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iWElrE LIEFERUNG: 


KIR('IILICIIE KUNST. 
DIE CRABSTEINE REV.\LS. 


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MIT 118 ILl.lISTRATIONEN IM TEXT UND 13 LIC'IITDRUCK-T.\FEI.N. 


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RE VAL. 
FRAXZ KLUGE'S \'FRI..\G. 


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			KIRCHLICHE KUNST, 



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NOTTBHCk & NEUMANN, RevRl U. 


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nter den Kirchenbautcn gothischen Styls nehmen die der 

ta(1t R..val eine eigenartige Stellung ein. Wie in den 
Cebietcll 
 orddeutschlands die mittelalterliche Bau- 
kunst, gezwungen durch die Natur des zur Verwen- 
dung gelangenden Baullld.terials, den Backstein, eine 
\ on der Kunst der an natürlichen Steinen reichen 
Lande abweichende Richtung eingeschlagen hatte, so 
fällt auch bei den Reval'schen Bauten eine durch das 
gegebene B,llunaterial bedingte Eigenart sofort in's Auge, Das noch heute in Reval 
vonmgsweise in Gebrauch stehende Baulllatcrial ist ein Überall in Estland, besonders 
aber an der Reval'schen KÜste leicht zu gewinnender "andiger Kalkflies, der in 
Platten von 5 bis 30 cm und darÜber gehrochen wird. Er giebt für die Aufführung 
von einf.lchen l\Iauermd"sen allerdings ein vorzÜgliches B.LUmaterial ab, ist aber nicht 
ft.st und wetterbest.indig genug, um ihn auch zu feineren Steinmetzarbeiten benutzen 
,m können. \Vo es sich gelegentlich UIll die Herstellung solcher hdndelt, werden festere, 
aber nicht nur schwerer zu gewinnende, sondern auch nur in geringen Mengen vor- 
handene Steinarten, wie der Linden'sche, der Merjallla'sche und Rosenthaler Stein, 
oder der marmorartige \Vassalemer Stein zur Verwendung gebracht. Die stärkeren 
Schichten des Kalkllieses sind gewÖhnlich zu lagerhaften Blöcken bearbeitet und dienen 
zur Einfassung der Ecken, zur Herstellung von Profilsteinen und auch zuweilen zur Ver- 
blendung gani:er \Vandfl,khen, wogegen das aus schwdcheren Schichten gewonnene 
Material zu FÜllmauerwerk und zur Herstellung von Gewölben benutzt wird. Wo die 
Wand flachen nicht mit behauenen Blöcken verblendet sind, - und das' ist die Regel 
- tragen sie einen Ueberzug von Kalkputz. Die Revaler Bauten sind daher im 
Allgemeinen als Putz bauten mit spärlicher Werksteingliederung anzusehen. 
Wenn auch die GrÜndung der ältesten Kirchenbauten Revals in die Zeit der 
dänischen Herrschaft (bis [346) fällt, ja zwei derselben, der Dom und die ülaikirche, 
von danischen Herrschern gegrÜndet wurden, so kann doch von einem dänischen 
Einflusse auf die kirchliche Kunst Revals nicht die Rede sein, um so weniger, als 
Dänelll<1rk selbst unter fremdem Einfluss stand und zwar Anfangs unter dem der 
rheinischen Kunst, dann aber vorherrschend unter dem der Kunst Norddeutschlands. 
Dagegen weisen die Reval'schen Kirchenbauten mit Entschiedenheit auf westfälische 
Provenienz hin, entsprechend der vornehmlich von \Vestf.tlen her erfolgten Besied- 
lung des Stadtgebiets, zu der sich aber im Laufe der Zeit EinflÜsse aus den preussischen 
Ordenslanden und aus den H,lI1sastädten an der Ostsee gesellten. \Vie in Westfalen 


Charakteristik 
der' Reval'schen Kirchenbaukunst. 


3.
		

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der ernste, auf das Praktische gerichtete Sinn der Bewohner sich dem schmeichelnden 
Eintlusse der glänzenden franäisischen Gothik zu entziehen wusste, so auch in Reval; 
doch tritt hier, geboten durch das zur Verwendung gelangende Baumaterial eine noch 
umfassendere Vereinfachung der I.Ünstlerischen Form hinzu. ZWdr wird bei den 
Hauptb,lUten an der dreischiffigen Basili1.a festgeh,L1ten, jedoch mit konsequenter 
Aufgabe des Querschiffes. Die Langhauspfeiler sind stets ljuddratisch gestaltet; sie 
steigen ungegliedert, zuweilen nur an den Ecken leicht abgestumpft, empor und werden 
durch ein entweder aus Pldtte und Hohlkehle, oder aus PI,ltte, Rundstab und Hohl- 
kehle gebildetes Gesims unterhalb des Bogenanfdnges umsäumt. Die Scheid bÜgen 
wölben sich in einem gedrückten Spitzbogen. Die GewÖlbe der Schiffe, fast immer 
Kreuzgewölbe - selten kommen Sterngewölbe vor - sind vielfach auf den scharfen 
Grat zusammengewi)lbt. Wo Rippengewölbe zur Anwendung kommen, ist den Rippen 
ein sehr einfaches Profil gegeben, das entsprechend der 'Viderstandsfähigkeit des Bau- 
materials entweder aus zwei Hohlkehlen mit dazwischen liegender Platte, oder häufiger 
aus zwei neben ein,mder liegenden "'ülsten gebildet ist. Ebenso einfach wird das 
Gurtbogenprofil behandelt, entweder erbcheint es einfach bandartig, oder in Form 
eines halbkreisfÜrmigen Wulstes. In den überwiegenden Fällen jedoch findet sich 
das bandartige Profil durch einen eingeschnittenen Mittclwulst belebt und die schmä- 
leren Seitenstreifl'n sind an den inneren Ecken abgerundet. Auf die einfachste Art 
ist die Unterstüt.lling der Mittelschiff gewölbe zurÜckgefÜhrt. Die Aufführung von an 
den Mittelschiffwänden au[,>teigenden Lisenen, oder H,L1bsäulen, oder Diensten ist 
vÖllig aufgegeben. Man begnÜgt sich mit kurzen kC)Jlsol,lrtig behandelten Lisenen- 
stücken, die unterhalb des Gewölbansatzes ein Gesims, ähnlich dem der LlI1ghaus- 
pfeiler, tragen und unten einfach zugeschärft sind, oder mit einer kleinen Profilirung 
schliessen. Zuweilen findet sich, wie beispielsweise im Dom, eine Dreitheilung dieser 
Bogenunterstützungen, so dass für den Gurtbogen ein häftig betonter Mittelstreifen, 
für die zu bei den Seiten abzweigenden Rippen kleinere Kon'iolen angeordnet sind. 
Die Oberwand \\irkt daher beim Fehlen jeglicher Vertikdlgliederung und mit den 
I.leinen bis dicht unter die Blendbogen der GewÖlbe rpichenden Fenstern schwer- 
fällig. Diesem Mangel zu begegnen hat der Baumeister der Olaikirche unter den 
Konsolen noch I.leine Nischen angeordnet. Weit leichter und gefälliger erscheinen 
dagegen die Seitenschiffe, die gewiihnlich zwei Drittel des Mittelschiffs zur Breite 
haben und durch hohe, mehrfach getheilte Fenster vortrefflich erleuchtet werden. 
I Verschieden entwickeln sich die Chorbauten. Bei der Heiligen Geistkirche 
findet sich noch die ursprüngliche Anlage, der gerade Chorschluss. Der Chor des 
Domes i<;t aus dem Achteck geschlossen und wahrscheinlich im I S. Jahrhundert nach 
einem Brande verändert worden. Der Chor der (»aikirche folgt schon den Ein- 
flüssen der preussischen Urdensbaukunst und giebt vermuthlich wieder das Vorbild 
für den Chor der Nikolaikirche ab, der ihm, wenn auch in reduzirtcr Form, folgt. 
Bei der grossen Hallen1.irche des Brigittenklo,.,ters fehlt ein selbständiger ("hOfbau 
völlig und die Anlehnung an dic Cisterzien"erkirche zu Amelunxborn im Braunschwpi- 
gischen ist hier unver1.ennbar. 
In df'n Thurmhauten, die skts .lU ill1)Junirender Höhe aufgefÜhrt sind, und zu 
dem breit sich hin lagernden Langhause in den schärfsten Gegensatz treten, erkennt 
man die Einflüsse der grossartigen Kirchcnbauten der Hansastädte des Ostseegebiets. 
Die Zeit der Vollendung der Revaler Thurmbauten reicht oft weit in's 14., selbst in's 
15. Jahrhundert hinein, also in eine Zeit, zu welcher die Verbindungen mit den 
Hansastädten an der Ustsee äusserst lebhafte waren, gegen die der Zusammenhang'
		

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			37 


. 
mit der ehclII,lligen Hcimath mehr und mehr zurÜcktrat. Im Grossen und Ganzen 
bleibt aber die äussere- Architektur der ThÜrme der des Langhauses ,.erwandt. Ein 
Riesenfenster durchbricht die unteren Mauermassen, die je weiter nach oben durch 
Schalllucher und Blendnischen belebt werden. Den Abschluss des l\Iauerwerks bildf'n 
vier genischte Gicbeldreied.e, Üher denen dann die gewöhnlich in's Achtec!" Über- 
setzende Pyramide emporsteigt. Diese Art der Thurmausbildung zeigen :i1tere An- 
sichten der Std.dt. Das I 7. und 18. Jahrhundert hat den alten Thürmen allerdings 
die ehemalige Zeltbedachung genommen und ihre Umgestaltung im Kunstgeschmd.cke 
dieser Zeit unter dem Einflusse des grossartigen Thurmbdues der Petrikirche zu 
Riga zu Wege gebracht. Nur der Thunn der OI,Ükirche besteht noch, wenn auch 
in erneuerter AusfÜhrung aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts in ehe- 
maliger Form. 
Das Acussere der SeitenschiHc und des Chores beschränkt sich auf die nüch- 
terne, aber klare Betonung der KonstruUion. Einfdch gegliederte Strebepfeiler, dem 
Seiten schube der Gewölbe entsprechend angeurdnet, theilen die Mauermassen. Zwischen 
ihnen streben gros,,
 spitzbogig gewülbte Fenster auf, deren Laibungen n,lch Innen 
und Aussen glatt abgeschr:igt sind, aber durch die Verwendung eines zierlichen Mass- 
werks einen angenehm wirkenden Schmuck erhielten. Dds Aeussere des erhöhten 
Mittelschiff.., entbehrt der Vertikalgliederung völlig und erscheint mit seinen verhaltniss- 
mässig kleinen Fenstern gedrÜckt und monoton. Wenig vortretende Gesimse besäumen 
die Mauerkronen und selbst auf das belebende Element der Rund- und Spitzbugen- 
friese ist verzichtet. 
Eine bevorzugte architektonische Ausbildung erhielten nur die Portale durch 
reich profilirte Laibungen. In den älteren Zeiten sind es gewöhnlich viereckige mit 
Runds;iulen wechselnde VorsprÜnge, die entweder in der Hiihe des Bogenansatzes 
mit einem glocl,enähnlichen Ka
it;i1 abschliessen, oder gegen eine, die Profilirung 
überschneidende skulptirte Platte anlaufen. Seltener, und dann schon der Zeit des 
15. Jdhrhunderts angehi"IH>nd, ist ein reicher \Vechsel von runden unrl birnförmigen, 
durch tiefe Hohlkehlcn vun ein,mder getrennten SWLen. EigenthÜmlich ist auch die 
fast durchgängige Anordnung der Portale in den Langwänden der Schiffe. 
Für die Kirchenbauten untergeurdneter Bedeutung, wie die Spital kirchen, wird 
mit Vorliebe die zweischiffige Anlage gewählt, die Überhaupt im estländischen Gebiet, 
dann aber auch in den Kdpellen der Ordensburgen und Bischof..,schlüsser häufig zur 
Anwendung gekommen ist. Die architektonische Detailbildung dieser kirchlichen 
Bauten bewegt sich aber genau in denselben Geleisen, wie wir sie an den Haupt- 
bauten kennen gelernt haben. 
Spricht aus dem schlichten Aeussern der Kirchen Revals eill rauher Ernst und 
ein fast bis zur KÜchternheit praktischer und verst:indiger Sinn, so entbehrte das 
Innere keineswegs eines reichen glanzenden Schmuckes. Zwar sind von der dekora- 
tiven Ausstattung durch l\I.derei und Skulptur nur geringe Reste auf die heutige Zeit 
gekommen, doch genÜgen diese, um ,IUS ihnen und den erhaltenen schriftlichen Auf- 
zeichnungen aus .i1terer Zeit die Bestätigung zu gf"\\ innen, ddss für eine wÜrdevolle 
Ausstattung der Sinn durchaus nicht fehlte. Wo die Kr:ifte der einheimischen 
KÜnstler den gesteigerten Ansprüchen nicht genÜgten, fand 1\1,\11 reichlichen Ersatz 
in den grossen Hansastädten, und vor allel\1 ist es LÜbeck, d..s den Bed.trf in dieser 
Richtung nach allen Seiten hin deckt. Glasgemälde. Silhergeräthe und geschnitzte 
FlÜgelaltäre werden häufig aus LÜLeck bezogen; auch Hamburg und BrÜgge werden 
als Bezugsstdtten für Kunstwerke verschiedener Art gen,mnt.
		

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. 


Bemerkenswerthes leistete die heimische Skulptur auf dem Gebiete des Gräber- 
schmuckes. Die älteren Grahsteine zeigen die Gestalten der Verstorbenen noch in 
vertieften Umrissen, aber im Allgemeinen doch in einer der Natur nahe kommenden 
Auffassung, soweit die primitive Art der Darstellung dieses zuliess. Die äussere Um- 
rahmung des Steines bildet die ebenfalls vertieft ausgefÜhrte In
chrift, die an den 
vier Ecken gewöhnlich durch die von Kreisen umrahmten Symbole der Evangelisten 
unterbrochen wird. Seit dem Beginn des 1 S. Jahrhunderts tritt an die Stelle der ein- 
fachen in den Stein geritzten LinienfÜhrung die plastische D.u-stellung, das Flarh- 
relief, und erst im 16. Jahrhundert wird die Ausführung grösserer Sarkophage, an 
deren Aussenftächen die W,lppen einen bedeutenden Raum einnehmen, beliebt. Zu 
den Sarkophagen gesellen sich die im Aufbau oft äusserst komplizirten Epitaphe, die 
aber allmählich durch die schneller herstellbaren und leichter anzubringenden aus 
Holz gesrhnitzten und polychrom bemalten Wappen verdrängt werden. Diese bleiben 
neben den mehr oder weniger reich ausgestatteten Grabsteinen während des 17. Jahr- 
hunderts und weit in's 18. Jahrhundert hinein fast ausschliesslich in Anwendung. 
Durch die bevorLugte Verwpndung des aus Holz geschnitzten Wappens gewann 
die Hol7bildnerei und neben dieser die Kunsttischlerei einen grossartigen Auf-;chwung. 
Eine Reihe reichgeschnitzter KanLeln und Altäre verdankt diesem Kunstzweige seine 
Entstehung und an diesen erhält die Malerei durch die Ausfüllullg einzelner Flächen 
mit Scenen aus der biblischen Geschichte wiederum einen grossen Anthei!. 
Betrachtet man das Gesammtbiill der mittelalterlichen kirchlichen Kunst I{evals, 
so tritt trotz aller Beschränkung in der Form und der Vereinf
lChung des Kirchen- 
planes dennoch der enge Zusammenhang mit dem Mutterlande deutlich hervor. 
Gleichzeitig aber spiegelt sich in ihr nicht nur der auf das NÜtzliche und Praktische 
gerichtete Sinn des sich unter Kampf und Gefahren, fern der Hcimat, ein neues 
Heim grÜndenden und ein neues Thätigkeitsfeld aufsuchenden deutschen BÜrgers, 
sondern auch der Stolz eines auf sich selbst gestellten freien Geschlechts. 


.. 


Die Domkirche zu St. l\larien. 


GE S CHI C H T L ICH ES. Die Grundung einer Kirrhe auf dem Burgfelsen 
am Meer wird bald nach der Unterwerfung der Esten durch die Dänen erfolgt sein. 
Urkundlich erwähnt wird sie schon im Jahre 1233 (Theil I, S. 22). KÖnig Walde- 
mar I I. (1202-1241) bestimmte im Jahre 1240 diese "matrix ecclesiae" zur Kathe- 
drale des Bisthums, das dem Erzbisthum Lund unterstellt wurde. Derselbe König 
staUet das Stift mit liegenden Gründen im Reval'schen Gebiet und in Wicrland aus 
und erlässt Bestimmungen über die Abgabe des Zehnten an den Reval'schen Bischof 
(14. Juli und 16. September 1240, nach J oh. Gottfr. Arndt, Liv!. Chronik II, S. 42). 
Am 3. Januar 1319 urkundet Kiinig Erich Mcnvt"d von Dänemark: Da ndch ge- 
meinem Recht bei jeder Mutterkirche eine Schule bestehen soll und dir 7'Ol/ Ullseren 
Voifallre1l {{egnll/dete und dolirle Kalhedral zur heil. JIlIIJ!/rfl/l Beeinträchti
ungcn er- 
Icidet, so gebieten wir, dass alle und jede, die ihre Kllabcn einer dndl"len Schule in 
Reval Übergeben, mit 10 M,lrk gebÜsst werden sollen und ZWeir sollen von diesen 
Strafgeldern 4 Mark zum Unterhalt des Schlosses (eid sustenteitionem castri), 3 Mark 
zum BOIl der Domkirehr (ad ecclesiae kathedralis fabricam) und 3 Mark zum Bau 
der Stadtmauern verwendet werden (Liv!' Urkulldenbuch, in der Folge UB. beLeichlId, 


-
		

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H, Nr. 666). Am 16. August 1325 hestätigen Christoph 11. und Erich die Privilegien 
der Domkirche \UB. II, 715), desgleichen bestJtigt Waldemdr IV. Auerdag (1340 bis 
1375) die Privilegien des BisdlOfs, des Kapitels und der Domkirche (UB. II, 833), 
auch schenkt er derseihen laut Urkunde vom 2. Mai 1346 die Kirche zu St. Simon 
und Juda in KaUkÜIl (UB. H, 847). Im folgenden Jahre Übergiebt Waldemar, laut 
Urhunde vom 25. Mai 1346, der Domkirche auch die in der Reval'schen Diözese 
belegenen Kirchen zu Rappel und Kegel nebst allen diesen zustehenden Rechten (UB. 
n, 849). Der Kirchenbau scheint selbst im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts noch 
nicht völlig abgeschlossen gewesen zu sein, denn noch in Testamenten aus den Jahren 


b 


/ 



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Fig. 2
. Ansicht des Domes von der Oltseite 


1389 und 1414 begegnet man Vermächtnissen zum Bau des Domes (UB. III, 263 u. 
V, 1965). Am Il. Mai 1433 zerstörte ein furchtbarer Brand die Kirche und selbst 
einen grossen Theil der Stadt. Wie weit die Zerstörungen gingen und wann die 
Kirche wieder hergestellt war, ist nicht bekannt; nicht unwahrscheinlich ist, dass der 
Chor, der die an den estländischen Kirchen verh:iltnissmässig selten vorkommende, 
aus dem Achteck geschlossene Form zeigt, nach dem Brande diese Gestalt erhielt. 
Bis zum Jahre 1565 verblieb der Dom in den Händen der katholischen Geistlichkeit. 
Oer letzte Inhaber des katholischen Bisthums von Rcval war von 1560 bis zum Juni 
1561 Herzog l\1agnus von Holstein, der am 18.l\I,irz I 
83 als Bischof zu Pilten in Kurlaml 
starb. Zum ersten protestantischen Bischofe wurde Pl'ter Foling ernannt. Um die Mitte 
des 17. Jahrhunderts erhielt die Kirche eine Bedeckung mit Kupferplatten, wovon 
30 Schiffpfund am 2--1-. April 165 I von der Königin Christine von Schweden gespendet 
wurden (Ahte des Konsistoridlarchivs). Am 6. Juni 168--1- verheerte ein grusser Brand
		

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ahermals das DOIII- und einen Theil des Stadtgebiets und nur unter grossen An- 
strengungen wurde es miiglich, die Mittel zur Wiederherstellung der Domkirche auf- 
zubringen. Auf Ansuchen des Domkunsistoriums gestattete Kiinig Karl XI. von 
Schweden eine KolleJ..te im ganzen Reich (G. v. Hansen, Revals Kirchen und Klüster 
3. Aufl., Beilage III) und die Ritterschaft ent<:chloss sich auf Antrag des Statthalters 
B,lron Johann Scheding mitte1st Landtagrezesses vom 2i, Juni 1684 zu einer Steuer 
von 4 Reichsthölern vom stehenden Rossdienst (Protokolle des Estländ. Ritterschafts- 
archivs vom Jahre 1684 u. 1685; v. Toll's Brieflade Il, 967). Am Weihnachtsfeste 
1686 wurde der Gottesdienst durch den Mag. Justus Blanckenhagen wieder eröffnet. 
Im Jahre 1778 wurde mit oer AuffÜhrung des jetzt bestehenden Thurmhelmes be- 
gonnen und gleichzeitig die auf alteren PI:tnen des Dombezirks nOl h sichtbare Ein- 
friedic:ungsmauer niedergelegt. 


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.';1[. 26. Grundri.. des Domes. 


BAUBESCHREIBUNG. Die aus Kalkflies mit innerer und äusserer Ver- 
putzung errichtete Kirche ist als dreischiffige Basilika angelegt (Figur 26). Die innere 
Breite des Langhauses betr,igt 23,10 m, die Länge 32,25 m. Das Mittelschiff hat 
eine Breite von 8,58 m. Der in das Schiff hineingebaute Thurm tritt um 0,40 m 
Über die Mauertlucht der Westfassdde vor und seine Überwände ruhen zum Schiff 
der Kirche hin auf den ArJ..adenpfeilem. Innerhalb der Aussenmauer führt eine 
Wendeltreppe .mn:lchst in einen gewölbten schmalen Gang-, der die Böden der Seiten- 
'ichilfc mit einander verbindet, und \\ eiter /.um Boden deI> Mittel"chiIJs. Das "ben 
Geschuss des Thurmes ist im Jahre 1778 bei der Umgestaltung des Thunnhelmes 
ehenf,tlls im St)"l dieser Zeit verändert worden. Der Thurmhelm entwickelt sich als 
achteckige prolilirte Haube, über weIcher eine durchbrochcne Galerie aufsteigt; auf 
diese sct.lt sich die auf acht vergoldeten Kugeln ruhende, unterhalb ausgebauchtf'
		

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			"I 


mit Knopf und \VeUerfahne gezierte Spitze (Figur 25). Eine von dem Chronisten 
Joh. Renner gezeichnete Ansicht um 1556 - Originalmanuskript in der Stadtbibliothek 
zu Bremen - zeigt den Domthurm mit Spitzhelm, ebenso eine von dem Reisenden 
Olearius gezeichnete Ansicht der Stadt von 1663. 
Langhaus. Die Scheidem.mern des l\1iuelschifls ruhen auf drei Paaren qua- 
dratischer Pfeiler von 1,4" m Seitenlange, die unterhalh der Bogenansätze mit einem 
.ms PI aUe, Rundstab und Hohlkehle gegliederten Gesims abschliessen. Die Höhe 
des Mittelschiffs beträgt 23,9" m, die der SeitenschiHe 14,28 m. Die Gewölbe der 
Schiffe sind scharfgratig geschlossen, die treJll1Pnden Gurtbögen verschieden pro- 
filirt: in den Seitenschiffen einfach bandartig, mit Ausnahme eines Gurtbogens, der 
,Ils halbrunder \Vulst gebildet ist. Im Mittelschiff wechselt die Profilirung .lwischen 
einfachem Wulst, doppelten \Vülsten und Rundstäben, die von .lwei birnenartig ge- 
bildeten Gliedern begleitet werden. Die Gurtbögen des MittelschiHs erheben sich 
von kurzen, mit einer profilirten Deckplatte abschliessenden Konsolen und diesen 
ähnlich sind auch die Unterstützungen der Gurtbögen in den SeitenschitJen gebildet 
(Figur 27). Unterhalb der Fenster sind die Wände mit Nischen versehen, die mit 
flachen Stichbogen geschlossen sind. Die Fenster haben glatte, naeh innen und 
aussen abgeschrägte Laibungen; das Masswerk derselben, aus 
härterem Stein gehauen, stammt aus neuerer Zeit und zeigt 
vielfach die Formen des style flamboyant. Das Aeussere der 
SÜdseite der Kirche ist durch Anbauten verded.t: die Nord- 
seite hat plumpe, mehrfach abgetreppte Strebepfeiler. Gegen- 
über dem zweiten Gewölbejoch - von Osten gerechnet - 
erhebt sich hier eine Kapelle, die ehemalige R 0 sen k r a n z - 
kapelIe, auch Rammesche Kapelle genannt, jetzt als 
Leichenwagenhaus dienend (hier bef.md sich früher das reich 
Fig. 27. Gunbogenkonsolcn 
ausgest,lUete Grabmal des Thomas v. Ramm, den König im Seitenschiff. 
Gustav Adolf mit der ehemaligen Cisterzienserabtei Padis be- 
lehnte). Sie war frÜher durch ein jetzt vermauertes Portal mit profilirten Laibungen mit 
dem Seitenschiff verbunden. An der Ostwand hat sich ein kleines Sanctuarium erhalten 
(Figur 28). Dieser Kapelle gegenÜber befindet sich an der SÜdseite ein zwei- 
geschussiger gewölbter Bau, der vermuthlich früher ebenfalls als Nebenkapelle diente, 
jetzt aber zu einer Vorhalle umgestaltet ist. Es kÜnnte hier die Güldenbands- 
J..apelIe bestandeu haben, die neben der erwähnten Rosenkranzkapelle und der 
KapelIe des Otto Wilhelm von Fersen noch im ersten Viertel des 18. Jahr- 
hunderts unter diesem Namen aufgeführt wird (Inventarium der Domkirche vom 
"Pastor prim. EccIes. Cathedr. Christoph Friedrich Mickwitz" [1724-1731] im Archiv 
der Domkirche). Das (Ibergeschoss der sogenannten Giildenbandskapelle enthält 
heute noch die Rudera der ehenl.lligen Dombibliothek (sie wurde 16"1 durch einen 
Synodalbeschluss gegrÜndet, ging aher beim Brande von 168.. [,Ist völlig zu Grunde 
und wurde später nur spärlich erg:inzt). Oestlich ,111 diesen R.mtheil stösst die Fersen- 
kapelle, die noch heute das unvollendet gebliebene Grabmal des Generals OUo Wil- 
helm v. Fersen ncben alllIeren Grabsteinen enthalt. Sie wurde aber keineswegs \on Fprsen 
errichtet, sondern ist weit alterl'n Ursprungs. 16...., am 25. J.muar, wurde sie nach 
C'iner Notiz in den AUen des Knnsistorialarchh's an Magdalene v. Vietinghoff, ver- 
ehelichte Obrist\. I\einrich Burttens, fÜr 250 Reichsthaler Spec. verJ..,mft. - Nach 
Westen stösst an die sogenannte Güldeub,lIIdskapelle ein theilweise unterkellerter, mit 
einem Kreu.lgewölbe überdeckter Raum, das eheillollige Konsistorium, der durch
		

/Pomorze_050_12_016_0001.djvu

			eine eisenbeschlagene ThÜr mit der westlich angrenzenuen 
Iteren Vorhalle in Ver- 
binuung steht. Das Gewölbe dieser Halle ist zcrstört und unterhalb derselben eine 
Balkendecke eingezogen; es lag in der Hühe derjenigen des Seitenschiffs. Im Schild- 
bogen der O<;twand hat sich der Ueberrest eines Fensters mit verwittertem lVIasswerk 
erhalten, woraus hervorgeht, dass der Raum für das Konsistorium später aufgeführt 
wurde und wahrscheinlich erst nach dem Brande von 16S4. An der Südwestecke 
liegt eine 'Vendeltreppe, die auf den Boden der Anbauten führt. Entsprechend dem 
aus dieser Vorhalle in das Seitenschiff führenden Portal befindet sich ein ähnliches 
auf der Nordseite, das jetzt vermauert ist. 
Auch die an der Nordwestecke belegene 
Wendeltreppe ist nicht mehr zugänglich. 
Der eh 0 r setzt sich nicht in der 
Breite des Mittelschiffes fort, sondern er- 
weitert sich gegen dasselbe. Seine Breite 
beträgt 10,08 m. Er bildet nahezu ein 
QI1ddrat, an das sich die aus fünf Seiten 
eines Achtecks gebildete Apsis anschliesst. 
Das Gewölbe zeigt wulstartige, leicht zu- 
geschärfte Rippen, die von ausgeeckten 
Ecklisenen aufsteigen, während die Blend- 
bogen sich von konsolartigen Ansätzen er- 
heben. Den Triumphbogen tragen an den 
Pfeilerwandungen vortretende, durch ge- 
flügelte Engelsküpfe gestützte Konsolen 
(Figur 29). Die Rippen des Apsisgewölbes 
stüt!:en sich auf kurze Wanddienste mit 
glockenförmigen Kapit:ilcn und pyramidal 
abgeschrägten, leicht skulptirten Kon
ulen 
(Figur 30). An der Nordwand der Apsis 
hat sich ein kleines Sanctuarium mit Wim- 
berg, ähnlich dem in der Rosenkranz- 
kapelle, erhalten. 
Der Alt a r wurde nach dem Brande 
von 1684 von dem Bildhauer Ackermann 
angefertigt und von dem Maler Ern s t 
Wilhelm Londicer mit zwei Gemälden, 
einem Abendmahl und einer Kreuzigung, 
geziert. Der von dem königlichen Statt- 
halter AJ\eI de la Gardie mit Londicer Über 
diese Arbeit geschlossene Kontrakt vom 17. Mai 1695 hat sich im Archiv der Dom- 
kirche erhalten (vgl. Ernst Wilhelm Londicer, ein Revaler Maler des 17. Jahrhunderts, 
von W. Neumann, Rev. Beobachter Nr. 198 u. 199, Jahrg.1895). Vier Säulen, von 
denen das mittlere Paar vorspringt, tragen eine in der Mittc flach bogig entwickelte 
Verdachung, vor die sich ein geschnitzter Baldachin legt. Zu den Seiten desselben 
schweben Engel mit einem lorbeerumkränzten Schild in dcn Händen, auf dem jetzt 
die Buchstaben (( und (J) in vergoldeten Typen angebracht sind. Früher befand sich 
an ihrer Stelle die Chiffre des Königs Karl Xl. von Schweden. Zwischen den äusseren 
Säulen stehen auf kleinen Post.uncnten die Figuren der Apostel Paulus und retrus. 


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SRnctu::\rium in der Rosenknmzkllpelle. 


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/Pomorze_050_12_017_0001.djvu

			43 


In dem von \ ier kannplirten Pilastem eingefassten Aufbau, in dessen l\Iittelfelde sich 
ehemals die von Lundicer .gen1dlte Kreuzigung befand, sicht mdn jet/t das von einer 
Strahlensonne umgebene \Vnrt Jehtwah in hebr:lischen Buch"tahen. Zu den Seiten 
des Aufbaues sind die Figuren der E\-ang-plisten mit ihren S
'mbolt:n angebracht, als 
krÖnender Abschluss die Figur Christi. An die Stelle des LOlllliccr'schen Abend- 
mahles ist seit 1881 eine von Professur Eduard v. Gebhardt gemalte Kreuzigung ge- 
treten. Ueber den Verbleib der beiden Londicer'schen Altargemiilde hat IPider bis- 
her nichts ermittelt werden kÖnnen. 
Die Kanzel ist aus Eichenholz geschnitzt und wird von der Figur Mosis ge- 
tragen. Die Felder des Kanzclrumpfes, dessen Ecken gewundene Säulen zieren, die 
auf Kon"olen mit gellügclten Engelsköpfen stehen, und tlie Felder in der Brüstung 
der Kan.t.cltreppe enthalten die in Oel gem,lltell Figuren der Apostel und Evange- 
listen in hamlwerksm;issiger Ausführung. Auf der Venlachung der Kanzelthür stehen 
die in Holz gesrhnitzten Figuren des Petrus und Paulus. Die l\Iitte des Schalldeckels 
überragt die ,.on Engeln umschwebte, mit einem Kruzifix gekriinte \Veltkugel; an 
den Ecken des Schdlltleckels stehen Engel mit den Marterwerkzeugen. Oie architek- 
tonische Durchbildung ist nicht ohne Geschick, die Skulp- 
turen und die Malereien dagegen sind schwach und ver- 
rathen eine geringer geschulte Hand, als dip ist, die den 
Alt,lraufbau schuf. 
Triumph kreuz. Auf einem Balken unter dem 
Triumphbogen hat sich ein Triumphkreuz erhalten: 
Christus am Kreuz .lwischen 1\Llria und Juhannes; . eine 
schwache Arbeit des 17. Jahrhunderts und wahrscheinlich 
nach dem Br,lllde von 1684 ausgefÜhrt. 
Die Orgel ist 1878 von dem Berliner Orgelbau- 
meister Ladegast neu hergestellt worden. 
Grabmäler. Df'r Dom ist reich an kÜnstlerisch 
ausgeführten Grabm;ilern. Unter diesen steht oben an Fig. 29. 
Unterstutzl1na des Triumphbo&cns. 
das schÖne Grabdenkmal des schwedischen Fcldherrn 
Freiherrn Pontus de laGardie und dessen Gemahlin Sophia Gyllenhelm von eie\ll 
Bildhauer Arent Pass er, der es auf Befehl eies Königs Johann IH. vun Schweden 
ausfÜhrte (
chreihen des Königs ,111 den Kommandanten Gustav Baneer vom 29. März 
1588, abgedruckt in Historiskt Bibliotek. Utgifvct af Carl Silverstolpe. Andra Delen. 
Stockholm 1876, 
. 207). Der am 24. August [589 mit dem KÜnstler Über die An- 
fertigung des Grabmals abgeschlossene Kontrakt findet sich in der Sammlung der 
Urkunden der Gr,lfen de la Gardie in der Universitätsbibliothek zu Dorpat (heraus- 
gegeben von Juhannes LossillS 1882, Nr. 72, S.82). Der Künstler erhielt für das 
"Epilhaphiu11l lind da/zu gchörmden Hildnus.fe11 ulld .flgIlTm, nach .[[ezaij?,tt'T Patron und 
Figur, 
antz alls dOll grunde 2 1 01lmkomlieh zu jerl1:[[eTl und anszn1/1achen, al/eine was 
seine b/osse Arbeit - das IIraler/pak und Jrall1eJl und alle andere 11I1J.'ost. so hiru/f ge- 
wendet mÜssen 7('clden, allSS('1l besrheidrn - u[ seint' 
rlbstll1lcosl ulld Xehnmg . 
scchshundertfil7lftzigk Thalcr - - _H. Das Grdlmldl (Figur 3 I) besteht in einem 
reich skulptirten, thf'ilweise vergoldeten Sarkophdg von prism,ltischer Form, auf dessen 
(Ibertläche die l;estalten der beitlen Verstorbenen in B.lsrclief ersdwinen. Der Feld- 
herr ist in voller, reich ornamentirter RÜstung dargestellt, mit der Fc1dhcrrnbinde 
Über der Brust. Das Haupt, von einem spitz zulaufenden Bart umrahmt, ruht auf 
einem Kisscn, dessen fein stvlisirte Ornamentik, wie einzelne Theile tler Rüstung
		

/Pomorze_050_12_018_0001.djvu

			und rnament theilweise vergoldet 
ist. Die Mitte der BekrÖnung am Fussende ziert die Re- 
liclfigur eines ruhenden Genius mit der S,mduhr und einer 
kleinen InschrifttafcI; auf dieser die Worte: hodie mihi, crdS 
tihi. Auf der Stirnseite des Sarkophags zu H;iupten der Ver- 
storbenen die folgende phr.lsenrekhe Inschrift: 
Ihr POlllli.\" jarct, Aeqllnrl'l:
 sllhlJ/o.\"IlS l11 1t1llb
'; 
n fall/IJ/, 0 lllOK/lis 11IImiua iniqlla 1liris. 
Jlll1'o/.\" aller oat plillleq(llf) 11ir anlltus; erco 
EsI lfllem ae lilulllm mors rapere tl/Isa 1,illI(m). 
AsI ila.. sed 1flpuil /lon omuem, umnq(lil') rcliqnit 
EI ualae et {{enero famam, anilllamq(ue) Deo. 
Am Fussende: 
Ilit milK/111m 1!l'r!ltle 1.ir1l1ll pan.a inteKit ltrnil, 
Qlii belli fille filiI clarus et mle logae. 
Pontlls erat; PUllln rledll.dt 1I0millis IISIlIJ/; 
,1fe1gilltr hell pan'is rU/pore Ponlis aqltis 
Sed IIle7Je el/rriel/lii 11i/ae h01lfl famll repedit 
Et mors hili!t vitae nil 1lt
'i eal/ssa nm'lle est. *) 


\ \ 



'ig. 30. 
Gewölbeuntersttiuuna im Chor 


, 


44- 


. 


.. 


*) Zu Deutsch: Hier ruht Pontus, den einst die Fluthen des Stromes verschlang-en. 
Welch' ,'in Geschick! 0 du bist, Gottheit, den Hehlen so feind! 
\Vahrlich, unnl\hbar W..ir er, ("in zweiter Kriegsgott ; so wagte 
Dennoeh zu rauben der Tod dit'sen 
ewaltigen Mann. 
Freilich; doeh hat ihn der Tod nicht ganz entführt, denn er )icss ja 
Eidam und Toehter (!Pn Ruhm, Gott seine Seele zurück. 


Eine 
ar winzi
c {Irn.> bedeckt nun den mannhaften Streiter, 
ner in den I< ünsten dt s Kri,'gs, wie duch des Fricul'ns berühmt. 
Pontus hiess Cf; es starnmt der NamC' Pontus vom l\h:'ere; 
Welch' ein Gewässerchen, ach! birgt dies gewdIti
e Meer! 
Abf'r zum D,mke heschrieb in I<ürze sein L,'ben die Fama 
Und was bedeutet der Tod? Neu<,n Lebens Begiun. (H. Hillner.) 


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Fig-, 32. Epitaph zum Grabmal des Freiherrn Pontus de la Gardie Im Dom.
		

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Fig. 33. Gr;t,bmAl dei schwedischen Horm
rschftlls Oloff Ryning. 


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/Pomorze_050_12_024_0001.djvu

			46 


Ueber dem Sarkophag ist an der Wand ein reich skulptirtes Epitaph errichtet. 
(Fig. 32.) Zwei korinthische Säulcl
paare auf krJftigen Postamenten tragen ein gut 
profilirtes Gebalk und umschliessen .lwei schmale Seiten felder und ein breites Mittel- 
feId. In den Seitenfeldern die Gestalten der Fides und der Spes; im MitteJfclde 
eine Auferstehung Christi in Basrelief. Auf den Postamenten die Figuren der Evan- 
gelisten mit ihren Symbolen. Ueber dem Relief der Auferstehung erhebt sich eine 
quadratische mit einem Gesims abgeschlussene Tafel, die nuchmals die beiden \Vappen 
der Verstorbenen trägt und die Inschrift: Anno Dum. 1595. Den oberen Abschluss 
des Epitaphs bildet eme vun einer Aschenurne überragte kreisfÖrmige Veuierung, 
die inmitten einer Strahlensonne den Namen J eh 0 va h in hebräischen Buchstaben 
tragt und darunter die Worte: Fortitudo Nostra. 
Das ganze Werk macht emen schönen, m allen seinen Theilen mit feinem 
Formgefühl abgewogenen Eindruck und gehört zu den schönsten Rendissancedenk- 
mälern der haltischen Provinzen. 
Diesem Grabmal gegenüber erhebt sich an der Nordwand des Chors das 
weniger glücklich kompunirte des schwedischen Hofmalschalls Oluff Ryning zu 
Turesio, gest. 22. August 1589. Das MittcIbild zeigt die ruhende Gestalt des Ver- 
storbenen in Ritterrüstung, das Haupt auf die rechte Hand gestützt (Fig. 33). Rechts 
über dem ruhenden Ritter dessen Hdndschuhe und Helm. Das MittelLild wird von 
kannelirten Pilasterpdarcn begren.r.t. Ueber dem Gesims erhebt sich ein vun Voluten 
gestützter und mit einem Volutengiebel bekrönter rechteckiger Aufbdu, dessen Mitte 
das Wappen des Verstorbenen einnimmt: ein mit einem Querbalkcn belegter Schild; 
H. ( Helmzier) fünf Pfauenfedern; darunter auf einem Täfelchen mit zierlicher Um- 
rahmung die Inschrift: OLOJiF HYNING ZV TORESIO . ANNO 1589. In der Be- 
krönung ebenfalls ein Täfelchen mit den Worten' Se/i;.; sind die Dodm, die in dm 
Ilcrm sterben. A. B. O. 14. Auf den Pust,lIncntC'n der Pilaster liest man rechts: 
Spiracu I /11111 . omni I polenlis I llil'iJice I bil me Job. JJ.,. links: li/i/i! I ia . esl. Vi I/a 
hominis I super le Inam. Auf einer Inschrifttafel unter dem Hauptbilde : 
KON. MAYT. L.V . SWEDEN, WEILANT. KONIC. lOH A NS ' 
DES.3.GEWES NR .HOF.MARS KL .DER.EDLER.VND 
WOLGEBORNER.HER.OLOF.RYNING.ZV.TORESIO 
C'H 
IST. IN . GODT. SAUG. INTSLAF . DEN. 22. AVGVSTI . ANNO 1589, 
Zwischen den Pilastern und über dem Mittelhilde bcfinden sich die folgenden 
Ahnenwappen des Verstorbenen: 


VA'I'EItS
:I'fF.. 


MIJ'ITER.EI'I'
:. 


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@J 
 81IJ
0 00
G::': @J == 
o 0 
o 0 
IB 0 
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 ;;; l':=: 


Vaterseite: 
6. Röd. 7. 
3. Genda. 


I. Ryning. 2. Gumsehufvud. 3. Krumme. 4. Lillie. 5 Gren. 
Gren. 8. Narfve. - l\Iutterseite: I. Trolle. 2. Gyllenstjerna. 
4. Winsetorpsätten. 5. Bla. 6. Bonne. 7. Kiinigsmark. 8. un- 


----
		

/Pomorze_050_12_025_0001.djvu

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47 


bekannt, Sparren von drei Rosen begleitet, H. Büffelhörner. (Nach: Ett svenskt 
. 
Rikswapen, HenriJ... Claesson Totts Vapen och Grafminnen iRevals DomJ...yrka af 
larl Arvid Klingspor. StocJ...holm 1886.) 
Zu Hissen des Ryning'schen Grabdenkmals liegt der einfache, nur mit einer 
skulptirten Grabplatte bedeckte Sarkophag des Rittmeisters Caspar v. Tiesenhausen 
und seiner Gemahlin M ä r taO x e n s t j ern a"i Der Grabstein zeigt in Flachrelief 
die Figuren eines gepanzerten Ritters und einer F
au unter je einem Halbkreisbogen. 
Den Zwickel .I.W ischen den Bögen füllt ein Engelskopf 	
			

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			48 


Tafel 2: 


den und Jllall weila1ldl der Cr01l :::ll Schweden 
Fe!dl- Obrisler fler' Seliglich im lien n mlsch/a.f- 
len den 16 lila I' a() roOT. GoII 1'f'Yleihe ime samPl 
tlllm r;k;uhl:
e// 1 ine lrohlr"rhe Au./ferstrhll/lj{. 


Tafel 3: 


lIen rarol IIei1lrichson 1'on 110nt 
Alls ,illerliehem .SIam gebont 
DI'F sl'illo// lallcr/mull ein Zier 
11 (Ir rllhl in GoI rlo// IltI Fe// hier 
1'011 sli1l liiblirhen Thale// ezi;nl 
I,{mll ."''''h11'l'dl'Jl Reus 1md L,/lalld zeugm. 


Irh Klaubl' J;ewis 111/(1 frslli;lieh das GoI 
Der allllerhtlRe ml'in ."'chop/ler mich dllnn . 
des Trl'1le rodimsl seines allerliebslen 
SOllS lIleilleS Er/osers .Ihesu Chrisli /{enarll' 
m/(I llaFmhezl.zikcil 1f'irdl wirder lahn'll lassen. 
An der Wand des NordschifI" befindet sich ebenfalls eine Reihe grössercr 
Grdbdenkmäler, von denen die nach Osten gelegenen, sarkophagartig gestalteten, 
durch eine' Über ihncn errichtete Loge grÜsstentlH'ils verdeckt sind, so dass nur ein 
geringer Theil rler Skulpturen sichtbar geblieben ist. Zun:ichst nach Osten liegt das 
Grabmal des Feldmdrsch.L1ls Fahian von Fersen, daran folgcnde Ahnenwappcn 
zu erkennen sind: I. Anrep. 2. Schwarzhof. 3. Rosen. 4. Diinhoff. 
An dem folgenden Grabmal des Landeshövdings Utto Reinhold von 
Taube, Freiherrn auf Maydel und seiner Gemahlin Margarethe Oxe befinden 
sich die Wappen in Reihen über einander in einer Umrahmung. Eine Inschrift ist 
nicht vorhanden. Die an zwei Seite'n des Grabmals befindlichen Wappen, an denen 
sich zum Tlwil die Namen ihrer Trager erh,llten haben, ergeben nachstehende fort- 
Idufende Ahnenreihe: 


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			50 


1I 
I 


WestIich von diesem erhebt sich der weisse Marmorsarl.ophag des Admirals 
Samuel Greigh, den die Kaiserin Katharina H. dem Sieger Über TÜrken und 
Schweden setzen liess. Er hat die Form eines kleinen antiken Tempels, dessen Ge- 
bälk von vier jonischen Halbsäulen gestÜtzt wird. In den äusseren Interkolumnien 
stehen zwei geflÜgelte Jünglinge mit Kränzen und gesenkten Fackeln, im Tympanon 
zwei EngeIknaben mit dem Wappen (drei H:lnde 2. 1.). Der Name des augen- 
scheinlich unter Canova'schem Einflusse arbeitenden KÜnstlers ist nicht bekannt. 
Die Länge des Sarkophags beträgt 2,58 m; die Höhe bis zum Gesims ein
chliesslich 
des 0,63 m hohen Sockels 2,02 m. (Fig. 34.) Die von einem Lorbeerkranze um- 
gebene runde Tafel zwischen den inneren Säulen trägt die folgende Inschrift: 


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Fill' 34. G'AbmAl des AdmirAls Greillb. 


SAMUELI f.REIGIO 
SCOTO 
!'oUMMO RUSS. CLASS. PRAEFECTO 
NAT: MDCCXXXV, DENAr: MDCCLXX\.VIII. 
HUNC 
ARCIIIPELAGUS ET MARE B \LTICUM 
ORAQUE SOS PES AD HOSTIUM IGNIBUS, 
HUNC 
VIRTUTUM LAUDES, ET 
MAGNANIMAE CATHARINAE TI 
SUPERSTES DIJLOR 
PERPETUO CARI\IINE CELEBRANT.*) 
Künstlerisch recht unbedeutend ist das in missrathenen gothischen Formen 
errichtete Grabdenkmal des verdienstvollen Admirals und ersten russischen Weltum- 


*) Zu Deutsch: Samuel Greigh, dem Schotten, dem Oberbefehlshaber der russischen Flotte. 
Geb. 1735, gest. 1788. Diesen rühmen der Archipelagus und das baltische Meer und die Küsten, 
bewahrt "or feindlichem Feuer. Diesen preisen das Lob des Verdienstes und der bleibende 
Schmerz der gros,herzigen Katharina 11. im ewigen Lieue.
		

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			j 


51 


, 


seglers Adam J ohann von Krusenstern, das sich westlich vom Greigh'schen 
Denkmal erhebt. Auf einem zweistufigen Unterbau steht ein prism T A 
(zu deutsch: Dem ersten russischen Weltumsegler 1803-1806). 
Im Südschiff, an der Südseite des Arkadenpfeilers zunächst dem Chor, findet 
sich das stattliche Marmorepitaph eines Herrn v. Hastfer, in Form eines kleinen 
von Konsolen getragenen Sarkophags, an den sich zwei Genien lehnen. Auf dem 
Sarkophag die fein gearbeitete Büste des Verstorbenen mit grosser Allongeperrücke 
dUS weissem Marmor. Unterhalb des Denkmals, gestützt von Voluten, eine schwarze 
Marmortafel mit der Inschrift: zu GOTTES EHRt., DIESER KIRCHE ZUM ZIER- 
RATH UND ZU SEINEM SELIGEN <;TIFTER ANDENKEN - - - - - - - 
HOCHMANNVESTER HERR, HERR IOHAN HASTFER, ERBHI'RR AUF KATTEN- 
TACK, SACK, KONDES UND WREDENHAGEN, IHRE KONIGL. IIIAyST ZU 
SCHWEDEN IIIERITIERTER MAJIIR ZU ROSS UND DIESES HERZIIGTHUM EST- 
LAND HIICHVERDIENTER LANDRATH - - - - - - AUFRICHTEN LASSEN. 
ANNII MDCL).XVI, IN GOTT SELIG E
TSCHLAFEN l\If\CLXXIV, D. 16. AUG. 
SEINES ALTERS LXVI IAHR I MONATH XV TAGE. 
Vielc Grabdenkmäler und Grabsteine wurdcn durch den Brand der Kirche 
im Jahre 1684 zerstört und manche noch bei dcn Wiederherstellungsarbeiten beseitigt. 
Auch durch den Verkauf der Grabstiitten, wodurch altere Anlagen in andere Hände 
übergingen und dem Zeitgeschmack entsprechend umgestaltet wurden, ist von den 
älteren Stücken wenig auf die heutige Zeit gekommen. (Verhandlungen und V or- 
schriften über die Reparatur der Grabdenkmäler und Planirung des Fussbodens der 
Kirche, in den Landtagsbeschlüssen vom 13. September 1686 und 2. Oktober 1686. 
Estländ. Ritterschaftsarchiv.) 
Nicht mehr vorhanden ist das Grabmal der Prinzessin Margaretha von 
Schweden, der Schwester Gustav Wasd's, Gemahlin des Generalgouverneurs vun 
Finland Grafen v. Huya. Verschwunden ist auch das Grabmonument des Grafen 
Heinrich l\latthias v. Thurn, bekannt durch seine Antheilnahme an dem Auf- 
stande der Protestanten in Böhmen (23. Mai 1618). Er starb 73 Jahre alt in Pernau 
und wurde seinem Wunsche gemäss in der Revaler Dumkirehe bestattet am 8.l\Iai 1641. 


" 


. 


4'
		

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			1- 


52 


Der Dompropst Heinrich Staal hielt die Leichenrede und der Mag. Nikolaus Specht 
feierte den Verstorbenen durch eine in lateinischer Sprache erschienene Lobrede 
(beide in der Gvmnasialbibliothek zu Reval). ß. v. Hansen a. a. 0. S. 65 giebt sein 
Grabmal als an der Nordwand, unweit des Greigh'schen Denkmals gelegen, an. Nach 
einem PI,m der Kirche mit Angabe sämmtlicher GrabsteIlen vom Jahre 1742 (im 
Ritterschaftsarchiv zu Reval) hat es sich an der sÜdlichen Chorwand befunden. Eine 
schriftliche Nachricht vom Jahre 1703 bestätigt dieses. Sie findet sich in einer Auf- 
zeichnung des Feldmarschalls Ottu Wilhelm v. Fersen, Freiherrn v. Cronend,t111 (auf- 
bewahrt im v. Toll'schen Familienarchiv zu Kuckers). Fersen lässt seine Gemahlin 
Gertrude v. UexkÜII am 10. l\lär.!. 1689 im Chor der Dumkirche bestatten und zwar 
"in des Grafen v. Thurn Begräbniss".*) 
Unvollendet geblieben ist das Grabdenhmal des Feldmarschalls und Gouver- 
neurs OUo \Vilhelm v. Fersen, in der sogcIldIlnten Fersenkapelle an der SÜd- 
seite des Domes. Es ist ein mächtiger Sarkophag mit guter Skulpturarbeit, gekriint 
von einem ruhenden Löwen, der in den Pranken den von eiIlf'r Blätterkrone übf'r- 
ragten Fersen'schen \Vappenschild hält. 
Wappen. Einen eigenartigen Schmuch der Domkirche bilden die vielen, oft 
künstlerisch vollendet aus Hul.!. geschnitzten, polychromirten \
Tappell. Sie hamen zu 
Anfang des 17. Jahrhunderts in Aufnahme und sullten die frÜher beliebten, oft grusse 
Wandflächen beaIlspruchenden Wand epitaphe Über den GrabsUltten ersetzen. Da sie 
wuhl fast uhne Ausndhme am Orte selbst hergestellt wurden, geben sie zugleich ein 
rÜhmliches Zeugniss fÜr die HÖhe der Holzbildnerei während des 17. Jahrhunderts 
in Reval ab. Nur ausnahmsweise begegnet man W,Lppen aus Stein und anderem 
Material. Sie treten anfangs in bescheidener Form und Grösse auf, werden aber mit 
der Zeit immer reicher und grossartiger ausgefÜhrt. Nicht allein, d,lSS sich die Helm- 
decken vÖllig in Laubwerk auflösen, dieses selbst entwickelt sich zu immer grösserer 
FÜlle und wird mit aller Art kriegerischen Emblemen besäumt und durchflochten. 
Auch die Anbringung der Ahnenwappen wird mehr und mehr beliebt, ja ganze 
Stammbäume, naturalistisch als Eichen oder Palmen aus/-;ebildet, Überragen oft meh- 
rere Meter hoch die Wappen und tragen in ihren Zweigen die kleineIl \\'appen- 
sLhilder der Ahnen. Den Abschluss nach unten bildet stets eine Tafel, deren In- 
schrift Namen, Beruf, Geburts- und Sterbedatum des Bestatteten nennt. Bei der 
verhältnissmässig leichten Herstellung solcher W,tppen musste die Am;fÜhrung der 
Steinepitaphe zurÜckgehen, an denen die Familienwappen nur eine untergeordnete 
Stelle einzunehmen pflegten, wogegen das religiöse Mutiv, besunders die Darstellung 
der Auferstehung, oder der Personifikatiun des Glaubens und der Hoftimng, die Dar- 
stellung des Gekreuzigten zwischen uen BikInissen von Verstorbenen und deren An- 
gehörigen, bevorzugt wurde. Zugleich aber ermöglichte die weniger kostspielige Her- 
stellung auch den geringer BegÜterten sich den Luxus eines Wappens in der Kirche 
zu gestatten, oft sehr zum Verdruss der Kirchenvorsteher und Prediger. So schreibt 
schon 1603 der Kirchenvorsteher zu St. Nikolaus Jobst Dunten in seinem Denkei. 
buch (Quartband im Archiv der Nikolaikirche): nJJfan sol/ keinm edel/eulen z'er- 
gunsligm ihre wapen in der Kirche alljzllhangm, es sev dmn das sie der A"irchen davor 
gerecht werden, dO/ll wess ist der Kirchen mit ihrell Hapen grdimet. WC11ll die Kirche 
nichts davor haben soll, es ist ein schlechter Zirarl und ihrn eine posse hoffllrdt. H Aehn- 
lich, aber noch energischer äussert sich ein Jahrhundert später der Oberpastor an 


) 


j 


*) Gefällige Mitthdlung des Herrn Ritterschaftssekretärs Harald Baron Toll. 


