Ritterorden und Region = Ordines Militares - Colloquia Torunensia Historica 8

Ritterorden und Region 


11.I1niI1 
 




RSYTET MIKOlAJA KOPERNIKA
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I
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Universitas Nicolai Copernici 
Ordines militares 
Colloquia Torunensia Historica 
VIII 


Ritterorden und Region 
- politische, soziale und wirtschaftliche 
Verbindungen im Mittelalter 


herausgegeben von Zenon Hubert Nowak 


Torun 1995 


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Projekt oktadki 
SLAß'OMIR JANIAK 


Redaktor 
HANNA TOMASZEß'SKA-NOWAK 


Redaktor techniczny 
JADß'IGA GOSIENIECKA 


Korektor 


MIROSLAß'A MACIEJEß'SKA 


ISBN 83-231-0375-5 


(C Copyright by Wydawnictwo Uniwersytetu Mikolaja Kopernika 
Toruill99S 


Titelbild: Gefallene KreuzriUer am Tag des Jüngsten Gerichts im Gefolge Chrisli. Aus der 
Handschrift Anfang des 14. Jahrhunderts, British Museum Library, London, 19 B, Fol. 37a. 


UNIWERSYTET MIKOLAJA KOPERNIKA 
Wydanie I. 
Naklad 560 egz. 
Ark. wyd. 18,0. 
Sklad: ,,DESIGN" - Torun 
Druk: Zaklad Poligrafii UMK 


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Inhalt 


Vorwort 


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Hartmut BoockmaM (Göttingen-Ber/in) - Herkunft und Einsatzgebiet. Beobachtungen 
am Beispiel des Deutschen Ordens. . . . . . . . . . . . 7 
Anthony Luttrell (Bath) - The Hospitaller Province of Alamania to 1428. . . . . . 21 
Jürgen Sarnowsky (Ber/in) - Der Konvent auf Rhodos und die Zungen (lingue) im Johanni- 
terorden (1421-1476). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 
Ludwig Vones (Köln) - Die Landnahme der Ritterorden von Santiago und CaJatrava 
in der Exlremadura, Andalusien und Murcia im 13. Jahrhundert. . . . . . . 67 
Bemd Schwenk (Köln) - Honor und utilitas. Eine Skizze zur Kooperation spanischer Ritter- 
orden im 12. Jahrhundert. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 
Henryk Sam.fonowicz (Warszawa) - Der Deutsche Orden in seinem Verhältnis zur Gesellschaft 
Polens unter kultur- und verwaltungsgeschichtlichen Aspekten. . . . . . . . 99 
Roman Czaja (Torun) - Der Handel des Deutschen Ordens und der preußischen Städte - 
Wirtschaft zwischen Zusammenarbeit und Rivalität.. .... 111 
Janusz Tandecki (Torun) - Soziale Beziehungen zwischen dem Bürgertum und dem 
Deutschen Orden in Preußen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 
Klaus Militzer (Köln) - Die Einbindung des Deutschen Ordens in die süddeutsche 
Adelswelt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141 
Udo Amold (Bonn) - Europa und die Region - widerstreitende Kräfte in der Entwicklung 
des Deutschen Ordens im Mittelalter. 161 
Verzeichnis der Autoren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173
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Vorwort 


Bei der VII. Konferenz Ordines mi/itares, die am 24.-25. September 1993 
stattfand, wurde das Thema "Ritterorden und Region - politische, soziale und 
wirtschaftliche Verbindungen im Mittelalter" behandelt. Der vorliegende Band 
ist Frucht dieser Konferenz. Wie die die sechs vorangegangenen Ordines 
mi/itares - Colloquia Torunensia Historica in Toruti/Thorn ist er den vom 
Mittelmeer bis zur Ost see wirkenden geistlichen Ritterorden gewidmet, wobei 
das Schwergewicht vornehmlich auf dem Deutschen Orden liegt. Es ist kein 
Zufall, daß die Tagung einem so wichtigen und breiten Problem ihre Aufmerk- 
samkeit geschenkt hat. Die Ritterorden waren Herrscher über große Territorien, 
wie z. B. der Deutsche Orden vor allem an der Ostsee und die Johanniter im 
Mittelmeerraum. Die zehn vorliegenden Beiträge betreffen ein breites Spektrum 
der funktionellen und strukturellen Verhältnisse zwischen den Ritterorden und 
den Gesellschaften der beherrschten Landschaften. Die gegenseitigen Verknüp- 
fungen zwischen den Faktoren im politischen, sozialen und wirtschaftlichen 
Bereich wurden auch in Spanien untersucht. Es freut uns sehr und wir wollen 
hoffen, daß damit die spanischen Ritterorden auf Dauer in die Thematik der 
Thorner Konferenzen aufgenommen sind. Der vorliegende Band wird aber erst 
dann sein Ziel erfüllen, wenn er zu einer Diskussion der Ordensforscher beitragen 
wird und ihm weitere Darstellungen über die Rolle der Ritterorden in ihrer 
Region folgen werden. 
Der Herausgeber hat vielfältigen Dank abzustatten: der Nicolaus-Coper- 
nicus-Universität für die Bereitstellung von Mitteln zur Veröffentlichung; der 
Redaktion und Druckerei für sorgfältige Vorbereitung der Publikation; ein 
herzlicher Dank gebührt Herrn Professor Dr. Udo Arnold für die freundliche 
Hilfe bei der Sprachrevision des deutschen Textes. 


Zenon Hubert Nowak 


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ORDINES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA VIII - 1995 
RmERORDEN UND REGION - POLITISCHE, SOZIALE UND WlRTSCHAFrLICHE VERBINDUNGEN IM MmELALTER 


Hartmut Boockmann (Göttingen-Berlin) 


Herkunftsregion und Einsatzgebiet. 
Beobachtungen sm Beispiel des Deutschen Ordens 


Der Sachverhalt, um denes hier gehen soll, scheint einfach, und er ist auch 
bekannt. Die Ritter des Deutschen Ordens, die kurz vor der Mitte des 13. 
Jahrhunderts in Preußen und in Teilen Livlands Landesherren wurden und das 
bis zum Jahre 1525 beziehungsweise 1562 blieben, kamen in ihrer übergroßen 
Mehrzahl aus Regionen, die weit von ihrem Herrschaftsgebiet entfernt lagen. Sie 
kamen aus dem Reich, zunächst mehr aus dessen nördlichen Gebieten, später 
mehr aus den westlichen und südlichen, zunächst mehr aus Sachsen und 
Thüringen, später mehr vom Niederrhein und aus Schwaben. Für die Ritter in 
den livländischen Burgen des Deutschen Ordens galt das allerdings auf etwas 
andere Art. Sie kamen in ihrer großen Mehrheit aus Westfalen. Aber auch bei 
ihnen lagen zwischen der Herkunftsregion und dem Einsatzgebiet viele hundert 
Kilometer. 
Die Gründe für die Distanz liegen auf der Hand, und sie haben ihre Parallelen 
in der Entfernung zwischen der Heimatregion und dem Kampfgebiet derer, die 
als Johanniter, Templer und Deutschordensritter im Heiligen Land eingesetzt 
wurden. Der Kreuzzug, dessen Ziel nicht das Heilige Land war, sondern das 
nordöstliche Europa, war im Verhältnis zum ursprünglichen Kreuzzug weniger 
aufwendig, gewissermaßen die beq uemere Variante, also vielleicht sehr attraktiv, 
und so wundert man sich nicht, daß die Päpste die Gleichbehandlung der einen 
und der anderen Kreuzfahrer einigermaßen vorsichtig vorgenommen haben 1. 
Wenn damals diese Entfernungen eine so große Rolle gespielt haben, versteht 
man, daß es zunächst überwiegend norddeutsche Kreuzfahrer waren, die an 
Preußen und Livland interessiert gewesen sind. 
Das also war die ursprüngliche Situation. Zunächst hat man beim Einsatz der 
Ritterorden, vor allem des Deutschen Ordens, im nordöstlichen Europa in der 


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Tat nichts anderes als eine Variante dessen, was gleichzeitig im Heiligen Land 
geschah. Für die folgende Zeit läßt sich diese Parallelität zur Erklärung aber 
nicht heranziehen, da die Kreuzfahrerstaaten mit dem Fall Akkons 1291 
untergegangen sind. Die Herrschaft der Johanniter über Rhodos wird man als 
Parallele zu den preußischen oder auch den livländischen Verhältnissen nicht 
benutzen können. Dort, im Orient, herrschten Fremde über eine einheimische 
Bevölkerung von ganz anderer Herkunft und Art, während in Preußen nicht nur 
Ritter aus dem Reich kamen, sondern auch Siedler, die einen beträchtlichen Teil 
der ländlichen und die große Mehrzahl der städtischen Bevölkerung stellten. In 
Livland kam es zu einer bäuerlichen Siedlung von deutschen Zuwanderern zwar 
nicht, aber die städtische Bevölkerung war zu einem beträchtlichen Teil 
deutscher Herkunft, und für die Stiftsri tter, die Vasallen der Bischöfe, galt das, so 
möchte man sagen, in noch höherem Maße, nämlich so, daß sie ebenfalls zu 
einem beträchtlichen Teil aus jenen westfälischen Gebieten kamen, die auch die 
Heimat der meisten Deutschordensritter waren. 
Das sind einfache Sachverhalte; man kann sie mit wenigen Worten benennen. 
Versucht man jedoch eine Erklärung, so kann von Einfachheit nicht die Rede 
sein. Man hat e
 vielmehr mit vielfach unerklärten Phänomenen zu tun. Dazu 
zählt schonder erwähnte Unterschied zwischen den livländischen und den 
preußischen Verhältnissen. Wie ist es zu erklären, daß Livland eine Domäne des 
westfälischen Adels war, während die Dinge in Preußen eine ganz andere Gestalt 
hatten? Ich habe dafür eine glatte Erklärung nicht, finde jedoch, daß man diesen 
Unterschied der livländischen und der preußischen Verhältnisse nicht deutlich 
genug markiert hat. Doch wie könnte man zu einer Erklärung kommen? Man 
weiß von den internen Willensbildungen und demzufolge auch vom Rekrutierun- 
gsverfahren in Livland noch weniger als von den entsprechenden Vorgängen in 
Preußen. Es ist aber wohl richtig, daß man es von Anfang an mit einer 
weitreichenden Autonomie dieses Ordenszweiges zu tun hat. Diese Autonomie 
dürfte dazu beigetragen haben, daß es bei den ursprünglichen Verhältnissen 
blieb, daß also, wie schon beim Schwertbrüderorden 2 und wie auch in den ersten 
Jahrzehnten des Deutschen Ordens, die livländischen Ritterbrüder in der Regel 
aus Norddeutschland, und zwar meistens aus Westfalen und den angrenzenden 
Regionen kamen 3. 
Im 13. Jahrhundert lagen die Dinge in Preußen so gänzlich anders nicht. 
Herkunftsgebiete, die im 14. und vor allem im 15. Jahrhundert bei den 
preußischen Ordensrittern sehr häufig bezeugt sind wie der Niederrhein und 
Südwestdeutschland, haben im 13. Jahrhundert nur eine geringe Bedeutung 
gehabt, wie man aus der Karte von Ernst Weichbrodt über die Herkunft der 
preußischen Gebietiger entnehmen kann 4. Diese Karte zeigt übrigens auch, daß 
die für Livland so typischen Herkunftsregionen, also Westfalen und benachbarte 
Gebiete, bis um 1300 als Heimatregion preußischer Gebietiger vorkommen. Man 
hat es hier also mit einer Art von regionalem Proporz zu tun. Es scheint, daß sich 


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dieser regionale Proporz beim livländischen Ordenszweig erhalten hat, während 
er bei der Rekrutieruog des preußischen Nachwuchses, wenn man die von 
Weichbrodt für die Gebietiger erarbeiteten Resultate im Hinblick auf die 
Rekrutierung der preußischen Ordensbrüder iLsgesamt verallgemeinert, auf- 
gelöst worden ist. Im 14. und vor allem im 15. Jahrhundert hat man preußische 
Gebietiger auch aus Herkunftsregionen, die im 13. Jahrhundert in dieser 
Hinsicht bedeutungslos waren, und man hat auch preußische Gebietiger aus den 
Rekrutierungsgebieten der livländischen Ritter. Einsichten, die sich auf die 
Herkunft nicht nur der Gebietiger beziehen, sondern auch der anderen Ritter, 
gewinnt man aus zwei Dissertationen. Diese Einsichten gleichen dem, was man 
bei den Gebietigern sieht. 
Die ursprüngliche Situation, nämlich das Überwiegen von Herkunfts- 
gebieten, die in der späteren Zeit zurücktreten sollten, erkennt man besonders 
deutlich bei der Ballei Thüringen. Wojtecki, der Autor der einen Dissertation.5, 
weist für das 13. Jahrhundert 71 thüringische Ordensbrüder in Preußen nach. Die 
für Preußen nächstwichtigen Rekrutierungsgebiete waren damals die Balleien 
Sachsen und Franken. Doch liegen deren Zahlen beträchtlich niedriger. 
Gegenüber den erwähnten 71 preußischen Ordensbrüdern aus Thüringen haben 
wir 36 aus Sachsen und 35 aus Franken. Doch galt diese besondere Bedeutung 
Thüringens für den Orden nur im Hinblick auf Preußen. Nach Livland kamen 
thüringische Ordensbrüder, schreibt Wojtecki, "nur sporadisch" 6. 
Die ebenfalls aus der Schule von Manfred Hellmann stammende Dissertation 
von Klaus Scholz, die sich zeitlich an die Arbeit von Wojtecki anschließt 7, 
erbringt für die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts ähnliche Resultatc. Auch in 
dieser Zeit waren Thüringen, Sachsen und Franken für die Rekrutierung der 
preußischen Ordensritter am wichtigsten. 
Im einzelnen untersucht Scholz allerdings nur die Balleien Sachsen und 
Hessen, doch beruhen diese Detailuntersuchungen auf Erhebungen von Gesamt- 
zahlen, die ich nennen möchte, weil sie die Dimensionen sichtbar machen, mit 
denen es mein Thema zu tun hat. Überdies lassen sie auch erkennen, wie mißlich 
das Verhältnis zwischen identifizierbaren Personen und solchen Nachrichten ist, 
mit denen man leider nichts anfangen kann. Zunächst die Gesamtzahlen. Scholz 
hat für die Zeit von 1300 bis 1350 für Preußen insgesamt etwa 1200 Brüder und 
für Livland etwa 200 feststellen können. Hier wie auch sonst heißt Brüder, von 
wcnigen Ausnahmen abgesehen, immer Ritterbrüder. Etwa die Hälfte dieser 
1200 Brüder sind jedoch nur mit einem Namen bezeugt, und so kann man mit 
diesen Nachrichten nichts anfangen, da man die nur so bezeugten Brüder ja nicht 
einmal einigermaßen genau zählen kann, weil oft nicht klar ist, ob derselbe 
mehrfach bezeugte Name eine oder mehrere Personen meint. 
So hat sich Scholz auf die Personen beschränkt, die mit Namen und 
Herkunftsnamen bezeichnet werden. Das sind für Preußen 600 und für Livland 
100. Da Scholz eine sozialgeschichtliche Untersuchung vorgenommen hat, 


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konnte er nur mit solchen Personen arbeiten, die sich identifizieren und 
demzufolge sozial einordnen lassen. Das waren für Preußen und Livland 
insgesamt etwa 400 Ordensbrüder. 
Diese 400 Brüder hat Scholz nun nach ihrer Herkunft bestimmt. Dabei ergab 
sich folgende Reihenfolge der Rekrutierungsgebiete: 
Thüringen etwa 140 
Sachsen unter 70 
Westfalen etwa 50 
Franken etwa 40 
Koblenz über 20 
Hessen unter 20 
Sonstige etwa 50. 
Im einzelnen hat Scholz nun die aus Sachsen und Hessen stammenden Brüder 
untersucht, so daß man seiner Arbeit nicht entnehmen kann, ob tatsächlich, wie 
ich vermute, die meisten aus Westfalen kommenden Ordensbrüder nach Livland 
gegangen sind . Wenn das der Fall ist, und dafür sprechen die gleich zu nennenden 
Zahlen für Sachsen und Hessen, so bestätigt diese Liste die vorhin gemachte 
Feststellung, daß für die Rekrutierung des Ordens in Preußen auch in der ersten 
Hälfte des 14. Jahrhunderts Thüringen, Sachsen und Franken am wichtigsten 
gewesen sind. Im Falle Sachsens sehen die genaueren Zahlen so aus: 53 
Ordensbrüder gingen nach Preußen, 12 nach Livland. Ganz ähnlich liegen die 
Verhältnisse bei den hessischen Brüdern. 13 gingen nach Preußen, aber nur einer 
nach Livland. 
Ich war von der Feststellung ausgegangen, daß die Herkunft der Ordens- 
brüder in Preußen offensichtlich von anderer Art war als die der livländischen 
Brüder. In Livland hat man ein verhältnismäßig enges Rekrutierungsgebiet, in 
Preußen dagegen kamen die Ritter aus fast allen Gebieten des Ordens, nur selten 
jedoch aus den für Livland typischen Zonen. Im 15. Jahrhundert dürfte der 
Unterschied aber markanter gewesen sein als in der frühen Zeit des Deutschen 
Ordens. 
Die Zustände dieser frühen Zeit waren, wie ebenfalls schon gesagt, eher 
dadurch bestimmt, daß die dem Einsatzgebiet nächsten Rekrutierungsgebiete 
überwogen. Franken war als ein markant ins Gewicht fallendes Herkunftsgebiet 
noch sm weitesten entfernt. Darüber hinaus gab es einen gewissen Regional- 
proporz. Diese ursprünglichen Verhältnisse haben sich bei der Rekrutierung der 
livländischen Ordensbrüder bis zur Säkularisierung des Ordens in Livland 
offensichtlich gehalten, während beim preußischen Nachwuchs sowohl das 
Übergewicht der näher gelegenen Regionen wie auch der Regionalproporz 
verschwanden. Die zunächst so wichtigen Rekrutierungsregionen verloren an 
Bedeutung. Der Westen, der Süden und der Südwesten gewannen an Gewicht. 
Wie ist das zu erklären? Eine Antwort auf diese Frage setzt voraus, daß man 
etwas über die Entscheidungsprozesse weiß. Wer also bestimmte, daß ein 


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Ordensbruder nach Preußen oder Livland ging? Und wer entschied über dessen 
weitere Karriere? 
Auf solche Fragen antworten die Statuten des Ordens, aber sie antworten so 
undeutlich, wie das auch sonst meistens der Fall ist, wenn man versucht, diese 
Nonnen als eine Art von Ordensverfassung zu verstehen. Aufnahme und 
Versetzung von Brüdern waren den Statuten zufolge Sache des Kapitels - wie alle 
anderen wichtigen Angelegenheiten auch 8. Doch das Kapitel konnte schon im 
Heiligen Land nicht so funktionieren, wie der Wortlaut der Statuten das vorsah, 
und für die Zeit, da der Hochmeister in Preußen residierte, galt das erst recht. Wie 
hat man sich die Entscheidungsprozesse unter diesen Umständen vorzustellen? 
Eine - freilich auch vielfach unsichere - Teilantwort erhält man aus jüngeren 
Nonnen sowie mit Hilfe allgemeinerer Erwägungen. Also muß man von 
Einzelereignissen auf das zurückschließen, was üblich war. 
In den Gesetzen des Hochmeisters Dietrich von Altenburg (1335-1341) heißt 
es, man solle bis zum Großen Kapitel des Ordens keinen Bruder ohne Erlaubnis 
des Hochmeisters aufnehmen 9. Das bedeutet einerseits, daß, wie auch sonst, 
nicht etwa die alte, offensichtlich obsolete Nonn, welche die Allgewalt des 
Kapitels vorsah, durch eine andere ersetzt wurde, sondern daß sie scheinbar in 
Kraft blieb, tatsächlich aber außer Kraft gesetzt wurde, weil es nun der 
Hochmeister in der Hand hatte, ob er selber jemanden in den Orden aufnahm 
oder bis zum Kapitel wartete. Darüber hinaus muß man diesen Satz wohl so 
verstehen, daß die Ordensaufnahme inzwischen auf ganz unterschiedliche Weise 
praktiziert wurde und der Hochmeister den Versuch unternahm, die Sache 
wieder zu zentralisieren, und zwar bei sich selbst. 
Es gibt durchaus Nachrichten, denen man entnehmen kann, daß ein 
Hochmeister sich selbst um die Aufnahme neuer Brüder kümmerte 10. Aber es 
gibt auch solche Aufnahmen in den Orden, an denen der Hochmeister nicht 
beteiligt war 11. In dem Maße, in welchem sich die Balleien im Reich - ähnlich wie 
die livländischen Komtureien - der Einwirkung des Hochmeisters entzogen, 
schwand offensichtlich auch die Möglichkeit, die Aufnahme in den Orden an 
seine Entscheidung zu binden. 
Doch war die Aufnahme in den Orden das eine und der Einsatz eines 
Ordensbruders in Preußen oder in Livland das andere. Wie hat man sich das 
Verhältnis zwischen dem einen und dem anderen vorzustellen? Wie viele 
Ordensbrüder gingen nach Preußen und Livland? Und wer bestimmte das? Auch 
auf diese Fragen lassen sich sichere Antworten nicht geben. So muß man sich mit 
Hilfsfragen weiterzuhelfen versuchen. In diesem Sinne frage ich: Muß man 
annehmen, daß ein Ordensbruder nach Preußen oder Livland gehen wollte? Oder 
muß man mit dem Gegenteil rechnen? 
Man könnte gegen solche Fragen einwenden, daß sie sich schlechterdings 
nicht beantworten lassen, und zwar nicht nur wegen des Mangels an Quellen. 
Hatte nicht jeder Ordensbruder, hatte nicht jede Familie, aus der ein Ordens- 


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bruder stammte, seine beziehungsweise ihre eigenen und individuellen Gründe? 
War nicht von Mal zu Mal die Situation eine andere, so daß sich Generalannah- 
men und die Hoffnung auf generelle Antworten ohnehin verbieten? Wenn das 
richtig wäre, könnte man sich den größeren Teil aller sozialgeschichtlichen 
Bemühungen sparen. Und daraus könnte man ableiten, daß es nur das Interesse 
am weiteren Gedeihen des eigenen Faches ist, das einen dazu veranlaßt, das 
Nachdenken an dieser Stelle nicht einzustellen, sondern weiterzumachen, 
obwohl die Sache eigentlich aussichtslos ist. Es besteht in der Tat die Gefahr, daß 
man sich im Kreis bewegt. Und so fahre ich nicht ohne Skepsis fort. 
Was konnte einen Ordensritter aus Schwaben bewegen, nach Preußen gehen 
zu wollen? Eine Antwort auf diese Frage ist oft gegeben worden. Sie lautet: Hier 
hatte der jüngere Sohn einer niederadligen Familie die Chance, Herr über Land 
und Leute in einem Maße zu werden, wie er das auf grund seines Erbes 
ebensowenig hätte werden können wie auch als Ordensbruder im Reich. 
Immerhin: Auch im Reich konnte er Komtur werden oder gar Deutschmeister. 
Doch war in Preußen die Wahrscheinlichkeit, eine führende Position zu 
erlangen, wohl ein wenig größer, und die Dimension der Herrschaft, um die es 
dort ging, war umfangreicher als das, was in der Heimat möglich war. 
Doch hat man es hier gewiß nicht mit dem einzigen Kriterium zu tun, mit dem 
man rechnen muß, wenn man danach fragt, ob die Ordensbrüder denn darauf 
drängten, nach Preußen oder nach Livland gesandt zu werden. 
Sicherlich sprach für ein solches Drängen auch das religiöse Verdienst, das 
mit dem Einsatz gegen die Heiden verbunden war. Welches Gewicht man diesem 
Motiv beizumessen hat, ist aber nicht zu bestimmen. Von den Gründen des 
einzelnen, in den Orden einzutreten und - vielleicht - nach Preußen gehen zu 
wollen, erfährt man nichts, und mit allgemeinen Erwägungen dergestalt, daß 
religiöse Motive um 1300 eher anzunehmen seien als um 1400, weil nun der 
Verfall des Ordens eingesetzt habe, verliert man sich sogleich in Zirkelschlüssen. 
Immerhin gibt es Gründe, den geläufigen Meinungen über den Zerfall der 
Ordensdisziplin zu mißtrauen. Daß das in Preußen bis in die dreißiger Jahre des 
15. Jahrhunderts am Regionalproporz nicht zu bemerken ist, spricht ebenso für 
Disziplin wie der Umstand, daß die Karriere im Orden offensichtlich nicht von 
der ständischen Herkunft des Ordensritters bestimmt wurde. Der einzige 
Hochmeister reichsfürstlicher Herkunft zwischen Landgraf Konrad von Thürin- 
gen auf der einen Seite und Herzog Friedrich von Sachsen auf der anderen, also 
zwischen 1240 und 1498, nämlich Luder von Braunschweig, der 1331 zum 
Hochmeister gewählt wurde, erreichte dieses Amt, anders als die beiden anderen 
Hochmeister fürstlichen Geblüts aus der frühen und aus der spätmittelalterlichen 
Zeit des Ordens, nach einer einigermaßen normalen Karriere 12. 
Gewiß gab es innerhalb des Ordens Gruppenbildungen, und nicht selten sieht 
man deutlich, wie da der eine im Schatten des anderen Karriere machte 13, und es 
gab vor allem Karrierewege, also den Aufstieg von weniger wichtigen über 


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zukunftsverheißende in wirkliche Machtpositionen 14. Und doch bestand ein 
festes System offensichtlich nicht. In einem für mittelalterliche Verhältnisse nicht 
eben selbstverständlichen Maße wurde für denjenigen, der in den Orden ging, die 
regionale und die ständische Herkunft zwar nicht bedeutungslos, aber doch zu 
einer Sache neben anderen, wobei das "andere" vor allem wohl darin bestand, 
daß auf Einsatzfähigkeit und Einsatzbereitschaft geachtet wurde. Die viel- 
berufene Modernität des Ordens insbesondere in Preußen hat ihren Grund 
sicherlich hier. 
Daß derjenige, der dem Orden beitrat, sich einer Regelhaftigkeit unterwarf, 
die ererbte Ansprüche zurücktreten ließ, erkennt man auch an den Grabsteinen 
der Ordensritter. Soweit man diese hat, sieht man die Begrabenen so gut wie nie 
im Panzer und mit Waffen, sondern fast immer im OrdensmanteLWarum auch 
nicht? möchte man fragen. Der Mantel charakterisierte den Ordensritter 
schließlich. Sicher ist das aber nicht. Zu den kirchenreformerischen Forderungen 
im 15. Jahrhundert gehörte nicht zuletzt die, daß Geistliche sich so kleiden 
sollten, daß man sie stets als Geistliche erkennen konnte. Ob die Ordensritter 
dieser Forderung nachkamen? Das darf man bezweifeln, zumal der Platten pan- 
zer nicht nur eine waffentechnische Innovation war, sondern rasch zu einem 
Standesmerkmal wurde. Wer adlig war, trug Eisenkleider 15. So versteht es sich 
keineswegs von selbst, daß man diese Eisenkleider auf den Grabsteinen von 
Deutschordensrittern - anders offensichtlich als auf denen der Johanniter - nur 
im Ausnahmefalle sieht 16, und das bedeutet, daß die Ordensdisziplin auch 
im 15. Jahrhundert nicht so brüchig gewesen sein dürfte, wie die üblichen Ver- 
fallsbehauptungen vorgeben. 
Auf der anderen Seite hat man es hier aber mit massiven sozialgeschichtlichen 
Sachverhalten zu tun. Das traditionelle Verhältnis der adligen Familien zu den 
geistlichen Instituten, denen ihre nichtverheirateten Söhne und Töchter bei- 
traten, war festgefügt, und es stellte sich gegen Ordensregeln. Für einen 
fränkischen Adligen, der Domherr in Würzburg oder Bamberg wurde, für seine 
Schwester, die in ein Stift oder Kloster der Region aufgenommen wurde, änderte 
sich gewiß mit dieser Aufnahme der Zuschnitt des Lebens, aber die Aufgenom- 
menen blieben doch in die Ansprüche und Rechte, die mit ihrer Herkunft 
verbunden waren, fest eingebunden. Sollte das so ganz anders gewesen sein, 
wenn man in ein fränkisches Haus des Deutschen Ordens aufgenommen wurde? 
Oder trat der große Wandel erst ein, sobald man nach Preußen versetzt wurde? 
Und wenn das so war: Wie kam man nach Preußen? Eher auf eigenen Wunsch 
oder auf Anforderung? 
Diese Fragen lassen sich mit Sicherheit nicht beantworten. Deutlich 
ist immerhin, daß die Häuser des Ordens im Reich fast von Anfang an nicht 
nur das waren, was sie nach einer streng funktionalistischen Betrachtung hätten 
gewesen sein müssen, nämlich Etappenstationen für den Heidenkampf 
des Ordens. 


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In der schon erwähnten Dissertation von Klaus Scholz findet sich eine Zahl, 
die dafür spricht. In seinem Untersuchungszeitraum kann der Verfasser in 
Hessen insgesamt 163 Ordensbrüder nachweisen, während, wie schon gesagt, nur 
insgesamt 16 Brüder aus Hessen nach Preußen oder nach Livland gingen, also 
jeder zehnte. Im Falle der anderen von Scholz untersuchten Ballei sehen die 
Dinge scheinbar ganz anders aus. Gegenüber 65 Brüdern, die aus Sachsen nach 
Preußen oder nach Livland gingen, werden nur 40 benannt, die in der 
Heimatregion blieben. Heißt das, daß aus der den Einsatzgebieten des Ordens 
näheren Region in der Frühzeit des Ordens mehr Brüder am Heidenkampf 
teilnahmen als aus dem ferneren Hessen? Das mag so gewesen sein. Doch kommt 
leider auch der Überlieferung Gewicht zu. Die hessischen, vor allem die 
Marburger Verhältnisse sind offensichtlich besser dokumentiert als die sächsi- 
schen, so daß die erwähnte Zahl 40 wohl mehr für die Lückenhaftigkeit der 
Überlieferung steht als für das, was in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert 
statsächlich gewesen ist. Und es kommt hinzu, daß der schon erwähnte Landgraf 
Konrad von Thüringen, der spätere Deutschordenshochmeister, das Marburger 
Ordenshaus reich ausgestattet, daß er insbesondere die Pfründen für 13 
Deutschordenspriester gestiftet hat I'. SO dürfte der Anteil der Priester brüder 
unter den erwähnten 163 Ordensbrüdern, die von 1300 bis 1350 in Hessen 
nachzuweisen sind, höher gewesen sein als unter den 40 sächsischen Ordens- 
brüdern derselben Zeit. 
Bei seiner Untesuchung der sächsischen Verhältnisse hat Scholz festgestellt, 
daß es gelegentlich einen Austausch nicht nur zwischen diesem Gebiet im Reich 
einerseits und Preußen und Livland andererseits gegeben hat, sondern auch 
innerhalb des Reiches 18. Bei seinen Untersuchungen der Ballei Sachsen hat sich 
ein entsprechendes Resultat nicht ergeben. Was heißt das? Im ganzen hat man 
wohl damit zu rechnen, daß die Ordensbrüder dort, wo sie in den Orden 
eintraten, auch blieben - falls sie nicht nach Livland oder Preußen versetzt 
wurden. Auf der anderen Seite war der Weg nach Preußen oder Livland aber ein 
Weg ohne Wiederkehr. 
Dafür gibt es in manchen Fällen durchaus Gründe. Man kennt Beispiele 
dafür, daß ein Adliger in einem Gerichtsverfahren dazu verurteilt wurde, dem 
Deutschen Orden beizutreten, nach Preußen zu gehen und von dort niemals 
zurückzukehren 10. Doch auch da, wo man von einem solchen Gerichtsurteil 
nicht weiß, führte der Weg aus einer Deutschordensballei im Reich nach Preußen 
oder nach Livland in der Regel wohl nicht in die Heimat zurück, sondern, wenn 
der Ordensritter altersschwach wurde, in die Firmanei einer der Ordensburgen 
im Nordosten. Das scheint selbstverständlich, ist es aber nicht - es sei denn, man 
legt hier alles Gewicht auf Versorgungsfragen. Die seit dem frühen 15. 
Jahrhundert üblich gewordene Bezeichnung des Deutschen Ordens als eines 
Hospitals - das heißt einer Versorgungsanstalt - des deutschen Adels 20 läßt 
erkennen, daß der Gedanke, die hessischen oder schwäbischen Ordensritter, die 


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nach Preußen gingen, hätten zwei oder drei Jahrzehnte später in ihre Heimat 
zurückkehren können, an der sozialen Realität der damaligen Zeit vorbeiginge. 
Doch welches Gewicht soll man solchenVersorgungsgesichtspunkten zumes- 
sen? Eine Antwort lautet: spätmittelalterliche Abfarkrise, Rückgang der Ein- 
kommen derer, die von bäuerlichen Abgaben lebten 21. Das ist bekanntlich ein 
großes Thema, geprägt vor einem halben Jahrhundert durch die Thesen 
namentlich von Wilhelm Abe1 22 . Diese Thesen überzeugen heute nicht mehr 
ebenso wie vor einigen Jahren 23. Nicht wenige Sachverhalte sprechen dagegen, 
daß in der Mitte des 14. Jahrhunderts eine säkulare Krisis derer begonnen 
habe, die von Grundrenten zu leben hatten, eine Krisis, die überdies bis ins 
späte 15. Jahrhundert anhielt. Wenn man den Zungenstreit im Deutschen 
Orden 24 als Anzeichen fur die Krisis nimmt, also den Versuch, in den 
preußischen Konventen einen Proporz zu schaffen, der die Ansprüche der 
niederrheinischenund der schwäbischen Ordensritter sichern sollte, so stellt man 
fest, daß die Sache erst acht Jahrzehnte nach dem Beginn der großen Agrarkrisis 
aufbrach. 
Auf der anderen Seite dürfte sicher sein, daß die Verluste von Tannenberg 
nicht ausgeglichen worden sind. Man kann nicht bezweifeln, daß die Zahl der 
Deutschordensritter in Preußen nach der Schlacht niedriger war als vorher 25 . 
Und ebenso sicher scheint, daß die Ursache dafür nicht die mangelnde Nachfrage 
gewesen ist, sondern vielmehr Abwehr. Die Verluste, deren Ursache die Schlacht 
war, wurden nicht ausgeglichen, weil sich der durch den Ausgang der Schlacht 
erzielte Rückgang der Zahl der Ordensritter in Preußen in einen größeren Trend 
einfügte. Die späteren Zahlen dieses Trends sind bekannt. Im 16., 17. un
 18. 
Jahrhundert sieht man an vielen Orten im Reich, daß die prächtigen Ordens- 
schlösser nicht Wohnort eines Konvents waren, sondern eines einzelnen 
Ordensritters. Und es gibt weitere Phänomene, die in die gleiche Richtung 
deuten. Erst im 15. Jahrhundert wurde die Rede von den Deutschordensherren 
geläufig. 
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden die Dinge, so möchte 
man meinen, noch eindeutiger. Nun verstanden sich in Preußen Komture nicht 
mehr als Beauftragte des Ordens wie vielmehr als Vertreter eines Bezirks. 
Sie traten dem Hochmeister als ständische Repräsentanten gengenüber - als 
sei der Hochmeister ein Fürst und als seien sie die Angehörigen eines 
Landesadels 26. 
Dieses Stichwort Landesadel führt zurück zu dem eingangs erwähnten 
fundamentalen Sachverhalt, den man als ersten nennen muß, wenn man über die 
Rekrutierung der Ordensbrüder nachdenkt. Die Brüder kamen in ihrer Mehr- 
zahl nicht aus den Einsatzgebieten, also aus Livland und Preußen. Daß das 
anfänglich so gewesen sein muß, ebenso wie im Heiligen Land, versteht sich von 
selbst. Aber damit ist doch nicht erklärt, warum es in der späteren Zeit dabei 
blieb. Freilich ist auch bier bereits der Sachverhalt unsicher, und nicht erst 


15 


I 
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>>>
seine Interpretation. Blieb es denn tatsächlich dabei, daß die Ordensritter 
nicht oder nicht auch aus den Einsatzgebieten kamen? Hier muß man wohl 
zwischen Livland und Preußen unterscheiden, wobei die Kenntnis des Sachver- 
haltes bei Livland noch schlechter ist als bei Preußen. Im Falle Preußens 
immerhin weiß man, namentlich seit Reinhard Wenskus, daß auch Einheimische 
hier Ordensbruder wurden, und zwar nicht nur Priesterbcüder - die kamen in 
ihrer übergroßen Mehrzahl aus Preußen -, sondern auch Ritter 21. In beiden 
Fällen, im Falle der Ritter freilich mehr als der Priester, bedeutet die einheimi- 
sche Herkunft nicht zugleich Abkunft von deutschen Zuwanderern. Wenn der 
Orden überhaupt Einheimische aufnahm, mußte sich die Assimilation von 
Zuwanderern und Einheimischen auch hier auswirken. 
Mit welchen Zahlen man es dabei zu tun hat, läßt sich begreiflicherweise 
genau nicht sagen. Bei der Bestandsaufnahme von 1437 haben wir in Preußen 175 
Ritter, die sich ihrer Herkunft nach bestimmen lassen. Von ihnen stammen 8, 
also 4 bis 5%, aus dem Lande. Reinhard Wenskus deutet die von ihm 
zusammengestellten Befunde so, daß der Anteil der einheimischen Ritterbrüder 
früher größer gewesen war 28. Das deutlichste Anzeichen dafür besteht darin, daß 
keiner jener acht Ritterbrüder einheimischer Herkunft von 1437 Gebietiger war, 
während sich unter den von Wenskus nachgewiesenen Ritterbrüdern einheimi- 
scher Herkunft aus früherer Zeit durchaus Komture, Vögte und Pfleger finden. 
Man darf also mit Grund annehmen, daß der Anteil Einheimischer unter den 
Ritterbrüdern in Preußen im 15. Jahrhundert zurückgegangen ist. 
Ein Grund für diesen Rückgang liegt auf der Hand. Wenn man damit 
rechnet, daß im 15. Jahrhundert nicht nach Ritterbrüdern gesucht werden 
mußte, wenn Versorgungsmotive größeres Gewicht erhielten, dürfte das die 
Chancen der Einheimischen verringert haben, weil in einer solchen Situation 
familiäre und regionale Zusammenhänge unter den aus dem Reich kommenden 
Ordensrittern, die ja jedenfalls die große Mehrheit darstellten und überdies die 
Führungspositionen innehatten, von größerem Gewicht gewesen sein dürften. 
Auf der anderen Seite sollte man nicht übersehen, daß die Dekomposition des 
Ordens und die Verfestigung nicht nur der Gegensätze zwischen dem Hochmei- 
ster, dem Deutschmeister und dem livländischen Ordenszweig, sondern auch von 
landsmannschaftlich geprägten Streitigkeiten innerhalb Preußens, wie sie die 
Jahre des Hochmeisters Paul von Rusdorf (1422-1441) geprägt hatten 29, unter 
dem nächsten Hochmeister, Konrad von Erlichshausen, zurückgedrängt wur- 
den. Wie man aus der Monographie von Klaus Eberhard Murawski weiß, war 
dieser Hochmeister ein entschlossener Ordensreformer, und nur bei Absichten 
und neuen Normen ist es offensichtlich nicht geblieben. Es scheint, daß 
das Gewicht herkunftsmäßig bestimmter Gruppen von Ritterbrüdern in 
Preußen nun wieder zurückgegangen ist 30. So mag auch die Bedeutung von 
Versorgungsmotiven nicht in gerader Linie weiter angestiegen sein - ohne daß 


16 


--
>>>
aber, so weit man sieht, die Chancen einheimischer Ritterbrüder nun größer 
geworden wären. 
Es fragt sich allerdings, ob diese Chancen von den Angehörigen einheimi- 
scher Familien überhaupt in nennenswertem Maße gesucht wurden. Es mag 
vielmehr so gewesen sein, daß die wachsende Entfremdung zwischen dem Orden 
in Preußen und den führenden Familien in den Städten und auf dem Lande die 
Zugehörigkeit von Angehörigen dieser Familien zum Orden gar nicht attraktiv 
erscheinen ließ. Es ist oft beobachtet worden, daß die Repräsentanten der Stände 
versuchten, den Hochmeister als Fürsten zu behandeln und die Ordenskor- 
poration als den tatsächlichen Landesherrn zu ignorieren. Am deutlichsten 
erkennt man das an den Auseinandersetzungen um den Wortlaut des Hul- 
digungseides, also am Streit darum, ob die Untertanen dem Orden oder - wie sie 
wollten - nur dem Hochmeister schwören sollten 31. Konnte es für jemanden, der 
sich immer wieder als Repräsentant der Stände mit Vertretern des Ordens 
gestritten hatte, der womöglich von arroganten Gebietigern beleidigt worden 
war und von ihnen zu hören bekam, daß er keineswegs ein Adliger sei, wie er das 
zu sein beanspruchte 32: Konnte es für einen solchen Mann vernünftig sein, 
seinen jüngeren Sohn in diesen Orden zu geben, ihn dafür auszustatten, was 
angesichts der geringen Besitzgrößen, die hier die Regel waren, erheblich ins 
Gewicht fallen mußte, damit der mit Mühe ausgestattete, in den Orden gegebene 
Sohn dort womöglich ein Leben lang unter dem Hochmut derer zu leiden hatte, 
die aus dem Reich kamen, die Mehrheit stellten und die führenden Positionen 
besetzt hielten? So verwundert es nicht, daß sich offensichtlich unter den 
Forderungen der Stände an den Orden nicht das Postulat findet, den Zugang 
zum Orden, den Zugang insbesondere zur Gruppe der Ritterbrüder für die 
Angehörigen der eigenen Familien zu öffnen 33. Als nach dem langen Krieg 
zwischen dem Orden einerseits und seinen aufständischen Untertanen auf der 
anderen Seite 1466 der Friede von Thorn geschlossen wurde, da wurde unter die 
den Orden beengenden Bestimmungen auch die Vorschrift aufgenommen, daß 
künftig die Hälfte der Ritterbrüder in Preußen gebürtige Untertanen des 
polnischen Königs sein sollten 34. War hier an Angehörige jener Familien 
gedacht, die 1455 den Aufstandgegen den Orden begonnen hatten? Oder sollte es 
sich um Ritter aus den bisherigen Gebieten der Krone Polen handeln? Das weiß 
man, wenn ich recht sehe, nicht. Jedenfalls wurde diese Bestimmung nicht 
ausgeführt, und es scheint, als habe der Orden keine Schwierigkeit gehabt, 
diesen Teil des Vertrages zu ignorieren, während etwa die Bemühungen der 
Hochmeister, den Treueid zu vermeiden, den sie dem Thorner Frieden zufolge 
dem polnischen König schwören mußten, erfolglos geblieben sind 35. So kam es, 
daß man es in den letzten Jahren der Ordensherrschaft in den Gebieten 
Preußens, die dem Orden nach 1466 verblieben waren, scheinbar wieder mit den 
ursprünglichen Zuständen zu tun hat. Die Ordensritter kamen aus dem Reich. 
Einsatzgebiet und Herkunftsregion lagen weit auseinander. 


17
>>>
Anmerkungen 


1 H. Boockmann, D
 Freiheit der Pruße" im 13. Jahrhundert, in: D
 abendländische Freiheit 
vom 10. zum 14. Jahrhundert (Vorträge und Forschungen 39), Sigmaringen 1991, S. 295. 
2 F. Benninghoven, Der Orden der Schwertbrüder (Ostmitteleuropa in Vergangenheit und 
Gegenwart 9), Köln-Graz 1965. 
3 Siehe nun die nach dem Datum dieses Vortrages von L. Fenske und K. Mililzer hrsg. Arbeit: 
Ritterbrüder im LMändischen Zweig des Deut.
chen Ordens (QueUen und Studien zur baltischen 
Geschichte 12), Köln-Weimar-Wien 1993, aus der sich ergibt, daß das übergewicht der aus 
Westfalen stammenden Ordensritter in Livland nicht von Anfang an gegeben war, sondern sich erst 
im Verlauf des 14. Jahrhunderts langsam herausbildete. Siehe auch die Studie von Sonja Neilmann, 
Von der Grafschaft Mark nach Livland. Ritterhrüder aus Westfalen im livländischen Deutschen Orden 
(Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz Beihefi 3), Köln-Weimar-Wien 
1993. 
4 Historisch-geographischer Atlas des Preußenlandes, hrsg. von Hans Mortensen u. a. Lieferung 
I, Wiesbaden 1968. 
, Studien zur Per.
onengeschichte de.
 Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert (Quellen und 
Studien zur Geschichte des östlichen Europa 3), Wiesbaden 1971. 
6 Ebd., S. 80. 
7 Beiträge zur Personengeschichte des Deutschen Ordens in der ersten Hälfte des 14. Jahrhun- 
derts, Diss. phil., Münster 1969. 
· M. Perlbach, Die Statuten de.
 Deuuchen Ordens nachden älte.tten Handschriften, Halle 
a.d. S. 1890, S. 102. 
D Ebd., S. 149. 
10 K. Forslreuter, Der Deutsche Orden am Mittelmeer (Quellen und Studien zur Geschichte des 
Deutschen Ordens 2), Bonn 1967, S. 215ff. 
11 R. ten Haar, Deutschorden.
staat und Deutschorden.
halle
n (GÖUinger Bausteine zur 
Geschichtswissenschaft 5), GÖUingen 1951, S. 36. Siehe auch K. Mililzer in dem Anm. 3 zitierten 
Band von ihm und Fenske S. 6Off. sowie Sonja Neitmann in dem ebd. zitierten Buch, S. 46ff. 
12 U. Arnold, Luder von Braunschweig, in: D
 deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasser- 
lexikon 5, Berlin 2 1984, Sp. 949-954. 
13 Beispiele bei U. Niess, Hochmeister Karlvon Trier (1111-1324). Stationen einer Karriere im 
Deut.
chen Orden (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 47), Marburg 1992, 
besonders S. 34ff. 
14 Siehe z. B. die Erörterung von B. Jähnig, Zur Stellung de.
 Komtur.
 von Thorn unter den 
Deutschordensgebietigern in Preußen, in: Thorn. Königin der Weichsel 1231-1981 ,hrsg. von dems. und 
P. Letkemann (Beiträge zur Geschichte Westpreußens 7), GöUingen 1981. 
U Das ergibt sich aus den Grabsteinen sowie aus den Stifterdarstellungen der Zeit. Sym- 
ptomatisch ist die Anekdote, die Johannes Busch von der Reform des Klosters Wennigsen berichtet. 
Als er nach Drohungen des Landesherm beruhigend zu einer der - adligen - Nonnen gesagt habe, so 
schlimm werde es schon nicht zugehen (Soror! Faciatis sicut dominus dux desiderat...), habe ihm diese, 
gekränkt durch die Anrede "Schwester", geantwortet: Vos non estisfrater meus, quare me sororem 
vocatis? Frater meus ferro est vestitu.
 et vo.
 linea veste, (Johannes Bu.
ch, Liber de reformatione 
monasteriorum), hrsg. von K. Grube (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen 19), Halle 1886, 
S. 555 tT. 
16 Die bekannteste ist die Grabplatte des Kuno von Liebenstein in der Pfarrkirche von Neumark 
(Nowe Miasto). Siehe M. Arszynski in Katalog: 8 Jahrhunderte Deutscher Orden, Güters- 
loh/München 1990, S. 430. Für den Normalfall bietet die Grabplaue des Konrad von EgJoffstein in 
der Nürnberger lUrche S1. Jakob ein Beispiel. Dazu U. Arnold und R. Suckale ebd., S. 537 f. 
17 H. Boockmann, Die Anfänge des Deutschen Ordens in Marburg. in: Sankt Elisabeth. Für.ttin. 
DiefU!rin, Heilige. Sigmaringen 1981, S. 141. 


18
>>>
11 Scholz (wie Anm. 7), S. 382 und 392. 
111 Ein Fall aus dem 13. Jahrhundert in: Urkundenbuch der Stadt Duderstadt, hrsg. von J. Jaeger, 
Hildesheim 1885, Nr. 2, ein anderer aus dem 15. Jahrhundert bei a. Werminghoff, Ludwig von 
Eyb d. Ä., Halle 1919, S. 41 f. 
20 H. Boockrnann, Johannes Falkenberg, der Deutsche Orden und d
 polnische Politik, 
Göttingen 1975, S. 52. 
31 K. Militzer, Auswirkungen der spätmittelalterlichen Agrardepression auf d
 Deutschordens- 
balleien, in: Von Akkon nach Wien. Festschriftfür M. Tumler (Quellen und Studien zur Geschichte des 
Deutschen Ordens 20), Marburg 1978; U. Amold, Agrarwirtschaft im Deutschen Orden, in: Beiträge 
zur Geschichte des Deutschen Ordens /, hrsg. von dems. (eben zitierte Reihe 36), Marburg 1986. 
:u Agrarkrisen und Agrarkonjunktur, Harnburg und Berlin 31966. 
11 Siehe die Bemerkungen von E. Schubert in seiner Einführung in die Grundprohleme der 
deutschen Geschichte im Spätmittelalter, Darmstadt 1992, S. 5ff. sowie die Studie von V. Groebner, 
(Jkonom
 ohne Hau.f (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 108), 
Göttingen 1993. 
Z4 C. A. Lückerath, Paul von Rusdorf (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen 
Ordens 15), Bad Godesberg 1969, S. 184ff. 
35 Siehe zuletzt Militzer (wie Anm. 11), S. 15 f. 
20 L. Dralle, Der Staat des Deutschen Ordens in Preussen nach dem 11. Thorner Fr
den 
(Frankfurter Historische Abhandlungen 9), Wiesbaden 1975, S. 87 f. 
31 R. Wenskus, Preus.ren als Territoriabtaat des 14. Jahrhunderts, in: Der deuuche Territorial- 
staat im 14. Jahrhundert 1, hrsg. von H. Patze (Vorträge und Forschungen 13), Sigmaringen 1970, 
S. 366 ff. Ders., Der DeutscM Orden und d
 Nichtdeutschen, in: Die deutsche Osts
dlung des 
Mittelalters, hrsg. von W. Schlesinger (Vorträge und Forschungen 18), Sigmaringen 1975, S. 422f. 
31 Eben zitierter Aufsatz von 1970, S. 366. 
ZII Siehe oben bei Anm. 24. 
Je K. E. Murawski, Zwi.fchen Tannenherg und Thorn (GöUinger Bausteine zur Geschi- 
chtswissenschaft 10/ 11), Göttingen 1953, S. 43 ff. 
31 H. Boockrnann, Zu den politischen Zielen des Deutschen Ordens in seiner Auseinandersetzung 
mit den preußischen Ständen (Jahrbuch für die Geschichte MiUel- und Ostdeutschlands 15), 
1967, S. 82f. 
n Siehe namentlich den Dialog aus dem Jahre 1453, den Z. H. Nowak zitiert: D
 Rolle der 
Konvente dp.s Deutschen Ordens, in: D
 Rolle der Ritterorden in der mittelalter/icMn Kultur (Ordines 
militares 3), Torun 1985, S. 33ff. Andere Beispiele für Arroganz von Ordensrittern gegenüber 
Angehörigen des Landesadels bei Boockmann (wie eben zitiert), S. 67 f. 
33 Siehe die "Ursachen des Bundes", ediert in den Acten der Ständetage Preussens, hrsg. von 
M. Toeppen 4, Leipzig 1884, Nr. 17. Siehe auch die folgenden Nummern. Der Text ist von einer 
eindeutigen Dichotomie bestimmt. Die Herren einerseits und Land und Städte auf der anderen Seite 
stehen sich übergangslos gegenüber - und zwar nach dem S. 29 f. gegebenen historischen Rückblick 
von Anfang an. Für Angehörige des Ordens, die aus einheimischen familien kamen, war in dieser 
Perspektive kein Raum. 
34 Die Staatsverträge des Deutschen Ordens in Preußen im 15. Jahrhundert 2, hrsg. von E. Weise, 
Marburg 1955, S. 279. 
35 Ebd., S. 274. Zu den einschlägigen Bemühungen Hochmeister Albrechts: M. Biskup, Das 
Ende des Deutschordensstaates Preußen im Jahre 1525, in: Die geistlichen Ritterorden Europas, hrsg. 
von J. fleckenstein u. M. Hellmann (Vorträge und Forschungen 26), Sigmaringen 1980 sowie ders., 
..Wojna Pruska" czyli wojna Pol ski z zak01l£m krzyzackim z lat 1519-1521, Olsztyn 1991. 


19
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>>>
ORDINES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA VIII - 1995 
RmERORDEN UND REGION - POLITISCHE, SOZIALE UND WJRTSCHAFI'L1CHE VERBINDUNGEN IM MmELALTER 


Anthony Luttrell (Bath) 


Tbe Hospitaller Province of Alaman;a to 1428 


This paper does not attem pt to survey the earlier history of the Hospitallers in 
their vast German province, but rather to consider the limited theme of the 
relationships between the Order's central, provincial and local administrations. 
It is based on documents taken from a wide range of material scattered through 
many archives, though for the twelfth century the surviving documents are scarce 
and some must be rejected as forgeries; consequently, some of the earlier dates 
given are merely approximations. Many changes and developments in the 
Hospital's administrative arrangements were conditioned by political and other 
events but these cannot be considered here 1. 
The bibliography of published work is enormous but extremely unequal 2 . 
Scholarly investigation into the German Hospital has been hindered by 
a concentration on German archives and on local afTairs, which have not always 
properly been understood in terms ofthe Order's general and central institutions. 
There has also been a tendency to assume that technical terms used in the 
T eutonic Order had the same meaning for the Hospitallers. A further difficulty is 
that Joseph Delaville le Roulx in his great Cartulaire, though not in his latest 
works, consistently referred to priors and priories as "grand priors" and "grand 
priories", thus causing extensive confusions, especially in the published lists of 
priors. Given that the documents provide very little indication of the early 
administrative structure ofthe German Hospital, the titles of officials mentioned 
in the texts are extremely important, but many such documents were drawn up by 
papal or secular chancery officials or by others who had little need to understand 
the precise local arrangements ofthe Hospital in pI aces as distant as Denmark or 
Moravia. The Hospitallers themselves were often equally imprecise. The 
difTerence between a magister, a preceptor, a prior, amagnus preceptor and so on 
was not always made clear, and often it can only be a matter of conjecture, with 


21
>>>
continual risk of error, through the inspection and interpretation of individual 
documents. The seals have seldom been published, though some Bohemian seals 
are exceIlently presented by Libor Jan 3. 
It is important to establish definitions, however numerous the exceptions or 
alternatives. The Master ofthe Hospital, who did not call himself "grand", ruled 
the central headquarters or Convent in Syria and, after 129], on Cyprus and 
Rhodes; his lieutenant in the East was the grand commander who was, 
confusingly, also caIled the grand preceptor. By the fourteenth century the 
Conventual brethren were divided into langues, that is tongues or nations, and 
each usuaIly had its senior officer or pillerius, its auberge or residence and other 
separate arrangements. In the European provinces, which roughly corresponded 
to the Conventual langue!;, there were brethren orfratres, who in Central Europe 
were sometimes termed cruciferi, living in commanderies, which were also known 
as preceptories or domu.
. NonnaIly each commandery had a commander 
responsible for paying the dues or re.'r;pon.
iones for transmittal to the Convent; if 
there was a senior priest in the house who was not its commander he was the prior 
ofthat domus. It was not unusual for a priest to become a commander, but if at 
certain times a house contained no milite.
 or knight-brethren, that did not make 
it a "priest commandery", a term not used in the early centuries. Commanderies 
were grouped in priories, which were not entitled "grand", ruled by priors, who 
were not "grand" either, or by lieutenants. Priories were in their turn grouped in 
provinces, though that was not always the tenn employed. Western provinces 
could from time to time be ruled by a centraIly-appointed officer known as the 
grand preceptor of his province, who might however sometimes be known as 
grand commander. There was occasionaIly a grand preceptor with jurisdiction 
over aIl the provinces, who was in efTect the master's lieutenant in the West. 
Confusingly, a grand preceptor might be styled merely as preceptor, with the 
result that those who mistakenly caIl priors "grand" cannot easily und erstand 
how a "grand prior" could be subject to a preceptor who is not caIled "grand". 
That problem is com pounded when a grand preceptor who was also a prior called 
himself a prior and acted like a prior. Various forms of the tenn bai/ivu.
 were 
employed to indicate almost any position in the Hospital as weIl as the particular 
office known in Gennan as the Ballei. While the Priory of Alamania covered 
modern Germany and all or parts ofBelgium, Holland, Poland and Scandinavia, 
and the Priory of Bohemia included Bohemia, much of Poland, Moravia, Austria 
and, at certain times, Hungary and E
clavonia, these two priories together 
formed a province which, confusingly again, was also known as Alamania. 
Furthermore, within the Priories of Alamania and Bohemia, there were also 
subordinate priories, such as those of Dada and Poland, which were only 
occasionally independent. 


* 
* * 


22
>>>
The Hospital emerged as an independent order, at first with a purely 
charitable and hospitaller character, in the years following the capture of 
Jerusalem by the crusaders in 1099 4 . German contingents took part in all the 
major twelfth-century crusades and many Germans went to Syria as pilgrims 5, 
so they and their neighbours certainly knew of the Hospital in Jerusalem and 
quite soon they were making donations to it 6. It is possible that Germany was 
visited between 1119 Rnd 1124 by an envoy sent by the second Master, Fr. 
Raymond du Puy, to seek charity in the West, since a papal letter of 
recommendation for this agent was copied into two twelfth-century Austrian 
manuscripts 7. At some point before 1143 aseparate German hospital was 
founded in Jerusalem; this two-storied hospice, which by about 1165 at the latest 
was flanked by its own church with a crypt, was situated at some distance from 
the Hospitallers' compound 8. In 1143, following quarrels both within the 
Kingdom of Jerusalem and elsewhere in unspecified places in aliis mundi partibus, 
the pope instructed that the hospital of the Teutonici in Jerusalem and its 
endowrnents be subject to the Master of the Hospital who was, however, to 
appoint for it a prior and attendants who could speak to the sick German 
pilgrims in their own language. At the same time another papal letter 
commanded the fratres Hospitalis Jerosolimitani per Alamaniam constituti, who 
were presumably in Germany or nearby, to submit to the Hospital's jurisdic- 
tion 9. The German hospice survived until the fall of Jerusalem in 1187 10, but it is 
uncertain whether that hospice and its endowrnents and members, some ofwhich 
could have been in Germany or elsewhere in the West, had passed completely or 
even partly under Hospitaller controI. There is no other indication of any 
Hospitaller holdings in Alamania before about 1145, and only two Hospitallers 
from the area that was later to become the German province are recorded in 
Jerusalem before 1187: Fr. Martinus, preceptor of Bohemia, Hungary and other 
parts in 1186, had been sent from Jerusalem to Bohemia in about 1183, and the 
nobilis vir P. mi/es de Boemia was killed by the infidels in Jerusalem in or just 
before 1187 11 . 
The Hospital's earliest foundations within the German province were 
apparently in Austria and Bohemia. Probably between 1145 and 1147 the 
Austrian noble Kadold de Harroz, on setting out for Jerusalem, gave the 
Hospital properties which later formed the nucleus of the Commandery of 
Mailberg north of Vienna 12. Thereafter donations. privileges and confirmations 
from kings, bishops and nobles steadily accumulated: by 1156 at Duisburg just 
north of Cologne; in 1160 at Werben in Altmark in the east of Saxony; at Gran in 
Hungary by 1161; and by 1166 at Zagosc in Poland; in 1169 at Prague; and at 
some time before 1187 at Poznan 13. Many of these acquisitions were in the 
eastern borderlands whose rulers and bishops probably intended that the 
Hospital's priests, churches and settlements should reinforce the process of 
colonization and conversion. Neither the fall of Jerusalem and the loss of the 


23
>>>
original hospital there in 1187 nor the subsequent emergence of aseparate 
Teutonic Order seriously interrupted the flow of donations throughout Alama- 
nia. These foundations were the result ofmany diverse local interests rather than 
of particular ini tiati ves taken by the Order's central governing body, but once the 
Hospital had been given these properties it had an interest in exploiting them for 
the sustenance of its main purpose in the Kingdom of Jerusalem. 
How the German brethren and possessions were at first organized within the 
confused overall European structure of the Hospital is not clear. In the East 
linguistic difficulties were evidently a serious drawback. Some German nobles 
may have spoken, or at least have understood, French which was the Hospital's 
officiallanguage, but as late as 1448 the senior German at Rhodes was unable to 
sit on a judicial committee because he spoke only German 14. While Italian, 
Hispanic and even English brethren might to some extent communicate in some 
form of Romance speech, many Germans must have feIt themselves excluded. In 
any case, there were apparently few Germanfratres in Syria. In Germany too 
there were problems. In 1253 the Master sent from Syria to the preceptor, 
presumably the grand preceptor, of Alamania, a Latin translation of the 
Hospital's rule with instructions that it was to be read aloud in the yearly chapter, 
while variant texts then in use in Germany were to be handed in to the prior 15. 
There was at least one manuscript, datable perhaps to about 1288, which 
contained versions of the statutes, some in German, which were extremely 
garbled, and some in Latin; it also included a Latin version of the Miracula, the 
legendary stories concerning the Biblical origins of the Hospital 16 . Also 
circulating in Franconia, apparently in the first half of the thirteenth century, 
were various forged charters which rehearsed details of the Miracula while 
offering indulgences in return for financial contributions 17. 
In Alamania the Hospital's houses and properties were organized in broadly 
the same manner as throughout the West, with much the same degree of 
continuing confusion over boundaries,jurisdictions and titles, matters inevitably 
complicated by political influences and divisions. As elsewhere, the basic local 
unit, centred on the domus in whichmost brethren resided, was thecommandery; 
the commander was often entitled magi'iter or preceptor. Thus the domu.'i at Gran 
in Hungary had a magister in 1187, as did Gross Tinz in Silesia in 120318. 
Commanderies were grouped in priories ruled by a prior, and he too was 
sometimes called magister or preceptor or by some other phrase; occasionally 
more than one priory was ruled by the same officer, but such priories probably 
retained their individuality with separate finances and chapters. How comman- 
ders and priors were chosen is not clear but must often have depended on local 
circumstances 19. In some areas, such as Bohemia and Hungary, royal favour was 
influential, and even when the Master and Convent exercized their theoretical 
powers of appointment, problems oftime and distance could make it difficult for 
them to im pose their choice in Western priories. 


24 


--
>>>
The extensive Province of Alamania was eventuaIly divided into two major 
zones: the Priory of Alamania with the subordinate Priory of Dacia and 
the Priory of Bohemia which included Moravia, Poland, Austria and other 
groupings. From the late-twelfth century onwa;ds a system of Hospitaller 
priories emerged in Alamania, as elsewhere in the West, apparently without 
any particular imposition from the East. In 1182 the pope addressed a con- 
firmation of possessions in Prague and Manetin to fratri Bernardo preceptori 
et a/ii..
 fratribus Hospitalis Jero:wlimitani in Boemia. Polonia et Pomerania 
con.ftitutis, and in 1186 a Fr. Martinus was preceptor in Hungary, Bohemia 
and all adjacent lands to their south, east and north. Fr. Bernardus was pro- 
bably an early Prior of Bohemia and Fr. Martinus a grand preceptor who may 
have hadjurisdiction in Germany as weIl as in Hungary and Bohemia. Germany 
was evidentlyaseparate area where in 1187 Arleboldus, prior Alemannie et omnis 
conventus tam c/ericorum quam laicorum held an annual chapter 20. Between 1184 
and 1247 papal, HospitaIler and princely documents gave HospitaIler officers 
a plethora of administrative titles. The Prior of Alamania or Germany was also 
termed magister, summus magister, magister et provisor, summus procurator, 
procurator generalis, preceptor and even univer.mlis magi.vter. In Hungary there 
was aprior in 1208 and aprocurator in 1216. Austria had aprior in 1207; Poland 
a magi.vter by 1201; Silesia a magister in 1205; Moravia an officer who had 
jurisdiction over a number of houses there in 1234, a prior in 1238 and a ma- 
gister in 1254; Lorraine a magister in 1222; Dada a prior in 1231; and other 
geographical circumscriptions and other combinations of titles were also 
employed 21. 
A clearly autonomous priory within the province was that of Bohemia, where 
royal interest and power evidently acted as a unifying force. A Fr. Bernardus was 
prior Boemie in 1181 22 . In 1182 he was preceptor in Bohemia, Poland and 
Pomerania. and he was Prior of Bohemia in 1188 and in 1194, in which year a Fr. 
Meinardus was preceptor, possibly grand preceptor. There was an unnamed 
Prior of Bohemia and Moravia in 1205; between about 1217 and 1240 a Fr. 
Hugo, who also governed in Poland and Moravia, was ruling in Bohemia, 
though not always with the title of prior; a Fr. J ohannes was Prior of Bohemia in 
1255 23 . These developments concerned Bohemia in particular, since in 1205 
there was a magister in Silesia and in 1207 a magister in Austria. In 1263 there was 
a separate Prior of Austria and Styria, and in 1244 and 1274 a separate Prior of 
Austria 24. The Priory of Hungary, which also enjoyed extensive royal support, 
became independent in the time of Andreas 11. In 1186 Hungary was being ruled 
jointly with Bohemia. apparently by a grand preceptor. but by 1208 it had its own 
prior. It had a procurator in 1216 and a prior in 1217, 1218 and 1226 25 . From 
about 1232 to about 1254 the prior was the royal protege Fr. Raimbaud de 
Voczon, whose origins are obscure. By themid-thirteenth century the Hungarian 
priory was clearly an independent unit 26. 


25
>>>
The Polish commanderies had a magister of Poland in 1201, a preeeptor 
domus saneti Johanni,v in Polonia in 1230, and a prior in 1246; a Fr. Gelolfus was 
prior in 1252, when he attended a chapter ofthe whole Province of Alamania at 
Cologne, and in 1255 27 . The boundaries of Hospitaller Polonia seem to have 
varied considerably. Pomerania, to the north of Poland, was grouped with 
Poland and Bohemia in 1182 and still in 1238 when the pope confirmed to the 
Prior and brethren of Moravia the donations of Schlawe, Jestin, Moizelin, 
Leibschau and Stargard in Pomerania 28. There were a limited number of 
foundations and confirmations in Poland outside Silesia during the thirteenth 
century 29, but little evidence ofHospitaller life there survived. As a consequence 
of political changes various foundations in Silesia originally made by Polish 
dynasties passed more directly under the control ofthe Prior of Bohemia. Some 
Hospitallers possibly fought the MongoIs at Legnica in Silesia in 1241 when they 
may, like the Templars, have sufTered losses of men and destruction of 
properties 30. In 1261 ajoint Prior of Poland and Moravia, Fr. Mauritius, was at 
Gross Tinz in Silesia and concerned with Silesian and Moravian afTairs, but 
Poland proper was becoming separate from the Hospital in Silesia, though the 
latter continued to be termed Polonia. In 1268 a Fr. Mauritius was lieutenant in 
the Commandery of Poznati, and in 1277 and 1283 a Fr. Mauritius was 
Commander of Mirow in Mecklenburg and ofWerben in Saxony 31. From about 
1284 to about 1296 Poland was ruled jointly with Bohemia and Moravia by 
a prior in Bohemia, Fr. Hermann de Hohenlohe, who was German, but in 1309 
Fr. Berthold de Henneberg was acting as lieutenant in Poland of the Prior of 
Germany when he confirmed an act of the Commander of Poznan 32. 
Whereas in East Central Europe the Priories of Bohemia and Hungary 
developed in an independent way with their subordinate Priories of Poland, 
Moravia, Silesia, Austria and E.vc/avonia which included lands in Slovenia, 
Croatia and Dalmatia, there remained aseparate and rather large area which 
became the Priory of Germany. This administrative unit apparently existed by 
1187 when Fr. Arleboldus, prior Alemannie, was holding annual chapters 33. His 
apparent successors were addressed by a variety of titles: Fr. Albert, .vummus 
proeurator, from 1222 to 1225; Fr. Heinrich de Heimbach, magister, in 1207; Fr. 
Heinrich, magister summus, in 1215; Fr. Heinrich and Fr. Eginhard, jointly 
magistri et provisores domorum in Germany, in 1216; and Fr. Heinrich de 
Guntramshofen, genera/is proeurator, in 1218. Thenceforth similar titles for the 
German prior reappeared, with a universa/is magister in 1228304-. 
In Scandinavia, but generally under the jurisdiction ofthe Prior of Alamal1ia, 
were various isolated foundations, royal and otherwise, with houses at Vibourg 
and Antvorskov in Denmark by as early as about 1170. There was a church at 
Eskilstuna in Sweden probably before 1185 and lands at Verne in Norway by 
1198 35 . By 1231 there was a Hospitaller prior for all Dada. The prior of 
Antvorskov was a Fr. Henricus de Housheit in 1266; in 1288 this prior was 


26
>>>
- 


holding a chapter at Antvorskov; and in 1290 there was a prior named 
Fr. Ebbo at Eskilstuna. At a chapter-general held on Cyprus in 1294 Dacia 
was, like Poland, considered aseparate priory 36, but apparently these priores 
were sometimes rulers of individual houses nther than of priories. They 
were in any case too distant for any dose control by officers in Gennany and in 
practice they were largely independent of them. In 1433 the Hospitallers' 
Scandinavian possessions were listed and valued as part of a projected exchange 
with lands ofthe Teutonic Order in Southern Italy and Sicily, ascherne resulting 
from the difficulties which both orders encountered in securing their revenues at 
long range 37. 


* 
* * 


With the steady growth of the Hospital's military and administrative 
responsibilities in Syria and elsewhere in the East, the Order's establishment in 
the West and the development of priories there became more extensive and also 
more widely dispersed. The Convent in the East was naturally concerned to 
secure control over the Western provinces and there evolved a new official 
appointed theoretically by the Master and Convent, unlike the priors who were 
supposedly named in chapter-general but whose origins were nonnally more or 
less local. These new officers, often known as grand preceptors, usually enjoyed 
a jurisdiction corresponding to a Western province or to a group of Western 
priories. There was occasionally a Grand Preceptor of Outremer, that is of the 
whole West, while others for Spain, Italy and France began to appear between 
about 1170 and 1190. The complicated manner of their development was 
reflected by contemporaries and scribes who provided them with a bewildering 
variety of titles; frequently they failed to distinguish grand preceptors from 
priors, especially when the same person was both a prior of one oe more priories 
and at the same time a grand preceptor controlling a group of priories. Thus in 
1289 Fr. Berenger de Laufen issued a document as magnus preceptor ... per 
Alemaniam but sealed it with the sigillum nostri prioratus 38. Grand preceptors 
were named only from time to time by the Master and chapter-general; 
sometimes they were appointed to carry out a specific task, and in 1296 it was 
emphasized that the office had an occasional character. As direct representatives 
ofthe Hospital's central government, grand preceptors, who had their own seal, 
could convoke a chapter of several priories or attend chapters of an individual 
priory. They received instructions from the Master and transmitted them to 
priors or directly to other brethren. In 1292 the Grand Preceptor in the West, 
whose office was superior to that of a provincial grand preceptor, was 
empowered to licence the creation of mi.':les and donati. He could confinn 
appointments of commanders and, apparently, make temporary appointments 
when death caused vacancies. He and the grand preceptors of individual 


27
>>>
provinces exercized much of the power of the Master and Convent while also 
conducting some of the business of an ordinary prior 39. 
Fr. Martinus, who as early as 1186 was preceptor of Hungary, Bohemia and 
all lands to their south, east and north, was probably Grand Preceptor of 
Bohemia and H ungary, but was clearly not in charge of Alamania to their west 40. 
The first clear example of a grand preceptor for the Province of Alamania came 
much later between 1249 and 1252 with Fr. Clemens, magnU!i preceptor in 
Germany, Bohemia, Moravia and Poland, but not at that point in Austria or 
Hungary. In 1251 and 1252 Fr. Clemens held chapters ofthe whole province at 
Cologne; that of 1251 was termed a capitulum generalis, while that of 1252 was 
evidently not limited to Germany since it was attended by the Prior of Poland. 
In 1255 Fr. Heinrich de Fürstenberg, who was then Grand Preceptor in 
Germany, Bohemia, Poland and Moravia, was in Silesia and with him were the 
Priors of Poland and Bohemia 41. Both Fr. Clemens and Fr. Heinrich de 
Fürstenberg may weIl also have been Priors of Germany, and indeed some of 
their acts concerned matters within that priory 41. By 1250 at the latest the 
Hungarian Hospital had its own grand preceptor 43. However, in 1258 Austria, 
and in 1266 Dada and Hungary, were within the jurisdiction of the Grand 
Preceptor of Alamania 44. The whole of Alamania had become a single province, 
and the appointment of a grand preceptor was presumably designed, at 
a comparatively late stage with respect to other provinces, to impose a measure of 
central control on a disparate, distant and politicaIly disjointed region. 
Fr. Heinrich de Fürstenberg was a Gennan noble with an unusual career. 
From 1255 onwards he was, with interruptions, Grand Preceptor ofGennany. In 
1270and 1272, but not in 1271, he was simply PriorofGennany, and in 1259 and 
1262 he was in Syria as magnu.r; preceptor Ho.fpitali.r; in Accon or Grand 
Commander in the East 4.5. His successors as grand preceptor were aIl Gennans: 
Fr. Heinrich de Boxburg, Fr. Hennann de Brunshorn, Fr. Berenger de Laufen, 
Fr. Friedrich de Kindhausen, Fr. Gottfried de Klingenfels, Fr. Heinwich de 
Kindhausen, and Fr. Helfrich de Rüdigheim, this last from 1305 to 1310. Though 
there is no indication ofhow or why they were appointed, they seem to have held 
office in a more permanent way than grand preceptors in other provinces. Their 
jurisdictions varied, Austria and Styria sometimes being explicitly included 46. 
The statutes passed in Cyprus in 1294 contained a list of HospitaIler grand 
preceptors and priors which included a Grand Preceptor ofGennany, and Priors 
of Gennany, Poland, Bohemia and Denmark but not of Hungary or Esc- 
lavonia 4'. Royal influence over the Hospital was strong in Hungary 48 and in 
1247 King Bela IV made agrant to Fr. Raimbaud de Voczon, whom hedescribed 
as Grand Preceptor in partibus cismontani.r; 49. By it the Hospital was to populate 
much of the frontier regions of Severin, the western part of WaIlachia north of 
the Danube, and of Cumania, and to defend them with up to 100 military fratres 
both against MongoIs and Cumans and also against schismatic Bulgarians and 


28
>>>
others. This agreement to fight against fellow Christians was somewhat 
exceptional in early Hospitaller history , and eq ually exceptional was the papal 
grant made in 1248 to the Hungarian Hospitallers and to those fighting with 
them against the MongoIs the same crusading indulgences as those conceded for 
Syria by the general council then in session at Lyons 50. Had they been realistic, 
these arrangements, which envisaged an enormous force ofbrethren, might have 
led to developments similar to the very extensive operations of other military 
orders in Spain and Prussia, to the attempts to settle the Teutonic Order in 
Siebenbürgen north of WaUachia, or to the establishment of the Hospital itself in 
Cilician Armenia or, after 1204, in Latin Greece; but the agreement was never put 
into action 51. 
Fr. Raimbaud de Voczon, who was Prior or at tim es Grand Preceptor of 
Hungary from 1237 onwards 52, was Grand Preceptor in Italy, Hungary and 
Esc/avonia in 1250 and 1253, and in 1253 and 1254 in Austria as weIl 53. 
Exceptionally, in 1266 and 1279 for example, Hungary was listed within the 
jurisdiction of the Grand Preceptor of Germany 54. In 1259 Fr. Raimbaud de 
Voczon's successor Fr. Arnoldus was also described as major preceptor of 
H ungary and E.
c/avonia 55. The Priory of H ungary and Esc/avonia held its own 
chapter, in 1275 for example 56, and its independence was emphasized in 1280 
when Fr. Hermann de Brunshorn entitled himself magnus preceptor in Germany , 
Bohemia, Dada, Austria, Poland and Moravia, and also, but separately, as 
gerens vices .vummi magistri per Ungariam 57. In 1267 the exiled Latin Emperor, 
Baudouin 11, invited Fr. Ponsde Fay, Prior ofHungary and Esc/avonia, who was 
possibly a Frenchman from the Auvergne, to take troops to recapture 
Constantinople, ofTering to restore to the Hospital the lands it had once held in 
the Eastern empire 5B. The turning point came with the recognition in 1308 of 
a French Angevin as king of Hungary. The Angevins ruled in Naples and 
Provence and thereafter Hungary normally formed part of the Hospitaller 
Province of Italy or, sometimes, of Provence 59. 
The Grand Preceptor of Germany received extraordinary offical recognition 
at the chapter-general of 1301 which passed special statutes, in French, for the 
Province of Alamania; these were confirmed in 1304. Hospitaller statutes 
designed to apply exclusively in a single province were otherwise unknown. 
These statutes of 1301 envisaged the Grand Preceptor ofGermany as virtually 
the direct ruler of its priories. He might, with the counsel of his provincial 
chapter, replace a commander who was in debt or who could not pay his 
responsiones because his commandery was indebted; the new commander would 
have to promise to restore the commandery, and if he failed to do so the grand 
preceptor could take it over himself while the new commander would lose the 
commandery and be punished. There was considerable emphasis on debts. 
Commanders were not to construct new buildings or borrow money without the 
grand preceptor's licence. He would be able to employ for his own purposes 
pensions which had reverted to the Order and he might, with the counsel of his 


29
>>>
convent, seil pensions for up to 1000 marks, though these were to revert to the 
Hospital on their purchaser's death. He was empowered to employ as many 
HospitaIler priests and sergeants-of-labour as necessary, but he was not to create 
milires, sergeants or priests without the licence of the Master ofthe Hospital. The 
same chapter, in passing a general statute that no prior should hold two priories 
from the chapter-general, specificaIly excepted Alamania from that provision, 
evidently to cover the multiplicity of titles in the province 60. The provision 
limiting the creation of new brethren and the existence of a provincial chapter 
implied a pennanent organizational unit with regular functions more like that of 
a prior than that of a grand preceptor, whose appointment was nonnally 
a temporary one made in the Convent. Probably there were difficulties as weIl as 
debts in the province, so that the quite exceptional legislation of 1301 was 
intended to enable the Province of Alamania to be administered and refonned as 
a single unit 61. The Convent may have been impeIled to create a special kind of 
quasi-permanent Grand Preceptor of Alamania precisely because it was scarcely 
able to control that province's priors or their appointment. 
The obvious general reasons for such special developments in Alamania were 
the province's remoteness from the Syrian Convent, the problems of language 
and the resulting scarcity of Gennan representation in the Hospital's central 
government. Many parts of Gennany were geographically no further from the 
East than were France or England, yet the sheer size of the province and the 
diversity of political regimes within it created real difficulties. In Bohemia the 
result was a tendency for Poland, Moravia and Austria to be governed as 
partiaIly separate units; on occasions there were lieutenants in Austria and 
Styria, as also in Poland. The size of the Gennan priory brought yet another 
confusing development, that of lieutenants for High or Southern Germany and 
for Low or Northern Germany; sometimes both posts were held by the same 
person. High Germany comprised parts ofmodern Switzerland, Baden, Alsace, 
Breisgau, Bavaria, Wurtemburg, Franconia and Thuringia, while Low Gennany 
included the Lower Rhine, the Netherlands, Nassau, Hesse and apparently 
Brunswick and Hanover. From 1251 there was often a lieutenant in Low 
Germany of the Prior of Germany, and from 1253 a similar lieutenant in High 
Germany. In 1257 and from 1289 to 1310 there was actually a fuIl Prior of High 
Gennany whose priory had its own seal, and from 1296 to 1310 there was 
similarly a fuIl Prior of Low Germany; in 1317 there was also a prior for Central 
Alamania. In 1302 there was a lieutenant of the Grand Preceptor of Alamania in 
High Germany. Sometimes the grand preceptor or the prior had a lieutenant for 
the whole Priory of Alamania. In 1259 and 1263 there was a lieutenant of the 
Master in High Germany. These developments were not necessarily caused 
merely by the priory's size, for Masters and grand preceptors were able, by 
naming lieutenants, to keep priories vacant and thus receive their incomes, as 
indeed occurred in other provinces as weil 62. 


