/neuere_bauwerke00001_0001.djvu

			-- 
- --_!- 


Fk.. 




 
;r
__L 


. - 


-- 
--- 


11 J 1 


- - 


--- ---- :""
 --- :'= 



-- 



 


.......-r.-
 - - 


-:.
-- - 



_..
 


..!i_ 


'" 


- :.1::..... 
-
 

-

 =- 
- -- . 
 - 
 ._- ---

 ..--- 
-- - --- 

 --- --:-
.....: - 
--- 


r 


-.: 


-; 
 


--;>- 
---- "..:- - -=-
 -- 
-= - - 
 !
- 
- 
--- . 


_..-._
 



 


.-- 


-- 
.....----=-- - 
 -- 
.. 
 -- -_ 2:- 


.. .............--...::.. 


'f':._..._ 


-=-- 



- 



- 
:-.,...- 
- 
 


---- 


---- 


l' 



. :.,-.- - - .. -:-y-.. 1 .. 

.d - -- : -. .,,- 


..... - --::, 


-- .;...... 


M;. 
.. :
' 


.+ 


-.. - --- - 
;...ü 

 F=---.. _-

":.,y 


- ... 


"'-=:::;,. - 


->::cL__.:_ 


4C. .. _"___ 


" 
-- 
- -
._.
 
...n--- :..-:_
 _:...
 _ 


- 


'_--.:
- 
 -
 .: _
 - 
_____.:- """ - --- :...:.-. 
.IiI
 
_ -'-1f'," __-
"" "'-:::-*
.. ..- . . 
-... _r __ :-.-- .. ._
 
 
- -......;;;;;:;::-- . 0"" __
 - '*".--"
.Ha 
.-.-:-
......... I.. _ .. _--41;.- --=--=- : 
 ..., 

___ J _ ... __ 
...-'- 


--.. 


-- 
--- -- 
---- 
 - - 

 -- 
- 
-
 


. -- - ......... 


='" 


r - 
........ -- 
-$.& -- 
_"_
L= 
- . - - 
 ;---: 


'. 


....-- 


---.L 


=-
 


-=- 



.-- 


" 


--.. 
- 
.... -.
- 

 -e 0_ 
-":. ... -
-:_- 
.. - 
 


"
..
. .-...... 
- -- .. 


l' 


11 
 


-4- 


6.a.::: 

 
--" -=-:- - 
... 


. =
 


....-...
. - 


.. --- 
-:=-:!-:-
 -
?--_- 
--------.............. J"Pr 
..........-...-.-. - - 
_. 


..--.- 



 


. 
.- 
"'::":: 


1:=_' 
- 


l i '.=., 
.
 


--.. - -- v..
 
....- - - 

-
 

 ---
 



.- 

- 


C--
 


-. 
- 


- 


--- 


. 
. 


-- 
---- 



 


---..=:::::-- . 
--- 
-- , 



-- 
- 
_.,... 1 


r;
"- 



 
 -- 



 
 



- 
-= 


.- 
-_...-
.. 
..............-- . 
--- ..-- 
-. 


---:::r - 


iikW"'r" ,.,J.. 


. 
- 


-
 
- !o 
 
.,-
 
- = ,.- . 
- .,. ... 
- - 


---- 
 

 
l. 
.
 1"- 
:=!I_

 
ii 


.. 


.. 


8 . 




 
....- 
. ----- 
, = 
- ---- .-.... 
- .-. 


......-:=:.-..... 


"":OOZ::::::C- 
- 


a
 


_.
-- 
-
- 


,- .--- 
t=.:t

 
.. .to:... 


, 


...--: 
::r-- 


1:1" 
- 


ca 


- -:;,,- 



 


-
 


-- 


--c£ 


.-- 


-.,-
........,...... 


.... _--:r- 


-.: .- 


-- 


-::;... 
-- ---- 


----.-. ... i 
7 !!J_
 
.. 


, 


iI- 
2-,,!!, 


I 


I 
. 


.. .. 
, 


- --......-...-.... - 
"
--...--:...-.......
 -- 



 


-.....I. 


------.-- 
a. .- 



--- 


-;;---.,- 



- ....... 


---- 
-=-=- :w-' '" 
---...;;- -- 


=- 


-...
 - 
.. I 
 


...- 


"... 
.. ;c:;. . 


- 


.a.. 


- 


- 


11. ,
 
-.-.-- 



 
....- 
_:.....
 45... 


-4. 


IT-l
 


-- 


..:........ --... -=-- 
h: 
4I 
---:.._
 -:. 


-- 
 


-

 
. _-=r- 



 


- 


-- 


._e. 
-:::;:- -=----=- .e 
. - 

 . tI 


".... 
 


- . 
9- 
 _ _ . . .. . . . _ . ...... _.. ',.._
 
. 
7- -.... 
'. -el!c- 
. ....:.. iI 
. --- !J 
...... . 
.. . 
.. 



-;- 


--- 



.-._--..- 
,
!! 
-- 
- ......-- - l_
__- _ 
 

 


;0 


..- 
- . . 
Ce 


4,; 
--=- - 


::.-..:.
 


- -..:. --= 


---. 


: - 


.- ..
 =-:--- 
'"'-= 



 
 


.. 

..air:-__:: 


. - 
 


.-.."'...... 


--:..,. 


- 
 - .- J11?=.--. 
- 


. - 


-- 
- 


-.- - 
 
- -2---- ----
 


'- , _I!""-"- 


---- 
_,..: _ _ :---.c. !"
 


- 


---- ....- 


= 


-- 
---- 


---- . 


.. .--- 


....,.,.,. 


.::;. 


-
 
--- 



 


--- 
- 



 


0.1 _ 


----
 - 
- 


-- ...,-- 


--:-:-- "
- 


-- - ..:...""? 

 --1---- 
-
 
j!,: -

-::;i.-: 
 
.
 - 


- 


-
 


.... 


_3 


-: 


-
 


E --- 

 ..-- 
-:-:4.J _ -=__ _ __--- 


--A.. ....;;..:..:.... 


-=:> 



..- 


-.---- -
 -:..-- -- 
 
...
- 
R"'" 
..- 


- ------- 
 ."=- -- 



 


---- --- 


- 
- 



 


::..::.-- ..::--- . 
. _. ..,,;or- 
- --- -- - ----:.. 


-= 



 



 
- 


..,., 


- 


.LL. L 


....:. :._
 


---- --- 
--. 


1-::7 


_ ! 
-s""!'" - 


.
 


_. 

,
 -
 



.=:; 


. _. -----.=-.-- 


-==-=- 


=- -:;""7" , 
......-=:- 


r:: 
 =- 


.- ....,.---< .1'__.1 
----_-:_-::;;:;----
 
- - 



 


_ . 


-- - --"" 

-
Jt
 .. 
- 
 


-: =-



 

- ....- -----:-::: 


-=-
 


_____
 -c-= -:
 :;;: - 
--==-

 - ...._
 
-=--- ----- 
 

r .......,... 


-- 
----- 


"V 


-=-.-;- -=--':r-. 


-- 
Jd. I 


..,-.. - -- ---.... 
--. 
r_ __ _ _ 
J __ .T. ... 
... _ =--:.. 



 -' 


:..::. . 
 
 
 
-- ;.
. . 
-----
 
--- 
 
 


_.OY-..;. 



-,- 
--. - :-
 


............ 

 
---" 


- l -v .".-_ - -.. -- 
-:::-.-.-:=......:. - - 


-. -----
 - ...- 
--
 


:.!
 :=-. 

..::...... 


-- 
 


.- 


- - = --, 
-=-:--- 
 
 --- ---- 



 
r 


---- .:. 


,... 


--
--. 
_--:.---- 
..........
 



:r -
_. 
?" 



1 


--- 


. 
- " -=.. 
 


-= 


-:- 


--:--..üiiK 


--
 
.. 


----- 


.:_-:-' ___,_
 ":1_ 


i,-T'i....,.,.
 


--=- 
-
........
 :.:....
 :.-.. 

-": -- --=-- 
.....--. 


-
c:'!:

- 

_ .- . 


- - 
--_._----_..
- 
. 
.- 
!K"" .... 


.... 

 .-- ..- .' .... - 
 - oI'I;. -
 _ __ 
loriS: ......_;:- -.-p ... _ ....
_ ___ ....
 

.;.;-' - -"! " t' --=- _ -:.. -=-..:::. 
;:::::-___ . 
__-=-----=- 
- - - - - .. 
I .
_:._ 
"
"1f1[ 


- -_.- - - ----- 

! 

-:-:::..:-:.: 

-. .< 


-..;,.- 
._ 

 
.....a.. .. 
_ 


 



-:: 


-

=
 


- 


U-- 


-x:= 


--_..:
.r::=
---= 



... 


-... 
.
--- 


---- 
..-.- --------- -"- 


1\ _ ,; 

 I> 


--=-- 
 


I'

-- 



 


- 


.«:.
:.. 


:.;;ou: - 



.-.- 



 



 -
		

/neuere_bauwerke00002_0001.djvu

			Neuere 
Bauwerke und Bauten 
in Bromberg 


und 


Historischer Rückblick: Zur Geschichte des 
Netzedistrikts und des Brom berger Kanals. 


Festschrift 


zur 42. Abgeordneten -Versammlung 
des Verbandes Deutscher Architekten- 
und Ingenieurvereine 


Bromberg, 21.-24. August 1913. 


Eine Ergänzung zu der Festschrift 
"Industrie und Gewerbe in Bromberg" . 


[..... ....\ f.......... 
\... (::::.::.)...i 
.......... 


Verfaßt von Mitgliedern des Bromberger Architekten- 
und Ingenieurvereins.
		

/neuere_bauwerke00003_0001.djvu

			q 


S". 
j12i. 
o 


Verlag: Bromberger Architekten- und Ingenieurverein. 
Druck von A. Dittmann in Bromberg. 


Cf 


t). '0 
'b
		

/neuere_bauwerke00004_0001.djvu

			VORWORT. 


Als im vorigen Jahre der Verband Deutscher Architekten- und 
Ingenieurvereine in 
Iünchen beschlossen hatte, SeIne 42. Abge- 
ordnetenversammlung 1913 in Bromberg abzuhalten, da wußte der 
hiesige Architekten- und Ingenieurverein die ihm hierdurch zuteil 
werdende Ehre wohl zu schätzen. Er war deshalb bemüht, ent- 
sprechend dem Brauch bei den früheren Verbandstagen, den aus 
allen Teilen des Reiches nach dem abgelegenen Osten kommenden 
Abgeordneten die hiesigen Verhältnisse nicht nur durch unmittelbare 
Anschauung, sondern auch durch eine technisch-wissenschaftliche 
Bearbeitung näher zu bringen. Zwar war es nicht möglich, in der zur 
Verfügung stehenden kurzen Zeit und aus 'Iangel an 
Iaterial ein 
'Verk über "Bromberg und seine Bauten" zu schaffen. Dafür lag 
aber eine erschöpfende Bearbeitung über "Industrie und Gewerbe in 
Bromberg" , an welcher einige 
Iitglieder des hiesigen Architekten- 
und Ingenieurvereins besonders beteiligt gewesen waren, aus dem 
Jahre 1907 vor. Durch die Bereitwilligkei1 der Verlegerin, der Buch- 
druckerei A. Dittmann hierselbst, ist der Bromberger Architekten- 
und Ingenieurverein in der Lage, den Abgeordneten dieses \Verk 
überreichen zu können, welches neben seinem Hauptzweck, den 
industriellen Werdegang Brombergs zu schildern, auch in einigen 
Kapiteln die baulichen Verhältnisse streift, und Beiträge zur gewerb- 
lichen Geschichte Brombergs und über die Bromberger Wasserstraß
n 
bringt, welche allgemein interessieren dürften. 
Aber weiterhin wollte der hiesige Verein sich doch durch eine 
besondere Arbeit anläßlich der Verbandstagung betätigen, welche 
nunmehr in der folgenden Festschrift vorliegt. Sie soll gewissermaßen 
eine Ergänzung von "Industrie und Gewerbe in Bromberg" bilden, 
und behandelt dip in den letzten Jahren hierselbst entstandenen 
beachtenswerteren Bauwerke und Ba.uten, Ein historischer Rück- 
blick "Zur Geschichte des Netzedistrikts und des Bromberger Kanals" 


1* 


3 


t
		

/neuere_bauwerke00005_0001.djvu

			dürfte wegen der Beleuchtung, welche die früheren Verhältnisse der 
hiesigen Gegend erfahren, willkommen sein. Da die Ausstattung dieser 
Festschrift insbesondere auch durch Bildschnluck und Pläne hinter 
der des älteren 'Verkes nicht zurückbleiben sollte, so erwuchsen hier- 
durch erhebliche Unkosten, welche jedoch zum Teil durch Zuschüsse 
des Herrn )Iinisters der öffentlichen Arbeiten, der Stadtgemeinde 
Bromberg und der beteiligten Firmen gedeckt wurden, denen 
hiermit unser Dank abgestattet sei. 
'ViI' hoffen, daß die beiden 'Verke einen Einblick in die gewerb- 
lichen und baulichen Verhältnisse der Deutschen Ostmark, insbesondere 
Brombergs, aus früherer und jetziger Zeit geben, und dem Leser so 
vor Augen führen mögen, daß unter dem Schutz der preußischen 
Könige inl Laufe von 140 Jahren Fleiß und Energie der deutschen 
Bevölkerung und nicht zum wenigsten die Intelligenz des Technikers 
hier aus Unland und Sümpfen fruchtbare Äcker, Wiesen und schiff- 
bare Wasserstraßen, aus Haufen verfallener Hütten mit einigen Hundert 
verkommener Bewohner blühendp Gemeinwesen geschaffen hat, in 
welchen sich jetzt Hunderttausende geschäftiger Hände regen, um 
den Deutschen Osten allmählich auch mit den durch Lage und kultu- 
relle Entwickelung bevorzugteren Gegenden des Deutschen Vater- 
landes auf gleiche Stufp zu stellen. 


Bromberger Architekten- und Ingenieurverein. 
1. A.: 


Böhm, Gewerberat. 


4
		

/neuere_bauwerke00006_0001.djvu

			INHALTSVERZEICHNIS. 


Seite 


1. Der Ausbau der Weicbsel-Oder-Wasserstraße, insbesondere bei Bromberg_ 
Von Regierungs- und Geheimen Baurat :\1 a y . . . . . . . . . . . . . 7-20 
2. Die neue Brabebrücke im Zuge der Viktoriastraße in Bromberg. 
Von Dr. Lew e ..................................... 21-25 
3. Der Bismarckturm. 
Von Rentier R 0 b e r t 0 i e t z 


27-35 


4. Hochbauten. 
Von Baurat Her r man n ............................ 37-48 
5, Die Löbnertscbe Mascbinen-Fabrik. 
Von Dipl.-Ing. So n na ben d ......................... 49-59 
6. Gaswerk, Entwässerungsanlage und Scblacbtbof der Stadtgemeinde Bromberg. 
(Nachtrag zur Denkschrift vom Jahre 1907.) Von Stadtbaurat 
:\1 e t z ger und Stadtbaurat Dr.-Ing. 1\1 ä h 1 man n .. . . . .. 61-76 
v7. Historiscber Rückblick: Zur Gescbicbte des Netzedistrikts und des Brom- 
berger Kanals. 
Von Regierungs- und Baurat Sckerl .................. 77-91 


5
		

/neuere_bauwerke00007_0001.djvu

			... ...... ... ... ... .......... ..... ... ... ..... ....... ....... ... ...... ... ..... ... .... ................. .............. ... ... ...... ...... ... ......... ..... ..... ... 
. . . . 
............................................................................ ..... .......................................................................... 

g:::
::.:::::.
:::::
:
:.
:::::.:::::..::::::=::::..=:::::.=:::::=:::::=::::'
:::::.:::::'.=:::::.=::::
:::::.=:::::=:::::::::::=:::::=:::::=.:::::=:::::::::::=:::::=.:::::=::::::.:::::
':
:=::
::=
;
 
.... ... 
=:=: :=:= 
.. . ..... 
\:j; Der Ausbau der Weichsel-Oder- H:j 
{:H H:J 

:

 Wasserstraße 


 
\". '('.
"1 (Gesetz v. 1. April 1905), insbesondere bei Bromberg. (E
'}j 
\
:::"':
' Von Regierungs- und Geheimen Baurat E. May. .
::.:::
/ 

. .
 
\ I 
..... :...... ...... ... ...... ... ... ..... .... ..... ... ...... ... ... ... ...... ....... ...... ......... ......... .... ............ ... ......... ........: ..... 
. .. .. . 

 ::. ..... ........ ...... ............. ... ...... ...... ......... .................... ... ........... ....... ... .......... ....... ... ... .......... 
: : 
..
 V 
.. 
.... 


Allgemeines. 
T ) aum hat ein die wirtschaftlichen Interessen berührender Verkehrs- 
t\. weg so enge Beziehungen zu dem Leben und \Virtschaftsgetriebe 
einer Stadt als die Weichsel-Oder-'Vasserstraße zu denen der Stadt 
Bromberg. Hieraus erklärt sich begreiflicherweise auch der rege \Vunsch, 
diese Wasserstraße allen vorhandenen und entstehenden Bedürfnissen 
in dem aufblühenden Gemeindewesen anzupassen und für die 
Anforderungen von Handel und Verkehr, Gewerbe und Industrie 
ausreichend leistungsfähig zu gestalten, zumal diese Straße der einzige 
Binnenwasserweg zwischen der 'Veichsel und dem mittleren X ord- 
deutschland ist. 
Eng verbunden ist die Geschichte der Entwickelung Bromberg"s 
mit dem von Friedrich dem Großen geschaffenen 'Vasserwege, der die 
Stromgebiete der \Veichsel und Oder zu wirtschaftlichem Zusamme;n- 
schlusse verbunden hat. 
Dank der Regsamkeit seiner Bürger und der eifrigen Betätigung 
kaufmännischen Sinnes hat insbesondere der Holzhandel und die 
Einfuhr dieses für alle Zweige des gewerblichen Lebens so wichtigen 
Stoffes dem Erwerbsleben in Bromberg sein besonderes Gepräge 
gegeben. 
Bei dem scharfen Kampfe, der sich auf allen Gebieten menschlicher 
Tätigkeit zeigt, war es auch hier in der so heiß umstrittenen Ostmark 


7
		

/neuere_bauwerke00008_0001.djvu

			nötig, die Konkurrenzfähigkeit auf dem 'Veltmarkte nicht aus dcn 
Augen zu verlieren und sie durch möglichste Ausnutzung aller technisch 
zu bietenden V ollkommenheiten im Betriebe der vVasserstraße tunlichst 
sicher zu stellen. 
Der Ausbau des Bromberger Kanals mit der kanalisierten Brahe 
einerseits und seiner Fortsetzung durch die Netze und 'Varthe zur 
Oder andererseits hat für den ganzen nordöstlichen Teil des preußischen 
Staates eine große wirtschaftliche Bedeutung. 
Zur Veranschaulichung des Umfanges, welchen der Güter- und der 
Flößerei verkehr auf der 'Veichsel-Oder- 'Vasserstraße einnimmt, dient 
die nachstehende Übersicht. 
Übersicht des (iüfer M und Holzverkehrs in Brahemünde. 


Frachtgüter Floßholz 
nach nach 
Jahr Bromberg Bromberg Bemerkungen 
. und ostwärts u. westwärts 
westwärts bei 4 m Breite 
t t m 1) 
1874.-1876 . . 54:4 479 1) Der Floßholzverkehr nach 
2) 187g-1888 585 64:8 der 'Veichsel zu ist ziem- 
. . 
1880-1888 47 800 33 100 lich gering. 
. 
1889-1898 52500 54: 100 701 604 2) Betriebseröffnung des 
3) 189g-1901 774 :363 Hafens Brahemünde 
. . (Aktiengesellschaft) 
1899-1902 
O 400 96 4:00 . am 30. 4. 1879. 
1902 84 800 87 000 422 676 3) l. Januar 1899 übergang 
1903 84: 191 1076]4: 9] 4 408 von Hafen und Schleuse 
1904: 69 454: 81 6:33 789 459 auf den Staat. 
4) 1905 101 100 101 500 1 127 0!2 4) Erweiterung der Hafcn- 
1906 115900 99 600 ]2026]0 anlagen. 
]907 111137 87 954 994: 648 
1908 9:3284 127 563 517 400 
1909 ] 06452 1 07 474 779 769 
1910 112 117 ] 46 564 804 666 
1911 103 113 125 220 74:3 7 10 
1912 116 44:8 165 ] 11 924. 069 


Der Charakter des von der Wasserstraße von der Netzemündung an 
a'lfwärts durchzogenen Gebietes ist überwiegend ländlich und land- 


8
		

/neuere_bauwerke00009_0001.djvu

			wirtschaftlich. Zunächst nur an einzelnen Stellen, neuerdings aber 
selbst auf längere Strecken tritt städtisches oder doch gewerbliches 
und industrielles Leben in den Vordergrund. Letzteres gilt vorzugsweise 
vom Tale der Brahe; hier finden sich - abgesehen von Anlagen für 
elektrische Kraftgewinnung - in neuerer Zeit stetig zunehmend, 
namentlich in der Nähe der Stadt Bromberg, zahlreiche industriell
 
Betriebe. Bromberg selbst, an der Einmündung des Kanals in die Brahe 
gelegen, zählt mit den Vororten gegen 95 000 Einwohner und ist nach 
jeder Richtung in rascher Entwickelung begriffen._ Es ist Kreuzungs- 
punkt mehrerer Eisenbahnlinien und Umschlagsplatz zwischen Land- 
und 'Vasserverkehr. Bedeutend ist die Spedition und der Handel mit 
Holz, Getreide, Eisen, Spiritus; industrielle Unternehmungen größeren 
Umfanges bestehen auf den Gebieten der Ziegelherstellung, der Eisen- 
gießerei, des 
Iaschinenbaues, der Holzbearbeitung, :\lüllerei, Bier- 
brauerei, Brennerei, Seifenindustrie, der Lederbearbeitung und des 
Transportgewerbes ; letzteres wird besonders bei der Flößerei 
betätigt. 
Auch die in erfreulichem Aufschwunge begriffenen im wirtschaftlichen 
Interessengebiete der 'Vasserstraße liegenden mittleren Städte wie 
Nakel, Kolmar, Czarnikau, Filehne, Schneidemühl und Hohensalza- 
:r.lontwy nehmen an der Entwickelung des Yerkehrs regen Anteil. 
Erwähnt seien vor allen Dingen die vielen Zuckerfabriken, 
Brennereien, die Schneidemühlen, Soda- bezw. Stärkefabriken, die 
fast durchweg ihre Lage an den 'Vasserstraßen gewählt haben. Auch 
die Landwirtschaft ist rege an dem Einfluß auf die 'Vasserstraße und 
an dem Nutzen aus derselben beteiligt. 
Hatte die bisherige 'Yasserstraße von der \Veichsel zum 'Yesten 
hin diese bedeutsame wirtschaftliche Entwickelung hervorgerufen und 
begünstigt, so mußte es als eine dringende Aufgabe der Staatsverwaltung 
erscheinen, durch Ausbau der 'Vasserstraße auf denjenigen Strecken, 
wo sie den Anforderungen der durchgehenden Schiffahrt zwischen 
Oder und 'Veichsel noch nicht oder nicht mehr entspricht, baldigst 
Wandel zu schaffen. 
Hierbei wurden zweckmäßigerweise die Abmessungen die bein} 
Oder-Spree- Kanal und bei der Kanalisierung der oberen Oder angewandt 
sind, zugrunde gelegt. Die demgemäß zuzulassenden Kähne können 
bis 55 m lang und 8 m breit sein und bei einem Tiefgang bis 1,40 m 
eine Fracht von 400 t laden. 


9 


'1
		

/neuere_bauwerke00010_0001.djvu

			Gesamtanordnung.*) 
Wenn auch hier insbesondere nur die baulichen Veränderungen der 
\V eichsel-Oder- \V asserstraße bei Bromberg behandelt werden sollen, 
so möge doch zum besseren Verständnis kurz erwähnt werden, welche 
baulichen )Iaßnahmen von der 'Veichsel bis zur Oder hin überhaupt 
zur Ausführung gebracht werden sollen. 
Für die notwendig werdenden Bauten sind zwei Abschnitte: die 
Netze und der Bromberger Kanal zu unterscheiden. 
Nach Ausführung der Hafenerweiterung bei Brahemünde, die im 
Jahre 1906 beendet 
orden ist, sind an der unteren Brahe Änderungen 
auf Staatskosten, abgesehen von einer Verbreiterung und Regulierung 
des Flusses bei der :\lagazinbrücke in Bromberg nicht mehr erforderlich, 
um den Verkehr mit 400 t-Käbnen zu ermöglichen. \Vas insbesondere 
die bestehenden Brücken angeht, so werden allerdings noch einzelne 
umgebaut werden müssen, um die profilmäßig nötigen Durchfahrten 
in bezug auf Breite und eine lichte Höhe von 4 m über dem höchsten 
schiffbaren 'Vasserstande zu erhalten. Es mögen insbesondere erwähnt 
sein die jetzigen Zugbrücken in Czarnikau und Usch, sowie über das 
Unterhaupt der Schleuse XII bei Gromaden. Die Brücke über das 
Unterhaupt der Schleuse IX bei Josefinen, die Brücke bei Gorsin Über 
die Scheitelhaltung, die sogenannte "Fangbrücke" in der Nähe der 
Schleuse VII und die Brücke bei der Schleuse VIII; schließlich in der 
Stadt Bromberg noch die Viktoriabrücke , die 
Iagazinbrücke und 
nötigenfalls die Kaiserbrücke über die Brahe. 
Abgesehen von den baulichen )Iaßnahmen einer 'Vartheregulierung 
in und bei der Stadt Posen und von Baggerungen, Uferbegradigungen 
und Befestigungen des Flußlaufes von Posen bis Zantoch, sind auf der 
\Varthestrecke von Zantoch bi
 Küstrin erheblichere )Iaßnahmen nicht 
beabsichtigt. 
Der Netzelauf von seiner 
Iündung in die 'Varthe aufwärts bis zum 
Bromberger Kanal zerfällt in drei Strecken: 
*) Hierzu: zwei Obersichtspläne. 


1. Die freie Netze. 
Auf der unteren, im Regierungsbezirk Frankfurt belegenen rund 
50 km langen Strecke (von der Einmündung in die 'Varthe bis zur 
Dragemündung) werden ebenfalls nur geringfügigere Arbeiten nötig 


10
		

/neuere_bauwerke00011_0001.djvu

			sein, die im Abschneiden von einIgen zu scharfen Biegungen, in der 
Beseitigung von Riffen im Flußbett, in Baggerungen und ähnlichen 
.Arbeiten bestehen. 


