Rechtsordnung sollte für alle späteren Stadtgründungen als Mu- 
ster gelten 8 . Deshalb wurde auch der hiesige Stadtrat zum obersten Beru- 
fungsorgan für alle nach diesen Rechten urteilenden Gerichte bestellt 9 . 
Obwohl die oberste Landesbehörde des Deutschen Ordens und auch der 
Bischof schon nach 1250 ihre ursprünglich hier angelegten Sitze an andere 
Orte verlegt haben lO , hat die Stadt einstweilen nur wenig an ihrer Bedeu- 
tung eingebüßt. Noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hat sie wei- 
terhin eine gewichtige Rolle gespielt - z.B. in der Wiederstandsbewegung 
gegen den Deutschen Orden ll . Doch schon in der zweiten Hälfte desselben 
Jahrhunderts ist Kulm - durch die Folgen des Dreizehnjährigen Krieges 
wirtschaftlich völlig zerrüttet - ein für allemal zum Range einer unbedeu- 
tenden Mittelstadt herabgesunken 11. 1m Jahre 1505 erfolgte die Übergabe 
der Stadt an die Bischöfe von Kulm. 
Die neuen Stadtherren haben im Zuge der Gegenreformation alle Prote- 
stanten aus der Stadt verwiesen, Im Ergebnis dieser Maßnahme hat Kulm 
unter den Städten Königlich-Preußens, in Bezug auf konfessionelle Zu- 
stände, eine ganz besondere Position eingenommen - alle ihre Bürger wa- 
ren katholischen Glaub ens l3, Deswegen war hier die Einstellung zum ka- 
tholischen Deutschen Ritterorden viel freundlicher als in den protestanti- 
schen Großstädten Preußens l4 , 
Vor diesem kurz umrissenen historischen Hintergrund können wir nun 
das Thema dieses Beitrages näher betrachten. 
Das erwähnte Gemälde wurde 1743 von einem sonst unbekannten, 
wahrscheinlich örtlichen Maler Jan Roszkowski geschaffen ls . Der Künstler 


250
>>>
hat auf diesem Bild drei nebeneinander stehende männliche Gestalten dar- 
gestellt. Die zwei seitlich stehenden Männer tragen das Kleid des Deut- 
schen Orden - so wie es im 17. und 18. Jahrhundert dargestellt wurde l6 . 
Schon beim ersten Anblick taucht sogar die Vermutung auf, daß für die 
Darstellung der im Bilde links, mit geschultertem Schwert stehenden Ge- 
stalt, eine Illustration aus dem Hartknoch'schen Werk als direkte Vorlage 
gedient hat - und zwar das dort abgebildete imaginäre Porträt Herrmanns 
von Salza 17. Diese auf Grund der augenfälligen Ähnlichkeit beider DarrsteI- 
lungen nahe liegende Vermutung wird durch die Aussage der am bespro- 
chenen Bilde angebrachten Inschrift als richtig bestätigt. Genau so wird 
nämlich diese Gestalt dort auch benannt l8 . 
Der im Bilde rechts, mit dem gesenkten Schwert dargestellte Ordensrit- 
ter wird durch die schon erwähnte Bildinskription als Eberhard von Sayn 
bezeichnet 19 , Die Fortsetzung dieser Inschrift bildet darüber hinaus auch 
eine wichtige Glosse zur Beantwortung der Frage nach der Ursache der 
Herstellung des Gemäldes. 
In der Amtszeit Herrmann von Salza als Hochmeister wurde nämlich 
der Stadt Kulm - im Jahre 1233 - die Handfeste verliehen 10 , In der 
Amtsperiode Eberhards von Sayn als Deutschmeister und Bevollmächtigte 
des Hochmeisters für Preußen und Livland wurde dann diese Handfeste, in 
einem verheerenden Stadtbrand vernichtet, im Jahre 125 I erneuert 11 . Nun 
stellt sich aber die Frage nach der Identität des dritten Mannes. 
Ein einigermaßen in der Landesgeschichte Preußens bewanderter Be- 
trachter könnte - nach der Identifizierung der beiden ersten Gestalten als 
Hermann von Salza und Eberhard von Sayn - in der dritten Gestalt Her- 
mann Balk vermuten. Die Darstellung gerade seiner Person wäre nämlich, 
in dem sich deutlich abzeichnenden Zusammenhang der beiden vorerwähn- 
ten Ordensgebietiger in ihrer Eigenschaft als Gesetzgeber der Stadt, höchst 
logisch. Er war nämlich als damaliger, oberster Gebietiger des Ordens in 
Preußen, der eigentliche und direkt vor Ort anwesende Verleiher der ersten 
Handfeste der Stadt Kulm vom Jahre 1233 - was übrigens in der Beschrif- 
tung des Bildes wörtlich vermerkt wurde 12 , Doch schon bei dem ersten, 
flüchtigen Anblick des Bildes entpuppt sich diese scheinbar logische Folge- 
rung sofort als trügerisch. Die dritte, im Mittelfeld des Bildes stehende 
Gestalt trägt nämlich kein Ordenskleid und ist natürlich darüber hinaus in 
der Beschriftung des Bildes ganz eindeutig als eine ganz andere Person 
ausgewiesen. Die Inskription nennt nicht nur ihren Namen, sondern be- 
zeichnet auch genau ihren Status, der die Miteinbeziehung dieser Person in 
die Bildkomposition rechtfertigt - nämlich: Cu/mus, Waidewuti filius, pri- 
mus dux Cu/mensis terrae... 23 
Nun ist aber die Existenz eines "ersten Fürsten des Kulmerlandes" mit 
dem Namen "Culmus" durch keine mittelalterliche Quelle belegt. Trotzdem 
wird ihm in fast allen Werken der frühneuzeitlichen, preußischen Ge- 