30
>>>
Those who were merely lieutenants did not enjoy fully the incomes, 
patronage or permancncy of tenure of a full prior, and they therefore retained 
their own commandery 63. Many of these varying officcs were held, usually at 
different times, by the same person. At times Hig'1 Germany and Low Germany 
each functioned as the equivalent of aseparate priory, sometimes governed by 
a lieutenant ofthe Prior ofGcrmany, or ofthc grand preceptor, or ofthe Master; 
their officers acted much as any othcr prior, holding chapters of commanders. 
using a seal of office and authorizing sales, leases, purchases, pensions, 
exchanges and other arrangements; probably they also collected respon.fiones 64. 
Occasionally Bohemia, Poland and Moravia were also held as separate priories. 
What was unusual, in comparison with gencral Hospitaller practice, was that all 
these priors within the German province were, at lcast in some ways, subject to 
what was in effect a superior prior, that is to the Grand Preceptor of Alamania, 
whose office differed. however, from that of grand preceptors in other provinces, 
especially in so far as it had become permanent or almost permanent. 
In Gcrmany there also emerged a figure, not normally found elsewhere, who 
controlled a group of commanderies but who was not a prior or his equivalent. 
Such officers can scarcely be distinguished from some earlier local magistri. such 
as the magister in Lorrainc of 1222 or the magister for Alsace and Breisgau of 
1252. The laUer was Fr. Heinrich de Toggenburg who was later, in 1263, both 
Commander of Bubikon near Zurich and lieutcnant of the Master in High 
Germany 6S. Probably he was in effect acting as a prior while the Master in Syria 
was keeping the priory vacant and possibly cnjoying its incomes; in that case, the 
lieutenant retained the commandcry and its incomes. Such officers wcre oftcn 
involved in local business to which thcy gave assent, sometimes sealing 
documents. Local magistri who were not acting for the Mastcr may have been 
chosen by their prior or grand preccptor; they secm not to have held chapters or 
collected re:
pon.;iones. In 1271, for example. the Commandcr of Werbcn was 
vicepreceptor for Saxony and Slavia 66; in 1280 the Commander of Mainz was 
also commendator for the Hospital's houscs in Franconia and Wetterau 61, and in 
1281 as commendator Franeonie he assented to and sealed an act of the 
Commander ofW ölchingen 68. In 1296 the Commander of Boxberg and Hall was 
vice magistri in Franconia and Swabia 69. In 1297 Fr. Hcrmann de Mainz was 
Commander of Trier and magister tocius balive per parte.; inferiores Alemanie; 
this ba/iva was apparently the Priory of Low Germany, and Fr. Hermann, who 
retained his commandcry, was probably its licutcnant rathcr than its prior 10. 
The Hospital's retreat to Cyprus in 1291 and the conquest of Rhodcs betwcen 
1306 and 1310 had little immediate effect on its German province; nor did the 
transfer to Prussia in 1309 ofthe Teutonic Ordcr's convcnt or the suppression in 
1312 of the Templars who were never strongly established in German lands. 
After about 1310 Hospitaller grand preceptors were appointed only rarely in the 
West, but some German control over Bohemia was maintained through the 


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>>>
device, used in about 1323, of naming Fr. Albrecht de Schwarzburg, Prior of 
Alamania, as visitor in both Bohemia and Dacia 71. The flow of donations and 
legacies to the Order continued in Germany 72, as did the entry into the Hospital 
of a small group of mi/ites from the higher nobility who tended to secure the 
priory's senior positions. In Bohemia the priors had mostly been German but in 
1325 the prior, Fr. Berthold de Henneberg, was efTectively replaced, technically 
as his lieutenant, by a native usurper, Fr. Michael de Tinz; thereafter Bohemian 
nobles, whether Czech- or German-speaking, normally secured the priory 73. 
Priors were usually appointed by the Master and Convent at Rhodes. In 1372 
they narned as Prior of Bohemia a German, Fr. Hesso Schlegelholtz, who was 
presumably the senior member ofthe German langue on Rhodes; the Bohemian 
brethren and their king protested to pope and Master that he was a foreigner; 
and, after various threats and disputes, he was replaced by the Silesian Fr. 
Zemovits, Duke ofTeschen 74. Two German developments which were unusual 
in the Hospital were the making of entry payments, known as elimO!
ina or in 
German Almosen, and the extensive practice of investing capital in life-rents or 
Leibgedinge in order to produce a pension for an individual Hospitaller. This 
tended to fill commanderies with numerous mi/ites who lived in them on 
comfortable benefices, usually without going to serve at Rhodes or sending 
much money there. In the fourteenth century there may have been as many as 700 
brethren in the German priory, many of them milites, a very considerable num ber 
compared with other provinces. The general consequence ofthese developments 
was extensive debt and laxity in the German priory 75. In 1373 there were about 
one hundred commandÜies in the whole German priory including Dacia 7C1, and 
about 37 in that of Bohemia; in that year twelve commanderies in the Diocese of 
Prague contained as many as 112 Hospitaller brethren". 
One particular development, also scarcely paralleled in the Hospital outside 
Germany 78, was the appearance of local officials who functioned as an 
intermediate authority between the prior and the commanders but who gradually 
carne to represent not the Hospital's central authority but rather the brethren of 
their own region. The intermediate authorities of the thirteenth century, the 
various magistri and lieutenants, had derived their position not from their 
subordinate brethren but from their superiors. In Alamania lieutenants were 
appointed for increasingly small areas, for exarnple in Franconia, in Wetterau 
and elsewhere, with titles such as locum tenen.v, vice prior, preceptor domorum, 
preceptor generalis or commendator. The newer intermediate administrative 
circumscription was the Ballei, of which there were eventually some eight or more 
in Alamania, with its officer the Balleier . In 1319 the commanders of twenty small 
commanderies in Ostfreisland reached an apparently unique arrangement with 
their local superior, the Commander or magi.vter of Steinfurt, which was in fact 
outside their own area: they agreed to pay him 44 marks as their annual 


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responsiones, while he would visit their houses but would no Ion ger choose their 
commendator domorum, evidently their regional officer and in effect their 
Balleier, who was instead to be elected by the twenty commanders and merely to 
be confirmed by the magister of Steinfurt. The Steinfurt magister could intervene 
to settle election disputes and he was to recei ve one .mlidus from each commander 
when making visitations, but the magister was no longer to receive either 
entrance monies, that is the elimosina paid to the commanders, or the horses left 
by deceased commanders. The arrangement was apparently made without any 
reference to the Master or to the Prior of Germany 79. The Ostfriesland Ballei 
constituted a special case in that, while it elected its own commendator domorum, 
it continued to depend on a commander whose commandery was outside its own 
region. In 1412 Fr. Johannes Cruze held a chapter at Groningen as balivus 
domorum for Westfalia, as Commander of Steinfurt and as magister domorum per 
Fri.liiam; Ostfreisland apparently retained its special status 80. 
There were many brethren who scarcely left their local region or Ballei, 
moving from house to house and holding commanderies within what became 
a restricted circle. Senior local commanders took it in turns to act as Balleier in 
which capacity they held chapters and confirmed the acts of individual 
commanders but, except in Brandenburg, they seem not to have received an 
income from the Ballei or to have collected or paid responsione.y for it; they 
retained their commandery and had no seal as Balleier. How they were chosen is 
not clear. In 1341, at the prior's command, Fr. Albert de Ulenbrok visited 'he 
seven commanderies of the Ballei of Westfalia, reporting on their debts and 
obligations and on their personnel which amounted to 144 brethren 81. In 1362 
the representatives of the Ballei of Franconia met at Würzburg and, with the 
prior's approval, they issued extraordinary and detailed reforming statutes 
dealing with numerous abuses such as debts, pensions, extravagances, personal 
possessions, lax behaviour and so on BZ. These reforms would, if put into effect, 
have been most commendable, but what was really happening was that the 
German Hospitallers were making local arrangements and solving regional 
problems with little or no reference to their prior or to the central authority of 
their Order. 
In one region this tendency towards local independence had especially 
significant consequences. By 1319 the area of Brandenburg, which consisted of 
Saxony, of Slavia that is Sclavonia or Mecklenburg, ofthe Mark ofBrandenburg 
and of Thuringia, was already being governed independently under aseparate 
prior or vice-prior, or preceptor generalis as he was most usually termed 83, and 
was paying, apparently to the Convent's receiver in the West, separate 
re.yponsiones amounting to 1462 1/2 marks for twenty houses, according to the 
local accounts for that region presented to the Hospital's central authorities 84. 
Following the suppression of the Templars in 1312 the Hospital faced grave 
difficulties in this area which was, quite exceptionally, entrusted not to a local 


33 


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man but to the Italian Fr. Paolo de Modena. This caused such resentment that on 
12 January 1323 five leading Gennan brethren wrote to the Master suggesting 
that he be replaced in the preceptoria ofThuringia, Saxony and the Mark by the 
Prior ofGennany, Fr. Albrecht de Schwarzburg 85. In 1330 this rcgion's dues to 
the Convent were being calculated separately by the chapter-general held at 
Montpellier 86; and in 1335, for example, the preceptor generalis, Fr. Gebhard de 
Bortfeld, held a provincialis capitu/um at Nemerow 87. However, all that was 
a matter of regional indepcndence vis-a-vis the priory and not of proto- 
Protestant feeling. 
F ollowing the papal schism of 1378, the Hospital was in an especially difficult 
divided position in Gennany and in 1382, after many disputes, the prior agreed 
that the BaI/ei of Brandenburg was to elect its own BaI/eier, as in practice it had 
been doing for some time. The BaI/eier would still owe obcdience to the prior, 
who was to confinn his election and who could still visit the BaI/ei; the BaI/eier 
was to attend the prioral chapter every ycar bringing as the respon.done.v of the 
BaI/ei as much as 324 florins, alm ost a third of what the whole priory owed to 
Rhodes; the BaI/ei would not have to pay any special extra taxes imposed on the 
priory. Among those agreeing to this arrangement were the BaI/eier ofWestfalia, 
High Gennany, Wetterau, Cologne and Thuringia; the arrangement was 
confinned by the Hospital's chapter-general at Valence in March 1383 88 . The 
agreement merely perpetuated the existing situation in which the Brandenburg 
Hospitallers enjoyed a considerable degree of independcnce from the prior; it 
certainly did not make the BaI/ei independent of the Order. Brandenburg 
continued to provide responsione.v to Rhodes; in 1490, for example, it had paid 
3824 florins for the two previous years 89. 
The situation in distant Dacia remained ambiguous. Before the fifteenth 
century almost all its rulers were Gennan brethren. It held prioral chapters which 
the Norwegian fratres attended, but it began to lose its status as a depcndent 
priory and to become a BaI/ei. In 1415 and 1417 there were referenccs to aprior 
genera/is, yet in 1417 the Master licensed the bai//iuus Dacie prioratus A/amanie to 
create six knight brethren and in 1420 the bai//iuw;, together with thc BaI/eier of 
Westfalia and Brandenburg, was instructed by the Mastcr and Convent to attend 
the chapter of the Gennan priory with all his commanders. Brandenburg and 
Dacia clearly enjoyed a special status; some thirty years later, in 1454, they both 
claimed that certa privi/egia had exempted them from paying any dues except 
those which they owed directly to Rhodes 90. 
Bohemia was a priory which predominantly supported thc Roman popes 
duringthe papal schism after 1378. Ata prioralchapter in 1392 thc priordcputed 
to a subordinate the judgement of a dispute between scvcral Austrian comman- 
ders on the grounds that he himself did not und erstand Gennan: in /ingua 
theutunica non bene ex.vcitit. There was a reference at that chapter to the scizure of 
the privileges of the Baiu/ia of Austria and, while there were no Bal/eien in 


34 


L 


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>>>
Bohemia,the priory was divided into separate groups from Austria, Bohemia, 
Moravia and Polonia, that is Silesia; each of the four had its locum tenens. The 
text arranged the names of the commanders present in groups according to the 
four areas to which they belonged 91. 
After 1310 at least a few brethren from the province reached Rhodes. There 
were quite numerous interventions by the Master and Convent on maUers such 
as provisions to priories and commanderies, confirmations of appointments 
made by priors in the West, receptions of new brethren, summonses to the 
Convent, the collection of monies and so on. For example in 1410 the 
chapter-general meeting at Aix-en-Provence confirmed the BaI/eier ofWestfalia, 
who had been appointed by an earlier Prior of Germany, in his position for his 
lifetime; in 1419 this was confirmed by the Master 92. Financial contributions 
from Alamania were not negligible. For the year 1364/65 the Convent received 
1200 florins from Bohemia 93, and for the two years 1373/74 and 1374/75 the 
whole province provided 6735 florins, constituting 7.6 percent of the total 
responviones and other dues paid to the Convent from the West which amounted 
in all to 89,060 florins for those two years; of these Germany paid 2915 florins 
and Bohemia 3820 florins 04. 
Two Germans, Fr. Albrecht de Schwarzburg between 1306 and about 1320 
and Fr. Hesso Schlegelholtz who was lieutenant on Rhodes in 1411 and 1412, 
were extremely influential in the Convent 95. Otherwise there were so few 
Germans in the East during the fourteenth century that the langue almost 
disappeared 96, and in 1410 it was confirmed that the commanders of the German 
priory could elect their own prior as there were too few suitable Germans at 
Rhodes 97. In 1422, however, it was established that the Germans should be given 
full recognition as one of the seven langues with rights and duties - in omnibus 
honoribus et oneribus - in the Convent at Rhodes and in the Hospital's castle at 
Bodrum on the Anatolian mainland, and in the same year the proctors of the 
German langue on Rhodes demanded that the Germans there should be aIlowed 
to choose one oftheir number for the next priory to fall vacant in that province. 
In 1428 the German langue also acquired its own senior official, the magnus 
balivus, and it decided to repair its auberge at Rhodes 98. In 1428 the Germans 
had demanded an officium baiu/iatus cum stipendio debito in conuentu, and 
in 1433 they sought control of the office of Treasurer. The full acceptance 
of the German seventh langue placed the three French-speaking langues in . 
a minority in the Convent, and the Germans played a £oIe in the great quarrel 
of 1446 when the four non-French languesmade a major challenge to the French 
predominance 99. 
For reasons largely of size and distance, with language and politics also 
playing a role, the Hospital's German province was of rather marginal value to 
its central government in Syria and Rhodes. The normal system of priories did 
not function weIl in Germany. The central Convent could have divided Alamania 


35
>>>
into more than one province, but that would have given the Germans and others 
a body of officers and an influence in the Convent which would have been 
unacceptably large in proportion to their contribution there. Rhodes could name 
receivers whose task was to collect monies due JOo. It could also send visitors as, 
for example, when the Prior ofToulouse went to Germany in 1329 101 , but such 
methods seldom had much efTect in a somewhat remote province. The German 
priory became divided into what were really sub-priories, and these came to 
acquire a character oftheir own with the appearance ofthe Balleien, which were 
partially independent of their own priory. Unlike the Teutonic Order which 
depended upon men but not upon financial support from Germany, what the 
Hospital needed at Rhodes, a well-fortified island which could be defended with 
a comparatively small force, was money rather than man power. The Convent's 
contacts with the German province, though threatened after 1420 by the Hussite 
revolt in Bohemia, never entirely broke down. After 1428 the Gennan langue on 
Rhodes remained active and the German province continued to send to the 
Convent financial assistance which was limited but by no means negligible. From 
the Convent's viewpoint, it was in the long term important above all that 
connections with the brethren of Alamania be maintained across the centuries 
without losing support from the Gennan province. 


Notes 


I For lhe period before 1310 the majorily of documents used are those published or 
surnrnarized, sometimes rnisleadingly, in Cartulaire general de I'Ordre des Ho.vpitaliers de St.-Jean de 
Jerusalem: 1100-1310, ed. J. Delaville le Roulx, 4 vols., Paris 1894-1906. The treatment is exlremely 
seleclive and incomplete, especiaUy for the period after 1310; much lhirteenlh-cenlury material is 
scaUered throughout the archives and publications, while details on lhe post-131O period, drawn in 
parlicular from the Hospilal's central archives now in Malta, will appear in an introduclory work on 
lhe Hospital in Alamania being prepared by Karl Borchardt, Ekhard Schöffier and Anlhony Luttrell. 
2 F or essential bibliography, Der Johanniterorden - Der Malteserorden: Der ritterliche Orden des 
hl. Johannes 110m Spital zu Jerusalem, seine Geschichte. seine Aufgaben, ed. A. Wienand, 3rd 00., 
Cologne 1988; W. Rödel, Das Grosspriorat Deutschland des Johanniter-Ordens im iJbergang 110m 
Mittelalter zur Reformation anhand der Generalllisitationsberichte lIon 1494195 und 154(y 41,2 nd 00., 
Colognel972; C. Maier, Forschung.fbericht zur Geschichte der geistlichen Ritterorden in der Schweiz 
(12.-19. Jahrhundert), Schweizerische Zeilschrift für Geschichte 43, 1993. 
3 L. Jan, Pel!eti rytiiskych Duchollnlch 'Qdü 11 (;echlJch a na Mora1l11189-131O (S piihlUnutim 
k diJlIimu IIYIIOji), Zpravy Krajskeho vlastivldneho muzea v Olomoci 246, 1987; his conc1usions 
largely coincide with lhose here. 
4 The standard work is J. Riley-Srnith, The Knights of St. John in Jerusalem and Cypru.f: 
c. 1050-1310, London 1967. 
, Lisls in R. Röhrichl, Die Deutschen im Heiligen Lande,lnnsbruck 1894, and idem, Deutsche 
Pilgerreisen nach den Heiligen Lande, Gotha 1889. 
o Early developrnents are surnrnarized in Rödel, Wienand and J. Delaville le Roulx, Les 
Hospitaliers en Terre Sainte et a Chypre: 1100-1310, Paris 1904, pp. 428-431. 


36 


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>>>
7 Cartulaire, no. 47; cf. R. Hiestand, Papsturkundenfur Templer und Jolranniter: Archivberichte 
und Texte, Göttingen 1972, p. 424. 
1 N. von Holst, Der deutsche Rilterorden und seine Bauten von Jerusalem bis Sevilla von Thorn 
bis Narwa, Berlin 1981, pp. 26--29, 218-220, with plans, photos and references; cf. M.-L. Favreau, 
Studien zur FrUhgeschichte des Deutschen Ordens, Stuttgart 1974, pp. 12-34; H. Kluger, Hochmeister 
Hermann von Salza und Kaiser Fr
drich 11., Marburg 1987, pp. 127-132, citing extensive earlier 
literature. 
11 Cartulaire, nos. 154-155. Both bulls referrOO to q uarrels outside the Jerusalern kingdom, and 
per Alamanniam might have meant ..in Germany" , in which case there were by 1143 certain otherwise 
undocumented foundations ad opus peregrinorum Jerusolimis in Gerrnany, possibly made to the 
German hospital in Jerusalern, which should have passed to the Hospital in that year; cf. Favreau, 
pp. 25-34. 
10 Kluger, p. 127. 
U Cartulaire, nos. 802, 861. In 1163 Fr. Petrus dictus Alamannus was prior of the HospiW's 
domus and ecclesia in Constantinople and was sent by the Greek emperor on a mission to France: 
ibid., nos. 321, 323, 326. In October 1188 Fr. Arlabaudus, Prior of Alamannia, was with 
Fr. Annengaud d'Asp who was then acting as Master: ibid., no. 860. The laUer was apparently in 
Syria in and after October 1187, but the relevant documents, or at least their dates, seem puzzling: 
references in Riley-Smith, pp. 106--107, but the queslion requires thorough revision. 
12 Cartulaire, nos. 81, 246, discussed in K. Lechner, D
 Kommende Mailherg, in wienand, 
Ist 00., Cologne 1970, pp. 414-416, redating Cartulaire, no. 81 to 1245/60 rather than circa 1128: 
arnend Delaville (1904), p. 387. The German praclice of making donations wilhout a written charter 
in the first half of the twelfth century means that the earliest donations are known, if at all, only 
through later conrmnations which makes thern difficult to date. 
13 Cartulaire, nos. 204, 213, 278, 289,405,831 et passim; A. G
siorowski, Najstarsze dokumenty 
poznaflskiego domujoanit6w, Studia Zrödlomawcze 8-9,1963-1964; E. Dlibrowska, A. Tomaszew- 
ski, Recherches sur les Hospita/
rs a Zago.fc en Pologne, Annales de I'Ordre Souverain Militaire de 
Malte 24, 1966; M. Skopal, Zaloteni komendy Johanitü na Male Stranl, Praisky sbornik historicki 
26, 1933. 
14 Valletta, National Library of Malta, Archives of the Order of Saint John, Cod. 361, 
f.314. 
15 Texts in Cartulaire, nos. 70, 2653, and G. LaglOOer, D
 Ordensregel der Johanniter/ Malteser, 
St.Otilien 1983, pp. 13
153. 
16 Munich, Bayerische Staatsbibliothek, Ms. Lat. 4620, partly published in Recueil des 
Historiens des Croisades: Historiens Occidentaux 5, Paris 1895, pp. 405-410; fragments ofthe statutes 
in German, datable circa 1390, are in Cologne, Historisches Archiv der Stadt Köln, GeistI. 
Abt. 129 A, f. 1-8. 
17 K. Borchardt, Spendenaufrufe der Johanniter aus dem 11. Jahrhundert, Zeitschrift für 
bayerische Landesgeschichte 56, 1993. 
11 Cartulaire, nos. 831, 1180. 
111 There is remarkably little evidence on this point. 
zo Cartulaire, nos. 643, 802, 825; cf. Delaville (1904), pp. 387-389. Fr. Martinus was also 
preceptor in 1189: Cartulaire, no. 865. He was probably the Martinus prepo.dtus, a title he took in 
other texts (nos. 643,802,865) and on his seal (Jan, Fig. I), who was with the Master and other senior 
Hospitallers apparenlly in Syria in October 1188 (Cartulaire, no. 860, and supra, n. 11). 
21 Texts in Cartulaire surnrnarized in Delaville (1904), pp. 387-390, 428-431. Templar 
terminology was similarly diverse in this region: M. Schüpferling, Der Tempelherren-Orden in 
Deutschland, Bamberg 1915, pp. 191-203, and M.-L. Bulst-Thiele, Sacrae Domus Militiae Templi 
Hierosolymitani Magistri: Untersuchungen zur Geschichte des Templerordens 1118/19-1114, 
Göttingen 1974, pp. 211-212, 372-379. 
22 Codex Diplomaticus et Epistolaris regni Bohemiae, 00. G. Friedrich, I, Prague 1904, p. 262. 


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:13 Cartulaire, nos. 643, 861, 959, 1224,2713. For Fr. Hugo, who was unknown to Delaville, 
references in Jan, p. 2. Ofthe priors listOO in Wienand, p. 654, Martinus (1189) and Meinardus (1194) 
were probably grand preceptors; Peter von Straznitz (1245) is not there documentOO; and Clemens 
(1249) and many of his allegOO successors were Grand Preceptors of Alamania. 
:M Cartulalre, nos. 1225, 1273, 2329, 3048, 3540. 
25 Ibid., nos. 802, 1302, 1472,1605,1832, and Delaville (1904), pp. 39On. I, 399,430; Delaville 
and Favreau, p. 33, consider that there was a Prior Martinus in 1186. 
ze Delaville (1904), pp. 391,430; this assurnes that Miko and Raimbaud de Voczon were the 
same person. 
27 Cartulaire, nos. 1149, 1971,2426,2611, 2713,3000. 
21 Ibid., nos. 643, 2191, 2193. 
29 Eg. ibid., nos. 1149, 1502,2180,2325,2592,2718,3306,4243. 
30 That Hospita.\lers fought at Legnica is an unsubstantiated hypothesis; on the Templars, 
see Bulst-Thiele, pp. 212-213; M. Starnawska, Notizie sulla Composizione e sulla Struttura 
dell'Ordine del Tempio in Polonia, in: I Templari: Mito e Storia, 00. G. Minnucci, F. Sarda, 
Sinalunga-Siena 1989. 
31 Cartulaire, nos. 2989, 3000, 3306, 3627, 3816. 
32 Ibid., nos. 3861,4298,4834. 
33 Ibid., no. 825; in October 1188 Fr. Arleboldus, prior Alamannie, was with the acting Master, 
apparently in Syria (discussion supra, n. 11). 
34 Ibid., nos. 1265, 1429, 1455, 1622, 1743, 1767, 1804 n. I, 2146 etc; Delaville (1904), 
pp. 389-390,429. 
35 T. HaU Olsen, The Priory of Dacia in the Order of Saint JOM of Jerusalem, Annales de l'Ordre 
Souverain Militaire de Malte 18, 1960; T. Nyberg, Zur Rolle der Johanniter in Skandinav
n: Erstes 
Auftreten und Aufbau der Institutionen, in: Die Rolle der Ritterorden in der mittelalterlichen Kultur, 
00. Z. H. Nowak, Torun 1985. 
36 Cartulaire, nos., 1995, 3982,4133,4259 para. I; Delaville (1904), pp. 400--402, 430-431. 
37 B. Eimer, The Spiritual Orders of Knighthood in Scandinavia under King Erilc of Pomerania: 
Studies in an Exchange Projekt of 1433, Annales de I'Ordre Souverain Militaire de Malte 30 (1912). 
31 Cartulaire, no. 4046. 
39 Despite considerable ambiguities in the texts, this interpretation broadly follows that in 
Riley-Smith, pp. 366--371; but the decree oe 1278 circa did not say that the Grand Preceptor in the 
West used the Masters's bull, but that he sealOO in wax in the same way as the Master: text 
in J. Delaville le Roulx, Melanges sur I'Ordre de S. Jean de Jerusarem, Paris 1910, 111, pp. 3-5 
(hut p. 6 prints adifferent text, with omissions, which confuses the point). The 1206 statutes show that 
the powers of the grand preceptor were decidOO by the Master and chapter-general: Cartulaire, 
no. 1193. 
40 Ibid., no. 802; however, Delavi\1e (1904), pp. 391,428, regards Fr. Martinus as agrand 
preceptor but of Alamania. 
41 Cartulaire, nos. 2493, 2505,2547,2568, 2611,2713, 2823,2908; Delaville (1904), p. 392. 
Ibid., pp. 391, 428, inexplicably regards Fr. Meinardus, preceptor (perhaps commander) at Prague 
alongside aprior (probably oe Prague) in 1194 (Cartulaire, no. 959), as Grand Preceptor of Alamania. 
Fürstenberg's tenure as grand preceptor was apparently interruptOO by Fr. Heinrich de Boxburg, 
swnmus preceptor in March 1260, Fürstenberg apparently then being in Syria: ibid., nos. 2934-2936, 
2948,3045, 3047. The illusion that Fürstenberg was "Grand Prior" oe Bohemia helps to invalidate the 
lists in Wienand, pp. 654--655. RepeatOO discussions of these titJes have failOO to und erstand the 
nature of a grand preceptor and the resulling lists are therefore unreliable. 
42 Assuming that they did not use the title in the documents because they were Grand Preceptors 
oe Germany; no other prior is known between about 1242 and 1260: Delaville (1904), p. 429. 
43 Cartulaire, no. 2526. 


38 


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>>>
44 Ibid., nos. 2908, 3219. 
45 Ibid., nos. 2713,2823,2908,2934--2936,3045,3047,3219,3386,3412,3455, 3470; cf. Delaville 
(1904), pp. 392-394. 
46 Ibid., pp. 392-396,429. 
41 Cartulaire, no. 4259 para. I. 
48 Ibid., I, pp. CXCVII, CCIII-CCVII; Delaville (1904), pp. 142-143, 390, 398--400; E. Reiszig, 
A JeruslJlem Szent-JlJnos-slovag-rend MagyarorszlJgon, 
 vols., Budapest 1923--1928, summarizOO in 
H. Thierry, L 'Ordre de Malte en Hongroie, Rivista deI Sovrano Mililare Ordine di Malta 2, 1938. F or 
Croatia, see I. Kukuljevic-Sakcinski, Priorat vranski sa vitezi templari i hospitalci sv. Ivana 
u Hrvatskoy, I\ad Jugoslavenske Akademije 81-82,1886--1887; L. Dubronic, The Military Orders in 
Croatia, in: The Meeting ofTwo Worlds: Cu/twal Exchange between Bast and West during lhe period 
0/ the Crusades, ed. V. Goss, Kalamazoo 1986. 
411 Cismontanis might have rneanl in Hungary, and perhaps also in Alamania or even beyond; 
some texts give Cismarinis which might have implied the West in general. 
so Cartulaire, no. 2445. The Hospital was to serve against pagans and Bulgarians; if other 
schismatics invaded, it was lo provide centum fratres, while if Christian armies invaded it was to 
provide 50 (quiquingenta: sic) and if Tartar arrnies invaded, 60 fratres. a. A. Forey, The Mili- 
tary Orders and the Holy War againu Christinns in the Thirteenth Centwy, English Hislorical 
Review 104 (1989). 
51 Cf. Riley-Smith, pp. 57, 132, 158-163,325,334,359-360,432,459 n. 3. 
52 Cartulaire, nos. 2161, 2445, accepting cismontanis rather than cismarinis. For frater R. prior 
prollincialis ... in Ungarin in 1237, see Velera Monumenta Historica Hungariam Sacram illustrantia, 
00. A. Theiner, Rorne 1859, p. 154. By 1238 &clavonia was parl of lhe Hungarian priory: Cartulaire, 
no. 2205. 
53 Ibid., nos. 2526, 2638,2663. 
,. Ibid., nos. 3219, 3692. 
55 Ibid., no. 2932. 
56 Ibid., nos. 3030, 3572,4711 (1262-1306). 
51 Ibid., no. 3729: A VST ... MOR ... POL... are legible on lhe seal. Between 1278 and 1281 
Brunshorn had a variety oftilles as grand preceptor, once in 1279 inc\uding Hungary: ego Cartulaire, 
nos. 3678, 3689, 3692, 3718, 3774; he was never Prior ofGermany or ofBohemia.ln 1278 the Queen 
of Bohemia entiUed Brunshorn as Grand Preceptor of Bohemia, Dacin, Austria, Moravia and 
Poland, omiUing Alamania but probably through some error: ibid., no. 3678. Wienaod, pp. 652, 654, 
probably requires arnendment on these points. 
SI Cartulaire, no. 3252. In 1276 Fay, still Prior ofHungary, was authorized 10 sail from Barletta 
for Syria: ibid., no. 3599. 
59 An Italian, Fr. Filippode Gragnana, was Prior ofHungary from 1317 to 1329: J. Delavillele 
Roulx, Les Hospita/
rs Q Rhodesjusqu'Q la Mort de Philwert de Naillac: 1310-1421, Paris 1913, 
pp. 71/72 n. 6, 174--175. 
eo Cartulaire, nos. 4549 para. 13,4550, 4672 para. 18. 
111 Cf. Riley-Smith, pp. 368-369. 
62 Delaville (1904), pp. 394--396,428-431, but without a1ways distinguishing between lieute- 
nants, priors and grand preceptors. For exarnple, it gives as prior of Lower Alamania in 1296 
Fr. Hermann de Mainz, but the document has him as Commander of Cologne and lieutenant in 
Lower Alamania of the grand preceptor: Cartulaire, no. 4305. For the seal of the prioratus of High 
Alamania in 1289: ibid., no. 4042. 
CI3 Eg. Cartulaire, nos. 3049, 3911, 3950 n. 2,4250,4305. 
114 Cf. Delaville (1904), pp. 394--396. 
os Cartulaire, nos. 1756, 2599, 3049; it seems anachronistic to employ the terrn Ballei before 
about 1300. 
oe Codex Diplomaticu.
 Brandenhwgensis 6, ed. A. Riedei, Berlin 1846, p. 19. 


39 


--
>>>
ffI J. Wibel, Hohenlohische Kyrchen- und Reformations-Historie 2, Onolzbach 1753, codex 
diplomaticus, pp. 92-93. 
111 Monumenta Boica, 00. Bayerische Akademie der Wissenschaften 27, Munich 1829, 
pp. 528-529. 
l1li Würzburg, Staatsarchiv, Urk. 4921. 
'70 Cartulaire, no. 4395 n. 2. 
11 Malta, Cod. 16 no. 15. 
'12 Crudes statistics show show that donations in the Province of II.lamania continuOO to rise 
after 1240 while in France and England they fell: W. Rödel, Erwerbspolitik und JVirtschaft.vweLve der 
Kommdenden Mainz und N
derweisel des Johanniterordens: Ein Stat-Land-Vergleich, in: Erwerbs- 
politik und Wirtschaftsweise mittelalterlicher Orden und Kloster, 00. K. Elm, Berlin 1992; 
H. Nicholson, Templars, Hospitallers and Teutonic Knight.v: lmage.v of the Military Orders, 
1128-1291, Leicester 1993, pp. 58-{j5. 
13 Delaville (1913), pp. 70--71, 172-173. 
14 M onumenta Vaticana res gestas Bohemicas illustrantia, 4 part 1,00. C. Stloukal, Prague 1949, 
pp. 230--231, 262-263; cf. Delaville (1913), pp. 172-113,219. 
15 Brief interim undocumentOO survey in A. Luttrell, The Hospitallers in Fourteenth-Century 
Germany, S1. John Historical Society Proceedings 2, 1988-1990. 
16 Figures basOO on research in course of publication. 
11 Excellent detail in V. Novotny, lnqui.vitio Domorunl Hospitalis S. Johannis Hierosolimitani 
per Pragensem archidioesimfacta anno 1373, Historiky Archiv 19, 1901. 
11 The baJlillatw of A valterre, Chantraine or Flanders, cornprising a preceptoria principalis and 
33 domus, had something in comrnon with the nearby German Ballei: A.-M. Legras, L'Enquete 
pontiflcale de 1373 sw I'Ordre des Hospitaliers de Saint-Jean de Jirusalem I, Paris 1987, pp. 148-1 SO. 
'19 Ostfr
sisches Urkundenbuch 1,00. E. FriOOlander, Emden 1878, pp. 44-45. 
10 Ibid., I, p. 192: cf. G. Noordhuis, De Johannieters in Stad en lAnde: Geschiedenis lIan de 
Johann
ters in de prollincie Groningen (13 de-17 de eeuw), Warffum 1990, pp. 22-24; E. Schöningh, 
Der Johanniterorden in Ostfriesland, Aurich 1913, pp. 9-17; idem, Zur Geschichte der Johanniterhallei 
Westfalen, Osnabrucker MiUeilungen 81, 1974. On the Ballei of Utrecht, see T. van Bueren, Macht en 
onderhorigheid binnen de Ridderlijke Orde lIan Sint Jan: de Commandewsportrelten uit het Sint 
Jans1closter te Haarlem, Haarlern 1991, pp. 13-16; idem, Tot lof lIan Haarlem, Hilversum 1993, 
pp. 76-78,87-90. 
11 Urkundenbuch für d
 Geschichte des N
derrheins 3, 00. J. Lacomblet, Düsseldorf 
1853, p. 292. 
12 W. Engel, D
 Krise der Ballei Franken des Johanniterordens zur Mitte des 14. Jahrhunderts, 
Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 18, 1955; cf. W. Rödel, Reformbestrebungen im 
Johanniterorden in der Zeit zwischen dem Fallll.kkons und dem Verlust lIon Rhodos: 1291-1522, 
in: ReformbenlÜhungen und Obserllanzbestrebungen in spätmittelalterlichen Ordenswesen, 
00. K. Elm, Berlin 1989. 
113 Delaville (1913), pp. 72-75. 
.. Text in J. Miret y Sans, Les Cases de Templers y Hospitalers en Catalunya. Barcelona 
1910, p. 402. 
" Malta, Cod.16 no. 15 (possibly 12 January 1324). 
16 Delaville (1913), p. 75, n. 2. 
11 Codex Diplomaticus Brandenhwgensis 19 (1860), pp. 196-197. 
.. Delaville (1913), pp. 211-218, gives details, but wrongly claims "C'etait pour I'Höpitalla 
perte de la province de Brandebourg". 
111 E. Opgenoorth, Die Ballei Brandenburg des Johanniterordens im Zeitalter der Reformation 
und Gegenreformation, Wurzburg 1963, pp. 34-49; cf. infra, n. 93. Earlier historians rnisinterpretOO 
events in the light of what happenOO later in the Protestant Reformation; there was 
no Herrenmeister at the time. 


40 


-
>>>
110 Hatt 01sen (1960), pp. 23-25, 29; idem, Dacia og Rhodos: en Stud
 o ver forholdet mellem 
JohaMitterstormestern pa Rhodos ofprioratet Dacia i de 14. og 15. arhundrede, Copenhagen 1962, 
pp. 19,26-27, 77 n. 73, 102-104. 
111 Prague, StAtni Üsttedni Archiv, Archiv Maltezskeho velkoptevorstri, no. 951, summarized 
in L. Jan, Ivanovice na Hane, Orlovice a johanitsky iM, tasopis Malice moravske 3, 1992, 
pp. 211-213. 
In Malta, Cod. 336, r. 142v; Cod. 342, f. 144. 
IIJ Malta, Cod. 319, f.187. 
114 A. Luttrell, The Hospitallers' Western Accounts, 1373/4 and 1374/5, in: Camden Miscellany 
30, London 1990, pp. 8-9. In circa 1478 27 houses in High Germany paid responsiones of 1578 florins, 
while 38 houses in Low Germany plus the Ballei of Brandenburg (1243 florins) and the Priory of 
Dacia (544 florins) paid 3810 florins, for a total of 5388 florins; no figures were given for Bohernia: 
Paris, Bibliotheque Nationale, Ms. Lat. 13,824, f. 88v-90 (transcript kindly provided by Anne-Marie 
Legras). Brandenburg thus provided 23 per cent or the priory's contribution. 
115 Delaville (1913), pp. 7
, 24, 32-34, 78-79, 185, 187,209,214--215,223,230-231,350. 
116 There were a few German brethren in Rhodes between 1330 and 1344: Malta, Cod. 280, 
f. I-54. The ordinationes agreed in 1373 referred to twelve electors, two from each langue, implicitly 
excluding a seventh langue which was presumably that of Alamania: Paris, Bibliotheque Nationale, 
Ms. Franc. 17,255, r. 71. 
11'1 Malta, Cod. 336, r. 148v-149. 
111 J. Samowsky, Der Konvent auf Rhodos und d
 Zungen("lingue") im Johanniterorden: 
1421-1476, infra. 
IIP R. Valenlini, Un Capitolo Generale degli Ospita/
ri di S. Giovanni tenuto in Vaticano nel 
1446, Archivio Storico di Malta 7, 1936, p. 135. 
100 Eg. Malta, Cod. 316, r. 230; Cod. 319, r. 187v-188. 
101 Delaville (1913), pp. 74--75; see also HaU Olsen (1960), pp. 28-29.
>>>
ORDINES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA VIII - 1995 
RniERORDEN UND REGION - POLITISCHE, SOZIALE UND WIRTSCHAFI'LlCHE VERBINDUNGEN IM MniELALTER 


Jürgeo Sarnowsky (Berlin) 


Der Konvent auf Rhodos und die Zungen (lingue) 
im Johanniterorden (1421-1476) 


"Am vierten Tag des Monats Juni 1433 waren der hochwürdige Herr 
Admiral und die übrigen Herren Brüder der Zunge Italiens (/ingue Ita/ie), die sich 
im Konvent auf Rhodos aufhalten, in ihrer Herberge (in eorum albergiam) mit 
der Erlaubnis unseres Herrn, des Meisters, versammelt und vereinigt, um über 
die Angelegenheiten dieser Zunge zu entscheiden und zu handeln" 1. So und 
ähnlich beginnen zahlreiche Einträge in den Libri Bullarum, den Registern, der 
Großmeister der J ohanniter, die neben dem ausgehenden Briefwechsel ebenfalls 
wichtige Beschlüsse der Amtsträger und Versammlungen des Ordens überliefern. 
Diese Quellengruppe enthält somit umfangreiches Material auch zur Geschichte 
eines konstitutiven Elements im Johanniterorden, der Zungen 1. Wie schon die 
angeführte Notiz erkennen läßt, spielte die Gliederung in Zungen nur im 
Haupthaus der Johanniter, im 15. Jahrhundert also im Konvent auf Rhodos, 
eine Rolle. Die Zungen stellten jedoch ein bedeutsames Bindeglied zwischen der 
Ordenszentrale und den Regionen Europas mit ihren vielfältigen Interessen dar, 
in denen der Orden durch seine Priorate und die in ihnen zusammengefaßten 
Ordenshäuser vertreten war. Es soll hier versucht werden, dieser Rolle der 
Zungen etwas genauer nachzugehen, doch kann dies angesichts des F orschungs- 
stands nur den Charakter eines ersten Entwurfs haben. Erst wenn die Quellen aus 
der zentralen Kanzlei des Ordens besser erschlossen sind, werden verläßlichere 
Aussagen möglich sein. Die Masse des vorhandenen Materials erlaubte zudem 
nur den Zugriff auf einen beschränkten Zeitraum, und zwar auf die Jahre 
zwischen 1421 und 1476 3 , in denen die Großmeister von Antoni Fluviä bis 
Giovanni Battista Orsini amtierten und in denen sich im Gefüge der Zungen 
wichtige Änderungen vollzogen. Ich werde für meine Untersuchung in drei 
Schritten vorgehen: Im ersten Abschnitt soll die Entwicklung der Zungen vor 


43
>>>
allem im hier interessierenden Zeitraum umrissen werden (I), im zweiten geht es 
um die inneren Strukturen der Zungen (II), im dritten und letzten schließlich um 
ihre Funktion innerhalb des Ordens (III). 


I. Entstehung und Entwicklung der Zungen im Johanniterorden 


Die Ausbildung von Zungen innerhalb des Johanniteordens geht noch auf die 
Zeit im Heiligen Land zurück 4. Schon am Anfang des 13. Jahrhunderts spielte 
die Herkunft der nach Palästina entsandten Brüder eine Rolle, und um 1300 
- während der Jahre auf Zypern - hatten sich die Zungen des Ordens endgültig 
entwickelt. Jeder Bruder des Konvents gehörte fortan einer der sieben Zungen 
an, also einer der drei französischen, Francia, Provence oder Auvergne, oder der 
italienischen, spanischen, englischen oder deutschen lingua, wie dies die Statuten 
des Generalkapitels von 1301 festlegten. Damit verbunden war eine Aufteilung 
der Unterkünfte sowie, endgültig erst auf Rhodos, der wichtigsten Ämter im 
Konwent, der Konwentualbaillis. Die ältesten dieser Ämter, wie sie ähnlich auch 
in den anderen Ritterorden bestanden, waren Großpräzeptor, Marschall, 
Hospitalar, Drapier und Thesaurar. Dazu kamen am Anfang des 14. Jahrhun- 
derts der Admiral und der für die Hilfstruppen zuständige Turkopolier 5. Die 
Konventualbaillis wurden schließlich spätestens seit dem Generalkapitel in 
Montpellier (1330) aus den verschiedenen Zungen gewählt, und 1340 hatte sich 
wohl endgültig die auch später anzutreffende Auf teilung ergeben 6: Der 
Großpräzeptor entstammte der Provence, der Hospitalar der Francia, der 
Marschall der Auvergne, der Admiral der italienischen, der Drapier der 
spanischen und der Turkopolier der englischen Zunge. Damit war jedoch die 
Entwicklung der Zungen keineswegs abgeschlossen, innere und äußere Faktoren 
führten immer wieder zu Versuchen der Neuordnung. 
Zu den ersten Veränderungen gehörte das Verschwinden der deutschen 
Zunge, zwischen 1340 und 1344; es verblieb nur noch eine deutsche "Provinz", 
aus der unter anderem Ungarn "ausgegliedert" wurde 7. Zugleich verlor eines der 
erwähnten Ämter, das des Thesaurars, den Rang eines Konventualbaillis, so daß 
nur noch sechs Positionen für die Besetzung durch die Zungen zur Verfügung 
standen 8_ im 15. Jahrhundert sollte die hervorgehobene Stellung des Thesaurars 
nicht erneuert werden. Auch wenn im späteren 14. Jahrhundert immer wieder 
deutsche Brüder im Konvent nachweisbar sind 0, war ihre Zahl dort wohl 
zumindest zeitweilig zu gering, um eine eigenständige Rolle zu spielen. So sieht 
zum Beispiel die von einem Generalkapitel im letzten Drittel des 14. Jahrhun- 
derts beschlossene Ordnung für die Wahl eines Großmeisters nur die Beteiligung 
von sechs Zungen vor 10, und noch bei der in Anlehnung an diese Ordnung 
erfolgten Wahl des Großmeisters Pere Ramon Zacosta 1461 wird die deutsche 
Zunge als letzte in der Reihe der /ingue genannt und war als einzige nur mit einer 
Stimme vertreten 11. Spätestens jedoch am Anfang des 15. Jahrhunderts stabili- 


44
>>>
sierte sich die Lage der Zunge wieder. Die Brüder unternahmen nun den Versuch, 
erneut auf die außerhalb des engeren deutschen Priorats gelegenen Gebiete 
Einfluß zu gewinnen, die im 14. Jahrhundert zur deutschen Zunge gehört hatten. 
Als Großmeister Antoni Fluviä im Juni 1422 H\.:rzog Ruprecht von Schlesien 
zum Prior von Böhmen berufen wollte, erhoben die Brüder der lingua Alamanie 
Einspruch. Sie forderten, daß diese Besetzung des Priorats keinesfalls ein 
Präjudiz schaffen und daß über das Priorat in Zukunft nur von ihnen mit 
Zustimmung des Großmeisters und des Rates verfügt werden dürfe 12. Wieweit 
dieser Protest erfolgreich war, läßt sich nicht erschließen, doch ist es vielleicht 
kein Zufall, daß der auf den folgenden Tag datierte Registereintrag über die 
Berufung Ruprechts die Angabe über die Dauer seiner Amtszeit offenläßt: 
Möglicherweise wollten die Vertreter der Zunge eine möglichst rasche Neubeset- 
zung des Priorats erreichen. Auf jeden Fall blieb Böhmen im Konvent "Teil" der 
deutschen Zunge, während Bemühungen um Einfluß auf die Besetzung von 
ungarischen Ordenshäusern weniger erfolgreich waren 13. 
Die "Rückkehr" der deutschen Zunge in den Kreis der septem lingue vollzog 
sich wohl endgültig einige Zeit nach dem Einspruch vom Juni 1422. In einer 
knappen Notiz im ersten Liber Bullarum aus der Zeit Antoni Fluviäs heißt es 
lapidar unter dem 9. November 1422: "Zwischen den Herren, dem Meister, den 
Baillis, Prioren und (den anderen) hochrangigen (Brüdern), die sich im Konvent 
zu Rhodos aufualten, wurde vereinbart, daß den Brüdern der deutschen Zunge 
ihre Zunge in Hinsicht auf Ehren und Pflichten im Konvent zu Rhodos und im 
Bereich des Kapitäns der Burg S. Peter (Bodrum) als eine der sieben Zungen 
gelten soll, gemäß den Gebräuchen der anderen Zungen" 14. Auch wenn man 
angesichts der knappen Formulierung kaum von einer feierlichen Anerkennung 
der deutschen Zunge im Konvent sprechen kann, wurde sie damit doch den 
anderen lingue offensichtlich wieder weitgehend gleichgestellt. Ein Unterschied 
allerdings blieb: Ihr war keiner der Konventualbaillis zugeordnet. Dies änderte 
sich erst im Juni 1428, mit der bekannten Entscheidung des Großmeisters, 
des Konvents und des in Rhodos versammelten Generalkapitels, für die 
deutsche Zunge das Amt des Großbaillis einzurichten, dessen Hauptaufgabe 
darin bestand, die Befestigungen, die Söldner und die Bewaffnung der auf 
dem Festland gelegenen Burg S. Peter zu visitieren 15. Welche Bedeutung 
die Brüder dem neuen Amt ihrer Zunge beimaßen, ergibt sich aus der 
Feststellung der Urkunde, sie hätten dieses seit langem mit querelo...a insinuatio 
erbeten, mit drängenden Bitten. Als Begründung für die Einrichtung dieses 
neuen Amts wurde zunächst darauf verwiesen, daß die deutsche Zunge unter 
den Christen angesichts der Macht und Weite ihres Herrschaftsbereichs 
(dominium) eine wichtige Rolle spiele. In einem zweiten Schritt wurde eine 
Beziehung zwischen den lingue und den Konventualbaillis hergestellt: Jede 
der anderen nationes - hier wird dieser Begriff synonym verwandt - habe 
bereits ein solches Amt 16. Auch wenn die Ereignisse der Großmeisterwahl des 


45
>>>
r 


Jahres 1461 zeigen sollten, daß den anderen Zungen mindestens für einige 
Jahrzehnte weiterhin ein gewisser Ehrenvorrang zukam, war damit die /ingua 
A/amannie endgültig etabliert. 
Es waren Vorgänge im Zusammenhang mit derselben Wahl, die die 
Strukturen des Konvents mit seinen sieben Zungen und sieben Konventualbaillis 
erneut in Frage stellen sollten. Als dabei schließlich 13 Wahlmänner für die Wahl 
des Großmeisters bestimmt wurden, war dies ein Kompromiß, dem heftige 
Diskussionen vorangingen 17. Grund dafür war ein am 21. August 1461 
eingebrachter Protest der spanischen Zunge, die sich gegenüber der italienischen, 
englischen und deutschen /ingua benachteiligt sah und für sich zwei weitere 
Wahlmänner bei der Wahl des Großmeisters forderte 18. Verständlich wird diese 
Forderung, wenn man sich die Zusammensetzung des Konvents zum Zeitpunkt 
der Wahl verdeutlicht, die im selben Kontext überliefert ist: Von 286 Brüdern auf 
Rhodos kamen jeweils 42, 44 und 46 aus den französischen Zungen, der 
Provence, der Auvergne und der Francia, während der italienischen, der 
englischen und der deutschen Zunge jeweils nur 34, 13 bzw. 17 Brüder 
angehörten. Das weitaus größte Kontingent mit 90 Brüdern aber bildete die 
spanische Zunge, fast ein Drittel aller Ordensmitglieder im Konvent. Verfuhr 
man bei so wichtigen Vorgängen wie der Wahl des Großmeisters weiterhin nach 
den überlieferten Mustern, drohte den spanischen Brüdern eine Benachteiligung. 
Eine Reform konnte angesichts des so entstandenen Drucks nicht ausbleiben. 
Gelegenheit dazu bot das Generalkapitel, das der neue Großmeister, Pere 
Ramon Zacosta, im November 1462 nach Rhodos einberief. Ausgangspunkt für 
die Lösung des Problems war ein Beschluß vom 6. November, daß der 
Großmeister und sein Rat die Möglichkeit haben sollten, Vertrage und 
Übereinkünfte der Spanier und Aragonesen über eine Teilung der spanischen 
Zunge zu bestätigen 19. Entgegen der bisherigen Forschungsmeinung 20 war 
damit aber die tatsächliche Teilung der spanischen Zunge noch nicht vollzogen; 
vielmehr blieb die formal geteilte Zunge nach den im folgenden getroffenen 
Regelungen unter einem Dach zusammen 21. Es ging nur darum, der spanischen 
Zunge eine angemessene Vertretung zu verschaffen, und als weiteres Mittel dazu 
bot sich an, das Amt eines zusätzlichen Konventualbaillis zu schaffen. Dafür 
wurden die bisherigen Aufgaben des Kanzlers einem Vizekanzler übertragen. 
Das nunmehr reine Ehrenamt des Kanzlers konnte so in den Rang eines 
Konventualbaillis erhoben und mit einem "Zweig" der spanischen Zunge, dem 
kastilisch-portugiesischen, verbunden werden. Fortan war im Kreis der Konven- 
tualbaillis neben dem Drapier ein zweiter Spanier vertreten, und bei der Wahl des 
Großmeisters hatten die spanischen Zungen vier von sechzehn Wahlmännern zu 
stellen, waren also neben den französischen Zungen am stärksten vertreten 22. 
Der sonst so nüchterne Text der Akten feiert diese Lösung als große Freude, 
gaudeal nostra re/igio. und es wird betont, welche Spaltung,flagicio.
sa dis..
iden- 
lia, zuvor durch die sieben Zungen oder nationes im Konvent zu Rhodos 


46
>>>
gegangen war. Ungeachtet des formalen Charakters der Teilung waren damit die 
acht Zungen entstanden, die auch noch auf Malta bestehen sollten 23. 
Wie die Spannungen um die spanische Zunge deutlich machen, wurde die 
Struktur des Konvents nicht zuletzt durch die Ver'1ältnisse im Westen bestimmt. 
Wahrscheinlich waren es auch außere - wohl "politische" - Faktoren, die fast 
eine Spaltung der proven
alischen Zunge im Konvent herbeiführtdn. In ihr 
waren im wesentlichen Brüder aus den südfranzösischen Prioraten T oulouse und 
S. Gilles vereinigt. Zu S. Gilles gehörten aber auch Häuser außerhalb des 
Herrschaftsbereichs des französischen Königs, die in der formal vom Reich 
abhängigen Grafschaft Provence lagen. Seit dem 14. Jahrhundert wurde nun 
immer wieder zwischen den Vertretern einer "großen" und einer "kleinen" 
Zunge der Provence unterschieden 24, und dabei scheint - vielleicht zunächst aus 
Raumgründen - auch eine Trennung in zwei Häuser der Zunge stattgefunden zu 
haben 25. Trotzdem wurden aber auch weiterhin gemeinsame Beschlüsse her- 
beigeführt. Als im Oktober 1433 mehrere Präzeptoreien des Ordens zusammen- 
gefaßt wurden, geschah dies durch die Entscheidung "aller Brüder der Zunge der 
Provence, d. h. der Priorate S. Gilles und Toulouse, die im Konvent zu Rhodos 
zu Diensten Gottes residieren" 26, und im auch Mai 1437 war an anderer Stelle 
ausdrücklich von allen Brüdern der proven
alischen Zunge im Konvent die 
Rede, als es darum ging, die Ansprüche eines Bruders zu wahren, der sich (wohl 
unter anderem) auf eine Pilgerfahrt ins Heilige Land begab 2'. Das Verhältnis 
zwischen den Teilen der lingua war aber nicht nur durch Eintracht bestimmt, 
sonst hätte man sich wohl auch nicht selbständig organisiert. Im April 1439 kam 
es sogar nach einem Streit um die Zuordnung von Ordensbesitz zu einer 
Verhandlung vor dem Großmeister, bei der neben dem Großpräzeptor und 
Kapitän von S. Peter, Jean de Chavallion, Vertreter sowohl der lingua Provintie 
ultra Rhodanum, aus dem Priorat T oulouse und aus S. Gilles westlich der Rhone. 
als auch der lingua Provintie citra Rhodanum, aus dem Priorat S. Gilles östlich der 
Rhone, teilnahmen 28. Nimmt man dies wörtlich, war zu diesem Zeitpunkt 
bereits die Teilung der Zunge vollzogen, allerdings noch ohne die Einrichtung 
eines weiteren Konventualbaillis. Anders aber als im Fall der spanischen Zunge 
zwanzig Jahre später stieß diese Entwicklung auf den Widerstand der Ordens- 
leitung. Im November 1440, im Zusammenhang eines nach Rhodos einberufe- 
nen Generalkapitels, verwiesen Großmeister Jean de Lastic und der Konvent auf 
die Streitigkeiten und die scandala, die aus der Spaltung der proven
alischen 
Zunge entstanden seien. So wurde beschlossen, beide Herbergen wieder zusam-" 
menzuführen. Grundlage waren Vereinbarungen zwischen den Brüdern, die 
capitula facta ",uper unione fratrum albergie Sancti Egidii et fratrum albergie 
provincie Provincie 29. Wahrscheinlich war es kein Zufall, wenn in dieser etwas 
umständlichen Überschrift der Begriff lingua vermieden wurde. Die capitula aber 
belegen überaus deutlich, was die Ursache für die Auseinandersetzungen 
gewesen war: die Verteilung von Ämtern innerhalb der beiden Teile der Zunge. 


47 


-
>>>
Denn es waren vor allem diese Fragen, die mit den capitu/a geregelt wurden. Die 
Zahl der Zungen wurde zugleich mit der Entscheidung vom November 1440 
zunächst bei sieben belassen, auch wenn die Differenzierung innerhalb der /ingua 
Provincie nicht völlig verschwand 30. 
Während es im Beispiel der deutschen wie in dem der spanischen Zunge um 
eine angemessene Vertretung der Regionen im Konvent ging, erwuchs der Streit 
innerhalb der Zunge der Provence aus dem Faktum, daß die /ingue auch 
Mitspracherechte bei der Besetzung der europäischen Ordenshäuser erlangten. 
Um diese "Außenwirkung" besser verstehen zu können, wende ich mich zuvor 
den inneren Strukturen zu. 


11. Die inneren Strukturen der Zungen 


Sofern man sich die Zungen überhaupt als eine fest definierte Einheit 
vorstellen will, repräsentierten sie die Gesamtheit der aus einer bestimmten 
Region stammenden Ordensbrüder im Konvent zu Rhodos. Wichtigstes "Or- 
gan" waren deshalb die Versammlungen der Brüder, über die jedoch kaum 
eigenständige Zeugnisse vorliegen 31. Faßbar werden sie in Registereinträgen wie 
dem eingangs zitierten, die meist entweder von den Großmeistern oder von den 
Vertretern der Zunge selbst veranlaßt wurden 32. Folgt man diesen Quellen, 
nahm die Zahl der Versammlungen der Zungen während der dreißiger und 
vierziger Jahre des 15. Jahrhunderts stetig zu. Sie bedurften aber wohl weiterhin 
- wie im angeführten Beispiel - grundsätzlich der Zustimmung des 
Großmeisters 33. Auch die Konventualbaillis stützten sich meist auf die Autorität 
des Großmeisters, wenn sie Versammlungen "ihrer" Zunge einberiefen, wie etwa 
der Hospitalar im Juni 1442, als er die /ingua Francie zusammentreten ließ, um 
Probleme der Ordenshäuser im Westen zu beraten 34. In einem Fall versammelte 
aber der Marschall die Zunge der Auvergne, ohne daß die Beteiligung des 
Großmeisters erwähnt würde 35. Und wenn es zum Beispiel zu einer Versam- 
mlung von Brüdern derselben Zunge im März 1442 heißt, sie seien de eorum bona 
ac spontanea vo/untate zusammengekommen, "aus ihrem guten eigenen Wil- 
len" 36, erscheint es sogar denkbar, daß die Zustimmung des Großmeisters nicht 
immer eigens eingeholt werden mußte 31_ wenn es auch in diesem Fall wegen der 
dabei gefaßten Beschlüsse zu einem "Nachspiel" kam. In einem anderen Beispiel 
- nach dem Tode des Admirals im September 1437 - scheint sich die zuständige 
italienische Zunge ebenfalls ohne besondere Erlaubnis versammelt zu haben, um 
über einen Nachfolger zu beschließen 38. 
Die Registereinträge geben meist nicht nur das Ergebnis, sondern auch einen 
Eindruck vom Verlauf der Beratungen in den Versammlungen der Zungen. Am 
5. November 1445 fanden sich die Brüder der /ingua Francie ein, um über die 
Zusammenlegung zweier Präzeptoreien am sei ben Ort zu entscheiden, von denen 


48 


-
>>>
die eine das ursprüngliche Haus der Johanniter darstellte, die andere aber aus 
dem Besitz der Templer an den Orden gekommen war. Der Beschluß wurde 
schließlich gefaßt, nemine protinus diserepante exeepto uno, also "ohne daß bis 
auf eine Ausnahme zunächst jemand widersprochen hätte". Ablehnend verhielt 
sich nur der Bruder Jean le Moyne, der zugleich angab, im Namen eines weiteren, 
abwesenden Bruders zu sprechen. Der Fall wurde noch am selben Tag 
Großmeister Jean de Lastic vorgelegt, der die Vereinigung der Ordenshäuser 
nicht nur deshalb bestätigte, weil sie nützlich schien, sondern auch, weil sie per 
maiorem et saniorem partem diete venerabilis lingue, durch den größeren und 
besseren Teil der Zunge, beschlossen worden war 30. Für die Entscheidungen 
innerhalb der Zunge galt somit offenbar das Mehrheitsprinzip, abweichende 
Voten waren möglich, und manchmal standen sich die Meinungen scheinbar 
unvereinbar gegenüber 40, selbst wenn die mehrfach ausdrücklich notierte 
Einstimmigkeit der "Regelfall" gewesen sein dürfte 41. Wie im angeführten 
Beispiel wandten sich die Zungen immer wieder an den Großmeister, um die 
Beschlüsse bestätigen zu lassen, so im Dezember 1442 die lingua Alvernie. Jean de 
Lastic sorgte dann dafür, daß ihre Entscheidung adfuturam memoriam in das 
Register aufgenommen wurde 42. 
Die Versammlungen fanden in den hospicia oder albergie, den Herbergen 
oder Häusern der Zungen statt. Als räumliche Zentren 43 standen sie in enger 
Beziehung zur Entwicklung der lingue, wie das schon die Ereignisse um die 
drohende Spaltung der proven
alischen Zunge deutlich machten. Als sich die 
deutsche Zunge mit der Zuweisung eines eigenen Konventualbaillis, des 
Großbaillis, endgültig stabilisiert hatte, war es eine der ersten Maßnahmen, Geld 
für die Wiederherstellung der Herberge zusammenzubringen. Im August 1428 
erschienen der neue Großbailli, der Präzeptor von Zypern, Hermann von Ow, 
und andere Brüder vor dem Großmeister und seinem Rat. Sie erklärten, daß die 
Pitanzen der aus Deutschland in den Konvent entsandten Brüder, die für den 
Unterhalt der Brüder bestimmten Zahlungen 44, künftig nicht mehr an die 
Brüder verteilt würden, sondern in eine gemeinsame Kasse der Zunge gehen 
sollten, um damit die Herberge wiederherzustellen 45. 
Bau und Unterhalt der Häuser lag somit in der Verantwortung der Zungen. 
Es konnte dabei nicht ausbleiben. daß es bei benachbarten Herbergen auch 
einmal zum Streit zwischen den Zungen kam. Im Mai 1436 wandten sich die 
Brüder der lingua Ytalie und der lingua Francie an den Großmeister und seinen 
Rat. Bei einem Umbau ihres Hauses hatten die Italiener an einer Stelle ein 
Fenster einsetzen wollen, das den Franzosen zu weitgehende Einsichten in die 
eigene albergia zu erlauben schien. Eine Kommission, bestehend aus dem 
Großpräzeptor und dem Seneschall des Großmeisters, wurde eingesetzt, und 
schließlich erhielten die Italiener die Erlaubnis zum Bau des Fensters 4(\. Um 
Fenster ging es auch 1438 in einem Streit zwischen der "großen" proven
alischen 
Zunge und dem Prior der Konventskirche, da sein Haus unmittelbar an das 


49 


--
>>>
Hospiz der Zunge angrenzte 47. Neben den Herbergen scheinen die Zungen 
mindestens zum Teil auch anderen Hausbesitz gehabt zu haben. Als 1433 die 
lobia communis conventus Rhodi, d. h. die Loggia der Ritter, erneuert und 
erweitert werden sollte, stand dem ein Haus oder eine "Kammer" - der Begriff 
albergia wird in diesem Zusammenhang nicht erwähnt - der Zunge der Francia 
im Wege. Nachdem sich die anderen Zungen gemeinsam dafür eingesetzt hatten, 
fanden sich die Franzosen schließlich bereit, das ihnen gehörende Gebäude 
abreißen zu lassen. Die proven
alische Zunge stellte schließlich sogar Ersatz in 
Aussicht, wohl aus eigenem Besitz unabhängig von der Herberge 48. Darüber- 
hinaus erhielten die Zungen auch durch den Orden zum Teil Grundbesitz 
außerhalb der Stadt Rhodos übertragen. So schenkte Großmeister Antoni 
Fluviä im April 1428 der spanischen Zunge, der er selbst angehörte, einen 
Weinberg, um mit dcn Erträgen daraus die Herberge weiter ausbauen zu 
können 49, und im Juli 1437 kaufte der Prior der Auvergne, Louis de S. Sebastian, 
für die Zunge der Auvergne einen Garten mit Weinanbau, Resten von Häusern 
und wohl auch einer Zisterne .50. Die Einnahmen daraus sollten sicher ebenso wie 
die aus der Stiftung Fluviäs die Finanzen der Zunge verbessern und so zum 
Erhalt und Ausbau der Herberge beitragen. 
Für öffentliche Bekanntmachungen in den Herbergen scheint der magister 
scutiferium zuständig gewesen zu sein, der dem Haushalt des Großmeisters 
entstammende Meister der Schildträger 51 . Jede Zunge hatte jedoch eigene 
Amtsträger, die innerhalb der Herberge und gegenüber den anderen Zungen und 
dem Großmeister bestimmte Aufgaben wahrzunehmen hatten. Neben den 
Konventualbaillis, deren Ämter den Zungen zugeordnet waren, waren dies vor 
allem die Prokuratoren der Iingua. Sie vertraten ihre Zunge gegenüber den 
anderen und gegenüber den zentralen Institutionen wie Großmeister und Rat. 
Wahrscheinlich darf man sich darunter aber nicht ein fest etabliertes Amt 
vorstellen, das für eine begrenzte Zeit an einzelne Brüder vergeben wurde. 
Vielmehr wurden offenbar die Brüder meist für bestimmte Aufgaben abgeord- 
net. Das ergibt sich unter anderem aus einem Streit um die Berufung Jacques 
Calliors zum Prokurator der lingua Francie im J ulj 1466, der sie auf dem 
bevorstehenden Generalkapitel vertreten sollte .52. Dabei ist ausdrücklich von 
einer Wahl die Rede, so daß man für die Bevollmächtigung wohl von einer 
Mitwirkung aller Brüder der Zunge ausgehen kann. Auch wenn die Prokurato- 
ren gelegentlich im allgemeineren Sinne außerhalb des Konvents als rechtliche 
Vertreter der Zungen tätig wurden .53, finden sie sich am häufigsten als 
Repräsentanten der lingue und ihrer Interessen vor den Großmeistern. So 
erschienen im August 1421 vor Antoni Fluviä und seinem Rat zwei Prokuratoren 
der "großen" proven
alischen Zunge und beklagten, daß der Prior von Toulouse 
die seiner Kammer zustehenden Häuser mehr und mehr verfallen lasse und nichts 
zum Erhalt des Hauses im Konvent zu Rhodos beitrage.54. Im Mai 1428 
protestierten dann der Marschall und die Prokuratoren der Iingua Alvernie mit 


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>>>
allem notwendigen Respekt gegen eine Entscheidung des Papstes, den Bruder 
Jean de Maron mit einer "ihrer" Präzeptoreien zu providieren, und forderten, 
daß ihnen nach dem Tode Jeans die Besetzung dieses Amtes wieder zustehen 
sollte 55. Überhaupt waren die Prokuratoren der Zungen immer wieder an 
personellen Entscheidungen der Großmeister direkt oder indirekt beteiligt 56. 
Ebenso scheint aber auch die Wirtschaftsverwaltung mit zu ihren Aufgaben 
gehört zu haben, wenn über die Gelder aus der erwähnten Schenkung Antoni 
Fluvias und ihre Verwendung neben dem Drapier die procuratores der spani- 
schen Zunge zu entscheiden hatten. Wahrscheinlich wurden die Kassen der 
Zungen, die sich aus dem erwähnten Beispiel der deutschen Zunge erschließen 
lassen, ebenfalls durch die Prokuratoren verwaltet, und sie dürften auch die 
Bücher oder Register der lingue geführt haben 57. 
Die wichtigste Rolle innerhalb der Zungen spielten jedoch zweifellos die 
Konventualbaillis. Ihre Stellung zu den lingue wird mit dem Begriff des pellerius 
oder pilearius umschrieben, der, möglicherweise von pila, Pfeiler, abgeleitet, 
wohl die "tragende" Rolle der Ämter für die Zungen und den Konvent 
andeuten sollte 58. In den Quellen erscheinen sie als Pileare der Zungen oder 
der Herbergen 50, aber auch als Haupt (caput) der lingue 60. Diese enge Bindung 
ergab sich aus der Entwicklung der Zungen. Wie erwähnt, erhielt das "System" 
der Zungen und der ihnen zugeordneten Konventualbaillis in den Jahren 
bis 1462 seine endgültige Gestalt. Als im November 1462 mit dem Kanzler 
ein weiterer Konventualbailli für die spanische Zunge eingeführt wurde, 
wurde auch festgelegt, "daß der ... Kanzler gewählt werden soll in der Weise, 
wie die anderen Konventualbaillis eingesetzt werden, und niemand soll die 
hohe Würde dieses Amtes anstreben, wenn er nicht schreiben und lesen 
kann" 61. Auch die Konventualbaillis wurden somit gewählt, und ihre Wahl 
erfolgte in der Regel durch die Zungen, auch wenn sie offenbar weiterhin 
der Bestätigung durch das Generalkapitel oder durch den Großmeister 
und seinen Rat bedurfte. So zogen sich z. B. auf dem Generalkapitel vom 
November 1462 sieben Vertreter der Zungen zurück, um nach den Statuten 
und Gewohnheiten des Ordens die Wahl der Konventualbaillis vorzunehmen, 
kamen dann aber mit den Gewählten wieder, um sie der Versammlung zu 
präsentieren. Erst danach erfolgte durch den Großmeister die Einsetzung 
in ihre Ämter, bei der unter anderem dem Marschall die Fahne des Konvents 
übergeben wurde 62. Trat sonst die Notwendigkeit zur Neubesetzung eines 
dieser Ämter ein, geschah dies mit Hilfe des Großmeisters und seines Rats. 
So war im Juni 1460 der deutsche Prior verstorben, und als man den Großbailli 
und pileriu.r; der deutschen Zunge, Richard von BothIer, im Rat im Konvent 
zu Rhodos zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, mußte ein neuer Großbailli 
gewählt werden. Dies geschah vielleicht sogar direkt vor dem Rat, mit 
dessen Zustimmung schließlich Johann Schwalbach in dieses Amt berufen 
wurde 63 . Es \\äre bei den geschilderten Vorgängen jedoch völlig falsch, von 


51 


--
>>>
einer "freien Wahl" im modemen Sinne auszugehen. Daß es für die Wahl in diese 
wichtigen Ämter gewisse Spielregeln gab, zeigt eine Reihe von Einsprüchen 
gegen die Entscheidungen in den Zungen. Ende September 1434 erschien der 
Bruder J uan de Villafranca, der Kastellan von Rhodos, vor Großmeister Antoni 
Fluviä und seinem Rat und protestierte gegen die Wahl Raphael Zaplanas zum 
Drapier. Da er in der spanischen Zunge der älteste sei und sich viele Verdienste 
erworben habe, verstoße die Berufung Raphaels gegen die Statuten des Ordens 
und sei zu seinem Nachteil. Auch könnte es ihm bei weiteren Ämterbesetzungen 
schaden, wenn er jetzt schweigen würde. Dieser Protest führte zum einem 
"Gegenprotest" des neugewählten Drapiers, der Juans Einspruch für unange- 
messen und überflüssig erklärte. "Seine Stellung (honor) ist nämlich nicht so, wie 
sie in dem Protest geschildert wird, denn es ist sicher und unbezweifelbar, daß ich, 
Bruder Raphael, im Konvent zu Rhodos verdienter und älter bin als jener Bruder 
Juan, wie ich vollständig vor der Zunge bewiesen habe..." 64. Entscheidend für 
die Wahl in ein Amt, auch und gerade in das eines Konventualbaillis, war also der 
Ehrenvorrang größerer Verdienste und längerer Anwesenheit im Konvent, die 
ancianitas eines Bruders, über die gelegentlich auch innerhalb der Zungen 
beraten und ent.schieden wurde 65. Der "Gegenprotest" des neuen Drapiers 
erlaubt aber ebenso einen Einblick in die Prozeduren innerhalb der Zunge. 
Raphael Zaplana hatte sich nämlich nicht nur gegen Juan de Villafranca 
durchsetzen müssen, sondern auch gegen zwei weitere Brüder, die ebenso 
Anspruch auf das Amt erhoben. Nachdem Raphael schon innerhalb der Zunge 
mit seinen Argumenten Erfolg hatte, wurde die Ents("heidung, nochmals in 
Gegenwart aller Kandidaten, dem Großmeister und seinem Rat vorgelegt. So 
kam es dann zum Beschluß, gegen den Juan Einspruch erhob. Die anderen 
"Mitbewerber" unterwarfen sich offenbar dem Großmeister und dem Rat, doch 
ließ sich einer von ihnen, Bartholome Amat, im selben Zusammenhang 
bestätigen, daß er ein Anrecht auf eine Verbesserung seiner Stellung habe (16. 
Streitigkeiten dieser Art innerhalb der Zungen konnten aber auch durch einen 
Ausgleich zwischen den Beteiligten beigelegt werden. So wurde Angelino 
Mascetulli im Dezember 1433 durch die italienische Zunge zum Admiral 
gewählt, nachdem sein Gegenkandidat unter dem Druck des Großmeisters und 
anderer Brüder verzichtet hatte, obwohl er sich für den älteren und verdienst- 
reicheren hielt. Der Verzicht wurde ihm jedoch damit erleichtert, daß man ihm 
eine andere Würde innerhalb der Zunge versprach 67. Wenige Jahre später, im 
Dezember 1440, beschäftigte ein Streit um die Besetzung des Admiralats sogar 
das Generalkapitel. Der amtierende Admiral, Giorgio di Monteafia, wurde vom 
Präzeptor von Kos, Fantino Quirini, angegriffen, der für sich selbst die Position 
des Admirals beanspruchte. Schließlich wurde eine Kommission auch mit 
Brüdern aus anderen Zungen eingesetzt, die den Streit schlichten sollte. Der von 
Großmeister Jean de Lastic und vom Generalkapitel bestätigte Schiedsspruch 
sah überraschenderweise den Rücktritt Giorgios und die Übergabe des Amtes 


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an Fantino vor, während Giorgio mit einem der demnächst freiwerdenden 
Priorate "entschädigt" werden sollte 68. Ursache solcher Auseinandersetzungen 
war zweifellos die große Bedeutung, die diese Ämter und damit auch die Zungen 
im Orden erlangt hatten. 