2. Die kanalisierte Netze. 
Auf der mittleren rund 78 km langen Strecke von der )Iündung 
der Drage bis zur Küddowmündung bei Usch, der sogenannten 
"lebhaften" Netze, wird die zu geringe Fahrtiefe durch Kanalisierung 
verbessert und zu gleicher Leistungsfähigkeit wie die der anschließenden 
Strecken gebracht. Zwischen je zwei der vorhandenen vier Stauanlagen 
werden zwei neue Stauanlagen und noch eine solche unterhalb der 
letzten bestehenden, kurz oberhalb der Dragemündung errichtet. Nach 
Ausführung dieser Bauten wird in Zukunft der Stau dauernd und zwar 
im allgemeinen höher als bisher gehalten werden können. 
Hier an der unteren Netze - zwischen Drage und Küddow - 
wird gleichzeitig mit dem Ausbau und der Verbesserung der Schiff- 
fahrtstraße eine hochbedeutsame Wiesenverbesserung auf Staats- 
kosten zur Ausführung gebracht. 
Nachdem anerkannt worden ist, daß die zur Entsumpfung sowohl, 
als zur Beseitigung der für Flößerei und Schiffahrt ganz außerordentlich 
hinderlichen übermäßigen \Vindungen und Schleifen des Flußlaufes 
geschehenen Begradigungen und Durchstiche einen nachteiligen Einfluß 
auf die 'Viesen ausgeübt und eine unerwünschte Senkung des Grund- 
wasserstandes veranlaßt haben, wird ein großzügiger Berieselungsentwurf 
zur Ausführung gebracht, der die Kanalisierung der obenbezeichneten 
Netzestrecke benützt, um zum mindesten eine starke Berieselung 
während des zeitigen Frühjahres und wenn möglich, eine höhere Haltung 
des Grundwasserstandes auch während des Übrigen Teiles des Jahres 
zu bewirken. Auf diese 'Veise sollen in verbesserter Form die 'Virkungen 
der durch natürliche tberstauungen während der Hochwässer erfolgten 
'Viesenbefruchtung wieder hergestellt werden. Die Grundlage für den 
Berieselungsbetrieb der etwa 8600 ha (344:00 ::\Iorgen) betragenden 
'Viesenflächen bieten sieben große Genossenschaften, di{' zu diesem 
Zwecke auf Grund des Genossenschaftsgesetzes vom 1. April 1879 
gebildet worden sind. 
Für die vorhandenen vier Stauanlagen wurden unter Einbeziehung 
der neuen Zwischenstaustufen Einrichtungen - Ein- und Auslaß- 
schleusen, Verteilungsgräben, Querverwallungen mit Berieselungsdurch- 


11
		

/neuere_bauwerke00012_0001.djvu

			lässen usw. - getroffen, die geeignet sind, das aufgestaute Netzewasser 
je nach Bedürfnis im Stromschlauche festzuhalten oder an das 
bewässerungsbedürftige 'Yiesengelände abzugeben und somit eine 
bedeutsame wirtschaftliche Ausnützung des Netzewassers neben den 
Schiffahrtsinteressen auch für die Landwirtsch
ft zu erreichen. Zur 
Beurteilung des Umfanges dieser Arbeiten sei erwähnt, daß hierbei 
rund 100 km Längsdämme, rund 70000 m Querverwallungen, 150000 m 
Gräben und etwa 130 Stauschleusen usw. von verschiedenen Abmessungen 
zur Ausführung kommen. 


3. Die träge Netze. 
Die obere Strecke von der Küddowmündung bis zum Unter- 
wasser der Schleuse X bei Nakel - Zusammenschluß des Bromberger 
Kanals mit der "Oberen (vom Goplosee herkommenden) Netze" - ist 
rund 58 km lang und enthält den gesamten Lauf der sogenannten 
"trägen" Netze. In dieser Strecke liegen die bisherigen Schleusen XI 
bei Bielawy und XII bei Gromaden, welche beide in den erforderlichen 
Abmessungen neu errichtet werden. Zur Vervollständigung der Kanali- 
sierung dieser 
trecke wird bei km 29,1 der Netzestationierung (etwa 
14 km unterhalb der Schleuse XII) noch eine Stauanlage (Nadelwehr) 
mit entsprechender Schleuse errichtet, die nur zu Zeiten besonders 
niedriger 'Vasserstände in Betrieb gesetzt werden soll, um eine 
gleichmäßig auszunutzende Schiffahrtstiefe zu gewährleisten. Außer 
der Errichtung dieser Schleusen werden noch auf längere Strecken 
Erweiterungen und Begradigungen des Flußlaufes ausgeführt. 
Alle Schleusen, auch die im Bromberger Kanal, sowohl in 
der westlichen Netze- wie in der östlichen Brahetreppe, werden 
in den Abmessungen derjenigen des Oder - Spree - Kanals mit 
9,6 m Torweite erbaut, so daß gleichzeitig zwei Fahrzeuge nach 
FinowkanalmaB oder ein größeres Fahrzeug von 400 t Trag- 
fähigkeit geschleust werden können. 


Der Bromberger Kanal. 


Der Bromberger Kanal würde in seiner bisherigen Breite für Kähne 
mitOder-Spree-Kanalmaß nur genügen, sofern diese einzeln fahren. Da 
aber der Kanalquerschnitt zu gering ist, auch bei dem regen Verkehr 


12
		

/neuere_bauwerke00013_0001.djvu

			das fortwährende Begegnen berücksichtigt werden muß, ist es erfor- 
derlich, das Fahrwasser von vornherein so zu verbreitern, daß es z",ei 
großen Kähnen von 55 m Länge und 8 m Breite beim Nebeneinander- 
fahren oder Begegnen genügend freien Spielraum bietet. Dif' Tiefe der 
Haltungen wird nicht unter 2,0 m betragen. 
Die ganze Länge des Bromberger Kanals beträgt 27 km, die der 
eigentlichen Scheitelhaltung rund 16 km. Der Abstieg auf der Netze- 
treppe beträgt 4:,35 m, derjenige nach der Brahe 26,41 nl. Der \Vasser- 
spiegel der Scheitelhaltung wird um 0,4 m gesenkt und diejenigen 
der östlich anschließenden Haltungen werden danach entsprechend 
geregelt, um die Überleitung in den Umgehungskanal und durch diesen 
in die obere Brahe zu vollziehen. )Iaßgebend für die Verteilung des 
Gefälles ist hierbei dif' X otwendigkeit, den Stauspiegel im Umgehungs- 
kanal so festzulegen, daß die bestehende doppeIgleisige Eisenbahn- 
linie Bromberg-Berlin den Kanal ohne Höhenänderung überschreiten 
kann und die erforderliche lichte Höhe von 4,0 m über Kanalspiegel 
bis Brückenunterkantf' verbleibt. 
.Auch die \Vasserstände bei der Stadtschleuse in Bromberg sind 
bezüglich ihrer Höhenlagen unverändert geblieben, um keinerlei Ein- 
flüsse auf die gewerblichen Anlagen und die am Flußlaufe liegenden 
Grundstücke und Bauwerke auszuüben. 
Handelt es sich bei der Schaffung einer leistungsfähigen Oder-\Yasser- 
straße auf den freien Flußstrecken der Netze und Brahe zumeist um 
'Regulierungsarbeiten d. h. um Begradigungen, Durchstiche,. Verbreite- 
rungen der Fahrstraße oder um Kanalisierungsbauten d. h, den Einbau 
von Staustufen zur Sicherstellung genügender Fahrtiefen, so trat bei 
der Durchführung der \Y a
serstraße durch Bromberg die ernste 
Erwägung auf, die mancherlei 
Iißstände zu beseitigen, welche die 
ungünstig gelegene Einmündung des Bromberger Kanals in die Brahe 
und die beschwerliche Zufahrt aus dem Kanal zur Stadtschleusf' und 
umgekehrt der Schiffahrt und der Flößerei dauernd boten. 
Trotz mancher Bemühungen war aber schließlich doch der Ausbau 
der alt e n Kanallinie, Erneuerung der sämtlichen Schleusen der Brahe- 
treppe in größeren Abmessungen und der Neubau der 
tadtschleuse 
dicht oberhalb der Hafenbrücke (unterhalb der bisherigen Kopf- 
schleuse) ins Auge gefaßt und in den denl Landtage vorgelegten all- 
gemeinen Entwurf aufgenolnlnen, sowie durch Gesetz vonlI. April 1905 
im allgemeinen zur Ausführung bestimmt worden. 


13
		

/neuere_bauwerke00014_0001.djvu

			Veränderung der Linie. 


Bei der im Jahre 1906 rege einsetzenden Entwurfsbearbeitung zeigte 
es sich aber immer deutlicher, daß es dringend notwendig sei, die vor- 
erwähnten :\Iißstände zu beseitigen. Insbesondere gilt dies von der 
untersten, den Bromberger Stau überwindenden Schleuse des Abstieges 
zur Brahe. An dieser Stelle sind die den Kanal befahrenden Schiffe 
und Flöße - wie bereits erwähnt - durch die Gestaltung der jetzigen 
sogenannten Stadtschleuse al
 "Kopfschleuse" und ihre sehr ungünstige 
Lage zum Brahefluß und zur nächstoberhalb liegenden Schleuse I} 
gezwungen, nicht nur vor oder nach dem Durchfahren der Stadt- 
schleuse vönig d. i. um 180 0 zu drehen, sondern auch die Strömung 
der Brahe auf sehr beengtem Raume zu durchqueren: eine Unbequem- 
lichkeit im Betriebe, die bei stärkerer 'Vasserführung der Brahe und damit 
gesteigerter Stromgeschwindigkeit mehrfach zu einer Gefährdung der 
Schiffe und Flöße geführt hat. Dieser ungünstige Zustand hätte durch 
Ausführung der geplanten neuen (im Lageplan rot angedeuteten) Stadt- 
schleuse nach dem Entwurfe von 1899 eine wesentliche Verbesserung 
nicht erfahren. Es war daher durch Prüfungsbemerkungen zu diesem 
Entwurfe bereits darauf hingewiesen worden, daß bei Bearbeitung der 
Ausführungspläne eine Beseitigung der tbelstände anzustreben sei, 
Die im Jahre 1906 begonnenen genaueren Vorarbeiten ergaben 
zunächst, daß im Falle der Ausführung der bisher geplanten neuen Stadt- 
schleuse (im Unterwasser und Unterkanal der bestehenden Kopf- 
schleuse) es bei der Beengtheit der Baustelle und den schwierigen Ver- 
hältnissen des Baugrundes nicht möglich sein würde, den inzwischen 
erheblich gestiegenen Schiffs- und Floßverkehr während der Bauzeit 
jederzeit ohne Störung aufrecht zu erhalten, daß vielmehr während 
mehrerer Baujahre mit zeitweiligen Unterbrechungen des Verkehrs 
durch die alte Stadtschleuse und damit auf der W eichsel-Oder- 'V asser- 
straße hätte gerechnet werden müssen. Erschien hiernach eine andere 
Lage der neuen Schleuse geboten, so konnte nach den vorgenommenen 
eingehenden Untersuchungen nur eine solche im Oberwasser der alten 
Schleuse in Frage kommen (im Lageplan grün dargestellt), da jede 
andere Lösung unzweckmäßig erschien und auf ganz unverhältnis- 
mäßig hohe Kosten stieß. 
Die für die Schleuse gewählte Lösung - Verlegung ins Oberwasser un ter 
Beibehaltung der alten Kanallinie - würde nun zwar das Kreuzen der 


14
		

/neuere_bauwerke00015_0001.djvu

			Brahe durch die Schifff' und Flöße erleichtert haben, da für die hierb(
j 
vorzunehmenden Bewegungen der Schiffe und Flöße in der Flußrichtung 
eine größere Länge gewonnen wurde, aber sie beseitigte nicht den 
Richtungswechsel der 'VeJsserstraße und damit die Notwendigkeit des 
Drehens der Fahrzeuge oberhalb und unterhalb der neuen Stadtschleuse. 
Der Fortfall dieses die Leistungsfähigkeit der \Vasserstraße erheb- 
lich beeinträchtigenden Richtungswechsels war aber nur dann zu 
przielen, wenn es technisch und wirtschaftlich möglich war, die oberhalb 
der Stadtschleuse liegende Strecke des alten Kanals bis oberhalb 
Schleuse VI aus der bisherigen \Vasserstraße auszuschalten und durch 
eine Strecke der an die Stadtschleuse anschließenden Oberbrahe, sowie 
durch eine neue, den Anschluß an die alte Kanallinie vermittelndp 
Verbindungsstrecke zu ersetzen, mithin eine Umgehung des oberhalb 
der Stadtschleuse bis oberhalb Schleuse VI liegenden Kanalteils vor- 
zunehmen, Für die Durchführung einer solchen "Pmgehung sprachen 
auch verschiedene der auszuschaltenden Kanalstrecke anhaftende und 
wegen ihrer Lage zwischen städtisch bebautE'ln Gelände nicht zu 
beseitigende, bei der erwarteten Verkehrszunabme aber besonders emp- 
findliche Übelstände und Schwierigkeiten, wie die geringen Abstände 
einzelner Schleusen von einander, welche beim Betriebe äußerst 
ungünstige Strömungswechsel für die Schiffsbewegung hervorriefen, dif' 
scharfen Krümmungen zwischen Schleuse JII und 11, die außerordent- 
lich enge Durchfahrt durch die Brücke in der Eisenbahn Bromberg-. 
Hohensalza, schließlich auch die seit Aufstellung des früheren Ent- 
wurfs stattgehabte Errichtung neuer Gebäudf' an der zu erhöhenden 
Straßenrampe im Zuge der Berliner Straße bei der sogenannten 
"steinernen Brücke"; auch die früher vorgesehene Benutzung der 
alten Schleusenkammern als Sparbecken für die neuen neben ihnen 
zu errichtenden Schleusen ergab bei näherer Untersuchung keine 
befriedigende Lösung. 
Da es im übrigen auch dringend erwünscht war, später eine l\Iög- 
lichkeit zu haben, an der ausgebauten \Vasserstraße einen Liege- und 
Umschlagshafen herstellen zu können, diese :\Iöglichkeit sich aber nur 
bei Umgehung des alten Kanals, im Anschluß an die obere Brahe und 
unter Berücksichtigung eines Anschlusses an den Güterbahnhof der 
Eisenbahn schaffen ließ, so wurde nach mehrfachen V orentwürfell der 
im angeschlossenen Plane dargestellte Entwurf (in grüner Farbe) für 
die Linienverlegung au
gearbeitet. 


1S 


,
		

/neuere_bauwerke00016_0001.djvu

			- 
0\ 


I. ,. 


'.' 


- 
- 
- 
- 
- 
- 


: -- 


... 
...... 


.. 
t 


.... 
..... 


.' 


.' 
............. 
",'\ 
 . 


.
 
I! J ' 
t. 


- 


,t 


tA;
 


.
. , 


, - 


- 


.. 


.. 


t 


Neue Stadtschleuse in Bromberg mit Vorhafen am Unterhaupt (rechts verbaute Einfahrt der alten Schleuse).
		

/neuere_bauwerke00017_0001.djvu

			\Vie die Darstellung ergibt, benutzt die neue Linie vom Oberhaupte 
der nach obigem ins Ob
rwasser des ßromberger Brahestaues zu ver- 
legenden Stadtschleuse (Schleuse I) flußaufwärts zunächst auf 1,9 knl 
l.tängt' die vom Bromberger Stau beherrschte Oberbrahe, deren Bett 
an einigen Stellen zu begradigen und zu vertiefen ist. Die hier oie 
Brahe mit drei Öffnungen überschreitende steinerne gewölbte Viktoria- 
brücke mußte ihrer Strompfeiler und niedrigen. Lage der Kämpfer 
wegen beseitigt und durch eine den Fluß frei mit 36 m Lichtweite 
überschreitende (Eisenbeton-Rahmen-) Brücke ersetzt werden. Dif' 
weiter aufwärts folgenden beiden massiven Eisenbahnbrücken bilden 
keine besonderen Hindernisse für die Durchführung der Schiffahrt. 
Alsdann wird auf weitere 1,9 km Länge unter Durchschneidung der 
Gemarkungen Schleusenau und Jägerhof ein neues Kanalbett bis zum 
Anschluß an die alte Linie, d, i. westlich der alten Schleuse VI, her- 
gestellt. 
Das zurzeit auf fünf -Schleusen (lI-VI) verteilte Gefälle der alten 
I.Jinie wird unter mäßiger Vergrößerung des Gefälles der im übrigen 
von der Änderung nicht berührten Schleusen VII und VIII - durch 
zwei Schleusen (A und B) im neuen Kanalteil mit je 7,60 m Gefälle 
überwunden, Im neu herzustellenden Kanalteil werden zwei neue 
Brücken erbaut: zunächst für die Berliner Chaussee und die neben ihr 
liegende Kleinbahn von Bromberg nach Crone, sodann für die zweigleisige 
Eisenbahnlinie Bromberg-Schneidemühl und für einen 'Yeg nach der 
neben Schleuse "Bu gelegenen )Iaschinenbauanstalt. Abgesehen hiervon 
wird noch eine einfache hölzerne Brücke bei der Abzweigung des 
Umgehungskanals aus der Oberbrahe zur "Cberleitung des Treidelweges 
vonl linken Braheufer nach dem Kanal errichtet. 


Speisung des Kanals. 


In den gegenwärtigen Speisungsverhältnissen der 'Vasserstraße 
treten bis auf weiteres durchgreifende Änderungcn nicht ein. Die untere 
Brahe erhält nach den Vorschriften, die für den Betrieb der zu 
Berieselungszwecken bei )Iühlhof und für elektrische Kraftgewinnung 
bei 
Iühlthal eingebauten Stauanlagen erlassen sind, aus ihrem oberen 
Laufe genügenden Zufluß. Das 'Vasser der oberen Netze, das nicbt 
durch den sogenannten Speise kanal d
r Scheitelhaltung des Bromberger 
2 


17
		

/neuere_bauwerke00018_0001.djvu

			Kanals zugeführt. wird, reicht aus, um auf der unteren Netze den Betrieb 
zu führen, sobald dort nach Fertigstellung der Stauanlagcn (Schleusen 
nebst eisernen 'Vehren mit Rollschützen und niederlegbaren Gries- 
ständern) die )Iöglichkeit gegeben ist, die ganze Flußstrecke vom Ende 
des Bromberger Kanals bei Nakel bis zur Dragemündung in Stau zu 
halten. Für den Bromberger Kanal wird das aus der oberen Netze 
(Goplosee und Netzeseengebiet) zugeführte 'Vasser bei sp8rsamer 
\Yasserwirtschaft genügen; auch läßt sich erwarten, daß in folge der 
Erweiterllng der 'Vasserstraße in absehbarer Zeit sich ein teil weiser 
Übergang des Holzes vom Floß- auf den Kahnverkehr vollziehen und 
damit den Schleusenwasserverbrauch verringern wird. 
Bei den gegenwärtigen Ausführungen werden jedoch zur Einschrän- 
kung des 'Vasserverbrauches die neuen Schleusen A und B mit aus- 
gedehnten Sparbeckenanlagen versehen. Bei der Gesamtanordnung 
dieser Schleusen ist, auch bezüglich des Erwerbes von Grund und Boden. 
bereits die l\Iöglichkeit der späteren Errichtung zweiter Schleusen 
vorgesehen. 


Betriebsvorteile der neuen Linie. 


Bei dieser vorbeschriebenen Abänderung des Entwurfes werden eine 
Reihe von Betriebsvorteilen für die Schiffahrt und Flößerei, die auf der 
'Veichsel-Oder-'Vasserstraße eine so bedeutsame Rolle spielt, erwartet. 
Vor allem kommt für Schiffe und Flöße das lästige und zeitraubende 
Wenden, wie auch das zeitweise nicht ungefährliche Durchqueren des 
Braheflusses bei der Stadtschleuse in Fortfall; die Ein- und Ausfahrt 
vollzieht sicb in Zukunft bei dieser Schleuse in derselben einfachen und 
sicheren 'Veise wie bei anderen an einem kanalisierten Fluß liegenden 
Dur
hgangsschleusen. Dies£' Verbesserung gegenüber dem bisherigen 
Betriebp ist mit Rücksicht auf den wachsenden Umfang des Verkehrs 
von besonderer Bedeutung. 
Sodann wird die Zahl der Schleusungen durch Fortfall der fünf 
Scbleusen 11 bis VI und ihren Ersatz durch nur zwei neue Schleusen um 
drei vermindert; die Schwierigkeiten, die aus der geringen Länge der 
Kanalhaltungen besonders zwischen den Schleusen 11 bis IV für die 
Schiffahrt und Flößerei. bei regem Schleusenbetriebe erwachsen, kommen 
gleichzeitig in Fortfall. Die 
rsparnis allein an Schleusungszeit ist bei 


18
		

/neuere_bauwerke00019_0001.djvu

			der neuen I.Jinif' auf mindestens 40 l\Iinuten berechnet; der Gesamtgewinn 
an Fahrzeit, der zwischen dem Unterwasser der Stadtschleuse und 
dem oberen Vereinigungspunkt bei der Linien durch den 'Vegfall des 
Durchquerens der Brahe und des Drehens der Fahrzeuge, sowie durch 
Verminderung der Schleusenzahl und die Zahl der kurzen Haltungen 
künftig für Schiffe und Flöße erwächst, ist mindestens auf zwei 
Stunden zu veranschlagen. Erheblich gefördert wird die Abwickelung 
des Betriebes im übrigen noch dadurch, daß derselbe bei der Stadt- 
schleuse und den bei den Schleusen (A und B) des Umgehungskanals 
nach den günstigen Erfahrungen, die hiermit bei der Brahf'münder 
Schleuse gemacht worden sind, elektrisch eingerichtet wird. 


Kosten. 


Was die Kosten betrifft, so stehen für die Bauausführungen zur 
Verfügung im: 
A. 'Vasserbauamt Bromberg ............, . . . . .. 8 113 000 
I. 
B. " Nakel 
a) Bromberger Kanal. . . . . . . . , . . . . . . . . . '. . 1 767 000 " 
b) Träge Netze . . . . . , . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 1 970 000 " 
C. 'Vasserbauamt Cza:rnikau . , , . . . . . . . , . . . . . . . . 8 254 000 " 
zusammen 20 104: 000 :\1. 
Die für die Ausgestaltung der Stauwerke an der unteren Ketze im 
Bereiche der sieben Genossenschaften in den Kreisen Kolmar, Czarnikau 
und Filehne für die landwirtschaftlichen Interessen zu Bewässerungs- 
anlagen zur Verfügung stehenden Geldmittel aus besonderem Fonds 
betragen 2 200 400 :\1. 
Die Anlagen werden im Anschluß an die Schiffahrtsanlagen eben- 
faUs von der 'Vasserbauverwaltung zur Ausführung gebracht, so daß 
im ganzen die Bausumme für die der Regierung in Bromberg über- 
tragenen Arbeitsausführungen 22 304 400 
I. beträgt. 
Bemerkt sei noch, daß für die Vornahme derjenigen Arbeiten, 
welche an der "freien" Netze (Frankfurter Regierungsbezirk) zur Ver- 
besserung der \Vasserstraße erforderlich sind, 1 500 000 M. zur Ver- 
fügung stehen. 
Die Bauten werden zum Teil im Eigenbetriebe - namentlich an 
der lebhaften Netze - zum Teil durch Unternehmer ausgeführt und 


2* 


19
		

/neuere_bauwerke00020_0001.djvu

			bezüglich der Schleusen und Wehre aus Stampfbeton mit Ziegel ver- 
hlendung errich tet; bei den meisten Ausführungen ist Grundwasser- 
senkung angewandt worden. . 
Bemerkt sei hier, daß mit ganz geringen Ausnahmen es gelungen ist, 
für die gesamten baulichen Ausführungen den erforderlichen Grund 
und Boden freihändig zu erwerben. 


Die Fe r t i g s tel lu n g aller Bauausführungen und die Inbetrieb- 
nahme der Wasserstraße für Kähne von 400 t Ladefähigkeit wird im 
Jahre 1915 erfolgen. 
Die durch die Verlegung des untersten Teiles des Bromberger 
Kanals freiwerdenden als Park und Promenaden dienenden sogenannten 
S chi e u sen a n lag e n sollen als Naturdenkmal erhalten bleiben. In 
welcher Weise dies geschehen wird, darüber schweben zurzeit noch 
Verhandlungen mit der Stadt Bromberg. 


.....................

. 

. 

... .................. 
C:,:
:::::(ir}l\(.}(i:::::).;) 
.....; 
 ..... 
. . 
'.' 


'. 


20
		

/neuere_bauwerke00021_0001.djvu

			::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: ::: :::: :::::: ::: ::: ::: ::::: ::::::::::::: ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: 


.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::-:::::::.:
.:::::::.:::.:::::::.:::. 

.j ........................................ ..... ............................................................................................... :.ci 

I Die neue Brahebrücke m 
.. . . .. 
. . . . . . 

::

 im Zuge der Viktoriastraße in Bromberg 

:
 
. 
 (E\ (Zweigelenkrahmen in Eisenbeton). :'T11: 
\. ... ... .: :.. ... .: .: 
....::...\ Von Di p l.- In g . Dr. Lewe. .t..::.... 
... .
 
\ I 
... . . ... 
. . .. ................ ... ...... ... .......................................... ............... ........ .... ... ................. ...... .... ..... . . 
... ... 
....:/ .........................................,............... ......:::.:.:;::............................................................... ".:.,: 
:::: 


8 ie alte Brahebrücke mit Ziegels tein gewölben im Zuge der Viktoria- 
straße in Bromberg war, wie das Bild zeigt, eine außerordentlich 
solide durchgebildete, vollkommen erhaltene Brückenkonstruktion, die 
dem Verkehr in der Viktoriastraße noch auf Jahre genügt hätte. Sie war,. 
wie der spätere Abbruch zeigte, außerordentlich gut auf Fundamenten 
aus Beton mit großen eingelegten Findlingen gegründet und über- 
Spa!lnte in drei Bogen von je 11,0 m lichter Weite die hier nicht mehr 
schiffbare Brahe. 
Der Ausbau des sogenannten Bromberger Kanals, der Verbindung 
zwischen dem Weichsel- und Oderflußgebiet zu einem großen Schiff- 
fahrtskanal machte die Abzweigung des bisherigen Kanals vor der 
früheren Schleuse VI und die Einmündung in die Brahe weiter oberhalb 
an der Petersonschen Zicgelei notwendig. Es mußte deshalb das Stück 
der Brahe zwischen dieser Einmündungsstelle des Bromberger Kanals 
und zwischen der Stadtschleuse kanalisiert werden. Diesem Plane 
fiel die alte I5tattliche Viktoriabrücke zum Opfer, da die \Vasserbau- 
verwaltung ein undurchbrochenes Schiffdurchfahrtsprofil von 36,0 m 
lichter Weite und 4,04 m lichter Höhe beim höchsten schiffbaren 
\Vasserstand von + 36,54 ü. N. N. verlangte. 
Wegen der in der Nähe der Brücke liegenden Häuser der Viktoria- 
straße konnte letztere keine wesentliche Aufhöhung in l\Iitte der Brücke 
erfahren, zumal als höchst zulässiges Steigungsverhältnis 1: 40 
vorgeschrieben war. Es verhlieb daher zwischen der von der Wasser- 


21
		

/neuere_bauwerke00022_0001.djvu

			N 
N 


.. 


r 


..1 


.. 


... ......... 



 


.. 


" 


. J' 
1'11 


.... 


.. ...... 


- 


.,.. 


, 


.. 


Hauptbild: Die neue Brahebrücke im Zuge der Viktoriastraße in Bromberg. 


... 
-- 


. t' 
--- 



 


.\ 


-c_ 
----- 
J 'J .J 
J Jl'
 
---- 


, 
I' 


.. 


/i:. 


. 


.. 


. ""''11 
 


.. 


.. . . 
. 
 


.. 


- 


r:J 


JI 


'.0 .
 


."IUIIIIIII I11 


.,. 


Nebenbild rechts unten: Die alte Brücke. 


,
 


..
		