251 


.........
>>>
schichtsschreibung u.a. bei Simon Grunau, Lucas David und Christof Hart- 
knoch - unter Berufung auf verschiedene, frühere und zeitgenössische 
Quellen und Autoren - ziemlich viel Beachtung geschenkt. Er wird dort 
als Sohn eines altprußischen Häuptlings Waidewuto dargestellt. Noch vor 
der Ankunft des Deutschen Ordens sollte ihn der Vater zum Herrscher des 
Kulmerlandes bestellt haben. 
Die erwähnten Autoren präsentieren den Culmus nicht nur als Landes- 
herrn und Stadtgründer von Kulm, sondern auch als den ersten prominenten 
Neubekehrten in Preußen und Wegbereiter der Christianisierung seiner 
kulmerländischen Untertanen - was im Ergebnis seiner Heirat mit der 
Tochter Konrads von Masowien geschehen sein solf 4 , Diese Erzählungen, 
wurden von den Zeitgenossen der Autoren als treue Wiedergabe der ge- 
schichtlichen Wirklichkeit betrachtet, und sogar die Vertreter der damali- 
gen geistigen Elite haben sie in aller Wörtlichkeit ernst genommen. Eines 
der vielen Beispiele dafür liefert eine Kirchenvisitation aus dem 3. Viertel 
des 17. Jahrhunderts. Der Verfasser des Visitationsberichtes, ein gelehrter 
Domherr namens Strzesz, hat zwischen die nüchternen Angaben über den 
damaligen Zustand der Kirchen und ihres Vermögens auch die Geschichte 
von Culmus eingeflochten 1S , 
Nach diesen einführenden Bemerkungen wäre es nun an der Zeit einen 
Versuch der Interpretation des im Kulmer Rathausbild innewohnenden Sinn- 
gehaltes zu wagen. 
Eine allseits wissenschaftlich abgestützte Auslegung dieser Problematik 
bedürfte einer tiefschürfenden Charakteristik des geschichtlichen und kul- 
turellen Umfeldes, in dessen Rahmen die Stiftung, Konzeption und Herstel- 
lung dieses Bildes erfolgte. Im aus verständlichen Gründen knapp bemesse- 
nen Rahmen dieses Tagungsbeitrages ist sie in diesem Umfang natürlich 
nicht durchführbar. Daher kann auch der Versuch einer Interpretation des 
Sinngehaltes des Bildes nur einen skizzenhaften Charakter haben und 
punktweise einige Aspekte dieser komplizierten Problematik herausgreifen. 
Deshalb sollte man diesen Versuch eigentlich nur als eine Probe der vor- 
läufigen Auslese von einzelnen Mosaiksteinen bezeichnen, die sich erst 
nach weiteren Ergänzungen, im Rahmen der künftig zu unternehmenden 
Arbeiten, zu einem komplexen und deutlich ausgeprägten Bild zusammen- 
fügen lassen. 
Zuerst sollten wir uns vergegenwärtigen, dass die Darstellung aus dem 
Kulmer Rathaus, welche die Aufmerksamkeit der Betrachter auf die ordens- 
zeitliche und teilweise vorordenszeitliche Vergangenheit des Landes lenkt, 
im Kunstschaffen der Region im 17. und 18. Jahrhundert nicht als EinzeII- 
fall dasteht. Bis in die jüngste Zeit haben sich hier mindestens zehn weitere 
Werke erhalten, die auf eine ähnliche Weise, nämlich durch Darstellung der 
imaginären Bildnisse von Ordensangehörigen, auf die Vergangenheit des 
Landes Bezug genommen haben 16 , Ausserdem gab es noch drei imaginäre 