111. Die Rolle der Zungen innerhalb des Johanniterordens 


Obwohl sie als Strukturen nur im Konvent faßbar sind, begegnet der Einfluß 
der lingue nicht nur dort, sondern auch allgemein im Orden. Ein wichtiger Grund 
dafür war die angesprochene Bedeutung der Konventualbaillis, die zugleich den 
Kern des großmeisterlichen Rates und damit der wichtigsten Entscheidungs- 
ebene zwischen den Generalkapiteln bildeten. Wie die Schaffung der neuen 
Ämter des Großbaillis und des Kanzlers zeigt, war die Verteilung der Aufgaben 
auch im 15. Jahrhundert noch in Bewegung. Es kann deshalb nicht verwundern, 
daß auch für die bestehenden sieben bzw. acht Ämter in einigen Fällen die 
Tätigkeitsbereiche neu bestimmt werden mußten. So kam es z. B. auf dem 
Generalkapitel im November 1462 zum Streit zwischen dem Großpräzeptor und 
den Brüdern der proven
alischen Zunge auf der einen und dem Admiral und den 
Brüdern der italienischen Zunge auf der anderen Seite. Anlaß war die Frage, wer 
die Verwaltung der Magazine kontrollieren sollte, in denen auch Materialien für 
den Unterhalt der Galeeren und der Schiffsbesatzungen gelagert waren. Nach 
Anhörung beider Seiten wurde schließlich beschlossen, daß der Großpräzeptor 
den Präzeptor des Magazins (preceptor volte et tercenalis) berief, der Admiral 
aber einen weiteren Amtsträger, der die Waren und Gegenstände aufnahm, die in 
das und aus dem Magazin transportiert wurden. Sowohl für den Großpräzeptor 
wie für den Admiral wurde nun eine eigene Buchführung (mit monatlichen 
Abrechnungen) begonnen. Dafür entsandte der Admiral einen vertrauenswür- 
digen Schreiber ins Magazin 69. Auf diese Weise war eine Abgrenzung der 
Aufgaben zwischen den beiden Konventualbaillis erreicht 70. Unklarheiten 
bestanden offenbar ebenso in bezug auf den Tätigkeitsbereich des Turkopoliers, 
der schon seit der Zeit im Heiligen Land für die leichter bewaffneten Hilfstruppen 
des Ordens, die Turkopolen, zuständig war 71. 1445 wurde wohl auch wegen der 
Abgrenzungsprobleme zu den anderen Ämtern eine Vereinbarung zwischen 
Großmeister Jean de Lastic, dem Vertreter des Turkopoliers, John Langstrothir, 
und den in ihrer Herberge versammelten Brüdern der englischen Zunge 
geschlossen, die die Aufgaben des Turkopoliers bestimmte. Danach unterstan- 
den ihm sein Bannerträger und die zum Schutz der Insel eingesetzten Söldnerfüh- 
rer (viglacomites), die allein von ihm und seinen Vertretern visitiert sowie für 
Vergehen bestraft oder durch neue Amtsträger ersetzt werden konnten. Diese 
Visitationen fanden, außer in Kriegszeiten, jährlich statt. Dabei konnte der 
Turkopolier die für einen bestimmten Abschnitt der Küste verantwortlichen 


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>>>
Söldner an Festtagen zusammenrufen, um mit ihnen den besseren Schutz ihres 
Gebiets zu beraten 72. 
Neben den Konventualbaillis gab es einige weitere wichtige Ämter im 
Konvent, die aber nicht einzelnen Zungen zugewiesen waren. Ähnlich, wie sich 
die Zungen um die Ausweitung ihrer Zuständigkeit in bezug auf die Konventual- 
baillis bemühten, suchten sie auch ihren Einfluß auf diese Ämter auszudehnen. 
So versuchte möglicherweise die l;ngua Francie in den Jahren um 1437, das 
wichtige Amt des Priors der Konventskirche unter ihre Kontrolle zu bringen. Ein 
Anzeichen dafür findet sich unter anderem in einem Schreiben Großmeister 
Antoni Fluvias vom September 1437, mit dem er dem Prior den Ausbau eines 
eigenen Hauses gestattete, unter Einbeziehung einer "Kammer" der Zunge. 
Nach dem er mehrfach betont hatte, der Prior könne "aus jeder Nation oder 
Zunge" berufen werden, schloß er warnend an, daß auch der lingua Francie kein 
größeres Recht auf dieses Amt zustehe als den anderen Zungen 73. Schon wenige 
Jahre zuvor, im Mai 1433, war der Streit um ein anderes Amt, das des 
Thesaurars, offen ausgebrochen. Auslöser war die Forderung der Vertreter der 
l;ngua Alaman;e vor dem Großmeister und seinem Rat, daß ihnen und nicht den 
anderen Zungen die Besetzung dieses Amtes zustehe. Dem widersprachen die 
Vertreter der Francia. Sie behaupteten, daß das Amt des Thesaurars ihrer Zunge 
zugehöre, denn schließlich sei es zur Zeit, wie traditionell üblich, mit einem ihrer 
Vertreter besetzt. Dagegen erhoben nun der Admiral für die italienische und der 
Drapier für die spanische Zunge Einspruch. Beim Amt des Thesaurars handele es 
sich um ein officiwn commune, das allen sieben Zungen gemeinsam zustehe und 
nicht einer einzelnen im besonderen. Bei der Berufung der Amtsinhaber habe 
deshalb die Zugehörigkeit zu den Zungen keine Rolle gespielt, vielmehr hätten 
der Großmeister und sein Rat bisher allein die Fähigkeiten der Kandidaten 
geprüft. Als die l;ngua Francie auf ihrer Position beharrte, verwiesen ihre Gegner 
auf Statuten aus der Zeit des Großmeisters Roger de Pins, die die Zuweisung an 
eine Zunge ausschlossen 74. Nach heftiger Debatte kam es dann jedoch zu keiner 
Entscheidung, beide Seiten beharrten auf ihren Standpunkten, und offenbar 
blieb somit alles beim "Alten" 75. Ein weiteres Amt des Ordens im östlichen 
Mittelmeer, das des Präzeptors von Zypern, wurde dagegen "reihum" von den 
Zungen besetzt, doch konnte auch dies nicht verhindern, daß es gelegentlich zu 
Spannungen kam 76. 
Einen Höhepunkt erreichten die im Streit um die Ämter faßbaren Auseinan- 
dersetzungen zwischen den Zungen auf dem Generalkapitel in Rom im Frühjahr 
1446 77 . Der mamlukische Angriff auf Rhodos 1444 hatte zu erheblichen 
finanziellen Problemen und in der Folge zu Differenzen über die Aufgabenver- 
teilung im Konvent und im Orden geführt, denen der Papst, Eugen IV., durch 
eine Reform der Statuten entgegenwirken wollte. Dafür berief er ein General- 
kapitel ein, das am 22. Februar 1446 in S. Peter zusammentrat. Für die Reform 
der Statuten wurde eine Kommission von 14 Brüdern gewählt, jeweils zwei aus 


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den sieben Zungen. Einer der italienischen Brüder, Giorgio di Piozzasco, 
Präzeptor von Mailand und Ivrea, löste mit nicht näher faßbaren Angriffen auf 
die "französischen" Zungen am 18. März 1446 den Konflikt aus. Diese 
protestierten und warfen den anderen naciones vor, Zwietracht zu säen und gegen 
die Traditionen zu verstoßen. Die Antwort der italienischen Zunge, die auch im 
Namen der spanischen, englischen und deutschen Zunge erfolgte, brachte dann 
die Vorwürfe auf den Punkt: Die Finanzprobleme seien nicht allein auf den 
Angriff der Mamluken zurückzuführen, vielmehr "ist die näherliegende Ursache 
der Schwierigkeiten eure Verwaltung, die ihr alle Ämter und Entscheidungen in 
(euren) Händen habt... Denn solange die Leitung aller Dinge bei euch ist, solange 
ihr den Vorrang im Konvent bei euch sucht und den Primat fordert, hofft niemals 
auf einen festen Frieden zwischen uns in Zukunft: Wenn wir Brüder eines Ordens 
sind, müssen uns alle Dinge gemeinsam sein" 78. Zugleich betonte auch der 
englische Prior, Robert Bottil, daß die Verteilung der Ehren (im Konvent) der 
Verteilung der Lasten entsprechen müßte. Trotz dieser klaren Frontstellung 
zwischen den "französischen" und den übrigen Zungen brachten die vom Papst 
zum Teil in strittigen Punkten entschiedenen neuen Statuten keine wesentlichen 
Änderungen der Ämterverteilung im Konvent. Neu war allein, daß der 
Thesaurar von nun an von einer Gruppe von sieben Brüdern aus den Zungen 
kontrolliert werden sollte - wohl ein Zeichen für die gemeinsame Verwaltung des 
Ordensschatzes. 
Jenseits des Konvents, für die europäischen Besitzungen, bildeten die 
Priorate die grundlegenden Strukturen des Johanniterordens. Zwischen den 
Zungen und den Prioraten bestand eine deutliche institutionelle Trennung. Auch 
wenn immer wieder verschiedene Ämter verbunden wurden, konnte ein Konven- 
tualbailli und Haupt einer Zunge nicht zugleich Leiter eines der Priorate sein: 
Diese Würden galten als nicht miteinander vereinbar. So mußte Raphael 
Zaplana, der sich 1434 gegen den Protest anderer durchgesetzt hatte, im Juli 1439 
auf das Amt des Drapiers wieder verzichten, als er zum Prior von Katalonien 
gewählt wurde 79. Dieses Beispiel macht aber ebenfalls deutlich, daß der Einfluß 
der lingue über den Konvent hinausreichte und auch die Priorate und andere 
bedeutende Ämter mit den auf Rhodos lebenden Brüdern besetzt wurden. Ein 
weiteres Beispiel ist die Berufung Jean de Chavallions zum Prior von Ungarn 
durch die proven
alische Zunge im August 1433 8 °. Wenn sich wie im April 1445 
der Papst einschaltete und einen Bruder, den Drapier Pere Ramon Zacosta, mit 
einem wichtigen Amt, der zur spanischen Zunge gehörenden Kastellanei 
Amposta, providierte, kam es zwangsläufig zum Protest und zu Spannungen im 
Orden 81. Die Zungen und die Ordensleitung waren jedoch selbst nicht völlig frei 
in der Besetzung der Priorate. Sie mußten wohl ebenso auflokale Eigeninteressen 
Rücksicht nehmen. So heißt es z. B.I440,ein Bruder solle das erste freiwerdende 
Priorat in Italien erhalten, "lediglich mit Ausnahme des Priorats der Venezianer, 
denn die Venezianer dulden dort keinen Fremden" 82. 


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Einfluß übten die Zungen aber auch bis in die Priorate hinein aus, auf 
die Besetzung der Präzeptoreien und anderer lokaler Ämter im Westen, und 
zwar im hier betrachteten Zeitraum in zunehmendem Maße. Dabei muß 
zwischen den Prioren und den Vertretern der Zungen so etwas wie eine 
Verteilung der zu vergebenden Positionen vereinbart worden sein, die aber nur 
selten faßbar wird. So heißt es z. B. anläßlich eines Streits zwischen dem Prior 
von Aquitanien und der Zunge der Francia, daß nach dem guten Brauch des 
Ordens von zwei zugleich frei werdenden Präzeptoreien eine durch den Konvent, 
d. h. die Zunge, die andere durch den Prior zu besetzen sei 83. Eine Aufteilung 
kann man auch annehmen, wenn der Prior der Auvergne im Dezember 1437 
zugunsten der Zunge auf die collacio, die Übertragung, einer ihm zustehenden 
Präzeptorei verzichtet, um einen Tausch zu ermöglichen 84. Nicht immer waren 
jedoch die Verhältnisse so leicht zu klären. Im August 1428 kam es zum Streit 
zwischen dem Prior der Auvergne, Jean de Lastic, und der lingua über fünf 
Präzeptoreien, von denen jede Seite meinte, sie gehörten ad suam collacionem 
und könnten von ihr besetzt werden. Mit Zustimmung des Großmeisters und 
seines Rates einigte man sich schließlich darauf, vorerst die Besetzung von drei 
Präzeptoreien dem Prior, die der verbleibenden zwei der lingua Alvernie zu 
überlassen 85. Ein ähnlicher Konflikt entstand im Mai 1436 zwischen dem Prior 
und der Zunge der Francia um die Präzeptoreien von Provins und Villedieu. Da 
sich die Parteien nicht einigen konnten, mußte die Entscheidung von einem 
esguardium, einem Gerichtsverfahren mit den Vertretern aller lingue, getroffen 
werden 86. Neben den Prioren konnten wohl auch Großmeister, Konvent oder 
Kapitel bestimmte Präzeptoreien vergeben 87. Aber selbst wenn die Zunge über 
die Berufung in die Ämter verfügen konnte, blieb doch die Bestätigung durch 
den Großmeister ausschlaggebend 88. Dies galt auch für Expektanzen. So 
einigten sich die Brüder der Zunge der Auvergne im September 1427 darauf, 
Artaud Renoyre angesichts seiner nobilitas und ancianitas die nächste frei wer- 
dende, an gemessene Präzeptorei zu übergeben. Die Entscheidung wurde 
daraufhin durch den Marschall als Vertreter der Zunge Großmeister Antoni 
Fluviä. vorgetragen, der sie bestätigte und darüber eine Urkunde ausstellen 
ließ 80. Die Mitwirkung des Großmeisters war bei Streitfällen um die Besetzung 
eines Amts von besonderer Bedeutung. Im Juni 1436 hatte die lingua Francie den 
Ritterbruder Gerard Duhen in ein Amt eingesetzt, auf das auch der frater 
serviens armorum Jean Durant mit dem Verweis auf seine größere ancianita.f 
Anspruch erhob. Für eine rechtliche Auseinandersetzung zwischen einem Ritter- 
und einem Halbbruder war zunächst der Marschall zuständig, der die Parteien 
jedoch an Großmeister Antoni Fluviä. und den Rat verwies. Daraufhin verlangte 
Gerard ein e.fguardium. Als dieses für ihn entschied, appellierte Jean an ein 
zukünftiges Generalkapitel, und der Leiter des esguardium zog seine Ent- 
scheidung zurück. Am Ende war es dann der Großmeister, der den Spruch 
zugunsten Gerards bestätigte 00. 


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>>>
Die lingue nahmen aber nicht nur durch die Besetzung von Ämtern auf die 
Entwicklung im Orden Einfluß. Sie griffen auch auf andere Weise in die 
regionalen Strukturen im Westen ein. So bestimmte z. B. im Februar 1433 die 
italienische Zunge vier Kammerpräzeptoreien, dk der Versorgung des Priors der 
Lombardei dienen sollten 01, und im Dezember 1436 beschloß dieselbe lingua, 
eines der Häuser des Ordens endgültig dem Markgrafen von Montferrat zu 
überlassen, wenn sich dieser mindestens zu einer Zahlung von 200 Dukaten 
bereitfinden würde 02. Zu den am häufigsten behandelten und entschiedenen 
Fragen gehörte es, welche Präzeptoreien für eine bessere Verwaltung oder 
Versorgung zusammengefaßt werden sollten 03. 
Eine wichtige Rolle spielten die lingue, wie erwähnt, auch bei der Wahl der 
Großmeister und auf den Generalkapiteln. Beide Wahlgremien, das zur 
Bestimmung der Wahlmänner und das eigentliche zur Wahl des Großmeisters, 
waren proportional aus den Vertretern der Zungen zusammengesetzt 04, und auf 
den Generalkapiteln waren sie mehrfach vertreten: einmal durch die Konven- 
tualbaillis, dann durch die Prokuratoren der lingue, schließlich durch ausgewähl- 
te Brüder, proceres sive probi homines 05. Ihre Bedeutung wurde durch einen 
Kapitelsbeschluß des Jahres 1454 nur noch unterstrichen, in dem es - allerdings 
in anderem Zusammenhang - heißt, "daß keine mit dem Herrn Meister gefaßten 
Beschlüsse in irgendeiner Weise den Vorrang der Baillis und der Zungen oder 
ihrer Ämter beeinträchtigen können" 96. 


Als Schlußfolgerungen aus dem hier vorgelegten Material ergeben sich unter 
anderem die folgenden drei Thesen: 
I. Die Ausbildung der Zungen im Konvent entsprang der Notwendigkeit, 
innerhalb eines "übernationalen" geistlichen Ritterordens geeignete Formen des 
Zusammenlebens zu finden. Ihre Entwicklung war deshalb auch im 15. 
Jahrhundert noch nicht völlig abgeschlossen. Vielmehr führten äußere Faktoren 
immer wieder zu Abspaltungen und Modifikationen innerhalb der überkom- 
menen Strukturen. 
2. Kern der inneren "Verfassung" der Zungen waren die Versammlungen, 
die zwischen 1421 und 1476 zumeist mit Zustimmung des Großmeisters in den 
Herbergen stattfanden und vor allem über Fragen der Besetzung von Ämtern 
und der Verwaltung des europäischen Besitzes entschieden. Neben den Prokura- 
toren, die die Zungen nach "außen", gegenüber dem Großmeister, dem Rat 
und dem Generalkapitel, vertraten, waren die den lingue zugeordneten Konven- 
tualbaillis zweifellos die wichtigsten Amtsträger, meist zugleich als Pileare 
der Zungen. 
3. Zwischen den lingue oder natione.r;, wie sie gelegentlich auch genannt 
werden, fand ein stetiger Ausgleichsprozeß statt, der sich vor allem in den 
Auseinandersetzungen um die Stellung der Konventualbaillis und um die 
Besetzung der nicht fest einzelnen Zungen zugeordneten Ämter im Konvent 


57 


-
>>>
und allgemein im östlichen Mittelmeer fassen läßt. Dabei spielten die Zungen auf 
vielfältige Weise nicht nur im Konvent selbst, sondern auch im gesamten Orden 
eine wichtige Rolle, durch die Besetzung von Ämtern im Westen und durch die 
Beteiligung an der Großmeisterwahl und am Generalkapitel. 
Insgesamt trugen die Zungen somit entscheidend zur Ausgestaltung der 
Verhältnisse im Johanniterorden bei. Sie repräsentieren zweifellos ein trag- 
fähiges Modell dafür, wie die vielfältigen regionalen Interessen in einer großen 
"übernationalen" Gemeinschaft miteinander vereinbart werden konnten. 


Anmerkungen 


1 D
 quarta mensis Junii mille.
imo 433 D. Exi.
tente congregati et cohadunati reverendu.
 dominus 
admiratus ceterique domini fratres lingue Ita/
 in conventu Rhodi degentes in eorum albergiam de 
licentiam domini nostri magistri pro disponendis ettractandis defactis et causis ip.
ius lingUi!..., National 
Library of Malta, ValleUa, Arch. (künftig als: NLM) 350, fol. ISSr (neue Zählung: 181 r). - Mein 
Besonderer Dank gilt Dr. Anthony Lutlrell, Bath, für wichtige ergänzende Hinweise. 
Z Zu den Zungen vgl. u. a. für die Frühgeschichte J. Riley-Smith, The Knights of St. John in 
Jerusalem and Cyprus, c. 1050-1310 (A History of the Order of the Hospital of the Order of St. John 
ofJerusalem I), London 1967, S. 283-2S5, u.ö.; A. Forey, The Military Orders, From the 12th to the 
Early 14th Century, London 1992, S. 133, 158 und 196 (sehr knapp). Für die Zungen im Konvent zu 
Rhodos s. u. a. C. Tipton, The 1330 Chapter General of the Knights Hospitallers at Montpellier, 
Traditio 24 (1968), S. 293--30S, hier vor allem S. 294-297; R. Valentini, Un Capitolo Generale degli 
Ospitalieri di S. Giovanni tenuto in Vaticano ne11446, Archivio Storico di Malta 7 (1936), S. 133--168. 
B. Waldstein-Wartenberg, Rechtsgeschichte des Malteserordens, Wien-München 1969, S. 124-125 
u. ö., ist teilweise fehlerhaft. 
3 Selbst für diesen Zeitraum war es im Rahmen dieses Aufsatzes nicht möglich, alle verfügbaren 
Quellen durchzuarbeiten. Die vorliegende Darstellung stützt sich im wesentlichen auf die Libri 
Bul/arum der Jahre 1421 bis 1445 (NLM 346-357), auf die (nicht vollständig erhaltenen) Libri 
Consi/iorum der Jahre 1459 bis 1476 (NLM 73-75) und auf die Aufzeichnungen über die 
Generalkapitel der Jahre 1454, 1459 und 1462 (NLM 282). 
4 Dazu und zum folgenden s. wiederum Riley-Smith, Knights, S. 284. - Die "Aufteilung" im 
Konvent erschien dem französischen König, Philipp dem Schönen, 1309 olTenbar als eine 
Einschränkung der Rolle der Franzosen innerhalb des Ordens, vgl. sein Schreiben an Papst Clemens 
V. in: J. Delaville Le Roulx, Hrsg., Cartulaire genJral de I'ordre des Hospitaliers de S. Jean de 
Jerusalem (l1l0-1310) 4, Paris 1904, Nr. 4831, S. 19S-I99 (Hinweis Anthony LuUrell). 
, Ebd., S. 280; zu den Konventualbaillis gehörte aber auch der Prior der Konventskirche. 
6 Dazu s. Tipton, 1330 Chapter, S. 297; schon lacorno Bosio, Dell'istoria deJla sacra religione 
et il/ustrissima mi/itia di S. Giovanni Gierosolimitano 2, 2. Auß., Rom 1630, S. 59, verweist auf 
die 1330 deutliche Verbindung zwischen den Ämtern der KonventualbaiIlis und den Häuptern 
der Zungen. 
? Zum Verschwinden der Zunge vgJ. A. Lullrell, Papaute et Höpital: I'Enquite de 1373, in: 
L'Enquite Pontificale de 1373 sur I'Ordre des Hospitaliers de Saint-Jean de Jerusalem, hrsg. von 
J. Glenisson, Bd. I, L'Enquitedans le Prieurede France, bearb. A.-M. Legras, Paris 1987, S. 3-42, 
hier S. 3, Anm. 2. Das Priorat Ungarn wurde im November 1373 unter die gemeinswne 
"Verwaltung" der Zungen Italiens und der Provence genommen und soUte von ihnen abwechselnd 
besetzt werden, vgJ. das Notariatsinstrument von 1427 Sept. 3, in NLM 347, fol. 42 (51)r-v sowie 


58 


- 


-
>>>
Valentini, Capitolo, S. 134-35. Zum Zu sand des deutschen Priorats in dieser Zeit vgt u. a. J. Delaville 
Le Roulx, Les Hospitaliers 0 Rhodes jusqu '0 la mort de Philibert de Naillac. Paris 1913, S. 170 
und 376-379. 
I Der Zusammenhang ist unklar, da die Verteilung der Ämter im Konvent im 14. Jahrhundert 
nicht eindeutig erkennbar ist. Faktisch wurde der Thesa\1rar vom Großpräzeptor abhängig, 
vgl.Valentini, Capitolo, S. 135-136. 
9 So nennt die in Anm. 7 erwähnte Urkunde von 1373 als Zeugen drei Brüder der lingua 
Alamannie, unter anderem Hesso Schlegelholtz, der auf Rhodos eine wichtige Rolle spielte, 
s. Delaville, Hospita/
rs, S. 185 (Anm. 2), 214-215, 223, 230-231 u.ö. 
10 Ebd., S. 169 (nach Mitteilung von Anthony Luttrell fälschlich auf 1370 datiert). 
11 So nach dem Bericht über die Wahl in NLM 282, fot 139 v-142r,hier 140v: DieeigenUichen 
Wahlmänner wurden bestimmt per ordinem linguarum usque ad numerum 11, ita quod de qualibet 
lingua sint duo, et de linguo Alamanie inlersit unus tantum. quotenu.t numerus sit impar ad lIitandum 
equalitatem suffragiorum. VgI. dazu Bosio, Istoria 2, S. 271; Waldstein-Wartenberg, Rechtsgeschich- 
te, S. 107, folgert aus Bosio zu Unrecht, die deutsche Zunge hätte als die jüngste gegolten. 
12 Protestatum esl a procuratoribus lingue Alamanie, ... quoniam ymo dicti fratres de celero 
debeant et possint dictum prioratum inter se una cum consensu magistri et consilii, quando casus e\lenerit, 
... conferre cuiusque fratri ... prioratus si\le Boemine sille Almanie, NLM 346, fot 125 r, von 1422 Juni 
25; darauf folgt, fol. 125r-v, die Berufung durch den Großmeister, von 1422 Juni 26. 
13 Daß es solche Versuche gegeben haben könnte, legt ein Streit zwischen einem Bruder der 
deutschen und der italienischen Zunge um ein ungarisches Ordenshaus nahe, der im Rat des Ordens 
behandelt wurde, NLM 73, fol. 29v (neue Zählung), von 1460 Mai (I). 
14 Inter dominos magistrum, baiulos, priores et proceres in con\lentu Rodi (folgt Str. et in 
capitaneatu) commoranles fuit obtentum. quod fratres lingue Alamanie ipsorum lingua debeat una de 
septem linguis reputari in omnibus honoribus el onerihus in con\lenlu Rodi et in capilaneatu castri Sancti 
Petri secundum cursum aliarum linguarum, NLM 346, fol. 126r, zu 1422 Nov. 9. 
15 Bosio, Istoria 2, S. 201; Valentini, Capitolo, S. 135; Waldstein-Wartenberg, Rechtsgeschichte, 
S. 119-120. 
16 Als Begründungen für die Einführung des neuen Amtes werden so genannt: Ipsa lingua 
Alamanorum (sie) inter Christianos in poutentia (sic) et amplitudine dominii tenerit principatum ... 
Fratribus aliarum nationum hactenus in ipso con\lentu habeant et obtinebant (aliquod officium 
baiuliatus) ..., NLM 348, fol. 128 (130)r, von 1428 Juni 10. 
n VgI. Bosio, Istoria 2, S. 271; danach Waldstein-Wartenberg, Rechtsgeschichte, S. 107. Die hier 
geschilderten Ereignisse gehören wohl noch in den Kontext des bei Valentini, Capitolo, behandelten 
Streits zwischen den drei französischen, den "großen", und den vier anderen, den ..kleinen", Zungen 
auf dem römischen Generalkapitel von 1446, vgl. unten zu Anm. 71. 
11 Der Protest in NLM 282, foU39v; die folgenden Zahlen auf l40r. 
19 Fuit reser\latum, quod per rellerendissimum dominum magistrum et consilium completum possint 
confirmori et ratificari atque approbari pacta et conllentiones habita et habite inter dominos fratres 
Hispanos et Aragonenses super di\lisione lingue Hispanie, et quicquidfactumfuerit, \lim capiat capituli 
generalis. NLM 282, fot Il2v. 
20 Bosio, Istoria 2, S. 284; Waldstein- Warten berg, Rechtsgeschichte, S. 122, 124; anders dagegen 
Anthony LuUrell (mündliche MiUeilung). 
21 Die spanische Zunge wurde in linguas duat sub una albergia constitutus geteilt, NLM 282, 
fol. 113v. 
22 Dies macht ein AbschniU der stabi/imenta des Generalkapitels. unter der Überschrift De 
preeminentia cancellarii deutlich, ebd., fol. 114r; die folgenden Zitate wiederum fol. 113v. 
23 Ein eigenes albergium Caftelle lingue ist bereits 1470 Nov. 22 belegt, NLM 74, fol. 52 v-53 r; 
im damit verbundenen Streit über den locumtenens des Kanzlers wird eine weitere "Auneilung" der 
lingua faßbar, denn der Stellvertreter sollte jeweils aus dem Priorat des Kanzlers kommen, entweder 
aus Kastilien oder aus Portugal. 


59
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:M Der früheste mir bekannte Beleg ist NLM346, fot 53 r, von 1421 Aug. 7 (Erscheinen der 
procuratores lingue mangne (!) Provincie vor dem Großmeister in einer Angelegenheit, die das Priorat 
Toulouse betriffi), doch konnte ich die vorangehenden Libri Bullarum nicht auf das Auftreten dieser 
Einteilung hin überprüfen. 
25 Ein Beleg für eine albergia parve Provintie enthält schon NLM 346, 51 r, zu 1423 Jan. 5; 
für eine Beratung der fratres lingue Provincie mogne in hospicio suo vgl. NLM 352, fol. 36v, 
von 1437 Jan. 24. 
20 (Fuit transoctum per) omnes fratres in convenlu Rhodi ad Dei servitia ressidentes lingue 
Provintie, videlicet prioraluum Sancti Egidii et Tholose, (quoll...), NLM 350, fol. 83r, von 1433 
Okt. 27; ähnlich auch ebd., fot 81 v. 
21 NLM 352, fot 38 v, 1437 Mai 18, Beschluß über die ancianitas, den "Altersvorrang" bei der 
Besetzung freiwerdender Ämter im Westen, des Arnaldus de Conficta, die während seiner auf drei 
Jahre geschätzten Abwesenheit erhalten bleiben soll; darunter findet sich auf derselben Seite zu 1437 
Mai 24 die Erlaubnis visitandi limina Sancti Sepulcri. 
21 NLM 353, fot 40v, von 1439 Apr. 20, schon eine zweite Verhandlung, nachdem der 
Großprizeptor, der sich der Zunge der Provence ,jenseits der Rhone" zuordnet, bei der ersten nicht 
anwesend war und gegen die dabei gefundenen Formeln protestierte. 
29 Die capitula finden sich in NLM 354, fot 52 v-53 r, von 1440 Nov. 26 (dort im zweiten Fall 
jedoch: fratres, hier korrigiert); sie werden in der Bulle von Großmeister, Konvent und General- 
kapitel mit gleichem Datum wiederholt, ebd., fol. 62 v-63 r. 
30 Dazu vgl. die Verwendung der Begriffe lingua parva Provincie und linguo Provincie sive 
prioralus Tholose in NLM 357, fot 40r und 51 v (neue Zählung: 37r und 46 v), zu 1445 Juni 22 und 
Nov. 9. - Die proven
ische Zunge läßt sich überdies nicht ganz einfach abgrenzen: Abwechselnd 
mit der italienischen Zunge besetzte sie das Priorat Ungarn, vgl. Anm. 7; und 1434 konnte sie sich 
auf grund älterer Ansprüche mit der Besetzung einer Präzeptorei im Königreich Sizilien gegen die 
italienische Zunge durchsetzen, vgl. NLM 351, fot 35r-36r, 1434 Juli 7-28. 
31 Die Protokolle der Versarnrnlungen wurden wohl in eigene Register eingetragen. Da- 
rauf deutet z. B. ein Eintrag zu 1441 Dez. 2, in NLM 355, fol. 69 (68)v, zu einem Beschluß der 
Zunge der Au vergne: sicutlacius apparet scriptura auctentica de.
cripta in libro dicte venerabilis lingue, 
sowie ein Vermerk zu 1436 Dez. 15, NLM 352, fol. 114 (113)v, ein Beschluß in libro dicte venerabile 
lingue Ilo/
 descrihitur. Diese Bände sind wohl verloren. Eine Ausnahme könnte ein Register der 
italienischen Zunge aus den Jahren 1434 bis 1464 bilden, das ich nicht einsehen konnte. Eine Edition 
dieses Textes durch Slanley Fiorini ist jedoch in Vorbereitung. Für eine spätere überlieferung vgl 
H. P. Sciduna, Hrsg., The Book of Deliherations of the Venerable Tongue of England, 1523-1567, 
Valletla-Malta, 1949. 
32 VgI. Z. B. NLM 352, fol. 33 v (1436 Juni 22: durch den Großmeister) und 59 r (1437 Juni 19: 
durch die Prokuratoren der linguo Alvern
), NLM 353, fol. 62r (1438 Jan. 10/17: durch den 
Großmeister und die Prokuratoren). 
33 Einer der älteren Einträge beginnt: De la licen.
e de monsieur le mai.
tre fut assemblee la langue 
d'Ouvergne..., NLM 347, fol. 72 v (neu: 83 v), von 1426 Febr. 7. Ähnliche Vermerke finden sich auch 
für die späteren Versammlungen, vgl. u. a. NLM 350, fol. 186r-v (alte Zählung, zu 1433); NLM 351, 
fol. 44r, 112r (zu 1434, 1435); NLM 352, fol. 8r-v (zu 1436); NLM 355, fot 68r, 70r-v, 72 v, 113 v, 
127v, 145r (alte Zählung; zu 1441, 1442); NLM 356, fol. 5r, 113v, 121 v, 128 v, 142r (zu 1444, 1445); 
NLM 337, fol. 5r, 51 v, 66v, 117r, 129v, 138r (alte Zählung, zu 1445, 1446); teilweise mit 
Wendungen wie de voluntate oder de mandato magislri (oder auch seines Statthalters). 
34 Die 9 mensis Junii anno 1442 de mandoto reverendissimi domini magistri venerabilis frater 
Guido de Domaniaco conventus Rholli ho.
pitalarius convocari fecit fratres prioratuum lingue Franc
 ... 
in hospicio ipsius lingue. NLM 355, fot 2S r. 
3S NLM 355, fol. 69v, 1441 Dez. 2; hingewiesen wird nur darauf, daß die Versarnrnlung 
secundum consuetudinem venerabilis lingue Alvern
 stattgefunden habe. 


60 


-
>>>
J6 So NLM 355, fol. 9v (aus Verhandlungen vor dem Großmeister von 1442 Nov. 14); die 
gleiche Formulierung findet sich auch NLM 353, fol. 6Or, zu 1437 Dez. 13. 
31 Zur Rolle der Großmeister für die Versammlungen vgl. die nicht völlig klaren Bemerkungen 
bei Wald stein- Wartenberg, Rechtsgeschichte, S. 110 und 125 (nach dem erst Pierre d' Aubusson den 
Zungen Versammlungsrecht gegeben hat). 
38 Die 17 mensis Septembris, cum vacasset baiuliatus amirall
 sacri convenlUS Rhodi et venerabilis 
lingua Yta/
 causa providendum de altero in dicta lingua admirato sese adiustasset in eorum hospicio..., 
NLM 353, fol. 120r (neu: 119r). Einer analogen Formulierung ebda., fol. 128 (127) v, nach 1438 
Apr. 8, ist hinzugefügt: ut moris est de superioris licentia. 
;w NLM 357, fol. 5r; es handelt sich um die Präzeptorei bzw. das Hospital Sancti Johannis 
d'Amboyse mit weiterem Besitz und um die preceptoria Templi d'Amboysa. Die längere französische 
Fassung dieses "Protokolls", fol. 21 r (neue Zählung: 20 r), ist durchstrichen und trägt den Vermerk: 
Presens scriptura non hahuit effectum, sed postea fuit mutata in aliam formam Lot ine, prout in Prioratu 
Franc
 f. (S). Auf fol. 21 (20)v folgt die Eintragung zweier "Einspriiche" zum selben Problem. 
_ Auch ein Beschluß der Zunge der Auvergne von 1442 Juni 7 fuit transactum per (im Text: pro) 
saniorem et maiorem partem, NLM 355, fol. 72 (71)v; vgl. NLM 356, fol. 121 r (1444), für die 
vorgesehene Beschlußfassung in der deutschen Zunge. 
40 So 1445 Jan. 20, als über die Besetzung zweier Präzeptoreien der lingua Franc
 ein Streit 
ausbrach, der ebenso vor den Großmeister gebracht wurde, NLM 356, fol. 14 v; vgl. auch ebd., 
fol. 68v (1444). 
41 VgI. Z. 8. NLM 357, fol. 117 (108) rund 138 (13S) r, jeweils als Beschluß aller unanimiter ... 
nemine protinus dLscrepante (zu 1445, 1446); ähnlich NLM 351, fol. 112 (113)r (1434); NLM 355, 
fol. 114 (110) v (1442) (anschließend ist dabei die Rede von einem Beschluß de communi censensu 
et voluntate omniumfratrum); NLM 356, fol. l28v (1444). 
43 NLM355,fol. 78 (77) v, zu 1442 Dez. I; ähnlich auch ebd., fol. 145 (141)r, zu 144223. 
43 Auch die vom Orden "angeworbenen" Donaten waren nach den Statuten des Gene- 
ralkapitels von 1454 an die Herbergen gebunden, in denen sie aufgenommen worden waren, 
NLM 282, fol. 21 r. 
44 "Pietanz" wird bei B. Waldstein-Wartenberg, D
 Vasallen Christi, Kulturgeschichte des 
Johanniter-ordens im Mittelalter, Wien-Köln-Graz 1988, S. 450, als Vermögen aus Seelensliftungen 
definiert, das an die am Totengedächtnis Beteiligten verteilt wurde. Tatsächlich bezeichnete die 
Pitanz allgemein eine besondere Kasse für den Unterhalt der Brüder, die in Deutschland on von 
einem Pitanzmeister geleitet wurde (Hinweis Anthony LultreIJ). Das wird auch aus den hier 
benutzten Quellen deutlich, wenn z. B. für die Zunge der Francia die Responsionen aus zwei 
Präzeptoreienfürdie Pitanzen "reserviert" werden, vgl. NLM 347,fol. 2r, und NLM 350, fo\. 12r-v; 
ähnliches galt für die Zunge der Auvergne, siehe NLM 355, fo\. 68 (67)r. Ober die angemessene 
Verteilung der Pitanzen kam es 1436 Nov. 7 in der deutschen Zunge zu einem Streit zwischen 
Ritterbrüdern und Servienten, NLM 352, fol. 101 (100)r - also profitierten davon nicht nur 
Priesterbrüder . 
45 Magnus balivius, preceptor Cipri et alii quamplures fratres lingue Alamanie iverunt ad 
presentiam reverendissimi domini magistri et sui venerabili consilii. Et dixerunt quod inter ipsos fuit 
concordium et conventum, quod pitancie fratrum. que de prioratu Alamanie ad conventum tran.smitten- 
tur, non debeant de cetero inter fratres dividi. sed in the.saurum fratrum lingue debeant deponi pro 
reparatione alberg
 et aliarum rerum spectantium ad honorem lingue..., NLM 348, fol. 127 (129) v, . 
von 1428 Aug. 12. 
4C Mit der Begründung, quod elimenta omnibus communia .
unt et ideo lux et haer ipsis fratribus 
lingue Ita/
 negare non potuerunt; die Franzosen dürften aber in angemessenem Abstand einen 
"Sichtschutz" errichten, NLM 352, fo1.l85r (neue Zählung: 182r). 
41 NLM 353, fo\. 36 (37) v, zu 1438 Aug. 10; am Ende einigte man sich auf ein Fenster, das die 
Zunge unter bestimmten Auflagen durch die gemeinsame Mauer brechen durfte. Das Haus des Priors 


61 


--
>>>
wurde nach 1437 ansteDe einer camera der französischen Zunge errichtet, NLM 352, fo\. 145 (144) v, 
Schreiben Fluvias von 1437 Sept. 20. 
... Nach einer Notiz NLM 350, fo1.l2v-l3r, zu 1433 Aug. 25. 
411 NLM 347, fol. 81 (92)r-v, von 1428 Apr. 28; der Besitz wurde den Prokuratoren der Zunge 
und dem Drapier übergeben. 
50 So nach der Besläligung durch den Statthalter des Großmeisters von 1438 Jan. 31, 
NLM 353, Co\. 60r. 
SI VgI. NLM 347, fo\.81 (92)r, von (1426 März 17), der Großmeister weist den magister 
scutiferium an, im Fall des Arnaldo de Torrelles pro maiori cautela... accedere per omnes albergias 
conllentus Rhodi omniu linguarum; und ebd., fo\. 100 (112) r, 1427 Sept. 2, in einem Schreiben an den 
Prior von Portugal wird auf eine öffentliche Bekanntmachung in einem Straffall hingewiesen, die 
durch den Meister erfolgte; weiter: NLM 354, Co\. 130 v, 1441 März 15. - Zum magister scutiferium 
des Großmeisters, der wohl von dem des Marschalls zu trennen ist, vgl.Riley-Srnith, Knights, S. 278, 
322; Waldstein-Wartenberg, Rechtsgeschichte, S. 110, 118, 131 (ohne Trennung). 
53 NLM 73, fo\. 203r, 1466 Juli 22; die Wahl Jacques' wurde vor Großmeister und Rat 
in Frage gestellt. 
53 Ein Beispiel ist die Tätigkeit eines Prokurator der lingua Fran.:
, der die für die Pi tanz der 
Brüder bestimmten Einnahmen aus einer Präzeptur einziehen sollte (nach einer späteren Korrektur 
Guillaurne Caoursin?), NLM 350,fol. I2r-v, 1433 Sept. 6 (vgl. Anm. 43). 
54 NLM 346, Co\. 53 r, zu 1421 Aug. 8; als Prokuratoren der Zunge erscheinen die Brüder 
Bertrannetus de Putheohardio und Sancius de Lesardois. - Ähnlich negativ äußerten sich die 
Prokuratoren der englischen Zunge über Robert Dangens, der für sich vor dem Großmeister das Amt 
des Turkopoliers beansprucht hatte: Er sei weder idoneus noch sulficiens ad dictum officium, NLM 
352, fo\. 128 (127) v, zu 1436 Dez. 15. 
" NLM 348,fo\.41 r (neu: 42r), von 1428 Mai 28. Der Notiz über den Protest geht der 
Registereintrag der BuDe des Großmeisters vom gleichen Datum voraus, der die Entscheidung des 
Papstes bestätigte. 
St! Am häufigsten waren jedoch die Proteste, vgl. u.a. NLM 75, Co\. l44r-v (1476); 
NLM 348, Co\. 70r (neu: 71 r) (1428); NLM 350, Col. 188 (l81)v und 191 (184)r (1433); NLM 352, 
fo\. 106 v (1436). 
51 Wie Anm. 49,45 und 31. 
SI Zur neuzeitlichen Etymologie (der Statuten von 1555) vgl. Waldstein-Wartenberg, Rechtsge- 
schichte, S. 124, der jedoch nichts vom häufigen mittelalterlichen Gebrauch des Begriffs weiß. 
SI) Für den Großbailli als PilearderdeutschenZunges. NLM 73, Co\. 22r (neu: 35 r, zu 1460), für 
den Großpräzeptor als Pilear der ,,kleinen" proven
ischen Zunge s. NLM 350, fo\. 63 v (zu 1433), 
für den Marschall als Pilear der Zunge der Auvergne s. NLM 355, Co\. 70v, 75 v (neu: 69 v, 74 v, zu 
1442); für Konventualbaillis als Pileare der proven
lischen und der englischen Herberge vgl. NLM 
346, fol. SI r, und NLM 347, fo\. 113 r (neu: 125 r) (zu 1423 und wohl 1427). Die Aufsicht über die 
Herberge konnte aber auch einmal vorn Amt des Konventualbaillis getrennt werden: 1470 Nov. 22 
wurde der Kanzler durch die Wahl eines Bruders entlastet, qui ipsum albergium tenere et regere lIellet, 
NLM 74, fo\. 52v-53r. 
110 So wird z. B. der Marschall capul ...Iingue AIW!rn
 genannt, NLM 352, fo\. 59r (1437), und 
der Großpräzeptor caput lingue pane Prollincie, NLM 27, no. 11 (1440). 
61 Ut baiullivus cancellarius (nuncupatus) forma qua ceteri baiullilli conllentuales ordinantw 
elligatur. nec ad ipsam baiulliatus apicem quLvpiam a.vsumatur nisi scribere et legere sciat..., 
NLM 282, fo\. 114r. 
6Z NLM 282, fo\.1I2 v-li 3 r, zu 1462 Nov. 6; soweit dies aus den knappen Notizen erkennbar 
wird. Zunächst heißt es: De iussu et mandato ... magistri septem fratres electioni septem linguarum 
recesserunt ad partem ubi secundum bonum consuetudinum et formam stabilimentorum eligerunt 
baiullillos sacri conllentus Rhodi et presentallerunt generali capitulo (112 v). Dann schließen sich zwei 


62 


.. 


-
>>>
Abschnitte an mit folgenden Notizen: Facta electione baiul/ivorum fuerunt per ipsum ... magistrum 
restitute burse d(ominorum) baiul/ivis et prioribus .n Fuit restitutum vexillum religionis ... domino 
marescallo (113 r). Zur Versorgung des Admirals, die mit der hier genannten bursa in Verbindung 
stehen könnte, vgl. auch NLM 355, fo\. 228 (226)r, zu (14411) Apr. 28. 
m NLM 13, fo\. 22 r (neu: 35 r), zu 1460 Juni 19; auch hiet sind die Vorgänge aus den knappen 
Notizen nicht völlig klar erkennbar. 
64 Honor suo non est ita. ut in protestati01li! conti1li!lur. nam certum et indubitatum est, quod ego 
frater Raphael sum in conventu Rhodi benemerens et ancianior eo fratre Johanne, prout plene probavi in 
lingua, NLM 351, fol. 80 r, von 1434 Okt. 15; der ProteslJuan de Villafrancas ebd., fo\. 79 v
O r, von 
1434 Sept. 28, registriert Okt. 11; vgl. euch ebd., fo\. 80v: Beide Seiten halten ihren Protest aufrecht. 
- Andererseits muß doch von "Wahlen" gesprochen werden, erfolgte doch schon die Entscheidung 
über die Besetzung einer Präzeptorei ut moris e,ft per vota fratrum in eadem lingue, NLM 353, 
fol. 128 (127)v, n. 1438 Apr. 8. 
65 Für Entscheidungen über die ancianilas vgl. u.a. NLM 350, fo\. 188 (181)r; NLM 
352, fo\. 38v; NLM 353, fo\. 37 (38) v und 58v; NLM 354, fo\. 209 (210) v; NLM 355, fo\. 
145 (141)r; NLM 356, fo\. 113v; NLM 357, fo\. 117 (IOS)r (zu 1433, 1437, 1439, 1440, 1442, 
1444, 1445). 
1!6 So nach NLM 351, fo\. 80v, zu 1434 Okt. 20. 
61 NLM 350, fo\. 196 (189)v-197 (190)r, zu 1433 Dez. I; notwendig wurde die Neubesetzung 
durch die Berufung Roberto de Dianas, des Vorgängers von Angelino, zum Prior Venedigs (oder 
Roms, nach dem Vermerk am Ende des Eintrags). Schon 1437 mußte das Admiralat erneut besetzt 
werden, und wieder kam es zu längeren Diskussionen in der lingua, NLM 353, fo\. 120 (119) r-v, zu 
1437 Sept. 17. - Für einen Streit um die Berufung des Großbaillis s. NLM 355, 151 (147)v, 
zu 1441 Aug. 23. 
111 NLM 354, fo\. 155 v, zu 1440 Dez. 3; Fantino gehörte schon zu den Kandidaten von 1437, 
wie vorige Anrn. 
611 Die Debatte auf dem Kapitel von 1462 Okt. 31 ist zusammengefaßt in NLM 282, fol. 106 v; 
die Beschlüsse s. ebd., fo\. 116r-v; zum preceptor volte et tercenalis (hier als Kommendator des 
Arsenals; nach den Statuten von 155S) vgl. Waldstein-Wartenberg, Rechl.fgeschichte, S. 116, der 
allerdings den hier zitierten Beschluß nicht kennt und nur von einer gemeinsamen Besetzung des 
Amtes durch Großpräzeptor und Admiral spricht. 
'10 Für den Einfluß des Admirals auf die Besetzung des capitaneatu maris, des Befehlshaberamts 
der Flotte, in Beziehung zu Großmeister und Kapitel vgl. u. a. NLM 74, fo\. 74r-v, 1471 Juni 28. 
11 Zu ihm vgl. Riley-Smith, Knights. S. 325; Waldstein-Wartenberg, Rechtsgeschichte, S. 119. 
12 Nach NLM 357, fol. 156v-157r (neu: 153v-154r), o.D. (1445); der letzte (5). Abschnitt 
lautet: ltem quod ve1li!rahilis turcupellerius vel eius locumtenens in sua aMua vi.dtacione diebus saltim 
festivis possit congregare illos, qui cu.ftodiamfacere tenentur in locis maritimis, ut melius discuti possit 
de locis et modis custodiarumflendtJrum, ut il/i, qui in casalibus circumstantihus commorantur, securius 
vivere possint. Zur concordia vgl. auch Valentini, Capitolo, S. 138-139, Anm. 4. 
13 Die Prioren würden ex quacunque natione vellingua berufen, NLM 352, fol. 145 (144)v- 
-146 (145)r, vgl. auch Anm. 74. Die besondere Rolle der Francia scheint in diesem Kontext sowohl 
mit der Stellung der camera als auch mit der Herkunft des Priors zusammenzuhängen. 
14 NLM 350, (Vorblätter) IX v-X v, zu 1433 Mai 30, vgl. dazu Valentini, Capitolo, S. 137-138, 
der auf den Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zwischen den Zungen hinweist. 
- Diskutiert wurde schließlich auch die Zuordnung der KonventualbaiUis zu den Zungen. Dabei 
beharrten die "Franzosen" darauf, allein der prior eccles
 sei homo pacis nec militat armis nisi 
spiritualihu.f 1Ii!C es' determinate linglJe (X v). 
15 Ein weiteres Amt, das durch den (erweiterten) Rat und damit wahrscheinlich von allen 
Zungen besetzt wurde, war das des Kastellans von Rhodos. 1437 Aug. 14 wurde dazu ein Mitglied der 
proven
ischen Zunge per Los bestimmt, NLM 75, fol. 23v-24r. 


63
>>>
76 Siehe den Protest der proven
ischen Zunge gegen die Besetzung der magna preceptoria 
Chippri mit dem Admiral sowie den Protest der anderen Zungen von 1436 Sept. 4, NLM 352, 
fol. 143 (142) v. 
77 Ausführlich dazu Valentini, Capitolo; die Ereignisse sind im folgenden nur knapp und mit 
Blick auf die hier interessierenden Fragen zusammengefaßt. 
n (Et, ut putandum,) harum difficu/tatum proxima vestra gubernatio, qui omnia officia et iudicia 
in manihus habuistis, causafuit ... Nam quandiu omnium rerum summa opud vos erit, quandiu totius 
conventus preminentias ad vos advocabitis et primatum vendicabitis, nunquam sperate pacem firmam 
inter no.rfaturam: si fratres religiosi sumus, communia omnia inter nos esse debent..., ebd., S. 153 (ediert 
NLM 358, fol.238 r). 
79 Dieser Verzicht machte die Wahl eines neuen Drapiers notwendig (Pere Ramon Zacosta 
setzte sich dabei durch), NLM 354, fol. 124v; für einen ähnlichen Fall s.zu Anm. 62. 
10 Nach NLM 350, fol. 62 v, 1433 Aug. 5, besetzt nach der Vereinbarung über die Zuordnung 
des Priorats Ungarn von 1373, vgl. Anm. 7; er sollte sich auch an den Kaiser wenden. 
81 Die Vorgänge sind nicht völlig klar, da sich Zacosta zum Zeitpunkt der Provision nicht im 
Konvent, sondern in Aragon befand und durch Prokuratoren vertreten ließ. Die Brüder der Zunge 
stellten nicht die Kompetenzen des Drapiers, sondern die Form der Besetzung der Kastellanei in 
Frage, NLM 357, fol. 81 (73)r, 1445 Apr. 30. 
83 (Et dictusfrater Georgius de Monteafia olim armiratus (sic - Admiral) assequi et habere et 
acceptare deheat primo prioratum vocantem vel vacaturum in tota Italia), excepto dumtaxat prioratu 
Venetiarum, quia Veneti non patiuntur extraneum in eodem, NLM 354, fol. 155v, 1440 Dez. 3; 
vgl. zu Anm. 67. 
&3 Secundum stabilimenta, bonos usus et laudabiles consl4etudines religionis ... de duabus collacio- 
nibus simul vaccantihus altera conventui altera priori pertinet, NLM 356, fol. 14 v, zu 1445 Jan. 20. 
84 Nach NLM 353, fol. 59 v, zu 1437 Dez. 13. 
85 NLM 348, fol. 69 (70)r, 1428 Aug. 18, mit dem Zusatz, quod talis concordia pro tempore 
futuro non debeat esse in preiudicium dicti venerahi/i prioris nec fratribus lingue; über die tatsächliche 
Aufteilung der Ämter ist damit also nichts gesagt. - Für einen Streit zwischen dem Prior von S. Gilles 
und der lingua parve Provincie siehe NLM 350, fol. 63 v, zu 1429 Aug. bzw. 1433 Okt. 17. Weitere 
Beispiele siehe, ebd., fol. 65 v; NLM 353, fol. I r (zu 1434, 1437). 
86 NLM 352, fol. I r, 1436 Mai 22; das esguardium war von der Zunge gefordert worden. Gegen 
seine Einberufung haUen sich - wohl vergeblich - auch der Großmeister und die Prioren von S. Gilles 
und England gewandt und eine Entscheidung durch den Rat unterstützt. Ober ein Ergebnis des 
Verfahrens läßt sich nichts Näheres erschließen. Zum esguardium vgl. Riley-Smith, Knights, 
S. 262-267 u. ö.; Waldstein-Wartenberg, Rechtsgeschichte, S. 129-131. 
1'1 So konnte bei einem Streit um die Besetzung einer Präzeptorei der englischen Zunge zunächst 
keine Entscheidung getroffen werden ob id maxime, quod est collocatus per reverendissimum dominum 
magistrum et convenlum, NLM 354, fol. 204 v-205 r (neu: 205 v-206 r), zu 1440 Okt. 17, dann blieb 
aber auch ein esguardium ohne Ergebnis. Zur Rolle des Großmeisters vgl. auch NLM 355, 
fol. 252 (252) v, 1442 Okt. 27. 
M VgI. u.a. NLM 347, fol. 70 (81)r-v (zu 1427, Schreiben des Großmeisters erwähnt 
Zustimmung der lingua Alvern
); NLM 350, fol.178 (l71)v (zu 1433, erwähnt Zustimmung der 
deutschen Zunge); NLM 351, fol. 35r-v (zu 1434, eine Verleihung auf "zehn Jahre" durch den 
Großmeister wurde jedoch durch die Zunge zu "auf Lebenszeit" erweitert); NLM 352, fol. 3r 
(zu 1436, dgl.). S. weiter NLM 27, no. 11; NLM 353, fol. 39 (40) v, 141 (140)r; NLM 355, 
fol. 78 (77) v (zu 1439, 1440, 1442). - Umgekehrt konnte eine Präzeptorei auch in die Hände des 
Großmeisters und der lingua Franc
 zurückgegeben werden, NLM 351, fol. I3r (1434). 
89 NLM 347, fol. 69 (80)r, zu 1427 Sept. 9; im Register erhalten ist sowohl die Mitteilung 
des Marschalls wie auch die darauf bezugnehmende Urkunde des Großmeisters; vgl. auch 
NLM 351, fol. 2v (zu 1434). 


64
>>>
\10 So nach dem Eintrag NLM 352, fol. 8 r-v, von 1436 Juni 4, veranlaßt durch den Großmeister, 
der zuvor darauf verwiesen hatte, daß ein Appell gegen die Beschliisse eines e.fguardium gegen die 
Gewohnheiten des Ordens sei. - Ein weiterer Fall ebd., fol. 13r-v; NLM 355, fol. 19r-v (zu 1436, 
1442). Gelegentlich versuchlen die Zungen, ein esguardium zu vermeiden, vgl. NLM 353, 
fol. 128 (127) v (1438). 
111 NLM 350,fot. 186 (179)r, von 1433 Febr. 20, Notiz iiber den Beschluß der italie- 
nischen Zunge. 
112 VgI. NLM 352, fot. 114 (11 3) v, zu 1436 Dez. 15; dieser Beschluß wurde 1441 Apr. 28 
erneuert, NLM 3S5, fol. 113 (109) v; offenbar war es mit dem Markgrafen noch zu keiner Einigung 
gekommen. 
113 Beschliisse dieser Art finden sich u.a. in NLM 350, fol. 83r, 101 v; NLM 351, fol. 47r; 
NLM 352, fol. 15r; NLM 353, fol. 37 (38)r; NLM 3S4, fol. 49r, 52r; NLM 355, fol. 25 r; NLM 356, 
fot. 5r, 68v; NLM 357, fot. 66 (60) v (zu 1433, 1435, 1436, 1439, 1440, 1442, 1445). Mit der 
Vereinigung von Präzeptoreien beschäftigte sich auch das Generalkapitel von 1459, vgl. NLM 282, 
fot. 66r, 70r-v; gegen eine Zusammenlegung von Ämtern gab es auch einmal Widerstand, wenn sie 
z.B. die Versorgung von Briidern infragestellte, s. NLM 355, fol. 70 (69)r, von 1442 Jan. 19; 
vgl. weiter ebda., fol. 77 (76) v (zu 1442). 
114 VgI. zu Anm. 10-11, 17-18 und 22. 
115 Siehe die Teilnehmerliste der Generalkapitel von 1454, 1459 und 1462, NLM 282, fol. I r-4 r, 
52r-S4v, 9Or-101 v. 
116 Quod nu/la capitula facta cum domino reverendissimo magistro possint alÜluomodo preiudicare 
preheminentiis bai//ivorum et /inguarum aut eorum et ipsorum offitiis (nec communi thesawo), 
NLM 282, fol. ISv; es geht eigentlich um die Verwaltung des communis thesaurus, die dem 
Großmeister auf Zeit iibertragen worden war.
>>>
- 


-------...
>>>
ORDlNES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA VIII - 1995 
RmERORDEN UND REGION - POLITISCHE. SOZIALE UND WIRTSCHAFfLlCHE VERBINDUNGEN IM MmELALTER 


Ludwig Vones (Köln) 


Die Landnahme der Ritterorden von Santiago und Calatrava 
in der Extremadura, Andalusien und Murcia im 13. Jahrhundert 


I 


Auf der Iberischen Halbinsel erfolgte die Landnahme 1 durch die großen 
Ritterorden bekannterweise im Zuge der vom Königtum gelenkten Reconquista, 
der jahrhundetelang andauernden Rückeroberung der Hispania von den Mau- 
ren, und der ihr zumeist unmittelbar nachfolgenden Repoblacion, der Wieder- 
besiedlung und Kultivierung der wiedergewonnenen Gebiete 2. Die hier im 
Vordergrund stehenden, schon von ihrer Gründung her dem monarchischen 
Einfluß geöffneten spanischen Ritterorden von Santiago, Calatrava und Alcan- 
tara dienten dabei mit ihrer Verschmelzung von adligem Genossenschaftsden- 
ken, religiösem Gemeinschaftsbewußtsein, kriegerischen Tugenden und ver- 
meintlichen kolonisatorisch-administrativen Fähigkeiten dem leonesischen und 
kastilischen Königtum seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Speerspit- 
ze der Reconquista. Der heutigen spanischen Forschung erscheinen sie mit ihrer 
Verbindung von Religion und Krieg als das vollendetste Erzeugnis der Feudal- 
gesellschaft 3 und waren gleichermaßen an allen Gewinnen beteiligt, wie sie eben 
auch die Rückschläge mitzutragen hatten 4. Sie konnten vor allem bei bevor- 
stehenden Eroberungsprojekten aufgrund ihrer Kampfkraft und ihrer Fähigkeit 
zur Grenzsicherung der königlichen Gunst gewiß sein, zumal ihre hierarchische, 
die Stringenz des inneren Aufbaus bestimmende Struktur der monarchischen 
Kontrolle ebenso entgegenkam S, wie sie anscheincnd eine dauerhafte Entfrem- 
dung der eingenommenen Territorien in adliger Hand verhinderte. 
Dies gilt im höchsten Maße für das 13. Jahrhundert, als das Königtum im 
Zuge der Reconquista die größten Erfolge im Maurenkampf und zugleich solche 
bedeutenden Gebietsgewinne im Süden verbuchen konnte, wie sie bis zur 


67 


--
>>>
Einnahme von Granada nie mehr annähernd erreicht werden sollten. Haupt- 
sächlich zu den Regierungszeiten der Könige Ferdinand 111. von Kastilien und 
- mit deutlichen Abstrichen - seines Sohnes Alfons X., auf die wir uns deshalb 
konzentieren wollen, wurden zwischen 1217 und 1284 nach dem Zusammen- 
bruch der Almohadenmacht sowie vor allem nach der Vereinigung der König- 
reiche Kastilien und Leon zur Krone Kastilien im Jahre 1230 mit der Eroberung 
aller maurischen Reinos außer Granada riesige Territorien für die Krone 
hinzugewonnen 6. Parallel dazu wurden die Ritterorden zur Belohnung für ihre 
Unterstützung, aber auch zur militärischen, administrativen und kolonisatori- 
schen Sicherung der sich neu formierenden Grenzzone am Zugewinn beteiligt 7. 
Die bedeutendsten Ereignisse in dieser Hinsicht waren die Einnahmen von Baeza 
(1227), Übeda (1233), Cordoba (1236), Jaen (1246), Sevilla (1248) durch 
Ferdinand III. in Andalusien 8, während unter Alfons X. trotz manchen 
ehrgeizigen Projekten an großeren Machtstützpunkten außer dem von ihm 
bereits 1245 als Infant eingenommenen Murcia 11 nur Niebla (1262) und Cädiz 
(1262) unter christliche Herrschaft kommen sollten 10. Da zuvor bereits Alfons 
IX. von Leon, Vater Ferdinands 111., das Königreich Badajoz mit seinen 
wichtigsten Vororten, darunter Cäceres (1227), Montänchez, Merida sowie 
Badajoz selbst (1230), und damit die Hauptmasse der südlichen Extremadura bis 
hin zur Sierra Morena unterworfen hatte 11, stellte sich die Bilanz der Reconquis- 
ta um die Jahrhundertmitte ausgesprochen positiv dar - viel positiver, als man es 
gegen Ende des 12. Jahrhunderts für möglich hätte halten können. Denn man 
sollte nicht vergessen, daß 1195 als Folge der vernichtenden Niederlage von 
Alarcos die südliche Grenzlinie der christlichen Reiche am Guadiana zusammen- 
gebrochen war, alle dort angesiedelten Stützpunkte bzw. Besitzschwerpunkte der 
Ritterorden einschließlich der Burg Calatrava verloren gegangen waren und die 
Verteidigungslinie vielfach in die Zonen nördlich des Guadiana verlegt 
werden mußte 12. 


11 


Man hat in jüngster Zeit den wohlfundierten Versuch unternommen, unter 
Berücksichtigung der äußeren politischen Vorgänge sowie der sich wandelnden 
Haltung des Königtums verschiedene Entwicklungsphasen der Ordensex- 
pansion bis zum Ende des 13. Jahrhunderts herauszuarbeiten und dabei sowohl 
mehr Schwankungen als auch häufigere Einschnitte gefunden, als bisher 
vermutet 13. Ist die erste Phase mit der gegen die almohadische Gefahr 
gerichteten Gründung der Orden von Calatrava (1158), Santiago (1170) und San 
Juliäo de Pereiro-Trujillo (1176) noch insgesamt bis 1195 als eine Epoche der 
Konsolidierung und anschließenden Expansion anzusprechen, so folgte nach 
1195 ungeachtet der Bedeutung der innerhalb des muslim ischen Machtbereichs 
gelegenen Burg Salvatierra für weitere Vorstöße nach Süden eher eine Zeit 


68 


-
>>>
der defensiven Stagnation und erneuten allmählichen Konsolidierung. Erst die 
siegreiche Schlacht von Las Navas de Tolosa brachte 1212 die entscheidende 
Wende, da sie nicht nur die almohadische Bedrohung endgültig bannte, sondern 
auch dem christlichen Expansionsdrangjene Dynamik verlieh, die trotz mancher 
Rückschläge und zeitweiliger Lähmungserscheinungen letztlich hin zur Erobe- 
rung von Granada und zur Rückgewinnung der gesamten Iberischen Halbinsel 
führte. Während es Alfons vnI. als Sieger von Las Navas de Tolosa nicht mehr 
vergönnt sein sollte, seinen Triumph durch einen erneuten Schub territorialer 
Expansion abzurunden, blieb es seinem Enkel Ferdinand 111. vorbehalten, unter 
gezielter Förderung der Ritterorden und durch ihren Einsatz an der vor- 
dersten Front die zukunftsweisenden Gebietsgewinne zu machen. Vornehmlich 
zwischen 1230 und 1252 ist daher eine enge, beide Seiten befriedigende 
Zusammenarbeit ohne merkliche Verstimmungen zwischen Orden und König- 
tum zu konstatieren. 
Wesentlich komplizierter gestaltete sich dann das Verhältnis unter der 
Regierungszeit Alfons X. von 1252 bis 1284, da der nun Gestalt annehmende 
monarchische Zentralismus mit seinen dirigistischen Ansprüchen nicht vor 
direkten Eingriffen in die Ordensangelegenheiten und in die territoriale Besitz- 
politik zurückschreckte, um vor allem nach der großen Rebellion der Mudejares, 
der verbliebenen maurischen Bevölkerung, zwischen 1264 und 1266 die Ritteror- 
den und ihre offensichtlich gegenüber feindlicher Agitation weniger anfälligen 
Gebiete in Andalusien als Machtinstrumente des Königtums besser in den Griff 
zu bekommen 14. Folglich kann man nur noch für die Zeit von 1252 bis 1271, dem 
Jahr der ersten umfassenden Adelsrebellion, von einer beiderseits getragenen 
Zusammenarbeit zwischen Ritterorden und Königtum ausgehen, die die sy- 
stematische Bestätigung der früheren großen Privilegien nach sich zog, den 
Ritterorden Teilhabe an den königlichen Lehen in den neueroberten Gebieten 
einräumte und wie bisher einer aktiven Unterstützung der Krone bei ihren 
militärischen Unternehmungen den Vorrang gab. Zwischen 1271 und 1281 
schloß sich eine Phase der Entfremdung an, die 1282 in eine offene Konfron- 
tation überging, als sich die Ritterorden jenen Hermandades, Adelseinungen, 
anschlossen, die sich in der Nachfolgefrage gegen Alfons X. und auf die Seite 
seines Sohnes, des Infanten Sancho, stellten - eine Konfrontation, die zur 
Entmachtung des Königs führte und bis zu seinem Tod andauerte 15. Nach 1284 
beruhigten sich unter der Regierung des nunmehrigen Königs Sancho IV. die 
Verhältnisse wieder, so daß die Ritterorden zu ihrer kontinuierlichen Auf- 
baupolitik zurückkehren konnten, doch waren mittlerweile die wichtigsten 
Entscheidungen gefallen und die Grundsteine zu jenen mehr oder weniger 
geschlossenen, reiche Einkünfte verheißenden Territorialkomplexen längst 
gelegt, die den Mae.
trazgo der Orden im 14. und 15. Jahrhundert zu einer 
begehrten Würde für den Hochadel und schließlich die Königsfamilie 
werden ließen. 


69 


-
>>>
m 


Innerhalb dieser Rahmenbedingungen setzten die Ritterorden bei der 
Landnahme unterschiedliche Schwerpunkte, fanden sich aber nichtsdestoweni- 
ger zu gemeinsamen Unternehmungen unter genauer Aufteilung der Kompeten- 
zen bereit, wie am deutlichsten ein Abkommen über eine Hermandad zwischen 
dem Santiago- und Calatravaorden von 1221 bezeugt 16. Der Orden von 
Santiago kam entsprechend seiner ursprunglichen Zuordnung zum leonesischen 
Königtum von Südwesten her, eroberte Medellin, Alange, Santa Cruz (1234), 
Magacela (1235) und Hornachos 17, erhielt vom portugiesischen König An- 
spruche auf Aljustrel (1235), Mertola, Ayamonte (1238) und Tavira (1239) 18 und 
konnte zudem im Südosten der Halbinsel im Königreich M urcia 19 und den 
angrenzenden Gebieten des oberen Guadalq uivirtals Fuß fassen 20, obwohl er 
dort auf die Konkurrenz des Toledaner Erzbistums traf. Der Orden von 
Calatrava fand sein hauptsächliches Expansionsgebiet im zentralen und oberen 
Guadalquivirtal, obwohl er in der Extremadura mit der 1218 an den fortan 
affiliierten Orden von San J uliäo de Pereiro abgetretenen Burg Alcantara und 
dem 1221 inkorporierten Monfrag Zentren hatte 21 und 1233 wesentlich an der 
endgültigen Einnahme von Trujillo beteiligt gewesen war. 
Schaut man auf die Königsurkunden, zeichnet sich für die Regierungszeit 
Ferdinands III. ein stärkeres Interesse am Orden von Santiago ab, während über 
längere Perioden der Herrschaftsausübung durch Alfons X. Calatrava eine 
bevorzugte Behandlung erfuhr 22. Dennoch erhielt Calatrava schon unter 
Ferdinand In. nicht nur frühzeitig eine allgemeine Privilegienbestätigung 23, 
sondern mit der Schenkung der Burgen Martos, Porcuna und Vi boras sowie von 
Besitz bei Arjona aus dem Jahr 1228 auch einen Machtkern im Herzen 
Andalusiens südlich des Guadalquivir zugesprochen 24, der in der Zukunft noch 
ausgebaut werden sollte 25. 1240 kam die Übertragung der Burgen Locubin und 
Susana hinzu 26, 1244 der Cortijo de Cazalilla bei Cordoba mit seinen überaus 
reichen Gütern 27, 1245 Priego und Alcaudete 28, 1246 Besitz in Jaen und 
Espeluy 29, 1248 Besitz in Carmona 30, 1249 die Alqueria von Siste (Chist) 
zwischen Espera und Alocaz 31, was eine königliche Bestätigung erforderte, da 
als Schenker der Infant Heinrich von Kastilien aufgetreten war 32,1251 Zambra 
und Zafra 33, um 1253 die Burg AIgarin zwischen Priego und Pesquera 34. 
Demgegenüber festigte der Orden von Santiago seine vorherrschende 
Stellung in den südlichen Teilen der leonesischen Extremadura 35, die später der 
Ordensprovinz Leon zugeschlagen wurde und in der bereits zwischen 1166 und 
1174 der Orden von Ferdinand n. von Leon vorübergehend mit dem Tal von 
Albuera, Luchena, Cantiiiana und den Burgen Montemayor am Fluß Caya, 
Alconcher südlich von Badajoz sowie Monsfragüe ausgestattet worden war 36: 
der Regelung der Besitzverhältnisse in Merida folgte 1234 die Bestätigung der 
Übertragung der Burg Montanchez 37,1235 die Schenkungen von Hornachos 38, 


70 


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1243 von Alange 39, 1246 von Reina 40, 1248 die Bestätigung der vom portugiesi- 
schen König tradierten, im südlichen Guadianagebiet bzw. im andalusischen 
Algarve gelegenen Vororte Mertola, Ayamonte und Alajar de Peiia (Alajar la 
Real) 41, und schließlich gleichzeitig 1248 die Schenkung von Montemolin, wozu 
noch Besitzungen in Moguer bei Huelva-Niebla und Besnaget hinzukamen 42. 
Auf dieser Grundlage entstand dort eine verhältnismäßig geschlossene Machtan- 
samlung, deren expansive Tendenz in Richtung des Unterlaufs des Guadalquivir 
und, die Zielsetzungen des Königtums unterstützend, auf das maurische 
Zentrum Sevilla wies. Allerdings hatte der Orden für Montemolin seinen Besitz 
in Cantillana am Guadalq uivir aufgeben müssen, und auch in den anderen Orten 
des mittleren und unteren Guadalquivirtales wie Cordoba 43, Cannona 44 und 
Alcala de Guadaira 45, also in Richtung der Calatravastützpunkte, war die 
Ausstattung eher spärlich. Demgegenüber wurde die Machtballung des Ordens 
im oberen Guadalquivirtal und in den Randgebieten des Königreichs Murcia 
schon sehr früh von Ferdinand 111. gefördert. Kann man einer Notiz Glauben 
schenken, dachte der König schon 1226 an eine Übertragung von Torres de 
Albanchez bei Segura de la Sierra 46, die mit Sicherheit erstmals zu 1235 belegt 
ist 47. In der Zwischenzeit waren die Burgen Montiel und San Polo (1227) 48 
sowie Besitz in Baeza (1231) 49 den Santiagorittern zugewiesen worden, was ihrer 
großräumigen Ausbreitung von Ucles aus nach Süden Vorschub leistete 50. 
Entscheidend gefördert wurde ein solcher Vorstoß durch die Schenkung der 
Burg Hornos bei Segura (1239) 51, wodurch der kurz zuvor durch Tausch 
getätigte Erwerb der Burgen und Orte Chiclana und Beas de Segura ergänzt 
wurde 52. Von eminenter Bedeutung war sodann 1242 die Übertragung der Burg 
Segura de la Sierra selbst 53, einer Schlüsselstellung an der südwestlichen Grenze 
des Königreichs Murcia, wozu zur gleichen Zeit, wie aus der Bestätigung durch 
den Infanten Alfons (X.) von 1243 hervorgeht 54, zusätzlich zu 17 weiteren 
Festungen die Burgen Moratalla, Socovos, Huescar und Priego hinzugefügt 
worden waren. Ferdinand 111. selbst hatte 1242 noch alle Orte, Burgen, 
Wehrtürme und Festungen ausgenommen, die entweder zum Königreich M urcia 
oder zu den Concejos von Riopal und Alcaraz sowie zum Königreich Jaen oder 
den Concejos von Baeza und Ubeda gehörten 55. Abgerundet wurde die 
königliche Gewogenheit durch die Schenkung der Kirche in Villanueva de la 
Fuente (1243) 56 sowie von Besitz in Santisteban, Linares (1243) 57, Jaen und 
Moya (1246) 58 - eine Gewogenheit, die dazu dienen sollte, das 1243 im Vertrag 
von Alcaraz ausgehandelte kastilische Protektorat über Murcia zu festigen 50. 
Die Übertragung des Ortes Galera im Königreich M urcia, wozu die Wehrtünne 
von Orce, Caztalla, Ytur, Las Cuevas de Almizra und Color gehörten, durch den 
Infanten Alfons (X.) als Belohnung für die Hilfe bei der Eroberung von 
Chinchilla aus dem Jahr 1243 (j() ist diesem Kontext genauso hinzuzurechnen wie 
die zusätzliche Schenkung der Burgen "Chincollar" und Nebli durch Alfons als 
König und von Orcera in der Nähe von Segura durch den späteren König 


72 


--
>>>
Sancho IV.cH. Segura de la Sierra, dem zusätzlich der Fuero von Cuenca gewährt 
wurde 62, erhielt auf diese Weise eine solche Stellung, daß 1245 der Sitz der 
Hauptkomturei des Ordens von Ucles dorthin verlegt wurde 63. Nicht übersehen 
werden sollte allerdings, daß aus dem Fuero von Cu 
nca, den 1243 schon Montiel 
erhalten hatte, ein striktes Verbot hergeleitet wurde, Königsgut (Realengo) in 
irgendeiner Form zu entfremden 64-, und daß die verliehenen Fueros allgemein 
direkte Eingriffe der Zentralgewalt durch die vom Ordensmeister beauftragten 
Komture sicherstellten 65. 
Gegen Ende der Regierungszeit Ferdinands In. zeichnete sich also ein 
Territorialisierungs-und Vergrundherrlichungsprozeß ab, der noch durch 
Schenkungen von Laien vorangetrieben wurde und den drei Hauptstoßrichtun- 
gen der Orden auf das verbleibende maurische Reich von Granada zu entsprach: 
für Calatcava von Kastilien aus hin zum mittleren und oberen Guadalquivirtal, 
für Santiago von Leon aus über die Leonesische Extremadura hin zum Unterlauf 
und zur Mündung des Guadalq uivir, von Kastilien aus hin zu den Grenzgebieten 
des Reiches von Murcia und ebenfalls zum oberen Guadalquivirtal hin. Diese 
Machtverteilung kam zu dieser Zeit sowohl den Plänen des Königtums als auch 
den Interessen der Orden entgegen und war eindeutig die Frucht ihrer 
Beteiligung an der Eroberung der maurischen Reiche, wie denn auch viele 
Schenkungen und Privilegien vor und während der Belagerung der großen Städte 
vergeben worden waren, um die Motivation der MaurenkäInpfer anzustacheln. 