/neuere_bauwerke00023_0001.djvu

			bau verwaltung angegebenen Grenze der Konstruktionsunterkante und 
dem Straßenpflaster nur ein Konstruktionsraum von 1,48 m; ein 
Umstand, der nur eine Eisenkonstruktion als hier einzig mögliche 
erscheinen ließ, da wegen des freien Ausblicks seitliche über der Fahr- 
bahn sich erhebende Tragteile ausgeschlossen waren. 
Die hiesige Spezialfirma für Eisenbeton- und Brückenbau, 
'Vindschild & Langelott, bewies jetzt in vier Vorentwürfen, daß auch 
eine massive Konstruktion den Forderungen der Stadt und der Ver- 
waltung gerecht zu werden vermöchte. - Der Vorentwurf I dieser 
Firma, der die Verminderung der in der 3Iitte der Fahrbahn auf- 
tretenden Biegungsmomente und somit eine Verringerung der Kon- 
struktionshöhe auf ein :\Iindestmaß durch die Ausbildung des ganzen 
Tragwerkes als Rahmenträger bezweckte, blieb in dem endgültigen 
\Vettbewerb der hervorragendsten Betonfirmen des Deutschen Reiches 
siegreich bei einer Kostenendsumme von 108000 :\Iark gegenüber dem 
billigsten Angebot von 80 000 ::\Iark, da dieser Entwurf den Forderungen 
der Wasserbauverwaltung vollkommen gerecht wurde und die statische 
und konstruktive Durchbildung desselben von dem zu Rate gezogenen 
Eisenbetonsachverständigen, Herrn Professor Kohnke von der tech- 
nischen Hochschule in Danzig, befürwortet wurde. 
Bromberg hat mit diesem Bauwerk einen hervorragenden und 
fortschreitenden Vertreter des modernsten Baustoffs - des Eisen- 
betons - erhalten. Die Kühnheit der Konstruktion besteht in der 
bis dahin nich t gewagten Schlankheit der Plattenbalkenlängsträger, 
da das Verhältnis von Konstruktionshöhe zur Stützweite ca. 1 : 26 
beträgt, und in der starken Bewehrung mit Eiseneinlagen, die an den 
gefährdetsten Stellen bis zu 5,5 % des Plattenbalkenstegquerschnitts 
ausmachen. Das nachstehende Bild, welches die verlegten Eiseneinlagen 
in der einen Rahmenecke in dem Augenblick vor der Betonierung zeigt, 
gibt einen Begriff von der Zahl und Stärke der Rundeisen. :\Ian sieht 
die kurz abgebogenen und stumpf abgeschnittenen Druck- und die mit 
großen Haken versehenen Zugeisen von je 30 mm Stärke. 
)Iit den Fundamenten ist der Rahmenträger durch eine gelenkige 
Auflagerung verbunden, die in der im Eisenbetonbau üblichen Art durch 
das kreuzweise Überführen der Eiseneinlagen in Querschnittsmitte 
und durch seitliche Zwischenlagen von Asphaltfilzkeilen gebildet wird. 
Die Pfosten des Rahmenwerks sind nur 1,50 m stark, so daß hier die 
aus Ziegelmauerwerk bestehenden ca. 5,0 m starken \Yiderlager der 


23
		

/neuere_bauwerke00024_0001.djvu

			alten Brücke nicht ganz abgebrochen werden mußten, sondern noch 
glücklich zur Aufnahme des großen Horizontalschubes des Rahmen- , 
trägers benutzt werden konnten. 
Die von der 'Vasserbauverwaltung zugestandene Schmälerung des 
geforderten lichten Durchfahrtsprofils um die in den Ecken des Rahmens 
sichtbaren Vouten genügten nicht, um die in den Ecken auftretenden 
großen negativen Biegungsmomente aufzunehmen. Aus diesem Grunde 
mußte an dieser Stelle der Querschnitt bis auf 2,50 m Länge von 


j 



 
- - -- - 


-' 


." 


-"
 


-- 
...- - 
--- ---- 
--- --...., 
..,..,......---- -,- - ..,,- 
;. ....... -- .::::: 

 .....-..r.....--'" ........-.---
 ____ --' 
- ...... - .....--.

."..,.. 
___- -w-- 
 
-....---......, - -
.......,.....- ..- 
; ...,...--.- 
= - 
 


.. 


- 


.',' , 


j 



fh 


---J 
 -- 


.. 


- 


--- 


--- 


. ...,. ,., 


'. 
, .- 


- 
.... - ---" 



 


---- 


, ,... 


- ' 
.. - 


.... 
. '\t ".; 
.. ...
, , 

 .... 



 


., --..-L 
-- :.::::- - -.::;? -" 


., .\' 
" \ 


".. ..-,..-." 


-,- 


....;;-- 



,' 
'- .. 
I 


t .....-1 
,. 
I " 
a. 
, . 
-. .. 
 

: 
. # 
'.,; 


...- - . 
-, 


.
- 


-, 


J ..! 
, :' 
I 


t 
, 1 
1- 
... 
, 
, ,. 


,. 


.. 


6'" ,__ '" 

 
,
't""....4 

..
. ,:. 
"", 
I' 



---- ...... - 
.- -- 
-" 


'...... 
- 


-- 
.. - 


.. ,\ 
. .... 4 .". 
... 
" 



 -.: 


.. ;'!t. 
'.. - - 
'''
;
 :<:''' . -;
 . 
, 'or..,';:- 
s,". 
. ......., #.... 
....., '. . 
. .
. i:' 
.....

.... 

 ........, 
.. 
.; ....";t.. 
 .., 
 
" 
 . 
 

; '='
..., 
., 
 
 " . .,cht- 
eckigen Kanäle zur Aufnahme der Kanalisations-, 'Vasserleitungs-, 
Gas- und Kab
lleitungen. 


24
		

/neuere_bauwerke00025_0001.djvu

			Die ästhetisch befriedigende \Yirkung der Brücke beruht zunächst 
darin, daß das schmale, kühn über den Strom gespannte Fahrbahnband 
den Blick des auf dem Strom ankommenden Beschauers nicht von dem 
im Hintergrund hervortretenden, reizenden Stadt- und Landschaftsbild 
abzieht, sondern dieses Bild wie einen Rahmen umkleidet. Diese 
Wirkung wird dadurch noch erhöht, daß nicht ein massives, die elegante 
Schlankheit der Fahrbahn beeinträchtigendes, sondern ein in einfachen 
aber modernen Formen gehaltenes eisernes Geländer gewählt wurde. 
Die beiderseitigen Brückenköpfe sind dagegen, da sie vom freien Strom 
zu den anschließenden Häuserquadern der Straße überleiten sollen, 
wuchtiger und massiv gehalten; sie tragen auf ihren Pylonen schmiede- 
eiserne Beleuchtungsma'3te. Alle Ansichtsflächen der Brücke sind mit 
einem Y orsatzbeton, dessen helle, werksteinähnliche Farbe durch 
reichliche Zuschläge von Granit- und Syenitgruß erreicht wurde, 
bekleidet und je nach der beabsichtigten 'Virkung werksteinmäßig 
verschieden bearbeitet. 
Die gesamten Bauarbeiten wurden in der kurzen Zeit vom l\lai 
bis Ende des 'Jahres 1912 ausgeführt. 'Yenn die ausführende Firma, 
Windschild & Langelott, neben dieser schnellen Fertigstellung der 
Arbeiten das Verdienst für sich in Anspruch nehmen darf, zuerst auf 
die )iöglichkeit der Errich tung in massiver Bauart hingewiesen und 
diese [dee mit den Hilfsmitteln des modernen Eisenbetonbaues und 
dem Rüstzeug der Statik planmäßig durchgeführt zu haben, so darf 
auch dem hiesigen Stadtbauamt die Anerkennung für die Durch- 
3rbeitung in architektonischer Hinsicht und Ausbildung der Kon- 
struktion zu einem ästhetisch wirksamen Gesamtbild nicht versagt 
bleiben. Das Stadtbauamt war durch Herrn Stadtbaurat Dr.-Ing. 
:Mählmann, dem die Leitung der Gesamtarbeiten, im Entwurf, 
Bauplan und architektonischer Durchbildung unterstand, und den 
bauleitenden Beamten, Herrn Sta.dtbaumeister Stagge, glücklich 
vertreten. 


(::;.....<\
f{
;;


;t>....;::) 


25
		

/neuere_bauwerke00026_0001.djvu

			N 
0- 


i.'4.-. 



-. 
 


... 
.,. .......- 
/ 
-'< i 

.. t' " I 
\ \ 
, I 
'
 
" .. 
" ...,:.... 



 r. 


'I 
.... 


....... 


" 


1f_I¥'" 


, 


, 'I 



 t'\ 


-- . 
,7 
-.:..,; 

 


.;...------- . 



F 


r""4. 


"'. 
 


....... 


.,
 


i 


.;! 


- 


\, 



, 
" .., 
.\\.\ ",. 
,.:" :.
', 
'\.... ... 


.... 


i
 
, 


.1 

, 


...... 



, 

 
, 


>,
 . 

.."\1:- 
."""" 
 
.'

'
 
 \ 


Y'" 


. -r-
.u " 
 
."
 1........ .. --
. 
-. 


., 


--. 
.... 
:;r
 

"'1' 

 
(--lI 


'. 


Bismarckturm 


-:-- 


I.
 
, ... 
'!.-.
 .. 
..
 ., 
. -, ...... 
'y.. 
.... 'fit 
 
0" 


... 
..... 
.-.. 


..::' 


"- 
;.
\. 
...
 
Ii. 


" 


; ;;- 
, ."'
'
\ 
,'
 


 
'i' 
 
1,
 
 .-4\1 
'1 ... ,- 
.
\,.". I 


... 


.e.. 
,. 


tr 



. 
.- \ 
.

,.." 



 

'.. 
'"", " 

. 

\.. ........ 
'-\,.. 

 
.. 


1.1 " "I: 
11;, . 
""" . . 
;,...,". .... 
"'" - ..l 
, ..1 


... .,;: 


- 


..., 


... 
'..., 


-, 


er. 


-. 


l' 


," 1 


,
 


.... 


w.,,'. 


I 


.' 


,
 
I 


I 
I 


, , ( 
,t .. 
'jV 
..I 
I 
,\' 


'411''' 


, i 


x 




-
		

/neuere_bauwerke00027_0001.djvu

			..... ..... ... ...... ... ...... ... ... ... ... ... ... ... .... ... ... ... ....... ... ... ......... .... ........... .......... ...... ......... ...... .... ... ................... 
. . . . 
......................................................... .................................................................................................... 
. . 

 
;
=::
::3:
:.
::::.:.::
:.
:::::.=:
:.
:::::.=:
:.3:::::':::::'3:::::.: :::: '::::::':::::'.::::::.=:::::::::::.:::::'.=:::::=::::''::::::.=::::'.::::::.:::::'.=:::::.=:::::=:::::=:::::=:::::=:::::=::
::=g 
. .. . . .. 
i 
H H

 

 
;i Der Bismarckturm. ig 
\
{
;
 Im Auftrage des Bismarckbundes. 3


:/ 
:...: :.... .... ........... ... ...... ... ...... ...... ... ...... ... ...... ... ........ .................. ... ... .... .... ... ............ ........... ..: :...: 
....:.:......................,..,..,.................,..... ...........:::.:.:.:::...... ................................................ ......... ",:,.: 
.... 


.J\ Is vor wenigen 'Vochen die Stadt Bromberg in erhebender Feier 
11. die 'Veihe ihres neuesten monumentalen Bauwerkes, des Turmes, 
der dem Andenken des Altreichskanzlers gewidmet ist, festlich beging, 
da sagte der Festredner in seiner Ansprache: ,,'Yenn die Nacht beginnt, 
über die Gefilde die Fittiche zu breiten, dann wird der Feuerschein 
lohen und dem Wanderer den 'Veg durch Dunkel und Finsternis zur 
Heimat, zum Lichte weisen", und die wunderbare Beleuchtung, die 
an dem Abend des \Veihetages den Turm in magischenl Lichte erstrahlen 
ließ, strafte seille "Vorte nicht Lügen. 'Yeithin durch die Felder und 
Fluren der Landschaft, bis dorthin, wo die \Yeichsel ihre Fluten gen 
Westen und Norden wälzt, leuchtete das neue Licht, viel bestaunt 
und viel bewundert in unvergleichlicher 'Yeise die Erinnerung wach- 
rufend an den Einzigen und Großen, dessen Andenken sie wachhalten 
soll in anen kommenden Geschlechtern. Ausgezeichnet ist der Platz 
gewählt, auf dem der gewaltige Bau sich erhebt. Auf dem steilen 
Höhenrande, dem alten Ufer des Urstromes, in den1 vor vielen Jahr- 
tausenden die 'Vassermassen gen 'Vesten zur Oder ihren Abfluß nahmen, 
bis der große Durchbruch bei Fordon den Fluten eine nördliche Richtung 
gab, in einer Höhe von 40 m über dem jetzigen Bette der Brahe errichtet, 
erhebt sich der Zyklopenbau, aus großen Blöcken gefugt, trotzig und 
schwer, weithin sichtbar, nicht nur über die Stadt fort, ihre schlanken 
Türme überragend, sondern auch dem Beschauer von einer großen 
Zahl von Straßen und Plätzen der Stadt aus greifbar nahe, so durch 
den täglichen Anblick unsere 3Iitbürger mahnend, dessen zu gedenken, 
was Bismarck uns war. Dort oben dehnt sich ein Plateau, meilenweit, 


27
		

/neuere_bauwerke00028_0001.djvu

			fast eben, nur durch kleine Rinncn unterbrochen, steil gegen das Tal 
abfallend, von schier endlosem \Valde umfaßt. Diesem Gelände mußte 
die Gestalt des Turmes sich anpassen, Darum durfte er nicht wie ein 
dünner 
Iast auf weiter Fläche in die Höhe steige!l. Deutlich mußte 
seine Sprache sein, herrisch und stolz, nachdrücklich und eindrucksvoll. 
Denn wohl ist es uralter deutscher Boden, auf dem er steht, Boden, 
über den einst die Burgunder und so manch andere deutschen Völker 
dahinschritten, und den sie den Slawen nicht im Kampfe ließen, nein, 
von dem sie lange vorher gewichen waren, ehe noch die Horden des 
Ostens es wagten, das verlassene Gebiet zu besetzen. Aber gefährdet 
ist dieses durch die von Osten andrängende slawische Flutwelle auch 
heute, und darum ist es gut, wenn ihr Trotz geboten wird auch 
durch solche Zeichen. So gewann unser Bismarckturm seine Gestalt, 
selbständig und eigenartig, wie sie in gleicher \Yeise nur wenigen außer 
ihm zugesprochen werden darf. 
Quader türmt sich auf Quader, Block auf Block, sie alle sind aus 
dem heimischen Boden gewonnen. Einst durch Gletscher und Eisschollen 
vom fernen Norden zu uns getragen, haben sie Jahrtausende lang in 
der Erde geschlafen, unendliche )Iühe hat es gekostet, sie ihrem 
Schlummerlager zu entreißen, jetzt sind sie zu neuem Leben erwacht. 
Auf quadratischem Grundriß, 21 m im Geviert, türmt sich der Bau 
25 )Ieter auf nach dem aus einem allgemeinen Preiswetj: bewerb hervor- 
gegangenen Pl&.ne des Architekten Paul 'Yalther zu Berlin, Zwei )Ieter 
ragt der terrassenförmige Unterbau von etwa 3 m Breite aus dem 
Erdboden auf, dem folgt eine Plattform, von der aus das Erdgeschoß 
sich in einer Höhe von 6,5 m erhebt. Zu ihm führt von Nordwesten 
her eine breite, in dem Terrassenbau eingegliederte, gleich denl ganzen 
Bau ungemein wuchtig wirkende Freitreppe, deren 6 m lange Granit- 
stufen aus je einem Stein bestehen, und die begrenzt ist von zwei 
mächtigen Treppenwangen von 2,5 m Breite. Sie tragen an ihrem 
vorderen Ende zwei gewaltige, etwa 40 Zentner schwere gußeiserne 
Feuerschalen. Von ihnen aus erstrahlte am Einweihungstage der ganze 
Turm in märchenhaft rotem Lichte, mit den anderen Flammen und 
Lichtern einen wunderbaren Kontrast bildend. 
Das Erdgeschoß birgt in seinem Innern die Gedächtnishalle. Den 
Zugang zu dieser sperrt ein Portal aus unbehauenen Granitblöcken. 
Der die Türkrone bildende Block wiegt allein 160 Zentner, ist er doch 
3,5 m lang und 1,5 m hoch! 


28
		

/neuere_bauwerke00029_0001.djvu

			t.. 


.... 


l 
t. 
. 


"- 


, 


\ 



 
-... 
.. 
, . 


Gedächtnishalle. 


29 



 


T 


! 


'I 


'. '
		

/neuere_bauwerke00030_0001.djvu

			Auf dem Erdgeschoß lagert eine zweite Plattform von emer 1 m 
hohen Steinbrüstung umzäunt. Auf ihr steht der hochragende Turm- 
schaft, :2,5 m in seinem Grundriß zurückspringend, so daß ihm noch 
etwa 10 m Seitenlänge verbleiben. 12 m strebt er empor, an seinen 
vier Ecken durch kräftig herausgearbeitete Pilaster verstärkt. Der 
Stadt Bromberg zugekehrt, trägt die eine Seite das stolze Bild eines 
geharnischten, mit Schwert und Schild gewaffneten Deutsch-Ordens- 
· ritters, das Sinnbild der 'V acht an 'Veichsel und \Varthe. Von dem 
Bildhauer Fuchs in Charlottenburg modelliert, in Thüringer Kalk im 
Hochrelief gehauen, 4: m hoch und 2,5 m breit, schaut es gar stattlich 
und trutzig herab. Und wieder eine neue Plattform mit massivem 
Steingeländer, auf ihr der noch immer 6 m im Quadrat messende, 
4:,5 m hohe Turmknopf, der endlich die Feuerschale trägt. Aus der 
Ferne, von der Stadt und ihren Straßen her gesehen, scheint sie nicht 
eben groß, und doch mißt sie noch 3,50 m im Durchmesser, 0,5 m in 
der Tiefe und wiegt 80 Zentner. 
Schlicht und wuchtig, einfach und doch voll Kraft, das war die 
Richtschnur, die den Erbauer leitete, als er das Äußere des Turmes 
entwarf. Stimmungsvoll und ernst, aber doch angemessenen Schmuckes 
nicht entbehrend sollte er sein. 'Venn wir über die Freitreppe und durch 
das Portal eintreten in den unteren Teil des Kolosses, schauen wir in 
eine weite Halle, die in feierlichem Halbdunkel, zunächst noch von 
uns durch eine kunstvoll gearbeitete, schmiedeeiserne Tür mit dem 
'Vappen der Familie Bismarck in Goldbronze geschieden, vor uns liegt. 
Die Tür öffnet sich, und uns empfängt ein hochanstrebender Raum, 
in den durch kunstvoll mit farbiger Verglasung versehene Fenster 
mattes Licht eindringt. Diese gedämpfte Beleuchtung ruft eine wunder- 
bar weihevolle Stimmung in uns wach, die UilS gefangen nimmt und 
in ihrem Banne hält, und in der wir nun zu dem Standbild Bismarcks 
aufschauen, das fast inmitten der Halle aufgestellt ist. Auf dem hohen 
)Iarmorsockel steht er dort in der Uniform, mit dem Helm auf dem 
Haupt, die linke Hand am Pallasch, in der rechten eine Urkunde 
haltend. Die treffliche Bildsäulp ist von Richter-Elsner gefertigt, vom 
Königlichen Hofbildgießer Gladenbeck, Friedrichshagen, gegossen, ihre 
'Virkung ist machtvoll und eindringlich. 
Rings schauen wir dann in der Halle umher, und unser Auge ruht 
mit freudigem Interesse nunmehr auf den 25 kunstvollen bronzenen 
Gedenktafeln, die, sprechende Verkünder Bismarckscher Größe, aber 


30
		

/neuere_bauwerke00031_0001.djvu

			auch des Dankes eines Volkes, die 'Vände zieren. Am meisten fesselt 
unsern Blick die große, in die l\Iarmorverkleidung der Wand eingelassene 
Kaisertafel: "Dem großen Kanzler Kaiser \Vilhelm 11 1912" lautet 
die Inschrift. Nur ein einziger Bismarckturm außer dem unsrigen 
erfreut sich innerhalb und außerhalb der deutschen Grenzen eines 


. . 
...,. . 
- 


.... . 
. 
' I'
 

 -I 
. . . 


, ....... ..,. 


. . 
'. 
 


, I 



 :': 
. 



. ...... 


; 
! 
! 
i 
; I 
r 
, 
, 
t 
t 
t 
r 


GI 
, l\J.\ 


r 
. , 


, 
I' 
 
, 
t 


I 
j 
...I 
j
lt 
 
f ..) 


.... 



 ; 


I 
.. 


j 
1-' 
. 
.
 
. . 


, . 
.. 


1 


.... -...... 



?'I 
Y'l 


- 
. 


... 


,- . .
\\I 


..:'. I 


-- 


Kaisertale!. 


solchen Kaiserlichen Gnadengeschenks. In bunter Reihe folgen die 
übrigen 24: Tafeln, von Städten und Yereinen, studentischen Korpo- 
rationen und Offizierkorps, die meisten von hohem künstlerischen, auch 
materiellem Wert. 
Kehren wir zum Vorraum zurück und gehen wir die Steintreppe, 
die dort zur Rechten emporführt, hinauf, so gelangen wir in die obere 
Halle, die, in heUer Farbentönung gehalten, überraschend ,veit, luftig 


31
		

/neuere_bauwerke00032_0001.djvu

			und hoch sich vor ums öffnet. Zur besonderen Zierde dient ihr eine 
treffliche Radierung Otto Sagers nach dem Len bachschen Bismarckbilde 
in Leipzig, außerdem hängen noch an den 'Vänden zahlreiche Photo- 
graphien aus der Geschichte des Turmes. Dann aber klimmen wir 
mutig die hier innen aufsteigende Holztreppe bis zur zweiten Plattform 
hinauf und treten durch die Tür hinaus. 'Velch herrliches Bild umfängt 
uns! Zu unseren Füßen das Silberband der Brahe mit ihren Flößen 


r 1 _ ;' t-' J ;' 
 I P J;: Ir::. ,... ::" r t. . ,.... 
 r r' . t , ' r ':-=- 
- - - _....4"\.._..
:.J__.. 
_Jr_
_..J N_
 J_::.J 


, 


,....J;i ... c;;-#...:' 
....J J\..;.J 1'.. ..; _ .t\.. .J 
","-'4 -- 
I
 ..-., 
. .
:'l'\. 
,", J .1 
.- _ ...._ 
or - F1 . 
D.::-!fr
rJ.:: 
- J . I .. ... r - 
:. I'J r U
. 
. JS-r DJ'::'SE,h ... 

 #. c:z Zj}I' 


.... 
"'1 


1 
\' 
r
 


"r: 
.... 
r_ 


,. 


.\ 


" 
1 
 
, 
 "'::J ., 
\: 
\. 


---... 


.. 


-, 


.. - ." 
- PI- r'J.... -,.- '1-,\ 
 - 
... F.. 
 "::J -..J r .Lrlr . 
 
Vkji--E/J r :. 
.:wS"'" J lJSC" 


.r 


1"":"-." 
o..:::J 


"t 


(' 
f
 

 , ' 

r ,

ii 
. 


.i' 


'"'f 


u __ 



- 
.. 
...... 




 


. P
r- ... :J.
 
r -P ... , 
... , 
I- , .. ,.. 
 
.... 


,. .- 
. . 
fr' riER-.J3
 
- J'f v'-FI
 


- # 


Gedenktafel des geschäftsführenden Ausschusses. 


und Schiffen, an ihren bei den Ufern die emsige Betriebsamkeit, diE' 
das gewerbliche Leben der Stadt 13romberg auszeichnet, Felder weithin, 
mit weißschimmernden Gehöften bedeckt, und jenseits der Stadt wie 
gen Süden unendlich weiter grüner 'Vald, dessen Rauschen wir auf unserer 
stolzen Höhe erlauschen zu können meinen. Noch eine weitere Treppe 
führt zur dritten Plattform, auf der wir die großen Abmessungen der 
Feuerschale bewundern können. Der Gesamtwert des Turmes beträgt 
über 120 000 
Iark. 


32
		

/neuere_bauwerke00033_0001.djvu

			Angeregt wurde das Unternehmen von der Bromberger Ortsgruppe 
des Ostmarkenvereins bereits im )Iärz 1905. Im Oktober desselben 
Jahres trat ein vorbereitendes Komitee für die Errichtung eines 
Bismarckdenkmals in Bromberg zus'ammen, das sich für Erbauung 
eines Bismarck tu r me s entschied und den Platz für ihn festlegte. 
Das "eigentliche" Komitee begann seine Tätigkeit erst im Februar 1907 
und führte die Sammlungen und den Bau mit mannigfachem \Vechsel 
in der Zusammensetzung und auch im Vorsitz mit vielen 
Iühen durch. 
Zwei .:\Iänner sind es vor allem, denen der Löwenanteil der Arbeit, aber 
auch des Erfolges zufällt: Regierungspräsident von Guenther und der 
unermüdliche, rastlos wirkende Schriftführer Rentier Robert Dietz. 
Als fachmännischer Berater stand ihnen der Kreisbauinspektor Baurat 
Herrmann zur Seite. 
Die Bauausführung war nicht leicht. Galt es doch die gewaltigen 
Steinmassen in mächtigen Blöcken oft von weither und auf zumeist 
minderwertigen Zufuhrstraßen heranzuschaffen. Zum Denkmal, das 
nur auf Umwegen zu \Vagen erreichbar ist, führte ein einziger Feldweg, 
der, sandig und schmal, eine Fülle von Schwierigkeiten schuf. 700 cbm 
Steine wurden so herbeigebracht und bedeckten bereits im Februar 1911 
das umliegende Gelände. Ein Teil von ihnen entstammt der alten 
Bromberger Stadtmauer und fand so, nachdem er jahrhundertelang 
deutsches Leben in der deutschen Stadt geschützt, wiederum Bedeutung. 
Die Ausführung der Erd- und l\Iaurerarbeiten fiel dem l\Iaurer- und 
Zimmermeister B. ''liese in Bromberg zu, die Bauleitung hatte Baurat 
Herrmann. Am 31. l\iärz 1911 geschah der erste Spatenstich. Anfang 
l\Iai folgte die Grundsteinlegung in Gegenwart von etwa 150 geladenen 
Ehrengästen, Die Festrede hielt formvollendet und markig Pfarrer 
Aßmann. Bald begannen die Erd- und Fundamentierungsarbeiten, 
Gerüst und .:\Iauerwerk wuchsen zusehends empor. K ach Vollendung 
der äußeren Steinumhüllungen wurden im Herbst die Verfugungen 
vorgenommen, und, als dann die Gerüste fielen, zeigte zum ersten .:\Iale 
der Turm seine wuchtige Gestalt. Erfreulich ist es, daß während des 
ganzen Baues Unglücksfälle nicht zu verzeichnen gewesen sind. Nun- 
mehr setzten die Arbeiten im Innern ein, um freilich schon im November 
wegen des eintretenden Frostes ausgesetzt zu werden. Im Verlaufe 
des Jahres 1912 wurde dann die innere Ausgestaltung, all die not- 
wendigen 3ialer-, 
Iaurer-, Schlosser- und Tischlerarbeiten, im wesent- 
lichen beendet, auch das Standbild des Altreichskanzlers aufgestellt, 
3 


33 ·
		

/neuere_bauwerke00034_0001.djvu

			das ganze Grundstück, das etwa 12 l\Iorgen umfaßt, umzäunt und diE' 
Feuerschalen an die für sie bestimmten Stellen gebracht. Besonderp 
Schwierigkeiten verursachtp der Hinauftransport des großen Beckens 
für das Hauptfeuer auf dem Scheitel des Turmes. Schließlich folgten 
im Jahre 1913 die Schlußarbeiten, das Anbringen der Ehrentafeln, 
die Glaserarbeiten, Fußbodenbelegung usw. Am 1. l\Iai 1913 war das 
\Yerk vollendet. 
Vielfache Erwägungpn, Erprobungen, Versuche rief die Lösung des 
Problems hervor, das in der Frage n
ch der besten Befeuerung des 
Turmes gestellt war. Holzfeuer, wie sie sonst fast. allerorten gebrannt 
werden, erwiesen sich, obwohl sie zweifelsohne das schönste Bild geben, 
als unmöglich, da die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen war, 
daß fliegendes Feuer den naheliegenden Holzplätzen und Schneide- 
mühlen verderblich werden müßte. Auch Teerfeuer wurde verworfen, 
da der Qualm zwar groß, die Flamme aber zu klein zu werden schien. 
Endlich gelang es dpm Stadtbaurat 
\Ietzger nach zahlreichen Ver- 
suchen das Problem in geschickter 'Yeise zu lösen. Hinter dem Turme 
in den Erdboden versenkt, befindet sich ein auf 12 Atmosphären 
geprüfter Kessel, aus dem mittels komprimierter Kohlensäurp ein Öl, 
welches als Nebenprodukt der hiesigen Gasanstalt gewonnen wird, 
durch ein Röhrensystem in die Höhe getrieben und in die oberste Feuer- 
schale geleitet wird. Durch Schlangenröhren fließend, wird es vor- 
gewärmt, so daß seine Vergasung und Verbrennung dann dort oben 
glatt vor sich geht, während durch einige weitere Zuführungsrohre 
der Luft Zutritt ermöglicht wird. Das System ist durch Billigkeit aus- 
gezeichnet und erzeugt eine FI
mme, die nicht nur 8-10 m Höhe 
erreichen kann, sondern auch eine gewaltige Rauchsäule hervorbringt, 
die die \Virkung des Turmfeuers imponierend erhöht. e"brigens läßt 
sich die Luftzufuhr auch so regeln, daß nur niedrig qualmendes Feuer 
erzeugt wird, das durch seine starke schwere Rauchsäule besonders 
stimmungsvoll wirkt. Außerdem aber wird der Turm von der rJm 
anderen Ufer der Brahe liegenden Gasanstalt durch einen großen 
elektrischen Scheinwerfer erleuchtet, und schließlich tragen die Rot- 
feuer in den Schalen der Trepppnwangen auch das ihrige dazu bei, 
um das Gesamtbild der Beleuchtung zu einem tief eindrucksvollen 
und wunderba.ren zu gestalten. 
Und so wird der Turm seine Aufgabe für alle Zukunft erfüllen: 
Begeisterung zu erwecken für deutsches Leben und 'Vesen und deutsche 


34
		

/neuere_bauwerke00035_0001.djvu

			Eigenart, den "reg zum Lichte zu weisen, zu dem Lichte, das, von 
deutscher Vaterlandsliebe entzündet, hinaufführt zu den Höhen, da 
der Große thront, dessen Andenken das Denkmal geweiht ist. So 
soll er sein, wie der Festredner bei der Grundsteinlegung schloß: 
"ein Fels im 
'Ieere der Zeiten, ein Lichtt.räger in Tagen nationaler 
Dunkelheit, ein ::\Iahner zur Eintracht, ein Zeuge deutscher Treue und 
Größe!" Das walte Gott! 