I
		

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			53 


) 


der Domkirche Christoph Friedrich ]\[jekwitz m seinem Inventar dpr Domkirchc. Er 
sagt bei der In ventarisirung der W dppen: "Diese mag nicht Stiickweise bemakcn. Si, 
sind 1l;cht des Papiers, geschweige 11lf'iner I1fiihe wehrt. Dmn sie sind Gol/t' l'in Gräuel, 
weil sie 7 ' n1 der If'elt 7l'as flohes sind. fVOZlI sol/m sie dim{'1(? KosteIl s:r 1licht Jeill 
viel? .,1Iehr als zu 7Ilel lIIanrhe Armllth kÖ'll/l1e dadmch erquicket wordl'll .feill. Zzehren 
SIe nicht dIe iI.'irche? Die Kirche £ft eine 1 ersamm/ung der Gläubigm. Darinnen sind 
solche Gö't:::en-Bi/der dn eignm Ehre nur Schandflecke. E.,.' die Verstorbenen Ilabm hier- 
mit ihre Ehre dem Ilerrn hnligm 1t1ld auJopfnn wol/m? Das hälten sze sollen im Leben 
wltl in df'r That thull, nicht ill llergiilddm hölztr1lt'n Trompctm, Dege1l und Pistolen elc. 
vide J. Sam. 31, 9. 10 - - - - _H. Sein Vorschlag, die \Vappen zu verbrennen, 
ist glücklicherweise nicht zur AusfÜhrung gekommen. 
Bei der nachfolgenden Aufzählung der Wappen sind die:se nicht besonders be- 
schrieben, sondern nur die Namen derer, die sie führten, nach cten Inschrifts- 
tafeln angegeben, da sie in dem bekannten Wappenhuch der baltischen adeligen 
Fdmilien von C. A. v. Klingspor, in Baron TolI's EstL Brieftade Theil IV. und E. v. 
Nottl}{'ck's Siegel aus dpm Revaler Rathsarchiv bereits abgebildet sind. Wo Ab- 
weichungpn zu konstatiren waren, sind sie angegeben; ebenso sind diejenigen \Vappen 
beschrieben, die als unbekannt angesehen werden mussten. Die Ahnenwappen sind 
stets \ on unten nach oben aufgezählt und links und rechts dabei vom Beschauer 
genommen. Für eine richtige Reihenfolge kdnn keine Gewähr geleistet werden, da 
viele dieser kleinen Wappen zerstört sind, andere bei Reparaturen an falsche Stellen 
kamen und zuweilen beliebig in das Laubwerk der Helmdecken eingefügt wurden. 
Die Beschreibung der Wappen ist im heraldischen Sinne geschehen. Ein Verzeichniss 
der Wappen von dem Oekonomen der Domlirche Joh. ]\1.lrtin Litsch, im Jahre 1728 
angefertigt, führt 58 derselben mit Namen auf; zwei Nummern sind unausgefüllt ge- 
blieben. enter Nr. 63 werden drei Wappen als verfallen bezeichnpt; unter Nr. I 
wird der Altar aufgeführt und unter Nr. 25 die Rosenkranzlapelle mit ihren \Vappen 
genannt. Von den mit Namen aufgeführten 58 Wappen haben sicb 47 erhalten. 
Diesen sind bei der Neuaufndhme die entsprechenden Nummern des Litsch'schen 
Verzeichnisses in Klammern beigefügt. 


a) An der Nordwand des Chores. 


00 
@8G 


8 
888 
@Iater v. d. Sroe!.
		

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			1- 


54 


Rechts: 1. Uexküll. 2. Ungern. 3. Lohde. 4. Bremen. 5. unbekannt. (Da- 
mascirter rechts schräger Balken von je einem Stern begleitet, H. zwei Straussfedern.) 
6. Rosen (in der Domkirche immer das Geschlecht mit den 3 r. Rosen in G. im Wappen), 
7. Lohde. 8. Uexküll. 9. Tiesenhausen. 


11 


2. (3.) Frommhold v. Tiesenhausen, Landrath, Erbherr auf Kotz, Undel und 
Hermet; geb. 1627, gest. 26. Februar 1694. 
Ahnenwappen: 
Links: 1. Anna v. Meks (S. Rose in R. Schildesfuss schw. u. s. geschacht, H. 
zwei schw. Federn, jede beseitet von einer halben s. Rose). 2. Lohde. 3. Stael v. Hol- 
stein. 4. Rosen. 5. Anna v. Rosen. 6. Claus Taube. 7. Magdalene Kruse. 8. Tiesenhausen. 
Rechts: 1. Twiefe!. 2. Bremen. 3. Uexklill. 4. Vietinghoff. 5. Schwarzhoff 
(schw. Vogelkralle in G., begleitet von drei Sternen; H. zwei Klauen, einen Stern hal- 
tend). 6. Anr"p. 7. Treyden. 8. Uexküll. 
3. (5.) Walter v. Stackelberg, schwedischer Major zu Ross, Landrath, Erbherr 
auf Ecken, Angern und Hallinap; geb. 25. Juni 1625, gest. 10. Uktober 1691. 
Ahnenwappen: 


Links: 1. Hastfer. 2. Wrange!. 3. Assene. 4. Tiesenhausen. 
6. Wrangei. 7. Peter v. Stackelberg. 
Rechts: 1. Anna v. Ge . . ., (Quergetheilter Schild). 2. zerstört. 
4. Bremen. 5. Wrangel (oder Engdes, das Wappen ist beschädigt). 6. Hastfer. 
hausen. 


5. zerstört. 


3. Brake!. 
7. Tiesen- 


4. (6.) Hermann Reinholdt v. Engdes, König\. Schwedischer Quartiermeister, 
Mannrichter, Erbherr auf Wisus und Häll; geb. I I. Juni 16Ro, gefallen Im 
Treffen mit den Moskowitern bei Arasfer 1701, ,;eines Alters 22 Jahr. 
Ahnenwappen: 
Links: 1. Wrange!. 2. Uexküll. 3. Fersen. 4. UexkUll. 5. Freih. Lieven. 
6. Fahrensbach, 7. Wrange!. 8. Dücker. 9. Bremen. 10. Rosen. 11. Anrep. 12. fehlt. 
Rechts: 1. Engdes. 2. Anrep. 3. Rosen. 4. Hosen. 5. Ungern. 6. Taube. 
7. Uexküll. 8. Uexküll (Felder verkehrt gestellt). 9. Eng-des (oder Wrangei). 10 zer- 
stört. 11. Fersen. 12. Tiesenhausen. 
Hans Hastfer aus dem Hause Sommerhausen; geb. 5. Dezember 1625, 
gest. 12. Oktober 1696. 
Ewert J ohann Ulrich, schwedischer Kapitän-Lieutenant; geb. 26.Juni 1674, 
geblieben bei Narwa 20. NovemLer 1700. 
Ur. Alexander Graf Keyserling auf Raiküll; geb. 15. August 1815, gest. 
8. Mai 1891. (Das Wappen befindet sich in einer kreisrunden Umrahmung.) 
Baron RoLert von Toll zu Kuckers, Landrath; geb. 23. Januar 1802, 
gest. 7. Dezember 1876. 
Theodor Adam Andreas Freiherr von Ungern-Stern berg; geb. 
24. August 1819, gest. 8. September 1847. 
Christoph Adam Richter, Landrath; geb. 28. Fehruar 1694, gest. 19. Fe- 
bruar 1758. 
Kar! Johann v. Hüenegen, gen. Büene; gest. im Alter von 82 Jahren 
3 Mondten 18 Tagen (ohne Datumsangabe). 
Paul Friedrich v. Benckendorff, Civilgouverneur von Estland; geb. 
26. November 1784, gest. 2. Dezember 1841. 


5. (7.) 
6. (8.) 
7. 
8. 
9. 
10. 
11. 
12. 


I
		

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			55 


b) An der Süd wand des Chores: 


(30 
GGG 
6) 
88 


G 
B 
0) 


13. Alexander v. KurseH, Generalmajor; geb. 25. August 1805, gest. 28. Mai 
1857 (Wappen aus Kalkstein). 
14. (9.) Andreas v. Zoege, Obristlieutenant zu Fuss, Erbherr auf Ass und Asser; 
geb. 9. Januar 1665, gest. 23. Oktober 1706. 
15. (12.) Wolter v. Dellwig; geb. 23. Januar 1657; gest. 7. März 1698. 
16. (11.) Reinhold v. WrangeI, schwedischer Kapitän; geb. - -, gest. 6. M:trz 1686. 
17. (10.) J oachim Friedrich v. Lieven, Landrath und Obrist, Erbherr auf \Veissen- 
feldt, Erwita, Aruküll und Udeva; geb. 6. August 1662, gest. 17. August 1713. 
18. (15.) Friedrich v. Löwen, der Jüngere; (Daten unleserlich). 
19. (14.) Jakob Johanll v. Taube, Generalgouverneur üuer Narwa, Ingermannland 
und Kexholms-L:l.hn, Generallieutenant der Infanterie; geb. 2. November 1624, 
gest. 6. November 1695. 
20. (13.) Frommholdt v. Knorring, Rittmeister der Revaler Adelsfahne, Mann- 
richter und Erbherr auf Kurriscl; geb. 9. März 1673, gest. 19. l\Iai 1722. 
2 I. (16.) Wolter Reinholdt v. WrangeI, Oberst, Erbherr auf OttenkülI und Kaiffer; 
geb. 26. Dezember 16-1-8, gest. 22. Mai 1697. 
22. (19.) Wolmer v. Wrangel v. Heimer, Major; geh 12. Februar 1648, gest. 
30. März 1686. 
23. Heinrich Wilhelm Friedrich v. KurseH, Oberstlieutenant; geb. 3. Ok- 
tober 1760, gest. 16, Mai 1806. 


c) An der Ustwdnd des Langhauses: 


E) 
 @ U ",".....,.. U (9 0 
2'1 6 
6 T::\ Q 
'(0 

 
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2
. (18.) 


Frommhold Adolf \Vrangel. Major; geb. 9. Januar 1650, gest. 23. Fe- 
bruar 1696. 
FrnmmholdtJohanll Baron v. Rehbinder, Fähnrich (Daten Ilnlpserlich). 
Baron OUo v. Ue
kÜII-Güldenuandt, Herr auf Padenonll 
(Daten unleserlich). 
U exküll-GüldenbalHlt . (Daten unleserlich). 
Ferdin.l11d v. Wrangei. Gencraladjutant und Admiral; geb. 29. Dezember 


25. (20.) 
26.(21.) 


27. (22.) 
28.
		

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, 
I 


1797, gest. 25. Mai 1870. (Deber dem Wappen und zur Seite desselben sind 
die Admiralsflaggen angebracht.) 
29. (48.) Jörgen v. Bistram, KiinigI. schwedischer Generalmajor und Landrath, Erb- 
herr auf Alt- und Neu-Riesenberg; geb. 8. Februar 1687, gest. seines Alters 
63 Jahr. 
Ahnenwappen: 
Links; 1. fehlt. 2. unbekannt (3 g. gekreuzte Pfeile in R). 3. Bistram. 4. un- 
bekannt (zwei schw Balken in G, H. Büffelhörner, Hd. schw. u. g.l. ii. fehlt. 6. fehlt. 
7. fehlt. 8. fehlt. 
Rechts: 1. Tiesenhausen. 2. DlinhnfT. 3. Osten-Sacken. 4. Rosen. 5. Ungern- 
Sternberg. 6. Krfidener. 7. fehlt. 8. fehlt. 
30. (47). Bengt Hinrich v. Bistram, Erbherr auf Gross- und Klein-Riesenberg, 
Rum und AlIo; geb. 16. Marz 1667, gest. 29. September 1724. 
31. (49.) Ludwig Wilhelm v. Taube, Freiherr von MaydeI, Oberst; (Daten un- 
leserlich). 
Ahnenwappen: 
Links: 1. Fahrnsbach. 2. Tiltfer. 3. fehlt 4. UexküJI. 5. Fahrnsbach. 6. Fersen' 
(sehr zerstört). 7 M.lydel. 8. fehlt. 
Hechts: 1. Lode. 2. Rosen. 3. Taube. 4. Tiesenhausen. 5. zerstört. 6. Twifel 
(W. springender Hirsch,. 7. Anrep. 8. Taube. 


d) An der Wand des sÜdlichen Seitenschiffes. 


32. (So.) 


Woldemar Antnn v. Schlippen bach, Generallieutenant und Kriegsrath, 
Erbherr auf Bornhausen etc.; geb. 23. Februar 1653, gest. 27. MArz 1721. 
Kar! Gotthard Graf l\Ianteuffel; geb. 4. August 1821, gest. 19.Juni 1864. 
. . . , . . . Baranoff . ., ., . gest. 2. Oktober 1717 (sehr beschädigtes 
Wappen'. 
J ohann Baranoff, Kapitan, Erbherr auf Rabbifcr, Wehts, Lechtegall und 
Penningby; . . . . . . (Daten unleserlich). 
Georg Walter Baron StdckelLerg zu Kaltenbrunn; geb. 24. Mai 1808, 
gest. 26. Oktuber 1863. 
Aderkas . . . .. (zerstört). 
('laus J ohann Stack el berg, Kapitän, Erbherr auf Mödders und Räggefer 
(Daten unlf'serlkh). 
\Volter Stackelberg . . . . . .; geb. 6. September 1670, gest. I. Juli 1692, 
Niels Stack el berg, Ldndrath, Erbherr auf Miiddels und Räggefer; 
(Daten zerstört). 
Gerhard Johann v. Vietinghoff, schwedischer Lieutenant .., gest. 
8. November 1693, seines Alters 46 Jahr 6 l\Ionate 7 Tage. 
e) An den Arkadenpfeilern im Mittelschiff, Nordseite. 
Hans v. Wrangei, Rittmeister und Landrath, Erbherr auf Waschel und 
Tual; geb. I. Januar 1626, gest. 12. üktober 1691. 


33. 
34. (52.) 


35. (Si.) 


36. 


37. (54.) 
38. (53.) 


39. (55.) 
40. (56.) 


41. (57.) 


42. (46.)
		

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			57 


Ahnenwappen: 
Links: 1. Wrange!. 2. lehlt. 3 Rosen. 4-. zerstört. 5. Taube. 6. zerstört. 
7. Lohde. 8. Tiesenhausen. 9. "Vrange!. 10. nücker. 
Rechts: 1. LohdE'. 2. Taube. 3. Tiesenhausen. 4-. Fahrensbach. 5. fehlt. 
6. Taube. 7. Dumstorp. 8. Flemming. 9. Lohde, 10. Wrange!. 
43. (45.) OUo Reinholdt v. WrangeI, Kapit:in der estländischen Landesdragoner, 
Erbhcrr auf Waschel und Toal; geb. 24. Juli 1667, gefallen 8. September 1701 
bei Rappin. 


f) Am gegenüberliegenden Pfeiler: 
44. (39.) J ohann Bdghuffen (Baggehuffvudt), Rittmeister; geb. 13. März 1652, gest. 
12. Dezembcr 1702. 
45. Jakob Julius Baron Schilling; geb. 13. März 1790, gest. 21. J.llluar 1860. 
g) Am Pfeilcr zunächst dem Chor: 
46. t35.) Reinhold v. Lohde, Kapitänlieutenant; geh. 7. Januar 1023, gest. 11. April 
1699. 


Ahnenwappen: 
Links: 1., 2., 3. fehlen. 4. Dücker. 5. fehlt. 6. Taube. 7. Ermes. 8. Lohde. 
Rechts: 1. unbekannt tschw. Baumstamm in B., darunter fünf s. Kugeln 3: 2. 
2. Tiesenhausen. 3. Drolshagen. 4. Taabe. 5. Tlesenhausen. 6. 7., 8. fehlen. 
47. (3
.) Peter und Karl IVLLllnerburg, Erbherren zu Bremersfeld. Der erste 
geb. zu Stockholm 6. Mai 1684, der andere zu Reval 30. August 1687; beide 
umgekommen durch SchifTbruch bei Reval in der Nacht vom 25. auf den 
26. August 1696. (Gesp. Schild, rechts schw, Thurm in G., links zwei schw. 
g. Schrägbalken in R. H. Stern zwischen zwei Straussfedern.) 
48. Reinhold August Freiherr v. Kaulbars, König!. schwedischer Ritt- 
meister und Kaiser!. russischer Oberstlieutenant; geb. zu Stralsund 21. August 
1767, gest. 13. Januar 1846. 
h) An der Ostseite der Langhauspfeiler zunächst dem Chor. 


( 



9. OUo v. T,lube, L1IIorath; geb. 9. März 1800, gest. 28. 1\1:lrz 1873. 
50. Rudolf v. Pat k ul, Laüorath und Rittt'rsl"haftshauptmann; geh. 1800, 
gest. 1856. 
51. Paul Eduarov.Fuck, Landrath;geb.25.DezembcrI798,gest. 17.Juni 1884 
52. (33.) Behrend Johann v. Uexküll, Landr.tth und Oberst, Erbherr auf l\Iens 
Palfer und Sage; geb. 1
. Febru.lr 1630, gest. 3 I. Oktober 1701.
		

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			58 


! 
I 


Ahnenwappen: 
Links: 1. Uexküll. 2. Lohde. 3. Meks: 4. Rosen. 5. Stael v. Holstein. 6. Tiesen- 
hausen. 7. Kruse (eine Puppe auf querg-etheiltem bl. u. r. Schilde, H. wachsende Puppe 
zwischen Adlerflug). 8. Uexküll. 9. Maydel. 
Rechts: 1. Bremen. 2 Risbieter. 3. Dücker. 4. Ungern-Sternberg (sieben Rosen 
und drei r. Wolfsangeln in S., anstalt der üblichen Sterne Rosen und anstalt dpr Lilien 
Wolfsangeln). 5. Behrends. 6. Dellwig-. 7. Fahrensbach. 8. Bremen. 9. Taube. 
Gotthard August v. Helfreich, GeneralIieutenant; geb. 27. Januar 1776, 
gest. 24. November 1843. 
i) Auf der Rückseite der Pfeiler: 
54. (34.) Ewert Wolmer v, WrangeI, Erbherr auf Pedua, Obristlieutenant zu Ross 
. . , , . .; geb. 22.Juli 1634, gest. 20. Juli 1695, 
55. (37.) Christi an Lillienring, Sekretair . .. ....; geb. 25. Mai 1629, gest. 
31. Juli 1697. 
k) An der Ostseite der mittleren Langhauspfeiler. 


53. 


I 
I 


56. (44.) Johann Hinrich Nieroth 


(Daten zerstört). 


Ahnenwappen: 
Links: 1. Wrang-el. 2. Ung-ern, 3. Maydel. 4. Ue>.küll. 5. Ul"xküll. 6. Fahrens- 
bach. 7. Metztaken. 8 Nieroth. 
Rechts: 1. u. 2. fehlen. 3. Rosen. 4. Uexküll. 5. Meks. 6. Uexküll. 7. . ... hof 
(Scepter u. Schwert in's Kreuz gele
t). 8. Baranoff. 
57, Bernd J ohann Graf v. Mellin, KünigI. schwedischer Generalmajor der 
Infanterie; geb. 6. Februar 1659, gest. 14. Dezember 1733. 
Ahnenwappen: 
(Die einzelnen Wappenschilde tragen auch die Namen der Familien.) 
Links: 1. Mellin. 2. Zweifel (r. Hirsch in S.). 3. RudJer (bI. quadrirter SC"h. im 
1. u. 4. F...lde schreitende g. Lllwl"n, im 2. u. 3. linksschrage Balken', 4. Ungern. 5. Bllhnen 
(drei s. laufpnde Hunde über einander in R.). 6. Borkpn (zwei gekrönte r. Wölfe in G.). 
7. Flemming (aufgerichteter schw. Hund ;n BI., darunter 1 r. Rad). 8. \Vopersnowen 
(ein aus BI. u. S. geschacht. Felde hervorspringender r. Hirsch in S.). 
Rechts: 1. Löwen. 2. Wedins (Baumstamm in G.), 3. Uexküll. 4. Hdsner. 
5. Wachten. 6. Wrangel. 7. Stiilarm (geharnischter Arm mit Stab in G.). 8, Loden. 
58. (38.) Berent Johann v. Derfelden, Kapit:in, Erbherr auf Idenorm und KaIlylis, 
Herr v. Parme! . . .. ., (Daten verwischt). 
59. Pillar v. Pilchau . . . , . .; (Daten zerstört). 
60, Hermann v. Friderici, General der Infanterie; geb. 5. August 1779. gest. 
I. März 1869. 


I
		

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			59 


I) An oer Wand des Nordschiffs: 


(0 


leeGe 


8@@ 


0) 


61. J ohann Ludwig Pott, Freiherr auf Luberas. 
(Das gut geschnitzte Wappen hängt sehr versteckt wegen eines vor- 
gebauten Beheizungskörpers ; es wird deshalb von ihm eine Beschreibung 
und die Inschrift in extenso gegeben,) 
Quadrirter von einem rothen Mantel umgebener Schild, mit einem Herz- 
schild belegt und von drei Helmen überragt. Im g. Herzschild ein schw. 
dreifüssiger eiserner Topf. Im 1. Felde zwei gekreuzte s. Pfeile in R., im 
2. ein s. Schwan in BI., im 3. eine hellrothe l\lauerkrone in BI., im 4. eine 
r. Fahne in R. H. rechts zwei Pfauenfedern, links zwei r. Fahnen, in der 
Mitte ein wachsender wilder Mann, der einen Zweig in jeder Hand hält. 
Die Inschrift lautet: Ihro KaJ'sellirhen l/[ajesle aller Reussen bey aller- 
hochsl deroselben Armem und b/f{enieur Corps Commandirender GC1leral en Chef, 
Ri//er der beidm Russischen Orden SI. Andreas /md SI. Alexander S. Euellenz 
der lIorhwohlgeborene Elen Elerr fohann Ludwig Po//, Fiqherr von Lubaras, 
Erbherr von KokenhoJ}; Gelshoff, Kock, Bn'nJ.enhoff, SüweJ{en eie. ist Anno 168 7 
den 7. August gebohren, '752 den 16. August geslorhen und den 27. Al'![usl in 
Cronstadt in der (apelle dieses freyherrlichen Stammes beerdiget worden. 
(Deber die Familie Pott vgl. Kneschke Neues allgemeines Deutsches 
Adels-Lexikon, 1867, Band 7 S.229.) 
62. (24.) Otto Reinhold v. Taube, LancJeshöffding, Freiherr auf Maydel, Erbherr 
duf Lunia und GulcJenbeck . 


Ahnenwappen, 
zu beiden Seiten der Gewölbschildbogen aufgehängt: 
Links: 1. Meks. 2. Taube. 3. Ue"küll. 4. IIIdydel. 5. Fahrensbach. 
Rechts: 6, Uexküll, 7. Fahrensbach. 
(Die Wappen gehören zum S.48 beschriebenen Grabmal.) 
63. Johann Christuph Engelbrecht v. Grünewaldt, Civilgouverneur von 
Estland; geb. 21. l\Iärz 1796, gest. 18. April 1862. 
64. Philipp v. Krusenstiern, Landrath; geb. 3. Juli 1782, gest. 29. De- 
zember 1857. 
65. (27,) johann Andreas v. der Pahlen, Generalmajor.., ... lsehr zerstrlrt). 
66. (26.) Tönnis Johann Bellingshausen, Landrath, Erbherr auf Paddas.,....; 
(Daten unleserlich). 
Ahnenwappen: 
Links: 1. Plettenberg. 2. Tiesenhausen. 3. Behrends. 4. Patkul. 5. Igelström. 
6. Arendt v. Galen (drei r, Wolfsangeln in G.). 7. unbekannt (sehw. Uuerb. in G, 
8. Bellingshausen. 


-
		

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			60 


69. 
70. (31.) 


Hechts: 1. ßudelschwing-h. 2. Wrang"!. 
. unh"kannt (nach links 
schw. Löwe in S.). 4. Risbieter. 5. unbekannt (drei geschachte Querb. in 
stört. 7. Meks. 8. Wrange!. 
67. (28.) Otto Constantin v. Uexküll, Obrist, Erbherr auf Hark, Hukas {md 
Strandhotf.. ..; geb. 19. November 1672, gest. I. Februar 1718. 
v. Uexküll . . . . . . (sehr zerstörtes Wappen). 
Ahnenwappen 
zu "eiden Seiten der Schildbögen aufgehän,::-t: 
Links: 1. Rosen, 2. Lohde. 3. StaeI v. Holstein. 4. Scha
enberg-. 5. Tiesen- 
hausen. 6. Mayde!. 7. 
f<'ks. 8. Ue"küll. 
Re.:hts: 9. Uexküll. 10. Taube. 11. Tödwen. 12. Dellwig. 
. v. Uexküll . . . (ebenfalls sehr zerstört). 
Karl Friedrich v. Fersen, ein Jüngling . .; (Daten bis auf die 
Jahreszahl 1680 oder 1686 zerstört). 
71. (32). (>tto Reinhuldt v. Fersen, Major, Erbherr cluf EmnlOmäggi 
(Daten unleserlich). 


springender 
S,). 6. zer- 


I 


68. 


11 


" 


Ahnenwappen: 
Links: I. Rosen. 2. Anrep. 3. Uexkün. 4. Wrange!. 5. Taube. 6. Tiesenhaus"n. 
7 Fürstenberg (zwei r. Querb. in G.. H. zwei mit r. Balken belegte Federn '. 8. Uexküll. 
Hechts: 1. Fahrensbach. 2. ßellinghausen. 3. Mayde!. 4. Taube. 5. Meks. 
6. Scharen berg. 7. Uexkilll. 8. KurseI!. 
72. U. 73. Auf der Orgelempore befinden sich zwei sehr zerstörte Wappen, das eines 
Löschern v. Herzfeld mit viillig zerstiirter Unterschrift und das des 
Johann Ekeschiöld, geh. 16. DC'.lember 1677. 
74. In einer Nische der Ostwand der Fersenkapelle : efindet sich ein grosses 
aus Holz geschnit.ltes, leider sehr zerstörtes Wappen der Familie v. Uexküll, 
belegt mit dem Fersen'schen \Vappen als Herzschild. Im Geäst der Helm- 
decken ctil:' n	
			

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			61 


6. £In Nordschiff eine I4annige Krone ohne Inschrift und 
7. eine 8armige mit der Inschrift: GUST -\F M ANST AFF, DOROTEA jORENS- 
DOTTER, i\IATTHI -\5 MANSTAFF ANNO 1678. 
Glocken. Die Marienglocke vom Jahre 1685 mit einer Darstellung der Jung- 
frau mit dem Jesusknauen und der Umschrift: lIL\RIA MATER DEI. ZU beiden 
Seiten des Marienbildes die Inschrift: 
KOMMT IN DIE KIRCH AUF MEINEN CLANG 
ZUM BETEN UND ZUM LOBGESANG. - 
ICH BIN DURCH FEVERHITZ GESCHMOLZEN UND ZERFLOSSEN 
ALS LEIDER DURCH D \S FEUER DER DUHM GANZ ABGEBRANNT. 
MAN H-\T MICH NACH EIN IAR IN DIESE FORM GEGOSSEN 
UND WIE DAS nIl D DIR ZEIGT, MARIENGLOCK GENANNT. 
(Marienbild.) 
E. s. GOTTSCHILDT, VORSTEHER. DURCHS FEUER BIN ICH GEFLOSSEN. 
DFTLOF RIEDEWFG HAT MICH GEGOSSFN IN REVAL. ANNO 1685. 
Die kleinere sogendnnte Salvatorglocke hat folgende Inschrift: 
SALVATOR MEMORAT FUERIT QUAE NOSTRA RUINA 
TERTIA POST CINERES EDO REFUSA SONUIIJ. 
DURCH FEUER BIN ICH GEFLOSSEN. DETLOF RIEDEWEG 
HAT MICH GEGO!:.SEN IN REV.-\L 1685. 
Silbergeräth. J. Das Silbergeräth der Domkirche ist zum grÖssten Theile neu. 
Unter den erhaltenen älteren StÜcken sind nur einige wenige von höherem Kunst- 
werth. Zu diesen gehört ein silberner vergoldeter Kelch, dessen Untertheil dem 
Ende des 15. Jdhrhunderts angehört. Die Kurpa ist neu. Der Nodus ist sechseckig 
gestaltet und mit gothischem Masswerk verziert. Die Vorderseite der sechs rauten- 
förmigen Nuppen trägt in schwarzer Emaillirung die Buchstaben Tr - c!J - 111- iI- oe - nO. 
(Wahrscheinlich die Initialen der Namen der Schenker.) Auf dem runden KeIch- 
fusse ein kleiner Cruzifixus und eine zweireihige In'>chrift in gothischen Minuskeln: 
Die untere: o. factum. conb"lltlUlU . in . qllo ' Ctlllll
 . flmmllr . t(colitbr . mfmOtla . J}afllomj. 
Die obere: flll
 .mcllp . IInplUllt. gtilnil. et, fbtllre -glorie. nolilp. plgnuJ,t. batbt. sIIiI (sic). 
(D. h. 0 heiliges Mahl, in welchem Christus ergriffen und wieder erneuert und durch 
das Gedächtniss seines Leidens die Seele durch Gnade gesättigt und uns ein Pfand 
zukÜnftiger Herrlichkeit gegeben wird. Halleluja.) Meister- und Beschauzeichen 
fehlen. Höhe des KeIches 172 mm. Durchmesser der Kuppa 97 nUll, des Fusses 
126 mm. 
2. Eine runde silberne Taufschüssel von -lee mm äusserem Durchme""er. Die 
Mitte enthält eil1e getriebene Darstellung der Taufe Christi, eingefasst von einem 
Lorbeerkrdnz. Darum legt sich ein zwölffach gebuckelter Rand mit grossblumigen 
Mustern in verschiedener Zeichnung. Die Henkel bilden zwei nach aussen schwebende 
Engelfigürchen. Das Gefäss steht auf drei knospenartig ausgebildeten runden Füssen. 
Auf der Rückseite die Inschrift: 


l;m/ 
{'hale 
der Dohm A."irchen :;/1 Rn/al 
gehiirif( 
A UlIO 1669. 
Das Was.fahad in GoI/es Hort 
Fhllt au/ des Himmels (;,wdwp/orle 
J[acht uns im Gel
.t aus Gott gebohrCll. 


1 1
		

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			62 


Der Glaub in Cllristo lVeiss gewiss 
Das Hie dt falten ScllIangmviss 
I/nt nll
 seine lVaß verloren. 
Umf{earveitd aO 18Jo. 
mgt 174 8 /8 Loth. 
Darunter das Rev,lier Beschauzeichen @. und der Name des Goldschmiedes 
IDEHIOI , der die Umarbeitung (anscheinend nur eine Reparatur und die Herstellung 
der Henkel und des Untersatzes) besorgte. Dasselbe Zeichen wiederholt sich im 
Inneren. 
3. Eine silberne vergoldete Patene aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Auf 
dem Grunde eine Eidhand in einem vertieften Vierpass. Durchmesser 144 mm. Auf 
dem Rande das Revaler Beschauzeichen. 
4. Ein rundes silbernes Oblaten kästchen des 17. J,lhrhunderts. Auf dem Deckel 
in vertieften Linien ein Agnus Dei von einem Lorbeerkranz umgeben, darunter die 
Buchstaben G G S. 
5. In Silber getriebener Einband einer Prachtbibel, entworfen und ausgeführt 
von dem Maler Ludwig v. Maydell. Die Bibel bildete ein Ehrengeschenk, das die 
estländische Ritterschaft dem Oberpastor der Domkirche Paul Eduard Hörschelmann 
machte. Ueber den 1\1aler Ludwig Friedrich v. Maydell, geb. 29. November 1795, 
gest. 6. November 1846, vgl. W. Neumann's Biogragraphie des Künstlers in den Riga- 
sehen Stadtbl
lttern von 1897. 


r 


Die I )farrkirche zu St. Nicolaus. 


GESCHICHTLICHES. Die erste urkundliche Erwähnung der Nikolai- 
kirche findet sich in dem ältesten Erbebuche der Stadt Reval beim Jahre 1316 
(L. Arbusow. Das älteste Wittschopbuch der Stadt Reval. 13 I 2 -1360. Reval 1888). 
Inser. 98) nach welcher eine Frau Sophia de Zage dem Pleban zu St. Nikolaus eine 
Mark Silber vermacht. ebenso wie dem Pleban zu St. Olaus. dem Priester zum heil. 
Geist und dem Johannishospital. Ihre Erbauungszeit dürfte aber mindestens in dit> 
zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts gesetzt werden, denn die Ornamentik des Nord- 
portals am Thurme zeigt noch Anklänge an die Kunst der sp:aromanischen Periode. 
Vielleicht mochte die Ueberldssung des Parochialrechts über die St. Olauskirche an 
das Cisterzienser-Nonnenkloster zu St. Michael, worüber in den Jahren 1267, 1283 
und 1287 von der Königin Margaretha, dem Papste Martin IV. und dem Könige 
Erich Menved geurkundet wird, die nächste V eranlassung 
ur Gründung einer eigenen 
Pfarrkirche durch die Bürgerschaft gewesen sein, die diese Kirche dann. entsprechend 
ihrer Hauptbeschäftigung, dem Seehandel, dem Schutzpatrone der Seefahrer, dem 
heil. Nikolaus von Bavi, Bischof von Myra (gest. 6. Dezember 342) weihte, Ueber 
die AusfÜhrung des Baues fliessen die Quellen sehr spärlich. doch finden sich zer- 
streute Angaben über Stiftungen von Vil,arien zu verschiedenen Altären und in den 
Jahren 1376, 1414 und 14 I 9 Nachrichten über testamentarische U eberlassungen von 
Geldern zum Kirchenbau (UB. III, I 1 15; V, 1965 und 2306). In den Jahren 1342 
(UB. 11, 808) und 1370 (Zweitältestes Erhebuch, herausgegeben von E. v. Nottbeck. 
Reval 1890, Inser. 370) - wird einer Kapelle der heil. Barbara und eines Matthäus- 
Altars in der Kapelle südlich der Kirche Erwähnung gethan; (capella, apud ecclesia",
		

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			6.1 


beati Nicolai ad partent mell'dionalem wllsi1ucia). Die Barbarakapelle könnte sich an 
der Nordseite des Thurmes, wo noch jetzt die Reste eines grossen Fensters und die 
Ansätze von GewÖlben erkennbar sind, befunden haben, während die andere Kapelle 
an der gegenüber gelegenen Seite errichtet gewesen sein wird, an deren Stelle um 
1488 der Neubau der noch jetzt hier bestehenden "neuen" Kapelle, die später auch 
unter dem Namen "Antoniuskapelle" erscheint, aufgeführt wurde. Unter dieser Be- 
zeichnung wird übrigens bereits im jahre l-1--h eine Kapelle der Nikolaikirche ge- 
nannt (UB VIII, 911). Einer l\Iarienkapelle "beim Thurm" gedenkt zu Anfang des 
15. Jahrhunderts das sogenannte Pergamentdenkelbuch S. 94. Aus dem 15. Jahrhundert 
ist eine Reihe von Auf7.eichnungen über die innere Ausstattung der Kirche und über 
verschiedene an ihr vorgenommene Umbauten und Ver
inderungen erhalten in einem 
Kirchenbuch des Vorstehers Hdns Rothgers, in dem sich seit dem Jahre 1465 eigen- 
h;indige Eintragungen der ,ilteren Kirchenvorsteher über Ausgaben und Einnahmen 
finden und dds dann Hans Rothgers für die Jahre 1488-1520 fortgesetzt hat. (Aus- 
züge aus diesem ältesten Kirchenbuche sowie solche aus einem im Jahre 1516 von dem 
Kirchenvorsteher Heinrich Bus [gest. 18. November 1550, sein Grabstein weiter be- 
schrieben N r. 41] angelegten, bringt das am I. Dezember 1603 von dem Kirchenvorsteher 
.lobst Dunten begonnene Denkelbuch.) Auf S. 171 des Rothger'schen Kirchenbuches be- 
ginnen die Eintragungen der Ausgaben für die Kirche. Beim jahre 1482 heisst es, dass 
die Kirche "neu fundamentirt" und gedeckt, auch das Sakramenthauschen erbaut und 
gemalt wird. In demselben Jahre kommt auf die grosse Tafel für den Hauptaltar aus 
Lübeck: wi leim de ta/ele tom hogm altare maken unde 7/(W Lubeck halm, kostete tosamm 
1I1ne trmt 1250 1n/k. Im Jahre 1489 wird das grosse Orgelwerk durch einen Meister Hermen 
Stüve aus Wlsmdr (von de wismer) erbaut, de

en Preis auf 800 Mk. Rigisch angegeben 
wird. Stüve erhält ausserdem einen schönen gefütterten Rock und freie Kost für sich und 
seine sechs Gesellen. Holz, Eisenwerk, Leder, Balken und was sonst nöthig wird ihm 
geliefert. Die Gesellen sollen von ihm bezahlt werden. Von dem früheren Orgelwerk, 
das Meister Albrecht gebaut hat, bleiben nur die Pfeifen und Balken. Stüve arbeitet ein 
jahr hindurch. Gekostet hatte alles, einschliesslich des Abbruches der alten Orgel 
und der erforderlichen Umbauten, 1575 Mark Rigisch. Im Jdhre 1502 wird auch 
ein kleines Orgelwerk von dem Dominikanermönch Herrn Peter auf Bestellung des 
Kirchenraths ausgefÜhrt. Durch den Brand von 1533 wurden diese beiden grossen 
Werke zerstört und im jahre 1547 wird eine neue Orgel erb,lUt, die aber schon 1584 
zum Theil erneuert werden muss. 1492 wird die neue Kapelle am Thunn geweiht: 
AmID XCII in die kathed,a petri (2Z. Februar) do leien wi w)'gm de nige Kapel1m 7'on 
,mserm I/t'rrn Bischop :-,'imon 71ml der borch, kostete mit tWt'1l altar XL V .flark Rig. 
Ein Theil der Kosten wird der Kirche vom Amte der Knochenhauer und vom Rathe 
zurückerstattet. Dem Bischof wird ausserdem ein Mahl gegeben (noch dem bischope 
letm wi plegm e)'ner maltit "p der weddeme [der Widme, dem Pastorat], kostete in all 
VIII lI/ark Jl Sch.) In den Jahren 1490 bis 1520 wird eine Reihe von Ausgaben für 
die Ausstattung der Altäre. aufgeführt. An Altären werden hier und an anderen 
Orten genannt, ausser dem Hochaltar: der des heil. Kreuzes, St. B1asius-Altar, der 
Altar der heil. Dreifaltigkeit im Chore, der des heil. Ewald, der heil. l\Iargaretha, der 
Altar in unserer lieben Frauen-Kapelle und der Altar unserer lieben Frau vor dem 
C':or, der des heil. Matthäus, der heil. Barbara, des heil. Erasmus, des heil. Kanutus, 
des heil. Christophorus, der heil. Apollonia und der heil. Petrus und Paulus. 1489 malt 
Meister j ohann Vowsak (Vawgesack) für 530 Mark eine Tafel mit dem Bilde unserer 
lieben Frau nach dem Muster von St. Nikoldus Tafel und Tabernakel. Des heil. Kreu7.e"
		

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			6-t- 


Altar wird geschildert mit den Bildern der Maria, des Johalll1es und der heil. Katha- 
rina; der Altar der heil. Petrus und Paulus mit Darstellungen aus dem Leben der 
Apostel; der Altar des Schusteramts mit den Bildern der heil. Crispinus und Crispianus, 
der Altar der Steinwarter mit dem Bilde St. Reinokls. Auch eines kÜnstlichen Uhr- 
werks wird Erwahnung gethan. 1494 wird der Altar des heil. Antollius genannt, zu 
dem ein Schrank gemacht werden soll. FÜr die Herstellung desselLen erhalten 
Schnitzer, MalC'r und Schmiede, sowie deren Knechte 25 l\lark 12 Schill. Um 1504 
wird ein Glasgemälde im Fenster unter dem Thurm dufgefÜhrt, das 2 1 / 2 Mark weniger 
3 Schill. kostet, 1519 Glasmalereien ..lIm howf'rs/m Fells/er". 
Am Thurm wird noch im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts gearbeitet. [m 
Jahre 1423 bittet der Ordensmeister den Thurmbau einstweilen einzustellen (UB. V, 
2704). Die Arbeiten mÜssen für lange Zeit unterbrochen gewesen sein, denn 1496 
wird er provisorisch mit Brettern gedeckt und erst beim Jahre 1510 berichtet das 
Kämmereibuch, dass des "h. lVicolalls torn hOKer gemurt" werde. Er wird zu dieser 
Zeit den hohen Spitzhelm mit den diesen tlanl,irenden EckthÜrmen erhalten haben, 
wie ihn die alteren Ansichten der Stadt zeigen. Mit dieser Nachricht stimmt das 
Kirchenbuch des Hans Rothgers Überein, das ausserdem Angaben Über die beim Bau 
beschäftigten Arbeiter bringt. Das obere GewÖlbe wird mit Steinen abgedeckt (gf'- 
briigget),' die Arbeit fällt schlecht aus und muss ge:lndert werden. 1511 werden die 
Glocken höher ge hangt und erst in den Jahren 1514 und 1515 wird der Thurm mit 
Kupfer gedeckt, dds aus Schweden und LÜueck gebracht und in Reval geschmiedet 
wird. Die Ausgabe dafÜr hatte 792 Mark Rig. betragen, i/em herv01 stei/okgesch1e7'{'1l, 
wat de torn kostet heft hoger /0 makel/de lind de /docken hoger to hel/gel/de llnd deli krlllltz 
to makende, in all llmllle I1mt hy I20(} _ffmk Rig. (Auszüge aus dem alten Kirchen- 
buch des H. Rothgers, auch von Th. Schiemann in den Preussischen JahrbÜchern LIX, 
S. 581 ff., desgl. bei G. v. Hansen, Die Kirchen und ehemaligen Kliister Revals 
S. 25 ff. Auf den Kirchenbau BezÜgliches ferner bei E. v. Nottbeck, Der alte Immo- 
bilienbesitz S.45 und im noch unedirten Stadtkämmereibuch.) 
Dem WÜthen der Bilderstürmer entging die Nikolaikirche durch die Umsicht 
ihres Kirchenvorstehers Heinrich Buess (oder Bus), der die werthvollsten Gegenstände 
hatte in die "Garvekammer" bringen und die SchlÖsser mit Blei vergiessen lassen. 
Am Abend des 14. September 1524 hatte, ndch den Aufzeichnungen dt:s Kirchen- 
vorstehers Jobst Dunten, das Volk begonnen "die Kinhen zu spolieren", zuerst das 
Mönchskloster und war am folgenden Tage auch in die Nikolaikirche gedrungen. 
(Fr. Bienemann, Aus Livlands Luthertagen, S. 31 u. 65, G. v. Hansen a. a. O. S. 30.) 
Der erste lutherische Prediger an der Nikolaikirche war der von Luther brief- 
lich dem Rathe empfohlene Heinrich Bock aus Hameln, der bereits 1531 die Be- 
rufung erhielt, aber erst 1540 nach einer nochmals an ihn ergangenen Aufforderung 
das Amt annahm. Er starb am 28. Oktober 1549 und wurde in der Nikolaikirche 
begraben. Sein Epitaph ist nicht mehr vorhanden. (Die lateinische Inschrift des- 
selben abgedruckt bei G. v. Hansen a. a. O. S. 37, desgl. der Wortlaut von Luther's 
Empfehlungsschreiben für Heinrich Bock. Original im Revaler Stadtarchiv, Ein 
zweites Empfehlungsschreiben für Bock, unterzeichnet von Luther, Bugenhagen, Justus 
Jonas und Melanchthon, befindet sich im Besitze des Provinzialmuseums zu Reval.) 
Durch eine am 14. Mai 1533 auf dem Dom ausgebrochene Feuersbrunst erlitt 
auch die Nikolaikirche Bescnadigungen, die indessen nicht sehr bedeutend gewesen 
zu sein scheinen. Ueber verschiedene Arbeiten <.1.111 Kirchengebäude und Über kirch- 
liche und sociale Zustände der Stadt berichtet die von dem Kirchenvorstt:her Hans 


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1
		

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			65 


v. Schoten verfasste Thurmknopfnachricht vom Jahre 1672 (abg-edruckt bei G. v. 
Hansen a. a. O. S. 50 fI). Im Jahre 1680 war der mächtige Thurm durch allmählich 
eingetretene Senkung in einen Gefahr drohenden Zustand gerathen und man wandte 
sich an den durch die Erbauung des herrlichen Thurmes der Petrikirche zu Riga 
berÜhmt gewordenen Baumeister Rupert Bindensc\lU (G. v. Hansen nennt ihn irr- 
thÜmlich Bindensky. Ueber den Baumeister s. Anton Buchholtz: Zur Baugeschichte 
des St. Petrithurmes in den Sitzungsberichten der Gesellschaft für Geschichte und 
Alterthumskunde der Ostseeprovinzen Russlands, 1892, S. 48 fI, und \Y. Neumann: 
Das mittelalterliche Riga, Bt'rlin 1892, S. 35 fI). Bindensehu erkundigt sich zuvor in 
einem Schreiben an den R.lth nach dem allgemeinen Zustande des Baues und des 
Baugrundes. Der im Revalcr Stadtarchh' erhaltene und bisher noch nicht veröftent- 
lichte Brief hat folgenden \V urtlaut: 
Holl Edle Gestrmge Ilo,-h j[elahrk llocll undt woll weisse gross giillstige IIerren. 
Nach dem Ich den zustandt d,'r S iVicolaj A'irchen Thurmb In Etwas ve17l0mmm, 
wie dass sich E. 11. mei11es lf'ClligC1l Raths dminnrn gebrauchen wollm, als bedmlcl.:e 
Ich mich zum Ilöehstm, das Sie meine gcrill{(e Person dazu gewiirdiget, Ilo.lfe auch nechst 
Gö'ttlicher Ililjfr. so ich besser davon bClichtet werde, dem Patimten zu helffm, dass er 
bestehn bleiben soll, Jedoch nicht wider In das Loht oder Papendie! zu bril1j[m, sondern 
i1[,.inen eisserstm fleis darzlI g,.bmllchm, dass er ferner nicht J/ehr sinkm .}/echte. Kau 
zwar /loch zur Zeit llicllt 710llm kö'm/ich davon urtheilen, weillm sie mich berichten, dass der 
1'urmb steht au.lf Lissel gllllldt, sei auch ein Eh/e V01Z der Rechten grwzdt 1Ifutter (sie) 
ab, 1ll1ll weiss Ich nicht, Ist die lI/aur von der Seiden ab, od. .h-t die Glll1ldt-1I1utter 
soweit als ei,z Eh/e dallmdtr auch, ob die .'I/aur einen Roster halt od. ob pfalle damnter 
geschlag'Clz sein. Bitte also sie belieben mir diesselz beygeltgJen Au./fsatz Recht zu beant- 
worden, damit so, E. 11., meinm gesellen Jacob Eckert begehen, Ich als dan das werck 
mit Ihme recht ZlorSfllner weisse uber Legen kö'nte; wo Ihn E. II. dan habm wollm, 
will Ihn mit der uegsten gelq,enhcit ubersenden. Die IVoche .foll Ihme E. Ir 4 Rth/r. 
"nde frey Kost geben. l'erbleibe Eurer woll Edel gestrmgen Ilerligkeit 
dil'1lstwilligster 
Rupert Bi'ldmschu. 


Dabei auf einem Quartblatt : 
Erstlich wie dass fimdament beschaffen, ob es au.lf pfällen steht, od. einen Ligmdm 
Rosler hat. 
2. Uze dick die iJ/rlllel1z In der Erdm, ulldt auch wze viel schu die.!f In der EIden. 
3. wz"e Lange der 1'urmb fier seiner zlerankelll1lg gestanden, aucll wie Lang er l'er- 
mz/.'ert Ist,' femer wan ehr seine Letzte Senkung angefangen. 
4. aui! dem 1'urmb zu obserm'eren, ob der Klockm stuhl nicht au den lIlauem 
gestüt::: Ist, welches Ich fiel' dze gröste ursach halte des Thums Kipen, weillen Ich auss 
dem Abriss sehen kan, das der Thurmb oben mehr I[Clissen Ist als lmdm, dan Ich weiss, 
dass die guten Leite, so der Glockmstuhl nicht steiff steht, pflegen sie wider dz"e lI/aur zu 
stützen, welches ich Ao 71 he}' Ihrem au.lf S. Glaj 1'hurmb gesehen; wo mir Recht bt, 
so Wal er all oben geborstm. 
5. wie viel glocken daraui! hangen, und! so der Tll1lrmb täglich mehr sillkm sollte, 
so nur das Leitten mit den grossen glocken eingestelt werdC1l. 
6. ob die Ancker Im 1'hurmh von holtz oder eissen, auch lvie sie angezogen sein, 
da den Ich zweiffle, weillen die 1I1aur von einander geth, dass sie nicht recht ange- 
zogen sein. 
NOTTBHCK & NKUMANN. Rc:vRl ll. 5 


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			66 


Am Rande des Blattes auf Punkt 3 bezüglich von anderer Hand: Nach dem 
ankern 20 jahr. 
In dorso des Hauptblattes : Den JVoll Edlen Ges/engen Hoch Gelahtten IIo£.h 
undt woll weissen EI. Ilerlen BÜrger lI/eister undt Rath der Königl. stall Reval meinetl 
geehrten Herren. 
(Dazu von anderer Hand: pd. d. 17. Sept. 1680.) 
Das Ergebniss der Untersuchungen ging dahin, den Helm nebst den beiden 
oberen Geschossen abzutragen und neu aufzuführen, jedcnfalls nach vorausgeg.lllgener 
Sicherung der Thurmfundamente. Im Oktober des Jahres 1695 war der Bau in seiner 
heute noch bestehenden Gestalt vollendet. Ob der Umbau nach einem Entwurfe 
Bindenschu's ausgeführt wurde, lässt sich nicht nachweisen. Der gleichzeitigen Thurm- 
knopfnachricht nach wurden die Arbeiten von dem Maurermeister Georg Winkler 
und dem Zimmermeister Johann Dorsch ausgeführt. Zur Eindeckung des Thurmes 
mit Kupfer hatte König Kar! XI. von Schweden mitte1st Verfügung vom 19. Mai 1692 
fünfzig Schiffpfund Kupfer gespendet. 
Im Jahre 1846 wurde der Chorbau in Folge eingetretcner Baufälligkeit abgetragen 
und nach Sicherung der Fundamente in den früheren Formen wieder hergestellt. Zu 
derselben Zeit erhielten auch die Fenster ein neues Mdsswerk in den Formcn des 
Flamboyantstyls. 
Im Sommer 1897 wurde der obere Theil des Thurmes wegen Bauntlligkeit ab- 
gebrochen und im Jahre 1898 in alter Form wieder erneuert (vgL die Schlussvignette). 
BAUBESCHREIBUNG. Wie der Dom ist auch die Nikolaikirche dis drei- 
schiffige Basilika errichtet. Die Gesammtlänge des Inneren von der Thurmwand ab 
beträgt 47,06 m, die Breite 22,5 m. Die Seitenschiffe sind nahezu gleich breit; das 
Mittelschiff misst zwischen den Arkadenpfeilern 8,36 m (Figur 35), 
Thurm, Westlich lagert sich dem Mittelschiff der mächtige Thurm, mit quadra- 
tischer Grundfläche von 15,3 m Seitenlänge, vor, Das auf der Nordseite gelegene 
Portal zeigt eine reich profilirte Laibung von eckigen und Rundstäben, deren Blätter- 
kapitäle noch spätromanische Formen zeigen. Die Basen haben das attische Profil, 
doch ohne Eckblatt. Abweichend ist die Bogenlaibung gegliedert; an ihr wechseln 
Rundstäbe zwischen schmalen Platten mit tief eingeschnittenen Hohlkehlen. Die 
Westwand durchbricht, etwa bis zur Höhe des Mittelschiffs, ein hohes Fenster. Die 
beiden oberen Geschosse gehören dem Umbau aus dem Ende des 17. Jahrhunderts 
an. Das untere zeigt je drei halbkrcisförmig geschlossene Blenden, das obere eine 
PilastersteIlung und je drei Schalliiffnungen zwischen den Mittelpilastern. U eber dem 
einfach profilirten Hauptgesims erhebt sich das nach oben ins Achteck übersetzende, 
mit vier von Voluten gestützten Giebeln beseitete Thurmdach. Ueber diesem steigt 
eine mit einer geschwungenen Haube abgeschlossene Galerie auf und über dieser 
eine zweite niedrigere, deren Bedachung ein schlanker, unten mehrfach profilirter 
Spitzhclm bildet. Wenn auch mit der Architektur des Unterbaues in Widerspruch 
stehend, fügt sich der Aufbau doch in angenehmem Zuge dem mächtig au[
trebenden 
Gemäuer und verleiht ihm durch die Kühnheit seines Entwurfs, wie durch das Schwung- 
volle seiner Formen eine imponirende Wirkung (Figur 36). Die frÜhere Gestaltung 
des Thurmhelmes war, nach älteren Abbildungen, der des Thurmes der Olaikirche 
ähnlich, ein Spitzhe1m über vier Giebeln. Die Giebel wurden später beseitigt und 
durch vier Eckthürmchen ersetzt, wie sie jetzt der Olaikirchthurm hat. In dieser 
Gestalt erscheint der Thurm auf einer delineatio urbis Revaliae (vor 1649), desgL auf
		

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emem Stadtbilde von 1662 und auf einem von dem Reisenden Olearius gezeichneten 
Stadtbilde vom Jahre 1663. 
Langhaus. Die Arkadenpfeiler des Langhauses sind schlanker als die der 
übrigen Kirchen, wenn auch sonst ihnen ähnlich von einfachem quadratischen Quer- 
schnitt, hier mit einer Seitenlänge von 1,20 m. Die ArkadenbÜgen sind unprnfilirt> 
die Gurtbögen dagegen zeigen zwei birnenförmige Profile: nur einmal, und zwar am 
mittleren Gurtbogen des Hauptschiffs tritt ein Mitte1wulst hinzu. Sie erheben sich 
im Mittelschiff von Lisenenstreifen, in den Seitenschiffen von ähnlichen, aber kleineren 
Konsolen, die auf der Seite der Arkadenpfeiler an diesen selbst vortreten (Figur 37). 
Den GurtbÜgen entsprechend legen sich am Aeusseren der Seitenschiffe kräftige, 


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zweimal abget
eppte Strebepfeiler vor, wogegen die des Mittelschiffes nicht an diesem 
hochgcfÜhrt sind, sondern unter dt'n Dächern der Seitenschiffe abbrechen. Die klt'incn 
Mittc1schifffenster steigen f,lst bis zu den Schildbiigen dt'r Gewölbe auf und machen 
wegen ihrer gedrückten Form im Aeusseren keinen günstigen Eindruck, was im Innert'n 
allerdings, bei der Höhe des Schiffs, nur wenig empfundt'n wird. 
Chor. Der 1846 neu erbaute Chor schliesst in der ganzen Breite des Ldng- 
hauses mit fünf Seiten eines Zwölfecks und lehnt sich in seiner architektonischen 
Gestaltung an den Chorbau der Olaikirche. DdS letzte Pfeilerpaar des Langhauses 
ist abweichend von den übrigen Arkadenpfeilern mit runden Diensten an den Ecken 
gebildet. Die Pfeiler des Chorhaupts sind schlanJ.. und von achteckigem Querschnitt. 
Kapellen. An der Nordwestecke des Thurmes bt'findet sich ein J..leines 
Treppenthürmchen, an dessen Nordwand sich der Rest einer Fensterlaibung und dt'r 
Bogenansatz eines Fen!!ters erhalten haben. Ebenso erkennt man an der nördlicllt'n 

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Thurmwand, sowie an der 'Vestwand des Nordsf'hiffs die Reste einer 
struktion, die vielleicht als die der ehemaligen, in älteren Stadtbüchern 
wähnten St. Barbarakapelle angesehen werden können. 
Gegenüber an der Süd wand des Thurmes erhebt sich 
die 1492 geweihte Kapelle, die noch 1653 in einem bei 
den lnventarisirungsarbeiten wieder aufgefundenen Grab- 
steinbuch unter dem Namen "Antoniuskapelle" aufge- 
führt wird, in neuerer Zeit aber auch ,t1s "Marien- 
kapelle", oder "Die kleine Kirche" be.r.eif'hnet worden 
ist. Ihre vier Gewölbe werden von einem schlanken 
achteckigen Mittelpfeiler getragen, dessen SeitenlHichen 
mit Rundstäben belegt sind, die oben gegen die Schräge 
eines echinusartigen Gliedes, unten gegen die weit vor- 
gezogene Hohlkehle des Sockels anlaufen. 
An das nördliche Seitenschiff reiht sich ein 
grösserer Komplex von kapellenartigen Anbauten, Die 
Mitte etwa nimmt ein Ausbau, in der Ausdehnung 
zweier Gewiilbj( ,che ein, der sich zum Schiff hin mit 
zwei Bögen iil1net. Oestlich davon erhebt sich die von 
zwei Kreuzgewiilhen überdeckte alte Sakristei mit einem 
Treppeneinbau. Nach Westen schiebt siell der Bau 
eines grösseren überwr.lbten Raumes vor, der jetzt als 
Haupteingang dient. Die Ostwanu dieses Raumes ist 
durch ein eigenartig stylisirtes, dem Anfang des 16. Jahr- 
hunderts entstammendes Portal ausgezeichnet, hinter 
dem die Treppe zur Empore belegen ist (Figur 38). 
Mit dem SeitenschifI ist diese Halle durch ein Portal 


Gewiill,eknn- 
mehrfach er- 


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Fig. 36. Die NikolRikirche yon Norden eesehen. 


verbunden, ;ihnlich dem an der Nordwand des Thurmes. Durch eme reich ge- 
schnitzte Holzwand im Styl der Spätrenaissance von der Halle getrennt, iiffnet sich 
nach Osten hin nuLll ein kleiner als 13egräbnisskapelle benutzter Anbau, die R osen- 


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kapelle. Nach einer Notiz in dem erwähnten "Grabstein buch", enthaltend die über 
die GrabsteIlen in der Kirche abgeschlossenen Kontrakte, findet sich die Notiz, dass 


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Fig. 37. Da. Innere der Nikobikirche. 


die sogenannte Rosenkapelle bei 81. Nikolaus im Jahre 1651 \-on dem Kirchenvor- 
steher Gert Reck "dem Eltern" erbaut und laut Kontrakt vom 7. März 1663 an den 
Statthalter Bogislaus v. Rosen für den Preis von 500 Thlr. Spec. verkauft sei, Die 


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			Erwerbung muss jedoch schon früher geschehen sein; eine Inschrift an dem erwahnten 
Holzgitter mit dem Rosen'schen Wappen berichtet von der Erbauung desselben am 
2, Juli 1655 (s. S. 89). 
Das Aeussere der Halle ist im Styl der Spätrenaissance aufgeführt mit einem 
Volutengiebel, dessen Spitze ein segnender Christus ziert. Der rundbogig geschlossene 
Eingang wird von zwei freistehenden, mit Blumengehangen dekorirten Säulen, die ein 
gerades Gebälk tragen, flankirt. Ueber dem Gebälk erhebt sich ein im Halbkreis 
geschlossenes Fenster mit glatten abgeschrägten Laibungen und zu beiden Seiten des 
Portals sind zwei längsovale FensterÖffnungen angebracht. 
Westlich an die Halle stösst nOl"h 
eine Kapelle, die ihren Zugang von hier 
hat. Da
 im Rundbogen geschlossene 
Portal wird von zwei gewundenen und 
von Blätterranken umschlungenen Saulen 
mit jonisirenden Kapitälen eingefasst. Die 
ThürflÜge1 bestehen aus eisernen Platten 
mit aufgesetzten vierblätterigen Rosetten. 
Am Friese des Gebälks die Inschrift: 
ANNO 1673 HAT DER nOCH EDEL 
GEBORN UNII GESTRENG HERR GUS- 
I"AI"'" ADULPH CLOUT, ERBHERR 
AUF JÜRGENSBURG, I'EUT UND FES- 
TEN, KÖNJ(;LICHER STATTHALTER 
UND LANDRAHT DIESE CAI'ELLE ZU 
EINER ERllllEGREBNUS VERFERTI- 
GEN LASSEN. 
An den Säulen links ein unbe- 
kanntes Wappen (quadrirter Schild mit 
einem Herzschild belegt; in diesem drei 
Sterne; im I. u. 4. Felde ein springen- 
der r. Löwe in G., im 2. r. eine gezinnte 
Mauer in S., im 3. zwei in's Kreuz ge- 
legte Pfeile und vier Kugeln in den 
Ecken), rechts das Wrange1'sche Wappen. 
Am Schlufsstein des Portalhogens das 
Wappen der Familie Clodt. DasAeussere 
des recht baufälligen Gebaudes zeichnet 
sich durch nichts Besonderes aus. Die freien W,inde sind durch je zwei Bogen- 
nischen gegliedert, in denen auf der Westseite zwei kleine ebenfalls rundbogige 
Fenster angeordnet sind. Das Dach ist haubenförmig gestaltet und wird von einer 
kleinen Laterne mit geschwungenem Kuppe1dach überragt. 
Architektonisch mehr durchgebildet ist die westlich von dieser aufgeführte Be- 
gräbnisskapelle des Herzogs Peter August von Holstein-Beck, der als General- 
gouverneur in Reval residirte. Es ist ein Bau von 9,3 m Länge und 7,5 m Tiefe. 
Die dem Kirchenplatze zugekehrte Hauptfront gliedern vier Pilaster mit korinthischen 
Kapitälen. Zwischen den beiden mittleren liegt der in eine rundbogig geschlossene 
Nische hineingehdute Eingang, den eine eiserne durchbrochen gearbeitete ThÜr ver- 
schliesst. Zu den Seiten zwischen den Pilastern zwei schmale Rundbogenfenster. 
U eber dem gut gegliederten Gesim
 mit Zahnschnitt erheht sich eine geschwungene 




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i'''ii'o 38. TreppenportRI zur Empore. 