252 


......
>>>
Gruppenbildnisse, auf welchen hohe Würdenträger des Deutschen Ordens 
zusammen mit anderen Personen dargestellt worden sind. Zwei der genann- 
ten Werke befinden sich sogar in der nächsten Nachbarschaft. nämlich in 
der Zisterzienserinnen (später Benediktinerinnen) - Kirche in Kulm 17 , das 
dritte in der Zisterzienser-Kirche (dem heutigen Dom) in Oliva 18 . 
Vor diesem Hintergrund bildet jedoch das Bild aus dem Kulmer Rat- 
haus in einer Hinsicht einen Sonderfall. Es wurde von vornherein nicht als 
Teil der Ausstattung einer Kirche oder eines Klosters, sondern eines weltli- 
chen Gebäudes konzipiert. Außerdem nimmt es Bezug auf die älteste, vor- 
ordenszeitliche, legendäre Episode der Landesgeschichte. 
Übrigens sollte hier ergänzend eingefügt werden, dass jenes im 16., 17. 
und 18. Jahrhundert im kollektiven Gedächtnis der Einwohner Preußens 
Königlichen Anteils tief verwurzelte Bewußtsein der ordenszeitlichen und 
auch vorordenszeitlichen Vergangenheit des Landes, nicht nur in den bil- 
denden Künsten ihren Niederschlag gefunden hat. Es ist auch in anderen 
Formen vielfach zum Ausdruck gekommen. So hat man z.B. in den großen 
Städten des Landes an Jahrestagen des Sturzes der Ordensherrschaft präch- 
tige Festakte veranstaltet, in deren Rahmen Gelegenheits-Gedichte und 
Musikstücke vorgetragen wurden. Die Erinnerung an diese Feierlichkeiten 
wurde u.a. durch die Prägung besonderer Gedenkmedaillen aufrechterhal- 
ten 19 . In diesem Zusammenhang könnte man auch verschiedene Volksfeste 
nennen, wie Z.B. die Feier an läßlich des Besuches der Maria Ludwiga Gon- 
zaga, Gattin der polnischen Könige Wladyslaw IV. und Jan Kazimierz, in 
Danzig im Jahre 1646, Im Programm eines feierlichen Empfanges des ho- 
hen Gastes wurde, aufgeführt durch die örtlichen Handwerker, eine Insze- 
nierung des Kampfes der Prußen mit den Ordensrittern geplaneo. 
Von der steten Präsenz der ordenszeitlichen Vergangenheit im Bewußt- 
sein der Bevölkerung zeugt auch der Inhalt der Gespräche, die hiesige ge- 
bildete Bürger mit geschichtlich interessierten, ausländischen Besuchern 
geführt haben 31 , Man könnte natürlich mit der Auflistung solcher Beispiele 
noch weiter fortfahren. Doch die bisher vorgestellten genügen wohl schon 
vollends, um die dauernde und verwurzelte Präsenz der Vergangenheit in 
verschiedenen Bereichen der damaligen Wirklichkeit zu beweisen. 
Nun ist es also an der Zeit, die Frage nach der Ursache dieses Phäno- 
mens zu stellen. Wegen der oben schon erwähnten Einschränkungen kön- 
nen wir den Versuch einer Beantwortung dieser Frage nur in Form einer stich- 
wortartigen Aufzählung abfassen, Eine derartige Erscheinung kann natürlich 
nur durch die Einwirkung mehrerer Faktoren hervorgerufen worden sein, 
Meines Erachtens sollte man aber die meiste Beachtung den im Jahre 
1454 gefällten, die politische Zukunft des Landes betreffenden, verfassungs- 
rechtlichen Entscheidungen schenken. In diesem Jahr erfolgte nämlich in 
Königlich Preußen die offizielle Übernahme der Nachfolge der ordenszeit- 
lichen Rechtsordnung durch das Königreich Polen. Die damals vom polni- 