'<:
;;;

:
;.i:::


>
.:::;;;:


;;

:::J() 
. . . . . . 
. . . . . . 
. .. .. . 
. .. ... 
. .. ... 
-.-. . -.- 
. . 
'.' 


3. 


35
		

/neuere_bauwerke00036_0001.djvu

			............. ......... ... ..... .......... ........ ... ...... ... ....... ... ...... ..... ..... ..... ... ... ... .... ........ .... .......... ..... ......................... 
. . . . 
................................................... ...................................................................................................... ..: 
{:.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::-:;.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:;.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::,:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::::;: 
: . . .. .: . : . . .' ............. ..... ..... ... ... ... ... ... ......... .... ... ... ... ... ... ..... ... ............................... .... ....... ........ ...... ..... " . 
... . "
 1:1 E 
'. . :.::. : 
: , ::.. , . = . . . 
:
: 

:l 
 
:::: Hochbauten. ::::.: 
.. . . . .. . . . . : 
.....: :' : 
.... ":.'. : 
: \ (..E "
 { t..: . j 
............{ Von Baurat Herrmann. ...........:.; 
'. '. .:' ..- 
' ., 
 .
 


 :;. 
.'. . . .'. 
. ........................... ........ ........ ........ ... ..... ........ ... .... ... .......... ............ ..................................... . 
.., ... 
....E.:.......,.... ........................ ..... ............ ..........:::.:.:
::...... ......... ......,........,. ........... .............. ...... ...t... 


0ie neuere hochbauliche Entwickelung Brombergs schließt sich 
..L:.J zeitlich an die Tätigkeit eines unserer bedeutendsten Baukünstler 
an, die vor etwa 15 Jahren mit dem Neubau des Theaters einsetzte, 
- B ern h a r d See I i n g s. 
Das T h e a te r (vergl. die Abbildung auf S. 284 des Hauptwerks) 
ist eines seiner best.en \Verke. Der Aufbau spiegelt die innere Gliederung 
deutlich wieder, die Schauseite vereinigt in klassischen Formen Anmut 
mit 'Vürde. Das Innere strahlt in Gold und heiteren Farben Festlichkeit 
und Behagen aus. 
Außer dem Theater baute Seeling zwei mustergültige \Vohnhäuser, 
das Die t z s c hein der Danziger Straße und das 'Y' er c k m eis t er - 
v sc hein der 'Vilhelmstraße. Das letztere besonders, schön umrissen, 
von edlen Formen, sorgsam bis ins kleinste behandelt, ist ein Schul- 
beispiel bester 'V ohnhausbaukunst. 
Endlich schuf Seeling zwei wohl durch gebilde te Kirchbauten, nämlich 
v die ehr ist u ski r c h e (vergl. die Abbildung auf S. 28! des Haupt- 
werks) und die neue evangelische P f a r r kir c h e. :\Iit diesem 
Werk erreichte seine Tätigkeit im Jahre 1903 ihren Abschluß. 
(n diesem Jahre hat.te die Stadtgemeindp begonnen, das zum 
Zwecke der Stadterweiterung erworbene sogenannte Hempelfeld zu 
erschließen. Den östlichen Teil desselben hatte sie dem Staat zur 
Errichtung des "K ais e r W i I hel m s - Ins t i tut s für L a n d - 
\I 
wir t s c h a f tU abgetreten. 1903 begann die staatliche Bauver- 
waltung den Neubau. Im Jahre 1906 wurde er in Gebrauch genommen. 
Die großzügige Anlage besteht aus einem Hauptgebäude, in dem die 


37
		

/neuere_bauwerke00037_0001.djvu

			Verwaltung, zwei Hörsäle und die Anstalten für Pflanzenkunde, für 
Wetterkunde und für das \1:eliorationswesen unt.ergebracht sind, - 
dem Gebäude für Tierkunde, dem Gebäude für landwirtschaftliche 
Chemie, einem Tierstallgebäude, zwei Gewächshäusern, vier Dienst- 
wohngebäuden und umfangreichen Versuchsfeldern. Es sind Putz- 
Backsteinbauten in einfacher Formgebung unter Ziegeldächern. Die 
V Anlage hat rund 1 000 000 Mark gekostet. 
Gleichzeitig mit dieser Bauanlage schuf die Staatsbauverwaltung 
die Neubauten des Amt s ger ich t sund dcr katholischen 


t 
+ 


" 


/ \ 



t 


,-1 


, 


I 
.. . 


a ! 
. , , 


f I j 
'. ,it.1l.j 
Q 
j.t' 
" 
... 


I - 


" 


1 
. 


Haus Werckmeister. W 


'" 


\ 
L ehr erb i I dun g san s tal t. Jenes, in der Altstadt imAnschluß 
an das düstere Landgericht errichtet, ist ein heller Putzbaü mit reichen 
Sandsteingliederungen unter einem kräftig roten Mönch- und Nonnen- 
dach. Die Lehrerbildungsanstalt thront, weithin sichtbar, auf luftiger 
Bergeshöhe im Südwesten der Stadt. Für 90 Zöglinge enthält das 
Hauptgebäude die W ohn-, Arbeits- und Speiseräume, eine Übungs- 
schule und eine "Präparandenanstalt", endlich die Wohnungen des 
Direktors, des Oberlehrers und der Wirtin. An das Hauptgebäude 
schließt sich der Turnhallenbau an. Ein weiteres Gebäude enthält 
drei Lehrerwohnungen. Die Baulichkeiten zeigen straffe Formen Im 


38
		

/neuere_bauwerke00038_0001.djvu

			Ziegelrohbau mit sparsamen Putzflächen unt.er ziegelgedeckten Knick- 
dächern, Die \Virkung der Fronten ist durch die Verwendung 8,5 cm 
starker Ziegelsteine sehr gesteigert, 
Das Amtsgericht wurde im Jahre 1906 vollendet und hat 4.30000 )Iark 
.... 
gekostet, Die Lehrerbildungsanstalt, deren Baukosten 540000 )Iark 
betrugen, wurde 1907 in 
Benutzung genommen. 
Durch die Errichtung 
der vorbezeichneten See- 
lingschen Kirchbauten 
wurde die in den 70 er 
Jahren von Adler erbaute 
Paulskirche entlast.et. 
Hiermit war für das kirch- 
liche Bedürfnis der Evan- 
gelischen in der Stadt 
Bromberg gesorgt. 
Die kirchliche Fürsorge 
konnt.e sich nunmehr den 
Vororten zuwenden, deren 
wenig leistungsfähige Ge- 
llleinden sich lange Zeit 
in engen Schulräumen zum 
Gott.esdienst versammeln 
mußten. Vorwiegend mit 
Staatsbeihilfen wurden in 
dem Zeitraum von 1904 
bis 1909 in den Vororten 
Prinzenthai, Schweden- 
höhe, Klein Bart.elsee und 
Jägerhof durch- die St.aatsbauverwaltung Kirchbauten geschaffen. 
Die Neubauten in Sc h w e den h ö he und in Pr i n zen t haI 
sind als Backsteinbauten in mittelalterlichen Formen unter steilen 

lönch- und Nonnendächern errichtet. Die Türme sind mit Kupfer 
gedeckt. Die Innenräume, von Holztonnen überspannt, sind reich 
bemalt. Ähnlich ist die Kirche in K lei n Bar tel see ausgeführt, 
jedoch in Renaissanceformen. Bei allen drei Bauten wurden für den 
Aufbau Ziegel der großen mittelalterlichen Form verwendet. Für die 


'V 


" 


" 


_ ---""'_... t 



 


1> 


, 
r 

 



 
1
 


J 


-.. 


'Jllllf lI1
tJjlll 
 
'tU r , ail J 11 J 
, 111 


- 18n 
;t] ÜlmltilJf m 
I I I III I 

I"
.'II. I : 
i_l lllr 
. 


t 


i
 


.. 


1\. 


Amtsgericht. 


14.. 


- (, 


39
		

/neuere_bauwerke00039_0001.djvu

			Verkleidung der Fronten wurden sie im Handstrich hergestellt. Die 
neue und schwierige Aufgabe, solche Ziegel in brauchbarer Beschaffen- 
heit zu erzeugen, lösten die hiesigen Ziegeleien in vortrefflicher 'Veise. 
Der Betsaal in J ä ger hof ist ein bescheidener Putzbau in deutschen 
V Renaissanceformen. )Iit dem gleichartig gestalteten Pfarrhaus jst er 
zu einer Gruppe vereinigt. 
Bis vor kurzer Zeit verfügten die Katholiken Brombergs und seiner 
Vororte lediglich über zw
i, aus 
dem 
iittelalter stammende, in 
der Altstadt gelegene Kirchen. 
Es sind dies die alte katho- 
lische Pfarrkirche, die mit ihrem 
mächtigen Dach aus grüner Um- 
gebung über der Brahe aufragt, 
und die Jesuitenkirche, die mit 
zwei spitzen Türmen den 
Friedrichsplatz beherrscht, dessen 
westlicher Seite sie eingebaut ist. 
fl Beiden Kirchen erstand in 

 den Jahren 1910 bis 1912 je 
,i , ' . eine Schwesterkirche, jener die 
, 
, 
i\ neue Tri n i tat i ski r c h e an 'Y 
'-" 

. '". 
... .:...
 ..! der Berliner Straße, dieser die 
. 'i .: -\ .. 
j.. .. 
-- ......' t neue Her z - J e s u - Kir c h e 
.
. - auf dem Elisabethmarkt. 
It 
. 
 . __ Die erstere baute im Auftrage 
" I. ...... . . 
.' t. ". . ",' ,
 der Kirchengemeinde der Regie- 
"7 
 .;' ._!¥ ., 

-""'t rungsbaumeister Slawski-Posen. 
Ev. Kirche in Prinzenthai. Eine dreischiffige Basilika mit 

 . ,J.nl
 einschiffigem Querhaus und Chor, 
Orgelempore, Anbauten für Sakristei und Taufkapelle und seitlich 
gestelltem Glockenturm, zeigt der Kirchbau eine interessante Back- 
steinarchitektur mit eigenartigen im Geiste der Renaissance ge- 
zeichneten Formen, belebt durch glücklich verteilte Putzflächen. 
Den Turm krönt eine zweigeschossigp kupfergedeckte Haube. Auf 
einer sehr beengten ungünstigen Baustelle ist die Bauanlage mit 
großer Geschicklichkeit derart gestellt, daß sich allseitig schöne, 
malerische Bilder erge ben. Besonders der Turm bildet einp 


..I 

 
... 


. 
 
I 
I :: 
I 


I I 


\. \r 


... .. t " '_'. 
,",	
			

/neuere_bauwerke00040_0001.djvu

			sehr glückliche Bereicherung des Stadtbildes. Der Innenraum, mit 
einem 
Ioniergewölbe überspannt, zeigt schlichte Formen. Zu den 
weiß getönten Flächen des Raumes, der jeglicher Bemalung bar ist, 
t.reten das Gestühl, die Orgel, die Kanzel und die Beichtstühle mit 
ihrem dunklen HolztoI)., die glänzende :\Iarmorarchitektur der Altäre 
und die farbigen Fenster 
in wirkungsvollen Gegen- 
satz. Die Kosten des Baues 
sollen etwa 330000 l\Iark 
betragen haben. 
Die Herz-J esu- Kirche 
..... 
zeigt in ihrer Grundriß- 
entwickelung Ähnlichkeit 
mit der Trinitatiskirche. 
... 
Sie ist eine dreischiffige 
Basilika mit einschiffigem 
Querhaus und Chor, seit- 
lich stehendem Glocken- 
turm, zwei Sakristeien, 
Taufkapelle, Orgelempore 
und einem Raum für das 
heilige Grab. Über der 
Taufkapelle und den Sakri- 
steien erheben sich in den 
\Vinkeln zwischen Chor 
und Querhaus Türme. Die 
Vierung bezeichnet ein 
Dachreit.er. Die Archi- 
tektur zeigt die Formen 
des deutschen Barock. Die 
Fronten sind geputzt und 
mit Sandsteingliederungen 
ausgestatt.et, die sich an der 'Yestseite zu ziemlichem Reichtum steigern, 
Der Glockenturm und die Chortürme sind von reichgeschwungenen 
Kupferhauben bekrönt, der Dachreiter ist ganz mit Kupfer bekleidet. 
Der Innenraum ist massiv überwölbt. Über der Vierung schwebt einp 
12 m weit gespannte Kuppel. Das Innere zeigt eine bescheidene 
Bemalung, die nur auf dem Kuppelgewölbe sich zu einem kühn hin- 


t 


- 
n. 


+ 


! 


I ' 


. 


, 


-- 


!' 


-' 



 


.... 


" 


.. 




 


.... 

 


... 


-. 


. ':'1" 


.. 


-- 


--- 
... " 

 


.. .. 
,- -- 

".....'r.. .. 
""
"'i ...".'.. 
,.., -: : 


.. 


\ 


.
 
_:
 


. 
.
 


. . 


.' -'" 


I
 
I 


- ... 


. . 


........ 

..........- 


. 

 


.... 


T rinitatiskirdte. 


41
		

/neuere_bauwerke00041_0001.djvu

			geworfenen perspektivischen Architekturgemälde erhebt. Die innere 
.Ausstattung durch Altäre, Beichtstühle, Kanzel, Orgelschauseite und 
Gestühl ist von entschiedener Färbung und reich vergoldet. 
Der Kirchbau wurde durch die Staatshochbauverwaltung auf Staats- 
kosten mit einem Aufwand von etwa 350 000 l\Iark errichtet, 
Eine rege Bautätigkeit 
entfaltetf' die städtische 
Bauverwaltung. . 
In der Zeit von 1905 
bis 1906 errichtete sie 
auf dem Gebiet der vor- Y 
erwähnten Stadterweite- 
rung den Neubau der 
o b e r r e als c h u I e. 
Das Gebäude enthält 
in drei Geschossen über 
eInem hohen Sockelge- 
schoß 22 Klassenzimmer, 
eine Turnhalle, eine Aula 
und die erforderlichen 
Nebenräume. Das statt- 
liche Bauwerk ist ein Putz- 
bau mit barocken Formen 
von selbständiger Auf- 
fassung, unter einem mit 
Ziegeln gedeckten Knick- 
dach. Den Eckbau krönt 
eine kupferbekleidete 
turmartige 'Varte mit einer 
Plattform für astrono- 
mische Betrachtungen. 
Höchst geschmackvoU ist - bei aller Einfachheit - die innere Aus- 
stattung der Räume, ganz besonders der Aula. 
Ein Raum von rechteckiger Grundform mit etwa 13 zu 21 m Seiten- 
länge und von mäßiger Höhe, in den Winkeln abgestumpft, an den 
kurzen Seiten je drei Fenster, an der einen Langseite der Eingang, 
an der anderen eine hinausgebaute )Iusiknische, ist er von einem schön 
geschwungenen glatten Rabitzgewölbe überspannt. Eine hohe nuß- 


\i 


I ' 


, 


.. 


.1- 
t ... i . .. 

 


. 


;. 


A' 
C 


.. 


I 
 I 


fI 
I 


- 


- 
'v- 


"'7 .- 
,r i1i, r'-j 




 .. 
.. 


.' . 


--- 


---- "\. .. 


., 


.., 


<# 

 


.. .... 


.. 


Herz- Jesu-Kirdze. 


42 


s
		

/neuere_bauwerke00042_0001.djvu

			braune Holztäfelung, an dieser einIge \Vandleuchter, zwei schöne 
Kronen an der weißgetönten Decke, bilden die Ausstattung des Raumes, 
dessen harmonische Wirkung restlose Befriedigung auslöst. Hierdurch 
und durch ihre ausgezeichnete Hörsamkeit hat sich die Aula als gegebene 
Stätte für feine musikalische Vorführungen eingebürgert. 
Der Entwurf stammt von den Architekten Zaar und Vahl in Berlin. 
. 
v Die Ausführung wurde durch die städtische Bauverwaltung bewirkt. 
Die Baukosten betrugen 390 000 l\Iark. 


'l 


.. 


U' 
11\ ::--0. 
1\ 
 . 
1't' "' .111 i ,.rA" 
 
11 .---- 111 '11 . r r 
- 
.. ... li 
.." ", 1'- ! - MM' 
 
. 1111 ....1111 J } 1 I l' 
. r- - " 
I 
 BI! I 
r1" . 
... ] 
I 1111 t 
 -.. L 
.y tt-T! n. r 
8 I 1J-. ( (f' 11 ...... 
..... 
 .T 
,I ' 
... . 
.... ..,' .. . ;. 


Oberrealsmule. 


In ähnlichem Geiste entworfen wie die Oberrealschule, ist in ihrer 
unmittelbaren Nachbarschaft die neue städtische B ü r ger sc h u 1 e 
in den Jahren 1910 und 1911 entstanden. Sie wurde mit einem Kosten- 
aufwand von 4:30000 )Iark durch die städtische Bauverwaltung aus- 
geführt, von der auch der Entwurf stammt. 
In derselben Zeit schuf die städtische Bauverwaltung einen weiteren 
bedeutsamen Schulneubau, nämlich den der Ku ns t ge wer b e s c h u 1 e. 
Das Gebäude umschließt in vier Geschossen Unterrichtsräume und 
Ateliers für Architektur, ßlalerei und Bildhauerei, Räume für Hand- 
fertigkeitsunterricht, Räume für eine Handwerker- und Fortbildungs- 
schule sowie für eine Industrieschule, \Verkstätten, Lehrmittelräume, 


43
		

/neuere_bauwerke00043_0001.djvu

			J
 ---- 
'f 
- , 


, " 
,1 


1 


.' r 
" , f 
,r' 
.. ,I' 
.. . 
"t ! It i 
1\ 
, ! I' 


-- 


Bürgersmule. 


tIi 


.. 
'} 


11' 


t . 



, 
r' .t 
-ar. 
I' 


. " 


-.. 



 


4 
,l

., . 
! fl "lf
l
" 
: L"f tU 
i.., - 
· 11Il."f
 
" "
:1 , · 

 '1 I 1f:J 1 I . , 
I 

 !!'! 1... 
f 



 


:;.
 


- -''-''. 
.. . t 
 
, . I 
1111 1JÜh. . 


, 
1 


-." 


.... 


- 
.......
 


A
 
.....
.- 
...:; 


- 



 
- 1'- 


oI" 
- 

... 

 
I!' tI 11 


. . IIt'i--io" .'. 
.
 ' '\u j. __, --ef.. 
.
 
J{ . ,- ., _.., i'
. . 
'-' .--.. . ( " 
 
1 .. .,.... .....' 

 &......: ". Jt
 ,. '. 
"" .s. 


<.. 


01- 
J 


. 


" 11" 
.. ". · · I.... 
 "'JC' 
j 


.. .. 



- 


o! 


Kunstgewerbeschule. 


44 


.' 


, 


.. 



 
.
		

/neuere_bauwerke00044_0001.djvu

			"l. 


/ .. 


-- 



"!: 


) 


- I' 
I1 ml. t 

 '1\' IM ':11' 


1, 



 ,......- 


T
 I 
. 


, . 


,'. 


.
 


Ji._ 


J 
. 111' 
t:;:; i 
r I 
I 

 It t.. 
Ii 
J 
.. 
.4 
I 


-. 


.. 


.!. - ,. 
-------- 


. i 


\. 

i-- 
t....... 



 



 - 


Kreisständehaus. 



 


--.-- 


.. 


-. 


. 


., 


Kaufhaus M. Conitzer & Söhne. 


145 


J 


. 


tl 



 . 


...;.:.& 
.. $:-
 
.... .. - 


'-- 


.....,. 
I 



 
 


, 


J
		

/neuere_bauwerke00045_0001.djvu

			cine Bibliothek, eInen Hörsaal, eine Aula und die nötigen Ver- 
waltungsräume. 
Das Bauwerk steht in der schönen grünen Umgebung der Schleusen- 
anlagen. Das Äußere zeigt eine tüchtige, gedrungene Barockarchitektur, 
der der Leiter der neuen Schule - an den Portalen - eigenartige 
Akzente verliehen hat. Die Ausstattung des InnerIl ist höchst 
ansprechend. Die Baukosten haben 473 000 
Iark betragen. 
Die Verwaltung des Landkreises Bromberg ließ auf dem Gelände 
der Stadterweiterung in den 
Jahren 1904--06 den schönen 
1 barocken Neubau des Kr eis- 
s t ä n d e hau ses durch den 
Regierungs- und Baurat von 
Salzwedel errichten. 
In höchst erfreulicher \Yeise 
hat sich in neuerer Zeit die 
bürgerliche Bautätigkeit Brom- 
bergs bewährt. Das eingebaute 
und das freistehende 'V ohn- 
haus, das Kaufhaus und die 
Vereinigung von Kaufhaus und 
'Yohnhaus, sind durch so viele 
gute Beispiele vertreten, daß 
es auf dem beschränkten Raum 
unmöglich ist, allen gerecht zu 
werden. 
Ein großes Kaufhaus er- 
baute die Firma :\1. Co n i t zer 
& Söhne im Jahre 1911 durch 
 
den Architekten \Valther-Charlottenburg an einer der verkehrs- 
reichsten Stellen der Stadt, nämlich an der Ecke der Danziger- 
und der Bahnhofstraße. Grundriß und Aufbau zeigen den be- 
kannten neuzeitlichen Typus des mehrgeschossigen, um einen. 
Lichthof herumgebauten \Yarenspeichers. Das Knochengerüst des 
Baues besteht aus Eisenbeton, seine äußere Schale dagegen ist ge- 
mauert und geputzt. Sie stellt einen auf das Strengste durch- 
geführten großartigen Pfeilerbau dar, den ein Ziegelwalmdach von 
einfachster Gestalt höchst wirkungsvoll abschließt. Das Ganze 


,. 

 ._c.- 
.", . 


'#i 



 


- 


- 
. ....1 
 , 
'n' . rIi 
,:,' \" f. 
· t 



 


-,' 


I r - . 4" i 
f 
 
r>
' 

 . 
.. t
 
1 J- I\" .-- ''' I . 
1- '. .. 
T ' Iß .- 
. L: - k 

. 


t ' 



}
 , 

. , 



 
. S! 


, 
r 


 " 

 .
. 


-1. 



 



- 
I 
.... '.. 


dj- 
i. ". 
. . I 
. 
 

 -p. 


_
.
E ..... 


Haus Meyer. 


46 


-.
		

/neuere_bauwerke00046_0001.djvu

			6 


atmet Kraft und Ent- 
schlossenhei t, es zeigt in 
jeder Einzelheit die Hand 
des reifen, erfahrenen 
)Ieisters. 
Der 'V ohnhausbau ent- 
faltete Seine schönsten 
Blüten auf dem vor- 
erwähnt.en Gebiete der 
Stadterweiterung. Es sei 
nur das reizende ein- 
gebaute Dreifamilienhaus 
des Stadtbaurats )1 e y er 
und das schöne statt- 
liche freistehende 'Vohn- 
haus 'V 0 y t hai er, eine 
Schöpfung des hiesigen 
Archi tekten Kn üpfer, her- 
vorgehoben. 
Die schwierige Aufgabe 
des vereinten Kauf- und 
\Vohngebäudeshatlllanche 



 
J' 


\ 


- 


j
 


'L 


.. 


-:-- 


-. 


-----; 


Kupffenderbrunnen. 


I 
r 


co 


" 


...' 
,- 

 ...... 


, 


, 


i,,
 


11 


q 


I 


- 
't f 
- 
tL ,'lJ 
I 
J,.; 

. , 
I 
" 
. -, - f- 
0 
i " . 
 


" 
n r n I 
:, 
--- 



. " ....:
.:
... ..
: . . 


- 


,. 