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Haube. Das Innere ist sehr einfach gehalten. Die Mitte des Raumes nimmt ein grosser 
aus Stein gehauener Sarkophag ein, an dessen Ecken Pilaster vortreten, die von Urnen 
gekrönt sind. Auf dem Deckstein ein Kissen mit der Herzogskronc, über welcher sich 
der norwegische Wappenlöwe erhebt (in Bezug auf den Titel eines Erben von Norwegen, 
Schweden und Ditmarsen, den der Herzog führte; s. die Beschreibung des Epitaphs 
unter N r. 15 S. 85). Die Inschrift an der Langseite des Sarkophags lautet: 
HIC JACET PET. AUG. FRID, S. R, I. PRINCEPS 
DUX. SLESWIC. HOLSAT. BECK. RUTHEN. SUMMUS 
IMPERAT. MILITIAE PRAEFECTUS. lESTLANDIAE 
GUBERNAT. GENERAL. PLURIUM ORDINUM 
EQUES. VITA FUNCTUS AN. lETATIS LXXVII. 
MENS. 111. }ERlE XTI. MDCCLXXV. M. F. n. XXV, 
Altäre. Der jetzige Altar wurde 1863 aufgestellt und besteht m einem in 
äusserst missrathenen gothischen Formen errichteten tabernakel artigen Aufbau, dessen 
Mitte ein von dem Petersburger Akademiker C. Wen i g gemalter Christus am Kreuz 
zwischen Maria und ]ohannes einnimmt; zu den Füssen des Kreuzes Maria Magda- 
lena. Eine sehr konventionell aufgefasste Darstellung. Höhe des auf Leinwand ge- 
malten Bildes 4,25 m, Breite 2 m. Bezeichnet rechts unten C. WENIG. 1863. 
Bis zur Aufstellung dieses neuen Altars stand an seiner Stelle der jetzt in der 
Antoniuskapelle neben dem Thunn aufgestellte prächtige Schnitzaltar, der 1482 in 
Lübeck angefertigt wurde (Figur 39 u. 40). Es ist ein Triptychon von 6,32 m Länge 
bei geöffneten Flügeln; die Höhe beträgt 2,62 m und mit der Predella soga
 3,485 m. 
Das Innere zeigt in zwei Reihen unter einander 28 unter zierlichen Baldachinen 
stehende Einzelfiguren, die zu beiden Seiten einer Mittelgruppe - oben Maria thro- 
nend neben Gottvater, unten die heil. Anna SelLdritt - angeordnet sind. An den 
zwischen den Figuren angebrachten Fialen sind unter Baldachinen Figürchen alttesta- 
mentlicher Heiligen und SybilIen mit Spruchbändern in den Händen aufgestellt. Die 
Predella enth:ilt unter einfacher gebildeten Baldachinen Halbfiguren von Heiligen des 
alten Testaments. Auf den Aussenseiten der inneren und den Innenseiten der äusse- 
ren Flügel sieht man, auf Goldgrund gemalt, in je acht Bildern, Scenen aus dem Leben 
des heil. Nikolaus und des heil. Viktor, mit den die Erklärung zu den einzelnen Bildern 
gebenden Unterschriften. 
Aus dem Leben des h. Nicolaus v, Bavi: I. Der Wunderthäter als Arzt des 
Leibe
 und der Seele. "Elir beret sunte Nycolaus de dre juncvruwen, er he bischup 
wart, des dcde em er vader danken namyche. U 2. Nicolaus zum Bischof ausgerufen, 
"Hir was s. Nycolaus utvorsen van gade, bischllP to wesmde, und se entfa/lgen en myt 
glOter ere," 3. Die Krönung des Nikolaus zum Bischof. "Hir wert s. Nycolaus ghekronet to 
enm bischupe over dat flichte 2Jan bischupen und prelatm." 4. Nicolaus als Erretter eines 
gescheiterten, unter Revaler Flagge segelnden Schiffs. "Hir lJJden fthyplude grote not 
2Jfln fto,.,n und winde und fe repm s. NJ'colaus all und he halp m." 5. Nicolaus als 
Erretter dreier heidnischer Ritter von Henkershand. ,,I/ir loset s, J\Tycolaus dre un- 
jchuldigllc mynfchen van dem dode. Dat seghen de n"dere und bekerden sic," 6. Nicolaus 
als Fürbitter um Freilassung der Ritter aus der Gefangenschaft des Kaisers. ,,I/ir 
7f'arden desll!2Jen rider unschuldighell ghe2 J angm und s. Nycolaus open barde fyck den keser, 
se lostoglze2JeJ/," 7. Die Freilassung der drei Gefangenen, "Hir lete de kifer de dre 
lider los und gaf eil gyfl uml gehaise, dat se s, Nl'colaus vor ein bedm. H 8. Tod des 
Bischofs und Entführung seiner Seele gen Himmel. "Hir lit s. l.Vycolaus op fY'ICIl 
lmYell und ghift synen geyfl ztj>, de helghen engeIe haIeIl IJI/le feIe, ". 


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Aus dem Leben des h, Victor: I. Der Heilige als Glaubenslehrer, von Kaiser 
'\laximinian verfolgt. "Hir fleyt sunte Victor manck den kl')'flen und /ert Je in dem 


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FiS. 39. Schnilzaltar der Nikolaikirchc. 


ghdovm, des le)'1 en de kefir angrypm." 3. Victor vor dem Richter. "lIi,. wert 
s. Victor ghebrocht vor dm l')'chter und he lycht em an, delI knftmlollen to z'ulatmde."
		

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			73 


3. Victor wird an Stricken gezogen. "HiT let de nehter s. Victor 11/\'t repen und towen 
treckm langes de ftraten myt groten famer." 4. Victor wird aufgezogen und gegeisselt. 
,,llir tel de nehter s. Victor hengen an men schudegllalghrn Ulld waTt ghe/laghm m\'t 
kulen fere." 5. Christus erscheint ihm im Kerker. ,,Ilir /t,t he in dem kerkener, des 
quam Xps myt /J'nen engelm to em. Dat feghm de hodere und bekerden fick." 6. Victor 
stüsst ein Götzenbild um, dem er huldigen sull. "IHr wert Ile ghehTocht 710r dm afgol, 
des fto/le he au den p1'ler In\'t dem vote, do 7'1'1 de afgot tor e1dm." 7. Victor unter 
einem Mühlstein liegend wird gc1..öpft. "HiT wert s. Vir/or ghcbrocht in me molm 
ul/d wart ghe/echt wider mm ftm und wart ghekoppet." 8. Victor's Leichnam wird von 
zwei Henkern in's Wasser geworfen und arn jenseitigen Ufer "on drei Engeln aufge- 
hoben. Im Hintergrunde eine Ansicht von Lübeck. "IHr werpen se S}'IICII I;'cham in 
dat mer lind de engeIe hrochtm en to lande und wart erlikm hegraven." 
Die Flügel der Predella zeigen in vier Gruppen auf dunkelblauem, mit goldenen 
Sternen belegtem Grunde, die Stammeltern des heil. Serv,ltius, den die acta sanctorum 
gloria et cowna Trajecti ad Mosam, den Ruhm und die Krone von l\1aestricht nennen, 
wohin er sich, einer göttlichen 'vVeisung folgend, begab und am 13. Mai 384 starb. 
Bei ge..;chlossenen Flügeln erblid.t man lin\..s die hehren Gestalten der heil. Katharina, 
der Jungfrau mit dem Kinde und der heil. Barbara, rechts die des heil. Viktor, des 
heil. Nikulaus und des heil. Georg in einer duftigen Landschaft unter Grau in Grau 
gemalten Baldachinen. Die äusseren Seiten der Predellen flügel schmücken auf hell- 
blauem Grunde die Halbfiguren des heil. Bernhard, des heil. Benedikt und der vier 
Kirchenväter: des heil. Papstes Gregor, des heil. Hieronymus, des heil. Augustin und 
des heil. Ambrosius. (Eine eingehende Beschreibung mit 7 Lichtdrucktafeln in Fulio in 
'vV, r-; eumann: Die \Verke mittelalterlicher Hulzplastik und l\I.llerei in Liv- und Est- 
land, Herausgeg. v. der Gesellsch. f. Gesch. u. Alterthums\..unde der Ostseeprovinzen 
Russlands zu Riga. Uibeck 1892.) 
In derselben Kapelle befindet sich auch der alte Antoniusaltar, dessen Aussen- 
gcm:i.lde in späterer Zeit zum Theil übermalt worden sind. Oas l\1ittelbild zeigt bei 
gei\ffnf'ten Flügeln den Gekreuzigten Lwischen I\Idria und Johannes; am Kreuzesfusse 
die in die Tracht des 15. Jahrhunderts gekleidete 1\'I.lria Magdalena; im Hintergrunde 
Jerusalem. Auf dem linken Flügel Christus auf dem \Vege zur Richtstätte, umgeben 
von Kriegern und Volk. Links ein knieendcr Donator in der Tracht des 17. J ahr- 
hunderts, die sp:itere "Cebermalung einer älteren Figur. Es ist das Bildnis,; des 1657 
verstorbcnen Aeltesten der grossen Gilde zu Reval Urban Dehn, der urkundlich 
1654 den Altar renoviren liess. An einem Baumstumpf rechts unten sein \Vappen 
(schw, Sparren in G.), darunter .ETATIS SUiE 50 AXNO 1654. Auf dem l\Iittel- 
bilde an einem Strauch hängend ein unbekanntes .Wappen (drei aufrecht stehende 
Widder in R.); diesem entsprechend auf der rechten Seite die Dehn'sche Hausmar\..e 
und die Buchstaben V. D. Auf dem rechten Flügel sieht man eine Beweinung Chrio;ti, 
im Hintergrunde die Schädelst:itte und in einer IIühle der den Hintergrund ab- 
schliessenden Felspartie die Grablegung (Figur 41, 42), Bei geschlossenen Flügeln 
erscheinen in dunkel getiinten rundhogigen Nischen links St. Jakobus und I\Iaria mit 
dem Kinde, deren Gestalt purträt.lrtig übermalt ist; rechts ein geharnischter Ritter 
und St. Antonius, der in der Linken einen Stab, in der Rechten ein Buch h:llt; zu 
seinen Füssen ein kleines Schwein mit einem Glöckchen am Halse (Attribut de;; 
Heiligen als Beschützers der Landwirthschaft). Die RiUerfigur ist d.ls Porträt des 
Revaler Bürgermeisters Johann v. Grest, der von 1479 bis 1505 Mitglied des Raths 
war. Unter der RiUerligur lässt sich die Gestalt des heil. Hierun}mus erkennen,
		

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			74 


f 


dessen Attribut, der Löwe, zu den Füssen des Ritters erhalten ist. Auf dem Fu"se 
des Flügels das Wappen der Familie v. Grest (schr;ig rechts getheilt, oben in S. eine 
schw. \Volfsangel an g. Kette, unten in Schw. ein r. Kleeblatt) und der Name des 
Dargestellten, auf dem linken FlÜgel das Wappen des Ratllsherrn Evert v, der Lippe 
(schw. u, s. Rose in einem s. u. schw. gespaltenen Schilde) und der Name: Her Euert 
va der Iyppe. Vermuthlich liessen Johann v. Grest und Rathsherr Evert v. der Lippe 
(t 1482) schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts den Altar übermalen und Urban 
Dehn fÜgte im 17. Jahrhundert noch sein Bildniss nebst Wappen und Hausmarke auf 
der Innenseite hinzu. Die Malereien sind auf Eichenholz ausgeführt; das Mittelbild 
von quadratischer Form hat eine Seiten länge von 1,71 m. Die älteren Bilder gehören 
der niederländischen Schule an und können dem Mittelbilde nach, das viel Verwandt- 
schaftliches mit der Kreuzigung des Gerard David im Berliner Museum (Kat. Nr, 573) 
bekundet, einem Nachfolger oder Zeitgenossen dieses l\Ieisters zugeschrieben werden. 
(Eingehende Beschreibung mit 2 Lichtdrucktafeln in Folio bei W. Neumann, Werke 
mittelalterlicher Holzplastik und Malerei u. s. w.) 
Gemälde. Ueber der ThÜr vom Mittelschiff zur Thurmhalle der Rest eines, 
wahrscheinlich ehemals einem Altarschrein angehörenden Gemäldes aus dem Ende 
des 15. jahrhunderts. Es ist, um es über der Thür anbringen zu kÖnnen, theilweise 
zersägt. Man sieht Christus am Kreuz, rechts die Halbfiguren der Maria und des 
johannes und erkennt noch die Hand der den Kreuzesstamm 'umfassenden Maria 
Magdalena. Links Krieger zu Fuss und zu Ross; im Vordergrunde die um die 
Kleider Christi wÜrfelnden Kriegsknechte. Im Hintergrunde Mauern und Thürme 
von Jerusalem. Die Arbeit ist nicht bedeutend. Eichenholz. Breite 1,36 m; Höhe 
über der ThÜr 1,13 m. 
An dem Wimberg eines auf der SÜdseite angebrachten Sakramenthäuschens 
befindet sich eine, leider theilwei"e schlecht übermalte Madonna mit dem Kinde, an 
die Schule des Jan v. Eyck erinnernd. 
An der Westwand der Antonius1.apelle sind die Reste eines in Tcmperafarben 
auf Leinwand gemalten Altarschreines (?) aufgehängt. Eine äusserst schwdche Arbeit 
des 17. Jahrhunderts. 


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8 
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I. Die Anbetung der Hirten. 
2. Die Anbetung der Könige. 
3. Die Flucht nach Egypten, 


An derselben Wand hängt der Rest eines Todtentanzes (Figur 43a, b), mit 
Oelfarben auf Leinwand gemalt, 7,5 m lang, 1,60 m hoch, Die Arbeit gehört
dem 
Anfange des 16. Jahrhunderts an und die Uebereinstimmung mit dem früheren Todten- 
tanze in der Marien1.irche zu Lübeck vom jahre 1463 Hisst vermuthen, dass das hiesige 
Bild eine verkleinerte Kopie desselben ist. Bestätigt wird diese Annahme ausserdem 
durch die, bis auf einige unwesentliche Abweichungen in der Schreibweise, wörtliche 
Uebereinstimmung der die Darstellung begleitenden Verse unter dem Bilde mit den, 
in einer aus dem Jahre 1701 stammenden Abschrift erhaltenen Versen des alten Lü- 
becker Todtentanzbildes. (Der jetzige Todtentanz der Lühecker M,lrienkirche wurde 
bekanntlich im Jahre 1701 durch den M,lIcr Anton Wortmann nach dem alten Ge- 
mälde auf Leinwand übertragen und mit hochdeutschen Versen von Nathanael Schlot, 
versehen.) Auf dem Revaler Bilde sieht man zunächst den Priester auf der Kanzel 
an deren Fuss der Tud sitzt und auf einem Dudelsack zum Tanz aufspielt. Dann 


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			75 


beginnt der grausige Reigen, den der Papst eröffnet. Ihm folgen der Kaiser, die 
Kaiserin, der Kardinal, der König, jeder von einem, mit einem Laken tlleilweise um- 
hüllten Skelett geführt. Die begleitenden Strophen beginnen mit der Anrede des Pre- 
digers auf der Kanzel, die der Lübecker Todtentanz nicht mehr besitzt. Dieser folgt die 
Anrede des Todes, an alle Sterblichen und daran reihen sich seine Ansprachen an 
die einzelnen vun ihm Geführten, abwechselnd mit den Antworten dieser. (Ueber 
den alten Lübecker und Revaler Todtentanz, sowie über die TodtenUinze überhaupt, 
vergl. \V. Seclmann im Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, 
Jahrgang 1891, XVII, S. 1-80.) Die Schriftzeichen des Todtentanzes sind in schwarzer 
Farbe ausgeführte, oft recht verschnörkelte gothische Minuskeln und grosse Anfangs- 
buchstaben in rother Farbe. Die beim Abdruck des Textes eingeschobenen Ueber- 
schriften und die Interpunktion sind auf dem Uriginal natürlich nicht vorhanden, 


(Der Prediger:) 
Oeh redtlike cnaluer,'/y arm ofle r)'ke, 
Seel h)'r dal fpee/tl, junck ullde oldm, 
F1lde dencktl hyr an ok tlkerlike, 
Dal fik hyr 1ltmant kan onlholden, 
IVanllur de doet kumpt, als jy hyr fun. 
Hebbe wi dm vele gudes ghedaen. 
So moghe wi wifen myl gode un, 
IV)' molen van allm 10m lmtjaen. 
Unde, lieven kynder, ik will ju radm, 
Dal gi ju'lt1e fcapeken verleide nichl, 
.lfm gude exempel m opladen, 
Eer ju de dotl sus meile bilich!. 


(Der Tod an Alle:) 
To dusfm danIfe rope ik algemme, 
Pawes, keistr unde alle crealuren, 
Arm ryke, groel unde kleine, 
Trede/ vor/, wen/ ju en he/pel nen Irunn! 
.t[m dmcktt wol in aller Iyd, 
Dal gy gude werke myl jll britlgm 
[Tnde juwer sundm werden ljuyd, 
IVm/ gy molm na myner pypm fPringm. 


(Der Tod an den P.tpst:) 
Her pawes, du byjl hogesl nu, 
Dan
fe 711Y voer, ik unde du! 
AI heveslu in l{{ldes flede flam, 
Em erdesch vader, en :ullde weniicheil 
lmtjam 
Van al der 711erll, du mojl 111)' 
V{llghm linde 7i'frdm als ik./Y. 
P-I'll l{lsenl unde billdml dal was vajl, 
Der hoechei/ werslu nu un gajl. 


(Der Papst:) 
Och hen goi, was is min bate, 
Al was ik hoch gewesm ill flatt 
Unde ik allohan/ moel werdm 
Gtlik als du un flim der erdm! 
1I[i mach hocheil 110ch rickheil baien, 
Wenle al dink m{ll ik nalalen. 
Nemtt hir exempel, de no mi fitl 
Pawes, aife ik was mine lil. 


(Der Tod an den Papst, alsdann an den Kaiser, 
unlellbar bill auf die letzte Strophe:) 
Her keiser, wi molen dansen. 


(Der KaisE'r':) 
o dOI, du Itllike jigun, 
Voranderl my alle myne nallun. 
Ik was mechlig unde rike, 
Hogest van machle funder gelike, 
Koninge, voiflen unde henn 
1Ifojlm my nigm unde erm, 
No kumslll, vrifelike forme, 
Van mi 10 maken fpise der wonne. 


(Der Tod an den K.tiser, dann an die Kaiserin:) 
Du wersl gekoren, -70il dal 7Jrodm!- 
To bifchermm ullde 10 behoden 
Dehil
nk"kenmrkeryknheu 
.I/jo/ deme fwerde der rechlicheit. 
.l[en h07'ardie heft di 710rblenl, 
Du heffl di fuh1m nicht gekeni, 
Ifine kumfle 7£'as nichl in ditlel1l finne. 
(zur Kaiserin:) 
Du, ker nu her, /r01ll keiserinne.
		

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			(Die Kaiserin:) 
lck wel, tny menl de doel! 
Was ick ny vOr1/erl so grol! 
lk 11lende, he fi nichl al bi finne, 
Bin ik doch junck und ok eine keiferil/1le. 
Ik 111mde, ik hedde ve/e machl, 
Vp e1/l hebbe ik try gedachl 
Of/e dal jemenl dede legm 1/Ii. 
Och, lai lIli noch leven, des bidde ik di. 


(Der Tod an die Kaiserin, uann an den 
Kardinal:) 
Keiseritme hoch ver11leten, 
Aly dUtlCket, du hljl m)'ner z'orghetm. 
Tred h)'r an! il is nu de I)'t. 
Du mmdfjl, ik folde di fche/dm quil? 
Nm! al werstu noch fo z'de, 
Du 11Iojl tnyl to desfem JPde 
{'tIde gi anderen alto male. 
(zum K.udinal:) 
/1011 an, volge my, her kardmale. 


(Der Kardinal:) 
Ollifarme m)'ner, hen, fall fchm 
lk kall di nie genfins enlflet/. 
Se ik vore ef/er achter l1ry. 
lk vole den dot l1ry al tyl by. 
JVal mach de hoge faet (flaet) tn)' baten, 
Den ik bifal? ik mol C1l lalm 
Vtlde werden unwerd
l{er 10 jhml. 
IVen en unreitlt jlitlckmde hunt. 


76 


(Der Tod an den Kardinal und dann an den König:) 
Du wens! van jlale gehRe 
£n apo/lel godes up ertryke, 
L mme den kerften loven 10 jlerken 
JE.)'I worden unde anderen dogenifaml/1m 
werken. 
jJfcn du hljl11lil groler hovardichil 
l p dillen ho gen perden reden, 
Des 1Ilusllt forgen nu de mere! 
(znm König:) 
Nu Irelok vorl her, koningck hen! 


. 


(Der König:) 
o do
, dyne JPrake heft 111)' vOr1'erl! 
Dussm dans en hebb ik tlichl gelerl! 
lIerlogm, rydder und kllechle 
Dngen *) (?) zJor 111)' durbar gerichte 
lmde lwelick hodde fick de worde 
To ftrekende, de iek node horde. 
Nu koms lu un7lorfmlik 
Unde berol'fjl my al m)'ll ryk. 


(Ocr Tod an den König, dann an den Bischof:) 
Al dyne danken hestu geleyt 
Na werliker herliehe)'t. 
JVal balet? du mojl in dm flik, 
Werden gifehapm IIl)'n gdik. 
Recht gewent UJlde vorkeren 
Hestu /Inder dy laien reigeruI, 
Dell arlllell nie gelle leed want! 
(zum Bischof: 
I/er bischop, llIt holt all de halll! 


*) IV. Seelmal/II Bchliigt .I a ge.l e" /:0,'; v. J/twsen lieBt da 9 e 11. 


Tm Jahre 1603, zur Zeit des Kirchenvorstehers Engel tür Borch, der das Amt 
von 1587-1603 beJ..leidete, arbeitet Thomas der Schnitzer an dem Todtent.tnz; (nach 
einer DcnkclLudmachricht von Johst Dunten dem jüngeren). Vielleicht bezog sich 
diese Arbeit auf Jie !{ep.If	
			

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77 


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In der Sakristei befinoen sich zwei Oelhilder auf Holz vnn mässiger Griisse, 
scheinbar Reste früherer Epitaphe, beide der letzten H
i1fte des 17, Jahrhunderts an- 
g-ehörend. Das erste eine Dar
tellung der Frauen und der Engel am Grabe Christi; 
das zweite Christus am Kreuz; in der Luft der Kampf der Engel mit Tod und 
Teufel. Zur Seite des Kreuzes ein knieender Mann in schwarzem Talar und TeIler- 
krause und eine knieende schwarz gekleidete Frau mit weisser SchÜrze, wcissem 
Busentuch und hoher schwarzer PelzrnÜtze. Beide Bilder von leidlich guter AusfÜhrung. 
Gemälde an den Emporen. Im nördlichen Seitenschiff sind zwei Emporen 
errichtet, die sich beide an den Wänden des Kapellenraumes neben dem Nordschiff 
fortsetzen. Die BrÜstungen dieser Emporen sind durch gesl:hnitzte Hermen in ein- 
zelne Felder zerlegt, deren jedes mit einem Gemälde geziert ist. An dem Friese der 
westlichen Empore, Über den Hermenpilastern, liest man die Worte des Glaubens- 
oekenntnisses in lateinischer Sprache. Der Anfang desselben ist durch den neuer- 
dings bewerkstelligten Einbau einer Treppe zur Orgelempore zerstört; es fehlen die 
eingeJ..Iammerten Worte: [CREDO IN DEUM PATREM, CRE]ATOREM COELI ET 
TERRAE etc. Am Schlusse befindet sich die Jahreszahl 

. Auf den einzelnen Fel- 
dern sind in Oelfarbe die Gestalten der Evangelisten, der Apostel, Christi und der 
christlkhen Tugenden gemalt. \V;ihrend jene in einer konventionell aufgefassten Dar- 
stellung erscheinen, der aber eine gewisse \VÜrde nicht abgesprochen werden 1.ann, 
auch eine geÜbtere Hand verrathen, hat sich der augenscheinlich sehr realistisch 
veranlagte Maler der christlichen Tugenden miiglichster Deutlichkeit zu befteissigen 
gesucht. Zu jedem Bilde befindet sich der Namc des Dargestellten am Sockel friese 
der Empore. Von Osten beginnend folgen einander nach den Inschriften: St, An- 
dreas, St. Johannes, St. Philippus, St. Bartholomäus, St. Thomas, St. Mat- 
thias, St. Matthäus, St. Si mon, St. Jacobus minor, St. Judas, St. Paulus, 
Salvator mundi, St. Matthäus, der EvangeI., St. Marcus, der Evangeliste, 
der Glaube (eine weibliche Gestalt, das Kreuz kÜssend), die Hoffnung (eine sich 
auf einen Anker stÜtzende weibliche Gestalt), die Liebe (eine Frau, ein Kind im 
Arm tragend), die Gerechtikeit (eine weibliche Gestalt mit Waage und Schwert), 
die Forsichtikeit (eine weibliche Gestalt mit tastend nach vorn ausgestreckten 
Armf'n), die Sterke (ein geharnischter Ritter, der eine Riesen1.anne schwenkt). 
Sn weit die Empore sich in den Kapellenraum hineinzieht, lehnt sie sich mit 
einer grossen Vnute an die Mauer. Die Mitte dieser Voute nimmt ein Gemälde der 
Auffindung Mosis ein, das ebenfalls der Hand des "Meisters der christlichen 
Tugenden" zu entstammen scheint, ebenso wie die Gemälde an der BrÜstung und 
der V oute der gegenÜberliegenden Empore, deren Auffassung mit der Handwerks- 
mässigkeit der AusfÜhrung gleichen Schritt hält. Die Gemälde an dieser Empore 
bilden einen Cyklus von zwölf Darstellungen aus der Geschichte Jakobs. Jedes Bild 
wird durch einen Vers mit moralisirender Nutzanwendung am 
ockelfriese der BrÜstung 
begleitet. Der Maler hat seine Figuren in die Trachten seiner Zeit - Mitte des 
( 7. Jahrhunderts - gekleidet und lässt Jakob zum Beispiel in der Tracht eines Re- 
valer Rdthsherrn mit Mantel, TeIlerkrause und Schlapphut erscheinen, wodurch sich 
im Verein mit den die Scene erläuternden Versen oft eine unfreiwillige Komik ent- 
wickelt. Beginnend an der östlichen KapeIle sieht man: 
I. in der Mitte eines nach links hin offenen Raumes einen mit einem Laken 
bedeckten Tisch; auf demselben mehrere SchÜsseln, eine Kanne und ein Brod. 
Hinter dem Tische Jakob, begleitet von drei Hunden, im Begriff, dem von links 


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			78 


nahenden Esau entgegen zu schreiten und ihn zur Einnahme des Linsengerichts auf- 
zufordern. Darunter die Worte: 
Schau wie der Esau hier die Erstgeburt vertausche/, 
Um eine Lust, die schnell alsz eine Flut zIerrauschet. Gm. XXfJ: v. 34. 
2, Inneres eines grossen Wohngemachs mit Durchblick links in eine Land- 
schaft; im Hintergrunde eriiffnet sich ein Einblick in ein zweites Gemach. Rechts 
im Vordergrund kniet Jakob vor Isaak; in der Mitte des Zimmers Rebekka an einem 
Tische der Scene zuschauend. 
Der fromme facob krig/ des Vaters reichen Segen. 
Was Gott in Gnaden (fehlt das Verbum), da kml kein 11lmsch entgegen. 
Gen. XX17I. v. 26. 
3. Am Ufer eines breiten Stromes, in dessen Mitte eine bewaldete und zum 
Theil bebaute Insel liegt, ruht Jakob. Von links steigt auf der Himmelsleiter die 
Engelschaar zu ihm hernieder. 
Der facob siht im Traum dm .Ilimme! sperrweit offin; 
1Ver Gott mit FÜrchten Liebt, kan nichts denn Gutes hoffen. Gm. XX 17lI. V.12. 
4. Eine freie Landschaft mit einer befestigten Stadt im Hintergrunde, die von 
einer Burg überragt wird. Rechts Jakob, dem ein Diener einen Pelz reicht. Er 
weist mit der Hand auf die mit einer Schafheerde nahende Rahe!. 
Die Rahe! bänkt das Vieh, dm Stein der facob hebet. 
Kein Arbeit bl'ingt Verd1Uss, wo Lib im .Ilerzen schwebet. Gen. XXIX. Z'. 10. 
5. Labans und Jakobs Unterredung am Ufer eines Flusses. Jenseits desselben 
Im Hintergrunde, ein Gehöft mit einem Hirten und einer Schafheerde. 
Der Lahmt dingt alIMI', was facoh se}' zu geben. 
JVer Gott z.ertraut hat schon, was ihm nütz ist zum Leben. Gen. XXIX. v. 15. 


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6. Jakob die Heerden des Laban weidend. 
Das buntgesprengte Vieh kriegt facoh aus der drencke, 
So kriegt ein fder noch von Gott die Libsgeschencke. 
7. Jakobs Kampf mit dem Engel (das bestgelungenste 
Wie taPfer, wie geschwind ist facob hir im Ringen. 
Wer stl'h hält fest a1l Gott, der kan se!hst Gott bezwingen. Gen. XXXII. v. 24. 
8. Im Hintergrunde zwischen schnee bedeckten Bergen eine Stadt; im V order- 
grunde die Begegnung Jakobs mit Esau. 
J1'olt auch dein Esau dich im Grimm und Zorn verschlingen, 
So gib Du nur Ihm nach, die Demut kan Ihm zwingm. Gen. XXXIII. v. 3. 
9. Jakobs Heimkehr und Dankopfer. 
/Iir dankt ich meinem Gott nach meiner langen Reise. 
Du auch mein Reisgesell den höchsten mit mir preise. Gm. XXXIfI. v.20. 
10. Sommerliche Landschaft von Bergen umsäumt; im Vordergrunde ein Hirt. 
Rechts schreitet ein M,mn über eine Brücke im einem Hause vorüber, wahrschein- 
lich die Trennung der Brüder nach ihrer Versöhnung darstellend. 
Dein Name ruf Ich an, Gott der mich beschützm kann. Gm. XXXIII. v. 20. 
I I. An der Voute der Empore zum Schifi hin sieht man Jakobs Reise nach 
Egypten dargestellt. Die Landschaft stellt einen rechts von Wald begrenzten Land- 
weg dar; im Vordergrunde ein grösserer Baum, um den sich ein sandiger Weg aus 
dem Mittelgrunde nach vorn zieht. ],lkob sitzt in einer mit vier Pferden bespannten 
Kutsche, die fast das Aussehen eines modernen Coupes hat, und sieht zum Fenster 
hinaus. Vor und hinter dem Wagen seine Begleiter. 


Gen. XXx. v. 38, 
Bild). 


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			79 


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facob zu dem foseph reist, 
Der Ihn in der Theurung speist. 
Eines frommen Vaters Kind 
Ueberall sein Brodt gewinnt, 
12. An der Voute zur Kapelle hin befindet sich das Schlussbild, das Leichen- 
begängniss Jakobs darstellend. Der Zug naht von links aus dem Hintergrunde. Auf 
einem schwarzbehangenen, von Pferden gezogenen Leichenwagen steht der dunkle 
Sarg, der in weisser Farbe den Namen "Jacob" trägt. Ihm folgt ein langer Zug ernst 
dreinschauender Männer in schwarzen l\Htnteln. Tellerkrausen und Schlapphüten. Im 
Vordergrunde sieht man die "zwiefache Höhle des Ackers, die Abraham erkauft 
hatte" und in derselben zwei Särge, die in weisser Aufschrift die Namen "Abraham" 
und "Isaak" tragen. Vor der Höhle sind zwei Männer mit dem Ausschaufeln einer 
Grube beschäftigt. 


facob endlich komt zur Ruh, 
Alsz er schleusst die Augm zu. 
Unsre Ruh wird gleichfalls .reyn 
Unter unserm Leichenstein. Gen. L. 7J. 13, 
(Eine Beschreibung der Bilder auch im Inland, Jahrg. 1841 Nr. 36.) 
Die Kanzel ist eine Stiftung des schwedischen Statthalters von Kaporje und 
Ingermannland Bogilaus v. Rosen, der sie 1624 aufstellen liess. Sie ist aus Holz in 
den Formen reichster Spätrenaissance geschnitzt (Figur 44). Der Kanzelrumpf erhebt 
sich über einem achteckigen Pfeiler, dessen Flächen mit je drei über einander 
stehenden Hermen besetzt sind. Die Ecken der Brüstung sind durch Säulen mit 
reich dekorirten Schäften geziert. Zwischen ihnen sind portalartige, von Hermen, die 
oft als hockende Genien gebildet sind, beseitete und mit Giebeln überdachte Felder 
eingefügt, deren Mitte gemalte biblische Scenen einnehmen. Aehnlich entwickelt sich 
die Brüstung der Kanzeltreppe, deren Zugang eine reich geschnitzte, von Säulen 
ftankirte Thür bildet (Figur 45). Der seckseckige Schalldeckel stützt sich an dem 
Arkadenpfeiler auf zwei Konsolen, die als geflügelte Chimären gebildet sind und baut 
sich in zwei von Säulen getragenen Stockwerken auf. Zwischen den Säulen und an 
den Ecken des Unterbaues die Gestalten der Apostel und Evangelisten. Ueber dem 
Gesims des ersten Stockwerks geflügelte Engelfigürchen. Den oberen Abschluss bildet 
ein sich die Brust öffnender Pelikan. Die Malereien sind eine schwache hand- 
werksmässige Leistung und stehen gegen die Schnitzarbeit bedeutend zurück. Ihr 
Verfertiger wird der Revaler Maler Daniel Biome sein, der sich auf einem der 
Bilder inschriftlich gel1dnnt hat. Es gab um diese Zeit im Amte der "Maler und 
Conterfaiter" mehrere Maler dieses Namens. Vom Aufgang zur Kanzel beginnend 
sieht man am Aeussercll der Treppenbrüstung zunächst die VerkUndigung, 2. die Geburt 
Christi, 3. die Beschneidung; am Kanzelrumpfe dann 4. die Anbetung der Könige, 
5. Mariä Opfer, 6. die Flucht nach Egypten, 7. Christus unter den Schriftgelehrten, 
8. die Auferstehung, 9, die Himmelfahrt; am Pfeiler endlich 10. die Ausgiessung des 
heil. Geistes. In dem aufgeschlagenen Buche, das einer der Apostel im Vordergrunde 
auf den Knien hält, liest man: Vnd seh warn alle föll des heiligen Geistes. anno do_ 
mini 1624. Daniel Biome. - Am Friese des Schalldeckels stehen die \Vorte: Rujje 
ge/rost, schone nickt, erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinen Volck 
ihr Uebntre/en Imd dem /laus facob ihre SÜnde. Am Friese des ersten Aufbaues: 
Gehorchet ewrell Lehrem und folget ihnen, denn sie wachen Über ewere Seelen, als die da 
Rechenschaji dafür gebell sollen. - U eber der Attika der KanzeIthür ist das Rosen'sche 


Darunter: 



 
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Wappen in einem ovalen Lorbeerkranz, von V
)luten gestützt, angebracht (g. Löwe in 
131., von 3 s. Ro<;cn begleitet); in zwei Feldern der Attika die Wappen der heiden 
Frauen des Stifters, links das der l Maria Molkenbur (Eber vor einem Baum, H. 
3 Aehren)*), rechts das der Magdalena Stampehl (Arm mit einer Blume in der 


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FilI. 44. Kanzel der Nikolaikirche. 


Hand, H. Blume zwischen einem Adlerflug). - Am Friese über der Thür die In- 
schrift: Der Iferr hehilte deillen Aus- ulld Ei/lgallg VOll 111111 a/l his iu Ewigkeit. In 
den beiden Füllungen der Thür ein segnender Christus und eine symbolische Dar- 
!>tellun
 der Besiegung des Todes durch den Glauben an Christum. Zu bedauern 
ist, dass einJ:elne Theile der Kanzel und der Kanzelthür von unberufener Hand mit 
Oelfarbe in schlechter Marmorimitation überstrichen sind, 


. 


*) Sie war die Tochter des Bruders gr, Gilde Peter Molkenbur, 
ebürtig aus Westfalen, 
und starb 1621. Die zweite Frau war die Tochter des Rathsherrn Joh. Starnpehl und starh 1654,
		

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An der Westseite des Kanzelpfeilers befindet sich eine gemalte Tafel in der 
Form pines kleinen Epitaphs. Zwei S:il1len mit sehr zierlich ornamentirten Schaften 


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Fii. 45. Thür zur Konzel,reppe. 


vun Adlerkonsolen getragen, stützen ein Gesims in der Form desjenigen des Schall- 
deckels. U eber dem Gesims erhebt sich ein Volutengiebel, überragt von emem 
segnenden Christus. In der Mitte des Giebels ein feiner Porträtkopf, zu beiden 
NOTT8RCK & NRUMANt	
			

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Seiten Engelgestalten. Das Gemälde zwischen den Säulen stellt den Gekreuzigten 
dar, rechts Marid und Johannes, links der knie ende Donator im schwarzen Mantel 
mit Tellf'rkrause. Im Hintergrunde eine mit sechs Rundthürmen befestigte Burg, 
wahrscheinlich die Burg Kaporje in Ingermannland. Unterhalb des Bildes eine In- 
schrifttafel: A" 1624, d. 17. lJ-fay Hat der Edele Gestrenge vnd lJ-lanhaffte 11. Bugislaus 
Rosen zu Kaltenbrunn und Rosenhagen Elbgesessen dise Kmltzel zu Gottes Ehre1l ,SetZe1l 
vnd auf Richtm lassen, Darunter in dem mit der Kanzelbrüstung korrespondirenden 
Friese die Worte: 
oli Deo Glona. 
ORGEL. Die Orgel ist neu und noch im Jethre 1895 von der Firma Walcker 
in Llldwigsburg umgebaut worden. 
WAPPEN UND EPITAPHE. Einen Reichthum an Wappen und Epi- 
taphen, wie ihn die Domkirche besitzt, hat sich auch die Nikol,tikirche bewahrt. 
Während in jener aber die '
appen ausschliesslich aus der Zeit nach dem Brande 
von 1684 d,ltiren, finden sich hier noch einige Stücke aus früherer Zeit. Leider ist 
man mit den :lIteren Wappen und Holzepitaphen nicht sehr "änftlich umgegangen; 
die schon etwas schadhaft gewordenen wurden auf den Kirchen boden verwiesen, um 
von hier schliesslich in die H:lnde eines Kunstliebhabers nach Deutschland zu wandern. 


A. Du '
APPEN UND EPITAPHE IN DER ANTONIUSKAPELLb. 
a) An der Ostwand. 
I. Ein Epitaph, dessen Untertheil mit der Inschrifttafel abgebrochen ist. In 
einem, von einem Lorbeerkranze umrahmten Uval ein Oelgemalde von anf'rkennens- 
wertner AusfÜhrung. Links kniet ein l\Iann in schwarzem Mantel und weisser Tcller- 
krause; zu seinen FÜssen ein Barett, eine silberne Kette mit l\Iedaille und ein Gebet- 
buch. Ihm gegenÜber drei weibliche knieende Gestalten. Zwischen der Gruppe 
erscheint im Hintergrunde der gefesselte Christus mit dem Rohrstab in der Rechten, 
geleitet von zwei Engeln, die die Marterwerkzeuge tragen. U eber diesem Bilde is 
in einf'm kleineren Breituval ein zweites Gemälde angebracht, der trauernde Hiab 
von den Seinen getröstet. Neben diesem Bilde zwei Wappen mit abgebrochener 
Helmzier; links ein Vogel auf einem Ast (Rabe?), rechts eine gestengelte Lilie von je 
einem BlÜtenzweig begleitet. Unter der Hauptdarstellung eine kleine von geflÜgelten 
Engelsköpfen gestÜtzte Tafel mit der Inchrift: Ich Weiss, dass mein Erlöser lehbet. .loh. 19. 
2. Rest eines gemalten Epitaphs ohne Inschrifitafel. Auf dem Bilde im V order- 
grunde links ein betender Mann in dunkler ritterlicher Haustracht des 17. Jahrhunderts. 
Zu seinen FÜssen Panzer, Helm und Eisenhandschuhe. Ihm gegenüber zwei weib- 
liche knieende Gestalten, eine ältere und eine jÜngere. Ueber der Gruppe schwebt 
ein Engel mit Kronen in den Händen. Im Hintergrunde baut sich eine breite Ter- 
rasse auf, über die hinweg der Blick auf eine mit einer Burg bestandene Höhe und 
in ein
 sommerliche Landschaft fällt. Am Fusse der Terrasse links ein weidendes 
Pferd, rechts eine Schafheerde. Die Malerei ist sehr geschickt ausgeführt und lässt 
auf einen unter holl:tndischem Einfluss gebildeten Künstler schliessen. 
3. Wappen des schwedischen Rittmeisters "in des Obersten Berend Mellin Regiment 
Tuw von Sdltza, Erbherrn auf Lechtis, geb. 23. Juni 1641, gest. 22. August 1702". 
b) An der Nordwand. 
4. Hölzernes Epitaph mit Gemälde. Der Rahmen wird von zwei kurinthi- 
sirenden Säulen tlankirt, die ein fein profilirtes Gebälk tragen. Am Friese desselben 
die Inschrift: Das ist gewisslich wahr und ein tewres werthes rVort, dass Chnstus .fesus 
/wmlnm 1st in die Helt, als um die Sünder selig zu Inachm. Im V urdergrund p des 


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Bildes kniet ein Mann in dunkler Tracht vor dem Gekreuzigten. Im Hintergrunde 
links Adam und Eva unter dem Baume der Erkenntniss; weiter zurück die Aus- 
treibung aus dem Paradiese. Die Inschrifttafel ist in der Mitte getheilt und trägt links 
die Worte: 1625 d. 30 Ol/obris ist die Viel Ehr 7fnd Tugendrrirhe Fraw Anna Brü!:{:r- 
mallS Seligen lIerrn fohnnn Jliillers weiland/ Rah/e.HJI'nl'al/d/er der Königl. ."',ad' .\'a17,'a 
hilI/erlassene ir'i//ibe sanft lInd Selig in den Hu-ren en/schlaffen deren Sehlen (;0// 
lIedich 
sr;. Rechts: AI/1lo 1614 den 6 "Jlarty IVachmillags 11mb 2 Vhr starb der Ehlbar v1ld 
vOll1ehml' Geselle Dietrich .llb1ler seiTles Alters Im 30 le
 fahre. De1/l Go// glIedich sey. 
5. Wappen des Mannrichters Hochgreff, Erbgesessenen auf Hüer und 
DrögermÖhlen, gest. 76 Jahr alt. (Daten unleserlich.) Das Wappen bildet eine g. 
Krone mit zwei schw. heraustlatternden Bändern in
. Cnter der Krone eine schrage 
schw. Wolfsangel zwischen zwei aufrecht stehenden. H. drei schwaugestielte s. Federn 
mit je einer r, Kugel belegt. (Das Wappen befindet sich über einem im Fussboden 
liegenden Schrapfer-Hochgreve'schen Leichenstein, dessen Wappen figuren mit dem 
beschriebenen nicht ganz übereinstimmen. S. d. Beschr. des Steines N. 77). 
6. Wappen des Kgl. schwed. Majors zu Fuss und Landraths des Herzogthullls 
Estland Alexander v. Essen, E;-bherrn auf ürgisal und Nauckschen, gest. I. Ok- 
toher I 664, seine" Alters 69 Jahre, 9 Monate, 22 Tage. 
7. Darunter das kleinere Wappen des Kgl. schwed. Rittmeisters Jürgen \'. 
Essen, Erbgesessenen auf Norsren, gest. 23. Juni 1653, 
8. Rechts von diesem das grössere Wappen des Landraths Gotthard Wil- 
hel m v. Essen, Erbherrn auf Tecknal und Tois, geb.lo. N ov. 1676, gest. 24. Aug. 1730. 
Neben diesem Wappen hängt eine Fahne und eine eiserne Halbrüstung (Plattenharnisch). 
9. Unter Nr. 8 dds kleinere W,lppen des Lieutenants . . . . .. v. Essen, gl'b. 
22. CJktober 1667, gest. 1689, seines Alters 22 Jahre, 9 MOIldte, 10 Tage. 


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c) An der Westwand (über dem Todtentanz). 
10. Wappen eines Herrn v. Eberschildt. Gesp. Schild; rechts ein halber 
schw. Adler in G., links ein yor einem belaubten Baum stehender Eber in BI. H. 
ein wachsender Eber, der einen b. goldbesäumten Schild mit einer in der Mitte be- 
findlichen g. Marke hält. Unterschrift:. _ Alanm 1 tS/er Herr (Adolf) Eberschi"'/ 
Ihr Kon;gl Afaj . . . . . . zu Afoskau hoch . . . . _ _ (Der Verstorbene war Kgl. schwed. 
Resident in Moskau und starb 1684 in Reval.) 
B. DIF \VAPPRN UND EPITAPHE IN DER KIRCHE. 
a) U eber der Thür zur Antoniuskapelle. 
". Wappen des Kgl. schwed. Obristlieutenants Pa ul J 0 h a n n B rem e n, geb. 
5. Febr. 1592, gest. 16. Dezember 1636. Das schiin erhaltene Wap:;en zeigt drei 
mit einem r. Querbalken belegte s. Schlüssel in G. 


Ahnen wappen. 
Links. 1. N. Bremen. 2. Hinrich Taube. 3 E. ]ohann DUcker. 4. Margareta Stael (8 r. 
Kugeln in S.). 5. Arendt Kursei. 6. Gerdrut Dönhoff. 7. Franz Scharenberg. 8. Anna 
Mecks (statt l1.'eschacht 4 s, Rauten in schw. Schildesfuss). 
Rechts: 1. zerstört. 2. M. Mccks (Fircks'sches Wappen). 3. Hanna Douglas. 4. Wilhelm 
Hurtt (in BI. ein s. Kranz mit 4 r. Rosen, VOll unten durchstochen von einem s. Schwert 
mit g. Griff. H. ein aufrecht stehendes Schwert zwischen 2 s. Straussfedem, Hd. schw. u. s.) 
5. Magdalena BUtzke (S. von einem r. \.,!uerbalken getheiltcr Schild, oben und unten je 
6* 



 


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..in laufender Fuchs, H. 3 in Rosen befestigte Kneb..Jspiesse [das Kleist'sehe W.1. Hd. 
.ehw. und g.). 6. Anton Rexin (ein ob..n r., unten g. Drach.. in Schw.. H. 3 [2. 11 s. 
Sterne, Hd. sehw. und g.), 7. Margaretha Blanhenburg- (S. Widderkopf in Schw., H. ('in 
seine JunJ{en fütternder Pelikan, Hd sehw. und s.I, 8. Hans v. Witt (steigender schw. 
Wolf in G.. H. desgl.. Hd. r. und g.) 


b) Siidwand, 
13. Kleines Wappen der 
Familie v. D e h n ohne In- 
schrift. 
14. Kalksteinepitaph der 
Familien von Wehren und 
Möller (Fig. 46) (mehrmal" 
renovirt; zuletzt inschriftlich 
1833 von Wilh. Heim. v. Weh- 
ren). Das Hauptbild. umrahmt 
von jonischen kannelirten Pi- 
lastern zeigt links drei männ- 
liche, rechts drei weibliche Per- 
sonen 1Il deI Tracht des 17. 
Jahrh., knieend vor dem Ge- 
kreuzigten zwischen Maria und 
.1ohannes. Im Hintergrunde 
eine befestigte Stadt. Zu bei- 
den Seiten des Kreuzes in 
goldenen erhabenen Buch- 
staben : Das Bltllh Jhuu 
Christi mache! uns rein VOll 
alÜr Siinde. I. Joh. I. 7. Unter- 
halb des Reliefs ein Fries mit 
den Wappen der Familien 
MÜller (Dreiblatt in einem 
MühlenralI, II. Oreibldtt), Busch (2 gestielte Rosen zwischen drei Bäumen, H. ein 
wachsemkr Mann mit 2 Rosen in den Händen), Weh re n (Gesp. Schild, rechts 
halber Adler, links 3 Rosen, H. wachsender Greif) und Dellingshausen (W. und 
H. Säule). Darunter die Inschrift: AO 1599 DEN 15. SEPTEM. STA RFF DER 



 


FiS. 
6. 