IV 


Bei der Regierungsübernahme durch Alfons X. ist zunächst keine grundsätz- 
liche Änderung dieser Linie der königlichen Politik festzustellen, sieht man 
davon ab, daß der Orden von Santiago zwar noch bis 1255 die Aldea von 
Villanueva deI Aliscar 66, eine Huerta in Dorbani
aleh 67, Besitz in Mures 68, eine 
Bestätigung der Schenkungen der noch nicht eroberten Plätze von Montemolin 
und Moguer 69, die Übertragung von Benameji und Vierben 70, gegen die 
Abtretung des Besitzes in Marquina, La Gran, Pipahon und Aguilar de Campoo 
die Burg Callosa mit der Aldea Catral bei Orihuela im Königreich Murcia 71, 
einem Cortijo in der Mancha n und schließlich 1257 im Tausch gegen Elda, 
Callosa sowie Catral die Burg Aledo samt dem Ort T otana 73 erhielt, dann aber 
für gut zehn Jahre kaum nennenswerte Privilegien für die andalusischen 
Grenzgebiete mehr gewährt bekam 74. 1257 indes war das Jahr, mit dem 
Alfons X. seine Politik einer festen Eingliederung des Reiches von Murcia sowie 
einer unmittelbaren, drückenden Kontrolle durch das Königtum begann 75_ und 
schließlich scheiterte. Erst als die Mudejares-Rebellion gezeigt hatte, daß die von 
den Orden verwalteten Gebiete gegenüber inneren Unruhen besser gefeit waren, 
erhielt auch Santiago 1266 bzw. 1267 mit der Übertragung der allerdings noch 


73 


.......
>>>
eroberten Burgen Antequera und Archidona 76 sowie mit der Schenkung der 
wichtigen Burg Estepa, die dem Infanten Alfonso de Molina gehört hatte und 
eigentlich der Diözese Cordoba zugeschlagen werden sollte 77, wieder einen 
festen Platz bei den königlichen Expansionsbestrebungen gegenüber Granada, 
um dann jedoch bis zum Ende der Regierung aus der Gunst des Monarchen zu 
verschwinden. Darüber hinaus mußte der Orden wahrscheinlich seine Besitzun- 
gen Ayamonte und Alajar de Peiia gegen seine Rechte an Reina und Estepa 
eintauschen 78. 
Demgegenüber rückte jetzt Calatrava samt seiner Filiale Alcantara, die 1241 
den Ort Benquerencia auf Cordobeser Gebiet erhalten hatte 70, eindeutig in den 
Vordergrund, wenn auch anfangs die einfachen Bestätigungen früherer Schen- 
kungen und die Übertragung kleinerer Besitztümer überwogen 80. In diesem 
Sinne wurden gleichfalls bis 1254 die bereits 1249 getätigte Schenkung der 
Alquerla von Siste erneuert 81, der Besitz der Burgen und festen Plätze Al- 
caudete 82, Martos, Porcuna, Viboras 83, Priego 84, Locubin 8S sowie von Gütern 
in Cordoba, Arjona, Bexixar, Lupion, Baeza und Ubeda 86 bestätigt, wobei 
allerdings für Priego die Stützpunkte Monfrag, Belmez, Cuzna, Vada und der 
Wehrturm von Cannet mit dem Gebiet zwischen Mochuelos und Guadarmes 
geopfert werden mußten 87. Doch anders als beim Santiago-Orden kamen seit 
1255 neue Güter durch königliche Gunst hinzu 88, von denen die Alquerla von 
Silibar (Cortijo de Jeribe, westI. v. Montellano), die Burgen Matrera und der 
bisherige Concejo Real Sabiote (Axavier) mit ihren Getreidevorräten und Salinen 
den höchsten Stellenwert hatten 80, bis Calatrava 1264 mit der Burg Osuna in der 
Grenzzone zu Granada für seine Unterstützung bei der Niederschlagung der 
Mudejares-Rebellion gar einen festen Platz von zentraler Bedeutung erhielt, der 
der Ordensexpansion eine neue Perspektive verlieh 00. An die Übertragung von 
Osuna, die zwar von Besitzschenkungen in Ecija und der Gewährung neuer 
Einkünfte begleitet wurde, aber die M oneda-Abgabe, die Gerichtsbarkeit und 
die Einkünfte des Yantar der königlichen Verfügung vorbehielt 01, knüpfte der 
König zudem die Bedingung, daß der Hauptkonvent von Calatrava dorthin 
verlegt werden und der Ordensmeister fortan den Titel eines Komtur von Osuna 
führen sollte 02, eine Bedingung, die sofort auf Widerstand stieß und die neue 
Regelung nie über den Zustand eines Provisoriums hinausgelangen ließ. Neben 
diesem besonderen Gnadenerweis verblaßten sowohl die weiteren Besitzüber- 
tragungen in Sevilla - im Tausch gegen die Alquerla von Siste 03 - , Jerez 04 und 
Ecija os als auch die späteren Schenkungen der noch nicht eroberten Burg Alcala 
de Abenzaide (1272) 06, von Cazalla (1279) - im Tausch gegen Cerraja 07 - und 
der Burg Tiiiosa zwischen Priego und Rute (1278/1281), was übrigens einen 
Streit mit dem sich in seinen Rechten beeinträchtigt fühlenden Kathedralkapitel 
von Cordoba nach sich zog 08. Andererseits erlaubten gerade diese königlichen 
Zuweisungen dem Calatravaorden die herrschaftliche Durchdringung eines 
ausgedehnten Seiiorio, der sich südlich von Jaen und Cordoba längs des 


74
>>>
Flußtales des Genil hin zum granadinisch-nasridischen Machtbereich erstreckte 
und der wiederum abgerundet wurde durch die Übertragung von Moron und 
Cote an den Orden von Alcantara im Jahr 1279, jedoch auch hier unter 
Vorbehalt von guerra y paz, moneda, yantar, dem 3ergregal und der Gerichtsbar- 
keit 99! Mor6n, das nur wenig südwestlich von Osuna lag und wo Calatrava seit 
den Tagen des Infanten Heinrich ebenfalls begütert war 100, sollte, umgetauft auf 
das Patrocinium Buenaventura und als Hauptkonvent des Ordens konzipiert, in 
der Planung des Königtums eine ähnliche Mittelpunktsfunktion erfüllen wie 
Osuna für den Calatravaorden, nachdem die Alcantararitter bereits 1261 gegen 
die Schenkung der Alquerias von Cambullon, Gelves und Torre de Alpechin ihr 
ganzes Ordens gut in Murcia, also auch die 1253 erhaltene Burg Salvaleon 101, 
hatten eintauschen müssen 102, also aus den östlichen Grenzzonen verdrängt 
worden waren. 


v 


Wir haben bereits die Beobachtung gemacht, daß der Besitzstand des Ordens 
von Santiago im Westen durch Alfons X. nach 1254, als der König vermutlich 
nochmals die vorhandenen Privilegien aus der Zeit Ferdinands In. bestätigt 
hatte 103, keine sonderliche Erweiterung mehr erfahren sollte. In diesem Erobe- 
rungsgebiet, das von der neuen Königsresidenz Sevilla hin zur Straße von 
Gibraltar reichte, hatten auch die anderen Orden einschließlich der in An- 
dalusien nur spärlich verbreiteten J ohanniter 104 keine Wurzeln schlagen können, 
da sich Alfons X. aufgrund seiner Pläne, den Heidenkampf nach Nordafrika 
hinüberzutragen, offensichtlich diese Zone vorbehalten und zum Realengo 
ausbauen wollte. Angesichts der insgesamt eher spärlichen Ausstattung der 
Ritterorden durch den kastilischen König nimmt es nicht wunder, daß in diesem 
Fall ihre Mithilfe bei der Rückeroberung von Cadiz keine Möglichkeit zur 
Gründung eines eigenen nennenswerten Senorio nach sich gezogen hatte. Diese 
Zurückhaltung war durch die Adelsrevolte von 1271 eher noch verstärkt worden, 
weshalb es fast schon zwangsläufig erscheint, daß der König mit der Gründung 
eines neuen, ihm engstens verbundenen Ordens, dessen Bezeichnung Santa 
Maria de Espaiia programmatisch auf seine hegemonialen Herrschaftsvorstel- 
lungen über die gesamte Iberische Halbinsel anspielte, 1273 den Versuch 
unternahm, die sich politisch immer mehr verselbständigende Institution 
Ritterorden wieder als Instrument des Königtums verfügbar zu machen. 
Die ursprüngliche Ausrichtung des Santa Maria de Espaiia-Ordens, dessen 
vier Gründungsklöster ad modum Calatravae eingerichtet und dem Abt von 
Grandeselve unterstellt wurden, auf den Kampf zur See machte allerdings schon 
bald der üblichen Heidenkampfmentalität Platz, wie auch die ursprüngliche 
Bezeichnung des obersten Leiters von Almirante zu Meister wechselte 105. Von 


75
>>>
den vier Hauptkonventen lagen Cartagena im Königreich Murcia und Puerto de 
Santa Maria, das durch Alfons X. sein Besiedlungsprivileg erhalten hatte 106, 
nahe bei Cädiz. Als sich das Verhältnis des Königs zum Santiago-Orden 
verschlechterte, ging er 1279 dazu über, dem Orden von Santa Maria über die 
bisherige Steuerexemption und den Schutz seiner Herden hinaus die Burgen 
Medina Sidonia und Alcalä de los Gazules (Alcalä Sidonia) sowie die A/querla 
von Faraya bei der letztgenannten Burg zu übertragen, um so im Einzugsbereich 
von Cädiz mit Hilfe seiner Gründung an der Sevillaner Grenzfront gegenüber 
Granada einen Machtschwerpunkt der Morarchie zu errichten und gleichzeitig 
die expansiven Möglichkeiten der Santiagoritter abzuschneiden. Selbst als der 
Orden von Santa Maria infolge der gescheiterten Belagerung von Algeciras und 
der verlorenen Schlacht von Moclin mit dem Santiago-Orden vereinigt werden 
mußte, wurde sein Besitz in Medina Sidonia und Alcalä nicht übergeben, 
sondern dem R£a/engo zugeschlagen, obwohl mit Pedro Nluiez der Meister von 
Santa Maria die Meisterwürde von Santiago erhielt und ebendiesem noch 1281 
im Tausch gegen Abanilla die Burg Cieza tradiert wurde 101. Als sich in der Folge 
dann die Santiagoritter 1282 dem Aufstand des Infanten Sancho gegen seinen 
Vater anschlossen und die Entmachtung des Königs mittrugen, reagierte Alfons 
X. mit dem Entzug der Burg Montemolin, die er dem Concejo von Sevilla 
überließ 108, sowie mit der Umwandlung von Ciesa in einen zum Rea/engo 
gehöringen Concejo 100. Da indes der Infant Sancho als König Sancho IV. 
erfolgreich aus dem Konflikt mit seinem 1284 verstorbenen Vater hervorgehen 
sollte, gelangten die umstrittenen Sevillaner Stützpunkte dennoch 1285 an den 
Santiago-Orden und wurden noch um Vejer ergänzt, um eine geschlossene 
Verteidigungslinie gegen die nächsten Eroberungsziele im maurischen Bereich 
- Tarifa, Algeciras und Ronda - zu bilden. In Alcalä und Vejer entstanden schon 
bald santiaguistische Konvente 110, während andere Ordens besitzungen wie z. B. 
EI Puerto de Santa Maria durch königliche Schenkung in adlige Senorio.f 
umgewandelt wurden 111. 


VI 


Werfen wir nun zum Abschluß einen Blick auf die Formen der Ausbildun- 
geines mehr oder weniger geschlossenen Patrimoniums der Orden und einige 
Voraussetzungen ihrer Wirtschaftskraft. Es kann angesichts der in Kasti- 
lien-Leon vorhandenen Herrschaftsstrukturen kein Zweifel daran bestehen, daß 
die wichtigste Grundlage dafür die königliche Gunst und die sich daraus 
ergebenden Zuweisungen von Land und Stützpunkten waren. Fehlte die 
königliche Unterstützung, stagnierte die Expansion, wie es beim Orden von 
Santiago unter Alfons X. im Königreich Sevilla zu beobachten ist. Nach der 
Eroberung der großen maurischen Süd reiche wurde der neue Besitz durch sog. 
Repartimientos zwischen dem König und seinen Helfern aufgeteilt, wobei das 


76
>>>
Land vergeben wurde in Form von Donadios, Schenkungen, im Normalfall mit 
der Verpflichtung zur militärischen Verteidigung, und Heredamientos, Erbgüter, 
mit der Verpflichtung, sich dort auf Dauer niederzulassen und sie zumindest für 
eine festgesetzte längere Frist nicht zu verkauf-
n 112. Bei besonders umfang- 
reichen Aufteilungen wie z. B. im Falle Sevillas unterschied man zwischen 
donadlos menores, die um einen großen Besitz oder um mehrere kleinere 
Besitzungen zentriert waren, und donadios mayore.v, die größere zusammenhän- 
gende Landflächen umschlossen und neben Mitgliedern der Königsfamilie, 
hohen Adligen sowie Kirchenfürsten den Ritterorden vorbehalten blieben. Aus 
solchen Donadios, zu denen natürlich gleichfalls in der Stadt Häuser, Mühlen, 
Backöfen, u. s. w. sowie auf dem Land Obstgärten, Weinberge, u. ä. zählten, 
entwickelten sich im Verein mit weiteren königlichen Schenkungen die bedeuten- 
den Apanagen für Mitglieder der Königsfamilie, aber auch die Grundlagen für 
die Territorien der Ritterorden. Bei den Ritterorden kamen allerdings als 
wichtiger Faktor noch die Schenkungen durch Laien hinzu, die zumeist das 
Bedürfnis hatten, als Familiare aufgenommen zu werden. Unter diesem Ge- 
sichtspunkt erklärt sich nicht nur die Bedeutung zusätzlicher Übertragungen von 
Donadios durch das Königtum 113 sondern auch der Erlaubnis für den Orden von 
Calatrava, Donadios von Einzelpersonen annehmen zu dürfen 114. Genauso 
wichtig war jedoch für die Orden die Aussicht, ihren Besitz durch Kauf ergänzen 
oder durch Tausch umschichten zu können, denn nur so bestand die Möglich- 
keit, trotz des kanonischen Verbots der Besitzveräußerung, Streubesitz entweder 
zusammenzufügen und so die Besitzverhältnisse ganzer Landstriche zu bereini- 
gen oder solche Transaktionen zum Aufbau geschlossener Herrschaftsbezirke zu 
nutzen 115. Königliche Privilegien, die eine solche Verhaltensweise legitimierten, 
finden sich immer wieder zwischen die Besitzübertragungen ebenso eingestreut 
wie Urkunden, die die Einkünfte der Orden sicherstellten oder, wie die schon seit 
dem Ende des 12. Jahrhunderts zugestandenen Beuteanteile, steigerten und die 
finanzielle Grundlage für expansive oder konsolidierende Maßnahmen schu- 
fen ws. Gar nicht zu überschätzen sind in dieser Hinsicht die Befreiung von der 
Tributpflicht für Santiago durch Ferdinand 111. 111 , die Schenkung von Chillon 
mit den dazugehörigen Bleiminen in Almaden zwischen 1248 und 1249 an 
Calatrava 118 , verschiedene Übertragungen von Salinen an diverse Orden sowie 
des Portazgos und anderer Steuereinkünfte in Andalusien an Calatrava 110, 
darüber hinaus die Weiderechte, die die lukrative Viehzucht begünstigten, aber. 
gleichzeitig viele Streitigkeiten nach sich zogen 120. 
Entgegen der älteren Forschungsmeinunghatjüngst Clara Estow bei ihrer 
Untersuchung der Wirtschaftskraft des Ordens von Calatrava festgestellt, daß 
die Ritterorden in Andalusien weder eine besonders effektive Administration 
ihrer Gebiete noch neue Besiedlungs-, Verwaltungs- oder Bodennutzungstech- 
niken einführten, eine Ansicht, die sich mit der anhand der santiaguistischen 
Komtureien Yeste und Taibilla im Königreich Murcia gewonnenen Beobach- 


77 


.........
>>>
tung deckt, dort habe die für kastilische Grenzorte wenig erfolgreiche Besie- 
dlungspolitik zu einer Entvölkerung und einer erst daraus resultierenden 
stärkeren herrschaftlichen Anbindung eines nur leichter überschau baren Rau- 
mes geführt 121. Der Territorialisierungsprozeß entfaltete sich also nach der 
Repoblacion, bei der durch die Übernahme maurisch-mudejarischer Siedlung- 
skerne sowieso viele Hindernisse einer raschen Konsolidierung entgegenstan- 
den 122. Die Entstehung der späteren großen Ordensterritorien wurde gewiß 
durch die Landnahme und den die Lücken schließenden Landerwerb im 13. 
Jahrhundert vorgeformt, ist indes eher ein Phänomen des 14. Jahrhunderts 123, 
das dann auch die ersten Bemühungen des Hochadels sah, sich der Ordensleitung 
zu bemächtigen. Unter den Regierungen Ferdinands In. und Alfons X standen 
einem solchen Prozeß außer den bereits genannten Faktoren, allen voran die 
unberechenbare politische Konzeption des Königtums, noch als konkurrierende 
Gewalten die Bistümer mit ihren eigenen Ansprüchen entgegen 124. Durch die 
Entstehung kirchlicher Territorien, wie sie die Diözesen Sevilla, Cordoba, 
Baeza-Jaen, Cartagena 125 und insbesondere Toledo mit seinem Adelantamiento 
de Cazorla 126 am oberen Guadalquivir zu bilden unternahmen, wurde die 
Landnahme der Orden eingeschränkt, deren Besitzungen wiederum durch die 
ihnen zugestandene Exemtion in unerwünschter Weise jurisdiktionelle En- 
klaven in den einzelnen Sprengeln bildeten 127. Im Falle des Adelantamiento, der 
sich zwischen die Gebiete Santiagos bzw. Calatravas und den Eroberungszonen 
im Königreich Granada schob, wurde den Orden eine geschlossene Landnahme 
sogar unmöglich gemacht 128, da Ferdinand III. seinen Sohn Sancho zum 
Erzbischof von Toledo erheben ließ, diesem als Elekten bereits 1252 zusätzlich 
die Orte Uceda und Iznatorafübertrug und so im Tausch für die Krone die Stadt 
Baza im maurischen Machtbereich als zukünftiges Eroberungsziel sanktionier- 
te 120. Entsprechend hatte der Santiago-Orden 1271, dem neuralgischen Jahr in 
den Beziehungen zum Königtum, por mandado deI muy noble nostro sennor rey 
don Alffonso im Rahmen einer Übereinkunft wichtige Einkünfte und Rechte in 
seinen Besitzungen im Königreich Murcia an die Kirche von Cartagena abtreten 
müssen, ein Vorgang, der einer Machtübertragung gleichkam und der Diözese 
eine beträchtliche Ausdehnung ihres Einflußbereiches über ihre eigentlichen 
Jurisdiktionsgrenzen hinaus bis hinzu den Ordensbesitzungen ermöglichte 130. 
Zu diesen hindernden Kräften kamen schließlich noch die Concejos, insbeson- 
dere die königlichen, hinzu, die ebenfalls in ihrem Bestreben, sich einen 
unabhängigen Terminus zu sichern, den Bemühungen der Ritterorden ableh- 
nend gegenüberstanden. Sie waren darüber hinaus imstande, angesichts akuter 
Bedrohungen, wie sie z. B. die Mudejares-Aufstände darstellten, eigenständige 
Städteeinungen, Hermandades de la Frontera (1265), zu bilden und somit 
gleichfalls als Ordnungsmacht aufzutreten 131. Bis eine umfassende Aufarbeitung 
dieser städtischen Ebene vorliegt 132, kann man dazu nur mit Vorbehalt eine 
Aussage treffen, doch zahlreiche königliche Entscheidungen zu Grenzstreitig- 


78 


-
>>>
keiten zwischen Concejos und Ritterorden sowie die häufige Festlegung der 
Grenzen für ganze Zonen sprechen eine ebenso deutliche Sprache 133 wie der 
Versuch der Concejos von Sevilla und Murcia, 1283 eine Hermandad zugunsten 
des entmachteten Königs Alfons X. zu schließen 134. 


VII 


Wollen wir zum Ausklang unserer Ausführungen nochmals kurz die 
wichtigsten Punkte zusammenfassen, so können wir folgendes sagen: Die 
Landnahme durch die hier behandelten Ritterorden in der Extremadura und 
Andalusien erfolgte in durchaus traditionellem Zuschnitt mit dem Ziel der 
Expansion und der Verteidigung der gewonnenen Gebiete gegen maurische 
Gegenschläge, seltener in der Absicht, sie durch eine besonders intensive 
Kultivierung fruchtbarer zu machen, ja man gab im Zweifelsfall der lukrativen 
und weniger aufwendigen Viehwirtschaft den Vorzug. Man hat in diesem 
Zusammengang von einer "dreifachen Hierarchisierung" des Raumes, der 
Gesellschaft und der Wirtschaft gesprochen und dabei den Vorrang des 
Landgutes vor dem Weiler, die Vorherrschaft der Ritter über die übrigen Siedler 
und die Überordnung der Viehzucht über den Ackerbau im Blickfeld gehabt 135. 
Gemäß der kastilischen Eroberungspolitik verteilten sich die Ordensgebiete an 
der Grenze zum verbleibenden maurischen Königreich Granada und zogen fast 
einen Halbkreis 136, nicht ohne in ihrem Einflußbereich -dies eine schwerwiegen- 
de Hypothek - die monarchische Jurisdiktionsgewalt zurückzudrängen 137, wozu 
sie noch die seit dem III. Laterankonzil bestehende Steuerfreiheit für kirchlichen 
Grundbesitz genossen 138. Dennoch erfolgte eine Steuerung der Besitznahme 
durch das Königtum, so daß innerhalb der jeweiligen alten maurischen Reiche 
eine Schwerpunktbildung entweder zugunsten Calatravas (Cordoba, Jacn) oder 
zugunsten Santiagos (M urcia, Badajoz) auszumachen ist. Andererseits sollte sich 
das Königtum zumindest zeitweise aus ideologischen (Kreuzzug nach Nordaf- 
rika) und machtpolitischen (Apanagen) Erwägungen heraus größere Regionen 
des Reiches von Sevilla und um die Stadt Cädiz als eigene Interessenzone unter 
Verdrängung der Ritterorden ofTenhalten, konnte indes auf Dauer auch in 
solchen Zonen weder auf die militärische Unterstützung der Ritterorden noch 
auf ihre Fähigkeit zur herrschaftlichen, lehnrechtlich orientierten Durchdrin-:- 
gung unsicherer Zonen verzichten. Zu dieser Zeit war die Tendenz der 
Ritterorden zur Ausbildung großer geschlossener Territorien zwar schon 
angelegt, das Instrumentarium bereitgestellt, ja man muß sogar, jenseits aller 
offiziellen Abkommen, von einer stillschweigenden Abgrenzung und Respek- 
tierung der gegenseitigen Interessensphären ausgehen 139, doch waren derartige 
Pläne wegen der Widerstände anderer Institutionen wie Kirche und Städte 
vorläufig nicht in größerem Stil durchzusetzen. Der angesprochene Prozeß der 


79
>>>
Territorialisierung, der den Aufstieg der Orden zu unangefochtenen Territorial- 
herren sah, erhielt seinen ersten entscheidenden Schub unter der Regierung 
Sanchos IV., der sich bei seiner Regierungsübernahme auf die Ritterorden hatte 
stützen können. Man hat errechnet, daß die Orden zu dieser Zeit rund 16,6% des 
andalusischen Territoriums ihrem Senorio unterworfen hatten, was einer 
flächenmäßigen Ausdehnung von mehr als 9000 km 2 entsprach, von denen 
ungefähr die Hälfte auf den Santiago-Orden, mehr als ein Viertel auf den 
Calatravaorden und der Rest auf den Orden von Alcantara entfielen 140. Seine 
Vollendung erreichte dieser Prozeß jedoch nicht vor dem 14. Jahrhundert, als die 
über lange Phasen massive Schwächung der monarchischen Spitze durch 
Regentschaften, bürgerkriegsartige Auseinandersetzungen und schließlich einen 
wirklichen Bürgerkrieg der weiteren herrschaftlichen Durchdringung und der 
Erringung eines autonomen, quasi-landesherrlichen Status Vorschub leistete, 
ohne daß jedoch bis zum 15. Jahrhundert parallel zu den Ordensprovinzen 
Leon 141 und Kastilien 142 (für Santiago) oder zur Ordens provinz Campo de 
Calatrava 143 (für Calatrava) eine geschlossene Ordensprovinz Andalusien 144 für 
einen der beiden Orden entstanden wäre. 


Anmerkungen 


1 Zum Begriff der Landnahme und den Schwierigkeiten, die seine unreflektierte Anwendung 
bereiten kann, siehe nun R. Schneider, Zur Problematik eines undifferenzierten Landnahmebe- 
griffs, in: Ausgewählte Probleme europäischer Landnahmen des Friih- und Hochmittelalters. Methodi- 
sche Grundlagendiskussion im Grenzbereich zwischen Archäologie und Geschichte, Teil I, hrsg. von 
M. Müller-WiJIe - R. Schneider (- Vorträge und Forschungen, Bd. XLI), Sigmaringen 1993, 
S. 11-57. 
2 Zur Reconquista vgl. aIIg. O. Engels, Die Reconquista, in: ders,. Reconquista und LandesMrr- 
schtJft. Studien zur Rechts- und Verfassungsgeschichte Spaniens im Mittelalter, Paderbern-Mün- 
chen-Wien-Zürich 1989, S. 279-300; S. de Moxo, Repoblacion y Sociedad en la Espaifa Cristiana 
Med
val, Madrid 1979, bes. S. 3490".; D. W. Lomax, TM Reconquest ofSpain, London-New York 
1978; Ch. J. Bishko, The Spani.rh and Portuguese Reconquest, 1095-1492, in: K. M. Setton (Ed.), 
A History of the Crusades, Vol. 111, Madison, Wisc. 1975, S. 396--456 (Ndr. in: ders., Studies in 
Med
val Frontier History, London 1980, Nr. 111); La Reconquista espoifola y la repoblacion del pals, 
Zaragoza 1951; J. GonzäJez, RepohlaciOn de Castilla Ia Nueva, 2 Ode., Madrid 1975-1976. Einen 
konzisen überblick bielet nun J. M. Minguez, La Reconquista, Madrid 1989. 
3 So E. Rodriguez-Picavea Malilla, Frontera, soberonio territoriol y Ordenes Mi/itaru en 10 
Peninsula lberica durante Ia Edad Medio, Hispania 52 (1992), S. 789
09, der S. 808 feslstelll: ... tuvo 
lugar el nacimiento de las Ordenes militares , el producto mlLs acabado del sistema feudal al unir en una 
sola institucion dos de sus referentes mlJs relevantes: la religion y la guerra. 
4 D. W. Lomax, La Orden deSantiago (1170-1275), Madrid 1965;J. L. Martin, Origenesdela 
Orden Militar de Sontiago (J 17O-J J95), Barcelona 1974; J. F. O'Callaghan, The Spanish Military 
Order of Calatrava and its Affiliates. Collected Stud
s, London 1975; A. Forey, The Military Orders 
and the Sponish Reconquest in the Twelfth ond Thirteenth Centur
s, Traditio 40 (1984), S. 197-234; 
B. Schwenk, Calatrava. Entstehung und Frühgeschichte eines spanischen Ritterordens zisterz
nsischer 
Observanz im 12. Jahrhundert, Münster i. W. 1993. Darüber hinaus existieren wichtige Forschungs- 


80
>>>
überblicke: D. W. Lomax., Las Ordenes Militares en la Peninsula Iberica durante la Edad Media, 
Salamanca 1976 ( .. Repertorio de Historia de las C
ncias Eclesillsticas en EspaRa 6, Salamanca 1977, 
S. 9-109 und separat als Repertorio ..., Subsidia 6); E. Benito Ruano, lA investigacion reciente sobre 
las Ordenes Militares Hisp/lnicas, ACidade de Evora 59 (1976), S. 28-42; M. Rivera Garretas, EI 
origen dJ! la idea de Orden Militar en la historiografw reciente, Acta Hislorica et Archaeologica 
MOOiaevalia I (1980), S. 77-90; B. Schwenk, Aus der Frühzeit der geistlichen Ritterorden Spaniens, in: 
D
 geistlichen Ritterorden Europas, hrsg. von J. Fleckenstein (- Vorträge und Forschungen, 
Bd. XXVI), Sigrnaringen 1980, S. 109-140; E. Rodriguez-Picavea Matilla, Catorce aRos 
de historiografw sobre la Orden de Calatrava en la Ednd Media (1976-1989), Hispania SO (1990), 
S. 941-964; J. V. Matellanes Merchän, Historiografia ml'dieval de la Orden de Santiago en los ultimos 
aRos (1974-1989), Hispania 50 (1990), S. 965-985; A. J. Forey, The Military Orders from the Twelfth 
to the Early Fourteenth Centur
s, Toronto-Buffalo 1992; K. Elm, Die Spiritualität der geistlichen 
Ritterorden des Mittelalters. Forschungsstand und Forschungsprobleme, in: Z. H. Nowak (Hrsg.), D
 
Spiritualität der Ritterorden im Mittelalter (... Universitas Nicolai Copernici. Ordines militares. 
Colloquia Torunensia Historica VII), Torun 1993, S. 7-44. 
5 VgI. Rodriguez-Picavea Matilla, Frontera, soberania territorial y Ordenes Militares, pass. 
e J. GonZlilez, Las conquistas de Fernando 111 en Andnlucia, Hispania 6 (1946), S. 545-631; 
ders., Reconquista y repoblacion dJ! Castilla, Leon, Extremadura y Andalucla (siglos XI al Xli/), in: lA 
Reconqui.
ta espaRola y la repoblacion dei pais, Zaragoza 1951, S. 163-206. 
1 VgI. zu solchen Zusammenhängen außer der groß angelegten Studie von Mox.ö, Repoblacion 
y Sociedad, und der handbucharligen Historia de Andnlucia, V 01. 11, Madrid-Barcelona 1980 (21984) 
vor allem M. Gonzälez Jimenez, Poblamiento y frontera en Andalucla (siglos XIlI-XV), Espacio, 
Tiempo y Fonna 4 (1989), S. 207-223; ders., Frontier and Settlement in the Kingdom 
of Castile (1085-1350); in: R. Bartlelt-A. MacKay (00), Med
val Frontier Societies, Orlord 
1989, S. 49-74. 
. Im einzelnen siehe dazu ausführlich Gonzalez, Las conqui.uas, S. 556 ff., 574 ff., 581 ff., 599 f., 
606f.; ders., Reinado y diplomas de Fernando 111, T.I: Estudio, Cördoba 1980, pass.; M. Ballesteros, 
lA Conquista de laen por Fernando 111 el Santo, Cuademos de Historia de Espafia 20 (1953), 
S. 63-138. Spezieller zu den Städten und Reichen: A. Ballesteros BereUa, Sevilla en el siglo XliI, 
Madrid 1913 (Ndr. Sevilla 1978); J. Rodriguez Molina, EI reino de laen an la baja Ednd Media. 
Aspectos demograficos y economicos, Granada 1978; J. Edwards, Christian Cordoba. The city and its 
region in the late Middle Ages, Cambridge 1982; M. Nieto Cumplido, Historia de Cordoba 2: Islam 
y Cristianismo, Cordoba 1984; M. Gonz8lez Jimenez-M. Borrero Fernandez-I. Monles Rome- 
ro-Carnacho, Sevilla en t
mpos de Alfon.m X el Sabio, Sevilla 1987; M.J. parejo Delgado, Baeza 
y Ubedn en la Baja Edad Media, Granada 1988; M. A. Ladero Quesada, Hi.
toria de Sevilla. 11: lA 
ciudad med
val, Sevilla 31989. Als grundlegender Forschungsbericht: M. A. Ladero Quesada, lA 
investigacion historica sobre Andalucla Med
val en los ultimos veinticinco aifos (1951-1976), in: Actas 
delI Congreso de Historia de Andnlucla Medieval, Vol. 11, Cördoba 1978, S. 217-250. 
11 J. Torres Fontes, lA reconquista de Murcia en 1266 por laime I de Aragon, Murcia 
21987, S. 29 ff. 
10 J. Gonzalez, Pueblasde Alfonso X en la Frontera, in: Homenajea Don lose Maria lAcarrade 
Miguel. E.vtudios Medievales 111, Zaragoza 1977, S. 7-25; Lomax, Reconquest, S. 161 f.; Bishko, 
Reconquest, S. 433f.; A. Ballesteros Beretta, Alfonso X el Sabio, Barcelona 1963, S. 297ff.; 
H. de Sancho Sopranis, lA incorporacion de Cadiz a la Corona de Castilla bajo Alfonso X, Hispania 
9 (1949), S. 355-386; ders., lA repoblaci6n y repartimiento de CMiz por Alfonso X, Hispania 15(1955), 
S. 483-539; M. Gonzalez Jimenez, lA ohra repobladora de Alfonso X en las tierras de CMiz, 
in: CMiz en el siglo XIII, CAdiz 1983, S. 7-20; C. de Ayala Martinez, Directrices fundamentales de la 
politica peninsular de Alfonso X, Madrid 1986, S. 279 ff.; J. Sänchez Herrero, CMiz. lA ciudad 
med
val y cristiana, Cördoba 1981; M. A. Ladero Quesada, Niebla. De Reino al Condndo. Noticias 
sobre el Algarhe andaluz en la baja &lad Media, Huelva 21992. 
11 J. GonzAlez, Alfonso IX, T. I, Madrid 1944, S. 1891T.; Bishko, Reconquest, S. 425ff. 


81
>>>
12 J. Gonzälez, EI Reino de Castilla en la epoca de Alfonso VlIl. Vol.l: Estudio, Madrid 1960, 
S. 949ff., 981 ff.; ders., Repohlacion I, S. 235ff., der S. 263-296, 331-359 einen Überblick über die 
während der Regierungszeit Alfons VIII. von Kaslilien im Süden hinzugewonnenen Ordensbesitzun- 
gen gibt; J. M. Martinez VaJ, La expanswn penInsular de la Orden de Calatrava, in: LiJ Orden de 
Calatrava: VIlI Centenario, Ciudad ReaJ 1959, S. 75-107; ders., LiJ hatalla de Alarcos y la Orden de 
Calatrava, in: ExposiciOn de la Orden Militar de Calatrava, Madrid 1962, S. 48,119. M. GonzAJez 
Jimenez, klaciones de las Ordenes Militares Castellanas con la Corona (siglos XII-XlII), Historia. 
Inslituciones. Documentos 18 (1991), S. 213 Anm. 19 wies auf eine Slellein einer Urkunde AlCons 
VIII. aus dem Jahr 1196 hin, in der es hieß: ... condolesque paupertati s uestre eo quod domum 
uestram maiorem de Calatraua uestrafque omnes fere res ex infortunio de A/arco.f, in quo mecum 
intrauistis, amisistis... (J. GonzMez, EI kino de Castilla en la epoca de Alfonso VlIl, Vol. 111: 
Documentos, Madrid 1960, S. 165). Zur südlichen Ausdehnungszone des CaJatravaordens s. jetzt 
E. Rodriguez-Picavea MatiUa, LiJ Orden de Ca/atrava en /a Meseta meridional castellana: encomien- 
das y distribuciOn geografica de las propiedndes (1158-1212), Hispania 51 (1991), S. 875-899; zur 
Krisenhaftigkeit der Phase bis 1212 vgl. auch J.F. O'CaJlaghan, The Order ofCa/atrava: Years of 
Crisis and Survival,1158-1212, in: v. P. Goss (00.), The Meeting ofTwo Worlds. Culture Exchange 
between Bast and West during the Period of tM Crusades (- Sludies in Medieval Culture XXI), 
KaJamazoo 1986, S. 419-430. 
13 C. de Ayala Marlinez, LiJ Orden de Santiago en /a evolucion polltica del reinado de Alfonso 
X (1252-1284) (- Cuadernos de Historia MedievaJ 4), Madrid 1983; ders., La monarqula y las 
6rdenes Militares durante el reinado de Alfonso X, Hispania 5 I (1991), S. 409-465; Gonzalez Jimenez, 
Relaciones de las Ortknes Militares Castellanas con la Corona, S. 209-222. 
14 Zu diesem Aufsland und seinen Folgen vgl. Torres Fontes, LiJ reconquista de Murcia, S. 59 ff., 
73 ff., 89 ff.; M. Gonzalez Jimenez, Diplomatario andaluz de Alfon.m X, Sevilla 1991, S. LXXI fT. 
IS VgI. BaJlesteros Beretta, Alfonso X el Sabio, S. 953 fT. 
1/1 Vetrag von 1221 Aug. I (Lomax, wie Anm. 4, S. 133). VgI. J. F. O'Callaghan, Hermandades 
hetween the Military Orders ofCalatrava and Santiago during the Castilian RecoNluest,1l58-1252, 
Speculum 44 (1969), S. 609
 18 (Ndr. in: ders., The Spanish Military Order ofCalatrava, nr. V); ders., 
Hermandades entre las ordenes militares de Calatrava y Santiago durante los reinados de Alfonso VlIl 
y Fernando 111 de Castilla (Ciudad ReaJI966). 
17 VgI. J. Gonzalez, LiJ Extremadura cauellana al mediar dei siglo XIlI, Hispania 34 (1974), 
S. 265-424; D. Rodriguez Blanco, LiJ Orden de Santiago en Extremadura (siglos XlV y XV), 
Badajoz 1985, S. 59 ff. 
11 VgI. dazu J. C. Garcia, 0 espafo med
val dn reconquista na sudoeste da peninsula iberica, 
Lisboa 1986, S. 54 ff. Sowie N. Casq uete de Prado Sagrera, Los Cast i1/os de la Sierra Norte de Sevilla 
en la baja Ednd Media, Sevilla 1993, S. 66fT. 
111 Zur Präsenz des Santiago-Ordens dort im Spätmitlelaller siehe aJlg. M. L6pez Rojo, Algunos 
aspectos economicos de las encomiendas santiaguistas dei Reino de Murcia (siglos XlII y X/V), 
Estudios de Deusto XXI I (1974), S. 261-279; M. deI Pilar Gil Garcia, Las ordenes militares en el Reino 
de Murcia (Siglo XlII), Miscelanea Medieva1 Murciana XIII (1986), S. 201-218; M. Rodriguez 
Llopis, Seiforios y Feudalismo en el Reino de Murcia. Los dominios de la Orden de Santiago entre 1440 
y l5l5, Murcia o. J., bes. S. 21 ff.; ders., LiJ expansion territorial caftellana sohre la cuenca del Segura, 
Miscelänea Medieval Murciana XII (1985), S. 105-138. 
20 VgI. dazu J. Rodriguez Molina, Las Ordenes Militares de Ca/atrava y Santiago en el Alto 
Guadnlquivir (siglos Xlll-XV), Cuadernos de Estudios MedievaJes 11-111 (1974-1975), S. 59-81 und 
C. Segura Graiiio, La formacion del patrimonio territorial de las 6rdenes militares en el alto valle dei 
Guadnlquivir (siglo X/lI), Anuario de Estudios Medieva1es 11 (1981), S. 99-116. 
21 VgI. dazu J.F. O'Callaghan, The Foundntion ofthe orderof Alcantara,1l76-1218, Catholic 
Historical Review 47 (1962), S. 471-486 (Ndr. in: ders., The Spanish Military Order ofCalatrava, Nr. 
IV); R. Pinto de AzevOOo, A Orden Mi/itar de San Juliao de Pereiro, depois chamada de Alcantara, 
Anuario de Esludios Medievales 11 (1981), S. 713-729; A. Javierre Mur, La Orden de Calatrava 


82 


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en Portugal, Bolelin de la Real Academia de la Historia 130 (1952), S. 325-376. Die Urkunde über die 
Inkorporation von Monfrag findet sich bei GonzAIez, Reinado y diplomas de Fernando 111, 
T. 11, Nr. 133. 
22 Einen überblick über die wichtigsten Urkundenbestände der Orden von Santiago und 
Calatrava bieten L. VAzquez de Parga, Privilegios reales de Ia Orden de Santwgo en Ia EdlJd Media, 
Madrid o. J. und F. R. Uhagon, Indice de los documentos de la Orden Mi/itar de CalatraVQ existentes 
en el Archivo Historico Nacional, Boletin de la Real Academia de la Historia 35 (1899), S. 5-167. 
JJ GonzAlez, Reinado y diplomas de Fernando 111, T. 11, Nr. 115 zu 1220 April 16. 
24 Ebd., Nr. 243. VgI. dazu Rodriguez Molina, Las Ordenes Mi/itares de Calatrava y Santiago en 
el Alto GuadIJlquivir, bes. S. 62ff.; Segura Graiiio, Laformaci6n dei patrimonio territorial, S. 99-116. 
25 Zur Entwicklung der Calatrava-Territorien in Andalusien bis zum Ende des Mittelalters s. 
E. Solano Ruiz, EI seflorio de la Orden de Calatrava en AndIJlucla al termino de la Edad Media, 
Cuadernosde Historia 7 (1977), S. 97-165; dies., La Orden de Calatravaen el siglo XV. Losseflorios 
casteilanos de Ia Orden al fl1l de la EdlJd Media, Sevilla 1978; dies., Unafortaleza de Ia Orden de 
Calalrava en Andalucia: Porcuna a fl1le.
 de la EdlJd Media, in: Homenaje a Juan Torres Fontes, V 01. 11, 
Murcia 1987, S. 1619-1635. 
26 GonzäIez, Reinado y diplomas de Fernando 111, T. 111, Nr. 666. 
2' Ebd., Nr. 723. Zum Cortijo als Siedlungsform siehe J. GonzA1ez, Repartimiento de Sevilla I, 
Madrid 1951, S. 4331T. 
28 GonzäIez, Reinado y diplomas de Fernando 111, T. 111, Nr. 73
731. VgI. zu den Ordensbesit- 
zungen im Reich von Cordoba auch M. Pelaez deI Rosal-C. Quintanilla Raso, Priego de Cordoba en 
la Edad Media, Salamanca 1977, S. 65 ff.; Jose Escobar Camacho, La.
 Ordenes Militareun el reino de 
C6rdoba durante el siglo XIII, in: Andalucla entre Oriente y Occidente (1236-1491). Actas dei 
V Coloquio Internacional de Historia Medieval de Andalucla, Cordoba 1988, S. 113--121; 
C. Segura-A. Torreblanca, Las Ordenes Militares en el reino de Cordoba en la Baja Edad Media, 
ebd., S. 123--134. 
:zg GonzäIez, Reinado y diplomas de Fernando 111, T. 111, Nr. 736. 
30 Ebd., T. 11, Nr 761, 764. 
31 Ebd., T. 111, S. 52S. Zur Alqueria als Siedlungsfonn siehe Gonz8.lez, Repartimienfo de Sevilla 
I, S. 396 ff. 
32 VgI. GonzAlez, Repartimiento de Sevilla I, S. 70, 74; R. Sanchez Saus, Las Ordenes Militares 
en la provincia de Clldiz, in: Clldiz en el siglo XIII. Actas de las »Jornadas Conmemorativas dei VII 
Centenario de la muerte de Alfonso X el Sahio, Cildiz 1983, S. 49-{j2, hier S. 51. 
33 Cfr. GonzAlez, Reinado y diplomas de FernandIJ 111, T. 111, Nr. 820 zu 1251 April 26; 
Rodrlguez Molina, Las OreJenes Militares de Calatrava y Santiago en el Alto GuadIJlquivir, S. 63; 
Escobar Camacho, Las Ordenes Militares en el reino de C6rdoba, S. 116. 
3f Escobar Camacho, Las Ordenes Militares en el reino de C6rdoba, S. 116. 
33 VgI. dazu auch C. Rodriguez Arnaya, La Orden de Santiago en tierras de Badajoz. Su polltica 
social y agraria, Revista de Estudios Extremei'ios 2 (1946), S. 251-275, bes. S. 2521T.; H. Mota 
Arevalo, La Orden de Sanliago en t
rras de Extremadura. Revista de Esludios Extremenos 18 (1962), 
S. 5-76, bes. S. 29f.; zu einem frühen Stadium: B. Palacios Martin, Aljon.
o VIII y .fU polltica 
de frontera en Extremadura. La creacion de la di6cesis de Plafencia. En la Espaiia Medievall 5 (1992), 
S. 77-96. 
]6 J. L. Martin, Origenes de la Orden Militar de Santiago (1170-1195), Barcelona 1974, S. 62, 
104,222-225, Nr. 49--51; ders., Fernando 11 de Lelm y la Orden de Santiago, Anuario de Estudios 
Medievales I (1964), S. 167-195; J. Gonz8.lez, Rege.ua de Fernando 11, Madrid 1943, S. 96f., 423; 
Mota Arevalo, La Orden de Santiago en tierras de Extremadura, S. 27. 
37 GonzAlez, Reinado y diplomas de Fernando 111, T. 111, Nr. 529. 
Ja Ebd., Nr. 553. 
JII Ebd., Nr. 715. 


83 


........
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fO Ebd., Nr. 739. 
f. Ebd., Nr. 756. VgI. auch J.C. Garcia, Oesparomed
val, S. S4ff. und ders., A/fajarde Pena. 
Reconquista e repolloamento no Andellalo do seculo Xlll, in: Actas das II Jornadas Luso-Espanholas de 
Historia Med
IIal, Vol. 111, Porto 1989, S. 907-925; zur Idenlifizierung: Casquete de Prado Sagrera, 
Los Castillos la Sierra Norte de Sellilla, S. 67f. Zur Entwicklung des GrenzverJaufs zwischen PortugaJ 
und Kastilien in dieser Epoche vgl. zusammenfassend J. Mattoso, As relarlJes de Portugal com 
Castela no reinado de Afonso X, 0 StJbio, in: ders., Fragmentos de una composiräo med
IIal, Lisboa 
1987, S. 73-94 und immer noch F. Perez Embid, Lafrontera centre los reinos de Sellilla y Portugal, 
Sevilla 1975. 
f2 GonzäJez, Reinado y diplomas de Fernando lll, T. 11, Nr. 762-763. 
o VgI. Escobar Carnacho, Las Ordenes Militares en el reino de Cordoba, S. 117, der auf die 
Schenkung des Cortijo von Alcazar (GuadalcAzar) von 1241 Feb. 20 (GonzäJez, Reinado y diplomas 
de Fernando lll, T. 111, Nr. 668) als bedeutendsle Zuwendung unler Ferdinand 111. verweist. 
.. VgI. M. Gonzälez Jimenez, Carmona en la Edad Media (Sevilla 1984). 
f5 VgI. ders. Alcalti de Guadaira en el siglo X/ll. Conquista y repoblacion, in: Actas de las 
1 Jornadas de Historia de Alcalti de Guadaira, AlcaJa 1987, S. 45-52. 
.. GonzäJez, Reinado y diplomas de Fernando lll, T. 111, S. 469f. 
n Ebd., Nr. 554. VgI. Segura Graiiio, Laformacion del patrimonio territorial, S. 106; M. Mesa 
Fernandez, La encom
nda de Bedmar y AlblJnchez en la Orden de Santiago, Bolelin dellnsliluto de 
Estudios Giennenses 14 (1957), S. 79-102; L.R. Villegas Diaz, Sobre elfuero de Segura y otros 
documentos mediellales j
nnenses, in: Andalucla Med
IIal. Actas 1 Coloquio Historia de Andalucla, 
Cordoba 1982, S. 421-437, hier S. 428; M. Rodriguez Llopis, La expansion territorial castellana sobre 
la CIlenca del Segura (1235-1325), Miscelanea Medieval Murciana XII (1985), S. 107-138; ders. 
RepoblaciOn y organizacion social del espacio en los senorlos santiaguistas dei reino de Murcia 
(1235-1350), Murgetana 70 (1986), S. 5-34; ders., La ellolucion del plantam
nto en las sierra.f de 
Segura (prollincia.f de Albacete y Jaen) durante la &lad Media, AI-Basit 19 (1986), S. 5-32. 
.. GonzäJez, Reinado y diplomas de Fernando lll. T. 11, Nr. 223. VgI. ders., Repoblacion l, 
S. 3S4ff. 
f!J GonzAlez, Reinado y diplomas de Fernando lll, T. 11, Nr. 321. 

 So Segura Graiiio, La formacion dei patrimonio territorial, S. 105f. 
" GonzAlez, Reinado y diplomas de Fernando lll, T. IJI, Nr. 657 zu 1239 Nov. 25. VgI. Segura 
Graifio, La formaciOn del patrimonio territorial, S. 106f.; Villegas Diaz, Sobre el fuero de Segura 
y otros documentos med
IIales j
nnenses, S. 429. 
51 Segura Graiiio, Laformaclon del patrimonio territorial, S. 106; Lomax, La Orden de Santiago, 
S. 12, 114; Villegas Diaz, Sobre el fuero do Segura y otros documentos med
IIales j
nnenses, S. 429, der 
die Ausfertigung der eigentlichen Tauschurkunde auf 1239 Nov. 29 datiert. 
53 GonzäJez, Reinado y diplomas de Fernando lll, T. 111, Nr. 700. Siehe Segura Graiiio, La 
formacion dei patrimonio territorial, S. 103. VgI. auch G. Navarro, La Orden de Santiago y Segura de 
la S
rra. NuellOs apunles para /a historia de Ia IIi/la, Bolelin dellnsliluto de Estudios Giennet'ses 53 
(1967), S. 9-14. 
S4 GonzAlez Jimenez, Diplomalario anda/uz, Nr. I; J. Torres Fonles (Ed.), Fueros y Prillilegios 
deA./fonsoX el Sabioal Reinode Murcia. Murcia 1973, S.4-5, Nr. 111. Bei den 17 Feslungen handelt 
es sich um: Bueycorto, Gutta, Letur, Feriz, Abeiuela, Litur, Aznar. Albeneyrar, Nerpe. TaYlliella, 
Yeste, Agraya, Catena, A/banchez. Mirauet, Vulteyrola. Burgeia (=Bueycorro, Gutta, Lelur, Feriz, 
AJbenda, Litur, Aznar, Abeneyzar, Nerpe, Taibilla, Yesle, Agraya, Calhena, Albilnchez, Miravel, 
BuJteirola, Burgueya). VgI. auch Lomax, La Orden de Santiago, S. 144-115; Rodriguez Molina, La.f 
Ordenes Militares de Calatralla y Santiago en el Alto Guadolquillir. S. 76; Gi! Garcia, Las Ordenes 
Militares en el Reino de Murcia, S. 208f.; Segura Graino, La formacion del patrimonio terilorial. 
S. 107, die noch eine weitere Bestätigung durch Alfons X. aus dem Jahr 1254 anführt. 
5.1 GonzAlez, Reinado y diplomas de Fernando lll, T. 111, S. 248: ...nam ab ista donatione excipio 
IIillas, castra, turre.f seu munitiones ad regnum Murc
 pertinentes, et terminos siue muntitiones que 


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concilia de Riopal et de Alcaraz tenent et ad ea pertinent. Simi/iter excipio villas, ClJStra, tUTres seu 
munitiones et terminos pertinentes ad regnUln de Jahen, et omnia que concilia de Baecia et de Ubeda 
tefU!nt et ad ea pertinent. 
56 GonzAlez, Reinado y diplomas de Fernando 111, T. 111, Nr. 716. 
sr Ebd., Nr. 717. 
51 Ebd., Nr. 73S; S. S21. Vgl. Segura Graifio, Laformacion del patrimonio territorial, S. 107. 
" Vgl. dazu Gonz8.lez, Reinado y diplomas de Fernando 111, T.l, S. 343-34S; Gil Garcia, La.t 
Ordenes Militares en el Reino de Murcia, S. 209f. 
fIO Torres Fontes, Fueros y Privilegios de Alfonso X el Sabio al Reino de Murcia, S. 2-3, Nr. 11 zu 
1243 Feb. IS. Vgl. Gil Garcia, Las OrdefU!s Militares en el Reino de Murcia, S. 209. 
6\ Rodriguez Molina, Las Ordenes Militares de Calatrava y Santiago en el Alto Guadalquivir, 
S. 76; Segura Graiiio, Laformacion del patrimonio territorial, S. 107, 109; Gil Garcia, Las Ordenes 
Militares en el Reino de Murcia, S. 211. 
6:J Rodriguez Molina, Las Ordenes Militares de Calatrava y Santiago en el Alto Guadalquivir, 
S.76. 
6] Lomax, La Orden de Santiago, S. 79; Rodriguez Molina, Las OrdefU!s Militares de Calalrava 
y Santiago en el Alto Guadalquvir, S. 7S. 
M So findet sich bei der Verleihung des Fuero von Cuenca für die Besiedler des Alcluar von 
Baeza durch Alfons X. von 1272 April 12 folgender Passus: [8] E defendemos otrosl, que ningun 
Realengo non passe en Abadengo nin a home de Orden, nin de religion por compra, nin por 
mandamientos, nin por cambio, nin en ninguna manera que ser pueda sin nuestro mandado - eine 
Bestimmung, die wörtlich auch im Fuero von Lorca auftaucht, als dieser am gleichen Tag dem 
Concejo von J6dar verliehen wird; Lorca aber waren 1271 von Alfons X. Privilegien nach dem 
Vorbild des Fuero von C6rdoba verliehen worden (f orres Fontes, Fueros y Privih!gios de A Ifonso X el 
Sabioal Reinode Murcia, S.123-131, Nr.CXIVzu 1271 Aug. 20, wo es heißt: ...etcadaunofagaensu 
heredat 10 que quis
re, saluo ende que non 10 pueda dar nin uender nin enagenar en ninguna manera 
a Eglesia nin a Orden nin a omne de religion sin nuestro mandado.). Vgl. dazu Gonzalez Jimenez, 
Diplomatario andaluz, Nr. 383, 393, 394; J. Rodriguez Molin&, Coleccion Diplomatica de Baeza, Vol. 
I, Jaen 1983, S. 279-280; P. A. Porras Arboledas, La organizacion militar y social de la frontera 
jiennense en la Edad Media, in: Actas dei 111 Coloquio de Historia Medieval Andaluza. La Sociedad 
Med
val Andaluza: Grupos non privilegiados, Jaen 1984, S. 47S-S00, die Stelle ebd., S. 490-491, 
Nr.1 (Alcilzar de Baeza) und S. 491-492, Nr.11 (J6dar). Zu den erwähnten Fueros s. A. M. Barrero 
Garcia - M. L. Alonso Martin, Textos de derecho local espanol en Ia &lad Media. Catalogo de Fueros 
y Costums municipales, Madrid 1989, S. 139, 216f., 270, 284; zum Realengo und dem Umgang damit 
J. Clemente Ramos, Estructuras seiioriales costellano-Ieonesas. EI Realengo (Siglos XI-XllI) , 
Caceres 1989. AlIg. zur foralen Rechtsentwicklung im Königreich Murcia siehe die entsprechenden 
Kapitel bei J. Cerdä Ruiz-Funes, Estudios sobre instituciones jurldicas medievales de Murcia y su 
Reino, Murcia 1987, S. 11-127. 
6S Vgl. D. Rodriguez Blanco, Lo.t concejos de OrdefU!s Militares en Ia baja &lad Media. 
Organizacion y relaciones con el poder, Historia. Instituciones. Documentos 18 (1991), S.425-443, 
bes. S. 429ff. Zur inneren Ordensstruktur und ihrer Ausfaltung siehe nun für das Beispiel 
Calatrava neben O'Callaghan, The Spanish Military Order of Calatrava, pass. und Schwenk, 
Calatrava, pass. insbes. L. R. VilIegas Diaz, Las estructuras de poder de la Orden de Calatrava. Una 
propuesta de anlJlisis, Historia. Instituciones. Documentos 18 (1991), S. 467-S04, für das Beispiel 
Santiago neben Lomax, La Orden de Santiago, pass. nun insbes. D. Rodriguez Blanco, La 
organizacion institucional de la Orden de Santiago en la &lad Media, Historia. Instituciones. 
Documentos 12 (198S), S. 167-192. 
fI6 GonzäIez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 13 zu 12S3 Feb. 28. Zu den Schenkungen Alfons 
X. für die Ritterorden in Andalusien vgl. D. Segura Graifio - A. Fernandez Arriba, Alfonso X y las 
Ordenes Militares. Andalucia, in: Alfonso X el Sahio, vida, obra y epoca I, Madrid 1989, S. 21 
224, 


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>>>
zu Sanliago S. 219ff. Einen Überblick über die andalusische Politik Alfons'X. gibt M. Gonzilez 
Jimenez, Alfonso X y Andalucla, ebd. S. 259-268. 
17 Gonz!lez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 36 zu 1253 Juni 10. 
61 Ebd., Nr. 37 zu 1253 Juni 10. 
· Ebd., Nr. 39 zu 1253 Juni 12. 
111 Ebd., Nr. 122 zu 1254 März 23. 
n Torres Fontes, Fueros y Privilegios de Alfonso X el Sahio al Reino dL Murcia, S. 32-34, Nr. 
XXI zu 125S Juni 15. 
n Ebd., S. 36--38, Nr. XXVI zu 1256 Juli S. 
7J Ebd., S. 47-50, Nr. XXXII zu 12S7 April 14. VgI. Gil Garcia, Las Ordenes Militares en el 
Reino de Murcia, S. 209. 
}I Es handelte sich dabei bis 1266 nur um die dem Ordensmeister Pelay Perez Correa erteilte 
Erlaubnis, Erbbesitz im Wert von 15000 Maravedis erwerben zu dürfen (GonzAlez Jimenez, 
Diplomatario andaluz, Nr. 196 - T orres F ontes, Fueros y Privilegios dL Alfonso X el Sabio al Reino dL 
Murcia, S. 58-59, Nr. XLI zu 1257 Juni 22). 
7S VgI. Gil Garcia, Las Ordenes Militares en el R£ino de Murcia, S. 210. 
11 GonzAlez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 314 zu 1266 Mai 20. 
TI Ebd., Nr. 332 zu 1267 Sept. 24. VgI. Escobar Camacho, Las Ordenes Militares en el reino de 
Cordoba, S. 119 und M. Lasarte Cordero, Estepa, encomienda santiaguista desdL 1267-1559, Sevilla 
1977, S. 9-12; ders., Alcaides y comendadores dei castillo de Estepa, Archivo Hispalense 78-79 (1956), 
S. 101-102. 
11 Gonz!lez Jimt:nez, Diplomalario andaluz, Nr. 539 (ohne Datum). 
19 GonzAJez, Reinado y diplomas de Fernando 11/, T.m, Nr. 680 zu 1241 April 25. VgI. Escobar 
Camacho, Las OrdLnes Militares en el reino de Cordoba, S. 117. 
10 VgI. Escobar Camacho, Las Ordenes Militares en el reino Cordoha, S. 118f. 
I' Gonz!lez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 2S zu 1253 Mai 7. VgI. auch Segura 
Graifio-Fernandez Arriba, Alfonso X y Ia.f Ordenes Militares. Andalucla, S. 2140". 
12 GonzAlez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 128 zu 1254 April 16. 
IJ Ebd., Nr. 130 zu 1254 April 22. 
14 Ebd., Nr. 132 zu 1254 April 22. 
IJ Ebd., Nr. 136 zu 1254 Mai 4. 
16 Ebd., Nr. 117, 130, 135, 136. VgI. Segura Graifio, Laformacion dei patrimonio territorial, 
S.I04. 
17 GonzAlez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 132. 
· Ebd., Nr. 149-151, 162, 170, 175, 179, 181, 185, 189, 193-194,206-207,210,222,230,231 bis, 
246,253, 2S6, 260-261,278,295,297-299. 
19 Ebd., Nr. 150 zu 1255 Mai 23,179 zu 1256 Juni 10, 181 zu 12S6Aug. 3,189 zu 1257 März 11, 
193 zu 1257 Mai 20. VgI. Rodriguez Molina, Las Ordenes Militares de Calatrava y Sanliago en el Alto 
Guadalquivir, S. 63 und Segura Graifio, Laformaci6n del patrimonio territorial, S. 102, 105. Siehe auch 
J. M ufioz Cobo, Sahiote en el siglo XIV (homos, tiendas y molinos). Bolelin dellnstitu to de Estudios 
Giennenses 24 (1971), S. 91-100. 
!IO GonzAlez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 297 zu 1264 Dez. 29. 
91 Ebd., Nr. 298-299 zu 1264 Dez. 30. Zu Moneda und Yantar, Abgaben, durch die 
Münzverschlechterungen vermieden und Gastungsrechte abgelöst wurden, vgl. Clemente Ramos, 
Euructuras .fefloriales, S. 213-215; M. A. Ladero Quesada, Fiscalidad y poder real en Castil/a 
(1252-1369), Madrid 1993, S. 370"., 54ff., 1050". 
92 Gonz!lez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 297, S. 323: E por esta merced que les fazemos el 
maestre e todos los freyles de la OrdLn sohremcha an de mudar e de tener su conuento en O.nma de aqui 
adelante para siemprejamlJ.J, asl como 10 tuuieronfasta aqui en Calatraua la Nueua, a que al/i sea su 
conuento e non en otro lugar, e el comendador mayor de toda la Orden que se I/ame de aqui adelanle 
comendador de Osuna. 


86
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9J Ebd., Nr. 369 zu 1269 April 25. 
M Ebd., Nr. 371 zu 1269 Aug. 14. 
9S Ebd., Nr. 386 zu 1271 Okt. 5, Nr. 464 zu 1280 Juni 13. VgI. auch M. Gonzälez Jimenez, 
PoblacilJnyrepartim
ntode Ecija, in: Homenajea Juan Torres Fontes, T.I, Murcia 1987, S. 691-711. 
96 Gonzalez Jumenez, Diplomatario andaluz, Nr. 391. VgI. Rodriguez Molina, Las Ordenes 
Militares de Calatrava y Santiago en el Alto Guadalquivir, S. 63. 
97 Gonzi1.lez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 454. Zur Identifizierung siehe Casquete de 
Prado Sagrera, Los Castillos de la Sierra Norte de Sevilla, S. 78f. 
9' Ebd., Nr. 437, 466, 468,475,481. VgI. EscobarCamacho, Las Or
nes Mi/itaresenelreinode 
Cordoba, S. 118f.; ders., EI reino de Cordoba en la epoca de Alfonso X: t
rras realengas y seiioriales, 
Boletin de Ja ReaJ Academia de C6rdoba 108 (1985), S. 113-114. 

 Gonzi1.les Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 453 zu 1279 Dez. 14. 
100 8anchez Saus, Las Ordenes Militares en la provincia de CMiz, S. SO. 
101 T orres F ontes, Fueros y Privilegios de Alfonso X el Sabio al Reino de Murcia, S. 23-25, Nr. XV 
zu 1253 Jan. 22. 
102 GonzAlez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 246 zu 1261 Juni 28. 
103 So Segura Graifio, Laformacion dei patrimonio territorial. S. 107 nach AHN, Uc\es, 2, I, 10. 
VgI. BaJlesteros Beretta, Alfonso X el Sahio, S. 1064, Nr. 91-94 zu 1254 April 6-7. Sancho IV. sollte 
1285 Nov. 14 ein umfassendes Privileg seines Vaters für den Orden von Santiago von 1254 April 
7 feierlich bestätigen (M. Gaibrois de BaJlesteros, Sancho IV de Castilla, Tomo 111, Madrid 1928, 
S. UX, Nr. 91). 
104 M. A. Ladero Quesada - M. Gonzalez Jimenez, La Orden Militar de San Juan en Andalucla, 
Archivo HispaJense 180 (1976), S. 129-139; Escobar Camacho, Las Ordenes Militares en el reino de 
Cordoba, S. 117f. Zur stärkeren Präsenz der Johanniter im Königreich Murcia siehe R. Serra Ruiz, 
La Orden de San Juan de Jerusalen en el Reino de Murcia (siglo XliI), Anuario de Historia deI 
Derecho Espafiol 38 (1968), S. 553-590; ders., La Orden de San Juan de Jerusalen en el Reino de 
Murcia (siglo XIll), in: Estudios de Historia de Murcia (Murcia 1981); ders., La Orden de San Juan de 
Jerusalen en el Reino de Murcia durante la Edad Media, Anuario de Estudios MedievaJes 11 (1981), 
S. 571-589. 
lOS Zur Gründungsgeschichte des Ordens siehe J. Torres Fontes, La Orden de Santa Maria de 
Espana, Miscelanea Medieval Murciana 111 (1977), S. 73-118 (auch in: Anuario de Estudios 
MedievaJes 11 (1981), S. 795-821, hiernach zit.); ders., La Orden de Santa Maria de Espaifa y el 
M aeSlre de Cartagena, M urgetana 10 (1977), S. 95-102; J. L. de Pando Villarroya, Orden Militar de 
Santa Maria de Espana, Madrid 1984 sowie Ayala Martinez, La monarqula y las Ordenes Militares, 
S. 452fT. Die Gründungsurkunde edierte Torres Fontes, La Orden de Santa Marla, S. 811-813, 
Nr. 3 zu 1273 Jan. 23. 
106 VgI. dazu H. Sancho de Sopranis, Historia del Puerto de Santa Maria desde su incorporacion 
a los dominios cristianos en 1259 hasta el aifo mil ochocientos, Cädiz 1943; ders., Alfonso X y el Puerto 
de Santa Marla, EI Puerto de Santa Maria 1984; M. Gonzälez Jimenez, EI Puerto de Santa Marla en 
tiempos de Alfonso X, 1264-1284, Gades 9 (1982), S. 209-242; ders., EI Puerto de Santa Marla en 
tiempos de Alfonso X el Sabio, in: Nuestros orlgenes historicos como EI Puerto de Santa M arla, Puerto 
de Santa Maria 1988, S. 11-32. 
107 Torres Fontes, Fueros y Privilegios de Alfonso X el Sabio al Reino de Murcia, S. 158-160, 
Nr. CU zu 1281 April 24. VgI. Gi! Garcia, Las Ouknes Militares en el Reino de Murcia, S. 211. 
Zu Abanilla siehe J. Torres fontes, EI senörlo de Abanilla, Murcia 1982. 
lot Gonzälez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 501 zu 1282 Juli 13. Zum Schicksal der Burg 
Montemolin vgl. H. Mota ArevaJo, EI castillo de Montemolin. Revista de Estudios Extremenos 15 
(1959), S. 359-387. 
109 T orres F ontes, Fueros y Privilegios de Alfonso X el Sabio al Reino de Murcia, S. 164, Nr. CL V 
zu 1283 Jan. 21, wo es heißt: otorganrosles que sean reales et que nunqua sean de la horden de Hucles 
como eranfa.fta aqui, ni dotro sennorio, sino dei nue.ftroet de IO.f que regnaren dt'spues de nos en Castiella 
et en Leon... 


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>>>
110 VgI. J. Menendez Pida1, Noticias acerca de la Orden Militar de Santa Marla de Espafla 
instituida por Alfonso X, Revista de Archivos, Bibliotecas y Museos 11 (1907), S. 169-171; Ayala 
Martinez, La monarqula y las 6rtknes Mi/ilares, S. 456; Silnchez Saus, lAs Ordenes Militares en la 
provincia de CMiz, S. 60. 
111 Zu EI Puerto de Santa Maria, das zwischen 1284 und 1295 Besitz des genuesischen Admira1s 
Benedeito Zaccaria war, vgl. M. A. Ladero Quesada, Andalucla en el siglo XV. Estudios de historia 
politica, Madrid 1973, S. 15f. 
112 VgI. dazu M. GonzäJez Jimenez, En torno a los orlgenes de Anda/ucla. La repoblacion del siglo 
XI11, Sevilla 1988, S. 93ff.; ders., Diplomatario andaluz, S. XLllff.; J. Cerdä Ruiz-Funes, in: 
GonzäJez Jimenez, Diplomatario andaluz, S. CXXXIXfT.; J. La1inde Abadia, La probleml1tica 
historica del heredamiento, Anuario de Historia dei Derecho Espai'iol 31 (1961), S. 195-233; 
GonzäJez, RepoblaciOn I, S. 156ff. Die Repartimienlos finden sich verzeichnet bei C. Segura Graifio, 
La formacion del pueblo anda/uz. Los RepartimienlOs medievales, Madrid 1983. Fernerhin: 
M. Gonzalez Jimenez, Repartimientos andaluces tkl siglo X11I. Perspectiva de cunjunto y problemas, 
Historia. Instituciones. Documentos 14 (1987), S. 103-121. VgI. auch den Sammelband: De 
AI-Andalus a Ia Sociedad Feudal. Los repartimientos bajomedievales, Barcelona 1990. 
1IJ GonzäJez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 149 zu 1255 Mai 22. 
IIf Ebd., Nr. 295 zu 1264 Okt. 27. 
m C. Estow, The economic development of the order of Calatrava, J J 58- J 366, Speculum 57 
(1982), S. 267-291; Ayala Martinez, La monarquia y las 6rdenes Militares dwante el reinado de 
Alfonso X, S. 430ff. 
116 VgI. aIIg. P. A. Porras Arboledas, La hacienda de las Ordenes Militares en la baja Edad Media 
casteIlana, in: Estudios en Homenaje a don Claudio Sanchez Albornoz en sus noventa aflos, Val. IV, 
Buenos Aires 1986, S. 535-555; R. G. Peinado Santaella, La rentasenorial en las Ordenes Militares de 
la Corona de Castilla durante Ia Baja Edad Media, Historia.lnstituciones. Documentos 18 (1991), 
S. 403-424. 
\17 GonzaJez, Reinado y diplomas de Fernando 111, T. 111, Nr. 734 zu 1246 Feb. 25. 
111 Ebd., S. 523, Nr. 77S; Gonzwez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 127 zu 1254 April 16 
(Bestätigung Alfons'X.); Ga.ibrois de Ballesteros, Sancho IV de Castilla, Tomo 111, S. XXXVI, 
Nr. 40 zu 1285 Jan. 12, S. XXVIII-XXXIX, Nr. 44-45 zu 1285 Jan. 16 (Bestätigung seiner eigenen 
Schenkungen der Minen von Almaden sowie der Hälfte der Schächte an den CaJatrava-Orden von 
1282 Mai 3). VgI. Estow, The economic development of the order of Calatrava, S. 284f. 
119 GonzaJez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 129 zu 1254 April 20; Nr. 138 zu 1254 Mai 19; 
Nr. 194 zu 1257 Juni 6. Zum Portazgo a1s Wegezoll vgl. C. Gonzalez Minguez, EI portazgo en la Edad 
Media. AproximaciOn a su estudio en Ia Corona de Castilla, Vitoria 1989; P. A. Porras Arboledas, Los 
portazg
 en LeiJn y Ca.vtilla durante la Edad Media. Politica real y circuitos comerciales, En 1a Espafia 
Medieva115 (1992), S. 161-211 sowie Ladero Quesada, Fiscalidad y poder real, S. I3lff. 
1:10 VgI. außer Estow, The economic development of tM order of Calatrava, S. 285fT. v.a. 
M. C. Gerbet, Les Ordres Mililaire.v etl'elevage dans I'Espagne mMilvale, En la Espana Medieva1 
VII (1986), S. 413--44S. 
121 Estow, The economic development of the ortkr of Calatrava, bes. S. 29Of.; M. Rodriguez 
Llopis, Conflictos fronterizos y dependencia seflorial: La encom
nda santiaguista de Ye.vte y Taibilla 
(siglos XI11-XV) (Albacete 1982). V gI. zum ..Seflorio tk Calatrava als Träger der R£poblacion" in der 
Frühzeit des Ordens auch die Ausführungen bei Schwenk, Calatrava, S. 350fT. 
122 VgI. dazu A. Yelo Templado, Los vasallos mudJjares de Ia Orden de Santjago en el Reino de 
Murcia (siglos XIV-XV), Anuariode EstudiosMedievaJes II (1981), S.447-458 und a1lg. J. Torres 
Fontes, Los mudejares murcianos en el siglo X11I, in: ders., Repartimiento y repoblacion de Murcia en el 
siglo XI11, MUTcia 1990, S. 261-282 sowie D. Menjot, Les mudijares du royaume de Murcie, in: 
Minorites religieuses dans I'Espagne mMievale = Revue du Monde Musulman et de la MediLerranee 
63-64 (199211-2), S. 165-178. 


88 


........
>>>
123 VgI. dazu A. Collantes de Teran Sänchez, Los .fenorfos andaluces. Anlllisis de su evolucion 
territorial en Ia Edad Media, Historia.lnstituciones. Documentos 6 (1979), S. 89-112; M. Gonzalez 
Jimenez, Lo gran propiedad en la Andalucla del siglo XII/, En la Espafia Medieval I (Estudios 
dedicados a D. Julio GonzAJez), Madrid 1980, S. 143-153; M. Gonzalez Jimenez - M. Borrero 
Fernandez -I. Montes Romero-Camacho, Origen y desarrollo dellatifundismo en Andalucfa (siglos 
XIll-XV), Economia e Sociologia 45--46 (Evora 1988), S. 41-61. 
I:M VgI. aIIg. S. Menache, La Orden de Calatrava y el clero andaluz (siglos XI/I-XV), En la 
Espafia Medieval VII (1986), S. 633-653, die die Problematik jedoch nicht voll ausschöpft 
125 Zur Entwicklung dieser Diözesen s. Gonzalez Jimenez - Borrero Fernandez - Montes 
Romero-Camacho, Sevilla en t
mpos de Alfonso X, S. I 57ff.; M. Nieto Cumplido, La restauracion de 
la diOcesis de Cordoba en el reinado de Fernando lI/ el Santo, in: Cordoba, apuntes para su historia, 
C6rdoba 1981, S. 135-147; J. Rodriguez Molina, EI Obifpado de Baeza-Jaen (Siglos XI/I-XVI). 
Organizacion y economia diocesanas, Jaen 1986; J. Torres Fontes, EI Obispado de Cartagena en el 
siglo XIll, Hispania 13 (1953), S. 339-401,515-580. Einen allg. Überblick über die Diözesanstruklur 
in Andalusien lieferte J. Sanchez Herrero, La iglesia andaluza en la baja Edad Media, siglos XII/ aI 
XV, in: Andalucfa Med
val. Actas I Coloquio Historia de Andalucfa, C6rdoba 1982, S. 265-330. 
136 Zum Adelantemiento de Cazorla siehe neben den ältere Studien von J. F. Rivera Recio, EI 
adelantam
nlO de Cazorla. Historia General, Toledo 1948; ders., EI adelantamiento de Cazorla 
durante la &lad Media, Hispania 8 (1948), S. 77-131 nun v.a. M. deI Mar Garcia Guzman, EI 
Adelantamiento de Cazorla en la Baja &lad Media. Un senorfo eclesilLstico en lafrontera castellana, 
Cädiz 1985 sowie für die dokumentarische Grundlage dies., Coleccion Diplomatica dei Adelantamien- 
to de Cazorla (1231-1495), Cädiz 1991. Bereits frühzeitig sah sich der Santiago-Orden der 
Konkurrenz des mächtigen Toledaner Erzbischofs Rodrigo Jimenez de Rada ausgesetzt. Siehe 
D. W. Lomax, EI arzobispo dan Rodrigo Jimenez de RaJa y la Orden de Sanliago, Hispania 19 (1959), 
S. 325-365. 
127 Siehe die Aullistung der exemten Gebiete bei 8anchez Herrero, La igle.da andaluza en la baja 
Edad Media, S. 268f. 
IZI VgI. dazu die Karte bei Segura Graiiio, LaformaciOn deI patrimonio territorial de las Ordenes 
militares, S. 111. 
1:19 VgI. Garcia Guzman, EI Adelantam
nto de Cazorla, S. 102fT. Die Urkunde findet sich ediert 
ebd., S. 333-336, Nr. I und bei GonzAJez, Reinado ydiplomasde FernandolI/, T.m, Nr. 841 zu 1252 
April 22. Der Elekt verzichtete offiziell am 25. Aprill2S2 auf Baza, ausgenommen die von ihm bereits 
in Besitz genommenen Burgen (Garcia Guzman, Coleccion Diplomatica, S. 5f., Nr 14). Siehe auch 
Gonzälez, Reinado y diplomas de Fernando II/, T.III, Nr. 844--845 und Garcia Guzman, ColeccIon 
Diplomatica, S. 7, Nr 15 zu 1252 April 26. 
130 Torres Fontes, Documentos del Siglo XII/, S. 39-41, Nr. XLV zu 1271 Juli 27. Zur 
Interpretation vgl. ders., EI Obispado de Cartagena, S. 393f.; ders., EI d
zmo eclesilLstico en Sevilla 
y Murcia (Siglo XI/I), Miscelanea Medieval Murciana XIII (1986), S. 81-102. 
131 VgI. M. Nieto Cumplido, Orfgines dei regionalismo andaluz (1235-1325), C6rdoba 1979, 
S. 54ff.; D. Argente dei Castillo Ocaiia, Las Mrmandades medievales en el reino de Jaen, in: Andalucfa 
Med
val. Actas I Congreso Historia de Andalucia, T. 11, C6rdoba 1982, S. 21-32. Siehe dazu in 
Zukunft auch L. Vones, Cortes et Hermandadeun Castille (1282-1325). La conception monarchique 
et les debuts du mouvement communautaire (im Druck). 
IJZ VgI. die literaturgesättiglen Überblicke von A. Franco Silva, EI regimen municipal en Ia 
Anda/ucla bajomedieval: EI Ca.fO de CMiz Y su provincia, Gades 3 (1979), S. 25-34; M. Gonzälez 
Jimenez, Los municipios andafuces afllles de la &lad Media: el caso de Cordoba, in: I/ JorTladas de 
Andalucia y America, T.I, Sevilla 1984, S. 17-67; ders., Los municipios andaluces en la baja &lad 
Media, Archivo Hispalense 210 (1987), S. 63--83; ders., Ciudades y Concejos andaluces en Ia &lad 
Media: Gobierno urbano, in: Concejos y Ciudades en la Edad Media Hispanica.l1 Congreso de Estudios 
Med
vales, Avila 1990, S. 237-260. 
IJJ So Gonzälez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 133-134, 188,253,256,260--261. 


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1)4 Torres Fontes, Documentos deI Siglo XIII, S. 73-74, Nr. LXXXIX zu 1283 Jan. 8. 
13' Rodriguez-Picavea MatiUa, Frontera, soberanla territorial y Ordenes Mi/itares, S. 809. 
136 VgI. zum Grenzverlauf bis zum Ende des 13. Jahrhunderts M. Borrero Fernandez, lA 
frontera de Sevilla con el Reino de Granada en tiempos de Alfonso X, in: &Iaciones exteriores del Reino 
de Granada. IV Coloquio de historia medieval andaluza, Almeria 1988, S. 13-21 sowie F. Garcia 
Fitz, lAfrontera castellano-granadina afines dei siglo XIII, ebd., S. 23-35. 
131 So Rodriguez-Picavea Matilla, Frontera, soberania territorial y Ordenes Mi/itares, S. 809. 
VgI. auch AyaIa Martinez, lA monargula y las 6rdene.f Militares, S. 433f., der anband der 
übertragung der Burg Matrera (1256 Juni 10; GonzaJez Jimenez, Diplomatario andaluz, Nr. 179) 
aufzeigt, wie Alfons X. darauf bestand, daß wichtige Rechte der Krone vorbehalten blieben, darunter 
das Recht, que fagan por nos guerra y paz. Zu diesem Kronrecht, das häufig dem König oder seiner 
Zustimmung reserviert blieb, s. H. Grassoui, )Facere guerram et pacem«. Un deber del que no estaban 
exentas las Ordenes Militares, Anuario de Historia MedievaI 11 (1981), S. 73-80 und ausführlicher 
dies., EI deber y el derecho de hacer guerra y paz en Leon y Castil/a, in: H. Grassotti, Estudios 
Medievales £Spaifoles, Madrid 1981, S. 43-132, zur Übertragung von Matrera u.a. dort, S. 80f. 
131 Die diesbezügliche Vorschrift des Lateranum 111, c. 19 (Cornp. I 3,36,4 _ X. 3,49,4) war 
durch Lateranum IV, c. 46 (Cornp. IV 3,18,3 - X. 3,49,7) noch erweitert worden (Conci/iorum 
Oecumenicorum Decreta, 00. J. Alberigo et aI. [Bologna 19733], S. 221, 255; Constitutiones Conci/ii 
quarti lAteranensis una cum Commentariis glossatorum, 00. A. Garcia y Garcia [Cittä deI Vaticano 
1981], S. 85-86). 
1311 So Segura Graiiio, lA formacion del patrimonio territorial de las 6rdenes M ilitares, S. 110: 
..Las dos Ördenes [sc. Calatrava und Santiagol mantienen un tacito reparto de las zonas de 
inlluencia" . 
140 VgI. CoUantes de Teran Sanchez, Los seiforios andaluces, S. 98 f. mit den dort abgebildeten 
Graphiken; E. Cabrera M unoz, EI regimen seiforial en Andalucia, in: Actas deli Congreso de Historia 
de AndaJucia. Andalucia MedievaI, Vol. 11, Cordoba 1978, S. 57-72, hier S. 60. 
141 VgI. dazu M.-C. Gerbet, lA noblesse dans le royaume de Castille. Etude sur .fes structures 
sociales en Estremadure de 1454 a 1516, Paris 1979, S. S2ff. und pass. 
143 VgI. dazu P. A. Porras Arboledas, Los seiforlos de la Orden de Santiago en su provincia de 
Castil/a durante el siglo XV, 2 Bde., Madrid 1982 sowie M. A. Ladero Quesada, Comentario sobre los 
seiforlos de las Ordenes Militares de Santiago y Calatrava en Castilla la Nueva y Extremadura aflnes de 
la epoca medieval, in: lAS Ordenes Mi/itares en el Mediterraneo Occidental. Siglos XII-XVIII, 
Madrid 1989, S. 169-180. 
143 VgI. dazu außer Solano Ruiz, lA Orden de Calatrava en el siglo XV. Los seiforlos casteIlanos 
de Ia Orden al fln de Ia &lad Media, Sevilla 1978, v.a. M. Corchado Soriano, £Studio his- 
torico-economico-juridico del Campo de Calatrava, 3 Ode., Ciudad ReaI 1982-1984 und für die frühen 
Entwicklungen E. Rodriguez-Picavea Matilla, lA Orden de Calatrava en la Meseta meridional 
castel/ana: encomiendas y distibucion geogrdfica de las propiedades (1158-1212), Hispania 51 (1991), 
S. 875-899 sowie ders., Aproximacilm a Ia geograflD eclesidstica dei primitivo arcediaMto de 
Calatrava (siglos XII-XVI), Hispania Sacra 43 (1991), S. 735-773. 
144 VgI. M. A. Ladero Quesada, lA Orden de Santiago en Andalucia. Bienes, rentas y vasal/os 
aflnes dei siglo XV, Historia. Instiluciones. Documentos 2 (1975), S. 329-382. 