.' 
1 
. 1: f 


.t
 


'"<: 
\- 


't 


L 


Haus W ogtha/er. 
o.-.::rf)- 
Q 
gelungene Lösung aufzuweisen, eine be- 
sonders gute in dem Hause Pfefferkorn, 
das soeben seiner Vollendung entgegen- 
geht. Der Entwurf, der bei einem aHge- 
meinen \Vettbewerb den ersten Prei::; 
davontrug, stammt von delll Architekten .... 
Henry Groß-Berlin, der auch die Ausfüh- 
rung bewirkt hat. Über zwei stark durch- 
brochenen Geschossen für Geschäftsräullle 
liegen drei'V ohngeschosse, die naturgemäß 
eine geschlossene 
äußere Erscheinung er- 
halten mußten. Dieser 'Yiderspruch führt 
meistens zu einem )lißklang. Hier ist er 
auf das Glücklichste vermieden. 
Zum Schluß sei einiger bi I d n er i- 
scher \Verke gedacht, die in dem 


- 


47
		

/neuere_bauwerke00047_0001.djvu

			letzten Jahrzehnt den öffentlichen Plätzen eingefügt wurden und nicht 
wenig zur Verschönerung des Stadt bildes beitragen. Der schöne 
Regierungsgarten erhielt durch die Aufstellung des berühmten S ü nd- 
fl u t brunnens des Bildhauers Lepke einen großartigen Schmuck. 
In dem zierlichen Gärtchen neben dem Theater prangt die bronzene 



- 
:::0-. 
. 



I 


I 
: I,' 


Haus Pfefferkorn. 


Bogenspannerin desselben Bildhauers. Und in einer Ecke des 
Friedrichsplatzes, des 1Iarktes der Altstadt, entzückt uns der anmutige 
"K u p f fe nd erb run n e n ll , ein moosgrÜlles steinernes 'Vasserbecken, 
darüber ein grauer Pfeiler, gekrönt von einer zierlichen Bronzegruppe, 
Kinder mit einer Gans spielend. 


:..... .... ..: ......... :0........ ...
 
.......... .:.... ....:. .......... 


48
		

/neuere_bauwerke00048_0001.djvu

			.: ..... ........ ......... ...... ................... ...... ........... ........... ........ ...... .... ... ... .... ........ ........ ... .... ....................... ..:.: 
.. .............................................................................................................................. ........................... 


.:::.::::::;.:::.:::::::{:.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::{:.:::::::.:::.:::::::.:::-:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:):::::::.:);::::::.:::. 

:j ............... ................. ........ ...... ...... ................... .... .... ........ ..... ................................. ..... ............ 
.j 

I Die Löhnertsche Maschinen- m 
:
::
 F b · k 
::':: 
:' 'f:'
"': a rl . /F}' . 

 .. ... : : -..:: 
....::::.:
. Von Dip 1.- I n g. So nnabend. .;;:.:::.-: 
. . 
(.'
)::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: :::::::::::;:.:::: ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: 
.c) 
......... 


.\.,.- 


Die Herm, Löhnert Aktiengesellschaft hat sich aus kleinen Anfängen 
.l.:) heraus zu einer angesehenen Spezialfabrik für Hartzerkleinerungs- 
maschinen entwickelt. Gemäß dieser Spezialität fallen in das 
Fabrikationsgebiet der Aktiengesellschaft die Einrichtung kompletter 
Zeinentfabriken, Kalkwerke, Thomasschlacken- und Phosphatmahl- 
anlagen einschließlich sämtlicher zu diesen Einrichtungen notwendigen 
)laschinen und Transportapparate. 
Der Sitz des Unternehmens war bis jetzt die alte in der Bahnhof- 
straße zu Bromberg belegene Fabrik, die in der Festschrift "Industrie 
und Gewerbe in Bromberg" vom Jahre 1907 bereits beschrieben wurde. 
Diese Fabrik war ursprünglich für den Bau und die Reparatur land- 
wirtschaftlicher l\laschinen errichtet und genügte schon seit längerer 
Zeit nicht mehr den Ansprüchen einer rationellen modernen Fabrikation, 
besonders der sich heraus gebildeten Spezialal'tikel mit ihren schwpren 
)laschinen. 
Im Jahre 1900 wurde daher von der Aktiengesellschaft ein im Nord- 
ost
 der Stadt in der Nähe der Artillerieka.serne gelegenes Terrain 
erworben und die Pläne für eine neue Fabrik ausgearbeitet. Aus verschie- 
denen Gründen mußte aber von der Erbauung der Fabrik abgesehen 
werden bis im Jahre 1909 zur Ergänzung und Entlastung des in dem 
StadtinnerJ}. liegenden Betriebes ein größeres Fabrikgebäude a.uf dem 
neuen Terrain errichtet wurde, welches auch jetzt noch der Fabrikation 
der verschiedensten Trallsportapparate dient. Im gleichen Jahre wurde 
auch das neue Fabrikterrain durch ein eigenes Anschlußgleis an das 
Staatsbahnnetz angeschlossen. 


4 


49
		

/neuere_bauwerke00049_0001.djvu

			er. .. 'Jf. ..... ( .. I 
 q 
0 · .1 1 
, r . 
I J 
. - 

 - 

 
.. 
.. - 


.' 


... 


F abrikansidzt.
		

/neuere_bauwerke00050_0001.djvu

			Das neue Grundstück wurde dann in den letzten Jahren durch 
Zukauf auf eine Größe von über 48 000 qm gebracht. Es wurde nun 
die Errichtung einer neuen Fabrik ernstlicher in Erwägung gezogen 
und nach Ausarbeitung der Pläne und Voranschläge von der Ver- 
waltung beschlossen. Die architektonische Ausgestaltung des Ver- 
waltungs- und der Fabrikgebäude sowie die Bauleitung wurde Herrn 
Archit ekt Knüpfer übertragen, und Anfang Juli 1912 konnte der erste 
-- 
Spatenstich getan werden. 
Nach rund einjähriger Bauzeit war die Anlage im wesentlichen 
fertiggestellt und in Betrieb genommen. Die Gebäudegrößen sind 
derartig bemessen, daß ca. 400 Arbeiter Beschäftigung finden können; 
die ganze Anlage ist 
aber so eingerichtet, r 
daß für sämtliche 
Gebäude eine Erwei- 
terungsmöglichkeit 
gewahrt blieb. 
Wenn der Besucher 
die Fabrik durch das 
Haupteinfahrtstor 
betreten hat, liegt :" 
linker Hand das die 
kaufmännischen und 
technischen Bureaus 
beherbergende V er- 
waltungsgebäude. 
Das Gebäude macht 
in seiner ruhigen soliden Bauweise mit dem hohen abgewalmten Ziege Idach 
und dem etwas reicher gehaltenen Portal mit Freitreppe einen freundlichen 
aber auch repräsentablen Eindruck. Dem äußeren Eindruck entsprieht 
auch das Innere. Das Hauptaugenmerk wurde hier wie übera]] auf 
zweckmäßige Ausgestaltung und Solidität bei V erm
idung unnötigen 
Prunkes gelegt. Das Gebäude steht in einen1 ringsum gehenden Licht- 
schacht, durch welchen das Kellergeschoß hell und bewohnbar gemacht 
wird. Außer diesem Keller- und dem Dachgeschoß, welche die Akten- 
und Nebenräume wie auch die Pförtnerwohnung enthalten, sind zwei 
Stockwerke vorhanden. Das untere beherbergt die Repräsentations- 
räume und die kaufmännischen Abteilungen, das obere die technisch{'n 



 
11 


1 \ 


4t 
;01 


'..... 


t _ 


4 . 


. .r 


Verwaltungsgebäude. 


4. 


51
		

/neuere_bauwerke00051_0001.djvu

			Bureaus, unter welchen der an der N ord.seite gelegene, sehr große 
und zweckmäßig eingerichtete Zeichensaal besonders bemerkens- 
wert ist. 
Die Bauweise des ganzen Gebäudes ist durchaus massiv, die Decken, 
Fenstersturze, das Hauptgesims und die Treppen sind in Eisenbeton- 
konstruktion ausgeführt. Beheizt wird das Gebäude wie auch das 
nachstehend zu beschreibende Gebäude für den Speisesaal und den 
Pförtnerraum durch zwei getrennt liegende moderne Frischluft- 
Zentralheizungen. 
Diese Luftheizungen senden die im metallischen Ofen erzeugte und 
befeuchtete 'Varmluft durch Blechrohrkanäle in die einzelnen Zimmer. 
Die benötigte Frisch- 
luft wird je nach der 
bestehenden \Vind- 
richtung an der Süd- 
oder Nordseite desGe- 
bäudes entnommen. 
An warmen Sommer- 
tagen soll das vor- 
handene Rohrnetz 
als Kühleinrichtung 
verwandt werden, 
indem durch einen 
in den Frischluft- 
kanal gestellten Ven- 
tilator kühle Luft in 
die Arbeitsräume ge- 
drückt werden kann. Dip Beleuchtung des Gebäudes geschieht 
während der Abendstunden durch elektrische 
Ietallfadenlampen, von 
denen die hochkerzigen des Zeichensaales so installiert sind. daß sich 
ein halbindirektes Licht ergibt. . 
Gegenüber dem Vcrwaltungsgebäude liegt das bereits oben erwähnte 
Gebäude für den Pförtner und für den Arbeiter
peisesaal. E
 ist 
ebenso massiv errichtet wie das Verwaltungsgebäude und bietet 
durch den den Eingang zur Fabrik bildenden Bogengang ein abwechse- 
lungsreiches Bild. Von seiner Loge aus kann der Pförtner den ganzen 
Verkehr überwachen und ankommenden Fremden die ersten Weisungcn 
erteilen. Direkt von der Pförtnerloge zugänglich ist auch der Sanitäts- 


. 
I 


r 


I 


I I 


...... 


--- - 


- --- 


Kraltstation und Speisesaal. 


52
		

/neuere_bauwerke00052_0001.djvu

			raum angeordnet. Dieser Raum hat außerdem noch zwei Ein- und 
Ausgänge nach der Fabrik und zur Straße. 
Den Hauptraum des Gebäudes nimmt aber der Speisesaal mit seinen 
Nebengelassen ein. Er faßt bei voller Benutzung ca. 100 Personen und 
soll die zu weit wohnenden Arbeiter und deren Frauen zur 1Iittagszeit 
aufnehmen, da nicht gewünscht wird, daß sich die Leute während 
dieser Zeit in ihren Arbeitsräumen aufhalten. Er dient also nicht als 
Kantine, sondern als Raum zur Einnahme der mitgebrachtf'n Speisen. 


i 


-- 


1 fJ,J 
l- y '" 
. -£_, ,. ' . ' I 
.. iti" 
 · \ 
...;.... -
 I 


\ 


4'\r 


-4 . 

 
 
- .i
i:J _ 
r · 
 r ..::' 
. -0 ... 
....: -- =
 - 


. 


I 


, 
... ... ... "\ 
..... .,. . 


, .. 


- 
-+-J 


_..: - --l 


-I 



 . 
e 


... t 


Dieselmotoranlage. 


Auf dem 'Vege zur eigentlichen Fabrik sehen wir rechter Hand 
die Licht- und Kraftstation liegen. Das Haus ist als die gute Stube 
der Fabrik schon äußerlich anlehnend an die vorderen Gebäude gebaut 
und bietet im Inneren Raum für eine Verdoppelung der jetzigen Anlage. 
'Yir betreten das Gebäude und befinden uns sogleich in dem l\Iaschinen- 
saal. Hier treibt ein Dieselmotor ,:on 150 .R .
. Leistung zwei Dynamo- 
maschinen, von denen die erste größere mit 44:0 Volt Spannung auf 
das Kraftnetz der Fabrik arbeitet, während die zweite kleinere die 
Fabrik und die Verwaltungsgebäude mit elektrischem Strom von 
220 Volt zur Beleuchtung versorgt. Die kleinere Dynamomaschine ist 


53
		

/neuere_bauwerke00053_0001.djvu

			durch eine Reibungskupplung leicht vom Dieselmotor abschaltbar, 
so daß zur Zeit des Hauptkraftbedarfes der Dieselmotor nur zur 
Krafterzeugung auf die große Dynamomaschine arbeiten kann. Wird 
während dieser Zeit auch Licht benötigt, so wird dieses der Akku- 
mulatorenbatterie entnommen, welche in einem besonderen Raum hinter 
dem :\Iaschinensaal Aufstellung gefunden hat. Sämtliche Räume sind 
hoch und hell gehalten und in Fußböden wie Wandanstrich direkt 



 



 


I 


I 
.. 


... 


- 
.. J
. 


., 


I 


'-- 
-__ 0..- l---" ". 
 , 
- .. - t''''''' 


. 



 


.. -... ,., 


--:::::> 



 

-- -- 
... 
 


- 


.. 
\ 
.;> 


--- 


-....,. . -
 


'- 


.. 


Haupthalle. 


zur Sauberkeit erziehend angelegt. Das zum Betriebe des Dieselmotors 
nötige Teeröl wird durch einen .Metallschlauch vom Eisenbahntank- 
wagen direkt zum im Keller liegenden Vorratstank geleitet und von hier 
a.us wird es durch Handpumpen in die Tagesvorratsbehälter gepumpt. 
Zur "\Vahl des Dieselmotors als Betriebsmaschine war neben der 
Betriebgsicherheit vor allen Dingen der billige Betrieb und die schnelle 
Inbetriebsetzung ausschlaggebend. Der l\Iotor kann vom Ruhezustand 
gerechnet schon in 1 
-2 l\Iinuten seine Höchstleistung abgeben. 


54
		

/neuere_bauwerke00054_0001.djvu

			Nachdem wir dieses Gebäude verlassen haben, wenden wir uns den 
Gebäuden zu, in denen das eigentliche Herz des Unternehmens, die 
Fabrikation liegt. Die große Haupthalle, welche Dreherei, Schlosserei 
und l\Iontagewerkstatt beherbergt, und die die Bohrerei und Schmiede 
enthaltende Nebenhalle haben das Gemeinsame, daß sie aus Eisen- 
konstruktion mit 
 Stein starker Ausma.uerung errichtet sind. Die 
Lieferung und :\Iontage der Eisenkonstruktionen wurde der Firma 
F. Eberhardt, :\Iaschinenfabrik, hier übertragen und zeigt diese und 


A
 
, 
..
 A¥
 
 

 
r.....:,jii-.
 '_ .-"- -.,.
 
:
 
. 
 f.
J
'
 
... .
-
. 
.


 
 
4!
 
:
 
 _ :.Ili'
;-" .J -' 
.
 ... ___

 
 "

-i
 
-::1i:'
;tillll 


 i


.r'
 '. t-
 :II1
 
.. -. ,,1...'ltiih'''ii-- ..,_..
 

 

. ... _ 

' 
 ti 11_ . 1 
. - rJ.'4' I!"C.. .. · : 
-..-
 ' . 
- I · I _ l- f.1 t,. , ._..- 'I 
- ,. f6 , t : ...-, '.-...- -,.- I . W I I II I'II. 
, ,'." r I
 j \ · 
 J 

'.I:.I! 
t!_-
. 
; .:,

 
..... 


I 
 . 


:- 



 


'. 


.. - 


\ 


, 
.. ... 


.. -"-
..;. 
.
 ..a 


ü 


---.. 


- ........ 



- 


.... ;...- 
- -
- 
\
. 
.. - 


-. 


,- 


;!:o. 


.-
 


.........;. ...... 


- - 


... 

 - 


Haupthalle im Bau. 


die umstehende Abbildung einen Teil der Eisenkonstruktionen im 
.I.\Ion tagezustande . 
Die Haupthalle ist ein großer dreischif£iger Hallenbau und erreicht 
an der 
Iittelfirst die stattliche Höbe von beinahe 19 m bei einer Gesamt- 
grundfläche von 55 X 56 m. Die Längsachse des Gebäudes liegt nahezu 
von Nordwesten nach Südosten und zwei der Hallenschiffe Überbrücken 
das Eisenbahnanschlußgleis, so daß dort die ankommenden Roh- 
nlaterialien durch Kräne leicht entladen und die Fertigfabrikatf' auf- 


5S
		

/neuere_bauwerke00055_0001.djvu

			geladen werden können. Das rechte der beiden Seitenschiffe ist in seiner 
Konstruktion schwerer ausgeführt, als das linke; es trägt in halber 
Höhe eine Zwischendecke, die mit einer Belastung von 800 kg pro qm 
außer dem Eigengewicht gerechnet werden mußte. Daher stehen hier 
alle 5 m schwere Stützen, während sonst die Binder und Stützen- 
entfernung 10 m beträgt. Auch wird die Decke noch in der :\Iitte 
durch eillij}n Längsunterzug mit alle 5 m angeordneten Stützen getragen. 


"-. 


-- 


t 
 

 - , Li AI' , 


,,''':;.'i:. J.. .. " ... 



 . .... ... .f 1 
,

..
"
.
 
4.._ '. 
"
II_.


_: I 
 I 
-- 
. ....... 
..... .., ! , .
_. 
,
 

.;,:, t.. 

'
. ..;::
 
'!I._i\I'
' ,,- . :'" 

.....




 
 .. - 

 ' 

.."'
"'
,
"" .-....., . 
.._ -. 
". 
 
"''" S S;,""",,
 .. I r, I
. -- .... 
'


:


.: ...,' "


: I ; ' I' ,," 'Ei: 
 
 

 '



l8i I . ",' 
'-:
.

 
 , i -! ': I. 
'.... ',
,,-" 'a l "'" 

...: ,..r 
, 
.., ...
, . J "-' 4. 'I '. 

 ',," '.. & '. 
....."'IIt " 
 " 
- 
- 
.,- --, 


" 


.... 


. 


4. 


- 



 


)0.. 


-=-- 
..... 


Aufrichten einer Giebelfront. 


Die schweren Stützen und deren Fundamente sind so ausgemittelt, daß 
durch sie der Druck durch Seitenwind sicher aufgenommen wird. Zur 
Aufnahme des durch Längswind entstehenden Druckes wurden, da 
keine Längswände vorhanden sind, außer den starken Kranbahnen 
schwere Längsverbände angebracht und die Frontwände der 25 m 
breiten Mittelhalle außerdem durch bis an die Dachlinie reichenden 
'Vindpfosten und durch einen starken Windträger versteift. 
Die zur Beleuchtung des Gebäudes dienenden Oberlichter und 
großscheibigen Fabrikfenster bedecken mit ] 500 qm die Hälfte der 


56
		

/neuere_bauwerke00056_0001.djvu

			Grundfläche. Es gelangte bei den längs laufenden Laternen- uI;1d 
Pultoberlichtern Drahtglas und bei den Seitenfenstern 5-6 mm 
starkes geripptes Rohglas zur Verwendung. Die günstige Fenster- 
verteilung und Glaswahl erzeugt auch bei hellem Sonnenschein eine 
beinahe vollständig schattenlose Beleuchtung der Halle. Abends 
erfolgt die Beleuchtung durch Intensiv-Bogenlampen und in dem 
zweigeschossigen Seitenschiff durch hochkerzige l\Ietallfadenlam pen. 
Die großen Fensterflächen und die nur schwache Ausnlauerung 
der \Vände mußte eine verhältnismäßig schwierige Beheizung der 
Gebäude mit sich bringen. 'Vährend bei dem älteren Gebäude, der 
Blechwerkstatt, noch 
direkt
gefeuerte Ho- 
henzollernöfen 'auf
 
gestellt sind, würde 
hier - einer Nieder- 
druckdampfheizung 
der Vorzug gegeben, 
die beiden Fabrik- 
hallen teils durch 
Rippenrohre und 
glatteRohreteils aber 
auch durch Radia- 
toren beheizt. - & 
soll durch diese Hei- 
zung den Gebäuden 
bei außen - 20 0 C eine Innentenlperatur von + 6 0 C gegeben werden. 
welcher 'Värmegrad wegen der verhältnismäßig groben Arbeiten von- 
ständig genügt. Die Niederdruckdampfkessel der Heizanlage sind in 
eincm geräumigen Keller der Haupthalle untergebracht. Des hohen 
Grundwasserspiegels halber verursachte die Herstellung dieses Heiz- 
kellers ziemliche Schwicrigkeiten und beträchtliche Kosten. 
\Yie schon erwähnt, ist die Bauweise des zweiten neuen Fabrik- 
gebäudes der Bohrerei und Schmiede die gleiche wie die der Haupt- 
halle, so daß wohl eine eingehende Beschreibung dieses Baues nicht 
mehr notwendig ist, Auch die ältere Blechwerkstatt bietet in baulicher 
Hinsicht nicht Bemerkenswertes. Sie ist ein einfacher Ziegelbau nlit 
eisernen Bindern und hat, wie auch die Haupthalle und Schmiede, 
als Bedachung ein Doppelpappdach alif Holzschalung. Der Raum 


--: 

 

 -' 



 


h- 


- 
...J 
n 
.. 


.. .. 111&.. 
i 


- 


.....' 


, 


.... 


-' 


Bohrerei und Schmiede. 


57
		

/neuere_bauwerke00057_0001.djvu

			geladen werden können. Das rechte der beiden Seitenschiffe ist in seiner 
Konstruktion schwerer ausgeführt, als das linke; es trägt in halber 
Höhe eine Zwischendecke, die mit einer Belastung von 800 kg pro qm 
außer dem Eigengewicht gerechnet werden mußte. Daher stehen hier 
alle 5 m schwere Stützen, während sonst die Binder und Stützen- 
entfernung 10m beträgt. Auch wird die Decke noch in der 
Iitte 
durch ei
n Längsunterzug mit alle 5 m angeordneten Stützen getragen. 


t t" I 

 -' I ' LAI . 


,'
;.'i' ... J... "... 


 . 
.d

 'i 
'


.f

.
,
4.
.
:, ,II.
", I
 


,:' t

 


. 
 
__
I _ 
 . 
 

".. .' 
-:.
.. 
 .. " ",.. 
 

...._,.., 
..... ._
_ ", 

 FI 




 S.
,.....
" 
, :"11---" I
._- - 



:


'-c..1 "'
_: I 
 I
"'I 
 1=1: 
 
'
:

iS. ' . - '" ''-:
.!
 , , 1 _ _I ': 1I 
 

"'
.'" I. l """-=

""' . I,' 
I 
, 
.., ,
.... , . : .... .."" I . '11 1 
I. 
 ., .... 


, 

 . 


-- 


.... 
. \, ..... 


I 

- .o' 
.,... 


". 


.... 


. 



-" . 


- 


- 


- 


Aufrichten einer Giebelfront. 


Die schweren Stützen und deren Fundamente sind so ausgemittelt, daß 
durch sie der Druck durch Seitenwind sicher aufgenommen wird. Zur 
Aufnahme des durch Längswind entstehenden Druckes wurden, da 
keine Längswände vorhanden sind, außer den starken Kranbahnen 
schwere Längsverbände angebracht und die Frontwände der 25 m 
breiten l\1ittelhalle außerdem durch bis an die Dachlinie reichenden 
'Vindpfosten und durch einen starken \Vindträger versteift. 
Die zur Beleuchtung des Gebäudes dienenden Oberlichter und 
großscheibigen Fabrikfenster bedecken mit ] 500 qm die Hälfte der 


56
		

/neuere_bauwerke00058_0001.djvu

			Grundfläche. Es gelangte bei den längslaufenden Laternen- und 
Pultoberlichtern Drahtglas und bei den Seitenfenstern 5-6 mm 
starkes geripptes Rohglas zur Verwendung. Die günstige Fenster- 
verteilung und Glaswahl erzeugt auch bei hellem Sonnenschein eine 
beinahe vollständig schattenlose Beleuchtung der Halle. Abends 
erfolgt dip Beleuchtung durch Intensiv-Bogenlampen und in dem 
zweigeschossigen Seitenschiff durch hochkerzige 1\Ietallfadenlanlpen. 
Die großen Fensterflächen und die nur schwache Ausnlauerung 
der 'Vände mußte eine verhältnismäßig schwierige Beheizung der 
Gebäude mit sich bringen. 'Vährend bei dem älteren Gebäude, der 
Blechwerkstatt, noch 
direkt gefeuerte Ho- 
henzollernöfen auf:. 
gestellt sind, wÜrde 
hier einer Nieder- 
druckdampfheizung 
der Vorzug gegeben, 
die beiden Fabrik- 
hallpn teils durch 
Rippenrohre und 
gla tteRohre teils aber 
auch durch Radia- 
toren beheizt. - . Es 
boll durch diese Hei- 
zung den Gebäuden 
bei außen --.:.-. 20 0 C eine Innentemperatur von + 6 0 C gegeben werden
 
welcher \Yärmegrad wegen der verhältnismäßig groben Arbeiten volJ- 
ständig genügt. Die Niederdruckdampfkessel der Heizanlage sind in 
eine
 geräumigen Keller der Haupthallp untergebracht. Des hohen 
Grundwasserspiegels halber verursachte die Herstellung dieses Heiz- 
kellers ziemliche Schwierigkeiten und beträchtliche Kosten. 
'Yie schon erwähnt, ist die Bauweise des zweiten neuen Fabrik- 
gebäudes der Bohrerei und Schmiede die gleiche wie dip der Haupt- 
halle, so daß wohl eine eingehendp Beschreibung dieses Baues nicht 
mehr notwendig ist. Auch die ältere Blechwerkstatt bietet in baulicher 
Hinsicht nicht Bemerkenswertes. Sie ist ein einfacher Ziegelbau mit 
eisernen Bindern und hat, wie auch die Haupthalle und Schmiede, 
als Bedachung ein Doppelpappdach auf Holzschalung. Der Raum 


.. 


,. 


-
 


..... .. 


.. 


- 


.. 


-- 


- - 


> '. 


1'2 - 
#" '* 


Bohrerei und Schmiede. 