EpitAph der F3milien v. Wehren und Mnller. 


... 


Neben dem Wappen eme 
Fahne des Bremen, ein ver- 
gollleter Spangenhclm, desgl. 
Handschuhe und Sporen. 
12. Rechts davon das 
fast viillig unleserlich gewordene 
Epitaph des Magisters Gott- 
fr i e d S p e c h t , Pastors zu 
St. Nikolaus. Auf reich skulp- 
tirteln Unterbau zwei ein Ge- 
hälk tragende Säulen. Im oberen 

 Abschluss das Bildniss lies Ver- 
storbenen. 


o
		

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			- 


85 


. 


ERBAR (JND VORNEME AN rONIl'S VON DEM BUSCH. SI
ES .\LTERS 
74 JAER. 
AO 16.,DEN ..STARFF DIE FRBARE VND VEEL DVGENTSAME GER- 
DRVT VON WERNE WEILAND ANTONI VON DEM BVSCH ELIGE HAVSFRAW, 
DER SELEN GODT GNEDICH SY. AMEN ,-9
 AE SVAI!: ,. (Sie wurde dm 6. Jan. 
J 61
 begraben.) 
Ao 1608 DE 7 FEBRUA: STARF DE E RB. VOERN. HANS MOELI.EH. 
AO 1607 DE 5 FEBRVA STARF DE ERH: VND DVGE N! MARGHETA 
VO DEN BVSCH HANS MOELLERS ELIGE HVSFRAV. .'E. SV.E. 
AO 1601 DE 22 M A Y STAR F DE ERB. VN D DVE(;ENT GE R DT K EN VO 
I>E BVSCH CASP. DELLINCK: ELIGE HVSFRAV .E. SV.£ 26. DER SEELEN 
GOUT GNEDICH S\". AMEN, 
15. Wappen des Herzogs Friedrich .\ugust v. Holstein-Beck, Estländischen 
Generalgouverneurs, des heil. römischen Reiches FÜrsten, Erben olU Norwegen, oll! 

chweden und Ditmarschen, Herzogs zu Schleswig- Holstein-Reck, Kaiserl. Russi.,chen 
Feldmarschalls, geb. 7. Deolember 1695, gest. 25. Februar 1775. (S.GrabmaIS. 70). 
16. \Vappen der Familie v. Knorring. Inschrift zerstört. 
17. Gustav Friedrich v. Buxhiiwden, Kgl. schwed. Lieutenant und Assessor 
des Wiek 'sehen Manngerichts, geh. 5. Aug. 1653, gest. in Stockholm 7. Okt. 1690. 
18. Auf Leinwand gemaltes Epitaph des Pastors der St. Nikolaikirche J 0 h ,I n n 
Hob i n g. Es stellt dcn Entschlafenen in seinem Bette liegend dar. Der Kopf ist 
von einer weissen Kappe bedeckt. Links am Bettende ein Crucilixus. Den gnisstcn 
Theil des nicht gerade kÜnstlerisch feinsinnig dusgefÜhrten Bildes nimmt die lateinische 
I nschrift ein. Sie lautet: 
Epilaphiu/1/ ornalissimi ?Iiri domilli .lohanis Hobingii, pIlsloris uc/esial' Rf1 l alimsis 
ml S. NicolaulIl 7'igilalllissil1li, '1ui deussi/ ex hac aebul1lllosa 7'i/" ill 7'era agl1itione 
t/ ;'17I0CaciOllc filij Dd al11l0 domilli Zt'iS l'l07le/1/b. die 25. at/llfis sltae 3 6 
ra/ria dives agris, pecoris Cosfddia dives 
Es/ mihi, TVestPhalica portio pm va soli. 
Amlis qltimlaies un/um Sfp/e1ll'1ue peracti.f, 
At'1/le /ribus lus/ris sum J(mitore sat/lS, 
Lustra mcae sep/em 71itae pit/a/is ad USIt/1/ 
Applicui studijs immoriorque bOllis. 
J
:T studij.f dukem frllc/lI111 pro gra/la Christo 
.1Fa,({na Philippe /ibi, magl1tl .....f/bÜte /iM, "') 
Ar/ibuJ il1){ffll/is satis exorllllluS ad urbem 
Elanc saur aausi mijs/ll 7JOCallle D,'o. 
P'IS/Or ill hac docui Christum pius aede sacr"t" 
Tres {limOS, lus/rum presbJ'/o- allte fui. 
Elo'1uw darlls soli/lIs SIl111 fulmille legis 
Fraflgere /erribili nescill (Orda Dei, 
Hlo'1uio praes/alls allimis sua crimilla fassiJ 
Salvijicas Christi 1lUllcio delicias. 
Expers conju,({ii 7 l i/am sine crimine dltxi 
]llmqlle thori dedera/ spem 110va spollsa michi. 


.) Philipp Melanchthnn und dessen Schwit"
er
ohn Georg Sdhinu
, R('ktor der l'niver
it"t 
Köni
sberg, sind hier gemeint. 


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			86 


Emmorior dilJar Cnlhllrbrnr IIlCf, quitsco 
In Domino, fadem pan1a labella doal. *) 
Darunter em fliegendes Band mit den Worten: Bl'llli sunl, qui bl Domino 
moriunlur. Apocalyp, 14, 
Zur Linken des Gekreuzigten liest lllan: lIfihi absit I glorinri I/lSl zn I cruce 
domini 1110stri flsu I Christi per que11l ! mihi mundus I crucijixus est I tI ego 11lundo. I 
Gal. 6 (14). 
Sicut lIfoses I exaltmlit serpenlem I in deserto ita I exaltari oportet lfilium hominis 
ut I o11lnis qui eredit I in eum non I perent sed habeat I '[li/am aeternam. I Johan.3 
('[I. 14 u. 15). 
(Eine Beschreibung des Epitaphs und ein Abdruck des TestanlPnts Hobings 
von J. N. Ripke, Inland. Jahrg. 1857. Nr. 34.) 
19. Wappen des Kgl. schwca. Kapitäns Reinhold Poil, Erbherrn auf Colial, 
geb. 4. Oktober 1654, gest. 20. Juli 1685. (BI. querlaufender Strom in G. H., g. u. s. 
Adlerflug, belegt mit je einem Strom). 
20. An ton Philipp v. Saltza, Erbherr ,LUf Laytes, geb. 2. Uktober 161 I, 
gest. 24. Mai 1680. 
Links daneben eine alte Fahne. 


c) Im Chorumgang. 
21. J ohann Mohrenschildt, Kgl. schwed. Lieutenant, gest. seincs Alters 
65 Jahre. (Das Wappen ist aas Mohrenschildt'sche, die H. zeigt aber nicht den Hirsch, 
sondern drei grüne Straussfedern zwischen zwei schw. Büffclhörnern.) 
22. Bernhardt von Koch-Mohrenschilat, Kgl schwed. 
Ross, Erbgesessener duf Karkus (Korbus?), gest. 19. Januar 1657, 


Lieutcnant zu 
seines Alters 


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.) Zu Deutsch: Epitaphium des ausgezeichneten Mannes Herrn Johann Hobing, äusscrst 
thätigen Pastors an der Reval'schen St. Nikolaikirche, der aus dic,em mühseligen Leh..n in auf- 
riehtig-er Erkenntniss und Anrufung des Sohnes Gottes geschied..n ist im Jahre des Herrn 1558 
am 25, November, sein..s Alters im 36ten. 
In Westtalen, da liegt meine Heimath, ein kleines Stück Erde, 
Kosfeld ist sie genannt, reieh doch an Feldern und Vieh. 
Jahre waren dahin fünfzehnhundert und sieben, dazu noch 
Lustra drei an der Zahl, als mich der Vater gezeugt. 
Angewandt hab' ich zur U..bung dcr Gottesfurcht Jahre des Lebens 
Sieben mal fünf und lag ..delen Studien ob. 
Süsse Frucht für Christus erwuchs aus dem Studium, Dank sei 
Dir, Philippus, dafür, Dank sei, Sabinus, auch Dir. 
Als geweiheter Priester, in schönen Künsten bewandert, 
Kam ich in die Stadt, folgend dem Rufe des Herrn. 
Christum hab' ich gelehrt in diesem geheiligten Tempel 
Fromm als Pastor drei Jahr, fünf war ich Presbyter erst. 
An Beredsamkeit gross, durch den drohenden Blitzstrahl des Wortes 
Pfleg-te zu brechen ich wohl Herzen, die Gott nicht erkannt. 
Doch auch rede begabt verkündigte ich den Gemilthern, 
Die ihre Sünden bekannt, Christi errettende Huld. 
Unheweibt zwar führte ich ohnc Flecken d..n Wandel, 
Doch flir's Ehebett gab mir b..reits Hoffnung die Br,mt. 
Am Katharinelllage ich starb, i..h ruhe im I lerren; 
Dieses Täfelchen hier zeiget ein Bildniss von mir. (E. v. No tt b eck) 


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Fig, 47. Nilolailirche. Epit.lph des 13ugislaus v. Ru"cn. 


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42 Jahre. (Dieses Wappen zeigt auch die H, des jetzig-en l\Iohrenschildt'schen W. 
den Hirsch. Vergl. zu Nr. 21 u. 22. E. v. Nottbeck: Die älteren Rathsfamilien 
Revals. Reval 1875 S. 5 I.) 
Daneben eine eiserne Halbrüstung des 17. Jahrhunderts. 
23. Hans Heinrich v. Tiesenhausen, Kgl. schwed. Generalmajor zu Ross 
und Landrath des Herzogthums Esten, Freiherr auf Erla, Borkholm, Tolks, Nevenhoff 
und Pernigel. gest. 2. Juni 1662, seines Alters 70 Jahre. 


d) Im Nordschiff. 
24. Das Epitaph des Statthalters von Kaporje und IlIgt'rmanllland Bugislaus 
Rosen, ein Meisterwerk der Holzschnitzkunst und zugleich ein Pr.Khtstück des Ba- 
wrco (Figur 47). Es ist aus Eichenholz geschnitzt und in einer spitzbogig geschlossmen 
Nische über dem Eingange zur alten Sakristei aufgestellt. Das Gerippe des Auf- 
u,mes bilden vier gewundene mit Laubwerk in den \\'indungen verzierte Säulen mit 
korinthisirenden Kapit:Uen. Die Ranken des Laubwerks halten am Fusse der S:lulen- 
schäfte kleine Putten. Die Säulen stehen auf Konsolen und tragen ein reich pw- 
filirtes Gebalk, das über ihnen verkröpft ist und sich in der Mitte zu einer portal- 
,utigen Verddchung erhebt. An den die S:lulen tragenden Konsolen sind fein ge- 
schnitzte Halbfigürchen angebracht, die als die Personifikationen christlicher TugendeIl, 
des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung und der Gerechtigkeit attributirt sind. Die 
FI:lche zwischen den mittleren Saulen nimmt eine im Halbkreis geschlossene 'Malerei 
ein. Im Vordergrunde kniet der Donator in der Tr,ll"ht seiner Zeit; ihm gegenüber 
seine beiden Frauen, Im Hintergrunde eine Auferweckung der Todten zum jüngsten 
Gericht in meisterhafter Anordnung. Unter den Bogenstellungen zwischen den äusseren 
Säulen und neben diesen in einer von Voluten und Laubwerk gebildeten Umrahmung, 
aus
erhalb der Säulen, haben die Standbilder der vier Evangelisten auf 1:ierlichen 
Konsolen Aufstellung gefunden, links St. l\1atth:lus und St. l\Iarkus, rechts St. Lukas 
und St. Johannes. Die Verdachung über dem Mittelbogen trägt das Rosen'sche 
Wappen (ein von 3 s. Rosen begleiteter Löwe in BI), das von zwei Genien mit 
Palmenwedeln in den Handen gestützt wird. An den Fusspunkten der Verdachung. 
Über den mittleren Säulen sind die \Vappen dpr Frauen angebracht; links das der 
Marid Molkenbur, rechts das Wappen der Magdalena Stampehl. Ueber dem Ilaupt- 
bilde steigt ein überreich dckorirter Aufsatz empor, dessen Mitte wiederum ein Ge- 
mälde, die Auferstehung Christi, einnimmt. Die vergoldete Umrahmung des Bildes 
schliesst nach oben halbkreisfiirmig ab und wird von zwei den unteren ähnlichen 
Säulen beseitet, die eine der Bildumrahmung folgende rundbogige Verdachung und 
darÜber Hoch einen Volutengiebel tragen. Von diesem herab hangt ein Blumenkranz, 
dessen l\1ittclstüd. ein geflügelter Engelskopf bildet. Vier musizirende Putten im Laub- 
werk des Volutengiebels und ein segnender Christus vollenden die Dekoration nach oben. 
Zwischen den Konsolen des mittleren Säulen paares ist die Inschrifttafel an- 
gebracht. Die friesartige dekurirte Fläche zwischen den Konsolen unterhalb der 
Standbilder der Evangelisten Markus und Lukas wird noch c1urch ein Engelsfigürchen 
belebt. Unterhalb der Inschrifttafd befindet sich noch eine kleinere \'on Voluten 
und Ilalbfigurcn umgebene gemalte Tafel mit einer Darstellung- Christi zwis(;hen den 
Jüngern auf dem Wege nach Emmaus. Die Inschrift lautet: /laI/ der Wal/edler 
!{esllt'lIx er reste, uml 'ltlllhaJier H 1I11J:islaus I Rosen, Erh!{esessl'll auf Kalll'1lbrun und 
Rosl'1lha!{m .Ih, K01l1/:1. I JIm'sl Jlolbedil'1ller Slal/hallFr fles.rm lliel J{eehrte liebe Hauss I 
jiaw i/lagt/alme Slampehl diesl'l KilCh . en S. .Vicolai zum Zieralh lind i/111m beidl'Y I seils
		

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zum Me1llori um' gedechl1llts dieses I EpilaPhium a/hie setZell /a,fZC7I 1651. Dlder oblonge Form h,lben. Die Mitte nimmt ein auf Holz ge- 
maltes OcIbild ein mit der Darstellung des Inneren einer gothischen Kirche, in der 
man links acht Frauen, rechts einen älteren und zwei jüngere Manner, sowie fünf 
Knaben l.nieen sieht, von denen drei in Weiss gekleidet sind, während die Uebrigen 
eine dunkle Tracht tragen. Die zweite der unteren architektonisch ähnlich gestaltete 
kleinere Abtheilung enthält in der MiUe ein bemaltes Relief, uas Opfer Abrahams. 
An dem Friese des Gebälks darüber die Worte: Ahraham mcht 1 1 erscholle1l sollle I nach 
Gottes (;rhol seill .Sohn er ople/n wo/Ir. Genesis. Im oberen abschlie:,,.,enden Breitoval 
ein Relief der Beweinung Christi, darÜber ein segnender Christus; zu den Seiten zwei 
weibliche Gestalten, deren Attrihute abgebrochen sind. 


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e) Im Mittelschiff. 
27. Bernhard Schulmalln, K(inigI. schwedischer M..jor der estländischen 
Ritterfahlle und Mannrichter in ...... und Jerwen, Erhherr auf... (das Uebrige 
abgesplittert). 
28. Berend Johann Schulmann, Lalldrath des Herzogthums Estland; geh. 
2. Juni 1661, gest. seines Alters 85 Jahr 8 :\lunat weniger 2 Tage. 
29. Philipp Johann v. UexkÜII; gest. 20. Juli 1669, seines Altl'rs 13 Jahre 
5 Monate 3 Wochen 6 Tage (das \Vappen wiru VOll einem geharnischten Arm aus 
Metall gehalten). 
30. Aus Silber getriebenes Wappen eines Gliedes der Familie Tiesenhausen 
(das Wappen ist an der Nordwand des l\IiUelschiff.., so huch angebracht, da,.,,, eine 
Inschrift darauf nicht zu entzillern war). 
31. Alexander WartmanTI, Kapit:tnlieutt-nant der Königl. schwedischen Leib- 
garde; gest. 6. Januar 1676, seines Alters 22 Jahre 1 Monat 7 Tage. 
32. HeIman n Adolf Wrangel aus dem II,lUse Ludenhof und Ellistfer; 
Kiinigl. schwedischer Rittmeister, Erbherr auf Ellistfer und... . . .: geb. 10. September 
1652, gest. 19. Dezember 1694. 
33. Johann Adolf Eberschilt, Erbgesessener auf CarIuwa und Larokülach; 
geb. 8. Mai 1653 zu Gross-Nowgorod, gest. 14. April 1671 zu Stockholm. (Das 
appen 
ist von einem roten Mantel umgeben und wird von einem geharnischten Arm ge- 
halten. Gespaltener Schild; rechts in G. ein halher schw. Adler mit LilienscepteI in 
der Klaue und 3 Eichenblauern im Schnabel, rechts in BI. ein hinter einem Baum 
hervortretender Eber. H. ein sitzender schw. Eher, der einen bl., r. umsäumten Schild 
in der Tatze halt; auf dem Schilue eine kreuzartige Figur. Vgl. Nr. 10.) 


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34. Wappen eines Gliedes der Familie Lohde aus Metall, vun einem metallenen 
geharnischten Arm gehalten. Inschrift unleserlich. 
Triumphkreuz. Vor dem Chor befindet sich ein von einem Balken ge- 
tragenes Triumphkreuz mit Maria und Johannes aus dem 16. Jahrhundert. An den 
Kreuzesarmen in Vierpässen die Symbole der Evangelisten. Auf der Ostseite des 
Tragbalkens die Inschrift: CHRISTI CRVX NOSTRA VICTORI \, ILLIVS PATIBV- 
LV 111 NUSTER TRIVlItPIIVS. URIGEN. :\IDCXXXIV, Auf der \Vest"eite: SICVT 
1I10YSES IN DESERTU EXALL\VIT SERPENTElIt, Ir.\ EXALT\RI OPORTET FI- 
LIV:\I HOl\lINIS, VT IIl\INIS, QUI CREDIT IN EUlII l..... lOH. BI. 
Holzschnitzwerke und GestÜhl. Hinter dem GestÜhl der grossen Gilde 
(jetzt SchwarzhäuptergestÜhl), in der Bogenöffnung zwischen Thurm und Mittelschiff, 
vom GestÜhl zum Theil \ erdeckt und um StÜtzen fÜr die später errichtete Orgel- 
empore aufstellen zu können, theilweise in roher \Veise zersägt, ist der Rest einer 
prachtig geschnitzten Holzwand erhalten, die vermuthlich ehemdls eine andere Be- 
stimmung hatte, als hinter dem hohen GestÜhl verborgen zu stehen. Der obere und 
der untere, jetzt völlig verdeckte Theil gehören dugenscheinlich nicht zusammen. 
Der ohere Theil besteht dUS vier ublongen Tafeln, deren Mitte aus einer Drarhen- 
maske hervorwachsende hngclhalbfiguren einnehmen. Jede dieser Engelfiguren war 
ehemals mit einem Attribut versehen, von denen sich jedoch nur eines, die S
iule 
erhalten hat. Umgeben sind die Figuren von reichem, mit natÜrlichen Blumen unter- 
mischtem Akanthuslaub (Figur 48). \Vährend diese Schnitzerei mit dem darunter 
befindlichen Friese dem Ende des 17. Jahrhunderts angehört, stammt die untere noch 
aus der Mitte desselben. An dieser sind Säulen mit skulptirten Schäften und Vo- 
lutenkapitälen zu erkennen, zwischen den Saulen rund bogig geschlossene Nischen und 
in diesen Figuren unter portalartigen Architekturen. 
An der \Vestwand des Kapellenbaues der Nordseite befindet sich eine leider 
durch Oclfarbanstrich verdurbene Hulztäfelung mit Intarsien; die die einzelnen Felder 
trennenden Pilaster sind verschwunden. 
Auf der gegenÜberliegenden Seite des Raumes ist das Hauptgesims einer ähn- 
lichen Hulztäfelung erhalten mit vorzÜglich geschnitzten Konsolen (Figur 49). 
In der Nordvorhalle, der Clodt'schen Kapelle gegenÜber, erhebt sich eine reich 
geschnitzte Holzwand, die das Rosen'sche Erbbegräbniss zur Halle hin begrenzt 
(Figur 50). Die Uebereinstimmung ihrer Formen mit denen des frÜher beschriebenen 
Rosen'schen Epitaphs lasst vermuthen, dass auch sie der Hand desselben Meisters 
entstamme. Die Wand hat eine Lange von 4,05 m und eine Höhe von 2,94 m. 
Sie ist der HÖhe nach in zwei Theile zerlegt und jeder dieser Theile durch fünf Säulen 
in vier Felder getheilt, von denen sich die beiden mittleren als ThÜrfiÜgel öffnen. 
Die Säulen des unteren Theiles mit glatten Schaften und korinthisirenden Kapitälen 
stehen auf glatten Postamenten. Die Felder .lwischen ihnen zieren in geschnitzten 
Umrahmungen die in GeI gemalten Figuren der Liebe, des GlauLens, der Hoffnung 
und der Gerechtigkeit. Die S
iulen des Obertheils haben gewundene Sch
ifte mit 
\Veinlaub und Trauben in den Windungen. Die FÜllungen zwischen ihnen sind 
durchbrochen geschnitzt und ihre Mitten nehmen EngelsfigÜrchen mit den Marter- 
werkzeugen ein. Ueber dem Eingange ist eine breitovale Inschrifttafel angebracht, 
enthaltend die \Vorte: .rl./11I0 1655 dm 2 JulI' hai der JVolledler (ir.\'lrenger 'ester lmd 
.1/rlllhafter 11. Bugis/aus ROJrII, Erhge.fessm al/f Kallmhrttl1 u11d Rosmhagm, Ihr Königl. 
.1Im'l. JVolhrrlimler Sladlhalter auf Xa/,rll}' rlirses sr/::.cn lassC1l. Links Üher der n:ichsten 
Säule am Fries d,ls Wappen der l\Iari,l Molkenbur, delllentsprechend rechts dds der
		

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Magdalene StampehI. In der Mitte zwischen beiden erhöht das Rosen'sche \Vappen. 
Zu den Seiten desselben zwei bekleidete Engel mit Kreuzesleiter und Schweisstuch. 
Das älteste GestÜhl der Kirche gehört inschriftlich dem Jahre 1556 an. Die 
erste GestÜhlreihe im Mittelschiff hat geschnitzte Wangen und in den Feldern die 
Reliefs der Apostel Paulus und Petrus Sehr zierlich ist die Blattdekoration der 
Friese, die mit kleinen Figuren und Medaillonköpfen ciurchsetzt ist, Leider ist es 


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.i'ig. 48. Theil einer g
schnitzten HolzwEInd. 


in neuerer Zeit mit gelber Uelfdrbe angestrichen und geadert. wodurch es erheblich 
verunstaltet worden ist. 
Aus demselben Jahre stammt das glÜcklicherweise unÜberstrichen gebliebene 
GestÜhl der Gilde, das sich durch reiche Schnitzerei an den Seitenlehnen und ThÜren 
auszeichnet (Figur 5 J). Zwar ist die Schnitzerei im FigÜrlichen recht unbeholfen, da- 
gegen in der Behandlung des Ornaments, das die gothischen Formen his auf leise 
AnkI:tnge abgestreift hat, nicht ohne kÜnstlerischen Schwung. Den oberen Abschluss 
der Lehnen bilden Gif'belaufsätze mit dem kleinen Stadtwappen und einer muschel- 
artigen Vertiefung im oberen Halbrund; zu beiden Seiten Voluten in Form stylisirter 


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Delphine. Aehnlich ist die Bekrönung der Thüren, doch tritt hier an die Stelle der 
Wappen ein in Hochrelief geschnitztes männliches Brustbild in Medaillon. Auf den 
Lehnen der Südseite sieht man eine männliche und eine weibliche Karyatide mit 
üher der Brust gekreuzten Armen und einem Blumenkorb auf dem Kopfe, St. Johannes 
den Prediger mit dem Agnus Dei und lVIoses mit den Gesetzestafeln. Auf diesen 
sind acht der zehn Gebote eingegraben und die Jahreszahl 15- 56. Auf der linken 
Tafel: 


I DV SCHALT I NENE AND I ER GO- 
DE HE I BEN NEVEN 1\11. 
2. DV SCHALT I DEN NAMEN I DINES 
GA I DES NICHT I WNNVTTE VU- 
REN. 
3. DV SCHALT I DEN \'I\{DAG 
H I 1.(; EN. 
Auf der rechten T,tfel: 
4. D v SC n ALT I D I N VA DER V N \) 
MODER I EREN 
9w 
5. DV SCHAI.T I t DOIIENt NIC I T I 
(der letzte Buchstabe auf der Um- 
rahmung). 
6. DV SCHALT I NICHT EHBERE. 
7. DV SCHALl' I NICHT STELEN. 
8. DV sCH(ALl') (die letzten vier Buch- 
stahen in einander verschränkt) NE NE 
[ FAlSCHE TV. \"0. 
An den Lehnen auf der Nordseite des 
GestÜhls sieht man die Gestalten Adams, der 
Schlange auf dem Baume, Davids, die Harfe 
spielend, und die der Eva. 
In die Zeit dt>s \7. Jdhrhunderts gehört 
das links vom Altar stehende RathsgestÜhl, 
ein Theil des im nördlichen Seitenschiff stehen- 
den und das im Kapellenbau der Nordseite 
befindliche. Das Uebrige gehört der Neuzeit 
an und zeichnet sich durch nichts aus. 
STEINSK ULPTUREN. An der 
Süd fläche des ersten Arl'ddenpfeilers der Nordseite vom Thurm ab, in der Hiihe der 
Orgelempore, befindet sich in einem spitzbogig abgeschlossenen vertieften Felde das 
Reliefbild eines heil. St. Georg zu Pferde, den Lindwurm tödtend, aus dem 14. Jahr- 
hundert (Figur 52). Der Grund um die Figur ist etwa 1 cm vertieft, so dass diese 
völlig flach aufliegt; die Zeichnung ist durch vertiefte Linien hergestellt. Höhe deo; 
Reliefs 0,94 m, Breite im Bogenfusse gemessen 1,03 m, Eine ehemalige Bemalung 
hat nachgewiesen werden können. 
SANCTUARIEN. In der Wand des Nordschiffs befindet sich in der Nähe 
des Chors ein l,leines, mit einem \Vimberg dekorirtes Depositorium für die heiligen 
Oele; dieseln gegt'IlÜber, in der \Vaml des Südschifli<, der Regel entgegen, ein ähn- 
lich, aber grösser gestaltetes Sakramenthäuschen. Im Spitzbogen unter dem \Vim- 
berg das auf S. 74 erwahnte Madonnenbild. Die untere oblonge Oclfnung in der 
Wand ist noch mit dem alten Eisengitter versehen. 


-- 


t'ig. 49. 


Hnlzkonsol VOrn Gesims einer Wand. 
bekleidung.
		

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HOLZSKULPTUREN. Nur ein einziges Stück einer iilteren freistehenden 
Holzskulptur hdt sich in der Kirche erhalten, die bemalte Statue des heil. Christo- 
phorus, die angeblich einst den Fuss der früheren Kanzel gebildet hauen soll, was der 
Wahrscheinlichkeit nicht lU widersprechen scheint. Die Figur ist etwas üuer Leuens- 


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Fig. 111. Gestühl der Schwarz häupter. 


g-rÜsse gehalten, der OberkÖrper nach vorn gebeugt, mn die Weltkugel zu tragen, 
davon ein Rest erhalten ist. Der linke Arm h:tngt herah, der rechte ist gerade aus- 
gestreckt und die Halid umfasst einen knotigen Stock Den schmächtigen I:eih UIl1- 
gicbt ein GÜrtel mit daran h:lngender Tasche. Das Untergewand ist hochgeschÜrzt 
und die mit Sandalen bekleideten Füsse stehen in einem die Wellen des Wassers 


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			93 


nachahmcnden Klotz. Die ncucrdings mit ()elfarbe iibero;trirhcnc Figur kiinnte der 
zwciten Hälfte des 16. Jahrhunderts angchÖren. 
SIE BEN A R l\1I GER LEU C H T E R. Zu den schiinsten Ausstattungsgegen- 
ständcn der Kirche gehören ihre Beleuchtungskiirper, in erster Reihe ein grosscr 
siebenarmiger Leuchter aus Messing, den nach dcm mehrerwähnten Rothger'schc
 
Kirchenbuche im Jahre 1519 Hans Bouwer stiftete (vgl. Figur 44\. Den Haupt- 
stab bildet eine von Ringen umfasste Säule, von der sich, Zweigen gleich, die sechs 
Nebenarme abliisen, die unterhalb dcr Lichthalter wieder durch ein horizontales Band 
verbunden sind. Den Mittelstab krönt eine doppelseitige Madonna mit dem KiJl(J,. 
m emcr Strahlensonne, dic den siebenten Leuchter trägt. 


. 


Fig. 112. SteiDrelief St. 4.>eora. 


LEU C H TE R K R () N E N. Die messingnen Leuchterkronen der Kirche, in 
einfacherer und reicherer Ausstattung- gehören grÖsstentheils der letzten H:lIfte des 
17. J.thrhunderts an. Sie zeigen fast ausnahmslos die zu dieser Zeit beliebte Form, 
den mittleren, unten in eine grosse Kugel endigenden Hanptstamm, von dem sich 
die, oft mit Masken und Fig-uren verzierten Arme in Ranken und Blattform ab- 
zweigen. 


Im Nornschiff. 
I. Zwölfarmige Kronc ohne Inschrift. 
2. Sechszehnarmige Krone. Auf der Kugel die 
RIESENKAMP}O' SELIG IOHAN VON (;LEHNEN WITWE. 


Inschrift: {; E R T R \ TA 
ANNO 1691. 


3. Desgleichen, Inschrift: HERN THO!\IAS VON "'FHREN, FRA V HELENE 
BLANCKEN HAGEN. ANN 0 1716 D. 31. OKTOBER. 
4. Achtarmige Krone; oberer Abschluss ein Ritter mit Schwert. Erstes Viertel 
des 17, Jahrhunderts. Ohne Inschrift. 


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Im Mittelschiff. 
5. Spchszehn,mnige Krone; oberer Abschluss ei:; steigender Adler. Ohne 
Inschrift. 
6. Sechszehnarmige Krone; oberer Abschluss heraldischer Doppeladler. Inschrift: 
Zue GoI/es lind dieser christlichen Nicolai Kirchen Ehre verehret diese Krone uber 
seiner lieben Eltern johaflll Afii/lers*) vnd Margaretha ProbstÜlgs vnd deren Erben 
Begrebnuss. 
(Müller'sches Wappen, cf. Klingspor a. a. 0., Müller-Rautenfels.) 
Diedrich Mü/ler den IO. januarius 
anno Christi I652. 
7. Krone mit 24 Armen, ohne Inschrift. 
8. De;;gleichen mit 30 Armen, endigend in eine Statuette der Maria mit dem 
Kinde; sehr reiches Stück; ohne Inschrift. 
Südschiff. 
9. Achtarmige Krone ohne Inschrift. 
10. Sechszehnarmige Krone, oben in einen Doppeladler endigend. 
11. Desgleichen mit der Inschrift: Johann f,Vil/e, Anna Dorothea Harbers. 
Anno I692 . 6 November. 
12. Achtarmige Krone; oberer Abschluss ein sitzender Löwe mit Schild. In- 
schrift auf dem gespaltenen Schildc: 


lOH AN LINDAW I CATHARIN BARTELS 
AN NO 
16 48 
Darunter die Hal1smarhe: 'E:. m. 


In der Kapelle an der Nordseite. 
13. Sechszehnarmige Krone. Inschrift: HANS VON RECHENBERli (Reclien- 
berg'sches Wappen: Widderkopf. G. wachsender Widder) 1645. (Asserie'sches Wap- 
pen) ELISABETH ASSERlE. 
14. Desgleichen. Inschrift: ANNO 1615 DEN I. AUGUSTE STARB HERR 
lUST DUNTE, 
W AN DAR M E. Al1sser den Leuchterkronen besitzt die Kirche zwölf Wand- 
arme in mehr oder weniger reicher Durchbildung, Die ältesten Stücke gehören noch 
der Mitte des 16. Jahrhunderts an. Sie heben sich von der Wand durch einen ge- 
schwungenen, gewöhnlich aus dem Munde einer Maske hervorwachsenden Ranken- 
stab ab, mit dem sich rechtwinkelig wieder andere Rankenwindungen, die oft von 
Masken, Wappenschildern und Figürchen belebt werden, verbinden, 
Am zweiten Pfeiler vom Altar im Nordschiff ein Wandarm mit einem Schilde, 
ddrauf die Inschrift: H. Hinrich v. Lohen Elster BÜrgermeister der Stadt Reue/l. 
Darüber das Lohn'sche Wappen: ein springender Hirsch vor einem Baum. H. drei 
Straussfedern. 
Diesem gegenüber ein Arm mit drei Schilden. Der Mittelschild trägt unter 
den Emblemen von Hammer und Zange die Namen MARCUS KRÖ, ZACHARIAS 


.) Rdthsherr zu Rcval und Hc.itzer des Guts Kundd. 


1
		

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			95 


HANCK, GROGER RICHTER und die Jahreszahl 1645. Auf dem Schilde zur Linken: 
jORGEN WEWER, HINRICH VON HUSEN, jOCHDI GESELl., BAR FORT WITROCKj 
auf dem zur Rechten: BARTEL GROBSCHl\IIT, WILHELl\I jANSON, FRIEDRICH 

IILLER, IÖRGEN IJIECZ. 
Am nächsten Arkadenpfeiler ein Wandarm mit einem 
childe, darauf die Jahres- 
zahl 1558 und die Buchstaben j. R. und G. R" darunter zwei Hausmarken (Fig. 53). 


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Fig. 53. Wandleuchter. 


Am dritten Arkadenpfeiler vom Chor, ,mf der SÜdseite, ein Arm mit einem 
Doppelschild, der die jdhreszahl 1557 und verschiedene eingeritzte Zeichen trägt: 


Am vierten Pfeiler auf der Nordseite pm Wandarm mit einem \Vappen: im 
oberen (punktirten, also gold.) Felde eine Vase mit 3 Rosen, im unteren gewellten 
3 schwimmf'Jl(le Fische. Deber dem W, ohne Helm wiederholt sich als H. die 
Blumenvase zwischen zwei Straussfedern. 
SILBERGERÄ TH. Der ehemals recht bedeutende Silberschatz der Nikolai- 
kirche ist im Laufe der Zeit his auf wenige hervorragende StÜcke zusammen- 
geschmolzen. Im Jahre 1503 war ein grosses vergoldetes Marienbild angefertigt
		

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			96 


worden, wozu arme Frauen und Dienstmägde Revals das Silber gespendet hatten. 
1508 war durch den Kirchenvorsteher Hans Rotgers in Lübed-, eine silberne Statue 
des heil. Nikolaus von 1 1 / 2 brabanter Ellen Höhe bestellt und durch den Schifter 
J oensen nach Reval gebracht worden. Diese beiden Stücke, dazu noch ein Silber- 
kreuz, wurden am 28. September 1560 vom Rath dem damaligen Kirchenvorsteher 
.rasper Reiger abgefordert, um den Rathsmünzmeister Paulus Gulden überwiesen 
zu werden, der daraus Geld zur Bestreitung der Kosten des Moskowitischen Kriegc
 
zu prägen hatte. Gleiches Schicksal erlebte die grosse von den Kirchenvorstehern 
Hans Rotgers und Heise Pattyner im Jahre 1509 bei Al1dreas Siiteflesch 
in Lübeck bestellte Monstranz, die 21 Mark löthigen Silbers wog und deren Hpr- 
<;tellung 600 Mark Rig. gekostet hatte. Sie wurde am 6. Juni 1576 ausgeliefert und 
in Geld zur Besoldung der Predikanten umgewandelt. (Denkelbuch des Jobst Dunten.) 
Im Silberschatze der Nikalaikirche sind besonders die a.lteren Kelche von Be- 
deutung. Der älteste dieser Kekhe trägt die Jahreszahl 1435. Sein Fuss ist sechs- 
passig und am Rande durch ein durchbrochen gearbeitetes c;iUerwerk vcr7icrt. Um 
den Fuss zieht sich in erhabenen gothischen Minuskeln die Inschrift: hHr: lalll : 
I) 0 r t : 10 : h, : I I, i I !J ij r : lid, 0 I lIt r UI i Ir I r 11 : t 0 I : r 1111 I t r : 11 i cl 0 IU es; darunter 
auf einem fliegenden Bande: Jllttiortullrtlljrullt!iiiitrtliartun+H!U' 
botroorttilrrrrlmiHrtbrt!Jut,*) Auf einem frei gelassenen Felde des Fusses 
ein Cruzifixus. Unterhalb des Nndus an den sechs Seiten des St:lnders in gothischcn 
Minuskeln die Buchstaben 111 0 rio und zwei kleine Rosetten. An den rautenfürmigen 
N uppen des N adus die Buchstaben i I, r r 11 
 und an dem Ständer /.wischen N odus 
und Cup pa noch einmdl dasselbe Wort. Die Cuppa ist glatt, Der ganz vergoldete 
Kelch hat eine Höhe von 106 111m, die Cuppa einen Durchmesser von 180 mm. 
Im Boden befindet sich eine neuere In!tchrift: W. 3 I 10th und s. T. H IU LI G GEI sr 
KIR eHE. Der Kelch, welcher zeitweilig der h. Geistkirche gehiirte und einem Silber- 
arbeiter zum Einschmelzen übergeben worden war, wurde gerettet, indem der Ober- 
pastor R i P k e zu S. Nikolai ihn für die Nikolaikirche wieder zurückkaufte. (Fig. 54.) 
(Abgebildet unter Nr. 49 und beschrieben S. 18 von A. Buchholtz, Goldschmiede- 
arbeiten in Livland, Estland und Kurldnd. Herausg. von der Gesellsch. f. Gesch. u. 
Alterthumsk. d. Ostc;eeprov. Russl. 26 Tafeln in Lichtdruck. fol. Lübeck 1892.) 
2. Kelch aus dem 15. Jahrhundert, df'n nach einer in gothischen Minuskeln 
ausgeführten Inschrift im Boden des Fu
ses: bo' tI,robo I Tlr' brldl l'roll'Oir' 
ab" rllmux oltorr I rulir x ortlirll IlIu brbit, Herr Kanonikus Tlwodoricus 
Brinck dem Hauptalt.lre der Üsel'schen Kirche verehrte. In den Besitz der Niko- 
laikirche kam er inschriftlich 1567 (als schwedischC's Beuu'stürk). Der scchspassige 


. 


*) Eine Notiz des Kirchenvor
tehers H 'ns Rothgers in seinem schon mehrfach erwähnten 
Kirchenbuche meldet, dass diese Inschrift fälschlich auf den Kelch geselzl sei. Ihn stiftete 
eine Frau Magdalene Wymansten (t 1505) acht Tag-e vor Weihnachten des Jahres 1495 fUr 
den Hochaltar der Kirche. Die Notiz lautet wörllirh: Anno XCV \'111 Dage vor wi<>nachlen gaff 
Magdalene Wymansten eynen vorglllden Kelk, dar under steken eynen stlj.ff und de upscriffl holt 
to des8 hilgen Iichnams missen. Dat iss unrecht 8crew<>n und dar w<>ren welke losgaterss (?} by; 
men duss Kelk gaff se to der Kerken 10 dem hog-en altare to blivende, men H,ntolt Bart leth 
dat unrecht schriven, dat vor!:,
ve em got. 
Bartolt Bart wurd
 1481 Bruder der Revaler Tafl'lgilde. 
Die Jahreszahl 1435 hat also mit der EntstehunJ.:'szeit des Kelches, der gewiss erst 50 Jdhre 
später angefertiJ.:'t sein mag, nichIs zu thun.
		

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Fuss ist dem vorbeschriebenen Kelche Ulmlich gestaltet. Auf einem der sechs Felder 
der Gekreuzigte zwischen Maria und Johannes: auf den übrigen fünf Feldern folgende 
Inschriften: 
I. DER t KUN t 11-1.'1.11' I ZV t S('HWEDEN t ER ICHS t DES t VIERZEHENDEN 
BEST.\LTE t BI, I VELlCH t HABER. 


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Fi&, 54 Kelch von t49
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2. 0 n t BEI t V N S t IST I VER t SV N D E t V I E L I BEI t GO D l' t ISt V I L I 
I\JER t GNADE. 
3. REINHOLT t BRAKFL I RIDTI\JEISTER. Darunter auf einer aufgeliitheten 
Platte das Hrakel'sche Wappen. ein gd.rÖnter Hirschkopf. 


NOTTDIICK & NRUMANN, Rev.llI. 


7 


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98 


4. WOLFGANG. t GOI.T I ZEN t V t COLN t AN t I DER t LV 
SPREWE t LEV I TEN t AMllT. Darunter auf einer aufgelÜtheten * 
schildförmigen Platte über einem kleinen Dreiblatt eine Hausmarke: + 
5. GEGEBEN t IN t DER I ERE t GOI>TES t zV t VNSEH. t DEI DER tl GE- 
DECHTNVS t IN I DER t KIRCHEN t ZV I t S t NICOLAI t ANNO t 
DNI tl t 1567 t 
Am mit Maasswerk verzierten Nodus sechs rautenförmige Nuppen, die auf 
schwarz emaillirtem Grunde die Buchstaben J 1t € 
 U;; tragen. Am Ständer darunter 
der Name m 11 n lU n, über dem Nodus noch einmal der Name Jesus. Die Cuppa 
umgiebt unterhalb ein aus gothischen Kreuzblumen gebildetes durchbrochFnes Orna- 
ment. Der Kelch ist ganz vergoldet; seine Höhe beträgt 208 mm, der Durchmesser 
der Cuppa 118 mm. I
 Boden eingeschlagen das Revaler Beschauzeichen 
 
und eine Meistermarke g , deren Tr
lger nicht ermittelt werden konnte. 
(Abgebildet unter Nr. 48 und beschrieben S. 18 bei Anton Buchholtz, Gold- 
schmiedearbeiten u. s. w.) 
3. Silberner vergoldeter spätgothischer Kelch mit sechspassigem Fuss; darauf 
der Gekreuzigte zwischen Maria und Johannes. An den Nuppen des Nodus der 
Name J 11 € 
 U ß. Die Cuppa wird unten von einem silbernen durchbrochenen 
Rankenwerk umfasst, worin zwei Medaillons angebracht sind; auf diesen ein agnus 
Dei und Christus am Oelberge. Am Boden des Fusses die Inschrift: M. G . S . P. 
pi M. I. G. S. D. E I ANNO 1693 I S. NICOLAl eVM PATINA I SIC DEO PI.ACVIT. 
Höhe des Kelches 220 mm. Durchmesser der CUppd 126 mm. Das Revaler Be- 
schauzeichen und eine unermittelte Meistermarke lEI. 
4. Silberner vergoldeter Kelch aus dem 17. Jahrhundert von einfacher Form, 
gestiftet inschriftlich: ANNO 1657 von wII.HEL:\f HILDEßRAND und EI.IESABET 
I.OSSFN. Auf dem Fusse drei vierzeilige Verse, einen Dank für die Errettung aus 
der Pestnoth aussprechend. Höhe des Kelches 217 n1l11. Durchmesser der Cup pa 
112 mm. Revaler Beschauzeichen und die Meistermarke W (Joachim Witting). Dieser 
Meister wird bereits 1656 unter den Revaler Goldschmieden genannt (SLadtarchiv). 
5. Silberner vergoldeter Reisekelch von sehr einfacher Form, hoch 
 
83 mm, Durchmesser der Cuppa 60 mm. Auf dem runden Fusse ein- 
gravirt ein Bischofsstab und die Buchstahpn S. N. Auf dem Boden des S, N 
Fusses: AN N 0 1607. lOS T D V N T E. Revaler Beschauzeichen und die 
unermittelte Meistermarke *1' 
6. Silberne Taufschüssel mit einer getriebenen Darstellung der Taufe Christi 
in dem 230 mm im Durchmesser haltenden, von einem Lorbeerkranz umgebenen 
kreisrunden Roden. Den 58 mm breiten Rand umzieht ein Kranz aus getriebenen 
gTu""en Blumen und Blättern. Zwischen den Ranken eingravirt das Bild eines 
Bischofs und daneben die Inschrift: SANCTVS NICOI.AVS; zu den Seiten die Jahres- 
zahl 16 - 56. Durchmesser der Schüssel 540 n1ln. Auf der RÜckseite des Randes 
der Name des Stifters: I\IARCVS TOFCK, VORSTEHER. Das Revaler Beschau- 
zeichen und die Meistermarke I. S. 
7. Silberne ehemals vergoldet gewesene Taufkanne. Den kugelfärmigen Bauch 
der Kanne umzieht ein gegossener Frie" von 19 mm Höhe, der in fÜnfmaliger Wie- 
derholung einen antiken Triumphzug darstellt. Unter- und oberhalb dieses Frieses 
eingravirte Ranken- und Fruchturnamente. Der Fuss hat ein getriebenes Bandoma- 


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Fig 55. Silberne \ ergoldete Monstranz der Nikolaikirche. 
.Jetzt in der Kaiserl. Eremit
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ment mit Engelsküpfchen abwechselnd. Den Ausguss stützt eine aus Akamhuslaub 
hervorwachsende nackte weibliche Halbfigur. Cnterhalb derselben eingravirt das 
Stampehl'sche Wappen und ein Wappen mit fünf Rosen 3: 2 (Rave). Auf der 
Aussenseite des Henkels, der unten in einen Lüwenkopf endigt, eingravirt die Figuren 
der Massigung und des Glaubens. Am leicht ornamentirten Deckel ein Griff in Form 
eines m'a] en Schildes in barocker Umrahmung. Unter dem Ausgusse die Inschrift: 


ANDREAS 


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DOROTHEA 
RAVE 


STAI\IPEHL 


OHIIT 


ANNO t 


1622 t 21 t DIE 
FEBRVARI t 
Höhe der Kanne 395 nU11. neschau- und Meisterzeichen fehlen (abgeb. unter Nr. SI 
u, beschr. S. 19 von Anton Buchholtz, Goldschmiedearbeiten u, s. w.) 
8, Kleine silberne Abendmahlskanne von 318 nU11 Höhe. Am Bauch der Kanne 
ein Christus am Kreuz, zwischen Maria und Johannes, gegossen und aufgelöthet. Aus- 
guss mit Muschelornament, im Uebrigen glatt. Revaler Beschauzeichen und Meister- 
marke S 11 (unermitte]t). 
9. Silberner vergoldeter auf Kugelfüssen stehender Oblatenbehalter mit silberner 
durchbrochener Einfassung, ähnlich der unter Nr. 7 beschriebenen Kanne. Auf dem 
Deckel das Monogramm Christi I H S, ctas H Überragt von einem roth emaillirten 
Kreuz unct dieses alles umgeben von einer gravirten Dornenkrone, durch die kreuz- 
weise zwei Nagel gesteckt sind. Durchmesser des Beh:ilters 95 mm. Höhe ein- 
schliesslich der Fiisse 57 mm. Auf dem Boden die Namen: JVilhelm Hildebrand - 
Atisabeth Lossen, Re7'al 166.1. Ohne Meister- und Beschauzeichen, 
10. Zwei silberne Altarleuchter von 320 mm Höhe mit grossblumigen Orna- 
menten an St:lndern und FÜssen geziert. An diesen die bei beiden Leuchtern gleich- 
lautenrle Inschrift: A1I11O 1675 hal.lochim IVittill,!{ dises An S. Nico/ai Altar 7'01' Ehrt. 
Revaler Beschauzeichen und eine Meistermarke ID>. 
11. Eine von dem Revaler Goldschmiede Hans Ryssenberch 14i4 auf Be- 
stellung für die Kirche verfertigte prächtige silbervergoldete Monstranz befindet sich 
gegenwärtig in der Kaiser\. Eremitage zu St. Petersburg, nachdem die Stadt Reval 
sie kraft ihres Episkopalrechts 17 I 1 dem Kirchenschatz entnommen und dem Fürsten 
Menschikow geschenkt hatte. Dieses bedeutende Kunstwerk misst I 12 cm vom Fu"s 
bis zur Spitze. Der Fuss hat einen unteren Durchmesser von 30 cm, die Höhe desselben 
betragt 38 em. Das Nähere über diese Monstranz siehe bei R. Hausmann in den 
Mittheilungen der Riga'schcn Gesellschaft nir Gesell. u. Alterthumskunde Bd. XVII, 2 
und bei E. v, Nottbeck in Nr.64 des Revaler Beobachter von 1898 (Fig. 55). 
MESSING GESCHIRRE. Neben den Arbeiten der Silberschmiede haben 
sich einige ältere Messingschüsseln im Besitz der Kirche erhalten, von denen eine 
noch dem 15. Jdhrhundert angehört. Diese hat einen Durchmesser von 378 mm und 
einen Rand von 56 mm Breite, der mit zwei Reihen kleiner Sterne geziert ist. Der 
etwas nach oben gewölbte Grund - 170 mm Durchmesser - zeigt eine getriebene 
Darstellung der VerkÜndigung Maria, umzogen von einem Friese, in dem sich 
viermal eine nicht zu entziffernde Inschrift in gothischen Majuskeln wierlerholt: 
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lillfBI : ytAEE WI
Ii}.lfHI u. s, w. 


7.
		

/Pomorze_050_12_094_0001.djvu

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Die Schüssel war früher ver<;ilbert. Ein l\Ieisterzeichen ist nicht zu entdecken 
(Figur 56). 
Eine. zweite Schüssel von grösserer, aber roherer Form gehört dem 17, Jahr- 
hundert an. Sie hat einen Durchmesser von 442 mm und eine Randbreite von 
84 mm, Auf dem Rande Weintrauhenranken mit Bl
lttern und Früchten, jene gravirt, 
die
e getrieben. 1m Fond eine getriebene Darstellung von Adam und Eva unter 
dem Baum der Erkenntniss. 
Eine dritte Schüssel, vielleicht aus noch etwas späterer Zeit, hat einen Rand 
von 53 mm Breite, auf dem getriebene spitzovale und rautenförmige Muster ab- 
wechseln, Im Fond ein doppelköpfiger Adler. Durchmesser der Schüssel 325 mm. 


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ORGEL. Im Jahre [668 wurde von dem Orgelbaumeister Christoph 1\leineke 
eine ncue Orgel mit 32 klingenden Stimmen erbaut. (Deller die Abnahme derselbcn 
ein ausführliches Protokoll in dem Kirchenbuch der Nikolaikirche; auszugsweise mit- 
getheilt von G. v. Hansen a. a. O. S. 48). Die heutige (Jrgcl ist von der Firma 
Walcker in Ludwigsburg umgebaut. 
G LOC KEN. Die schöne Marienglocke vom Jdhre [56-l zersprang in den 
sechsziger Jahren unseres Jahrhunderts und wurde umgegossen. (Eine Abbildullg 
derselbc.:n in einer Sammlung von Zeichnungen im Provinl:ialmuseum zu Reval.) 
Eine andere kleinere Glocke gehört dem 17. Jahrhundert an. Sie tragt die In- 
schrift: Uross sind tl/i wercke tle.f herm, wer ihr ach/rI. ,kr ha/ n"tel hlst rlalall, 
1111110 16611.
		

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			101 


Hier sei nachträglich bemerkt, dass der obere Theil des Thurms der St Nikolai- 
kirche im Sommer 1897 wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste und im 
L'mfe des Sommers 1898 in alter Form wieder erneuert wurde. 


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Fig. 57 Die lhurmlose Nikolaikirche 


Die Kirche zu St. Glans. 



 


GESCH ICHTLICHES. Die a.ltesten urkundlichen Nachrichten über die 
St. Olaikirche gehen auf das Jahr 1267 zurück. In diesem Jahre Überlässt die Königin 
Marg-aretha von Dänemark, als Domina Estoniae, dem Cisterziensernonnenkloster zu 
St. Michael in Reval das bis dahin von den dänischen Herrschern besessene jus 
parochiale über die Olaikirche. (Urk. 
om I. Aug. 1267. U B. I, -to.J). Am 5. April 
1283 bestätigte Papst Martin IV. diese Verleihung (U B. I, 485) und am 29. Mai 1287 
wiederholt auch Kiinig Erich l\Ienved urkundlich dieselbe (U B. I, 5 I 5). In welcher 
Ausdehnung die Kirche zu jener Zeit bestand, lässt sich mit Sicherheit nicht nach- 
weisen, doch wir	
			

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			102 


bis 1675) liess dessen Ureltervater, der aus Frankfurt a. M. gebürtige Revaler Kauf- 
herr und Kirchenvorsteher zu St. Olai Hans Paulsen, diese Kapelle erbauen und 
auch das Kenotaph an der Südseite des Chores errichten. 
Schwerer als die Übrigen Kirchen der Stadt hat die St Olaikirche unter Feuers- 
brünsten und Rlitzschlägen zu leiden gehabt. Das erste BrandunglÜck, von dem 
Kunde vorliegt, erfulgte durch die auf dem "Dom" ausgebrochene Feuersbrunst am 
11. Mai 1433, Ueber die Wiederherstellung der Kirche ist nichts Näheres bekannt. 
Im Jahre 1514 erhielt sie eine Bleideckung, denn in diesem Jahre wird aus LÜbeck 
Blei für sie angekauft (Archiv, IU. Folge B. IV). In der Nacht vom 28. auf den 
29. Juni 1625 legte ein in den Thurm schlagender Blitzstrahl sie wiederum in Asche. 
Eine eingehende Schilderung des Brandes entwirft der Kirchenvorsteher zu St. Nicolai 
J obst Dunten in seinem mehrfach erwähnten Denkelbuch ; eine andere stammt von 
der Hand des damaligen Rathsherrn Georg vun Wangersheim (beide in extensn ab- 
gedruckt bei G. v. Hansen in "Die Kirchen u. ehem. Klöster Rcvals", 3. Aufi. S. 14 u. ff.). 
Des viertm To!{es hald hemach, so bC'richtet Duntcn, ist die ganze Biilgerschaft iu dt'r 
Kapellen (d. i. die Kirche z. heil. Geist) gefordert wordm, dm:re/bst ein Jt'der nach seint'm 
Vermiigen alts.ragen miis.rm, was er zur repamtiolt derseIbm tder Olaikirche) darreichen 
wollte, welches durch dem secrelan'ltlIl in die Feder gefassel, lIIut hefllach von ihnen ab- 
gefordert wo,den, ltnd hat sich die AlIs.ra!{e be/au/fen in die 7UOO Tha/er, ohlle was nach 
der Zeit sowohl VOll dem Adel 1l/ul Vuadel darzlt gegebm worden. Nach drei Jahren 
war der Bau so weit gefördert, d.lSS der Guttesdienst wieder aufgenommen werden 
konnte, doch erst im Jahre 1651 hatte der durch den Rath nach Reval berufene Bau- 
meisler Hans Kohseler aus Kulmbach den Helm des Thurmes be endet, an dem 
seit 1649 gearbeitet worden war. Am 3 I. Dezember 165 I stellte der Rath dem Hans 
Kohseler, der als ein frommer, gottesfürchtiger Mann aus Baiern bezeichnet wird, ein 
anerkennendes Zeugniss aus. (Ori
inal-Dokument im Stadtarchiv zu Reval.) Kohseler 
begab sich darauf nach Narwa. Den Thurm hatte er, nach seiner eignen Angabe, zu 
einer Höhe von H4 Fuss rheinl, = 139,32m aufgeführt. (Ueber das Brandunglück und 
die Wiederherstellung der Kirche s. auch Thurmknupfnachrichten der Olaikirche in der 
Bibliothek des estl. Prov.-Museums; abgedruckt im Inl.llld, Jdhrg. 1838 S. 229 u. f., 
aufgefunden am 24. August 1778 bei der Reparatur des Sanctusthürmchens, im Knopfe 
desselben. In diesen Thurmknupfnachrichten wird der Erbauer des Thurmes "M Ilans 
Geisseler VOll Kollmhach im riimischm Bayern Reiche" genannt.) 
Beschädigungen erlitt die Kirche durch Blitzschläge in den Jahren 1693, 1698, 
1700, 1707, 1719 und 1736, doch waren die durch sie verursachten Sch:iden gering- 
fügig. Im Jahre 1776 wurde die Thurmspitze einer grösseren Reparatur durch den 
H.LUmeister G ö ri t z unterzogen. 
Eine völlige Vernichtung erlitt die Kirche aber wieder in der Nacht vum 15. auf 
den 16. Juni des Jahres 1820 durch einen Dlit.lstrahl, doch konnte, durch die Muni- 
ficenz des Kaisers Nikolaus I. von Russland, der eine halbe Million Rubel Banco 
bewilligte, zu der später noch eine Summe von I 10220 Rub. B. kam, der \Viederaufbau 
ermöglicht werden. Mit der AusfÜhrung der Wiederherstellungsarbeiten wurde vom 
Kaiser der aus Revdl gebürtige Ingenieur-General Alexander v. Feldmann be- 
traut, den sp:lter die Ingenieure Ernst v. Seidlitz und Friedrich Ernst Jordan 
ablösten. Im Jahre 1832 war die Eindeckung der Dächer mit Kupfer beendet und 
1834 wurde die neue Thurmpyramide durch den Zimmermeister Ryberg aufgestellt. 
Der Thurm erreichte nun bis zur Spitze des Kreuzes eine Höhe von 138,68 m. An 
der inneren Ausschmückung des Baues bethciligten sich der Bildhauer Ex n er, der 


. 