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ORDINES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA VIII - 1995 
RmERORDEN UND REGION - POLITISCHE, SOZIALE UND WIRTSCHAFrLICHE VERBINDUNGEN IM MmELALTER 


Bernd Schwenk (Köln) 


Honor und Utilitas. Eine skizze zur 
Kooperation spanischer ritterorden im 12. Jahrhundert 


Zu den Stereotypen der spanischen Geschichte gehört der Begriff 
Reconquista. Von der französischen Forschung geschaffen, dient er als 
Ordnungsbegriff zur Epochalisierung der Geschichte der Iberischen Halbinsel 
von 711-1492. Die chronologische Handlichkeit der Bezeichnung insinuiert, daß 
es bei der jahrhundertelangen Bekämpfung und Vertreibung der Mauren einen 
einzigen gemein-iberischen Rechtsnachfolger des Westgotenreiches gegeben 
habe. Daß dem nicht so war, ist fester Bestandteil der Geschichtswissenschaft 
und wurde zuletzt in Odilo Engels' Skizze Reconquista (1989) I neu diskutiert. 
Sowohl die Vielfalt der katholischen Königreiche in Spanien selbst als auch die 
Ausdehnung des Westgoten reiches über die Pyrenäen hinaus ins Frankenreich 2 
deuten darauf hin, daß kein regnum für sich beanspruchen konnte, die 
Vertreibung der Muslime vom ehemaligen Territorium der katholischen West- 
goten sei seine "nationale"Aufgabe. Da, wo sich die hochmittelalterlichen 
Quellen auf westgotische Zustände berufen, sind innerkirchliche Kontroversen 
Grund für den Bezug auf westgotische Jurisdiktionsverhältnisse 3 . 
Als politischer Kampfbegriff-ähnlich dem zeitgeschichtlichen ,,Kalten 
Krieg" - ist die Reconqui.;ta von den Zeitgenossen nie verstanden und auch von 
den einheimischen Ordnungsträgern der Halbinsel nicht instrumentalisiert 
worden. Eine Zeit und Raum übergreifende Hispania-Idee 4, deren Kern die 
Bekämpfung der iberischen Mauren enthielte, ist nicht nachweisbar. Die einzige 
Institution, die die Reconqui.;ta nach den obigen Ausführungen initüeren und am 
Leben halten konnte, war das Papsttum. Bedingt durch die universalkirchliche 
Verpflichtung Roms wurde der Kampfplatz Spanien den orientalischen Auf- 
gaben gelegentlich gleichgestellt, meist jedoch untergeordnet, wie die Geschichte 
der Kreuzzugsidee belegt 5. 


91 


.......
>>>
Doch trotz dieser Einschränkungen darf nicht übersehen werden, daß die im 
12. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel operierenden Ritterorden-einerlei 
ob palästinensischer Provenienz wie die Templer und Hospitaliter 6 oder 
spanischer Wurzel wie der Santiago- und der Calatravaorden-von ihrer Am- 
bivalenz als geistliche Institute und militärische Gemeinschaften Spanien -wenn 
auch in verschiedener Ponderierung-als gemeinsames Aktionsfeld betrachteten 
und die Wiederherstellung der religiösen Einheit als ihre Aufgabe ansahen. 
Die vorliegende Skizze bemüht sich, am Beispiel des von den Templern, 
Hospitalitern und Santiagorittern 1178 auf dem Hoftag von Salamanca ge- 
schlossenen Kooperationsvertrages 7 Ziele und Methoden der Zusammenarbeit 
der Vertragspartner herauszuarbeiten. Das Abkommen ist in die kastilisch- 
-leonesische Auseinandersetzung um das Infantazgo, die Tierra de Campos, 
einzuordnen, die nach dem Sieg Alfons' VIII. von Kastilien 1177 bei Cuenca in 
Gang gesetzt und schließlich 1183 durch den Friedensvertrag von Fres- 
no-Lavandera beendet wurde 8. Während der Kastilier seit August 1178 seine 
Truppen am leonesischen Grenzgebiet aufmarschieren ließ 9, lud der Leoneser 
König Ferdinand n. für September zu einem außerordentlichen Hoftag nach 
Salamanca ein. Auf dieser curia 10 [regis], die einberufen worden war ad tollendum 
pravas consuetudines et informandam morum rectitudinem 11, stand auch die 
Regelung der Zusammenarbeit der oben genannten drei Ritterorden an. 
Die Tatsache, daß die gemeinsamen Interessen der Vertragspartner nicht in 
einer der Ordenszentralen vertraglich geregelt wurden, sondern auf der höchsten 
staatlichen Beschlußebene, der curia [regis] unter Beteiligung der Barone und 
Bischöfe des Königreiches Leon, gibt nach außen hin der com;titucio eine 
verfassungs rechtliche Erhöhung, durch die leonesische Krone und Ritterorden 
zu einer Aktionseinheit auf dem Gebiet der Reconquista zu verschmelzen 
schienen. Für Ferdinand n. kann es im Streit mit Kastilien wichtig gewesen sein, 
den mittlerweile nach dem kastilischen Ucles hin orientierten Santiagoorden 
stärker an Leon zu binden 12. Mag auch die Arenga des Vertrags mit ihrem Passus 
[rex Ferdinandus] instituciones terre sue per decreta suafirmiter ordinavit" 13 die 
Initiative zur staatlichen Integration der Ritterorden König Ferdinand zuweisen, 
so nehmen die Entscheidungen der drei Ordensoberhäupter, Pedro de Arias vom 
Hospital, Guido de Garda vom Tempel und Pedro Fermindez vom Santiagoor- 
den doch den königlichen Suprematieanspruch zurück 14. 
Formal ist der Vertrag über pax et vera concordia U zweigeteilt. Ad honorem 
itaque nostre professionis aut Ordinis werden Streitfälle zwischen den Vertrags- 
partnern so geregelt: 
I: Wenn ein Mitglied eines der drei Orden einem anderen Unrecht getan hat 
(peccaverit), dann soll sich der Beklagte vor dem Kapitel des Klägers rechtfer- 
tigen 16. 
2: Wenn zwei Orden wegen einer Ungerechtigkeit (iniuria) oder einer 
Belästigung (gravamen) miteinander in einen Streit geraten sind, dann soll beider 


92 


........
>>>
Klage in Anwesenheit des dritten Ordens und unter Hinzuziehung von Anwälten 
(advocatos) verhandelt werden. Der Entscheid dieser Schiedskommission hat als 
verbindlich zu gelten 17. 
3: Als letztes Problem dieses Abschnittes stanJen Auseinandersetzungen der 
Ritterorden mit kirchlichen oder weltlichen Personen an. In solchen Kontrover- 
sen traten die Militärinstitute geschlossen gegen den Rechtsbrecher auf und 
sahen einen Angriff gegen einen der drei Partner als ihre gemeinsame Sache an 18. 
Der zweite Vertragsteil befaßt sich mit Maßnahmen ad cumu/um nostre 
utilitatis. Thematische Verbindung der beiden Abschnitte ist die gemeinsame 
Interessenvertretung, diesmal auf internationaler Ebene, nämlich bei der 
römische Kurie oder auch gegen sie. Besonders da, wo vor der obersten 
kirchlichen Rechtsinstanz Urkunden der mündlichen Erläuterung bedurften, 
war vorgesehen, daß der in Rom weilende Ordensrepräsentant die Sache des 
Vertragspartners vertrat. Konnte er dies nicht allein, so mußte er sich der Hilfe 
anderer Brüder versichern 19. 
Den rein kirchlichen Bereich überschreiten die nächsten beiden Passagen. In 
er einen sprechen sich die Ordensführer zu gemeinsamen militärischen Unterneh- 
mungen aus: Dabei wollten die Ritterorden im Kriegsfalle habitare in prima acie 
et in u/tim [a]. Ausnahmen von dieser operativen Position waren nur auf 
Anordnung des Königs möglich, was die Orden nicht übergehen konnten, oder 
mit Erlaubnis der anderen Brüder 20. In dem zweiten Abschnitt ging es schließlich 
um die Verteidigung und den Erwerb von Einkünften (directurae)21. Hierbei 
sollten zwei Orden dem dritten in der Weise beistehen, als ginge es um die eigenen 
Erträge. Als potentieller Rechtsgegner galt auch der König; der Rechtsbereich ist 
pauschal mit per terras umschrieben 22, was momentan das Königreich Leon 
implizierte, aber auch andere Territorien einschließen mochte. 
Kommen wir nun zur Bewertung der Vertrages unter dem Aspekt der 
kollektiven Grundwerte einer Ritterordensgesinnung und deren praktische 
Umsetzung im gemeinsamen Handeln per terra... 23. Es ist dabei hervorzuheben, 
daß zwei der drei Vertragspartner, die Templer und die Hospitaliter, zu den 
internationalen Militärinstituten gehörten, der Santiagoorden auf Grund seiner 
Erstetablierung als leonesisches Nationalinstitut betrachtet wurde 24, ungeachtet 
der Tatsache, daß seit 1174 das kastilische Ucles als casa centra/ fungierte. 
Bezeichnenderweise blieb der kastilische Calatravaorden vom Vertrag ausge- 
schlossen 2S. 
Mit der militärischen Schlagkraft der erwähnten Orden im Rücken mochte 
sich Ferdinand n. in der Krise Leons wichtiger Helfer versichert haben, doch der 
Preis war hoch. Hinsichtlich der Kriegführung, die sich unausgesprochen auf die 
Mauren bezog, theoretisch aber auch christliche Gegner implizierte, hatte sich 
der König-bis auf den Fall eines allgemeinen Reichskrieges-von den Ritterorden 
abhängig gemacht; er war ihrer Taktik unterworfen, bei der die exponierten 
Gefechtsteile der Vorhut und Nachhut von den drei Ritterorden beansprucht 


93 


..........
>>>
wurden. Weitere Einzelheiten zur Kriegführung müssen einer späteren Unter- 
suchung vorbehalten bleiben 26. 
Gravierender jedoch waren die Ansprüche der Militärinstitute auf 
wirtschaftliche Autonomie. Es ist nicht nur herauszustellen, daß in den oft 
strittigen Fragen des Privilegien- und Gütererwerbs die drei Orden contra omnes 
homines agierten, was an sich schon eine Stärkung der Ordensmacht war, viel 
einschneidender war die Tatsache, daß in der Wahrung der Ordensinteressen 
nicht einmal vor dem König Halt gemacht wurde. Es scheint auf eine existentielle 
Gefährdung der leonesischen Krone zu deuten, daß Ferdinand 11. die Minderung 
seiner königlichen Autorität auch noch durch das Verfassungsorgan eines 
Hoftages festschrieb. 
Sollten die Vertragsziele-gemeinsames Auftreten gegen jeden Ordensgegner, 
Papst und König inbegriffen - nicht durch die opportunistische Ausnutzung 
einer Krise legitimiert bleiben, wie der Passus ad cumulum nostre uti/itatis 
nahelegt, so bedurfte das trilaterale Abkommen einer höherwertigen, das heißt 
ideologischen Begründung. Als Grundwert solch einer zeitlosen Wertordnung 
hat die Formulierung honor nostre professionis aut Ordinis zu gelten. 
Nach Auskunft des Diccionario Medieval E,fpanolvon Alonso Martin, dessen 
Quellen aus dem chronikalischen Umfeld des mittelalterlichen Spanien stam- 
men, bedeutet honor vom 12. bis zum 14. Jahrhundert eine moralische Qualität, 
diejemanden zur Erfüllung von Verpflichtungen sich selbst gegenüber und gegen 
andere anhält. In derselben Epoche wird honor der gloria gleichgestellt, die den 
guten Ruf umfaßt, der sich aus Tüchtigkeit, Verdiensten oder Heldentaten 
ergibt. In beiden Fällen ist die Anerkennung der Leistung von einer kollektiv 
gültigen Wertordnung abhängig: der Tat und ihrer Bewertung durch andere 
liegen die gleichen Wertmaßstäbe zugrunde 21. 
Auszuschließen von diesem Konnotationsfeld sind der honor als Statthalter- 
schaft königlichen Auftrages, der tenencia gleich, und die Nutzung der daraus 
abgeleiteten Renten aus den Einkünften einer Stad t oder eines castillo 28. Aus 
dem vorgenannten liegt der Schluß nahe, daß die drei Vertragspartner ihr 
bisheriges Wirken als einen "ruhmvollen" Beitrag zum öffentlichen Wohl 
ansahen, spezifiziert vom Ordensauftrag her auf das Wohl der Christenheit, und 
vom Aktionsbereich her gesehen zum Nutzen der spanischen Regenten. 
Privilegien und Dotationen von königlicher und privater Seite bestätigen die 
Anerkennung der Ritterordensaktivitäten nach den Kriterien zeitgenössischer 
Kollektivrnoral in dem Lebensbereich der Reconquista. 
Ungeachtet dieser Grundposition blieb für die Vertragspartner noch ein 
individueller Spielraum, wie der Passus no...tre profe......ionis aut Ordinis 
andeutet; auf die Verwendung des Singulars sei hier eigens hingewiesen. Wie 
Niermeyers Mediae latinitatis lexicon minu." auf der Basis zentraleuropäischer 
Quellen belegt, haben wir unter professio eine Mönchsregel zu verstehen 29. Die 
drei Orden folgten aber verschiedenen Ordensregeln: der Santiagoorden der 


94 


I 
I 
I 

 


........
>>>
. Augustinusregel 30 , die Hospitaliter der Benediktregel 31 , und bei dem Templeror- 
den 32 ist die Zuordnung nicht eindeutig. Wenn dennoch von professio nostra die 
Rede ist, muß darunter das allen dreien gemeinsame Element der Verbindung 
von Rittertum und Ordensleben zu verstehen seil... Die spirituelle Gemeinsam- 
keit der Ritterorden erklärt das Possessivpronomen nostra 33. 
Ähnlich verhält es sich mit dem Singular ordini.;. Wir wir wissen, ließ die 
Verpflichtung auf eine Ordensregel durchaus verschiedene Organisationsformen 
zu, deren Umsetzung in den einzelnen Konventen von consuetudines, oder .;tatuta 
geregelt wurde. Unter Wahrung dieser Ordensvielfalt hätte sich statt ordinis 
ordinum anegeboten. Daß dennoch Wert auf die Betonung des Singular gelegt 
wurde, zeigt den Willen der Ordensführungen, ungeachtet ihrer verschiedenen 
Provenienzen, Tätigkeitsbereiche und territorialen Einbindungen die Einheit 
hervorzuheben. Nicht mehr individuelle Ordensinteressen sollten Vorrang 
haben, sondern die Kumulierung gemeinsamen Nutzens. Auf honor bezogen 
scheint impliziert, daß diese Separierung durchaus dem Allgemeinwohl diente 
und von Dritten auch so verstanden werden sollte. 
Aus der Idee der Einheit ergibt sich zwangsläufig dann auch die Vereinheit- 
lichung divergierender Aktionsfelder: die Schaffung einer ordensübergreifenden 
Schiedskommission, die diplomatische Vertretung an der römischen Kurie und 
die Zurückdrängung der Königsrnacht in der Reconq uista sind die zentralen 
Bereiche, in denen die neue in Salamanca gegründete Vertragsgemeinschaft 
honor finden kann. 
Zuletzt hat Engels darauf hingewiesen, daß "die Reconquista durch die 
Trägerschaft des jeweiligen Monarchen eine staatlich gelenkte Veranstaltung" 34 
war. Diese Perspektive wird zumindst von der Intention her durch unseren 
Vertrag von Salamanca 1178 überwunden. Die säkularen Interessen der 
jeweiligen Herrscher gegenüber den Mauren treten nun gegenüber den An- 
sprüchen der Heidenkampfinstitute zurück, wodurch die Reconquista als 
überstaatliche, religiös motivierte Idee ihrem Gehalt als Wiedereroberung der bis 
711 katholischen Iberischen Halbinsel gerecht wird. Wenn der leonesischeKönig 
Santiago an engerer Verbindung mit Kastilien hindern und den Orden im Streit 
um das Infantazgo neutralisieren wollte, konnte er offenbar auf diese inzwischen 
herangereifte und vom Papst, als dessen filii peculiares 3S die Santiagoritter ja 
galten, propagierte Idee zurückgreifen. 
Ob diese Programmatik - die Erhöhung nationaler Kämpfe gegen die 
Muslime zu einem gemeinspanischen Unternehmen-durchgesetzt wurde, ob es 
auch im Denken der Militärinstitute zisterziensischer Wurzel Fuß fassen konnte, 
vermögen wir im Rahmen unseres Vortrages nicht mehr darzustellen. Die 
Verträge zur Beilegung des Infantazgokonfliktes von 1181 in Medina de 
Rioseco und 1183 in Fresno-Lavandera 36 sowie die Schlachten von Alarcos 1195 
und Las Navas de Tolosa 1212 sind die Wegmarken, an denen die Weiterführung 
der Idee der reichsübergreifenden Reconquista überprüft werden muß 37. 


95 


.......
>>>
Anmerkungen 


1 O. Engels, Reconquista und Landesherrschaft. Studien zur Rechts und Verfassungsgeschichte 
Spaniens im Mittelalter (Rechts und Staatswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görresgesell- 
schaft, NF, 53), Paderbom 1989, S. 279-300; vgl. dazu L. Vones, Reconquista und Convivencia. D
 
Könige von Kastilien - Leim und d
 mozarabischen Organisationsstrukturen in den südlichen 1 
Grenzzonen im Umkreis der Eroberungen von Coimbra (/064) und Toledo (/085), in: D
 Begegnung 
dJ!s Westens mit dJ!m Osten. Kongreßakten des 4. Symposions dJ!s Mediävistenverbandes in Köln 1991 
aus Anlaß des 1000. Todesjahres der Kaiserin Theophanu, hrsg. von Odilo Engels und Peter Schreiner, 
Sigmaringen 1993, S. 221-223. 
1 O. Engels, Reconquista und Landesherrschaft, S. 280-281. 
] Ebd., S. 285. 
f Zur Hispania-Idee zuletzt L. Vones, Hispania, in: Lexikon des Mittelalters V, München 1991, 
Sp. 30-40; H. Messmer, Hispania-ldee und Gotenmythos, Diss. phi\., Zürich 1960 auf der Basis 
literarischer Zeugnisse. 
S Als Basisliteratur seien erwähnt: C. Erdmann, Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens, 
Darmstadt 1974; für die Iberische Halbinsel: J. Gofii Gaztambide, Historia de Ia bula de cruzada en 
Espana, Vitoria 1964; J. A. Maravall, La idea de Ia Recoquista en Espana durante la Edad Media, in: 
Arbor 28 (1954), S. 1-37; E. Benito Ruano, E.vpaiia y las Cruzadas, in: Anales de Historia Antigua 
y Med
val, 1951/52, S. 91-120; C. Erdmann, Der Kreuzzugsgeclanke in Portugal, HZ 141 (1930), 
S. 23-53; vgl. O. Engels, Reconquista und Landesherrschaft, S. 283ff. 
6 Diese Bezeichnung wird nach dem spanischen Sprachgebrauch verwendet statt der im 
deutschen Sprachraum üblichen Bezeichnung "Johanniter". 
1 Text des Vertrages bei J. L. Martin, Origenes de la Orden Militar de Santiago (1170-1195), 
(Anuario de Estudios Medievales, anejo 6), Barcelona 1974, Nr. 92, S. 272-273. Zur Datierung, ebd. 
"era M CC X VI" [1178]. Eine BeschJußsammlung zum Hoftag von Salamanca ist nicht überliefert; 
Einzelverlrage bei E. Florez, Espäna Sagrada, XVIII, apendice XXV, S. 355 betr. Schenkung an die 
Kirche von Mondofiedo, S. 353: "Era M. CC. XVI.", S. 355: Datum apud Salamancam III. 
Id Septembris; vgl. ebd., XLI, apendice XIX, betr. Schenkungen an die Kirche von Lugo, S. 330: 
"Idem Rex [Ferdinandus] secundum id, quod in Concilio apud Salmanticam celebrato statuerat, 
possessiones Eclesiae Lucensis [i.e. Lugo] suo privilegio communit. Zur Datierung egd., S. 331: 
statuimus apud Salamanticam anno Regni nostri vigesimo primo Era MCCXVI. S. 333: Data carta apud 
TaUTUm [i.e. Toro] paulo post celebrationem Conci/ii Sa/amanticae nonas Octobris. 
· Einzelheiten zum politischen Hintergrund bei J. GonzaIez, EI reino de Castilla en la epoca de 
Alfonso VIII, Madrid 1960, S. 687-699; ders., Regesta de Fernado 11, Madrid 1943, S. 119-144; 
B. Schwenk, Calatrava. Entstehung und Friihgeschichte eines spaniscMn Ritterordens zisterz
nsischer 
Observanz im 13. Jahrhundert, (Spanische Forschungen der Görresgesellschafi 11, 28), Münster i. W. 
1992, S. 206-213. 
9 J. GonzaIez, Alfonso VIII, I, S. 688. 
10 Zur Institution der Curia im allgemeinen siehe L. G. de Valdeavellano, Curso de Historia de 
las Instituciones espaifoles, Madrid 1973, S. 450-457; C. Sanchez Albornoz, Curia regia portuguesa 
siglos XII Y XIII, Madrid 1920, S. 15JT., zu den curias extraordinarias siehe. S. 49JT.; N. Guglielmi, 
La Curia regia en Leon y Castilla, Cuadernos de Historia de Espafia 23-24 (1955), S. 116-267; 
28 (1958), S. 43-101; H. Grassolti, Organizacion politica, administrativa y feudo-vasallatica de Leon 
y Casti/la durante los siglos XI y XII. in: Historia de Espaila, ed. Meneodez Pidal, R., X: Los reinos 
cristianos en los siglos XI y XII. vol. 11: Economias, Sociedades, Instituciones, Madrid 1922, S. 99-106. 
JI E. FJorez, Espaifa Sagrada XVIII, apo XXV, S. 353; vgl. H. Grassolti, Historia de Espana XII, 
vo\. 11, S. 106: ad tol/endum pravos [sic
 consuetudines et informandum [siel] morum rectitudinem. 
11 Dazu J.L. Marlin, Origenes, S. 16; Lomax, W. Derek, La Ordende Santiago (1l70-1275), 
Madrid 1965, S. 29-30, 34; B. Schwenk, Calatrava, S. 314-323. 


96
>>>
13 J.L. Marlin, Orlgenes, Nr. 92, S. 272. 
If Ebd., S. 272: Congregatis in unum apud Salamanticamfratribus Hospitalisfratribusque Milice 
Templi et fratribus Beatis Jacobi (...]; videlicet domni Petri de Areis, Hispaniis Prioris, et domni 
Guidonis de Garda, magistri Milicie Templi, et domni Petri Fernandi, magistri Milic
 Beati Jacobi. Zu 
den Ordensleitern siehe Diccionario de Historia EclesilLstica de Espaifa, hrsg. von Quintin Aldea 
Vaquero, 1. 111, Madrid 1975, S. 1818-1819 zu Pedro de Areis, S. 1824. Zu Pedro Fernandez; zu 
Guido de Garda siehe P. Rodriguez Carnpomanes, Dissertaciones historicas de Ia Orden y Cavalleria 
de los Templarios , 0 resumen historial, Madrid 1747, S. 23,262. Zum Problem Königlicher Suprematie 
siehe H. Grassotti, La inmunidad en el occidente peninsular del Rey Magno al Rey Santo, Cuademos 
de Historia de Espaiia LXVII-LXVIII (1982), S. 72-122; für das spätmiUelalterliche Kastilien siehe 
J.M. Nieto Soria, Fundamentos ideolOgicos dei poder real en Castil/a (siglos XIII-XVI), 
Madrid 1988. 
IS J. L. Martin, Origenes, Nr. 92, S. 272. 
16 Ebd., S. 273: ...statuimus ut si quis istorum trium Ordinumfrater in aliquem eorundemfratrem 
quoquemodo peccaverit, quod rationabiliter possit comprobari et quod absit, in capitulo conquerentis, 
ille qui iniuriam intulerit, se representet plenam, exhibiturus iu.
ticiam, et hoc non differat. 
17 Ebd., S. 273: Si vero istorum trium Ordinum alterum ab altero se cognoverit iniuriam pati aut 
aliquod inferri, manifestata utrorumque querimonia in presencia tercii Ordinis, et per advocatos suos 
recte declarata, quod tercius super hoc iudicaverit, ratum teneatur et fumum. 
1I Ebd., S., 272: Ad hec preterea dicimus quod si aliquis ecclesiastica secularisve persona alicui 
nostrorum vel aliquibus Ordinum, temerario ausu, aliquam molestiam inferre presump.
erit aut 
gravamen sive domus sive aliquod dampnum quod,peccatis suis exhigentibus,frequenter evenerit, omnes 
unanimiter vocem conquerentis flTmiter teneant et partem suam tamque propriam de iure suo confidentes 
fraude tuantur. 
19 Ebd., S. 273: ...decernimus quod si aliquis nostrorum pro negotiis suis Romanam curiam adire 
contigerit, testimonii sui literas ab aliis petat, et ipsi acepta /icentia magistrorumfratri suo tamf/Ue 
semetipsis per presentiam suam subvenire non deferant; nanl in curia Romana plures cause tractantur 
que per testimonii litteras non possunt diffiniri, ideoque statuimus ut frater fra tri per presentiam sui 
subveniat fratres horum trium Ordinum. Zur Beistandsregelung außerhalb des kurialen Bereichs 
s.a.a.O.: Ubicumque frater cuiuslibet horum trium Ordinum convocaverit fratrem aliorum duorum 
Ordinum per .rua negotia, non differat eum adiuvare acsi sui Ordinis esset quare institutione a magistris 
licentiam generaliter promissa est. 
211 Ebd., S. 273: Statuimus simul in exercitu habitare in prima ac
 et in ultimo et in bello simul esse 
nisifuerit per mandatum domino regis, que nos preterire non po.'iSumus, vel per licentiam aliorumfratrum 
11 Zu den Einkunflsarten siehe Lomax, W. Derek, LA Orden de Santiago, S. 129-157; vgl. 
J. F. Niermeyer, Meditl/! latinitatis /exicon minus, S. 335 sv directus, S. 336 sv directura: siehe auch 
P. Rodriguez Camponanes, Dissertacianes historicas, S. 24-25. 
ZI J. L. Martin, Orlgenes, Nr. 92, S. 273: Et si contigerit unide his 111 b..Ordinibus, ut abeq. suas 
directuras defendere vel alias aquirere, alii duo Ordines adiuvenl eum quasi semedipsos contra omnes 
homines, contra regem etiam, rogando et suplicando, per terras eliam. 
ZJ Zum Problem der gruppenspezifischen Grundwerle siehe als allgemeinen Einstieg: F. Graus, 
Mentalität im Mittelalter. Methodische und inhaltliche Probleme, (VuF XXXV), Sigmaringen 1987; 
R. Schneider, Mittelalterliche Mentalität als Forschungsproblem. Eine skizz
rende Zusammenfas- 
sung, ebd. S. 319-332. Zu den Ritterorden: Die Spiritualität der Ritterorden im Mittelalter, (Colloquia 
Torunensia Historica VII), Torun 1993. 
:M So der Eintrag im Calendario de Uc\es zum 22.1.1188, dem Todeslag Ferdinands 11: 
Fernandu.
 bonae memoriae, rex Legionensis, Fundator ordinL
 Militiae Beati Jacobi. Als offizielle 
Aussage des leonesischen Königs zum Problem des Ordensursprungs gelle J. Gonzalez, &gesta de 
Fernando 11, Nr. 52, S. 308: JJ8J-mayo-4, Salamanca...Eapropter ego rex donnus Fernandus,...quia 
cognoscimus quod ordo milic
 Sancti Jacobi...de regno nostro sum.
psit inicium...; weilere Belege bei 
J.L. Martin, Origenes, S. 60--61, Lomax, W. Derek, La Orden de Santiago, S. 5-6. 


97 


.......
>>>
2S Dazu vgl. B. Schwenk, Calatrava, S. 213. 
M Vorläufig siehe A. Palomeque Torres, ContribuciOn al estudio tkl ejercito en los estados de Ia 
Reconquista, Anuario de Historia deI Derecho Espaiiol XV (1944), S. 205-346. Zur Schlachtordnung 
bei Las Navas de Tolosa (1212) siehe Roderici Ximenii de Rada, Historia de rebus Hispaniae sive 
historia gotica, hrsg. von Juan Fernandez de Va]verde (Corpus Christianorum, C.M., LXXII, pars I), 
Turnholt 1987, \ib. VIII, cap. VII 11, S. 276: de dispositione ac
rum et ordinibus bellato- 
rum...dispositisque ac
hus, sicut iam dudumfuerat pertractatum inter principes Cartellanos..mediam 
aciem comes Gunsaluus Nunii cwn fratrihus Templi et Hispitalis et Ucle.
ii et Calatrauae. VLG. 
P. Rodriguez Campomanes, Dissertaciones historicas, S. 42, 44. 
rI M. Alonso, Diccionario Med
val Espaflol desde los Glosos Emilianensen y Silenses (s.X) 
hosta el siglo XV, Salamanca 1986, 11, S. 1238; vgl. Du Cange IV, S. 228-230 zu honor, S. 79-80 zu 
gloria; VIII, S. 303 zu utilitas. 
:11 Zum Thema der königlichen Statthalterschaft siehe L. G. de Valdeave\lano, Curso. indice de 
materias sv honor, S. 713-714, sv tenencia S. 750. 
19 J.F. Nienneyer, Mediae latinitatis lexicon minus, sv professio 1-4, S. 859; vgl. auch sv 
religio S. 906. 
]I) E. Ga]lego Blanco, The Rute ofthe Spanish Military Order ofSt.James (1170-1493), Latin 
and Spanish Texts, (Medieval Iberian Peninsula. Text and Studies IV), Leiden 1971; Lomax, 
W. Derek, La Orden de Santiago, Nr. I, S. 221-231: s.f.s.l.: TraducciOn costellana de Ia Regla de Ia 
Orden de Santiago aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. 
31 B. Waldstein-Wartenberg, Rechtsgeschichte des Malteserordens, München 1969, S. 18-19, 
35-41,96, 146. A. Wienand, u.a.(Hrsgg.), Der Johanniterorden. Der Malteserorden. Der ritterliche 
Orden des hl. Johannes vom Spital zu Jerusalem, Köln 21988; R. Hiestand, D
 Anfänge der 
Johanniter, in: D
 geistlichen Ritterortkn Europos, hrsg. von J. Fleckenstein, M. Hellmann, 
(VuF 26), Sigrnaringen 1980, S. 31-80; J. S. C. Riley-Smith, The Knights of St. John in Jerusalem and 
Cyprus, c. 1050-1310, London 1967. 
J'J H. de Curzon, La regle du Temple, Paris 1886; G. Schnürer, Die ursprüngliche Templerregel, 
(Studien und Darstellungen aus dem Gebiet der Geschichte II1, 1-2), Freiburg 1903; L. Dailliez, lA 
Regle des Templ
rs, Nizza 1977; J.M. Upton-Ward, A Translation of the Rule of the Knights 
Templars with Historical Commentary, Diss. phi\., Reading 1989. 
» Dazu grundlegend: J. Fleckenstein, D
 Rechtfertigung der Gei.rt/ichen Ritterorden nach der 
Schrift "De laude novae Militiae" Bernhards von Clairvaux, in: D
 Geistlichen Ritterorden Europos, 
VuF 26, Sigrnaringen 1980, S. 9-22. 
:M O. Engels, Reconquista und lAndesgerrschaft, S. 285. 
» J.L. Martin, Or/genes, Nr. 73, S. 250. 
]6 Einge gewisse ZufÜckha]tung bei der Bewertung der (teilweisen) Souveränität der Ritterorden 
scheint dennoch geboten, wenn man bedenkt, daß Ferdinand 11. und Alfons VIIl. ihre gemeinsamen 
Maurenkampfaktivitäten, speziell Separatfrieden, 1183 im Vertrag von Fresno-Lavandera in einern 
geheimen Zusatzartikel vorläufig der ÖlTentlichkeit vorenthielten, siehe J. Gonzalez, Alfonso VIII, 
11, Nr. 407, S. 707-708. 
n Eine militärische Selbständigkeit der Ritterorden in den Schlachten von Alarcos (1195) und 
Las Navas de Tolosa (1212) wird in der Chronistik des 12. und 13. Jahrhunderts nicht erwähnt. D
 
Cronica de Espaifa des Bischofs Lucos von Tuy, hrsg. von Julio Puyol, Madrid 1920, S. 402 hat für 
diese Zeit eine Lücke, die durch ein Insert aus dem Chronicon Mundi desselben Autors, in: Hispaniae 
IIIustratae, hrsg. von A. Schott, IV, Frankfurt1M. 1608, aber auch nicht geschlossen wird; in gleicher 
Weise unergiebig ist die Cronica latina de los Reyes de Costilla, hrsg. von Luis CharIo Brea, Cadiz 
1984, S. 24 zu Alarcos, S. 33 zu Las Navas. Ohne Beleg für 1195 auch Roderici Ximenii de Rada, 
Historia de rebus Hispanie, hrsg. von Juan Fernandez de Valvcrde (Corpus Chri.
tianorum, 
C.M., LXXII pars I), Tumholt 1987, VII, Cap. XXVIIlI, S. 251 betr. Alarcos; VIII, cap. 111, 
S. 261-262 erwähnt die Teilnahme der Calatraveser, Templer. Hospitaliter und des Santiagoorden.
 in 
der Schlacht von Las Navos de Tolosa. Zur Schlachtordnung siehe Anm. 26. 


98
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ORDINES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA VIII - 1995 
RmERORDEN UND REGION - POLITISCHE, SOllALE UND WIRTSCHAfTLICHE VERBINDUNGEN IM MmELALTER 


Henryk Samsonowicz (Warszawa) 


Der Deutsche Orden in seinem Verhältnis zur Gesellschaft Polens 
unter kultur- und verwaltungsgeschichtlichen Aspekten 


In der historiographischen Tradition wurden die Beziehungen zwischen 
Polen und dem Deutschen Orden vorwiegend als Illustration der These 
angesehen, die im Titel des Buches "Polen - Deutschland, zehn Jahrhunderte des 
Ringens" I formuliert wurde. Die Ansichten der polnischen und der deutschen 
Historiker wurden vor allem durch politische Ereignisse geprägt - Annexion 
Pommerellens, die im 14. und 15. Jahrhundert geführten Kriege, auf die man sich 
anläßlich der großen Konflikte des 18.-20. Jahrhunderts berief, die Teilungen 
des Landes, die Germanisierung, den Zweiten Weltkrieg 2 . 
Im Mittelalter bildeten die politischen Beziehungen zwischen dem sich 
vereinigenden polnischen Staate und Preußen den grundlegenden Faktor, der 
u.a. die Richtungen der Aktivitäten der Diplomatie Polens und des Deutschen 
Ordens bestimmte. Keine Zweifel weckte auch die Bedeutung der wirtschaft- 
lichen Kontakte, die durch die Einverleibung Preußens intensiviert wurden und 
die Formen der landwirtschaftlichen Produktion sowie die Richtungen des 
Handels in Polen mitbestimmten 3. Es taucht jedoch die Frage auf, ob die über 
300 Jahre bestehende Koexistenz von zwei politischen Organismen sich lediglich 
auf die Bereiche Politik, Krieg und Wirtschaft beschränkte. Die Frage ist umso 
berechtigter, als die Staaten Polens und der Deutschherren sich besonders im 13. 
und 14. Jahrhundert in wesentlichen Punkten voneinander unterschieden. 
Der Deutschordensstaat bildete ein besonderes Experiment 4. In die 
außerhalb der Sphäre der Kultur des Mittelmeerraumes liegenden Länder, die 
eine Zeit der Verwandlung der Stammesgemeinschaften in eine staatliche 
Organisation erlebten, wurden die neuesten europäischen Muster des Staates, 
der Stadt, der Wirtschaft hineingetragen. Das neue Gebilde - eine auf 
preußischem Boden mit Hilfe rheinischer, westfälischer und polnischer Siedler 


99
>>>
durch den fränkisch-thüringischen Orden aufgebaute Zwitterform - grenzte an 
eine Gemeinschaft, die gerade eine Etappe der Transfonnation durchstand: Der 
alte Patrimonialstaat übernahm mit verschiedenen Modifikationen die Lösun- 
gen, die früher im Westen angewandt worden waren. Sowohl Preußen als auch 
Polen veränderten sich im Laufe der drei Jahrhunderte. Der Ordensstaat geriet 
nach einer Zeit des Wachsens und Aufblühens im 15. Jahrhundert in eine Krise. 
Polen holte den Rückstand gegenüber den entwickelten Ländern auf und wurde 
in dem gleichen 15. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Akteure der 
europäischen Politik. Beachtenswert sind einige Folgen der Nachbarschaft der 
beiden Länder. 
Die erste betrifft die Beobachtung, daß schon das Entstehen der Deutschor- 
densherrschaft an der unteren Weichsel die polnischen Gebiete in den Bereich der 
großen europäischen Politik einbezogen hat. Die Randgebiete der polnischen 
Fürstentümer wurden zum Gegenstand des Interesses des Kaisers, des Papstes 
und zahlreicher Fürsten des Reiches. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts 
trat Preußen in das Bewußtsein der europäischen Höfe ein: erstens als Chance 
einer Oberherrschaft, auf die verschiedene politische Kräfte Anspruch erhoben, 
zweitens als Gebiet einer wirtschaftlichen Expansion, drittens als Zentrum der 
christlichen Mission, ein Gebiet der Realisierung der kirchlichen und ritterlichen 
ideellen Forderungen '. Die Politik führte zu internationalen Kontakten der 
polnischen Herzöge und zur Berücksichtigung Polens als eines Faktors, der an 
der europäischen Diplomatie in immer höherem Grade beteiligt war. Der zweite 
Faktor - die Wirtschaft - gestaltete die Produktion und den Handel zu beiden 
Seiten der politischen Grenze. Der dritte - die Ideologie - verursachte in Europa 
eine immer bessere Kenntnis der Ostseeländer, und in Polen die Entwicklung der 
theoretischen Reflexion, was die Entstehung der Krakauer Rechtsschule im 15. 
Jahrhundert beförderte 6. 
Bereits in der Anfangsphase der Kontakte zwischen Polen und dem 
Deutschen Orden weckte der Bau des neuen politischen Organismus das 
besondere Interesse der benachbarten Herrscher. Für die Fürsten, besonders 
diejenigen aus der Nachbarschaft des Ordens, schufen die Kontakte mit den 
Ankömmlingen die Möglichkeit einer Verwertung von administrativen, kanz- 
leibedingten Mustern oder von Beispielen des Hoflebens. Darauf scheint der 
Inhalt der Verträge zu verweisen, die Herzog Kasimier von Kujawien mit dem 
Deutschen Orden abschloß 7, Verträge, die vom hiesigen Rittertum, das sich in 
seinem Rang im eigenen Lande bedroht fühlte, widerwillig zur Kenntnis 
genommen wurden. Die Übernahme des von den Fremden hereingetragenen 
Lebensmodells - in einer fremden Sprache, mit abweichenden Gesetzen, Sitten, 
Kampfmethoden - veränderte die bisherige Hierarchie der Werte. Man sollte 
aber diese Erscheinungen nicht einseitig betrachten. Der Widerwille - auf beiden 
Seiten - bildete kein Hindernis für die gegenseitigen Handels- und politischen 
Kontakte. Die polnische Opposition suchte Hilfe beim Orden, ähnlich wie die 
masowischen Herzöge, die sich gegen die zentralistischen Bestrebungen des 


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polnischen Königs wehrten 8. Die Prod ukte aus Preußen waren für das polnische 
Rittertum attraktiv, litauische Rauchwaren dagegen, polnisches Getreide oder 
ungarisches Kupfer entschieden über die Attraktivität der Handelskontakte des 
Ordens im Osten und Süden. Die Einwohner der polnischen Gebiete lernten neue 
Lebensformen kennen, aber die Kontakte mit den Nachbarländern hatten auch 
Auswirkungen auf die Ordensbrüder. Ihre indirekten Verbindungen mit 
Böhmen, Meißen, mit dem orthodoxen Ruthenien und den moslem ischen 
Tataren vom Schwarzen Meer wie auch die direkten mit Masowien oder dem 
heidnischen Litauen schufen einen weiteren Denkhorizont als bei einem 
durchschnittlichen Ritter aus dem Westen. Die Variabilität der Weltanschauun- 
gen, die Notwendigkeit ihrer Berücksichtigung in den finanziellen oder politi- 
schen Kalkulationen zwangen den Ordensstaat zu einer elastischen Einstellung, 
was vorteilhafte Bedingungen für unternehmungslustige, aktive Individuen 
schuf, die kein Risiko scheuten, neue Formen der Aktivität aufzunehmen. 
Man konnte alsbald unterschiedliche Folgen beobachten. Die Gebiete des 
Deutschen Ordens unterschieden sich von den sie umgebenden Ländern. Eine 
große Zahl gemauerter Gebäude aus Ziegeln, gute, sichere Wege, Brücken, 
Anlegestellen, reiche Städte, schöne gotische, mit einer Krone getreppter Giebel 
verzierte Kirchen, massive Burgen - all diese Dinge entschieden über die Rolle, 
die der Orden im baltischen Europa spielte. Imposant war die Staatsor- 
ganisation, Achtung wecken mußte die Diplomatie des Ordens. Verhältnismäßig 
weit verbreitet war im 14./15. Jahrhundert die Fähigkeit des Schreibens und 
Lesens, besonders in deutscher Sprache. Aber eine offene Kultur charakterisierte 
die ganze Übergangszone zwischen den Zentren des damaligen Europa und der 
Peripherie, und die Verhaltensmuster wurden in beide Richtungen übertragen. 
Diese Erscheinung trat beim Austausch der Muster der Gesellschaftsordnung 
auf. Ihre Herrschaft errichtend, verfügten die Ordensritter über im Burzenland 
erworbene Erfahrungen, die Kenntnis der europäischen Sitten und strebten 
-was unbestreitbar zu sein scheint - bewußt die Verwandlung Preußens in ein für 
neue Siedler attraktives Gebiet an. Die Wahl der Normen, die die Tätigkeit der 
territorialen Selbstverwaltungen und die Pflichten der Siedler regeln sollten, 
verweist darauf, daß der Orden entgegen den bisher vertretenen Meinungen von 
seiner Tendenz her um die Einführung einer zentralistischen Herrschaft bemüht 
war, damit den Ankömmlingen möglichst attraktive Lebensbedingungen ab- 
zusichern. Das deutsche Recht in der Magdeburger Fassung wurde durch einige 
Normen flämischen Rechts modifiziert 9. Unabhängig von der sich auf das 
Prinzip "wir sind euer Recht" 10 stützenden Praxis, die beinahe jede beliebige 
Ingerenz der Ordensbehörden zufließ, schufen die Prinzipien des Privilegs von 
Kulm positive Anregungen für die Ankömmlinge: Der Schöppenstuhl 
- ursprünglich ein Organ der Grundbesitzer - war dem Rat, einer Vertretung der 
Bewohner, untergeordnet, und der iudex civitati.
 sollte von den Bürgern (civibus) 
gewählt werden; das Veräußerungsrecht der Güter für die Frauen im 


101
>>>
Vermögensrecht war vorteilhaft für die Gebiete, wo mit jedem Mitglied der 
entstehenden Gemeinschaft gerechnet wurde 11. Den Privilegien von Kulm 
zufolge sollte der Militärdienst auf den Schutz des eigenen Territoriums 
eingeschränkt werden, die staatliche Gesetzgebung sollte die Rechte der 
territorialen Selbstverwaltung nicht beeinflussen. Das Gesetz sicherte die 
Befreiung von Sondersteuern, schränkte die Zehnten ein, befreite von der Pflicht 
des Verspanns und vom Zoll und vereinheitlichte Maße und Münzen, wodurch 
der Bereich der Warenwirtschaft geregelt wurde. Noch 1409 führte - allerdings in 
der Situation kriegsbedingter Spannungen - das vom Hochmeister für das 
Rittertum des Gebietes von Kulm erteilte Privileg 12 das Prinzip habeas corpus 
ein - 16 Jahre vor dem ersten, der polnischen Schlachta (sz/achta) gegebenen 
Versprechen des neminem captivabimus; das Rittertum wurde der Rechtspre- 
chung des Ordens entzogen, ihm wurde gerichtliche Selbständigkeit verliehen. 
Dies erlaubte auch, was für die Vertreter der polnischen Eliten besonders wichtig 
war, die Anwendung des Widerstands rechts und schränkte den Bau staatlicher 
Befestigungen ein. Das Privileg entsprach also zahlreichen politischen Forderun- 
gen, die in polnischen Gebieten im Laufe von 200 Jahren mit Hilfe verschiedener 
Privilegien erzielt worden waren, angefangen mit dem Privileg von Kaschau bis 
hin zu den Heinrichschen Artikeln. Dieser Rechtsstatus muß für das benachbarte 
Rittertum besonders anziehend gewesen sein, zumal für das stärkste, das 
polnische, und das zumindest aus zwei Gründen. Der erste stand in Verbindung 
mit dem Modell der Gesellschaftsordnung, das zur Herausbildung der Standes- 
repräsentation im preußischen Staat führte 13. Die preußischen Stände garantier- 
ten die Bedingungen des Friedens von Brest 14; dies war in einer Zeit, als auch auf 
der polnischen Seite noch die Tendenz vorherrschte, politische Unterstützung 
nicht nur seitens des Adels, sondern auch seitens der Städte zu erhalten. Es ist 
also kein Zufall, daß die Vertreter der politischen Eliten, die Ritter und 
Geistlichen aus Masowien, Kujawien, Podlachien, an der Rezeption des im 
Deutschordensstaat angewandten Rechtes interessiert waren 15. Die zweite 
Ursache der Attraktivität des Musters von Kulm stand in Verbindung mit dem 
wirtschaftlichen Stand der Gebiete Nordpolens. Die Zerstörungen von Kuja- 
wien, des östlichen Teils von Großpolen, des Gebietes von Lebus und besonders 
von Masowien verursachten die Notwendigkeit zum Wiederaufbau der Städte 
und Dörfer, zur Absicherung möglichst günstiger Bedingungen für die alten 
Bewohner. Aus den gleichen Gründen wie Preußen wurde auch Masowien zum 
Gebiet der Rezeption Kulmer Rechtes. Man muß jedoch feststellen, daß die in 
Plock oder Czersk angewandten Muster modifiziert und den Bedürfnissen, der 
regionalen Tradition und - wahrscheinlich - den lokalen Möglichkeiten 
angepaßt wurden. Die erste Lokation von Plock aus dem Jahre 1237, vielleicht 
von Lübecker Kaufleuten angeregt, führte die Gemeinschaft der Stadtbürger 
als juristische Selbstverwaltungsgruppe ein, verlieh aber ihren Mitgliedern 
individuelle Ritterrechte 16. Die Gesetzessammlung des Kulmer Rechtes, die im 


102
>>>
..1 


15. Jahrhundert in Masowien entstand 17, ist zumindest von vier Quellen 
inspiriert. Neben den dem Kulmer Privileg entnommenen Prinzipien, Z.B. dem 
Vorrang des Rates vor dem Schöppenstuhl, werden dort ungewöhnlich strenge 
Vorschriften des Strafrechtes formuliert, die anstelle von Geldstrafen die 
T odesstrafe, Verstümmelungen u. a. Torturen einführen. Zu beobachten ist auch 
der Einfluß der polnischen Statuten von Kasimier dem Großen und schließlich 
des Kirchenrechts samt der Verweisung an geistliche Gerichte für einige 
Straftaten. Nichtsdestoweniger entstand jene Kompilation auf der Basis des 
Kulmer Rechtes, das die Chance gab, die Normen den lokalen Bedürfnissen 
anzupassen: den kleinen, halb landwirtschaftlich orientierten Stadtgemeinden 
und der in den masowischen Urwäldern geführten Bienenwirtschaft. Sie schuf 
auch einen weiten Raum gemeinsamer Maße und Münzeinheiten. Bis nach 
Lublin, Warschau, Posen war im 14.-15. Jahrhundert Verrechnungsmünze die 
preußische Mark, die in Preußen als Rechnungseinheiten diente und mit den 
Kaufleuten vom Unterlauf der Weichsel die polnischen Märkte beherrschte. Das 
Bodenmaß -die Ackerhufe - war eine Größe, die sich auf die Kulmer Maßeinheit 
stützte und zumindest in einem Drittel der Dörfer Nordmasowiens angewandt 
wurde, besonders in denen, die nach den Zerstörungen des 13. Jahrhunderts neu 
organisiert worden waren 18. 
In den Städten war die Rezeption des Kulmer Rechtes noch sichtbarer. Über 
80 Zentren in Masowien, Kujawien, Podlachien, Litauen, vereinzelt auch in 
Schlesien wurden im 14. und 15. Jahrhundert nach Kulmer Recht angelegt 19. Die 
Städte, vornehmlich die reichen wie Plock, Warschau, wandten sich um 
Rechtsauskunft an Thorn oder Kulm 20. In Anspruch genommen wurden dabei 
nicht nur juristische Muster, sondern auch Verstädterungslösungen. Die Stadt- 
planung Warschau stützte sich auf Erfahrungen von Deutsch Eylau, Rosenberg 
und Riesenburg. Kreditabrechnungen wurden in der Währung durchgeführt, die 
auch im Deutschordensstaat benutzt wurde. Dies hing wohl mit dem System der 
Geschäfte zusammen, die auch vom Orden Lombardbestände für künftige 
Lieferungen zuließen. Dieses System hatte aber noch eine andere Bedeutung. Die 
Münzen aus Preußen waren konvertibel gegen rheinische, englische und 
ungarische Münzen, was die Umrechnung der Werte der im Fernhandel 
durchgeführten Transaktionen erleichterte 21 . Das war umso wesentlicher, je 
enger Masowien oder Kujawien in den großen europäischen Austausch mitein- 
gezogen wurde, der im 14. Jahrhundert von dem Deutschordensstaat und im 
nächsten Jahrhundert von Polen geführt wurde. Erwähnenswert ist, daß die 
Kreditumsätze des Ordens mit den polnischen Gebieten Anfang des 15. 
Jahrhunderts etwa ein Viertel vom Wert der Aktiva des Ordens ausmachten, 
ähnlich wie hundert Jahre später die Aktiva von Danzig 22 . 
Damit hängt ein wesentliches Phänomen zusammen: Preußen war einer der 
wenigen mittelalterlichen Staaten, dessen Behörden eigenen Handel trieben. 
Natürlich gab es enge Berührungen zwischen der Tätigkeit der Ordensritter und 


103 


11......
>>>
der Bürger, aber man kann diese beiden Kreise kaum miteinander gleichsetzen. 
War das Kulmer Recht eine Richtlinie für die Ordensherren oder für die 
Bevölkerung, die den Ordensstaat bewohnte? Es scheint, als ob man bis zur Mitte 
des 15. Jahrhunderts die Einflüsse der staatlichen Organisation wie auch der 
Bewohner Preußens auf die Nachbarländer als ähnlich ansehen kann. Die 
vergleichbaren, mit dem Bedürfnis nach Besiedlung des Landes in Preußen und 
in Masowien zusammenhängenden Bedingungen erleichterten die Übernahme 
identischer Rechtsnormen und Muster. Das sieht man auch am Beispiel der 
Organisation der städtischen Gemeinschaft. In Nordpolen gehörten die Gewerke 
und Berufsverbände im frühen Mittelalter nicht zu den grundlegenden gesell- 
schaftlichen Normen. Das in Gewerken organisierte Handwerk dagegen war 
schon in den preußischen Städten, in Thorn, in Elbing, tätig. Die von dort 
ausgehenden Muster wurden in Plock, Warschau und Rawa übernommen, 
wobei die masowischen Gewerke - wie die der Ackersleute in Sochaczew oder 
verschiedener Handwerke in Puhusk - sich sowohl zahlenmäßig als auch in der 
Reichweite ihrer Tätigkeit von der Organisation in den preußischen Städten 
unterschieden 23. 
Die Einflüsse der Gesellschaftsordnung betrafen nicht nur die nach deut- 
schem Recht angelegten Städte und Dörfer, sondern auch die Organisation des 
Staates. In Masowien erwies sich als brauchbar das Deutschordensmodell der 
Organisation des Wehrdienstes, der von dem niederen Rittertum ausgeübt 
wurde. Das Verleihen von Grund und Boden als Gegenleistung für die Pflicht des 
Militärdienstes war eine bequeme Form der Landesverteidigung 24. Die Or- 
ganisation der Komturei im Ordensstaat samt der Bezeichnung dieser Einheit 
war den in den Mittelmeerländern angewandten Mustern entlehnt. Es ist nicht 
ausgeschlossen, daß einige Elemente dieser Organisation beim Aufbau der 
polnischen Kastellaneien verwertet wurden 25. 
Man muß jedoch feststellen, daß die Übernahme von Formen der Gesell- 
schaftsordnung sich nur von Norden nach Süden vollzog. Auch der Orden nahm 
polnische Vorbilder an. Das war zweifellos ein Ergebnis der beachtlichen, mit der 
Zeit immer stärkeren Migration polnischer Ritter und Bauern nach Preußen 26. 
Man kann annehmen, daß dies auch die Siedlung betraf, die besonders in den 
südöstlichen Gebieten Preußens (Masuren) vor sich ging und auch die Flucht in 
die Gebiete des Ordensstaates umfaßte. Schon der Vertrag von Christburg 
sicherte der preußischen Bevölkerung die Möglichkeit, das polnische Recht in 
Anspruch zu nehmen 21. Das sog. Elbinger Rechtsbuch 28 liefert den Beweis, daß 
Ende des 13. Jahrhunderts die Siedlungsprozesse mit slawischer Bevölkerung 
fortgeschritten waren. Im 14. Jahrhundert enthält der Vertrag von Kalisch 29. 
Bestimmungen für eine Amnestie gegenüber Flüchtlingen aus Polen auf die Seite 
des Ordens. Der Anstieg der Migration nach Norden ermöglichte es dem Orden 
sozusagen als Gegenleistung, Bauerndörfer nach polnischem Recht und Siedlun- 
gen nach Ritterrecht anzulegen. Kein Wunder, daß es unter diesen Bedingungen 


104
>>>
J 


..... 


gesellschaftliche Gruppen gab, die an gegenseitigen Kontakten interessiert 
waren, gefestigt durch familiäre Bindungen zwischen dem Adel, den Bürgern und 
den Bauern](l. 
Ein weiterer Bereich der gegenseitigen Einwir'.ung von Preußen und Polen 
war die Kunst - Malerei, Bildhauerei, Architektur. Herkunft und Bestandteile 
lassen sich nicht immer eindeutig bestimmen. Im Deutschordensstaat waren 
diese Filiationen bestimmt nicht eindeutig 31. Die Wurzeln reichen in ver- 
schiedene deutsche Gebiete, und über die von den Rittern aus ganz Europa 
mitgebrachten Vorbilder auch in weitere Länder. Die preußische Malerschule, 
die monumentale Wandgemälde schuf, blieb unter dem Einfluß der Böhmischen 
Kunst, die an italienische Vorbilder anknüpfte. In den Städten dominierten 
zweifellos Vorbilder, die von der Hanse übertragen wurden und die zwischen 
dem Finnischen Meerbusen und den Niederlanden ein Gebiet gemeinsamer 
Symbolsprache schufen 32. Die von dem Orden errichteten Bauwerke enthielten 
ebenfalls ein Symbolsprache, die von der Ritterelite Europas benutzt wurde 33. 
Wenn man daher von der Kunst des preußischen Staates spricht, dann nur als 
von einer Erscheinung, die verschiedene Regionen Europas repräsentiert. Daher 
war auch die Distanz zwischen dem reichen Land, das ein Schaufenster der 
Errungenschaften Westeuropas darstellte, und seiner armen Peripherie gewal- 
tig 34. Die Möglichkeiten einer Anwendung der Architekturformen, das Kopie- 
rens der Qualität der Maler- oder Bildhauerwerke waren in Nordpolen gering. 
Die Marienburg wurde Ende des 14. Jahrhunderts zu einer der repräsentativsten 
Burgen Europas; die masowischen Burgen - Zichenau, Czersk, Sochaczew, 
Warschau - waren bescheidene Repliken kleinerer Zentren wie Neidenburg, 
Schönsee, vielleicht Mewe. Die herrlichen Kirchenbauten von Thorn, Kulm und 
Danzig waren unerreichbare Vorbilder, die jedoch feste Spuren in dcr Land- 
schaft Masowiens hinterließsen. Hängt die überraschende Beständigkeit der 
"masowischen Gotik", die im Bauwesen bis in die Anfänge des 17. Jahrhunderts 
vorherrschte, nicht in einem gewissen Grade mit dem Eindruck zusammen, den 
die Bauwerde der größeren und kleineren Städte Preußens auf die Ankömmlinge 
aus Masowien, Kujawien und Groß polen machten? 
Das arme Masowien konnte sich nicht immer die Durchführung einer 
Gren:zmessung und eine gemauerte Bebauung seiner Siedlungen leisten. Aber 
nach dem Muster anderer polnischer Städte, in Anlehnung an die Erfahrungen 
kleiner preußischer Zentren, wurde die Ansteckung der Stadtpläne durchgeführt 
- in Übereinstimmung mit der idealen Realisierung der Voraussetzungen des 
spätmittellaterlichen Städtebaus 3'. Bei aller Anerkennung der gleichen ideo- 
logischen und künstlerischen Voraussetzungen, unter Verwertung der gleichen 
Muster- Paläste, Schlösser, Kirchen - befaßten sich mit ihrer Verwirklichung die 
lokalen Baumeister in Übereinstimmung mit ihren Fertigkeiten und finaziellen 
Möglichkeiten 36. Dabei waren die Repliken mitunter ziemlich weit entfernt von 
den Vorbildern. Die in Prag am Hof Wenzels IV. angestellten Breslauer 


105
>>>
Miniaturisten übertrugen über ihre Heimatstadt die Muster und Formen der 
Kunst nach Preußen. Die Breslauer Stadtbürger unterhielten direkte Verbindun- 
gen mit Danzig, ähnlich wie Bewohner des Rheinlandes, des Maaslandes oder 
der Niederlande. Von dort oder auf Anregung der Städte und Höfe hin kamen 
die künstlerischen Ideen, die dann in die Gebiete Nordpolens intlehnt wurden. 
Die Löwenmadonna und die Schreinmadonna, Hirtenstäbe als Symbole der 
Bischofsmacht oder die Warschauer Siren, die aus dem Westen wohl über Kulm 
nach Masowien gelangten, die Fibeln aus Preußen - all das sind Beispiele der 
Einbeziehung einiger polnischer Gebiete in den Kreis der europäischen Kunst 
über die Vermittlung des Deutschordensstaates 37. 
Und wieder kann man nicht von einer einseitigen Strömung der künstleri- 
schen und intellektuellen Ideen sprechen. Die künstlerischen Muster gelangten 
aus Böhmen, Schlesien und Franken nach Norden auch über die polnischen 
Lande. Wichtiger waren in diesem Fall die literarischen und wissenschaftlichen 
Kontakte. Unabhängig davon, ob der Ordenschronist Nikolaus von Jeroschin 
aus dem polnischen J arocin (J arotschin) stammte 38, weckt der Austausch von 
Informationen zwischen der polnischen und der Ordenshistoriographie keinen 
Zweifel. Die Analyse der Quellen der Danziger Geschichtsschreibung des 16. 
Jahrhunderts bezeugt ihre Abstammung von den Ordenschroniken, den Elbin- 
ger Chroniken und dem Werk von Mathias von Miechow. Jan Dlugosz 
berücksichtigte in seinen Annalen die preußische Geschichtsschreibung u.a. von 
Wigand von Marburg; Kaspar Schütz verwertete polnische Quellen; die Chronik 
von Oliva war das Ergebnis des an der Weichsel angesammelten Wissens, das die 
politischen Grenzen weit überschritt 39. Die intellektuelle Elite Polens und 
Preußens wurde an den gleichen Universitäten ausgebildet: in Bologna, Prag und 
Krakau 40, wohin sich im 15. Jahrhundert die Einwohner Preußens begaben. Das 
ändert nichts an der Tatsache des gegenseitigen Austauschs, denn die polnische 
Schlachta fuhr auch zur Lehre nach Thorn. Man kann annehmen, daß dies 
Bedingungen schuf zum Kennenlernen nicht nur der Grundlagen der Wissen- 
schaft, sondern auch zum Aneignen der gemeinsamen, in Wirtschaft, Politik und 
Recht gebrauchten Begriffe. In diesen Kontakten spielte eine besondere Rolle die 
Kirche 41 , deren Tätigkeit die Beziehungen zwischen Polen und dem Deutschen 
Orden auf den internationalen Schauplatz brachte. Das stand in Verbindung mit 
dem Charakter der Weltkirche und mit den Kontakten der Geistlichkeit, die 
sich auf Synoden traf (z.B. in Breslau im Jahre 1248)42, wie auch mit der 
praktischen wirtschaftlichen Tätigkeit bei der Organisation der Bischof- 
und Klostergüter. In den politischen Auseinandersetzungen schufen und 
entwickelten die geistlichen Theorien des Gerechten Krieges oder des Rechts 
auf die Bekehrung von Heiden 43. Andererseits kreierte die Kirche gemein- 
same Verhaltensmuster. Dies war der Fall im ganzen lateinischen Europa, aber 
eine charakteristische Eigenschaft in seinen Randgebieten waren die Formen 
eines ziemlich primitiven, pragmatischen Christentums". Sie verbanden die 


106
>>>
Gebiete von Preußen, Masowien und Podlachien durch eine Art verwandter 
Religiosität miteinander. 
Angefangen mit dem Jahr 1310 spielten sich die politischen Prozesse auf dem 
Hintergrund einer zunehmenden Spannung zwisc
en Polen und dem Orden ab 4'. 
Es scheint, als ob wichtiger als die Kriegskonflikte - die Plünderung, Überfälle, 
Zerstörungen und territorialen Annexionen - die Folgen für das kollektive 
Bewußtsein waren, besonders für schwächere, d.i. die polnische Seite. Man kann 
annehmen, daß die Demütigungen und das erlittene, mit dem Gefühl der 
Schwäche verbundene Unrecht sowie die Befürchtungen der polnischen politi- 
schen Elite, vom Verlust ihres gesellschaftlichen Ranges bedroht, im 13. und 
besonders in der Mitte des 14. Jahrhunderts Bedingungen der Ausgestaltung 
eines Nationalgefühls in Polen schufen. Damit verbunden war der Widerwille 
gegen Fremde, besonders gegen die Ordensherren, sichtbar u.a. in der Volks- 
tradition und in den erhaltenen Liedfragmenten jener Zeit 46. Diese Einstellung 
veränderte sich nach dem Vertrag von Kalisch, besonders jedoch nach Tannen- 
berg sowie nach dem 2. Frieden von Thorn - ihre Rückkehr hängt schon mit der 
Neuzeit zusammen. Das nationale Bewußtsein der Polen sollte jedoch, gefestigt 
durch die immer größere Bedeutung des vereinigten Königreichs und die 
zunehmende Ausbildung der Eliten, als ziemlich feste Errungenschaft des 
Spätmittelalters bestehen bleiben, die polnische Gesellschaft in den künftigen 
Jahrhunderten zementierend. 
Die Überlegungen zusammenfassend kann man feststellen, daß die Koexi- 
stenz des Ordens staates und Polens mit unterschiedlichen Aspekten verbunden 
war. Mit Sicherheit war Preußen jenes Tor, über die im Westen geschaffenen 
Verhaltensmuster, Werte und Fertigkeiten in das Gebiet Ostmitteleuropa 
gelangten. Polen wiederum war ein Gebiet, dessen Erfahrungen der Orden bei 
der Organisation seiner Güter in Anspruch nahm. Die Nachbarschaft der 
beiden Länder zog besonders wichtige Folgen nach sich: die Entwicklung des 
nationalen Bewußtseins in Polen und die Ausbildung einer ständischen Gesel- 
lschaft in Preußen in einem in der baltischen Zone unbekannten Maß. Sie führte 
auch zu Ergebnissen im Bereich der Demographie und Kultur, die bis in die Zeit 
des Zweiten Weltkriegs andauerten. 


Anmerkungen 


I Z. Wojciechowski, Polsko--N
mcy, dz
sifc wiekow zmagania, Poznan 1945. Vgl. auch 
M. Biskup, Rola zakonu krzyiackiego w wiekach XIII-XVI, in: Stosunki polsko-niemieck
 
w historiografii I, Poznati 1974, S. 327; J. M. Piskorski, ..Krzyzackiego gada nie uglaszcze nikt", czyli 
Adam Mickiewicz 0 zakonie krzyiackim i N
mcach, in: Balticum, hrsg. von Z. H. Nowak, Toruti 
1992, S. 255. 
Z H. Booclunann, Der Deutsche Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte, München 1989, 
S. 234; H. Sarnsonowicz, Krzyiacy, Warszawa 1988, S. 3. 


107
>>>
] M. Maiowist, JVsch6d a ZachOd Europy, Warszawa 1973, S. 98; M. Biskup, Zjednoczen
 
Pomorza Jt:vchodniego z Polsleq w polow
 XV w., Warszawa 1959, S. 48. 
f VgI. Boockmann (wie Anm. 2), S. 66; M. Biskup, G. Labuda, Dzieje zakonu krzyiackiego 
w Prusach, Gdansk 1989; M. Turnier, U. Arnold, Der Deutsche Orden. Von .veinem Ursprung bis zur 
Gegenwart, Bad Münstereifel '1992; K. G6rski, Panstwo krzy1.ackie w Prusach, Gdafask 1946; 
E. Maschke, Der Ordensstaat Preußen in seinen deutschen und europäischen Beziehungen, Ostdeut- 
sche Wissenschafl 8, 1960, S. 187; R. Wenskus, Das Ordens/and Preußen als Territorialstaat des 14. 
Jahrhunderts, in: Der deutsche Territorialstaat im 14. Jahrhundert 1, Sigmaringen 1970; L. Dralle, 
Der Staat des Deutschen Ordens in Preußen nach di!m 2. Thorner Frieden. Unter.vuchungen zur 
ökonomischen und stände politischen Ge.vchichte Altpreußens zwiscMn 1466 und 1497, Wiesbaden 1975. 
, VgI. Biskup, Labuda (wie Anm. 4), S. 126, 153; M. Dygo, Studia nad poczqtkami wladztwa 
zakonu n
mieck
go w Prusach (1226-1254), Warszawa 1992, S. 8, 331; Maschke (wie Anm. 4), 
S. 188. 
6 L. Ehrlich, Pawel Wlod/cowic i Stanislaw ze Skalbm
rza, Krak6w 1954; ders., Polski wyklad 
prQWa wojny w XV w., Krak6w 1955. 
1 Pommerellisches Urkundenbuch, hrsg. von M. Perlbach, Danzig 1881-1916, ND Aalen 
1969, Nr. 260. 
1 H. Samsonowicz, Piastowsk
 Mazowsze a Kr61estwo Pol.vkie w XIIl-XV w., in: Piastowie 
w dziejach Pol ski, hrsg. von R. Heck, Wrociaw 1975, S. 121. 
9 K. Karninska, Prawo cMlmiri.vkie w Toruniu (1233-1793), in: Ksirga pamiqtkowa 750-lecia 
prQWa chelmiri.vkiego, hrsg. von Z. Zdr6jkowski, Bd. 2, Torun 1988, S. 25; B. Zientara, irOdla 
i geneza ..prawa n
mieck
go" (iu.v Teuthonicum) na tle ruchu osadniczego w Europie Zachodniej 
i $rodkowej w XI-XIl w., PrzeglQd Historyczny (weiterhin zit.: PH) 69,1978, H. 1, S. 74. 
10 A. Czacharowski, Prawo chelmiriskie w iyciu stan6w pafistwa krzyiackiego w Prusach, ze 
szczegolnym uwzglrdnien
m z
mi che/miriskiej, in: Ksirga pamiqtkowa (wie Anm. 9), hrsg. von 
Z. Zdr6jkowski, Bd. I, Torun 1990, S. 175. 
11 J. Lucinski, Przywi/ej cMlmifiski z 1233 r.,jego tres
 oraz dziejejego postanowien, in: Ksirg a 
pamiqtkowa(wie Anm. 10), S. 9O;vgl. G. Kisch, Die Kulmer Handfeste, Stultgart 1931, S.I2, 53, 60. 
11 A. Czacharowski (wie Anm. 10), S. 164; K. G6rski, 0 przywi/eju krzyiackim dia rycerstwa 
dobrzynskiego z 1409 r., in: Europa, Slowianszczyzna, PoLvka, Poman 1970, S. 427; M. Biskup, 
Materialy do dziej6w krzyzackiej okupacji w ziemi dobrzyfisk
j na przelomie XIV i XV W., Zapiski 
Historyczne (weiterhin zit.: ZH) 25, 1960, H. 2. 
13 K. G6rski, Poczqtki reprezentacji rycer.vtwa w stanach pafistwa krzyiackiego w Prusach w XV 
w., ZH, 331968, H. 3, S. 134; H. Boockmann, Bemerkungen zur frühen Geschichte der ständischen 
Vertretungen in Preußen und seinen Nachbarländern, hrsg. von dems., München 1992, S. 44; 
Z. H. Nowak, Korreferat: Bemerkungen zur friiMn Geschichte der Stände in Preußen, in: ebd., S. 52. 
'f Biskup, Labuda (wie Anm. 4), S. 377. 
I' J. Bieniak, Recepcja prawa chelminskiego na Kujawach i w z
mi dobrzynsk
j w sredniow
czu, 
in: Ksirga pamiqtkowa (wie Anm. 10), S. 202; M. Golembiowski, Lokacje miast na praw
 
chelminskim, in: ebd., S. 229; A. Borkiewiez-Celinska, Ze studi6w nad rozwojem prawa chelminskiego 
w sredniowieczu we wsiach Mazowsza piJlnocno-zachodniego (ziernie: piocka, zakrzenska, wyszo- 
grodzka, ciechanowska), in: Ksirga pamiqtkowa (wie Anm. 9), S. 91. 
16 A. Rutkowska-Plachcinska, Gmina m
jska w poczqtkach XIlI w. w Polsce, in: Wieki srednie, 
Warszawa 1962, S. 143; H. Sarnsonowicz, Luheczanie a ziemie Pol.vki w XIlI w., Acta Universitatis 
Nicolai Copernici, Historia XXIV, Nauki Hum.-Spoi. 204, Torun 1990, S. 149. 
J7 S. Estreicher, 0 I.rodlach najdawniejszego prawa chelminskiego (Nieznany zw6d mazowiecki 
btdqcy kompilacjq naj.uarszych ortyli chelminskich z XIIl i XI w.) in: Ksirga pamiqtkowa 
(wie Anm. 10), S. 146. 
.1 W. Odyniec, CMlminski system miar i chelmifiska .vtopa mennicza w rozwoju historycznym, 
in: Ksirga pamiqtkowa (wie Anm. 10), S. 401; Borkiewicz-Celinska (wie Anm. 15), S. 88. 
19 Goiembiowski (wie Anm. 15), S. 240-314; Borkiewiez-Celinska (wie Anm. 15), S. 81. 


108 


.......
>>>
:ID Borkiewicz-CeJiilska (wie Anm. 15), S. 91, Anm. 24; H. Samsonowicz, ß"arszawa w handlu 
sredltiow
cznym, Warszawa äl'edniowieczna 2, Warszawa 1975, S. 12. 
11 S. Kubiak, Udzial monet zagranicznych w oh
gu pienifznym w Krolestwie Polskim w XV w., 
in: NummU.f et historia, Warszawa 1985, S. 280; H. Samsonowicz, Badania nad kapitalem 
m
szczariskim Gdariska w 11 polo wie XV w., Warszawa 1960, S. 19; M. Dygo, D
 Münzpolitik des 
Deutschen Ordens in Preußen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert, Fasciculi Historici 14, 
Warszawa 1987, S. 40. 
11 H. Samsonowicz, Gospodarcza ekspansja zakonu krzyzackiego nad Baltyk
m w XW w. i na 
pocz. XV w., in: Ekspansja n
mieckich zakonow rycerskich, hrsg. von M. Biskup, Torun 1990; ders., 
Dynamiczny oSrodek handlowy, in: Historia Gdariska, hrsg. von E. CieSJak, Bd. 2, Gdansk 
1982, S. 104. 
11 Ders., Cechy rzem
slnicze w .fredniow
cznej Polsce, PH 75, 1984, H. 3, S. 559. 
:M S. Russocki, Nadania ziemi ad "servitia communia" a obowiqzek sluzby wojskowej na 
Mazowszu, in: Miscellanea luridica, Warszawa 1961, S. 111. 
15 Biskup, Labuda (wie Anm. 4), S. 171. 
» Biskup (wie Anm. 3), S. 108. 
'EI R. Wenskus. Ober die Bedeutung des Chrisburger Vertrage.ffür d
 Rechts- und Verfas.fungs- 
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109
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165, 187; A. Witkowska, Kosci61 na Mazowszu p10ckim w XIII i poczlI.tkach XIV w.. Studia plockie 
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f3 Wojtkowski (wie Anm. 41), S. 90. 
f6 Anders G. Labuda, Polska gronica zachodnia, Poznan 1971, S. 86, richtiger doch S. 88; vgl. 
auch H. Samsonowicz, "Historia opowiadana" w polskim Sredniow
czu, PH (im Druck). 