57
		

/neuere_bauwerke00059_0001.djvu

			zwischen den Fabrikgebäuden dient in weitgehendstem Maße als 
Lagerplatz für Rohmaterialien, Halb- und teilweise Fertigfabrikaten. 
Die Lagerplätze sind durch Industriegleise mit den Gebäuden verbunden 
und liegen teilweise auch im Arbeitsbereich eines auch zum Be- und 
Entladen von Eisenbahnwaggons dienenden Hoflaufkranes. 
Im Inneren der letzten drei Fabrikgebäude befinden sich außer 
den eigentlichen Arbeitsräumen die Betriebsbureaus, die l\Ieister- 
kanzleien, die Räume für 'Verkzeugausgabe und ::\Iagazine, die Wasch-, 
Ankleide- und Aborträume. Es braucht wohl nicht hervorgehoben 
werden, daß alle diese Räume nach den neuesten Erfahrungen für 
Arbeiterhygiene und Sicherheit angelegt sind. Die l\leisterkanzleien 
sind zur besseren Übersicht wo irgend möglich erhöht angeordnet. 
In den Hallen und auf den Höfen sind an den verschiedensten Stellen 
Anschlüsse für Feuerschläuche vorhanden, welche Sicherheitsvorrich- 
tungen an besonders gefährlichen Stellen, wie in der Tischlerei, durch 
}Iinimaxapparatf' ergänz1 sind. 
Bei der 
Iaschinenausrüstung d<>r Fabrikgebäude mußte Rücksicht 
auf die von der alten Fabrik überführten älteren l\Iaschinen genommen 
werden. Es fügten diese sich jedoch den neuen 
Iaschinen gut ein und 
es konnte nlit dem elektrischen Gruppenantrieb für die kleineren und 
mittleren neueren wie älteren 
Iaschinen der geeignete Antrieb gefunden 
werden. Die neuen schwersten 'Verkzeugmaschinen, von denen besonders 
eine schwere Einständerhobelmaschine, ein großes Horizontal-Bohr- und 
Fräswerk, eine Karusselldrehbank und eine schwere Plandrehbank für 
Gegenstände bis zu 4,5 nl Durchmesser zu erwähnen sind, haben sämtlich 
elektrischen Einzelantrieb erhalten. Durch diese Antriebsteilung ist die 
)Iöglichkeit gegeben, bei etwaiger Nacht- und Sonntagsarbeit nur einen 
Teil der Fabrik in Tätigkeit zu setzen, es braucht auch bei eventuell 
auftretenden Unfällen oder l\faschinendefekten stets nur ein Teil der 
}Iaschinen still gesetzt zu werden. 
Beinahe die ganze Arbeitsfläche der Fabrik und ein Teil des 
Hofe8 kann durch Laufkräne bedient werden. Der Laufkran in der 
.:\Iittelhalle ist mit 24: m Spannweite und 20 000 kg Tragfähigkeit wohl 
der größte Brombergs. Er erhält seinen Antrieb durch vier Elektro- 
motore verschiedener Stärke und seine Leistungsfähigkeit mag dadurch 
besonders gekennzeichnet sein, daß er in der Längsrichtung auch die 
schwersten Lasten mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 70 m pro 
)Iinute zu befördern imstande ist. An sonstigen Kränen sind vorhanden 


58
		

/neuere_bauwerke00060_0001.djvu

			zwei Laufkräne von 10 000 kg Tragkraft, zwei gleiche von 5000 kg 
Tragkraft, zwei von 3000 kg Tragkraft und ein großer Überladekran 
von 20000 kg Tragfähigkeit. Die Spannweite dieser Kräne schwankt 
zwischen 7 und 15 m. 
Der in der Nähe der Schmiede befindliche 30 m hohe Schornstein 
wird den meisten Besuchern auffallen und ist deshalb an dieser Stelle 
noch zu erwähnen. Er ist nicht in Verbindung mit einer Kesselanlage 
errichtet, sondern dient zur Zugentwickelung für zwei moderne große 
Glühöfen, in denen schwere Bleche und Rundeisen geglüht werden 
und die eine Hitze von 1200 bis ] 400 0 C erzeugen können. 
Zum Schlusse seien noch einige Zahlen erwähnt. Das Fabrikterrain 
hat eine Ausdehnung von ca. 48000 qm. Von diesen sind ca. 6500 qm 
überbaut und in den Fabrikgebäuden ist eine Arbeitsfläche von rund 
6300 qm untergebracht. Zum Antriebe der einzelnen l\iaschinen dienen 
Elektromotore von zusammen 256 P. S, Leistung. Es sind im ganzen 
17 Dynamomaschinen und Elektromotore, teils von den Siemens- 
Schuckert-'Verken, teils von der A. E. G. gebaut, in der Fabrik 
installiert; die Lieferung und die Installation der elektrischen Licht- 
und Kraftanlage war der Firma Wilh. Buchholz in Bromberg über- 
tragen. 
Eine Versuchsanstalt, die durch einen 150 P. S.-l\Iotor angetrieben 
wird und in welcher die in der Fabrik hergestellten 
Iaschinen auf 
ihre Zweckmäßigkeit und L
istungsfähigkeit geprüft werden, befindet 
sich zurzeit noch im Bau. 
Es ist zu hoffen, daß sich das Unternehmen weiterhin vergrößern 
möge zum Ruhme der Bromberger Industrie und der des deutschen 
Ostens. 


;;;;;
:::

::;
;
;



;
:
Z
:::
;;;
 


59
		

/neuere_bauwerke00061_0001.djvu

			:.. ........ .... ..... ... ..... .... .......... ..... .... ...... ... ... ........ ... ..... ... ..... ....... ..... ...... ..... ... ..... ...... .............. ................. 
.. .. .... ..... ... ......... ...... .......... ... ...... ....... ..... ...... ...... ..... ........... .......... ... ................... ............................. :. 
.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:::.:::::::.:.:.:::::::.:.:.:::::::.:.:.:::::.:.:.:.:.:::.:.:.:.:.:::.:.:.:.:.::..:.:.:. 

.j ...... ..... ..... ..... ............. ... ......... .... ... ....................... ... ....... ....... ... .......... ........ .:.. ... ::.. .:.....::. ..:.....::..:.. 
:: 


 }
 
. @I Gaswerk, Entwässerungsanlage i
 


H H

 . 
:'.: und Schlachthof :
: 

j
 
ft 
. . . . .. 

::

 der Stadtgemeinde Bromberg. H
 
. . .. 
.... . 
::
 ..:.
 
\
..::::.) (Nachtrag zur Denkschrift vom Jahre 1907.) (.::::.::.f 
,> .i.
 

 \.
 
\ : 
... . .. 
: ::... ... ... ..... ... ........ ..... ....... ..... ... ... ............. ... .... ........... ....... ............. ......... ......... ...... ....... ..: ..... 
....:.:................................... .... ..... .... ...... .........:......:........... ...... .... ........................ .............. .... \: ; 
........ .... 
.... 
.... 


Gaswerk und Entwässerungsanlage. 
Von Stadtbaurat H. Metzger. 


A. Gaswerk. 


S eit dem Bericht, den wir in der Denkschrift "Industrie und Gewerbe 
in Bromberg" im Jahre 1907 über das hiesige Gaswerk erstatteten, 
ist eine weitere wesentliche Erweiterung des \Verkes notwendig geworden. 
Die bisherige Entwickelung des 'Verkes seit 1860 bis 1910 zeigt 
die umstehende Abbildung 1. Im 
Iärz 1913 haben die städtischen 
Körperschaften weitere 559 000 
furk bewilligt, um die Ofen- und 
Reinigeranlage auf eine Tagesleistung von 50 000 cbm zu bringen. 
Während wir im Jahre 1907 noch berichten konnten, daß der Verbrauch 
an Koch- und Kraftgas 36,5 % der Gesamtproduktion betrug, ist diese 
Abgabe sehr schnell auf 50 % gestiegen. Am 1. April 1909 wurde daher 
ein Einheitspreis von 13 Pf. pro cbm eingeführt. Anfänglich. trat ein 
Stillstand in der Höhe der Gasabgabe ein, da viele Gasabnehmer den 
in den Sommermonaten fühlbaren Preisaufschlag von 11 auf ] 3 Pf. 
durch größere Sparsamkeit auszugleichen suchten. 


61
		

/neuere_bauwerke00062_0001.djvu

			Insgesamt ging der Privatverbrauch im ersten Jahre des Einheits- 
preises um 5,5 % zurück, was einer 1\Iindereinnahme von 10,5 0/0 
entsprach. Dieser Rückgang ist inzwischen ausgeglichen und die jähr- 
liche Gasabgabe auf rund 7 1tIillionen cbm gestiegen. Bereits im Winter 
1912/13 betrug die Tagesabgabe 29-30000 cbm. Die Steigerung der 
Produktion machte schon im Jahre 1908 die Errichtung einer An- 
lage zur Erzeugung von 'Vassergas notwendig; diese ist zur Her- 
stellung von Blaugas und ölkarburiertem Wassergas bestimmt und 
für eine Tageserzeugung von 10-12 000 cbm bemessen. Der Zusatz 
von Blaugas zum Steinkohlengas geschah bisher vorwiegend in den 
'Vintermonaten, jedoch nur insoweit, als es zur Unterstützung der 
unzureichenden Ofenanlage unbedingt notwendig war. Der jeweilige 
Zusatz von Blaugas 
schwankt zwischen 
10und 12°
der Stein- 
kohlengasmenge . 
Von der Herstellung 
von ölkarburiertem 
\Vassergas wurde mit 
Rücksicht auf die 
höheren Kosten bis- 
lang abgesehen. 
Für die nunmehr beschlossene Erweiterung der Ofen anlage ist das 
System der Vertikalöfen mit senkrecht stehenden Retorten gewählt 
worden. Die Vertikalstellung der Retorten ermöglicht ein bequemes 
Einfüllen der Kohlen und ein ebenso leichtes Herausnehmen des Kokses. 
Die Öfen werden in 36 Stunden zweimal geladen; darin liegt ihr 
wesentlichster Vorteil ; die jetzigen Öfen erfordern in 24 Stunden eine 
mindestens dreimalige Beschickung. Die Gasausbeute ist höher als bei 
den alten Öfen, die bei guter Kohle etwa auf 100 kg Kohle 31 cbnl 
Gas gebet?-, während bei Vertikal öfen mit £iner Ausbeute von 34 cbnl 
und mehr zu rechnen ist. Der anfallende Koks ist fest und gleicht 
in Härte und sonstiger Beschaffenheit gutem Hüttenkoks, was für 
den Koksabsatz in der Stadt insofern von größter Bedeutung ist, 
als die Besitzer von Zentralheizungsanlagen, wenn auch vielfach mit 
Unrecht, den Hüttenkoks bevorzugen. 
Beschlossen und in Ausführung begriffen ist die Aufstellung von 
dr<>i Vertikalöfen zu je 18 Retorten mit einer Gesamtleistung von 


. 


. 


1860 


Abbildung ,. 


Bauliche Entwickelung des Werkes. 


62 


,
		

/neuere_bauwerke00063_0001.djvu

			22 500 cbm. Die Ofenanlage reicht alsdann einschließlich des Wasser- 
gaszusatzes zur Erzeugung einerTagesmenge von 50000 cbm aus. Dieser 
L
istung entsprechen die übrigen Einrichtungen des 'Verkes mit Aus- 
schluß der Reinigeranlage, die nach dem Beschlusse der städtischen 
Körperschaften ebenfalls noch im Laufe dieses Jahres erweitert werden 
soll. Die in unserem Bericht vom Jahre 1907 ausgesprochene Erwartung, 
daß die im Jahre 1904: erbaut<> Reinigeranlage durch einen einfachen 
Umbau auf die doppelte Leistungsfähigkeit gebracht werden könne, 
hat sich nicht voll bestätigt. 'Venn auch die Leistungsfähigkeit durch 


" 


J. 


. 


JI 


. .. 


" J 


I .Ir_ 
r]l \ nl1l] i , _ -.4 
ftl, a } \

U .:
.
, 
. 
 '-11 tJ11 r!r!-I.L
 i 
,I -- -\- 
 
- - 
...... I 

 "- 


, "\1 


.
' 
 
I I I 
._


II 
"I 
 .s.

. 
. I 
. ---- .. 
 


.. . 
, . 


'. 


... 



...po. 
, . \ - 


.,; 4 
, 
ii, 


r- 


-- 


\

 
-,
- 
....... 


'<
 
- 
"..::- 
- :-" --;;: 
-... 


j 
t 


Rr 



- 


Abbildung 2. Das Verwaltungsgebäude 'Vom Eingang gesehen. 


den Umbau wesentlich gesteigert werden konnte, so hat doch das Gemisch 
von Steinkohlengas und Blaugas einen bedeutend höheren Schwefel- 
gehalt und erfordert demzufolge größere Reinigerflächen. Es ist geplant, 
eine neue Reinigeranlage, bestehend aus vier Reinigern von je 49,5 qm 
Grundfläche aufzustellen, Diese Anlage soll abweichend von der 
bisherigen Bauweise im Freien aufgestellt werden, so daß nur die Trans- 
porteinrichtung zur Bewegung der Reinigtirdeckel ein Schutzdach 
erhält Da das Gas warm in die Reiniger gelangt, und di{' Verschluß- 
tassen ohnehin mit Dampfheizung versehen sind, erscheint die Auf- 


63
		

/neuere_bauwerke00064_0001.djvu

			stellung im Freien ebenso unbedenklich, wie die Errichtung freistehender 
Gasbehälter, die sich bei dem hiesigen Klima durchaus bewährt hat. 
Der Bau des Ofpnhauses und der Reinigeranlage erfordert auch eine 
entsprechende Erweiterung der vorhandenen Transporteinrichtung. 
Insbesondere ist der Bau einer größeren Koksaufbereitungsanlage 
geplant und von den städtischen Körperschaften bereits genehmigt. 
Der glühende Koks fäll1 nach Öffnung der Retorten selbsttätig in eine 




- .
 
, 

..;..r
 
_. _ - 
 " - 
: 
(iI ,"1 

:.....
 
.. 
 .,.. # .... ,.,. 
.r'. 
 ' 
 - .. 
-" ! " .;, 
" 
 ,., "'" 1"-="" 0( 



 



 
.:::- 


- 
-, .- 


-,' 


"-::-...
 ..:\ -' '-:-; } ' .;
: .- Ir
 
· "'
"l 
\, 
-
 ' --. - -....... 
." 


X,' 



, 


Ii 


rh_ 


Abbildung 3. Kohlenkahn an der Ausladeslelle. 


Brouwer-Rinne und wird hier abgelöscht. Aus der Rinne gelangt der 
Koks in die außerhalb des Ofpns aufgestellte, zum Teil schon im Jahre 
1911 beschaffte Koksseparation, um hier nach Bedarf gesiebt oder 
gebrochen zu werden. Der aufbereitete Koks wird durch einen selbst- 
tätigen Schrägaufzug nach einem Sammelbehälter gefördert und aus 
diesem entweder direkt zum Verkauf in die untergestellten 'Vagen 
gelassen, oder in Kippwagen auf einer -Förderbrücke auf den Kokshaufen 
verteilt und entladen. 


- 


64
		

/neuere_bauwerke00065_0001.djvu

			\Veitere Einrichtungen, wie der Bau eines Laboratorium
, einer 
Fuhrwerkswage, einer Separation für Schlacke und einer Reparatur- 
werkstatt interessieren in ihren Einzelheiten hier nicht. 
Schließlich sei noch bemerkt, daß im Jahre 1911 ein aus zwölf 
Zellen bestehendes Brausebad, so\vie einige \Yannenbäder eingerichtet 
und den Beamten und Arbeitern des 'Yerkes zur Benutzung Übergeben 
werden konnten, schon vorher wurde ein neu es Verwaltungsgebäude 
gebaut, Abbildung 2. . 


-
 
. -I 
., 
I , ¥ v. : I ' \ - ':..- -.\ ::'
- 

 


. I" 
I 4 ..-' 
!, I - . . 


. 

 
" 
" 
 .,' 
..... ..' - 
-.\ " . p 
......... \. ' '! - '- 
, 
-
. 
 

 
-_.....:-- 
., .' 

-- 
--....- 
 


'_ //T
 
 ;>	
			

/neuere_bauwerke00066_0001.djvu

			nur sämtliche Leitungen kostenfrei, sondern auch Beleuchtungskörper 
Kocher, Plätteinrichtungen und dergleichen. Die durchschnittliche 
Aufwendung pro Haushaltung beträgt einschließlich Lieferung des 
Gasmessers 126 l\Iark, Zur Deckung dieser Ausgaben wird das Gas 
der Automatenanlagen mit 15 Pf, pro cbm, also mit einem Zuschlag 
von 2 Pf. pro cbnl berechnet. Die bisherige Bruttoeinnahme betrug 



 
 


"" - - r/: 


-:;1. 


-_ I 


- 


v" 


, 



'. ..t. 


... 


I t .! 

 I

 
.-. t 
t4 

 ". 


.. 


f"io... ,. 
,.,... 


. i 
-- 


1_' 


" 
.. 

 
\'.. "( 
,:.. , 
,- . 
------ 


-. ---------- 
-------- 


I. 
j 
'.
 
4. j 

I '. 

4 
. I

 
>
 
, 

 


:t
 -- 
'l' ,-: 
 
.
 .g
; \ . _ _' 
 u . 
.' ',
' .. HI-- 
.. 
"1.1 1 ,,1' . 
't
. 


- '
 


m 


,;;; 
, 



.. 
I .\ 


. ,'1,4 


I' .J 
'd 



 
I 

l 


.;-.. +. 
 .-_... . 

 ., '. 



'h"
 
,.. -: 
.4' J' .
. J'f - t: 

 
. 7-,
!,;:



.G
..' I
" .
. 
 I .:__ 

 

'
. 

 !f
i
 '; .... 
g':.L.
 .. 4.p 
,- .-.j.
';'-
""" -:rio'.. "
"
..J '1-.- -. 
(
:-=-:;_....... 
. .
: .
...:....x... 
!f--' . - ... - 
 




.,

 
:. . ? . 

... 


'- 
..... 
::."'- 
. 


Abbildung 5. Becherwerk und Kohlenbehälter am Ofenhaus 


rund 22 % des Anlagekapitals, während der Gasverbrauch aller bisher 
ausgeführten Anlagen etwa 155000 cbm im Jahr beträgt. 
Die durchschnittliche monatliche Einnahme beträgt pro Haushaltung 
rund 2,50 3Iark, doch ist schon jetzt vorauszusehen, daß nach längerer 
Einführungszeit die Einnahme auf 3,00 :i\Iark steigen wird. Der 
Iehr- 
preis von 2 Pf. pro cbm deckt nicht voll die Unkosten für die Verzinsung, 


66
		

/neuere_bauwerke00067_0001.djvu

			Tilgung und Unterhaltung der installierten Anlagen, immerhin ergibt 
sich unter Zugrundelegung der Selbstkosten für die Gasbereitung ein 
Gewinn. Die Ausführung von Automatenanlagen ist aber von sozialer 
Bedeutung, da sie bestimmungsgemäß nur in solchen Häusern ausgeführt 
werden, deren Besitzer die Kosten der Anlage nicht aufbringen wollen 
oder können, Die Einrichtung kommt demnach nur der weniger 
bemittelten Bevölkerung zugute, die sich dadurch manche Annehmlich- 
keit schaffen kann. Schließlich ist die Herstellung automatischer Anlagen 
ein vorzügliches l\Ettel, der immer fühlbarer werdenden Konkurrenz 
des elektrischen Lichtes zu begegnen und Ersatz für diejenigen Gas- 
abnehmer zu schaffen, die in immer stärkerem 
Iaße zur elektrischen 
Beleuchtung übergehen. Aus der aus Anlaß des 50jährigen Bestehens 
des Gaswerks herausgegebenen Festschrift geben wir vorstehend noch 
die Abbildungen 3 bis 5. 


B. Entwässerungsanlage. 


1. Vorreinigung. 
In der Denkschrift vom Jahre 1907 haben wir bereits darauf 
hingewiesen, daß die Absicht bestehe, sämtliche Abwässer in einer 
Feinsiebanlage von 1,5 mm l\'Iaschenweite vorzureinigen und sie, nach 
Durchlauf eines Sandfanges zum Zwecke der Berieselung kostenfrei 
an dip Bromberger Schleppschiffahrt-Aktien-Gesellschaft abzugeben. 
Diese Anlagen sind inzwischen ausgeführt worden; das Rieselfeld konnte 
bereits im Sommer 1908 zum Teil in Benutzung genommen werden. 
Bisher sind im ganzen 800 Morgen aptiert und zum weitaus größten 
Teile auch drainiert worden. Die Rieselfläche wird auf Jahre hinaus 
zur Unterbringung aller städtischen Abwässer ausreichen. Da der 
Rieseiboden aus sterilem Sande besteht, und die Bildung einer hinreichend 
starken Humusschicht einige Jahre erfordert, konnten nennenswerte 
landwirtschaftliche Erfolge jedoch bisher nicht erzielt werden. 
Die Feinsiebanlage, deren Einrichtung aus den Abbildungen 
6 und 7 zu ersehen ist, wurde im Jahre 1909 fertiggestellt. Sie 
wurde mit Sieben von 2 mm Lochweite ausgestattet, weil engere Siebe 
wegen des Rieseibetriebes nicht notwendig waren. Auf Wunsch der 
Rieselgutverwaltung werden die feinen Siebe für gewöhnlich aus- 
geschaltet und nur eine mit groben Sieben versehene Trommel ver- 


5. 


67
		

/neuere_bauwerke00068_0001.djvu

			wendet, um dem Rieselboden die durchaus erwünschte erhöhte Zufuhr 
von Dungstoffen zu geben. 
Vorübergehend bestand die Absicht, die Abwässer nach der 
Ahsiebung der RÜckstände der 10 km ent.fernten 'Veichsel zuzuführen, 
Seitens der 
trombauverwa1tung wurden jedoch mit der Einleitung 
so erschwerende Bedingungen verknüpft, daß die sichere Durchführung 
des beabsichtigten Betriebes fraglich erschien, Die Stadt hat es daher 


"I 


"'- 


... 


..... 



 
, 



 


... 


;.. 
. 


- 



. 


n 


--- 


... - 


- 


- 


-' 


. 


.e' 


. 



 


..... 


-1..- 

 
" 


., 


1 


", 



 



 
t 


'\: 


.. 
" 


" / 
'\, 
" ' 
. 
, 


Abbildung 6. Feinsiebanlage. 


mit Freuden begrüßt, als sich die Gelegenheit bot, mit der vorgenannten 
Aktiengesellschaft ein Abkommen zu treffen, wonach die Stadtgemeinde 
ihre sämtlichen Abwässer für die Dauer von 20 Jahren kostenfrei auf 
die Felder drückt; die Stadt hat außerdem die nötigen RieselwärteI' zur 
Verteilung des 'Yassers zu stellen, im übrigen aber mit dem landwirt- 
schaftlichen Betriebe nichts zu tun. Die Berieselung selbst erfordert 
nicht unbedingt eine intensive Vorreinigung, um so weniger als auf 


t8
		

/neuere_bauwerke00069_0001.djvu

			den Rieselfeldern reichlich ben1e:s:sene und vorzÜglich wirkende Ent- 
schlalnnlungsbecken angelegt worden sind. Trotzdem ist die Siebanlage 
ausgeführt worden, weil die Entfernung der gröberen Schwimm- und 
Sinkstoffe zu gewissen Zeiten die Bewirtschaftung erleichtert und 
besonders in1 Sommer große Vorteile bietet. 
Die Abwässer müs:sen mittels einer Pumpanlage nach den1 
35 n1 höher liegenden Rieselfelde gefördert werden; auch 1m 


, 


.. 
J 


,. 


.. 


. 


,.1 1, 


, t w,'... ..... 
---... 




 
-- 
 
-. 


- 


. .. 


- 


-. 


1. 


.. 
-
 
- .,. . 


... 

 


, 
, " 




 ,


 
" 
 -..... 
" 
"... 
... 
,,,- 


. 
 

, 


. 


. 


Abbildung 7. Feinsiebanlage. 


Interesse der Reinhaltung der Punlpen war somit eine gewisse 
Vorreinigung geboten. Da die Sohle des Sammelkanals, der sämt- 
liche Abwässer der Stadt nach einem Punkte zusanlnlenführt, etwa 
5 nl unter dem Gelände der Pnn1pstation liegt, konnte nur eine 
Vorreinigung in Frage kommen, die geringen Gefällsverlust bean- 
spruchte und mit den wesentlichsten Konstruktionsteilen über der 
Kanalsohle lag. 


69
		

/neuere_bauwerke00070_0001.djvu

			Der Sammelkanal besitzt keinen Notauslaß ; eine Umleitung der 
Abwässer ist daher nicht möglich. Da trotz des in Bromberg durch- 
geführten Trennungssystems eine Verstärkung des Zuflusses durch 
unerlaubt zugeführtes Regenwasser stattfindet, mußte für ausreichende 
Reserve gesorgt werden; dadurch hat die Anlage eine Ausdehnung 
erhalten, die an anderen Orten in gleichem J\tlaße nicht notwendig sein 
wird. 
Aus dem Sammelkanal fließen die Abwässer zunächst in eine mit 
drei Ausläufen versehen
 Verteilungsgalerie. Vor zwei Ausläufen sind 
je zwei Siebtrommeln derart paarweise angeordnet, daß das Abwasser 
in die untere Innenseite der Trommel fließt. Durch verstellbare 
Schützen kann das gesamte Abwasser durch eine Trommel geleitet 
oder über zwei, drei und mehr verteilt werden. 
Jede Trommel hat 2,5 m Durchmesser und 0,60 m Breite und ruht 
mit einem glatten Ringe auf vier Laufrollen. Die Umdrehung der 
Trommel geschieht durch vierpferdige Elektromotore, deren Drehung 
auf einen an der Trommel angebrachten Zahnradkranz übertragen 
wird. Die äußere :M:antelfläche der Trommel bildet ein Siebblech von 
2 mm weiter Lochung. Auf der inneren TroIDmelwand sind Mitnehmer- 
bleche angebracht, so daß im Innern zwölf Kasten gebildet werden, 
deren Boden das Siebblech bildet. Die vom Abwasser mitgeführten 
Rückstände bleiben zunächst in den Kästen liegen; infolge der Drehung 
der Trommel gelangen immer neue gereinigte Siebflächen unter die 
Zuflußrinne, so daß die Leistungsfähigkeit der Trommel stets die gleiche 
ist und das Abwasser niemals mit alten Rückständen in Berührung 
kommt. An der oberen Seite der Trommel ist ein Sammeltrichter 
angebracht, in den die gröberen Rückstände in folge ihrer Schwere 
fallen, während die feineren Stoffe durch eine außen angebrachte, 
pendelnde Druckluftdüse in den Trichter geblasen werden. Die 50 mn1 
lange und nur 0,3 mrn weite Düse reinigt die Bleche vollständig. Die 
Rückstände fallen in eine Schüttelrinne und wandern in dieser zum 
Sammelgefäß, dessen Entleerung pneumatisch erfolgt. 
Zur Bewegung der Druckluftdüse dient ein kleiner % pferdiger 
Elektromotor. Die Druckluft von 1,8 bis 2 Atm. Spannung wird in einem 
in der Pumpstation aufgestellten Kompresser erzeugt. Das gesiebte 
Wasser passiert, bevor es in den Pumpenschacht gelangt, zunächst 
einen Sandfang, der mit der vorhandenen Einrichtung ebenfalls pneu- 
matisch entleert werden kann. 


70
		

/neuere_bauwerke00071_0001.djvu

			Die gesamte maschinelle Anlage mit Ausschluß der pneumatischen 
Absaugevorrichtung ist von der Bromberger l\Iaschinenbauanstalt 
PrinzenthaI für den Pauschalpreis von 31 000 l\Iark geliefert worden. 
Die Anlage ist so eingerichtet, daß sie mit sechs Trommeln versehen 
werden kann. Sie genügt alsdann für eine Tagesleistung von rund 
26 000 cbm Abwasser. 
Für Siebscheiben und ähnliche Einrichtungen wurden bisher fast 
ausnahmslos Bleche mit schlitzförmigen Öffnungen oder Gittern ver- 
wendet, während die Bromberger Trommelsiebe runde Sieblöcher 
haben. Dadurch werden tatsächlich alle Stoffe von mehr als 2 mm 
Umfang zurückgehalten, während dies bei Schlitzöffnungen keineswegs 
der Fall ist. Bei einer durchschnittlichen Abflußmenge von 5000 cbm 
pro Tag fallen nach Einschaltung der Feinsiebe täglich 5 cbm Rück- 
stände ab; bei Einschaltung des groben Siebes verringert sich diese 
l\Ienge auf 1 cbm. 