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			103 



 


namentlich das Maasswerk der Fenster lieferte, der Maler Ludwig vun !\Iay- 
deli, nach dessen EntwÜrfen angeblich der Bildhauer Professor Malinowsky in 
Petersburg die Reliefscenen des Altars schuf, die Maler Wilhelm v. KÜgelgen 
und C. Walther in Reval. Jener lieferte das Bild fÜr den Hauptaltar, eine Kreu- 
zigung Christi, dieser, in Anlehnung an Raftaels Transfiguration, eine Verklärung 
Christi fÜr den Altar der Bremerkapelle. (Protokollbuch des .Baukomites der Olai- 
kirche. - Bericht über den Wiederaufbau der Olaikirche nach dem Brande von 1820 
in der Bibliothek des estl. Prov.-Museums, - G. v. Hansen a. a. O. S. 20 U. f. - H. W. 
Rickers. Etwas über die Olaikirche in Reval, die durch einen Blitzstrahl in der 
Nacht vom 15. zum 16. Juni 1820 zerstört wurde. Reval 1820. 48 S.8°. Mit Ab- 
bildung der Ruine. - Andere Ahhildungen der Ruine in einem Sammelbande des 
estl. Prov.-Museums.) 


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FiJl".!l8 Grundri.. der OIaikirche. 


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BACBESCHREIBUNG. Thurm. Vor das Westende des Langhauses legt 
sich eine imposante gewölbte Halle, aus deren l\Iitte der Riesenthurm hervor- 
wachst. Seine Formen sind äu""erst schlicht. Ueber die Mauerflucht tritt er um 3,85 m 
vur; seine Westwand durchbricht zu ebener Erde ein Portal mit profilirten Lai- 
bungen und darüber steigt ein gewaltiges Fenster bis zur HÜhe des Mittelschiffs empur. 
In den oberen Geschossen ist durch die Anbringung von spitzbugigen Nischen und 
Schalllöchern eine grössere Lebhaftigkeit angestrebt. Der Thurmhelm entwickelt sich 
unter starker Einziehung seiner ßegrenzungslinien zu achteckigem Querschnitt und 
wird an seinen Anfängen von vier kleinen EckthÜrmchen begleitet. Auf einem Ge- 
mälde vom Jahre 1561 im oberen Saale des Schwarzhäupterhauses erscheint er noch 
mit vier Giebeln an Stelle der Eckthürmchen und ebenso noch auf einer Ansicht der 
Stadt von 1662. Die delineatio urbis Revaliae (vor 1649) stellt ihn mit einem Noth- 
dach versehen dar und schon auf einer Ansicht von 1663 in des (}Iearius Reise- 
beschreibung erblicht man den Thurm mit seinen vier Eckthürmchen, Wahrscheinlich 


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traten also zwischcn 1662 und 1663 diese an die Stclle dcr Giebel. (Ein Modcll des 
Thurmhelmes in seiner jetzigen Ausliihrung bewahrt das estl. Prov.-Museum.) 


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Fill. 119. OIaikirche yon der Südootse;te. 


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L a n g hau s, D,ts basilikal angelegte Langhaus hat em Mittelschiff von 
9,42 m Breite; das Nordschitf misst 8,66 m, das SÜdschifl 8,36 Ill. Augenscheinlich war 
der Chorschluss ursprÜnglich in anderer Wcise beabsichtigt, oder er bestand auch viel- 
leicht schon in anderer Form, denn gegen ihn schlicsst das Langhaus jctzt mit einer
		

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dünnen, von drei schmalen Cltrnungen durchbnwhenen Mauer db, hinter der sich 
der Chorbau als ein völlig scllJ"tständiges, mit dem Langhause nur in losem Zusammen- 
hange stehendes Bauwerk erhebt. Es ist anzunehmen, dass nach dem Ueberg,mge 
der Kirche in den Besitz des Nonnenklosters /.u St. Michael die Umgestaltung des 
Chores, den Zwecken des Klostergottesdienstes entsprechend, erfolgte. Die Arkaden- 
pfeiler sind auch hier, wie in den anderen Kirchen der Stadt, quadratisch gebildet, 
mit 1,50 m Seitenlänge, SämmtIiche Schiffe sind mit Kreuzgewölben eingedeckt: nur 
ein Joch des Mittelschiffs ist mit einem SterngewÖlbe geschlossen, das vermuthlich der 
Restaurirung von 1820 angehört. Die Gurten der Gewiilbt' erheben sich von konsol- 
artig ausgebildeten Lisenenstreifen, unter denen noch eine Mauernische angt'ordnet 
ist. Das Mittelschiff steigt fast um das Doppelte über tlie Höhe der Seitenschiffe 
hinaus, scheint aber, nach verschiedenen Anzeichen im Mduerwerk zu urtheilen, früher 
niedriger gewesen zu sein. 
Der Chor schliesst mit fünf Seiten eines Zwiilfecks und seine Sterngewölbe 
erheben sich von vier schlanken adlteckigen Pfeilern. Der Raum ist von grossartiger 
\Virkung und erinnert an die Pr,lcht des Remters der Hochmeisterwohnung im Or- 
densschlosse zn Marienburg. Leider hat durch die schun erwähnte unharmonische 
Abgrenzung zwischen Langhaus und Chor die lünstlerische \Virlung vom Langhause 
aus erhebliche Einbusse erlitten. Seine Beleuchtung empfängt er durch fünf Fenster 
in den Polygonwänden und durch zwei Fenster der Nordwand : die diesen ent- 
sprechenden in der Südwand gewähren durch den spilter erfolgten Anbau der Bremer- 
kapelle nur ein sekundäres Licht. (Fig. 58.) 
Das Aeussere der Kirche verzichtet auf jede architektonische Detailgliederung, 
reizt aber trotzdem durch die malerische Gruppirung seiner Massen und das Eben- 
maass. der riesigen Verhältnisse zur Bewunderung. Die Seitenschiffe gliedern kräftige, 
zweimal abgetreppte Strebepfeiler, zwischen denen die hochaulstrebenden schlanlen, 
mehrmals getheilten Fenster mit ihren glatten Laibungen wirkungsvoll hervortreten. 
Aehnlich gestaltet sich das Aeussere des Chures. Die Scheidewand zwischen Langhaus 
und Chor krönt ein Sctllctusthürmchell mit einer Renaissancebedachung. (Fig. 59.) 
Kapellen. Eine reichere Architektur hat nur die sog. Bremerkapelle erhalten, 
die auch theilweise aus einem festeren Material errichtet ist. nie dreimal abgetreppten 
Strebepfeiler tragen an der Stirnseite des zweiten Absatzes eine protilirte Umrahmung 
und kleine Konsolen und Baldachine, die vielleicht zu einem bedbsichtigten, oder 
später verloren gegangenen Figurenschmucke gehörten. Untprhalb des Dachgesimses, 
das an allen Bautheilen als eine weit auslddende viertel runde Hohllehle gebildet 
ist, zieht sich ein vun kleinen Fialen in Felder getheilter Spitzbogen fries hin. l' eber 
dem Westgiebel erhebt sich ein Thürmchen mit Renaissancebedachung, ähnlich dem 
auf dem Ostgiebel des Langhauses. Entsprechend der reicheren Architektur des 
_\eusseren ist auch dds Innere derselben zierlicher durchgebildet. Die Rippen der 
Sterngewölbe erheben sich von einfachen aber gut protilirten Konsolen, von denen 
einige mit Sculpturen geschmückt sind - an einem Konsol ein Porträtkopf. Vor 
dem Brande. von 1820 stand die Kapelle durch zwei Bogen - die beiden bis zum 
Fussboden erweiterten Fenster des Chores - mit der Kirche in unmittelbarer Ver- 
bindung; bei der Wiederherstellung sind diese Oeffnungen jeduch theilweise wieder 
vermauert. 
In ii1teren Nachrichten des 15. Jahrhunderts werden die Kapellen des heiA. Lau- 
rentius und des heil. Oldus erwähnt, jedoch ohne nähere Bezeichnung ihrer Lage. 
Ebensowenig ist die Lage einer Marienkapelle belannt, die noch in einer Urkunde 


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			vom 3. M,ti 1509 genannt wird. (Beitrage zur Gesch. Liv-, Est- und Kurland
 11 
S. 241.) Ob die jet.lige gewölbte Vorhalle an der Südseite der Kirche als eine dieser 
Kapellen angesehen werden kann, ist fraglich. 
Kanzel. Sie wurde nach dem Brande von 1820 neu aus Wassalemer Marmor 
hergestellt, zeichnet sich aber nur durch ihre Unschönheit aus. 
Altar. Die Mensa des Altars ist aus weissem Marmor gefertigt und mit ver- 
goldeten Broncereliefs geschmÜckt; an der Stirnseite das Abendmahl, links die Ver- 
kÜndigung MarÜI, rechts Christi Taufe im Jordan, An der RÜckseite erhebt sich ein 
tabernakelartiger Aufbau, dessen Mitte das von Wilhelm v. KÜgeIgen gemalte Altar- 
bild einnimmt. Ueber demselben im Tympanon eines wimbergähnlichen Abschlusses 
ein Marmorrelief der Dreifaltigkeit: Gottvater und Christus thronend, .lwischen beiden 
die Taube. Zu den Seiten des Hauptbildes auf Konsolen unter Baldachinen stehend, 
als Sinnbild der gläubigen Gemeinde, ein betender Mann und eine betende Frau. 
Gedächtnisstafeln und Wappen. Korrespondirend mit der Kanzel ist 
am SÜd pfeiler eine Marmortafel befestigt, die in vergoldeten Buchstaben die Inschrift 
tr
igt: Dem Erbauer der SI. Olaikirche Generaladjutant Ingenieur GeIleral Alexander 
lViIheIm von Feldl1l'mn, geb. d. 26. Jl,fni 1790, gest. 
d. 31. August 1861, die dankbare SI. Ola; Gemeinde. 
Ausser dieser Ged:tchtnisstafel finden sich an den 
Pfeilern zerstreut noch einige kleine, in neuerer Zeit 
angebrachte, aus Stein gehauene Wappen, 
Gemälde, In der Bremerkapelle befinden sich 
ausser dem bereits erwähnten Altarbilde noch eine 
kleine Madonna mit dem Kinde; ein gut gemaltes 
Bild; bezeichnet rechts unten: J. Haier pinx. 1861, 
ein Geschenk des Deutschen Konsuls A. Ch. Koch. 
Ferner ein Christus am Kreuz, eine Auferstehung, 
ein Ecce homo und ein das Brod segnender Christus, 
sämmtlich werthlos. 
Christusfigur. In derselben Kapelle eine 
Statue des gefesselten Christus aus carrarischem Marmor; eine frÜhe Arbeit des Re- 
valer, jetzt in St. Petersburg lebenden Bildhauers A. We i zen b erg, 
Von den älteren Schmuck- und Ausstattungsgegenständen der Kirche hat der 
Brand von 1820 wenig übrig gelassen und was er verschonte, ist von dem Wieder- 
erbauer, den Anschauungen seiner Zeit gemä",s, als störend beseitigt worden. Einzelnes 
findet sich in Zeichnungen erhalten in den Sammlungen des Provinzial-Museums 
zu Reval. 
Unter den spateren Stiftungen Privater sind einige Leu c h te r k r 0 n endes 
17. Jahrhunderts bemerkenswerth: 
I. eine Krone mit 18 Lichtarmen, unten endigend in einen, einen Ring in den 
Zähnen haltenden Löwenkopf. Den oberen Abschluss bildet ein sitzender Löwe 
mit einem Schild in den Pranken, darauf das Wappen der Familie v. Fersen er- 
kennbar ist; 
2. eine ahnliche Krone, oben in einen zweiköpfigen Adler endigend. Auf der 
grossen Mittclkugeldie Inschrift: Johan Haecks, Anna Dahl. 1664. Septerober29. 
Glasmalereien. Von dem ehemaligen malerischen Schmuck der Fenster 
haben sich nur einzelne StÜcke und zwar nur einige kleine 'Vappenbilder Revaler 
Familien erhalten, die wieder in die Fenster eingefügt sind. 


15 N.G 


Fig 6:1_ Gewölb..chlur..tein. 


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Fig. 61. Olaikirche. Kenotaph des Hans PauIsen.
		

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In der Vorhalle: \V. des Rathsherrn Cdrl Johann Schonert (Anker von einem 
Arm gehalten. H. Anker). W. des Rathsherrn \\'ilh. Heim. Gernet (Anker, H. Stern 
zwischen Adlerflug). W. des Rdthsherrn Reinh. Joh. Hetling (5 schw. Querbalken. 
H. Wachsendes schw. Pferd). 
Im Südschiff: W. dcr Familie Zur Mühlen. 
Im Nordschiff: W. der Anna Cath. Peterson von 1733 (Delphin. H, Hifthorn). 
\V. der Familie Wehren, \V. der Familie Husen (oben ein wachsender Löwe, unten 
zwei Arme, H. zwei Aehren). 
Im Chor: W. der Familie Zur Mühlen, W. der Familie Nottbed., W. der Familie 
Witte (vier Qucrbalken, H. zwei Büfidhürner), W. der Familie Hetling, ferner die W. 
der Familien Stralborn, Witte (W. u. H. Schwan), Senden horst, Riesenkampf, 
Wistinghausen und Eggers. 
In der Bremerkapelle das v. Wchren'sche, das Dehn'sche (?) und das Stampehl'sche 
W, (r. Arm mit r. Rose in BI. H. r. Rose zwischen einem schw. Adlerllug:). 
Kenotaph. Zwischen den Strebepfeilern an der Südseite des Chores hat sich 
das inschriftlich im Jahre 15 I-J vollendete Kenotdph, das der Kirchenvorsteher Hans 
Paulsen hier setzen liess, bis auf die l\littelfigur erhalten. Länge 4,25 111. Es er- 
heht sich über einem niedrigen glatten Unterbau, dessen Mitte von einer Nische ein- 
genommen wird, die ein mit einer Kreuzblunle geschmückter Kielbogen überdeckt. 
Diesen schliesst eine viereckige Umrahmung ein, deren Grund durch gothisches Maass- 
werk belebt ist. Den Boden der Nische bedeckt ein Stein, auf dem ein Skelett dar- 
gestellt ist, um dessen Haupt sich eine Schlange windet und auf dessen Brust eine 
Kröte hockt, das Sinnbild der Vergänglichkeit des menschlichen Daseins. An der 
Rückseite der Nische eine Tafel mit sehr zerstörter Inschrift mit gothischen Minuskeln: 
Ihtt / idt / uorgaf / iß / mi I gebl (eom) 
HIeß / irl{ / be/Jelt / IJeft / nUJ ! bo (geuen) 
(i))irume / ral / 
R / ncmant / to / Ir (orl, / er) 
IJeum / .Alro / roek / l10rglJelJt I beß / ml}1I 
reell / lenen / '}ang ! pmuls / geberl}tniffe / 1:}1;
. *) 
Die überwand wird durch Fialen in fünf oblonge Felder getheilt, von denen 
die vier Seiten felder wieder unter sich horizontal so getheilt sind, dass sich zu den 
Seiten des Mittelfeldes je vier kleinere Nischen bilden. Die unteren Felder über- 
wölben dreitheilige Bögen, während die oberen von Kielbögen überspannt werden. 
DdS jetzt leere Mittelfeld hat einen Abschluss von sich überschneidendcn Kielbögen 
erhalten. In den acht Feldern sind Reliefscenen aus der Passionsgeschichte an- 
gebracht. Die Reihenfolge beginnt mit dem unteren Felde links, setzt sich nach 
rechts fort und beginnt dann wieder oben links. I. Christi Einzug in Jerusalem, 
2, Das Abendmahl, 3. Christus am Uelberge, 4. Christi Gefangennahme, 5. Christus 
vor Kaiphd", 6. Christi Geisselung, 7. Christus vor Pilatu" und 8. die Kreuzigung, 
Ueber dem Abendmahl die Jahresz',lhl 151-J. So vielfach auch die Beschädigungen 
sind, die ill1 Laufe der Zeit über das Werk hereinbrachen, !,o viel Hisst sich doch 


.) In hochdeutscher Ueberselzung: 
Das ich vorgab (weggab), ist mir geblieben, 
Was ich behielt, hat mich begeben (verlassen). 
Hierum (deshalb) soll sich Niemand zu hoch erheben, 
Wie Rauch vergeht des Menschen Leben. 
H
ns Pauls Gcdächtniss. 1513. (C. Russwurm).
		

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			108 


erkennen, d,lSS hier em Meister schuf, der in den Traditionen der grossen Nürn- 
berger Schule wandelte, ja dieser vielleicht selbst entstammte. Die Figuren sind 
voller Leben und Bewegung, die Gewandung schmiegt sich in leichtem Flusse den 
Gestalten an und der scenische Aufbau ist bei aller Schlichtheit der Auffassung edel 
und würdig. (Fig. 61.) 


. 


Die Kirche zum heiligen Geist. 
GESC H TC H TLICHES. Neben den Hauptkirchen der Stadt bestanden 
schon in frühester Zeit in und ausserhalb derselben eine Anzahl kleinerer, die als 
Kirchen städtischer Wohlthätigkeitsanstalten eine untergeordnete Bedeutung hatten 
und demgemäss auch in geringeren Abmessungen aufgt'fÜhrt wurden. Zu diesen ge- 
hört die Kirche zum heiligen Geist, die, jetzt der estnischen Gemeinde dienend, ur- 
sprünglich die Kapelle des städtischen Armen- und Siechenhau::.es zu S1. Spiritus 
bildete. Im Jahre 1365 wird sie in einer Urkunde als cdpella domus S. Spiritus et 
pauperum bezeichnet (UB. II, 1018). Später findet man sie auch als Rathskapelle 


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FiK 62. Grlmdriu der hi. Geistkirche. 


aufgeführt, in welcher öffentliche Versammlungen des Raths bei gewissen Gelegen- 
heiten stattfanden. Hiel wurde auch der feierliche Gottesdienst abgehalten, mit dem 
der Rath alljährlich seine richterliche Th1ltigkeit begann. Die früheste Erwähnung 
der Kirche findet sich in dem ältesten Erbebuche der Stadt (L. Arbu
;J\''', dds Witt- 
schopbuch der Stadt Reval 1312-1360) beim Jahre 1316, wo bei Gelegenheit einer 
Hausauflassung dem Priester zu S. Spiritus eine M,lrk Silber zugewiesen wird. Im 
Jahre 1319 findet sich in derselben Quelle die Nachricht über eine Stiftung von zwei' 
Mark Silber für "das Haus zum heiligen Geist". Ob die Kirche und die übrigen 
Baulichkeiten schon bei der Gründung des Siechen hauses aus Stein aufgeführt wurden, ist 
zweifelhaft, wahrscheinlich dagegen, dass sie erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahr- 
hunderts in die heutige Gestalt gebracht wurden. Abgesehen davon, dass einzelne 
architektunische Details des KirchengebJudes dafür sprechen, auch urkundliche Nach- 
richten bestätigen die Annahme. So bringt ddS älteste Erbebuch beim Jahre 1360 
(lnse. 1056 u. 1058) Notizen üher Geldbeiträge ad sanetlan spin/um ad fabricam. 
ebenso überlässt der Rev,lI'sche Bürger Gerhard Kosvelt testamentarisch eine halbe 
Mark Silbers m/ s/ruetumm s. 5ipiri/us in/ra 11l111lt1n. Ferner linden sich in dem 
ältesten Denkelbuch des Raths (UB. 11. 931,7) Notizen über Ablassung von Kalk aus 
dieser Zeit und selbst noch im Jahre 1414 überweist ein Hans Lyndenbeke in seinem 


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			Testamcnte (UB. V, 1965) eine Mark Silb. ZUln Kirchenbau und eme Mark den 
Siechen in die Hand zu theilen. Zur Kirche gehörten früher mehrere, auf dem 
Kirchenhofe belegene Gebäude, darunter das alte von dem Rathsherrn Joh. v. Herford 
im Jahre 1389 erbaute Siechen haus (UB. HI, 1263 u. E. v. Nottbeck, der alte Immo- 
bilicnbesitz Revals S. 57). Im 17. Jahrhundert gelangten diese Gebäude in dcn 
Besitz des "Gotteskastens" und im vorigen Jahrhundert zum Theil in den der 
Familie Burehart v. Bellavary. 
BA UBESCH REIB UNG. Das Langha us der Kirche ist zweischiftig angelegt 
und wird von zehn Kreuzgewiilben überspannt, die sich in der Mitte des Raumes 
auf kräftige quadratische Ar- 
kadenpfeiler, an den Aussen- i 
wänden auf Konsolen stützen. 
(Fig.62.) Das Südschiff ver- 
engert sich um ein Geringes 
nach Usten. Die durch- 
schnittliche innere Breite des 
Langhau,.,es beträgt 13, 15m, 
die innere Länge 36,3 m, 
Jie Höhe 9,5 m. 
Der C hol' setzt sich 
in der Verlängerung des 
Nordschitls fort, tritt aher 
südwärts merklich Über das- 
selbe hinaus, auch ist er nicht 
uhbedeutend Über den Fuss- 
boden des Langhauses er- 
höht. Seine innere Uinge 
betragt 9,22 m, seine Breite 
7,20 m. 
Thurm. Die Mitte 
der \Vestwand nimmt ein 
oberhalb der Gewölbe des 
Langh,lUsesins Achteck über- 
setzendes Treppenthürm- 
ehen ein, das nach aussen 
sehr wenig. nach innen aber 
2,58 m vorspringt. Der Helm 
dieses minaretartigschlanken Fig.63. fhurm ,j
r hl. G
i"kirch
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Thurmes gehört der Zeit des 
17. Jahrhunderts an und entwickelt sich mit z\\ei luftigen Galerien, die über bauchigen 
Kuppeln aufsteigen. Den oberen Abschluss bildet ein sog. Zwiebeldach, das in eine 
schlanke durch Knopf, Wetterfahne und Stern gezierte Spitze auslauft. (Fig. 63.) 
Altar. Den Altar ziert noch heute der im Jahre 1484 zur Aufstellung ge- 
langte geschnitzte Flügelaltar, der \om Rathe bei dem Lübecker Bildschnitzer 
Berent Notken bestellt wurde. Das fast quadratische Mittelbild, die Ausgiessung des 
heiligen Gci:stes, stellt in einem kapellen artigen Raume Maria auf dem Throne dar, 
umgeben von den Aposteln, von denen acht den Thron umstehen, vier zu den Seiten 
knieen. Alle schauen entzÜckt nach oben, von wo der heilige Geist in Gestalt einer 


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109
		

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			TauLe herniederschweLt. U
t:n wird das Bild von verschlungenem Rebengeäst be- 
grenzt, in dessen Mitte die Figur Christi erscheint, unten durch eine gezinnte BrÜstung, 
an deren Enden auf Postamenten zwei Engel knieen, das Stadtwappen haltend. In 
der tiefen Hohlkehle /.u beiden Seiten des Hauptbildes unter Baldachinen die kleinen 
Figuren der heil. Katharina und der heil. Barbara. Ueber der Schnitzerei liest man am 
Rahmen, der eine Bekrönung von Kreuzblumen trägt, die Worte: 
 1111., 11., 111 i 11 i 
J1I (t' u I! H t ii (148;1) ZIr 11 
 Ir 1 r g R 11 i t i 11 bi r pr 11 tlJ U".\i t r:; R P".\i t., I., JI (Oll- 
r irin nut t JI n 11 (t 11111 .\i 11 U 111 Jj P i r i t 11 111, In den doppeltheiligeIl Flügeln stehen 
unter reich geschnitzten Baldachinen links der heil. Ohms und die heil. Anna, rechg 
die heil. Elisabeth und der heil. Viktor. rki geschlossenen inneren Flügeln erscheinen 
auf den Aussenseiten dieser 
und den Innenseiten der 
äusseren Flügel gemalte Dar- 
stellungen aus dem Leben 
der heil. Elisabeth von Thü- 
'.... ringen. Die dazu gehÖrigeIl 
Inschriften sind durch in Oel- 
farbe ausgefÜhrte Marmori- 
rung leider jetzt verdeckt. 
Auf den sehr eingedunkelten 
Aussenseiten Christus mit den 
Wundmalen, Über ihm in 
einer Glorie Gottvater und 
rechts die heil. Elisabeth. [n 
einem oberhalb des MitteI- 
bildes angebrachten, von Fia- 
len beseiteten Tabernakel eine 
KrÜnung Maria durch Gott- 
vater und Sohn. (Eingehen- 
der bei W. Neumann, die 
Werle mittelalterlicher Holz- 
plastik und Malerei in Li..-- 
und Estland. dazu 2 Licht- 
drucke in Fol. Ueber den 
Bildschnitzer n. Notken s. 
auch A. Goldschmidt, Lü- 


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Kflßzel (ter M. Geinkirche. 


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hecker Malerei und Plastik bis 1530.) (Fig. 64.) 
Ausser dem Hauptaltar werden im dritten Erbebuch der Stadt genannt die 
Alt:lre des heiligen Kreuzes, unserer lieben Frau und des heil. Matthias; in einer im 
Stadtarchiv aufbewahrten Abrechnung über Einnahmen und Ausgaben der heiligen 
Geistkirche ausser diesen uie AltJre des heil. Antonius, des heil. Bartholom:lus, des 
heil. Gangolf, der heil. Simon und Juda, des heil. Thomas und der Altar des heil. 
Sakraments. 
Im Jahre 1381 (UB. 111, 1176) wird in einer Vereinbdrung ues Raths mit dem 
Bischof Ludwig eines steinernen Ciboriums der heiligen Gf'istkirche gedacht und der 
Monstranz mit dem heiligen Leichnam. 
Die Kanzel, eine Arbeit des 17. Jahrhunderts, ist eine Stiftung des Revaler 
BÜrgermeisters He i n r ich v. Loh n, dcss('n V\' appen (ein zwischen drei Bäumen 
(\V.tld) rechts hervOlspringender Hirsch, H. drei Straussfedern r. u. s. S. auch 


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Fig. 64. Altar dcr Heil. Gcistkirl"he. 


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dip Beschreibung des W.'s in der Nikolaikirche S, 94) sich über der ThÜr zur Kanzel- 
treppe befindet. An den Ecken des doppelt geschwungenen Rumpfes Dreiviertel- 
saulen mit reich sculptirten Schaften von Konsolen mit Maskarons getragen. Zwischen 
den Säulen in muschelföTlllig abschliessenden Nischen die vier Evangelisten, St. Paulus 
und Christus mit der Weltkugel. An der Brüstung der Kanzeltreppe zwischen profi- 
lirten Pilastern drei in Holz geschnitzte biblische Scenen: die Anbetung der Hirten, 
die Auferstehung und die Ausgiessung des heiligen Geistes, (Fig. 65.) 
Emporen. An der West- und Nordwand und 
ebenso zum Theil an der Süd wand ziehen sich Emporen 
hin, deren BrÜstungen ähnlich derjenigen der Kanzel- 
treppe behandelt sind. Durch Pilaster in Hermengestalt 
werden die Flächen in einzelne Felder zerlegt, die mit 



 


Y.O.N 
. 


W." 


Fig. 66 u. 67. Seitenwal1&,e und Schnitzerei vom Gestühl der hl. Gei.tkirche. 


gemalten Seenen aus der biblischen Geschichte und den Gestalten einzelner Apostel 
geschmückt sind. 
GestÜhl. Das GestÜhl ist fast durchweg neueren Ursprungs, doch sind einzelne 
:lItere Stücke bei der Herstellung wieder benutzt worden. Unter diesen ist besonders 
bemerkenswerth das Wangenstück einer Bank mit einer geschnitzten Figur des 
heil. Andreas in einer von gewundenen Situlen eingerahmten, mit einem Kielbogen 
Überdeckten Nische. Darüber auf einem fliegenden Bande die Jahreszahl 1513 und 
als Bekrönung das Wrangel'sche Wappen, Eine andere interessante Schnitzerei, aus 
etwas späterer Zeit vielleicht, befindet sich an der Seitenlehne eines anderen Gestühls. 
Sie bildet eine vielthÜrmige Burg ab mit einem hohen schlanken KuppelthuTln im 


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Vordergrunde, von dessen Höhe sich ein Mann in einem Korbe herablässt In der 
geÜffneten Thür des Thurmes erscheint eine Frau (der Kopf ist zerstört), zu ihrer 
Seite ein schlafender H und. Die Darstellung gehört in den Sagenkreis von dem 
"Zauberer Virgilius" und ist ein im Mittelalter oft verwendetes Motiv der Warnung 
vor der Macht der Sinne. Die Höhe des Schnitzwerks beträgt 0,448 m, die Breite 
0,175 m. (Fig.66 u. 67,) 
Ferner ist erhalten ein kleiner dreisitziger Celebrantenstuhl aus dem Anfange 
des 16. Jahrhunderts, ohne Schnitzerei. 
Triumphkreuz. Im Bogen vor dem Chor ist auf einem Balken stehend ein 
Christus am Kreuz zwischen Maria nnd Joharmes erhalten. Eine schwache Holz- 
schnitzerei aus dem 17. Jahrhundert. 
Gemälde. An den Emporen ist zwischen den theilenden Pilastern eine Folge 
von Gemälden angebracht, die inschriftlich im Jahre 1660 entstand. Es sind hand- 
werksmässige, völlig dekorativ ausgeführte Arbeiten, die aber trotzdem ein nicht 
ganz geringes kÜnstlerisches Vennögen bekunden. 
An der nrgclempore beginnt und schliesst die Folge mit je zwei landschaft- 
lichen Gemälden, vielleicht aus dem Grunde, weil dem Maler, der auf den übrigen 
Feldern Scenen aus der Passion darzustellen hatte, der Stoff zu ausgedehnterer Be- 
handlung dieses Gegenstandes mangelte und er sich an die belannten, im gewissen 
Sinne stereotyp gewordenen Darstellungen zu halten hatte. Den beiden Landschaften, 
die übrigens sehr naiv nur etwas gelben Roden, ein altes Gemäuer und einen blauen 
Himmel darüber zur Anschauung bringen, folgt ,'on links nach rechts: I. das Abend- 
mahl. 2. Christus am Oclberge, 3. der Judaskuss, 4. Christus vor Kaiphas, 5. Christi 
Gcisselung, 6. Christi Verspottung, 7. Christus vor Pi latus, 8. die Kreuzschleppung, 
9. die Grablegung, 10. die Auferstehung. 
An der Empore der Nordseite, zunächst an der nach Westen gekehrten 
Schmalseite derselben: I. St. l'aulus, I. SI. Petrus; an der Langseite : 3. St. J ohannes, 
4. St. Matthäus, 5, St. Matthias, 6. St. Jakobus minor, 7. SI. Philippus, 8. Sau I vor 
dcr Bundcslade singend, 9. Salomos Vrtheil, 10. die Königin von Saba vor dem 
Thron Salomunis, 1 I. die Verlündigung Mariä, 12. die Anbetung der Hirten, 13. die 
Taufe Christi, 14. die Versuchung, 15. Christus mit Mdrtha am Brunnen, 16. Christi 
Fahrt über den See Genezareth, 17. der Siimann, 18, Christi Einkehr bei den 
Schwestern, 19. l'etri Errettung aus dem Meere, 20. der barmherzige Samariter, 
2 I. der geheilte Gichtbrüchige, 22. die Heimlehr des verlorenen Sohnes, 23. Lazarus 
vor dcm Hause des reichen Mannes, 24. der Pharis,ier und der Zöllner, 25, Christus 
und die Jünger auf dem Wege nach Emmaus, 26. Christus erscheint der Maria, 
27. Petri Befreiung, 28. Petri Verrath. 
An der Empore der Südseite: I. Adam im Paradiese (sehr verhlichen und 
zerstört), 2. dit Erschaffung des Weibes, 3. die Austreibung aus dem Paradiese, 
4. Adam und Eva trauernd, zwischen ihnen Kain, 5, der Brudermord, 6. Noah 
empfilngt die Butschaft eine Arche zu baupn, 7. die Sintfluth, 8. Noah Dankopfer, 
9. Noah Trunl,enheit, 10. Rebekka zieht zu Isaak, I I. Esalls und Jakobs Begegnung, 
12. das Linsengericht, 13. Hagar und Ismael in der \Vüste, 14. Abrahams Opfer; 
15. Elie
er und Rahc1 am Brunnen. 
An der nach Westen liegcnden Schmalseite dieser Empore befindet sich eine 
Darstellung des Gckreuzigten, begleitet zu beiden Seiten von Versen, in deren 
Strophen dds Wort "Kreuz", wenn es sich auf das Kreuz Christi be1.ieht, durch ein 
Kreuzeszeichen in rother Farbe (t), wo es einen abstrakten Begriff ausdrücken soll, 


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durch em ähnliches m weisser Farbe (t) ersetzt ist. Am Friese darÜber die Jahres- 
zahl 1660 und eine den Inhalt der Verse zusammenfassende Ueberschrift: 
Ao. 16- Lehr und Der Creutztragen- Trost und -60. 
Erinnerung * de Christus * Vermahnung 
und die Worte: Schau Leser, wie du thust, Schau deinen Heiland hangen In 
schmertzlicher Gestalt mit Angst und Tod umpfangen. Schau aber nicht allein, ge- 
dencke das du bist der Sünder auch, fur dem Er so gemartert ist. 


. 


. 


Das t in J esu Christi Hand 
Bedeutet in t der Christen Stand 
Dan Christi. t fürbildet fein 
Das <. 'hristen olm t nicht kt'\nnen sein, 
Und wo kein t da ist kein Christ 
Das t der Christen Zeichen ist. 
Im t ein Jeder wird erkennt 
Der sich n,lCh dem t Christi nennt 
Wen er sein t ohn Zorn und Rach 
Christi t trägt gedultig nach. 
Am t ist Gottes Lam geschlacht 
Im t der Christen Glaub aufwacht, 
Am t ward Gottes Sohn voracht. 
Das t gibt Zum Gebet andacht, 
Am t ist Gottes Gesetz erfÜlt, 
Im t die christlich Lieb wird 7 m ild, 
Am t ist Gottes Zorn versühnt 
Im t des Christen Hoffnung grÜnt, 
Am t ist bezahlt der: Christen Schuld, 
Im t stehn sie in Gottes Huld, 
Am t erlöst sie Christi Blutt 
Im t sie finden Trost und Mutt 
Am t werden sie der SÜnden fre)", 
Das t ist ihre best Artzney. 
Am t ist gestÜrz des Sahtans Macht, 
Das t vertreibt Stoltz und Pracht, 
Am t vorgieng der Hellen Pein. 
Das t lehret Demiltig sein. 
Am t die Welt ist gar gelegt, 
Das t rechhchaffne Buss erregt, 
Am t erwÜrget ist der Tod 
Durch t sich endt der Christen noth 


DarUlub sol kein Christ im t vel"l.agen, 
Den Christus selbst das t hilft tragen, 
Damit im t die Christen stehn 
Doch unterm t nicht gar vergehn. 
Kein t ihn schadt, ist alles gut, 
Was ihn das t zufügen timt. 
Das t kan zwar betrÜben sehr, 
Doch dienls Christi t zur Ehr, 
Den wen das t macht bittern Sdunertz, 
So Wend zu Christi t dein Hertz. 
Da gleich dein t übt grosse Gewalt 
An Christi t im Gebet dich' halt. 
Sein t gar wol und recht betracht 
Dir all dein t viel leichter macht, 
Wen du von Christi t und Leyden 
Dein t und Angst wirst unterscheiden. 
Sein tein B.mm war schwer und hart, 
Da dein tein Rüthlein zahrt. 
Sein t hat so viel Stärck und Krafft, 
Im t Dirs Fried und Ruhe scham. 
Dem t J esu zu Schimpft. und Schmach 
Dir selbs kein t erwehl und mach. 
Auf dein t nichts setz noch baw 
Dem t Christi allein vertraw. 
Und im t biss ans End ausshalt 
Christi t wird dich schützen bald. 
Spin t und Blutt in allen Fall 
Ist dir im tein starck Labsal. 
In Christi t in einer Sum 
Soll sein im t dein höchster Ruhm, 
\Veil nach dem t das hie bringet Leid 
Durch Christi t J..ompt ewig Freud. 


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An der Ostwand des Langhauses belmdet sich ein ueIbild auf Holz gemalt 
aus dem Jahre 1560, Hiou von seiner Frau verspottet, von seinen Freundcn getri\stet. 
Am Rahmen das Wappen der Schwarz häupter. Unter dem Bilde die Worte: Dt'r 
tm7f'e K1lerht. der hat ge/W1lt Recht. /oppes Weih Imm gdallffil/ mit 
podt, sa.l:1P: 7('011 
hast noch dei1l Gn/l. /oppes Fiumd, rprachm ihm. so machte Got ihm. . . Al/no [Shn 
Darunter eine kleine aus Holz geschnit.lte, polychrom bemalte Christusfigur 
von 0,50 m HÖhe, eine recht gute Arbeit des 17. Jahrhunderts. ' 


JS'OTTBHCK & NaIJMANt.: t Reval 11. 


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Am Kanzelpfeilcr rlrei T.lfelbilder auf Leinwand; untergeordnete Arbeiten .LUS 
der erstcn Hälfte des 18. Jahrhunderts: Christi Auferstehung, N oah Opfer und Christus 
im Tcmpel. 
Unter dcm Srhalldeckel der Kanzel die Portr
1ts Luthers und Mclanchthons; 
alte Kopie nach L. Kranach d. Ae. 
Am nachsten Arkadenpfciler vier Tafelbilder auf Leinwand: I. ein heil. Christo- 
phorus, eine verhaltnissmässig gute Arbeit des 17. Jahrhunderts, 2. dic Taufe Christi, 
unbedeutend, 3. der heil. Antonius in der WÜste vor cinem Krucitix knieend, aus 
dem 17, Jahrhundert uml eine neuerc Arbeit aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, 
Christus mit dem kananäischen Weibc, von geringem Werth. 
An der BrÜstung eines Gestühls im Nordschiffe finden sich in den Feldern 
..echs Gemälde, dic 1I.Llbfiguren des heil. Paulus, des heil. Pf'trus, Davids mit der 
Harfe, des heil. Johannes mit dem Kelch, des Apostels Simun und nochmals die Figur 
des Johdnnes, der dip OIJenbarung schreibcnd dargestellt ist, neben ihm ein Engel, der 
das Buch stÜtzt. Auch diese Arbeiten gehören dem Ende des 17. Jahrhunderts an. 
K e nota phe. Links vun der Kanzeltreppe befindet sich das auf Leinwand 
gemaltt' Bildniss eines M,mnes im schwarzem Mantel mit weissem Klappkragen, ein 
Buch in der Linken haltend; rechts uben die \Vorte: Aeta/is s/tne 36. Ao. 16;;0. 
Ueber dem Rahmen in einem ovalen Schilde: L'hl1s/ophoms ,lliehnel ,Frosa lllllher- 
stadimsls. S'haw diesen j/t/tgen JI/mm, in seinl'r he.l.ten /llii/e, ans ehrlichem geschlecht 
lind redlit-hnn Kemil/e, li'omm, sittig, wolgelehr/, <'on <,iden Gahen, Reich in seillf'll/ 
Iwllen .Impt ein tretl'er . seineIl lieh /tnd tc'ath, Doch Golle noch <'z"elliebl'r, da 
eileIr mit ihm (ur 	
			

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			115 


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ROM. AM . I . CA P . 
IK. SCIlI,I\lE. MY. DFS. EVANGELII. V.\N. CHRISTVS, NICHT 
WENTE. ID . IS . RNE . KRAFT. GADES . DE . DA. SELIGH. 
MAKEl' ALLE.DE.DARAN.GEIOVEN. 
10HAN, AI\I. 3. CAP. 
ALSO. HEI'T. (;OIJ. DE. WERLT. GELEVFT, DAT, HE. 
SINEN, EINIGEN, SONE. GAFF. VP. DAT. ALLE. HE. AN 
I':N. GELUVEN. KICHT. \'ERLAREN. WKRIJEN. SVNDER. DAT. 
In\'IGR. I.EVEKT. HEBBEN . 
ROM. AM. 5. CAP. 
N\' . WY. DEN. SIND. RFCHTFERTJG. (;EWORUEN. DORCH 
DEN. GELOVEN. SO. HEBBE. WY. FREUE. MYT. 
GAUE, DU RCH . J ESVM . CH RIS rVM . 


. 


GI 0 c k e n. Die Kirche zum heil. Geist besitzt drei Glocken, von denen die 
älteste noch dem I S. Jahrhundert angehiirt, wogegen die beiden anderen im 17. Jahr- 
hundert angefertigt wurden. 
Die älteste der Glocken hat eine zweireihige Inschrift; die obere in lateinischer 
Sprache lautet: 0 t RFX t GLORIE tAPE t VENI t CVI\l t PACE tA VE. t GRACIA t 
PLENA t DOIlt1NVS t TECVI\l t ANNO t DOI\lINI t 1\1 t cccc t xxx t 111 t. Die 
lInten;, in niederdellt
cher Sprache: ik . rio. rrd.Jtt. litt . mo!}l,r.. ohi . IIrmr. 
hllrdltr.brr.urolllurll. ol,.lItlll .1,tUII .lIrll. fll. kou . 111 i . ntmant.uor. 
Iltrll. Darunter der Name des Giessers: IIltrhll hifut. 
Die zweite Glocke trägt die Inschrift: VERBL'l\1 DOMIKI MANET I
 ...ETER- 
NU M , AN N 0 1638. In einem Schilde eine Christusflgur; darunter in einer runden 
Fläche eine knieende Gestalt; etwas tiefer eine Hausmarke lind die Huchstdben: 
D. G. H. G. M. C. K. Gegenüber: VURSTEHER. H THOI\I \S (Drente1n'sches 
Wappen) v. DRFNTELN. 
Die dritte Glocke tragt die Inschrift: SI DEVS PRO Nonrs QVIS CONTRA 
Nos-nIVINO AVXILIO ME FEClT ANTONIVS WIESE IN L"HECK ANNO 1653. 
Seitwärts: VORSTEHER JUHAN HACKES, darunter das Haecks'sche Wappen. 


Die (schwedische) Kirche zu St. l\lichaeI. 
G ESC H ICH T L ICH ES. Wie die Kirche zum heiligen Geist gehÖrte auch 
die S1. lVIichae1iskirche .I.U einer städtischen \V ohlth
ltigkeitsanstalt, zu einem Siechen- 
hause, dessen Gründung wahrscheinlich in den Anfang des 16. Jahrhunderts fällt. 
Etwa hundert Jahre früher befand sich an der Stelle der Kirche und der Hospital- 
gebäude ein Privatgarten. (E. v. Nottbeck, Immobilienbesitz S. 51.) In der ersten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts wird die Anstalt im Gegensatz zu einer älteren, vor der 
Strandpforte belegenen als das "neue" Siechenhaus bezeichnet. \Vie das sÜdiistlich 
von der Stadt be1egene Hospital der Aussatzigen (domus leprusllrum) war wohl auch 
dieses Siechenhau;; ehemals dem heil. Johannes 
eweiht. Mit dem Uebergang der 
d,lzu gehiirigen Siechenkirche in den Besitz der schwedischen Gemeinde, die bis dahin 
ihren Gottesdienst in der ehemaligen Klosterkirche zu St. Michael gehabt hatte, diese 
KiKhe aber deli Russen im Jahre 17 16 ÜberJ;Jssen musste. wurde St. Michael auch 


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zum TiLelheiligcn der neuen schwedischen Kirche gewählt, die der Gemeinde im 
Herbst 1733 zur Verfügung gestellt ward. 
Am 30. September 1733 fand daselbst der erste schwedische Gottesdienst statt, 
[m ..beren Geschoss des ehemals zweistöckigen Geb:iudes befand sich bis zum Brande 
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oben von einem gespaltenen Giebel Überragt wird, Am Giebelgchälk in einem ovalen 
von einem Lorbcerl,ranze umgebenen und von einer Krone Überdeckten Felde die 


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Fig. 70. Altar der St. Michaeli.kirche. 


N.L1nClIschilfre Karls XII. von Schweden. Neben den Säulen mit Schnitzereien 
belegte und mit Halbsäulen dekorirte WandfHlchen. lTeber dem Ganzen ein ba- 
rocker Aufbau, dessen Spitze ein seine Jungen fütternder Pelikan bildet. Auf dem 
l\1ittelhilde, vom Rahmen theilweise verdeckt, die Inschrift: (Da) Schwedische1l 


.. 


---
		

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r;elJleimle zum IJl'1lckmahl 1/1/(1 ZiClde hat der 111'11 /liirgelllleister fohallll Fricdrich 
l'alt
l' dies(e 
'chil) dereJ't'll lVr. I u. 2 im fahle 1794 gegebm. Links in der Schnitzerei 
das W,lppen der Familie v. Thieren (ein linksschräger g. Balken, belegt mit einem 
schreitenden Tiger in r. Felde. H. abgebr.), dazu die Inschrift: Christi na von 
Tlli ere n .'\ o. 1703. Dementsprechend rechts das Wappen der Familie Burchart 
v. Bellavary (gdheilter Schild, im oberen bl. Felde ein g. eine Krüne haltender Greif, 
im unteren r. eine Lilie zwischen zwei Rosen, H. fehlt). Darunter: Dorothea 
Burehart An. 1703. (Fig. 70). 
Da<; Baptisterium ist aus Hol.l ge
lhnitzt und mag seinem Stil nach gleich- 
zeitig mit der K,mzel, oder doch wenig später als diese entstanden sein. Leider ist 
die Schnitzerei heute mit einem rohen Kreideanstrich versehen. Das Taufbed..en 
wird von gut gcschnit.lten Puttcn getragen, dic in neckischem Spiel Arme und Beint' 
in einander schlingcn. U eber dem Becken schwebt ein achteckiger Baldachin, in 
Gestalt eines von zwi;lf gewundenen Säulen getragenen Tempclchens, dessen Spitze 
ein lIatternder Pdikdn IJildet. Auf dem Rande des Baldachins die Statuen der zwölf 
Apostel. Das B.lptisterium ist im Achteck von einer niedrigen Holzwand mit durch- 
brüchen gearbeiteten oberen FÜllungen umschlossen, Ueber dem Eingange in einem 
Oval: I.assel die A"indlein zu mir kommen u. s. w. ftfare. C. 10. 


GE DEN K T A FE L. An der Ostseite des ersten Pfeilers vom Eingange be- 
findet sich eine steinerne Gedenktafel, zur Erinnerung an die Pest vom Jahre 1602, 
mit folgender Inschrift: 


A ll1l0 sechszchlthltltdert z'ltd zwei 
IIt Liefland ?t'ar ein gros Geschrel
 
Der Krieck, /bmger Itml schedliche Pest 
Dm Lmtm gar gefehr gewest. 
Fiir Ibmger ein dem altdem fmss 
Die Katzm, I/ltnd ihr lViltpret was 
.luch gros 7.ethellmg levt lIud lant 
Geschehen ist durch Gottes hallt. 
....0 thut er der sunden 7l'chu:n, 
H'£nn man sich lllt bald 7l'il hekal"ll, 
Ohn lmtC1las dalllmb thut hmt 
Von hertzen hus, 0 liebell leut 
Gedenket o./ft an dis geschicht, 
end haltet solchs fOT kein ge/irM. 
AlIIolt Passer. *) 
U('ber der Tafel befindet sich ein Breitoval alls lIol.l; ddrauf sitzend die Ge- 
stellt des Todes mit der Sense; .lU den FÜssen des
elLen ein fliegendes Band mit 
der Inschrift: 
Der. . . heilt alle .VoM. 
Auf der Tafel: 
Sich Hfl1ldcrsmmlll Imd lie.r ml dlCSCll .')'tein dir plagen, 
/Jie sechszehnhundcrt Z7C'e)' das Vaterland gedrückt, 
Am End des semli betmf UlH gleiches A1agm, 
Weil da da Iltmger allch viel tausmd hingerückt, 


. 


.1 (Der Verfasser di..ser Inschrift ist vielleicht identisch mit dem Bildhduer Arent Passer, 
dem Schöpf..r des Grabmals des Grafen Pontus de la Gardie im Dom.)
		

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/Ja diese gule .Wadl bey tausend hier .
espeiset, 
(lnd ihr at
l ewig hat ein Del/kmahl altl..i{ericht: 
Der Segen iSI der Lohn, dUI Colt dafÜr f'erheiset, 
Drlfm Leser, eh du gehst, f'ergis der ArmClI nicht. 
Unter der Steintafel befindet sich ein zweites Oval mit nachstehender Inschrift: 
A1I1LO 1697, da im sc/hell uud lJorhergehemlm Jahr Liefland mit 7111beschrciblichCl 
IIwlgersuoht 1/on (inll heimgeslllhd Ulfrf dadurch ZJl'ele tausend hingerissell worden, ist 
dieses steinerne JIouuml'flt 7'on dem Siechen-//ofJemeisler rhllstol1rr Schl£'ahm in der Erden 
gefimduI 7md zum ewigeu Andenkeu wiedellllllh aufgelidltet wordul. 


GE 1\1: A E L D E. An den Wänden der Kirche hängt eine Anzahl Oclgem;i1de, 
zum Theil religiÜse Darstellungen, zum Theil Bildnisse früherer Pastoren der schwe- 
disch-finnischen Gcmeinde. An der \Vestwand: 
I. Christus am Krcuz zwischen Maria und J nhannes. Leinw. Bez. rechts mllen: 


17$0//1 



 


2. Die Anhetung der Hirten. Gutes, leider stark beschädi
tes Bild aus dem 
Ende des 17. Jahrhunderts. Leinw. 
3. Die Anbetung der Hirten. Aus einer grauen Wolke mit jubilirenden Engel- 
schaaren fallt ein Lichtstrahl auf die Mittelgruppe. Anlehnun
 au italienische V or- 
bilder des 18. Jahrhunderts. (Stiftung des Bürgermeisters J. F. Pauly. Vergl. die In- 
schrift auf der Altartafe!.) 
4. Die Verklärung Christi. Im Hintergrunde ertheilt Christus, mngeben von 
den JÜngern, dem Petrus das Schliisselamt. Leinw. 
5. Christus die Kinder segnend. Grosses Bild in italienischem Charakter des 
18. Jahrhunderts, Leinw. Am Rahmen: J C. i/lfsen, forsleher. .110. 174 2 . 
6. Der Zinsgroschen, H.lIldwerksmässigc Malerei aus dem Anfang des 19. Jahr- 
hunderts. Leinw. Bez. rechts unten: Gemalt flon Alichell-m, an die fI."inhe gegeben Zadlan'as 
Lindström. 
7. Christus ,tm Krcuz. Werthlos. 
An der Ostw.md: 
8. Bildniss eines unbekannten Predigers. 18. Jahrhunrlert. 
9. Bildniss des Pastors Matthias Simolin. Stammvaters der freiherr!. Familie 
v. Simolin. Unterschrift: lIer1 Jlatlhias Simolin, beruffin zum Pastor Bel' der Schli'e- 
dlSchf'll 1Iml Fj'nnlschen Gemt:indt' ::;u Rnlal. dm.l9 .'o7'b. '710, gestorben 1m Jah7e '753. 
10. Uildniss des Diaconus Johannes Rous, mit der Rechten auf ein Krucifix 
zeigend. Ueber dem Bildniss : lIerr Joha1l1leS Roos, geboren LiiPpfterd ohmvei/ Chris/iua 
in Finnland, 7 ' 011 1734. .loten Janllar bis 1753 d. 8. Oktober. 
1 I. Bildniss eines Pastors (der Name fehlt), Unterschrift: 
'(lchmilla,
Sprt'{h:
-eI 
bfl' der 
chwedlscht'll IIml Fi1l1llscht'/l Gemt'ine 311 RelJal, nadlher formiltagsprcdlj:er be
' 
ebm dieser Gemei1lc, starh 1789 d. If). DeCt'l1lber im 86/ m jahre seines Altel,f, ein GreIs ehr- 
wÜrdig durch sl'ill Lebm - ei" ljeJ.spiel der Lehre, die er pledig/e. Es muss ein zweites 
Bildniss des Vorigen sein, der geboren 1703, von 1734 bis 1753 Diaconus und von 
1753 bis zu seillCm am 19. Deccmber 1789 erfolgten Tode P	
			

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2. Messingkrone mitacht Annen. Inschrift: Frans Dreyer. Anna Pollack. 1703. 
3. Desgl. mit der Inschrift: J ohann Strahlhorn 1703, 
4. Desgl. Inschrift: Anno /76,1 habe!l Heinrich 0110 Sohn lind /acob Bmdltks 
.'.,'ohn Wnghnl/s /ledielllcn dise KlOlle an der Kilche gescheni. 
Glaskronen. Bernerkenswerth sind ferner olwei Glaskronen, inschriftlich vun 
Friedr. v. Biiningh lXIX (d. i. 1799) der Kirche verehrt. 
Die Altarleuchter haben profilirte säulen artige Stahl' mit geschwungenen 
Füssen und sind aus Zinn. Auf einem derselben der Name J uhann Georgc Hier, 
1733, auf dem ,mdern Dorothea Weisz. 1733. 
Kr uci fi 11.. Unter den sPdrlichen und meist kÜnstlerisch werthlosen Silber- 
geräthen der Kirche ist ein silbernes Krucifi1l. erw:ihnenswerth, inschriftlich gestiftet 
von Samuel Rudolf Heeck. d. 8. October 1767. 
Kir c h e nm 0 delI. In der Sakristei ist ein kleines I1ulzlhudell der früheren 
schwedischen Michaeliskirche, der einstigen Kirche des Cisterzienser-Nonnenklosters 
aufbewdhrt. 
Vor hall e. Einfach wie das Innere und Aeusscre der Kirche, ist auch die 
Vorhalle, die an statt eines Gewölbes eine Decke vun sehr eng .an einander gelegten 
Balken hat, auf denen noch Spuren einer alten Bemalung erkennbar sind. Als 
Deckenschmuck dienen olwei schön gearbeitete Kriegsschilfmodelle aus dem 17. Jahr- 
hundert. Das eine mit 36 GeschÜtzen unter schwedischer Flagge führt den Namen 
Juhann August, das andere mit 20 Kanonen unter der Revalschen Flagge den Namen 
l\laria Christina, 


] )ie Spitalkirche zu 
t. Johann. 
GE S CHI C H T L 1 C H ES. D	
			

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trägt. .\m Ausbau der Kirche oder an ihrer Vergrüsserung mochte noch zu .\nfang 
des 15. Jahrhunderts gearbeitet werden, da ein Hans LyndenbeJ.e noch am 2 J. März 
1414 eine Mark zum Bau der Kirche vermacht (UB. V, 1965). 
Bei der Belagerung Revals durch die Russen unter Herzug Magnus im Jahre 
1570 wurden sämmtlirhe Gebäude zerstört, um eine feindliche Verschanzung vor 
der Stadt zu verhindern, und erst 1648 erfolgte der Wiederaufbau des Spitals (Thurm- 
knopfnachrichten der Spital kirche, aufgefunden 1724. Kupien in der Bibliothek des 
Provinzial-Museums zu Reval). Im Jahre 1724 wurde die Kirche vergrössert und 
1781 das ThÜrmchen restaurirt. Dasselbe ist vor wenigen Jahren neu hergesteIlt. 
Baubeschreibung. Der Grundriss der Kirche hildet ein Trapez von 14,79 m 
Längenachse, 4, 15m Länge der einen und 5,60 m Länge der anderen Schmalseite 
(Portalwand). Der niedrige Raum ist mit einer Balkendeckc. versehen. Die Nord- 
wand wird von vier Fenstern durchbrüchen, die im Innern mit Flachbögen Überwölbt, 
aussen aber scheitrecht angel)rdnet sind. In der \Vestwand ein im Halbkreis ge- 
schlossenes einfaches Portal zwischen zwei Fenstern. Ueber dem Giebel der West- 
wand das hölzerne GlockenthÜrmchen. Das ganze Gebäude ist unterkeIlert, duch 
sind die Keller verschÜttet. 
Gemälde. Dem bescheidenen Aussehen des Gebäudes entsprechend ist auch 
die innere Ausstattung desselben. Auf dem Altar eine in Oel gemal
e DarsteIlung 
des barmherzigen Samariters, eine werthlose Arbeit des 18. Jahrhunderts. An der 
SÜdwand ein mehrmals Übermaltes Bild des armen Lazarus aus dem 17. Jahrhundert. 