 


.........
>>>
ORDlNES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HlSTORICA VIII - 1995 
RmERORDEN UND REGION - POLITISCHE, SOllALE UND WIRTSCHAFrLICHE VERBINDUNGEN IM MmELALTER 


Roman Czaja (f oruti) 


Der Handel des Deutschen Ordens und der preußischen Städte 
- Wirtschaft zwischen Zusammenarbeit und Rivalität 


Blickt I man auf die reichhaltige Fachliteratur über die Wirtschaft des 
Deutschen Ordens in Preußen und der preußischen Großstädte, so stellt man 
fest, daß es eine Bearbeitung des Problems der wirtschaftlichen Beziehungen 
zwischen dem Deutschen Orden und den Städten nicht gibt 2. Daher möchte ich 
Überlegungen über die Einwirkung des Handels des Deutschen Ordens auf die 
städtische Wirtschaft anstellen. Ich will besonders die These in Frage stellen, die 
sich aus den zwei folgenden Zitaten ergibt: "der herre hoemeister were eyn 
kouffmann wurden; das die herren vor dem kriege kouffmannschatcz trieben, 
dorumme hup sich der krieg und sie wurden dorumme vertrieben" 3, "unde darto 
weren se kopl ude, wente se hadden er eghene schepe unde senden er eghene gud in 
Vlanderen, in Hollant und in Englant, unde darane weren se to vorvanghe den 
steden unde deme kopmanne..." 4. Die Meinung, daß die kaufmännische 
Tätigkeit als ein Teil der Wirtschaftspolitik des Deutschen Ordens eine der 
wichtigsten Ursachen für den Zusammenbruch des Ordensstaates war, welche in 
der Mitte des 15. Jahrhunderts von preußischen und hansischen Bürgern zum 
Ausdruck gebracht wurde, gilt auch in der Fachliteratur unseres Jahruhunderts 
als allgemein anerkannte Tatsache s. Erst in letzer Zeit hat Jürgen Sarnowsky in 
seiner Arbeit über die Wirtschaftsführung des Deutschen Ordens die Meinung 
vertreten, daß die Städte den Handel der Großschäffer nicht als Konkurrenz 
empfunden haben 6. 
Der Handel des Deutschcn Ordens in Preußen war keineswegs einheitlich. 
Wir können hier zwei Elemente unterscheiden: die Handelsorganisation 
der Großschäffereien von Königsberg und Marienburg und die Handelstätigkeit 
der anderen Amtsträger - hauptsächlich Komture, Hauskomture und Fisch- 
meister. Der Eigenhandel geistlicher Korporationen und einzelner Ordenskon- 


111
>>>
vente war im Spätmittelalter keine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur zahlreiche 
klösterliche Grundherren warfen die Überschüsse der eigenen Güter auf den 
Markt, auch die geistlichen Ritterorden haben sich in gleicher Weise am Handel 
beteiligt 7. Ebenso waren die Konventshäuser des Deutschen Ordens in Sizilien, 
Deutschland und Preußen sehr früh im Handel mit eigenen Gütern tätig. Es war 
eine allgemeine Erscheinung in Preußen wie auch in Deutschland, daß die 
Handelstätigkeit durch Eigenproduktion und die Notwendigkeit zur Beschaf- 
fung von Bedarfsartikeln angeregt wurde. Die städtischen Niederlassungen des 
Deutschen Ordens im Reich waren vor allem auf die lokalen Märkte orientiert 
und haben meistens keinen weitgespannten Handel getrieben 8. 
Bei günstigen Bedingungen ging der Handel des Deutschen Ordens im Reich 
auch über den Absatz der eigenen Überschüsse hinaus, und die Gewinne aus dem 
Zwischenhandel spielten eine immer größere Rolle; so treibt z.B. die Ordensballei 
Koblenz auch Zwischenhandel und war mit eigenen SchifTen, einem ausgebauten 
System von Schäffern und eigener Niederlassung auf dem internationalen 
Fernhandelsmarkt Antwerpen tätig 9. Die Handelstätigkeit der preussischen 
Ordenshäuser war also keine besondere Eigentümlichkeit des Ordensstaates. 
Außergewöhnlich waren nur die Größe der Umsätze und der Handelsor- 
ganisation wie auch die Ausdehnung der Handelskontakte der Schäffer von 
Königsberg und von Marienburg. Der Deutsche Orden wie auch die preußischen 
Städte haben den Handelsbetrieb der GroßschäfTer für einen Konventshandel, 
der dem gemeinen Nutzen dienen sollte, gehalten 10. Die Grundlage für die 
außerordentliche Entwicklung des Eigenhandels des Ordens in Preußen bildeten 
nicht nur die großen Einkünfte an Naturalien, sondern auch die Stellung des 
Ordens als Landesherr und das zentralistische System des Deutschordensstaates. 
Zu den wichtigsten Grundlagen und Voraussetzungen der Entstehung und 
Entwicklung der Organisation des Ordenshandels in Preußen gehörte der 
Handel der Großstädte. Die von Udo Arnold in bezug auf Weinhandel und 
Weinanbau des Deutschen Ordens in Deutschland ausgesprochene Meinung: 
"Der Orden führte ein Leben aus der Region" 11 gilt auch in bezug auf das 
Ordensland. Auch in Preußen entstand die Handelsorganisation des Deutschen 
Ordens zusammen mit der Entwicklung der Städte und des städtischen 
Fernhandels. Die Einbind ung des Ordenshandels in den hansischen Wirtschafts- 
raum wäre ohne preußische Kaufleute nicht möglich gewesen 12. Wenn wir die 
Beziehungen zwischen dem Handel des Deutschen Ordens und dem der Städte 
bedenken, müssen wir berücksichtigen, daß beide nicht unabhängig voneinander 
funktionierten, sondern sich gegenseitig bedingten 13. 
Neben den Großschaffern trieben auch die lokalen Beamten Handel. 
Anfangs zielte dieser darauf ab, Überschüsse zu verkaufen und Waren des 
täglichen Bedarfs zu kaufen. Die Visitationsprotokolle wie auch die Quellen 
städtischer Herkunft weisen im 15. Jahrhundert auf das wachsende Interesse der 
lokalen Beamten an Innen- und Außenhandel hin, die ihren Handel oft auch auf 


112 


......
>>>
eigene Rechnung betrieben 14. Mit Verfall des GroßschäfTerhandels nach 1410 
haben sich vor allem die Proportionen zwischen dem Handel der lokalen 
Amtsträger und dem Handelsbetrieb der GroßschäfTer geändert. 
Eine Zusammenarbeit der hansischen und preußischen Kaufleute mit dem 
Deutschen Orden belegen schon die ältesten Quellen zur Handelsgeschichte des 
Deutschen Ordens. Im Jahre 1299 trieb der Kaufmann Hermann von Braun- 
schweig im Auftrag des preußischen Landmeisters Handel in England IS. 
Etwa zwischen 1315 und 1326 hatten der Komtur und der Hauskomtur von 
Königsberg eine Handelsgesellschaft mit dem gotländischen Kaufmann Gerhard 
Swede 16. Kennzeichnend ist auch eine Angabe aus dem Jahre 1330 über die 
Versenkung eines einem Thorner Reeder gehörenden SchifTes bei Warnemünde, 
auf dem sich neben Waren von Thorner Kaufleuten auch solche des Hochmei- 
sters befanden 17. 
Während des 14. Jahrhunderts spielten die Großschäffereien in Königsberg 
und Marienburg die wichtigste Rolle im Handel des Deutschen Ordens in 
Preußen. Die ältesten erhaltenen Bruchstücke von Handelsrechnungen des 
GroßschäfTers in Königsberg weisen darauf hin, daß schon in der Mitte des 14. 
Jahrhunderts die Bürger aus den preußischen Großstädten die wichtigsten 
Handelspartner im Innenhandel des Großschäffers waren 18. Nach Berechnun- 
gen von J. Sarnowsky betrug der Anteil der preußischen Städte am Binnenhan- 
del der GroßschäfTer zu Beginn des 15. Jahrhunderts 50% 19. Die Rechnung- 
sbücher vom Anfang des 15. Jahrhunderts der GroßschäfTer von Königsberg und 
Marienburg ermöglichen eine quantitative Erforschung der Handels- und 
Kreditbeziehungen zwischen den Städten und den GroßschäfTern. Auf der 
Grundlage zweier Rechnungsbücher der Königsberger GroßschäfTer Konrad 
von Muren (1400-1402) und Michael Küchmeister (1402-1404) und eines des 
Marienburger GroßschäfTers Johann von Sachsenheym (1404) habe ich die 
Kredit- und Handelsbeziehungen dieser zu den Städten Thorn, Danzig und 
Elbing bearbeitet 20. Als Hilfsmittel für die Beschreibung der wirtschaftlichen 
Beziehungen zwischen den GroßschäfTern und den Städten habe ich folgende 
Indikatoren gewählt: den Wert der von den Bürgern erworbenen Waren, den 
Wert der aufgenommen Kredite, die Art der Waren, den Anteil der GroßschäfTer 
am gesamten städtischen Import, den Anteil der vom Orden aufgenommenen 
Kredite am gesamten städtischen Kreditmarkt. 
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts betrug der jährliche Durchschnitt der von 
den GroßschäfTern verkauften Waren: Elbing etwa 2600 Mark, Thorn etwa 9400 
Mark, Danzig etwa 8200 Mark. Man kann auf der Grundlage der Angaben über 
1ie Einkünfte aus dem Pfundzoll in den Jahren 1390 und 1396 schätzen, daß der 
jährliche Gesamtimport durch den Seehandel der preußischen Städte betrug: 
- Danzig etwa 100000---166000 Mark 21 
- Thorn etwa 25500---50000 Mark 
- Elbing etwa 10600---12800 Mark 22. 


113
>>>
Aus dem Vergleich der dargestellten Daten kann man folgende Ergebnisse 
erhalten: Der Anteil der Großschäffer am Gesamtimport betrug in Danzig 
zwischen 6% und 12%, in Thorn zwischen 21 % und 37%, in Elbingzwischen 23 
und 25%. Diese Zahlen zeigen die Größe ökonomischer Selbständigkeit 
Danzigs, für das der Import durch den Großschäffer nur eine geringe Rolle 
spielte. Für die wirtschaftlich schwächeren Städte mit schwierigerem Zugang 
zum Seehandel hatte der Handel mit den Großschäffern eine größere Bedeutung. 
Insgesamt jedoch war der Anteil der Städte am Handelsumsatz der Großschäffer 
größer als derjenige der Großschäffer am Umsatz der Städte. 
Unter den durch die Städte gekauften Waren dominierten eindeutig westliche 
Waren (ruch, Gewürze, Salz), die sie im Großhandel einkauften und dann im 
Einzelhandel verkauften. Nur im Sonderfall Danzig spielten westliche Waren 
eine geringere Rolle. Die Danziger kauften lieber Exportwaren von den Beamten 
des Ordens (Getreide, Holz, Honig und Kupfer). 
Die Größe des Kreditwesens der Großschäffer blieb immer hinter dem Anteil 
des Handels zurück. Der Einfluß der durch den Orden vergebenen Kredite auf 
die städtische Wirtschaft dagegen war größer als der des Handels. In den Jahren 
1400 bis 1402 betrug der Anteil des Großschäffers aus Königsberg am 
Kapitalangebot des städtischen Kreditmarktes in Elbing etwa 31 %. Noch 
größere Bedeutung als in Elbing hatten die vom Deutschen Orden vergebenen 
Kredite in Thorn 23. In den Jahren 1369 bis 1410, also innerhalb von 40 Jahren, 
lief auf dem Thorner Kreditmarkt bürgerliches Kapital im Wert von etwa 30300 
Mark ein 24. Dagegen nahmen die Thorner Bürger im Zeitraum von nur 
wiereinhalb Jahren zwischen 1400 und 1404 vom Königsberger Großschäffer 
Kredite im Wert von etwa 9000 Mark. Die Verzinsung der Kredite des Ordens 
lag bei etwa 13-15% jährlich und war damit höher als üblich (8,33%)2'. In der 
Realität wurde der jährliche Zahlungstennin jedoch meist überschritten, was 
einer Venninderung des Zinssatzes gleichkam. Die Großschäffer hatten zwar das 
Vorrecht bei der Schuldenforderung, aber angesichts der verbreiteten 
Außenstände war es ihnen nicht möglich, alle Verluste auszugleichen. Nicht nur 
die Großschäffer waren wichtige Kreditgeber für die preußischen Städte, 
sondern auch die anderen Beamten. Die Bürger aus Thorn liehen ihr Geld auch 
bei den Thorner Münzmeistern, Hauskomturen, Spittlern, beim Birglauer 
Komtur und beim Hauskomtur aus Engelsberg 26 . Der Rat der Altstadt Elbing 
nahm Kredite beim Tressler von Marienburg und beim Hochmeister auf27. 
Auf die Bedeutung des Großschäfferhandels in der städtischen Wirtschaft 
könnte die Verbreitung ihrer Kontakte mit der städtischen Gesellschaft hin- 
weisen. Aufgrund des Verhältnisses der geschätzten Bevölkerungszahl und der 
Zahl der Handelspartner der Großschäffer am Anfang des 15. Jahrhunderts 
kann man vennuten, daß in Danzig in den Jahren 1400-1404 etwa 5
% der 
Einwohner wirtschaftliche Beziehungen mit dem Orden unterhielt. Ähnliche 
Verhältnisse ergeben sich für Thorn (etwa 9%) und für Elbing (6-7%)28. 


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.......
>>>
Innerhalb der Gruppe der mit dem Orden zusammenarbeitenden Bürger 
überwiegen diejenigen, die nur einen, zwei oder drei Geschäftskontakte hatten 
(über 75%). Man kann annehmen, daß in diesen Fällen die wirtschaftliche 
Zusammenarbeit mit den GroßschäfTern keinen großen Einfluß auf die beruf- 
liche und wirtschaftliche Stellung der Bürger hatte. Lediglich für 5-10% der 
mit den Großschäffern zusammenarbeitenden Bürgern spielten diese eine 
entscheidende Rolle für ihren wirtschaftlichen Erflog. Die größte Zahl von 
Einwohnern, die von der Zusammenarbeit mit den GroßschäfTern profitierten, 
ergibt sich für Elbing, die kleinste für Danzig. Aber sogar in Elbing betrug die 
Anzahl der näher mit den wirtschaftlichen Interessen des Ordens verbundenen 
Personen lediglich 6% der Mittel- und Oberschicht. Einen entscheidenden 
Einfluß auf die Größe der Kredit- und Handelsumsätze mit den Großschäffern 
hatte ein begrenzter Kreis von etwa 20 Personen 29. 
Die größte Gruppe unter den Handelspartnern der GroßschäfTer waren die 
Kaufleute, die aber nicht zur städtischen Führungsschicht gehörten. Die 
zweitgrößte Gruppe waren die Gewandschneider 30 , die drittgrößte die der 
Krämer und Höker, die hauptsächlich Gewürze, seltener Tuch und Salz kauften. 
Ständige wirtschaftliche Kontakte mit dem Orden hatten auch Apotheker. 
Insgesamt hatten also nicht die Großkaufleute das Hauptinteresse an Kontakten 
mit den Großschäffern, sondern im Einzelhandel tätige Personen. Die Handwer- 
ker kauften meistens Rohstoffe von den GroßschäfTereien - Bäcker Mehl, 
Schmiede Eisen, Kürschner Pelze. In Ausnahmefällen kauften Thorner und 
Danziger Handwerder - hauptsächlich Schmiede, Goldschmiede, Kannengießer 
- Tuch und Salz und nahmen auch Kredite 31. Man bemerkt besonders enge 
Handelsverbindungen der Handwerker aus der Neustadt Thorn mit dem 
GroßschäfTer von Königsberg. 
Interessante Aspekte zu unserer Fragestellung ergeben sich aus der Analyse 
der personellen Veränderungen in den städtischen Behörden in Thorn 
und Danzig nach der Niederlage bei Tannenberg 32 . In der Altstadt Thorn 
hatten von den sieben durch Heinrich von Plauen vor 1410 berufenen Ratsleuten 
sechs zuvor wirtschaftliche Kontakte mit den GroßschäfTern. Unter den 
Entlassenen hatten lediglich zwei einmalige Geschäfte mit den GroßschäfT- 
ern gemacht 33. 
In der Rechtstadt Danzig hatten nach 1410 von 27 Anhängern des Ordens 
innerhalb des Rates und des SchöfTengerichts 9 schon vorher wirtschaftliche 
Beziehungen mit den Großschäffern 34. Bei den Gegnern dagegen gab es 
niemanden, der mit ihnen zusammenarbeitete 35. 
Die Berufung der dem Orden positiv gegenüberstehenden Personen in Thorn 
und Danzig, die schon früher mit den GroßschäfTern zusammenarbeiteten, weist 
darauf hin, daß der Handel mit diesen Ordensbeamten und die von ihnen 
vergebenen Kredite eine wichtige Quelle für die Gewinne dieses Teils der 
Bevölkerung waren. 


115
>>>
Die genannten Zahlen beweisen die These, daß der Handel der Großschäffer 
keinen negativen Einfluß auf den städtischen Handel und die wirtschaftliche 
Lage der preußischen Städte haben konnte. Wenn wir über die Konkurrenz des 
Ordenshandels sprechen, müssen wir bedenken, daß dieser vor allem der 
Großhandel war, die Städte dagegen kämpften gegen die Konkurrenz im 
Kleinhandel, wie das Beispiel der englischen Kaufleute, die den Kleinhandel mit 
Tuch in Danzig und Elbing getrieben haben, zeigt 36. Auch die Beschwerden über 
die Holländer und Nürnberger wurden gegen einen direkten Zugang zu den 
lokalen Märkten und gegen den Kleinhandel der fremden Kaufleute gerichtet 37. 
Der Handel der GroßschäfTer, zumindest der in den Büchern verzeichnete 
Teil, war nicht nur keine Konkurrenz für die Städte, sondern sogar günstig für 
die sich mit dem Einzelhandel beschäftigenden Bürger. In den meisten Fällen 
bekamen die Bürger die Waren auf Kredit, der erst nach dem Weiterverkauf 
zurückgezahlt werden mußte. Der Zahlungstermin war meist nicht kürzer als ein 
Jahr. Ein großer Teil der Gläubiger zahlte nicht fristgerecht. In den Jahren 
1400-1404 ist die Zahl der fristgerecht bezahlten Forderungen um die Hälfte 
gesunken. 
Gegen die Behauptung, der Ordenshandel habe einen negativen Einfluß auf 
die städtische Wirtschaft, steht die Analyse der Beschwerden, die die Großstädte 
auf den Städtetagen vor 1410 vorgetragen haben. Sie beschwerten sich meist über 
das Vorrecht der GroßschäfTer und der anderen Ordensbeamten bei der 
Schuldenforderung, aber auch über deren Pfund zoll befreiung 38. 
Fast alle Geschäfte haben die GroßschäfTer auf Kreditbasis abgewickelt. 
Deswegen war das Privileg über das Vorrecht auf Schuldenforderung so 
wichtig. Die Häufigkeit der städtischen Beschwerden über das Privileg des 
Ordens nimmt nach 1400 zu. In den Jahren 1402-1410 haben die Städte diese 
Beschwerde mindestens einmal jährlich vorgetragen 39. Dies weist darauf hin, 
daß die Städte immer größere finanzielle Schwierigkeiten hatten, so daß die 
unbezahlten Forderungen immer mehr zunahmen. Dadurch wurde auch die 
privilegierte Position der Ordensbeamten immer deutlicher spürbar. Unter den 
12 Zwangsvollstreckungen, die in den Jahren 1384-1410 in das Schöffenbuch der 
Altstadt Thorn eingetragen wurden, entfallen 8 auf die Jahre 1402-1410 40 . Die 
wiederholten Beschwerden über das Vorrecht der Ordensritter bei der Schulden- 
forderung belegen mittelbar auch die lebendigen l-Iandelskontakte zu den 
Bürgern. Bemerkenswert ist, daß nach 1410 die Beschwerde nur noch einmal 
(1425) auftaucht 41. 
Die Beschwerden über die Befreiung des Ordens vom Pfundzoll finden wir 
das erste Mal auf dem Städtetag 1388 42 . In den Jahren 1396--1409 wiederholten 
sie sich jährlich 43. Die Befreiung des Ordensimports vom Pfundzoll übte aber 
keinen entscheidenden Einfluß auf dessen Position auf dem Markt aus. Der Zoll 
betrug lediglich zwischen 1,6% und 0,3% des Warenwertes und konnte daher 
keine Preisermäßigung nach sich ziehen. 


116
>>>
Die vorgetragenen Beschwerden sind keine Hinweise auf die Unzufriedenheit 
der Städte über den GroßschäfTerhandel und wollten diesen nicht begrenzen. Sie 
richteten sich gegen pivilegierte Positionen und gegen die Ausnutzung politischer 
Macht im wirtschaftlichen Bereich 44. Manchmal akzeptierten die Städte 
sogar privilegierte Positionen der GroßschäfTer, aber sie protestierten immer 
entschieden gegen die Ausdehnung der Privilegien auf die Diener der 
GroßschäfTer 4 ', die hauptsächlich aus dem Bürgertum kamen. 
Die Art der Beschwerden änderte sich radikal nach 1410. Die Periode von 
1410 bis 1440 war die Zeit der großen wirtschaftlichen Krise des Ordenslandes. 
Die Krise des hansischen Handels in Preußen, die u.a. durch das geringe Angebot 
an Exportwaren verursacht wurde, spürten sowohl die Städte als auch die 
Schäffereien in Königsberg und Marienburg 46. Nach 1410 nimmt die Bedeutung 
der GroßschäfTereien für die wirtschaftlichen Kontakte zwischen dem Orden und 
dem preußischen Bürgertum ab. Ihre Stellung nahmen andere Ordensbeamte ein. 
Dieser Prozeß ist besonders deutlich am Beispiel der Altstadt Thorn zu verfolgen. 
In den Jahren 1384-1410 wurden 17 Geschäfte zwischen den Bürgern und dem 
Orden in das Schöffenbuch eingetragen. Davon bezogen sich II auf die 
GroßschäfTerei Königsberg, 2 auf die in Marienburg 47. Dagegen bezogen sich in 
den Jahren 1411-1441 von 19 Eintragungen dieser Art nur 5 auf den 
Großschäffer von Königsberg, 3 auf den von Marienburg 48 . 
Nach 1410 erregte die Beschränkung im Getreidehandel Empörung. Zwar 
tauchten schon vorher erste Beschwerden über ungerechte Verteilung der 
Konzessionen zur Getreideausfuhr auf, die größte Zunahme der Beschwerden 
dieser Art beobachten wir aber erst in den 20er und 30er Jahren des 15. 
Jahrhunderts. Die städtischen Beschwerden richteten sich nicht gegen 
das Verbot der Getreideausfuhr, das in der Zeit der Mißernten notwendig war. 
Manchmal forderten die Städte selbst ein solches Verbot. Sie protestierten gegen 
unklare Kriterien der Konzessionsvergabe 49 . Die Konzessionen zur Getreide- 
ausfuhr erteilte der Hochmeister vor allem an Ordensbeamte und Ordensanhän- 
ger 
. Sowohl die privilegierte Position der Ordensbeamten als auch ihre 
allgemeines Interesse an der Handelstätigkeit verursachten folgenden Macht- 
mißbrauch: Die Ordensherren wollten möglichst viel Getreide exportieren, 
zwangen die Getreidewagen von den Landstraßen in die Ordensburgen und 
unterbanden so den freien Getreidehandel auf den städtischen Märkten". Auf 
diese Weise haben die Ordensritter auch die Zufuhr von Holz, Wagenschoss und 
Asche begrenzt '2. Der zweithäufigste Vorwurf gegen den Deutschen Orden war 
die Anwendung des Vorkaufes'3. Die städtischen Beschwerden bezogen sich 
auch auf die Ausdehnung des Handels der Ordensbeamten und richteten sich 
besonders gegen das "ungewohnliche kaufTschlagen" '4. Als ungewöhnliche 
kaufmännische Tätigkeit galten Vorkauf, gewaltsame Behinderung der Waren- 
zufuhr zum freien Markt und Handelsbetrieb nach der Art, "das meiste zu erem 
egenen und nicht zu irer hewser nucz koufen". In einer 1453 vorgelegten 


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>>>
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Beschwerde haben die Städte sehr deutlich den Handel der Großschäffer dem der 
anderen Ordensbeamten gegenübergestellt: "echliche unser herrn und ires 
ordens amptslewte die treiben ungewonliche koufenschacz... domete die inwoner 
vorannen und zu nichte werden, das unser herrn in vorge czeiten nicht gethan 
haben, sunders die schaffers ires ordens die gekoufft und vorkoufft han 
alleine zu irer heuser notdorft" ". Auf der anderen Seite wissen wir sehr gut, daß 
der Handel der Großschäffer nicht nur auf den Verkauf der Überschüsse und den 
Kaufvon Waren des täglichen Bedarfs ausgerichtet war, aber trotzdem haben die 
Städte den Handel als eine notwendige Tätigkeit für den Eigenbedarf der 
Konvente angesehen. Wichtig für die Städte war auch, daß der Handel der 
Großschäffer ähnlich wie eine kaufmännische Gesellschaft organisiert wurde 
und mit kaufmännischen Methoden einherging'6. Im Fall des sich nach 1410 
entwickelnden Handels der anderen Beamten war die Zahl der Partner aus dem 
Bürgertum geringer. Vor allem aber konnten Methoden wie Gewalt und 
Machtausnutsung von den Bürgern nicht als kaufmännisch anerkannt werden. 
Während der Handel der Großschäffer die Waren fijr den Einzelhandel lieferte, 
beschränkte derjenige der Ordensbeamten den Zugang der Bürger zu den 
Exportwaren. 
Es scheint jedoch so, daß die rein wirtschaftlichen Schäden durch den 
Ordenshandel nach 1410 nicht so groß waren, wie es aus der Häufigkeit der 
Beschwerden hervorgehen könnte. Der Umfang des Ordenshandels nach 
Tannenberg war viel geringer als der Handel der Großschäffer. 1440 hat der 
Hochmeister auf die Beschwerde der Großstädte über den großen Umfang des 
Ordenshandels folgendermaßen reagiert: "Ir sehet wol, das das kowffslagen das 
czeende teyl nicht also groes ist, alse es in vorczeiten ist gewesen"". Aber 
angesichts der wirtschaftlichen Krise und des Mangels an Exportwaren war die 
Konkurrenz des Ordenshandels offensichtlicher und spürbarer als zuvor. Man 
muß auch bedenken, daß in dieser Zeit Beschwerden über Handelskonkurrenten 
in Preußen nichts ungewöhnliches waren. Elbing beklagte sich über die Danziger 
Kaufleute, die Holz, Asche und Flachs aus dem preußischen Niederland 
ausführten, Thorner Kaufleute warfen den Danzigern vor, daß sie Holz und 
Getreide aus Kujawien und Masowien exportierten '8. Die Danziger klagten über 
die Konkurrenz der Engländer, Holländer und Nürnberger, benutzen aber selbst 
in ihren Handelspraktiken oft den Vorkauf. Es ist bemerkenswert, daß die 
Danziger Bürger, die in geringerem Ausmaß als die übrigen preußischen 
Kaufleute die ungünstige Handelskonjunktur spürten, in ihrem Beschwer- 
deverzeichnis aus dem Jahre 1440 nichts über die Konkurrenz des Ordenshandels 
geschrieben haben. Die größte Bedrohung für den Danziger Handel war die 
Konkurrenz der fremden Kaufleute'9. Der Handel der lokalen Amtsträgcr 
brachte den Danzigern Kaufleuten sogar Profite, weil ihre Waren meistens durch 
Danziger den Hafen und von Gesellschaften mit Danziger Kaufleuten nach 
Westcn ausgeführt wurden 60. 


118
>>>
Die Beobachtungen und auf die gestellte Frage antwortend kann man sagen, 
daß die in der Zeit nach dem 13 jährigen Krieg geäußerte Meinung, der Handel 
des Deutschen Ordens sei der Hauptgrund für den Aufstand des preußischen 
Bürgertums gegen den Deutschen Orden, keine tragfähige Begründung hatte. 
Die vom Hochmeister 1441/1442 durch Preußen geschickten Visitatoren haben 
den Handel der lokalen Amtsträger sogar als schädlich und schändlich für den 
Deutschen Orden bezeichnet 61 . Die Hauptursache der wirtschaftlichen Krise der 
preußischen Städte waren vielmehr ungünstge Veränderungen im Ostseeraum: 
der Preisverfall bei Getreide und Pelzen, die verringerte Kupferproduktion in 
den ungarischen Minen und die Konkurrenz der englischen und holländischen 
Kaufleute 62 . In dieser Krisenzeit war die Handelstätigkeit der Ordensbeamten 
offensichtlicher, so daß der geringere Handelsumfang Unzufriedenheit unter der 
Bevölkerung hervorzurufen vermochte. Der eigentliche Grund dieser Unzuf- 
riedenheit war nicht der Handel selbst, sondern die wenig kaufmännischen 
Methoden, die die Ordensbeamten benutzten. Die Königsberger und Marien- 
burger Großschäffer, die sogar die privilegierte Position als Landesherr benutz- 
ten, verwendeten die Methoden der hansischen Kaufleute, während für die 
lokalen Beamten des Deutschen Ordens Gewalt und Ausnutzung der Macht- 
positionen die Hauptmethoden waren, um Handelsgewinne zu erzielen. Für das 
Volk waren die komplizierten wirtschaftlichen Verflechtungen im Ostseehandel 
nur schwer zu durchschauen, während die Gewaltmittel der Ordensritter offener 
zu Tage traten und daher leichter zur Erklärung der wirtschaftlichen Misere 
herangezogen werden konnten. 
Am Ende möchte ich nochmals betonen, daß ich nur eine in der Forschung 
dominierende Meinung über die Einwirkung des Ordenshandels auf die städti- 
sche Wirtschaft in Frage gestellt habe. Diese Ausführungen können nur ein 
Ausgangspunkt - keine ausgereifte Präsentation von Ergebnissen eines abge- 
schlossenen Forschungsprojekts - zu einer angelegten Untersuchung über die 
Einwirkung der Wirtschaftsführung des Deutschen Ordens auf die Städte 
sein. Eine dringende Frage aus dem Forschungskatalog zu diesem Thema scheint 
die Erforschung des gegenseitigen Verhältnisses von Burg und Stadt und der 
Rolle der Neustädte zu sein 63. Bemerkenswert ist vielleicht auch die Frage nach 
der Interpretationsmöglichkeit der Beschwerden, die die preussischen Städte 
dem Deutschen Orden vorgestellt haben. In welchem Ausmaß spiegeln sie die 
wirtschaftliche Lage der Städte wieder? 


Anmerkungen 


I Ich bedanke mich sehr herzlich bei Herrn MaUhias Arens für die freundliche Mithilfe bei der 
Übersetzung des Textes. 
Z C. SaUler, Der Handel des Deutschen Ordens in Preußen zur Zeit seiner Blüte, Hansische 
GeschichtsbläUer 3, 1817, S. 59-85; auch in Allpreußische Monalsschrifll6, 1879, S. 242-269; ders., 


119
>>>
D
 Hanse und der Deutsche Orden in Preußen bis zu dessen Verfall, Hansische Geschichtsblätter 11, 
1882, S. 67-84; F. Renden, Der Handel der Königsberger GroßscMfferei des Deutschen Ordens mit 
Flandern um /400. Abhandlungen zur Handels- und Seegeschichte 5, Weimar 1937; M. P. Lesnikov, 
D
 Handelsbeziehungen Großnovgorods mit dem Deutschen Orden. Ende des /4. Jh. Anfang des 15. 
Jahrhunderts, Sowjetwissenschafi. Gesellschaftswissenschaftliche Abteilung, 1954, S. 859-878; 
M. Malowist, Polityka gospodarcza Zakonu Krzyzackiego w XV W., in: Pamiftnik Vll PowszechfU!go 
Zjazdu Historyk6w Polskich we Wroc/awiu I, Wroclaw 1948, S. 51---69; M. Biskup, Die pol- 
nisch-preussischen Handel.fbeziehungen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, in: Han.rische 
Studien, Berlin 1961, S. 1-6; E. Maschke, Die Schäffer und Lieger des Deutschen Ordens in Preußen, 
in: ders., Domus Hospitalis Theutonicorum. Europäische Verbindung.rlin
n der Deuuchordensge- 
schichte (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 10), Bonn-Godesberg 1970, 
S. 69-103; W. Böhnke, Der Binnenhandel der GroßschäITereien des Deutschen Ordens Königsberg 
und Marienburg in Preußen um 1400, phil. Diss. masch., Hamburg 1960, Zusammenfassung u.d.T.: 
Der Binnenhandel des Deutschen Ordens in Preußen und seine Beziehungen zum Außenhandel um 1400, 
in: Hansische Geschichtsblätter 80, 1962, S. 29-95; H. Samsonowicz, Der Deutsche Orden als 
Wirtschaftsmacht des Ostseeraumes, in: Zur Wirlschaftsentwicklung des Deutschen Ordens im 
Mittlelalter, hrsg. von U. Arnold (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 38), 
Marburg 1989, S. 103-112; B. Jähnig, Zur Jf 'irtschaftsfiihrung des Deutschen Ordens in Preußen. in: 
Zur Wirtschaftsentwicklung, S. 113-147. 
3 Acten der Ständetage Preussens unter der He"schaft des Deutschen Ordens (weiterhin zit. 
AST) V, hrsg. von M. Toeppen, Leipzig 1886, Nr. 124, S. 382 (Tagfahrt zu Königsberg 1482). 
f Diese Betrachtung hat der Liibecker Stadtchronist im Jahre 1466 unter den Ursachen des 
Sturzes des Deutschen Orden in Preußen genannt: D
 Chroniken der deutschen Städte 31: Lübeck 
5 (1911), S. 14/15. 
S P. Simson, Geschichte der Stadt Danzig I, Danzig 1904, S. 108, 110; F. Renken, Der Handel 
(wie Anm. 2), S. 10; H. Samsonowicz, Der Deutsche Orden (wie Anm. 2), S. 109; B. Jähnig, Zur 
Wirtschaftsführung (wie Anm. 2), S. 129, 130; K. G6rski, Ustr6j panstwa i zakonu krzyzackiego, 
Gdynia 1938, S. 41; L. Koczy, Politylca baltyclca zakonu krzyzackiego, Toruri 1936, S. 48IT; 
M. Biskup, Zjednoczen
 Pomorza Wschodn
go z Polskq w polowie XV w.. Warszawa 1959, S. 28IT; 
M. Malowist, Politylca gospodarcza (wie Anm. 2), S. 64; M. Dygo, D
 Münzpolitik des Deutschen 
Ordens in Preußen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts (Fasciculi Historici 14), Warszawa 
1987, S. 16. 
6 J. Sarnowsky, Die Wirtschaftsführung des Deutschen Orden in Preußen (1382-1454), 
masch. Habil., Berlin 1992, S. 328. 
7 H. Larnbacher, Das Spital der Reichsstadt Memmingen, Kempten 1992, S. 301, 302; 
U. Arnold, Weinbau und Weinhandel des Deutschen Ordens im Mittelalter, in: Zur Wirtschaftsentwi- 
cklung (wie Anm. 2), S. 75; F. Renken, Der Handel (wie Anm. 2), S. 20. 
· U. Braasch-Schwersmann, Das Deutschordenshaus Marburg und seine Niederlas.fungen in 
hessischen Städten im Mittelalter, Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 42, 1992, S. 56, 59, 61, 
84; K. Militzer, D
 Wirtschaftstätigkeit ländlicher und städtischer Deut.fchordenshäuser. Ein 
Oberblick, in: Zur Wirtschaftsentwicklung (wie Anm. 2), S. 17ff. 
9 U. Arnold, Weinbau (wie Anm. 7), S. 101. 
10 DOZA, Abt. Urk. 144V1442, ein Fragment aus dem Visitationsprotokoll, "... dass 
vor czeithen ScheITer sein gewescl die Kawmanschatz getreiben haben zu die Gemeyne.....; 
AST 11, S. 239 (Beschwerde aus dem Jahre 1440), Ilem von viel und mancherley ungewonlichem 
kouffslagen unser herren ader narunge, das die abgethan werde, usgenomen die schefferien, 
die von aJders gewest seyn, und das die kouffslagen nach aJder gewonheit"; AST IV, S. 40, 
aus dem Jahre 1453: "m sunder die scheITers ires ordens die gekouffi und vorkoufU han aJleine 
zu irer heuser notdorfl". 
11 U. Arnold, Weinbau (wie Anm. 7), S. 102. 


120 


.....
>>>
12 C. SaltIer, Der Handel (wie Anm. 2), S. 261, 262; W. Böhnke, Der Binnenhandel (wie Anm. 
2), S. 33; U. Amold, D
 Hanse und Preussen, in: D
 Hanse und der deutsche Osten, hrsg. von 
N. Angermann, Lünebrg 1990, S. 85; F. Renken, Der Handel (wie Anm. 2), S. 21. 
IJ Auf die engen Verbindungen zwischen dem Deutschen Orden und den Bürgern aus 
preussischen Städten weist E. Maschke hin: E. Maschke, D.e Schäffer und Lieger des DeutscMn 
Ordens in Preußen, in: ders., Domus Hospitalis Theutonicorum (Quellen und Studien zur Geschichte 
des Deutschen Ordens 10), Bonn-Godesberg 1970, S. 90ff; vergI. auch K. Militzer, GeldüberweLfun- 
gen des Deutschen Orden.f an die Kurie, in: Der Hansische Sonderweg? Beiträge zur Sozial- und 
Wirtschaftsgeschichte der Han.fe, hrsg. von S. Jenks u. M. North, Köln 1993, S. 36,41. 
If DOZA, Abl. Urk. 1441/1442 "malle gebiltiger, alle amptlewlhe vnd etliche awss den 
conuenten treiben kawfTmanschatz vnd ydermann in sunderheit vor sich allein vnd nicht in den 
gemeynen nutczen"; AST 11, S. 106 "I tem haben dy stete handelunge gehat mit unserm hem, alse von 
viI und mancherley koufslagen unser here und ander amptsmann des ordens.....; VgI. auch 
Die Ermahnung des Carthäusers, hrsg. von Th. Hirsch, Scriptores Rerum Prussicarum IV, 
Leipzig 1870, S. 459. 
I' PreU5sisches Urkundenbuch (weiterhin zit. PUB) 1/11, Nr. 710. 
16 Ebd., 11, Nr. 566. 
17 Ebd., Nr. 883. 
I' K. Forstreuter, D
 ältesten Handelsrechnungen des Deutschen Ordens in Preussen, Hansische 
Geschichtsblätter 74, 1956, S. 19,20. 
19 J. Sarnowsky, Wirtschaft.iführung (wie Anm. 6), Tab. 6.15.a, 6.15.b. 
2D Handelsrechnungen des Deutschen Ordens, hrsg. von C. Saltier, Leipzig 1887, S. 9-28, 
167-273; Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturhe.fitz Ber/in-Dahlem, OF 141; vgl. R. Czaja, 
Zwiqzki gospodarcze wielkich szafarzy Zakonu Krzyzackiego z mia.ftami pru.fkimi na poczqtku XV w. 
(im Druck). 
21 Andere Angaben vgl. bei H. Samsonowicz, Der Deutsche Orden (wie Anm. 2), S. 109; 
P. Simson, Geschichte (wie Anm. 5), S. 101. 
:EI K. Militzer, Ein Elbinger Pfundzollregister aus dem Herbst des Jahres 1398, Preußenland 17, 
1979, Nr. 3, S. 30. 
13 R. Czaja, Kredyt pieniezny w Starym Miesc
 Toruniu do roku 1410, Rocmiki Dziejöw 
Spolecmych i Gospodarczych 49, 1988, S. 18. 
:M Diese Summe bestand aus den Geldanleihen von minderjährigen Kindern (21 803 Mark), den 
Geldanleihen, die im Liber scabinorum eingetragen wurden (6676 Mark), und aus dem Rentenkauf 
(1800 Mark), vgl. Liber scabinorum Veteris Civitatis Thorunensis (1363-1428), hrsg. von 
K. Kaczmarczyk (Fontes TNT 29), Torun 1936; Kfiega lawnicza Nowego Miasta TOTUnia 
(1387-1450), hrsg. von K. Ciesielska (Fontes TNT 63), Torun 1973; Libri puerorum minorennium, 
in: Archiwum Panstwowe wToruniu, kal.lI, Sign.lII, 66, 67; siehe R. Czaja, Kredyt p
niezny (wie 
Anm. 23), S. IIff. 
13 AST I, S. 44,45; R. Czaja, Kredyt p
niezny (wie Anm. 23), S. 13, nur ausnahmsweise wurde 
in dieser Zeit die Verzinsung in Höhe von 10% verwendet, in Elbing kommt am Anfang des 15. Jhs. 
immer häufiger die Verzinsung von 6,66%, selten sogar 5,88% und 5% vor, vgl. Das Elbinger 
Stadtbuch, 2: 1361-1418, hrsg. von H. W. Hoppe, Osnabrück 1986, Nr. 1940, 1941, 2027. 
:16 Kdeg a lawnicza (wie Anm. 24), Nr. 2, 28, 152, 232, 242, 244; Lieber scabinorum 
(wie Anm. 24), Nr. 148,355, 572, 956. 
'¥I Stadthuch (wie Anm. 25), Nr. 1349, 2200, 2359, 2360. 
11 Die Zahl der Bevölkerung Danzigs ca. 13 oo
 15000 vgl. J. Zdrenka, Glowne, Stare i Mlode 
Miasto Gda,bk i ich patrycjat w latach 1342-1525, Torun 1992, S. 79; Altstadt und Neustadt Elhing 
hatten am Anfang des 15. Jahrhunderts ca. 8500 Einwohner, vgl. R. Czaja, Socjotopografia miasta 
Elblqga w sredniow
czu, T orun 1992, S. 34, 171; Altstadt und Neustad t Thorn ca. 10000 Einwohner, 
vgl. T. Jasinski, PrzedmieScia .fredniow
cznego Torunia ICheImna, Poman 1982, S. 63. 


121 


......
>>>
3 In Danzig haben 12 Personen (7% der mit den Oroßschäffern zusamenarbeitenden) ca. 50% 
des ganzen Volumens der Waren und Geldanleihen von den Großschäffern übernommen, in Thorn 
haben 17 Personen 45% der Waren und Geldanleihen bekommen. 
3D F. Rörig, Großhandel und Großhändler im Lübeck des 14. Jahrhunderts. in: Wirtschaftskräfte 
im Mittelalter, hrsg. von P. Kaegbein, Köln-Graz 1959, S. 223ff. 
31 T. Jasinski, Rozwoj zlotnictwa toruiJskiego do konca XV w., Acta Universitatis Nicolai 
Copemici, Historia 11, Torun 1977, S. 451T, weist auf die kaufmännische und wucherische Tätigkeit 
der Goldschmiede hin. 
n A. Czacharowski, Grupa k
rownicza Starego Miasta Torunia ijej zwiq,zki z Polskq w okres
 
wojny 1409-1411, in: Spoleczeristwo Pol ski Sredniowiecznej 11, hrsg. von S. M. Kuczynski, Warszawa 
1982, S. 227; K. Graske, Der HocJuneister Heinrich von Plauen im Konflikt mit den Städten des 
Ordenslandes Preussen, Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins 35, 1896, S. IOIT. 
13 Peter Russe, Arndt von Loo, vgl. Handelsrechnungen (wie Anm. 20), S. 35, 176. 
Jf Gerd von der Beke, Heinrich von DaJem, Albrecht Dodorf, Heinrich von Putzig, Peter 
Tiergat, Tidemann Huxer, Johann Lankaw, Johann Baisner, Johann Widemann. 
J5 Dazu vgl. J. Zdrenka, Gdarisk (wie Anm. 28), S. 162; M. Biskup, in: Historia Gda,uka I, hrsg. 
von E. Cieslak, Gddsk 1985, S. 442, 490. 
J6 AST I, S. 85 "...dy gewandsnyder von dem Elbinge haben den steten vorgeleget grosen 
gebrechen, das dy Englischen und andere geste, gewant snyden uf den jarmarkten und in stelen hir 
yrnme lande"; vgl. auch S. 428 die Beschwerde der Danziger Kaufleute; vgl. auch Th. Hirsch, 
Handels- und Gewerbsgeschichte Danzigs unter der Herrschaft des Deutschen Ordens, Danzig 1858, 
S. 98ff; S. Jenks, D
 Ordnung für d
 englische Handelskolon
 in Danzig, in: Danzig in acht 
Jahrhunderten. Beiträge zur Geschichte eines hansichen und preussischen Mittelpunktes, hrsg. 
von B. Jähnig, P. Letkemann, Münster 1985, S. 106, 107. 
J7 AST 11, S. 60, 111, 122. 
JI C. SaUler, Der Handel (wie Anm. 2), S. 265, 266. 
J9 Hanserecesse V, S. 70, 89, 121, 130, 216,430,452; AST I, S. 115. 
fO Liber scabinorum (wie Anm. 24), Nr. 148,431,473,453,563,564, 565, 569, 612, 640, 777,845. 
tl AST I, S. 447. 
t2 Hanserecesse 111, S. 380. 
t3 Hanserecesse IV, S. 332, 379, 392,464; V, S. 2, 179; AST I, S. 62-64. 
.. M. Biskup, (wie Anm. 35), S. 443; M. Malowisl, Polityka gospodDrcza (wie Anm. 2), S. 56; 
B. Jähnig, Zur Wirtschaftsführung (wie Anm. 2), S. 129. 
t5 AST I, S. 115,240 (4). 
.. J. Samowsky, Wirtschaftsführung (wie Anm. 6), S. 306; M. Malowist, Polityka gospodDrcza 
(wie Anm. 2), S. 58. 
f7 Liberscabinorwn(wieAnm. 24), Nr.148,262, 355, 374,410,431,453,473, 563,564, 572, 596, 
612,640,777,778,845. 
.. Ebd., Nr. 883,936,956,1018,1133,1312, 1339, 1369, 1403,1426,1523,1951; Krifgalawnicza 
Stare go Miasta Torunia (1428-1456) , Teil I, bearb. von K. Ciesielska, J. Tandecki (Fontes TNT 
75), Torun 1992, Nr. 106, 230, 182,455,603, 668, 890. 
ft ,,das man czu korne eyme 10uben gibet und eym anderen nicht", Hanserecesse 111, S. 380; vgl. 
AST I, S. 160 (18), Beschwerde aus dem Jahre 1411. 
3D Z. H. Nowak, Zezwolenia wielkich mislrzow zakonu krzyiackiego na wywoz zboia z Prus 
w latach 142/-1422, Zapiski Historyczne 44, 1974, H. 4, S. 125-134. 
SI AST I, S. 240 (14), 473, 605/606, 627 (16); AST 11, S. 134. 
52 D
 Ermahnung des Carthäusers (wie Anm. 14), S. 459; vgl. auch U. Arnold, Beringer 
Heinrich, in: D
 deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon I, Berlin 1978, S. 723. 
13 AST I, S. 260,291/292,431,606/607,656/657; 11, S. 35,45,57. 
54 AST I, S. 626 (10); 11, S. 133, 217, 239, 635. 


I 

 


122 


......
>>>
55 AST IV, S. 40. 
56 J. Sarnowsky, Die Wirtschaftsführung (wie Anm. 6), S. 306ff. 
57 AST 11, S. 134; J. Sarnowsky, Wirtschaftsführung (wie Anm. 6), S. 328. 
,. M. Malowist, Polityka gospodarcza (wie Anm. 2), S. 61; 
R. Czaja, Kryzys hand/u elhlqsk
go na przelomie XW/ XV W., Rocmik Elbl
ski (im Druck); AST I, 
S. 454; 11, S. 234. 
" AST 11, S. 140. 
m DOZA, Abt. Urk. 1441/1442, "ltem viII gepitthiger schigkenn irer frucht keim Dantcu 
zuvorkawßhen..." . 
61 Ebd., 1441/1442, "... do von vnsser Orden viii schadenn vnd schande ensteeth vnd och 
ensteelh, wen dass andere viII alle gebittiger, alle amptlewthe vnd etliche aws den conuenten treiben 
kawtTmanschatz vnd yederman in sunderheith vor sich allein vnd nicht in den gemeynen nutcz". 
62 M. Malo\\ist, WschOd a ZachOd Europy w XIll-XIV w., Warszawa 1973, S. 78ff. 
6] Zu diesem Problem siehe Z. H. Nowak, D
 Vorhurg als Wirtschaftszentrum des Deutschen 
Ordens in Preußen. Eine Fragestellung, in: Zur Wirtschaftsentwicklung (wie Anm. 2), S. 148-162; 
ders., Neu.
tadtgründungen des Deutschen Ordens in Preußen. Entstehung, Verhältnisse zu den 
Altstädten, Ende der Eigenständigkeit, in: Stadt und Orden. Das Verhältnis zu den Städten in Livland, 
Preußen und im Deuuchen Reich, hrsg. von U. Amold, Marburg 1993, S. 129-142; vergI. auch 
A. Czacharowski, Die Griindung der ..Neustädte" im Ordensland Preussen, Hansische Geschichts- 
blätter 108, 1990, S. 1-12.
>>>
ORDINES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA VIII - 1995 
RmERORDEN UND REGION - POLITISCHE, SOZIALE UND WlRTSCHAFfLICHE VERBINDUNGEN IM MmELALTER 


Janusz Tandecki (Ioruti) 


Soziale Beziehungen zwischen dem Bürgertum 
und dem Deutschen Orden in Preußen 


Die Frage des Eintritts von Bürgern preußischer Städte in den Deutschen 
Orden oder in dessen Dienst sowie die Rolle, die Ordensbrüder im Leben der 
Städte spielten, oder anders gesagt der Beziehungen und sozialen Bindungen 
zwischen dem Bürgertum in Preußen und den Ordensherren wurde bisher in der 
Forschung nicht eingehend geklärt. Etwas intensiver (doch auch nicht erschöp- 
fend) wurde die Frage in bezug auf die Städt und die Ordensbrüder bürgerlicher 
Herkunft im Deutschen Reich in Monographien einzelner Städte, in Darstel- 
lungen der Geschichte des gesamten Ordens oder auch in einzelnen Balleien 
gewidmeten Arbeiten I. Eine Zusammenfassung der Fragestellung legte Erich 
Maschke 1958 in dem Aufsatz Deut.''tchordensbrüder aus dem städtischen Patriziat 
vor, in dem sich der Autor mit der früheren Forschung auseinandersetzte und am 
konkreten Quellenmaterial die Wege von Ordensbrüdern patrizischer Herkunft 
verfolgte 2. 
Nach den Ordensstatuten waren alle Ordensbrüder gleich, aber der Per- 
sonenkreis der Ordensmitglieder war differenziert. Von der AufgabensteIlung 
her ergab sich die Differenzierung in Laien und Priester. Zu den Laien zählten 
Ritter, die alle wichtigen Ordens ämter innehatten, und auch Sariantbrüder. Die 
Letzten trugen ebenfalls Waffen und nahmen am Kampf teil, jedoch höchstens 
mit zwei Pferden. Unklar ist, wer Sariantbruder wurde; man kann nur vermuten, . 
daß unter ihnen oft auch die bürgerlichen Ordensmitglieder waren. Sie konnten 
niedere Ämter bekleiden, z.B. das Amt des hochmeisterlichen Schäffers. Ihre 
Tracht bestand aus dem grauen Ordensmantel mit einem Halbkreuz, daher auch 
wurden sie oft (spätestens seit den Kapitelwahlen 1382) als Graumäntler 
bezeichnet. Die zweite Gruppe der Vollmitglieder des Ordens bildeten die 
Priester und Kleriker (die niederen Weihen erhalten hatten), die für das geistige 
Leben der Korporation verantwortlich waren. 


125
>>>
Darüber hinaus gab es viele Personengruppen, vor allem für Hilfsdienste 
verantwortlich, die in unterschiedlicher Form mit dem Orden verbunden waren. 
Diese Menschen konnten ewige Gelübde oder zeitlich befristete - nur für die 
Dienstzeit im Orden - ablegen. Allgemein gesagt, waren sie am häufigsten als 
Diener oder "ministrantes" bezeichnet 3. 
Im 13. und 14. Jahrhundert kommen die aus Bürgerfamilien im Reich 
stammenden Ordensangehörigen bereits in allen oben genannten Kategorien 
vor. Das gilt auch für die Ordensritter. Zwar verlangten die Ordensstatuten für 
letztere seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts allmählich Herkunft aus ritter- 
lichem Geschlecht, zugleich aber räumte die Praxis auch die Möglichkeit ein, 
durch den Hochmeister von dieser Forderung befreit zu werden 4. Einen 
beträchtlichen Einfluß hatte bei solchen Entscheidungen die Höhe der vom 
künftigen Mitglied oder seiner Familie zugunsten des Ordens versprochenen 
Schenkung oder Erbschaft. Aus diesem Grunde finden sich - wie schon Hartrnut 
Boockmann für Nümberg festgestellt hat -die Namen von Patrizierfamilien, die 
damals dem Orden Besitzungen vermachten, häufig auch in den Verzeichnissen 
der reichsten Familien innerhalb der Städte s. Man kann also annehmen, daß in 
dieser Periode der Eintritt in den Orden (d.h. als Ritterbruder) in reichen 
deutschen Patrizierkreisen als eine Art Nobilitierung, als Übergang von einer 
niedrigeren zur einer höheren gesellschaftlichen Stellung angesehen wurde. Das 
Ausmaß dieses Phänomens ist bisher nicht gen au genug erforscht worden. 
Ritterbrüder aus Bürgerfamilien wurden dann in der Regel den Ritterbrüdern 
aus Adelsgeschlechtern gleich gestellt 6. 
Die oben skizzierten Beziehungen betrafen das Reichsgebiet. Auf dem 
Territorium des in Preußen entstandenden Ordensstaates war die Situation etwas 
anders. Eine der Ursachen dafür war u.a., daß die im Ordensstaat herrschende 
zentralisierte Herrschaftsstruktur im Prinzip von Anfang an Vertreter des 
einheimischen Ritter- oder Bürgerstandes von der Teilnahme an der Macht- 
ausübung ausschloß. Zwar bildeten die Angehörigen des Ritterstandes schon in 
der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Preußen eine geschlossene Gesell- 
schaftsgruppe, aber die Zugehörigkeit dazu war nicht ein für alle Mal fixiert: 
Darüber entschied nicht nur die Geburt, sondern auch Landbesitz nach 
Ritterrecht 7. Zwar wurden noch im 14. Jahrhundert Vertreter des dortigen 
Ritterstandes vereinzelt in den Orden als Ritterbrüder aufgenommen (einige von 
ihnen brachten es sogar zur Komturswürde), doch prozentual gesehen war ihr 
Anteil im Vergleich zur Gesamtheit der Mitglieder unverhältnismäßig gering H. 
Viel günstiger war das Verhältnis - vielleicht wegen der größtenteils 
deutschen Abstammung - beim Eintritt von Bürgern, insbesondere aus reicheren 
in den sog. großen preußischen Städten tätigen Kaufmannsfamilien 9. Zweifels- 
ohne dürfte ein Teil davon aus Geschlechtern der sog. Ritterbürger stammen, die 
sich im Quellenmaterial von Thorn, Kulm, Elbing, Königsberg oder Danzig von 
den Anfängen dieser Städte bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts nachweisen 


126 


.......
>>>
lassen. Zu dieser Gruppe gehörten Bürger, die ihre Besitzungen, von denen sie 
rittermäßigen Kriegsdienst leisten mußten, vom Deutschen Orden direkt 
verliehen bekommen oder ihn käuflich oder auf einem anderen Wege erworben 
hatten 10. 
Abgesehen von Angehörigen der patrizischen Oberschicht wurden Vertreter 
des Bürgertums im Ordensstaat Preußen in ersten Linie als Priester, Graumäntler 
oder Diener zugelassen, wenn es auch nicht völlig ungewöhnlich ist, daß einzelne 
von ihnen als Ritterbrüder erscheinen, was von der Forschung bisher nicht genug 
erkannt worden ist. 
An dieser Stelle ist nach den Motiven zu fragen, die einen Einfluß auf die 
relativ häufigen Beitrittsentscheidungen der Bürger gehabt haben. Waren es 
ausschließlich religiöse Motive, die u.a. aus der tiefen Religiösität und Sittsam- 
keit der damaligen Bürger herrührten? Oder haben auch andere Faktoren, wie 
Chancen auf schnellere Karriere und gesellschaftlichen Aufstieg oder Vorteile 
für Familienangehörige, auch Vermögensfragen eine Rolle gespielt? Bei der 
Betrachtung der Beitrittsbeweggrunde darf man die sozialen Aspekte der 
Entscheidungen nicht außer acht lassen, die insbesondere für ärmere Mittel- und 
Unterschichten des städtischen Bürgertums von Bedeutung sein konnten. 
Die Aufnahme in den Orden garantierte nicht nur beständige Lebensbe- 
dingungen im Rahmen des Konvents, sondern zusätzlich - was nicht minder 
wertvoll war angesichts zahlreicher Seuchen, Kriege und anderer Katastrophen, 
die das mittelalterliche Preußen heimsuchten, - ständige Fürsorge und Pflege 
auch im Alter 11. Die Quellen gestatten nicht immer, die Fragen eindeutig zu 
entscheiden. 
Die wenigsten Informationen haben sich über Ordensmitglieder aus dem 
preußischen Bürgertum erhalten, die zu Komturen aufgestiegen sind. Die 
ältesten Belege, auf die man sich verlassen kann, stammen erst aus dem 14. 
Jahrhundert. Es ist bekannt, daß einer der Komture in Osterode in den Jahren 
1392-1397, der aus einer urspfÜglich in Lübeck verwurzelten Elbinger Patrizier- 
familie stammende Gerlach (Genolt) Monch von Rosenberg war. Leider ist über 
seine Laufbahn im Orden nur wenig bekannt. In Ordensquellen wird Gernolt 
Monch 1381 genannt, als er das Wald amt in Mirchau übernommen hat. Später 
- in den Jahren 1382-1384 - übte er die Funktion des Bütower Prokurators aus 
und wurde 1389 Hauskomtur in Danzig, von wo er vermutlich nach Osterode 
versetzt wurde. Man kann nur vermuten, daß seine enge Verwandtschaft mit dem 
pomesanischen Bischof Johann Mönch nicht ohne Einfluß auf die Laufbahn 
dieses Patrizierssohnes gelieben ist 12. 
Im Jahre 1416, nach dem Tod des Hauskomtures in Marienburg, Johann 
Winthausen, bekleidete der aus Thorn stammende Witche von der Pforte diese 
Funktion 13. 
Ein anderer Ordenskomtur, der dem preußischen Bürgertum entstammte, 
der jedoch außerhalb des Ordensstaates amtierte, war der 1360 in Strasburg 


127 


........
>>>
in Preußen geborene Johannes Malkaw. Er verließ Preußen wohl kurz nach der 
Priesterweihe, denn 1387 war er als Priester im Rheinland tätig. Später dürfte er 
eine Universität (vielleicht in Italien, wohin er sich 1390 begeben hat) besucht 
haben, denn er führte den MagistertiteI. In den nachfolgenden Jahren trat 
Johannes Malkaw dem Orden bei und wurde Komtur in Straßburg am Rhein. Er 
war dort bis 1409 tätig, als er sich entschied, aus dem Orden auszutreten 14. 
Doch sind preußische Bürger in hohen Ordensämtern selten anzutreffen. In 
größerer Anzahl sind sie vor allem in den Reihen der Ordensgeistlichen und unter 
den Graumäntlern und Dienern vertreten. Besonders groß war der Anteil der 
preußischen Stadtbevölkerung in der erstgenannten Gruppe, was insofern 
verständlich ist, als fast im ganzen Ordensstaat (eine gewisse Ausnahme war hier 
nur die ermländische Diözese und - bis zur zweiten Inkorporation 1451 - das 
Erzbistum Riga) bedeutendere Kirchenämter nur von Ordensmitgliedern be- 
kleidet werden durften. Diese Feststellung trifft schon für die Pfarrämter zu, 
denn einzelne Handfesten - mit der Kulmer angefangen - behielten dem 
Deutschen Orden das Patronatsrecht über Pfarrkirchen vor. Im Laufe der Zeit 
bildete sich der Brauch heraus, wonach der Hochmeister das Patronatsrecht über 
fast alle Gemeinden in Preußen innehatte (eine Ausnahme bildeten Kirchen, über 
die die preußischen und Leslauer Bischöfe, Domkapitel, manche Klöster, 
vereinzelt Ritter oder der Orden gemeinsam mit anderen das Patronat ausübten). 
In Anlehnung an das Kirchenrecht wurden die Pfarrämter in der Regel mit 
Ordensmitgliedern besetzt IS. 
Ebenso begannen die Deutschherren nach der Inkorporation des Kulmer, 
dann des pomesanischen und samländischen (1285) Domkapitels in den Orden, 
die drei Bistümer zu verwalten. Nach der ersten Periode der unmittelbaren 
Berufung von Ordenspriestern zu Domherrn, was zahlreiche Proteste des 
einheimischen Klerus außerhalb des Ordens hervorrief, bildete sich ein ab- 
weichender Brauch der Besetzung von DomherrensteIlen heraus. Die Wahl des 
Amtsanwärters wurde vom Kapitel getroffen, das auch im Falle der Wahl eines 
Geistlichen, der nicht dem Orden angehörte, die Bitte an den Hochmeister 
herantrug, den betreffenden Kandidaten in den Orden aufzunehmen. Wenn der 
Hochmeister nicht einverstanden war, mußte das Domkapitel einen anderen 
Kandidaten vorschlagen. Die Kurie in Rom griff sehr selten in solche Angelegen- 
heiten ein 16. 
Im Lichte der oben dargelegten Fakten ist zu ersehen, daß eigentlich nur der 
Eintritt in den Orden den preußischen Bürgern Aufstiegschancen gab und sie 
innerhalb der Kirchenhierarchie des Ordensstaates auch absicherte. Zugegebe- 
nermaßen versuchten manche von ihnen, Kirchenämter außerhalb Preußens zu 
besetzen, meistens in benachbarten Diözesen, doch die Möglichkeiten der 
Beförderung waren ziemlich begrenzt. Wie es die Untersuchungen über das 
Plocker Bistum z.B. bewiesen haben, wurden alle wichtigen Ämter in diesem 
Kapitel ausschließlich für gebürtige Ritter reserviert, im Falle von Bürgern 


128
>>>
war schon die Besetzung einer einfachen DomherrensteIle ohne höhere 
Amtsfunktionen der Gipfel ihrer Laufbahn 1'. Es ist daher nicht verwunderlich, 
daß ambitionierte Vertreter des preußischen Bürgerstandes welche die 
Domherrenwürde in außerpreußischen Kapiteln erreicht haUen, später in den 
Orden eintraten und geistliche Ämter im Ordenstaat übernahmen 18. 
Einen weiteren Anreiz für preußische Bürger, dem Orden beizutreten - dies 
traf besonders auf ehrgeizige Angehörige von änneren Schichten des Bürgertums 
zu - war der Umstand, daß die Deutschordensherren das Studium von 
Ordensmitgliedern oft in vollem Umfang oder teilweise finanzierten oder durch 
Verleihung von Präbenden unterstützten. Diese Förderung resultierte vor allem 
daraus, weil die Nachfrage nach Menschen mit Universitätsbildung im 14. und 
15. Jahrhundert erheblich gestiegen war. Solche Unterstützung wurde jedoch nur 
wenigen zuteil, den Begabtesten oder um den Orden besonders verdiente 
Personen oder solchen, die mit höheren Würdeträgern verwandt waren 19. 
Doch die Anfänge der Laufbahn der Mehrheit von in den Quellen erwähnten 
Ordensgeistlichen bürgerlicher Herkunft hatten einen anderen Verlauf. In der 
Regel absolvierten sie zuerst Schulen in Preußen (wo sie auch manchmal die 
niederen Weihen erhalten haben) und zogen dann zum Studium nach Prag, 
Leipzig, Rostock oder Wien, das sie dann in Italien (Bologna, Padua, Perugia), 
seltener in Frankreich (paris, Orleans) fortsetzten. Einige von ihnen traten schon 
während des Studiums oder kurz nach der Erlangung des ersten wissenschaft- 
lichen Grades (z.B. der Thorner Andreas PfafTendorf oder die Danziger Nicolaus 
von Hohenstein und Andreas Schonaw)20 dem Orden bei. Solche Entscheidun- 
gen schufen ihnen wohl eine Möglichkeit der Fortsetzung der Ausbildung an 
Universitäten in Wien und Bologna, wo sie ihre nächsten wissenschaftlichen 
Grade erlangten. 
Ein Teil der Vertreter des preußischen Bürgertums jedoch trat in die Dienste 
des Ordens oder ließ sich in den Orden als Mitglied aufnehmen nach dem 
Abschluß des Studiums bzw. nach Lehrtätigkeit an Universitäten 21, oder auch 
nachdem in kirchlichen Institutionen Dienst geleistet worden war 22. 
Die Bürger mit Universitätsbildung, die Ordensmitglieder waren, wurden mit 
Pfarreien ausgestattet und in die dem Orden inkorporierten Kapitel der 
preußischen Bistümer aufgenommen; erst dann hat man ihnen verschiedene 
Funktionen, meistens in der Staatsverwaltung oder Diplomatie, anvertraut. 
Daher auch begegnet man ihren Namen unter den Privatsekretären 
der Hochmeister, unter den Schreibern in den Marienburger oder Landmeister- 
kanzlei sowie in den Komtureien und auch - das betraf jedoch nur die 
Begabtesten und Vertrautesten - als Kapläne der Hochmeister und Leiter in der 
Ordenskanzlei 23. 
Eine andere Gruppe der vom Orden angeworbenen juristisch gebildeten 
Intellektuellen bürgerlicher Herkunft war als Rechtsberater des Ordens, haupt- 
sächlich am Hochmeisterhof (z.B. Johannes Reymann, Jodocus Quednau) oder 
beim livländischen Landmeister (Leonardus Rothose) oder im Dienste der 


129
>>>
Ordensdiplomatie tätig. Aus ihren Reihen stammte u.a. - obwohl man formal 
gesehen Besetzung des Postens durch Ritterbrüder verlangte 24 - eine beträcht- 
liche Anzahl der ordensritterlichen Generalprokuratoren in Rom sowie die 
Mehrheit ihrer Vertreter oder Berater, z. B. Nicolaus von Danzig, Arnold Stapel, 
Peter von Wormditt, Johannes Thuringus aus Braunsberg, die Danziger 
Johannes Tiergart, Johannes Crowel, Andreas Ruperti (geboren in Praust bei 
Danzig), Jodocus Hogenstein, Laurentius Blumenau oder der Elbinger Bart- 
holomäus Liebenwald 2S. 
Alle bisher genannten Personen sowie andere Absolventen der Universitäten 
aus bürgerlichen Kreisen, die Mitglieder des Ordens waren oder in seinem Dienst 
standen (auch diejenigen, die offiziell nur als Pfarrer oder Kanoniker tätig 
waren) wurden ebenso zu zahlreichen diplomatischen Missionen, vor allem als 
Teilnehmer der Abordnungen oder als Vertreter der Ordensseite an Friedensver- 
handlungen (hauptsächlich mit dem polnisch-litauischen Staat) gebraucht, im 
Prozeß vor dem König Sigismund von Luxemburg 1419/1420 oder auch früher 
während des Konzils zu Konstanz (1414-1418)26. 
Es scheint, daß der Rolle der Personen und ihre Bedeutung für die Gestaltung 
der Verwaltungsstrukturen und der Außenpolitik des Ordensstaates bisher nicht 
gebührend Rechnung getragen wurde. Die Analyse der erhaltenen Quellen legt 
nahe, daß hauptsächlich Universitätsabgänger, unter denen die Söhne der 
preußischen Bürger die bedeutendste Gruppe bildeten, durch ihre Tätigkeit 
in der Marienburger Kanzlei, durch Besetzung von wichtigen Ämtern der 
Ordensvertreter in Rom sowie auf grund ihrer häufigen Teilnahme an 
verschiedenen Abordnungen und diplomatischen Missionen fast die gesamte 
Ordensdiplomatie - natiirlich unter Aufsicht des Hochmeisters - praktisch in 
ihre Hände übernommen hatten. In der Marienburger Kanzlei wurden häufig 
Varianten für verschiedene Verhandlungen oder sogar Briefkonzepte, die andere 
Herrscher oder Institutionen auf Anraten des Ordens hin ausstellen sollten, 
vorbereitet. Eben die römischen Generalprokuratoren waren es, die oft 
den Hochmeister bedrängten, bestimmte diplomatische und politische 
Schritte zu unternehmen oder manchmal sogar selbständig gewisse Maßnahmen 
einzuleiten 27. 
Die Leute waren, trotz ihrer bürgerlichen Harkunft, loyale Mitglieder des 
Ordens und Repräsentaten von dessen Interessen und bemühten sich, dement- 
sprechend zu handeln. Dies bestätigen u.a. die Befürchtungen der preußischen 
Stände vor einer Teilnahme von Ordensjuristen an ihren Verhandlungen mit dem 
Hochmeister 28. Der Hochmeister und die Ordensbehörden wußten ihre Haltung 
und Tätigkeit zu schätzen, was sich in der Berufung der im diplomatischen oder 
Staatsdienst des Ordens verdienten Vertreter der bürgerlichen Familien in die 
höchsten Kirchenämter im Ordensstaat widerspiegelte. In ihren Ämtern revan- 
chierten sich die hohen Würdenträger in der Regel weiterhin mit Treue und 
großer Loyalität gegenüber ihren ehemaligen Vorgesetzten und Mitbrüdern 29. 
An dieser Stelle können noch weitere aus dem Bürgertum stammende, gebildete 


130 


........
>>>
Ordenspriester genannt werden, die auf eine ähnliche Art und Weise Bischofs- 
würden erreicht haben, u.a. Johannes Crowel, Jodocus Hogenstein (Bischöfe 
von Oesel), Johannes Mönch und Johannes Reymann (pomesanische Bischöfe), 
Johann Clare und Michael Junge (samländische Bischöfe), Dietrich Damerow 
(Bischof von Dorpat) oder Heinrich Sorbom, Heinrich Heilsberg, Johannes 
Abeczier sowie Franz ReseI, die dank Unterstützung des Ordens ennländische 
Bischöfe wurden. Die Beispiele sind ein Beleg dafür, daß, wenn es um die 
Chancen des Aufstiegs in der geistlichen Hierarchie ging, bürgerliche Herkunft 
kein Hindernis darzustellen brauchte. 
Doch die meisten Vertreter des preußischen Bürgertums wurden in die 
Gruppe der Ordensmitglieder, nämlich die der Graumäntler und der 
einflußlosesten Kategorie der Diener aufgenommen. Die Quelleninformationen 
darüber sind sehr karg. Selten werden sie in den Konventsverzeichnissen mit 
Namen oder mit dem Vermerk über den Herkunftsort genannt, deswegen ist es 
nicht möglich, auch nur annähernd die Zahl der Bürgervertreter festzustellen. 
Übrigens war die Stärke der Gruppe in den einzelnen Konventen nicht konstant. 
Sie schwankte z.B. in Danzig in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zwischen 
5 (1437/38) und 3 Personen (1442) 30. Sie stammten aus allen Schichten der 
Stadtbevölkerung. In den Orden oder in seine Dienste traten sie entweder aus 
Eigeninitiative oder wurden - wenn in den Staats- oder Ordensbehörden Bedarf 
für bestimmte Spezialisten bestand - von Ordensherren angeworben 31. Die 
Diener übten meistens in den Konventen untergeordnete Funktionen- sei es in 
der Verwaltung oder als Hauspersonal- aus, ohne praktisch einen Einfluß auf das 
Leben der gesamten Korporation zu nehmen. 
Eine geringe Abweichung von diesem Prinzip bildeten nur GroßschäfTer 
sowie die von ihnen eingestellten Personen, die zur Aufrechterhaltung und 
Organisation der Wirtschaftstätigkeit des Ordens benötigt wurden (die letzteren 
brauchten keine Ordensmitglieder zu sein). Die Ordensherren beriefen in diese 
Funktion in der Regel Vertreter des reichen preußischen Bürgertums, also 
Vertreter des Standes, der über eine große Praxis und Erfahrung in der 
Abwicklung von Handelsgeschäften und von Finanzoperationen verfügte sowie 
im damaligen Rechnungswewen und in der Buchhaltung gute Kenntnisse hatten. 
Ohne detailliert auf den Aufbau der Handelsorganisation des Ordens einzuge- 
hen, die bereits von Erich Maschke und anderen Forschern erschöpfend 
besprochen wurde 32, wäre lediglich zu unterstreichen, daß die Funktion des 
Großschäffers in Marienburg und in Königsberg trotz ihres stolzen Klanges 
generell zu den relativ niedrigen in der Ordenshierarchie gehörte und zwischen 
dem Amt des Prokurators und des Vogtes rangierte 33 . Die Behauptung wird 
zusätzlich dadurch untermauert, daß der Königsberger GroßschäfTer dem 
Obersten Marschall unterstand und von ihm berufen wurde. Der Oberste 
Marschall war zugleich Komtur in Königsberg (ihm wurde auch die finanzielle 
Abrechnung beim Amtswechsel des GroßschäfTers vorgelegt), und entsprechend 


131 


.....
>>>
war der Marienburger GroßschäfTer dem Großkomtur untergeordnet und vor 
ihm rechenschaftspflichtig 34. 
Trotz des im formalen Sinn niedrigen Status dieses Amtes muß die Leitung 
des Wirtschaftsapparates des Ordens für die hier tätigen Personen verhältnis- 
mäßig attraktiv gewesen sein. Einerseits bot sich in dieser Funktion die 
Möglichkeit, eigene Familienmitglieder bei Geschäften mit dem Deutschen 
Orden zu fördern, andererseits wurde den niederen Vertretern dieses Apparates 
(Lieger, Kommissionäre, SchäfTer, Diener, Wirte) der Weg geebnet, neben dem 
Ordenshandel auch eigene Geschäfte zu betreiben 35. 
Wenn man die Namen mancher Bürger, Mitglieder des Ordens oder dessen 
Geschäftsträger in Preußen oder im Ausland mit ihrer politischen Laufbahn oder 
mit ihren Verwandten vergleicht, kann man sagen, daß die Kontakte mit dem 
Orden - besonders nach 1411 - nicht ohne Einfluß auf deren weitere Geschicke 
und Positionen in den Herkunftsstädten geblieben sind 36. 
Zum Abschluß der wegen des Umfanges der Arbeit notgedrungen skizzen- 
haften Ausführungen müssen noch manche Anknüpfungspunkte und Beziehun- 
gen der Deutschherren zu den Vertretern des örtlichen Handwerks erwähnt 
werden. Sie hatten doppelten Charakter. Einerseits siedelte der Orden auf der 
sog. Burgfreiheit Handwerker an, die für Bedürfnisse der Burgkonvente arbeiten 
sollten, was in vielen Stadtzentren zu beobachten ist, u.a. in Elbing, Danzig, 
Marienburg und Thorn. Die rechtliche Stellung der dort wohnenden Leute war 
nicht klar. Nur wenige von ihnen wurden in den erhaltenen Verzeichnissen der 
Ordensdiener als "familia noster domus" bezeichnet. Diese Handwerker befan- 
den sich außerhalb der Zünfte, und aus diesem Grunde wurden sie von den 
einzelnen Städten als sog. Pfuscher angesehen. Wahrscheinlich waren sie, wie 
man aus dem Fehlen von Beschwerden der Städte über deren Tätigkeit 
entnehmen kann, keine größere Konkurrenz für die städtischen Handwerker. 
Wenn sie für konkrete Arbeiten in Ordenswerkstätten oder auf Baustellen 
verpflicht wurden, bekamen sie für ihre Arbeit einen bestimmten Tages- oder 
Wochenlohn. Man kann annehmen, daß die jeweiligen Konvente von deren 
Arbeit profitierten, indem sie so über billigere Arbeitskräfte verfügten, als sie das 
städtische Handwerk geboten hätte, und von denen zusätzlich noch Abgaben in 
Geld oder Arbeitsleistung erhoben wurden 37. 
Die bisher angeführten Beispiele haben einen recht einseitigen Charakter und 
belegen im Prinzip nur den Prozeß der Aufnahme von Vertretern des preußischen 
Stadtbürgertums in den Orden. Der Prozeß verlief jedoch auch in umgekehrter 
Richtung. Man begegnet auch Ordensmitgliedern in den Städten, und das nicht 
nur in Städten, in denen Ordenskonvente ansässig waren. Die Anwesenheit 
der Ordensherren in den Städten hatte unterschiedliche Voraussetzungen 38. So 
war sie beispielweise auf städtischen Ordensbesitz (meistens durch Schenkung 
oder Erbschaft erworben) zurückzuführen. Diese Möglichkeit wurde übrigens 
teilweise bereits in der Kulmer Handfeste berücksichtigt und geregelt, wo 


132 


......
>>>
ausdrücklich vermerkt wurde, daß der Orden zwar keine Häuser in den Städten 
käuflich erwerben darf, doch im Falle, wenn den Ordensherren eine städtische 
Liegenschaft vermacht wurde, sie ihre Bestimmung nicht verändern dürfen und 
dieselben Rechte zu befolgen haben, wie die anderen Hausbesitzer in der Stadt. 
Deswegen begegnet man im 14. und 15. Jahrhundert in den erhaltenen 
Gerichtsbüchern vielen Aufzeichnungen. in denen die Komture (z.B. aus Thorn, 
Birglau, Schönsee) und andere Ordensbeamte finanzielle und Vermögensabrech- 
nungen mit Bürgern durchgeführt haben 39. 
Die Ordensmitglieder tauchen in den preußischen Städten zuerst (frühestens 
seit 1237, als Papst Gregor IX. ihnen erlaubt hatte, Kandidaten für die 
Funktionen vorzuschlagen) als Pfarrer auf. Später wurde der Brauch fast zur 
Regel und resultierte, wovon schon gesprochen wurde, aus dem im Ordensstaat 
geltenden kirchlichen Patronatsrecht. In Anlehnung u.a. an diese Rechte nutzten 
die Ordensherren die städtischen Kirchen als eigene Gebets- oder Begräbnisstät- 
ten und richteten manchmal hier ihre lokalen Archive und Schatzkammern ein. 
Es ist an dieser Stelle Marian Dygo zuzustimmen, der darauf hinwies, daß das 
Ordenspatronat über Kirchengemeinden in Preußen Merkmale einer Art 
Inkorporation hatte. Weil diese Pfarrer wegen ihres Wohnens in Ordenskonven- 
ten und ihrer damit verbunden materiellen Versorgung durch den Orden in 
engsten Beziehungen zum Orden standen, sind sie in preußischen Städten nicht 
nur als Priester und Mitglieder der städtischen Gemeinschaft, sondern vielmehr 
als Ordensbeamte angesehen worden. Berücksichtigt man diese Voraussetzun- 
gen, dann erscheint auch die Rolle der seit Anfang des 14. Jahrhunderts durch die 
Räte der preußischen Städte bestellten sog. Kirchenverweser - diese waren ein 
oder zwei Ratsmitglieder, die alljährlich zur Aufsicht der städtischen Kirchen 
bestimmt wurden, die meistens in Quellen als "provisor", "kirchenvater" usw. 
bezeichnet werden, in einem anderen Licht. Die Kirchenverweser sorgten, indem 
sie im Namen des Rates Einkünfte und Ausgaben der jeweiligen städtischen 
Kirchen beaufsichtigten und verwalteten, wahrscheinlich auch dafür, daß die 
Geldmittel tatsächlich für Belange der örtlichen Kirche verwendet wurden und 
nicht z.B. für Ordenskonvente, von denen die Pfarrer kamen 40. 
Mit dem mehrmals erwähnten Patronatsrecht und mit der Besetzung von 
Pfarrämtern durch Ordensleute hängt das Problem der preußischen städtischen 
Schulen und - auf der Diözesanebene - der Domschulen, auf deren Arbeit 
zweifelsohne die Ordenspriester einen erheblichen Einfluß ausübten, zusammen. 
Zugegebenermaßen wurden Schulen in großen Städten von den Pfarrkirchen 
getrennt und de facto den städtischen Behörden untergeordnet, in der Mehrheit 
der Städte und Dörfer jedoch lag die Leitung des Unterrichts in den Händen der 
örtlichen Geistlichen 41 . 
Einen ähnlichen Einfluß dürften die Ordensbehörden nach der Inkor- 
poration der preußischen Bistümer auch auf die seit dem 13. Jahrhundert in 
Kulm, Marienwerder und Königsberg tätigen Domschulen ausgeübt haben, die 


133
>>>
Priesterkandidaten vorbereiteten. Wenn man das Bild noch um die in der zweiten 
Hälfte des 14. Jahrhunderts in Marienburg gegründete lateinische Pfarrschule 
ergänzt, die dem Hochmeister unterstand und ebenfalls künftige Ordensgeist- 
liche ausbildete, kann man feststellen, daß die Ordensherren sich auch über das 
Schulwesen viele Möglichkeiten der unmittelbaren oder mittelbaren Ein- 
flußnahme auf jüngere Vertreter der städtischen Gemeinschaften gesichert 
haben 42. 
Das Eingreifen und die Anwesenheit der Ordensmitglieder in den 
preußischen Städten beschränkte sich jedoch nicht nur auf die von ihnen weit 
verstandenden kirchlichen Angelegenheiten, sondern trugen häufig politischen 
Charakter. Besonders deutlich tritt der zweite Aspekt in den sog. "Neustädten" 
zu Tage, die in dcr Regel ziemlich beschränkte - wenigstens im Vergleich zu den 
größeren preußischen Städten - Selbstverwaltungsrechte hatten. Als Beispiel 
dafür kann die Tatsache dienen, daß die Wahlen der Bürgermeister, Ratsherren 
und Schöffen nur bei Anwesenheit der Komture des jeweiligen Gebietes 
stattfanden, die auch das Recht der Gerichtsbarkeit hatten und meistens über 
ihre Vertreter die Gerichte der Städte streng kontrollierten 43. 
Dies bedeutet jedoch nicht, daß man nicht versucht hat, Einfluß auf die 
politischen Verhältnisse in den sog. großen preußischen Städten zu nehmen. Das 
beste Beispiel dafür ist hier die Rechtstadt Danzig, wo der Orden in Anlehnung 
an sein Privileg für die Stadt von 1378 zeitweise versucht hat, in die Wahlen der 
Stadtbehörde oder die Tätigkeit des Schöffengerichts einzugreifen. Folgen dieses 
Vorgehens der Ordensbeamten waren noch in der ersten Hälfte des 15. 
Jahrhunderts zu sehen, als die Danziger Komture das Recht auf den Burgrafen- 
titel und obersten Richter für sich beanspruchten 44. In den Städten, in denen 
keine Rechtsgrundlagen für das unmittelbare Eingreifen des Ordens in deren 
innere Angelegenheiten vorhanden waren, nahmen die Ordensherren oft ver- 
schiedene innere und äußere Konflikte zum Vorwand, als Schiedsmänner 
aufzutreten. So war es u.a. 1276 in Thorn, als der preußische Landmeister den 
Streit zwischen der Alt- und Neustadt um Zinseinkünfte und Nutzungsrechte 
den Weide- und Forstflächen sowie der Flüsse entschieden hat-so auch 1411 in 
Thorn und Danzig 45. 
Zusammenfassend sei erlaubt, einige allgemeinere Schlußfolgerungen zu 
ziehen: 
I. Die Situation der Bürger in den preußischen Städten, die entweder in den 
Orden selbst eintraten oder sich in seine Dienste begaben, war mit der Situation 
von Vertretern des Bürgertums aus dem Reich nur sehr bedingt vergleichbar, 
weil die preußischen Stadtbürger nur ausnahmsweise als Ritterbrüder auf- 
genommen wurden bzw. die Komturswürde erreichten. Vorzugsweise ist das auf 
die herrschenden gesellschaftspolitischen Verhältnisse und auf die etwa im 
Vergleich zu Bürgern von Köln oder Lübeck schwächeren finanziellen Voraus- 
setzungen zurückzuführen. 