253 


......
>>>
schen König erteilten Privilegien haben die Gültigkeit aller durch die Ge- 
bietiger des Deutschen Ordens früher verliehenen Rechte aufs neue bekräf- 
tigt 32 . Auf diese neu bestätigten Ordensprivilegien hat man sich dann in den 
späteren Zeiten ständig und bei allen möglichen Gelegenheiten berufen 33 , 
So zum Beispiel im Falle einer Unklarheit bei der Berechnung der Höhe der 
Besteuerung oder auch bei der Beanstandung einer Rechtsentscheidung gal- 
ten weiterhin die Eintragungen in den Urkunden des Deutschen Ordens als 
unumstößliches und endgültiges Argumene 4 . Meiner Ansicht nach haben 
diese sich immer wiederholenden Amtshandlungen die Erinnerung an den 
Deutschen Orden sehr wirksam und nachhaltig fixiert. 
Auch in den kirchlichen Quellen wiederholen sich immer wieder die 
Berufungen auf den Deutschen Orden, oft aber gleichzeitig - wie in dem 
hier behandelten Gemälde - auch auf die vorordenszeitlichen Zustände 3S , 
Diese ständige Einbindung der ordenszeitlichen Vergangenheit in die Ge- 
genwart hatte zur Folge, dass man sogar über ein weitgehendes und sehr 
detailliertes, die damaligen Realien betreffendes Wissen zu verfügen ver- 
meinte - Z.B. über die Kenntniss der stilistischen Merkmale der Bauwerke 
aus der Ordenszeie 6 , Am Rande sei hier vermerkt, dass viele dieser Bauten 
ein reges Interesse geweckt und schon damals als Besichtigungsobjekte 
gedient haben 37 , 
Die Anknüpfung an die ordenszeitliche Vergangenheit im weltlichen 
Bereich war natürlich durch politische und wirtschaftliche Interessen der 
Bevölkerung Preußens bedingt. Sie sollte vor allem der Wahrung alter 
Rechte und Freiheiten dienen. Im kirchlichen Bereich hatte diese Anknüp- 
fung eine noch andere Begründung. Sie bildete nämlich einen wirksamen 
Ansatzpunkt für alle Versuche einer Wiederherstellung des vom Deutschen 
Orden im Mittelalter aufgebauten Besitzstandes der katholischen Kirche, 
der durch die Reformation stark reduziert worden war. Die als Stifter, Pa- 
tronatsherren und Wohltäter der nun oft schon evangelischen Kirchenge- 
bäude oder säkularisierten Landgüter auftretenden Ordensgebietiger gehör- 
ten doch alle der "alten Konfession" an. Sie wurden also seitens der früh- 
neuzeitlichen katholischen Kirche als ihre Vorfahren ins Licht gerückt. Auf 
diese Weise konnte sie sich als einzige Erbin der Tradition dieser Konfes- 
sion und somit auch ihrer ganzen materiellen Hinterlassenschaft darstellen. 
In diesem Bereich fungierte also die Tradition des Deutschen Ordens 
vor allem als Instrument der Gegenreformation und Rekuperation des Be- 
sitzstandes. Diese Denkweise bewegte auch die Aktivität des schon mehr- 
mals erwähnten Jakub Rubinkowski, der als Ratsherr, Königlicher Burggraf 
und Postmeister in Thorn, darüber hinaus auch noch Anführer der hiesigen 
Katholiken, zahlreiche imaginäre Bildnisse der Ordengebietiger gestiftet hae s , 
Als eine weitere Ursache der Hinwendung der Bevölkerung zur ideali- 
sierten Vergangenheit, die man nicht mißachten sollte da sie psychologisch 
sehr begründet ist, darf man wohl die Misere des damaligen Alltags be- 