Nicht mehr vorhandene Kirchen. 


. 


\usser der bei der St. Nikolaikirche vorhanden gewes('nen S t. Bar b a ra- 
kapelle, gab e
 eine Kapelle oder Kirche gleichen Namens au
serhalh der Stadt, 
deren Errichtung in die erste Hälfte des l-t. Jahrhunderts gefallen sein mag. In 
dem ältesten Denkelbuch des Raths dUS der Zeit von 1334 his 1350 (UB. 11, 931,7) 
findet sich eine Notiz Üher die Ablassung von zwei Haufen (cumulas) Gewölbsteinen 
zum Bau dieser Kapelle. Sie lag ausserhalb der Schmiedepfurte und hatte wahr- 
scheinlich rlie Bestimmung einer BegräbnisskapeIle fÜr den hier belegenen St. Barhara- 
kirchhof. Noch am 21. März 141-t stiftet der Revalsche BÜrger Hans Lyndenbeke 
testamentarisch eine Mark Silber zum Bau (t;' B. Y, 1965). Der Kirchhof wurde noch 
17 10 zur Bestattung der an der Pest Versturbenen benutzt. Ihren Untergang mag 
die Kapelle schun hei der russischen Belagerung 1570/71 gefunden h,lben. 
Die St. Laurentiusk,lpelle entstand anscheinend um dieselbe Zeit. Ab- 
1,lssllIlgen von Baumaterialien finden sich in dem vorhin citirten Denkelbuch fÜr diese 
KapeIle ebenfaIls. Das "Wittschophuch" meldet ferner (Inser. 827), dass am 27. April 
1352 Rembold v. Lenepe 6 Mk, S. 6 Oer und 5 Den. fÜr Kalk, Steine und ver- 
schiedene andere Materialien zum Bau der Laurentiuskapelle erhält. Ihr Standort 
ist unbekannt. 
Eine der heil. Gertrudis geweihte Kapelle befand sich in der Nähe des 
Hafens vor der grüssen Strandpforte. Ihre Erbauung war am 23. Februar 1438 von 
dem Revalschen Bischofe Heinrich von UexkÜII "zu Nutz und Frommen der Schiffer" 
gestattet worden. Sie ging 1571 durch Brand zu Grunde. 


...
		

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Auf dem TÜnnis(Antonius)berg-e befand sieh im Mittelalter eme dem he iJ. 
Antonius geweihte KapelIe, deren Bestimmung nicht ganz sicher ist; wahrschein- 
lich war auch sie eine Begräbnisskapelle , da noch im Jahre 15 14 hier eines Kirch- 
hofes Erwähnung geschieht. An ihre StelIe, oder vielIeicht in der Nähe wurde 1670 
die finnisch-estnische Karlskirche erbaut, die im Jahre 1710 abbrannte. 
Die Glocken dieser ehemaligen Karlskirche sind jetzt in der 1859 gegründeten 
neuen Karlskirche aufgehängt. Sie wurden von König Karl XI. von Schweden ge- 
stiftet und tragen folgende Inschriften: 
VERBUM DEI lIL\NET IN AETERNUl\1 .:. GO:rTES WORT, LUTERI LEHR 
VERGEHET NUN UND NIMMERMEHR, 
Dits
 Glock
 habm Sehu Königlich
 Afaisläl d
r grossmächlig
 Kotnig Karl XI 
dits
r Karlskirch
 alhir in Rn'tll auf Smlcl Allion; Berg anslai dcrimigm, 'lL1elche 
von dar ZV11I Schlosuhr'werck gmo11l11ltn 'wordel', allergnädigsl verehrel welches GoI! 
zv ehrm vlld Stilltr KÖlliglie/lm /lfaisläl ZV1Il chrisllöblichm nachruhm, deren nach- 
kommtn zvr kiinfligm nachrichl alhir 
itlgesl(lchm wordm. 
GLO R rA 1 N EX C E LS IS DEO. I\[E FECIT HOLM rA E 
GERHARDT :\IEYER. An. 1696. 
Auf der anderen Seite das schwedische Reichswappen, von .lWel gehönten 
Löwen gehalten und darüber die Chiffre des Königs C. R. S. 
Die Inschrift der zweiten Glocke lautet: 
SOLI DEO LA VS HONOR ET GLORIA. 
Es haben seine kiinigiiche Jllmsläl mich nebm der groSSf1l Glocke m'f eine zeil 
goI! zv ehren vnd Z1J11l gebrauch der Iu'rchen alhir a/(/1II Sand alllm/l' hag 1'eljerligt:ll 
1'Ild v
rehrell lassf1l dahero solches zvm gediithlllls eillgedlÜcke! wirtl 
GLORIA IN EXC ELSIS DEO. ME FECIT Ho LMIAE 
GERHARDT MEYER. An. 1696. 
Auf der cntgegengesetzten Seite die gekrentc Chiffre des Königs. 


. 


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Die älteste russische Kirche wird I37r erwähnt. Sie befand sich in der 
Nähe der Stadtmauer in der Gegend der Olaikirche, unweit des Thurmes Nr, 16 
(s. d. Lageplan), verschwand aber im Anfange des 15. Jahrhunderts. (E. v. Nuttbeck, 
Immobilienbesitz S. 56.) Statt ihrer cntstand eine ncue Kirche an der Rursstrasse, 
die um 1422 genannt wird. Nach mannigfachen Schid.salen wurde sie 1825 auf 
Befehl des Kaisers Alexander I. abgebrochen und durch dcn heute bestehenden 
Neubau ersetzt. (G. v. Hansen, Die Kirchen und KlÖster, S. 89.) 
N ach im Jahre 152 I wird der Bau eines der he i 1. An na zu weihenden Klusters 
projektirt, duch kommt derselbe in Folgc Einführung der Reformation nicht mehr 
zu Stande. Ein Eiert Kruse stiftete (It. Kämmereibuch) am 2. Septcmber 1521 
1000 Mark zu einer ewigen Messe, die bis zur Fertigstellung des Klosters vor dem 
hohen Altar zum heiligen Geist gelesen werdcn solIte. Vier Priester solIten dafür jährlich 
je 15 Mark erhalten. Ausserdem stiftet Kruse 1000 Mark, damit munatlich für 1/ 2 Mark 
Wecken in's Süsternhloster, später in's St. Annenkloster geschirht werdcn können. 


. 


...
		

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Das Cisterzienser-Nonnenkloster zu 51. l\IichaeL 


. 


Die Gründung dieses Klosters erfolgte im J .lhre 12-l9 durch KÖnig Er ich 
1'logpenning. Eine geHUschte Urkunde verlegt seine Gründun
 sogar in das Jahr 
1096 (UB. I, I und IH, 1a). Es erfreute sich des besonderen Schutzes der dänischen 
Herrscher, die es wohlwollend mit Gütern und Vorrechten aller Art ausstatteten, so 
dass es zu den reichsten KlÖstern des Landes gehÖrte. Innerhalb der Stadtmauern 
umschlu,.,s das Klostergebiet den Hiiuserkomplex zu beidcn Seiten der KInsterstrasse, 
sowie zwischen dieser, der Breit- und der Speicherstrasse, welche Gegend auch heute 
noch im Allgemeinen als "das Kloster" bezeichnet wird. Nach der Einführung der 
Reformation wurde es in eine weibliche Erziehungsanst.L1t umgewandelt, seit 1630 
	
			

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AETERNVIII. ANNO 1623. STOEBT II1ICH HANS h.EIIIII1ER Y HELSCHENOR 
(Helsingör). 
Reliefs. Einige aus der Kirche stammende RelieftafeIß mit den Gestalten der 
Evangelisten, die beim Umbau der Kirche 1830 in den Wänden der Vorhalle des 
Gymnasiums eingemauert wurden, sind unlängst zertrÜmmert worden. 


Das Dominikanerkloster zu 5t. hatharinen. 


G ESC H ICH T LI C H E S. Ihre erste Niederlassung in Reval grÜndeten von 
D:memark kommende Dominikanermönche im Jahre [229 auf dem "Dom", etwa an 
der Stelle der späteren Domschule. Der zcitweilige Uebergang der Herrschaft Über 
Estland in die Hände des Ordens der SchwertbrÜder mochte diese Niederlassung 
aber schon im Keim erstickt haben, denn erst nach der Wiederherstellung der 
dänischen Herrschaft trafen im Jahre 1246 im Auftrage des zu Ripen abgehaltenen Pru- 
vinzialkapitels zwölf MÖnche unter dem Prior Daniel zur Neubegründung eines Klosters 
ein. (MonUlJl. Germ. Bd. 27 Chron. Ripensis), Auch diese siedelten sich anfangs 
neben dem Schlosse an, mÜssen diesen Ort aber bald verlassen und das Kloster 
in die Stadt verlegt haben, wo noch heute die Ruinen desselben zwischen Russ-, 
l\1Ünken- und Mauerstrdsse sich erhebeIl. Durch Schenkungen und Verlehnungen 
blÜhte es schnell empor. Die Herrscher Dänemarks bestätigten ihm wiederholt alle 
erworbenen Besitzungen und Rechte (UB. I, 370, 382, 558). Der Bischof von Dorpat 
Friedrich von Haseklorpe vermacht dem Kloster laut Testament vom 15. Dezember 
1294 (UB. I, 494) Gelder aus seinem in LüLeck befindlichen Nachlass. Auf Bctreiben 
oes Revdler Raths wurde der bisher immer noch zur ll.inischen Provinz zählendc 
Klosterkonvent im Jdhre 1399 mit Genehmigung des päpstlichen Stuhls zur Provinz 
Sachsen ÜbergcfÜhrt, worÜber der sächsische Provinzialprior Johann v. Berchem dem 
Rathe Anzeige machte (UB. IV, 1494, 28. Oktober 1399). In Folge dieses Schrittes 
schlossen sich auch die städtischen Corporationen, vornehmlich die Gesellschaft der 
Schwarzh:lupter, dem Kloster näher an und trugen nicht wenig zur AusschmÜckung 
der Kirche und Unterhaltung des Klosters bei. Aus dem Jahre 1400 ist eine Ver- 
einbarung der Schwarzhäupter mit dt"m Klo
ter f'rhallPn übt"r die Darbringung von 
Messgewändern, BÜchern, Bildern und Kelchen (l'B. IV, 1503), Im Jahre 1419 
stiftet dieselbe Gesellschaft einen Altar der heil. Dreifaltigkeit in die Klosterkirche. 
Zu den wÜrdigsten Stiftungen der Schw	
			

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Grundriss des Domln 


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126 


mit der Ausweisung der Mi;nche, die aus Rache, wie der Chronist Balthasar Russow 
(Chronica der Prouintz Lyfflandt in SS. r. Livonic. II) erz:lhlt, im Jahre 1532 das 
Kloster niederbrannten. D"s Stadtkämmereibuch zählt eine Reihe von Zahlungen 
auf, die der Klosterbrand dem Stadtsäckel verursachte. Für das Löschen des Feuers 
16 Mark. Für das Abbrechen von Schornsteinen und das Ausschaufeln des Brand- 
schuttes 8 Mark. Für das Schuttabwerfen oberhalb des Kapitelhauses 3 1 / 2 Mark; 
desgleichen von der Schule, Abbrechen des Schornsteins vom Brauhause u. s. w. _ 
Seit jener Zeit liegt es in Trümmern; einzelne Theile sind ausgebaut, andere abge- 
brochen und Neubauten an ihre Stelle getreten. Die in den Hauptmauern erhaltene 
Kirche ist zum Speicher geworden; das ehemalige Refektorium diente kurze Zeit als 
Schule, dann als Kirche für die I,.leine katholische Gemeinde Revak Es wurde im 
Jahre 1840 abgebrochen und an seiner Stelle eine neue den Aposteln Petms und 
Paulus geweihte Kirche aufgefÜhrt. (N:iheres über die innere Geschichte des Klosters 
s. bei G. v. Hansen, Die Kirchen und Klöster a. a. 0., S. 115 bis 162.) 
Baubeschreibung. Obgleich seit dem Untergange des Klosters mehr denn 
drei Jahrhunderte vorübergegangen sind und sich innerhalb dieser Zeit die weit- 
gehendsten Ver:inderungen an den Gebäuden und in 
ihrer Umgebung vollzogen haben, so lässt sich dennoch 
die ehemalige Anlage, wenigstens in ihren Hauptzügen, 
noch feststellen. Der Plat.r., auf dem das Kloster mit 
seinen Nebengebäuden errichtet wurde, hat fast die Ge- 
stalt eines Trapezes, dessen nach Süden gelegene längste 
Seite an städtisches Territorium stösst, während die drei 
übrigen Seiten \'on Strassenzügen begrenzt werden, und 
zwar im Westen von der Rufsstrasse, im Norden von der 
Münl,enstrasse und im Osten von der sich neben der Stadt- 
mauer hinziehenden lVlauerstrasse. Ziemlich gen au in 
der Mitte dieses Platzes, mit einem grüsseren Abstand 
von der Rufsstrasse erhob sich der eigentliche Kloster- 
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:PIPorIR" bau mit der bedeutenden St. KatharinenJ..irche. Ent- 
gegen der sonst gebräuchlichen Anordnung das Kloster 
südlich der Kirche zu errichten, ist es hier an der Nordseite derselben aufgeführt. 
Die Kirche hatte eine zu ihn:r Breite bedeutende Länge und reichte weit über die 
Baufront des Klosters nach Westen hinaus. Die innere L:inge mochte annähernd 
67 m betragen h.lben; die Breite lässt sich auf 18,85 m ermitteln. Diese auffällig ge- 
streckte Gestalt dürfte auf ihre Bestimmung als Predigt- und Klosterkirche zurück- 
zufÜhren sein. Den zur Rufsstrasse gelegenen Theil nahm die Laienkirche ein, 
während der nach Osten gelegene den vermuthlich durch einen Lettner von der 
Predigtkirche abgeschlossenen Chor der 1\Iönche und das Presbyterium enthielt. Eine 
als halbes Achteck gebildete Chornische schloss den Rau nach Osten ab. Von 'Vesten 
her führten zwei Portale, ein mittleres grösseres und ein südwärts von die:,;elll .ln- 
geordnetes klcineres in die Kirche, die dreischiffig angelegt gewesen zu sein scheint, 
mit eincm breiten Mittelschiff und zwei schmalen Seitenschiffen. Ihre Gewiilbe lagen, 
nach den an den Mauern erhaltenen Spuren derselben zu urtheilen, in gleicher AI1- 
fangshöhe. Der vordere Theil der Kirche dient jetzt als Speicher, während die 
Mauern des üstlichen Theils an einzelnen Stellen niedergelegt sind oder als Rück- 
wände von Neubauten benut.l.t wurden, zwischen denen noch ein Hofraum liegt, der 
seinen Ausgang dun-h die Chornische zur J\Iauerstrasse hat. (VgI. Fig. 71.) In Folge 


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dieser Einbauten ist eme nähere Untersuchung des ehemaligen Zustandes der Ost- 
partie der Kirche unmÜglich gemacht, deren Gestaltung durch die erhaltene Südwand 
mit mehreren grossen im Flachbogen überwölbten, jetzt vermauerten Fenstern sehr 
räthselhaft erscheint. Sicher constatiren lässt sich der zwischen Chornische und Ost- 
wand eingebaute Thurm. 
Der Kreuzgang des Klosters ist an der Ost- und Westseite erhalten; der Süd- 
arm, zwischen den erha:tenen Kreuzg:\ngen, ist ahgebrochen und mit ihm der Theil 
der Kirchcnwand, an die er sich lehnte, Erhalten ist auch die Verlängerung des 
SÜd kreuzganges, die sidl bis an das "Kornhaus" des Klosters erstreckte. Der Nord- 
arm fiel mit dem hinter ihm belegenen Refektorium bei der Errichtung der neuen 



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Fig, 74. Grundri.s des O.tßügeb des Klouen. 


katholischen Kirche. Die Kreuzgänge schlossen einen ohlongen Hof l von 19,7 m 
Länge und 13,7 111 I3reite pin, in (\Pssen Mitte sich ein Brunnen befindet. Sie 
sind mit scharfgratigen Kreuzgewiilben aus Fliessteinen Überspannt, die von einfachen 
trape.r.förmig zugehauenen Wandkonsolen au[o;teig-en. Ihre lichte Weite betr:igt durch- 
schnittlich 2,75 111. Die Höhe des \Vestganges misst vom Fussboden bis zum Ge- 
wiilbscheitel 5,04 111. Am Aeussern der Kreuzgänge legen sich kräftige Strebepfeiler 
vor, die unterhalb des Dachansatzes durch Flachbcgen mit einander verbunden sind. 
Die LirhtÖlfnungen sind verhältnissmässig schmal und flachbogig geschlossen; die 
Fenstergew1mde aus sauber bearbeitetem Material hergestellt. Abweichend ist der 
Ostarm gestaltet. Er ist zweigeschossig angelegt und in beiden Geschossen gewÖlbt. 
Eine an der Kirchenmduer gelegene gewundene Treppe vermittelt die Verbindung 
zwischen den Geschossen. Diese führt zunächst in einen hinter dem Kreuzgang be- 
legel1l'n gewölbten oblongen Raum von I 1,5 m Länge und 4,86 III Breite, der sich 
an oie Nordmauer der Kirche anschliesst und mit dieo;pr durch eine jetzt vermauerte 


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/Pomorze_050_12_128_0001.djvu

			128 


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Thüröttnung in Verbindung stand. Dieser Raum ist vielleicht eHe in den älteren Erbe- 
büchern vorkommende Seelmessenkapdle. Der ebenfalls gewölbte Raum unter dieser 
könnte als Sakristei gedient haben, die auch vom unteren Kreuzgang her durch eine 
schmale Thür neben der Treppe zugänglich war, Der obere Kreuzgang hat schein- 
bar von der Seelmessenkapelle seinen Zugang gehabt und zwar über eine kleine 
Treppe, da sein Boden um ca. I m hÖher aL
 der der Kapelle liegt. An die Sakristei 
schloss sich zu ebner Erde ein kleiner aber architektonisch bemerkenswerther Raum, 
der vielleicht als Kapitelsaal diente, jetzt aber zu einer Se1terswasserfabrik degradirt 
ist. Er misst 7,6 m im Geviert und ist mit einem Gewi',lbe eigenartiger Konstruktion 


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Fig. N. Querschniu durch den O..ßugd. 



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Fig. 76. Ruine des O.t1creuzgangs. 


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Fig. 75. \Valu.ls:iule 1111.1 
GewölbcRnfanger. 


Überspannt. (Fig. 73, H, iS.) Das Gewölbe ist durch zwei den Wanden parallel 
1,1lIfende kräftige profilirte GurtbÖgen, die an der Ost- und West wand von zierlichen 
Halbsaulen, an der SÜd- und Nordwand von, den Kapitälen der Halhsäulen ahnlich 
gebildeten Konsolen aU['iteigen, in vier Quadrate zerlegt, die wiederum als Kreuz- 
gewölbe mit doppelwulstigen Rippen ausgebildet sind. N iirdlich vom Kapitelsaal 
liegt noch ein schmales Gemach mit tiefen Wandnischen, das jetzt mit einer Balken- 
decke geschlossen ist. Die Über diesem und dem Kapitelsaal belegenen Raume dienten 
vielleicht als Dormitorium. Schreitet man den unteren i,stlichen Kreuzgang hinab, 
so stösst man am Ende desselben auf ein im Spitzbogen gewölbtes Portal mit wechsel- 
voll profilirten Laibungen. Ob dieses unmittelbar in das Refektorium, oder zunächst 
in einen vierten Kreuzgau!(" führte, lasst sich nicht mehr ermitteln, da an dieser 


... 


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129 


Stelle die neue katholische Kirche aufgeführt ist. Diese ist dreischiftig mit 
breitem Mittelschiff und schmalen Seitenschiffen angelegt. Ein Chorbau fehlt; der 
Altar ist an das Ende des Mittelschiffs gerückt. Die Arkadenpfeiler sind als kurze 


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.'il'. 77. Da. Innere des WestkrCUZl'3ngcl. 


achteckige Pfeiler gebildet. Der westliche Kreuzgang ist in grader Linie nach Norden 
verHingert lind diese V erl
llgerung zu einer Vorhane für die Kirche ausgebildet worden. 
Am Nordende der Halle erhebt sich ein kleines GlockenthUrmchen. ()stw
lrts ist 
an die Kirche eine kleine Sakristei angebaut. 


NOT1"iS&CK & N8.UMANN, Rev"llll. 


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/Pomorze_050_12_130_0001.djvu

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130 


Nebengeb:luue des Klu
ters. Unter diesen gehört UdS ehemaligf' "Korn- 
haus" zu den bedeutendsten. Es stösst an die Nordwestecke der Kirche und dehnt 
sich in trapezfiirmiger Gestalt bis an die Rufsstrasse. Ueber die Zeit seiner Erbauung 
ist nichts zu ermitteln, duch wird diese nicht weiter als in das 15. Jahrhundert zurÜck 
zu versetzen sein. Es ist in zwei Geschossen 2LUfgeführt, unterkelll'rt und durch eine 
mittlere Pfeilerreihe der Länge nach in zwei Hälften geschieden. Eine 'vVendeltreppe 
in der Nordwestecke vermittelt die Verbindung der Geschosse unter einander. In 
den Jahren 1546 und 1553 wurden einzelne Nebengebäude des Klosters \"on der 
Stadt verkauft, andere von ihr selbst in Benut..mng gezogen, so auch das Kornhaus, 
das zum "Büchsen- oder Artilleriehaus" eingerkhtet wurde, Aus dieser Zeit mögen 
die beiden Rundbogenportale an der Ru[<;strasse stammen. Jetzt befindet sich das 
alte Gebäude im Privatbesitz und dient wieder als Speicher. 
Dem Ende eies 15. Jahrhunderts kann das jet.r.t im Besitze der katholischen 
Kirche befindliche Wohnhaus neben dem Kornhause angehiiren. Es ist bemerkens- 
werth durch das noch erhaltene spätgothische Purtal und die alte "Diele". Das nord- 
wärts neben diesem gelegene und durch einen Thorweg von ihm getrennte Haus 
stammt aus jüngerer Zeit. doch dürfte seine Errichtung immerhin noch in das 16. 
Jahrhundert zu setzen sein. 
An der Südgrenze des Klustergrundes zieht sich eine Reihe von untergeordneten 
Baulichkeiten hin, die bereits dem 17. Jahrhundert angehÖren, sich aber eim eh hübsch 
ornamentirte Schlu['isteir.c in den Thürbögen au,",zeichl1ell. 
Zu den ältesten Nehenanlagen des Klosters gehÖrt auch der an die Westwand 
des Klosterkreuzganges grenzende zweistöcki
e Bau, dessen Inneres aber vollsUlndig 
umgestaltet ist. 
Wie viel von den alten an der l\1iinl,enstrasse stehenden Gebäuden der älteren 
Zeit angehÖrt, lässt sich in Folge der sp;iteren Umgestaltungen nicht mehr feststellen. 


Das Kloster /.u 51. Brigitten in I\laricnthal. 
GESCHICHTLICHES. Aus einer Urkunde vom 13. Februar 1.J.16 (UB. V, 
2055), ausgestellt von dem Prokurator des Deutschordens am päpstlichen Hofe Petrus 
\Varmedith, worin dieser den Erbauer des Klosters II einrich S wal bart dem 
Hochmeister empfiehlt, geht hervor, d,lss der Klosterhau etwa im Jahre 1405 begonnen 
sei. Jüngere Chroniken nehmen nach dem Diarium dps Klusters zu Wadstena in 
Schweden, dem von der heil. Brigitta gegrilndeten Mutterkloster, das Jahr 1407 als 
Gründungsjahr an und Chri
tian Kelch nennt in seiner livlandischen Chronik (S. 130) 
den Tag des heil. Vitus (15. Juni) als den der Gründung. Die Gründer waren (nach 
D. Werner in supra alleg. Epitome. Lib. 2 C	
			

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Johannes XXIII. dem Kloster die Bestätigung und verlieh ihm die Regel der 
Augustiner. Wahrscheinlich bald nach der päpstlichen Best:Uigung konstituirte sich 
der Konvent, der schon im folgenden Jahre in einem Transumpt der päpstlichen 
Urkunde als C01LVe1llllS monaslelii Va//z:rwariae ordinis salle/i Auguslini bezeichnet wird. 
Das Klo'iter war in einer Entfernung von etwa 4 km von der Stadt am l\Ieeres- 


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ufer im MarienthaI (daher der Name Vallismaria oder Mariendael) angelegt worden, 
was dem Rathe in Hinblick auf feindliche Annäherungen doch sphr bedenklich er- 
schien. Er suchte daher heim Hochmeister des Deutschordens um die Verlegung 
des Klosters in das Innere des Landes nach (Urk. vom I. April 1413, UB. IV, 1945) 
und fertigte zugleich einen Sendboten mit eingehenden Instruktionen an denseIhen 
ab. (UB. IV, 1946.) Zwar zeigt der Rathsbote, Merten Brandenborch, in seinem 
Bericht an den Rath vom 5. September 1413 (UB. IV, 1947) an, ddss der Hochmeister 
für die Verlegung des Klosters einzutreten gewillt sei, und dieser beauftragt auch den 


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OrdenspruJ..uratur noch im Jahre 1416 (UB. V, 2094) auf dem Concil zu Konstanz 
die Verlegung in das Innere des Landes zu befürworten, doch kam es dazu nicht, 
ob in Folge einer Entscheidung des Concils, oder in Folge anderer Umstände, ist 
unaufgeklärt. - Anfänglich mochten die Klosterbauten aus Holz errichtet worden 
sein, doch wird sich auch bald die Ausführung in Stein angeschlossen haben, Noch 
im Jahre I.h 7 schreibt ucr Ordensmeister Sifrid Lander v. Spanheim an den Revaler 
Rath (U B. V, 2 J 09), dass das Klostcr sich an ihn nach W olmar mit uer Bitte ge- 
wandt habe, ihm die Aufführung einer steinernen Sakristei zur Pnterbringung der 
Ornate, Heiligthümer, Kaselen und sunstigen Kirchcnkleinodien und zum Schutze 
derselben gegen Feuersgefahr zu gcstatten. Erst im Jahre 1436 scheint der Kloster- 


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Fig. 81. Debil. RUS der Klosterkirche. 


bau zu völligem Abschlus" gekommen zu sein, denn in Jiesem Jahre erfolgte die 
Einweihung durch den Revalcr Bischof Heinrich 11. v. Uexküll. 
Trotz der in Reval eingeführten Reformation hielt sich das Kloster doch lange 
Zeit hindurch, wenn auch zuweilen durch rdubendes Gesindel belästigt. Im Jahre 
1560 empfiehlt der Syndikus Clodt dem Rath dringend die Niederreissung des 
Klosters .lUS strategischen Gründen (F. Bienemalln.Urk.u.Briefe IV Nr. 170) und auch 
der Ordensmeister Gottharu Kettler räth dringend dazu (ibid.), doch geschahen dazu 
keine Schritte. Am 30. J dnuar 1575 langten russische Streifcorps im Kloster an, er- 
schlugen einen Theil der Klosterinsassen und führten andere in die Gefangenschaft. 
Zwei Jahre spater, am I. Februar 1577, während der zweiten Belagerung durch die 
Russen schlug auch dem Kloster die Stunde des Unterganges. Seit jenen Tagen 
liegt es in Trümmern. (Ueber die Geschichte des Klosters s. C. F. W, v. Nettclbla, 
vorlaufige kurzgefasste Nachricht von einigen Klöstern der H. Schwedischen Brigitta 
ausserhalb Schweden u. s, w. Frankfurt und Ulm, 1764, u. G. v. Hansen, Die Kirchen 
u. ehem. Klöster Revals, S. 163 u. C.) 
BAU B E S C H RE I B U N G. Den Hauptbau des Klosters bildet -die grosse 
dreischiffige Hallenkirche. (Fig. 78.) Sie hat eine innere Länge von 55,92 mund 
eine innere Breite von 23,88 m. Sieben Paare quadratisch gestalteter ArkadenpfciIcr 


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trug-en die jetzt nicht mehr vorhandenen Gewölbe, die nach den an den Aussen- 
wänden erhaltenen Spuren der Gewölbansätze eine ungefahre Höhe von 15 m über 
dem Fussboden gehabt haben müssen. Während die GurtbÜgen in allen Jochen, 
wie ausgegrabene und noch in den Wänden vorhandene Reste erkennen lassen, das 
gleiche Profil (Fig. 79) zeigen, trägt das mittlere Pfeilerpaar der Breite der Arkaden- 
pfeiler gleich kommende GurtLÜgen von 1,20 m Breite, eine Anordnung, die weniger 
auf eine Konstruktionsbedingung als vielmehr auf eine beabsichtigte augenfällige 
Scheidung zwischen den beiden Kirchenhälften ,1lIrÜckgefÜhrt werden muss. Wahr_ 
scheinlich sollte hiermit aUl.h an dieser Stelle dne ins Auge fallende Theilung zwischen 
dem Chor für die KlosterinMssen und der Laienkirche betunt werden, die nuch 
durch einen Lettner vervollsUlndigt sein mochte, vor dem sich der Altar des heiligen 
Kreuzes erhoL. Die Gurtbögen sind durchweg aus I1austein hergestellt, die Ril-'pen 
und die GewälLkappen waren dagegen aus Ziegeln gebildet. Die Ziegel haben Ab- 


Fig. 82. Maas.werk der Chorfenller. 


messungen von 300 X 144 A 70 mm. Ein selbständiger Chorbau fehlt der Kirche; 
sie führt ihre Schiffe in grader Linie ununterbrochen bis an's Ende und schliesst im 
Osten wie im Westen gradlinig ab, Eine an der Nordwand der Chorpartie sichtbare, 
die drei Fenster überschneidende Spur von Gewölhansätzen blieb lange Zeit räthscl- 
haft und gab zu den verschiedensten Deutungen Anlass, bis durch die im Frühjdhr 
1894 von den Verfassern unterl10mmenen Ausgrabungen in der Ruine und die ddbei 
gemachten Funde, hesonders durch die Auffindung von mehreren unter Schutt ver- 
borgenen achteckigen Pfeilern mit eigenartig geformten Kapitälen (s. Fig. 81), Wand- 
konsolen und Gewiilbrippen fpstgestellt werden konnte, dass an dieser Stelle eine 
,mf (-liesen Pfeilern ruhende gewölbte Empore bestdnden hatte, die aller Wahrschein- 
lichkeit nach den weiblichen Klosterinsassen zum Versammlungsort während des 
Gottesdienstes diente. Die Nonnen konnten von dem an der Nordseite der Kirche 
belegenen Kreuzgange her durch drei unterhalb der Kirchenfenster befindliche breite, 
flachbogig überwÜlbte Thüren auf die Empore treten. Für die Aebtissin scheint 
noch eine besondere Loge in der Kirche an derselben Wand bestanden zu haben, 


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'He eme vom Kreuzgang hierher führende ThÜr und sicbt:n Kmgsteine unterhalb 
derselben erkennen lassen. Sie diente vermuthlich der Aebtissin, um bei gro!>sen 


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FiS. 8.. Ruine der Klosterkirche von Nordost. 


Kirchenfesten von hier aus dem Volke den Segen zu ertheilen. - Am Ostende erhob 
sich die Sakristei, ein unterkellerter und mit vier Kreuzgewlilben überspannt gewesener 
Raum, der durch eine schmale Thür mit dem Chor in Verbindung stand.
		

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Das Aeussere der Kirche wird durch starke ungegliederte Strebepfeiler ge- 
theilt, zwischen denen die hohen Spitzbogenfenster angeordnet sind. Diese besitzen 
noch theilweise Reste von Maasswerk, das in den beiden Mittelfenstern des Chores 
sehr zierlich gestaltet ist (Fig. 82, 83), wogegen die übrigen Schifffenster nur ein ein- 
faches Stabwerk, dds durch die Zusammenziehung der theilenden Fensterpfosten zu einer 
Spitzbogenform gebildet ist, aufweisen. Bemerkenswerth ist, dass das Maasswerk der 
Fenster aus grossen Fliesplatten gehauen ist. - Wenn im Allgemeinen beim Aeussern 
auf eine weitere architektonische Detailgliederung verzichtet ist, hat doch der erhaltene 
Westgiebel eine reichere Gliederung durch fÜnf der Dachneigung folgende Blend- 
nischen und Kreisblenden in den Bogenzwickeln erfahren. Das Hauptportal, zu 
dessen Seiten zwei kleine Figurennischen 
angeordnet sind, zeigt lebhaft profilirte 
Laibungen, die durch mit Ranken- und 
Blattwerk verzierte Platten in der Höhe des 
Bugenansatzes unterbrochen werden, (Fig. 
85, 86.) An der SÜdwestecke erheben 
sich die Reste eines Kapellenbaues und an 
der Südostecke tritt ein TreppenthÜrmchen 
vor, dessen Treppe sowohl auf den Kirchen- 
boden , als auf den des anstossenden 

 
 Bruderhauses fÜhrte. 

 'T Zwischen die Behausungen der weib- 
lichen und mannlichen Klosterbewohner 
schob sich die gewaltige Masse des Kirchen- 
baues und mit diesem standen jene durch 
gewölbte Gange in Verbindung. Die Klausur 
der Mönche lag auf der SÜdseite, die der 
Schwestern auf der Nordseite der Kirche. 
Das Haus der Mönche erstreckte sich als 
zweigeschossiger, theilweise unterkellerter 
Bau in der Flucht der Ost wand der Kirche 
nach SÜden in einer Länge von 29 m 
und in einer Breite von 11,8 m. An die 
Fig. 85 u 86. DetAil. vom Portal der Klosterkirche westliche Langwand des Gebäudes lehnte 
sich ein schmaler gewölbter Gang, an 
dessen Ende eine ThÜr zum Chor der Kirche führte. Nach Westen zweigte sich 
ein noch schmälerer und niedrigerer, die Strebepfeiler durchsetzender gewölbter Gang 
ab, an dessen Ende, gegenüber der Aebtissinenloge, eine zweite ThÜr in die Kirche 
mÜndete. Die durch das Haus fÜhrende gewölbte Verlängerung dieses Ganges nach 
Osten fÜhrte in's Freie. Neben diesem Ausgange liegt in der Mauer die zum zweiten 
Geschoss fÜhrende Treppe. Erhalten ist von diesem Gebäude nur der gewölbte 
Ausgang mit dem darÜber liegenden Raume, die Treppenmauer und ein Theil 
des Kellers. 


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Von der bedeutend grösseren Anldge des Nllnnenhauses haben sich nur 
die FundamentzÜge und die die Strebepfeiler durchbrechenden, aber bedeutend breiter 
angelegten Ga.nge an der Kirchenmauer erhalten. Diese Ga.nge sind zweigeschossig 
angelegt und ebenfalls mit Kreuzgewölben überspannt. Das untere Geschoss der- 
selben zieht sich bis an den vorletzten Strebepfeiler nach Westen, während das obere
		

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schon hinter der Aebtissinenloge endet. Höchst wahrscheinlich führten diese Gänge 
am OstflügeI der Klostergebäude entlang bis zum Haupthause, das die Nordseite der 
Anlage einnahm und recht geräumig gewesen zu sein scheint. Ein mit diesem Ge- 
bäude wieder in Verbindung stehender dritter FlügeIbau führte direkt auf die Loge 
der Aebtissin zu, so dass von diesen drei Geb:iuden ein oblonger Hof von ca. 42 III 
L:lnge und 23,S m Breite eingeschlossen wurde. Die gewölbten Gänge an dieser 
Seite und einzelne Kellergeldsse hattcn bis vor Kurzem :1.nnere Bauern und Fischer 
sich zu \V ohnungen und Vorrathsräumen eingerichtet. 


Fig. 87. Reconstruirte An.icht des Klosters von Südwest gesehen. 


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GRABSTEINE I{EV ALS. 


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			IC Grabsteine der Reval'schen Kirchen sind wohl ausnahmslos 
Erzeugnisse einheimischer Arbcit. Zahlreich war im Mittelalter 
das Amt der Steinhauer in H.eval vertreten, wo dieselben in 
den grossen Fliessteinbrüchen der Stadt geeignetes und dabei 
bilIiges und reichlichcs Material für ihr Gewerbe fanden. Aus 
Fliesstein sind denn auch fast alle Grabsteinc angefertigt. Viele 
J:cichnen sich durch ihre Grösse vor den Grahsteinen anderer Städte aus. Ihre 
Lange und Breite ist nachfolgend angegeben. Die Dicke der durch ihre Lage in 
solcher Beziehung messbaren Steine variirt zwischen II und 22 cm und betr
igt 
durchschnittlich etwa 15 cm, Die Inschriften und Figuren der Grabsteine aus dem 
14.Jahrhundert sind vertieft, die Buchstaben in gotllischen Majuskeln ausgefÜhrt; erst 
gegen Ende des 14. Jahrhunderts treten statt dieser erhabene gothische Minuskeln 
auf, die sich bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts erhalten, um dann bis 
zum 18. Jahrhundert erhabenen grossen lateinischen Buchstaben zu weichen; bei denen 
sich anfangs Anklängc an die Antiqua zeigen. Wie die Buchstaben so sind auch 
seit dem 15. Jahrhundert (vereinzelt schon gegen Ende des 14. Jahrhunderts) die 
Figuren in den Ecken der Steine und in den \Vappen- und Markenschilden erhaben 
dargestellt. Im 16. Jahrhundert macht sich überhaupt die erhabene Form des Bild- 
werks auf den Steinen geltend und wird seit der zweiten Hälfte des Jahrhunderts 
die gewöhnliche. 
Erläuterung: L. = Lange, B. = Breite des Steins. Die N. in Klammem be- 
deutet die Kirchennumeration der Steine. F. = Feld, W. = Wappen, H. = Helm- 
schmuck. Ein I bedeutet die Trennung der Schrift durch eine neue Zeile. Rechts 
und li n k s ist im Sprachgebrauch der Heraldik genommen, dem Beschauer entgcgen- 
gesetzt. Die grossen lateinischen Buchstaben der Inschriftcn sind wo erfordcrlich 
durch klcinc, das "v" durch "u" ersetzt. 


Domkirche. 


Im Chor, 
I. (3.) Horn. Vorhandene L. 284, B. 197 cm, oben ein Stück abgeschlagen, 
so dass die von Klingspor, Grafminncn i Re\'als domkyrka, Stockholm 1886, S. 25 
gcgebene Inschrift nun fehlt. Diese lautet: Hitr ligl begrabm der edle !{esbmge 
Ilerr Carl Htinrichsoll von I/orn, Erbgesessfll zu Kali/ws, IVendm ulld 
Jfa//, 7iJei- 
landt der Cron zu Schwedm Fe/dl Obrister, der se/ig/ich i111 Herrn mtschla.fm d. 
I6. AfaJ' A" I60I, Auf dem Stein ist der verstorbene rühmliche schwedische Feld- 
herr im lIarnisch abgebildet, neben ihm seine Gcmahlin Agnes v. Delwig. Ueber 
beiden stehen die Buchstaben: G. I. 1Ir. S, I D. M. A. N. ,H., unter ihnen der 
Spruch aus Hiob: "kh 7,Jfis. das mein Er/ostr le7 1 et" dc. An seiner Seite (der 


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			142 


rechten Seite dcs Steins) befinden sich seine Ahncnwappen: I. Horn; 2. Dieken 
(Engel mit Vogelkopf und Flügeln); 3. W. 3 linksschrage Balkcn, H. 3 Straussfedern; 
-1-. W. 3 mit den Stengeln verbundene Kleeblätter, II. 2 eine Kugel haltende Arme; 
5. Stalarm (W. geharnischtcr Arm, H. 3 Straussfedern); 6. W. 4 (2. 2) Treppen- 
giebel, H. 2 BüfleIhörner); 7. Kurck (W. ein obcn u. unten mit je einem Kleeblatt 
beseiteter Querbalken, H. ein Kleeblatt 7.wischen 2 BÜffelhörnern) ; 8. Ku rc k (W. 
ein von 3 Sternen begleitetes Schwert, H. 2 Biifldhiimer). An der Seite der Frau 


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'ig 88. Horn. 


sind die ersten beiden Ahnenwappen (Delwig und Fahrensbach) abgebrochen; 
3. Tödwen (.
 Sterne [2. I]); U e:\.küll (das gcgenwärtige W.); 5. W. u. H. ein 
springender Fuchs; 6. Uexküll; 7. Meks; 8. Treiden. (Fig.88.) 
Die erhaltellen In'ichrifttafeln des ehemals 7.U diesem Grahstein gehiirigen Epi- 
taphs sind an der südlichen Chorwanrl befestigt. Verg\. S. 47 u. 48. 
2. (7.) Uexküll, daneben. L. 269, B. 162 nll. Abbildung des Verstorbenen 
im Harnisch, daruntcr die Inschrift: "Ao /60/ tim 3. Februa.r;' is t/tr l{es/l(lIg0, 
edlrr 1md ehnn7Jes/cr (}I/o ('xkulI, der Cron Sch7fledm in Li/lam! bes/alder Fdd- 
7IIarschalch, Rrol{esessm zu Ficke! und Jufe. in Gold Sl'1
f{lich mt/srhla//m. /J,r 


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/Pomorze_050_12_145_0001.djvu

			143 


Sele God gnedig se}'." An der rechten Seite befinden sich folgende Ahnenwappen : 
I. U exküll; 2. Treiden; 3, Schwarzhof; 4. W. ausgcschlissen, H. 6 Pfauenfedern; 
5. Twiet'el (Zweifel) (W. u. H. springender Hirsch); 6. Tödwen; 7. Viffhusen. 
Auf der linken Seite: I. Vietinghof; 2. Bremen (3 Schlüssel im Schrägbalken); 
3. U exküll; 4-7 ganz oder zum grÜssten Theil abgebrochen. (Fig. 89.) 
3. (18.) Huene. L. 262, n. 206 cm. Das Huene'sche W. 3 (2. I) Ringe. 
H. 3 Ringe zwischen einem Adlertlug. Inschrift: Anno I74.1 d. 2. .I/a}' ist der 7Nlhl- 


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/Pomorze_050_12_146_0001.djvu

			144 


6. Grag, bei Krusenstierns Denkmal. Inschrift: "Disu Grab gehoret Johal/n 
lIIa//hias Grog. Elisabrth Fora und ihren Erben erblich und e
f;m. Anno qoo." 
Im Mittelschiff: 
7. (55.) Rahr. L. 277, B. 162 em. In der Mitte em von einem Lorbeerkranz 
umgebenes W., 2 gekreuzte Beile über einem Ochsen kopf, H.3 Rosen. Um das W. 
geht die Rundschrift: "Amlo 1696 d. 2. . . ., Diese Begriiblliss gehore// l./rrma/l 
Rahr und srinen Erben erblich." Pm den viereckigen Stein läuft folgende, theils 
vom Gestühl verdeckte Inschrift: "Der Gerechten Salm sind in Go//u IIam/ um/ 
krille Qual ruret sie an 1m Buch der Ireisheit 3. Cop. I. v." 
8, (70.) Wrangel. L. 313, B. 197 cm. Inschrift in einem Oval: ,.n. Hans 
lI/rangt! Z'01/ Waschd, Oberstrr und Landraht. Afargareta v. Lode. 169S." Sonst glatt. 
[m sÜdlichen Schiff. 
9. (60.) Taube, beim Eingangsportal. L. 335, B. 242 cm. An den Seiten 
des Steins laufende Inschrift: ,,0//0 Johan Thuwe, Erbherr au./1 Etze, Ema und Kono 
Still ';rab. A11110 1696." Sonst glatt. 
Unter der Empore (Orgelchor), 
10. W red e. Ein halber Stein tI 7. Jahrh.), B. 244 cm, auf dem die Oberkiirper 
eines geharnischten Mannes und einer Dame zu sehen sind. Rechts über dem Manne 
das freiherrlich Wrede'sche. links über der Dame das freiherrlich Taube'sche \V. 
(wie im Diplom von 1652). 
II. (82.) Ein Stein aus dem 15. Jahrh. mit einer Marke und verwitterter Um- 
schrift. L. 302, B. 213 cm. 
12. Stein (unter der zur Orgel führenden Treppe) aus dem 17. Jahrh., L. 288, 
B. 166 cm'. Unter einem Rundbogen ein die Hande zum Gebet erhebender ge- 
harnischter Mann, zu seinen Füssen rechts der Helm, links ein Schädel und Knochen. 
Ueber dem Bogen in einem Oval die Inschrift: "Ich bin die Auferstehung Ulld das 
Lebm, 'lver an mich gleubri, der 'lvird (leben, ob er gleich stÜrbe,) und 'li/er da lebet 
und gleubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Joh. I I. V. 25." Die untere 
Inschrift zerstört. 
13. (25.) Defekter Stein v. J. J 562. L. 226, B. 153 cm. Auf demselben ein 
geharnischter M,mn, rechts zu seinen Füssen der Helm, zu seinen Htlupten, von 
einer Saule der Empore bedeckt, ein W., welches als H. die Spitzen von 9 Pfauen- 
federn sehen lasst, links zu seinen Häupten das Taube'sche W. (Baumstamm mit 
2 Blättern. H. 3 Pfauen federn, die äussercn von je einem gespaltenen Stamm be- 
seitet). In den Ecken des Steines befanden sich in Kreisen Wappen, von denen 
Ueherbleibsel des Maydel'schen rechts oben und des Uexküll'schen rechts unten 
zu erkennen sind. Von der verwittertcn Inschrift am Rande ist nur noch zu lesen: 
... .. mur. I!ti ilr, ilollllu,iloor, ,.." 
14. (51.) WrangeI, B. 240 cm. Untere Hälfte eines Steines (17. Jdhrh.), 
welcher die Unterkörper eines geharnischten Mannes und einer Dame aufweist. 
Rechts zu den Füssen des M,mnes ein Helm, über dem sich auf Aesten das Wran- 
gel'sche und darüber das Wrangel'sche und Tiesenhausen'sche W. bdinden. Zu 
FÜssen der Frau ein Schadcl und Knochen, darunter das Wrangel'sche und über 
demselben wiederum das \Vrangel'sche und ein W. mit einem astahnlirhen Gegen- 
stande, H. ein wachsender Hund zwischen einem Adlerflug. 
1..;. Fleischeramt des Doms. In der Mitte des Steins ein gekrünter Schild, 
welcher 3 liegende Löwen und unter diesen (sehr unheraldisch) einen stehenden
		

/Pomorze_050_12_147_0001.djvu

			1
5 


Ochsen zeigt. Zu den Seiten des \\'.: RE - V L 17-08. Umschrift um das W. 
zwischen 2 Kreisen: "Des erbnnl Ambi der Fleischhaul'r auf den Thullls." 
(Neben NI'. 10 ein Steinfragment, wohl aus dem Ende des 14. Jahrh., welches 
in einem Kreise einen Arm mit einem Kelch in der Hand ,wigt. Von der Inschrift 
nur noch ,.E U S" zu lesen.) 
J 


St. Nikolaikirche. 


\Vohl gelegentlich der grossen Remonten, die in den 40er Jahren dieses Jahr- 
hunderts in der Kirche stattfanden und das Aufreissen des Fussbodens zur Folge 
hatten, ist den daselbst vorhanden gewesenen LeiclJensteinen Übel mitgespielt worden. 
Viele BruchstÜcke mit Inschriften \'ersehener Steine und noch vorhandene Steine, 
deren Seiten abgehackt sind, beweisen, dass nMn sie rÜrksidltslos und olme Kennt- 
niss ihres \Verths zerstÜckelt hat, um sie zur AusfÜllung der Diele da zu verwenden, 
wo es gerade passend schien. Trotz dieses schonungslosen Verfahrens, das man ja 
leider auch in vielen Kirchen anderer SWeHe beobachtet hat, ist doch noch eine an- 
sehnliche Zahl von Steinen erhalten geblieben, die durch Inschriften, \Vappen und 
Hausm.lrken Auskunft Über ihre ehemaligen Besitzer und deren Angehiirige geben. 
Ergänzungen in dieser Beziehung bieten auch das alte Todtenbuch und das neuer- 
dings wieder aufgefundene Grabsteinbuch der St. Nicolaikirche. Letzteres reicht aus 
der zweiten Hälfte des 16. bis in die zweite I-Lilfte des vorigen Jahrhunderts und 
wurde dann für die Praxis gegenstandslos, da mit der Einweihung des Kirchhofs zu 
Ziegelskoppcl im Jahre 17 7 
 die Bestattung der TII(lten unter den Grabsteinen inner- 
halb der Kirche aufhiiren musste. 
Abgesehen vom SchwarzhäuptergestÜhl befinden sich unter nen GestÜhlen, So weit 
angestellte Nachforschungen ergeben, nur BruchstÜcke on er Theile von den in den 
Gängen befindlichen Grabsteinen. Da der durch das I\Iittdschilf zum Chor führende 
G,mg und die beiden parallel 1.lUfenden Gänge in den Seitenschiflen der Kirche mit 
Brettern gedielt sind, so wurden diese Dielen einstweilen aufgenommen, um die 
darunter liegenden Grabsteine bioszulegen und zu untt>rsuchen. Dasselbe geschah 
zu demselbl'n Zweck mit dem Fussboden des GestÜhls, namentlich des Schwarz- 
häuptergestÜhls , wo solche<; erfordt'rlich war. Aus dem Mittelgange sind im Jahre 
188
 verschiedene Steine behufs Anlage einer RÜhrenleitung entfernt und rechts von 
der EingangsthÜr ner Kirche auf einander an die Wand gestellt worden. Auch 
diese wurden entziflcrt, nachdem sie mit einiger MÜhe auseinander gebracht worden 
waren. Die Steine sind fa<;t sämmtlich aus Reval'schem Flies!'tein angefertigt und 
meist von ansehnlichen Dimensionen. 


Aussenwand der Nordvorhalle. 
I. Ball iv i, eingemauert in d..r ni\rdlichen Ausscnwand. L. 236, D. 144 cm, 
Ein Skelett unter einem Rundbogen, UIlJ den Stein die Inschrift: ..:;\ 1111 0 . 111 i 11 iln 0 
(millesimo) . IJllillgrllt (quingentesirno\ . ntIJ6 (atque). bhö . I II Oll 0 (decimo). Jol,annr
. 
bnlliui. lIortor. in . IIIrllidni5. 3p
ln
 . ((>lIjnn!.1 atIJ6, bh .lIno .lInti. 
orlaub; . I aHnIlIpt. (assumptionis) b- (beatae) ul)illi5 . 1,lr . fnnt . IJlllnati . 
'1 l10 rltlll ' nir (animae). .xpi (Christi) . IJnlrJ;rot . in . pan", d. h.: Im Jahre 1500 
und 2 x 10 sind hier Joh. Balli\'i, Dr. der Medicin. sein
 Gattin und 2 x 2 Kinder 


NUTIUI!C
 & NaUMAtI;N'. ({ev
1 H. 


10
		

/Pomorze_050_12_148_0001.djvu

			146 


8 Tage nach Mariä Himnwlfahrt begraben worden, deren Seelen im Frieden Christi 
ruhen mÖgen." (Fig. 90.) Der aus Frankreich gebürtige Dr. Ballivi wurde 1515 
Stadtarzt in Reval. Im W. führte' er einen mit 3 Lilien belegten <)uerualken, 
In der Nord vorhalle. 
2. (22.) L. 231, B. 148 cm. In den 4 Ecken Rosetten, in der Mitte em ah- 


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Fig. 90. B.llivi. 


getretenes \V. (Ring, von unkenntlichen Gegcllst:inden umgeben, H. ein Hirschkopf). 
AugeschIissen. (17. J ahrh.) 
3. (61.) L. 248, B. 162 cm. 111 den 4 Ed,en RO'ietten, in der Mitte 2 W.. 
von denen das rechte als H. 3 Straussfedern hat. G,lJ)L; abgetreten. (17. Jahrh.) 
4. (194.) Delwig. L. 248, B. 184 cm. Am Rande geschmacklose Verzie- 
rungen, Im untern Theil ein auf einem Kissen ruhender geharnischter Mann, links
		

/Pomorze_050_12_149_0001.djvu

			147 


. 