134
>>>
2. Die größten Aufstiegschancen im Orden hatten die aus dem preußischen 
Bürgertum stammenden Absolventen der Universitäten, die in der Regel als 
Ordenspriester aufgenommen wurden. Es scheint, daß Bildung und Universitäts- 
grade in dieser Geistlichengruppe der beste Schlüssel zur Karriere waren. 
Diejenigen Leute, die sich durch Begabung, Loyalität und Arbeit für die 
Ordensherren hervorgetan hatten, durften auf die höchsten Kirchenwürden 
hotTen. Es scheint, daß die Aufstiegschancen der gebildeten Preister bürgerlicher 
Herkunft im Ordensstaat viel größer waren als z.B. im benachbarten Polen. 
3. Die meisten preußischen Bürger - wenigstens prozentual gesehen 
- wurden in die Reihen der Graumäntler und Diener aufgenommen. Unter ihnen 
erlangten Vertreter der Kaufmannschaft die höchsten Würden, deren Fähig- 
keiten vor allem im Ordenshandel sowie bei der Besetzung der niedrigeren 
Verwaltungsämter zur Geltung kamen. Diese Leute haben oft versucht, ihre 
Stellung im Orden für die gleichzeitige Abwicklung eigener Handelstätigkeit, für 
die Förderung ihrer Verwandten bei Geschäften mit den Ordensherren oder für 
eigene Beziehungen zur Ordensleitung auszunutzen, um eigene Karrieren oder 
die von Familienmitgliedern in der Stadthierarchie (z.B. Wahlen zur Schöffen- 
bank, zum Rat und bei der Besetzung der städtischen Ämter) zu beschleunigen. 
4. Man begegnet den Ordensherren im hier interessierenden Zeitraum nicht 
nur in den preußischen Städten, die Sitze von Konventen waren. Ihre Anwesen- 
heit hatte eine Vielzahl von Gründen. Vornehmlich resultierte sie aus dem 
Charakter des Herrschaftsanspruches des Deutschen Ordens in Preußen und 
daneben vor allem aus seinem Immobilienbesitz in den Städten. Es scheint, daß 
Vertreter des Ordens in der Stadt (auch wenn sie nur die Funktionen von 
Pfarrern oder andere weniger wichtige Würden ausübten) nach 1411 mit großem 
Mißtrauen angesehen wurden, weil die Stadtbevölkerung in ihnen in allererster 
Linie Vertreter der Ordensmacht erblickte. Die Situation war, zugegebener- 
maßen aus anderen Gründen, der Lage der Deutschherren in den Reichsstädten 
ähnlich, wo der Orden auch oft wegen der politischen und Handelsprivilegien als 
Fremdkörper im Stadtgefüge angesehen wurde 46 . 


Anmerkungen 


I Z. B. L. von Winterfeld, Handel und Patriziat in Köln bis 1400 (Pfingstblätter des Hansischen 
Geschichtsvereins 16), Lübeck 1925, S. 21-24; F. Lau, Das Kölner Patriziat bis zum Jahre 1325, 
MiUheilungen aus dem Stadtarchiv Köln 26, 1895, S. 144f.; A. Niedermeyer, D
 
Deuuch-Ordens-Commenck Frankfurt am Main, 1874, S. 57, 6Of.; H. Weigel, D
 Deutschordenskom- 
turei Rothenburg o. Tauber im Mittelalter (Quellen und Forschungen zur bayerischen Kirchenge- 
schichte 6), Leipzig u. Erlangen 1921, S. 41, 138; M. Hellmann, Bemerkungen über das Verhältnis der 
Deutschorcknskommende zur Stadt Freiburg, Schau-ins-Land 72, 1954, S. 23f.; Rillerbrüder im 
livländischen Zweig des Deutschen Ordens, hrsg. von L. Fenske, K. Militzer, Köln-Weimar-Wien 
1993 (Quellen und Studien zur baltischen Geschichte 12) u. andere. 


135
>>>
2 E. Maschke, Deutschordensbrüder aus dem städtischen Patriziat, in: ders, Domus Hospitali.f 
Theutonicorum. Europäische V erbindungslin
n der Deutschordensgeschichte (Quellen und Studien zur 
Geschichte des Deutschen Ordens 10), Bonn-, Bad Godesberg 1970, S. 60-68. VgI. auch 
M. Hellmann, Bemerkungen zur sozialgeschichtlichen Erforschung des Deutschen Ordens, Histori- 
sches Jahrbuch 80, 1961, S. 126-142. 
3 U. Arnold, Entstehung und Frühzeit des Deutschen Ordens. Zur Griindung und innerer 
Struktur des DeutscMn Hospitals von Akkon und des Ritterordens in der ersten Hälfte des 13. 
Jahrhunderts, in: Die geistlichen /Utterorden Europas, hrsg. von J. Fleckenstein u. M. Hellmann, 
Sigmaringen 1980, S. 99-102. Siehe auch G. Müller, Die Familiaren des Deutschen Ordens (Quellen 
und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 13), 1980, S. 19-21; K. G6rski, Ustroj panstwa 
I zakonu krzyiackiego w Prusach, in: Studia i szkice z dziej6w panstwa krzyiackiego (nachfolgend: 
StutJia i szkice), Olsztyn 1986, S. 39-40; A. Nowakowski, 0 wojskach Zakonu Szpitala Najjwittszej 
Marii Panny Domu Niemieckiego w Jerozolimie zwanego krzyiackim, Olsztyn 1988, S. 57f. 
f E. Maschke (wie Anm. 2), S. 68. 
, H. Boockmann, Der Deutsche Orden in Nürnberg, in: D
 Rolle der Ritterorden in der 
mittelalterlichen Kultur (nachfolgend: Die Rolle), hrsg. von H. Z. Nowak (Ordines militares. 
Colloquia Torunensia Historica 111), Torun 1985, S. 102. 
· An dieser Stelle sei vermerkt, daß man entgegen mancher bisherigen Ansicht, daß der 
Aufnahmeprozeß der Bürger aus dem Reich hauptsächlich im 13. Jh. staUland (später sollte das eher 
eine Ausnahme sein), im 14. und 15. Jh. in den Quellen noch viele Erwähnungen von Ordensrittern 
aus deutschen Städten begegnet. Ein Beispiel dafür sind u.a. Lübecker Bürger, von denen wenigstens 
5 im 14. Jh. im Orden identifiziert werden konnten; A. Grassmann, Liibeck und der Deutsche Orden. 
Möglichkeiten zu neuen Forschungen, in: Werkstatt des Historikers der mittelalterlichen Ritterorden. 
Quellenkundliche Probleme und Forschungsmethoden, Torun 1987, S. 44-46. Siehe auch Regesta 
historico-diplomatica Oridinis S. Mariae Theutonicorum. 1198-1526, hrsg. von E. Joachim, 
W. Hubatsch (nachfolgend: Regesta), I, GÖUingen 1948, Nr. 8777 und 8812 mit Informationen über 
die Bemühungen des Bürgermeisters von Lübeck Johann Colman um Aufnahme seines Sohnes 
in den Orden. 
7 M. Dygo, Studia nad poczqtkami wladztwa Zakonu N
m
ck
go w Prusach, Warsza- 
wa 1992, S. 212. 
· Historia Pomorza I (bis 1466) Teil I, Pomaill972, S. 612; M. Biskup, G. Labuda, Dzieje 
Zakonu Krzyiackiego w Prusach. Gospodarka - Spoleczenstwo - Panstwo -ldeologia, Gdansk 1986, 
S. 276; Z. H. Nowak, Die Rolle der Konvente des Deutschen Ordens im sozialen, religiösen und 
kulturellen Leben Preußens, in: Die Rolle, S. 27. Einige Vertreter der preußischen RiUerfarnilien 
verbrachten manchmal ihre Jugend in Marienburg als Höflinge der Hochmeister, selten jedoch ergab 
sich daraus z.B. die Funktion eines inoffiziellen Hochmeisterberaters. Meistens wurden sie nach der 
Dienstzeit einfach mit Landbelehungen belohnt, M. Biskup, G. Labuda (Siehe oben) S. 285-286; 
R. Wenskus, Der Deutsche Orden und d
 nichtdeutsche Bevölkerung des Preußenlandes mit 
besonderer Beriicksichtigung der Siedlung, in: ders., Ausgewählte Aufsätze zumfriihen undpreußischen 
Mittelalter, Sigmaringen 1986, S. 358f. 
, Mehr über die Städte siehe J. Tandecki, Sredniowieczne ksiegi wielkich miast pruskichjako 
J.r6dla historyczne i zabytki kultury m
szczaflskiej, Warszawa-Torun 1990, S. 3f. 
10 M. Dygo (wie Anm. 7), S. 174f.; Ksiega lawnicza Stare go Mia.fta Torunia, hrsg. von 
K. Ciesielska, J. Tandecki, Erster Teil, Torun 1992; Zweiter Teil, Torun 1993, Nr. 552, 1184. 
11 Regesta Nr. 6785, 9685, 9858f. 
12 R. Wenskus, Das Ordensland Preußen als Territorialstaat des 14. Jh., Vorträge und 
Forschungen 13, Sigmaringen 1970, S. 367, Anm. 88; B. Jähnig, D
 Osterroder Komture 
des Deutschen Ordens und ihre Laufbahnen, Zeitschrift für Ostforschung 36, 1987, S. 388, 397; 
Regesta 11, Nr. 1300, 1320; R. Czaja, Socjotopografia miasta Elblqga w sredniow
czu, Torun 
1992, S. 53. 


136 


.......
>>>
.3 Das Ausgabebuch des Marienburger Hauskomturs für d
 Jahre J41
]420, hrsg. von 
W. Ziesemer, Marienburg 1910, S. XIII. 
.. AltpreußiscM Biographie, 1-2, hrsg. von Ch. Krollmann, Königsberg-Marburg 1941-1967, 
S. 30S. Die Wahl J. Malkaws zum Straßburger Komtur ist verständlich, da um 1400 im Konvent nur 
3 Ritter und sogar 7 Priester waren; F. Benninghoven, Zur Zahl und Standort verteilung der Brüder 
des deutschen Ordens in den Balle
n um ]400, Preußenland 26, 1988, Nr. I, S. 14. Letztens zweifelte 
K. Militzer, Beziehungen des Deutschen Ordens zu den Universitäten, besonders zur Kölner 
Universität, in: Die Spiritualität der Ritterorden im Mittelalter, hrsg. von Z. H. Nowak (Ordines 
militares. Colloquia Torunensia Historica VII, Toruri 1993, S. 265, Anm. IS, die Ausübung der 
Komturwürde durch J. Malkaw an. 
I' Przywilej ChelmiiLski 1233, 1251, hrsg. von K. Ciesielska, Toruri 1983, S. 41; J. Vogt, 
Geschichte Preußens von den ältesten Zeiten bis zum Untergang der Herrschaft des Deutschen Ordens 6, 
Königsberg 1834, S. 740; W. von Brünneck, Zur Geschichte des Kirchenpatronats in Ost- und 
Westpreußen (Beiträge zur Geschichte des Kirchenrechts in den Deutschen Kolonisationslanden I), 
Berlin 1902, S. Sf; K. Bieszk, Walka zakonu krzytackiego z Polskq 0 przynaletno.fc ko.fcielnq 
Archidia/conatu Pomorskiego, Roczniki TNT 34, 1927, S. 8; M. Dygo (wie Anm. 7), S. 233f.; 
J. Samowsky, Wirtschaftliche Lage der Pfarreien im Deutschordensland Preußen: Das Beispiel der 
Vikare zu Mülhausen, in: Vera ux Historiae. Stud
n zu mittelalterlichen Quellen. Festschrift für 
D
trich Kurze, Köln-Wien-Weimar 1993, S. 373f. 
16 K. G6rski, Ustroj paiLstwa, S. 70--71; ders., Kapitula cMlmiriska w czasach krzytackich, 
S. 116; ders., Das Kulmer Domkapitel in den Zeiten des Deutschen Ordens. Zur Bedeutung der Pr
ster 
im Deutschen Orden, in: Die GeistlicMn Ritterorden Europas, Sigmaringen 1980, S. 331; A. Radzi- 
minski, Fundacja i inkorporacja kapituly katedralnej w Chelmty oraz zalamiJnie misji dominikaitskiej 
w Prusach w polo wie Xlllw., Zapiski HistoryczneS6, 1991, H. 2-3, S. 7-24. Siehe auch G. Froelich, 
Das Bistum und der DeutscM Orden, ZWG 27, 1889, S. 1-99 sowie P. Reh, Das Verhältnis des 
deutscMn Ordens zu den preußischen Bischöfen im 13. Jh., ZWG 3S, 1896, S. 121-136. Nurin Ermland 
waren sowohl der Bischof als auch das Kapitel keine Mitglieder des Ordens; M. Biskup, G. Labuda 
(wie Anm. 8), S. 170. 
"A. Radzimiriski, Model awansu i kariery ko.fcielnej w .fredniow
cznej Polsce na podstawie 
badafl duchowieflslwa katedralnego w Plocku, Kwartalnik Historycmy 3-4, 1989, S. 49-62. 
.1 Als guter Beleg kann hier die Laufbahn eines Thomer Bürgers, des Simon von Luterberg, 
Plocker Kanonikus in den Jahren 138S-1387, dienen, der Priester und Schreiber im Thomer Konvent 
(1392), dann Probst der Jakobskirche in der Thomer Neustadt (vor 1400), päpstlicher Subkollektor 
in der Kulmer Diözese (vor 1401) und Probst in Guttstadt und Kruschwitz war; A. Radzirninski, 
J. Tandecki, Katalog Dokumentow i listow krzytackich Archiwum PaiLstwowego w TOTUniu 
I (1251-1454), Warszawa 1994, Nr 60, Anm 2. 
19 Regesten Nr. 2372, 2542, 3447,3731,4244,4643,4728, S072, 6662, 6663, 7220, 7726, 7848, 
8376, 901S, 9016, 9971, 10119, 11732, 117SS, 12229, 12278 u.a. Mehr über die von Deutschherren 
gestifieten Stipendien siehe H. Boockmann, Die Rechtsstudenten des Deutschen Ordens. Studium, 
Studienförderung und gelehrter Beruf imspöteren Mittelalter, in: Festschriftfür Hermann Heimpel zum 
70. Geburtstag am 19. September 1971, Bd. 2, Göttingen 1972, S. 313-37S. So begann die Laufbahn 
des in Christburg geborenen, späteren pomesanischen Bischofs Johannes Reyrnann, des Danziges 
Nicolaus Wulsack und Leonardus Rothose, des in Braunsberg geborenen Johann Thuringii und 
anderer; Altpreußische Biographie, S. 307, 372, 573; H. Freytag, Beziehungen der Universität uipzig 
zu Preußen von ihrer Begründung bis zur Reformation, ZWG 44, 1902, S. SO. 
:I) Altpreußische Biographie, S. 470, 488--489, 627--628. 
11 Ebd., S. S76-S77, S9O. 
2Z Z. B. Stephan von Neidenburg arbeitete 1442 als Notar des pomesanischen Bischofs, erst 
1448 wechselte er zum Orden. Auch der Danziger Johannes Crowel war nach dem Studium zuerst 
pommerellischer Ermiakon, ebd., S. 117,698. 


137 


.......
>>>
23 Der erste bekannte Schreiber des Hochmeisters bürgerlicher Herkunft war Hermann von 
Kaminata, Sohn des Thorner Ratsherren Dithmar (1333); R. Grieser, Das älteste Regi.vter der 
Hochmeisterkanzlei des Deutschen Ordens, Mitteilungen des österreichischen Instituts für 
Geschichtsforschung 44, 1930, H. 4, S. 422. Siehe auch B. Jähnig, Biographisches zu einigen 
preußischen Bischöfen und Hochmeisterkaptänen, Beiträge zur Geschichte Westpreußens 11, 1989, 
S. 69-72 sowie H. Boockmann, Die Rechtsstudenten, S. 320f. und M. Armgart, D
 Handfesten des 
preussischen Oberlandes bis 1410 und ihre Aussteller (im Druck). 
:14 Die Gültigkeit des Grundsatzes, wonach nur Ritter als Ordensvertreter an der römischen 
Kurie auftreten sollten und lediglich in den Fällen, wenn man keine geeignete Person gefunden hat, er 
von einem Priester ersetzt wurde, bestätigt u.a. ein Brief des Hochmeisters an den Papst von 1446, in 
dem er schreibt, daß der Bruder Andreas [Ruperti] nach dem Ableben des Prok urators Jacob Plaeske 
zur Wahrnehmung der Ordensangelegenheiten bis zur Ernennung eines Ritters entsandt wird; siehe 
H. Freytag, D
 Geschäftsträger des Deutschen Ordens an der Römischen Kurie von 1309 bis 1525, 
ZWG 49,1907, S. 189. 
Z5 Ebd., S. 198-206; ders., D
 Beziehungen, S. 504; AltpreußiscM Biographie, S. 18,63, 117, 304, 
576-577f. Siehe auch G. Froelich (wie Anm. 16), S. 97-98. 
:16 Z. B. die Thorner Johannes Abeczier und Anreas Pfa1fendorf, die Danziger Andreas Kunisch, 
Andreas Slomow, Andreas Schönen und Andreas Ruperti, Johann Doringk aus Kulm, Franz Resel 
genannt Kuhschmalz u.a.; siehe Regeste 6933£.; Z. H. Nowak, Mirdzynarodowe procesy polubowne 
jako narzrdzie polityki Zygmunta Luksembur.vk
go w polnocnej i srodkowowschodn
j Europie 
(1412-1424), Torun 1981 S. 63f; ders., 0 sposobach werbowania intelektuali.vtow do Zakonu 
Krzyzackiego w Prusach w pierwszej polow
 XV wieku, Zapiski Historyczne 45, 1980, H. 2, 
S. 101-102; M. Dygo (wie Anm. 7), S. 243-244; J. Sarnowsky (wie Anm. 15), S. 376, Anm. 10. 
Z1 E. Lüdicke, Der Rechtskampf des Deutschen Ordens gegen den Bund der preußischen Stände 
1440-1453, Altpreußische Forschungen 12, 1935, S. 32f.; K. G6rski, Dyplomatyka krzyiacka, 
S. 132; K. Bieszek (wie Anm. 15), S. 39f. 
21 E. Lüdicke (wie Anm. 27), S. 37; K. G6rski, Dyptomatyka krzyiacka, S. 132. 
21 Wie z.B. des Thorner S. Stodewescher, berufen zum Rigaer Erzbischof, der 1451 die 
Inkorporation des hiesigen Kapitels in den Orden vollzog; A. Matikowski, Sylwester Stodewescher. 
Torunczylc, arcybiskup ryski (+1479), Zapiski TNT 9,1932-1934, S. 102-103. 
JO K. G6rski, Ustroj, S. 44, 50; B. Jähning, Der Danziger Deutschordenskonvent in der Mitte des 
15. Jh. in: Danzig in acht Jahrhunderten, Münster 1985, S. 166-168; M. Biskup, G. Labuda, (wie 
Anm. 8), S. 275; F. Benninghoven (wie Anm. 14), S. 13-17. 
31 Ein Beispiel des zuletzt genannten Anwerbungsweges kann u.a. der in der ersten Hälfte des 15. 
Jhs. unternommene Versuch der Anwerbung des Franz Slawser, Stadtschreiber der Altstadt Thorn 
gelten; mehr zu diesem Thema siehe Z. H. Nowak, 0 sposobach werbowania, S. 101-102 sowie 
J. Tandecki, Sredniowieczne ksiegi, S. 205. 
n E. Maschke, D
 Schäffer und Lieger des Deutschen Ordens in Preußen in: Domus Hospitalis 
Theutonicorwn (Quellen und Studien 10), Bonn 1970, S. 69-103; M. Biskup, G. Labuda (wie 
Anm. 8), S. 330-332. 
JJ E. Maschke, D
 Schäffer, S. 78. 
:w B. Jähnig, Zur Wirtschaftsführung des Deutschen Ordens in Preußen vornehmlich vom 13. bi.v 
zwnfrühen 15. Jh., in: Zur Wirtschaftsentwicklung des Deutschen Ordens im Mittelalter, hrsg. von 
U. Arnold (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 38), Marburg 1989, S. 128. 
3S Der älteste namentlich bekannte Marienburger GroßschälTer, der wahrscheinlich aus einer 
Thorner Patrizierfamilie stammte, war Heinrich von Allen, der die Funktion wenigstens seit 1379 
innehatte. Ober ihn und die anderen OrdensgroßschäfTer siehe E. Maschke, Die Schäffer, S. 78f. 
sowie J. Tandecki, Obywatele miast pruskich w Zakon
 Krzyiackim (im Druck). 
J6 Ein Beweis dafür kann z.B. die Karriere von Hermann und Johann Huxer, Konrad und 
Hermann Palsat aus der Altstadt Thorn. Vertretern der Danziger Familie von der Beke (Decke) und 
anderer dienen. Siebe zu dem Thema J. Tandecki, Obywatele (im Druck). 


138 


.-..
>>>
J7 A. Sernrau, Der Wirtschaftsplan, S. 18f.; ders., Das Ordenshaus Thorn, S. 68-69; 
M. ArszyD.ski, Technika i organizacja budownictwa ceglanego w Prusach w kolicu XIV. w. i w pierwszej 
polowie XV. W., Studiazdziej6wrzemioslai przemyslu 9,1970, S. 87;Z. H. Nowak, Die Vorburgals 
Wirlschaftszentrum des Deuuchen Orden.f in Preußen. Eine Fragestellung, in: Zur Wirtschafuentwick- 
lung (wie Anm. 34), S. 156, 160; K. G6rski, Ustr6j, S. 57-58; l.t. Biskup, G. Labuda (wie Anm. 8), 
S. 322,391. 
JI Mehr über die Bedeutung dieses Terminus bei M. Dygo (wie Anm. 7), S. 5f. 
J9 (6) Promisimu.f etiom, in eisdam ci\litatibus ut nullus domus e
re debeamus. Si \lero aliquis 
domum aut aream suam domui nostre contulerit intuitu p
tatis, eam ad alios usus construere non 
debemus, nisi ad quas aliquis ex ci\libus construit domum suam, et eadem exinde jura et consuetudine 
obser\lare, qua alli de suis domibus obser\labunt. K. Zieliilska-Melkowska, Przywilej chelmillski 1233 
i 1251, Torun 1986, S. 38; Ksirga lawnicza Nowego Miasta Torunia (1387-1450), hrsg. von 
K. Ciesielska, Warszawa-Poman 1983, Nr. 3,46,232, 244f. 
fO M. Dygo (wie Anm. 7), S. 243-247; J. Sarnowsky (wie Anrn. 15), S. 376f. Zusätzlich zeugt 
davon u.a. die Tatsache, daß die aus dem Orden stammenden Pröpste im Prinzip in den städtischen 
Quellen nie als "unser" Propst bezeichnet worden sind, sondern immer nur "her pharrer" oder "her 
probist"; Ksirga lawnicza Nowego Miasta Torunia, Nr. 112, 241, I3lSf.; siehe auch Thorner 
Denkwiirdigkeiten von 1345-1547, hrsg. von A. Voigt, MCV 13,1904, S. 64; Ksifga czynszowafary 
chelmillskiej, hrsg. von Z. H. Nowak, J. Tandecki, Nr. 106; J. Tandecki, Sredniowieczne birgi..., 
S. 32-33. 
tl A. Semrau, Ein Pri\lilegfiir d
 Stadtschule in der Altstadt Thorn \Ion 1300, MCV 43,1935, 
S. 144-145; E. Waschinski, Erz
hung und Unterricht im Deutschen Ordenslande bis 1525 mit 
besonderer Beriick.dchtigung des niederen Unterrichts, Breslau 1908; S. Tync, Szkolnictwo Torunia 
w ciqgu jego dz
jow, in: Dz
je Torunia, Toruil 1933, S. 3; M. Biskup, G. Labuda (wie 
Anm. 8), S. 429-430. 
f1 M. Biskup, G. Labuda (wie Anm. 8), S. 430. 
t3 A. Czacharowski, Poczqtki "Nowych Miast" w palrstwie krzyiackim, in: Czas-przest- 
rzen-praca w dawnych miastach, Warszawa 1991, S. 51f.; Kfirga lawnicza Nowego Miasta Torunia, 
S. IX und Nr.479; OBA Nr. 1624 und andere. Siehe auch Z. H. Nowak, Neustadtgründungen des 
Deutschen Ordens in Preußen. Enutehung, Verhältnisse zu den Städten, Ende der Eigenständigkeit, in: 
Stadt und Orden. hrsg. von U. Amold (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen 
Ordens 44), Marburg 1993, S. 129f. 
.. SRP 4, S. 304, 309; Historia Gdallska I bis zum Jahre 1454, Gdailsk 1985, S.438; J. Tandecki, 
Sredniowieczne ksirgi, S. 19; J. Zdrenka, Gl6wne, Stare i Mlode Miasto Gdo.lIsk i ich patrycjat w latach 
1342-1525, Torun 1992, S. 155. 
t5 Preuß. Urkundenbuch 1/1, Nr. 342, S. 229; Thorner Denkwürdigkeiten \Ion 1345-1547, hrsg. 
von A. Voigt, MCV 13, 1904, Jb. 1347, 1385,1411,1426; A. Czacharowski, Toruli sredniowieczny 
(do ro/cu 1454), in: Torun do.wny i dzis
jszy. Zarys dz
jow, Warszawa-Poman-Torun 1985, 
S. 42-43. 
.. VgI. B. Moeller, Kleriker als Bürger. in: Festschrift für Hermann Heimpel, 2, Göttingen 1972, 
S. 198f. sowie K. Militzer, D
 Wirtschaftstötigkeit ländlicher und städtischer Deutschordenshäuser. 
Ein Oberblick, in: Zur Wirt.fchaftsentwickklung, S. 23. 


.......
>>>
I 
t,
>>>
ORDINES MILITARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA VIII - 1995 
RmERORDEN UND REGION - POLITISCHE, SOZlALE UND WIRTSCHAFI'LlCHE VERBINDUNGEN IM MmELALTER 


Klaus Militzer (Köln) 


Die Einbindung des Deutschen Ordens 
in die süddeutsche Adelswelt 


Der Deutsche Orden hatte unter seinem ersten bedeutenden Hochmeister 
Hermann von Salza von Päpsten, Kaisern und Königen Privilegien erhalten, die 
ihn den beiden älteren Ritterorden gleichstellten I. Er war von der bischöflichen 
Jurisdiktion befreit und nur der des Papstes unterworfen. Er konnte Reichslehen 
erwerben und Lehen ausgeben, aber nicht belehnt werden. Er war der weltlichen 
Jurisdiktion der Territorialherren entzogen, hatte seinerseits Gerichtsrechte 
erhalten und namentlich in Süddeutschland kleine Territorien mit niederer und 
hoher Gerichtsbarkeit ausgebaut. Der Deutsche Orden war nicht regional 
begrenzt wie die spanischen Ritterorden, sondern universal wie Johanniter und 
Templer, dem Papst und dem Kaiser als den obersten Autoritäten der 
Christenheit untergeben 2. Die Universalität des Deutschen Ordens hatte aller- 
dings schon einen Geburtsfehler. Der Deutsche Orden war der erste der großen 
Ritterorden, der sich im wesentlichen aus einer Nation rekrutierte 3. Das mag 
mehrere Gründe gehabt haben, die in diesem Zusammenhang nicht interessieren. 
Die Beschränkung auf die deutsche Nation führte dazu, daß der wichtigste 
materielle Rückhalt des Ordens im Deutschen Reich, in den dortigen Kommen- 
den und entstehenden Balleien, zu finden war. Selbstverstädlich hatte der Orden 
Güter in Palästina und dem übrigen Orient erworben. Sie konnten jedoch den 
Kampf gegen die Sarazenen ebenso wenig wie die Häuser am Mittelmeer in 
Morea oder Spanien finanzieren 4. Lediglich in Italien und Sizilien hatte der 
Orden ertragreiche Besitzungen s. Solange die Staufer ihre Herrschaft im Süden 
aufrecht erhalten konnten, nahm der Orden als ein wichtiger Parteigänger des 
Herrscherhauses eine bevorzugte Stellung ein, die sich aber dem Ende zuneigte, 
als mit Konradin der letzte seines Geschlechts 1268 in Neapel hingerichtet 
worden war 6 . Nachdem der Orden sein Haupthaus 1309 von Venedig in die 


141 


.......
>>>
preußische Marienburg verlegt hatte, verlor der italienische und sizilianische 
Bezitz zunehmend an Bedeutung und Attraktivität. Damit verringerten sich die 
ohnehin kleinen Chancen der Italiener auf einen Aufstieg im Orden. Der 
Hochmeister im fernen Nordosten sandte seitdem als Prokuratoren an die 
Kurie 7 oder als Landkomture der italienischen Balleien ausschließlich deutsch- 
sprachige Brüder, die manchmal schon eine Karriere im preußischen Zweig des 
Ordens gemacht hatten 8. Ein kleines Stück Universalität war endgültig 
verloren gegangen, wenn man auch zugestehen muß, daß schon im 13. 
Jahrhundert italienischsprachige Ordensbruder nur begrenzte Karrierechancen 
gehabt hatten. 
Im Deutschen Reich galten die päpstlichen Privilegien, insbesondere die 
Befreiung von der bischöflichen Jurisdiktion, und die kaiserlichen Vergünstigun- 
gen. Das Recht zum Erwerb von Reichslehen hatte bereits Philipp von Schwaben 
1207 gewährt. Er nahm den Orden in den königlichen Schutz 9 . Den Schutz 
bestätigte Otto IV. 1212 10 , ebenso Friedrich 11. und deren Nachfolger 11. 
Namentlich die Staufer haben den Deutschen Orden im Reich, besonders in 
Süddeutschland gefördert, ihm Güter übergeben und Schenkungen Dritter 
genehmigt 12. Wegen der engen Bindungen des Ordens an das Herrscherhaus 
haben die Staufer keine Bedenken getragen, ihm Reichsgut in großem Umfang 
zu schenken. Denn die Güter, die an den staufischen Hausorden übergingen, 
waren dem Zugriff der T erritorialherren entzogen 13. So diente der Orden auch im 
Deutschen Reich der universalen weltlichen Macht. Mit dem Rückgang der 
Reichsgewalt nach dem Aussterben der Staufer verlor der Orden im Reich seinen 
Rückhalt gegen konkurrierende territoriale Gewalten. Der Verlust traf die 
Balleien allerdings in unterschiedlichem Maße, in Süddeutschland weniger als in 
Mitteldeutschland 14. In Norddeutschland hatten die Könige schon unter der 
staufischen Dynastie wenig Einfluß gehabt u. Das mag einer der Gründe gewesen 
sein, weshalb der Orden im Norden Deutschlands nicht recht hat Fuß fassen 
können. 
Selbst in den königsnahen Landschaften hat der Orden seine Universalität 
nicht uneingeschränkt aufrecht erhalten können. Die lokalen Machthaber 
banden ihn in ihre Politik ein und setzten ihn für ihre Zwecke ein. Ein 
vieldiskutiertes Beispiel ist Marburg 16. Das dortige Ordenshaus ist eine ludowin- 
gische Gründung, eine Hauskommende der Landgrafen von Thüringen. In dem 
gut besuchten Fest anläßlich der Erhebung der Gebeine der heiligen Elisabeth 
am 1. Mai 1236 sehen einige Historiker die Absicht der Ludowinger, den 
Deutschen Orden zu ihrem eigenen Hausorden mit einer Zentrale in Marburg zu 
machen 17. Andere bezweifeln das 18 und werten Marburg als herausragendes 
Beispiel für die Gründung einer Hauskommende, für die ein Adelsgeschlecht das 
Stiftungsgut gegeben und in die gleichzeitig ein Angehöriger des Geschlechts, 
nämlich Konrad von Thüringen, als Ordensmitglied eingetreten sei und 
Führungsaufgaben übernommen habe 19. Der Ordensbruder Konrad von 


142
>>>
1 


Thüringen entstammte einer der angesehensten und mächtigsten Familien der 
deutschen Hocharistokratie und war unter anderem mit den Staufern ver- 
wandt 20. Durch die Erhebung der Gebeine der heiligen Elisabeth und die 
Ausstattung der Niederlassung mit Priestern une einem Prior an deren Spitze 
hob sich die Kommende von anderen ab. Das ist unbestritten. Jedoch besteht 
kein Anlaß zu der Annahme, daß der Orden je geplant habe, in Marburg eine 
Zentrale mit einem Sitz des Hochmeisters zu schaffen. Marburg war und blieb 
vielmehr im 13. Jahrhundert eine Hauskommende einer der wichtigsten Familien 
des mit dem Herrscherhaus verwandten Hochadels. Ihre spätere Geschichte 
dagegen unterschied sich nur noch dadurch von anderen vergleichbaren 
süddeutschen Kommenden, daß sie die namengebende Kommende einer Ballei 
geworden ist. 
In Süddeutschland hat es mehrere analoge Hauskommenden gegeben. Die 
Edelherren von Hohenlohe gründeten 1219 ihre Kommende in Mergentheim. In 
sie traten gleich zu Anfang drei Angehörige der Stifterfamilie ein, von denen 
Heinrich 1221 Komtur wurde 21. Um 1225 stifteten die Edelherren von Dürn ihre 
Kommende in Heilbronn 22. Ulrich von Dürn, später Prior in Marburg, dürfte 
gleichzeitig in den Orden eingetreten sein und zunächst in Heilbronn gelebt 
haben 23. In Oettingen trat Graf Ludwig von Oettingen dem Orden bei und 
brachte so viele Güter mit, daß am Sitz seiner Familie ein Deutschordenshaus 
errichtet werden konnte 24. Weitere Beispiele sind Horneck mit der dort 
ansässigen Niederadelsfamilie 2S, Obermässing mit den Ministerialen von Mäs- 
sing 26 und Virnsberg, übertragen von den Burggrafen von Nürnberg aus dem 
Hause Hohenzollern, von denen Friedrich in den Orden eintrat und 1295 
Komtur von Virnsberg wurde 27. Weitere Beispiele aus anderen süddeutschen 
Balleien lassen sich anfügen 28. 
Die Staufer waren trotz aller Zuwendungen des Adels und der Fürsten die 
wichtigsten F örderer des Deutschen Ordens, der daher als Reichsorden oder 
auch staufischer Hausorden bezeichnet werden kann, aber nie auf dem Weg zu 
einem ludowingischen Hausorden gewesen ist. Dazu hatte er schon 1236 zu viele 
andere Kristallisationspunkte, Hauskommenden und F örderer in der mächtigen 
Hocharistokratie gefunden. Marburg ist das Beispiel für eine herausragende 
Hauskommende mit der Möglichkeit zur Sonderentwicklung bis zu einer Ballei, 
die anderen Hauskommenden verwehrt blieb, obwohl Ansätze dazu wie in 
Mergentheim zu beobachten sind 29. 
Die Hauskommenden, zu denen auch Marburg gehört, waren Ansatzpunkte 
zur Regionalisierung. Denn sie dienten nicht nur dem Orden, sondern ebenso der 
Politik der Stifterfamilien, die vielfach bestimmten, ob und wann Angehörige 
aufgenommen wurden und Ämter erhielten, und die Einfluß auf die Wirtschaft 
und Erwerbspolitik der Kommende nahmen. Schließlich waren die Besitzungen 
der Hauskommenden in der Regel von Gütern und Herrschaftsrechten der 
Stifterfamilien umgeben. Der Gedanke, daß der Kommendenbesitz Stiftungsgut 
des Adels sei und daher vom Orden nicht veräußert werden könne, auch nicht für 


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dessen eigene Zwecke, war besonders im Institut der adligen Hauskommenden 
von Anfang an angelegt. Wer stiftete, hatte auch bei seiner Stiftung mitzubestim- 
men 30. Die Einbindung der Kommenden in ihre jeweiligen regionalen Interessen- 
zusammenhänge konkurrierten schon im 13. Jahrhundert mit dem universalen 
Anspruch eines Ordens, der Kaisern und Königen und Päpsten diente und den 
Glaubenskampf in Palästina, Preußen und Livland trug und damit einen 
allgemein christlichen Missionsauftrag erfüllte, jedenfalls solange im 13. 
Jahrhundert noch der Kreuzzugsgedanke lebendig war. 
Bei den Hauskommenden muß man unterscheiden zwischen solchen, die wie 
Mergentheim oder Oettingen im Einflußbereich der Stifterfamilien blieben, und 
anderen, die wie Horneck oder Heilbronn ihre Stifterfamilien verloren, weil jene 
ausstarben oder das Interesse an ihren Institutionen verloren hatten. Es hat 
ferner Hauskommenden vergleichbare Ordensniederlassungen gegeben, die 
nicht von einer Stifterfamilie, sondern vom lokalen Adel gegründet worden sind. 
Dafür ist die Mainau am Bodensee ein schönes Beispiel, da das Ordenshaus auf 
der Insel eine Gründung der Reichenauer Ministerialen gewesen ist. Diese 
Adelsgruppe bestimmte auf lange Zeit wesentlich die Geschicke der Kommen- 
de 31. Waren bei Hauskommenden die Verbindungen zu Stifterfamilien oder 
Adelsgruppen besonders eng, so ist daraus nicht zu schließen, daß die übrigen 
Kommenden frei von Einflußnahmen und Pressionen gewesen seien. Sie hatten 
sich vielmehr in analoger Art und Weise mit den Wünschen und Forderungen des 
umwohnenden Adels, der Territorialherren und der Stadträte auseinanderzuset- 
zen. Die Einbettung der Ordenshäuser in ihre jeweilige Region war im Bereich 
der Ballein und also auch Süddeutschlands von vornherein gegeben. Dem 
Orden blieb auch nichts anderes übrig, als sich darauf einzulassen, da er auf die 
Freigebigkeit des Adels und der Bürger angewiesen war. Diese Schenkungen 
ermöglichten es ihm erst, Überschüsse zu erwirtschaften, die nötig waren, um das 
Engagement in Palästina. Preußen und Livland aufrecht erhalten zu können 32. 
In einer Phase des Aufschwungs, als die man die Periode bis zur Übersiedlung 
des Hochmeisters zur Marienburg 1309 trotz aller Rückschläge bezeichnen kann. 
waren die Bedürfnisse des Ordens nach Unterstützung seiner Unternehmungen 
in Palästina, Preußen und Livland durchaus mit den Interessen der Stifter- 
familien oder des im Umkreis der Kommenden lebenden Adels in Einklang zu 
bringen. Schenkungen von Geld, Land und sonstigen Gütern ermöglichten den 
Ordensbrüdern in den Balleien trotz des Geld- und Gütertransfers ein ihrem 
Stand angemessenes Leben. Klagen finden sich in den Urkunden des 13. 
Jahrhunderts nur vereinzelt. 1278-1279 verbot beispielsweise Bischof Witego 
von Meißen dem Deutschen Orden, Überschüsse aus Gütern des dem Orden 
übertragenen Augustinerchorherrenstifts Zschillen nach Preußen, Livland oder 
sonst wohin zu überweisen 33. 
Da der Orden in der Aufschwungsphase viele Brüder benötigte, weil im 
Heiligen Land, in Preußen und Livland in den Kämpfen gefallene Ritterbrüder 


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oder im Dienst ergraute Amtsträger ersetzt werden mußten, ist gerade im 13. 
Jahrhundert eine starke Fluktuation bei den Ritterbrüdern zu beobachten 34. 
Eine enge Bindung selbst von Angehörigen der Stifterfamilien an ihre jeweiligen 
Hauskommenden ist nicht die Regel gewesen, wenngleich es sie auch gegeben 
hat. Ulrich von Dürn beispielsweise, der 1222-1224 in den Deutschen Orden 
eingetreten war und die Niederlassung in Heilbronn aufgebaut hatte, lebte 1232 
als Priesterbruder in Würzburg. Vor allem widmete er sich als Prior in Marburg 
1235-1245 der Verbreitung des Elisabethkults und starb 1248 oder wenig später 
als Priesterbruder in Mergentheim. Er war ein hochangesehener Mann, der oft zu 
Gesandtschaftsreisen nach Akkon und Preußen verwandt wurde 35. Die drei 
Angehörigen des Geschlechts Hohenlohe Andreas, Friedrich und Heinrich, die 
1219-1220 dem Orden beigetreten waren, haben unterschiedliche Karrieren 
durchlaufen. Friedrich scheint bald nach 1220 gestorben zu sein 36. Andreas hielt 
sich in der Hauskommende seiner Familie auf, hat nie ein hohes Amt bekleidet 
und wohl auch nicht angestrebt, ist aber umso häufiger zu wichtigen Verhand- 
lungen sogar in Akkon hinzugezogen worden 37. Heinrich von Hohenlohe ist 
1221 der erste Komtur von Mergentheim geworden. Er behielt das Amt bis 1225. 
1232-1240 und wieder 1242 war er Deutschmeister, bevor er 1244-1247 
Hochmeister wurde. Seine Wahl zum Hochmeister fand in Akkon statt 38. 
Nehmen wir als weiteres Beispiel Gerhard von Hirschberg, den Angehörigen 
eines fränkischen Grafengeschlechts. Er ist erstmals 1255 als Ritterbruder in 
Memel, das damals noch zu Livland zählte, bezeugt, wurde 1255-1257 Vizeland- 
meister von Preußen, ging zurück in das Reich und ist dort 1264 als Ritterbruder 
in Würzburg erwähnt. 1268 bekleidete er als erster das Amt eines Landkomtures 
von Franken, gab es wieder auf und wurde 1272-1279 Deutschmeister, zog sich 
danach in die Kommende Ellingen zurück und beschloß sein Leben als Komtur 
von Horneck 1282 39 . Konrad von Babenberg aus einem Bamberger Mini- 
sterialengeschlecht begegnet 1287-1288 als Komtur von Würzburg, stieg 
1288-1289 zum Landkomtur von Franken auf, wurde 1292-1294 Komtur von 
Sachsenhausen, ging dann an die Ordenszentrale in Venedig, bekleidete dort 
1296 die Ämter eines Trappiers und 1297 eines Großkomturs. 1298-1299 war er 
in Preußen Landmeister und beschloß sein Leben 1300 als Spittler auf Zypern 40. 
Marquard von Mässing aus einer Familie mit ministerialischen Bindungen an die 
Grafen von Hirschberg und die Bischöfe von Eichstätt begegnet erstmals 1279 als 
Ritterbruder in Regensburg. Er wurde 1283 Komtur von Ellingen, 1291 der erste 
Komtur der 1285 errichteten Kommende Obermässing und im gleichen Jahr bis 
1295 Komtur von Nürnberg. 1296--1297 war er Landkomtur von Franken. Das 
Amt verlor er und ist 1303 als Komtur von Marburg bezeugt. Bald darauf ging er 
an die Ordenszentrale in Venedig und wurde dort 1306--1307 Großkomtur 41 . 
1311 war er Oberster Trappier des Haupthauses, wie es heißt. Daraus hat man zu 
Recht geschlossen, daß er Siegfried von Feuchtwangen nach Preußen gefolgt 
sei 42. Er blieb aber nicht in Preußen, verzichtete vielmehr auf sein Amt und 


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kehrte in das Deutsche Reich zurück, wo er zunächst einfacher Ritterbruder 
blieb. 1314 wurde er noch Komtur von Regensburg, als der er wohl im folgenden 
Jahr gestorben ist 43. Solche Lebensläufe sind für das 13. Jahrhundert keine 
Seltenheit. Der Personalaustausch innerhalb der Balleien und mit der Ordens- 
zentrale in Akkon/Montfort bzw. Venedig und mit Livland und Preußen war 
rege. Es kam oft vor, daß Amtsträger nach ihrem Dienst an der "Front" im 
Heiligen Land oder im Baltikum in die Balleien zurückkehrten und dort in einem 
Ordenshaus ihren Lebensabend verbrachten. Manchmal wurde ihnen auch noch 
ein Amt übertragen. Aber das diente mehr der Finanzierung eines angemessenen 
Lebensstandards. Der Austausch von Ritterbrüdern und Amtsträgern machte 
auch nicht an den Grenzen der späteren hochmeisterlichen Kammerballeien halt. 
Koblenz, Österreich und Bozen waren vielmehr in den Brüderaustausch 
einbezogen. Ihnen standen zeitweilig Landkomture bzw. Komture vor, die 
Deutschmeister wurden oder aus deutschmeisterlichen Balleien oder Kommen- 
den kamen 44. 
In der Anfangs- oder Aufschwungphase bis 1309 war der Einfluß der 
Adelsfamilien auf den Orden und die Ordenshäuser im Reich mit einer starken 
Personalfluktuation noch zu vereinen. Es gab anscheinend keine Probleme des 
Ordens mit den Adelsgeschlechtern, wenn deren Angehörige nach Palästina, 
Preußen oder Livland oder auch in andere Balleien versetzt wurden. Es ist sogar 
zu beobachten, daß vornehme Geschlechter darauf verzichteten, ihre Söhne in 
hohen Ordenspositionen zu sehen. Andreas von Hohenlohe und Ludwig von 
Oettingen haben nie ein Amt ausgeübt, aber dennoch Einfluß gehabt. Sie sind 
immer wieder zu wichtigen Verhandlungen hinzugezogen worden. Auch ohne 
Amt blieb ihr Rat gefragt. Einen Wandel vermutet Wojtecki bereits am Ende des 
13. Jahrhunderts, nachdem Akkon 1289 von den Sarazenen erobert worden war 
und der Orden seinen Sitz nach Venedig verlegen mußte 45. In der Tat lassen die 
Kapitelbeschlüsse der Hochmeister in Venedig erkennen, daß sich die Positionen 
der Landmeister von Deutschland, Preußen und Livland gestärkt hatten und die 
Hochmeister nach dem Verlust ihrer Hauptaufgabe an Einfluß eingebüßt 
hatten 46. Jedoch hing das sehr von der Persönlichkeit des jeweiligen Hochmei- 
sters selbst ab, wie das Beispiel Konrads von Feuchtwangen zeigen kann 47. 
Ganz so abrupt, wie Wojtecki unterstellt, war der Bruch nicht. Es sind auch 
noch im 14. Jahrhundert einzelne Ritterbrüder zu ennitteln, die erst in Preußen 
lebten und dann in den deutschmeisterlichen Balleien - von den hochmeister- 
lichen einmal abgesehen - Ämter übertragen erhielten, wie Bertold Burggraf von 
Nürnberg, der 1339 Ritterbruder in Preußen, 1342-1350 Komtur von Virnsberg 
und gleichzeitig 1345-1349 Landkomtur von Franken gewesen ist. Danach 
wurde er 1351 Bischof von Eischstätt 48. Es hat auch noch einen, wenn auch 
geringen Austausch von Ritterbrüdern innerhalb der süddeutschen Balleien 
gegeben. So war Mangold von Brandis aus einem Schweizer Dynastengeschlecht 
1338-1345 Komtur von Köniz, 1342-1350 Landkomtur von Elsaß-Burgund, 


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1351-1354 Komtur von Hitzkirch. Danach bekleidete er 1354-1355 das Amt 
eines Landkomturs von Franken. Er ging wieder zurück in seine Heimatballei 
und wurde 1356-1358 nochmals Landkomtur von Elsaß-Burgund und ist seit 
1362 als Komtur von Sumiswald belegt 49. Die Verwandtschaft mit dem 
Deutschmeister - Mangold war ein Neffe des Deutschmeisters Wolfram von 
Nellenburg (1330-1361)50 - könnte ihm das Amt eines Landkomturs von 
Franken eingebracht haben. Seine geringe Verankerung in der fränkischen 
Adelswelt dürfte einer der Gründe für die kurze Amtszeit gewesen sein. Denn er 
war ein Landfremder und ist es geblieben. Eine analoge Karriere hatte Marquard 
Zöllner von Rotenstein durchlaufen. Er entstammte einem ehemaligen Würzbur- 
ger Ministerialengeschlecht und trat wohl kurz vor 1344 in Würzburg in den 
Deutschen Orden ein. 1344 ist er als Ritterbruder im Würzburger Konvent 
bezeugt. Er wurde 1357-1358 Komtur von Ellingen und verwaltete gleichzeitig 
die Ulmer Kommende. 1358-1360 war er Komtur von Mergentheim und seit 
1360 gleichzeitig Pfleger der Ballei Franken. Er hatte also die Aufgaben eines 
Landkomturs von Franken wahrzunehmen, ohne zum Landkomtur ernannt 
worden zu sein. 1366-1367 war er Landkomtur von Thüringen und 1367-1370 
Landkomtur von Elsaß-Burgund. Danach wurde es vorübergehend ruhiger um 
ihn. 1378-1382 bekleidete er das Amt eines Komturs von Aichach, übernahm 
1383 das Amt eines Komturs von Mergentheim und wurde 1385-1386 Land- 
komtur von Bozen. 1386-1396 schließlich verwaltete er die Regensburger 
Kommende, bis 1390 auch die Kommende in Obermässing. 1396 ist er 
gestorben 51. Vermutlich hat Marquard auf Grund seiner Verwandtschaft mit 
dem Hochmeister Konrad Zöllner von Rotenstein das Amt eines Landkomturs 
von Bozen erhalten 52. Trotzdem bleibt festzuhalten, daß es einigen Ritter- 
brüdern noch im 14. Jahrhundert möglich gewesen ist, auf Grund ihrer 
Tüchtigkeit oder ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen die sich festigenden 
Balleigrenzen zu überwinden und Ämter in anderen als ihren Heimatballeien zu 
erhalten -sei es auch nur für eine kurze Zeit. Diese Möglichkeiten schwanden im 
Laufe des 14. Jahrhunderts immer mehr und blieben im 15. Jahrhundert wenige 
Ausnahmen. 
Die Tatsache, daß sich das deutschmeisterliche Gebiet von Preußen und 
Livland sowie den hochmeisterlichen Kammerballeien abschottete, wie es auch 
die Balleien untereinander taten, und daß ein Austausch von Ordensbrüdern 
kaum noch möglich war, deutet auf eine zunehmende Tendenz hin, die man 
"Territorialisierung" genannt hat. Sie habe in einen "Staat des Deutschmeisters" 
geführt 53. Aber die Bezeichnungen leiten in die Irre. Es hat nie den Staat des 
Deutschmeisters gegeben, allenfalls kleinere Territorien um Horneck am Nec- 
kar, um Mergentheim an der Tauber, um Ellingen, um die Kapfenburg, um 
Virnsberg und zeitweise um Prozelten. Kleinere Territorien hat der Orden auch 
in anderen Balleien gehabt, wie um Sumiswald, der Mainau und Altshausen in 
der Ballei Elsaß-Burgund, um Komotau in der Ballei Böhmen 54 und um Elsen 


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in der Ballei Koblenz 55. Diese kleinen und kleinsten Territorien reihten sich vor 
allem im süddeutschen Raum in vergleichbare Herrschaftsbildungen des Adels 
ein 56. Der Orden hätte daher ein Verbündeter dieser kleinen Adelsherrschaften 
werden können, blieb aber wie sie in seiner Selbständigkeit und Unabhängigkeit 
stets bedroht. Trotz seines Ansehens und seines politischen Gewichts war er 
keineswegs imstande, den bedrängten Adelsherrschaften wirksamen Schutz 
gegen die übermächtigen Territorialherren zu gewähren 57, sondern im Gegenteil 
selbst schutzbedürftig. Er konnte schließlich keine Kriege oder Fehden führen, 
um sein Recht durchzusetzen oder Unrecht an seinen kleinen adligen Nachbarn 
verhindern zu helfen 58. Darin unterschied sich die Lage des Deutschmeisters von 
der des Hochmeisters oder des Meisters von Livland im 14. und noch im 15. 
Jahrhundert. 
Wie sich der Reichsadel an den König und Kaiser anlehnte 59, schloß sich der 
Orden an das Reichsoberhaupt an und griff damit die Tradition aus dem 13. 
Jahrhundert auf. Den Anfang machte Konrad von Gundelfingen 1306 und dann 
wieder 1311-1324 Landkomtur von Franken und 1324-1329 Deutschmeister 60. 
Unmittelbar nach der Wahl Ludwigs des Bayern zum König im November 1314 
ist er in dessen Gefolge zu finden 61. Der Unterstützung Ludwigs gegen Friedrich 
den Schönen hat Konrad zahleiche Privilegien für Häuser seiner Ballei 
zu verdanken 62. Auch nach seiner Wahl zum Deutschmeister behielt Konrad 
seine Politik bei und diente Ludwig weiterhin als Rat und Gesandter 63 . Eine 
kleine Oppositionspartei gegen die Politik Gundelfingens konnte sich nicht 
durchsetzen. Im Gegenteil trat der Landkomtur von Franken Heinrich von 
Zipplingen (1329-1332) nach Gundelfingens Tod in dessen Fußstapfen, wurde 
Rat Ludwigs des Bayern und war häufig als dessen Gesandter unterwegs 64. 
Gundelfingens Nachfolger als Deutschmeister Wolfram von Nellenburg 
(1329-1361), der auf Grund seiner Herkunft anfangs die habsburgischen 
Interessen vertreten hatte, wurde von Ludwig dem Bayern für seine Partei 
gewonnen und sein Rat 65. Die Nachfolger in den Ämtern eines Deutschmeisters 
oder Landkomturs von Franken haben diese Politik fortgesetzt und den 
deutschen Königen und Kaisern gedient 66. An ihre Seite traten seit dem 15. 
Jahrhundert auch Komture fränkischer Kommenden 67. Dazu kamen die 
Landkomture von Elsaß-Burgund, die nach dem Deutschmeister, dem Land- 
komtur von Franken und Komturen der Ballei Franken und des Deutschmeis- 
tertums am häufigsten am Königshof anzutreffen waren. Auf dem ersten 
Reichstag Friedrich III. in Frankfurt 1442 sollen sogar 40 Gebietiger des 
Deutschen Ordens anwesend gewesen sein 68. Dieser Entwicklungsstrang gipfelte 
schließlich in der Belehnung des Deutschmeisters Endres von Grumbach 1494 
mit allen Regalien und Lehen und der Anerkennung seiner Stellung als 
Reichsfürst durch Maximilian I. Die Standeserhebung ist zu Recht als die 
reichsrechtliche Trennung des Deutschmeisters und der ihm unterstellten 
Balleien vom Hochmeister gedeutet worden 69. 


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Die Anlehnung an das Reich und die jeweiligen Könige und Kaiser war von 
Anfang an problematisch. Durch die Unterstützung Ludwigs des Bayern geriet 
der deutsche Ordenszweig in Konflikt mit dem Papst. Er wurde zudem in die 
Auseinandersetzungen um die Königskrone hineingezogen 70. Als der Orden 
nach dem Tod Ludwigs des Bayern 1347 sofort umschwenkte, Karl IV. 
anerkannte und auf dessen Seite trat, haben die Wittelsbacher 1348 den Komtur 
von Ellingen und ehemaligen Landkomtur von Franken Otto von Heideck 
gefangen genommen und in ihrem Einflußbereich den Komtur von Aichach 
Albrecht von Paulsdorf ermuntert, eine Ballei Bayern mit den bayrischen 
Kommenden zu bilden. 1351 ist Paulsdorfals Landkomtur von Bayern bezeugt. 
1352 folgte ihm Heinrich von GundeIsheim als Statthalter dieser Ballei 71. Ferner 
ist zu beachten, daß der Reichsdienst teuer war. Die Gebietiger mußten die 
Könige entweder selbst nach Rom begleiten oder sich an den Kosten der 
Romfahrt beteiligen und zahlen 72. Sie hatten die Finanzierung der Reichskriege 
gegen Hussiten und Türken mit zu tragen 73. Die Dienste für das Reich haben die 
Deutschmeister und seine Gebietiger nach der Schlacht von Tannenberg 1410 
immer wieder als Gründe angeführt, wenn sie dem preußischen Ordenszweig 
Geldüberweisungen abschlugen 74. Die Anforderungen der Könige und Kaiser 
haben ohne Zweifel Resourcen der Balleien abgeschöpft, die an anderen Stellen 
fehlten. Dem Deutschmeister und seinen Gebietigern blieb jedoch keine andere 
Wahl, als dem Verlangen der Herrscher nachzukommen, nachdem sie einmal den 
Weg der engen Anlehnung an das Reich und den König seit der Zeit Ludwigs des 
Bayern eingeschlagen hatten. Was hätten sie anders machen und welche Politik 
hätten sie betreiben sollen? Neutral verhalten oder verweigern konnten sie sich 
nicht. Sich gar gegen den Kaiser zu stellen, wäre in höchstem Maße unklug 
gewesen. Wer hätte in einem solchen Fall den Orden vor dem Zorn des 
Reichsoberhauptes, des Reichs und seiner Organe schützen sollen? Der Papst, 
auf den sich der Orden hätte berufen können, war dazu jedenfalls nicht mehr in 
der Lage. Dagegen konnten Könige und Kaiser den Orden im Reich schützen. 
Schon unter Friedrich 11. war die Macht der deutschen Könige und Kaiser 
zurückgegangen. Das trifft auch auf königsnahe Gebiete wie Franken zu 7'. 
Friedrich 11. hatte ebensowenig wie seine Vorgänger jeden Streit selbst schlichten 
und für jeden Untertanen wirksamen Schutz bieten können. Er und noch mehr 
seine Nachfolger waren auf Machthaber angewiesen, die seine Anordnungen 
und seine Politik unterstützten. Kaiser und Könige mußten Aufgaben delegieren, 
und zwar in zunehmendem Maße an die aufstrebenden Territorialherren 76. Auch 
dieser Entwicklung paßte sich der Orden an, weil ihm wiederum nichts anderes 
übrig blieb, wenn er sich bahaupten wollte. Er suchte also Schutz und Schirm bei 
den jeweiligen Territorialfürsten. Den Schutz und Schirm der Kommenden 
Ellingen, Nürnberg und Virnsberg übertrug Kaiser Ludwig der Bayer den 
Burggrafen von Nürnberg 1333 77 . Im folgenden Jahr bestimmte der Kaiser den 
Würzburger Bischof zum Schutzherren über die Kommende Mergentheim und 


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alle weiteren Häuser und Güter des Ordens in dessen Herrschaftsbereich 78. Im 
selben Jahr schloß der Deutschmeister Wolfram von Nellenburg einen Vertrag 
mit dem Mainzer Erzbischof zum Schutz von Mergentheim und der Häuser 
Prozelten, Neubrunn und Archshofen. Dafür hatte der Mergentheimer Komtur 
dem Erzbischof eine Rente zu zahlen 79. 1382 nahmen die Herzöge von Bayern 
auf Ansuchen des Deutschmeisters Konrad Rüdt den Deutschen Orden in ihren 
Schutz 80. Gemeint waren die im Herrschaftsgebiet der Herzöge liegenden 
Ordenshäuser und -besitzungen. Für die Kommenden des Deutschmeistertums 
mußte der Deutschmeister Schutzverträge mit den Kurfürsten von der Pfalz 
schließen. Seitdem König Ruprecht von der Pfalz den Deutschmeister Konrad 
von EglofTstein (1396-1413) zu seinem Rat ernannt hatte, waren die Beziehungen 
der Pfalzgrafen zum Deutschen Orden noch enger geworden 81. Die Ballei 
Elsaß-Burgund geriet zu großen Teilen unter die Oberherrschaft der Habsbur- 
ger 82, die auch die Häuser der Ballei Österreich in ihren Schutz und Schirm 
genommen hatten. Die Wurzeln der Abhängigkeit der österreichischen Ballei 
vom Landesherrn reichen freilich bis in die Zeit der Babenberger zurück, die die 
Kommende Wien nie ganz aus ihrer Herrschaft entlassen hatten 83. Analoge 
Verhältnisse sind in der Ballei Bozen zu beobachten. Auch dort behaupteten die 
Grafen von Tirol seit dem 13. Jahrhundert eine Art Oberherrschaft über die 
Ballei, die sie in ihren Schutz und Schirm genommen hatten 84. In relativ 
geschlossenen Territorien wie Tirol, den Babenberger Herzogtümern Österreich 
und Steiermark konnte der Orden ohnehin keine eigenen Herrschaften aufbauen 
und war daher stärker auf den Schutz der Territorialherren angewiesen. 
Schutz und Schirm waren nicht umsonst zu haben. Der Orden hatte dafür 
Dienstleistungen zu erbringen. Für die Babenberger bzw. deren Erben bewach- 
ten Deutschordensbrüder Kleinodien und Privilegien auf der Burg Starhem- 
berg 85 . Den Grafen von Tirol stellte der Orden Räte und Gesandte 86. Er zahlte 
hin und wieder auch Renten für den Schutz wie dem Mainzer Erzbischof 87 . Den 
Markgrafen von Ansbach hatte der Orden Leute für das Aufgebot im 
Reichskrieg gegen Burgund 1475 zu stellen. Dazu kamen Dienstleistungen wie 
Weintransporte und der Unterhalt von Jagdgesellschaften 88. Der Komtur von 
Sachsenhausen hatte dem Pfalzgrafen seit alters Holz zu liefern, wenn jener 
Frankfurt besuche, heißt es 1397 89 . Aber auch wenn einzelne Fürsten, vor allem 
Bischöfe und Erzbischöfe. nur wenige Gegenleistungen verlangten, erreichten sie 
durch die Gewährung von Schutz und Schirm eine Ausdehnung ihrer Herrschaft 
oder verhinderten zumindest, daß die Ordensgebiete konkurrierenden Fürsten 
anheimfielen. Auf der anderen Seite zog der Orden Vorteile aus den Schirm ver- 
trägen. Er konne sich erstens mit Hilfe der Territorialherren der Fehden kleinerer 
Adliger entziehen und deren Aneignungsgelüsten wirkungsvoll begegnen. Zwei- 
tens machte er sich die mächtigen Fürsten durch die Verträge geneigt. Daß es für 
den Orden gefährlich sein konnte, einen wichtigen Herren zum Feind zu haben, 
bewies der Wittelsbacher Stephan 11. von Bayern, der 1348 den Ellinger Komtur 


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Otto von Heideck gefangen nehmen ließ und den Komtur von Aichach bei der 
Bildung einer Ballei Bayern behilflich war 90 . 1382 schließlich war es nur mit 
Unterstützung der Herzöge Friedrich und Stephan von Bayern möglich, den 
revoltierenden Komtur von Regensburg Martin von Mergentheim zum Gehor- 
sam gegenüber seinen Oberen zu bringen 91. 
Ein weiteres Datum für die Eingliederung des Deutschen Ordens in die Welt 
des Adels und der kleinen Herrschaften im Süden Deutschlands wird im 
Mergentheimer Vertrag von 1444 gesehen. Damals willigte der Deutschmeister 
auf einem Kapitel in Mergentheim ein, daß er und seine Nachfolger Beschlüsse 
eines Rats befolgen würden 92. Dieser deutschmeisterliche Rat bestand nicht 
mehr aus den Landkomturen, die eigentlich die Gebietigerämter unterhalb der 
Meisterebene innehatten, sondern aus dem Landkomtur von Franken, den 
Komturen der Ballei Franken und den Komturen aus dem Deutschmeistertum. 
Den Deutschmeistern sollte es freistehen, aus diesen Ratsgebietigern einen engen 
Rat auszuwählen, bestehend aus drei bis fünf Brüdern. An deren Zustimm ung zu 
seiner Politik war der Meister aber ebenso gebunden wie an die aller versammel- 
ten Ratsgebietiger. Der wichtige Beschluß wird meist als ein weiterer Schritt zur 
Territorialisierung, hin zum sogenannten "Staat des Deutschmeisters", gese- 
hen 93. Die These kann immerhin für sich anführen, daß ein Rat zu den 
Institutionen gehörte, die ein werdendes Territorium festigten und von der 
Person des Herrschers lösten. Räte existierten in den größeren fränkischen 
Territorien. Deren Stellen wurden meist mit einheimischen Adligen besetzt 94. 
Eine Analogie zum deutschmeisterlichen Rat ist also gegeben. Man wird auch 
unterstellen dürfen, daß die Räte der Territorialherren die fränkischen 
Gebietiger beflügelt haben, zumal Teile der Begründung für die Errichtung eines 
Rats an vergleichbare Formulierungen in den Territorien erinnern, nämlich die 
Förderung eines guten Regiments und des allgemeinen Nutzens 9S und die 
Gewähr höherer Gerechtigkeit. Andererseits bestand die Pflicht zur Einholung 
von Rat im Orden seit dessen Gründung. Denn jeder Gebietiger war in wichtigen 
Entscheidungen an die Zustimmung seines Kapitels gebunden 96. Schließlich 
hatten die Hochmeister in Preußen und die Meister von Livland längst aus 
Gebietigern bestehende Räte gebildet, die unabhängig vom Kapitel bei wichtigen 
Entscheidungen um Zustimmung gebeten werden mußten 97. Der Hochmeister in 
Preußen und der Meister von Livland geboten aber als Repräsentanten ihrer 
Ordenszweige im Gegensatz zum Deutschmeister über Territorien und waren 
insofern -wenn auch mit Einschränkungen -mit süddeutschen Territorialherren 
eher zu vergleichen. Der hochmeisterliche Rat könnte den Wunsch der 
fränkischen Gebietiger nach einem analogen Mitspracherecht in ihren Gebieten 
gefördert haben. Woher der entscheidende Anstoß gekommen sein mag, ob aus 
dem Orden selbst oder aus benachbarten Territorien, ist schwer zu entscheiden 
und in unserem Zusammenhang auch weniger wichtig. Der Mergentheimer 
Kapitelsbeschluß von 1444 verpflichtete den Deutscheister zur Einholung des 


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Rats der fränkischen Gebietiger. Dadurch wurde der Deutschmeister in den 
süddeutschen Raum eingebunden und von den übrigen nördlich und westlich 
gelegenen Balleien und deren Landkomturen weitgehend getrennt. Daß das nicht 
ohne Folgen für diese Regionen blieb, ist leicht vorstellbar, soll hier aber nicht in 
allen Einzelheiten ausgebreitet werden. Es sei nur an die Forderung des Utrechter 
Landkomturs erinnert, der Deutschmeister möge sich in seiner Korrespondenz 
des Lateinischen bedienen, da in der Utrechter Kommende keiner das Oberdeut- 
sche mehr verstehe. 1532 mußte die deutschmeisterliche Kanzlei einräumen, daß 
sie niemanden habe, der des Niederländischen mächtig sei 98. 
Der Deutschmeister wurde an den Rat der Gebietiger der Ballei Franken und 
des Deutschmeistertums gebunden, von denen er im übrigen auch finanziell 
abhängig war, da die anderen Balleien zur Bestreitung der Ausgaben des 
Deutschmeisters wenig und wenn, dann in zunehmendem Maße widerwilliger 
beitrugen 99. Das eigentlich für einen größeren Raum konzipierte Deutschmei- 
steramt wurde an die Interessen der Ordensbrüder Süddeutschlands gebunden. 
Es wurde regionalisiert. Das ist die entscheidende Folge des Beschlusses von 
Mergentheim. Von einer Territorialisierung oder dergleichen ist nicht zu 
sprechen, weil der Deutschmeister als Amtsträger des Ordens nicht über ein 
Territorium wie der Hochmeister oder der Meister von Livland verfügte. 
Der Prozeß der Regionalisierung hatte schon vor 1444 eingesetzt, fand aber 
erst danach seinen endgültigen Abschluß 100. Es war ein Prozeß der Regionali- 
sierung weniger der Territorialisierung. Er kam den Interessen der süddeutschen 
Ritterbrüder entgegen, aber auch dem Ehrgeiz der hinter ihnen stehenden 
süddeutschen Adelsfamilien. Da ihnen die meisten Deutschmeister selbst 
entstammten, haben sie sich der Entwicklung kaum entgegengestemmt. 
Trotz der Anlehnung an Kaiser und Reich und trotz der Schinnherrschaften 
der süddeutschen Territorialherren wurde der Orden auch von den Einungs- 
bewegungen der Reichsritterschaft besonders in Süddeutschland erfaßt. Die 
Einungen wurden im 15. Jahrhundert von Kaisern und Königen gefördert. So 
stand Kaiser Sigismund hinter dem Zusammenschluß des Adels zum Jürgen- 
schlild 101. In der Kommende Ellingen schloß die Gesellschaft 1430 mit der 
Ritterschaft und Gesellschaft in Franken und der bayerischen Gesellschaft mit 
dem Einhorn ein Bündnis, in dem sich alle Teile zu gegenseitiger Hilfe, zur 
Unterstützung des Reichs und zur Wahrung des Friedens verpflichteten 102. Die 
fränkische Kommende bot den vertragschließenden Parteien den neutralen 
Boden für Verhandlungen. Denn noch waren die Komture nicht in eine der 
Gesellschaften eingebunden. Das änderte sich schon bald. Zuerst trat 1434 der 
Landkomtur von Elsaß-Burgund Marquard von Königseck mit dem Deutschor- 
denshaus Altshausen dem Jörgenschild bei 103. Seine Nachfolger blieben in der 
Gesellschaft, 1488 sogar auf Gebot Kaiser Friedrich 111. hin 104. 1442 war auch 
die Kommende Mainau Mitglied des Jörgenschilds 10.5. Angehörige der Ballei 
Franken traten der Gesellschaft, und zwar des Teils an der Kocher, erst 1488 bei. 