2. Die Rieselfeldanlage. 
Die Rieselfelder sind auf einem hochgelegenen Gelände am süd- 
lichen Ufer der Brahe angelegt; sie beginnen etwa 3,0 km vom 'Veich- 
bilde der Stadt entfernt. Die Abwässer werden durch ein Druckrohr 
zugeführt, das im Zuge der Chaussee Bromberg-Fordon verlegt ist 
und bei der Ortschaft Groß Bartelsee mittels eines Dückers die Brahe 
durchkreuzt und dann auf die Höhe geführt wird, die ca. 35 m höher 
als die Pumpstation, Abbildung 8, liegt. Die Rieselfeldanlage umfaßt 
einen Teil der Güter Schönhagen und Brahnau und nin1mt auf jeden1 
etwa 400 l\Iorgen Fläche ein. Für die Aptierung des von Natur ziemlich 
stark coupierten Geländes waren folgende Gesichtspunkte maßgebend: 
Das Druckrohr durchzieht beide Rieselgüter derart, daß es übf'rall 
ziemlich in der l\Iitte der Rieselflächen liegt. Aus denl Druckrohr 
führen in Schönhagen und in Brahnau je zwei Abzweige in die Ent- 
schlammungsanlagen, Diese bestehen aus großen Flachbecken, die von 
reichlich groß bemessenen Schlammtrockenplätzen umgeben sind. 
Für gewöhnlich ist der Betrieb derartig gedacht, daß die Abwässer 
zunächst die Entschlammungsanlagen durchlaufen. Das abfließende 
entschlammte 'VasseI' fließt sodann in offenen Gräben nach den ein- 
zelnen Rieselstücken. Der Lauf des 'Vassers kann durch Holzschützen 
nach Belieben geregelt werden. Zu jeder Entschlan1mungsanlage gehört 


71
		

/neuere_bauwerke00072_0001.djvu

			ein Systenl von Rieselstückell, das tiefer liegt als der Ablauf aus den 
Ent3chlamlllungs becken. 
Diese Einrichtung, die auf 'Yunsch der Brolnberger Schlepp- 
schiffahrt-Aktiengesellschaft getroffen wurde, bedingte eine sehr sorg- 
fältige Aptierung nlit zunl Teil recht erheblichen Terrainänderungen. 
Es ist jedoch Yorsorge getroffen worden, daß das Abwas:ser auch ohne 
Entschlammung in die Yerteilungsgräben gelangen und den einzelnen 
Rieselstücken zugeführt werden kann. 


- 

-:: :: 
"L.- : --=:;;-
 
, 
 .
 
:k-- ---
. . -....: 
-- ------- 

-- - 


. 


r 


, 
 
.- -. 


. = 


, , 
4 . 
" 


.-- 


-- 



 - 
.- 
 -. 
.. .s.
. 


.. 
. 
. 
....... 


- 
... .-,._ . . _ ,a....... L. 
'
.oI 
'I 
 
-i
 


 +. . .
..... t .--.. -
: '..?-
 
..... 
 --o-
 ._
-- 
_c 
. 

 _ - .J . 
.... ".
""':;Jt'_
":II_ 

 '. "
--'- .:" ._

 
-,...
 _' _-4.II'....t.
..:::::..I_ _.;
 
_ 
 ... - .......... __ - - . -:"'J.
 - 
 . - I 


.r 
., 


, 
\ " -
,. 
I 


t: - -.0::..... 
 
.... 
... - .... - 
"'"' -:: 


- -
 
':. - 


- 


.-.
- 


...-' 


Abbildung 8. Siebanlage und Kanalwasserhebewerk. 


Auf dem Rieselgut Schönhagen haben die Rieselstücke eine Größe 
von 1-4 )Iorgen. Die einzelnf'n Abschnitte sind hier größer, als es auf 
Rieselfeldern sonst der Fall ist, Die Einrichtung der großen Felder 
wurde 'aber zur Erleichterung des landwirtschaftlichen BetriebEs 
gewählt, Auf dem später ausgeführten Rieselfeld Brahnßu haben 
die Rieselstücke eine Größe von 3/
 bis 1 :\Iorgen erhalten, sie konnten 
daher besser der vorhandenen Terrainbildung angepaßt werden; 
die Aptierung auf dem Gute Brahnau gestaltete sich infolgede:ssen 
einfacher als in Schönhagen. 
Das Rieselfeld Schönhagen ist in seinem ganzen Umfange drainiert. 
Die einzelnen Rieselstücke erhielt(I! Drainleitungen in AbstärJ.aen von 


72
		

/neuere_bauwerke00073_0001.djvu

			8-12 m, die durch Sanlmeldrains mit einander verbunden sind und 
durch einen offenen Abflußgraben nach der Brahe abfließen. In 
Brahnau ist die Drainage wegen des durchlässigeren Bodens nur an 
solchen Stellen ausgeführt worden, wo sie unbedingt notwendig 
erschien. Das unterirdisch abgeleitete Drainwasser des Gutes Brahnau 
wird ebenfalls durch einen offenen Graben der Brahe zugeführt. 
Von besonderer 'Yichtigkeit war die genaue Beobachtung der 
Grundwasserverhältnisse auf dem Rieselgelände; es wurden sehr Rorg- 
fältige und umfangreiche Bohrungen ausgeführt, die ein übersicht- 
liches und interessantes Bild der oft. recht komplizierten geologischen 
Verhältnisse ergaben. 
Die Kosten der gesanlten Entwässerungsanlage betragen für: 
1. Das Kanalnetz einschließlich der Y orreinigung 
und der Pumpstation .......,............. 
 089 700,00 )Iark 
2. Das Druckrohr nach den Rieselfeldern ...... 271 600,00 " 
3, Grunderwerb ......................,...... 27 000,00 " 
4:, Aptierung und Drainage............,...... .317 4:00,00 " 
5. Schlamnlbecken und Verschiedenes ....,.. .. 166 tiOO,OO " 
:3 072 300,00 3Iark 
Da die Anlage z. Zt. für ca. 1>0 000 Einwohner ausreicht, entfallen 
auf den Kopf 51,20 
\Iark Anlagekosten, davon sind 11,85 :\Iark auf 
die Anlage der Rieselfelder zu rechnen. 
Die Ausgaben für die Ableitung der Ab,vässer und ihre Reinigung 
betragen pro Kopf und Jahr einschließlich Zinsen und )"mortisation 
1,84: .lUark oder 6,9 Pf, pro cbnl, die Kosten des RieseIbetriebes allein 
betragen, ebenfalls einschließlich Zinsen und Amortisation gerechnet, 
pro Kopf und Jahr 62 Pf. oder pro cbln 2,3 Pf. 


E:><::
;:
[!;


D::>""'b 


73
		

/neuere_bauwerke00074_0001.djvu

			Die Erweiterung des Schlachthofes. 


Von Stadtbaurat Dr.-Ing. Mählmann. 


f) ie im Jahre 1890 erbaute Kühlhalle erwies sich bald nach ihrer 
Inbetriebnahme als zu klein und mußte durch Aufsetzen eines 
zweiten Geschosses erweitert werden. Sie enthielt danach 78 Zellen 
von verschiedener Größe, von denen drei große Doppelzellen dauernd 
an die Garnisonverwaltung vergeben wurden. Auch nach dieser Erwei- 
terung reichte sie nicht aus. Bromberg zählte einschließlich der Vororte 
im Jahre 1912 über 200 selbständige Fleischer, von denen 1911 bereits 
195 an der Benutzung der Zellen interessiert waren, Infolgedessen 
beschloß die Stadtverordnetenversammlung am 27. Juni 1912, durch 
einen vollständigen Kühlhausneubau die stetig wachsenden Bedürfnisse 
der aufblühenden Stadt ausreichend zu befriedigen. 
Die neue KüWhalle sollte an der Nordseite den beiden Schlacht- 
hallen vorgelagert und durch eine überdeckte 15 m breite Durchfahrt 
mit diesen verbunden werden. Sie sollte enthalten: eine Vorkühlhalle, 
zugleich als Vorraum zur eigentlichen Kühlhalle und eine Pökelhalle, 
die ebenfalls von der Vorkühlhalle aus zugänglich ist. 
DerVorkühlraum des Kühlhauses liegt demnach gegenüber der Front 
der ScWachthallen und erstreckt sich in der ganzen Längsausdehnung 
des Kühlhauses. In ihm bleiben die geschlachteten Tiere in Hälften 
bis zum völligen Auskühlen und Ausbluten frei hängen und gelangen 
erst dann in dip eigentliche Kühlhalle. Da ein Teil des Fleisches in der 
Vorkühlhalle bleiben kann, bis es von den Fleischern nach ihren Ver- 
kaufsstätten abgeholt wird, so tritt damit eine erhebliche Entlastung 
der KüWhalle selbst ein. Außerdem dient der Vorkühlraum als Vorraum 
für die Kühlhalle und schützt diese vor Kälteverlusten. Die Kühlhalle 
enthält 186 Fleischzellen von 2-7 qm Größe, außerdem ist Raum 
vorgesehen für eine weitere Vermehrung der Zellen. Sie ist bei Tage 
durch Lichtschächte und Seitenlicht, des Abends durch elektrisches 
Licht beleuchtet. 
Die erheblich vergrößerten Kühlräume bedingten zugleich einen 
größeren Kältebedarf und dementsprechend eine neue 
Iaschinen- 


74
		

/neuere_bauwerke00075_0001.djvu

			.. 


anlage. Während die vorhandene )Iaschine für einen Kältebedarf 
von 50000 Kalorien in der Stunde eine Leistung von 40 P. S. hatte, 
wurde für die jetzt erforderliche Kälteleistung von 220000 Kalorien 
einschließlich des sonstigen Kältebedarfs eine )Iaschine von 165 P. S. 
notwendig. Aus wirtschaftlichen Gründen soll die alte ::\Iaschine 
daneben nur noch als Reserve beibehalten werden. Für die neuen 
Maschinen wurde zugleich die Erbauung eines neuen l\Iaschinenhauses 
und außerdem die Vergrößerung des vorhandenen Kesselhauses 
erforderlich. 
Das alte Kühlhaus soll mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage 
seiner bisherigen Benutzung entzogen werden. Seine Räume finden 
weitere Verwendung durch die Unterbringung der Eisfabrik, sowie 
durch einen Kühlraum für 'Vild und Geflügel und im Obergeschoß 
für Pferdefleisch. Außerdem soll ein Kühlraum für l\Iilch vorgesehen 
werden. 
Die Eismenge, die mit der geplanten Einrichtung an 200 Arbeits- 
tagen erzeugt werden kann, beträgt rund 20000 Zentner und kann bis 
auf 40000 Zentner vergrößert werden. Die gesamte Grundfläche des 
neuen Kühlhauses beträgt 184:3,87 qm. Von diesen entfallen auf den 
Vorkühlraum 457,06 qm, auf die große Kühlhalle 985,66 qm und 208 qm 
auf den Pökelraum. Die Räume liegen sämtlich ebenerdig. Zur 
Erleichterung des Fleischtransportes ist eine Hängebahn eingebaut. 
Die Gesamtkosten für diesen Umbau betragen 523 000 )Iark. 
Der Neubau des Kühlhauses vor der Nordseite der Schlachthalle 
machte auch einen Umbau der Schlachthallen erforderlich. Die bis- 
herige Anordnung der Räume in der 
chweineschlachthalle ließ eine 
Erweiterung des Betriebes nicht zu und erschwerte die Keuorientierung 
des Schlachtbetriebes in der Richtung auf die neue Kühlhalle. Außer- 
dem war zu befürchten, daß durch die \Yagen in der neu erbauten 
Durchfahrt der Verkehr der Kaldaunenwagen aus den Schlachthallen 
nach der alten Kaldaunenwäsche behindert würde. 
Infolgedessen beschloß die Stadtverordnetenversammlung am 
3. April 1913 den Anbau seitlicher, erhöhter Tötebuchten mit 'Varte- 
buchten für Schweine an die Ostseite der Schweineschlachthalle, sowie 
den Anbau neuer Kaldaunenwäschen an die Schlachthallen auf der 
Hofseite mit einem dazwischenliegenden gemeinsanlen neuen Dunghause. 
Der südliche Teil der bisherigen Kaldaunenwäsche soll zum Schweine- 
stall umgebaut und zugleich durch den Anbau eines Kadaververwertungs- 


75 .
		

/neuere_bauwerke00076_0001.djvu

			ofens an seine Ostseite erweitert werden, Zugleich mit diesem Umbau 
der Schlachthalle wurdf' die gänzliche ...\Iodernisierung der Aufhänge- 
vorrichtung für Schweine in der Schweineschlachthalle beschlossen. 
"Bei der bisherigen Anordnung der Schlachträume erfolgte der 
Schlachtbetrieb in der Längsrichtung der Halle. Das neue Projekt 
sieht eine Neuorientierung vor, von den erhöhten Tötebuchten an der 
einen Längsseite aus quer zur Längsrichtung der Halle, zu der Trans- 
portbahn auf der entgegengesetzten Längsseite und weiter zu den 
Kaldaunenwäschen. 
Auf diese 'Yeise ist der Betrieb unI das Doppelte vergrößert und 
in organischen Zusammenhang gebracht mit dem Neubau der Kühlhalle. 
An Baukosten für die zuletzt auszuführenden Bauten sind 
110 000 
Iark bewilligt worden. 
Der Bau der Kühlhalle ist vollendet und wird mit den übrigen 
Bauten noch in diesenI SonImer in Betrieb genommen .werden. 


.' ........................... '" ........ 
. .. .. .. . 
Ü(::::;\'?:,::"/
')\'r;::
::)Ü 
..... t....J f K..r'" 
'.' 


76
		

/neuere_bauwerke00077_0001.djvu

			. 



 


. 


. 


.. 
v 


:-: . .............. .... ................................. ... ......... ................. ............... ........................................ ......... ..... :-: 
-: .......................... .............................. ................ ..... .......................... ................................... ... ... ..... . 
:\
f=::
::'=:
:'}:::::':::::'}:::::'=::::'}:::::':::::: =:::::.=::::',::::::=:::::=:::::=:::::=::::::::::'.=.:::::.=::::'.=:::::.=::::'.=:::::.=::::'.=:::::.=::::".= :::::.=:::::=:::::.=::::..=:::::=:::::=.::
::=t
f 
{
} H

 · 



 Zur Geschichte des Netzedistrikts 



 


 
 :.
 
t

 und des Bromberger Kanals. H
i 



 
 
::; 
E Aus einem Vortrage, : E 

::

 gehalten im Bromberger Architekten- und Ingenieurverein i
:::;. 
\::


 von Reg::U::te
n
9


:at Sckerl. 
;D::
j 
..... :.. .............................................. ............... ................ ................. .......... ... .................. .....: ..... 
. .. .. . 
....:/ ................................................ ......... ......:::.:.:
::....... ........................................................ ':..:..: 
.... 


77
		

/neuere_bauwerke00078_0001.djvu

			W ir haben vor wenigen \Vochen den 200 jährig
n Geburtstag 
Friedrichs des Großen gefeiert und werden noch im Laufe dieses 
Jahres den 14:0 jährigen Gedenktag der Erwerbung \Vestpreußens und 
des Netzedistrikts durch den König festlich begehen. 
Diesf' Gedenktage geben von allen Architekten- und Ingenieur- 
vereinen der Ostmark dem unsrigen besonderen Anlaß, den l\lanen des 
großen Königs zu huldigen. Verdankt doch ihm unsere engere Heimat 
ihre Angliederung an Preußen und ihre aufsteigende kulturelle Ent- 
wickelung und Blüte. Stand doch unsere Heimatstadt vor 14:0 Jahren 
durch den König aus Schutt und Asche wieder auf und wurde l\'littel- 
punkt reichen wirtschaftlichen Lebens und Durchgangs- und Anschluß- 
punkt neuer wichtiger 'Vasserverbindungen, deren weitere Ausbildung 
sich bis in die neueste Zeit hinzieht. Deshalb glaubten auch wir Brom- 
berger unsere heutige Vereinsarbeit d
durch krönen zu sollen, daß 
wir dem größten Hohenzollern, dem Genie auf dem Throne, eine Stunde 
patriotischer Erhebung in dankbarem Gedenken seiner Wohltaten 
widmen und hiernlit einer Ehrenpflicht nachkommen. 1\Iögen, wenn 
ich mich unterfange, Ihnen eine Skizze seiner alles überragenden 
Persönlichkeit und eines Teiles seiner Lebensarbeit zu geben, allp 
gut.en Geister, Vaterlandsliebe) Königstreue, Pietät und Ehrfurcht so 
recht unsere Herzen erfüllen und mithelfen, meine Ausführungen, die 
doch nur ein Stückwerk sein können, voll zu beleben, sie zu weihen. 
(Folgt eine 
childerung der Persönlichkeit des großen Königs und 
seiner Tätigkeit als Organisator und Leiter ansiedlerischer, landwirt- 
schaftlicher und meliorationstechnischer 
\rbeiten.) 
Ich komme jetzt zur Erwerbung \Vestpreußens nebst dem Netze- 
distrikt, damals Landstriche von geringem Kulturzustand, dessen 
Hebung ebenfalls 3Ieliorations- und Kolonisationsaufgaben überhaupt 
Kulturaufgaben großen Stiles prachten, die den König bis zu seinem 
Tode in Anspruch nahmen. Diese friedliche ohne Krieg und Sieg der 
Waffen erfolgte Besitzergreifung verdankte Friedrich bekanntlich 
seinem großen diplomatischen Geschick. Es bedurfte zudem des ganzen 
Scharfsinns juristisch geschulter Diplomaten, um für diese Okkupation 
verjährte Rechte geltend zu machen. Sie erschien aber als das einzige 
}Iittel, einem allgemeinen Krieg vorzubeugen, denn der Fr i e d e 
ist, wie Friedrich sagte, das Z i e I, w e Ich e sei n e j e d e 
Pol i t i k z u e I' s t I' e ben hat, er, der König, sei nur ein 
schwaches Instrument, um an diesem heilsamen Werk mit zu helfen. 


78 


,
		

/neuere_bauwerke00079_0001.djvu

			Der König hatte sich mit Österreich wieder versöhnt und dadurch 
dip Pläne Katharinas II. gekreuzt, die Polen dem russischen Reiche 
allein einzuverleiben strebte. Da sie nun aber einen Bündnisabschluß 
zwischen Preußen und Österreich befürchtete, ließ sie beide Reiche 
an der Gebietsverkleinerung Polens teilnehmen, die Preußen 1772 
nach dem Teilungsvertrage 'Vestpreußen und den Netzedistrikt mit 
Bromberg brachte. 
Bromberg war von altersher eine DurchlaufsteIle für Floßhölzer, 
welche aus den von der Brahe durchflossenen weiten 'Valdungen kamen, 
und ein Ausfuhrhafen für kujawisches Getreide weichsehvärts. Von 
Süden her kam eine alte wichtige Handelsstraße, die über die Brahe 
nach Danzig führte. Reiche Tonlager gaben die Unterlage für blühende 
. 
Gewerbezweige. Die Stadt kam mit der Besiegung des deutschen 
Ritterordens (14:66) unter den Schutz der polnischen Könige und zu 
hoher Blüte. Sie zählte um 1600 zu den ersten Handelsstädten Polens. 
Im 17. Jahrhundert ging es mit Polen und der Stadt bergab, um ]700 
warfen Seuchen sie ganz danieder und als sie 1772 an Preußen fiel, 
zählte sie wenige hundert Einwohner und glich einem Schutthaufen. 
Da änderte sich aber alles mit einem l\Iale. Der König sorgte für den 
'Viederaufbau und das 'Viederaufblühen der Gewerbe, nahm die l\Iühlen 
in staatliche Verwaltung, legte Kalkbrennereien und eine Niederlage 
von Eisenguß- und Blechwaren (das spätere Kgl. Eisenmagazin) an, 
veranlaßte Versuche bezüglich der Seidenzucht usw. Seine größte 
Schöpfung war aber der Bau des Bromberger Kanals, des Bindegliedes 
zwischen Brahe und Netze bezw. \Veichsel und Oder und die Besie- 
delung des Netzebruchs. 
In früheren Jahrhunderten gravitierten die wasserverkehrlichen 
Beziehungen Brombergs ausschließlich nach der Brahe und 'Veichsel, 
namentlich nach den \Veichselstädten Danzig und Thorn. Nun bekam 
es mit der Angliederung an Preußen und mit dem sofort gebauten 
B rom bel' ger K an a I auf einmal Anschluß nach dem Westen 
und der Oder. Der Kanal war in arbeitsorganisatorischer, wirtschaft- 
licher und technischer - wohlverstanden für damalige Verhältnisse - 
Hinsicht eine l\feisterleistung, die neben der Bewältigung der hervor- 
ragenden )Ieliorations- und Kolonisierungswerke genügt hätte, dem 
König den Ruf eines ausgezeichneten Organisators der Arbeit und 
Verkehrstechnikers von weitem Blick zu sichern. Schon 1771 in V oraus- 
sicht des Kommenden hatte sich der König von seinem Kammer- 


79
		

/neuere_bauwerke00080_0001.djvu

			präsidenten Domhardt in Königsberg über dip Verhältnisse der zu 
okkupierenden Landstriche im geheimen berichten lassen. In der Kab.- 
Ordre vom 26. Februar 1772 heißt es: "Um mich wegen des Commerce 
von Danzig (das von der Erwerbung ausgeschlossen blieb) zu dedonl- 
magiren, bin ich gewillt, die 'Veichsel und Netze durch einen Kanal 
zu kombiniren, die Ketze räumen zu lassen und den Danziger Verkehr 
unbemerkt nach Elbing und Bronlberg zu ziehen." In einer weiteren 
Kab.-Ordre vom Februar 1772 gibt der König dem in der Neumark 
begüterten und mit polniscben Verhältnissen vertrauten Geh. Finanz- 
rat Franz Baltas3r Schönberg von Brenkenhoff, dem späteren Ver- 
waltungschef des Netzedistrikts 
\uftrag, mittels Kab.-Ordre vom 
Februar 1772: 
"Um über Pomerellen informirt zu sein, was solches, wenn es auf dem 
Fuß meiner Provinzen bewirthschaftet und behandelt wird, an jähr- 
lichen Revenus bringen und gewähren kann, zu berichten mit Ver- 
meidung alles eclats." 
Ferner ergeht mittels Kab.-Ordre vonl 7. )Iärz 1772 weiterer 
Auftrag wegen Ertrages des ganzen Striches von Polen diesseits an der 
Netze. 'Vieviel Starosteyen in PomerelIen al:::! auch in dem Strich an der 
Netze, ob Inhaber Preußen oder Polen sind. 
Unter dem Vorwande der Abwehr gegen die Seuchengefahr hatte 
Friedrich inzwischen die preußisch-polnische Grenze besetzen lassen. 
Dieser Grenzkordon stand unter dem Befehl des Generals von Belling. 
Der ihm beigegebene Landbaumeister J awein erkannte die l\Iöglich- 
keit, die Verbindung der Oder mit der 'Yeichsel durch einen Kanal 
herzustellen, der durch das sich zwischen Nakel und Bromberg 26 km 
lang erstreckende Bruch von der Ketze in die Brahe führen sollte. 
Jawein teilte seine Idee dem Geheimrat von Brenkenhoff mit. 
Dieser berichtet nun unterm 27. )Iärz 1772 aus Driesen: 
" . . . . desgleichen habe ich auch die Gnade, Ew. Kgl. l\Iajestät 
noch einen besonderen Plan: 
welchergestalt vorgedachte Konlbination der Netze mit der 
\Yeichsel vermittels eines zu ziehenden Kanals von der Gegend 
von :Rakel an in den Brahefluß bei Bromberg sehr füglich bewerk- 
stelligt werden könnte, 
allerunterthänigst zu überreichen und habe ich über dem noch 
einige offene Köpfe unter dem pretext: Saatgetreide und Vieh 
zu kaufen, nach Polen geschickt, insgeheinl sie aber instruirt, 


80
		

/neuere_bauwerke00081_0001.djvu

			sich von allen ihnen vorkommenden Umständen genau zu infor- 
Iniren und mir noch nähere Nachrichten zu verschaffen. 
. 
Ich ersterbe in der tiefsten Ehrfurcht und Treue. U 
Die dem König über den Netzedistrikt und Pomerellen erstatteten 
Rapporte enthalten das Nachstehende : 
Netzedistrikt: 
1. Verzeichniß der Städte und Flecken: Fietz, Schloppe, Friedland, 
Schelanke, Teutsch-Krone, Filehne, Schneidemühle, 'Vyssocka, 
Lobsenz, Nackel, 
Irotcz3, Schulitz, Pruniewo, Bromberg, Poln. 
Krone, Fordon, Krojanke, Flatow. 
2. 6 Starosteyen : Krone, Neuhof, Uscie, Nacke, Zielginewski, 
Bromberg, mit zusammen 20316 Thaler Revenuen. 
3. 35 000 Einwohner nach Belling. 
P 0 m e I' e 11 e n: Bericht aus Driesen den 27. )Iärz 1772. Brenken- 
hoff hält einen Überschlag über die Revenuen für unmöglich . . . 
"Ich glaube aber doch, daß, wenn das platte Land anstatt 
der bisherigen Kopf- und Brotgelder nach dem wirklichen Ertrage 
der Güter und einer desfalls vorzunehmenden Klassifikation auf 
die größte proportionirliche Kontribution gesetzt, die Starosteyen 
eingezogen, als Domänengüter bewirthschaftet und die EinkÜnfte 
dann sämtlich den landesherrlichen Kassen zugeschlagen, auch in 
die Städte die Akzisen introducirt würden, obgleich solchp vor 
der Hand bei der desolaten Verfassung der Städte nur wenig ein- 
bringen dürften: die Provinz Pomerellen und der Distrikt bis an 
die Netze mit Inbegriff der Danziger Pfahlgelder, Zoll-, Forst-, 
Salz- und Passrevenuen an landesherrlichen Revenuen wohl 
1 3Iillion Thaler einbringen möchten, wiewohl sich dies mit Zu- 
verlässigkeit bestimmen läßt als vielmehr durch eine reguläre 
Einrichtung und gute 'Virthschaft noch eine stärkere Revenue zu 
erwarten steht. 
. . . . . . .. Hauptvorteil, daß Eure Königliche l\Iajestät alsdann 
J vermittels des 'Veichselstromes entweder über Danzig oder auf der 
Verbindung der Netze mit der 'Veichsel das alleinige Commerce 
mit dem größten Teil von Polen dergestalt erhalten würden, daß . 
die Polen nicht allein necessitirt würden, ihre Landesprodukte: 
Getreide, Kohlen, Häute, Holz und dergleichen lediglich nach 
Seiner )Iajestät Staaten zu vertreiben, sondern ihren Bedarf an 
Fabrikwaren aus Seiner :Majestät frovinzen zu entnehmen, sowie 
6 


81
		

/neuere_bauwerke00082_0001.djvu

			sie auch ihren 'Vein und Gewürzwaren nicht anders als durch Seiner 
Majestät Staaten erhalten könnten, wodurch dann also nicht nur 
eine ganz außerordentlich importante Zollrevenue erfolgen müßte, 
sondern auch die sämtlichen Städte an der Oder eine vortreffliche 
Nahrung erhalten würden. 
. . . . . . . . .. Beide Ufer der Netze müßten aber sodann noth- 
wendig zu Euer Königlichen ::\lajestät Disposition sein, sonsten 
sowohl die Schiffbarmachung derselben als die 'Vegnehmung der 
l\-Iühlen unendlichen Schwierigkeiten unterworfen sein würde. 
Die Schiffbarmachung der Netze, welche ich ganz genau 
examiniret, halte ich für sehr leicht und a proportion der großen 
Vortheile Euer ::\Iajestät dadurch auf immer zuwachsen würden, 
nur mit wenigen Kosten verknüpft. Das Terrain, welches von 
Nakel bis vor Bromberg in die Brahe gegraben werden muß, und 
auf dem beigefügten Plan mit A et B bezeichnet ist, scheint schon 
von der Natur sehr dazu gemacht zu sein. 
Die Brahe, welche in Pommern entspring
 und durch die 
Tuchel 'sche Heide geht, kann sodann auch mit geringen Kosten 
schiff- und floßbar gemacht und dadurch nicht nur das Holz aus 
der großen Tuchel'schen Heide, die jetzt wenig oder garnicht zu 
Nutzen steht, mit Nutzen debitirt werden, sondern auch Hinter- 
pommern, welches bei gesegneten Jahren seine Produkte wegen 
der Entlegenheit der Flüsse nicht zu Geld zu machen weiß, 
dadurch einen guten und bequemen Absatz erhalten." 
Der König hat sich schnell für das Kanalprojekt erwärmt. In einer 
Kab.-Ordre heißt es: 
Potsdam, den 29. l\Iärz 1772. 
" . . . . . . .. nur soviel melden wollen, wie ich noch dieses Jahr 
mit Anlegung des Euch bewußten Kanals den Anfang zu machen 
intentionirt bin, Ihr also Euren vorläufigen Überschlag davon 
wohl machen und auch wie hoch solcher sich ungefähr belaufen 
dürfte, mir anzeigen könnt. Ich bin Euer gnädiger König." 
Nach dem von den drei 
Iächten abgeschlossenen Teilungsvertrag 
sollte Polen von seinen 13 400 Quadratmeilen auf 9057 Quadratmeilen 
gebracht werden. Dabei sollten auf Preußen der kleinste Teil: 630 
Quadratmeilen mit % )'iillion Einwohnern kommen. Die verbundenen 
drei Höfe drangen beim Polnischen Reiche mit Nachdruck auf die Ab- 
tretungen,- unterstützten ihre Ansprüche durch große Heere, das wirk- 


82
		

/neuere_bauwerke00083_0001.djvu

			samste l\Httel nicht nur damals, zwischen Völkern das Recht geltend 
zu machen, erließcn öffentliche Patente, wodurch sie der polnischen 
Nation ihre Ansprüche bekannt machten, besetzten die beanspruchten 
Lanrlstriche und drangen auf die Zusammenberufung eines außer- 
ordentlichen Reichstages, auf welchem die Ansprüche untersucht und die 
Abtretungskontrakte geschlossen und vollzogen werden sollten, was 
auch im Herbst 1773 geschah. 
Vom König Friedrich wurde die vorläufige Besitzergreifung von 
27 Städten, 9 Starosteyen und 520 Dörfern befohlen; das war die 
\V oywodschaft }Iarienburg mit Elbing, dem Stift Ermland, die 
\Voywodschaft Culm (ohne die Stadt Thorn) und der Strich Großpolens 
diesseits der Netze von der neumärkischen Grenze bis zur \Veichsel. 
In der betreffenden Instruktion heißt es: 
"Der Etatsminister und Oberburggraf des Königreichs Preußen, 
von Rhod und der Generalleutnant von Stutterheim sollen das pol- 
nische Preußen und die Distrikte von Großpolen diesseits der Ketze 
itn Namen des Königs in Besitz nehmen und von den Einwohnern die 
Huldigung leisten lassen." Die Instruktion hat 12 Artikel, die u. a. 
behandeln: 
Grenzbezeichnung mit Grenzpfählen, Schließung der Land- und 
Grodgerichte, Übernahme der Archive und Registrat.oren, Versiegelung 
der Objekte. [nsicherheitsstellung des Landesschatzes in 
Iarienburg, 
Bereitstellung der Bureaubeamten für Rhod. Das Konvokationspatent 
zur Erblandeshuldigung (homagium) in deutsch, lateinisch und pol- 
nisch soll auf die alleruniversellste Art publicirt und zu Jedermanns 
'Vissen gebracht werden. 
Die vorläufige Besitzergreifung beginnt mit dem 13. September 
1772, gleichzeitig die Aufrichtung der signa der Territorialhoheit. Das 
Patent wurde dem Erzbischof von Gnesen, den Bischöfen, 'Voywoden, 
Starosten, Edelleuten, }Iagistraten und Landstädten besonders zuge- 
stellt und durch Kommissarien in Begleitung von Kavalleristen, so 
im Netzedistrikt 1 Kornet und 12 Dragoner unter Trompetenschall 
überall verkündet, auch an allen öffentlichen Gebäuden und öffent- 
lichen Plätzen angeschlagen. Es begann: 'ViI' hoffen, daß die Republik 
Polen, wenn sie die Umstände und die so wohl begründeten Ansprüche 
näher eingesehen und erwogen haben wird, sich von selbst bedenken 
und sich hiernächst geneigt finden lassen wird, sich in der Güte mit uns 
zu setzen. 