254
>>>
....,....- 


trachten, die durch die verheerenden Folgen der Schwedischen Kriege ver- 
ursacht wurde 39 . 
Doch sollte man beileibe nicht außer Acht lassen, dass auf diese Hin- 
wendung zur Vergangenheit, gleichlaufend zu regional gebundenen Be- 
dingtheiten, auch noch andere Einflüsse, nämlich die gesamteuropäischen 
Kultursträmungen, ihre Wirkung ausgeübt haben. Auch sie haben in einem 
gew.issen Maße die Atmosphäre mitgestaltet, welche die Bestellung und 
Ausführung des Bildes aus dem Kulmer Rathaus, gerade in seiner hier so 
kräftig herausgehobenen Eigenart begünstigt hat. 
Wir sollten also deshalb in diesem Zusammenhang auch noch daran er- 
innern, dass im 17. und 18. Jahrhundert in ganz Europa das Kunstschaffen 
im Zeichen der starken Betonung des Geschichtsbewußtseins im Leben der 
Menschen stand. Die wichtigste Rolle wurde diesbezüglich der Malerei zu- 
gewiesen, die eine besondere Kategorie der Darstellung - das so genannte 
Historienbild - entwickelte. Aufgabe dieser Art der Darstellung war. In- 
halte der Geschichtsschreibung, aber auch der historischen Dichtung, in die 
anschauliche Sprache des Gemäldes umzusetzen. Im Unterschied zur Ge- 
schichtsmalerei kommt es in der Historienmalerei nicht so sehr auf die hi- 
storische Treue an 40 - und zwar meistens mit einer ganz bestimmten Ab- 
sicht. Es handelte sich nämlich darum, Gegenwärtiges durch Berufung auf 
das Vergangene zu legitimieren und durch Vergegenwärtigung der auf eine 
bestimmte, nicht immer objektive Weise dargestellten Vergangenheit zu ver- 
sinnlichen und dadurch verständlicher zu machen. 
Das trifft alles sehr genau auf das hier besprochene Bild zu. Die Rezep- 
tion und künstlerische Wiedergabe der Vergangenheit erfolgte auch hier- 
"quod demonstrandum est" - unter dem Blickwinkel des gegenwärtigen 
Interesses der Auftraggeber, dass heißt des Stadtrates. Durch die Berufung 
auf den Deutschen Orden als Verleiher der Handfeste wollte man vor allem 
das ehrwürdige Alter, also auch die lange und gute Bewährung der in der 
Stadt geltenden Rechtsordnung besonders betonen. um auf diese Weise die 
eventuell ungünstigen Reformgelüste zu unterbinden. In einem gewissen 
Maße ist natürlich in diesem Bilde auch eine nostalgische Sehnsucht nach 
der verblaßten Glanzzeit der Stadt zum Ausdruck gekommen. Zugleich aber, 
als eine Art des Trostes, klang hier auch die stolze Anspielung auf ihre lan- 
ge historische Tradition an. 
Obwohl das Bild sich ausdrücklich nur auf die Verleihung der Handfe- 
ste bezieht, ist seine gezielte Anbringung im Gerichtssaal natürlich voll- 
kommen gerechtfertigt. Denn gerade im Rahmen dieser Handfeste hat der 
Deutsche Orden sehr großzügig der neuen Bürgergemeinde das Recht der 
freien Richterwahl verliehen. Dieses Recht bildete dann den Grundstock 
der künftigen Rechtsentwicklung im ganzen Lande. Verständlicherweise 
fehlen in diesem Bild jegliche Andeutungen auf die Rolle der Tradition des 
Deutschen Ordens in den gegenreformatorischen Rekuperationsbestrebun- 


255 


......
>>>
gen. Sie blieben den Bildwerken vorbehalten, die für die katholisch geblie- 
benen Kirchen gestiftet wurden 41 . 
Der hiermit schließende Versuch einer Interpretation des im Kulmer 
Rathausbild enthaltenen Sinngehaltes hat natürlich kaum seine Oberfläche 
gestreift und will eigentlich nur als eine Fragestellung für künftige, breiter 
angelegte Forschung verstanden werden. Doch darf man wohl die Hoffnung 
hegen. dass dieser Versuch, trotz seiner skizzenhaften Form. einen nützli- 
chen Beitrag zum Thema der diesjährigen Tagung geliefert hat. 


Anmerkungen 


I E. Gllsiorowski, Rynek i ratusz chelminski, Kwartalnik Urbanistyki i Architektury 10. 
1965, H. 1, S. 3-39. 
2 T. Mroczko, Dawny powiat chelminski, Katalog Zabytk6w Sztuki w Polsce, Bd. 1 I, 
hg. v. T. Chrzanowski u. M. Kornecki, H. 4, Warszawa 1967, passim. 
3 Z.B. J. KruszeInicka, Portret na ziemi chelminskiej, Torun 1982. S. 70-71.; Z. Kru- 
szelnicki. Tematyka krzyiacka w nowoiytnej sztuce Prus Krolewskich, Rocznik Gdanski 50, 
1990, H. I, passim; J. Kaldowski, Ratusz w Chelmnie, Torun 1984, S. 56 ff. 
4 J. Grze
kowiak, Najdawniejsze dzieje Chelmna i jego okolicy. in: Dzieje Chelmna. 
Zarys monograficzny, hg. v. M. Biskup, Warszawa-Poznan-Torun 1987, S. 60. 
5 Z. H. Nowak, Dzieje Chelmna do konca XVIII wieku, in: Dzieje Chelmna (wie Anm. 4), 
S.63. 
6 Ebd., S. 64. 
7 Ebd., S. 64-65. 
8 Ebd.. S. 67. 
9 Ebd., S. 70. 
10 Ebd., S. 69, und M. Biskup, G. Labuda, Dzieje Zakonu Krzyiackiego w Prusach, 
Gdaflsk 1986, S. 169. 
11 Nowak, Dzieje Chelmna (wie Anm. 5), S. 89. 
12 Ebd., S. 91-98. 
13 Ebd., S. 99, 105-106. 
14 Über ethische, konfessionelle und politische Gründe der Abneigung gegen den Deut- 
schen Orden im 18 Jahrhundert im Königreich Preußen und in den protestantischen Groß- 
städten Königlich - Preußens - vergl. u.a. H. Boockmann, Der Deutsche Orden. Zwölf 
Kapitel aus seiner Geschichte, München 1989, S. 234 ff. 
15 Kaldowski, Ratusz (wie Anm. 3). 
16 Zum Beispiel bei Ch. Hartknoch, Alt und Neues Preussen, Frankfurt-Leipzig 1684, 
S. 263-32 I. 
17 Ebd., S. 266. 
18 .....Hermannus de Saltza magister ordinis theutonicorum..." (Zitat nach der Inschrift 
am Bild). 
19 .....Eberhardus de Seyne viceregens magistri theutonicorum per Prussiam..." (Ebd.). 
20 .....Herrmannus de Saltza... qui... privilegium civitati culmensi... anno domini 1233..... 
(Ebd.). 