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Es waren die Komture von Kapfenburg und Donauwörth und der Ritterbruder 
Johann Nothaft für das Deutschordenshaus Heilbronn und die Ämter Neckar- 
sulm und Scheuerburg des Deutschmeistertums 106. 
Die Kosten für den Beitritt waren zwar hoch, zahlten sich aber aus, weil die 
Gesellschaft wirksamen Schutz gegen Fehden gewähren und Mitglieder zur 
Austragung von Streitigkeiten vor einem Schiedsgericht zwingen konnte. So 
entschieden die Räte des Jörgenschilds 1493 eine Klage des Landkomturs von 
Elsaß-Burgund gegen Graf Andreas von Sonnenberg über Jagdrechte 107. 1488 
söhnte die Gesellschaft den Deutschen Orden mit der Stadt Aalen aus, deren 
Bürger Graf Ludwig von Wertheim und den Kapfenburger Treßler Burckhard 
von Seckendorf gefangen genommen hatten. Zu der Zeit hatte die Gesellschaft 
vom Jörgenschild ein Bündnis mit den schwäbischen Reichsstädten, den 
sogenannten Schwäbischen Bund, geschlossen, der für die Aufrechterhaltung des 
Landfriedens zuständig war 108. Die Schiedsgerichtsbarkeit der Adelsbünde und 
des Schwäbischen Bundes ergänzten die Schutz- und Schirmverträge mit den 
Territorialfürsten und konnten in besonderen Fällen ein Gegengewicht gegen zu 
weitgehende Forderungen der letzteren bilden. 
Obwohl sich die Gesellschaft vom Jörgenschild offen gab und laut ihrem 
Bundesbriefvon 1408 als Mitglieder Geistliche und Weltliche, Edle und Unedle 
zuließ 109, war sie doch sehr standesbewußt und hat kaum Bürger oder 
andere Nichtadlige aufgenommen. Sie war nicht die einzige Adelsgesellschaft. 
Süddeutschland kann vielmehr als die klassische Landschaft der Adels- 
und Turniergesellschaften und der weltlichen Ritterorden gelten. Diese 
Gesellschaften verlangten von ihren Mitgliedern adlige Herkunft, ohne daß die 
Forderung immer ausdrücklich in den Statuten vermerkt worden wäre. Die 
Gesellschaften von der Krone von 1372 in Schwaben 110, mit dem Löwen von 
1379 in der Wetterau und Süddeutschland 111, St. Georg von 1381 in Franken 112 
forderten den Adelsnachweis ihrer Mitglieder. Bezeichnend für viele durfte die 
Entwicklung der Gesellschaft mit dem Esel sein. Sie dehnte sich über die Pflaz, 
den Kraichgau und die Wetterau aus. Bei ihrer Gründung 1387 verlangte sie 
adlige Herkunft der beitrittswilligen Kandidaten. Seit 1430 sollten sie Ritter sein 
und seit 1478 war ein Nachweis von vier adligen Ahnen erforderlich \13. Eine 
Vierahnenprobe verlangte bereits 1443 die Gesellschaft Unserer Lieben Frau 
zum Schwan, die sich, ursprünglich in Brandenburg gegründet, seit 1443 
auch in Süddeutschland verbreitete 114. Es folgten die 1444/45 gegründete 
Hubertusgeselehlschaft in Jülich-Berg am Niederrhein tU, die 1450 ins Leben 
gerufene Hieronymusgesellschaft in der Markgrafschaft Meißen 116, die 1465 
gestiftete hennebergische Christophgesellschaft 117 und andere 1\8. Die 
Vierahnenprobe hat es also in weltlichen Ritterorden früher als im Deutschen 
Orden gegeben, der im allgemeinen von einer Vierahnenprobe noch absah und 
sie erst im 16. Jahrhundert verlangte 119. Allerdings finden sich vereinzelt 
schon aus der Mitte des 15. Jahrhunderts Hinweise auf die Vierahnenprobe. So 


153 


..-.
>>>
forderten Visitatoren 1451 vom Koblenzer Komtur, nur Brüder von "guter 
Ritterschaft" aufzunehmen, die vier adlige Ahnen nachweisen könnten 120. Für 
die deutschmeisterlichen Balleien und den Deutschmeister selbst fehlen solche 
Nachrichten. Immerhin war der Adel in Süddeutschland und darüber hinaus auf 
verschärfte Zulassungsbedingungen ganz im Sinne der Praxis seiner eigenen 
Rittergesellschaften vorbereitet. Dennoch werden weltliche Rittergesellschaften 
und Ritterorden nicht die unmittelbaren Vorbilder für solche Restriktionen im 
Deutschen Orden gewesen sein. Sie wird man eher in den Domkapiteln und den 
Stiften zu suchen haben, in denen der Adel den Ton angab und eifersüchtig über 
die Pfründen wachte 121. Der Orden glich sich den Gepflogenheiten des Adels in 
den Kapiteln, Stiften und weltlichen Gesellschaften auch in der Gestaltung seiner 
Kandidatenauswahl an. 
Im 15. Jahrhundert wurde es im Gegensatz vor allem zum 13. Jahrhundert 
üblich, daß ein Ritterbruder in dem Ordenszweig blieb, in den er aufgenommen 
worden war. Sogar der Austausch von Brüdern innerhalb der deutschmeister- 
lichen Balleien wurde beschränkt und geriet aus der Übung. Wer vom 
Deutschmeister aufgenommen worden war, blieb im deutschmeisterlichen 
Gebiet. Wer nach Preußen oder Livland ging, blieb und starb dort. Eine 
Rückkehr war erschwert und wurde selbst in den hochmeisterlichen Kammerbal- 
leien nicht gern gesehen. Allerdings stand an der Spitze dieser Balleien 
vielfach ein Ritterbruder, der sich in Preußen ausgezeichnet hatte oder aber aus 
Preußen abgeschoben werden sollte 122. Auf diese Weise blieb in den hochmeister- 
lichen Kammerballeien wenigstens ein Rest der vergangenen Universalität des 
Ordens. 
Wenn man den Deutschen Orden im Süden des Deutschen Reiches auf die 
Stichworte "Universalität" und "regionale Einbindung" untersucht, stellt man 
fest, daß es beides von Anfang an gegeben hat. Die Hauskommenden waren vor 
allem im 13. Jahrhundert so eng mit den adligen Stiftern verbunden, wie man 
derartige Beziehungen in späterer Zeit nicht mehr findet. Die Hauskommenden 
lösten ihre engen Bande an die Stifter meist schon bis zum Ende des 13. 
Jahrhunderts. Andererseits dienten die Güter des Ordens damals noch in erster 
Linie der Unterstützung des Kampfs gegen die Sarazenen in Palästina und gegen 
die Heiden in Preußen und Livland. Die Ritterbrüder wurden oft aus den 
Balleien an die Front geschickt und kehrten zurück, wenn sie den Strapazen nicht 
mehr gewachsen waren. Der Transfer von Geld und Gütern und der Per- 
sonalaustausch bezogen die süddeutschen Kommenden in die Universalität des 
Ordens ein. Ein allmählicher Wandel ist zu beobachten, nachdem der Orden sein 
Haus in Akkon verloren, und stärker, nachdem der Hochmeister seinen Sitz in 
der Marienburg bezogen hatte. Im 14. und vor allem im 15. Jahrhundert standen 
alle süddeutschen Kommenden, auch die ehemaligen Hauskommenden, dem 
süddeutschen Adel offen, der die Deutschmeister und Landkomture von 
Franken, also die wichtigsten Amtsträger im Deutschen Reich, stellte. Selbst in 
der seit 1396 hochmeisterlichen Kammerballei Elsaß-Burgund behielt der 


154 


.........
>>>
heimische Adel die Kommenden und vielfach auch das Amt eines Landkomtur in 
der Hand. Nur ausnahmsweise konnte der Hochmeister landfremde Ritter- 
brüder aus Preußen mit Ämtern in der Ballei betrauen. Der Deutsche Orden 
war auch in diese Region im Südwesten eingebuLden. Das Deutschmeistertum, 
die Ballei Franken wie auch die hochmeisterlichen Kammerballeien EI- 
saß-Burgund, Österreich und Bozen unterlagen dem Prozeß der Regionalisie- 
rung. Die Deutschmeister und Landkomture von Franken haben dem 
preußischen Ordenszweig in seiner Auseinandersetzung mit Polen zwar geholfen, 
sich aber, gestützt auf den heimischen Adel und die regionalen Territorialherren, 
weitreichenden Forderungen der Hochmeister entzogen. An die Stelle des einen 
uni versal gedachten Ordens waren Ordenszweige getreten. Der deutsche Ordens- 
zweig war wiederum in mehreren unterschiedlichen Regionen eingebunden 
worden. Die Interessen des Adels der Regionen hatten die Idee der Universalität 
überlagert. 


Anmerkungen 


1 Zu Hermann v. SaJza vgl. H. Kluger, Hochmeister Hermann lIon Salza und Kaiser Friedrich ll. 
(Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 37), Marburg 1987. 
Z H. Prutz, Die Geistlichen Ritterorden, Berlin 1908, S. 100ff.; M. L. Favreau, Studien zur 
Frühgeschichte des Deutschen Ordens (Kieler Historische Studien 21), Stuttgart [1975], S. 75ff.; 
H. Boockmann, Der Deutsche Orden, München 1981, S. 34f. 
3 Favreau (wie Anm. 2), S. 71f. Wenn B. DemeI, Der Deutsche Orden und seine Be.
itzungen im 
südwestdeutschen Sprachraum 110m 13. bis zum 19. Jahrhundert, Zeitschrift für WürUembergische 
Landesgeschichte 31 (1972), S. 25, meint, daß in den beiden ersten Jahrzehnten der Deutsche Orden 
weder im Besitz noch in seiner personellen Zusammensetzung "national begrenzt, wenn auch 
wesentlich deutsch" gewesen sei, betont er doch zu stark die Internationalität des Ordens im 13. 
Jahrhundert. 
f Dazu K. Forslreuter, Der Deutsche Orden am Mittelmeer (Quellen und Studien zur 
Geschichte des Deutschen Ordens 2), Bonn 1967. 
5 Forstreuter (wie Anm. 4), S. 110fT. 
6 Zum Deutschen Orden als Stülze der Staufer: H. M. Schaller, Die Staufer und Apu/
n, in: 
ders., Stauferzeit. Ausgewählte Aufsätze (MGH, Schriften 38), Hannover 1993, S. 590. 
7 Der erste Generalprokurator des Deutschen Ordens an der Kurie war der Italiener Johann 
von Capua. Dessen Nachfolger waren Deutsche: K. Forslreuter Hrsg. Die Berichte der General- 
prokuratoren des Deutschen Ordens an der Kurie I (Veröffentlichungen der niedersächsischen 
Archivverwaltung 12), Göttingen 1961, S. 52ff. 
. VgI. die Angeben in: ForSlreuter, Mittelmeer (wie Anm. 4), in den Personallisten im Anhang 
zu den einschlägigen Kapiteln. . 
9 Regesta lmperii 5, Innsbruck 1881-1882, Nr. 132; J. H. Hennes, Codex diplomaticus ordinis 
sanctae Mariae Theutonicorum. Urlcundenbuch des Deuuchen Orden.
, 2 Ode., Mainz 1841-1862; hier: 
I, Nr. 7. 
10 Hennes (wie Anm. 9), I, Nr. 11; E. Slrehlke, Tahulae Ordini.
 Theutonici, Berlin 1869, Nr. 252; 
Regesta lmperii 5 (wie Anm. 9), Nr. 479. 
11 VgI. M. Turnier, Der Deuuche Orden ün Werden, Waschen und Wirken bis 1400, Wien 1955, 
S.405. 


155 


.........
>>>
12 D. Wojtecki, Der Deutsche Orden unter Friedrich 11., in: Probleme um Fr
drich ll., hrsg. von 
J. Fleckenstein (Vorträge und Forschungen 16), Sigmaringen 1974, S. 184ff. 
13 P. Heim, D
 Deutschordenskommende Beuggen und d
 Anfänge der Ballei Elsaß-Burgund 
(Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 32), Bonn-{Jodesberg 1977, S. 85; 
H. H. Hofmann, Der Staat des Deutschmeisters. Stud
n zur Geschichte des Deutschen Ordens im 
Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (Studien zur bayerischen Verfassungs- und Sozialge- 
schichte 3), München 1964, S. 43. 
If VgI. etwa P. Moraw, Franken als königsnahe Landschaft im späten Mittelalter, Blätter für 
deutsche Landesgeschichte 112 (1976), S. 125ff.; E. Schubert, König und Reich. Stud
n zur 
spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte (VeröffenUichungen des Max-Planck-Instituts 
für Geschichte 63), Göttingen 1979, S. 66ff. 
I' H. Steinbach, Die Reichsgewalt und Niederdeutschland in nachstauflScher Zeit (Kieler 
Historische Studien 5), Stuttgart 1968. 
16 Zuletzt: U. Braasch-Schwersmann, Das Deutschordenshaus Marburg. Wirtschaft und Ver- 
waltung einer spätmittelalterlichen GrundMrrschaft (Untersuchungen und Materialien zur Verfas- 
sungs- und Landesgeschichte 11), Marburg 1989. 
17 H. Boockmann, Die Anfänge des Deutschen Ordens in Marburg undd
frühe Ortknsgeschich- 
te, in: Sankt Elisabeth. Fürstin, D
nerin, Heilige, Sigmaringen 1981, S. 137ff. 
I' Braasch-Schwersmann (wie Anm. 16), S. 12f. 
19 Wojtecki, Deutscher Orden (wie Anm. 12), S. 209. Zu weiteren Hauskommenden: ebd., 
S. 197ff. 
m W. K. Prinz von lsenburg, Stammtafeln zur Geschichte der europäLfchen Staaten I, Marburg 
1953,2. Aufl., Tafel 44; E. Caemmerer, Konrad, Landgraf von Thüringen. Hochmeister des deutschen 
Ordens ( + 1240), Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde, NF 19 
(1909), S. 349ff.; NF 20 (1910), S. 43ff. 
21 D. Wojtecki, Der Deutsche Orden im wiirtlembergischen Franken. Zur Besitz- und Personal- 
geschichte der Kommenden Mergentheim, Heilbronn und Horneck im 13. Jahrhundert, Württember- 
gisch Franken 60 (1976), S. 57ff.; D.J. Weiss, D
 Geschichte der Deutschordens-Ballei Pranken im 
Mittelalter (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte, Reihe X: Darstellungen 
aus der fränkischen Geschichte 39), Neustadt a.d. Aisch 1991, S. 73ff. 
zz Wojtecki, Deutscher Orden (wie Anm. 21), S. 78f. 
23 Ebd., S. 106f.; E. Keyser, Untersuchungen zur Geschichte des Deutschen Ordens in Marburg, 
Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 10 (1960), S. 28ff. 
:J4 J. Hopfenzitz, Kommende Oettingen Deutschen Ordens (1242-1805) (Quellen und Studien 
zur Geschichte des Deutschen Ordens 33), Bonn-Godesberg 1975, S. Iff.; Weiss (wie Anm. 21), S. 9Of. 
:zs H. Boockmann, Das Hornecker Stifterbild und d
 Anfänge der Deut.
chordenskommende 
Horneck, in: Horneck, Königsberg und Mergentheim, hrsg. von U. Arnold (Schriftenreihe Nor- 
dost-Archiv 19), Lüneburg 1980, S. 14ff.; Weiss (Anm 21), S. 131f. 
:J& Weiss (wie Anm 21), S. 114ff. 
'Z1 G. Rechter, Das Land zwischen Aisch und Rezat (Schriften des Zentralinstituts für fränkische 
Landeskunde und allgemeine Regionalforschung an der Universität Erlangen-Nürnberg 20), 
Neustadt a.d. Aisch 1981, S. 29ff.; Weiss (wie Anm. 21), S. l24ff. 
:JII VgI. Wojtecki, Deutscher Orden (wie Anm. 12), S. 208ff. 
:a K. Militzer, D
 Entstehung der Deutschordensballeien im Deutschen Reich (Quellen und 
Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 16), Marburg 1981, 2. Aufl., S. 121f. 
]0 Dafür finden sich in der angegebenen Literatur zu den Hauskommenden zahlreiche Beispiele. 
Auch nach dem Austerben der Ludowinger im Mannestamm 1247 setzten deren Erben als 
Landgrafen von Hessen deren Politik fort, blieben Gönner des Deutschen Ordens, entließen das 
Marburger Deutschordenshaus aber nie "aus ihrer Landesherrschaft: Braasch-Schwersmann (wie 
Anm. 16), S. 14f. 


156 


.......
>>>
31 O. Feger, Die Deutsch-Ordens-Kommende Mainau (Schriften des Kopernikuskreises 2), 
Lindau und Konstanz 1958. 
J2 Über die Transferleistungen ist freilich nicht viel bekannt: vgl. R. ten Haaf, Deutschordens- 
staat und Deulschorden.fballeien (Göttinger Bausteine zur Geschichtswissenschaft 5), Göttingen, 
Frankfurt, Berlin 1954, 2. Aun., S. 17ff., 37ff.; Boockmann, DeutscMr Orden (wie Anm. 2), S. 38; 
Weiss (wie Anrn 21), S. 137; Turnier (wie Anm. 11), S. 57. Manchmal wurden dem Orden Güter 
ausdrücklich in subsidium terre sancte übertragen: vgl' Urkundenbuch der Deutschordensballei 
Thüringen, hrgs. von K. H. Lampe (fhüringische Geschichtsquellen NF 7), Jena 1936, Nr. 26 (1224); 
Nr. 92 (1246). Die Beispiele aus dem 13. Jahrhundert lassen sich mehren. VgI. B. Sommerlad, Der 
Deutsche Orden in Thüringen (Forschungen zur thüringisch-sächsischen Geschichte 10), Halle 1931, 
S. 200ff.lm 13. Jahrhundert wird der Orden dem Verlangen der Schenker entsprochen und Gelder in 
das Heilige Land überwiesen haben. 
D VB Ballei Thüringen (wie Anm. 32), Nr. 298, 319: 1278-1279 übertrug BischofWitego von 
Meißen dem Deutschen Orden das Kloster ächiUen. Durch die Besonderheiten der Kloster- 
übertragung erklären sich die außergewöhnlichen Einschränkungen: vgl. Sommerlad (wie Anm. 32), 
S. 17ff. 
Jf VgI. K. Militzer in: L. Fenske und K. Militzer (Hrsg.), Ritterbrüder im livländischen Zweig 
des DeuLfchen Orden.f (Quellen und Studien zur baltischen Geschichte 12), Köln, Weimar, Wien 1993, 
S.66f. 
]J Wojtecki, Deuucher Orden (wie Anm. 21), S. 106f. Amn. 179; Weiss (wie Anrn. 21), S. 103f.; 
G. HeB, Gründung und ältester Besitz der Deutschordens-Kommende Heilbronn, 21. Veröffentlichung 
des historischen Vereins Heilbronn (1954), S. 139ff. 
J6 Wojtecki, DeutscMr Orden (wie Anm 21), S. 59. 
J1 Ebd., S. 59ff. 
Ja Militzer, Enststehung (wie Anm. 29), S. 441T. gegen D. Wojtecki, Stud
n zur Personenge- 
schichte des deutschen Ordens im 13. Jahrhundert (Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen 
Europa 3), Wiesbaden 1971, S. 23. VgI. auch Wojlecki, Deutscher Orden (wie Anm. 21), S. 60; ferner: 
H. Hartmann, Die Komture des Deutschen Ordens in Mergentheim in den ersten drei Jahrhunderten 
der Kommende (1221-1534), in: 800 Jahre deutscher Orden 1190-1990 (Deutschordens-Museum 
e. V. Bad Mergentheim, Jahrbuch I), Mergentheim 1990, S. 25f. 
J9 Milit:zer in: FenskelMilitzer (wie Anm 34), S. 326f., Nr. 409. 
fO Wojtecki, Deutscher Orden (wie Anm. 21), S. 99f.; Weiss (wie Anm. 21), S. 399. 
tl Weiss (wie Anm. 21), S. 399f. 
t2 U. Arnold, Deutschmeister Konrad von Feuchtwangen und d
 "preußische Partei" im 
Deutschen Orden am Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts, in: Aspekte der Geschichte. 
Festschrift für Peter Gerrit Thielen zu seinem 65. Geburtstag, Göltingen 1990, S. 32; U. Nieß, 
Hochmeister Korl von Tr
r (1311-1324). Stationen einer Karriere im Deutschen Orden (Quellen und 
Sludien zur Geschichte des Deutschen Ordens 47), Marburg 1992, S. 38f. 
t3 Weiss (wie Anm. 21), S. 399f. 
.. Wojtecki, Stud
n (wie Anm. 38), S. 2Off., mit mehreren Beispielen. 
t, Ebd., S. 19f. 
.. M. Perlbach, D
 Statuten des Deutschen Ordens nach den ältesten Handschriften, Halle 1890, 
S. 134ff. 
f7 U. Arnold, Konrad von Feuchtwangen, Preußenland 13 (1975), S. 2JT.; ders., Deutschmeister 
(wie Anm. 42), S. 22f. 
.. Weiss (wie Anm. 21), S. 403f. Er ist in Preußen kein Priesterbruder gewesen, wie Rechter (wie 
Anm. 27), S. 263, angibt. 
., Weiss (wie Anm. 21), S. 404f.; Heim (wie Anm. 13), S. 171. 
3D Heim (wie Anm. 13), S. 171; Turnier (wie Anrn. 11), S. 618. 
51 Weiss (wie Anm. 21), S. 405f.; Hartmann (wie Anm. 38), S. 35; Sommerlad (wie Anm. 32), 
S. 214; J. Ladumer, Urkundliche Beiträge zur Geschichte tks deutschen Ordens in Tirol,lnnsbruck. 


157 


........
>>>
1861, S. 69f.; U. Arnold in: Der Deutsche Orden in Tirol. D
 Ballei an der Etsch und im Gebirge, hrsg. 
von H. Noßatscher (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 43), Bozen, 
Marburg 1991, S. 155. 
52 Das vermerkt Ladurner (wie Anm. 51), S. 69. 
53 So die Grundthese von Hofmann (wie Anm 13). 
54 Dazu die Karte: D
 Balleien des Deutschen Ordens in ..deutschen und welsch/!n lAnden", 
bearb. von K. Mililzer (Historisch-geographischer Atlas des Preußenlandes 11), Stuttgart 1986. 
53 H. Limburg, Die Hochmeister des Deutschen Ordens und d
 Ballei Koblenz (Quellen und 
Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 8), Bad Godesberg 1969, S. 27; H. H. Giersberg, 
Geschichte der Pfarre
n des Dekanates Grevenbroich (Geschichte der Pfarreien der Erzdiözese Köln 
22), Köln 1883, S. 74fT. 
56 W. Rösener, Ministerialität, Vasal/ität und n
deradlige Ritterschaft im Herrschaftsbereich 
der Markgrafen von Baden 110m 11. bis zum 14. Jahrhundert, in: Herrschaft und Stand Untersuchungen 
zur Sozialgeschichte im 13. Jahrhundert, hrsg. von J. Fleckenstein (Veröffentlichungen des 
Max-Planck-Instituts für Geschichte 51), Göttingen 1979, 2. Aufl., S. 51fT.; K. S. Bader, Der 
deutsch/! Südwesten, Stultgart 1950, S. 129ff., 160fT. 
rI Zu den bedrängten Adelsherrschaften: W. Hofmann, Adel und lAndesherren im nördlich/!n 
Schwarzwald 1350-1530 (Darstellungen aus der Würuernbergischen Geschichte 40), Stutlgart 1954, 
S. 14ff.; H. Obenaus, Recht und Verfassung der GeselLfchaften mit St. Jörgenschild in Schwaben 
(Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 7), Göttingen 1961, S. 204ff. Ferner die 
Anm. 56 angeführte Literatur. 
SI Nach den Gesetzen des Ordens lud ein Bruder eine "schwere" Schuld auf sich, wenn er einen 
Christen im Zorn oder mit Vorbedacht verwundete oder tötete. Er durfte nur in Notwehr seine WalTe 
gegen einen Christen gebrauchen: Perlbach, Statuten (wie Anm. 46), S. 83: Gesetz 38 (I). Die Fehde 
gehörte nicht zur Notwehr. Ein Verstoß gegen das Gesetz wurde mit einer Jahrbuße belegt und 
konnte in schweren Fällen sogar mit Kerker bestraft werden: ebd., S. 85 f. VgI. dazu G. Wiechert, Die 
Spiritualität des Deutschen Ordens in seiner mittelalterlichen Regel, in: D
 Spiritualität der 
Ritterorden im Mittelalter, hrsg. von Z. H. Nowak (Ordines militares - Colloquia Torunensia 
Historica VII), T oruli 1993, S. 141. Der Orden hat in den Balleien nie eine eigene Fehde geführt. Er ist 
gleichwohl befehdet worden und mußte dann versuchen, den Streit mit Hilfe von Schiedsrichtern 
beizulegen. Im Gegensatz zum Deutschen Orden weist O. Brunner einzelne Prälaten als Fehdeführer 
nach: Land und Herrschaft, Wien 1965, 5. Aufl., S. 52f., aber keine Orden. 
" VgI. Schubert (wie Anm. 14), S. 105fT. 
110 Weiss (wie Anm. 21), S. 4OOf. 
61 MGH Legum sectio IV, Constitutiones V, hrsg. von J. Schwalm, Hannover, Leipzig 
1909-1913, Nr. 121. 
6Z Weiss (wie Anm. 21), S. 159fT. 
63 R. ten Haar (wie Anm 32), S. 66. 
64 Ebd., S. 65; Weiss (wie Anm. 21), S. 171ff. 
6.5 R. ten Haar (wie Anm. 32), S. 67. 
66 Ebd., S. 67ff. 
67 Ebd., S. 65f. 
61 Ebd., S. 66; Deutsche Reichstagsakten 16, Stullgart-Gotha 1928, S. 371, 376f. 
69 Hofmann (wie Anm. 13), S. IlOf.; Weiss (wie Anm. 21), S. 348f.; Demel (wie Anm. 3). S. 35. 
10 J. v. Pflugk-Harttung, D
 Johanniter und der Deutsche Orden im Kampf Ludwigs des Bayern 
mit der Kurie, Leipzig 1900; Weiss (wie Anm. 21), S. 159ff. 
71 Weiss (wie Anm. 21), S. 188f., 404. 
72 R. ten Haaf (wie Amn 32), S. 69f. 
7J Ebd., S. 70ff.; Weiss (wie Anm. 21), S. 346ff. 
J4 K. Militzer, Auswirkungen der spätmittealter/ichen Agrardepression auf d
 Deutschordensbal- 
le
n, in: Von Akkon bLf W
n. Stud
n zur Deutschordensgeschichte 110m 13. bis zum 20. Jahrhundert, 


158 


........
>>>
- 


hrsg. von U. Arnold (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 20), Marburg 1978, 
S. 64; Weiss (wie Anm. 21), S. 282fT. . 
75 Moraw, Franken (wie Anm. 14), S. 123ff.; Schubert (wie Anm. 14), S. 66ff. 
'11 Schuberl (wie Anm. 14), S. l00ff. 
77 Monumenta Zollerana 3, hrsg. von R. Frh. v. Slillfried "nd T. Maercker, Berlin 1857, Nr. 14; 
vgl. Weiss (wie Anm. 21), S. 173. 
71 Weiss (wie Anm. 21), S. 174. 
7!1 K. H. Lampe, Die Entstehung der Deutschorden.fkommende Prozelten, in: Wertheimer 
Jahrbuch fiir Geschichte, Volks- und Heimatkunde des Main-Tauherlandes 1955, Wertheim 1956, 
S. 44f.; Weiss (wie Anm. 21), S. 174; K. Borchardt, D
 geistlichen Institutionen in tkr Reichsstadt 
Rothenburg ob der Tauber und dem zugehörigen Landgebiet von tkn Anfängen bis zur ReformDtion 
(Veröffentlichungen der GeseUschaft für fränkische Geschichte, Reihe IX, Bd. 37,1), Neustadt a.d. 
Aisch 1988, S. 36f. 
10 Weiss (wie Anm. 21), S. 203. 
11 Ebd., S. 210f., 359f.; P. Moraw, Beamtentum und Rat König Ruprechts, Zeitschrift für die 
Geschichte des Oberrheins 116 (1968), S. 120f. 
IZ Heim (wie Anm. 13), S. 86fT. 
IJ D. Wojtecki, Die Babenberger und ihr Deutsche Orden, Miueilungen des Instituts 
für österreichische Geschichtsforschung 87 (1979), S. 323ff.; ders., Deutscher Orden (wie 
Anm. 21), S. 210. 
14 Ladumer (wie Anm. 51), S. 35, 52,56 und öfter; F. H. Hye, D
 Ballei an der Etsch und d
 
Landkommende Bozen, in: Der Deutsche Orden in Tirol, hrsg. von H. Noflatscher (Quellen und 
Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 43), Bozen, Marburg 1991, S. 337; Arnold (wie Anm. 
51), S. 143ff. 
M Militzer, Entstehung (wie Anm. 29), S. 65f. Anm. 24; Wojtecki, Babenberger (wie 
Anm. 83), S. 331. 
16 Ladumer (wie Anm. 51), S. 47, 64f., 67, 101f. und öfter; Arnold (wie Anm. 51), S. 144fT. 
17 VgI. Anm. 79. 
.. Weiss (wie Anm. 21), S. 353ff. 
19 Deutsche Reichstagsakten, Bd. 2, München 1874, Nr. 271. 
!IO Weiss (wie Anm. 21), S. 188f. 
9\ Ebd., S. 203. 
92 Abdruck: Rechter (wie Anm. 27), S. 268-270. 
93 Weiss (wie Anm. 21), S. 307; Hofmann (wie Anm. 13), S. 92ff. Auch: Demel (wie Anrn. 3), 
S.34. 
91 D. Willoweit, in: Deutsche Verwaltungsgeschichte I, hrsg. von K.G.A. Jeserich, H. Pohl, 
G.Ch. v. Unruh, Stuttgart 1983, S. 109ff.; Handbuch zur bayerischen Geschichte 2, München 1966, 
S. S45, mit weiterer Literatur. 
95 Dazu neuerdings: W. Eberhard, Der Legitimationsbegriff des "gemeinen Nutzens" im Streit 
zwischen Herrschaft und Genossenschaft im Spätmittelalter, in: Zusammenhänge, Einflüsse. Wirkun- 
gen. Kongreßakten zum ersten Symposium des Mediävistenverbandes in Tübingen 1984, hrsg. von 
J. O. Fichte, K. H. Göller und B. Schirnrnelpfennig, Berlin, New York 1986, S. 241ff. 
lJ6 Perlbach, Statuten (wie Anm. 46), S. 49: Regel 27 . Dazu auch: Weiss (wie Anm. 21), S. 303lT. 
97 P. G. Thielen, D
 Verwaltung des Ordensstaates Preußen vornehmlich im 15. Jahrhundert 
(Oslrniueleuropa in Vergangenheit und Gegenwart 11), Köln Graz 1965, S. 80ff.; Boockmann (wie 
Anm. 2), S. 188f.; L. Arbusow, Die im Deutschen Orden vertretenen Ge.fchlechter, in: Jahrbuchfiir 
Genealog
, Heraldik und Sphragistik 1899, Mitau 1901, S. 42f. 
· W. Resse, Gesamtdeutsch/! und territoriale Zusammenhänge in der Geschichte des Deutschrit- 
terordens der Niederlande, Blätter für Deutsche Landesgeschichte 83 (1937), S. 272. 
9J Weiss (wie Anm. 21), S. 308. 


159 


........
>>>
1110 R. ten Haaf (wie Anm. 32), S. 33. 
101 Obenauli (wie Anm. 57), S. 163; Schubert (wie Anm. 14), S. 105ff.; auch H. Mau, D
 
Rittergesellschaft mit dem St. Jörgenschild, Stutlgart 1941, S. 36,39, 48ff., 56. 
102 Mau (wie Anm. 101), S. 9Off. 
10J HStA Stutlgart, B 343-U 397. 
104 HStA Stutlgart, B 343-U 398-400; vgl. Obenaus (wie Anm. 57), S. 190, 192, 194; Weiss (wie 
Anm. 21), S. 347; Demel (wie Anm. 3), S. 37. 
lOS H. Kruse, W. Paravicini, A. Ranft (Hrsg.), Ritterorden und Adelsgesellschaften im spätmit- 
tewlterlichen Deutschland (Kieler Werkstücke, Reihe D: Beiträge zur europäischen Geschichte des 
späten Mittelalters I), Frankfurt a. M. 1991, S. 212. 
1116 Weisli (wie Anm. 21), S. 347. 
107 HSlA Stutlgart, B 343-U 252. 
1111 Weiss (wie Anm. 21), S. 347; H. Angermeier, Königtum und Landfriede im deutschen 
Spätmittelalter, München 1966, S. 527ff. 
109 Kruse, Paravicini, Ranft (wie Anm. 105), S. 209. 
110 Ebd., S. 82. Da nur Adlige aufgenommen wurden, mußten die Kandidaten in irgendeiner 
Form ihren Stand nachweisen. 
111 Ebd., S. 105. Die Gesellschaft nahm nur Adlige auf (vgl. 
 22). 
112 Ebd., S. 117. Die Gesellschaft nahm nur Adlige auf, so daß ein Standesnachweis erbracht 
werden mußte. 
\1J Ebd., S. 133. 
11. Ebd., S. 335. 
m Ebd., S. 365f. 
116 Ebd., S. 389. 
117 Ebd., S. 402. 
111 VgI. ebd., S. 456: Simpliciusgesellschaft von 1492; S. 468: St Martinsgesellschaft von 1496. In 
anderen Gesellschaften wurde der Adel als Aufnahmekriterium vorausgesetzt Die Prüfung wird sich 
in ihnen auch auf vier Ahnen der beitrittswilligen Kandidaten erstreckt haben. 
119 K. Militzer, D
 Aufnahme von Ritterhrüdern in den Deutschen Orden. Ausbildungs.uand und 
Aufnahmevoraussetzungen, in: Das Kriegswesen der Ritterorden im Mittelalter, hrsg. von 
Z.H. Nowak (Ordines militares - Colloquia Torunensia Historica 6), Torun 1991, S. 8f. 
120 H. Reimer, Verfall der Deutsch-Ordenshallei Koblenz im 15. Jahrhundert, Trierisches Archiv 
9 (1902), S. 29 Beilage V. 
121 A. Schulte, Der Adel und die deutsche Kirche im Mittelalter, Darmstadt 1958, 3. Aufl., 
S. 29ff., 244ff.; auch: Weisli (wie Anm. 21), S. 316. 
112 VgI. Limburg (wie Anm. 55), S. 46, 187ff.; Amold (wie Anm. 51), S. 137, lS4ff.; 
K. Neitmann, Ludwig von Lantbee. Ein Gebietiger des Deut
chen Ordens in Preußen im 15. 
Jahrhundert, Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 36 (1988), S. 182f. Ein Vergleich der Namen der 
Landkomture von Österreich mit preußischen Gebietigem belegt, daß viele preußische Ordensbrüder 
mit der Leitung auch dieser Kammerballei betraut worden sind: L. KJebel, Studien zur Geschichte 
der Deutschordenskommende Wien im fünfzehnten Jahrhundert, Diss. phi\. Wien 1966 (Masch.), 
S. 158; J. Voigt, Namen-Codex der Deutschen Ordens-Beamten, Königsberg 11143. 


- 


......
>>>
- .,-- 


ORDINES MILlTARES - COLLOQUIA TORUNENSIA HISTORICA VIII - 1995 
RmERORDEN UND REGION - POLITISCHE, SOnALE UND WIRTSCHAFTLICHE VERBINDUNGEN [M MmELALTER 


Udo Arnold (Bonn) 


Europa und die Region - widerstreitende Kräfte 
in der Entwicklung des Deutschen Ordens im Mittelalter 


"Die über dreihundert jährige Existenz des mittelalterlichen Deutschen 
Ordens zeigt ihn on als Institution mit Niederlassungen in ganz Europa 
einschließlich des Mittelmeerraumes" I. Vor drei Jahren, an läßlich der Ausstel- 
lung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, haben wir von der 
europäischen Bedeutung des Deutschen Ordens gesprochen, von der Deutschor- 
densgeschichte als "einem Thema der europäischen Geschichte" 2. Das ist keine 
neue Erkenntnis, wenn auch vielleicht erst die Nachkriegszeit infolge der 
politischen Horizonterweiterung über nationale Ansätze hinaus die Fragestel- 
lung in dieser Richtung deutlicher hat werden lassen. Im selben Nürnberger 
Ausstellungskatalog, wenige Seiten später, habe ich formuliert, auf den Ordens- 
zweig im Deutschen Reich bezogen: Er "lebte von der Region und für die Region, 
er war Bestandteil der ihn umgebenden Gesellschaft.. 3. 
Trotz des scheinbaren Widerspruchs halte ich an beiden Aussagen fest. 
Europäischer Horizont - für das 12./13. Jahrhundert einschließlich des östlichen 
Mittelmeerraumes -läßt sich beim Deutschen Orden nicht leugnen. Bereits von 
der Grundidee und der Entwicklung des Ritterordens her handelt es sich um eine 
Selbstverständlichkeit. Hospitäler konnten noch Einzelinstitutionen oder auf 
enge Regionen beschränkte Einrichtungen sein, ein Ritterorden kaum. In der 
Kreuzzugszeit verbanden sich normalerweise Heidenkampf und Herkunfts- 
region der Ritter ni c h t zu einer Einheit; die Ausnahme der spanischen 
Ritterorden bestätigt diese Regel. Denn das Kerngebiet des Heidenkampfes lag 
im Heiligen Land, und die zur Befreiung der heiligen Stätten der Christenheit 
aufbrechenden Ritter mußten aus Europa kommen. Auch bei der Eröffnung 
neuer Heidenkampffronten in Livland und in Preußen stammten die Ritter nicht 
aus den benachbarten Gebieten, sondern kamen weit über See oder Land aus 


161 


.......
>>>
dem Deutschen Reich. Der Bezug auf das Heilige Land, der nicht nur der 
Gcündungsphase des Deutschen Ordens zu eigen ist, sondern ihn bis in die 
Gegenwart in seinen Vorstellungen stets begleitet hat, war für ihn ein Grund, in 
europäischen Horizonten zu denken. 
Es ist allerdings keine Selbstverständlichkeit, daß solche anfänglichen 
Ansätze erhalten bleiben. So hat beispielsweise das englische St. Tho- 
mas-Hospital, das bereits 1192 in Akkon dem Deutschen Hospital benachbart 
war und 1229 die Deutschordensregel übernahm, eine Ausweitung ni c h t 
vollziehen können; es blieb auf die Nachbarschaft zum Deutschen Orden in 
Akkon und auf Cypern beschränkt und verschwindet mit der cyprischen 
Niederlassung des Deutschen Ordens im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts 
ebenfalls aus unserem Blickfeld 4. 
Die eigentliche Europäisierung des Deutschen Ordens ist denn auch eher ein 
politischer Vorgang gewesen. Die enge Verbindung zum thüringisch-staufischen 
Machtbereich hat ihm eine große Zahl seiner Besitztümer beschert, ihn aber auch 
über die Herkunftsregionen der Brüder und das Einsatzgebiet Heiliges Land 
hinaus an die Ränder der christlichen Welt gebracht. Wir kennen die große 
Spannweite staufischer Politik, nicht zuletzt unter Kaiser Friedrich 11., von 
Spanien über Sizilien und das Heilige Land bis Byzanz einerseits sowie 
andererseits von Dänemark bis ins Baltikum 5. In enger Verbindung dazu zu 
sehen ist Hochmeister Hermann von Salza, ohne daß hier der Versuch 
unternommen werden soll, ihn oder den Kaiser als spiritus rector der einen oder 
anderen Vorstellung auszumachen 6. 
Die Horizontweitung für den Deutschen Orden unter Hermann als Hoch- 
meister war jedenfalls beachtlich. Bis zu seinem Regierungsantritt 1209 finden 
wir den Orden im Heiligen Land, in Apulien und Sizilien, in der Steiermark, in 
Thüringen, Tirol, Kärnten, Böhmen und Österreich 7. Es handelte sich dabei um 
Einzelbesitzungen innerhalb des Römischen Reiches - Niederlassungen in der 
Etappe als Ressourcen für den Einsatz im Heiligen Land. Unter Hermann von 
Salza wurde diese Situation durch eine Vielzahl von Schenkungen ausgebaut. 
Doch hinzu kamen wesentliche Ansätze, die den Deutschen Orden auch von den 
übrigen großen Ritterorden wie Templern und Johannitem unterscheiden. 
Es ist die Politik mit dem Ziel der Ausbildung eines souveränen Ter- 
ritoriums 8. Dies war nicht denkbar innerhalb der aufgesiedelten europä- 
isch-christlichen Regionen. Geeignet dazu erschienen Randgebiete christlicher 
Staaten mit der Möglichkeit eines Ausgreifens in Heidenland. Der Ansatz zur 
Verwirklichung solcher Vorstellungen blieb derselbe: Ansetzung des Ordens auf 
christlichem Territorium zwecks Grenzverteidigung gegen die benachbarten 
Heiden, Hinausgreifen in das heidnische Territorium und Hinzuziehung des 
Ausgangsgebietes zu den inzwischen eroberten heidnischen Gebieten zu einem 
einheitlichen Staatsgebilde. In der Zeit Hermanns von Salza beobachten wir 
entsprechende Versuche in Palästina, in Armenien, auf der Peloponnes, im 


162
>>>
Burzenland, in Spanien, in Preußen, in Livland. Keiner dieser Ansätze genoß von 
vornherein Priorität, zum Teil erfolgten sie zeitgleich. Hier liegt eine europäische 
Spannweite vor, die wir bei anderen Ritterorden nicht beobachten können. Auch 
wenn z.B. Tore Nyberg wahrscheinlich gemacht hat, daß die Johanniter an eine 
Kreuzzugsbeteiligung gegen Livland gedacht haben und bei der dänischen 
Eroberung Estlands 1219 beteiligt gewesen sein dürften 9 , so war ihre Vor- 
stellungswelt doch in ganz anderem Maße mittelmeerisch geprägt, Palästina war 
und blieb Zentrum ihrer Kreuzzugsidee. 
Die von Hermann von Salza erworbenen Optionen auf ein eigenes Ter- 
ritorium haben sich fast nirgendwo realisieren lassen: Das Burzenland mußte der 
Orden nach nur 15 Jahren wieder verlassen 10, auch Palästina und Armenien 
gingen am Ende des 13. Jahrhunderts verloren 11 , ohne daß in diescn Bereichen 
eine Territorialgründung hätte erfolgen können. In Spanien wie auf der 
Peloponnes reichte es schließlich nur zu einigen Niederlassungen 12. Allein in 
Preußen geland es, das Hermannsche Ziel zu verwirklichen, während im 
benachbarten Livland das Erbe aus der Schwertbrüderzeit sich nie im 
preußischen Sinne revidieren ließ. Es blieb jedoch die Spannbreite der Ordens- 
niederlassungen und damit der Erfahrungshorizont der Ordensmitglieder. 
Typisches Beispiel dafür ist neben Hermann von Salza Hochmeister Konrad 
von Feuchtwangen 13. Über knapp vier Jahrzehnte können wir seine Laufbahn 
verfolgen: Wohl in Franken geboren, war er nacheinander Landkomtur in 
Österreich, Treßler im Heiligen Land, erneut Landkomtur in Österreich, dann 
Landmeister in Preußen und Livland, Landkomtur in Franken, Deutschmeister 
und Hochmeister; er starb in Böhmen. Konrad war sicher eine heraustragende 
Persönlichkeit, und die Quellenüberlieferung ist uns gewogen gewesen. Aber 
auch andere Beispiele lassen sich aufzeigen, im 13. wie im 14. und teilweise noch 
im 15. Jahrhundert. Die Herkunftsregion eines Ordensbruders war selten 
identisch mit seiner Wirkungsregion, und gerade in der Frühzeit des Ordens 
belegt eine Vielzahl von Beispielen auch außerhalb Preußens und Livlands - wo 
diese Fragen in den letzten Jahren intensiver untersucht worden sind, wenn ich 
an die Dissertationen von Dieter Wojtecki 14 und Klaus Scholz 15 sowie zuletzt 
Sonja Neitmann 16 und den von Lutz Fenske und Klaus Militzer herausge- 
gebenen Band über die Ritterbrüder in Livland 17 denke - die Weite 
der Einsatzmöglichkeiten. Man kann geradezu ein System vermuten, den 
Ordensbruder eigentlich nicht in seiner Herkunftsregion einzusetzen, zumindest 
nicht auf Dauer. 
Dies hängt zum Teil zusammen mit der Struktur der Ordensverwaltung. 
Spätestens das Problem der "Entwurzelung" des Hochmeisters durch den 
Verlust des Heiligen Landes und damit seiner Einkommensgrundlage hat 
die Vorstellung von unmittelbar dem Hochmeister unterstehenden Gebieten, 
sogenannten Kammerballeien, aufkommen lassen. Dieter Wojtecki setzt ihre 
Entstehung für die 40er Jahre des 13. Jahrhunderts an 18, Klaus Militzer 
für die Regierungszeit Werner von Orselns, also 1324-1330 19 , ich selber habe 


163 


........
>>>
vermutet, dies sei bereits unter Orselns Amtsvorgänger Karl von Trier ge- 
schehen 20, während Ulrich Nieß meint, zumindest Entwicklungstendenzen 
schon im 13. Jahrhundert ausmachen zu können 21. Wie dem auch sei, seit der 
Übersiedlung des Hochmeisters auf die Marienburg 1309, letztendlich aber seit 
dem Regierungsantritt Werner von Orselns 1324 und damit der endgültigen 
Verlagerung der Ordenszentrale in den Ostseeraum bedeutete die Existenz von 
hochmeisterlichen Kammerballeien im Süden des Römischen Reiches - Öster- 
reich und Bozen, aber auch Koblenz - die dauerhafte Notwendigkeit einer 
Anbindung von verschiedenen Ordensgebieten über große Entfernungen an 
denselben Amtsträger, den Hochmeister, und damit auch einen personalen 
Verbund. So waren die seit 1332 amtierenden Bozener Landkomture fast alle 
zuvor als Amtsträger in Preuße.1 gewesen 22, und ähnliches gilt für die seit 1386 
dem Hochmeister unterstehende Ballei Elsaß-Burgund. Parallele Feststellungen 
lassen sich vielleicht auch für die mittelmeerischen Balleien machen, obgleich 
genauere Untersuchungen bislang nicht vorgenommen wurden. Wenn man 
davon ausgeht, daß die in Preußen und Livland wirkenden Ritter ziemlich 
ausschließlich aus den verschiedenen Gebieten des Reiches stammten, wird selbst 
nach dem Verlust des Heiligen Landes noch immer ein e be d e u t end e 
Spannweite sichtbar. 
Dies liegt nicht nur in den Organisationsformen des Ordens begründet. Auch 
die den Orden geistig-geistlich grundlegenden Vorstellungen waren nicht 
regional gebunden. Die Ordensregel stellte vielmehr einen Zusammenhang her 
mit den alttestamentlichen Vorbildern der Ritterorden, wie etwa den Mak- 
kabäern 23. Hinzu kam die gerade beim Deutschen Orden sehr weitreichende 
Entpersönlichung - Wappen- und Siegelführung sind dafür gute Beispiele, worin 
sich der Deutsche Orden von den Johannitern deutlich unterschied 24_, die den 
Bruder aus seiner Familie, aus seiner Herkunft, damit auch aus seiner Region 
löste und ihm, zusammen mit dem heilsgeschichtlichen Zusammenhang, ganz 
andere Dimensionen zeitlicher wie räumlicher Art eröffnete. Überspitzt gesagt, 
löste die grundlegende Ideologie der Ordensregel den Ordensangehörigen aus 
Zeit und Raum und hob ihn über beide hinaus. 
Im selben Kontext sind die Privilegierungen des Ordens zu sehen, die er von 
Kaiser und Papst erhielt 25. Die kaiserlichen Privilegien räumten ihm eine 
Sonderstellung gegenüber den übrigen Territorialgewalten ein, und sei es nur bei 
scheinbar so einfachen Vorgängen wie einer Zollbefreiung. Vor allem aber die 
päpstliche Exemtion, die Herauslösung einer geistlichen Gemeinschaft aus allen 
Diözesanbindungen, stellte den Orden für sein gesamtes Verbreitungsgebiet als 
etwas Besonderes dar und unterstützte das Gruppengefühl wie auch die 
Abgrenzung gegenüber Nichtordensangehörigen. 
Dementsprechend trat an die Stelle bisheriger Bindungen das Eingebettetsein 
in die eigene Gemeinschaft, der Korporationsgeist, wie wir es modern nennen 
würden. Er war natürlich nicht regional gebunden, sondern kannte den gesamten 


164
>>>
Einsatzbereich des Ordens. Deutlich erkennbar wird dies in den Nekrologen, 
die in den Niederlassungen geführt wurden und in einigen wenigen Exemplaren 
auf uns gekommen sind. Die ältesten weitgehend komplett erhaltenen entstam- 
men der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, weit
rgeführt mit Nachträgen, aus 
den Kommenden Marburg 26, Mergentheim 27 und MaastrichtlAltenbiesen 28. 
Das Mergentheimer Nekrologium ist sehr gut zur Edition vorbereitet worden 
von Alois Seiler, der im Vergleich mit dem Altenbiesener Exemplar zu dem 
Ergebnis kam, daß beiden offenbar ein Kernnekrolog vorgelegen hat, der 
wesentliche Einträge für die Gesamtordensexistenz zum Inhalt hatte - von 
Akkon bis Livland. Unbeschadet der ausschließlich örtlichen Verwendung in der 
jeweiligen Kommende wurden Todestage - und damit zum Teil wichtige 
Ereignisse - festgehalten, die ihre Bedeutung nur durch eine europäisch-weite 
Grundvorstellung der Ordensangehörigen erlangen konnten. 
Andererseits ist uns das Zusammengehörigkeitsgefühl der Ordensangehöri- 
gen einer Herkunftsregion, das Weiterwirken der Herkunftsregion in der 
Wirkungsregion nur allzu bekannt. Hartmut Boockmann hat darauf hin- 
gewiesen 29. Jüngst untersuchte Sonja Neitmann in ihrer noch nicht veröffentlich- 
ten Dissertation erneut den livländischen "Zungenstreit" 30. In den dortigen 
Auseinandersetzungen des 15. Jahrhunderts um die wichtigen Führungspositio- 
nen wird die KontrasteIlung von Rheinländern und Westfalen besonders 
deutlich, das heißt das an die Herkunftsregion gebundene besondere Zusammen- 
gehörigkeitsgefühl. Doch auch aus dem 14. Jahrhundert aus Preußen kennen wir 
ähnliche Vorgänge, wenn wir die Zusammensetzung der Großgebietiger und ihre 
Änderung beim Wechsel im Hochmeisteremt verfolgen. Sogar für das ausgehen- 
de 13. Jahrhundert stellen wir am Beispiel Konrads von Feuchtwangen eine 
Gruppenbildung fest, die offenbar herkunftsbezogen war. 
Noch deutlicher wird die regionale Bindung innerhalb des deutschen Zweiges 
des Ordens. Klaus Militzer hat das am süddeutschen Beispiel eindringlich 
vorgestellt 31. Zwar boten uns die Untersuchungen der Nachkriegszeit die 
generelle Aussage bereits öfter, doch solch exakte Untersuchungen fehlen noch 
immer weitgehend, so daß wir auch auf die entstehende Dissertation von 
Konradin von Planta über die elsässischen Ordensangehörigen und ihre 
regionale Einbindung mit Recht gespannt sein dürften. Immerhin hat uns bereits 
1967 Emil Quadflieg am Beispiel des Deutschen Hauses Aachen die Existenz 
ganzer Familienbezüge zu bestimmten Kommenden aufgezeigt und mit dem 
Begriff des Deutschordens-Sippenkreises belegt 32. Sein Beispiel der frühen 
Neuzeit läßt sich ohne große Probleme auf das Mittelalter übertragen, wie Hans 
Limburg anhand der Familie Overstolz aus Köln zeigte 33 . 
Bereits die Gründungsgeschichte vieler Kommenden innerhalb des Reiches 
bietet ein Beispiel für die regionale Einbindung der Ordensmitglieder. In 
Mergentheim wie in Horneck - um nur zwei der bedeutenden Stiftungen zu 
nennen - ist mit der Stiftung und Grundausstattung einer Ordensniederlassung 


165 


........ 


..
>>>
gleichzeitig der Eintritt des Stifters oder seines Sohnes, manchmal gar mehrerer 
Familienangehöriger verbunden gewesen 34. Daraus ergab sich die Selbstver- 
ständlichkeit, daß sie ihr Gut weiterverwalteten, also die ersten Komture der von 
ihnen gestifteten Kommenden wurden. Die Forschung hat dafür den Begriff der 
Hauskommende geprägt. Er signalisiert eine fortdauernde Verbundenheit der 
Familie mit der einst von ihr gestifteten Kommende, wie wir dies schon aus 
karolingischer Zeit für die königlichen Hausklöster kennen. 
Diese Form der Hauskommende führt zu einem weiteren Phänomen. Die 
Aufnahme der Ordensmitglieder erfolgte ursprünglich zentral durch das Ge- 
neralkapitel und den Hochmeister 35, wurde jedoch beim Anwachsen des Ordens 
sicher sehr rasch durch den Landkomtur vorgenommen. Das ist erkennbar 
in dem Versuch des Hochmeisters Dietrich von Altenburg (1331-1335), 
Ausnahmen von der Aufnehmekompetenz des Generalkapitels an die hochmei- 
sterliche Erlaubnis zu binden und damit die Aufnahme nicht komplett aus der 
Hand zu geben 36 - wahrscheinlich ein untauglicher Versuch, Zentralfunktionen 
des 13. Jahrhunderts zu erhalten. Selbst die Aufnahme durch die Landkomture 
dürfte keine durchgängige Regel gewesen sein, denn seit dem 14. Jahrhundert, 
seit wir die Aufnahme besser verfolgen können, sehen wir im Deutschen Reich 
mehrere zentrale Kommenden dafür zuständig, später vielleicht sogar 
die Kommenden allgemein ohne Rücksicht auf ihre Größe 37. Das führt so 
weit, daß wir bei Zweifelsfragen hinsichtlich der Herkunft von Ordensbrüdern 
mit ziemlicher Sicherheit bei mehreren gleichnamigen Geschlechtern eine 
Zuweisung zum der Aufenthaltskommende nächstwohnenden Geschlecht 
vornehmen dürfen. 
Die Einbindung der Kommende in die umliegende Region war also sehr 
intensiv. Das läßt sich auch leicht erklären, denn der Deutsche Orden war 
im Reich in aufgesiedelte Gebiete gekommen, innerhalb derer er sich nur durch 
Umschichtung von Rechten, Bezitz und Personen aus bereits bestehenden 
Strukturen auf die neue Organisation etablieren konnte. Was für den kulturellen 
Bereich gesagt wurde, daß es im Reich keinen Deutschordenskulturkreis gegeben 
habe - bezogen auf Literatur und Baukunst 38_, gilt für den Orden dort 
insgesamt: Wir sehen "die Einpassung in die allgemeinen Entwicklungen der 
Zeit und der Region" 39. 
Das läßt sich auch für die Ordensbrüder feststellen. Mit dem Fortfall des 
Heiligen Landes als Ziel und Aufenthaltsort traten nicht mehr parallel, sondern 
auschließlich Livland und noch mehr Preußen in die Rolle des Heidenkampfzen- 
trums ein. Das galt für den gesamten west- und mitteleuropäischen Ade1 40 , 
in erster Linie jedoch fiir die Ordensbrüder als eigentliche Träger dieses 
Kampfes. Aber auch die Ordensbrüder sahen nicht mehr unbedingt ihren 
Daueraufenthaltsort in Preußen, sie kehrten nur allzu gerne in ihre Heimatregion 
zurück. Hans Limburg hat dies am Beispiel der Ballei Koblenz aufgezeigt 41, für 
andere Regionen gilt desselbe. 


166 


I 
,.
>>>
Teilweise war den Brüder das Verbleiben in der Ballei sogar noch lieber, und 
auch die Balleien wünschten, daß ihre Amtsträger aus der eigenen Region 
stammten. So bekam der Franke Leopold von Wemding 1309 Probleme, als der 
Hochmeister ihn als Landkomtur nach Bozen vt!"setzte 42 . Im 15. Jahrhundert 
stiegen zwei aus der Ballei stammende Komture zum Amt des Landkomturs auf: 
Friedrich von der Wickerau (141&--1417) war vorher Komtur von Sterzing, 
Gottfried Niederhauser (1421-1439) verwaltete zuvor Lengmoos und Sterzing. 
Johann Mossauer (1451 bzw. 1453-1456) und Wolfgang von Neuenhaus 
(1495-1503) kamen aus den hochmeister lichen Kammerballeien Elsaß und 
Österreich und stiegen über Tiroler Kommenden dann zum Amt des Landkom- 
turs auf. Alle vier sind offenbar nicht vorher in Preußen gewesen 43. Noch 
deutlicher sehen wir diese Entwicklung in Koblenz. Von den 32 mittelalterlichen 
Landkomturen und Statthaltern stammten 17 aus der Ballei. Das Verhältnis der 
nicht aus der Ballei stammenden zu den aus der Ballei stammenden Landkom- 
turen wurde im 15. Jahrhundert deutlich verschoben zugunsten der einheimi- 
schen Gruppe. Jedoch handelte es sich mit ganz wenigen Ausnahmen um 
Rückkehrer: Vorher waren sie in Preußen gewesen 44. 
Allerdings stellte sich hinsichtlich Neuaufnahmen die bewußte Verringerung 
der Brüderzahlen dem Verbleib in der Region entgegen. So wissen wir aus dem 
fränkisch-deutschmeisterlichen Raum, daß junge Ritter nur aufgenommen 
werden sollten, wenn sie mit eigenem Pferd auf eigene Kosten sich zum 
Hochmeister nach Preußen begaben, um sich dort einsetzen zu lassen 4'; die 
Herkunftsregion blieb ihnen als Versorgungsbasis versperrt. 
Europäische Weite und Verhaftetsein in der Region standen sich also 
deutlich als widerstrebende Kräfte entgegen. Doch darf die Chronologie nicht 
übersehen werden. Der umspannende, Weite verheißende Kreuzzugsgedanke 
ging im 14., erst recht im 15. Jahrhundert deutlich zurück. Nicht daß der 
abendländische Ritter unbeweglicher geworden wäre, Gegenbeispiele sind zur 
Genüge bekannt. Doch war der Ritterschlag in Preußen, der Ehrentisch des 
Hochmeisters bedeutender geworden als der ideologisch begründete Heiden- 
kampf. Wenn man neben dem Abenteuer auch noch etwas für sein Seelenheil tun 
konnte, war das sicher ein zusätzliches Movens, aber keineswegs mehr ursächlich 
für den Aufbruch. 
Parallele Erscheinungen stellen wir innerhalb des Ordens fest. Zur Ge- 
nüge bekannt ist die Entwicklung der Korporation zur Versorgungsinsti- 
tution, zum "Spital des deutschen Adels". Nicht mehr der Heidenkampf 
war das entscheidende Movens zum Eintritt, sondern eine standesgemäße 
Versorgung. Der Bruder des Deutschen Ordens wurde im 14. Jahrhundert 
zum Deutschen Herrn, dessen Armutsgelübde längst einem Anspruchsdenken 
gewichen war, das dem des weltlichen Adels in nichts nachstand. Allerdings 
war dies keine individuelle Erscheinung, sie betraf vielmehr den gesamten 
Orden 46. 


167 


......
>>>
Das Problem entstand eigentlich mit der Staatsbildung in Preußen, obgleich 
es kein typisches Deutschordensproblem war. Bei den Johannitern stellen wir 
ganz ähnliche Entwicklungen fest, auch wenn sie sich dort nicht so kraß 
auswirken konnten. Bis zum zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts lag allerdings 
Preußen an der Peripherie der Ordensvorstellungen. Erst mit der Übersiedlung 
des Hochmeisters auf die Marienburg und der endgültigen Etablierung dort 
erhielt der oberste Amtsträger ein eigenes, geschlossenes Territorium als 
Unterhaltsbasis. Prägten vorerst noch korporative Elemente die Landesherr- 
schaft, so wandelte sich das im 15. Jahrhundert deutlich: Sie wurde immer stärker 
zum personalen Fürstenregiment des Hochmeisters, nicht zuletzt aufDruck der 
Stände 47. Den Schlußpunkt dieser Entwicklung sehen wir - politisch wie mental 
- im Akt von Krakau 1525, der Umwandlung des restlichen Ordenslandes in ein 
weltliches Fürstentum unter dem ehemaligen Hochmeister als Herzog. 
Livland vollzog den Schritt knapp vier Jahrzehnte später nach. Doch dieser 
Territorialisierungsvorgang hatte bereits viel früher eingesetzt. 
Seit 1351 können wir in Preußen Ständetage nachweisen. Ihre Bedeutung 
wuchs nach dem 1. Thorner Frieden 1411 deutlich. Rückwirkungen auf den 
Orden blieben nicht aus: Der Landesrat unter Heinrich von Plauen wie auch das 
Problem der Huldigung der Stände gegenüber dem Hochmeister, nicht mehr 
gegenüber dem Orden als Korporation sind nur zwei von vielen Anzeichen. Zwar 
sah man von außen den Orden noch immer als Gesamtheit, wenn beispielsweise 
die Anerkennung des Brester Friedens 1435 durch den livländischen Landmei- 
ster und den Deutschmeister von Polen gefordert wurde 48 . Doch gerade dieser 
dem Frieden vorausgegangene Krieg wurde innerhalb des Ordens nicht mehr als 
Ordensangelegenheit gesehen, sondern als Sache des Hochmeisters als 
preußischen Territorialfürsten. Der Deutschmeister gab darauf die krasseste 
Antwort: Er reagierte mit gefälschten Statuten, die ihm ein Aufsichtsrecht über 
den Hochmeister einräumten 49. 
Diese sogenannten Orselnschen Statuten sind keineswegs der Anfang, 
sondern bereits ein Höhepunkt der Auseinangerentwicklung der drei Ordens- 
zweige. Vorangegangen ist Preußen, da dort ein in sich geschlossenes und durch 
die Inkorporation der Bistümer mit Ausnahme des ermländischen noch einheit- 
licheres Territorium bereits existierte. Doch sie wurde in den übrigen Ordens- 
gebieten ganz ähnlich nachvollzogen. Für Livland wird dies besonders deutlich 
in der unterschiedlichen Stellung beider Ordensgebiete zu Polen-Litauen und zu 
Rußland nach der polnisch-litauischen Union von 1385/86 jO. Innerhalb des 
Reiches banden die großen Territorialisierungsvorgänge des ausgehenden 
Mittelalters und der beginnenden Neuzeit auch den Orden immer stärker in die 
Pflichten der Landstände oder innerhalb der Stadt ein, standen doch die 
geistlichen Streubesitzungen dieser Tendenz im Wege. Zwar hatte das die 
Ausweitung von Schutz und Schirm des Landes- oder Stadtherrn auch auf den 
Orden zur Folge, doch ging es vor allem um Dienstleistungen und Abgaben, zu 
denen man den Orden heranzog. Ergebnis dieses Prozesses war die Annahme der 


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>>>
Reichsfürstenwürde durch den Deutschmeister 1494 und seine Teilnahme am 
Reichstag $1. Damit paßte der Orden sich voll in die allgemeine reichsständische 
Entwicklung ein, die regionalen Tendenzen hatten über den auf Exemtion 
basierenden Ordensgedanken gesiegt. 
Es ist schwer zu sagen, wann dieser Regionalisierungsvorgang im Orden 
begonnen hat. Auch hier überlagern sich verschiedene Ebenen. Das Kreuzzugs- 
ziel, die Ideologie der Gründungsepoche ging über alle Regionalansätze hinweg. 
Das traf im Prinzip auch auf den preußischen und den livländischen Ordensweig 
zu. Im Reich jedoch entwickelte sich dies von Anfang an anders. Dort lebte der 
Orden in der Etappe, die zwar die Ausrichtung auf das gemeinsame große Ziel 
und gleichzeitig Eigenbedeutung im Hospital- und Pfarrbereich besaß, aber von 
der Entstehung des Besitzes her bereits in der Region verhaftet war. Welcher 
Bereich anfälliger war für eine Regionalisierung, bleibt vorerst eine offene Frage. 
Interessant ist nur, daß die Anfänge dieser Entwicklung sich für alle drei 
Ordenszweige zeitgleich gestalteten. Für Livland wird das am Beispiel der 
Eingrenzung der Herkunftsgebiete auf Westfalen im 14. Jahrhundert deutlich $2. 
In Preußen sehen wir dies im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts mit der 
endgültigen Etablierung des Hochmeisters; der Beitrag von Roman Czaja hat es 
am Beispiel des Ordenshandels ebenfalls bestätigt $3. Im Reich gibt es einen nicht 
unbedingt repräsentativen, aber doch interessanten Beleg, das bereits erwähnte 
Mergentheimer Nekrologium von 1346. Alois Seiler stellte in seiner Unter- 
suchung fest: "Von besonderer Bedeutung ist sicherlich, daß nach Werner von 
Orseln (1324-1330) kein mittelalterlicher Hochmeister mehr in die Gebets- 
gemeinschaft des Mergentheimer Ordenshauses namentlich aufgenommen wor- 
den ist. An ihre Stelle tritt die fast kontinuierliche Reihe der Deutschmeister. In 
diesem Befund spiegelt sich mit aller Klarheit das innere und äußere Auseinan- 
derdriften des Deutschen Ordens in Preußen und im Reich. Das lebendige Ganze 
der religiös begründeten Brüdergemeinschaft des Ordens im Sinne eines 
Hermann von Salza hatte praktisch aufgehört zu existieren. Die Bezugspunkte 
der Ordensritter sind nunmehr die eigene, kleinere Umwelt" $4. 
Die Norm der Regel, die Verbreitung der Niederlassungen zeigten nach wie 
vor die europäische Weite, die tägliche Existenz aber engte das Ordensleben auf 
die Region ein. Die widerstreitenden Kräfte Europa und Region gewannen ab 
der Mitte des 14. Jahrhunderts eine andere Ausformung, die Schwerpunkte 
verschoben sich gegeneinander, doch blieben beide auch weiterhin existent. 


Anmerkungen 


I U. Amold, Der Deutsche Orden im Mittelalter (1190-1525), in: Ritter und Pr
ster. Acht 
Jahrhunderte deutscher Orden in Nordwesteuropa, hrsg. von U. Amold u.a., (AJden Biesen) 1992 
(Ausstellungskatalog), S. 6. Der vorhergehende Beitrag von Klaus Militzer bringt viele Ergänzungen 
für den deutschen Zweig des Ordens, worauf nicht im einzelnen rückverwiesen wird. 


169
>>>
f 


2 U. Arnold, G. Bott, Vorwort, in: 800 Jahre Deutscher Orden, hrsg. von dens., Guters- 
loh/Munchen 1990 (AusstelJungskatalog), S. XIII. 
3 U. Arnold, Mittelmee"aum und Deutsches Rich, in: ebd., S. 5. 
· K. Forstreuter, Der Deutsche Orden am Mittelmeer (Quellen und Studien zur Geschichte des 
Deutschen Ordens 2), Bonn 1967, S. 218f. 
, Zuletzt W. Stiimer, Friedrich //., I: Die Königsherrschaft in Sizil
n und DevtsclJJand 
1194-1220, Darmstadt 1992; 11: (1220-1250) in Vorbereitung. 
6 H. Kluger, Hochmeister HernJann von Salza und Kaiser Friedrich //. Ein Beitrag zur 
Frühgeschichte des Deutschen Ordens (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 37), 
Marburg 1987. 
7 Aufzählung bei M. Turnier, Der Deutsch/! Orden im Werden, Waschen und Wirken bis 1400, 
Wien 1955, S. 54, Anm. I; von den modernen Bezeichnungen abweichend ordne ich Sonntag der 
Steiermark und Reichenbach Thuringen zu. Die Gründung der Kommende Friesach in Kärnten 
datiere ich auf 1203: U. Arnold, Die Griindung der Deutschordensniederlassung Friesach in Kärnten 
J 203, in: Festschriftfiir Hans Thieme zu seinem 80. Geburtstag, hrsg. von K. Kroeschell, Sigmaringen 
1986, S. 37-41. 
· U. Arnold, Vom Feldspital zum Ritterorden. Militarisierung und Territorialisierung des 
Deutschen Ordens (119O-ca.J240), in: Balticum. Studia z dziejow polityki. gospodarki i kultury 
X//-XVllwieku, hrsg. von Z.H. Nowak, Torun 1992, S. 25-36, bes. S. 31-36. 
, T. Nyberg, Die nordischen Johanniter bei der Verteidigung des Glaubens. Versuch einer 
Forschungsbilanz, in: Das Kriegswesen der Ritterorden im Mittelalter, hrsg. von Z. H. Nowak 
(Ordines militares. Colloquia Torunensia Historica VI), Toruit 1991, S. 171-185. 
10 Zuletzt H. Zimmermann, Der Deutsche Ritterorden in Siebenbürgen, in: D
 geistlichen 
Ritterorden Europas, hrsg. von J. Fleckenstein/M. Hellmann (Vorträge und Forschungen XXVI), 
Sigmaringen 1980, S. 267-298. 
11 Forstreuter (wie Anm. 4), S. 5
53, 65r. 
12 Ebd. S. 71-102. 
13 U. Arnold, Konrad von Feuchtwangen, Preußenland 13, 1975, S. 2-34; ders., Deutschmeister 
Konrad von Feuchtwangen und die ..preußische Partei" im Deutschen Orden am Ande des /3. und zu 
Beginn des 14. Jahrhunderts, in: Aspekte der Geschichte. Festschrift fiir Peter Gerrit Thielen, hrsg. von 
U. Amold u.a., Göttingen 1990, S. 22-42. 
I. D. Wojtecki, Studien zur Personengeschichte des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert 
(QueUen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa Ill), Wiesbaden 1971. 
., K. Scholz, Beiträge zur Personengeschichte des Deutschen Orden.r in der ersten Hälfte des 14. 
Jahrhunderts, Diss. phi\. Munster 1969. 
16 S. Neitmann, Von der Grafschaft Mark nach Livland. Ritterbriider aus Westfalen im 
livländischen Deutschen Orden, Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kullurbesitz, 
Beiheft 3, Köln 1993. 
17 Ritterbriider im livländischen Zweig des Deutschen Ordens, hrsg. von L. Fenske und 
K. Militzer (Quellen und Studien zur baltischen Geschichte 12), Köln 1993. 
11 Wojtecki (wie Anm. 14), S. 2
22. 
19 K. Militzer, D
 Entstehung der Deutschordenshalleien im Deut.rchen Reich (QueUen und 
Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 16), Marburg 1981, S. 138-149. 
JI) U. Amold, Mittelalter, in: Der Deutsche Orden in Tirol. D
 Ballei An der Etsch und im 
Gebirge, hrsg. von H. N oflatscher (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 43), 
Bozen/Marburg 1991, S. 125-170, hier S. 137. 
21 U. Nieß, Hochmeister Karl von Tr
r (1311-/324). Stationen einer Karr
re im Deut.rchen 
Orden (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 47), Marburg 1992, S. 163--169. 
22 Arnold, Mittelalter (wie Anm. 20), S. 135-137, 154-157. 
2J G. Wiechert, D
 Spiritualität des Deutschen Ordens in seiner mittelalterlichen Regel, in: D
 
Spiritualität der Ritterorden im Mittelalter, hrsg. von Z. H. Nowak (Ordines militares. Colloquia 
Torunensia Historica VII), Torun 1993, S. 131-146. 


170
>>>
» Zum Siegelkomplex die besten Zusammenstellungen von R. Kahsnitz, Siegel als Zeugnisse 
der Frömmigkeitsgeschichte, in: 800 Jahre (wie Anm. 2), S. 368-405; U. Amold/H. John/ A. Seiler, 
Siegel als Ausweis der Ordensideale, in: Kreuz und Schwert. Der Deutsche Orden in Südwestdeutsch- 
land, in der Schweiz und im Elsaß, hrsg. von U. Amold, Mainam 1991, (Ausstellungskatalog), 
S. 152-162; U. Amold/R. Kahsnitz/J. H. de Vey Mestdaji, Siegel als Frömmigkeitszeugnisse, 
in: Ritter und Priester (wie Anm. I), S. 26-39. Zur eng damit verwandten Wappenführung gibt es 
keine neuere Arbeit. 
zs Am Beispiel einer speziellen Region neuerdings K. van Eickels, Die Deutschordensballei 
Koblenz und ihre wirtschaftliche Entwicklung im Spätmittelalter, Diss. phi\. masch. Düsseldorf 1993; 
U. Amold, Anfänge des Deutschorden.vhandels, in: Urbs - Provincia - Orbis. Contributiones ad 
historiam contactum civitatum Carpathicarum in honorem O. R. Halaga, KoAice 1993, S. 104-110. 
:16 Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen, bearb. von A. Wyss, Bd. 3 (Publicationen 
aus den K. Preussischen Staatsarchiven 73), Leipzig 1899, S. 236-270 (nur Mai bis Anfang 
Dezember). 
11 A. Seiler, Toten- und Stifter gedenken im Deutschordenshaus Mergentheim im späten Mittelal- 
ter. Festkalender, Nekrolog und Anniversar von 1346 (mit Nachträgen bis ca. 1450), Manuskript 1992 
(Druck in Kürze). 
JI Zentralarchiv des Deutschen Ordens Wien, Hs. 427 c; derzeit in Bearbeitung, Druck mit dem 
Mergentheimer Nekrolog vorgesehen. 
111 Siehe oben S. 9. 
JO Wie Anm. 16. 
31 Siehe oben S. 140. 
32 E. Quadtlieg, Das Deutsche Haus zu St. Gilles in Aachen, Zeitschr. des Aachener Geschichts- 
vereins 78, 19661ti7, S. 161-173, hier. S. 171. 
JJ H. Limburg, Deutschordensmitglieder aus dem Hause Overstolz im Mittelalter. Mitteilungen 
der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde 23, 1967, Sp. 143-150. 
Jf A. Seiler, Der Deutsche Orden als Stadtherr im Deutschen Reich. Das Beispiel Mergentheim, 
in: Stadt und Orden. Das Verhältnis des Deutschen Ordens zu den Städten in LMand, Preußen und im 
Deutschen Reich. hrsg. von U. Amold (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 
44 - Veröffentlichungen der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des 
Deutschen Ordens 4), Marburg 1993, S. 155-187; H. Boockmann, Das Hornecker Stifterbild und d
 
Anfänge der Deutschordenskommende Horneck. Beiträge zur lkonographie des Deutschen Ordens, 
in: Horneck, Königsberg und Mergentheim. Zu Quellen und Ereignissen in Preußen und im Reich vom 
13. bis 19. Jahrhundert, hrsg. von U. Amold (Schriflenreihe Nordost-Archiv 19), Lüneburg 1980, 
S. 11-32. An älterer Literatur ist zu nennen D. Wojteclr.i, Der Deutsche Orden unter Fr
drich 11., 
in: Probleme um Fr
drich 11., hrsg. von J. Fleckenstein (Vorträge und Forschungen XVI), 
Sigmaringen 1974, S. 187-224. 
JS D
 Statuten des Deutschen Ordens, hrsg. von M. Perlbach, Halle 1890, S. 127 (Auf nah- 
meritual). 
)6 Ebd., S. 149. Erhalten nur in einer einzigen niederrheinischen Handschrift des 14. 
Jahrhunderts als Nachtrag, also aus dem Ordenszweig im Deutschen Reich; ebd., S. XVIIf. 
37 V gI. die erhaltenen Aufschwörschilde von Ordensrittern in der S1. Jakobskirche Nürnberg aus 
dem IS. und 16. Jahrhundert; G. Rechter, Toten- und Aufschwör.vchilde von Deutschordensrittern, in: 
800 Jahre (wie Anm 2), S. 540--546. 
31 U. Amold, 800 Jahre Deutscher Orden, in: Kreuz und Schwert (Anm. 24), S. 6S--83, hier S. 74. 
JII Ebd. 
fO W. Paravicini, Die Preußenreisen des europäischen Adels, T eill (Beihefte der Francia 17/1), 
Sigmaringen 1989. 
.1 H. Limburg, Die Hochmeister des Deut.vchen Ordens und die Ballei Koblenz (Quellen und 
Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 8), Bad Godesberg 1969. 


171
>>>
U Nieß (wie Anrn. 21), S. 165. 
.3 Amold, Mittelalter (wie Anm. 20), S. 155-157. 
.. Limburg, Hochmeister (wie Anm. 41). S. 187-189. 
U Protokolle der Kßpitel und Gespräch/! des Deutschen Ordens im Reich (1499-1525), hrsg. von 
M. Biskup und I. Janosz-Biskupowa (Quellen und Studien zur geschichte des Deutschen Ordens 41 
_ Veröffentlichungen der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deut- 
schen Ordens 3), Marburg 1991, S. 42 und öfter. 
.. E. Maschke, D
 inneren Wandlungen des Deutschen Ritterordens, in: Geschichte und 
Gegenwartsbewußtsein. Festschrift für Hans Rothfels. Göttingen 1963, S. 249-271; Neudruck: ders., 
Domus hospitalis Theutonicorum. Europäische Verbindungslinien der Deutschordensgeschichte (Quel- 
len und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens (9), Bonn 1970, S. 35-59. 
f7 U. Amold, Ständehe"schaft und Ständekonflikte im Herzogtum Preußen. in: Ständetum und 
Staatsbildung in Brandenburg-Preußen. hrsg. von P. Baumgart (VoröITentlichungen der Histori- 
schen Kommission zu Berlin 55), Berlin 1983, S. 80--107, hier S. 82f. 
.. 800 Jahre (wie Anm. 2), S. 127f. 
., Ebd., S. 346f. 
30 U. Amold, Livland als G/
d des Deutschen Ordens in der Epoche Wolters von Plettenberg, in: 
Wolter von Plettenberg. Der größte Ordensmeister Livlands. hrsg. von N. Angermann (Schriftenreihe 
Nordost-Archiv 21), Lünenburg 1985, S. 23-45, hier S. 31. 
51 A. Herrmann, Der Deutsche Orden unter Walter von Cronberg (1525-1543). Zur Politik und 
Struktur des ..teutschen Adels Spitale" im Reformationszeitalter (Quellen und Studien zur Geschichte 
des Deutschen Ordens 35), Bonn 1974. S. 14-20. 
51 VgI. Ritterbriider (wie Anrn. 17) und die beigegebene Karte. 
n Siehe oben S. 111. 
54 Seiler, Toten- und Stiftergedenken (wie Anm. 27), Ms. S. 11. 


.
>>>
Verzeichnis der Autoren 


Prof. Dr. Udo Arnold - Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Seminar 
für Geschichte und ihre Didaktik und Politische Bildung, An der 
Schloßkirche I, D-53113 Bonn 
Prof. Dr. Hartmut Boockmann - z.Zt. Humboldt-Universität zu Berlin, Institut 
für Geschichtswissenschaften, Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte n, 
Unter den Linden 6, D-10099 Berlin 
Dr. Roman Czaja - Uniwersytet Mikolaja Kopernika, Instytut Historii i Ar- 
chiwistyki, PI. Teatralny 2a, PL-87-100 Torun 
Prof. Dr. Anthony Luttrell- 14 Perfeet View, GB-Bath BAI 5JY 
Prof. Dr. Klaus Militzer - Winckelmannstr. 32, D-50825 Köln 
Prof. Dr. Zenon Hubert Nowak - Uniwersytet Mikolaja Kopernika, Instytut 
Historii i Archiwistyki, PI. Teatralny 2a, PL-87-100 Torun 
Prof. Dr. Henryk Samsonowicz - Uniwersytet Warszawski, Instytut Historycz- 
ny, Krakowskie Przedmiescie 26128, PL-00-325 Warszawa 
Priv.-Doz. Dr. Jürgen Sarnowsky - Frei Universität Berlin, Friedrich-Meinec- 
ke-Institut, Habelschwerdter Allee 45, D-14195 Berlin 
Priv.-Doz. Dr. Bernd Schwenk - Hofackerstr. 8-10, D-56412 Niederer- 
bach-Montabaur 
Prof. Dr. Janusz Tandecki - Uniwersytet Mikolaja Kopernika, Instytut Historii 
i Archiwistyki, PI. Teatralny 2a, P
7-100 Torun 
Priv.-Doz. Dr. Ludwig Vones - Universität zu Köln, Historisches Semi- 
nar-Philosophicum, Albertus-Magnus-Platz, D-50923 Köln
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UNIVERSITAS NICOLAI COPERNICI 


ORDINES MILITARES - Colloquia Torunensia Histrorica 
herausgegeben von ZENON HUBERT NOWAK 


I. Die Rolle der Ritterorden in der Christianisierung und Kolonisierung des 
Ostseegebietes. 1983. 139 Seiten (Vergriffen). 
III. Die Rolle der Ritterorden in der mittelalterlichen Kultur. 1985. 215 Seiten 
(Vergriffen). 
IV. Werkstatt des Hiftorikers der mittelalterlichen Ritterorden. Quellenkundliche Prob- 
leme und For.fchungsmethoden. 1987. 192 Seiten (Vergriffen). 
V. Die Ritterorden zwischen geistlicher und weltlicher Macht im Mittelalter. 1990. 
174 Seiten. 
VI. Das Kriegswesen der Ritterorden im Mittelalter. 1991. 185 Seiten. 
VII. Die Spiritualität der Ritterorden im Mittelalter. 1993. 295 Seiten. 
VIII. Ritterorden und Region - politische. soziale und wirtschciftliche Verbindungen im 
Mittelalter. 1995. 173 Seiten. 
In Vorbereitung: 
IX. Ritterorden und Kirche im Mittelalter. 1997. ca. 180 Seiten. 


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ISBN 83-231-0375-5
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