über seinen Füssen sein Helm, unter ihm seine H,mdschuhe. Oben in der Mitte 
unter einem Baldachinmantcl eine von 2 Meerweibern flankirte unlesbare Inschrift. 
Rechts daneben d.1S Uexküll'sche, links das Treiden'sche W. Unter dem Mantel über 
dem Manne rechts das Delwig'sche W., links ein undeutliches (Bock?), mit einem 
wachsenden \Vidder als H. Unterhalb des Mannes wiederholen sich rechts und 
links dieselben W. Die Grabstätte wurde von der Kirche 1677 dem Rittmeister 
Bernhard Reinhold v. Delwig verliehen, welcher in diesem Jahre darin seine Frau 
und die Gattin des Lieutenants Otto v. Delwig bestatten liess. (Fig. 91.) 
5. (69.) Kemmerer. L. 226, B. 153 em. In den Ecken die Zeichen der Evan- 
gelisten. In der Mitte in einem Kreise ein W., in dessen rechter Half te 2 unkennt- 
liche markenähnliche Gegenst:lnde, in der linken ein von je einer Rose oben und 
unten begleiteter Querbalken. H. eine Rose am Stengel zwischen zwei BüfleIhi\rnern. 


Fig. 91. Delwig, 


Rund um das W. die Inschrift: "Dis.fer Sltin . . . . geh ol'l HUTIS Kt1111rtr und. . . . 
s !Ieratl . . ,." Die Inschrift lilngs den Seiten des Steins auch abgeschlissen: 
" . . . . I Hans ;'-elllel"l'r, der Se(le) Go! genedich S
I'. I AO I645 ' . . . slarb I die er 
lind vii dugen!sallle Fra/l711 Afarl{rela }Ieratl, der Stle Goi gmedich st)'," - Dem 
SchIlPider Kemmcrer und seines Schwiegerv	
			

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			148 


Die Kirche verlieh ihm die Grabst:ltt
 1675 und 168:3 wurde daseIbst seme Frau 
bestattet. (Fig 92.) 
7. (101.) Gubbersen (Hubertson v. Eil). L. 240. B. 175 cm. Enthalt nur 
2 M,lrken und den N dmen de,> Besitzers der Grabstätte: ..Korne/ts (;ubberscll," 
8. (64.) T 0 eck. L. 224, B. 213 cm. Bei der Rost'n'schen K;qwlle. An dcn 
Seiten des Steins mit unschÖnen lateinischen Buchstahen die Inschrift: ..DÜstr Stei,t 
llnd SÜlle gehoret dUll vorachtbartll 1lIld I 1tJei/alli/ schI. 1/, .If"l"CUS lock 1tJolver- 
dimtm VorsÜher I dieser I\irchm uml die viel ehr llnd tu/(mlsalll(, I FJ flIn., Gerlruf 


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Fig. 92. ".ykull. 


Riesmkamj>s EI bfJl, Ano In. 8." Den oberen Thcil des Steins füllt folgender 
Spruch aus: "Ich 7tJeis das mein Erlostr leM llJld er 7l,ird I mich hernach allS der 
Erde aufe17tJecken umll 7.'trde dar/lach mit diestr meiner Hallt ll11lgeben I 71.erden 
lll/l1 'werde in meinem Fleisch Gotl sehen, DOlselben I werde ich mir sehel1 llnd mriJle 
Allgen 7lJerden ihn I schau7tJl1l UJJd kein Fremder. i/iob llm II). Caj>Üel." Di(> Mitte 
des Steins nehmen in Hochovalen zwei \V. ,'in, rechts das Toec)..'schf' (2 aus einem 
querliegendem Ast henorwachsende Hosen, H. 3 Hosen an Stengeln) und links das 
Riesenkampfl'sche (Mann mit einem Baumstamm in der Hand, I r. eine Rose zwischen 
einem Adlcrflug), zwischen dl'lI Ovalen und der :iussert>n l'lIlschrift plumpe Ver- 
zierungen. Der untere Theil des Steins enthält die Inschrift: ,. Tit. il V. IJ. I Wir 
7€/arten auf die sdi{ he I {,'/Jlung undf I Erscheinung der I/erligkeit des grossen I 
Golfes undt IlJlUrtS Heilandes flsu I Lnrisfi." Die Grcl.usl:itte erhielt der K irchen-
		

/Pomorze_050_12_151_0001.djvu

			1-J9 


vorsteher M;
rcus Toeck 1657 und starb im September desselben Jahles, l1dch- 
dem er kurz zuvor 5 Kincter an der Pest verluren hatte. Seine an Joh. v. Glehn 
wiederverehelichte Wittwe Gerdrutha Riesenkampff starb 1691. 
9. (;9.) Dun t e. Abgeschlissener Stein mit einer eingemeissclten l\Iarke und 
den Buchstaben I. D. - D.]. Er gehÖrte dem 1637 verstorbenen Kirchenvor- 
steher J ubst Dunte jun., der indessen dort nicht begraben wurde (cf. N. 50). 
10. (94.) Schmiedeamt. In eill('m Schilde neben einander eine Zange, ein 
Band und ein H,lInmer. 


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'ig. 93, Rudde. 


I m Hauptgange längs der Orgelempore. 
Il. (15.) Stein vom Jahre 1480 bei der Eingdngsthür. L. 235, B. 133 !"In. 
In den Ecken Rosetten, in cter Mitte ein Schild mit einer Marke. Abgeschlissen. 
Von der Inschrift an den Seiten nur zu entziffern: uUl. rr ee . I H! ' I iI r 1J 111 n 11 iI n 0 UI 
... ftnrfl. rr ...... In späterer Zeit (1657) C()nrad Nierotll verliehen. 
12. (71.) Schoten. L. 240, B. 157 cm. In einem Kreise kaum erkennbar 
das Schoten'sche W. (im oberen Felde der Löwe, 11. Straussfedcm). Stark abge- 
treten. Gehörig dem 1602 verstorbenen Oiedrich v. Schoten. 
I.J. Stampehl. L. 235, B. 170 cm. [n den Ecken Spuren von Rosetten. 
In der I\litlt in einem Kreise 2 an einem Bande hängende Schilde mit Marken. 


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			150 


Umschrift : 
Abgetreten. 


..Diese(r Stein und Stelle geJhort Jllcob StamPfet um!) seit/en ErbeIl. .. 
Der Inhaber war 1666 todt, 


I4. (189.) Budde. L. 211, B. 182 cm. Abgeschlissen. In den Ecken in 
Kreisen folgende W.: Rechts oben das Budde'sche (schräg rechts getheilt, aus dem 
unteren geschachten in da" obere Feld hervorspringendes wachsendes Einhorn, H. 
('in warhsendcs Einhorn, Buchstaben F. B.), links oben W. ein aufrechtes Widderhorn, 
H. Pfauenf('dern von 2 Widderhörnern beseitet, Burhstaben A. V. Unten recht-; 
\\'. eine Bärentatze, H. das Horn eines Einhorns, Buchstaben S. B, links unten 
W. in einem rechtsschrägen Balken ein Fisch, H. rechts 
traussfedern, links 4 
Fähnchen, Buchstaben H. JJ: In der Mitte des Steins in einem Kreise das Budde- 
sche W. mit der Umschrift: "... gehont Fridrich Budde und seillen (Erben)." 
Oberhalb des W. die Inschrift: "Christus ist mein Lebm, Sterbell mein Ge1£lin. 
A11110 I6 . ," und unterhalb: "Leben wir, Si) leben wi,. dem Herl eil, sterbf11 wir, 
so sterben wir dem Herren, darum 1i'ir leben oder sterben, so shld wir des Her- 
ren," An den Seiten des Steins läuft oben und unten in einer Reihe, rechts und 
links aber in zwei Reihen eine verwitterte Inschrift: "Anno 
.... I6 . . . . . I der edler ulld ehren/est Axell Budde, des woledlm 
und I gestrengen H. Friedrich Budde zur I Ruslet ehleiblicher 
, Sohn. I . . . . Sehlen Godt glIedich sey," Die Grabstätte wurde 
. ( J /1634 von der Kirche dem Obristlieutenant Friedr. Budde, 
t f - Erbgesessnen zu H"lmhof auf Oesel verkauft, der seinen Sohn 
\
 J ..-:JJ hier am 23. Juni 1634 bestatten liess. Den Kauf<;chilling ent- 
) richtete sein bevollmächtigter Vetter Friedr. Budde zu 
TelIist. (Fig. 93.) 
I5. (34.) Lintorp. B. 155 cm, der untere Theil ab- 
gehackt. Oben in den Ecken Kreise mit Kreuzen im Vier- 
pass. In der Mitte ein ganz abgeschlissener Schild; von 
der abgetretenen Inschrift an den Seiten zu entziffern: 
(1\nllo In.) I cu , I):):): . ., I . ,.... I BllJqtb . b):Ot . IO!JIP , 
Fig.94. "rotp , o. p. .. ." (1380 t Alheid, joh. Lintorps Gattin. 
Bete für sie.) Joh. Lintorp kommt urkundlich als T.lfeJgildc- 
bruder 1364 und als Immobilienbcsitzer von 1382 bi<; 1401 vor. 
I6. (2.) Dücker. L. 204, B. 120 cm. In der Mitte ein abgetretener Kreis 
mit 2 W., von denen nur das Dücker'sche kenntlich ist. Die Inschrift abgeschlissen. 
Der Stein wurde 1630 Reinhold Dücker's Wittwp verliphen. 
17. Sehr abgeschlissen. L. 242, B. 208 cm. Die unrichtige Nr. 355 einge- 
meissclt. In den Ecken die Evangelistenzeichen. In einem Kreise 2 \V., das rechte 
unkenntlich, H. ein Baumast ?, das linke ähnlich dem Schoten'schen. 
18. (141.) L. 208, B. 11 5 cm. Hängender Schild, in welchem eine Marke und 
die Buchstaben L. P., darunter die Jahreszahl 1 S4 7. 
19. (169.) L. 244 cm. An einer Seite vom Gestühl gedeckt, stdrk abgetreten, 
so dass von der Inschrift an den Selten ausser .. 111 C C C (c)" nichts zu lesen. In der 
Mitte ein W.: In der unteren Hälfte 2 Querstreifen , in der oberen 2 Thürme, 
zwischen denselben eine von unten hervorwachsende Lilie (?). Auf dem Stechhelm 
wiederholt sich der Wappenschild in einem mit 3 Pfauenfederbüschen hesetzten 
Spiegel. (Die Lilie einer Frauengestalt ähnlich.) Im vorigen Jahrhundert gehörte 
der Stein Joh. Jobst Fürstenau und seinen Erben. (Fig. 94.)
		

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			151 


20. (39.) H erbers. L. 255, B. 175 cm. In den Ecken die Evangclistenzeichen. 
Die Inschrift an der Seite theils abgetreten: .,Ao 1603 den 6. .Ju!;usti starb I seMig 
Bemhald H(erbers) . . . I 1'11" den IlJ. August I. ... Simlici Solm. D. S. G. G." 
(Den Seelcn Gott gnade.) In der Mitte des abgetretcnen Steines in cinem Kreisc 
cin W., 2 gekreuzte Seepter, H, Ein wachsendes Einhorn. Umschrift: "J1follummtulIl 
haeredit (ari1l1n. Bemhardi. lferbers) hlljus. r{'ipub. Syndici." (Fig. 95.) Darüber dic 
Disticha: 


"L t mlnc triste mori, Üc dulce resurgere quond(am), 
Vita mihi ChriJlus, mors 1/Ühi foenus erit. 
In frrris labor ljI, requies sed dulcis (aete)nl(a), 
111 summo veniult g2udill sUlllma Dei." 
d. h. ..Traurig ist es zu sterben, doch süss einst aufzuerstehen, 
Christus Leben mir ist und auch der Tod nur Gewinn 
Mühsal giebt es auf Erden, doch süss ist der Ewigkeit Ruhe, 
In der Höhe uns winkt höchste Erquickung bei Gott." 


Die Grabstätte erwarb 1603 des Syndicus B. Herbers Wittwe Dorothea, geb. 
h.alf und bestattete daselbst am 8. August ihren Mann, Im Jahre 1626 vcrkaufte 
sie dieselbe. 


. 


8B 


Fig, 96. 


Fig.9!1. 


21. (1-14.) Muller oder Müller. L. 255 cm. Die rechte Seite mit der In- 
schrift ahgehacl,t. In einem Kreisc in der linken oberen Ecke ein Schild mit eincr 
l\Iarke und den Buchstaben K. l\I. (Fig. 96.) Der untere Kreis leer, Inschrift um den 
Stein, obcn in 2 Reihen: ,..\ 11 0 1366 11 ruH), I Si r p tr 111 b ti 
1. rt n t f. {.\ nt tin n 
lIIollu5 I uull. iUllllu . al}r. prtu I . " ,.1 rrirll olullid)". Sonst glatt. 
Zur Beisetzung der Lcichen der Seinigen erwarb der nachmalige BÜrgermeister Peter 
Moller 1567 diese GrahstaUe und wurdc selbst am 25. November 1601 hier bestattet, 
16 16 seinc .r.weite Frau. 
u. Dunte. L. 236, B. 165 cm. Der Stein hat in den hckcn Krcise mit 
Wappen, von denen da.. linke oben und das rechte unten ganz ahgetrcten sind. 
Das rechte obere 'V. ist d,ls Dunten'sche, 3 gr. Lilien an StengeIn und .r.wischen 
ihnen 2 kleinc Blumen. H. 3 Lilien. Dds linke untcn ist das der Familie v. Wangerscn 
bei ihrer Nobilitirung dis v. Wangershcim 163-1 beigelegte W. (Eine Taube mit einem 
Ring im Schn	
			

/Pomorze_050_12_154_0001.djvu

			152 


.. .lf,'iu J.,'sa, hier 1tf:
1 GoI/es f'ielllul 
l 'lId I allzeit der Lasler älgskr Fei"d, 
(;ros 1'011 Kunsl wul l'on Gahe" ruch, 
Im Leben seiuer Lehre 
/cteh, 
Si hr e11lbsl:t: siels naeh seiner (I'/I}ichl, 
TreU', Il'adlsall1n, lli"mals j'/lfl1lig nil'hl, 
f
i'lI trefflich 1f'olhererlter lIfm11l. 
Nahl jchut:::eml das, Il'as {;oll gÜll{ au. 
Lutheri .1h/1/dt, .Johannis .1111ht 
{'nd des Elias Eiffers Gluht 
Die U'allrf!1l ihm ZII nller Xeil, 
Ob.\'ehou die Weil dn,,'ieda jehre)'t. 
1 'iel Bucher hat s"i" Irell'er Pleif 
111 DmcJ.. gehracht ;;u r;olles Ere. 
(nriftmässli;, 1111lzlzch, fthr gdehrl 
Undt dues en
l[f!1l Lohes wehl(l) 
.....iml dieset samPI u",1 ill !(f'lJle;'1 
D(adllr)ch er willl l/J/jlerblich jeJ"l. 
Verll'efet fchon der Leib alhia, 
,N(icht) schadl dorh das d"r Salm 7icr 
Tr . . . ueh mcht an des J.\'ahmCll.f Ort, 
Es lebet .lIen nunte hier lIud dort." 
Darunter: 


"Eiu edles juudml,'leiu ihm _1/1 Eh erkohrf'll Unir"d 11011 J/'nllgn:fhrimh, die 1'011 
ihm I hat gehohrm 11el/1/ liehe Kindrrleiu I. Drr r.nslmul It'ar (zwJolft I .Jahr (ulld) 
Zwey wul 1'ierzig .Jahr friu gaulzes Alter 11 'ar. " (Fig. 97.) 
Mag. Ludwig Dunten, ein vortrefflicher und gelehrter Mann, war Pastor an 
S. Ulai, t 1639. Nicht lange vor seinem Tode hatte der Rath aus Aerger über seine 
Str.tfpredigten ihm auf 3 \Vochen das Predigen verboten, was er sich sehr zu Hcrzen 

 
nahm. Seine Frau starL 1657 an der Pest. 


Unter der Orgel empore und dem Treppenaufgang. 
23. (49.) Renteln. B. 170 cm. Der obcre und der untere Rand mit der 
Inschrift abgeschldgen. Inschrift an den Seiten: " . . . . . I her is jurgel1 l'ml Nmldm 
in Go(I) .., I . . . . . . I is A"nn vau Rt'1llelm in Got se/,ch mtkhlaftn." In der Mitte 
befinden sich in einem Kreise 2 Schilde mit Marken, Übcr ihnen ein geflÜgelter 
Engclskopf. Auf dem rechtcn Schilde die Buchstaben f V-. N., auf dem linken: A. E 
C mschrift: "Dese Stell und .')'let hort .Jurgm I'an Nmletczl liIl siuf'll Ervm." (Fig. 98.) 
Darüber ist folgcnde Inschrift angcbracht: 
"Ilic cubmll 7Jlsam dui I Ehcrhmd 1'011 Nmteleu I ecclesiaf' at! t!. ."imlni m;m:ft,;. 
per 10 tl1l1lOS l'igilaulzssimi, '111i 11Wlus erat (flll/O 1595 die ZO. IIJece1llhns, dmatus v. 
(= vita) 111l1LO 1642 I die 15. .Jal/ltnrl.... Jürgen \'. Rentcln wurde den 28. Nov. 1603, 
seine Frau Anna Eeck 1636 begraben, neidcr Sohn war der Pastor Eberhard v. R., 
weIcher mit Hinterlassung einer kinderlosen Wittwe dcn 24, Januar 1642 hipr be- 
stattet wurde. 
24-. (22.) Vor man n. B. 124 cm, abgeschlissen, zum grossen Theil unter ciner 
hier nicht zu hebenden Bretterdiele ; aus dem Ende des 15. J ahrh. Inschrift an der
		

/Pomorze_050_12_155_0001.djvu

			153 


Seite: ,,';Jolj.ll1rp \.Ior 11110111 prrflIltrr 
kulaikirche. 
2.5. (56.) H üb n c r. L. 260, B. 179 cm. In der J\fitte eine eingemeisselte 
Marke mit den Buchst D. Ir., von einem Lorbeerkr,lIlz umgeben. Darüber nach 
Ausmer7.llng einer frühercn Inschrift: .,Distr. S/
i1l . und . !:'l
dl . g
horl . David. 
Hubnern. uTld. seinCll. Erbtll. I7ol." Unter der Marke: "Der. Leib. 71,ird. hir. 
ins. I Grab. gestlz . die , Sahll in Himmd. schön . 
rgdzl. I die. IÜgI. 1Iml. rulhl. 
in I ChriJli. Schos . der L
lb I isl all
r Sorgen los." Der Stein wurde 1700 dem 
Kupferschmicd David HÜbner verliehen. 
26. (53. 5-l. 55.) Clllutigilde. 3 ganJ: ähnliche Steine, L. 213, B. 138 cm. 
\'on welchen die Canutigilde No. 54 schon frÜher besass, die beiden anderen aber 
1626 von der Kirche k,llifte. Auf allen befindet sich in einem Kreise das Stadtw. 



'ig. 97. 


.. «)ffenlmr em Priester .1Il der St. Ni- 


FiK.99. 


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Fig.98. 


Fig. 100. 


(3 leopardirte Löwen) mit der Umschrift: ,.DÜser. Slein . II/ul . Siedle. gehonl 
S. KIllII(gild
 . Reparl1ll1s I626." 
27. Stein \'. 1420f an 2 Seiten abgeschlagen, in der Mitte eine Marke. (Fig.99.) 
Inschrift an den Sciten: ,,111 . (( (( In. 111 . P fqHo , \.I tI . fr 0111 CI fd ., ." (3. ()kt. 1420.) 
28. (52.) Schwarz häupter. L. 306, B. 170 cm. GrÖsstcntheils vom Ge- 
stühl dieser BrÜderschalt verdeckt. Wappenschild derselben mit dem Mohrenkopf 
und der Jahreszahl 1559. D,lInals erhielten die Schwarzhäupter die Gr.Lbstätte von 
der Kirche. 
29. (1-l6.) Liphart, von demselben GestÜhl verdeckt. 1.. -, 13. 156l"I1I. Glatte 
Kreise in dcn Ecken, dn den Seiten nur Einkantung ohne Inschrift. In der Mitte 
ein Kreis mit 2 Wappen, rechtes W. ein Herz, aus dem 3 \'erschlungene Lilien 
wachsen. H. Die Lilien wiederholt. Buchstaben A. 1..; linkes W. 2 nach unten ge- 
richtete Thier- (Esels-?) Kinnbdcken. H. Dieselben aufwärts gerichtet. Buchstaben 
1\1. K. Unter den \V. A. 1.. dis 
1()n()graIllm und rundherum die Inschrift: "Di
s
T. 
Stein. und. ...,"tele. gehttl Ale.\"allller. Liphar/ . lind. seincll . Elbm . 16.J6." (Fig. 100.) 


I 
........
		

/Pomorze_050_12_156_0001.djvu

			15-t 


Es sind die Wappen des Sattlers Alexander Liphart und seiner Frau. Ihm wurde 
die Grabst
itte 1626 von der Kirche verliehen. Er hat in der Stadtgeschichte (vgl. 
Thl, I) eine unverdiente Bekanntheit erlangt. (Die 1688 in Schweden naturalisirte 
F,lInilie v. L. fÜhrt im unteren Felde ihres Wappens auch ein Herz.) 
30. (48.) Miihlenbeck, desgleichen unter dcm GestÜhl der Schwarzhäupter. 
L. 260, TI. 162 cm, Die Inschrift an der oberen und linhen Seite des Steines konnte 
nicht gelesen werden; unten und rechts lautet sie: "An - den - ist die wo/edle 
ehr I und tu;;mdsallle Fraw Jfar;;rcta Do'nhof in dem fÜrn selig entsch/afen." [n der 
Mitte in einem Kreise rechts das MÜhlenbeck'sche W., ein Ritter, begleitet unten 
von 2 Sternen, mit der Linken einen Kranz emporhebcnd, mit der Rcchten ein 
Schwert senhend. H. Der Ritter mit Kranz und Schwert wachsend wiedcrholt. Das 
linke Dänhol'sche W., cin Eberkopf. H. Ein wachsender Ebcr. Umschrift: "Dieser 
Stein lind Stete gehol t f f lIlichl1e/ }Ilollmbeck und seinm Erbm." (Fig. 10 1.) Der 
Besitzer der Grabstätte Pastor Mich. Miihlenbeck (Molenbeck) wurde daselbst 
1657 bestattet. Erst 1663 bezahlte seine Wittwe Margaretha. geb. DÜnhof den Kauf- 
schilling für dicselbe. 


.'ig. 102. 


Fig. 101. 
3 1 . (44.) SchrÜder, enter dem vorderen SchwarzhäuptergestÜhl. L. 251, 
B. 156 cm. In den Ecken die Evangelistenzeichen. Inschrift an den Seiten: ...llmo 
1668 den 17. ilfarzy is I . . . . rodel' in Got dem lferl'1l . . . . I Anno 16- dm - ist I 
Dorolea Behnsfe1d in Gott dem Heren . . . . I fen." In der Mitte in einem Kreise 
2 glatte Schilde. Umschrift: "Dieser Stein wul Stehte geh ort Davit Schroder . . ." 
Ueber dem Kreise ein Engelskopf und darÜber die Inschrift: "Ev. Joh.3. /6. A/so 
hat Gott die lFelt geliebl, dass er sei1wl eingebnrnm Solzn gab, auf dass alle, die 
an ihn g/allben, llicht ver/orul werden, sondern das ewige Leben haben." Der KÜster 
David Schre,der wurde unter diesem, ihm 1663 verlichenen Stein am 27. März 1668 
und seine Frau den 14. Juni 1671 bestattet. 
3 2 . Stein vom Jahre 1486, unter demselben GestÜhl. L. 270, 13. 189 nn, mit 
Kreisen in den Ecken und einer in 2 Reihen an den Seitcn laufenden Inschrift, 
von der nur Folgendes J:U entziffern war: ..':Jllt . Ißt. bllff
. !Jcn. ptli. t IIJ:Hbi. 
be
 ....bage
 . Ilot , bu. fI.....1 bo filtd ,111.....1 .....nit. alle. uobe
 
Olluen ... I Sfllt.litt. bnfe
 . !Jere 1111. (ue.... be"L IIIltnbitgrp. bot. ..I... 
. . . ., b . Utl t 111 it 11 .... ." I n der Mitte ein Schild mit einer Marke, (Fig. 102). 
(Ausserdem befindct sich unter dem Treppenaufgang, zum Theil von demselben 
verdeckt der Stein des Gerberamtes (Kirchen-No. 21 U.22) ncben dcm St
in No. 23, 
auf welchcm zu lesen ist: ".... ber der Roszler I . . . . erb lind eigen I Joh. Dazl. 
Jlenlllg I A/ter1llan I J. D. Ladstork I H. H. Co: Schultze I Ca. Fr. Steinberg I G, H. 
Da: SteÜlberg I Jungmeisll:r I Allo 177 2 ,'') 


.........
		

/Pomorze_050_12_157_0001.djvu

			155 


l'nweit der ()rgelempore \'or eier AntoniuskapeIle. 
33. (47). Cnopius und Prätorius, L. 257, B. 160 cm. In der Mitte 2 
"Vappen, das rechte das Cnopius'sche: Ein aus Wolken reichender hewehrter Arm, 
der mit einem Schwert einen aufrechten Zweig durchschneidet. H. Ein Todten- 
schadeI, aus dessen AugenhÖhlen je 3 Achren w,ll'hsen und der oben ein Kreuz auf 
einer Moneisichcl trägt. Das zweite W. ein von 2 Lilien oben begleileter Spanen, 
unter demselben ein springender Hund. H. Ein wachsen eier Hund. Ueber den 
W. die theils abgeschlissene Inschrift: ",Sepulrhru11l haereditariuln l.fohml1lis Cnopi.. .. I 
in quo et .fat'obi Praetorii 111. r. .. I qllod cOluli potuit, situm est" (d. h. Erbbegr:ilmiss des 
Joh. Cnopius . . .., in welchem auch dasjenige des kiinigI. Arztes Jac. Pratorius, 
welches angelegt werden konnte, befindlich ist). Unter den \\".: "Ne moriamur, 
1/Ioriomur. H (Wir sterben, um nicht zu sterben,) Die Grabstättr wurde 1623 dem 


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Fig. 103. Cnopiu. lind Pr,;toriu.. 


Fig. 10
. Straelborll, 


Pastor an St. Nicolai Joh. Cnopius (Knopf) \erliehen. Er wurde den 17.J,lIl. 1632, 
der StadtarztJal"Ob Prätorius aber schon den 16. Mai 1623 daselbst bestattet (Fig.103), 
34. (142). Bremen. L. 257, B. 144 cm. lIben in einem Oval die Inschrift: 
,.Leben wir, so lebnt wir dem Horn, skrben wir, so sterben wir dem llnrn, darll1nb 
wir leben oder sterben, so sind wir dC.f Jlt 1'111. Räm. 14. ['al'. , 'ers 8." Den unteren 
Theil des Steines nehmen 2 \V. ein, die vun einem, unten mit einer Bandschleife 
verbundenen Lorbeerkranze umgeben sind. Dds rerhte ist das Bremen'sche \V. mit 
den Buchstaben P. R, das linke das Zimmermann'sche: In 6 Felder geschacht, im 
1., 3. u. 5. ein LÖwenkopf. H. /.wischen 2 gewundenen Bändern ein mit 3 Strauss- 
federn geschmückter Löwenknpf. Buchstaben A. Z. M. Die Kirche verlieh 1692 
der Frau Anna Zimmermann, Wittwe des Obristlieutenants Paul Joh. Bremen, die 
Grabstätte mit dem Recht, ein \Vappen in der Kirche aufwhängen, Den 18. Febr. 
1693 wurde ihr genannter Ehemann unter dem Stein bestaltet.
		

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			15(, 


35. (186.) Strdelborn. L. .35-t, B. 191 cm. In den -t ILu"sercn Eclen, ebenso 
in dpn 4 Ecken der inneren Umrahmung imitirte Schraubenkiipfe. In der Mitte, 
vun einem LorbeerkranJ.: umgeben, rechts d,ls Straelborn'sdle, links das Koch'sche W.: 
Ein auf einem BaUllle sitzender Vogel. H. Ein wach
ender Hirsch. Im obercll 
Theil des Steines die In
chrif1: ..Dieser ."i"i,l lind Stele geROt'eI dem Rochedel gestreng 
ll/ul wob'/a/lvesten I/ortl Ir Eher! 7)011 StradhtJrtl Itnd seillen Erben. 1688." Ullter 
den \V,: .,Der Cerahtell :)'eelC1l silld ill (;olles fland lind keine Qual ruhret sie all." 
Die Grabst:ttte wurde dem Praefectus l'ortorii Ebert von Straelborn verliehen; seine 
Wittwe Bela, geb. Koch, wurde daselbst bcstattet den 30. Juli 1723. (Fig. 104.) 
36. (46.) Eeck (Eike). L. 315, B. 204 cm. In den Eclen die Evangelistcn- 
zeichen. Inschrift an d::n Seiten, theil" \'nm Gestühl verdeckt: .,AIlIIO 1583 I ... . . I 
U/lt 7'011le11lt I Tomm Eil.'e in Got cntslafCll." In der Mitte von einem Engel ge- 


Fig. IO
. Eeck. 


Fig.I06. 


Fig, 107. 


halten 2 Schilde mit Marken, das rechte mit den Buchstaben T. E.. d,lS linke mit 
A. E. Unter den Schilden in einer verzierten T,lfe1 die Inschrift: "fell weis, das 
mein Erloser lebet u. s. w. in meinem Fleisclle Goi schell." (Fig. 105.). Der Inhaber 
des Steins Thumas Eeck senior wurde den 2. Mai 1583 bestattet. Seine Frau war 
Anna Eeck, geb. Dre)'cr. 
37. 143.) Rotgers. L 197, B. 144 cm. In den Ecken Rosen, die rechte 
untere Seite nebst einem Theil der Inschrift "on einer Säule der ()rgelempnre bedeclt. 
Die Inschriften an den Seiten oben, llllten und linl,s in 2 Reihen, rechts in einer Reihe: 
,,:\ 11 0 , ! i i ii
. 
 c: 11 . rt IRr fr 11 . 1)1111 
 . ro t 0 tr Ji ' . . . I . . . 11, r ! ii I I t R r f . 
tor 0 b . I R 11 R . 111 0 r !1 0 rr tI: , It 0 tr i 11 t . 111 R g I 1I R 1c 11 tRI h (j. f 0 Ijli . ro tot U . 
Itilllln fillt 11......1. !Jot. OIlRlIr." (1-195 starben Hans Rotgcrs. . . . I. . . . 
1512 starben Jacob etc., alle Herrn Joh. Rotgers Kinder.) In der Mitte ein Schild 
mit einer Märke. (Fig. 106.) Juh. R. war Kirchenvorsteher und Rathsherr, t 1522. 
.{8. (132.) Kappenberg. L. 2.H, B. 184 cm, abgeschlissen. In den Ecken 
die Evangelistellzeichen. Inschrift an den Seiten, oben in 2 Reihen: "Ano 15 . , 


..........
		

/Pomorze_050_12_159_0001.djvu

			157 


den . . I . ,. VeI. .lasper. l\app"";:orrch . Ano 67 I dClI 5..... slarll sa/zi?e. . . iI.-ap... 
hn;!:sche . (;01 si I en btiden .. . . ." In der Mitte 2 Schilde mit abgeschlis
;c'nen 
Marken, an einem Bande hJngend. Im rechten: ?- c., im linken: ?- G. Deber den 
Schilden eine unleserliche Inschrift in 4 Zeilen. Der Bürgermeister Jasper Kappenberg 
wurde den 2. März 1569 und seine Frau am 8. Nov. unter diesem Steine bestattet. 


31). (138.) Rumor. L 251, B. IR-1- cm, Stark abgeschlissen. In den Ecken 
Kreise. Inschriften an den Seiten oben und unten in 2, rechts und links in 3 Reihen, 
die obere ganz unleserlich, der Schild in der l\Iitte .Ibgebrnchen. Leseare Inschrift: 
..(
 IIno. 111. ':1"1'( ,I!UIII. I up , hrll . ourllt, rOlluuTh. pOlIti. I ho . Uotf 
1I n . 0 1 b r tt . tU m 0 t . 01111 0 I I D , 11 P . r D 11 tr . tri 11 01 h . iI 0 g r . iI 0 . ft 0 t f . g rt II r u t 
I]rr.nlbut. tUIIIOt...llr..... 
fr 0 m r . 0 tot r . p. I r 0." Der Bürger- 
meister Alber Rumor, ein Sohn des 
Rathsherrn Henning R., - dem wohl die 
ausgelöschte Inschrift der oberen 
Reihen gilt, - starb also den 24. Jall. 
1468, seine erste Frau Gertrud den 
12. Jan. 1-1-55. Ueber ihn o;iehe Theil I, 
S. 30. Durch Erbschaft ging die 
Grabstätte spater auf die Luhren und 
\Vehren über. 
40. (136.) Reyer, L. 251, B. 
193 cm. Der Stein trägt als ur- 
sprÜngliche Jahreszahl 138 I und ist 
später umgearbeitet worden. Die alte 
eingemeisselte Inschrift an den Seiten: 
,,: 110: gohrf, : ' bott. 111 . -'::1'1', 
ill. hrlllr. I!!!i. io I tr. ;!Itnd. 
lIIorg . . . I . . . . . t.'. In der Mitte 
befindet sich in dnf'm Kreise zwischen 
der Jahreszahl 15-91 ein Schild mit 
einer Marke und den Buchstaben 
A. R. l'mschrift: "lJisse. slem. hOld 
. Aunl ,Nner Ullt/. sinnl . ('1'V-;". 
(Fig. 107.) Der als FÜhrer der Re- 
valer Kaperschiffe (Theil I, S. 54) be- 
kannte Besitzer der Grabstätte er- 
hielt dieselbe 1573 und wurde hierselbst am 28. April 1580 bestattet. 


- --=-.. 

..::::
-:. 
-.;::: -
 



 - 
 

 j»)5@ .-=;'::
 
- ij 0 


O"I.N 


Fig, 108. 11115. 


41. (1-1-0.) Bus, an der Wand zwischen dem \'origen Stein und Nr. 42. L:inge 
264, B. 180 cm, In den 4 Ecken und in der Mitte der Inschrifträndt'r an den Lang- 
seiten des Steins im Ganzen 6 Kreise mit Markenschilden und Initialen, zum Theil 
ziemlich abgesdllissen. Oben R. ? und W. D., in der Mitte H. B. und I. H., unten 
T. B. und G. K. (?). Inschrift an den Seiten: ,.... 1J511 h i ith 0 tll I "0 . 111 0 rh)" 1) 
rt 0 t f ' IJlJltt i r kib 11 U . h r 111 . gott. I 0 rn r II i r11 1111 h bot 11111 ft t Ir II h)." 
In eier Mitte an B:indern hängend 2 Schildt' mit Markt'n und den Initialen H. B. 
und R. R. (? (Fig. IcB.) Aus dcr Inschrift ergit'bt sich das bi
her unbekannte Todes- 
datum des Kircllt'n\"orstehers Heinrich Bu
, der 18. No\. 1550. (lTeber ihn siehe 
Tlwil I, Berichtigung zu S. -1-3 u. Theil II, S. 6.
.) 


.........
		

/Pomorze_050_12_160_0001.djvu

			15S 


4 2 . (139.) Arpenbeck, zur H:llfte von den zur ThÜr der Antoniuskapelh' 
führenden Stufen verdeckt. L. 248 cm. In den Ecken die Evangelistenzeichen. 
Von der Inschrift an dpn Seiten (links in 2 Reihen) zu lesen: " . . . . C/l . . . . isl da 
I (Thar zlorncmer Ilrms .IIrpcllherk ill Goi sc/ich/ich I mIsch/alm, der Sein Goi glIedich 
st'v. I Ä 
 1666 dm.... I . ,.." In der Mitte in einem Kreise unter einem Engelskopf 
2 Wappen, das rechte (Arpenbecks) unter der Stufe, das linke, seiner Frau gehörige, 
ist das der Familie v. Aken: Im oberen F. ein wachsender Greif, im untern 3, 
unten an den Stengeln zusammenhängende Blumen (Lilien ?). H. Eine Blullle 
zwischen einem Adlerflug. Umschrift: "Dieser .I.,l/!ill llT/d SIelIr gehorel l/aT/s (Arpe/l- 
beck)." Ueber und unter dem Kreise unleserliche Inschriften. Hans Arpenbeck er- 
warb die Grabstätte 1648, bestattete daselbst n. Die Inschrift, deren oberer Theil vom GestÜhl verdeckt ist, lautet: 
o 0 
"...,..1.... quTIa, feia. p'? lu ca .obiit l1eubilis. I bus. Bacba- 
kalJpel . canonic 9 . 31 . (= et) IPi . (= hujus) ecde , pleban 9 ." 


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Fig, 109, Kuli.... 


rias
		

/Pomorze_050_12_161_0001.djvu

			....- 


159 


(Freitag vor St. Lucastag starb IIerr Zacharias KappeI, Canonicus und Priester dieser 
Kirche.) Auf der Steintläche ist die Gestalt eines Priesters abgehildet, rechts davon 
ein Kreuz. 
47. (20.) L. 240, B. 149 cm, aus dem Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahr- 
hunderts. In den Ecken die Ev,mgelistenzeichen, in der Mitte in einem Kreise ein 
Schild mit einer Marke. ()hne Inschrift. 
48. L. 240, B. 149 cm, aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. 
Rosetten, in der Mitte ein Schild mit einer l\Iarke und den Initialen 
Ohne Inschrift. 


In den Ecken 
IJ. p, (Fig. 110.) 


4Q, (90.) tor Borch. L. 240, B. 149 cm. Abgetreten. In der Mitte ein 
Kreis mit einem Markenschilde, daneben die Jahreszahl 15-90. l Tmschrili:: ".... InOl 
Borcn und sinen en'en." (Fig, I I 1.) 1590 wurrle rlie Grabstätte dem Kirchenvor- 
steher Engel tor Borch verliehen, welcher den 30, Aug. 1603 dort bestattet ward. 


tlg.l11. 


E,J( 


Fig. 110. 


Fig, 112. DUII.e. 


50. (78.) Dunte, in der Nclhe des Chors. L. 225, B. 157 on. In,>chrift an 
den Seiten: .,A
 /6 - den - isl. Joesl . /hmlc I in . (;odt . dem . /loren, sdiglicn . 
cntschlaffen I A
 /624 . den X/I. Aug. starb . Rlschm I legcsacl.' ,lohst. flunlC1l . 
diche i/allsfra7£'. D. .",: (;. G." Tm oberen Theil des Steins steht unter einem grossen 
l\lantelhaldachin: ,Jobsl Dunfe der lunger." Den untern Theil des Steins nimmt 
das Dunte'sche \V. (cf, N r. 22) ein, Ulngehen von einem Lorbeerkranz, darunter ein 
Band mit der Aufschrift: ..Ein Lallb lmd Bau1Il wie bald dOll." Ganz unten ein 
Schädel unrl Knochen. Die Figuren sind eingegrclben. (Fig. I 12.) Des Kirchcl1\'or- 
stehers Jobst D. junior genannte erste Frau wurde den 25, Aug. 1624 unter dem 
Stein bestattet. Er selbst lebte schliesslich auf dem ihm verliehenen Gute Kegel 
und starb dort 1637, 
Im Mittelschiff. 
Dort lagen die Steine ursprÜnglich in 2 Reihen. Im Jahre 1884 wurden, mit 
Ausnahme eines Steins (N r. 5 I), die an einer Seite liegenden Steine behuf'> Anlage
		

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			160 


einer Riihrenleitung herau:-.gennmmen und rechts von der Haupteingangsthür unter 
der Seitenempore eincr an den dnderen gplehnt an die Wand gestellt (S. 145). Im Gange 
des Mittclschifls untpr der Bretterdiele liegen: 
51. (35.) Kowellow, der erste und einzige Stein links im Gange, zum grüssten 
Theil von der Diele bedeckt. L. 260, B. 175 cm. In den Ecken Kreise mit einem 
Kreuz. Die ziemlich verwitterte, an den Seiten in 2 Reihen laufende Inschrift zum 
Theil vom Gestühl verdecJ..t: ,,{jir licht , IJer . otto (?) I 11ubering . .be rc 
...... I tH11fte . iare .bes. .bon I nedager ' na . mitl1arte . bib n . 
uor, b, rele, I 
nt , iar . 11nres . it)ercn . m . ecce. li , I acht. bage . 
u 0 r , f ' m er t c n . .b {1 , rt ar f . e rr ai e . kom e II 0 116 , I IJ 
1 . 1Jt £ r te 11 s . 
ba ge . bo . rtarf . I merten . l
amel{11U . bibbrt . got , vor, be . feten." 



'iJ;. 113. 


I 


I \ 


Fill:. 114. 


}:,Jf. 


Fig. tI
, 


'lIerr Dtto (?) Vredering t den 31. März 1
35, Jesaia Kowl'llow t 4. Nov. und M.lrtin 
K.1we1ow t 11. Nov. 1
51.) In der Mitte ein Schild mit einer Marke, (Fig. 113,) 
52. (19.) Dudink, neben dem vorigen auf der anderen Seite des Ganges, 
L. 310, B. 184 cm. In den Ecken die E\ange1istenzeichen in verzierten Vierpässen. 
Die theils abgeschlissene, theils vom Gestühl verdeckte Inschrift an dpn Seiten: 
,,1nt. iar. I tlJctiii . na .,." alJcnt . narf. mrrner. I bubinck . I .... 
barnt hertidJ rtJ." lWemer Dudink t 15I3.) In der Mitte ein Schild mit einer 
Marke und den Buchstaben ltJ, b. (Fig. II-t.) Die Grabstätte gehÖrte sp:iter dem 
Kirchenvorsteher Wemer Dudink junior, dessen Gattin hierselbst den 18. Sept. 1577 
bestattet wurde. Nach Angabe seines nicht mehr vorhandenen Epitaphs ist cr I 5
8 
(42 Jahre alt) verstorben. 
53. (2H.) In neuerer Zeit dem Tischll'ramt gehürig, wohl aus dem Ende des 
15. Jahrhunderts, in den Ecken RCI!-oetten, gan/: aLgeschiissen, mit Spuren verwitt<'Tter 
Inschrift. 


11
		

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			161 


.'i4. (14.) Länge 221, B. 138 cm. Abgeschlissen. Der untere Theil der In- 
schrift unter dem Gestühl. Inschrift an den Seiten: "An.o . n.1
 . £i . b.o . I ftarf. 
l]inricR . b (oder k) Wart (?), bes, man. I.,... l.orbatttJ. bibb.ct. u.or , 
fine. fel e." In der Mitte ein W. mit Stechhelm und Helmded.en. W. 3 (2, I) 
"ben abgerundete undeutliche Gegenstände. H. Eine Puppe. (Fig. 115,) 


.'iS. (120.) Schriider. L. 2
8, B. 183 cm. Abgeschlissen. In den beiden 
oberen Ecken Schilde mit Marken in Kreisen, letztere unten abgeschlissen. Inschrift 
an den Seiten: "Ann.o . 1538 . tlen . becembers , narf ' I brigittn fchr.o- 
lIers ' 1\ nn.o 41; .ben 20 
m n .ofember 
narf IJer I b.ot/J £icJJr.ot'bt'r .... I ..,. 
gncbicJJ rei." In dcr Mittc an Bändern hän- 
gend ein senkrecht getheilter Schild mit einer 
Rosc unten in der rcchten Hälfte und ciner 
Rose oben in der linken Hälfte. (Fig. 116.) 
(Ueber den Bürgermeister Boot Schriider s. 
Theil I, S, 
8.) , 
56, (8,) Korbmacher. L. 285, B. 
240 ('\n. Der Stein zeigt rechts einen Mann, 
link" cine Frau in Patriziertracht, die H:lndc 
zum Gehet gefalten; über dem Mann das 
Korbmacher'sche W. (Ein Korb, H. Ein Adlcr- 
flu
) und über der Frau cin W,: Ein mit 
Sturm haube und Speer bcwehrter Mann, H, 
Eine Puppe. Die unter den Cestalten befind- 
liche Inschrift unleserlich. Dieselben stellen 
den BÜrgermei!.ter Diedrich Korbmacher, 
Stammvater der später nobilitirten Familie K., 
und dessen zweite Frau dar, die hierselbst 
dcn 27. April 1591 resp. den 18. Feur. 1599 
bestattet wurden. (Fig. 117..) 
57. (87.) Beeck (Weh I), der letzte Stein 
unweit des Chors. L. 252, n. 172 ('m. Abge- 
schli,.,sene Inschrift an den Seiten: " . . . . iscr 
Kirche I Pastor uud . . ,. I .. . . I . . . ." In der 
Mitte in einem Kreise 2 Wappen, rechts: Ein 
oberhalb mit 3 Blumen (Tulpen?) beseiteter 
Querbalken. H. Ein wachsender, eine Lanze 
haltcnder Hirsch. Initialen: M. E. V. B.; links das Vcstring'sche W. (r[ Nr. 82) mit 
den Initialen 1\1. V, Statt der ursprÜnglichen Umsrhrift ist ,,/lamall . Weht" und unter 
den W. die J ahrcszahl 1688 nachtr,iglich angebracht worden. U eber dem Kreise: 
"Esaia 26 . I fithre meill lolk ill rilt Zimmer I schlti'ss die Inur llach dir zu I ver- 
birge dich eilt Neill AIl!{mblirk : IJ/:" der Zom 7'Oliihrr gehe." Unten eine unleser- 
liche Inschrift und unter dcr,.,elben ein licgPlules Agnus Dei. (Fig. 118,) Das 
Begr:lbniss erwarb 1688 der Schuster-Aeltermann Hennann Weh\. "'ie aus den 
\Vappcn und dcr Inschrift ersichtlich, gehörte die Grabstätte \'orher dem Pastor an 
St, Nicolai Mag, Erich \'on Beeck (hier hegraben den 22. Nov. 1650) und sciner 
Frau, geb. Vestring. 


NOTTJJKCK & NaUMANN. Reval IJ. 


........ 


Fig. 116. 


I L
 


. 
, . 
i.< 


I " 


I , - 
/ .


 
\ :
: 


Fig. 117. 


Korbmacher. 


11
		

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			162 


Die aus dem Mittelschiff fortgeschafften und bei der EingangsthÜr 
aufgestellten Steine. 
58. (37.) Warendorp. B. 146 cm. Der oberste Theil des Steins mit der 
Inschrift abgehackt. Inschrift an den Seiten: u...' I fr i b f( ge 13 . n a . fun i e . 
mat
aeltl3 . bad, , b.o . fiarf I brnn . marenborp . ua I tltunfier . ge- 
b.oren . bibb.et . g
obe . urne. be . fele.'
 Darunter ist später am Schluss ein- 
gemeisseIt : ".Iohannes A ndreä, med. Doct." In der Mitte ein \Vappen: Ein zweiseitig 
gezinnter rechtsschräger Balken, oben und unten von einern einfachen Balken be- 
gleitet. H. Ein Frauenkopf. (Fig. 119.) Brun Warendorp aus MÜnster wurde 1428 
Bruder der Revaler Tafelgilde. 1631 erwarb den Stein J oh. Andreae, Dr. phys. et med. 


.'i&,. 118. Beeck. 


,. 


7' 


"' 
:' C 

 
L 


Fi&,. 119. Warendorp. 


59, (27.) Goldberg. L. 256, ß. 157 cm. In den Ecken die Evangelisten- 
zeichen. Die abgeschlissene Inschrift an den Seiten in 2 Reihen: "Anno /6, . . . . . 
ist I der ehrem.ester . und vornehmer. Casper . Goltberrh . Elter I man , der . grossen 
Gilde I se/ich. in (;ot . mtslajen . der. See/e1l . Uot . gnedich . sey . I Anno..... dm 
9. I Februan' . ist . die . ehr und fiel tUKenlsamc . FraIlw . Elsrhm I R,wm ... in 
Goi I den . Herren. entslafen . Der. Seelen. Got . gncdich . s':J'." In der Mitte in 
einern Kreise unter einern Engelskopf rechts das Goldberg'sche W.: Im uberen Fcldt 
ein wachsendes Ross, im unteren Spuren einer liegenden Sichel. H. In einer 1\1 uschel 
ein Arm, der ein Blatt in der Hand hält. Links das Rabe'sche W. 5 (3, 2) runde 
ausgekerbte Gegenstände (Rosen). H. Ein oftener Adlerflug. Umschrift: "Dieser 
Stein und Siete gehoret Casper Goltbarch und seinen Erbm." Ueber dem Kreise in 
7 Zeilen die Inschrift: "Ich weis das mein Er/oser lebel I und er wird mich henzach 
aus der Erden I onferweckm und werde hemoch mit I diser meiner IImt! 1angeben 


'- 


--- 
-
		

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			163 


I 


wen/eIl I lind 7I1erde in meinem Fleisch (;011 sehen. I Denseibetl werde ich mzr sehen ulid 
meine I Augen werdm ihn schallwm lind kein Fremder. I Hiob 19." Unter dem Kreise 
steht über einem Todtenschiidd und Knochen: "Ghe hin mdn folk in deine 
II.funmer I ulid schliesse die Thllere /lach dir zu I velbizg dich einm kleilien Augenblick 
bis I das der ZOIll 710riibel gehe. ./t"sllill 2n." Unter dem Stein wurde der Inhaber am 
19. Nov. 1635 bestattet. (Fig. 120,) 
(,0. (23.) Nottbeck (Dehn). L. 246, B. 182 cm. In den Ecken Rosetten. 
Von der Inschrift an den Seiten nur zu lesen: "A 11 0 r i i i i , . . ." und ,,1'.110 r 11 f. . , ." 
das Uebrige abgepickt. In der l\Iitte in einem Kreise ein Schild, in dem keine 
Figuren mehr vorhanden sind. l T nter dem Kreise befindet sich die Marke des 
spateren Besitzers des Steins, des MÜnzmeisters Urban Debn (begr. den 14. Aug. 1560) 
mit den Initialen V. J). Ueber dem Kreise die Inschrift: "Dieser Stein u. Stele 
gehoret I H: Berent Nol I beck n. dessCll Ehelibs I te .fj: Anna Korbmacher I und beidel- 
seils ErbeIl I erblich, Anllo 1687." Letzterer kaufte die Grabstätte 1687 von den 
Dehn'schen Erben und wurde hierseIbst 1688 bestattet. 
61. (190.) Tiesenhausen. L. 236, B. 195 nn. Abgeschlissen. Inschrift 
auf der rechten Seite in 4 Reihen, auf der linl,en in 2 Reihen. Der Stein konnte 
nicht so weit von der Wand abgerÜckt werden, um auch 
die rechte Inschrift zu lesen. Die linke lautet: "Anno 16 
- dm -- isl die hoch7l'01ledle eh1 und i mel tUf(e11tsnhme 
Fraw A/lna . Asserz' . des II. Ge1l1al . J
/aJ'or I . . . . ." Auf 
dem Stein ist ein geharnischter Mann abgebildet, die 
Hände zum Gebet gefalten, zu seinen FÜssen links der 
Helm, rechts die Handschuhe, unter ihm eine kleine 
abgeschlissene Inschrift, Die Füsse des Mannes ruhen auf 
den 'VurzeIn zweier Stammbäume, welche undeutliche 
Ahnenwappen mit meist ausgelöschten Familiennamen tra- 
gen. Rechts von unten nach oben: I. das Tiesenhausen- 
seil{' \V., 2. das Plettenberg'sche, 3. ein 'V., von dem 
ein Stern in der linken oheren Schiklecke zu erkennen ist, 4. das Tiesenhausen- 
sche, 5. ein ganz zerstörtes. Links von unten nach oben: I. das Asserie'sche 
("Assary"), 2. das Drulshagen'sche (2 gekreuzte Schwerter), 3. das WrangeI'sche, 
.t das Tiesenhausen'sche. 5. das Risbiter'sche. Die linke Ecke mit dem Risbiter'schen 
W. ist abgeschlagen uml liegt daneben.*) Die Grabstätte kaufte der Generalmajor 
und estländische Landrath Hans Heinr. v. Tiesenhausen, Erbgesessener zu Erl,l, 
Borkholm, Tolks und Pekniel, im Jahre 1635 von der Kirche fÜr 100 Rthlr. und 
liess seine Gattin, geb. Asserie, den 2. März 1639 daselbst bestatten, desgleichen den 
3. Februar 1654 seinen hier abgebildeten Sohn Detlof. Bei letzterer Gelegenheit 
heisst es im Kirchenbuche: "und seind neben seine Fahnen auch der Tiesenhaussen 
Ahnen aufgehencket worden, wofÜr der Vater der Kirche vermacht ein Legat von 
200 Rthlr." Bis 1772 wurden hier Angehörige des Geschlechts bestattet. 
Im Südschiff (unter der Bretterdiele). 
62. (126.) Salza. L. 240, B. 171 cm, neben dem Stein Nr. 22. 
Salza'sche W., darunter unter einem Baldachinmantel, ilhnlich wie Nr. 50: 



'i&,. 120. Goldber&,. 


" 


Uben dds 
"Bemhard 


., Die in Fol
e der Anlag-e einer Röhrenlcitung im Sommer 188-1- ausg..hobenen Steine 
sollten auf Anordnung eines Kirchenvorstehers zerklopft werden. Es war bereits damit begonnen 
und die Ecke ein..s Steins, d. i. wohl die oben erwähnte, abgeschlagen worden, als der derzeitige 
Ob('rpastor J. N. Ripke, dem die Erhaltung der Alterthümer der Kirche am Herzen la
. eine 
weitere Zerstlirung verhinderte. 


U. 


-- 
-
		

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			164 


1Jon Sa/za I . starb An .
IDC (Datum fehlt), lleduZll'ch v. Assi!rie I starb Ao. l1lDC . Xl. 
den 27. Nov. I Elisabeth Wrangeli I stmb Ao. j}IDC den I (Datum fehlt), Welcher aller 
Seelen i Godt Wledidl und I barmhertig sein I wolle." Unten rechts das Asserie'sche, 
links das Wrangel'sche W, - Bernhard (Berend) v, Salza kaufte 1611 das Regr:lbniss 
von der Kirche. Es wurden daseIhst bestattet: den 12. Dec. 1612 seine erste Frau 
Hedwig v. Asserie; 1635 und 1642 seine 2 Kinder; 1657 den 15. Janudr er selbst 
und am 7. F ebr. 1677 "die alte Frau Saltzen'sche", wohl seine zweite Frau. 
63. (127.) Derfelden. L. 240, B. 176 cm., abgeschli"sen, oben vum GestÜhl 
bedeckt, zeigt unter 2 Rundbögen rechts einen geharnischten Mann, links eine Frau, 
darunter eine abgetretene Inschrift. Die Grabstätte verkaufte die Kirche der Wittwe 
des Obersten-Admirals und Statthalters Joh. v. Derfelden, Erbgesessenen zu Leuwen- 
burg und Wels, Namens Elisabeth, geb. v. rIater, mit der Berechtigung, ein Epitaphium 
nebst Beleuchtung an der Wand anzubringen. Sie liess hier den 27. Juni 1633 ihren 
Mann bestatten und wurde selbst am 6. Febr. 1657 hier beigesetzt. 
64. (130.) Adam. L. 280, B. 151 cm, ähnlich dem vorigen, abgeschlissen. 
Rechts zu den Fibsen des geharnischten Mannes der Helm. Die Inschrift unten 
auch abgeschlis!.en. Anna Dorothea v. Derfelden, 
\Vittwe des Obristen Über 2 Regimenter zu Fuss, 
Salomon Adams (Adam). Erbgesessenen zu Tutto- 
mäggi und Lammary, kaufte den Stein von der 
Kirche mit dt'm Rechte, gegenÜber an der 
Mauer ein Epitaphium, Waffen, Fälmlein und 
"KÜrenitz" an.mbringen. Sie bestattete hier 1638 
ihren Gatten. 