256 


........
>>>
2\ .....Eberhardus de Seyne... qui privilegium civitatis culmensis igne amissum... rest i- 
tuit anno 1251..... (Ebd.). 
22 ..Hermannus de Saltza... cum fratre Hermanno Balkonae prima Prussiae provisore..... 
(Ebd.). 
23 Ebenfalls nach der am unteren Bildrande aufgemalten, mit der Ausführung des Werkes 
gleichzeitigen Inskription. 
24 S. Grunau's, Preussische Chronik, hg. v. M. Perlbach, Leipzig 1876, S. 76 - .....Chel- 
mo, der 12. son Widowuti... und der furst der Masuren im sein tochtir gab zu einem weibe 
und diese in brochte in die liebe ihrer gothe, und versmehete seine vatirn und brudern 
gothe..."; M. Lucas David's, Preussische Chronik..., Königsberg 1812, Bd. 1, S. 74-75: 
.....Chelmo, der 12 Sohn Widiwuti... teilte ihme sein Vater zu das Land zwischen Mocra, 
Istula und Drevinatia und er nahm es ein und baute ihme mittler Zeit eine Feste und nannte 
sie nach seinem Namen Chulmo... und er Fürst von Masuren gab ihm seine Tochter zu ei- 
nem Weib..."; Ch. Hartknoch (wie Anm. 16), S. 64-65: .....Conradus Herzog in der Mas- 
au... seine Tochter an den Chelmum, von welchem das Culmische Land seinen Namen 
hat... ausgestattet... den Chelmum selbst, wieder Willen seinen Vaters Waidewuti zum 
christlichen Glauben bekehret"; .....Nun hat aber weder Petrus von Dusburg, noch irgend 
ein anderer von den Alten von dem Waidewuto und Pruteno etwas gewusst..." vergl. auch 
ebd. S. 269. 
25 .....Culma civitas, sive Culmen, vulgo Chelmno... Ab origine Borussorum valida mu- 
nitio et propugnaculum paganorum... a Culmo, Waydevuti filio... anno post Christum 
Natum... excitata...", Visitationes episcopatus culmensis A. Olszowski fecit 1667-1672, 
hg. v. B. Czapla, Fontes Towarzystwa Naukowego w Toruniu, 8, 1904, S. 102. 
26 Nach A. B. E von Oelsnitz, Herkunft und Wappen der Hochmeister des Deutschen 
Ordens J/98-1521 (Einzelschriften der Historischen Kommission für Ost- und Westpreu- 
ßische Landesforschung, Bd. 1), Königsberg 1926, S. 84: Z. Kruszelnicki, Tematyka (wie 
Anm. 3), passim: ders. Historyzm w sztuce Torunia XVIII W., Teka komisji Historii Sztuki 
TNT, Bd. 5, Warszawa-Poznan 1972, S. 5-95; K. Maliszewski, Jakub Kazimierz Rubinko- 
wski, szlachcic. mieszczanin torunski, erudyta barokowy (Rocznik Towarzystwa Naukowe- 
go w Toruniu, 81, H. 1), Warszawa-Poznan-Torun 1982, S. 92., waren das folgende, in der 
ersten Hälfte des 18. Jahrhundert gestiftete Bildnisse (ein Teil davon im 11. Weltkrieg ver- 
schollen): Hermann von Salza (wahrscheinlich von Rubinkowski für die Dominikanerkirche 
in Kulm gestiftet, jetzt (1823 übermalt) in der dortigen HI. Geistkirche); Hermann Balk (für 
die St. Johanneskirche in Thorn von Rubinkowski gestiftet); Luther von Braunschweig (für 
die Jakobikirche in Thorn von Rubinkowski gestiftet); Ludolf König (für die Jakobikirche 
in Thorn von Rubinkowski gestiftet); Heinrich von Plotzke (ebendort); Anno von San- 
gcrshausen (flIr die Dominikanerkirche in Thorn von Rubinkowski gestiftet); Poppo von 
Osterna (für die Franziskanerkirche in Thorn von Rubinkowski gestiftet); Konrad Zöllner 
von Rothenstein (im Kloster Karthaus); Konrad von Wallenrodt (ebendort); Konrad von 
Ehrlichhausen ebendort). 
27 Das ältere Bild (vor 1591) stellt die Muttergottes Maria vor - in Begleitung einer 
Gruppe von Nonnen und des Landmeisters Ludwig von Baldersheim, dem der Kulmer Non- 
nenkonvent die Übertragung des Klosters vom Dorfe Czyste in die Stadt Kulm zu verdan- 
ken hatte. Das jüngere Bild (um 1600) bringt eine Darstellung des Hochmeisters Karl von 
Trier mit anderen Wohltätern des Klosters. Der Hochmeister hat dem Kloster das Dorf Gra- 
bowo bei Schwetz geschenkt. Vgl. Mroczko, Dawny (wie Anm. 2), S. 43, sowie KruszeI- 
nicka, Portret (wie Anm. 3) S. 71 und Kruszelnicki, Tematyka (wie Anm. 3) S. 89. 
28 In der Kirche in Oliva, auf der Südwand des Chores, wurden in den Jahren 1583- 
-1587, Bildnisse der Stifter und Wohltäter des Klosters gemalt - u.a. auch das Bildnis des 
Hochmeisters Winrich von Kniprode. Schon 1616 hat man diese Malereien mit einer deko- 