7 


83
		

/neuere_bauwerke00084_0001.djvu

			)-Iit der Einverleibung des neuen Landesteiles, die formell erst im 
Herbst 1773 durch den Abtretungsvertrag endgültig vollzogen wurde 
und das Territorium Preußens um 1/ 5 , seine Seelenzahl um 1/10 und seine 
Einkünfte um 1/6 vermehrte, mußten sich mit ihm und auf ihm, dessen 
Bodenfläche zu 1/4 völlig unbebaut dalag, und dessen Bevölkerung zu 
3/ 5 Leibeigene und von der geringsten Bildung und sklavischer Gesinnung 
war, tiefgreifende Veränderungen vollziehen. Spöttisch hieß es damals: 
"Polonia confusione regnatur." Die polnische Regierung galt als die 
allerschlechteste. Das Königtum war nur noch ein Phantom. Der 
Adel und die Geistlichkeit waren die eigentlichen Gebieter. Die Edel- 
leute hatten alle nur erdenklichen Regalien - so wurden die Grod- 
gerichte von ihnen besetzt, und in 'Varschau hatte nur die Bestätigung 
der Richter zu erfolgen - und diejenigen Regalien, die ursprünglich 
der Krone vorbehalten geblieben, waren nach und nach in die Hände 
des Adels und der Geistlichkeit geraten, und so sah man keinc Spur 
mehr von königlichen Regalien und vom Fiskus überhaupt. 
Die Finanzen wurden nunmehr ganz anders verwaltet, Kammern 
und Ämter angelegt und die 9 Starosteyen (Kronengüter) und Kloster- 
güter eingezogen. Ein gleiches Geschick hatten die Besitzungen des 
in Ungnade gefallenen 
Iinisters Görne. Aus allem diesen wurden 
20 Domänengüter gemacht. Das Land wurde neu vermessen, katas- 
triert und kontribuiert, eine kolossale Arbeit, die dem König trotz 
der 18 dabei beschäftigten Ingenieure nicht schnell genug ging. 
Die Klostergüter mußten 50 0/0' die Bauern 33 1 /3 % und die Edel- 
leute 25 % des Ertrages ihrer Ländereien an Kontribution zahlen. 
In den Städten wurde, wo es anging, die berüchtigte Akzise eingeführt. 
In Fordon wurde die Provinzial-Zoll- und Akzise-Direktion eingerichtet, 
die allein an Zöllen von den Schiffen 75000 :\Iark jährlich abführte. 
Eine erlösende Tat war die Abschafflmg der Leibeigenschaft. Schon in 
der Kab.-Ordre vom l\lärz 1772 hieß es: "Die Unterthanen werden für 
freie Leute deklarirt und die Leibeigenschaft aufgehoben, auch der- 
gestalt gesetzet, daß kein Bauer die 'V oche hindurch mehr als drei Tage 
Hofdienst hat" und dann weiter in der Kab.-Ordre vom April 1772 
mit einer :Kuance von geringer Hoffnungsfreudigkeit : "Ich glaube, 
daß die Einwohner besonders in Pomerellen, welche meist polnischer 
:Nation, die ihnen zugedachte 'Vohlthatnicht nach ihrem wahren 'Verthe 
einsehen werden. Das sicherste :\Iittel, um diesen sklavischen Leuten 
bessere Begriffe und Sitten beizubringen, wird sein, solche mit der Zeit 


84
		

/neuere_bauwerke00085_0001.djvu

			mit Deutschen zu meliren." In diesem Punkte hat sich Friedrich getäuscht, 
ich brauche nur an das Fiasko der Bamberger 
Ielange zu erinnern. 
Unausgesetzt äußert sich die landesväterliche Liebe zu diesem 
unscheinbarsten, ohne Schwertstreich erworbenen Landesteil, seinem 
Schoßkind, das bisher das durch Ströme von Blut. an Preußen gekettete 
Schlesien gewesen war. Gustav Freitag äußert sich in seinen Bildern 
aus der deutschen Vergangenheit: Die verrotteten Zustände 'Yest- 
preußens waren ihm geradezu reizvoll. Er befahl neue Ackerkulturen, 
entsumpfte durch den neuen Kanal weite Landstrecken und besiedelte 
sie mit deutschen Kolonisten, zum großen Teil Kanalarbeitern, und 
warf eine Schar seiner besten Beamten ins Land hinein. Unablässig 
trieb der König, er lobte und schalt; wie groß auch der Eifer seiner 
Beamten war, sie vermochten selten ihm genug zu tun. 'Vie er auf den 
Schlachtfeldern seinen wilden Adel gelehrt hatte, daß es höchste Ehre 
sei, für das Vaterland zu sterben, so drückte sein unermüdliches pflicht- 
treues Sorgen auch dem kleinsten seiner Diener die große Idee in die 
Seele, daß er zuerst z um Be s ten seines Königs und des 
L an des z u leb e nun d z u ar bei t e n habe. 
"Quod be ne notandum. Dieses Alles wohl observirt in ihren Sachen! 
oder es wird scharf mit der Kamlner gehen. 
leine Ordres müssen 
exakt exekutirt werden, und keine Nachlässigkeit", schrieb im echt 
altfritzischen Lapidarstil der König einmal 1773 an die 
Iarienwerder- 
sche Kammer. Der Vorschlag seiner 3Iinister Herzberg und Finken- 
stein, eine interimistische Generalverwaltung für den neuen Landes- 
teil einzurichten, wurde mit den 'Vorten: "c'est mon affaire, ne vous 
en embarassez-pas" zurückgewiesen. 
Ich möchte hier kurz vorweg nehmen, wie der neue Verwaltungs- 
apparat eingerichtet und betrieben wurde. 
Dem Geheimen Finanzrat von Brenkenhoff wurde durch besondere 
Kab.-Ordre vom 4:. September 1772 die Besitzergreifung und B e - 
gr e n zu n g des Netzedistrikts übertragen.. Zu seiner Assistenz bekam 
er einen Kammerrat und später zwei Referendarien. Für das Katas- 
trierungsgeschäft konnte ihn1 das Generaldirektorium in Berlin nur mit 
vieler }Iühe einige abkömmliche Kammerräte sowie ein paar Land- 
räte ausfindig machen. Der König kargte mit Beamten. Bis 1775 blieb 
diese kleine Behörde in Bromberg eine Kriegs- und Domänenkammer- 
kommission. In diesem Jahre wurde sie eine Kammerdeputation, 
die unter dem Kammerpräsidenten in 
Iarienwerder stand. 1793 hatte 


7. 


85
		

/neuere_bauwerke00086_0001.djvu

			sie einen Kamnlerdirektor, sechs Räte, zwei Assessoren, einen Kanzlei- 
direktor, sechs Bureaubeamte, sechs Kanzellisten, einen Botenmeister 
und drei Boten, daneben die nötigen Kassen. Alles wurde kollegial 
bearbeitet. An vier Tagen der 'Y oche war Session. Der Kammer 
unterstanden vier Landräte in Krone, Kamin, Bromberg, Inowrazlaw 
und einige Steuerräte. 
In )Iarienwerder war die zweite größere Verwaltungsbehörde des 
neuen Landesteils, die westpreußische Kammer. Die beiden alten 
Kammern in Königsberg und Gumbinnen wurden mit den bei den 
neuen in :\[arienwerder und Bromberg zusammen einem Oberpräsi- 
denten von Domhardt, dem früheren verdienten Kammerpräsidenten 
in Königsberg, später unterstellt. 
Alle Kammern standen unter dem General-Ober-Finanz-Kriegs- 
und Domänenkammerdirektoriunl in Berlin, das schon Friedrichs 
Vater eingerichtet hatte. In dem neuen Landesteil war der amtliche 
Verkehr zwischen dem Kabinet und den Kammern ein direkter. 
\Vir wenden uns wieder der Besitzergreifung zu. Die Erblandes- 
huldigung hatte am 27. Septmnber 1772 im großen Ordensremter der 
l\Iarienburg stattgefunden. Ein Festessen beschloß die Feier. Proteste 
wurden nicht angenommen. Alle Anwesenden leisteten den Eid. 
l\ledaillen wurden verteilt, und 2000 Taler unter das Volk geworfen. 
Die nicht vertretenen armen Städte wurden später durch den 
Kommissarium Oberhof- und Landgerichtssekretarium Salomon 
successive aufgesucht, um ihnen das homagium abzunehmen. 
So weit war nun alles in Ordnung. Kur die Begrenzung des neuen 
LandesteilR nach Süden machte noch viel zu schaffen. 
Die Herstellung der Grenze, Vermessung, Aufrichtung der Hoheits- 
zeichen und Herstellung der Grenzkarten war der Bromberger Kammer- 
komrnission aufgetragen. Sechs besonders ausgesuchte Kondukteurs, 
darunter Ilgner, Dornstein, Gerth und die Gebr. Grund führten unter 
dem Landbaumeister Schultze in Landsberg diese Arbeiten aus. Zur 
Charakteristik der Zeit und zur Würdigung der Kurialien diene der 
folgende 'Y ortlaut eines Schreibens dieses Beamten an Brenkenhoff: 
Hochwohlgeborener Herr I 
Insonders Hoch zu gebiethender Herr Geheimder Ober Finantz Rath! 
Gnädiger Herr I 
Es hat der Kondukteur Gerth, so diesen Herbst die Grenze ver- 
messen, seine Liquidation noch nicht bezahlt erhalten, welche ich 


86
		

/neuere_bauwerke00087_0001.djvu

			Ew. Hochwohlgeboren hiermit gantz unterthänig überreiche und bitte 
doch so gnädig zu seyn und solche zur Auszahlung zu assigniren; und 
ersterbe in tiefster Submission 
Euer Hochwohlgeboren Gnaden 
ganz unterthänigster rrreu gehorsamster Knecht 
S c h u I t z e. 
Landsberg a.i'V., den 14:. :\Iay 1773. 
Die Kondukteure bekamen 1 Taler, die 
\.rbeiter 6 Groschen 
für den Tag. 34:-! Grenzpfähle, Nr. 1 auf der Neuteicher Feld- 
mark bei Filehne, NI'. 34:4 bei Schulitz an der 'Veichsel, waren zu- 
nächst zu setzen, aber nicht als definitivum, denn es wurde die 
Grenze dreimal extendieret. 
Das Bestreben des Königs, bei der Grenzeziehung möglichst weit 
auszuholen, wurde durch den labilen Wortlaut des Abtretungs- 
vertrages unterstützt. 
Der Tanz beginnt mit der Einbeziehung des Landes auf dem liuken 
Ufer der Ketze. In einer Yerfügung vom 17. Dezember 1772 von 
Brenkenhoff an den Kammerrat Schönwaldt heißt es: "Die Haupt 
braut, um die wir tantzen, sind die Starostcydörfer von der Starostey 
Uscie. Diese müssen mit sänltlichen 'Valdungen, Dörfern und Feld- 
marken eingehügelt werden, auch die ganze Waldung und Feldmark 
von Czarnikau." 
Der politische, dem Kammerrat unterstellte Beamte für die Grenz- 
berichtigung war der Landra1 v. Sacken, ein ehemaliger Hauptmann, 
dip rechte Hand Brenkenhoffs und für die verzwicktesten Geschäfte 
geeignet. 
Inzwischen hatte die Generalin, Gräfin v. Skorzewska, die auch 
in der Nähe von Samotschin Besitzungen, darunter 
Iargonin und 
)Iargoninsdorf hatte, den auf einer Grenzrevisionsreise in Samotschin 
befindlichen Geheimrat Brenkenhoff dort aufgesucht und ihn flehentlich 
gebeten, da sie bei der jetzigen Grenzlage mit ihren Gütern Bartschin 
und Labischin in Polen verbliebe, während sie mit ihren westlichen 
Gütern Preußin geworden sei, und bei ihrer gut preußischen Gesinnung 
die Rache des \Varschauer Hofes zu befürchten habe, die Grenze doch 
über ihre östlichen Besitzungen hinaus auszudehnen. So geschah es 
auch. Die Generalin durfte sich in Potsdam beim König dafür persönlich 
bedanken. Es wurden hierbei 15 Städte und 516 Dörfer mit 50 000 
Seelen gewonnen. 


87
		

/neuere_bauwerke00088_0001.djvu

			In den folgenden Kab.-Ordres spiegelt sich die Sachlage wieder. 
In der Kab.-Ordre vom 15. Dezember 1772 drängt der König aus 
Anlaß von Beschwerden einzelner Edelleute, Bauern und Holländer, 
die mit ihrem Besitz teils diesseits teils jenseits der Grenze zu liegen 
kommen und gern mit ihrem ganzen Besitz preußisch sein wollten, 
dazu, daß die Grenze weiter ausgedehnt wird. Friedrich war aber 
doch sehr vorsichtig, denn Brenkenhoff sollte die Sache so einrichten, 
daß, falls das Unternehmen auf 'Viderstand stoßen sollte oder Irrungen 
daraus entstehen sollten, niemandem deswegen eine Schuld beizu- 
messen seI. 
Kab.-Ordre Charlottenburg, 25. April 1773: 
Bester besonders lieber Getreuer I 
Es ist ganz recht, wenn Ihr Inhalts Eures Berichts vom 
22ten dieses die jenseits der Netze von dem Ursprung dieses 
Flusses an bis nach Schulitz durch den Landrat v. Sacken rectifi- 
cirte Grenze beibehalten habt, und mir zugleich ganz lieb, daß 
laut der von diesem solchergestalt erweiterten Distrikte da bey 
gefügten Nachweisung der Seelenzahl ungleich beträchtlicher als ich 
solche anfangs wohl gegla.ubt habe, ausfällt, welche sich dann auch 
noch sehr merklich vermehren wird . . . . . . . .. Übrigens werdet Ihr 
nunmehr solches und die Ka.nalarbeit Euer Hauptbeschäftigung 
seyn lassen und daß dieser im kommenden Herbst völlig zu 
Stande gebracht werde, Euren besten Fleiß und Aufmerksamkeit 
anwenden. Ich bin Euer gnädiger König. 
Als nun Friedrich, durch seine bisherigen Grenzerfolge kühn geworden, 
177! zum dritten l\Iale eine Grenzerweiterung ausführte, die Netze 
weit hinauf bis zum Goplosee mit einem Zuwachs von 13 Städten und 
350 Dörfern mit 18 000 Seelen und sich in Inowrazlaw vor seinem 
Kommissar Brenkenhoff huldigen lassen wollte, kam es dieserhalb zum 
Bruch mit dem Hofe in 'Yarschau und Friedrich mußte in einem 1775 
abgeschlossenen Vergleich einen Teil dieses Zuwachses wieder an Polen 
zurückgeben. 
Wenden wir uns nun zum Schluß dem BI'O m bel' ger 
K a n alb a u zu, der bei seiner jetzigen mit einer ganz anderen wie 
beim Neubau betriebenen Technik ausgeführten Erweiterung und 
Umlegung ihr besonderes Interesse beanspruchen dürfte. Brenkenhoff 
hatte durch den zur speziellen Projektaufstellung herangezogenen 
Bauinspektor Dornstein aus :\Iühlrose die Kosten auf 2%, ::\Iillionen 


88
		

/neuere_bauwerke00089_0001.djvu

			Iark ermitteln lassen. Hierbei war das Bauholz nicht eingerechnet. 
Es wurde aus den fiskalischen Forsten geliefert, teils auch nach Kriegs- 
gebrauch beschlagnahmt. So nahm der )Iajor von Pannwitz auf der 
Brahe liegende Hölzer einfach für den König und seine Kanalbauten 
in Anspruch. (Das Holz war im Überfluß vorhanden und sehr billig. 
Ein großer Fichtenstamm kostete 12 bis 16 Groschen.) 
Für den 27 km langen Kanal waren ] 0 Schleusen vorgesehen, mit 
einer Scheitelhaltung (dem sogenannten langen Trödel) und zwei Ab. 
stiegen ostwärts zur 'Veichsel und westwärts zur Netze. Der Scheitel- 
haltung wurde das Speisewasser durch einen bei Rynarczewo (jetzt 
Netzwalde) von der Xetze abzweigenden und bei Fuchsschwanz münden- 
den neuen Kanal, der später zu Schiffahrtszwecken eingerichtet wurde, 
zugeführt. Als der König die Ausführung befahl, waren noch gewaltige 
Aufgaben zu erfüllen, ehe man ans Werk gehen konnte. Fehlte es doch 
so ziemlich an allem, an brauchbaren Arbeitern, Handwerkern und 
Baugeräten. Schneidemühlen und Ziegeleien mußten erst angelegt, 
sowie zur Heranziehung, Unterbringung und Verpflegung der 8-]0000 
Arbeiter in dem öden Lande die umfassendsten :\Iaßnahmen getroffen 
werden. Doch schon im Frühjahr 1773 konnte mit dem Bau begonnen 
werden und Ende September ] 773 waren die Erdarbeiten trotz der 
Schwierigkeiten der Bauausführung in dem tiefen schwimmend{'n 
Bruche und trotz des Ausbruches von Seuchen unter den Arbeitern im 
wesentlichen fertiggestellt. Das Kanalprofil war oben 19,0 m, in der 
Sohle 8,5 m breit und die normale 'Yassertiefe betrug 1,0 m. Der Speisc- 
wassergraben aus der Netze wurde im Herbst in Angriff genomlnen, 
und im Frühjahr 177 -! waren auch die Schleusen fertig. Über der im 
Juni versuchten ersten Durchschleusung zweier von der Netze kommen- 
den Kähne waltete beim Abstieg zur Brahe ein Unstern, da an der 
7. Schleuse infolge Nachgebens der zu kurzen Querspundwand der 
Unterdrempel nachgab. Außerdem hob sich im langen Trödel (der 
Scheitelhaltung) die Sohle auf mehrere Kilometer Länge derartig, 
daß Schiffe nicht mehr durchkamen. Auch zeigten sich an einigen 
anderen hölzernen Schleusen bedenkliche 1tlängel, denen durch nach- 
trägliches Einziehen von E.rdankern abgeholfen werden konnte. Im 
September 177 -! gelangten die ersten 13 Kähne glücklich durch den 
Kanal bis Bromberg. Der Kanalbau hatte etwa 1
 Jahre gedauert, 
ein glänzendes Zeugnis für die Tatkraft der Beteiligten. Er kostete 
rund 2 1 / 20 l\Iillionen Mark (ausschließlich Bauholz). Brenkenhoff soll 


89
		

/neuere_bauwerke00090_0001.djvu

			einen Teil der Kosten durch Ertrag e1ner Getreidespekulation haben 
decken können. 
Es konnte bei dem Hasten und Drängen mit dem der Kanal und seine 
Kunstbauten ausgeführ1 wurden und bei dem empirischen Charakter 
der damaligen Ingenieurkunst nicht ausbleiben, daß später noch Ver- 
besserungen und Ergänzungen vorgenommen werden mußten. So war die 
Lage des Wasserspiegels der Scheitclhaltung zu hoch und gab zu starken 
Wasserverlusten in dem durchquerten Bruch Anlaß, ein Übelstand, der 
durch eine wesentliche Tieferlegung des 'Vasserspiegels der Scheitel- 
haltung bei dem neuesten Kanalausbau beseitigt werden dürfte. 
Ein wichtiger Punkt für den Getreidehandel war Fordon. Nach hier 
kamen die Schiffe von oben aus Polen im Juni und Juli bei ihrer Reise 
nach Danzig und Elbing. Oft lagen hier 70 bis 80 solcher Schiffe auf 
der \Veichsel und warteten auf Aufkäufer, zu denen auch die Königlichen 
Kommissare gehörten, welche die Fouragemagazine zu füllen hatten. 
Dies konnte nunmehr mittels des neuen Kanals auf dem 'Vasserwege, 
der bis nach Stettin und Berlin reichte, geschehen. Diese Verfrachtungen 
von Getreide machten mit derjenigen des Königlichen Frachtguts von 
Graudenz nach Berlin die Hälfte aller Kanalverfrachtungen aus. Im 
Jahre 1787/88 verkehrten 500 Schiffe auf dem Kanal. Um seine 
Benutzung zu soulagieren, hatte der König befohlen, daß nur sovie] 
Abgaben erhoben werden sollten, wie die Unterhaltungskosten (Bau- 
werke und Schleusenbedienung) erforderten. Für die Hinfahrt zahlte 
der Schiffer (500-600 Zentner Tragfähigkeit, nach dem Tarif durften 
nur 24 Wispel Getreide geladen werden) 5 Taler, für die Rückfahrt 
die Hälfte. In den ersten Jahren kamen 3500 Taler ein, die Unter- 
haltungskosten betrugen 4000 Taler. 
An den Bau des Kanals schloß sich auch eine Säuberung der Unter- 
brahe von großen Steinen und eine bessere Räumung der unteren Netze 
und Küddow an. Es lag nahe, und die Frage ist auch von Brenkenhoff 
angeregt ,worden, im Anschluß an den Ka.nal auch die obere Netze zu 
regulieren und zur Schiffahrtsstraße auszubauen, um dem Getreide 
aus dem fruchtbaren Kujawien einen bequemeren Absatz auf dem 
\Vasserwege zu verschaffen. Dam8Js unterblieb die Regulierung und 
der Ausbau der \Yasserstraße. Er erfolgte erst Endf' der 80er Jahre 
des vorigen Jahrhunderts. 
Dafür wurde noch zu Friedrichs Zeiten mit 70 000 Talern Kosten- 
aufwand ein großes ::\Ieliorationswerk, die Senkung des Goplosees, 


90
		

/neuere_bauwerke00091_0001.djvu

			unternommen, durch welche wohl tausende l\Iorgen von \Viesen und 
Ackerland gewonnen wurden und die Landeskultur verbessert wurde, 
aber auf Kosten der Schiffahrtsinteressen und Speisung des Bromberger 
Kanals, für den der ungesenkte Goplosee ein ausgezeichnetes Speise- 
wasserbecken gewesen war. 
Zur Hebung des neUf'n Landesteils zog der große König alle Gebiete 
menschlicher Kultur heran. Unausgesetzt war er bemüht, aus der 
Fremde kommende tüchtige Handwerker und Arbeiter mit Haus und 
Herd zu beschenken und sie seßhaft und heimisch zu machen in seinen 
westpreußischen Staaten. Er wollte nicht nur eine Vermehrung der 
westpreußischen Bevölkerung und der Steuerkraft erzielen. Nein! 
Sein in die Tiefe des Menschen- und Staatenlebens schauender Blick 
richtete sich bei der erstrebten Volksvermehrung auf den Z u w ach s 
von gut e n B ü r ger n ! Friedrich wollte zwischen die lässigen 
Eingesessenen rührige Deutsche bringen, die sich des sittlichen Adels 
der Arbeit bewußt waren. Er wollte ihnen allen die Überzeugung 
beibringen, daß. ein e m a t e r i e 11 e G run dia gen ich t 0 h n e 
weiteres einem Volk zur Blüte verhilft, sondern 
daß die sittlichen l\Iomente es sind, die den 
Familien und dem Staate ihre rechte Konsistenz 
g e ben. N ach sol c h e n t r e u e n s ich e ren S t ü t zen 
der staatlichen Ordnung und der bürgerlichen 
Gesellschaft strebte er als unnachahmlicher 
1\1 i n ist erd e s H a n deI s und der L a n d wir t s c h a f t 
und u n ver g lei chi ich e r 0 r g a n isa tor der A r bei t. 
Sein Andenken sei gesegnet! 


--_....

 


-.....

. - 
. .\0-115- 
'-l
 
\\. 
...
 

 

 i' 


./, 
--,.:. 
" 
........r' _'" 

 
'i- 

 -"'
__ - 
','::" 
_"".j..i.:/ _ _
 
, i/IIoJltl"'J-
 
/. '. _."".J 
.' . 
 -;'-J
 


"-£-+ . 


91