FiS. 121. Zur Mühlen. 


65. (129.) L. 231, B. 164 cm, an 2 Seiten 
vom GestÜhl bedeckt. In den Eckcn noch 
cinige EvangeIistenzeichen vorhanden, Inschrift 
an den Seiten: "t ii . in. u i 9 i1 i a . rt i . 
lamerti (?) . obiit , bom . I .... . a11- 
,11 IJlt i 9 , e c cl e . (= canonicus et hujus ecc\esiae) 
Mitte cin Vierpass mit abgepickter Fläche, darunter 


tIJoniß I .,... It . canoni 9 
plebanuß I or...." In der 
eine Marke. 
M. Stein mit der Abbildung eines Priesters, theils von der Kanzeltreppe ver- 
deckt, L. Über 231, B. 170 cm. In den Ecken Kreise, abgeschlissen. Inschrift an 
den Seiten: "..,., I ". dU . feTa . iii . plt . fertu . rijl1tOIß . .cl I iube ' 
° . b 11 ß , a I . , , . , . ." 
67, Stein aus dem I 5. Jahrhundert, gleichfalls theils verdeckt, ein StÜck ab- 
geschlagen. In einer Ecke noch eine Rosette vorhanden. Auf dem sonst glatten 
Stein in der Mitte ein Wappenschild, W. 2 gekreuzte, gebogene, behaarte Arme, 
von denen jeder einen 6strahligen Stern in der Hand hält. 
68. (186.) Zur MÜhlen. B. 164 cm. Sehr abgetreten; die obere und untere 
Seite abgehackt. Inschrift an den vorhandenen Seiten: u',., ist der ehrbar lmd fur- 
nemi!r 11lasius zur ,Ifuhlm in Gott sdig... oe In der Mitte ein Kreis mit dem zur 
MÜhlen'schen W. (Hirschkopf) oben, und unten 2 Schilde mit den Marken und 
Initialen seiner beiden Frauen: rechts unleserlich (Gertrud Kniept'r), links M. B. 
(Medea Boismann). Umschrift: "Dissi! ....'1m ul1d ,<"''1elle... ," Blasius z. M. kaufte 
1624 dds Bcgräbni"s und wurde daselbst den 30. Juni 1628 bestattet. (Fig. 121.) 


---
		

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			\65 


69. :2\.) L ussen b crg ),utsenLerg). L. 206, B. 138 cm. In den Ecken Ro- 
setten. Inschrift: "ano tuer viii I be6 ronbnge6 vor liclJtmerrcn bo 1 flarf 
(1lbe hinrUt I lnrrenberc1J bem got gnebieh fII." In der Mitte ein grosser, 
nach links geneigter Schild mit einer Marke, unter ihm 2 Schilde mit Marken und 
den Initialen der Fraucn des Verstorbenen. rechts ? \V., links C. M, U eber dem 
gr. Schilde ist in späterer Zeit ein Schild mit dcn Initialen des Namens einf's späteren 
Besitzers des Steins H. W. angebracht worden. (Fig. \22.) Der AeItermann der 
gr. Gilde Heim. L. ist laut obiger Inschrift am 28. Jan. \5 I1
 gestorben. 
70. (182.) Kraus. L. 23\, B. 157 cm, dicht vor der Sakristeithür, abgc- 
schlissen, das untere Ende abgehauen. In den Ecken Kreuze. Inschrift an den 
Seiten: ..ANNO DOmINI ,I rri . CCC , flX . DNICA .. .1,.. I DI..." (1360, 


F;g. 122. LUIsenberl. 


_ I ' 
- , 
0£. < 

 
c-3 g 
,:=;s- I 


Fil' 123. Koninl' 


Sonntag. . .). In der Mitte ein abgetretener Schild. Darüber neuere Inschrift: "Dieser 
<<"'tei,l gehOl'e/ Jllrgen lI:mlls und seineIl Erben. Amlo 1669," Seit jener Zeit besass den 
Stein der Gerber Jürgen KrdUS. 
7 1 . Witte(?)-Meuseler, L. 127 cm, bei der Sakristei, ungemhr ein Drittel 
unten abgeschlagen. Uben zwischen Verzierungen, von Lorbeerkränzen umgebf'n, 
2 W., d,IS rechte ähnlich dem Witte'schen: ein Schwan, aber mit zurückgewandtem 
Halse. H. Ein Schwanenhals?, das linl,e das Meuscler'sche, ein mit 2 verschlun- 
genen Kleeblättern belegter Querbalken, oben von einer Rose, unten von 3 Sternen 
begleitet. H. Eine Rose zwischen pinelll Adlerflllg, Den vorhandenen unteren Theil 
nimmt folgende Inschrift ein: 
"Atz mit vor rechter Zeit der billre Todtessch11leltz 
All Seet lind Lebm /run,!; und Gottes Va/t!rher/:;; 


---
		

/Pomorze_050_12_168_0001.djvu

			Jlich allS:;; der groszeIl 
Volh uml Todles/lacht geris:;;ell, 
IIab ich ausz Danckbarkeit mich wiederümb brjliszen 
Au/1 meine Ruheslält die Tauffi zu erhauen, 
Golt lasze viel dadllrch des Himmels Freude schaTlen." 
Der Besitzer des Steins hat also aus Dank gegen Gott für seine Errettung aus 
Todesgefahr ein Taufbecken auf der Grabst:ttte errichten las
en. Dieser Stein ruht 
auf einem anderen, auf dessen Rand noch zu lesen ist: ".... em ronrad 
tf... .." - 
Bürgermeister Conr. Meuseler erhielt 1675 ein schwed. Renovationsdiplom seines 
Adels und wurde 1684 mit seiner Frau Christi na Müller {er den 6. Febr., sie den 
14. Nov.) zu St. Nicolai begraben. 
7 2 . (125.) Koning (Otting). L. 224, B. 153 cm. Die Benutzung dieses 
Steins zu verschiedenen Zeiten hat auf ihm verschiedene Spuren zurückgelassen. Er 
gehörte wohl ursprünglich dem 14, Jahrhundert an. 
Die in den Ecken befindlichen Kreise sind gl,ltt, die 
ursprÜngliche Inschrift ist abgeschliffen. Zu Anfang 
des 16. Jahrhunderts erhielt er eine neue Inschrift, auf 
3 Seiten in 2 Reihen, auf der rechten in einer Reihe: 
"Ano tUe U up I ber Riuber badJ bo rtarf 
er 
lambert I ott1JUk be reete) gnabe gott. I ... . 
bes b.... bag I .. .. pa ..,. I rtarf iunge lam- 
bert ottiug I....." Der::,tein diente zur Grabst:ttte 
des am 28. Dec. 1505 verstorbenen Ratllsherrn Lambert 
Otting, dessen Initialen unter der oberen Inschrift an- 
gebracht sind: L. 0. d, 0, (Lambert 0, deolde). Darunter 
liess der spätere Besitzer des Steins Ewert Koningk 
(f 1584) einen Schild mit seiner Marke und den Ini- 
tialen E. (K.) anbringen. (Fig. 123.) 
In der Antuniuskapelle. 
73, (145.) Rabe, bei derThür. L. 28-1-, B. 235 cm, 
III den Eeken Evangelistenzeichen, stark abgetreten, 
besonders die in 2 Reihen laufende Randinschrift: 
" . . . . der edel I e1envesler und. . . ., seI' Iln ..,. I . . . . . 
I selig ent.fchlaft", der Sele... I ....,. und I dugentsame 
Frmv. , . ,. I ..... : ' . . ." In der :\litte in einem Kreise 
2 W., rechts das Rabe'sehe (cf. Nr. 59) mit den lmtialen H. (R.) unten, links das Treiden- 
sche mit den Initialen H. T. Umschrift: ,,{D)isse1 Stein und (Stet)te hoert Hans, . . ." 
Ueber dem Kreise in den Ecken je ein Schild mit einer Marke, auf dem linken die 
Buchstaben E. -? (Fig. 124.) Unter dem Kreise eine ganz abgetretene Inschrift. 
Rathsherr Joh. (Hans) Rabe erhielt das Begräbniss 1600 von der Kirche und wurde 
darin am 16. April 1615 bestattet. Seine Tochter war die unter Nr. 59 erwähnte 
Frau C. Goldbergs. Von seiner Frau Elschen Elvers hinterIiess er Kinder; in späterer 
Ehe muss er mit H. Treiden vermählt gewesen sein. 
74. (172). L. 255, B. 222 cm, ganz abgeschli
sen, in der Mitte ein Kreis mit 
einem undeutlichen W., welches unten gewölkt erscheint. H. 2 Büffelhürner (cf. Nr. 76). 
75. (67.) K ulle. B. 175 cm. Die obere Seite unter dem grossen Altar; ab- 
geschlissen. Randinschrift : u.... I u 
 u n . ii ii . tI P . be r IJ i 1 9 e 
 re f 0 l b i elJ e it I 
badJ . bo . ftarf. IJer I 30
a . Rulle . bibbet , go1. uor . fine. rele." 



 

 


Fie. 12... Kulle 


166
		

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			[n der Mitte 2 gegen ein.mder geneigte Schilde, im rechten das Kulle'sche \V.: In 
einem durch Zackenschnitt horinzontal getheilten Schilde oben 3 nebeneinander 
stehende kegelfÖrmige Gegenstande, unten 2 Kugeln; im rechten Schilde eine Marke. 
(Fig. 125,) Das W. des am 2. Juni 1504 verstorbenen Rathsherrn Joh. Kulle hat 
auffallende Aehnlichkeit mit dem Luhren'schen, wobei zu berücksichtigen wäre, dass 
der Rathsherr Hermann Luhren lt 1535) wahrscheinlich ein Schwiegersohn des 
ersteren gewesen ist. 
76. (170.) Essen. L. 271, B. 180 Clll, abgeschlissen, theils vom Altar ver- 
deckt. Zwischen 2 Säulen rechts ein geharnischter Mann, links eine Frau, die 
Häupter auf Kopfkissen, zwischen beiden unten ein Helm. Rechts zu Haupten des 
Mannes das Essen'sche W. (eine Eule), 
links das Ungern'sehe W, (6 Sterne, 
4 Lilien, H. Lilie zwischen einem 
Adlerflug), Ueber den Verstorbenen 
die Inschrift: "Der hochedelgeborme 
gestrenge undt manhafter Herr Ale.l'al1- 
der von Essen, Erbgesessm auf Urgisal 
undt ,VauckschCll, wohlverdinter Gmeral- 
major zu FllS:J und des Herzogthum 
I--nestland hochzIertrauter Landraht." 
Unten der Spruch aus "Hiob, Cap.19. 
Ich weis das mein Erloser lebet u. s. w. 
An/lo 1653." - In letztcrm Jahre 
kaufte der Generalmajor und estlän- 
dische Landrath Alex. von Essen diese 
und die Grabstätte N r. 74 (I 72) von 
der Kirche für 150 Rthlr. Hier wur- 
den bestattet 1657 sein Sohn Jürgen, 
- bei weIcher Gelegenheit Zahlung 
geleistet werden sollte dafür, "dass die 
Fahne und Curitz hanget", - und 
1659 seine Frau. Eine Abbildung 
dieses Steins ist herausgegeben wor- 
den von A. O. v. Essen in der Brochüre 
"Einige Notizen über das ehemalige v. Essen'sche Erbbegrabniss. St. Petersburg 1886", 
77, (171.) Schrapfer. L. 260, B. 226 ('m , stark beschädigt. Unter 2 von 
Säulen getragenen Flachbögen rechts ein Mann in Rüstung, links eine Dame, zwi"chen 
ihnen Helm und Handschuhe, zu ihren IIäupten die Inschrift: ,.Apocal.2. Cap. I Sei 
{[etreu bis an tim fodl, so will ich Dir die J.:rone des Lebens geben. I JVer uberwindet. 
dem sol Rein Lddt gefchCll vom amlem Tode." Neben der Inschrift zu Häupten des 
Mannes das W. desselben zerstört, links das Huchgräfsche W. variirt: Eine Krone. 
aus der an Bändern zwei längliche Gegenstände (Gewichte?) herunterhängen. H. 3 
Federn. Ganz unten eine völlig verwitterte Inschrift. (Fig. 126.) Der Mann stellt 
den kiinigI. Kriegscommissar in Livland, Statthalter .lU Riga und Präsidenten des 
Durpat'schen Hofgerichts Adam Schrapfer dar, die Dame seine Frau Anna, geb. 
Hochgr:if, die er als Wittwe des Reval'schen Biirgers Hans Koltze heirathete, von 
dem er auch diese Grabsuttte überkam. Er wurde hier am 20. April 1630 und seine 
Frau am 17. Juni 1640 bestattet. (Beider Sohn Ad. Joh. Schrapfer heirathete 164.
 


167 




 
"" -- --=- 
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:::..: 
E.N 


'i 


Fig. 126. Schrapfer.
		

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			r- 


168 


die Tochter des Generalmajor
 A. v. Essen, Besitzers des nebenanliegenden Steins 
Nr. 76.) 
7 8 . (16.) v. d. Molen. L. 262, B. 173 cm. In den Ecken Rosen. Rand- 
inschrift: "r.e . 
 . (cce . 1rt! , bes . manbages , nQ I fute ' appolonie , 
ba I ge ' ftarf ' IJ . iacob ua , b . m ofe . bib b et I .., got..." In der Mitte das 
v. d. Molen'sche W. (rechts 2 Querbalken, links ein halbes Mühlenr.ld. H, Ein halbes 
Mühlenrad). Darüber an einem Haken hangend ein Schild mit einer Marke und 
den Namensinitialen H. B., des spateren Besitzers des Steins Hans Bade (t 1603). 
(Fig. 127.) Der Rathsherr Jacob v. der Molen ist also den 9. Febr. 1465 gestorben 
(vgl. über ihn Thl. I, S. 69, Anm.). 
79. (159,) Gydeberg. L. 226, B. 106 cm. 
:;teins: ,.Dieser Ste/he I und bei{11'1l Slei 1'le gehoren 


Fig. 127. Y. d. Molen. 


Inschrift auf der Fläche d('s 
/lern I S7'eno 1. Go'ideber I gills, 


Fig. 128. Luhren. 


R
 

 


Fig. 129. IIlothe. 


dessen Ehe I liebsten Fraw I Elisa/Je/h Heidrich Imul ihre(n) £ibeu." Der Pastor Sveno 
Gydeberg wurde hier am 9. Aug. 1669 und seine Frau am 2. Dec. 1695 bestattet. 
80. (169.) Luhren. L. 257, B. 202 cm. Sehr abgetreten. In den Ecken 
verzierte Quadrate mit allsgeschlissener Inschrift, ebenso ausgeschlissen die T nschrift 
am Rande und die sich in verzierten Ovalen Über und unter den 3 Wappen befindet, 
welche in Hochovalen in der Mitte des Steins angebracht sind. Rechts das Lan- 
ting'sche W.: Ein Hirschkopf. H. 2 Straussfedern, in der 
Iitte das Luhren'sche 'V.: 
Oberhalb eines Stromes 3 Kegel, unterhalb 2 Kugeln. H. 2 Straussfedern, links das 
Boismann'sche W.: Oben ein wachsender Bar, unten ein Stiefel. H. ein wachsender 
Mann. (Fig. 128.) Des Bürgermeisters Thom.ls Luhren erste Frau, geb. M.lrg. Lan- 
ting starb 1633, seine /.weite Frau Medea Boismann wurde hier unter dem Stein 
den 18.1an. 1638 und er selbst den 29. Mai 16-t6 bestattet. 
81. (81.) Blothe (BIöthe). L. 257, B. 157 em. In den Ecken glattc Kreise, 
oben am Rande die Inschrift: "Amlo 1590. H Darunter: "Ilalls BIo/he I und sine 


-
		

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			169 


11 


enJt:Il." Ucber dieser Inschrift ('in Schild mit einer Marke und ndrunter die In
chrift: 
"Disse .Steill ullll Stede I hOft Eli1l1ich Blote I und .finm En1en erMich I ./0. 16.14 dm 
27. September." (Fig.129.) Hans B. wurde den 13. Jan. 1597 begraben. 
82. (161.) Luhren. L. 266, B. 206 cm, an der Ostwand der Kapelle. In 
den Ecken die Evangelistenzeichen. Die in einer Reihe laufende Rdudulllschrift 
mdigt an der rechten Seite in 5 Zeilen: HAno 1()31 den 8. Oeto. starb I da ehrbar 
lIndt fllmemer 11.,IIS Luhr 1 GOf't 110deih ihm ein 11'0 I licll Jufe/stehullg." (\Veiter 
5 zeilig): "AIIO 16 - dm - ist die ehr 11lnlldt vii tugmtsame Frauw I Cathm/lla l
string 
flans Lllhr I ehliche Elamframv im Godt 1 dem lIerm se/ichlich eIltschlaffin. " U eber 
dem in der Mitte befindlichen Kreise mit 3 Wappen steht: .,ATIO 1625 dm 13. Detam. 
starb die ehr IUlldt l'iel tugendtsame Frall10 Allna I Bues Ilam Lllhr ehliche Hausframu. 
Ano 116 - dm - starb die ehr ulldt lIIel tllgmdt 1 same Fraliw Amlll Roterts. s(eligen). 
cordt Buese I narhgdassen HitlOe. Got l}orleih i/wen ein I ftoliche AuferslwlIg." Unter 
nem Kreise: HEsaia XX VI I Gehe hin mein Volck in eine Kammer ulllit sc/ws I die 
Thuer nach dir zu, verbirge dich eil1 klein 
I Augenblick, bis der Zom lomber gehe. 
Aber I deine Todten werden leben undt mit 
dem I Leichnam 11llferstehm. Wachet undt 
ruh I '/let, die ihr liget unteT der Erdell. H 
In der Mitte des Stcins inncrhalb des 
Kreises 3 \V. Rechts oben das Bus'sche: 
Ein Stern. H. Ein Stern zwischen einem 
Adlerrlug. Links obcn ddS Rotert'sche W.: 
Ein aus der rechten Schildtheilung hervor- 
springendc,> Einhorn. H. Ein wachsendes 
Einhorn. Initialen A. R. Das untere mit 
den Initialcn C. V. ist das Vestring'sche W.: 
Rechts eine aufrechte Kettc aus 3 Ringen, 
links ein Thurm (Feste). H. 3 Strauss- 
fedcrn. U IIIschrift : . .IJise Stein unde Steddc 
horet Hans Lllhr undt seme EnJell." 
(Fig. 130.) Die GrabstJtte erbtcn von der 
Familie Cardinal die Bus, insbesondere 1624 die oben gendnnte \Vittwe des Cord Bus, 
geb. Anna Rotert. Diese überliess die Grabstättc 1625 ihrem Schwiegersohne Hans 
Luhr, dcr dort den 16. Dec. 1625 seine Frau Anna Bus bestattete und selbst den 
12. October 163 I beerdigt wurde. Scine zwcite Frau Cath. V cstring war die Tochter 
des Superintendenten Heinrich Vestring. (Der Stein ist neuerdings durch einen Bruch 
und schlechte Verschmierung vCldorhcn worden.) 
83. (185.) Pampe. L. 226, B. 159 ('m, neben dem vorigen in der folgenden 
Reihe dn der Wand. In dcn Eckm leere Kreise, Rand ohne Inschrift. In der Mitte 
in einem Kreise ein Schild mit einer Marke, um die sich eine einen Apfel im Rachen 
h,tltcnde Schlange windet. Auf dem helmlosen Schilde zwischen einem otlenen Fluge 
ein Todtenschädel und auf demselben eine Sanduhr. Umschrift: .,Dies.. Steill lind 
....,.tehle gehoret Adam j>a1Jlp ulId seilleJl Erbe1l." Die GraLst
itte wurde 1625 dem 
Tischler Ad. P. verliehen; 1649 fand dort die Beisetzung seiner Frau statt. 
84. (118.) l\Iünzergesellen. B. 240 CIl1. Die obere H:ilfte des Steins ab- 
geschlagen, die untere an der rechten Ecke desgleichen, in eier linken ddS Zeichen 
des Evangelisten Mdrcus, der LÖwe Randinschrift : ..', I .", nb e . b r i t t e IJ n . 


11 
I 


1 1 


" 


I'ig. 130. 


Luhren. 


j 


-
		

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			r--- 


170 


uort , I lrebbett lrir. b irren. rtett . g... I ... rt 
. to ,r(eueO." In der Mitte in einem Kreise ein Schild 
und einem in Hufeisen auslaufenden Triangel. 
85. (160.) Burghausen (Husen). L. 280, B. 211 cm. Inschrift abgeschlissen. 
Die Evangelistenzeichen in den Ecken, die rechte obere abgehackt. Die Rand- 
inschrift oben und links in 4, unten und rechts in 3 Reihen: "Den - isl Herr I ...... 
I met und Tarwest in Got dem I IIerren enlschlafen seines Alters... I ., 1633 den 
16. APril ist H. . . I . . . . . I Fraw lIfargarela..... I Golt dm Herren entschlafen ihres 
Alters. .. I .. .. den H. Oe/ober ist Herr Arendt von I Burghausen allder..., Fra1iJ 
Fraw Amla Hambieger I in Goi dem Herrn mlschlafen ihres I Allers... allr. Gott 
sei derer Se/en .... I ... osen Tage ein froliche Aufer I slehullg," Auf dem Stein 
befindet sich oberhalb in einem Oval eine unleserliche Inschrift und unten folgende: 
"lch weis das meill Er/oser lebl u. S. 711. und keill Fremder. IIiob am 19 Gap." Eine 
Frau des Besitzers des Grabsteins Arend v, Burghausen wurde im Dec, 1650 hier 
bestattet. 
86. (158.) H ü ne r j ä ger. B. 213 cm. Ein grosses Stück oben abgeschlagen. 
In der Mitte 2 an Bändern hängende Schilde; in dem rechten das Hünerjäger'sche 
W. (ein Hahnenkopf) mit den Initialen I. H., im anderen eine Marke und die 


be . lUuntergefeLLen 
mit der Jahreszahl 153- 


, 
I 


I 
. 


/}f j \" 


 


Fig. 131. Hllnerjäger. 


Initialen A. H. (Fig. 131.) Der Inhaber des Steins war Joh. Hünerjäger, Rathsherr 
1557-1594. Seine Frau wurde hier am 27. Sept. J585 beigesetzt. 
87, (15 J.) S tarn pe, an der Westwand, L. 234, B, 157 cm. Abgeschlissen. 
In den Ecken die Evangelistenzeichen. Randinschrift: "Ao 16 - dm - isl I I/ans 

lamp . in Godt dell I/erell eIItschlaffell I .. . . . I . . . .. in Godt den I Icrell enlschlaffen." 
In der Mitte ein Kreis, in welchem ein Landsknecht steht, der den rechten Arm 
mit einer Fahne auf einen Markenschild mit den Initialen H. S. und den linken 
auf einen Schild mit den Initialen A. -? stützt. Umschrift: "Disse Stein- 1/1Id Stelte 
horet Hans Stampe undl seinm E17JC1l." Darüber: "Der Jlfmsch vom JVeibe geboren I 
lebet eine /mrze Zeit und ist I 2/011 Ullruhe, gehet aull wie I eill Bll/me Ulld feilet ab. Hiop I 
am 14 Cap." (Fig. 132.) 
88. (154.) Paulsen. L. 242, B. 162 cm. In den Ecken Kreise, in welchen 
sich Schilde mit Marken und Initialen befinden; rechts oben C. G., links M. P., rechts 
unten H. R., links H. M. Die Randinschrift in 2 Reihen: "Ao 1'97 den 19 I Juny 
isl Miche/ Pa7{Ie/sen in Golt I seligtich ml I schlafen. Der Se/e Goi gnedich sy. I Ao 
Ifxy den 9. I N07'el1lber isl Hans Pawe/sen in I Golt se/i!: I lieh mtschlafen, dem Gott 
gnade!' In der Mitte in einem Kreise rechts dds Paulsen'sche W.: Kreuz innerhalb 
eines Kranzes. H. Ein Kreuz zwischen 2 BüflelhÖrnern. Initialen H. P. Links das 
Wangersen'sche W" 3 aus dem Erdboden spriessende blätterlose Zweige, begleitet 
von 4 aufspriessenden kl. Blumen. H. 2 Aeste wiederholt. Initialen K. v. W. Ueber 
dem Kreise steht: "Unser Wandel ist im Him I me/ von dalmen 7tryr auch I 7tJartm 


1
		

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			171 


des Iler/andes flSlt I Christi dfll llerfll, lude/zer I Ullsenl nichtigbl Leib ller I k/aerell 
ltJird, das er ahn/ich I werde seinem verklar/eil I Leibe. Phi/ip. 3." Unter dem 
Kreise: "Dese S/en unde Stel I hat AEichel Pawe/sen I unde seine Erben." Die Frau 
des Hans P. war Catharina v. Wangersen. (Fig. 133.) (In der Abbildung irrthüm- 
lich 1602, den 19. Nov.) 
89. (152.) Munstermann. L. 277, B. 253 cm. Ganz .abgeschlissen, oben 
ein Stück abgeschlagen. Von der Randinschrift zu lescn: ",... I . . .. CD rt I 
IUt1tt Hetman b rnn e g.ott I gne b ich unbr ba tm I, erti cl, .." In der Mitte zwei 


, 
1 
. 



 


Fig. 132. Stampe. 


Fia-. 133. Paul.eu. 


..ia. 13.... Munslermann. 


h:lngende Schilde mit Marken und [nitialcn, rechts K. M., links unle
erlich. Der 
[nh,lber des Stcins, Kort Mnnstermann, war Rathsherr und Kirchenvorstehcl und 
Icbte noch 1542. (Fig. 134.) 
90. Gan
 abgeschlissener Stcin, L. 355, B. 214 Clll, in den Ecken Evangelisten- 
zcichcn. In der Mitte in einem Kreise 2 undeutliche W., rechts ein Herz (?). I L 
ein Adlerflug, links ? H. 3 Straussfedern. 
C)l. (147.) Loff {Loef), später Natorp. L. 306, B. 215 cm. Die obere Rand- 
inschrift vom kleincn Altar verdeckt, in den Ecken die Evangelistenzeichen. Rand- 
inschrift: "..... I OCTOBER, I STARF . SELIG. HINRTCK I LOEF . DEM GOT I 
GNEDICH , VND . BARMHERTICH . SI." In der Mitte das W. des am 22. Oct. 
1560 hier begrabenen Heinrich Loff, cin Helm mit Widderhörnern zwischen den 


.. 


1
		

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			r- 


- 


172 


Initialen 11. L. 11. 2 Widderhiimer. Darunter die J ahres.lahl 1575. U eber dem 
W. steht: "./if. lezle . Here iif. tom . I Gericht, lat . schallweIl I dill . herlieh . 
ßllgesicht , I dat. lVesent . dCl DrC1 J oldi I cI/eit . des . help . llns . Got . in . Ewigheit ." 
(Fig. 135.) Der Stein ging sp
tcr in den Besitz der Familie N atorp über, was auch 
die unter dem W. sp
ter angebrachte Inschrift besagt: "Auo 1609 . den 22. SrjJtember 
starb du I erbare ulld 7Jomehme Frantz Natorp D. Co E. Z. F Disrr Slein !{ehorel 
Fmnlz .VatO/j> wul seizlm EI bell. I lVir leben oder sterben, so seill wir des IIerren, 
Rom. ll. 14." In der Kapelle der Marienkirche zu LÜbeck, wo der Toutentanz hängt, 


Fia-. 135. Loff. 


Fia-. 136 . 


Fig.137. v. d. Schuren. 


befindet sich ein Grabstein (Nr. 437) im Fussboden, laut dessf'n Inschrift Didrik 
f.Oeflll117lO 1485 gestorben ist. Dieser Stein zeigt im \Iv. 2 Widderhörner. Nach 
dem LÜbecker Raths-Wappenbuch führte dcr 1527 verstorbene Lübecker Rathsherr 
Mauritius Loeff im \Vappen auch cinen (blauen) Helm mit (silbernen) HÖrncrn 
(in goldcncm Felde). 
9 2 . Stein nehen uem vorigen, an der Ustwand, B. 180 ein, eier untere Theil 
abgehaucn. In den oberen Ecken in Kreisen ein deutlicher und ein undcutlicher 
Markenschild. Ranelin
chrift:"A no li')-t-
 I ben !). j'anu IHI'. narf... I . .. .. , 
...., 
elCl1 . bem . (tot. gnebich £11'," [n der Mitte ein W.: Im obern 
Felde ein stehender Wolf, im unteren 4 (1.2, I) Spornr:tder. H. Zwischen einem 
uffenen Aellerflug ein sitzender Wolf, der ein Spornrad im Rachen hält. (Fig. 136.) 


I 



 


il
		

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			173 


Ausserhal b der Kirche befindlich: 
93. (57.) v. d. Sch uren, aus der Kirche nach dem Kirchhof ZiegelskoppeI 
gebracht, wo er im Bahrenhäuschen als Fussboden dient. L. 214. B. 186 rm. In 
den Ecken Rosen, die linke untere Ecke ausgebrochen. Randin.;rhrift: 11..,,11 eren. 
111 . (cce, reu, I na: . nieolai . bad, . bo . fta:rf . euert . 11(1 . bcr . 
rchnrcn I bibbet ' got , l10r . ritte . reie." In der Mitte ein Markenschild. 
(Fig. 137.) Ewert v. d. Schuren, Aeltermann der grllssen Gilde, also ist am 7. Dec. 
14Y5 verstorben. 


S t. 01 a i kir ehe 


Die alten Grabsteine sind beim Brandc der Kirche im Jahre 1821 theils zu 
Grunde gegangen. theils beim Wiederaufbau zerklopft und zur Unterdielung benutzt 
worden. Bei einer Reparatur des Fussbodens im Chor kamen 1883 einige Grabsteine 
unter der SteindieIe zum Vorschein. Ein Stein (Nr. 110) Lnthmt in einem Kreise 
einen leeren Schild mit einem Engelskopf d,lrÜLer. Ein anderer zcrbrochener Stein 
enthält 2 Schilde mit Marken und den Initialen 1. S. u. ? c.; ein Fragment endlich 
gehört dem Grabstein des schwedischen Statthalters Freiherrn Lus (Lorenz) Fleming 


Filr.139. 


Fig. 138. Durch.rt. 


I 


an, der den 4. März I 562 Le
tattet wurde. Von der Inschrift ist nur vorhanden: 
"Anno flomi"i 1562 . . . . (in) ara Rf'lla/iemi oh
iil ge)lIt'ros1ls domillllS dom. (Laurentius) 
F/eming liba balo de,." es regiae majestal(is gu)bemal01" Revalil'1l(sis el s)elJ1lcnli 
4. lIIarlii (sepu)lt/ls est, cujus a(nima in L"'kri)sto requiescal. c, Ausserdem kamen 3 
ganze Steinc zum Vorschein, die später in den hinter dem Altar befindlichen Wand- 
nischen aufrecht eingemauert wurden, nämlich: 
I. Fon n e. L. 257, B. 2 I3 cm. In der Mitte in einem von Verzierungen 
umgebenen Kreise 2 W., rechts das Funne'sche: Ein oben von 2 Sternen, unten 
von einer Mondsichel begleiteter länglicher Gegenstand (Kampfsichei, VogeIkralIe ?), 
H. der Gegenstand auf einer Mondsichel zwischen einem Adlerflug wiederholt. Links 
das Lohmann'sche: Ein Vierblatt in einem Kranz. H. Ein wachsender Mann, mit 
einetJ1 Kranz in der Rcchten. Umschrift: "Dieser Stein mu/ Stelle gehOl"c/ Andreas 
FOl/1/t und seine11 Erben erblidl, " Ueber dem Kreise zwischen 2 Engeln die In- 
schrift: uDer Tod l:a/l11 meillm Leib I im Gwbe haltm nichl I denn ich hin Chn'st; 
Glied I das si,"h nach Chllsto 1;,-ht." Unten nur zum Theil leserlich der Spruch aus 
lIiob: "Ich welS das mein Ediisel" u. s. w. "lInd kein I,; emder. " Andr. Fonne starb 
vor 1690, seine Frau Elisabeth Luhmaun wunl
 am 28. (jet. 1697 bl'stattet. 
2. Hoeppener. L. 257, TI. 220 cm, In der Mitte von einem Lorbeerkranz 
U1ugeben 2 W., rechts dasjenige der ausgesturbenen Familie Hüppener: Ein Mann 
mit einer Hopfenstange in der Rechten, H. 3 Hopfenstangen. Links das Rohde'sche: 
Ein eine Streita'\t hallender Bär. H. der B:ir wachsend. DarÜber in einem \'er- 


. 


., 


....
		

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			174 


zierten O\'al der Spruch aus Hiob: "Ich weiss, dass meiu Erlöser lebt" u. s. w. Unten 
in einem Oval: "Anno 16(71) den 22. Februal istlohan IIoppmer I im I1ern mtfchlajfm, 
I Anno 16 - den - ist seine I1ausfrau All1lll Rohdi! I in Gott dem I1erren selig ent- 
fchlafen I ' Dise Begrabms gehoret ihnen Ulld ihren ErbeIl erb!." Er wurde am 2. März 
167 I, sie am 5. Juni 1700 bestattet. 
3. (111.) Burchart. L. 253, B. 213 cm. In der Mitte 3 W., rechts das 
Davids'sche W.: Ein Querbalken, oben von zwei, unten von einem dreizackigen 
Gegenstande begleitet. H. der Gegenstand wiederhult. In der l\Iitte das W. der 
Familie Burchart v. Bellavary: Im uberen F. ein einen Stern haltender Greif, im 
unteren eine Lilie zwischen 2 Rosen. H. der Greif wachsend zwischen 2 Büffel- 
hörnern. Rechts das Spreckelsen'sche W.: Ein Ast mit 3 Blättern. H. Ein Ast 
zwischen 2 Straussfedern (Fig. 138). Ueber dem W. steht: "Ich wezs das mein Er- 
loser lebt" u. s. w. bis "und rleille AUl{e1I ete." Unten steht: "lohal/1les Burchart starb 
anno I 16 3 6 dm 6. Almtii. I ,Igneta Davits stm-b anno I 1619 den 6. lmlllary. I Dorolea 
von Spreckelsen starh anno I 164" den 30. januar)'. I Deren Seelen (lott gnedich (seJ')." 
Unter dem Grabstein sind der Apotheker Joh. B. und seine Leiden genannten 
Frauen beigesetzt worden. 
4. Ein Stein mit einem Markenschild und der Jahreszahl 1542 zwischen den 
Initialen H. B. liegt in der Bremer ('
pelle (Fig. 139). 


Grabsteine aus der ehemaligen S. Catharinenkirche des Dominikaner- 
klosters. 


. 


Die Ruine der alten verbrannten Klosterkirche verkaufte die Stadt 1874 dem 
Consul A. Koch, dcr sie zu einem \Vaarenspeicher umbaute. Bei der Gelegenheit 
wurden die zahlreichen alten Grabsteine der Kirche zur Diele verwandt mit Aus- 
nahme des Bremen'schen Steins (Nr. 4), der bereits vor längerer Zeit aus dem Schutt 
hervorgezogen worden war. Im Jahre 1882 acquirirte der um das Gemeinwohl der 
Stadt verdiente verstorbene Bürgermeister Baron Arthur Girard de Soucanton die 
meisten von denjenigen Steinen, welche durch die unterdessen stattgehabte Abnutzung 
nicht völlig schadhaft geworden waren, und liess sie mit nicht unbedeutendem Kosten- 
aufwande in der sogenannten "Via Appia", seiner bei Reval belegenen Villa Roccd 
al mare«) aufstellen. Unter den im Speicher zurückgebliebenen Steinen befinden sich 
ausser den ganz schadhaften und einem ganz abgeschlissenen Steine, auf dem ein Schild 


"') Zur Erläuterung der Entstehung und Anlage der Via Appia mögen hier der Anfang und 
das Ende eines Feuilletonartikels des Verfassers im "Revaler Beobachter" vom Jahre 1892 wieder- 
gegeben sein: "Wer in Rom verweilt, pflegt nicht zu unterlassen, der Via Appia daselbst einen 
Besuch abzustatten. Die Strasse liegt mit ihren Grabmälern in schwermüthiger Oede da und 
ruft dem Wand..rer die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins in's Gedächtniss. Anders wan- 
delt es sich in der Via Appia, welche ein durch seine patriotischen Liebeswerke noch unvergessener 
Mann, der im Jahre 1884 verstorben.. Burgermeister Baron Girdrd de Soucanton, duf seinem Land- 
sitl< Rocca al mare bei Reval einig-e Jahre vor seinem Tode angelegt und nach der römischen be- 
nannt hat. Oberhalb eines Abhanges zieht sich ein Parkweg hin. dess..n beide Seiten auss..r 
manchen ander..n Ueberbleibseln der alten Revaler Steinhauerkunst mittelalterlich<, Grabsteine zieren. 
Reden auch sie und die neben ihnen befindlichen fafeln, welche die Inschriften ..rläutern, von 
Tod und Vergänglichkeit, so athmet die Natur inmitten d..r Leichensteine doch frisches, fröhliches 
Leben. Wenn die winterlichen Schutzdecken der Steine fallen, so umgiebt diese schon junges 


{ 


a...
		

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			175 


mit 2 Hörnern (?) und der Name des Verstorbenen Arnoldus de Halteren (t 1436?) 
kaum zu erkennen sind, 3 nicht zerbrochene Steine: 
[, Oldendorp, gleich bei der EingangsthÜr. [n den Ecken Kreise mit Spuren 
der Evangelistenzeichen. Randinschrift: ..
nt. iar. lIufes .IJeren. tiiiHrluiii, 
up' ben' b.onuerbach' na. be'l tmdften' 
arf'l IJer. -ai.oIJan. .olbenb.ol'p . 
l'ntma . bibt . u. em." In der Mitte ein Markenschild (Fig. 140). Rathsherr Joh. 
Oldendorp sen. ist also am 10. Januar 1448 verstorben. 
2. Stein aus dem 15. Jahrhundert mit einem W.: Ein sechsstrahliger Stern. H. 
Ein Stern. Inschrift unleserlich. Vom Besitzer aufrecht hingestellt und mit Od- 
anstrich versehen. 
3. Verlink, desgleichen aufrecht hingestellt. In den Ecken Vierpässe in 
Kreisen. In der Mitte in einem Vierpass ein Schild mit einem Eberkopf im W. Die 
Randinschrift rechts und links in der Mitte unterbrochen durch Kreise, im rechten 
ein Markenschild, im linken ein W,: Widderhorn (Fig. 141). Inschrift: I.
nt. ial" 
unres '1IJere. m.cccc.unb-1H' 11p' fute. mal' cus. bach' b.o. 
al'f.1 hans 
. uerlink-bibbet . g.ot. u.or . fete." (Hans Verlink t 25. April 1470.) 



 


@) 


Fie. 140. Oldendorp. 


Fie. 141. Verlink. 


Die folgenden Grabsteine befinden sich in Rocca al mare. 
4. B rem e n. L. 254. B. 183 cm. Randschrift in gothischen Majuskeln, be- 
schädigt, oben und links in zwei Reihen, unten und rechts in einer Reihe. Die 


Grün, der Weg ertönt vom Zwitschern und Singen der Vögel und bleibt auch ein Tummelplatz 
und Zufluchtsort der kleinen Luftbewohner, wpnn der Sommer seine Fäden spinnt und das vom 
Hochmoor gescheuchte Federwild dort Unterschlupf sucht. Dieser \Veg ist eine Eigenartig-keit der 
reizenden Besitzung, welche sie mit keiner anderen Villa auf der Erde theilt. - Treten wir ein durch 
das aus holländischen Klinkern erbaute Eingangsthor, Ueber demselben ist ein aus der 1. Hälfte 
des 16. Jahrhunderts stammender Stein eingemauert. der einen wilden Mann darstellt, welcher in 
der Linken einen Schild mit einer Marke hält und mit der Rechten eine g-rosse Keule schwingt. 
Um ihn windet sich auf einem Bande der alte kräftige W..rnungsspruch: ,. W,r sinen kinderen 
gIlt so grot, dat lu sulven gd ume brot, den sal men slan mit killen dot", d. h. "Wer seinen 
Kindern so viel giebt, dass er selbst betteln geht, den soll man mit Keulen todtschlag-en." - Es 
folgt nun eine Beschreibung- der Steine und dann der Schluss: - ,,\Venden wir uns aus dem Aus- 
gangsthor tretend rückwärts, so wird der Rlick zum Giebel desselben hing-ezogen, den zwei aus 
Stein gemeisseIte weibliche Figuren vom Jahre 15.01 krönen. Sie haben zwar ein sehr wenig kunst- 
volles Aussehen, aber desto lustigere Gesichter und scheinen dem Wanderer kontrastvoll einen 
fröhlichen Gruss zuzuwinken. Noch manche andere alte Skulpturen aus Revals Vergangenheit 
birgt die Via Appia, wie Fenstereinfassungen aus Stein. Säulenschafte u. s. w., welche wir hier, 
keiner näheren Betrachtung unterziehen wollen. Der Besucher verlässt dieses in Gottes freier 
Natur errichtete Museum mit dem Gefühl dankbarer Anerkennung der Verdienste des Mannes, 
dessen rettende Hand die alten kulturhistorischen Schätze seiner Vaterstadt vor sicherm {Tntergang 
bewahrt und der Ndchwelt nutzbar gemacht hat." 


l
		

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spätere erhabene Inschrift in gothischen Minuskeln obcn, links und rechts in einer, 
unten in zwei Reihen: ,,(AHO). DnI . m - ccc fIXX-X.1 VIII - In F€SII'O. [JA VH 
(e:Wl'II).O'. .... (lJ"H)€mKn ' AHO . nnI - ; m - ccc . DXX.X. lJIn FfA. v. 'PE:- 
!ltl}€C I OSll t €S . 0', ll t ITJO lIIDIVS €IV:;. mf peII".1 ]Int. illr. m' (((( .ln 
o iu. tIPP' fribllg. na . unrrs. IJrre . hemeluart bo. 1101" rtarf. hans .1 
breme. benn. gob. gencbiclJ. fi. bill,bc . 11or. rin. fete." w. 111 der Mitte: 
;\Iit 3 Schlüsseln belegter rechtsschräger Ballen (Fig. 142), Tilo B. war 1374 Beisitzer 
des Harrischen !\Jannrichters. Laut obiger Inschrift starb er am 21. l\Iai und sein 
Vater am 10. August 1388. Eiu späterer Angehiiriger des Geschlechts Hans B., Bruder 
der gr. Gilde, ist den 20. Mai 1474 verstorbpn. (Ueher die Familie 
. Th. I. S. 69.) 


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Fig. 142 Rremeno 


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Fii. 143. Scholelmund 


5. Schutelmund. L. 291. H. 181 cm. Randinschrift: ,.UIl' lIet,bort .guo- 
bef. m'C((.in'lIemc'lnri. illre. lies 'Iluberen. (ilaneber. na' pafhhe. 
bo, rtarf. hune. rrl)otelmunber. bibbe, uor' bfel." In der Mitte die Abbildung 
der Verstorbencn in dnschliessender, bordirter Jacke und langem faltigen Unterkleide, 
darüber ein faltcnreicher Mantel mit einer Kapuze, all1 Halse von einer Brese zu- 
sammengehalten, die H,inde zum Cebet gefalten. Die Füsse ruhen auf zwei zu- 
sammcngekauertclI I itmdcn (Fig. (43). Sie gehörte eincm Revaler I'atriziergeschlecht 
an, das in Lübed, schon 1271 Sitz im R.athc hatte. Laut I nschrift ist sie am 27. April 
1381 verstorben. (Ucber sie s. Th. I. S. 90.) 
6. SnusseI. L 295, Hr. 177 cm. Abgeschlissen. In den Ecken Kreise, eine 
Ecke ausgebrochen. Randins.hrift: "Ano. NlIi) . m', ((CCo. rrouii. bnica. pt'. 
fenü. anuüccillt ionis. uir(ginis. ma r)ie . 0' . bus 0 COnrab11S . rn11crel.
		

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CO 11 rul. u In dcr Mitte das \V.: Ein hängendcs Hifthorn mit clI1cm Krcuz d.u-auf 
(letzteres vielleicht die Marke des Verstorbcnen), H, Das Hifthorn .lwischen je vier 
Federn (Fig. 144). Laut Inschrift i'it der Rathsherr Conrad (Cord) Snussel am 30. 
März 1427 gestorben. 
7. Holte. L. 297, B. 172 cm. In den Ecken die Ev.mgelistenzeichen. In 
der Mitte ein Schild mit einer Marke (Fig. 145). Randinschrift : "A uuo . 1\ u i . 
m.cccc £'Huii. 1u. bie. beati' marci. eltHtngeLHte. obi it .lobouicnn ' 
1\e. IIJ oUe ' CU i IIn . aui rna . reqn iercn t ' iu . pace' a me u,u Ludwig von Holte 
Bruder der gr, Gilde, gestorben dcn 25. April 1437. 
8. Hoeved. L. 297, n. 147 cm. In dcn Ecken Rosen. In der Mitte in einem 
Kreise ein erhahcner Markenschiltl. Randinschrift : ,,
11 t ' i ar . m. c c c (.1 £' £' £' . b es 



'ig. 144. Snussel. 


'
J 



'il:. 145. Holte. 


:,. 


FiK. 146. Hncved. 


Fij(. 147. Colner Kaufleute. 


.bonerbagIJen. uor. ,piu£'ften bo. ftarf-biberlt .IJoctleb. bibbct. uor. 
be . feie" (Fig. 146.) Diedrich HOf'ved, Bruder der gr. Gilde, gest. den 18. Mai 1480. 
9. Cölncr Kaufleute. L. 308, B. 162 cm. Stark abgeschlissen, In den 
Ecken, mit Ausnahme der rcchten untern, in Kreisen Markcn mit undeutlichen 
Initialen. Rand inschrift: "ano. bui. rn.eccc. lH ,up .lifer 'l1rome. bach . licht- 
llUrre. bo 'll1art, burfe. rteu. geLec Iyt . gobe. to . er eu . uu. nue .lel1euu. 
l1U' to. euer. l1igilie. ber. coplube. be. l1o, colue . lullte," Auf der Fläche 
des Steins ein Engel, der in seiner Linken den \Vappenschild der Stadt Kiiln (3 
Kroncn im Schildcshaupt) und in seiner Rechten einen Pf.lllcnwedel h;ilt, auf dem 
sich die 3 Kronen wiederholen. Unterhalb des \Vappens bclil1llet sich untcr cinem 
gewellten Bande ein Schild mit einer Marke (wohl die des Haupb;tifters) und dcn 
Initialen r.(. Auf dem Bande steht: "....bibbe.got.uor.uun.alle,"(Fig.147.) 
V ermuthlich ist der Stein von Cölner Kaufleuten als Gr,lbstein für sich oder fÜr 
ihre Landsleute, die in Rcval vcrsterben solltcn, hergerichtet worden mit gleichzeitiger 
Stiftung eincr Vigilie (Abcnd-Seclenmf''ise). 


NOTTBRCK & NHUMANN. Re,al 11. 


-- 


12
		

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			] 78 


10. B 0 c hol t. L. 278, B. 188 cm. In den Eeken die Evangelistenzeichen. 
Randinschrift: ,,]"nt' iar .unfes ,Ireren . 111' 11
 . un. en. in . be. p igrten. bo . 
ftarf. bi b l' ri e k .1 boclr 0 lt. bi bb et . 110 r 'I fine. fell' . u n be . uor . alle, n n . 9 £- 
fleclrte," In der Mitte ein W. Eichenast, auf welchem oben ein Eichhörnchen 
sitzt, das eine Nuss knackt. H. Das Eichhörnchen auf dem Ast wiederhult. Unter 
dem W. eine Marke. (Fig. 148,) Diedr. Bocholt, Angehöriger einer Revaler Patrizier- 
familie, ist laut Inschrift gestorben den 26. Mai 150 I. 
11. Adolf. L. 272, B. 166 cm. Sehr abgeschlissen. Der älteste in Reval 
erhaltene Stein. In der Mitte ein links gesenkter, abgetretener Schild mit Spuren 
einer gabe1fiirmigen Theilung. Randinschrift in 2 Reihen: "A n U 0 : DUI : fIt : CCC:1 


J!'ig. 148. Hocholt. 


, 


Fig. 149 Vair. 


. 


Fig. 150. Hurle. 


(X)XX: B€"f.UA: 1J.
eRCIA: 1''0 :fI€T!'A
e: 0:1 uns: An OI1BVS: CV lVI": 
AUImA: n€QIe
CA!l
 :T:PAC€:' AUO: UUI: m.ccc '1"': IU: C"f.
AS1J.
IUO 
: flA VR€I1CII: o (EIlT!' :) I A(U)OI1BV$: BIJlIVg: €IVS :1 cvm: sonO"f.
€." 
Der erste Inhaber des Steins fÜhrt noch keinen Familiennamen, sondern wird nur 
"Herr Adolf" genannt. Da zu jener Zeit ausser Priestern und Rittern nur Raths- 
gliedern dieser Titel ertheilt wurde lInd die Klosterkirche vorherrschend Grabsteine 
städtischer Geschlechter enthielt, ist anzunehmen, dass der am 2 I. ]\tirz 1330 "er- 
storbene Herr Adolf Rathsglied gewesen ist. Sein gleichnamiger Sohn und seine 
Tochter starben am 9. September 13 (?). 
12. Vair (?). L. 269, B. 163 cm. In den Ecken je 4 Dreipässe, [n der 
Mitte ein Markenschild. (Fig.149.) Randinschrift: ,,
c1ripper' iol}a'llair(?}.: 
nnber' blef. bo. rne . rn.ecce . uü. rir .iar. relrtef in. part}t'. an . .bern ' 
bonerbage, got. belrube. t'n 'llor. plage." (Schiffer Joh. Vair hier unten blif'b, 


. 


\ 
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			179 


, 


da Illan 1400 und 19 Jahr schrieb, zu Ostern an dem Donnerstage, Gott behüte ihn 
vor Plage.) Srhiffer, d. h. Schiflskapitain Joh. V. gestorben den 20. April 1419. 
13. Hurle. L. 213, B. 141 cm. Abgeschlissen. In den Ecken Kreise. In 
der Mitte ein Markenschild. (Fig. 150.) Randinschrift: "anno' bni. m. ((C(' n" 
i
lra' bie' Lamberti .' obiit 'IJal1£I .-frude. orate' pro' aia t=anima).1J 
Hans Hurle, gestorben 17. September 1420, Angehöriger einer Patrizierfamilie, welche 
3 Löwenköpfe im Wappen führte. 
]4. Ho v e. L 239, B. 168 cm. In den vorhandenen Ecken Kreuze. Der 
schon etwas beschädigt aufgestellte Stein wurde nach seiner photographischen Auf- 
nahme 1883 durch die Rohheit eingedrungener Grenzsoldaten zum Theil zerstört und 
danach wieder - soweit möglich - mit Cement ausgebessert. In der Mitte ein W.: 


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Fig. 152. 
Appelbeck. 


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Fia:. 153. Pal. 


Fig. 151. Hove. 


2 Sicheln. Randinschrift: "Anno - uni - m . CCC'. I1XX I. In DI(E:). 
1l'1 _ 
flU\HI].t (- --) I.PH] OllIIII-' , AHn\of.I)lnv
. '1H<
. lio've... (Fig. 151.) Arnold 
v. Hove, gestorben J 37 I. am Martinstage (? I I November). 
15. AppelLeck od. Aplcrbeck. L. 267, B. 155 cm. In den Ecken Rosen 
in Kreisen. In der Mille ein Tal tschenschild, welcher als Wappen zeichen einen mit 
3 Mondsicheln belegten rechtsschrägen Balken aufweist, das W. der westphiilischen 
Rillerfamilie Aplerbeck, wie es auch die gleichnamige Re\'aler Patrizierfamilie führte. 
Der Stein muss dem 1-l90 verstorbenen Bruder der gr. Gilde Heinrich Aplerbeck oder 
seinem Suhne Cord, der 1505 noch leLte, gehört haLen (Fig. 152). 
]6. Pa I (Pale). L. 299, B. 176 cm. In den Ecken die Evangelistenzeichen 
in Vierpiissen. In der Mitte ein Schild mit 3 Pllihlen. Randinschrift: ,,
la' ber. 
n e b 0 rt .1 r pi. m V r . U U ' i ii . b e!3 . b T r .elJ e . b ag C 5 . n a . V i rit ci O!3' 111 ar i e . b 0 . 
tarf 'I bcrent. 
lael . bib
ct. vor. nuc. rele." (Fig. 153.) Nach HupeI, nord. 


12- 


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180 


Misccllancen, StÜck 15- 1 7 S. 369, 370, fÜhrte cine pommcrsche Familie v. dcr I'ahlen 
3 Pfiihle im W. Dcr laut Inschrift am 6. Juli 1503 Verstorbene gehörte einer ange- 
sehenen Lübecker Familie an, die dort bereits 1350 im Rathe sass. Er kommt als 
Schwarzhäupterbruder 1455-1498 vor und starb unvermählt.- Seinc Handclsverbin- 
dung-en waren weit verzweigt. Aus seinem bedeutenden Vermögen machte er schon 
zu Lebzeiten vielfache Spenden zu kirchlichen und gemcinnützigen Zweckcn und be- 
dachte auch in seinem Testament die Reval'schen Kirchen und Klöster reichlich, 
Das väterliche Haus in Lübeck vcrmachte er den dortigen Verwandten. (Ueber ihn 
vergl. W. Stieda in der Zeitschrift für Lübeckische Geschichte, 1887.) 


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Fig. IM. Goldberg. 


Grabsteine auf dem Kirchhof zu Fischermai. 
Dieser, schon längere Zeit nur von den estnischen Kirchengemeinden henutzte 
Gottesacker diente in alten Zeiten auch Anderen als Begräbniro;stätte. Aus dem 
17. Jahrhundert sind mehrere aufrecht stehende Grabsteine erhalten, die in einem 
Kreise Marken und Jahreszahlen aufweisen. In derselben Form sind auch die Grab- 
steine des Ratllsherrn Matthias Porten und seiner Frau Eli<;abeth Goldberg 
gearbeitet, desgleichen ein sp
Lter in Krelll.form umgearbeiteter Gra1::stein, der das 
gräflich Brahe'sche Wappen und die Jahreszahl 1634 trägt. Der Grabstein der 
Rathshcrrin Porten, geh. Goldberg zeigt d,ls bereits beschriebene Goldberg'sche 
Wappen, oben das Todesjdhr 16.
6 und unten den Namcn Elisabttha G(J/db
"gts. 
(Fig. 154.) Der gdnz ähnlich gearbeitete Grabstein ihres 164 J verstorbencn Gatten 
weist das Porten'sche Wappen auf (ein Festungsthor). 


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