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rativen, hölzernen Wandverkleidung verdeckt. In den Füllungen dieser Verkleidung wurden 
die Darstellungen aus den älteren Wandbildern fast wörtlich wiederholt. Vgl. E. Wolska, 
Konserwacja malowidel sciennych z XVI wieku w prezbiterium katedry w Oliwie, Ochrona 
Zabytk6w 16, 1964, H. 1. S. 47-54 und Z. Brochwicz, Badania technologiczne polichromii 
sciennej w prezbiterium katedry w Oliwie, ebd., S. 55-57, sowie Kruszelnicki, Tematyka 
(wie Anm. 3), S. 87. 
29 B. Pompecki, Literaturgeschichte der Provinz Westpreussen, Danzig 1915, S. 84 und 
800-Jahre Deutscher Orden. Ausste//ung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg 
(Katalog), hg. v. U. Arnold, GOtersloh-München 1990, S. 264-267. 
30 Pompecki, Literaturgeschichte (wie Anm. 29) S. 12. 
31 Karl Ogier, der Verfasser einer hochinterssanten Reisebeschreibung Polens in den 
Jahren 1635-1636 berichtet aus Danzig: .....odwiedzilem Zygmunta Kerschensteina, kt6- 
ry mi mn6stwo rzeczy zapisania godnych opowiadal 0 krzytakach..." [.....ich besuchte 
Sigismund Kerscherstein, der mir eine Vielzahl Dinge über die Ordensritter erzählt hat, 
die einer Niederschrift wert sind...''). K. Ogier, Dziennik podrMy do Polski 1635-1636, 
Biblioteka Gdanska, Seria Zr6del Historycznych 1., Gdaflsk 1950, S. 87. Über S. Kerschen- 
stein, einen Kaufmann und Ratshern aus Danzig, vgl. Historia Gdanska, Bd. 2., Gdansk 
1992, S. 453. 
32 Schon die Inkorporationsurkunde des polnischen Königs für die preussischen Stände 
vom 16.03. 1454 hat ihnen alle, bisher besessenen Rechte und Freiheiten verbürgt, vgl. 
Historia Pomorza, hg. v. M. Biskup und G. Labuda, Bd. I, Teil 1, Po zn an 1969, S. 730. 
Ähnliche Bestätigungen wurden dann in den späteren Urkunden für die einzelnen Städte 
wiederholt - z.B. in der Urkunde für die Stadt Thorn vom 26. 08. 1475, vgl. Historia 
Torunia, hg. v. M. Biskup, Bd. 11, Teil 1, Torun 1992, S. 37. 
3J Im folgenden sollen nur einige, ausgewählte Belege aus den Revisionen der polnischen 
Krongüter angeführt werden: .....karczma w boru przy wsi... kt6rll byli kunturowie nada- 
li..... [.....Krug im Walde in der Nähe des Dorfes... den die Komture verliehen haben..."], 
Lustracja wojew6dztwa pomorskiego, hg. v. St. Hoszowski, Lustracje D6br Kr6lewskich 
XVI-XVIII wiek. Prusy Kr6lewskie, Gdansk 1961, S. 71: .....Puck ma wedle przywilej6w 
ab Henrico Thusmer..." [.....Putzig hat nach Privilegien ab Henrico Thusmer..."], ebd., 
S. 104.; ..... wie
 Tymawa - onera villae... wedle przywilej6w krzytackich... 6 dni robo- 
ty..." [.....DorfThiemau, onera viIlae... laut Ordensprivilegien... 6 Tage..."], ebd., S. 144; 
.....miasteczko Nitych, pomiary pewnej r61 nie majll starodawna, zachowani Sll od KJM in 
possesione granitierum i jako mieli za krzytownik6w..." [.....Städtchen Neuteich, seit alter 
her haben sie keine sichere Vermessung der Äcker, seitens seiner Königlichen Hochheit 
wurden sie in possesione granitierum gewahrt, so wie sie bei den Ordensrittern hatten..."], 
Lustracja wojew6dztw malborskiego i chelminskiego 1565, hrsg. v. St. Hoszowski, ebd., 
Gdansk 1961, S. 5; .....Drugi folwark... na Wielkiej 1:ulawie... osadzony za krzyzowni- 
k6w..." [.....das zweite Vorwerk... auf dem Grossen Werder... angelegt in den Zeiten der 
Ordensritter..."], ebd., S. 63; ..... wieS Dombrowka, ma wl6k in summa 54... na kt6re 
przywilej okazali krzytacki..." [.....Dorf Damerau... hat in summa 54 Haken... für welche 
sie ein Deutschordensprivileg vorgezeigt haben.....], Lustracja wojew6dztw malborskiego 
i chelminskiego 1570, hg. v. St. Hoszowski, ebd., Gdaflsk 1962, S. 97. In jedem der ange- 
führten Beispiele galten die Urkunden des Deutschen Ordens als entscheidende Grundlage 
bei der Bemessung der Versteuerung. 
34 .....a wszakte, gdy inwentarze krzytackie ze skarbu przynie
c pan podskarbi kazal. it 
byli powinni placic czynsz..." [.....als aber der Herr Unterschatzmeister die Inventare des 
Deutschen Ordens aus der Schatzkammer holen liess (hat es sich erwiesen), daß sie ver- 
pflichtet waren einen Zins zu zahlen... "], Lustracja wojew6dztw malborskiego i chelmin- 
skiego 1565 (wie Anm. 33), S. 4. 


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35 Vgl. Z.B. Visitationes episcopatus culmensis Andrea Olszowski A. 1667-72 factae, ed. 
B. Czapla, Fontes VI, Torun 1902, S. 54: ..... quod a crucigeris sit aedificata.....; S. I 14: 
.....Ecclesia parochalis... a Dno Miecislau excitata... a crucigeris deinde anno 1223... 
restaurata et exornata... .. 
36 Der Verfasser des Inventars der Burg Schwetz, damals polnisches Krongut, meint zu 
wissen, dass durch eine damals noch bestehende bestimmte Türöffnung in der Burgkapelle. 
.....do carceres wpuszczali si
 Krzytownicy..... [.....die Ordensritter sich zu den Carceres 
hereingelassen haben.....]. Vgl. Lustracja wojewodztwa pomorskiego (wie Anm. 33), S. 194. 
In einem anderen Fall wird von dem Domherr Strzesz einem Kirchengebäude die ordens- 
zeitliche Herkunft abgesprochen, weil seiner Meinung nach: .....structura templi non adae- 
quat artificium crucigerorum..... V gl. Visitationes (wie Anm. 35), S. 8 I. 
37 Der schon zitierte Ogier (wie Anm. 3 I) S. 87, hat offensichtlich die Ruinen der Or- 
densburg Danzig besichtigt, weil er genau ihre Lage (..... in der Nähe des Fischmarktes...") 
beschreibt. Die Ordensburg Neidenburg hat im Jahre 1654 der Graf Ahasverus Lehndorf 
besichtigt und dort die erhaltenen Wappenmalereien bewundert. Vergl. W. Hösäus, Der 
Oberburggraf Ahasverus von Lehndorf, Dessau 1867, S. 8. 
38 Siehe oben die Anm. 26. 
39 Zur Frage der wirtschaftlichen Lage der Städte in diesen Zeiten vergl. u.a. Z. H. 
Nowak, Dzieje Chelmna (wie Anm. 5), S. 116; S. Cackowski. W czasach Rzeczpospolitej 
szlacheckiej (/454-/793), in: Torun dawny i dzisiejszy. Zarys dziejow, hg. v. M. Biskup, 
Warszawa-Poznan-Torun 1983, S. 133-300. 
40 Vgl. W. Hager, Das geschichtliche Ereignisbi/d, München 1939, passim; sowie das 
Stichwort ..Historienbild" im Lexikon der Kunst, Bd. 11, hg. v. D. Alscher u.a. Leipzig 
1971, S. 292-294 und H. Börsch-Supan, Die Deutsche Malerei von Anton Graff bis Hans 
von Marees /760-/870, München 1998. S. 98, 268-269. 
41 Vergl. die Anm. 25,26,27. 


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ISSN 0867-2008
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